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Swords & Wizardry 3rd Printing (Kickstarter) [Rant & Philosophie?]

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D. M_Athair:
Ich hab lange überlegt, wo ich das schreiben soll. Ursprünglich hatte ich es im Kommentarfeld auf Teylens Blog zur aktuellen Crowdfunding-Übersicht geschreiben. Dann hatte ich kurz überlegt, ob ich mein Blog zur Veröffentlichung nehmen soll. Das fand ich aber irgendwie auch doof ... also hier:

Es geht um die dritte Printauflage von Swords & Wizardry Complete, das gerade auf Kickstarter gefundet wird:


Zunächst: Hier der Blogeintrag von Teylen.
Ich zitiere das Wesentliche:

--- Zitat ---In Zusammenarbeit mit Stacy Dellorfano, welche auch die Projektführung hat, stellte man ein rein weibliches Team an Künstlern sowie Layoutern zusammen. Einerseits mochte man damit eine erweiterte Gruppe von Spielern und Interessierten ansprechen, nicht nur weibliche Personen. Andererseits darüber neue, Leute mit unterschiedlichen Hintergründe für neue Projekte finden sowie fördern. Dabei war Stacy sowie dem Team durchaus wichtig keine „rosa Version“ draus zu machen.
--- Ende Zitat ---

Hmmm ... Swords & Wizardry Complete 3rd finde ich "interessant". Im positiven wie im negativen Sinn. Das erste, was mir auffällt ist, dass ich das Cover seltsam finde. Es sieht aus wie eine bessere Version des Covers des österreichische RSP "Scath - Shadow of the Fomori", das vor nem Jahr erschienen ist. Das S&W-Cover sieht zwar nicht schlecht aus, ist aber nichts, was ich mit S&W verbinden würde. Ich würde da ein mythisches oder Horror-RPG erwarten. Irgendwas zwischen Keltia, Mythic Britain und Kult, CHANGELING, ...


Ansonsten finde ich das Artwork ... eher naja. Das Spiel bekommt diese blöden Zierränder, die in den 80ern aufkamen und als Phämomen - völlig zu Recht - Mitte der 2000er ausstarben. Warum man hier diese Ver-un-zierung exhumiert, die a) vom Lesen ablenkt und b) dem Text die Luft zum Atmen nimmt, ist mir völlig schleierhaft. Das, was wahrscheinlich die neuen Klassenbilder werden, ist großartig.

Insgesamt geht das Artwork geht mMn schon sehr in die Richtung "creepy" und "haunting". Ob man damit jüngere Spieler - jenseits der Gothic Ecke - ansprechen kann? Manche der Bilder zeigen zudem das unangenehme Phänomen, dass die "Gruppenzugehörigkeit" der Zeichnerin in der Illu voll durchscheint - obwohl was anderes dargestellt werden sollte. Gefällt mir gar nicht und ist - gerade wenn man sich "Inklusivität" auf die Fahne geschrieben hat problematisch. Da frag ich mich dann jedes Mal: "Warum zum Henker konntet ihr nicht mit einem entsprechend diversen Team arbeiten, das sowas bemerkt?"
Die Beklagte ist hier.


Das Projekt ist mMn komisch aufgezogen. Während ich die Intension grundsätzlich total gut finde, so ist der Ansatz von der Prämisse her seltsam:

--- Zitat ---[...] the fact that many OSR games have a physical appearance and presentation that really targets the 40 year old guys who’ve been gaming since forever, and doesn’t have nearly as much appeal to younger or female gamers of the generations following that first wave of players from the 1980s.
--- Ende Zitat ---

Ich hab Labyrinth Lord in der pinken Version mit Frauen und Männern gespielt, wovon niemand annähernd 40 war. Ich erinnere mich an keine negativen Reaktionen auf das "Artwork". Manche haben sich das Spiel danach sogar gekauft. Natürlich ist das nur ne Anekdote, aber es ist eben meine Wahrnehmung.

Mein Fazit: Mir ist völlig schleierhaft, wie Frog God Games mit der Ausgabe ihr Ziel erreichen wollen. Die Illus unterscheiden sich in Stil und Machart kaum von der 2.Auflage. "Genderspezifische Schwierigkeiten" werden - wenn überhaupt - nur verschoben. Und was an einem "all female team" besonders inklusiv sein soll, erschließt sich mir auch nicht.


Ob das ganze nur ne Marketing-Kampagne ist, ohne Substanz?

Wahrscheinlich. Stacys Blogartikel gibt davon einen viel besseren Einblick, was das Projekt eigentlich soll, als der KS-Pitch.


Die Aussage ist kurz gefasst:
"So hätte D&D in den 70ern aussehen können/müssen, damit wir uns als Frauen willkommen gefühlt hätten."

