Autor Thema: [Erster Eindruck von] Wanderhome  (Gelesen 1006 mal)

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Offline Grubentroll

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #25 am: Gestern um 09:18 »
Die restlichen politischen Aussagen schimmern klar durch, z.B. soll jeder Spieler seine Pronomen benennen. Ich gebe zu, das Buch ist hier und da etwas schwierig zu lesen, weil es u.a. das Gendersternchen benutzt. Hat aber auf das Spiel selbst natürlich keinen Einfluss.

Also in den paar Texten die ich da auf der System Matters Seite lesen konnte finde ich das Politische schon ziemlich durchdringend in dem Ganzen.

Wer da seine Probleme mit "Woke" hat, für den wird's eher zäh, denke ich mal.

Offline Seraph

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #26 am: Gestern um 10:07 »
Da war auch mein erster Gedanke, ja.
Ob da natürlich sinnvoll ist, ein Spiel deswegen abzulehnen, sei mal ausgeklammert. Aber es wird mit Sicherheit Leute geben, die sich Wanderhome deswegen nicht kaufen werden, keine Frage.
I had a dream, which was not all a dream.
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Online Thandbar

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #27 am: Gestern um 10:15 »
Sprachlich ist das Buch aber wirklich schön übertragen worden - also es wirkt auf mich auf eine unaufdringliche Weise poetisch.

Die Gendersterne haben mich hier komischerweise weniger gestört als bei der Übersetzung von Electric Bastionland.
Dass System Matters so generell bei ihren Produkten verfährt, ist halt etwas, womit man leben muss.

Der Autor ist meines Wissens nonbinär.
Das Spiel selber beinhaltet aber nach meinem Eindruck weniger das Erkunden von Geschlechterrollen - das scheint mir gar nicht im Fokus zu stehen.
Ich fand es eigentlich ganz angenehm, dass offen bleiben kann, ob meine Romancier-Kröte jetzt männlich oder weiblich sei. 
"Du wirst direkt in diesem Moment von einer Zilliarde grünkarierter Kakerlakeneinhörner in Tweedanzügen umzingelt, die mit Fallschirmen aus gebeiztem Vanillepudding aus der nächstgelegenen Dattelpalme springen und dich zu ihrer Avonberaterin krönen - und die Krone ist aus Dr. Frankensteins bösartig mutiertem Killernougat! Streich dir 78000 Hirnschadenspunkte ab und mach sofort eine Jodelimprovisation!"

Offline felixs

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #28 am: Gestern um 10:29 »
Nochmal vielen Dank an alle, das ist schon sehr interessant.

Ich finde es halt ein wenig seltsam, dass man im "woken" Spektrum das offensichtliche Problem von gewalttägigem Karnismus übersehen kann. Aber kann tatsächlich einfach das sein: Übersehen; nicht daran gedacht.
Letztlich - ich wiederhole mich, pardon - hat man wohl immer an irgendeiner Stelle Widersprüche; kann man dann als kognitiv dissonant bezeichnen, oder als Ausdruck menschlicher Widersprüche (also das gleiche in netter).

Ansonsten nervt mich der Habitus amerikanischer "Liberals" und deren "virtue signalling" (ich meine, das ist der Terminus) schon ein wenig, gleichzeitig sehe ich natürlich den guten Willen. Entsprechend zwiespältig fällt mein Eindruck aus.

Würde da gern mal reinlesen, ist mir dafür aber zu teuer.
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Offline Grubentroll

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #29 am: Gestern um 11:12 »
Da war auch mein erster Gedanke, ja.

Ob da natürlich sinnvoll ist, ein Spiel deswegen abzulehnen, sei mal ausgeklammert. Aber es wird mit Sicherheit Leute geben, die sich Wanderhome deswegen nicht kaufen werden, keine Frage.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es in dem Kontext nicht sogar als Feature sehe.
Obwohl ich an sich recht konservativ bin und mit "Woke im Mainstream" nicht viel anfangen kann, sehe ich durchaus Bereiche in denen das sinnvoll und gut ist.

Ich denke, in einem Spiel in denen Frösche, Bieber und Mäuse an Hummelhirten vorbei einen Hirschkäfer heimbringen ist es schon okay, wenn die Eidechse nonbinär sein darf..

Ich hoffe, das kommt jetzt nicht falsch rüber bei irgendjemanden, ist definitiv keinesfalls böse gemeint.

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #30 am: Gestern um 13:22 »
Ich finde es halt ein wenig seltsam, dass man im "woken" Spektrum das offensichtliche Problem von gewalttägigem Karnismus übersehen kann. Aber kann tatsächlich einfach das sein: Übersehen; nicht daran gedacht.

