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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Zurn am 5.07.2018 | 14:31

Titel: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 14:31
Mich würde interessieren, wo Ihr beim Spiel leiten persönlich Eure Grenze der Gewalt zieht.

Ich habe zwar ein bißchen im Thema "Rassismus" gelesen, bin da aber nicht so Recht fündig geworden.

Zum Hintergrund:
Wir spielen ein "Mixed Up" oder "Expansion" von "World of Darkness" in der Gegenwart, sprich jeder Spieler spielt ein "übernatürliches" Wesen.
Die Gruppe besteht aus einer Fee, einer Sukkubus, einem Halbgott (Loki-like), einem gasförmigen Wesen und einem Feuerdämon.

Würde es für Euch persönlich eine Grenze überschreiten ein Abenteuer zu leiten wo,

- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht
- ein Kinderhändlerring zu Fall gebracht werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
- ein geisteskranker Serienkiller aufgehalten werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
- Attentate aufgehalten werden müssen, die durch Nervengas verursacht werden.

Das sind jetzt nur einige Beispiele, die nicht meinem Hirn entsprungen sind, sondern welche ja tatsächlich Bestand haben (in gleicher oder ähnlicher Form).
Ich weiß nicht, wer von Euch bspw. den Festa-Verlag kennt, aber da gibt es einige kranke Bücher.

Empfindet Ihr sowas als "too much" oder sagt Ihr....egal...ist nur ein Spiel und ich muss es für die Spieler interessant und spannend halten...damit diese dran bleiben und auf jeden Fall versuchen dem Plot zu folgen und dies aufzuhalten.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Sphärenwanderer am 5.07.2018 | 14:41
Es kommt dabei zu 100% auf deine Gruppe an - was denen und dir zuviel ist, ist zuviel. Forenmeinungen können dir da egal sein, sofern du das Abenteuer nicht veröffentlichen möchtest. Also: Vor dem Spiel absprechen, ggf. Rücksicht nehmen.

Mir persönlich ist eigentlich nichts zu krass, um es zu thematisieren. Wann es sinnvoll ist, ist da für mich schon eher die interessantere Frage, wenn die Spieler dabei mitziehen.

Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Kampfwurst am 5.07.2018 | 14:44
Zitat
deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt
Das will mir nicht so ganz einleuchten. Thematisch bin ich durchaus offen, Beschreibungen bei denen den Leuten (und mir vermutlich als erstes) das Mittagessen wieder hoch kommt müssen jetzt nun wirklich nicht sein. Warum muss eine solche Beschreibung sein, nur weil das Thema heftig ist?
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: 1of3 am 5.07.2018 | 14:57
Zitat
- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht

Ich habe bei D&D Zwerge gespielt. Die kriegen einen +1 Rassenhass-Bonus gegen Goblins. Ich habe das entsprechend auch so ausgespielt. Meine Mitspieler waren kurz schockiert, haben das aber akzeptiert, als ich Ihnen erklärt habe, dass meine Figur eine Rassistin ist. Letztlich spielen wir doch genau deswegen Fantasy: Um realweltliche Konflikte in Fabel zu kleiden. Also ja, unbedingt. Ich würde ja auch X-Men spielen und das ist eine Rassismus-Parabel.

Zitat
- ein Kinderhändlerring zu Fall gebracht werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,

Ich habe Alex Verus gelesen, wo genau das passiert. Ich würde mir nicht zutrauen das zu beschreiben. Ich hätte kein Problem damit, wenn andere das tun möchten. Im Zweifelsfall sage ich spotan stopp. Grundsätzliche Probleme kann ich damit wohl nicht haben, wenn ich Bücher lese, wo das passiert.

Die letzten beiden berühren mich nicht bzw. ich habe kein klares Bild, wie das gehen könnte.

Zitat
... ich muss es für die Spieler interessant und spannend halten...damit diese dran bleiben und auf jeden Fall versuchen dem Plot zu folgen und dies aufzuhalten.

Warum sollen die Spieler auf jeden Fall dem Plot folgen? Ich mein, ich unterschreibe nicht, dass kein Plot den Feindkontakt überlebt. Im Gegenteil, wenn ich Plot habe, werden die Leute das machen. Aber, warum sollte ich das wollen? Die besten Plots sind doch sowieso die, die die Spieler selber angelegt oder ausgestaltet haben.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: First Orko am 5.07.2018 | 15:13
Ich lege mal folgendes Ampelsystem an:

grün - Würde ich ohne Nachfrage erst einmal machen, es sei denn einer legt ein Veto ein bei der Szene
orange - Ohne Nachfrage aber nicht öffentlich sondern eher Bekanntenkreis
rot - Nur mit Bekannten _und_ nach expliziter Ansprache, dass es thematisch und narrativ expliziter werden kann

- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht
Ist auch Teil der Realität, daher bei entsprechenden Settings im Rahmen der üblichen Erwartungen. Sehe ich nicht als sehr problematisch.

