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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Kampfwurst am 17.10.2016 | 02:57

Titel: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Kampfwurst am 17.10.2016 | 02:57
Eine Beobachtung mit Verwunderung und Ratlosigkeit.

Mir fällt in einigen Runden auf, dass die Spieler gerne einmal Dinge auf diverse Behörden abschieben. Das klappt natürlich nicht immer, aber sobald diese Möglichkeit existiert, wird reichlich davon Gebrauch gemacht. In einem Detektiv Abenteuer gehen die Spieler zur Polizei und erwarten, dass die das verschwundene Mädchen schon finden werden. Wenn es um einen magischen Virus geht, wird das Problem an den Seuchenschutz abgegeben. Es scheint, als würde das Spiel an der Stelle aus der "Sim City" Perspektive gespielt, weniger aus der Charakter Perspektive.

Habt ihr sowas auch schonmal beobachtet? Könnt ihr erklären woher das kommt? Habt ihr Mittel, dem entgegen zu wirken (abseits der "Nö, is nicht" Keule)?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Narrenspiel am 17.10.2016 | 03:10
Dafür kann es viele Gründe geben: Deine Spieler glauben, dass ihre Charaktere der Aufgabe nicht gewachsen sind; sie finden die Aufgabe als solche langweilig und wollen etwas anderes erleben; sie legen viel Wert auf Realismus in ihrer Spielwelt und glauben, dass sich die Behörden realistischerweise um diese Probleme kümmern sollten.

Ich würd' sie einfach fragen, warum sie das tun -- dann kannst du an den entsprechenden Stellschrauben drehen. ;)

In meiner eigenen Spielrunde hatten wir das Phänomen einmal, als wir Straßenlevelcharaktere gespielt haben und plötzlich die Stadt retten sollten. Wir haben uns weder kompetent genug noch verantwortlich gefühlt. Der SL hat die Autoritäten dann abweisend reagieren lassen (sie wollten sich nicht um das Problem kümmern), was uns aber eher noch stärker frustriert hat. Eine Lösung für *uns* wäre gewesen, die Behörden mit uns kooperieren zu lassen, nur um uns nach und nach feststellen zu lassen, dass sie korrupt sind und man ihnen nicht trauen können.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: alexandro am 17.10.2016 | 03:18
-zeigen, dass die Behörden überfordert sind (massenweise tote Cops)
-zeigen, dass die Behörden dumm (oder zumindest: erschreckend uninformiert über die wahren Vorgänge) sind
-zeigen, dass die Behörden regelmäßig gegen die Interessen der Charaktere handeln (z.B. Freunde der Charaktere verdächtigen)
-zeigen, dass es den Behörden an jeglicher Menschlichkeit und maßvollem Handeln mangelt (der Seuchenschutz lässt gleich den ganzen Stadtteil abriegeln und - wenn sie dem Virus (aufgrund von dessen magischer Natur) nicht Herr werden - diesen auch schon mal einebnen, sollte es (ihrer Meinung nach) nötig werden. Dass die Charaktere schon ein Heilmittel haben, glauben sie natürlich zunächst nicht - immerhin haben sich die Experten des CDC am Virus die Zähne ausgebissen, da schaffen ein paar Nobodys das erst recht nicht).
usw. usf.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: LushWoods am 17.10.2016 | 07:19
Das würde mir viel zu sehr in's Railroading abdriften.

In solchen Fällen, bei denen die Vorgehensweise der Spieler logisch und nachvollziehbar ist, würde ich das Ganze z.B. von einem "Überzeugen" Wurf abhängig machen.
Das heißt ob der Virus eingedämmt wird, ist dann nicht mehr vom konkreten Vorgehen dagegen abhängig, sondern davon wie gut die Spieler die Behörden überzeugt haben.
Wenn ein Wurf als zu wenig erscheint kann man das auch z.B. von einem "Überzeugen Wurf" und einem "Informieren Wurf" abhängig machen.
Oder "Überzeugen" wird zu einem fortgeführten Wurf bei dem man eine bestimmte anzahl Erfolge ansammeln muss.

Wie auch immer, Hauptsache die Spieler nehmen sich nicht ganz raus, auch wenn deren Vorgehensweise noch so nachvollziehbar ist.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Deep_Impact am 17.10.2016 | 08:03
Interessantes Problem. Das würde ich glaube zweistufig angehen.

Die Charaktere können die Behörden natürlich um Amtshilfe bitten. Das hängt ja von der Grundbedingung ab, sind es Privatschnüffler oder eher Bundesagenten? Ergo, der Seuchenschutz hilft sicherlich den Virus einzudämmen, aber die Charaktere müssen sich halt um die Quelle kümmern.

Dann finde ich die Grundregel "Baut begeisterungsfähige Charaktere!!" ganz wichtig. Wenn die Spieler einfach keinen Lust haben Abenteuer zu erleben haben, dann läuft grundsätzlich was falsch. Was die Ursache ist, kann natürlich ganz unterschiedlich sein.
In meinem Job gibt es die sogenannte "Na und?"-Regel. Wenn du also einem Team magischer Detektive in Hintertupfingen erzählst, dass ein Hubschrauber ins ehemalige Regierungsviertel von Bonn gestürzt ist, werden sie berechtigt sagen: Na und?!? Wenn es sich aber um ein (ggf. befreundetes) Opfer handelt, dass in einem blutigen Pentagram in der hintertupfinger Sakristei gefunden wird... Schon klar, oder? Persönlicher Bezug ist das Zauberwort.

Sollte das immer noch nicht helfen, dann muss ein Gespräch wohl sein.

Was für eine Setting bespielst du denn?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Saffron am 17.10.2016 | 08:08
Ich würde einfach die Folgen des Handelns darstellen: wenn die Behõrden mangels übernatürlichen Wissens den magischen Virus nicht eindæmmen kann, erfahren die SC, dass immer mehr Infizierte auftauchen. Sie merken dann, dass das Problem nicht gelõst wurde und haben immer noch die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen.

Ich würde aber ggf. auch Lösungsansätze bieten, falls die Spieler überfordert sind. Z.B. könnte ein befreundeter Okkultist die SC um Hilfe bitten, dabei aber auch sein Know-How oder Ressourcen zur Verfügung stellen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Rorschachhamster am 17.10.2016 | 08:11
Das würde mir viel zu sehr in's Railroading abdriften.
...
Äh, was? Das ist nur Railroading, wenn die Cops plötzlich inkompetent sind um die Spieler zu zwingen tätig zu werden, z.B., aber nicht per se. Solange das mit der Spielwelt konsistent ist, ist da nix railroadiges dran. Obwohl dann die Spieler es eigentlich besser wissen müßten.

Zu dem Überfordert bzw gelangweilt: Viellicht sind es auch nicht die Spieler, die Charaktere könnten durchaus so angelegt sein - ein Paladin in D&D wäre z.B. sogar verpflichtet die Behörden irgendwie einzuschalten, und sei es dafür, die Erlaubnis zu erhalten, selbst tätig zu werden. Ein Charakter der irgendwie Gesetzestreu ist, halt auch. Oder halt der selbstsüchtige Schurke, der die wichtigkeit der Sache anerkennt, aber selber viel mehr an Geld interessiert ist. Da muß man die Charaktere manchmal abholen, damit die Spieler einen Grund haben.  ;)

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2016 | 08:25
Irgendwie sehe ich das Problem jetzt nicht so ganz. Wenn's Autoritäten gibt, dann dürfen die sich ruhig auch mal nützlich machen -- dazu sind sie da, dafür sind sie zuständig, und Gruppen von SC, die zu der Ansicht kommen, daß sie eh immer alles allein stemmen müssen, weil man sonst niemandem trauen kann, sind meinem Verständnis nach eine der führenden Ursachen von Mörderhobotum.

Und daß man tatsächlich mal echte Unterstützung bekommt, ist ja alleine noch kein "Hurra, wir haben schon gewonnen und können jetzt den Rest des Abends Handyspielchen daddeln"-Knopf. Die Behörden (oder wer auch sonst) machen dann halt ihren Teil je nach Kompetenz mehr oder weniger gut und die Spielercharaktere können sich inzwischen mit anderen, persönlicheren Aspekten der Situation beschäftigen -- kein Grund also, warum das Abenteuer nicht einfach weitergehen könnte.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Rev. Bilk am 17.10.2016 | 08:38
Zitat
kein Grund also, warum das Abenteuer nicht einfach weitergehen könnte.

Ähem ... doch, wenn die Gruppe konsequent (fast) jeden McGuffin abgibt.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 17.10.2016 | 08:45
Handelt es sich dabei um erfahrene Spieler?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: LushWoods am 17.10.2016 | 08:58
Äh, was? Das ist nur Railroading, wenn die Cops plötzlich inkompetent sind um die Spieler zu zwingen tätig zu werden, z.B., aber nicht per se. Solange das mit der Spielwelt konsistent ist, ist da nix railroadiges dran. Obwohl dann die Spieler es eigentlich besser wissen müßten.


Uhuhuhu ... Reizwort, Reizwort, Reizwort ...  ;D
 :btt:
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Arldwulf am 17.10.2016 | 08:59
Generell ist so etwas nur ein alternativer Lösungsweg für das Problem, und solche sollte man fördern. Das Problem ist also nicht, dass die Spieler es auf diesem Weg angehen sondern die Frage: Welche Herausforderungen gibt es für sie auf diesem Weg, wie kann man diesen spannend und interessant gestalten?

Die Cops müssen dafür nicht einmal inkompetent oder gemein sein - genauso gut können es die Spieler sein, die aufgrund ihrer Vergangenheit dort Schwierigkeiten erzeugen. Vielleicht sind sie selbst zwielichtig? Oder waren einst in der Wache die sich nun darum kümmern soll - sind aber aus irgendeinem Grund nicht mehr dabei der nun zum Problem wird? Vielleicht gibt es Hintermänner für die Seuche oder das verschwundene Mädchen die nun die Autoritäten der Stadt ins Visier nehmen?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Selganor [n/a] am 17.10.2016 | 09:09
Es kommt immer aufs Setting (und teils auch aufs System) an.

Oft sind die Charaktere ja den Autoritaeten (entweder irgendwann - bei Systemen wie D&D - oder schon gleich ab Anfang - bei "Superhelden"systemen) wertetechnisch ueberlegen.
Da wird es zumindest bei Bedrohungen die auf den Powerlevel der Spielercharaktere zugeschnitten sind recht schwer fuer die "Normalos" da irgendwie mitzuhalten.

Andererseits spricht es auch mal fuer deine Spieler, dass sie den "Realismus" deines Settings entsprechend wuerdigen und Sachen die von den "Offiziellen" einfach besser erledigt sind auch von denen erledigen lassen.

Wenn das allerdings zu "NPCs loest mal das Abenteuer fuer uns" ausartet dann stimmt irgendwas nicht.
Entweder hast du dann die NPCs zu kompetent (oder die SCs zu inkompetent) dargestellt ("Warum sollen wir uns drum kuemmern... wir kriegen doch nur was aufs Maul und dann kommt der Spezialtrupp und erledigt das auch so") oder die Spieler haben an dem Kram den sie an die NPCs abschieben wollen einfach keinen Bock ("Warum soll sich mein eben mal wieder nach Hause gekommene Drachentoeter um einen simplen Einbruch kuemmern wenn in 2 Tagen die Welt untergeht weil der Nekromant die Lebensenergie aller Bewohner der Stadt fuer ein Ritual benutzt?")

Ähem ... doch, wenn die Gruppe konsequent (fast) jeden McGuffin abgibt.
Wenn die Gruppe jede Moeglichkeit sich ins aktuelle Geschehen einzuklinken konsequent abblockt geht es doch weiter... nur haben die SCs dann eben keinen Einfluss mehr darauf.

Sollte dann also was passieren fuer das man die besonderen Faehigkeiten der SCs gebraucht haette und die NPCs das nicht alleine schaffen koennen dann geht das "Abenteuer" halt den Bach runter und die SCs leben danach in einer Welt in der eine "Katastrophe" (oder was auch immer der negative Ausgang des Abenteuers gewesen waere) passiert ist.
Wenn da aber (fuer die SCs) nix schlimmeres passiert, als dass irgendwelchen ihnen Unbekannten (weil die erst in diesem Abenteuer eingefuehrten NPCs) irgendwas schlimmes passiert das sich nur auf die konzentriert (ein Haendler von dem sie vorher nie was gehoert haben geht pleite weil seine Waren nicht von den Strassenraeubern zurueckgeholt wurden, ein Liebespaar kann doch nicht heiraten weil die arrangierte Hochzeit durchgefuehrt wird, ...) dann bemerken das die SCs vermutlich nicht mal...
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Chiungalla am 17.10.2016 | 09:15
Es scheint, als würde das Spiel an der Stelle aus der "Sim City" Perspektive gespielt, weniger aus der Charakter Perspektive.

Solch ein Verhalten macht doch gerade aus Charakterperspektive Sinn:
"Setze ich mich selber der Gefahr aus und mache mich vielleicht sogar strafbar... oder mache ich das vernünftige und übergeb das an die zuständigen Behörden."

Aus Spielerperspektive ist das natürlich oft die langweiligere Option. Aber vielen Spieler ist es halt wichtiger das sie ihren Charakter konsistent und glaubwürdig spielen, als das das Abenteuer spannend bleibt.

Da liegt IMHO der Fehler immer beim Spielleiter. Abenteuer sollten IMHO immer so konzipiert sein, dass die Motivation die Spieler und Charaktere anspricht und es sollte dafür Sorge getragen sein, dass es nicht problemlos delegierbar ist. Sachen die die Behörden erledigen können/sollen ergeben deshalb selten gute Abenteuer, es sei denn es gibt einen Twist der eben das unmöglich macht.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2016 | 09:25
Ähem ... doch, wenn die Gruppe konsequent (fast) jeden McGuffin abgibt.

Dann würde ich das als Symptom dafür sehen, daß sich die Gruppe für zumindest dieses Abenteuer schlicht nicht interessiert, und an diesem Punkt ansetzen. Denn dann ist "hey, wie bringe ich meine Spieler dazu, sich so zu langweilen, wie ich es will?" wahrscheinlich ohnehin kein hilfreicher Ansatz.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 09:25
Wenn es zum Abenteuer bzw. zum Plot gehört, dass die Helden den Fall selbst lösen, aber stattdessen lieber an "Bessere Autoritäten" abgeben, dann würde das heißen, dass sie beim Plot nicht wie vorgesehen mitmachen wollen, sondern anders.
Warum ist erstmal sekundär. Die Frage ist doch, wie kann das jetzt funktionieren und weitergehen? Und das hängt auch von den Figuren ab, und natürlich von den Spielern. Das "Ihr seid für den Fall zuständig, auch von offizieller Stelle" - Abzeichen kann durchaus verliehen werden. Idealerweise gibt es dafür aber in der Gruppe eine Figur, die selbst eine gewisse Autorität darstellt, und sich auf die ein oder andere Weise als "Supersonder-Ermittler" qualifiziert oder die Gruppe ansich ist qualifiziert. Jetzt besteht eine Gruppe nicht immer nur aus Ermittlern oder Detektiven, aber vielleicht hat man auch schon von früheren erfolgreichen Ermittlungen gehört, vielleicht haben die Helden sich schon einen gewissen Ruf gemacht (Auch ein schlechter Ruf könnte von Vorteil sein, dann fallen sie im Untergrund gar nicht auf und können diesen unbemerkt im Auftrag der Polizei infiltrieren- Ich sag nur Film-"XXX" )
Ein guter Grund ist immer der, dass die Polizei fremde Gesichter braucht, die sie unbemerkt auf den Fall ansetzen kann. Voraussetzung ist jedoch, dass die Figuren, oder zumindest eine Figur eine besondere Qualifikation dafür mitbringt,(Der Rest der Gruppe könnten dann zur Not von der Autorität als Gehilfen und Assistenten gesehen werden).