Würde ich auch anhand der von Dir gewählten Beispiele nicht als "Übersehen" bezeichnen - das Buch vertritt einfach keinen veganen Standpunkt.
Nutztierhaltung von Insekten ist in dieser Welt moralisch okay. Du kannst deine Hummel flauschen und deinen Nashornkäfer schlachten.

Was Du nicht tun kannst, ist Dein Schwert ziehen, um eine Person (anthropomorphes Tier) zu attackieren. Obwohl Du es trägst und es vielleicht noch Scharten vom letzten Krieg aufweist.
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Offline Seraph

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #31 am: Gestern um 13:51 »
Auch wenn das jetzt sehr OT wird - aber genau das ist ja entweder Übersehend oder schlichtweg "Ignorieren", bzw. Ausleben von Speziesismus.
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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #32 am: Gestern um 13:52 »
Sorry wenn ich euch da bei irgendwas unterbreche, aber auf welchem der beiden oben verlinkten Bilder soll ein Käfer gegrillt werden?
Auf dem oberen ist der Käfer auf der Brücke doch ganz eindeutig das Zugtier des Wagens.
Und auf dem unteren Bild sieht es für mich eher so aus, als würde der Käfer versuchen irgendwas aus der Pfanne zu stibitzen. Jeder, der schon mal mit einem Hund bei einem Barbecue war, weiß wie das ist.

Oder was habe ich übersehen?

Offline Seraph

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #33 am: Gestern um 14:32 »
Auf den Bildern ist es tatsächlich nicht zu sehen, das stimmt.
Im Buch wird allerdings explizit Bezug darauf genommen.
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Offline Streunendes Monster

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #34 am: Gestern um 14:35 »
Sorry wenn ich euch da bei irgendwas unterbreche, aber auf welchem der beiden oben verlinkten Bilder soll ein Käfer gegrillt werden?
Auf dem oberen ist der Käfer auf der Brücke doch ganz eindeutig das Zugtier des Wagens.
Und auf dem unteren Bild sieht es für mich eher so aus, als würde der Käfer versuchen irgendwas aus der Pfanne zu stibitzen. Jeder, der schon mal mit einem Hund bei einem Barbecue war, weiß wie das ist.

Oder was habe ich übersehen?

Habe mir das Bild gerade mal "in Groß" gezogen.
Da hast Du recht  :d
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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #35 am: Gestern um 14:51 »
Auf den Bildern ist es tatsächlich nicht zu sehen, das stimmt.
Im Buch wird allerdings explizit Bezug darauf genommen.

Aufs Käfer grillen?

Offline Streunendes Monster

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #36 am: Gestern um 14:57 »
Verständnisfrage @Seraph: Du schrobst, dass es "keine Gewalt gibt".
Ist das denn auch ein USP des Spiels, der beworben wird?

Ich finde für mich (nicht vegan, aber veggie) eine Grenze zwischen Aggression, Gewalt und Kampf einerseits und jagen für Mahlzeiten/Überleben, gefährlichen Situation und ggfs auch körperliche Verletzungen andererseits.

Eine Lawine kann Gewalt auslösen und für die Heldentiere sehr gefährlich werden. Wäre das Teil des gewollten Spiels, oder eher nicht?
Ist die Befreiung von anthropomorphen Tieren aus Käfighaltung (gewalttätiger Tenor) ein Thema für ein Abenteuer?

Oder soll es total feel good sein und die Herausforderungen eher entdeckerischer und zwischentierischer Natur sein?
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Offline Seraph

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #37 am: Gestern um 15:04 »
Ja, afaik wird das so beworben.
Es gibt keine Gewalt, die NSC sind (bis auf wenige Ausnahmen) grundsätzlich gut und man hat überall Recht auf Gastfreundschaft (solange man sich nicht daneben benimmt). Die Wanderbücher sind sehr auf zwischentierische Beziehungen, Sanftheit und gegenseitiges Verständnis aufgebaut.

Jagen, gefährliche Situationen und Verletzung werden AFAIR gar nicht angesprochen (man möge mich korrigieren).
Käfighaltung kommt ebenfalls AFAIR nicht vor.

Oder soll es total feel good sein und die Herausforderungen eher entdeckerischer und zwischentierischer Natur sein?
Ja, genau so verstehe ich es.

