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[Erster Eindruck von] Wanderhome
ComStar:
--- Zitat von: Seraph am Gestern um 14:32 ---Auf den Bildern ist es tatsächlich nicht zu sehen, das stimmt.
Im Buch wird allerdings explizit Bezug darauf genommen.
--- Ende Zitat ---
Aufs Käfer grillen?
Streunendes Monster:
Verständnisfrage @Seraph: Du schrobst, dass es "keine Gewalt gibt".
Ist das denn auch ein USP des Spiels, der beworben wird?
Ich finde für mich (nicht vegan, aber veggie) eine Grenze zwischen Aggression, Gewalt und Kampf einerseits und jagen für Mahlzeiten/Überleben, gefährlichen Situation und ggfs auch körperliche Verletzungen andererseits.
Eine Lawine kann Gewalt auslösen und für die Heldentiere sehr gefährlich werden. Wäre das Teil des gewollten Spiels, oder eher nicht?
Ist die Befreiung von anthropomorphen Tieren aus Käfighaltung (gewalttätiger Tenor) ein Thema für ein Abenteuer?
Oder soll es total feel good sein und die Herausforderungen eher entdeckerischer und zwischentierischer Natur sein?
Seraph:
Ja, afaik wird das so beworben.
Es gibt keine Gewalt, die NSC sind (bis auf wenige Ausnahmen) grundsätzlich gut und man hat überall Recht auf Gastfreundschaft (solange man sich nicht daneben benimmt). Die Wanderbücher sind sehr auf zwischentierische Beziehungen, Sanftheit und gegenseitiges Verständnis aufgebaut.
Jagen, gefährliche Situationen und Verletzung werden AFAIR gar nicht angesprochen (man möge mich korrigieren).
Käfighaltung kommt ebenfalls AFAIR nicht vor.
--- Zitat von: Streunendes Monster am Gestern um 14:57 ---Oder soll es total feel good sein und die Herausforderungen eher entdeckerischer und zwischentierischer Natur sein?
--- Ende Zitat ---
Ja, genau so verstehe ich es.
(was für mich persönlich nicht bedeutet, dass NSC nicht mal gemein und nickelig sein dürfen und die Herausforderungen z.B. darin bestehen, dass der blöde Frosch-Bürgermeister einem die Tür vor der Nase zuknallt und man einen alternativen Weg in sein Haus finden muss)
felixs:
Ja, vermutlich ist es halt in Wahrheit nicht wirklich "Gewaltfreiheit", sondern ein bestimmter Fokus. Und es ist ja auch schon ziemlich revolutionär, wenn man zumindest die Arten von Gewalt explizit ausschließt, die in anderen Rollenspielen den Großteil von Handlung/Spannung/Inhalt ausmachen.
Psychische Gewalt ist ja irgendwie dann immer eine Grauzone.
Und bei struktureller Gewalt... Nun ja. Vermutlich ist das Leben an sich strukturelle Gewalt (was nicht gleichbedeutend damit ist, dass strukturelle Gewalt in Ordnung sei).
--- Zitat von: ComStar am Gestern um 13:52 ---Sorry wenn ich euch da bei irgendwas unterbreche, aber auf welchem der beiden oben verlinkten Bilder soll ein Käfer gegrillt werden?
--- Ende Zitat ---
Im Hintergrund am Feuer. Auf dem großen Bild ist es dann tatsächlich klar zu sehen, dass der Käfer an der Pfanne zugange ist.
Das Bild wäre damit "gerettet", der Rest des Spiels, nach Seraphs Darstellung, nicht.
Übrigens wird auf den Bildern auffällig viel geraucht. Finde ich erstmal gut und passt zu gemütlicher Hobbit-Atmosphäer. Überrascht mich dann aber wieder ein wenig, wenn man sich anschaut, wie das sonst in den Medien so gehandhabt wird.
Thandbar:
--- Zitat von: Seraph am Gestern um 13:51 ---Auch wenn das jetzt sehr OT wird - aber genau das ist ja entweder Übersehend oder schlichtweg "Ignorieren", bzw. Ausleben von Speziesismus.
--- Ende Zitat ---
So kann man das natürlich sehen. Mich hatte es beim ersten Lesen etwas irritiert.
Unsere Trennung von Mensch und Tier findet sich in Haeth in der Unterscheidung Wirbeltier und Insekt.
Das Regelwerk stellt klar, dass die Wirbeltiere in Fleisch- und Pflanzenfresser zerfallen. Das heißt, die antropomorphen Katzen sind in dieser Welt anscheinend keine Vegetarier oder gar Veganer geworden - und da sie offenkundig keine anderen Wirbeltiere fressen, werden sie sich wohl an den Käfern gütlich tun, die ja auch aus irgendeinem Grund gehalten werden.
Wanderhome zitiert als ästhetisches Vorbild die Pastoralen des 19. Jahrhunderts - diese idyllisierte Darstellung des Landlebens, freundliche Schäfer mit ihrem milde dreinblickendem Vieh usw. Deshalb meinte ich, dass diese Nutztierhaltung und ihre spezifische Darstellung kein "Versehen" ist - sie gehört quasi zu diesem Genre dazu, zu der Stimmung, die evoziert werden soll.
Wanderhome scheint mir an sich unkritisch. Und dies kann man natürlich auch gegen das Spiel vorbringen.
So wird im Regelwerk erklärt, dass es auf dem Land Mangel gibt und die Ressourcen knapp sind, anderswo aber Überfluss herrscht.
Dieses offenkundige Distributionsproblem - das ja durchaus Anlass für Konflikte geben würde - verbleibt in der Spielwelt als ein "das ist halt so".
Das Gebot der Idylle verbietet eine Rebellion gegen die herrschenden Zustände.
Und das Regelwerk erzählt zwar von herrschsüchtigen Tieren, die die Macht innehaben und deren Herzen vergiftet sind, aber wehren kann man sich deren Dünkel nicht so recht. Man kann nur darauf vertrauen, dass sie nach und nach quasi von selbst die Schlüssel zur Kontrolle der Gesellschaft verlieren, weil sie gemieden und nicht mehr unterstützt werden.
Ganz zugespitzt würde ich sagen, dass Wanderhome ein in seiner Orientierung auf Cozyness und Harmonie sehr konservatives Spiel ist.
Materielle Ungleichheit führt nicht zu Unruhen, weil alle eingesehen haben, dass das Leben schön ist, wenn man wenig hat.
In diesem Sinne ist das Spiel gar nicht progressiv, seine Utopie ist eine verklärte Vergangenheit, die nie existiert hat, und die so phantastisch ist, dass Menschen gar nicht in ihr vorkommen können.
In der Realität ist "Gewalt" ja nicht einfach nur böse. Für die Schwachen war Gewalt oft genug einfach der einzige Weg, der Ausbeutung wenigstens mal für kurze Zeit Einhalt zu gebieten.
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