Wichtig ist da auch ein bißchen die Vergangenheit der Helden: Helle Vergangenheit- SUper- Fall wird übertragen. Dunkle Vergangenheit auch super- Dann hat die Autorität vielleicht davon Wind bekommen- Dann Wird der Figur die sich qualifiziert vielleicht die "Polizeiakte" gestrichen wenn sie den Auftrag ausführt ansonsten Knast- >;D

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Wandler am 17.10.2016 | 09:43
Ich sehe es wie nobody@home, aber stimme auch den Vorpostern zu die betonen, dass es daran liegen kann, dass die Spieler sich nicht ausreichend qualifiziert fühlen.

Insgesamt kann man sicher sagen, dass die Spieler aus Charaktersicht nicht unrealistisch handeln. Die Polizei sollte es lösen. Der Seuchenschutz wäre dafür zuständig. Ich würde die Welt sich weiterdrehen lassen. Die Polizei findet das Mädchen nicht und weitere verschwinden. In den Nachrichten, auf Milchpackungen die die Charaktere kaufen finden sich die Gesichter. Die Spieler sollen wissen, dass sie es vielleicht verhindern hätte können. Das ganze darf auch gerne in Bürgerinitiativen münden und Nachbarschaftschutz. Milizionären und Paramilitärischen Gruppierungen die sich bilden. Die Menschen die das Vertrauen in die Rechtstaatlichkeit verlieren und beginnen selbst Hand an zu legen - auch wenn die Spieler es nicht tun. Das Misstrauen steigt.

Ich löse solche Situationen mit 2 Dingen. Erstens läuft die Zeit schneller ab. Die Charaktere tun nichts wichtiges und ich spiele aus Prinzip solche Szenen nicht aus. Zuerst springe ich um Stunden weiter,  dann Tage, dann Wochen, dann Monate, dann Jahre, dann Jahrzehnte (je nach Setting und Höchstalter der Charaktere). Die Spieler wollen etwas bestimmtes tun - die Zeit wird langsamer. Die Spieler tun nichts und ihre Charaktere leben den Alltag - die Zeit läuft schneller.  Zeitgleich beginne ich mit einem neuen Abenteuer. Die Spieler sollen die Möglichkeit haben, einen Plot nicht zu spielen wenn der sie einfach nicht interessiert. Ich frag dann aber auch ganz klar, warum sie als Spieler dem nicht nachgegangen sind um diese Antworten beim nächsten Spielabend wieder aufzugreifen. Zwischen altem und langsam verblassendem Plot und neuem Plot am nächsten Abend fülle ich mit Freiheit auf. Die Spieler (sic! - nicht die Charaktere) wollen irgendetwas bestimmtes tun - sie haben ja irgendein Ziel. Solange die Spieler wieder eine Richtung vorgeben, kann ich damit als Spielleiter auch arbeiten.

Wenn die Spieler grundsätzliches Interesse haben an dem was ich leite, dann entsteht auf diese Art auch kein Problem. Im Grunde läuft das ganze stark nach "Say yes and roll" ab. Solange nichts geschieht, kriegen die Charaktere was sie wollen, der Rest der Welt dreht sich weiter und sie kriegen kurze Stichpunktartige Aufzählungen was in der Zwischenzeit geschehen ist.

Der Spieler kommt mir mit "Na ich mach in dem Jahr ja noch was" - Ich lasse mir erklären was er machen wollte, winke es soweit wie möglich durch und das Jahr ist trotzdem um ODER der Spieler hat plötzlich einen Geisteblitz - kommt aber so gut wie nie vor - und hat plötzlich einen Plot den er in dem Jahr bespielen möchte. Dann springen wir genau bis an den Zeitpunkt an dem dieser Plot interessant wird.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: ErikErikson am 17.10.2016 | 09:44
Eine Beobachtung mit Verwunderung und Ratlosigkeit.

Mir fällt in einigen Runden auf, dass die Spieler gerne einmal Dinge auf diverse Behörden abschieben. Das klappt natürlich nicht immer, aber sobald diese Möglichkeit existiert, wird reichlich davon Gebrauch gemacht. In einem Detektiv Abenteuer gehen die Spieler zur Polizei und erwarten, dass die das verschwundene Mädchen schon finden werden. Wenn es um einen magischen Virus geht, wird das Problem an den Seuchenschutz abgegeben. Es scheint, als würde das Spiel an der Stelle aus der "Sim City" Perspektive gespielt, weniger aus der Charakter Perspektive.

Habt ihr sowas auch schonmal beobachtet? Könnt ihr erklären woher das kommt? Habt ihr Mittel, dem entgegen zu wirken (abseits der "Nö, is nicht" Keule)?

Ich erinnere mich, das dies vor Jahren teils als besonders gute Rollenspieltechnik beworden wurde (von Zornhau). Wenn deine Spieler dies tun, sind sie vielleicht nur in den Fußstapfen der legendären ARSler.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Vigilluminatus am 17.10.2016 | 09:54
Auch ne Möglichkeit, wenn auch LEICHT railroadig: Die Autoritäten bedanken sich, nehmen die PCs ernst und stellen ihren besten Mann für die Aufgabe ab - einen selbstherrlichen, vollkommen von sich überzeugten Typen mit der Kompetenz von Inspector Clouseau. Ich würd dann einfach schauen, ob die PCs irgendwann eingreifen, wenn der dann beginnt, ihre Freunde aus hirnrissigen Gründen zu verhaften (selber Detektiv spielen) oder Gruppen in der Stadt gegen die Autoritäten aufschaukelt (Bürgerkrieg!). Wenn sie's immer noch nicht interessiert, dann würd ich mal nachfragen, was sie überhaupt wollen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Greifenklaue am 17.10.2016 | 10:11
Eine Beobachtung mit Verwunderung und Ratlosigkeit.

Mir fällt in einigen Runden auf, dass die Spieler gerne einmal Dinge auf diverse Behörden abschieben. Das klappt natürlich nicht immer, aber sobald diese Möglichkeit existiert, wird reichlich davon Gebrauch gemacht. In einem Detektiv Abenteuer gehen die Spieler zur Polizei und erwarten, dass die das verschwundene Mädchen schon finden werden. Wenn es um einen magischen Virus geht, wird das Problem an den Seuchenschutz abgegeben. Es scheint, als würde das Spiel an der Stelle aus der "Sim City" Perspektive gespielt, weniger aus der Charakter Perspektive.

Habt ihr sowas auch schonmal beobachtet? Könnt ihr erklären woher das kommt? Habt ihr Mittel, dem entgegen zu wirken (abseits der "Nö, is nicht" Keule)?

Mir scheint sowas aber eher {auch?} bei Spielern verbreitet zu sein, die "normale" Leute spielen und aus Sicht dieser normalen Leute sind halt nicht sie, sondern z.B. die Polizei für die Aufklärung verantwortlich. Kann man im Cthulhu-Inhgamepodcast von Jaegers.net ganz gut sehen, kulminierend in Teil 4 (https://jaegers.net/call-of-cthulhu-podcast-02-04-ein-alter-bekannter-teil-4/) des aktuellen Abenteuers.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Rorschachhamster am 17.10.2016 | 10:17

Uhuhuhu ... Reizwort, Reizwort, Reizwort ...  ;D
 :btt:
:P Wohl wahr  ;D  :btt:
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: bobibob bobsen am 17.10.2016 | 10:53
Zitat
In einem Detektiv Abenteuer gehen die Spieler zur Polizei und erwarten, dass die das verschwundene Mädchen schon finden werden.

Das klingt irgendwie unlogisch für mich. Da verschwindet ein Mädchen und das kriegen nur die Sc mit. Warum sollten die das Mädchen suchen wenn sie keine persönliche Verbindungen zu ihm haben? Wenn sie einen auftraggeber haben, warum hat der sie beauftragt und ist nicht selbst zur Polizei gegangen. Welche Belohnung gibt es denn für das Finden des Mädchens?

Ich wäre auch nicht besonders motiviert ein mir fremdes Mädchen zu suchen wenn ich dafür nichts bekomme.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: 1of3 am 17.10.2016 | 10:57
Ich seh nicht, wo das Problem ist. Wenn kompetente NSCs verfügbar sind und die Motivation stimmt (bei Seuchen, Mord und ähnlichen Vorkommnissen können wir davon ausgehen) und die SCs wollen die Sache nicht machen, dann werden die NSCs das erledigen. Nichts ist schlimmer als Horden von NSCs, die zwar eigentlich müssten, aber dann doch inkompetent und unkooperativ gehalten werden.

Und letztlich ist doch ein wundebares Anzeichen: Wenn die SCs das Abenteuer delegieren, dann ist es offensichtlich nicht spannend. Es ist der gleiche Vorgang wie einen Plothook zu ignorieren, die SCs weiterreisen zu lassen etc.

Du hast zwei Möglichkeiten: Entweder du wirfst so viel rein, bis sie irgendwo anbeißen. Das geht. Oder ihr klärt vorher, was gespielt werden soll.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Wandler am 17.10.2016 | 11:06
Die persönliche Motivation für die Charakter ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Bei jedem Abenteuer sollte man sich vorher fragen:

1. So What?, Warum sollte es den Spielern (!sic) wichtig sein?
2. Oh yeah?, Ist es für den Spieler glaubhaft?
3. Huh?, Kann der Spieler den Plot verstehen?

Löst natürlich solche Situationen nicht, aber an den genannten Beispielen hätte man diese 3 Fragen wohl durchexzerzieren können. Es war den Spielern offensichtlich nicht wichtig es selbst zu lösen (So what) oder es war unglaubwürdig, dass sie anstelle der Authoritäten agieren (Oh yeah?) oder sie haben nicht verstanden warum sie agieren sollen (Huh?).
http://joshuapsimon.blogspot.co.at/2012/06/so-what-oh-yeah-huh-three-questions.html
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Teylen am 17.10.2016 | 11:07
Da liegt IMHO der Fehler immer beim Spielleiter.
Ich wäre geneigt es eher so zu sehen das IMHO der Fehler immer bei den Spielern liegt. Die offensichtlich nicht gewillt sind zu spielen.
Das dafür dann argumentiert wird das die Charaktere halt so sind, respektive es eh kein gutes Abenteuer gewesen wäre, macht es nicht besser.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Wandler am 17.10.2016 | 11:10
Ich finde beide sind gleichermaßen verantwortlich.

1) Die Spieler haben tunlichst alles zu tun um möglichst gemeinsam mit dem Spielleiter Spaß zu haben. Sie haben kein Anrecht darauf, dass der Spielleiter sie bespaßt und ausschließlich ohne Kompromiss genau leitet was sie wollen.
2) Der Spielleiter hat tunlichst alles zu tun um möglichst gemeinsam mit den Spielern Spaß zu haben. Er hat kein Anrecht darauf, dass die Spieler sich von seiner tollen Geschichte unterhalten lassen.

Da müssen finde ich schon beide zusammenarbeiten. Was will ich leiten vs Was wollen wir spielen?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Der Rote Baron am 17.10.2016 | 11:13
Wichtig ist (mal so zusammnegefasst von den vielen Vorpostern):
1. Persönliche Betroffenheit (z.B. das verschwundene Kind ist verwandt/ den SC bekannt oder die Detektive sind beauftragt, es zu suchen = gibt Geld)
2. Die SC haben besondere Fähigkeiten, Gegenstände oder sind die einzig halbwegs kompeteneten am Ort.
3. Die SC suchen das Abenteuer und sind generell "Helden" (egal wie widerwillig).
4. Es winkt eine Belohnung (Geld, Sex, Ritterschlag, ein Antiserum gegen gallopierenden Fußpilz - was immer passt).
5. Andere "Autoritäten" können oder konnten ("Die Polizei/ Illuminati/ alle Superhelden der Galaktischen Liga haben es schon versucht - ihr seid meine letzte Hoffnung ...)  nicht helfen.
6. Zur Not: Die SC werden erpresst ("Hier spricht Dr. Dose der Bose: Sucht den Jadeaffen von Xanxupottl und findet ihn bis zum Freitag, den 13.! Oder dieses Lemurenäffchen wird von dieser Sechsjährigen totgeknuddelt!"

Dabei können dann NSC auch schon mal nützlich sein ("Der Jadeaffe ist im Park versteckt, Herr Polizeipräsident! Wenn Ihnen je irgendetwas an dem knopfäugigen Lemmo dem Lemuren gelegen hat, dann BITTÄÄÄH! schicken Sie eine Hunderschaft Pilzsucher aus und lassen Sie den Wald durchkämmen!" - "Ja, klar, Kongo Klaus - für dich, Lemmo und die Liga der Aushilfshelden tu ich das!"), vor allem, wenn  es im wesentlichen um "Aufräumarbeiten" handelt, die das Abenteuer beschleuningen.
Im Beispiel: Die SC hätten den Jadeaffen im Park eh gefunden - nur die Pilzsucher (die ja bekanntlich alles finden, was die Polizei niemals finden kann) brauchen dazu nicht wie die vier SC-Helden den halben Tag, sondern 20 Minuten - mit Zigarettenpause.

Und was wenn da nicht nur der Jadeaffe ist, sondern auch noch der den Jadeaffen schützende Gorilladämon? - Dann macht der Pilzsalat aus den Pilzsuchern!

Und die Helden lernen: Heldige Dinge sollten Helden lieber selber machen!

Wenn natürlich die Gruppe nur aus schlurfhackigen Sesselpupern besteht, die selbst mit vorgehaltenem Revolver nicht zu einem Gang zur Trinkhalle zu bewegen sind .... Auf die Meta-Ebene gehen ("Wollen wir spielen oder nur doof hier sitzen?") und zur Not neue Charaktere machen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Der Nârr am 17.10.2016 | 11:22
Man muss sich da die Verhältnismäßigkeiten anschauen.

Wir haben kürzlich mit Solomon Kane angefangen und da wurden auch die Autoritäten befragt, die auch schon mit dem Abenteuerproblem zu tun hatten. Es stellte sich aber heraus, dass die völlig im Dunkeln tappten und auch hilflos waren oder schlicht nicht interessiert an einer Lösung (der Priester: "Es muss ein Vampir sein, was soll ich bloß tun, was soll ich bloß tun?", der Adlige: "Ihr wisst doch, wie schnell ein Ruf ruiniert ist. Die Leute liegen jetzt unter der Erde und sicher hat das alles bald ein Ende von allein.")

In einem Realwelt-Setting finde ich es völlig natürlich, bei einem verschwundenen Kind die Polizei zu informieren bzw. zu den jeweils passenden Autoritäten zu gehen, manchmal sogar zu den Medien. Ich erinnere mich, dass es früher in Shadowrun doch auch manchmal quasi ein mögliches Abenteuerende war, einen Skandal eines Cons über die Medien publik zu machen (anstatt nach Afrika zu reisen und die Kindersklaven für medizinische Experimente zu befreien oder was-weiß-ich). Vor Urzeiten habe ich mal gelesen, dass man bei Cthulhu nicht den Fehler machen sollte, die Autoritäten immer als Deppen oder unfreundliche Blockade zu spielleiten, denn wenn die Spieler von ihren Mitmenschen nur angepisst sind, dann sind die schnell verärgert. Nun sind die 1920er vielleicht noch eine Zeit, in der die Polizei auch eher hilfsbereite Leute mitnimmt. Aber es spricht da nichts dagegen, den bösen Kult gemeinsam mit dem Sheriff und seinem Deputy auszuheben, oder nicht? In unseren Fantasy-Settings holen die SC sich auch gerne Unterstützung, die bekommen dann von den Autoritäten schon mal Pferde oder 10 Soldaten an die Seite gestellt oder was auch immer gerade passend ist. Im modernen Realwelt-Setting wird es dann schwieriger, denn da ist klar, dass der Fall dann an die Polizei geht und die den Fall sicher nicht mit irgendwelchen merkwürdigen Leuten lösen wollen.