(was für mich persönlich nicht bedeutet, dass NSC nicht mal gemein und nickelig sein dürfen und die Herausforderungen z.B. darin bestehen, dass der blöde Frosch-Bürgermeister einem die Tür vor der Nase zuknallt und man einen alternativen Weg in sein Haus finden muss)
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Offline felixs

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #38 am: Gestern um 15:32 »
Ja, vermutlich ist es halt in Wahrheit nicht wirklich "Gewaltfreiheit", sondern ein bestimmter Fokus. Und es ist ja auch schon ziemlich revolutionär, wenn man zumindest die Arten von Gewalt explizit ausschließt, die in anderen Rollenspielen den Großteil von Handlung/Spannung/Inhalt ausmachen.

Psychische Gewalt ist ja irgendwie dann immer eine Grauzone.

Und bei struktureller Gewalt... Nun ja. Vermutlich ist das Leben an sich strukturelle Gewalt (was nicht gleichbedeutend damit ist, dass strukturelle Gewalt in Ordnung sei).

Sorry wenn ich euch da bei irgendwas unterbreche, aber auf welchem der beiden oben verlinkten Bilder soll ein Käfer gegrillt werden?

Im Hintergrund am Feuer. Auf dem großen Bild ist es dann tatsächlich klar zu sehen, dass der Käfer an der Pfanne zugange ist.

Das Bild wäre damit "gerettet", der Rest des Spiels, nach Seraphs Darstellung, nicht.

Übrigens wird auf den Bildern auffällig viel geraucht. Finde ich erstmal gut und passt zu gemütlicher Hobbit-Atmosphäer. Überrascht mich dann aber wieder ein wenig, wenn man sich anschaut, wie das sonst in den Medien so gehandhabt wird.
« Letzte Änderung: Gestern um 15:40 von felixs »
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Online Thandbar

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #39 am: Gestern um 23:42 »
Auch wenn das jetzt sehr OT wird - aber genau das ist ja entweder Übersehend oder schlichtweg "Ignorieren", bzw. Ausleben von Speziesismus.

So kann man das natürlich sehen. Mich hatte es beim ersten Lesen etwas irritiert.

Unsere Trennung von Mensch und Tier findet sich in Haeth in der Unterscheidung Wirbeltier und Insekt.
Das Regelwerk stellt klar, dass die Wirbeltiere in Fleisch- und Pflanzenfresser zerfallen. Das heißt, die antropomorphen Katzen sind in dieser Welt anscheinend keine Vegetarier oder gar Veganer geworden - und da sie offenkundig keine anderen Wirbeltiere fressen, werden sie sich wohl an den Käfern gütlich tun, die ja auch aus irgendeinem Grund gehalten werden.

Wanderhome zitiert als ästhetisches Vorbild die Pastoralen des 19. Jahrhunderts - diese idyllisierte Darstellung des Landlebens, freundliche Schäfer mit ihrem milde dreinblickendem Vieh usw. Deshalb meinte ich, dass diese Nutztierhaltung und ihre spezifische Darstellung kein "Versehen" ist - sie gehört quasi zu diesem Genre dazu, zu der Stimmung, die evoziert werden soll.

Wanderhome scheint mir an sich unkritisch. Und dies kann man natürlich auch gegen das Spiel vorbringen.
So wird im Regelwerk erklärt, dass es auf dem Land Mangel gibt und die Ressourcen knapp sind, anderswo aber Überfluss herrscht.
Dieses offenkundige Distributionsproblem - das ja durchaus Anlass für Konflikte geben würde - verbleibt in der Spielwelt als ein "das ist halt so".
Das Gebot der Idylle verbietet eine Rebellion gegen die herrschenden Zustände.
Und das Regelwerk erzählt zwar von herrschsüchtigen Tieren, die die Macht innehaben und deren Herzen vergiftet sind, aber wehren kann man sich deren Dünkel nicht so recht. Man kann nur darauf vertrauen, dass sie nach und nach quasi von selbst die Schlüssel zur Kontrolle der Gesellschaft verlieren, weil sie gemieden und nicht mehr unterstützt werden.

Ganz zugespitzt würde ich sagen, dass Wanderhome ein in seiner Orientierung auf Cozyness und Harmonie sehr konservatives Spiel ist.
Materielle Ungleichheit führt nicht zu Unruhen, weil alle eingesehen haben, dass das Leben schön ist, wenn man wenig hat.
In diesem Sinne ist das Spiel gar nicht progressiv, seine Utopie ist eine verklärte Vergangenheit, die nie existiert hat, und die so phantastisch ist, dass Menschen gar nicht in ihr vorkommen können.

