Auch wenn das jetzt sehr OT wird - aber genau das ist ja entweder Übersehend oder schlichtweg "Ignorieren", bzw. Ausleben von Speziesismus.
So kann man das natürlich sehen. Mich hatte es beim ersten Lesen etwas irritiert.
Unsere Trennung von Mensch und Tier findet sich in Haeth in der Unterscheidung Wirbeltier und Insekt.
Das Regelwerk stellt klar, dass die Wirbeltiere in Fleisch- und Pflanzenfresser zerfallen. Das heißt, die antropomorphen Katzen sind in dieser Welt anscheinend keine Vegetarier oder gar Veganer geworden - und da sie offenkundig keine anderen Wirbeltiere fressen, werden sie sich wohl an den Käfern gütlich tun, die ja auch aus irgendeinem Grund gehalten werden.
Wanderhome zitiert als ästhetisches Vorbild die Pastoralen des 19. Jahrhunderts - diese idyllisierte Darstellung des Landlebens, freundliche Schäfer mit ihrem milde dreinblickendem Vieh usw. Deshalb meinte ich, dass diese Nutztierhaltung und ihre spezifische Darstellung kein "Versehen" ist - sie gehört quasi zu diesem Genre dazu, zu der Stimmung, die evoziert werden soll.
Wanderhome scheint mir an sich
unkritisch. Und dies kann man natürlich auch gegen das Spiel vorbringen.
So wird im Regelwerk erklärt, dass es auf dem Land Mangel gibt und die Ressourcen knapp sind, anderswo aber Überfluss herrscht.
Dieses offenkundige Distributionsproblem - das ja durchaus Anlass für Konflikte geben würde - verbleibt in der Spielwelt als ein "das ist halt so".
Das Gebot der Idylle verbietet eine Rebellion gegen die herrschenden Zustände.
Und das Regelwerk erzählt zwar von herrschsüchtigen Tieren, die die Macht innehaben und deren Herzen vergiftet sind, aber wehren kann man sich deren Dünkel nicht so recht. Man kann nur darauf vertrauen, dass sie nach und nach quasi von selbst die Schlüssel zur Kontrolle der Gesellschaft verlieren, weil sie gemieden und nicht mehr unterstützt werden.
Ganz zugespitzt würde ich sagen, dass Wanderhome ein in seiner Orientierung auf Cozyness und Harmonie sehr konservatives Spiel ist.
Materielle Ungleichheit führt nicht zu Unruhen, weil alle eingesehen haben, dass das Leben schön ist, wenn man wenig hat.
In diesem Sinne ist das Spiel gar nicht progressiv, seine Utopie ist eine verklärte Vergangenheit, die nie existiert hat, und die so phantastisch ist, dass Menschen gar nicht in ihr vorkommen können.
In der Realität ist "Gewalt" ja nicht einfach nur böse. Für die Schwachen war Gewalt oft genug einfach der einzige Weg, der Ausbeutung wenigstens mal für kurze Zeit Einhalt zu gebieten.