Daher würde ich wenn das regelmäßige Abschieben von Arbeit ein Problem ist erstmal bei den Spielern und ihren Charakteren ansetzen. Was wollen sie überhaupt spielen? Was ist für sie überhaupt das Kampagnenkonzept? Was stellen sie sich denn vor, was ihre Charaktere überhaupt machen und was sie als Spieler in der Kampagne machen? Mein Eindruck ist, dass da eine Diskrepanz in den Vorstellungen von SL und von Spielern vorliegt und ich denke, das müsste man erstmal im Gespräch klären, mit Fragen wie:
- Warum schiebt ihr die Aufträge ab, anstatt sie selber zu lösen?
- Was denkt ihr, was ihr für Abenteuer ihr in dieser Kampagne spielen würdet? Was wollt ihr denn machen?

Relativ schnell kommen möglicherweise Antworten wie "Mein SC ist doch ein ganz normaler Buchhalter/Schlosser/Professor/whatever, warum sollte der solche Sachen machen, da hat er doch gar keinen Grund zu." -> dann wäre die Rückfrage: Wieso hast du so einen Charakter gebaut und wie müsste ein Charakter für dich aussehen, damit er die Abenteuer angehen möchte, die es in der Kampagne geben wird?

Vielleicht haben die Spieler auch wirklich geschlossen keinen Bock auf die Kampagne, dann lass halt jemand anders leiten :).
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 11:26
Zitat
1. Persönliche Betroffenheit (z.B. das verschwundene Kind ist verwandt/ den SC bekannt oder die Detektive sind beauftragt, es zu suchen = gibt Geld)
Das ist natürlich (gemein) ideal, aber bei den meisten Kaufabenteuern nicht gegeben. Da kommen Fremde an einen fremden Ort. Und es werden fremde Personen entführt.
Zitat
2. Die SC haben besondere Fähigkeiten, Gegenstände oder sind die einzig halbwegs kompeteneten am Ort.
Das ist eigentlich fast immer der Fall. Die Frage ist nur, warum sich die Helden trotzdem nicht kümmern.
Zitat
4. Es winkt eine Belohnung (Geld, Sex, Ritterschlag, ein Antiserum gegen gallopierenden Fußpilz - was immer passt).
Die Belohnung ist wichtig. In Vielen Abenteuern wird davon ausgegangen, dass die Spieler Helden spielen, die sich als solche sehen und von sich aus Gutes tun wollen.
Das allein scheint aber für viele Figuren kein Anreiz zu sein. Geld ist es auch nur bedingt, aber schon eher. Erpressung kann auch funktionieren.
Oder eine "spontane" Selbstbetroffenheit. - Einer der Helden ist auch infiziert, verflucht oder steht auf der Todesliste der Entführer. Die Polizei vermag nicht ihn zu schützen...usw.
Um eine Selbstbetroffenheit schon im Vorfeld zu erzeugen, muß der SC Beziehung zu einzelnen NSC haben. Und die sind in vorgefertigten Plots an neuen Orten  meist nicht gegeben.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Feuersänger am 17.10.2016 | 11:29
Den Jadeaffen haben wir inzwischen gefunden, Sir.

--

Ist vllt auch einfach eine Frage der Konditionierung. Wenn die Spieler früher von einem gewissen deutschen Marktführerrollenspiel es nicht anders gewöhnt sind, als dass sowieso immer wenn es spannend wird irgendwelche NSCs übernehmen, glauben sie vielleicht, genau das einzuleiten sei ihr einziger Job in dem "Abenteuer".
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Blechpirat am 17.10.2016 | 11:36
Die Autoritäten zu nutzen kann ja auch ein Charakterkonzept zu sein. Gerade im England 1920 sind die Klassenunterschiede ja noch sehr ausgeprägt. Da ist der Lord soweit gesellschaftlich über dem Dorfbüttel, dass er diesen ohne weiteres als Handlanger verwenden kann - was ja ein interessantes Konzept ist.

Aber das ist wohl nicht die Sorge des OP. Bei den durch von Feuersänger erwähnten Spielen sozialisierten Spielern habe ich das Problem auch mal, dass diese gerne delegieren; die Spielweltlogik legt das ja auch durchaus nahe. Insofern ist dem OP vielleicht geholfen, wenn er siene Spieler eben gleich mit dem Mantel der Autorität einkleidet - lass sie die Polizisten spielen, die ohnehin schon zuständig sind.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 17.10.2016 | 11:44
Relativ schnell kommen möglicherweise Antworten wie "Mein SC ist doch ein ganz normaler Buchhalter/Schlosser/Professor/whatever, warum sollte der solche Sachen machen, da hat er doch gar keinen Grund zu." -> dann wäre die Rückfrage: Wieso hast du so einen Charakter gebaut und wie müsste ein Charakter für dich aussehen, damit er die Abenteuer angehen möchte, die es in der Kampagne geben wird?


Weil viel zu oft ein fix ausgerichtetes Spiel mit der ungerichteten Anforderung "mach irgendeinen Charakter Stufe/Punkte/wtf X" beginnt und nicht mit "mach einen Charakter, der zu den (etwa  X qualifizierten) Leuten gehört, welche Teil der Garde für besondere Aufgaben des lokalen Herzogs sind oder üblicherwiese für solche Fälle zur Unterstützung gezogen werden".

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 11:45
Zitat
Aber das ist wohl nicht die Sorge des OP. Bei den durch von Feuersänger erwähnten Spielen sozialisierten Spielern habe ich das Problem auch mal, dass diese gerne delegieren; die Spielweltlogik legt das ja auch durchaus nahe. Insofern ist dem OP vielleicht geholfen, wenn er siene Spieler eben gleich mit dem Mantel der Autorität einkleidet - lass sie die Polizisten spielen, die ohnehin schon zuständig sind.
Das war auch mein Vorschlag:
Zitat
Wenn es zum Abenteuer bzw. zum Plot gehört, dass die Helden den Fall selbst lösen, aber stattdessen lieber an "Bessere Autoritäten" abgeben, dann würde das heißen, dass sie beim Plot nicht wie vorgesehen mitmachen wollen, sondern anders.
Warum ist erstmal sekundär. Die Frage ist doch, wie kann das jetzt funktionieren und weitergehen? Und das hängt auch von den Figuren ab, und natürlich von den Spielern. Das "Ihr seid für den Fall zuständig, auch von offizieller Stelle" - Abzeichen kann durchaus verliehen werden. Idealerweise gibt es dafür aber in der Gruppe eine Figur, die selbst eine gewisse Autorität darstellt, und sich auf die ein oder andere Weise als "Supersonder-Ermittler" qualifiziert oder die Gruppe ansich ist qualifiziert. Jetzt besteht eine Gruppe nicht immer nur aus Ermittlern oder Detektiven, aber vielleicht hat man auch schon von früheren erfolgreichen Ermittlungen gehört, vielleicht haben die Helden sich schon einen gewissen Ruf gemacht (Auch ein schlechter Ruf könnte von Vorteil sein, dann fallen sie im Untergrund gar nicht auf und können diesen unbemerkt im Auftrag der Polizei infiltrieren- Ich sag nur Film-"XXX" )
Ein guter Grund ist immer der, dass die Polizei fremde Gesichter braucht, die sie unbemerkt auf den Fall ansetzen kann. Voraussetzung ist jedoch, dass die Figuren, oder zumindest eine Figur eine besondere Qualifikation dafür mitbringt,(Der Rest der Gruppe könnten dann zur Not von der Autorität als Gehilfen und Assistenten gesehen werden).

Wichtig ist da auch ein bißchen die Vergangenheit der Helden: Helle Vergangenheit- SUper- Fall wird übertragen. Dunkle Vergangenheit auch super- Dann hat die Autorität vielleicht davon Wind bekommen- Dann Wird der Figur die sich qualifiziert vielleicht die "Polizeiakte" gestrichen wenn sie den Auftrag ausführt ansonsten Knast- >;D
[/size]

Den Helden ihren Job zurück geben, beziehungweise ihnen klar machen, dass sie dafür zuständig sind und kein anderer.
Ob Belohnung oder Bestraffung besser funktioniert ist wohl von der Gruppe abhängig. Eine ideale Helden Gruppe macht das selbstverständlich umsonst nur um der guten Taten Willen, bzw. für die Erfahrungspunkte. Aber die werden ja seltener hab ich gehört! (Solche Figuren, die es aufgrund ihrer Ehre tun oder aufgrund ihrer Begabung- "Große Macht bedeutet große Verantwortung") :D
Ein Stück weit ist es mMn. auch gutes Rollenspiel Autoritäten zu informieren.- Und dort sollten die Helden dann auch ihre "Lizenz zum Töten" 8) erhalten können.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Quill am 17.10.2016 | 11:47
Hm, so aus Spielersicht gesehen - ich denke, da kann es mehrere Gründe für geben. Entweder finden die Spieler den angebotenen Plot nicht so spannend und das Abschieben an die Autoritäten ist ihre Weise, ihn loszuwerden. Das kann man aber wohl nur rauskriegen, wenn man nach der Sitzung mal nachfragt, wieso sie nicht selber aktiv geworden sind.

Andere Gründe, die ich mir vorstellen könnte, wäre halt eine gewisse Würdigung der simulierten Welt - wenn es die zuständigen Behörden und Autoritäten GIBT und die SC noch keine schlechten Erfahrungen mit ihnen gemacht haben, wieso sollten sie nicht zumindest versuchen, das Problem über sie zu lösen? Auch ein gewisser Selbstschutz kann da eine Rolle spielen. Also z. B. die Angst, selbst zum Verdächtigen zu werden, wenn man sich am Tatort eines Mordes oder bei der Familie eines Entführten blicken lässt. Oder es ist halt wirklich das Gefühl der Spieler, dass sie selber das gar nicht schaffen können, weil sie z. B. keinen Charakter dabei haben, der sich mit magischen Krankheiten auskennt.

Was man dagegen tun könnte, wurde ja schon ausführlich diskutiert - wobei da mMn zuerst geklärt werden sollte, ob es an "keinen Bock auf Detektivplot" oder was anderem liegt. Wenn ersteres der Fall ist, sollte man vielleicht dann lieber was anderes spielen?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Arldwulf am 17.10.2016 | 11:59
Es kann ja auch das genaue Gegenteil sein: Eben Lust auf einen Detektivplot zu haben. Denn zu diesen gehört ja unter anderem durchaus auch die Arbeit mit der Polizei.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Der Rote Baron am 17.10.2016 | 12:01
Den Jadeaffen haben wir inzwischen gefunden, Sir.


Ausgezeichnet, Smyth ... äh ... Feuersänger.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Der Rote Baron am 17.10.2016 | 12:12
Fällt mir gerade ein: Wenn die Spiel das nächste Mal wieder direkt zur Polizei rennen und den Mordfall an Kommissar Klose und seine kriminalistisch-kompetentes Kriminalsonereinsatzmordfalleinheit übergeben ("Man hat getötet, Herr Kommissar! Tun Sie mal was ermitteln!"), dann sagt Klose nicht "Keine Zeit für so nen Piepiefax, machen Se det ma alleene, Sie Düffeldoffel!" sondern
"Guter Mann: Gut, der Mann! Dann sagen Sie mir mal alles, was Sie wissen und dann können Sie beruhigt nach Hause gehen. Papa Klose und die Kriminologen machen dann den Rest!"

Und dann gehen die SC eben nach Hause auf's Sofa und die Spieler erschaffen schnell mal Klose und seine Kompetenen Kriminalen! Und wenn fettich - dann geht's weiter! Mit neuen (N)SC!

Und entweder finden die Spieler das dann doof ("Aber eigentlich will ich doch Günther Schlappkötter den Buchhalter spielen!") und spielen dann ihre SC etwas heldiger und aktiver. Oder die Kampagne macht einen abenteuerlichen Schwenk zu neuen SC (eben Klose und sein Team) und man kann ohne dummes Getue abenteurern.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Chiungalla am 17.10.2016 | 12:20
Wenn die SCs das Abenteuer delegieren, dann ist es offensichtlich nicht spannend.

Es gibt mehrere (teilweise gute) Gründe für ein solches Verhalten der SCs / Spieler. Daher ist es überhaupt nicht offensichtlich, dass das der Grund ist.

Ich wäre geneigt es eher so zu sehen das IMHO der Fehler immer bei den Spielern liegt. Die offensichtlich nicht gewillt sind zu spielen. Das dafür dann argumentiert wird das die Charaktere halt so sind, respektive es eh kein gutes Abenteuer gewesen wäre, macht es nicht besser.

Ich denke letztendlich müssen alle Spieler, inklusive Spielleiter, immer ein Stück weit aufeinander zu kommen.

Das ganze beginnt aber IMHO mit einerm Spielleiter der ein Abenteuer abliefert das wenigstens grob zu Spielern und Spielercharakteren passt. Wenn das manchmal im Detail dann nicht 100% hinhaut ist es an den Spielern darüber hinweg zu sehen und weiter zu spielen. Aber wenn es überhaupt gar nicht passt ist es das gute Recht der Spieler einen eleganten Ausweg zu finden. Wie z.B. die Polizei zu rufen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Deep_Impact am 17.10.2016 | 12:24
(unterstützt durch Produktplatzierung)
Das ist natürlich gnadenlos, aber ich glaube die Spieler-Hinweise für NBA passen auch für viele andere investigative Rollenspiele:
http://site.pelgranepress.com/index.php/free-nights-black-agents-downloads/
(unter GM Resources and Cheat Sheets)

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 12:28
Es kann ja auch das genaue Gegenteil sein: Eben Lust auf einen Detektivplot zu haben. Denn zu diesen gehört ja unter anderem durchaus auch die Arbeit mit der Polizei.
Stimmt. Meine Figur hat, wenn es möglich war auch immer die Autorität informiert (Weil es innerhalb der Spielwelt logisch ist, falls man nicht gerade selbst auf der Fahndungsliste steht). Aber trotzdem selbst weiterermittelt, auch wenn es ihr ausdrücklich verboten wurde. Die Gruppe wusste auch: Das ist ihr Abenteuer.

Vielleicht ist die Umkehrpsychologie auch keine Schlechte Idee: Der Inspekor schaut sich die Helden an und sagt: " Halten sie sich da raus, diese Nummer ist eindeutig  zu groß für sie. Wir haben schon genug Irre hier die gerne Detektiv  spielen, ich brauche qualifiziertes Personal, keine Anfänger, die sich beim Geräusch einer Waffe sofort in die Hosen pinkeln. Vergessen sie also was gesehen haben, und seien sie nicht so dumm weiter nach Antworten zu suchen. Gehen sie lieber nach Hause und führen ihren Hund spazieren. Das ist gefährlich genug. Und jetzt entschuldigen sie mich. Ich habe zutun." >;D
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: murksmeister am 17.10.2016 | 12:32
Also ich hatte mal eine Spielrunde die die Probleme ähnlich angegangen ist. Das lag vor allem daran, dass wir zu dem Zeitpunkt alle ziemliche Realismus-Nazis waren und das somit die logische Konsequenz. Darüber hatten wir dann geredet und uns darauf geeinigt, dass die SC durchaus begeisterungsfähig für Abenteuer sein sollten. Das hat dann eine Weile gut funktioniert, bis einer meiner Spieler (der Wohl mehr Spaß am Spiel: dem SL die Plot zerhauen hatte als am Spiel selbst) wieder mit den Autoritäten angefangen hat und den Rest der Runde mitzog. Da hier Diskussionen unfruchtbar blieben, ließ ich das Abenteuer einfach ohne SC stattfinden, was teilweise mit toten Behördenmitarbeitern einherging (wenn diese dem Problem einfach nicht gewachsen waren) oder einfach nur zu langweiligen Tavernenabenden führte während die NSC die ganze Action hatten. Das hat dazu geführt, dass meine Gruppe wieder versucht hat Dinge selbst zu lösen (es ist ihnen selbstverständlich erlaubt mit den Behören zu arbeiten, aber sie sind nunmal die Protagonisten). Der Plotkiller hat die Runde aus verschiedenen Gründen auch verlassen (müssen), seitdem ist das Problem auch nicht mehr aufgetaucht.