MMn ist das vom Ansatz her was völlig anderes. Es hat dann nicht mehr zwangsläufig was damit zu tun, wie sich die OSR heute präsentiert. (Wozu ja auch die DCC "Band" mit Shanna, Hugh, Cuck, ... den Rest der Namen hab ich vergessen, zählen.)
Und so betrachtet macht das 3rd Printing erstaunlich viel Sinn. Es muss mir nicht gefallen, aber ich kann das würdigen. Die Intension ist dann: "Wir als Frauen gestalten das Spiel so, dass es uns gefällt - und den Altfans hoffentlich auch."
Der Disconnect, die kognitive Dissonanz ... ist dann plötzlich weg. Anders gesagt: "Böse Krötengötter, euer Pitch ist Mist."




[Hier noch ein kurzer Exkurs zu Frauen, Konsum und Rollenspiel von Stacy.]

Samael:
Interessant. Den ersten verlinkten Text von Stacy kann ich nachvollziehen, den zweiten nicht so ganz. Das Cover finde ich allerdings eher meh.

6:

--- Zitat von: Clausustus Doom Occulta am 12.10.2016 | 01:58 ---Mein Fazit: Mir ist völlig schleierhaft, wie Frog God Games mit der Ausgabe ihr Ziel erreichen wollen. Die Illus unterscheiden sich in Stil und Machart kaum von der 2.Auflage. "Genderspezifische Schwierigkeiten" werden - wenn überhaupt - nur verschoben. Und was an einem "all female team" besonders inklusiv sein soll, erschließt sich mir auch nicht.

--- Ende Zitat ---
Sie wollen diejenigen erreichen, die Anfang der 90-er mit der World of Darkness & Co zum Rollenspiel dazugekommen sind. Sie wollen also die OSR in 90-er Generation tragen (Und die sind ca. ne Dekade jünger als die Grognards, die aus der Designer Sicht aktuell von der OSR angesprochen wird).
Du machst den Fehler von "jünger" auf "modern" zu schliessen. Da geht es einfach nur um eine Generation nach den Grognards.

Chiarina:

--- Zitat von: Stacy ---The covers for the WoD books grabbed me from the start because they were a departure from the norm.
--- Ende Zitat ---

Nagut. Lassen wir´s mal gelten. Gegen die Norm muss aber ja nicht unbedingt heißen, dass mir das auch gefällt.

Das erste Rollenspiel mit einem Cover gegen die Norm, das mir gefallen hat, war jedenfalls Chill (Mayfair Games Ausgabe, 1990). Das WoD Cover fand ich sterbenslangweilig, das Chill Ding aber aufregend.

D. M_Athair:

--- Zitat von: 6 am 12.10.2016 | 07:30 ---Du machst den Fehler von "jünger" auf "modern" zu schliessen. Da geht es einfach nur um eine Generation nach den Grognards.

--- Ende Zitat ---
Das macht durchaus Sinn. Das, was auf der KS-Seite steht macht trotzdem nicht viel Sinn. Die Neunziger-Generation ist jetzt mehrheitlich! so zwischen 36 und 46 Jahre1 alt. Das liegt von der Marke, 40+ gar nicht fern.

Ich würde ja unter "jünger" verstehen: "Alle Altersgruppen von 40 bis zu dem Alter, in dem RSP angefangen werden (sagen wir 15)".
Und ich sehe immer noch keinen Lese-/Verständnisfehler meinerseits, sondern ein verunglücktes "write-up" der Kampagne.

Grundsätzlich ist es gar keine dumme Idee, die WoD-Crowd auf OSR-Spiele aufmerksam zu machen. Ich sehe dadurchaus regelseitig Berührungspunkte, gerade zu V:tM 1st (wo City-Sandbox und R-Maps schon recht prominent waren). Doch: Die WoD war mMn weder so inklusiv, wie das für S&W 3rd Printing als Ziel ausgewiesen wurde, noch war sie das alles bestimmende Rollenspiel. Star Wars d6, 7th Sea, L5R, Earthdawn, Shadowrun, Cyberpunk 2020, WFRP (Hogshead), GURPS, HERO, Elric!, Rolemaster Standard System, Fading Suns ... waren in der Zeit so unwichtig nicht.

Ungünstig finde ich auch, dass man - für das Verständnis der Kampagne - Stacy Dellorfano irgendwie kennen muss. Entweder über ihr Blog oder von woanders her. (Ohne die Kenntnis des Kontextes kann das ganze - trotz gegenteiliger Aussagen - wie eine "gesellschaftspolitische Maßnahme" nach dem Motto "Frauen an die Macht, Männer auf den Boden ... und für Minderheiten sprechen wir sowieso" aussehen. Und genau das soll es ja nicht sein. Der Emanzipationsgedanke ist ganz anders in die Kampagne eingebaut.)

Ich finds halt schade, der der KS-Pitch meilenweit an dem vorbei geht, was der Neudruck eigentlich sein will.


1 Alter: (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)36, da Stacy von den Millenials als "anderer Generation" spricht und 46 weil die zweite große Einsteigerphase mit Anfang 20 bei Studienbeginn ist.

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