Autor Thema: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?  (Gelesen 1317 mal)

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Offline Darius der Duellant

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #25 am: 1.04.2025 | 05:51 »
Outgame gibt es insofern eine Hierarchie als das ich mir als SL das Recht herausnehme, ggf. unpassende Spieler aus der Gruppe zu entfernen und bei Regelauslegungen während der Sitzung das letzte Wort zu haben.
Hierarchien ingame können zwar theoretisch Sinn ergeben, ich halte aber nichts davon weil sie mMn. zu leicht zu unangenehmen Situationen OUTGAME führen können, wenn sich einzelne Spieler bevormundet fühlen.
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Offline Issi

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #26 am: 1.04.2025 | 07:09 »
Sklave & Sklavenhalter geht aber durchaus (ebenso wie Diener & Herr), und auch ein gefangener Adliger, der auf Ehrenwort versprochen hat, nicht zu türmen, kann zumindest solange gut gehen, bis man Woauchimmer ist. Die Voraussetzung ist, dass a) alle, va aber der Befehlsempfänger, Bock auf dieses Spiel haben, und b) der Befehlsgeber das nicht nutzt, um den Befehlsempfänger aus dem Spiel zu halten, oder dessen Aktionen bestimmen zu wollen.
Oder schlimmer noch, ihn als Schutzschild zu missbrauchen. (Da sehe ich die größere Gefahr drin)

A la " Halte die Banditen auf!" (Ich bringe mich schon mal in Sicherheit)

Davon ab kommt es wirklich darauf an, ob da beide Seiten Spaß haben.

Edit.
Es gibt ja in Film/ Buch ne Reihe von solchen Konstellationen, die sich dann mit der Zeit in was anderes verwandeln.
In Freundschaft, Elternschaft, Liebschaft etc.

Das halte ich für am besten geeignet, da zeitlich begrenzt.
« Letzte Änderung: 1.04.2025 | 07:31 von Issi »

Offline ghoul

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #27 am: 1.04.2025 | 08:11 »
Für klassische Spiele, in denen sich eine Hierarchie zwischen Personnagen ergibt, empfehle ich die Regel, dass Gruppenentscheidungen ohne Hierarchie am Spieltisch zwischen den Spielern verhandelt werden, nicht zwischen den Personnagen.
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Offline Streunendes Monster

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #28 am: 1.04.2025 | 08:37 »
Für klassische Spiele, in denen sich eine Hierarchie zwischen Personnagen ergibt, empfehle ich die Regel, dass Gruppenentscheidungen ohne Hierarchie am Spieltisch zwischen den Spielern verhandelt werden, nicht zwischen den Personnagen.

Okay, also gehst Du auf eine Meta-Ebene. Interessanter Ansatz.

Outgame gibt es insofern eine Hierarchie als das ich mir als SL das Recht herausnehme, ggf. unpassende Spieler aus der Gruppe zu entfernen und bei Regelauslegungen während der Sitzung das letzte Wort zu haben.
Hierarchien ingame können zwar theoretisch Sinn ergeben, ich halte aber nichts davon weil sie mMn. zu leicht zu unangenehmen Situationen OUTGAME führen können, wenn sich einzelne Spieler bevormundet fühlen.

SL als Leiter der Gruppe und steht dieser vor.
Wenn Du der Bestimmer bist, finden das alle Deine Mitspielenden gut, oder eher nicht so?
Ich frage, weil der Tenor im :T: bisher tendenziell eher Augenhöhe, primus inter pares oder gar Ablehnung zu sein scheint (also soweit sich die Diskussion bisher erst entwickelt hat).

..snip..

Bitte nicht mit Teildiskussionen derailen - danke  :d bitte auslagern, wenn Du da gesonderten Bedarf hast.

Meiner Erfahrung nach, klappt das mit Menschen die sich auf Augenhöhe begegnen auch sehr gut. Leider ist dem auch häufiger nicht so, Möchtegernalphatierchen am besten mit SL Rückhalt sind da nur anstrengend.

