Autor Thema: Mary Sue im Rollenspiel  (Gelesen 5645 mal)

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Offline AE

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Mary Sue im Rollenspiel
« am: 19.11.2007 | 01:09 »
Hallo,
neulich wurde mir in einem Gespräch klar das ich nicht weiß wie ich das fanfic Phänomen von "Mary Sue" Charakteren im Rollenspiel bewerten soll.

Für die, die nicht wissen worum es geht: Kurz gesagt "Mary Sue" Charaktere sind idealisierte Charaktere die zwar ihrem Schöpfer zusagen und mitunter Projektion seiner Fantasien sind, aber ansonsten für alle anderen Menschen mehr oder weniger uninteressant sind. Mehr dazu hier http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Sue

Nun sind Rollenspiele zwar manchmal Fanfiction (Star Wars, Buffy, Lotr, etc. - eigentlich ja auch alle anderen RPGs mit eigenen Romanen) aber die gespielte/erzählte Geschichte muss ja niemandem gefallen außer denen die sie selbst spielen.
Deswegen weiß ich nicht ob eine "Mary Sue" im Rollenspiel genauso negativ zu bewerten wäre wie in gewöhnlicher Fanfic.

Hinzu kommt auch das in einer traditionellen Spieler/Spielleiter Konstellation den Spielern oft nicht die Möglichkeit gegeben ist Mary Sue Charaktere voll auszuspielen da er/sie sich das Spotlight ja mit den anderen Spielern/NSCs teilen muss und bestimmte Spielmechanismen zu relativierenden Ergebnissen führen könnten.

Vieleicht ist es im Rollenspiel, besonders bei Anfängern, ja sogar eine wünschenswerte Herangehensweise Mary Sue artige Charaktere zu kreieren, da sie ihrem Erschaffer ja durch das hohe Identifikationspotential auch große Freude bereiten können.  wtf?

Andererseits könnte das vermeiden von Mary Sue Charakteren auch bei so manchem dazu beitragen intelligentere Geschichten und Abenteuer zu spielen.

Was ist eure Meinung dazu?
Und wie Mary Sue artig sind eure Charaktere? Macht mal nen Test.
Zum Beispiel hier: http://www.springhole.net/quizzes/marysue.htm

Darkwalker

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #1 am: 19.11.2007 | 04:09 »
MarySue ist IMHO weniger ein Spieler als mehr ein Spielleiter-Phänomen. Mehr als ein SL hat der Neigung nachgegeben einen Super-NPC einzubauen der definitiv MarySue war.

Offline Tantalos

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #2 am: 19.11.2007 | 07:20 »
MarySue ist IMHO weniger ein Spieler als mehr ein Spielleiter-Phänomen. Mehr als ein SL hat der Neigung nachgegeben einen Super-NPC einzubauen der definitiv MarySue war.

Ne, wenn ich das richtig verstehe können auch Spieler-Charakter sehr gut Mary Sues sein. Der Wiki Artikel beschreibt es ziemlich gut, wenn er sagt, dass Sues im wesentlichen effektiv sind, ohne irgendwelche Ansätze von Kanten haben, von Fehlern ganz zu schweigen.
Die meisten Shadowrun-Charaktere die ich gespielt habe sind ganz offensichtlich Mary Sues. Die von meinen Mitspielern auch, wenn ich so richtig drüber nachdenke...

Man kann laos MarySues vermeiden, wenn man sienen Charakteren Schwächen zuschustert.
Man müsste sich wahrscheinlich aber bei Rollenspiel Chrakteren zusätzliche Gedanken machen, ob "Schwächen" virtuelle Charakterkonzepte, wie zum Beispiel familiäre Probleme, schwieriger Background oder diffizile Einstellung zu Dingen des Lebens sind, oder offensichtliche faktische Schwächen wie hohe Goldgier oder viele Kerben in Gewalt.
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Offline Friedensbringer

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #3 am: 19.11.2007 | 08:00 »
MarySue ist IMHO weniger ein Spieler als mehr ein Spielleiter-Phänomen. Mehr als ein SL hat der Neigung nachgegeben einen Super-NPC einzubauen der definitiv MarySue war.