Generell denke ich aber, dass die meisten Spieler mit sich reden lassen und man (wie bereits mehrfach gesagt) einfach mal nach den Gründen fragen sollte. Meistens ist man ja auch der Held der Geschichte und sollte somit von sich denken, dass man besser geeignet ist als die Cops (es sei denn man spielt einen Zuckerbäcker in (um Feuersänger zu zitieren) einem gewissen deutschen Rollenspiel).
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Boba Fett am 17.10.2016 | 12:41
Habt ihr sowas auch schonmal beobachtet? Könnt ihr erklären woher das kommt? Habt ihr Mittel, dem entgegen zu wirken (abseits der "Nö, is nicht" Keule)?
1. Ja hab ich.
2. Teilweise, ich diagnostiziere meistens Ratlosigkeit und Pessimismus - Nicht wissen, was man machen soll und nicht glauben, dass man das schaffen kann.
3. Mit den Spielern reden, die Abenteuer so aufbauen, das immer klar ist, was als nächstes zu tun ist und den Spielern das Gefühl geben, dass sie mit gutem Grund optimistisch an die Sache rangehen soll.

Der Pessimismus ist oft den Erfahrungen aus alten Runden geschuldet.
Besonders (un-) beliebt macht sich da Shadowrun.

Mal ehrlich, wer hundert mal von seinem Johnson oder dem dahinter stehenden Konzern verarscht wurde, duzende male wegen einem kleinen Auftrag immer mit Präzision in ein Wespennest tritt und immer auf die Uber-Gegner trifft, merkt irgendwann, dass man nur mit extremer Paranoia überlebt - auch wenn man damit nicht weiterkommt. Leider breitet sich das auf alle Systeme aus. Und leider ist das schwer zu kurieren.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: rillenmanni am 17.10.2016 | 13:01
Auch bloßes Charakterspiel führt allzu oft dazu. Der Spieler, der sich in seinen "SC hineinversetzt" und darüber einen steten Abgleich von SC-Motivation und aktueller Gefahrenlage macht, kommt gar nicht so selten zur Erkenntnis, dass es gerade eigtl "ganz schön dämlich" und "gar nicht nachvollziehbar" sei, sich selbst in die Schusslinie zu stellen, wenn es denn doch auch Autoritäten gibt. Allzu negative Erfahrungen muss man dazu im Vorfeld mE gar nicht gemacht haben. Man muss einfach nur die Fünfe gerade sein lassen können.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 13:33
Auch bloßes Charakterspiel führt allzu oft dazu. Der Spieler, der sich in seinen "SC hineinversetzt" und darüber einen steten Abgleich von SC-Motivation und aktueller Gefahrenlage macht, kommt gar nicht so selten zur Erkenntnis, dass es gerade eigtl "ganz schön dämlich" und "gar nicht nachvollziehbar" sei, sich selbst in die Schusslinie zu stellen, wenn es denn doch auch Autoritäten gibt. Allzu negative Erfahrungen muss man dazu im Vorfeld mE gar nicht gemacht haben. Man muss einfach nur die Fünfe gerade sein lassen können.

Im Prinzip kann Jeder der will, seine Figur aus etwas raushalten und seinen SC etwas anderes tun lassen. Alla Hobbit: "Nein Danke, wir wünschen keine Abenteuer." Dann gehen halt die Ereignisse an ihm vorbei. Bzw finden ohne ihn statt.
Oft fehlt ja auch im Abenteuer wirklich ein guter (persönlicher) Grund, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen. Vor Allem dann, wenn die Spieler vielleicht eine sehr mächtige Figur spielen, aber trotzdem Angst vor Gefahr haben)
Unter Umständen kann der SL da tatsächlich die persönlichen Motivationen der Figuren extra in den Plot  miteinfließen lassen, damit da ein Anreiz ist. Oder spontane Motivation schaffen.

Vielleicht hat das attraktive Entführungsopfer erst ein Rendevous mit einem Charakter, bevor es entführt wird (persönliche Motivation).
Ein Charakter hat eine dunkle Vergangenheit als Hintergrund und wird damit erpresst.
Die Charaktere geraten selbst in Verdacht die Schuldigen zu sein, werden von der Autorität gesucht, und müssen deshalb den Fall selbst aufklären.
Es winkt eine besondere Beförderung bzw. Belohnung, die man sich für den Charakter unbedingt wünscht....usw.

Da hilft ein Gespräch echt weiter, was sich die Spieler denn speziell für ihren SC wünschen. Ruhm, Liebe, Reichtum,Wissen usw. Dann kann man auf die Motivationen auch Rücksicht nehmen.


Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Chiungalla am 17.10.2016 | 13:43
Nicht für jeden Spieler geht "Abenteuer erleben" über "Charakter konsistent spielen". Deshalb sollte man im allgemeinen dafür sorgen das beides gleichzeitig möglich ist. Der Spieler durch die Wahl und Ausgestaltung seines Charakters. Der Spielleiter durch die Wahl und Ausgestaltung passender Abenteuer.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 17.10.2016 | 13:50
...

Vielleicht hat das attraktive Entführungsopfer erst ein Rendevous mit einem Charakter, bevor es entführt wird (persönliche Motivation).
...

Und wie lange dauert es danach wohl, dass die SC KEINERLEI emotionale Bindungen an NSC mehr eingehen?
Nicht, dass so etwas nicht passieren kann, wenn man eh gefährlich lebt.
Aber direkt als unablehnbarer Plothook wird es genau die Wirkung haben, die im anderen Faden beklagt wird.

Letztlich sehe ich da eigentlich 2,5 Wege:

Entweder spielt man das offen/sandboxig, dann "ist das halt so" und die Spieler können sich etwas eigenes suchen
oder
die Spieler bauen gezielt Charaktere, die solche Fragen angehen - und dazu gehören entsprechende Informationen was "solche Fragen" dann sein sollen - bzw. SIND dann die Behörden oder in deren Belange eingebunden.

Wer da künstl(er)i(s)ch rumhampelt, läuft halt entsprechend Gefahr da Schiffbruch zu erleiden und ist dann auch gänzlich selbst Schuld, wenn das daneben geht.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 17.10.2016 | 13:56
Zitat
Und wie lange dauert es danach wohl, dass die SC KEINERLEI emotionale Bindungen an NSC mehr eingehen?
Nicht, dass so etwas nicht passieren kann, wenn man eh gefährlich lebt.
Aber direkt als unablehnbarer Plothook wird es genau die Wirkung haben, die im anderen Faden beklagt wird.
Das kommt immer darauf an. Wenn das Opfer gerettet wird und die beiden nachdem Abenteuer zusammen kommen, ist es eine schöne Romanze und keine Trauma.
Wenn sowas ständig vorkommt und auch noch negativ endet oder sich immer als Falle heraus stellt, schon.

Unser Zwerg ist auch mal in die "Höhle des Drachen" gereist um für seine Zwergin(Die sind echt selten) einen Arkenstein zu holen. Aber damit hat er auch ihr Herz gewonnen und sie dann später geheiratet.
Es müssen nicht immer nur Blackstories sein.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 17.10.2016 | 14:32
Ich denke ein großen Problem sind da Systeme, die so tun als könnte man völlig normale Durchschnitts Menschen spielen oder das sogar auch noch als gutes Rollenspiel anpreisen (und im schlimmsten fall noch ihr Generierungssystem darauf auslegen). Weil dann hat man wenn man nicht aufpasst ganz fix Spielercharctere die möglicher weise sehr stimmungsvoll sind aber weder eine Motivation noch die Fähigkeiten für Abenteuer haben.

Der Pessimismus ist oft den Erfahrungen aus alten Runden geschuldet.
Besonders (un-) beliebt macht sich da Shadowrun.

Mal ehrlich, wer hundert mal von seinem Johnson oder dem dahinter stehenden Konzern verarscht wurde, duzende male wegen einem kleinen Auftrag immer mit Präzision in ein Wespennest tritt und immer auf die Uber-Gegner trifft, merkt irgendwann, dass man nur mit extremer Paranoia überlebt - auch wenn man damit nicht weiterkommt. Leider breitet sich das auf alle Systeme aus. Und leider ist das schwer zu kurieren.
Vampire hat da mMn einen ähnlichen Effekt.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: CAA am 17.10.2016 | 14:33
Gibts ja gar nicht, ich hatte fest erwartet dass ich als einziger das irgendwie kuriose Problem habe, dass die Spieler wollen dass NSCs das Abenteuer regeln. Mit jeder kleinigkeit wird zur Polizei, "Shield", ... gerannt, anstelle dass man selber versucht die Situation zu erforschen oder gar das Problem zu lösen.

Derzeit geht es aber halbwegs. Im wesentlichen gabs da zwei Dinge, die dass ganze zumindest in meiner Wahrnehmung gerade gezogen haben. Das ganze zwar im Freedom City Setting, aber der besseren Lesbarkeit halber hab ich dehren Namen mal durch Marvel/DC Namen ersetzt.

Die Spieler sollten einen "Ende der Welt Drachen" für den BBG suchen (ohne zu wissen dass es der BBG ist). Sie finden den Drachen und gehen damit zu den Behörden, anstelle zum BBG. Darauf hin hat der BBG die Familien der SCs entführt, womit die SCs wiederum zur Justice League gegangen sind. Die wiederum fanden es irgendwie wichtiger sich um das welten Ende zu kümmern, als um die entführte Familie.

Worauf hin der BBG die Familien auf eine Raumstation geschossen hat. Weil sterben lassen wollte ich die Familien nicht... auch wenn es die logische Konsequenz gewesen wäre.... aber irgendwo mussten die Geiseln ja nun hin ~;D
 

Kurze Zeit später wolten die Agenten von Shield zwar dabei helfen die Familien wiederzubekommen, konnten es aber nicht. Sie haben nur die Befugniss innerhalb der grenzen der U.S.A. zu agieren - und die Raumstation um die es geht ist nicht geostationär. Es wäre politisch u.U. ein desaster wenn dehren Leute gerade auf der Raumstation sind und die Station sich gerade über russischem Boden befindet.

Seit dem wollen die Spieler ihre Probleme nicht mehr einfach nur durch 3te lösen lassen  ;D
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: OldSam am 17.10.2016 | 14:52
Ich denke ein großen Problem sind da Systeme, die so tun als könnte man völlig normale Durchschnitts Menschen spielen [...] Weil dann hat man wenn man nicht aufpasst ganz fix Spielercharctere die möglicher weise sehr stimmungsvoll sind aber weder eine Motivation noch die Fähigkeiten für Abenteuer haben.

Wobei es nur dann ein Problem der Systeme ist, wenn diese nicht klar _kommunizieren_, dass Chars, die als Durchschnittsmenschen generiert werden auch nur durchschnittliche Herausforderungen stemmen können, sondern vielleicht fälschlicherweise suggerieren, das die Chars grundsätzlich immer "Helden" sind o.ä. Sehr entscheidend ist hier, dass Spielleiter und Spieler immer eine halbwegs übereinstimmende Vorstellung der Char-Kompetenzen im Rahmen des konkreten Settings haben, inkl. Tödlichkeit, Häufigkeit besonderer Kräfte etc.
Spiele ich z.B. "echte Helden, die 0,2% Elite der Bevölkerung, die durch mysteriöse Fantasy-Dungeons laufen und richtig was einstecken und austeilen können, ausgestattet mit sehr seltenen und mächtigen Kräften"? Oder bin ich vielleicht ein "Kompetenter Privatdetektiv in einer modernen, sehr dunklen, urbanen Umgebung, der zwar etwas mehr drauf hat als der Durchschnitt, aber dem prinzipiell jeder Bettler mit einem versteckten Messer gefährlich werden kann?"

Es gab ja durchaus bei vielen Leuten mit diversen Systemen schon sehr coole, erfolgreiche Kampagnen mit "totalen Normalos", sogar z.B. mit Kindern/Jugendlichen, die sich dann mit anderen Kids a.d. Schulhof prügeln etc., das klappte dann aber u.a. deswegen weil für alle Seiten der Rahmen klar war in dem sich alles bewegt. Die Herausforderungen/Motivationen sind dann halt viel "kleiner" vom Powerlevel, können aber total interessant oder lustig sein.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Pyromancer am 17.10.2016 | 14:55
Habt ihr sowas auch schonmal beobachtet? Könnt ihr erklären woher das kommt? Habt ihr Mittel, dem entgegen zu wirken (abseits der "Nö, is nicht" Keule)?

Prinzipiell ist das in meinen Augen eine GUTE Sache. Es zeigt, dass die Spieler das Setting ernst nehmen und innerhalb der Regeln des Settings agieren. In einer "realistischen" Jetztzeit-Runde z.B. wäre ich eher irritiert, wenn die Charaktere NICHT die Behörden, Medien, Öffentlichkeit etc. einschalten würden, wenn sie auf ein entsprechendes Problem stoßen.

Die Frage ist doch eher: Was dann?

Wenn die Spieler/Charaktere eine Motivation haben, das Problem zu lösen, dann ist das nicht das ENDE des Abenteuers, sondern EIN ERSTER SCHRITT. Wenn die Spieler/Charaktere eine Motivation haben, dann machen sie da dann schon selbst weiter.

Wenn die Spieler/Charaktere KEINE Motivation haben, dann kann man sie auch einfach als "Hilfs-Sherrifs" einspannen. Das ist mir als Rollenspiel-Anfänger in meiner ersten Kampagne passiert: Wir melden einen Toten bei der Stadtwache, und werden prompt vom Chef der selbigen engagiert, den Fall zu lösen. "Ihr wirkt ja wie tüchtige, gesetzestreue Leute. Wollt ihr euch nicht 100 Goldstücke verdienen? Ich bräuchte gerade..."
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: ErikErikson am 17.10.2016 | 14:56
Bei Cthulhu spielt man ja normalerweise normale Menschen. Das klappt ganz gut, wenn die Herausforderungen entsprechend leicht sind, wie beim deutschen Cthulhu. Das alte amerikanische Cthulhu ist da problematischer, hier muss man eigentlich das System bis zum Äußersten ausreizen und optimieren was geht, und dann noch paranoid spielen, damit man noch irgendwie klarkommt.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: OldSam am 17.10.2016 | 15:16
Prinzipiell ist das in meinen Augen eine GUTE Sache. Es zeigt, dass die Spieler das Setting ernst nehmen und innerhalb der Regeln des Settings agieren.

Genau, das die Spieler auf öffentliche Ressourcen zurückgreifen ist grundsätzlich sinnvoll und realistisch, wobei es natürlich nicht Sinn der Sache sein kann ihre ganze Mission irgendwie mit einem Handwedeln zu delegieren - das sollte den Spielern eigentlich klar sein, sonst gibt es ein ganz grundsätzliches Problem mit der Motivation/fehlendem Bezug zu den Chars, abweichendes Spiel-Verständnis o.ä., wie ja schon mehrere angesprochen haben.