Guter Gedanke!
Ein SL und ein SPL bevorzugen sich. Auch eine Hierarchie. Und bei der Wertung gehe ich auch mit.

Meiner Erfahrung nach entsteht durch unterschiedliche Grade an Introversion/Extraversion und durch unterschiedliche Vertrautheit der Spieler untereinander fast notwending eine Gruppendynamik. Ob man die als "Herarchie" sehen sollte, ist dann vielleicht wieder eine andere Frage; zumindest scheint es aber Überschneidungen zwischen den beiden Komplexen zu geben.

Erfahrungsgemäß ist es auch so, dass einige Spieler bessere/passendere Ideen haben, die Regeln oder die Spielwelt besser kennen oder verstehen oder einfach mehr damit anfangen können. Auch das führt zu Unterschieden.

Beides kann zu Problemen führen. Ursachen und mögliche Gegenrezepte sind aber sehr komplexe Probleme.

Manchmal (oft?) ist auch gar keine völlige Gleichbehandlung am Tisch gewollt. Wenn jeder am Spiel Beteiligte nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zufrieden ist, dann ist es ja auch in Ordnung, auch wenn dafür unterschiedlicher Aufwand getrieben wurde - sofern das niemand anderen einschränkt.

Kurz gesagt: Es muss "passen".

+1
Auch gut beobachtete Ebenen. Setting-/Regelkenntnis, Extraversion und auch kein Bedürfnis nach einer Position.

Gleichberechtigt bedeutet ja lediglich, dass jeder im Prinzip die gleichen Rechte hat. Ob er diese dann auch wahrnimmt (oder auch nur wahrnehmen kann), steht ja wie immer im Leben auf einem völlig anderen Blatt.

Exakt  :d

Ich beobachte in meiner Runde "Treiber", die den Plot vorantreiben - wenn die mal einen eher ruhigen Zeitgenossen gespielt haben, hat das nie sonderlich gut oder lange geklappt, weil die introvertierteren, leisernen Spieler nicht in die Bresche gesprungen sind.
Da schlägt quasi RL ins IG ziemlich durch.

Ist denn ein Plottreiber automatisch auch jemand, der/die hierarchisch oben steht?
Ich kann mir auch jemanden vorstellen, der/die nicht das face oder der Anführer der Gruppe ist.

Aber da fällt mir noch eine andere Art von Gruppe ein.
Die Leute die seit Schulzeiten zusammen spielen und es nie geschafft haben, ihre Position innerhalb der Gruppe seitdem zu durchbrechen.

Auch eine Beobachtung, welche ich teile.
Schwank: bei uns gibt es jemanden, der nichts mitorganisiert, keinen Drive außerhalb zeigt, kein Committment abseits der Sessions mitbringt und bei etwas mehr Planungsaufwand genervt scheint. Ingame jedoch reißt er sofort alles an sich. Ob es zur Rolle seines SCs passt oder nicht.
Und das seit Schulzeiten.

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Offline Issi

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #29 am: 1.04.2025 | 08:52 »
Bitte nicht mit Teildiskussionen derailen - danke  :d bitte auslagern, wenn Du da gesonderten Bedarf hast.
Habe nur Isegrim geantwortet.
Gebot mir die Höflichkeit

Keinen Bedarf mehr hier, Bitte und Danke   :think:

Offline Boba Fett

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #30 am: 1.04.2025 | 09:04 »
Wir haben eine SF Rollenspielrunde, in der es klare Hierarchien gibt.

Es gibt einen Captain und der hat in vielen Fällen das Sagen.
Es gibt einen Ingenieur und der hat in technischen Dingen das Sagen (und nebenbei verwaltet er das Geld und die Materialien und hat bei Anschaffungen auch klares Mitsprache-Recht).
Es gibt einen Arzt...
und so weiter.

Da das ganze leicht military SF angehaucht ist, hat der Captain oft auch in Einsätzen den Befehl.

...