sehe ich ähnlich. natürlich kann auch ein spieler einen "Sue" char erstellen, aber er wird ihn nie so in den vordergrund stellen können wie der sl, und er ist an die charaktererschaffungsregeln gebunden (was der sl ja in solch einem fall normalerweise nicht ist)

das ein charakter mit schwächen viel interessanter zu spielen ist als ein charakter ohne sollte wohl jedem klar sein. wie das mit dem spaß aussieht ist dann wieder geschmackssache
Zitat von: Ludwig Wittgenstein
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Offline Der Nârr

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #4 am: 19.11.2007 | 10:29 »
Ich hatte mal einen Thread im SR-Bereich, da mich das Phänomen der Mary Sue arg wurmte: http://tanelorn.net/index.php/topic,36082.0.html
Der Begriff ist da nur nicht gefallen, da er mir bis heute unbekannt war, aber trifft zu weiten genau das, was ich da meinte.

In dem Sinne kann Mary Sue auf jeden Fall auch im Rollenspiel ein Ärgernis sein. Während es dem Spieler jedoch meistens nicht möglich ist, aufgrund der Regelmechanismen eine Mary Sue zu generieren, ist dies dem Spielleiter ein leichtes. Spielleiter, die häufig Mary Sues einsetzen, meide ich.

Edit zum Test:
0-16 Points
Most likely Not-Sue. Characters at this level could probably take a little spicing up without hurting them any.
« Letzte Änderung: 19.11.2007 | 11:19 von Hamf aus der Dose »
Spielt aktuell Deadlands reloaded
Spielleitet aktuell gar nix
In Planung OSEAFA - Old School Essentials Advanced Fantasy Aventurien

Offline Chaosdada

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #5 am: 19.11.2007 | 11:04 »
Zitat
Und wie Mary Sue artig sind eure Charaktere? Macht mal nen Test.
Mein derzeitiger Charakter hat 18 Punkte (also fürs RPG gut geeignet).

Mary Sue-artige züge halte ich solange es nicht sehr überhand nimmt bei SC für nicht weiter schlimm, man will doch oftmals einen coolen Helden spielen und daran ist ja auch nichts auszusetzen. Und wenn der SL es sich ab und an mal herausnimmt einen entsprechenden NSC einzubauen, habe ich auch kein Problem damit.
« Letzte Änderung: 19.11.2007 | 11:12 von Bitpicker »

Plansch-Ente

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #6 am: 19.11.2007 | 11:14 »
Ich hab den Wiki-Artikel jetzt nicht gelesen...aber wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet "Mary Sue" soviel wie: Der Charakter ist so aufgebaut, dass er MIR besonders gefällt - andere aber eher nicht. Wenn das richtig ist, dann muss ich sagen, dass meine Charaktere meistens ziemlich "Mary Sue" sind, weil ich sie oft nach einem bestimmten Vorbild baue. Irgendeinen Charakter aus Film/Fernsehen/Buch/sonst was, der mir gefällt steht meistens Pate für meine Charaktere. Das ist dann nicht so, dass ich die komplett nachbaue - aber sie dienen mir als Grundgerüst. Ich gebe meinen Charakteren dann meistens eine MENGE Schwächen - nur finden die die meisten Mitspieler ziemlich nervig. Zählt das dann auch als "Mary Sue"?!

Offline Tantalos

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #7 am: 19.11.2007 | 11:21 »
Ich hab den Wiki-Artikel jetzt nicht gelesen...aber wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet "Mary Sue" soviel wie: Der Charakter ist so aufgebaut, dass er MIR besonders gefällt - andere aber eher nicht. Wenn das richtig ist, dann muss ich sagen, dass meine Charaktere meistens ziemlich "Mary Sue" sind, weil ich sie oft nach einem bestimmten Vorbild baue. Irgendeinen Charakter aus Film/Fernsehen/Buch/sonst was, der mir gefällt steht meistens Pate für meine Charaktere. Das ist dann nicht so, dass ich die komplett nachbaue - aber sie dienen mir als Grundgerüst. Ich gebe meinen Charakteren dann meistens eine MENGE Schwächen - nur finden die die meisten Mitspieler ziemlich nervig. Zählt das dann auch als "Mary Sue"?!