Ich denke es kommt insbesondere darauf an schnell rüberzubringen wo die Grenzen und Nachteile dieser institutionellen Unterstützung liegen, aber ich fände es auch eher schwach, wenn komplett gar nichts dabei raus kommt, weil das die Chars eher isoliert von der Welt, statt sie stärker einzubinden.
Bspw. könnten Sie im späteren Gespräch aus einem Polizeibeamten 1-2 Ermittlungsergebnisse rauskriegen und darüber hinaus erfahren, dass aber die meisten Kräfte aktuell schon wg. einer anderen, großen Sache gebunden sind, "man tut jedoch was man kann" (so das klar wird, das nicht allzuviel zu erwarten ist). Zudem hält die Polizei sie vielleicht "als normale Bürger" an, sich bitte nicht in die weiteren Ermittlungen einzumischen, was ja in einer modernen Welt normalerweise realistisch wäre (außer die SCs haben einen formellen Sonder-Status o.ä.) - Wenn dann am Ende ein "Naja, was kümmert es auch eigentlich uns..." bei den SCs herauskommt, gibt es eben ein grundsätzliches Problem, das direkt zwischen SL und Spielern gelöst werden muss.


Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 17.10.2016 | 15:38
Hey, die Behörden  dürfen den Rest  wegräumen,  wir hatten das Problem mit der Bombe temporär gelöst.
Durch die Luftschleusse  konnten die EOD Spezialisten sie dann befördern.

Die Behörden  sind Support/Verbündete  , in einem guten Staat wäre  die Genehmigung  für den Paladin eher Formsache und Information  der Behörden,  mit je nachdem von nach Möglichkeit angemessene Hilfe  bis jedwede irgend mögliche Unterstützung.

GGF  wartet da eine Einheit Marines in Stormshuttles auf ihr Stichwort oder die SC s werden als Spezialisten hinzugezogen.

Ich glaube ja nicht an Vampire Fräulein Helsing, aber was ich hier sehe macht nur  Sinn...
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 17.10.2016 | 16:02
Wobei es nur dann ein Problem der Systeme ist, wenn diese nicht klar _kommunizieren_, dass Chars, die als Durchschnittsmenschen generiert werden auch nur durchschnittliche Herausforderungen stemmen können, sondern vielleicht fälschlicherweise suggerieren, das die Chars grundsätzlich immer "Helden" sind o.ä. Sehr entscheidend ist hier, dass Spielleiter und Spieler immer eine halbwegs übereinstimmende Vorstellung der Char-Kompetenzen im Rahmen des konkreten Settings haben, inkl. Tödlichkeit, Häufigkeit besonderer Kräfte etc.
Viele systeme tun ehr das Gegenteil DSA4 suggeriert z.B. durch sein Kaufsystem das all Starthelden in etwa gleich mächtig sind, was aufgrund des Systems wie sich die kosten für Rassen, Kulturen und Professionen berechnen aber nicht der Fall ist.
Und selbst bei klassen losen Generierungs systemen gibt es mit unter das Problem das die kosten bei der Generierung anders sind als nachher im  Spiel, das es optionen gibt die einfach nichts taugen und das man ohne den character zu spezialsieren einfach nichts reißen kann.

Und oft passt das was in den Regelwerken steht, dann auch nicht wirklich mit den Abenteuern und Setting Bänden für das System überein. Die meisten DSA Professionen sind z.B. ziemlich ungeeignet für die Kaufabenteuer (mit Ausnahme der Einsteiger Abenteuer). Und Vampire Start Chars sind vom Powerlevel her in der Regel weit unterhalb des NSC Durchschnitts in den Settingbänden.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: JS am 17.10.2016 | 16:19
Ich kenne es sowohl als Spieler als auch als SL recht gut, daß Spieler/Charaktere die offiziellen Kanäle und Stellen einschalten. Damit rechne ich als SL dann und fordere auch als Spieler von einem SL ein, daß er damit umgehen kann, denn passende Motivationen für meine (und die) Charaktere sind mir stets sehr wichtig.

Ich erlebte z.B mal in einer Cthulhu-Runde, daß die meisten Spieler - typische CoC-Chars (Hausmeister, Professor usw.) - beim Fund einer zerstückelten Leiche sofort selbst recherchieren wollten mit dem Hinweis, die Polizei würde sich ja sowieso nie um sowas kümmern, die könne man sich sparen. Das war mir und meinem Spielerkumpel damals dann deutlich zu dämlich und "Spielerwissen > Charakterwissen". Ähnlich sieht es aus, wenn die Chars z.B. für einen typischen Standardauftrag viel mehr Kosten haben, als sie irgendwie dadurch wieder reinholen können und den auch die offiziellen Stellen übernehmen könnten (z.B. Gefangenentransport). Wieso sollten sie das dann tun? Darauf muß der SL eine solide Antwort haben.

Dasselbe gilt allerdings nicht für Settings, die explizit den aktiven und "heldischen" Part der Chars hervorheben, so daß die Spieler das auch immer berücksichtigen sollten. In Star Wars EotE (mWn auch bei DSA oder Dragon Age) steht beispielsweise explizit, daß die Chars neugierig und aktiv und wagemutig sind und Dinge gerne selbst anpacken wollen. Wer also einen biederen und risikoscheuen Transportunternehmer bei EotE spielen möchte, muß als Spieler wiederum die Begründung liefern, wie er sich zu den EotE-Abenteuern dann motiviert.

Der Kern dieses wichtigen Themas sind für mich daher stets die gegenseitigen und individuellen Motivationen, die möglichst nicht gestelzt und konstruiert wirken sollten.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 17.10.2016 | 22:22
In altmodischen Fantasy-Settings stellt sich die Frage ja traditionell nicht:
Da gibt es meist keinen, der sich großartig zuständig oder sonstwie verantwortlich fühlt und die Problemlöserfunktion wird eben von den Murderhobos übernommen.


Wenn es aber Behörden u.Ä. gibt, die für bestimmte Dinge eigentlich zuständig sind, muss man dieses eigentlich auch mit Leben füllen.
Wie schon angeklungen: Die SCs sollen genau diese Aufgabengebiete beackern, für die es mehr oder weniger gut geeignete offizielle Spezialisten gibt - warum sind die SCs dann keine solchen?

Das mag ja sogar gute Gründe haben, aber dann muss man eben eine Antwort haben, warum die Arbeit auf die SCs abgewälzt wird.
Je nach Setting ist das teilweise sehr banal, aber manchmal ist es rein auf die Lösung eines bestimmten Problems ausgerichtet tatsächlich die beste Methode, das Ganze an andere Leute abzugeben.
Wenn das ein grundlegendes und wiederkehrendes Problem ist, muss man am Setting schrauben.


Die persönliche Ebene scheint mir nicht sehr zielführend - das geht ein paar Mal, aber irgendwann wird das auch mehr als unplausibel.
Wenn die Behörden außen vor sein sollen, muss das schon systematische Gründe haben. Da gibt es ja durchaus einige, die gar nicht so abwegig sind.
Und von Zeit zu Zeit dürfen die Behörden auch mal nützlich sein und effektiv eingreifen, und wenn das nur zur Abwechslung passiert  ;D


Ich kenne das Phänomen auch umgekehrt aus einer Polizeirunde:
Da mussten sich die Spieler erst mal klar machen, was von dem ganzen Scheiß sie nicht selbst machen müssen, weil es für fast alles jemanden gibt, der den lieben langen Tag nichts anderes macht.
Sich auf seine eigene Rolle in der großen Maschinerie zu besinnen und diese möglichst gut auszufüllen war schon eine gewisse Umstellung von "uns hilft eh keiner bei gar nichts".
Wenn die Funktion der SCs gut gewählt ist, gefällt mir das besser als klassische Murderhobos.


Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Chiungalla am 18.10.2016 | 04:01
In altmodischen Fantasy-Settings stellt sich die Frage ja traditionell nicht: ...

Dort stellt sich aber oft ein in meinen Augen sehr nah verwandtes Problem:
Der auf die eine oder andere Art mächtige Auftraggeber der den Auftrag viel besser selbst erfüllen oder anderweitig vergeben könnte. Und das daraus resultierende Problem, dass es sich irgendwie falsch und konstruiert anfühlt, dass gerade die Spielercharaktere an vorderster Front stehen.

Der offensichtlich nach seinen Fähigkeiten mindestens Stufe 13 Magier der das Schicksal der Welt in die Hände von Stufe 4 Charakteren legt.
Der König der die Probleme seines Königreichs zu dahergelaufenen Abenteurern outsourced anstatt Ritter und Hofmagier loszuschicken.
u.s.w.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 18.10.2016 | 08:02
Dort stellt sich aber oft ein in meinen Augen sehr nah verwandtes Problem:
Der auf die eine oder andere Art mächtige Auftraggeber der den Auftrag viel besser selbst erfüllen oder anderweitig vergeben könnte. Und das daraus resultierende Problem, dass es sich irgendwie falsch und konstruiert anfühlt, dass gerade die Spielercharaktere an vorderster Front stehen.

Der offensichtlich nach seinen Fähigkeiten mindestens Stufe 13 Magier der das Schicksal der Welt in die Hände von Stufe 4 Charakteren legt.
Der König der die Probleme seines Königreichs zu dahergelaufenen Abenteurern outsourced anstatt Ritter und Hofmagier loszuschicken.
u.s.w.

Das liegt wohl auch daran, dass es unter dem eben für viele keine "gute Geschichte" ist. Episch muss schon sein.
Und das bitte mit Stufe 1, denn aus eben dem Grund muss es erst Angst und Verzweiflung geben, bevor sich VÖLLIG überraschend das Blatt dann noch zum Guten wendet, - wegen Spannung und so ... .

Bezgl. "Offizielle".
Neben Abgaben waren auch Unterstützung und Rat Lehnspflichten. In einer Welt, wo Einzelpersonen Kompaniefeuerkraft oder andere interesannte Fähigkeiten haben, werden die lokalen Mächte auch versuchen diese einzubinden, wenn sie diese nicht anders kontrollieren können bzw. wenn der Nachbar solche Typen an der Hand hat und man selbst daher auf diese nicht verzichten will oder kann. Und je nach Schwere des Problems kann der Betreffende dass dann auch wieder delegieren, z.B. an seine Gehilfen, Lehrlinge etc. Nur werden das dann eher keine Zuckerbäcker sein.
In einer kleineren Stadt, wo die Stadtwache eh reihum von den Gilden gestellt werden, kann es aber auch den mal treffen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 08:28
Zitat
Wie schon angeklungen: Die SCs sollen genau diese Aufgabengebiete beackern, für die es mehr oder weniger gut geeignete offizielle Spezialisten gibt - warum sind die SCs dann keine solchen?
Sind sie doch in vielen Systemen. Klassische Helden sind "Übermenschen" die sogar Zaubern können, im Gegensatz zu den normalo Ermittlern.
Es wird dann problematisch, wenn es nach Setting oder System umgekehrt ist. 
Zitat
Das mag ja sogar gute Gründe haben, aber dann muss man eben eine Antwort haben, warum die Arbeit auf die SCs abgewälzt wird.
Je nach Setting ist das teilweise sehr banal, aber manchmal ist es rein auf die Lösung eines bestimmten Problems ausgerichtet tatsächlich die beste Methode, das Ganze an andere Leute abzugeben.
Wenn das ein grundlegendes und wiederkehrendes Problem ist, muss man am Setting schrauben.
Genau. Underdogs als Helden werden so einen Auftrag in der Regel nicht von offizieller Seite bekommen. Hochstufige, fähige Spezialisten  schon eher.
Wenn das im Abenteuer für unerfahrene 1. Gradler vorgesehen ist, ist der Plot einfach unplausibel.

Zitat
Die persönliche Ebene scheint mir nicht sehr zielführend - das geht ein paar Mal, aber irgendwann wird das auch mehr als unplausibel.
Das ist doch auch sicherlich mit der Grund, warum sich entlegene menschenleere Gebiete am Besten für Abenteuer eignen. Da gibt es sonst keine Behörde die zuständig ist.
Vielleicht einen Dorfvorstand, aber das wars. Da werden die Helden plausibel in ihre Rolle "gezwungen". In Städten sieht die Lage schon anders aus.
Aber diese Stadt -Abenteuer mit Spezialeinheit im Hintergrund sind eher seltener Teil klassischer Plots.
Falls aber alle Abenteuer in Sin City spielen habe ich natürlich irgendwann ein Problem.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 08:37
Zitat
Dort stellt sich aber oft ein in meinen Augen sehr nah verwandtes Problem:
Der auf die eine oder andere Art mächtige Auftraggeber der den Auftrag viel besser selbst erfüllen oder anderweitig vergeben könnte. Und das daraus resultierende Problem, dass es sich irgendwie falsch und konstruiert anfühlt, dass gerade die Spielercharaktere an vorderster Front stehen.
Klar, es ist nicht immer logisch warum man Fremden eine so ernste Angelegenheit anvertraut
Mögliche Gründe können z. B. 1. tiefe Verzweiflung sein. Vielleicht hat man schon alles versucht oder nichts mehr zu verlieren.
2. Der Ausfall eines Spezialisten, für den man keinen Ersatz hat. 3. Eine Aufgabe, die den sicheren Tod bedeutet und nur Lebensmüde Leute annehmen würden.
4. Der Auftraggeber rechnet gar nicht damit, dass der Auftrag gelingt, er braucht nur Kanonenfutter, bzw. einen Sündenbock. usw....
Aber für all solche Aufträge braucht es "Helden" bzw. Spieler die Spaß an den besonderen Fähigkeiten ihrer Figur und damit auch an besonderen Herausforderungen haben.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 18.10.2016 | 08:43
...
Aber diese Stadt -Abenteuer mit Spezialeinheit im Hintergrund sind eher seltener Teil klassischer Plots.
Falls aber alle Abenteur in Sin City spielen habe ich natürlich irgendwann ein Problem.

Dann müssen diese "klassischen plots" sich eben mal in Frage stellen.

Wenn da "Zivilisten" reingeworfen werden, dann geht das eben auch öfter mal den Bach runter, sei es, dass diese versagen oder eben wie hier auch einfach "kneifen", gerade wenn die Herausforderung dann wieder besonders "cool" und episch sein soll.

Oder es müssen halt doch ein paar Spezialisten ran und die treffen recht selten zufällig in Mannschaftsstärke passend da ein, wo demnächst etwas passieren wird. Und in Orten, wo kraft großer Bevölkerungszahl und Durchgangsverkehr so etwas halbwegs "üblich"bzw. öfter zu erwarten ist, gibt es auch das Interesse und die Mittel diese Spezialisten ganz offiziell zumindest an der Hand zu haben.

[rant] "Helden" als Ersatz regulärer Motivation ist ein hirntotes Konzept, welches mangels Anerkennung von Selbsterhaltungstrieb und Eigeninteressen der Figur eigentlich mit dem Ausspielen einer Rolle nichts zu tun hat, sondern nur schwacher Lack über schrottige Plothooks zu ebensolchen Stories darstellt. [/rant]
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 08:52
Zitat
Wenn da "Zivilisten" reingeworfen werden, dann geht das eben auch öfter mal den Bach runter, sei es, dass diese versagen oder eben wie hier auch einfach "kneifen", gerade wenn die Herausforderung dann wieder besonders "cool" und episch sein soll.
Ok, dann nehme ich Abenteurer statt Helden. Abenteurer suchen was....? Genau das Abenteuer. Was genau Zivilisten suchen, weiß ich nicht.  ;)

Vielleicht sollte es dann extra "Abenteuer für Zivilisten" geben. Solche, die weder zu gefährlich sind, noch zu große Anforderungen an die Charaktere stellen. Für Alle die das so lieber möchten.
Das ist vielleicht sogar eine Marktlücke Maarzan. :D
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Deep_Impact am 18.10.2016 | 09:00
Ich vertrete ja die Meinung, dass klassische Zivilisten - also ohne besondere Motivation und Antrieb sich in Gefahr zu begeben - nur für das Rollenspiel geeignet sind, wenn sie keine Wahl haben, dem Abenteuer auszuweichen.
Und das kommt eigentlich nur im Horror-Genre vor (CoC, Kuro,...).