- ein Kinderhändlerring zu Fall gebracht werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
Hab hier auch ein Problem mit "müssen": ich würde es eher indirekt halten und die Reaktionen der Spurensicherung (übergeben) beschreiben. Die Details ohne typische Slasher-Sprache sondern eher mit Metaphern  ("Der Körper sieht aus wie umgekrempelt") und vielleicht noch auf Geruch eingehen.
Die schlimmsten Vorstellungen machen sich Spieler eh selbst  >;D

- ein geisteskranker Serienkiller aufgehalten werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
- Attentate aufgehalten werden müssen, die durch Nervengas verursacht werden.
Vielleicht auch grün, kommt auf das Setting an. Wenn ich sowas wie "Terroristen im Irak" anbieten würde, dann könnte sowas auch auf der Con Thema werden. Nur würde ich allgemein solche Settings nicht für ne öffentliche Con nehmen  ::)


Aber, warum sollte ich das wollen? Die besten Plots sind doch sowieso die, die die Spieler selber angelegt oder ausgestaltet haben.

Andere Leute spielen anders als du - und mögen das mitunter. Krass oder?  :o ^-^
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 15:18
Es kommt dabei zu 100% auf deine Gruppe an - was denen und dir zuviel ist, ist zuviel. Forenmeinungen können dir da egal sein, sofern du das Abenteuer nicht veröffentlichen möchtest. Also: Vor dem Spiel absprechen, ggf. Rücksicht nehmen.

Mir persönlich ist eigentlich nichts zu krass, um es zu thematisieren. Wann es sinnvoll ist, ist da für mich schon eher die interessantere Frage, wenn die Spieler dabei mitziehen.
Ok. Danke. :)
Sagen wir mal so...ich habe zum Einstieg sowas wie einen Zeitungsartikel verfasst und schon mal in die WhatsAppGruppe geschickt (ist halt in der freien Zeit passiert), damit sich jeder schon mal Gedanken machen kann, ob ihm das zu heftig ist. Vor allem weil ich wissen wollte, ob es sich lohnt das Abenteuer ein paar Schritte weiterzudenken.
Die haben gesagt, es ist heftig...aber die haben keinen Stress das zu spielen.

Warum muss eine solche Beschreibung sein, nur weil das Thema heftig ist?
Ich rudere mal ein bissel zurück...das war mehr oder weniger um die "Grenzen" bei Euch auszuloten.


Warum sollen die Spieler auf jeden Fall dem Plot folgen? Ich mein, ich unterschreibe nicht, dass kein Plot den Feindkontakt überlebt. Im Gegenteil, wenn ich Plot habe, werden die Leute das machen. Aber, warum sollte ich das wollen? Die besten Plots sind doch sowieso die, die die Spieler selber angelegt oder ausgestaltet haben.
Natürlich. Ich habe jetzt auch kein Abenteuer geschrieben wo ich nervös werde, wenn die statt nach London entschliessen nach Paris zu fahren. :D
Es werden einige Dinge passieren, die die Gruppe komplett erstaunen und verwirren wird. Diese erfahren Sie teilweise über Zeitungsartikel/Nachrichten oder Ihren Boss. Und ich erwarte nicht, das alle Feuer und Flamme sind. Aber bei 2 Charakteren weiss ich, das die derbe pissed sein werden aufgrund Ihrer Herkunft etc. und alles dran setzen, den Schweinehunden das Handwerk zu legen, die dafür verantwortlich sind.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 15:21
- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht
Ist auch Teil der Realität, daher bei entsprechenden Settings im Rahmen der üblichen Erwartungen. Sehe ich nicht als sehr problematisch.

Ok. Danke. :)
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: nobody@home am 5.07.2018 | 15:25
Sagen wir's mal so: ich habe gelernt, daß speziell Filme mit einer "für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geeignet"-Warnung im Vorspann gerne über meinen persönlichen Komfortbereich in Sachen unnötig grafisch ausgewalzte Gewalt hinausgehen. "Normale" Abenteuerfilm- oder -romangewalt ist in dieser Hinsicht für mich unproblematisch, aber ich habe definitiv meine Grenzen und würde daher auch meinen Spielern nicht gezielt mit Beschreibungen kommen wollen, die geeignet sein könnten, ihnen ihr Mittagessen noch mal durch den Kopf gehen zu lassen.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: 1of3 am 5.07.2018 | 15:28
Andere Leute spielen anders als du - und mögen das mitunter. Krass oder?  :o ^-^

