Autor Thema: Wieviel Paladine dienen einer Religion? Zahlenmäßige Ordensbildung  (Gelesen 774 mal)

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Offline Feuersänger

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Wie gesagt, wenn man sagt "Paladin ist einfach nur ein Titel", so wie Wachtmeister oder Lektor oder Amtsrat, dann ist es auch egal wieviele von ihnen es gibt. Ich denke, im Sinne dieses Threads ist es schon so zu denken, dass ein Paladin besondere Kräfte oder zu allerallermindest besondere Aufgaben oder Befugnisse hat.

Was da weiter oben jemand von "freien Radikalen" geschrieben hat, hat mir gut gefallen. Das finde ich einen guten Ansatz, wenn sie denn schon offiziell Teil einer (zumal geistlichen) Organisation sein müssen.

Ich weiss auch gar nicht, wann und warum sich die Vorstellung festgesetzt hat, Paladine gehörten immer einer Kirche an und seien besondere Gotteskrieger. Aus dem historisch-legendären Paladinbegriff jedenfalls nicht. Da waren Paladine zuallererst besondere Gefolgsleute des Kaisers oder Königs. Dass für diese dann im Lauf des Mittelalters der starke Glaube herausgestellt wurde: okay, das galt aber wiederum für eigentlich jeden. Und mit göttlichen Kräften war auch nicht wirklich so viel los. Wo kommt das also her?
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Ich weiss auch gar nicht, wann und warum sich die Vorstellung festgesetzt hat, Paladine gehörten immer einer Kirche an und seien besondere Gotteskrieger. Aus dem historisch-legendären Paladinbegriff jedenfalls nicht. Da waren Paladine zuallererst besondere Gefolgsleute des Kaisers oder Königs. Dass für diese dann im Lauf des Mittelalters der starke Glaube herausgestellt wurde: okay, das galt aber wiederum für eigentlich jeden. Und mit göttlichen Kräften war auch nicht wirklich so viel los. Wo kommt das also her?

Was mir mal so an mittelalterlichen Sagen und Legenden untergekommen ist, war ja seinerseits nicht ganz frei von Wundern und Magie -- bis hin zu irgendeiner Schlacht, in der buchstäblich himmlische Heerscharen eingegriffen haben sollen, um der christlichen Seite zum Sieg zu verhelfen, auch wenn ich mich gerade nicht entsinne, in welcher Erzählung genau das war. Aber als so ziemlich das Urbeispiel des reinen quasi-heiligen Ritters, an dem sich der Paladin ein Stück weit orientiert, verdächtige ich in erster Linie einen gewissen Herrn Galahad aus der Artussage...der dann allerdings natürlich nicht zu einem eigenen Paladinorden gehört, (auch wenn er in die Tafelrunde mit aufgenommen wird, die dann ja aber wieder "einfach nur" Artuses persönliche Gefolgschaft verkörpert), sondern eben der große Ausnahmefall mit der Bestimmung ist, daß er als einziger den Gral überhaupt finden wird.

Das ist für mich denn auch ein Haken am Gedanken von Paladinen als "berufsmäßige" heilige Krieger; ausdrückliche göttliche Auswahl samt womöglich der Verleihung besonderer Kräfte (die zumindest die englischsprachige Wikipedia in einem Nebensatz tatsächlich auch Galahad zuschreibt) ist einerseits nichts, was sich von sterblicher Seite irgendwie groß erzwingen ließe, und andererseits ist längst nicht garantiert, daß alle solchen Auserwählten im Anschluß zuverlässig einem berechenbaren Standardpfad folgen -- schließlich kommt da zur normalen menschlichen (und ggf. sonstigen) Individualität noch die Tatsache, daß der göttliche Ratschluß jedem einzelnen dieser Auserwählten durchaus unterschiedliche Aufgaben zugedacht haben mag...