Bestimmt gibt es irgendwelche Exoten, die sich ausschließlich um Nicht-Abenteuer kümmern. Aber im Endeffekt geht es immer darum einen Konflikt ausspielen, egal ob das ein Kampf, Diplomatie oder sonst was ist. Und wenn man den konsequent zu vermeiden sucht, führt man den Sinn und Zwecke ad absurdum. Was nicht heißt, dass die Spieler / Charakter vielleicht einen anderen Weg kennen und wenn das eben reines Resourcen-Management sein soll a la "Ich habe da einen Kontakt, der..." dann eben das.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Wellentänzer am 18.10.2016 | 09:08
1. Ja hab ich.
2. Teilweise, ich diagnostiziere meistens Ratlosigkeit und Pessimismus - Nicht wissen, was man machen soll und nicht glauben, dass man das schaffen kann.
3. Mit den Spielern reden, die Abenteuer so aufbauen, das immer klar ist, was als nächstes zu tun ist und den Spielern das Gefühl geben, dass sie mit gutem Grund optimistisch an die Sache rangehen soll.

Der Pessimismus ist oft den Erfahrungen aus alten Runden geschuldet.
Besonders (un-) beliebt macht sich da Shadowrun.

Mal ehrlich, wer hundert mal von seinem Johnson oder dem dahinter stehenden Konzern verarscht wurde, duzende male wegen einem kleinen Auftrag immer mit Präzision in ein Wespennest tritt und immer auf die Uber-Gegner trifft, merkt irgendwann, dass man nur mit extremer Paranoia überlebt - auch wenn man damit nicht weiterkommt. Leider breitet sich das auf alle Systeme aus. Und leider ist das schwer zu kurieren.

Ja, das sehe ich auch so und dieser Aspekt kam mir in den bisherigen Antworten auch zu kurz. Erlernte Hilflosigkeit. Wenn die Spieler sich in den Augen des SL beknackt verhalten, dann ist mit einiger Wahrscheinlichkeit der SL selbst ein hauptsächlich Beteiligter. Introspektion als SL ist da eines der obersten Gebote. Hatten die SC hinreichend Erfolge? Wurden ihre guten Ideen genug gewürdigt? Ist die Spielwelt abenteuerfreundlich gestaltet? Hackt der SL zu sehr auf vermeintlichen Fehlentscheidungen und Dummheiten der SC herum? Ist der Anteil an Mary Sues zu hoch? Und so weiter.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 18.10.2016 | 09:25
Ok, dann nehme ich Abenteurer statt Helden. Abenteurer suchen was....? Genau das Abenteuer. Was genau Zivilisten suchen, weiß ich nicht.  ;)

Vielleicht sollte es dann extra "Abenteuer für Zivilisten" geben. Solche, die weder zu gefährlich sind, noch zu große Anforderungen an die Charaktere stellen. Für Alle die das so lieber möchten.
Das ist vielleicht sogar eine Marktlücke Maarzan. :D

Abenteurer suchen sich ihre Aufträge auch selbst aus und die allermeisten nach Profit vs Risikokriterien. Ausnahmen wird es geben, aber wohl eher selten in Gruppenstärke und auch die müssen sich irgendwo finanzieren bzw. sind keine plotgefesselten Selbstmordkandidaten. 
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 09:27
Zitat
Ich vertrete ja die Meinung, dass klassische Zivilisten - also ohne besondere Motivation und Antrieb sich in Gefahr zu begeben - nur für das Rollenspiel geeignet sind, wenn sie keine Wahl haben, dem Abenteuer auszuweichen.
Und das kommt eigentlich nur im Horror-Genre vor (CoC, Kuro,...).
Du meinst, das wären dann die Figuren, die die Helden sonst retten? :D Gut möglich. Oder man schraubt halt die Gefahr runter auf- Dinge die auch ein Normalo bewältigen kann.

Ich weiß nicht, ob es wirklich Angst ist, wenn Spieler die Autoritäten  informieren . Mich würde ja interessieren, ob die Gruppe einfach die Behörden informiert und daraufhin ihre Aufgabe als erledigt ansieht.
Oder ob sie trotzdem weiter an dem Fall dran bleibt. Dazu hat sich Kampfwurst noch gar nicht geäußert. Das ist aber ein großer Unterschied.
Im ersten Fall ist es vermutlich einfach Angst der Spieler dem mit ihren Figuren nicht gewachsen zu sein, und im zweiten Fall ist es einfach  gutes Rollenspiel. ;)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Deep_Impact am 18.10.2016 | 09:33
Hab gesehen, dass Kampfwurst online war. Wäre der Diskussion - eher der Hilfestellung - sicher hilfreich, wenn man Details hätte.

Ich glaube ich habe noch nie einen Protagonisten gespielt, der sich dem Abenteuer entzogen hat. Nun bin ich aber auch keiner die Shadowrun-geschädigten Spieler. Ja, das hab ich gespielt, aber ich glaube ich habe nur die normale Spieler-Paranoia, die man sich eben in Dungeons und so weiter zuzieht, und mehr nicht.

Wenn ich einen Plothook schmeiße und weiß, dass der abstrus ist, dann ist mir auch klar, dass ggf. keiner anbeißt. Gerade erst passiert, auch wenn meine Spieler so gnädig waren, darauf einzusteigen. Hätte es aber akzeptiert, wenn sie dran vorbei gelaufen wären.

Aber alles graue Theorie: Kampfwurst! Füttere uns mit Informationen!  >;D
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 09:36
Zitat
Abenteurer suchen sich ihre Aufträge auch selbst aus und die allermeisten nach Profit vs Risikokriterien.

Das ist doch auch in vielen Abenteuern der Fall: Ohne Moos nix los. Da wird gefeilscht und verhandelt. :)
Zitat
Ausnahmen wird es geben, aber wohl eher selten in Gruppenstärke und auch die müssen sich irgendwo finanzieren bzw. sind keine plotgefesselten Selbstmordkandidaten. 
Ein Abenteuer das  : Für "suizidgefährdete Wahnsinnige" ausgeschrieben ist, erfordert natürlich Vertrauen in den Spielleiter und in die Fähigkeiten seiner Figur beziehungsweise der Gruppe.

Ohne Vertrauen in den SL zu spielen macht wenig Sinn. Wenn man das Gefühl hat, man wird sowieso  bloß reingelegt, macht das doch auch keinen Spaß, egal bei welchem Setting.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 18.10.2016 | 09:47

Das ist doch auch in vielen Abenteuern der Fall: Ohne Moos nix los. Da wird gefeilscht und verhandelt. :)Ein Abenteuer das  : Für "suizidgefährdete Wahnsinnige" ausgeschrieben ist, erfordert natürlich Vertrauen in den Spielleiter und in die Fähigkeiten seiner Figur beziehungsweise der Gruppe.

Ohne Vertrauen in den SL zu spielen macht wenig Sinn. Wenn man das Gefühl hat, man wird sowieso  bloß reingelegt, macht das doch sowieso keinen Spaß, egal bei welchem Setting.

Wenn das Abenteuer für "suizidgefährdete Wahnsinnige" ausgeschrieben ist, ist die Welt ja in Ordnung. Denn dann kann der Spielleiter auch entsprechende Charaktere (aber eben auch Wahnsinnige) erwarten.

Das Problem tritt ja auf, wenn es heißt "macht Charaktere die X Ressource enstprechen". Und dann treffen ein Haufen Leute unterschiedlichster Interessen und Ausrichtungen auf eine Problem, das schwer nach benötigte Qualifikation Y >>X stinkt und irgendwie die Mehrheit der Charaktere so gar keine Motivationm für hat oder gar andere Motivationen überregeln müßte.
Kann man machen, aber dann der SL genau das beschriebene Risiko ein, und sollte den Blödsinn mit "aber Helden" oder "aber Story"  stecken lassen.


Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 09:57
Zitat
Das Problem tritt ja auf, wenn es heißt "macht Charaktere die X Ressource enstprechen". Und dann treffen ein Haufen Leute unterschiedlichster Interessen und Ausrichtungen auf eine Problem, das schwer nach benötigte Qualifikation Y >>X stinkt und irgendwie die Mehrheit der Charaktere so gar keine Motivationm für hat oder gar andere Motivationen überregeln müßte.
Kann man machen, aber dann der SL genau das beschriebene Risiko ein, und sollte den Blödsinn mit "aber Helden" oder "aber Story"  stecken lassen.
Stimmt. Die Gruppe als Ganzes hat nie ein und dieselbe Motivation. Jeder Charakter hat auch eigene. Und manchmal stimmen die nicht überein.
Wenn ein Auftrag da ist, sagen vielleicht einige in der Gruppe sofort ja, während andere noch überzeugt werden müssen. Notfalls mit Gold, das innerhalb der Gruppe den Besitzer wechselt: "hey Zwerg, wenn Du mitkommst, kriegst Du meinen Anteil, ich hab sowieso genug." Oder mit einem Versprechen: "Wenn Du mitkommst, dann stelle ich Dich meinem Lord vor, du hast mein Ehrenwort."
Manchmal muß auch der Auftraggeber noch einiges drauflegen, bis jeder zufrieden ist. A La: "Beschafft mir eine Schriftrolle mit folgendem Zauberspruch und ich bin dabei."
Wenn sich eine Figur dennoch weigert mitzugehen, dann hält sie sich halt raus. 

Es ist auch nicht so, dass mir als Figur immer jedes Abenteuer Spaß machen muß. Wenn das überwiegend der Fall ist, ist das doch ok. Ich finde es tatsächlich gut wenn Figuren mal abwechselnd voll persönlich angesprochen  sind, statt immer nur im Gruppenbrei. Beim Zwergenabenteuer steht mal speziell der Zwerg im Fokus, es geht um seinen Charakter um seine Geschichte. Beim Abenteuer in der Diebesgilde ist es der Spitzbube der im Rampenlicht steht, und die anderen in der Gruppe stehen ihm zur Seite. Hauptsache jeder kommt mal dran, und hat seine Show. Habe ich echt gute Erfahrungen mit gemacht.

Wenn die Gruppe nur noch aus eigenützigen Söldnern besteht, sind Abenteuer "um der guten Sache Willen", tatsächlich selten. Auch unter Zivilisten gibt es Helden, aber das werden sie meist dann, wenn sie einem anderen das Leben retten. Sich für einen anderen in Lebensgefahr begeben ohne etwas dafür zu verlangen.  Sie tun es einfach nur, weil es "richtig" ist. :)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: OldSam am 18.10.2016 | 10:15
Viele systeme tun ehr das Gegenteil DSA4 suggeriert z.B. durch sein Kaufsystem das all Starthelden in etwa gleich mächtig sind, was aufgrund des Systems wie sich die kosten für Rassen, Kulturen und Professionen berechnen aber nicht der Fall ist.
Im Beispiel DSA4 hast Du sicherlich recht, die schaffen es hier in der Tat ganz gut das zu verpatzen... ;) Es gibt auf jeden Fall so einige Kandidaten, aber natürlich auch diverse positivere Beispiele...
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: nobody@home am 18.10.2016 | 11:32
Sind sie doch in vielen Systemen. Klassische Helden sind "Übermenschen" die sogar Zaubern können, im Gegensatz zu den normalo Ermittlern.

Nur, daß die klassischen SC dann trotz aller "übermenschlichen" Fähigkeiten allzugern wieder nur die Rolle der dahergelaufenen Hanswurste zugewiesen bekommen, die niemand ernst nehmen muß. Wenn ich beispielsweise so ein toller Ermittlungszauberer bin, wo bleiben dann meine Jobangebote von der Polizei/der Stadtwache/dem kaiserlichen Hofermittlungsdienst, die mich eigentlich alle mit Kußhand nehmen sollten, weil sie nicht wissen, ob und wann ihnen so ein Talent wieder über den Weg läuft? Nööö -- "okay, Rätsel gelöst, vielen Dank, mach Dich wieder vom Acker!".

Da knackt es dann irgendwie schon recht deutlich im Settinggebälk.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: ErikErikson am 18.10.2016 | 11:39
Nur, daß die klassischen SC dann trotz aller "übermenschlichen" Fähigkeiten allzugern wieder nur die Rolle der dahergelaufenen Hanswurste zugewiesen bekommen, die niemand ernst nehmen muß. Wenn ich beispielsweise so ein toller Ermittlungszauberer bin, wo bleiben dann meine Jobangebote von der Polizei/der Stadtwache/dem kaiserlichen Hofermittlungsdienst, die mich eigentlich alle mit Kußhand nehmen sollten, weil sie nicht wissen, ob und wann ihnen so ein Talent wieder über den Weg läuft? Nööö -- "okay, Rätsel gelöst, vielen Dank, mach Dich wieder vom Acker!".

Da knackt es dann irgendwie schon recht deutlich im Settinggebälk.

Das ist halt Genrebedingt, wie etwas Harry Dresden, einer der mächtigsten Magier im Universum, als abgehalfterter Dedektiv halppleite vor sich hingurkt. 
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Supersöldner am 18.10.2016 | 12:05
Lösung schick sie in eine Stadt der Rechtlosigkeit und Anarchie. Behörden? Behörden am Arsch !
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Kampfwurst am 18.10.2016 | 12:06
Ich komme letztlich zu der Erkenntnis, dass diese Art Abenteuer/Setting nichts für diese Spieler ist.

Wir haben das City of Mist Quickstarter Abenteuer gespielt. Das ist übernatürliches Noir, bei dem die Charaktere explizit eine Verbindung zum Mythos haben, während normale Menschen das nicht haben und Übernatürliches schnell vergessen/ignorieren.

Das Abenteuer hatte ich zu dem Zeitpunkt 3 mal erfolgreich geleitet, ohne dass die Spieler (in 3 komplett anderen Runden) ein solches Verhalten gezeigt haben. Es ist ein Beispielabenteuer mit Beispielcharakteren. Alle 4 waren von den Charakterzusammenstellungen sehr unterschiedlich. 3 mal hat es ohne Probleme funktioniert, das eine mal so gar nicht.

Es ist nichtmal so, dass die Spieler der anderen Gruppen die Polizei außer Acht gelassen haben, aber sie haben sie als Notfallplan oder als letze Instanz genutzt. Eine Gruppe hat die Polizei auf Standby gehabt und ist selbst reingegangen, die Polizei hat hinterher nur noch die Reste aufgekehrt. Die andere Gruppe hat die gesamte Ermittlungsarbeit gemacht und einzig beim letzten Schritt die Polizei eingeschaltet, da die Charaktere in der Gruppe allesamt eher sozial ausgelegt waren.

Umso verblüffter war ich dann eben, als die letzte Gruppe so reagiert hat, und das im Grunde so gar nicht angenommen hat. Die Art des Spiels ist wohl einfach nicht ihr Fall, das hake ich damit ab.

Ich fand halt nur diese Art des "da bin ich nicht für zuständig" von Spielerseite sehr merkwürdig, und habe mich gefragt, ob andere sowas auch schonmal erlebt haben, woher das kam und wie ihr damit umgegangen seid.

Danke schonmal für alle Antworten.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 12:14
Zitat
Nur, daß die klassischen SC dann trotz aller "übermenschlichen" Fähigkeiten allzugern wieder nur die Rolle der dahergelaufenen Hanswurste zugewiesen bekommen, die niemand ernst nehmen muß. Wenn ich beispielsweise so ein toller Ermittlungszauberer bin, wo bleiben dann meine Jobangebote von der Polizei/der Stadtwache/dem kaiserlichen Hofermittlungsdienst, die mich eigentlich alle mit Kußhand nehmen sollten, weil sie nicht wissen, ob und wann ihnen so ein Talent wieder über den Weg läuft? Nööö -- "okay, Rätsel gelöst, vielen Dank, mach Dich wieder vom Acker!".