Bestimmt. Aber das war die Frage: "... oder sagt ihr..." - Nein, tu ich nicht. Tatsächlich glaube ich nicht nur nicht an die letzte Zielsetzung, ich glaube auch nicht, dass man es tun sollte, um das Spiel "spannend und interessant" zu machen. Solche gewaltsamen Szenen in anderen Werken dienen ja auch in anderen Szenen nicht der Spannung. Spannung besteht immer aus einer gewissen Ungewissheit. Je expliziter die Szene ist, desto weniger passiert das.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Luxferre am 5.07.2018 | 15:33
Ich spare nicht an Gewalt (-beschreibungen, -szenen, -inhalten), mir erschließt sich jedoch nicht, warum ich diese explizit und in aller blutroten Farbenpracht, die das Farbspektrum so hergibt, ausspielen oder erzählen sollte. Der wahre Horror sind doch die angedeuteten Dinge hinter dem Schatten, Gehörtes statt Gesehenes, das wo die Phantasie durchgeht. Und so versuche ich das in der Manier von Hitchcock (TV) bis maximalst Abercrombie (Buch) zu beschreiben. Dabei ist Kampf zum Beispiel ein viel weniger schwerwiegendes Thema (da kanns erfahrungsgemäß gut abgehen), als Kinderfolter, Vergewaltigungen und Co. Da helfen Gruppengespräche _vorab!_. Auch damit fahre ich gut, da ich selbst einige Grenzen habe, wo andere bereitwillig oder gar forsch weitergehen.

Das von Dir Geschilderte finde ich jetzt thematisch alles im Rahmen. Da kommts sicherlich auf die Worte und die Menge ebenjener an ;)
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Caranthir am 5.07.2018 | 15:37
Muss und soll man als SL immer alles beschreiben? Nein, und ich meine das nicht nur, um auf die Spieler Rücksicht zu nehmen. SLs dürfen ruhig auch auf die Fantasie der Spieler setzen. Andeutungen wirken oft besser als detaillierte Beschreibungen. Was sich die Spieler dann genau vorstellen, bleibt ihnen überlassen. Und das ist dann oft sogar stimmungsvoller, wenn sich jeder ausmalt: "Oh Gott, das muss ja furchtbar sein, wenn unser SL es nicht mal beschreiben will.  :ctlu:"
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Scimi am 5.07.2018 | 15:58
Bizarre Morde? Irrationale Gewalttaten? Große Opferzahlen? Das sind alles Dinge, die kann ich mir in der Krimi-Ecke bei Netflix und oft genug in den Nachrichten ansehen. Daher fände ich es seltsam, da thematisch die Grenze zu ziehen, wenn nicht jemand aus der Runde Probleme mit solchen Inhalten hat.

Aber meiner Meinung nach gehört zu guter Unterhaltung (ob Film, Buch oder Rollenspiel) mehr, als sein Publikum mit immer neuen Superlativen zu schockieren. Das ist ein Gimmick, das sich schnell abnutzt. Nicht nur, dass ein gewisser Gewöhnungseffekt eintritt, höhere Einsätze und größere Maßstäbe machen das Ganze irgendwann mindestens abstrakt und unglaubwürdig, wenn nicht gar lächerlich.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: KhornedBeef am 5.07.2018 | 16:08
Ich habe von meiner Seite keine feste Grenze, denke ich. Ich würde gerne mal Delta Green spielen, da kann ich jetzt hier nicht den Pikierten geben...
An erster Stelle ist wichtig, dass die Mitspieler Grenzen bedingen. Wenn es für eine andere Person zu real, zu nah wird, ist mir dabei nicht wohl.
Für mich selbst wird es, glaube ich, unschön, wenn wirklich harte Themen als Gorn (https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/Gorn) behandelt werden. Wenn ein gesunder Mensch nicht mehr hinsehen könnte, darf auch der erzählerische Filter einsetzen, es sei denn es wurde explizit vereinbart, das zum Gegenstand des Spiels zu machen. Aber auch dann macht der Ton die Musik. Kindliche Freude am Verstümmeln hat nichts zu tun mit "jO, meine Runde ist so edgy und erwachsen".
Wenn dagegen die Runde weniger tiefschürfend ist, bin ich auch weniger empfindlich. Schwarzer Humor ist erlaubt.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Noir am 5.07.2018 | 16:11
Ich persönlich habe keine Grenzen In Game. Ich kann das sehr gut trennen. Was im Spiel passiert, berührt mich im echten Leben nur so weit, dass mich die Geschichte mitreißt ... aber sobald das Spiel zuende ist, denk ich auch nicht mehr über die grausamen Dinge, die vielleicht während der Session in einer ausgedachten Welt im Kopf der Leute passiert sind.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: TaintedMirror am 5.07.2018 | 16:22
Als Meister habe ich da erstmal keine Grenzen und würde eher stoppen, wenn ein Mitspieler das wünscht. Andererseits bin ich auch eher bei der Sparte des subtilen Horrors und kann generell eh nicht so lebhaft ekelhaft beschreiben, von daher sind meine Runden praktisch auch bei solchen Taten eher immer auf Anspielungen angewiesen.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Lord Verminaard am 5.07.2018 | 16:40
Mein ganz persönlicher Geschmack, ohne Wertung: Ich mag keinen Torture Porn und keine allzu graphische Gewalt, weder in Filmen/Serien, noch in Büchern, noch folgerichtig im Rollenspiel. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ich so was mal einsetze, dann sehr sparsam und gezielt als Schockeffekt, und nur in Runden, die einen reifen Umgang damit haben. Interessant und spannend kann man das Spiel auch anders halten.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Weltengeist am 5.07.2018 | 16:50
Ich oute mich hier selbst als Sensibelchen, wenn es um zu plastische Darstellungen geht. Als Spieler wie als Spielleiter.