Nein, das ist nicht richtig. Führe Dir folgende kurze Definitionen zur Gemüte...

http://www.subreality.com/glossary/terms.htm#M
Zitat
Mary Sue
The generic name for any new character (usually female) who's a ego-stroke for the writer: she's beautiful, has amazing skills/powers, gets into a love affair with an existing character, or (usually) all of the above. Mary Sues often convince characters to hook up romantically, especially in slash. Good writers can write good Mary Sues, but this is not the norm. See fangirl and avatar for other variations, or go here for a full explanation.

http://www.katspace.org/Fiction-Essays/Marisu
Zitat
A "Mary-Sue story" can be described as a wish-fulfilment fantasy on the part of the author, in which a thinly disguised avatar of the author is placed into the story, a character too good to be true. [...]
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Offline Elgor der Rollschuhhund

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #8 am: 19.11.2007 | 12:11 »
.... natürlich kann auch ein spieler einen "Sue" char erstellen, aber er wird ihn nie so in den vordergrund stellen können wie der sl, und er ist an die charaktererschaffungsregeln gebunden (was der sl ja in solch einem fall normalerweise nicht ist)

Ganz genau. Die regulierende Instanz des SL und die Regeln lassen richtig krasse Mary-Sue-Charaktere nicht zu, da kann der Spieler noch so selbstverliebt sein.  Anders ist es wenn der SL seinen Lieblingscharakter mitlaufen lässt (Halbgott, Sohn des Kriegsgottes und der besten menschlichen Magierin, von Drachen großgezogen und natürlich mit meisterschaft im ich-mach-sie-alle-lang-Talent.......)

Ein bißchen Sue steckt bestimmt in jedem klischeehaften Helden. Aber da gibt es ja noch ganz andere Dimensionen. Schon der Fragebogen hat mich etwas stuzig gemacht (ich bin mit meinem Lieblingscharakter auf 8 Punkte gekommen und mit meinem extravagantesten auf 17).
Aber habt ihr mal das Wikipedia Beispiel für eine richtig schlimme Mary Sue gelesen? Das ist sooo dermaßen schlecht, dass es schon wieder gut ist und dann wieder schlecht wird. Man hofft nur, dass am Ende ein großes SATIRE-Schild hochgehalten wird.

Offline Tantalos

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #9 am: 19.11.2007 | 12:14 »
Zitat
Ganz genau. Die regulierende Instanz des SL und die Regeln lassen richtig krasse Mary-Sue-Charaktere nicht zu, da kann der Spieler noch so selbstverliebt sein.  Anders ist es wenn der SL seinen Lieblingscharakter mitlaufen lässt (Halbgott, Sohn des Kriegsgottes und der besten menschlichen Magierin, von Drachen großgezogen und natürlich mit meisterschaft im ich-mach-sie-alle-lang-Talent.......)

Okey, seh ich ein  :D
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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #10 am: 19.11.2007 | 12:17 »
Ich glaube einen Teil der sogenannten Munshkins bauen genau solche Mary-Sues. Und wenn die Regeln dagegen stehen, dann werden sie gerne gebrochen (bzw. der SL wird so lange angeweint, bis er den Spieler rausschmeisst oder den Charakter zulässt) Von daher kenne ich einige Mary-Sue-Charaktere von Spielern. Es ist beim besten Willen kein reines SL-Charakter-Phänomen.
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Offline Tantalos

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #11 am: 19.11.2007 | 12:31 »
Ich glaube einen Teil der sogenannten Munshkins bauen genau solche Mary-Sues. Und wenn die Regeln dagegen stehen, dann werden sie gerne gebrochen (bzw. der SL wird so lange angeweint, bis er den Spieler rausschmeisst oder den Charakter zulässt) Von daher kenne ich einige Mary-Sue-Charaktere von Spielern. Es ist beim besten Willen kein reines SL-Charakter-Phänomen.

Aber ein Munchkin-Char hat ja meist trotzdem irgendwelche (regeltechnischen-) Schwächen. Also jemand,d er seinen Charakter auf Nahkampf optimiert ist kann ja trotzdem anfällig gegnüber Magie oder Goldgier sein. Die meisten Regelsysteme bietet keinen absoluten Perfektionismus... es sei den man ist Spielleiter und Verfügt über das Machtmittel der Willkür.
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Offline Friedensbringer

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #12 am: 19.11.2007 | 12:35 »
Ich glaube einen Teil der sogenannten Munshkins bauen genau solche Mary-Sues. Und wenn die Regeln dagegen stehen, dann werden sie gerne gebrochen (bzw. der SL wird so lange angeweint, bis er den Spieler rausschmeisst oder den Charakter zulässt) Von daher kenne ich einige Mary-Sue-Charaktere von Spielern. Es ist beim besten Willen kein reines SL-Charakter-Phänomen.