Allerdings wird das ganze meistens so geregelt, dass es eigentlich nicht wahrnehmbar ist.
In seinem Fachbereich ist ohnehin jeder Herr(in) seiner/ihrer eigenen Entscheidungskompetenz.
Die Leute machen das, was sie für das Richtige halten und dann war es eben so.
Die meisten Entscheidungen werden so getroffen, dass der Befehl der Mehrheitsmeinung entspricht.
Nur dann, wenn man sich nicht einigen kann (Entscheidungsparalyse, Unentschieden) gibt es "das machen wir jetzt so".

Und damit können alle sehr gut leben.
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Offline Sphinx

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #31 am: 1.04.2025 | 10:41 »
Am Tisch gibt es eigentlich keine große Hierarchie, höchstens der Blick zum Rules Layer ob alles OK ist was man macht.

Innerweltlich geht alles immer viel zu Demokratisch ab. Selbst wenn es von der Weltlogik eine Anführerperson geben müsste. Das empfinde ich mittlerweile als extrem anstrengend in all meinen Runden.
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Offline Isegrim

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #32 am: 1.04.2025 | 12:25 »
Beim Lesen dieses Beispielkampfes, in dem eine Fertigkeiten "Anführen" Verwendung findet, stellt sich mir die Frage:

Funktionieren solche Fertigkeiten (Anführen, Kommandieren etc) auch ohne eine IG-Hierarchie, oder brauchts dafür auch jemand, der im Spiel i-wie die Rolle eines Anführers oder Kommandogebers hat?
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Online gilborn

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #33 am: 1.04.2025 | 14:49 »
Ist denn ein Plottreiber automatisch auch jemand, der/die hierarchisch oben steht?
Ingame: Nein, da gibt es die Rolle Plottreiber gar nicht.
Outgame: Ja, es ist halt der, der das Ruder ergreift wenn andere schweigen / in Planungsparalyse sind / warten bis jemand etwas macht.

Ich kann mir auch jemanden vorstellen, der/die nicht das face oder der Anführer der Gruppe ist.
Richtig.
Wie gesagt, problematisch wird es, wenn die Ingame Hierarchie umgekehrt zur Outgame Hierarchie ist (Der Plottreiber spielt den schüchternen Knappen, der Introvertierte den entschlossenen Ritter).
Das führt dann zu komischen Situationen, so dass diese Konstellationen dann relativ rasch zu Unzufriedenheit führen, so dass sie irgendwie "umgeschrieben" werden (Der Knappe ist dann doch nicht schüchtern und wird nach dem ersten Abenteuer in den Ritterstand gehoben).

Offline Sphinx

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #34 am: 1.04.2025 | 15:30 »
Ich erinnere mich noch gut an meine "Descent into Avernus" and Kampagne. Die ich mit einem anderen Abenteuereinstieg geleitet habe, das alle Mitglied einer militärischen Einheit sind. Fanden alle gut, es wurde sich auf die Hierarchie geeinigt.
Der Plan war, damit alle mitmachen können: Alle dürfen natürlich mitwirken und Vorschläge wie man vorgehen sollte einbringen. Aber der Kommandant hat das letzte Wort.
Das Spiel ging los: Von der Rangordnung war sehr schnell nichts mehr zu spüren. Der Kommandanten SC bzw. dessen Spieler war schnell frustriert das alles, auch nach festlegen des Fahrplans, weiter Diskutiert werden musste. Und nach wenigen Spielrunden waren wie wieder bei der Demokratisch abstimmenden Gruppe die ewig für eine Entscheidung braucht.

Fazit zumindest mit den Spielern meiner zwei regelmäßigen Runden funktioniert Hierarchie nicht.

Richtig.
Wie gesagt, problematisch wird es, wenn die Ingame Hierarchie umgekehrt zur Outgame Hierarchie ist (Der Plottreiber spielt den schüchternen Knappen, der Introvertierte den entschlossenen Ritter).
Das führt dann zu komischen Situationen, so dass diese Konstellationen dann relativ rasch zu Unzufriedenheit führen, so dass sie irgendwie "umgeschrieben" werden (Der Knappe ist dann doch nicht schüchtern und wird nach dem ersten Abenteuer in den Ritterstand gehoben).