Es hat im Genre der Fantastik eigentlich schon immer heftigsten Tobak gegeben. Mord, Folter, Vergewaltigung, Verstümmelungen - letztlich alles schon bei Goethe präsent. Aber die Logik, dass man das alles in möglichst blutrünstigen Details sehen muss, um es wirklich zu verstehen, hat mir nie eingeleuchtet. Ich habe ohnehin eine blühende Fantasie, mein Kopfkino funktioniert auch bei Andeutungen schon besser, als mir gut tut (ich gehöre zu den Leuten, die schon beim Erste-Hilfe-Kurs im Abschnitt "Schädelverletzungen" kotzen gegangen sind). Bei Autoren wie Abercrombie, Lynch oder Martin krieg ich schnell zuviel und lege die Bücher weg.

Hinzu kommt, dass ich wiederholt Vertreter der "harten" Fraktion als Spieler und Spielleiter erlebt habe, bei denen ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass sie in Sachen Gewaltdarstellung mit einer gewissen Begeisterung ihre eigenen Macht- und Gewaltfantasien ausgelebt haben. Und ja, diesen Eindruck habe ich (selbst wenn die Fans mich jetzt gleich wieder flamen) auch bei Filmen wie Game of Thrones - nämlich dass unter dem Deckmäntelchen der ach so notwendigen, realistischen Darstellung, ohne die man ja die wahre Tiefe der Figuren nicht erfassen kann, in Wahrheit schlicht der Voyeurismus des Publikums bedient wird. Und wenn ich dieses Gefühl kriege, dann steige ich komplett aus.

tl;dr: Bei mir darf alles vorkommen, aber FSK16-Inhalten werden angedeutet und dem Kopfkino des Einzelnen überlassen. Und bei Runden, die es "härter" mögen, bin ich raus.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Kardohan am 5.07.2018 | 16:55
Es kommt nicht auf meinen "Geschmack" bei Gewaltdarstellung an, sondern auf den der Gruppe wie in Session 0 vereinbart (wenn nicht, dann gehört es dort auf die Themenliste).
Ich bevorzuge FSK16-mäßige Spielrunden, wobei ab und an aber FSK18-iges sich kurz einschleichen kann um etwa gewissen Situationen mehr Bums (pun intended!) zu verleihen.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 17:33
Danke schon mal bis hierher für die verschiedenen Meinungen.
Also ich bin ganz weit davon entfernt was Gorn etc zu nennen.
Ich habe nur mal etwas weiter ausgeholt um Erfahrungen und Meinungen zu sammeln.
Wenn ich Eure Anmerkungen so lese, bin ich quasi beruhigt das ich da keine Schwelle überschreite.

Ich bin trotzdem noch auf weitere Meinungen gespannnt.

Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Luxferre am 5.07.2018 | 17:48
Hinzu kommt, dass ich wiederholt Vertreter der "harten" Fraktion als Spieler und Spielleiter erlebt habe, bei denen ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass sie in Sachen Gewaltdarstellung mit einer gewissen Begeisterung ihre eigenen Macht- und Gewaltfantasien ausgelebt haben. Und ja, diesen Eindruck habe ich (selbst wenn die Fans mich jetzt gleich wieder flamen) auch bei Filmen wie Game of Thrones - nämlich dass unter dem Deckmäntelchen der ach so notwendigen, realistischen Darstellung, ohne die man ja die wahre Tiefe der Figuren nicht erfassen kann, in Wahrheit schlicht der Voyeurismus des Publikums bedient wird. Und wenn ich dieses Gefühl kriege, dann steige ich komplett aus.