In der Realität ist "Gewalt" ja nicht einfach nur böse. Für die Schwachen war Gewalt oft genug einfach der einzige Weg, der Ausbeutung wenigstens mal für kurze Zeit Einhalt zu gebieten.   
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Offline Seraph

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #40 am: Heute um 06:48 »
Das ist sehr interessant und gut auf den Punkt gebracht! :)
Kurze Anmerkung dazu:

Und das Regelwerk erzählt zwar von herrschsüchtigen Tieren, die die Macht innehaben und deren Herzen vergiftet sind, aber wehren kann man sich deren Dünkel nicht so recht. Man kann nur darauf vertrauen, dass sie nach und nach quasi von selbst die Schlüssel zur Kontrolle der Gesellschaft verlieren, weil sie gemieden und nicht mehr unterstützt werden.

Hier greift der einzige minimale Regelmechanismus - man kann jederzeit Marker ausgeben, um zu erkennen, was ein NSC braucht, um sich zum Positiven zu verändern, bzw. was ihn aktuell noch davon abhält. Letzten Endes werden sich, wenn man das ausspielen will, alle Antagonisten auch wieder läutern lassen können. Und es ist eine spannende Möglichkeit, die Spieler selber kreativ werden zu lassen.
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Offline Grubentroll

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #41 am: Heute um 10:22 »
Ganz zugespitzt würde ich sagen, dass Wanderhome ein in seiner Orientierung auf Cozyness und Harmonie sehr konservatives Spiel ist.

Sehr interessanter Satz. Eventuell sehe ich weil ich mich auch eher als konservativ wähne diese Probleme auch nicht, die ihr da oben aufmacht mit eventuellen Ungerechtigkeiten.

Ich akzeptiere die Prämisse des Spiels wie sie ist, und sehe da keine tieferen Widersprüche.


Auch hier wieder, das ganze Ding ist so gaga, dass ich diese anderen Dinge auch ohne Problem akzeptieren kann.

Offline felixs

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #42 am: Heute um 10:53 »
Man könnte halt erwarten, dass ein eher "wokes" Spiel die Problematik "unserer Trennung von Mensch und Tier" nicht so einfach übernimmt. Eben weil veganes (nicht-speziezistisches) Denken in "woken" Kreisen sehr verbreitet sein müsste. Aber vielleicht spielt das einfach in der Agenda des Autors keine Rolle. Oder wird bewusst ausgeklammert, weil man dann einen weiteren Widerspruch hätte, den man lösen müsste.

Den Gedanken von Thandbar, dass vieles am Ende sehr konservativ wirkt, teile ich. (Hatte sogar angefangen, das auszuformulieren, das dann aber nicht getan, weil ich Abdriften der Diskussion fürchtete. Sehe ich jetzt anders.). Meinem Eindruck nach ist das genau die Richtung, in die sich die amerikanischen "Liberals" bewegen: Die Umsetzung der Kritik in der sozialen Praxis ist weitgehend gescheitert, man flüchtet sich also in eine konservative Idylle, gegen die Zumutungen einer neoliberalen, zunehmend autoritär-libertären Welt. Freilich ist das eine konservative Idylle, die nicht in die Vergangenheit, sondern in eine Utopie weist, welche "die gute alte Zeit" (von der man doch noch irgendwie ahnt, dass sie so gut nicht war) mit Elementen aus der eigenen Kosmologie ergänzt. Man landet dann quasi in einem queeren Beutelsend. Insofern ist das wahrscheinlich gar kein Widerspruch, sondern eher Ausdruck einer gewissen theoretischen Hilflosigkeit angesichts des realen Scheiterns der futuristisch-progressivistischen Utopien.
Ich hoffe, das ist trotz der Kürze und der teilweise etwas impressionistischen Terminologie einigermaßen nachvollziehbar.

Ich traue mich, das zu schreiben, weil ich den Eindruck habe, dass wir hier gerade einen Diskussionsfluss haben, in dem das nicht zur Eskalation führt. Sollte ich mich irren, darf mein Beitrag gelöscht werden.
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Offline Mr. Ohnesorge

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #43 am: Heute um 10:59 »
Sehe ich auch so und hätte ich als Gedanken vor der Auseinandersetzung mit Wanderhome gar nicht konkret benennen können. :d
"These things are romanticized, but in the end they're only colorful lies." - This Is Hell, Polygraph Cheaters

Online tartex

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Re: [Erster Eindruck von] Wanderhome
« Antwort #44 am: Heute um 11:04 »
Ist halt die alte Diskussion: wie und warum konnten (viele) Hippies Tolkien toll finden?

Wanderhome ist doch eigentlich auch nur das Auenland mit Furries, oder?
Die Zwillingsseen: Der Tanelorn Hexcrawl
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