Da knackt es dann irgendwie schon recht deutlich im Settinggebälk.
:o Wuss?? I don't understand.. Nehmen wir an, ein Held hat sich als Ermittler schon einen Namen gemacht, dann wird der doch gerne weiter empfohlen.
Da freut sich doch der SL, wenn die Gruppe schon  Rang und Namen hat-ist sie noch einfacher zu vermitteln als ohne.
Zitat
Umso verblüffter war ich dann eben, als die letzte Gruppe so reagiert hat, und das im Grunde so gar nicht angenommen hat. Die Art des Spiels ist wohl einfach nicht ihr Fall, das hake ich damit ab.
Echt? Welche Art des Spiels, denkst Du,  spielen die lieber?
Zitat
Ich fand halt nur diese Art des "da bin ich nicht für zuständig" von Spielerseite sehr merkwürdig, und habe mich gefragt, ob andere sowas auch schonmal erlebt haben, woher das kam und wie ihr damit umgegangen seid.
Also ich hab schon mal erlebt, dass ein einzelner Charakter vor der Stadt zwei Tage gezeltet hat, weil er  keine Lust hatte reinzugehen.(Der Spieler wollte einfach immer gerne etwas extra Aufmerksamkeit haben) Er ist dann erst nachgekommen, als die anderen schon im Abenteuer waren und auch ohne ihn Spaß hatten. Da wurde es ihm draußen im Wald dann doch etwas zu langweilig. Aber totalen Gruppenausfall hatte ich noch nie.
Hast Du sie mal gefragt wieso? Würde mich echt interessieren.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: nobody@home am 18.10.2016 | 12:38
Das ist halt Genrebedingt, wie etwas Harry Dresden, einer der mächtigsten Magier im Universum, als abgehalfterter Dedektiv halppleite vor sich hingurkt.

Und doch hat Dresden wenigstens seinen Detektivjob und einen festen Wohnsitz samt eigenem Labor (das trotz seiner klammen Finanzen irgendwie immer doch das hat, was er gerade braucht) und wird zumindest am Anfang der Serie ab und zu gegen ganz echte Bezahlung von der Polizei angeheuert, wenn die nicht weiterwissen. Das ist schon mehr, als viele heimat- und beziehungslos von Abenteuer zu Abenteuer vagabundierende Klischee-Spielercharaktere (die ja speziell bei Kaufabenteuern meist als komplette Außenseiter in die jeweilige Situation stolpern) von sich behaupten können.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Issi am 18.10.2016 | 12:46
Zitat
Und doch hat Dresden wenigstens seinen Detektivjob und einen festen Wohnsitz samt eigenem Labor (das trotz seiner klammen Finanzen irgendwie immer doch das hat, was er gerade braucht) und wird zumindest am Anfang der Serie ab und zu gegen ganz echte Bezahlung von der Polizei angeheuert, wenn die nicht weiterwissen. Das ist schon mehr, als viele heimat- und beziehungslos von Abenteuer zu Abenteuer vagabundierende Klischee-Spielercharaktere (die ja speziell bei Kaufabenteuern meist als komplette Außenseiter in die jeweilige Situation stolpern) von sich behaupten können.
Moment, Plot ist Plot. Die sind natürlich für Charaktere geschrieben, die der Autor nicht kennt. Aber der SL kann den auch immer ein Stück weit auf die Gruppe anpassen. Oder stark verändern.
(Darüber hinaus haben doch einige hochstufige Charaktere auch einen festen Wohnsitz mit Labor, einen Turm, was auch immer, sofern sie es in der Welt zu Geld, Ruhm oder Ruch gebracht haben. Und von diesem Stützpunkt aus ziehen sie dann halt rum, oder kehren zwischen den Abenteuern für bestimmte Zeit dorthin zurück)

Dass Plotfiguren nur abgerissene Vagabunden bzw. Klischee Charaktere sind, die keiner braucht und haben will, stimmt mMn. doch gar nicht.
Und auch in Sandboxen werden Plots gespielt.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Grey am 18.10.2016 | 13:05
Ich fand halt nur diese Art des "da bin ich nicht für zuständig" von Spielerseite sehr merkwürdig, und habe mich gefragt, ob andere sowas auch schonmal erlebt haben, woher das kam und wie ihr damit umgegangen seid.
Was meine eigenen Erfahrungen in der Richtung betrifft, so war die Denkweise der Spieler eher: "Warum sollte sich die Polizei von uns ihren Job wegnehmen lassen?"

Ich meine: Die Polizei ist nun mal für so was zuständig wie verschwundene Kinder. Wenn da eine Horde Amateure dazwischentrampelt und was davon erzählt, sie wären wegen ihrer paranormalen Fähigkeiten die Richtigen für den Job, habe ich große Vorstellungsschwierigkeiten damit, dass die Polizei was anderes erwidert als: "Halten Sie sich bitte aus den Ermittlungen raus!"

Wenn man dann als Abenteurer einfach auf eigene Faust loslegt (womöglich noch, ohne die Polizei zu benachrichtigen), dann riskiert man mächtig Ärger. Aus Charaktersicht bräuchte ich dazu ein starkes Motiv.

Dieses Problem ist so alt wie das Krimi-Genre, und es gibt viele Ansätze zu seiner Lösung. Wie du es beschreibst, @Kampfwurst, folgt euer Setting dem Ansatz: "Nur die SCs mit ihrer paranormalen Fähigkeit können den Fall überhaupt lösen." Dann bleibt die Frage:
1. Kommt das deutlich genug raus? Oder erscheint die Angelegenheit den Spielern wie ein gewöhnlicher Kriminalfall, der ihre Sonderfähigkeit nicht berührt?
2. Haben die SCs ein persönliches Interesse an dem Fall, das stark genug wäre, sich über die Autoritäten hinwegzusetzen? ("Mir egal, was die Cops sagen, es geht um meine Schwester!")
3. Alternativ: Könnte jemand bei der Polizei seinerseits die SCs ins Boot holen wollen, z.B. ein Inspektor, der selbst diese paranormale Fähigkeit hat und daher weiß, dass seine Beamten den Fall einfach nicht werden lösen können?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 18.10.2016 | 13:49
Im Beispiel DSA4 hast Du sicherlich recht, die schaffen es hier in der Tat ganz gut das zu verpatzen... ;) Es gibt auf jeden Fall so einige Kandidaten, aber natürlich auch diverse positivere Beispiele...
Aber genug mit ähnlichen problemen.
D20 propagiert z.B. zwar nicht das man normalos spielen kann, hat aber noch schlimmere balancing probleme als DSA, und kann wenn man den Charakter nicht ziemlich radikal nach Effizienz Gesichtspunkten aufbaut auch schnell dazu führen das ein Char nichts kann.
Vampire propagiert ziemlich stark das spielen von Normalos, nur sind die meisten Beispielcharaktere in deren Büchern kaum überlebens fähig ins besondere im Vergleich zu den hochgezüchteten NSCs.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Greifenklause am 18.10.2016 | 14:16
Splittermond und DSA5 sind ganz gut gebalanced und recht "kostenecht" (d.h.: Keine Rabatte und Verteuerungen und Fähigkeiten kosten grundsätzlich nach Mächtigkeit)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Supersöldner am 18.10.2016 | 15:08
Schon mal daran gedacht mit den Spielern darüber zu reden ?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Kampfwurst am 18.10.2016 | 15:38
Echt? Welche Art des Spiels, denkst Du,  spielen die lieber?
Als Gruppe sind wir stark Shadowrun sozialisiert, insbesondere in der "5 Stunden planen, halbe Stunde durchziehen" Version. Einer der Spieler ist zusätzlich in den letzten Jahren durch höchst paranoides D&D noch zusätzlich verdorben. (Er hat erzählt er hat 1 ganze Sitzung gebraucht um einen Zettel unter einem Stein hervor zu holen, weil er überall Fallen gerochen hat.)

Gerade darum wollte ich mal was anderes ausprobieren. Vielleicht war das auch einfach zuviel Kulturschock.


Zitat
Hast Du sie mal gefragt wieso? Würde mich echt interessieren.
Fazit ist letztlich, dass Ermitteln (zumindest im Moment) nicht ihr Ding ist. Insbesondere einem ist momentan eher nach Kloppen und Blut spritzen. Ich werde es beim nächsten Mal mit Conan 2d20 versuchen, vielleicht liegt ihnen das mehr. Macht ja auch Spaß. :)


Schon mal daran gedacht mit den Spielern darüber zu reden ?
Nein. Auf die Idee wäre ich ja nie gekommen. Wow. Mind blown. Thank you, Captain Obvious.

Ich habe eine Beobachtung geteilt, weil ich sie bemerkenswert fand, und dachte sie könnte als Ausgangspunkt für eine interessante Diskussion dienen. Ich bin durchaus in der Lage die Situation zu lösen, die Beobachtung bleibt trotzdem.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Deep_Impact am 18.10.2016 | 15:43
Also wenn du oder ihr es vielleicht nochmal mit Investigativem ausprobieren wollt, dann schaut euch mal Gumshoe an. Das ist speziell auf diese Zielsetzung ausgelegt und hat aber auch klare Voraussetzungen an die Charaktere. Und selbst Blood & Gore funktioniert super damit, denn die meisten Settings basieren auf recht blutigen Film-Motiven.
Vielleicht tritt es nicht auf, wenn die Gruppe von Anfang an zusammen darauf ausgerichtet wird.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: KhornedBeef am 18.10.2016 | 16:41
Also wenn du oder ihr es vielleicht nochmal mit Investigativem ausprobieren wollt, dann schaut euch mal Gumshoe an. Das ist speziell auf diese Zielsetzung ausgelegt und hat aber auch klare Voraussetzungen an die Charaktere. Und selbst Blood & Gore funktioniert super damit, denn die meisten Settings basieren auf recht blutigen Film-Motiven.
Vielleicht tritt es nicht auf, wenn die Gruppe von Anfang an zusammen darauf ausgerichtet wird.
Hehe,lustig. Ich habe keine Zeit den Thread zu lesen und wollte nur meine Assoziation dazu posten. In einem der GUMSHOE- Regelwerke (ToC vermutlich) oder irgendeinem Artikel  dazu würde darauf eingegangen,warum sich nicht die Polizei um die grausamen Ritualmorde kümmert.
Ich würde auch die Polizei die Dinge einfach nach und nach schlimmer machen lassen, solange die  Spieler das überhaupt mitverfolgen. Wenn gar kein Interesse besteht, sehe ich auch eher eine metagame-Lösung.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 18.10.2016 | 17:15
Dort stellt sich aber oft ein in meinen Augen sehr nah verwandtes Problem:
Der auf die eine oder andere Art mächtige Auftraggeber der den Auftrag viel besser selbst erfüllen oder anderweitig vergeben könnte. Und das daraus resultierende Problem, dass es sich irgendwie falsch und konstruiert anfühlt, dass gerade die Spielercharaktere an vorderster Front stehen.

Ja, der ist im Endeffekt auch nur eine Art von zuständiger Autorität, die aus unplausiblen Gründen nicht macht, was sie soll und kann.

Wenn die SCs gar zu luschig sind, ist das irgendwann nicht mehr zu machen, aber sobald die SCs halbwegs dafür geeignet sind, passt es zumindest halbwegs.
Es braucht ja "nur" einer entsprechendes Gildenmitglied sein oder Verwandtschaft von einem Beteiligten und schon gehört man mit zu den Zuständigen.

Das grundlegende Problem sind völlig entwurzelte Teflonbilly-SCs ohne jede soziale Einbindung und Abenteueraufhänger mit Universaladaptern, die so universell meistens gar nicht sind, insbesondere für totale Anfängercharaktere.

Aber das lässt sich mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten recht einfach kompensieren.
Halbwegs kompetente SCs, die zu ihrer Welt gehören, dann passt das schon.


Aber diese Stadt -Abenteuer mit Spezialeinheit im Hintergrund sind eher seltener Teil klassischer Plots.

Für unsere Polizeirunde damals lief das ganz gut.
Zum Einen verschoben sich die meisten Kämpfe von "die machen wir alle platt" auf Entkommen und Melden oder Durchhalten, bis die Kavallerie da ist.
Klingt auf den ersten Blick im Vergleich vielleicht etwas langweilig, aber das System gab ein Maß an Gefährlichkeit her, dass das meistens Spannung genug war.

Und zum Anderen waren die SCs durch die entsprechende Funktionswahl im Vergleich zum Rest breit genug aufgestellt, um an vielen Stellen den Anfang machen und dann an die Spezialisten weiterzugeben oder bei denen mitarbeiten zu können.

Schon deutlich weniger ausgeprägt als der klassische deutsche Fernsehpolizist mit Wampe und fortgeschrittenem Alter, der ALLES höchstpersönlich macht und am Ende von zehn Mann SEK als Erster in die Wohnung des Täters geschoben wird... ;D

Aber zumindest ein bisschen Wildern in anderen Gefilden sollte erlaubt sein, wenn die Spieler Bock drauf haben. Und das gab auch immer schöne Vorlagen für diversen Knatsch mit anderen Abteilungen  :)



Gehört man selbst nicht zur Maschinerie, wird es natürlich etwas schwieriger - immer rausschreiben lassen sich die Behörden nicht, aber auf ein erstaunlich oft kann man es schon bringen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Feuersänger am 18.10.2016 | 19:58
Bei unserer letzten D&D-Kampagne lief es übrigens gegen Ende genau umgekehrt. Wir _wussten_, dass da eine Riesensauerei im Gange war, und rackerten uns ab um die bösen Hintermänner zu überführen, aber all unsere Nachforschungen verliefen sich in Sackgassen oder komplett gegen die Wand. Als wir schließlich auch als Spieler sehr frustriert waren, versuchte der SL uns zu erklären, dass es vollkommen okay sei die Sache nun auf sich beruhen oder anderen Leuten in einer höheren Gehaltsgruppe zu überlassen; dass es durchaus Verschwörungen geben kann die derart ausgefuchst sind dass _wir_ da eben keinen Hebel finden können. Das mag ja sein, aber ich glaube ich war nicht der einzige, der sich da in seiner Abenteurerehre gekränkt fühlte. Wir haben die Kampagne dann auch im Zuge dieser Aussprache sehr abrupt eingestellt.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 19.10.2016 | 14:23
Dort stellt sich aber oft ein in meinen Augen sehr nah verwandtes Problem:
Der auf die eine oder andere Art mächtige Auftraggeber der den Auftrag viel besser selbst erfüllen oder anderweitig vergeben könnte.

Vielleicht könnte er ihn besser erfüllen, aber wer erledigt in der Zwischenzeit dessen Aufgaben?
Das erinnert an 100 Euro Handwerker gespart - was kostet ein leitender Ingenieur und was verliert man da andernorts?

Majestäts Hofmagier ziehen also zusammen mit dem Kanzler und Connetable auf Aventuire...

Oder es geht um plausible Deniability, der politische Preis o.ä. ist zu hoch als das Majestät da glaubwürdig drin verwickelt sein dürfte
Nur, daß die klassischen SC dann trotz aller "übermenschlichen" Fähigkeiten allzugern wieder nur die Rolle der dahergelaufenen Hanswurste zugewiesen bekommen, die niemand ernst nehmen muß. ..... Nööö -- "okay, Rätsel gelöst, vielen Dank, mach Dich wieder vom Acker!".

Da knackt es dann irgendwie schon recht deutlich im Settinggebälk.
klassischer DSA Standard, witzig wird es wenn die SCs unbestrittene Koryphäen, Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion, Victoria Cross und der Medal of Honor etc. pp. sind(7G)

Das ist halt Genrebedingt, wie etwas Harry Dresden, einer der mächtigsten Magier im Universum, als abgehalfterter Dedektiv halppleite vor sich hingurkt.
Schon Murphys Second hielt Harry für ein Fake, er war sich nur unsicher ob Harry betrog oder den Blödsinn glaubte.