naja, in dem fall ists zwar kein sl-char problem, wohl aber ein sl problem: wer so blöd ist über-chars bei spielern zuzulassen, ist in meinen augen ein schlechter spielleiter! aus eigener erfahrung kenn ich sowas (zum glück) nicht. wenn "überchars" vorkamen, dann haben direkt alle solch einen bekommen, was dann auch wieder irgendwie ok ist (auch wenn mir sowas kein spaß macht)
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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #13 am: 19.11.2007 | 12:38 »
Ich halte Mary Sues als Qualitätsindikator für überschätzt. Conan der Barbar war auch eine Idealisierung von Robert E. Howards Wunschvorstellungen über seine irischen Wurzeln und sein Verhältnis zu Zivilisiertheit die an allen Fronten r0XX0rt, egal ob es darum geht hyrrkanische Jungfrauen dahinschmelzen zu lassen oder stygischen Hexern das Breitschwert zwischen die Rippen zu rammen, und wenn Conan mal auf die Schnauze fällt dann nur um sich wie Rocky wieder aufzurappeln und noch triumphaler zu siegen.
Dennoch ist Conan mein Lieblingscharakter in der Fantasy.

Umgekehrt ist das Umgehen aller Mary-Sue-Klischees noch lange kein guter Charakter - wer will die Abenteuer einer weinerlichen, inkompetenten und schmalspurigen Trauergestalt lesen mit deren Überzeugungen sich niemand identifizieren kann weil der Autor bewußt Abstand genommen hat um ja keine Mary Sue zu produzieren?


Natürlich kann man auch aus Anti-Sues interessante Figuren machen und Mary Sues verhunzen bis etwas wirklich ungenießbares rauskommt (schlechte Fan-Fics beweisen das im Internet tausendfach), aber um Qualität zu bestimmen eignen sich diese Kategorisierungen nicht.
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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #14 am: 19.11.2007 | 12:43 »
Die "Angsty Sue" erinnert mich stark an viele, viiiiieeele Charakter-Hintergründe, die ich beim Vampire-Life als SL lesen mußte.

... im Spiel wurde dann aus einer Angsty Sue dann aber doch gerne eine Mary Sue.

@Test: Naja. Ein Char kann auch cool und kompetent sein, ohne gleich eine Mary Sue zu werden und einfach alles zu können.

Ist Mary Sue eigentlich mit Teflon-Billy verwandt?  ;)
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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #15 am: 19.11.2007 | 14:14 »
Die "Angsty Sue" erinnert mich stark an viele, viiiiieeele Charakter-Hintergründe, die ich beim Vampire-Life als SL lesen mußte.
Der "Ich weine im Teekränzchen über meine Vergangenheit"-Typ oder der "Ich lasse meine Vergangenheit durch Hinterntreten aus mir raus"-Typ?
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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #16 am: 19.11.2007 | 23:34 »
Ich hab besonders in Forenrollenspielen ohne SL oder mit SL, der auch nicht dauernd alles hinterher korrigieren will, zahlreiche Mary Sues erlebt, die auf entnervende Weise (trotz ihres Alters) gutaussehende, grandios schwertschwingende Gedankenleser waren. Dein Charakter verheimlicht was? Mary Sue bemerkt es garantiert. Der weltbeste Attentäter verfolgt sein Opfer? Mary Sue ertappt ihn. Du spielst Poker mit Mary Sue? Gib ihr lieber gleich all dein Geld, dann hast du es schneller hinter dir.

Ich schätze, sowas passiert auch bei geschriebenen Rollenspielen viel leichter als am Tisch, weil man schnell mal drüberliest, dass ja jemand eigentlich NICHT will, dass es jeder sofort merkt. Andererseits ist es in den Runden, an die ich denke, so oft passiert, dass diese Ausrede sicher nicht mehr zählt.
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Offline Jericho

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #17 am: 22.11.2007 | 16:34 »
Ich hab noch nie nen charakter so erschaffen/gespielt das er mir sher ähnelt oder der gleichen! Ich such mir ein paar rosinen raus und mach was schönes raus! Ist meistens so das ich immer etwas an meinen charas hab das mir net gefällt! Beispiel DSA: hab mit nem Streuner angefangen, soweit so gut, ist aber leider ziemlich blöd wenn der Albino ist! Hab aber trotzdem gerne mit ihm gespielt!
Und in anderen Rollenspielen? Na höchstens in Vampire war mein Ventrue ziemlich stark mir selbst nach entfunden!
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Offline Nocturama