Natürlich gibt's in meiner Vorstellung dann immer noch die Option, daß auch die wenigsten Priester und sonstigen Gottesdiener ihrerseits besonders vom Himmel hoch "auserlesen" sind, sondern daß das Lernen von bekenntnisgerechter, aber trotzdem recht weltlicher Magie einfach zu ihrer normalen Ausbildung zwecks Ausübung ihrer Arbeit gehört. In dem Fall ließe sich die Praxis dann allerdings leicht auch auf geeignet begabte Kämpferkandidaten aus der eigenen Glaubensgemeinschaft ausdehnen, ohne daß sich das noch großartig beißen würde.

Offline ghoul

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Ich weiss auch gar nicht, wann und warum sich die Vorstellung festgesetzt hat, Paladine gehörten immer einer Kirche an und seien besondere Gotteskrieger. Aus dem historisch-legendären Paladinbegriff jedenfalls nicht. Da waren Paladine zuallererst besondere Gefolgsleute des Kaisers oder Königs. Dass für diese dann im Lauf des Mittelalters der starke Glaube herausgestellt wurde: okay, das galt aber wiederum für eigentlich jeden. Und mit göttlichen Kräften war auch nicht wirklich so viel los. Wo kommt das also her?

Siehe Anhang N vom DMG:
Poul Anderson: Dreiherz (Three Hearts and three Lions).
Allerdings ist die Personnage Holger kein Gotteskrieger, sondern ein Paladin der kosmischen Ordnung.
Insofern ist es durchaus eine Verengung, den D&D-Paladin einer spezifischen Gottheit zuzuweisen.
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Offline Aedin Madasohn

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... seien besondere Gotteskrieger. Aus dem historisch-legendären Paladinbegriff jedenfalls nicht. Da waren Paladine zuallererst besondere Gefolgsleute des Kaisers oder Königs. Dass für diese dann im Lauf des Mittelalters der starke Glaube herausgestellt wurde: okay, das galt aber wiederum für eigentlich jeden. Und mit göttlichen Kräften war auch nicht wirklich so viel los.

Da waren Paladine zuallererst besondere Gefolgsleute des Kaisers oder Königs
das kommt von den spätantiken Herrschern
Karl der Große sah sich in deren Tradition
die Heldenlyrik seines Hofes übernahm diesen lateinischen Begriff für "fränkische Recken"
https://de.wikipedia.org/wiki/Chanson_de_geste

Und mit göttlichen Kräften war auch nicht wirklich so viel los
übermenschliche Kräfte/Geschick in der Schlacht/Ausdauer und so fort waren schon immer Bestandteil der Heldengesänge
nicht immer wird regelkonsistent erklärt, WOHER diese Recken der Heldenzeit ihre Kräfte herhätten
Herakles durfte noch der Sohn von Zeus sein
andere waren (ur)Enkel von Aphrodite, Wotan, dem (Ur)Heng(i)st, der Walküre...wie auch immer
der frühwalisische Arthur war mit seiner Warband "einfach" nur "der Held" - ob er einfach so schon "funktionierte" oder die Klosterzensur alles zu offensichtlich nichtdchristliche unterdrückte?
mangels Quellen eine geschlossene Nebelwand, sucht es auch nach belieben aus

später wurde sehr konsequent alles auf den christlichen Gott gemünzt und bezogen
Artusroman etwa und seine Tafelrunde.
Wem es hier an sittlicher Reife mangelte, der versagte nachher in seinen Questen (und durfte den heiligen Gral nicht erlangen)
Auch sonst wurden die Tafelritter genüßlich durch den menschlichen Zwiespalt aus hoher Ehtik und menschlicher Libido gezogen.
Etwa Gawain und der grüne Ritter

kurzum, das Motiv, dass die Superkräfte eines Heldenritters verpuffen, wenn er unkeusch-unethisch handelt, ist hier schon angelegt.
Über allem waltet dann die letzte Instanz: Gott
Hochmittelalterliche Ritterromane beginnen damit, im Spätmittelalterritterroman ist der Fall der Tafelrunderitter dann das amtierende Game of Throne (mit shock!ngs sells)

tja...