... mit der dazugehörigen Übrgriffigkeit gepaart, denn so ticken einige dieser Leute mitunter, bekomme ich Ausschlag. Solchen hier:  :smash:

In der Schulzeit hatte ich solche Kollegen, die sich dann schön gemeinsam über Schwächere oder Minderheiten am Tisch hergemacht haben. Ist halt ein leider ganz normales, soziales Phänomen, dass starke Soziopathen mit den einfühlsamen Sensibelchen den Boden aufwischen.

PS: bei meinen Grenzen zähle ich mich dennoch nicht zur "harten Fraktion"!
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 17:52
Hinzu kommt, dass ich wiederholt Vertreter der "harten" Fraktion als Spieler und Spielleiter erlebt habe, bei denen ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass sie in Sachen Gewaltdarstellung mit einer gewissen Begeisterung ihre eigenen Macht- und Gewaltfantasien ausgelebt haben. Und ja, diesen Eindruck habe ich (selbst wenn die Fans mich jetzt gleich wieder flamen) auch bei Filmen wie Game of Thrones - nämlich dass unter dem Deckmäntelchen der ach so notwendigen, realistischen Darstellung, ohne die man ja die wahre Tiefe der Figuren nicht erfassen kann, in Wahrheit schlicht der Voyeurismus des Publikums bedient wird. Und wenn ich dieses Gefühl kriege, dann steige ich komplett aus.

Ne, keine "Sorge".
So isses bei mir definitiv nicht und bei meinen Mitspielern kann ich das ebenso behaupten.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Weltengeist am 5.07.2018 | 17:59
Ne, keine "Sorge".
So isses bei mir definitiv nicht und bei meinen Mitspielern kann ich das ebenso behaupten.

Will ich auch niemandem unterstellen. Meine Schilderung ist rein anekdotisch und soll keinesfalls pauschalisieren. Das Erlebte hat aber zugegebenermaßen meine Haltung zu solchen Themen am Spieltisch bis heute nachhaltig geprägt.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Pyromancer am 5.07.2018 | 18:14
Ich mach's wenn, dann eher so, dass ich die Plastizität bei "trivialer" Gewaltanwendung hoch drehe. In einer "realistischen" Runde ist z.B. auch das simple, "saubere" Schießen auf einen Menschen schon harter Tobak, und das wird von mir auch gelegentlich, wenn es vom Genre passt, so inszeniert. Nicht durch eklig-detaillierte Beschreibungen, sondern eher durch das Drumherum, dadurch, dass ich dem Geschehen Raum einräume und dem Spieler Zeit gebe zu realisieren: "Mein Charakter hat gerade einen Menschen erschossen."

An sonsten belasse ich es meistens bei groben, abstrakten Beschreibungen und überlassen den Rest der Phantasie der Spieler. Und zu krasses Zeug mag ich auch nicht. Ich leite z.B. gerade "Smaskrifter", und da gibt es an einigen Stellen recht plastische Abtreibungs-Szenen. Ist mir zu hart. Die habe ich zu sehr, sehr, sehr vagen Andeutungen abgemildert.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: vanadium am 5.07.2018 | 18:42
- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht
Ist auch Teil der Realität, daher bei entsprechenden Settings im Rahmen der üblichen Erwartungen. Sehe ich nicht als sehr problematisch.

Leider ist das andere Zeug auch Teil der Realität(*). Das ist mMn ein merkwürdiges Argument - denn letztlich könnte man damit alles rechtfertigen.

(Das soll nichts gegen dein Ampelsystem sein. Das ist prinzipiell auch ok. Letztlich hängt es immer von der Gruppe bzw. den Individuen ab.)

(*)
Da möchte ich mal kurz auf "Criminal Minds" verweisen: die Plots beruhen wohl zum Großteil auf echten FBI-Fällen, wenn auch (verständlicherweise) stark abgeändert. So kranken Scheiß kann sich auch gar kein gesundes Gehirn ausdenken... Soll heißen: die Realität ist wirklich abartig genug.
Da hab ich mir schon öfters beim gucken gedacht: wenn an dieser und jener Story auch nur 0,1% der Realität entspricht...
[P.S. Ich mag den kranken Scheiß, sonst würde ich's nicht gucken  >;D ]
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: First Orko am 5.07.2018 | 18:56
Leider ist das andere Zeug auch Teil der Realität(*). Das ist mMn ein merkwürdiges Argument - denn letztlich könnte man damit alles rechtfertigen.

Jo, lustig oder? Das war mir nach dem Absenden auch aufgefallen  ;D Aber ich dachte ich lass es so, letztlich ist das ne total persönlich/emotionale Sache, deshalb können das nur pseudo-Argumente sein.