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #18 am: 22.11.2007 | 17:14 »
Nun ja, wish-fullfillment ist noch nicht gleich Mary Sue. Ich denke mal, dass sehr viele Rollenspieler (mich inklusive) irgendwas in ihren Charakteren sehen, dass sie besonders mögen oder cool finden. Woran erkennt man also, dass ein Spieler eine Mary Sue spielt? Vor allem an der fehlenden Selbstironie. Wenn man sich auf die Frage: "Was, du spielst eine grünhaarige, fliegende Dame mit drei Tiergefährten, in die sich fast jeder gleich verknallt, der sie nur einmal sieht? Ist das nicht etwas kindisch?" entspannt zurücklehnen und mit einem Lächeln sagen kann: "Joa, ich find's lustig" dann spielt man trotzdem keine Mary Sue. Wenn man dagegen wütend seinen Kram einpackt und sich auf den Schlips getreten fühlt, sollte man dringend mal in sich gehen. Bei Mary Sues geht einfach die gesunde Distanz zum Charakter verloren und das kann sehr störend werden.

Mary Sues sind für mich dementsprechend ein typisches Teenager-Phänomen und ich gebe zu, dass ich in meiner Teenie-Zeit auch Mary Sue Charaktere gebastelt habe... Gott sei dank konnte ich nie einen davon spielen...
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alexandro

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #19 am: 22.11.2007 | 17:45 »
Ich denke (schlechte) Mary Sues als SC sind schon dadurch limitiert, dass die Regeln idR Erfolg und Mißerfolg regulieren. Ein Charakter, der als wish-fulfillment mal eben im Vorbeigehen alles erreicht, was er sich vornimmt ist hier nicht möglich. Conan wäre kein Mary Sue Charakter, einfach weil er sich anstrengen muss, um zu erreichen was er halt zu erreichen versucht- da liegt das Spannungspotential.

Ähnlich verhält es sich mit "allmächtigen" SC, wie den Bewohnern von Amber etc. Wenn man diesen nur dabei zusieht wie sie willkürlich eine Traumwelt mit perfekten Liebhabern erschaffen, in der sie die großen Helden sind, dann ist das genauso spannend, als wenn man Alrik beim einkaufen von Hartwurst zusieht.

Das heißt nicht, dass hammerharte Charaktere nicht Spaß machen können, aber man muss ihnen Aufgaben geben, die ihre Fähigkeiten herausfordern, um die Sache spannend zu machen (Comics wie Superman und Sandman machen vor wie sowas geht).

Schwieriger ist schon der "ich bin so depri, mir gelingt nichts- lets fuck" Typus von Mary Sue, der sich sehr niedrige Erwartungen an das setzen, was ihr Charakter erreichen will und dieses daher ohne Probleme erreichen, ohne dass der SL große Schwierigkeiten auffährt ("Nein, ich lassen dich nicht auf 'Deprimiert rumsitzen' würfeln!"). Hier sollte man den Spieler entweder ermutigen, einen Charakter mit etwas mehr Ambitionen zu spielen oder ein System probieren, wo Spielerleistung und Charakterleistung klar getrennt sind, wie z.B. PTA ("Yeah, ich habe die Karten des Producers geschlagen und die Stakes gewonnen. Das heißt Darkraven hält einen deprisiven Monolog, statt mit Sarah in den Club zu gehen. Und weil ich die höchste Karte habe, darf ich den Monolog auch noch selbst erzählen. Wohooooo!!!").

Illusionista

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #20 am: 23.11.2007 | 10:18 »
Na klar ist jeder Charakter, den ich irgendwie spiele, ne gewisse Wunschvorstellung und Idealisierung. So tough wie mein alter AD&D Waldläufer wäre ich mit Sicherheit nicht. Zaubern kann ich natürlich auch nicht und sich mit Untoten und Dämonen rumprügeln iist cool für meinen Charakter, ich dagegen würd nen netten Bogen darum machen.