Das ist der Grund warum ich nie einen schüchternen/zurückgezogenen/angstlichen Charakter spielen würde. Es sei denn mir ist 100% klar das es andere am Tisch gibt die das Spiel vor ran bringen.
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Offline Streunendes Monster

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #35 am: 1.04.2025 | 15:34 »
Wie gesagt, problematisch wird es, wenn die Ingame Hierarchie umgekehrt zur Outgame Hierarchie ist (Der Plottreiber spielt den schüchternen Knappen, der Introvertierte den entschlossenen Ritter).
Das führt dann zu komischen Situationen, so dass diese Konstellationen dann relativ rasch zu Unzufriedenheit führen, so dass sie irgendwie "umgeschrieben" werden (Der Knappe ist dann doch nicht schüchtern und wird nach dem ersten Abenteuer in den Ritterstand gehoben).

Kann man das nicht ingame auch kontruktiv und mit einem Augenzwinkern verarbeiten?
Ein junger Knappe mit guten Ideen und jeder Menge Enthusiasmus, Energie und etwas jugendlicher Naivität. Der Ritter hingegen als raubeiniger, desillusionierter, abgehärmter und grummeliger Veteran. Ich sehe da die Möglichkeit für schönes Zusammenspiel.

Es sei denn ... eine Hierarchie-Ebene kommt hinzu. wenn nun der Spieler des Knappen Befindlichkeiten hat, seinem etwas passiven und ruhigen Mitspieler alles aus einer subordinierten Rolle zuzuspielen, dann kommen die Probleme doch erst hoch. Oder antizipiere ich das falsch?

Ich gebe zu, dass ich beim Nachdenken vor Eröffnung dieses Fadens auch über Bescheidenheit und Demut von Spielern nachdachte. Über Ego und in diesem Kontext dann Hierarchie. Vielleicht liegt hier ein Teil des Hundes (warum sagt man das so?) begraben?
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Online gilborn

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #36 am: 1.04.2025 | 15:52 »
Das wäre eine schöne Lösung, ja  :d

Wo der Hund Begraben ist:
Der Plotspieler wollte mal jemanden spielen, der nicht den Ton angibt und eher ruhig ist.
Und das funktioniert in der Konstellation nicht.

Wobei, eingeräumt, selbst wenn der Ritter ebenfalls ein Plottreiber wäre, also kein Hierarchiethema vorliegt, ich würde auch vermuten, dass jemand, der im Rollenspiel mit die Story vorantreibt, nie dauerhaft glücklich werden wird wenn er das nicht tun kann.

Ist also, wenn ich es so schreibe, eventuell gar kein Hierarchiethema sondern eher ein "Kann nicht aus seiner Haut" Fall  :think:

Offline Skaeg

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #37 am: 1.04.2025 | 16:14 »
Hierarchien in-game sind meiner Erfahrung mit in militärischen oder paramilitärischen Organisationen eingebundenen Gruppen nach kein großes Problem, wenn die Spieler vernünftig sind. Hierarchie heißt ja nicht Tyrannei.
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Offline Darius der Duellant

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #38 am: 1.04.2025 | 16:28 »

SL als Leiter der Gruppe und steht dieser vor.
Wenn Du der Bestimmer bist, finden das alle Deine Mitspielenden gut, oder eher nicht so?
Ich frage, weil der Tenor im :T: bisher tendenziell eher Augenhöhe, primus inter pares oder gar Ablehnung zu sein scheint (also soweit sich die Diskussion bisher erst entwickelt hat).