Davon abgesehen: Bei mir spielt da auch immer ein bißen Außen/Fremdwahrnehmung rein. Wenn ich auf ner Con harten Tobak auffahre, was hat das für Wirkungen? Will ich, dass da ein unerfahrener Spieler seiner Freundin hinterher erzählt, was da für Freaks abhängen?
Da hab ich ganz ähnliche, abschreckende Anekdoten erlebt wie Weltengeist, die mich diesbezüglich sensibilisiert haben. Deshalb erzähl ich auch Außenstehenden nicht beim Rollenspiel, wie wir Orks moschen oder Leute spielen, die vor Schlaflosigkeit wahnsinnig werden sondern eher sowas Harry Potter und Indiana Jones als Beispiele  ;)
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zed am 5.07.2018 | 18:59
Da ist zu differenzieren, ich mach es so:

Nicht immer beschreiben ich als SL oder die Spieler die Gewalt explizit. Wenn's der Handlung, der Motivation oder der Feinheit des Erzählens dient - dann gerne.

Geringer Gewaltgrad
Hier beschreibe ich ausführlicher, denn auch geringe Gewalt soll in einer an Gewalt reichen Welt, wie Fantasywelten es sind, noch ihre Bedeutung erhalten.

Hoher Gewaltgrad
Hier halte ich mich mit Details zurück, ich will keinen Gewaltporno betreiben.

Groteske Gewalt der NSCs
Wird nicht ausgelassen, denn es bestätigt die Menschlichkeit der Spieler und sorgt für Schmunzler. Beispiele: Eine Begegnung mit dem Dämonenfürsten Orkus, der einem Kampf zusah und dabei eine Tüte Schädel verspeiste wie wir Popcorn. Aktuell steht die Gruppe einem amorphen Wesen gegenüber, das Kreaturen wie Handpuppen übernimmt, wenn Du verstehst, was ich meine. - Detaillierter will und muss ich bei meinen Spielern nicht werden.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Fezzik am 5.07.2018 | 19:13
Also ich differenziere auch zwischen Spiel mit Leuten die ich nicht kenne (Con Gäste, Verein) und meiner Stammrunde.

Generell kommt von mir bei Finishing Hit mal ein "Ok, du tauchst unter seiner Deckung durch und dein Streithammer zerschmettert seinen Kopf..es mach splatsch !"
Insofern würd ich auch ganz Lapidar am Ort eines Massakers sagen:
"Auf dem Dorfplatz stinkt es nach Arsch und Leichen, etliche verbrannte liegen herum, ein paar wurden gepfählt." Das wars.
Wem war das jetzt zu hart ? (keine Ironie)

Auf Cons halte ich mich mit solchen Ausschmückungen mehr zurück, man weiß ja nie wie die Leute so drauf sind.

Ich selbst kann so ziemlich alles ab hab ich bisher festgestellt, also hab ich auch kein Problem wenn das so beschrieben wird.
Ich war ehrlich gesagt enttäuscht als ich Lover in the ice auf ner con gespielt habe und es confreundlich umgeschrieben war.

Mit neuen Leuten immer absprechen und lieber niedrigtourig fahren  :)
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Camouflage am 5.07.2018 | 19:18
In der Praxis: Ich ziehe die Grenze da, wo sie der sensibelste Mitspieler zieht. Sowohl als Spieler als auch als Spielleiter. Niemand möchte oder sollte am Spieltisch mit Dingen konfrontiert werden, die sie/ihn emotional belasten oder sogar psychische Probleme triggern können.

Wo ich die Grenze für mich ziehe? Gar nicht.
Ich habe absolut kein Problem damit, Szenarien und/oder Charaktere (SC wie NSC) so brutal, grausam, menschenverachtend, blutrünstig oder pervers zu bauen, wie es zum gewählten Szenario passt. Und im Prinzip habe ich auch Spaß an sowas. Aber ich konfrontiere niemanden gegen seinen Willen damit, weil ich absolut verstehen kann, dass andere Leute sich sowas nicht anhören und/oder vorstellen wollen. Und wenn das bedeutet, daß Charaktere, Szenarien oder ganze Spielwelten ungespielt in der Zettelschublade verstauben, dann ist das halt so.

Und nur für die Akten: Ich habe auch absolut pazifistische oder zumindest ausgeprägt altruistisch geprägte Charaktere (auf wenn die dann meist mit dem Problem zu kämpfen haben, daß die Welt um sie herum das nicht ist). Ich reize also auch nicht zwangsläufig den gesteckten Rahmen tatsächlich aus.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 5.07.2018 | 19:58
Es geht mir um dieses Handout, was ich als Zeitungsausschnitt deklariere.