Aber! Ich spiel aus Spaß und nicht um irgendwelchen, imo, komischen Analysen und Theorien das nötige Futter zu bieten. Denn die machen mein Spiel nicht wirklich besser. Oder hat sich jemand von Euch schonmal hingesetzt und den Kindern im Sandkasten den theoretischen Ansatz zum korrekten Sandburgenbauen erläutert? ich nicht. ;)

Offline Bad Horse

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #21 am: 23.11.2007 | 12:56 »
Der "Ich weine im Teekränzchen über meine Vergangenheit"-Typ oder der "Ich lasse meine Vergangenheit durch Hinterntreten aus mir raus"-Typ?
Als Punisher- und Charles-Bronson-Fan weiß ich schon welchen ich bevorzuge 8)

Nein, daß war der "Dies ist eine Geschichte voller Schmerzen. Ich war da ein Adliger, Lieblingssohn meines Vaters, und da kam seine Beraterin, eine Vampirin, die mich auch zum Vampir machte und jetzt auch noch meine Mentorin ist, und lernte verschiedene mächtige Leute kennen, die mich alle super finden, aber ich hab auch einen fiesen Feind, der aber eigentlich der totale Loser ist"-Typ. Nein, ich hab die Schmerzen da auch nicht gefunden. Es sei denn, es waren meine Schmerzen beim Lesen.   :-X

@Ilusionista: Keine Theorie: Sinn-oder-Unsinn-Diskussion, bitte. Hatten wir schon sooooooo oft...  ;)
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Illusionista

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #22 am: 23.11.2007 | 13:06 »
@Leonie

Ich will so ne Diskussion nicht anfangen, ist nur meine Meinung in einem Beisatz. Mich würde nur mal interessieren, ob bei den ganzen Theoriieverfechtern das Rollenspiel besser ist. Aber wenn ich mal Laune hab, werd ich wohl mal eine Umfrage starten.

Joe Dizzy

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #23 am: 23.11.2007 | 13:33 »
Mary Sue (als Wunschvorstellung oder idealisierte Version der eigenen Person) ist mit Sicherheit ein legitimer und tief mit dem Rollenspiel verwobener Spielansatz. Er ist halt nicht der einzige, sondern gleichwertig zu anderen, die z.B. den Charakter als Schauobjekt sehen oder als Figur mit der man mitfühlt ohne sich mit ihr zu identifizieren.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Reinformen dieser Herangehensweise nur selten auftauchen. Die meisten Spieler pendeln ein wenig zwischen verschiedenen Vorstellungen hin und her.

Online Maarzan

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #24 am: 23.11.2007 | 14:58 »
Na klar ist jeder Charakter, den ich irgendwie spiele, ne gewisse Wunschvorstellung und Idealisierung. So tough wie mein alter AD&D Waldläufer wäre ich mit Sicherheit nicht. Zaubern kann ich natürlich auch nicht und sich mit Untoten und Dämonen rumprügeln iist cool für meinen Charakter, ich dagegen würd nen netten Bogen darum machen.

Aber! Ich spiel aus Spaß und nicht um irgendwelchen, imo, komischen Analysen und Theorien das nötige Futter zu bieten. Denn die machen mein Spiel nicht wirklich besser. Oder hat sich jemand von Euch schonmal hingesetzt und den Kindern im Sandkasten den theoretischen Ansatz zum korrekten Sandburgenbauen erläutert? ich nicht. ;)

Mit diesen Fähigkeiten stehen die Charaktere aber nicht über denen ihrer Mithelden, oft nicht einmal über denen eines ganzen Haufen von Leuten aus ihrer Umgebung. genauso bedeuten diese Fähigkeiten ja nicht, dass dahinter ein Charakter mit Charakter und auch Schwächen steht.
Kernelement von MarySues scheint ja zu sein, dass sie überproportional gut und fehlerfrei sein sollen und man die Vermutung hegen kann, das der Spieler damit etwas kompensieren will.

Mit Charakteren rein nach Regeln scheinen mir MarySues per Definition kaum möglich, da dort einmal meist klare Grenzen und Budgets gesetzt sind und eigentlich jeder andere denselben oder einen ähnlich qualifizierten Char bauen könnte. Andererseits vermute ich, das genau dies der Grund ist, warum viele Leute gegen Regeln so wettern.
Storytellertraumatisiert und auf der Suche nach einer kuscheligen Selbsthilferunde ...

Offline Nocturama

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #25 am: 24.11.2007 | 10:33 »
Zitat
Kernelement von MarySues scheint ja zu sein, dass sie überproportional gut und fehlerfrei sein sollen und man die Vermutung hegen kann, das der Spieler damit etwas kompensieren will.