Und Murphys Second war einer der wirklich Guten.

Zitat
Wenn ich beispielsweise so ein toller Ermittlungszauberer bin, wo bleiben dann meine Jobangebote von der Polizei/der Stadtwache/dem kaiserlichen Hofermittlungsdienst, die mich eigentlich alle mit Kußhand nehmen sollten, weil sie nicht wissen, ob und wann ihnen so ein Talent wieder über den Weg läuft?
genauso gelesen in Dangerous Journeys
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 19.10.2016 | 14:26
Vielleicht könnte er ihn besser erfüllen, aber wer erledigt in der Zwischenzeit dessen Aufgaben?
Das erinnert an 100 Euro Handwerker gespart - was kostet ein leitender Ingenieur und was verliert man da andernorts?

Das würde für eher bodenständige Probleme gelten, aber nicht für die beliebten epischen Weltuntergangsszenarien.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 19.10.2016 | 14:30
Auch da würde ich nicht Hofmagier, Kanzler und Connetable schicken - sondern die Besten des SAS/SBS Äquivalents mit den besten Magiern, etc. für den Job
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Greifenklause am 19.10.2016 | 14:41
Das ist nicht mal nur ein DSA-Problem.
Im Gegenteil: In späteren Publikationen wird die Problematik durchaus auch "mal" behandelt.
Immer noch sträflich wenig...

Kennt ihr Abenteuer, die die "Held ist nur Hanswurst"- oder "Held ist berühmt und verdammt kompetent"-Problematiken behandeln und gut lösen?
Oder auch die "Polizisten sind entweder übermächtig oder Idioten oder beides"-Problematik.

Mich brachte meine DSA/Splittermond-Gruppe nämlich letztens drauf, dass Gardisten die Helden meist entweder wie Idioten behandeln oder selbst nichts gebacken kriegen.
Das brachte mich auf ein Szenario, wo die örtliche Garde durchaus kompetent durchermittelt hat, aber dann aufgrund Zuständigkeitsgerangels nicht mehr weiter kam.
Anschließend spricht man solch illustre und kompetente Gestalten wie die "Helden" an. Zum einen haben sind die kompetent, zum zweiten sind denen Zuständigkeiten eher egal, zum dritten kann man denen vertrauen (wenn der Ruf stimmt). Passt doch!
Mehr davon!
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 19.10.2016 | 15:15
Vielleicht könnte er ihn besser erfüllen, aber wer erledigt in der Zwischenzeit dessen Aufgaben?
Das erinnert an 100 Euro Handwerker gespart - was kostet ein leitender Ingenieur und was verliert man da andernorts?

Majestäts Hofmagier ziehen also zusammen mit dem Kanzler und Connetable auf Aventuire...

Oder es geht um plausible Deniability, der politische Preis o.ä. ist zu hoch als das Majestät da glaubwürdig drin verwickelt sein dürfte
Kommt auf Setting und darauf wie mächtig so ein NSC im Verhältnis zu den Spielern werden kann. Ein hoch stufiger DSA NSC dürfte in den seltensten Fällen so mächtig wie ein Gruppe niedrig stufiger Helden sein, bei D20 sieht das ganz anders aus.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Greifenklause am 19.10.2016 | 15:21
Kommt auf Setting und darauf wie mächtig so ein NSC im Verhältnis zu den Spielern werden kann. Ein hoch stufiger DSA NSC dürfte in den seltensten Fällen so mächtig wie ein Gruppe niedrig stufiger Helden sein...
Wie kommst du darauf? Bzw wie definierst du "mächtig" in diesem Zusammenhang?
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 19.10.2016 | 15:27
Auch da würde ich nicht Hofmagier, Kanzler und Connetable schicken - sondern die Besten des SAS/SBS Äquivalents mit den besten Magiern, etc. für den Job

Das ist auch ein Systemproblem. In den altmodischeren Systemen und zugehörigen Settings sind die hochrangigsten Leute auch die krassesten Kämpfer/Magier, aus verschiedenen mehr oder weniger guten Gründen.

Gehört für mich zur Ursuppe des Rollenspiels, die man mal so langsam wegschütten könnte  ;)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Greifenklause am 19.10.2016 | 15:34
Das ist auch ein Systemproblem. In den altmodischeren Systemen und zugehörigen Settings sind die hochrangigsten Leute auch die krassesten Kämpfer/Magier, aus verschiedenen mehr oder weniger guten Gründen.

Gehört für mich zur Ursuppe des Rollenspiels, die man mal so langsam wegschütten könnte  ;)

Lag auch daran, dass man früher sklavisch unter die vorhandenen Klassen subsumieren musste oder sich an irgendwelchen "Stufen" orientieren musste.
Schnee von gestern.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 19.10.2016 | 15:56
Ja, und dazu kommt noch: Wie wird man dort König?
Man geht zum alten König und haut dem so lange auf die Fresse, bis er abdankt...dann muss einer, der lange König bleibt, logischerweise auch ordentlich was auf dem Kasten haben  :P

Und als König hat man natürlich mehr Geld für magische Gegenstände usw.  ~;D


Das kommt eben dabei raus, wenn man Machtfülle mit persönlicher Kampfkraft zusammenwirft.

Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 19.10.2016 | 16:10
Ja, und dazu kommt noch: Wie wird man dort König?
Man geht zum alten König und haut dem so lange auf die Fresse, bis er abdankt...dann muss einer, der lange König bleibt, logischerweise auch ordentlich was auf dem Kasten haben  :P

Und als König hat man natürlich mehr Geld für magische Gegenstände usw.  ~;D


Das kommt eben dabei raus, wenn man Machtfülle mit persönlicher Kampfkraft zusammenwirft.

Aber selbst wenn dieser D&Dismus nicht gilt, sollte ein einflußreicherer Regent das Geld, den Einfluss und das Interesse haben die ja scheinbar nicht gerade seltenen Probleme von seinen Ressourcen fern zu halten.
Und wo die Probleme größer werden, sollten auch die Einflussphären von mehr und wichtigeren Leuten gekreuzt werden, statt weiterhin an irgendwelchen "Dahergelaufenen" zu hängen.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 19.10.2016 | 16:23
Wie kommst du darauf? Bzw wie definierst du "mächtig" in diesem Zusammenhang?
Mit mächtig mein ich in dem Fall das er mit der Gruppe den Boden aufwischen kann ohne ins schwitzen zu geraten, oder er anderweitig zu Sachen in der Lage ist die weit jenseits dessen liegen was die Gruppe tun könnte. Das ist bei DSA potenziell nur bei Magiern ein Problem.

Und selbst wenn es um Politische Macht und Ressourcen geht, sind die jetzt bei den meisten Lokalen Autoritäten in Aventurien auch nicht so gigantisch. Und wenn du mal auf die Zahl der Stadtgardisten o.ä. guckst sind die jetzt in vielen fällen nicht besonders groß.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 19.10.2016 | 18:22
Aber selbst wenn dieser D&Dismus nicht gilt, sollte ein einflußreicherer Regent das Geld, den Einfluss und das Interesse haben die ja scheinbar nicht gerade seltenen Probleme von seinen Ressourcen fern zu halten.
Und wo die Probleme größer werden, sollten auch die Einflussphären von mehr und wichtigeren Leuten gekreuzt werden, statt weiterhin an irgendwelchen "Dahergelaufenen" zu hängen.

Daher ja meine oben angeklungene Lösung:
Keine dahergelaufenen Nichtskönner spielen  :)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 19.10.2016 | 18:29
Daher ja meine oben angeklungene Lösung:
Keine dahergelaufenen Nichtskönner spielen  :)

Da sind wir uns wohl weitgehend einig. (wobei ich halt kleine(re) Leute - kleine(re) Probleme) auch für eine gleichwertige, und meinem Geschmack sogar näher stehende Lösung halte.
Aber spätestens beim "dahergelaufen" sollte das passen.

Nur habe ich schon zu viel und mehrheitliches anderes gesehen um da optimistisch zu sein.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: ErikErikson am 19.10.2016 | 20:34
Da sind wir uns wohl weitgehend einig. (wobei ich halt kleine(re) Leute - kleine(re) Probleme) auch für eine gleichwertige, und meinem Geschmack sogar näher stehende Lösung halte.
Aber spätestens beim "dahergelaufen" sollte das passen.

Nur habe ich schon zu viel und mehrheitliches anderes gesehen um da optimistisch zu sein.

Mir ist nicht klar, wie das gehen soll. Ich habe schon häufig Gruppen gesehen, wo jeder einen bestimmten Charakter spielen wollte. Themengruppe kommen meiner Erfahrung nach nur schwer zustande. Diese bunte Gruppe ist nun nicht sinnvoll unter einen Hut zu bringen, weshalb man auf die klassische "Treffen in der Taverne" Situation zurückgreift. Gespielt werden sollen natürlich oft eine vielzahl Abenteuer in unterschiedlichen Gegenden. Und begonnen wird auf niedriger Stufe, damit man sich seine Aufstiege auch verdient, und das spannende Stufe 1-5 Spiel nicht verpasst.  Daher hat man die Situation, das eine Bande inkompetenter Herumtreiber diverse wichtige Aufträge bekommt.

Das ist das Klischee des Rollenspiels, und wie alle Klischees ist es schwer loszuwerden. Ich persönlich wüsste nicht, wie man das klassische Fantasy-Rollenspiel davon befreien könnte.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: YY am 19.10.2016 | 20:42
Ich persönlich wüsste nicht, wie man das klassische Fantasy-Rollenspiel davon befreien könnte.

Hast du doch selbst schon ausgeführt.

Wer bei bekannter und praxisnaher Lösung auf deren Anwendung verzichtet, will es nicht anders  :P :)
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Eulenspiegel am 19.10.2016 | 21:29
Wenn man ein Heldenepos spielt, sollte man natürlich keine Nichts-Könner spielen.

Wenn man dagegen Horror spielt, dann wird der Spielspaß häufig genau dadurch gezogen, dass die Protagonisten Durchschnittspersonen sind, mit denen man sich besonders gut identifizieren kann. Und dass die Personen gegen ihren Willen in Sachen hineingezogen werden, die zu hoch für sie sind.

Auch Survival macht hauptsächlich dann Spaß, wenn man kein Profi ist, der im Wald sowieso locker überleben kann. Das Survival-Feeling rührt ja meistens daher, dass man versucht, irgendwo zu überleben, obwohl man darin nicht ausgebildet ist.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2016 | 21:42
Mir ist nicht klar, wie das gehen soll. Ich habe schon häufig Gruppen gesehen, wo jeder einen bestimmten Charakter spielen wollte. Themengruppe kommen meiner Erfahrung nach nur schwer zustande.

Das liegt mMn in erster Linie daran, daß bei der traditionellen Klischee-Charaktererschaffung jeder Spieler ohne irgendwelche Vorgaben oder Absprachen -- und am besten noch im einzelnen stillen Kämmerlein anstelle von wenigstens am selben Tisch -- seinen ganz eigenen Charakter praktisch im Vakuum baut und dann schweigend als ganz selbstverständlich voraussetzt, daß man sich dann zurücklehnen und dem SL beim verzweifelten Versuch, aus dem resultierenden Chaos-Mix zumindest ansatzweise so etwas wie ein Team zu machen, gemütlich zugucken kann.

Daß man das auch anders machen kann, scheint offensichtlich, wenn man die Alternativen erst mal kennengelernt oder sich zumindest mal bewußt Gedanken zum Thema gemacht hat -- nur, so weit muß man auch erst mal kommen, sonst steckt man schnell in der Massenträgheit des "kennen wir halt nur so" fest.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: ErikErikson am 19.10.2016 | 22:06
Das liegt mMn in erster Linie daran, daß bei der traditionellen Klischee-Charaktererschaffung jeder Spieler ohne irgendwelche Vorgaben oder Absprachen -- und am besten noch im einzelnen stillen Kämmerlein anstelle von wenigstens am selben Tisch -- seinen ganz eigenen Charakter praktisch im Vakuum baut und dann schweigend als ganz selbstverständlich voraussetzt, daß man sich dann zurücklehnen und dem SL beim verzweifelten Versuch, aus dem resultierenden Chaos-Mix zumindest ansatzweise so etwas wie ein Team zu machen, gemütlich zugucken kann.

Daß man das auch anders machen kann, scheint offensichtlich, wenn man die Alternativen erst mal kennengelernt oder sich zumindest mal bewußt Gedanken zum Thema gemacht hat -- nur, so weit muß man auch erst mal kommen, sonst steckt man schnell in der Massenträgheit des "kennen wir halt nur so" fest.

Dazu kann ich nichts sagen, ich spiele nur Cthulhu, das eigene Traditionen hat. Wen nic hFantasy gespielt habe, war es jedenfals quasi unmöglich, das aus den Spielern rauszukriegen, und ich habs ernsthaft versucht. Daher ist mM dazu: wie YY es sagt, die Leute wollen es so.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: Maarzan am 19.10.2016 | 22:23
Mir ist nicht klar, wie das gehen soll. Ich habe schon häufig Gruppen gesehen, wo jeder einen bestimmten Charakter spielen wollte. Themengruppe kommen meiner Erfahrung nach nur schwer zustande. Diese bunte Gruppe ist nun nicht sinnvoll unter einen Hut zu bringen, weshalb man auf die klassische "Treffen in der Taverne" Situation zurückgreift. Gespielt werden sollen natürlich oft eine vielzahl Abenteuer in unterschiedlichen Gegenden. Und begonnen wird auf niedriger Stufe, damit man sich seine Aufstiege auch verdient, und das spannende Stufe 1-5 Spiel nicht verpasst.  Daher hat man die Situation, das eine Bande inkompetenter Herumtreiber diverse wichtige Aufträge bekommt.

Das ist das Klischee des Rollenspiels, und wie alle Klischees ist es schwer loszuwerden. Ich persönlich wüsste nicht, wie man das klassische Fantasy-Rollenspiel davon befreien könnte.

Diese Problematik meinte ich auch mit:
"Nur habe ich schon zu viel und mehrheitliches anderes gesehen um da optimistisch zu sein".

Meine Meinung dazu ist: wer später alle Freiheiten haben will, muss eben auch vorher entsprechend seine Hausaufgaben machen. Das heißt für den Spielleiter vorher entsprechende passende Überlegungen und Vorgaben machen und für den Spieler passende Charaktere bauen. Oder eben hinnehmen, dass die eine oder andere Runde daneben geht.
Titel: Re: Leave it to the Authorities - Spieler schieben "Arbeit" auf Polizei usw. ab
Beitrag von: OldSam am 19.10.2016 | 22:34
Auch Survival macht hauptsächlich dann Spaß, wenn man kein Profi ist, der im Wald sowieso locker überleben kann. Das Survival-Feeling rührt ja meistens daher, dass man versucht, irgendwo zu überleben, obwohl man darin nicht ausgebildet ist.

Genau oder die andere klassische Variante wäre man hat zwar gute Survival-Kenntnisse, aber die zur Verfügung stehende Ausrüstung ist sehr schlecht und/oder die Umstände sind entsprechend schwierig. In jedem Fall muss irgendeine Form von deutlicher "Ressourcen-Knappheit" vorliegen (im allgemeinen Sinne), weil ja in der Tat z.B. ein Survival-Erfahrener mit Ausrüstung im Herbst im deutschen Mittelgebirge kein Abenteuer zu bestehen hat, sondern quasi ein lockeres Training absolviert... Wenn man es hinkriegt, dass die Profis viel improvisieren und sich stark durchkämpfen müssen kann sowas aber sehr spannend sein, z.B. so etwas wie im Winter hinter feindlichen Linien verschollen.