Handout 1
(Zeitungsartikel)
90 Tote in Oświęcim
Ein schrecklicher Anschlag fand gestern in der polnischen Stadt Oświęcim (Ausschwitz) statt. Bei dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers starben 90 Jugendliche und junge, erwachsene Besucher aus Israel, welche die Geschichte und Orte Ihrer Ahnen erforschen wollten. Nachdem die Besuchergruppe in ein Gebäude geführt wurde, wo sich diverse Ausstellungsstücke befanden, wurden die Zugänge verriegelt und ein Gas ins Innere geleitet. Versuche die Türen aufzubrechen blieben erfolglos und alle eingeschlossenen Menschen starben. Eine andere Besuchergruppe sowie dessen Führer befanden sich derzeit am anderen Ende des Geländes und fanden auf dem Rückweg ein noch verschlossenes Gebäude vor. Bei dem Versuch die Türen zu öffnen strömte Gas aus und verletzte die Lungen des Museumsangestellten. Dieser befindet sich zur Zeit im naheliegenden Krankenhaus. Der Rest der Besuchergrupe entfernte sich schleunigst vom Gebäude und blieb weitestgehend unverletzt. Das austretende Gas verflüchtigte sich dann in der Luft. Der weitere Tathergang blieb bisher ungeklärt. Der Zentralrat der Juden ist entsetzt. Israel sendet Sonderermittler.


Dies hatte ich vorab geschickt: Die Reaktionen waren natürlich, das es sehr heftig ist, was da passiert ist. Einer meiner Spieler hatte auch schon in RL Ausschwitz besucht und meinte die Stimmung ist sehr düster. Ich persönlich kann mir gut vorstellen das man dort Gänsehaut bekommt.
Also nicht falsch verstehen, ich bin weder antisemitisch, noch rassistisch oder sonst etwas in der Art. Deswegen bin/war ich mir nicht sicher und frage so doof, wie sowas rüberkommt (für Unbeteiligte).
Eine SC ist Israelin, ein SC ist Russe (und lebt schon länger als WWII und ist angepisst auf Nazis)...somit hatte ich quasi schon 2 Chars im Boot, die es aus eigenem Interesse untersuchen wollen und sich freuen würden, Nazis umbringen zu dürfen...
Ob es Nazis sind oder Araber...oder vielleicht auch Amerikaner...oder die Reptiloiden..lasse ich an dieser Stelle mal offen....
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Kardinal am 5.07.2018 | 20:11

Würde es für Euch persönlich eine Grenze überschreiten ein Abenteuer zu leiten wo,

- eine Gruppe eine andere aus rassistischen/religiösen Gründen auszulöschen versucht
- ein Kinderhändlerring zu Fall gebracht werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
- ein geisteskranker Serienkiller aufgehalten werden muss, deren Opfer Ihr so beschreiben müsst, das es die Spieler ekelt,
- Attentate aufgehalten werden müssen, die durch Nervengas verursacht werden.


been there, done that  >;D
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: General Kong am 5.07.2018 | 20:21
Meine Grenzen sind genretypischer Art - am besten zu vedeutlichen an Superheldenrollenspielen (Champions):
In einer vierfarbigen Kampagen a la Superman sind die SC zwar superstark, haben einen laserblick usw. und könnten somit unter feindlichen Agenten und auch bei besiegten Gegnern ein Schlachtfest anrichten, tun dies aber nicht, weil das dem Spielstil zuwider läuft. Auch die Superschurken sind in der Regel zwar schlimme Finger, aber sie töten vergleichsweise selten jemanden. da würde ich bei einem regelmäßigem Massaker der Gegner oder einem Schurken Namens (und Handelns) The Rapist schon sagen: "Ende. Das war's!"

In einer Punisher-mäßigen Streetlevel-Kampagen ware The Rapist ein genregerechter Gegner und mieses Stück Schleim, dem mein Vigilant mit Freunden die Luft heraus ließe.

Allerdings bin ich am Spieltisch um Spaß zu haben und nicht, um meine Ekelgrenze auszutesten oder schrittweise nach hinten zu drücken. Irgendwann ist Schluss - bisher bewegte sich in nun fast 35 jahren aber alles innerhalb der Grenzen meines (und meiner Gruppe) Geschmacks.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Scimi am 6.07.2018 | 15:26
Es geht mir um dieses Handout, was ich als Zeitungsausschnitt deklariere.

[…]

Aus heutiger Sicht wäre mir das einfach zu platt: Einerseits ist das Ganze hollywoodmäßig überzeichnet: Sinnlose Gewalt, große Opferzahl, schaurige Symbolik. Andererseits ist die Darstellung abstrakt, distanziert, glatt. Und das Motiv ist anscheinend beliebig — irgendein böser™ Feind hat im Internet abstimmen lassen, welches maximal schlimme Verbrechen er verüben muss, damit eine Gruppe von SCs jedwede Maßnahmen rechtfertigen kann, gegen ihn zu kämpfen.

Für ein einfaches "wir gegen die, kein Pardon, weil: Gründe" ist mir das schon zu bemüht. Für eine interessante Geschichte fehlen mir da die Grauzonen, der Persönliche Bezug, die Kollateralschäden und Nebenkriegsschauplätze.