Bisher hat sich noch niemand beschwert. Ich habe halt immer mit Erwachsenen gespielt die verstehen dass das ein Geben und Nehmen ist. Wenn ich derjenige bin auf dem die Hauptarbeitslast bezüglich Vorbereitung, Unterstützung beim Bauen von Chars und nachhalten von Informationen habe, ist es nur fair wenn ich bei den Dingen die hauptsächlich meine Arbeitslast betreffen auch das letzte Wort habe (was nicht bedeutet dass ich nicht offen dafür bin, Änderungen zu bequatschen).
Am Ende des Tages gibt es halt auch ein ganz natürliches Ungleichgewicht: Wenn man populäre Systeme wie Shadowrun leitet, ist es in Ballungsräumen nie ein Problem eine Gruppe zu finden. Entsprechend hat man den Luxus sich Spieler aussuchen zu können und nicht jede Befindlichkeit akzeptieren zu müssen, nur um spielen zu können.
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Offline Streunendes Monster

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #39 am: 1.04.2025 | 17:53 »
Bisher hat sich noch niemand beschwert. Ich habe halt immer mit Erwachsenen gespielt die verstehen dass das ein Geben und Nehmen ist. Wenn ich derjenige bin auf dem die Hauptarbeitslast bezüglich Vorbereitung, Unterstützung beim Bauen von Chars und nachhalten von Informationen habe, ist es nur fair wenn ich bei den Dingen die hauptsächlich meine Arbeitslast betreffen auch das letzte Wort habe (was nicht bedeutet dass ich nicht offen dafür bin, Änderungen zu bequatschen).
Am Ende des Tages gibt es halt auch ein ganz natürliches Ungleichgewicht: Wenn man populäre Systeme wie Shadowrun leitet, ist es in Ballungsräumen nie ein Problem eine Gruppe zu finden. Entsprechend hat man den Luxus sich Spieler aussuchen zu können und nicht jede Befindlichkeit akzeptieren zu müssen, nur um spielen zu können.

Danke für die Ausführung  :d
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Offline Doc-Byte

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #40 am: 1.04.2025 | 18:36 »
Wir haben eine SF Rollenspielrunde, in der es klare Hierarchien gibt. [...]

Gerade in SciFi Bereich geht es oft ja auch gar nicht anders, ohne die Weltkonsistenz wortwörtlich über Bord zu kippen, denn ein Raumschiff kann nunmal nur einen Kapitän haben. Davon ab finde ich eure Herangehensweise mit den Fachgebieten aber gut, weil so trotzdem jeder sein spezielles Gebiet hat. Wenn der Erfolg der Gruppe davon abhängt, dass alle Spezialisten gut zusammenarbeiten, relativiert sich das mit den Hierachien dann auch wieder sehr. - Bei meinem Setting ist der Posten des Kapitäns in einem Raumkampf tatsächlich fast schon der "langweiligere", weil er weder das Schiff steuert noch auf irgendwas selber schießt. Ich könnte nur evtl. tatsächlich etwas stärker hervorheben, dass der Kapitänstitel außerhalb des Schiffs eher so was ist, um Außenstehende zu beeindrucken.
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Online Johann

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #41 am: 1.04.2025 | 19:44 »
In meiner Spielwelt Im Reich der Nibelungen für Swords & Wizardry Continual Light ist eine Hierarchie unter den Charakteren vorgesehen und hat regeltechnische Konsequenzen.

Jede Klasse gehört einem Stand an (Adel, Klerus, Freie, Unfreie) und dieser bestimmt (zusammen mit Stufe und Alter) die Initiativreihenfolge!

Zu Beginn jeder Runde verkünden die Spieler:innen die Absicht ihrer Charaktere für diese Runde absteigend nach deren sozialen Rang. Ein hochstufiger Ritter entscheidet sich zuerst, ein niedrigstufiger Unfreier zuletzt...

Beides hat Vor- und Nachteile:

Als Ritter kann ich die taktische Richtung vorgeben, z.B. indem ich festlege, dass ich einen Sturmangriff mache. Meine Kameraden werden dann quasi mitgezogen, denn man wird den Ritter i.d.R. ja nicht alleine stürmen lassen... Echte Führungsverantwortung!

Als begnadigtes Schlitzohr (mit entsprechendem Schandmal) lege ich mich zum Schluss fest und kann dementsprechend opportunistisch reagieren.

Das trägt zum Rollenspiel bei -- und ist übrigens schneller (!!) als die Initiative à la D&D 3e/4e/5e o.Ä.!