bei D&D Kleriker stand wohl mehr der Exorzistenpfarrer und Gesundbeter pate
um dann mit Powarsz prestige-Schwert/ikonisch-Hammer zu führen die geistlichen Ritterorden des Mittelalters
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Offline Ainor

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Im 2E Paladinhandbuch stand zu Demographie von Paladinen:

It's fair to say that most campaigns have fewer paladins than any other character class.

Das wird begründet durch die hohen Attributsanforderungen, die strikten Regeln, und die geringe Lebenserwartung.

Ich glaube das Verständniss war immer das Paladin nicht einfach nur ein Job ist.

kurzum, das Motiv, dass die Superkräfte eines Heldenritters verpuffen, wenn er unkeusch-unethisch handelt, ist hier schon angelegt.
Über allem waltet dann die letzte Instanz: Gott

Das Prinzip ist eigentlich nicht neu. Schon bei den Griechen gewann wer die Götter auf seiner Seite hatte bzw verlor wer sie erzürnt hatte.

In 3E sind die Anforderungen zwar nicht mehr offiziell ausformuliert, aber in der Praxis sind sie halt MAD wie die Seuche. (Dass sie dann auch noch in 3.0 extrem scheisse waren und in 3.5 nur mit viel viel Splat-Sauce gut werden konnten, trug auch nicht zu ihrer Verbreitung bei. Es gab schlicht keine spielerische Incentive, eine Klasse mit entsetzlicher MAD und extrem schwachbrüstigen Fähigkeiten, aber dafür eingebautem Selbstzerstörungsknopf zu wählen.)

Das Originalsystem der Attribute in 3E ist ja 4w6 würfeln. Da spielt man einen Paladin wenn man gut gewürfelt hat, denn im Gegensatz zum Fighter bekommt er halt für Charisma echt was dazu. Aber da sich Point buy mehr und mehr durchgesetzt hatte gab es keine gut gewürfelt Charaktere mehr, entsprechend machte der Paladin dann auch weniger Sinn.
Es wird zu viel darüber geredet wie gewürfelt werden soll, und zu wenig darüber wie oft.
Im Rollenspiel ist auch hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie zu unterscheiden.
Meine 5E Birthright Kampagne: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,122998.0.html

Offline Feuersänger

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Poul Anderson: Dreiherz (Three Hearts and three Lions).
Allerdings ist die Personnage Holger kein Gotteskrieger, sondern ein Paladin der kosmischen Ordnung.

Oh, da muss ich wohl mal zusehen ob ich das Buch auftreiben kann. ^^ Das mit der kosmischen Ordnung gefällt mir, ungefähr so interpretiere ich Pallys ja in meinem Setting auch.

Das Originalsystem der Attribute in 3E ist ja 4w6 würfeln. Da spielt man einen Paladin wenn man gut gewürfelt hat, denn im Gegensatz zum Fighter bekommt er halt für Charisma echt was dazu. Aber da sich Point buy mehr und mehr durchgesetzt hatte gab es keine gut gewürfelt Charaktere mehr, entsprechend machte der Paladin dann auch weniger Sinn.

In der Grundsache richtig, wobei ich halt finde dass der 3.0-Paladin auch mit hohen (gewürfelten) Stats immer noch schwach ist, weil halt einfach die Fähigkeiten viel zu schmalspurig und begrenzt sind. Aber so oder so lässt sich die Seltenheit aus der Generierung erklären: wird gewürfelt, gibt es wenige Paladine weil man halt nur alle 1000mal ein geeignetes Array rauswürfelt. Und andererseits beim altmodischen 3.0 PB 25 muss man schon Masochist sein, um sich die Klasse anzutun. _Und_ dabei ist ja "4d6 drop lowest" schon ein Privileg für besondere Charaktere, während man für das Gros der Weltbevölkerung weiterhin von 3d6 ausgehen kann.
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Das Buch kann ich echt empfehlen. Nicht nur der D&D-Paladin ist ihm entsprungen, auch die Schwanenmaid und der Troll.
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Offline Ainor

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In der Grundsache richtig, wobei ich halt finde dass der 3.0-Paladin auch mit hohen (gewürfelten) Stats immer noch schwach ist, weil halt einfach die Fähigkeiten viel zu schmalspurig und begrenzt sind.