Andererseits klingt das nach genau dem, wie ich vor 20 Jahren WoD-Abenteuer gemacht habe. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das nicht sehr weit führt. Wie willst du das das nächste Mal fortführen oder toppen? Hunde im Internet verprügeln? Kinder mit Benzin übergießen und anzünden? Obdachlose mit Akkubohrern lobotomieren? In Auschwitz beim Marsch der Lebenden 10.000 Leute mit Gas ermorden? Ich denke, da wird entweder ein Gewöhnungseffekt eintreten oder es geht in den Bereich des Absurden.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: felixs am 6.07.2018 | 16:08
Meine Schwelle hängt da sehr tief.

Ich möchte alles das lieber nicht spielen, was explizite Grausamkeiten enthält.
Entsprechende Bücher, Filme etc. meide ich auch.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Zurn am 6.07.2018 | 17:15
Aus heutiger Sicht wäre mir das einfach zu platt: Einerseits ist das Ganze hollywoodmäßig überzeichnet: Sinnlose Gewalt, große Opferzahl, schaurige Symbolik. Andererseits ist die Darstellung abstrakt, distanziert, glatt. Und das Motiv ist anscheinend beliebig — irgendein böser™ Feind hat im Internet abstimmen lassen, welches maximal schlimme Verbrechen er verüben muss, damit eine Gruppe von SCs jedwede Maßnahmen rechtfertigen kann, gegen ihn zu kämpfen.

Für ein einfaches "wir gegen die, kein Pardon, weil: Gründe" ist mir das schon zu bemüht. Für eine interessante Geschichte fehlen mir da die Grauzonen, der Persönliche Bezug, die Kollateralschäden und Nebenkriegsschauplätze.

Andererseits klingt das nach genau dem, wie ich vor 20 Jahren WoD-Abenteuer gemacht habe. Ich habe irgendwann gemerkt, dass das nicht sehr weit führt. Wie willst du das das nächste Mal fortführen oder toppen? Hunde im Internet verprügeln? Kinder mit Benzin übergießen und anzünden? Obdachlose mit Akkubohrern lobotomieren? In Auschwitz beim Marsch der Lebenden 10.000 Leute mit Gas ermorden? Ich denke, da wird entweder ein Gewöhnungseffekt eintreten oder es geht in den Bereich des Absurden.

Ich verstehe Deine Bedenken. Ich kann und möchte jetzt aber noch nicht vorgreifen und alles posten was passiert. Ja, es werden noch andere Dinge passieren. Eines wird schlimmer sein, der Rest (bis jetzt) eher nicht. Ich kann Dir nur versichern, das es mehr oder weniger Hand und Fuß hat und nicht aus einer Laune heraus geschieht.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: Tegres am 6.07.2018 | 17:15
Es geht mir um dieses Handout, was ich als Zeitungsausschnitt deklariere.

...

Ich bin ganz ehrlich: Meine Grenzen des guten Geschmacks wären damit überschritten. Ich bin aber auch eher für subtile Beschreibungen (Lovecraft) oder ironisch gebrochene Darstellungen (Tarantino) zu haben.

Drei Anmerkungen zum Handout selbst (wenn du noch Zeit hättest es zu ändern):
1. "schleunigst" würde niemals als Wort in einem Zeitungsbericht auftauchen, da es ein umgangssprachlicher Ausdruck ist.
2. Die Überschrift ist viel zu harmlos für den Artikel. Es sollte meiner Meinung eher "90 Tote bei Giftgasanschlag in KZ-Gedenksstätte" lauten. Da braucht man noch nicht mal mehr einen Artikel dazu, da ist die Überschrift schon krass und schlimm genug.
3. "Der Zentralrat der Juden ist entsetzt." ist sprachlich und klanglich sehr nahe an der mittlerweile floskelhaften Formulierung "Der Zentralrat der Juden ist empört." (oder sogar "Der Zentralrat der Luden ist empört."). Das zieht das ganze an der Stelle leider ins Lächerliche. Ich würde das dringend ändern.
Titel: Re: Wo zieht Ihr die (gewalttechnische) Grenze eines Plots?
Beitrag von: TaintedMirror am 6.07.2018 | 17:41
Mal von den journalistisch-literarischen Einzelheiten abgesehen, finde ich das ok. Ist halt ein Aufhänger, der sehr nah an ein emotionalisiertes Thema herangeht. Würde ich so bespielen wollen. Andere mögen das wohl nicht, aber da ist ja gut, dass du das Ding vorab geschickt hast, um da die Meinung vor dem Spiel abzuchecken. Von der Beschreibung her ist der Artikel zumindest nüchtern und ohne Ekelfaktor geschrieben.