Auch auf die Gefahr hin, in die Untiefen der Hobby-Psychologie abzusteigen, aber das kommt mir wie das Kernproblem bei Mary Sues vor (selbst wenn das vielleicht (?) von der offiziellen Definition etwas abweicht). Ein Charakter, der als Wunscherfüllung dient, der cool ist, besser als ich selbst, supermächtig oder mir selbst sehr ähnlich ist, muss keine Mary Sue sein. Dazu gehört mMn, dass ich einem Charakter solche Charakterzüge gebe, weil ich dadurch eigene (eingebildete oder reale) Schwächen kompensieren will - das aber meistens unbewußt. Genau aus diesem Grund halte ich ja Mary Sues hauptsächlich für ein Teenager-Phänomen.

Natürlich kommen Mary Sues in Reinform fast nur in Fan-Fiction oder Forenrollenspielen vor, denn dort ist man relativ anonym und macht sich nicht so persönlich angreifbar - was wichtig ist, da nach meiner Interpretation eine Mary Sue geschaffen wird, um eine Unsicherheit meinerseits zu verdecken.

In der Art können einem schwächere Mary Sues (wie erwähnt durch die Regeln im Zaum gehalten) durchaus beim Rollenspiel begegnen. Beispiel wäre ein besonders attraktiver Charakter, weil sich der Spieler für unattraktiv hält oder - ich traue mich fast nicht, es zu sagen, aber da mir das schon untergekommen ist, nehme ich es auf - ein sexuell sehr erfolgreicher Charakter, weil der Spieler Probleme mit dem anderen Geschlecht hat. Um es nochmal zu sagen: beide Arten von Charakteren kann man spielen, ohne dass sie das geringste mit Mary Sues zu tun haben oder das irgendwie negativ wäre, selbst wenn es sich um Wunscherfüllung handelt. (Anm.: das sind natürlich reichlich platte Beispiele und sicherlich ist so was normalerweise viel abstrakter und unfokusierter, aber ich bin keine Psychologin und will da lieber nicht spekulieren.)
Problematisch an dieser Art Mary Sues im Rollenspiel ist, dass sie sich persönlich angegriffen fühlen, wenn der "Überkompensations-Charakterzug" der Mary Sue angezweifelt/angegriffen wird oder gar jemand darüber Witze macht. Zusätzlich können diese Spieler doppelt schlecht damit umgehen, wenn ihrem Charakter in dieser (der von ihnen kompensierten) Hinsicht etwas Unerwünschtes zustößt...

Hm, ich habe schon Spieler erlebt, die Mary Sues mit Kompensationszügen gebastelt haben und damit gab es dann auch Probleme...
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Offline AE

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Re: Mary Sue im Rollenspiel
« Antwort #26 am: 24.11.2007 | 22:02 »
Danke erstmal für eure Ideen zu meinem Post.
Ich hab mir noch einige Gedanken zu gemacht und bin bisher zu folgen Schlüssen gekommen.

Die Mary-Sue Definition
Ich denke die üblichen Definitionen von Mary Sues lasen sich nicht wirklich gut aufs klassiche P&P Rollenspiel anwenden. Zumindestens nicht für Spielercharaktere. Das liegt daran das der Begriff der Mary-Sue mehrere Eigenschaften vereint.
Der fürs Rollenspiel relavante Teil der Mary Sue ist einerseits immer im Spotlight zu stehen und andererseits keinen wirklichen Konfilkten ausgesetzt zu sein. Beides würde sich höchstwahrscheinlich negativ auf das Spielerlebnis auswirken.
Dazu kann es aber eigntlich nur kommen wenn der Spieler der Mary Sue die Gruppe Sozial dominiert und so Spotlight und "Ausnahme Regeln" für seinen Charakter durchsetzen kann.