Naja, 3.0 Balance ist ein anderes Thema. Der Punkt ist halt dass es eine "Klasse für Leute die ECHT gut gewürfelt haben" war und durch den Übergang zu Point Buy zu sowas wie einer "Klasse für Masochisten" wurde.

Aber das ist ja später repariert worden. Insofern war die Schwäche der 3E Paladine einfach ein Kollateralschaden .
Und ja, auch mit "4d6 drop lowest" hat nur einer von 70 die Werte für einen 2E Paladin. PAladine sollen halt selten sein.
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Nebenbei hat es tatsächlich mal eine D&D-Edition gegeben, die den "Paladine sind selten"-Ansatz bis zum Anschlag gefahren hat (das dann allerdings auch gleich für ein paar andere Klassen wie den Druiden...): BECMI. Da war "Paladin" einfach eine Option, für die sich ein rechtschaffener Kämpfer -- dank "Rasse = Klasse" für andere Völker automatisch ein Mensch -- mit Erreichen der 9. Stufe entscheiden konnte, und Kollegen der Stufen 1 bis 8 oder anderer Gesinnung hatten einfach nicht das Zeug dazu.

Nachtrag: Was ja auch in gewisser Hinsicht Sinn ergibt. Wenn ein Spiel schon erwartet, daß man klein und mit wenig Können anfangen und sich Macht, Status, und insbesondere bessere Fähigkeiten erst mal erarbeiten soll -- und D&D ist ja quasi der rollenspielerische Prototyp genau dafür, auch wenn sich der Ansatz allgemein so weit verbreitet hat, daß Systeme ohne große Aufstiegspläne eher die Exoten am Markt sind  --, dann kann man in demselben Spiel nicht gleichzeitig hingehen und von Anfang an der tolle Elitetyp sein wollen. Das will dann natürlich auch erst mal ehrlich verdient sein... 8]
« Letzte Änderung: Heute um 14:35 von nobody@home »

Offline unicum

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Also in meinen Settings war ein Paladin irgendwie immer ein Ritter mit einer gemeisnschaft dahinter (nennen wir es mal ritterorden), kleineren Ordensburgen hier und da auf die man zurückgreifen kann. Die sind vereint durch das konzept "Lawful Good" - meistens dann auch einem passenden Gott zugeordnet - aber nicht immer. Kommt darauf an. Bei den Kaufsettings wie die Relams oder Krynn ist das dann recht schnell klar welcher Gott es ist. Aber selbst da hab ich dann auch durchaus erlaubt das man auch Paladin von einem Gott sein darf der vieleicht nicht ganz lawful ist, aber eben immer gut.

Daraus abgeleitet die zahlenmäsige Abschätzung:

Paladine sind selten, aber nicht so selten das man sie nicht doch mal irgendwann sieht. Wenn man aber viele Paladine zusammen auf einem Fleck sieht ist entweder PPP Paladinpalaverparty oder ... die kacke am Dampfen. Also ja in einer größeren Stadt sieht man immer wieder mal einen, in einem abgelegenen Dorf auf dem Land (wo Hund und Katz sich gute Nacht sagen und nicht Oger und Drache) wird man aber nur sehr selten mal einen sehen, vieleicht sogar nur einmal alle paar hundert Jahre.

Alles bezogen auf D&D (meine lezte version war 3.5)