(Die Intuition sagt uns, dass das langsamer sein müsste, da alle Teilnehmer:innen zwei Mal dran sind -- einmal um zu sagen, was sie machen werden, und noch einmal um das dann auch auszuführen. Die riesige Zeitersparnis ist, dass alle die gleiche taktische Situation beurteilen und sich festlegen -- und danach nur noch alles abwickeln, ohne dass man neu überlegen muss, weil der Troll gerade einen kritischen Treffer kassiert hat und überraschenderweise schon am Boden liegt. Noch.)

Im Zusatzbändchen Rheingold (im Kauf enthalten) habe ich außerdem noch Regeln für einen 'Caller':

Zitat
"Zu Beginn jedes Spieleabends wird die Sonderrolle des sog. ‚Caller‘ ausgelost. Hierfür legen die Spieler*innen Zettel mit ihren eigenen (!) Namen in einen Umschlag, aus dem an jedem Spieleabend einer gezogen wird, bis er leer ist."

Diese Rolle besteht sowohl in der Spielwelt...

Zitat
"Gleichzeitig betraut ein Geistlicher zu Beginn jeder Expedition aufgrund einer göttlichen Eingebung den Recken des ‚Caller‘ mit der Rolle als Mittler*in zwischen den Recken und Gott.
Die Recken akzeptieren diese Fügung, ohne dass sich dadurch die soziale Ordnung ändert [...]"

...als auch am Spieltisch. Kernaufgabe ist es...

Zitat
"provisorische Entscheidungen für die gesamte Gruppe [zu] treffen, d. h. bis man etwas nicht selbst entscheiden möchte oder andere Spieler*innen Vorschläge machen oder Einspruch erheben"

Auch das beschleunigt das Spiel und wird bisweilen lustvoll ausgespielt (und damit meine ich nicht, dass der Caller anderen Bescheid stößt, sondern die Eingebungen seines Charakters gemäß dessen Rolle sprachlich und rollenspielerisch 'verpackt'.)
« Letzte Änderung: 1.04.2025 | 19:50 von Johann »
Im Reich der Nibelungen ist eine Spielwelt mit eigenwilligen magischen Gesetzen für Swords & Wizardry Continual Light. Mehr dazu bei Blogger und DriveThruRPG (dank Fans auch auf Französisch und Englisch).

Offline Torsten (Donnerhaus)

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #42 am: Gestern um 00:42 »
Zwischen den Spielern verträgt eine Gruppe nur dann eine Hierarchie, wenn diese aus einem bereits bestehenden Freundeskreis als solche ausgehandelt und unbestritten ist. Ansonsten stört es das Spiel. So richtig gut ist das auch dann nicht, aber manchmal unvermeidbar.

Zwischen den Charakteren hingegen ist jede nur denkbare Hierarchie möglich. Aber nur in Bezug auf die Spielwelt. Nicht in Bezug auf die narrative und dramaturgische Teilhabe. Wenn einer den Fürsten spielt und der andere seinen Knecht, dann kann das prima funktionieren, sofern Fürst und Knecht gleichberechtigte Teilhabe an den für sie interessanten Aspekten des Spiels haben.

Offline Quaint

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #43 am: Gestern um 04:39 »
Na kommt auf die Gruppe an, würde ich sagen. Wenn man mal jenseits des Rollenspiels guckt, gibt es ja genug stark hierarchische Gruppen und Organisationen, die prima funktionieren.
Total oft ist ja auch der Spielleiter mit "besonderer Macht" ausgestattet, aber oft auch mit besonderen Aufgaben. Also etwa Regelauslegung, Auswahl des Abenteuers usw. aber auch sowas wie das er oft das letzte Wort hat, wenn jemand nichtmehr mitspielen darf oder ob jemand neu aufgenommen wird. Oder Vermittlung bei Streit unter Spielern. Und oft klappt das auch.

Und unter den Mitspielern kann es auch Hierarchien geben. Also z.B. das Spieler die einfach Reallife Social Skills haben und / oder nen großes Ego eben mehr zu sagen haben. Aber auch Alter und allgemeine Erfahrung im Hobby können eine Rolle spielen. Oder besondere Fähigkeiten - wenn jemand den Ruf hat, ein großer Regelfuchser zu sein, dann kann es sogar sein, dass der SL sich in diesem Fachbereich unterordnet.