Mary Sues und der schlechte Geschmack
Viele der Litmus-Tests für Mary Sues und ebenso viele Beispielhafte Beschreibungen beschäftigen sich aber neben dem Spotlight und der Konfliktfreiheit der Mary Sues auch mit dem schlechtem Geschmack ihrer Erschaffer. Viele Mary Sues in der FanFiction sind einfach Abziehbilder und kreativelose kombinationen von Aspekten bereits bekannter Archetypen und Charakatere.
Grundsätzlich ist nichts falsch am schwarzen Trenchcoat + Katana, jedoch ist es nicht unbedingt die kreativste Kombination - da bereits 1000+fach gesehen.
Langweiliges wiederkauen abgelutschter Klischees erzeugt kein disfunktionales Spiel und ist einzig und allein eine Frage des Geschmacks.
Besonders auffällig ist der schlechte Geschmack am Mainstream, so scheinen gerade Anime und AnnRice Fans häufig in diese Falle zu tappen.

Mary Sues und der Fetisch
Viele Mary Sues erleben explizit sexuelle Geschichten und sind darüber hinaus immer besonders sexy, anmutig, etc. Dies allein unterscheidet sie schon von gewöhnlichen Munchkins. Dabei können Mary Sues sowohl das idealisierte Selbst darstellen als auch ein Wunschobjekt des Erschaffers/Spielers sein. (zb. Tomb Raider). Ich denke gerade Computer Spiele und Anime haben eine solche Art von Projektion massentaglich gemacht.

The moral high ground / bzw. Nachteil zu Vorteil gleich Märtyrer?
Ich hatte mich gewundert warum eine vielzahl von Mary Sues eine scheinbar traumatische Vergangenheit aufweisen. Folter, Vergewaltigung, Verlust von Geliebten etc. Zuerst dachte ich das dies noch in die Fetisch Ecke gehört doch jetzt ich denke das die nur manchmal der Fall ist.
Zuerst konnte ich keinen Vorteil finden den ein Charakter daraus zieht in seiner Jugend mishandelt zu worden sein.
Doch dann kam mir die Erkenntnis es geht um Märtyrertum. Darum moralisch im Recht zu sein und natürlich letztendlich immer im Mittelpunkt zu stehen.
Ein Charakter der gefoltert wurde und durch die Hölle ging hat gewissermaßen ein ständiges recht auf mitlied. Es macht sich halt schlecht wenn man über einen abgebrochen Fingernagel heult wenn der Gegenüber in seiner Jugend ein Jahr mit glühenden Eisen gequält wurde.
Hinzu kommt natürlich die Möglichkeit jeder Bedrohung ins Gesicht zu lachen da man ja schon viel schlimmeres erlebt hat.

Die Gender Falle
Eine größtteil der Mary-Sues scheint weiblich zu sein. Dies hat sicherlich viele Gründe doch zu zwei will ich noch etwas sagen.
Erstens denke ich das männliche Überhelden gesellschaftlich weitaus akzeptierter sind und dadurch nicht so schnell als Mary Sues bezeichnet werden andererseits manche Internetbewohner in fast jeden starken weiblichen Charakter eine Mary Sue sehen.
Zweitens denke ich gibt es abar auch andere ganz konkrete Faktoren.
Durch gewisse geschlechtliche Zuschreibungen sind weibliche Charaktere einfach per se gefährdeter Mary Sue züge zu bekommen. Zum Beispiel die Kombination zweier unvereinbarer Vorteile.
Währende bei männlichen Charakteren schön und stark(körperlich) sich nicht ausschließen sondern sogar eher begünstigen ist es bei weiblichen Charakteren genau umgekehrt. Mit einer 60cm Talie und 55kg Körpergewicht sind der körperlichen Stärke natürlich gewisse Grenzen gesetzt.
Ein weiblicher Charakter der die gängigen Schönheitsideale bedient und sich im waffenlosen Kampf mit allen Gegner messen soll muss also entweder über unglaubliche Kampferfertigkeiten verfügen oder eine übernatürliche und unsichtabre Stärke verfügen. (Buffy/Resident Evil-Filme). Natürlich kann der Charakter auch nicht viel Zeit mit dem lernen von Kampfkunst/sport verbracht haben da sie zusätzlich auch noch so jung wie möglich sein muss. Magie ist dann der häufige Ausweg.
Selbstverständlich sind solche Charaktere nicht alle schlecht oder Mary Sues (bin selbst Buffy-fan) aber durch die unrealistichen Anforderungen die, die Gesellschaft an weibliche Helden stellt (sexy+jung+superstark) steigt der Anspruch an den/die AuthorIn einer solchen Geschichte die Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten und die Heldin zum Teil der Welt zu machen ohne das sie aufgesetzt wirkt.


« Letzte Änderung: 24.11.2007 | 22:05 von AE »