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Pen & Paper - Spielsysteme => Systemübergreifende Themen => Thema gestartet von: Ucalegon am 14.12.2017 | 18:31
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Witch: The Road to Lindisfarne nennt sich "a story game about guilt & absolution." Das macht insoweit Sinn, als die Hexe Elouise am Ende entweder frei- oder schuldiggesprochen wird und der Epilog ihrer Begleiter davon abhängt, zu welchem Urteil sie kommen und davon, ob Elouise wirklich eine Hexe war oder nicht. Um die Frage nach Wahrheit und Schuld dreht sich als Rashomon-Adaption auch The Star Chamber, eines der neuen Szenarios für Delta Green, in dem die Spielerinnen abwechselnd ein illegales Tribunal und dessen Angeklagte spielen.
Den beiden Beispielen - es gibt bestimmt noch mehr - ist gemein, dass es in erster Linie um die (inneren) Konflikte auf einem Weg zum Schuldspruch geht.
Mich würde interessieren, wo es den umgekehrten Fall gibt, d.h. wo ein Rollenspiel oder Szenario damit anfängt, dass eine, mehrere oder alle Hauptfiguren schuldig geworden sind und die Frage stellt, was das für Folgen hat. Für sie, für ihr Umfeld. Wäre das nicht viel eher ein Spiel um Schuld und Vergebung?
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Wraith kann das sein, wenn die gruppe so spielen will
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eigentlich nicht nur das sonder die ganze Welt der Dunkelheit. (zu der Wraith ja gehört neben Vampiren,Jägern,Werwölfen usw )
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wo ein Rollenspiel oder Szenario damit anfängt, dass eine, mehrere oder alle Hauptfiguren schuldig geworden sind und die Frage stellt, was das für Folgen hat. Für sie, für ihr Umfeld.
Unknown Armies macht das tiefgreifend - ich habe gerade den Abschnitt zu "point blank" gelesen, der beschreibt, wie einfach es ist, jemanden so zu töten und welche Folgen es für den Charakter hat, der so kaltblütig jemand Wehrlosen tötet. Allerdings lädst du dort die Schuld im Spiel auf dich (weil es darauf aufgebaut ist, dass du Ziele hast, die dir so wichtig sind, dass du dafür andere deiner Ziele und Werte opfern würdest, allerdings auch einen Preis dafür definiert).
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Innerhalb der Prämisse "heal people and give 'em stuff" von Dead Inside: the Roleplaying Game of Loss & Redemption (http://www.drivethrurpg.com/product/17908/Dead-Inside-the-Roleplaying-Game-of-Loss--Redemption?it=1) von Haus aus umsetzbar.
Anders gesagt: "Schuld und Vergebung" ist lediglich eine mögliche Fokussierung des Themas.
Bei dem Spiel geht es um Seelenverlust und das Wiedererlangen von Lebendigkeit. An diesen Kernelementen kann man Schuld (=> Seelenverlust) und Vergebung (=> Erlösung/Heilung) fest machen.
Die Spielwelt basiert lose auf schamanischen Vorstellungen insofern, dass es die Alltagswelt und die Geisterwelt gibt, zwischen denen hin und her gewechselt wird. Es hat auch Aspekte von Urban Fantasy und Mystery/Horror im Sinn der WoD. Letzteres verweist auch auf den Umgang des Spiels mit seinen Vorlagen (wilde US-amerikanische Neuinterpretation realer Mythen und Mythologien mit Popkulturreferenzen).
Ergänzend ist zu sagen: Die obige Beschreibung liest sich viel wolkiger als das Spiel ist. Spielhinweise, Abenteuerideen, erläuternde Prosa-Abschnitte, ... vermitteln durchaus recht konkret wie man das Spiel spielen soll und kann. Gleichzeitig gibt es genug Freiheiten und Möglichkeiten, das Setting den eigenen Wünschen anzupassen (und etliche der Spielweltsetzungen nicht anzunehmen).