Was dann IT auf Charakterebene ist, ist nochmal ein anderes Thema, aber wenn man da etwas trennen kann geht da sogar noch mehr als auf Spielerebene.

Letzten Endes würde ich sagen: Soziale Gefüge sind ein sehr komplexes Thema. Und im RPG sind formell Spieler gleichberechtig und dann evtl. der SL höhergestellt (aber eben dann oftmals mit mehr Aufgaben), aber de facto kommt es da noch auf Details an. Eine Besonderheit bei Rollenspielgruppen ist halt, dass man da sehr leicht rauskommt wenn man unglücklich ist. Dementsprechend müssen für ein längerfristiges Funktionieren die oberen in der Hierarchie sehr bedacht sein, die Leute zufrieden und glücklich zu halten. Das ist bei anderen Hierarchien teils sehr anders. Was soll der Unfreie im Feudalreich denn machen, wenn er unglücklich über seinen Herren ist? Was das Gangmitglied, wenn der Boss quatsch macht? Der Soldat, der auf gefährliche Mission geschickt wird? Insofern werden da im Pen&Paper RPG Bereich irgendwelche Tyrannen oft schnell ohne zu tyrannisierende dastehen. Von eher pathologischen Kombinationen von Persönlichkeiten mal abgesehen.
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Offline Boba Fett

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Re: Wie viel Hierarchie verträgt eine Gruppe?
« Antwort #44 am: Gestern um 08:56 »
Gerade in SciFi Bereich geht es oft ja auch gar nicht anders, ohne die Weltkonsistenz wortwörtlich über Bord zu kippen, denn ein Raumschiff kann nunmal nur einen Kapitän haben. Davon ab finde ich eure Herangehensweise mit den Fachgebieten aber gut, weil so trotzdem jeder sein spezielles Gebiet hat. Wenn der Erfolg der Gruppe davon abhängt, dass alle Spezialisten gut zusammenarbeiten, relativiert sich das mit den Hierachien dann auch wieder sehr. - Bei meinem Setting ist der Posten des Kapitäns in einem Raumkampf tatsächlich fast schon der "langweiligere", weil er weder das Schiff steuert noch auf irgendwas selber schießt. Ich könnte nur evtl. tatsächlich etwas stärker hervorheben, dass der Kapitänstitel außerhalb des Schiffs eher so was ist, um Außenstehende zu beeindrucken.
Naja, der Captain ist in der Runde eben such sowas wie der Squad-Leader in Einsätzen abseits des Schiffes. Da es sich anbot, ist er auch "der Sniper". Also abgesetzte Position mit Überblick.
Und ja, er ist nicht der Pilot, nicht der Gunner, nicht der Ingenieur, sondern der "Engage!" sagende. Andererseits ist er derjenige, der eine ganze Menge Individualisten zusammenhält.

Na kommt auf die Gruppe an, würde ich sagen.

Es kommt auch auf die "Spitze" der Hierarchie an. Wenn die despotisch ist, dann macht das Spiel keinen Spaß. Je mehr Freiraum gelassen und Entscheidungskompetenz aber verteilt wird, desto weniger störend ist eine Hierarchie. "Teile und Herrsche...!"
Aber insofern hast Du natürlich recht - wenn man Leute hat, die sich aus Prinzip nicht unterordnen (das kenne ich auch, aus der "kurz nach Pubertät Sturm&Drang" Zeit meiner Leute), dann kann man höchstens damit Rollenspiel betreiben, dass die Gruppen-internen Konflikte zum Spielinhalt gemacht werden. Rebel-Rebel... Nach aussen wirkend wird das nicht sehr effektiv sein, weil die Gruppe sich viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Dann sollte man hinterfragen, ob das gewünscht ist (was ja durchaus sein kann...).
« Letzte Änderung: Gestern um 09:13 von Boba Fett »
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