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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: HEXer am 21.11.2019 | 16:43

Titel: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 21.11.2019 | 16:43
Durch die Diskussion über den feministischen Barbaren (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,54846.msg134815611.html#msg134815611) kam ich ins Grübeln. Ich spiele tatsächlich meist Settings, die aus heutiger Sicht wohl politisch nicht korrekt sind (Pulp Settings wie Hollow Earth Expedition mit Tropes wie der Damsel in Distress, historische (z. B. viktorianische) Settings, in denen die Damen auch - ganz gentlemenlike - behandelt werden wie sie damals im Idealfall behandelt werden sollten, Sword & Sorcery Settings wie eben Conan, in denen sich Damen mächtigen Barbaren buchstäblich vor die Füße werfen. Settings, in denen Wilde auch Wilde sind etc. Ich bin ganz sicher kein Sexist, Rassist, Kolonialist oder sonst ein -ist. Ich spiele solche Settings auch nicht, weil dort so mit Frauen oder "Minderheiten" umgegangen wird und weil sie so schön provozieren, sondern weil ich andere Elemente daran spannend finde. Es sind meist auch Settings, die eben eine Epoche oder eine ehemals bestehende geistige Haltung beinhalten. Nicht Settings, die neu entworfen wurden, nur um zu schocken.

Aber darf man solche Settings heute überhaupt noch spielen? Ich meine, ich spiele Rennspiele, ohne ein Verkehrsrowdy zu werden, würde (wenn sie mir Spaß machten) Shooter spielen, ohne dadurch Amok zu laufen. Trotzdem bleibt da manchmal ein Beigeschmack.


Als Beispiel: Ich habe auf der letzten HeinzCon Space1889 ganz klassisch viktorianisch spielen wollen und endete mit einer Runde Mittvierziger und zwei 13-14 jährigen Mädels, die das erste Mal Rollenspiele gespielt haben. Da habe ich das viktorianische Frauenbild eben thematisiert, mich zwar distanziert, aber auch erklärt, dass es in diesem speziellen Setting eben dazu gehören kann (!), dass Frauen das Taschentuch aufgehoben wird, und sie eben ganz im Sinne britischer Gentlemen beschützt und eben auch manchmal nicht ganz für voll genommen werden. Natürlich - so betonte ich - durften sie mit diesen Vorurteilen im Spiel aufräumen! Die Herren unter den Spielen waren super sensibel und die Mädels hatten glaube ich auch echt Spaß. Trotzdem habe ich echt geschluckt, als ich sah, dass auch noch bei einer öffentlichen Veranstaltung minderjährige Määdels bei einem viktorianischen Setting mitspielen wollten.

Wie seht ihr das? Go oder no-go?
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: scales am 21.11.2019 | 16:48
Wenn alle Beteiligten sich einig sind, klar, warum nicht? Kritisch wird es, wenn man sowas z. B. auf nem Con anbietet und dann Leute mit Klischees konfrontiert, auf die sie eventuell nicht vorbereitet waren.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 21.11.2019 | 16:53
Ja, unbedingt.

Politische Uncorrectness gehört ins Rollenspiel und nicht ins Reallife  :headbang:
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 21.11.2019 | 16:53
Durch die Diskussion über den feministischen Barbaren (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,54846.msg134815611.html#msg134815611) kam ich ins Grübeln. Ich spiele tatsächlich meist Settings, die aus heutiger Sicht wohl politisch nicht korrekt sind (Pulp Settings wie Hollow Earth Expedition mit Tropes wie der Damsel in Distress, historische (z. B. viktorianische) Settings, in denen die Damen auch - ganz gentlemenlike - behandelt werden wie sie damals im Idealfall behandelt werden sollten, Sword & Sorcery Settings wie eben Conan, in denen sich Damen mächtigen Barbaren buchstäblich vor die Füße werfen. Settings, in denen Wilde auch Wilde sind etc. Ich bin ganz sicher kein Sexist, Rassist, Kolonialist oder sonst ein -ist. Ich spiele solche Settings auch nicht, weil dort so mit Frauen oder "Minderheiten" umgegangen wird und weil sie so schön provozieren, sondern weil ich andere Elemente daran spannend finde. Es sind meist auch Settings, die eben eine Epoche oder eine ehemals bestehende geistige Haltung beinhalten. Nicht Settings, die neu entworfen wurden, nur um zu schocken.

Aber darf man solche Settings heute überhaupt noch spielen? Ich meine, ich spiele Rennspiele, ohne ein Verkehrsrowdy zu werden, würde (wenn sie mir Spaß machten) Shooter spielen, ohne dadurch Amok zu laufen. Trotzdem bleibt da manchmal ein Beigeschmack.


Als Beispiel: Ich habe auf der letzten HeinzCon Space1889 ganz klassisch viktorianisch spielen wollen und endete mit einer Runde Mittvierziger und zwei 13-14 jährigen Mädels, die das erste Mal Rollenspiele gespielt haben. Da habe ich das viktorianische Frauenbild eben thematisiert, mich zwar distanziert, aber auch erklärt, dass es in diesem speziellen Setting eben dazu gehören kann (!), dass Frauen das Taschentuch aufgehoben wird, und sie eben ganz im Sinne britischer Gentlemen beschützt und eben auch manchmal nicht ganz für voll genommen werden. Natürlich - so betonte ich - durften sie mit diesen Vorurteilen im Spiel aufräumen! Die Herren unter den Spielen waren super sensibel und die Mädels hatten glaube ich auch echt Spaß. Trotzdem habe ich echt geschluckt, als ich sah, dass auch noch bei einer öffentlichen Veranstaltung minderjährige Määdels bei einem viktorianischen Setting mitspielen wollten.

Wie seht ihr das? Go oder no-go?

Nur weil ein Spiel "problematische Inhalte" hat, muss sich niemand diese Inhalte zu eigen machen. Je nachdem wie die Spieler.innen damit umgehen wollen, lassen Inhalte sich spiegeln, verzerren oder brechen. In meinen D&D-Runden sind z.B. alle möglichen "Charm person"-Effekte innerweltlich verpönt, aber deshalb würde ich nicht sagen, dass D&D ein Spiel sei, das "magical roofies" propagiert.

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Yney am 21.11.2019 | 16:54
Wenn man das verbieten müsste, dann müssten sich auch Filme und Bücher aus solchen Zeiten verbieten, denke ich. Wir bringen im Rollenspiel Leute um, üben Selbstjustiz (böse Orks, ich mach die platt!) und wer weiß noch was. Das wäre alles in unserer realen Welt (zum Glück) nicht nur politisch, sondern auch legal inkorrekt. Sich in diese anderen Umgebungen hinein zu denken macht doch den Reiz aus. Und wenn man dabei veraltete Klischees vielleicht besser versteht und auch hinterfragt ist es sogar ein Gewinn, würde ich sagen.

Also klar: Ja, darf man (wenn man den Weg zurück findet)!
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Hotzenplot am 21.11.2019 | 16:56
Meiner Meinung nach: Ja, man darf völlig politisch unkorrekt spielen.

Muss gleich weg (was zu Saufen kaufen für unser garantiert mit politischen Unkorrektheiten gespicktes Haarige-Heroen-Wochenende), deshalb kurz:
Wichtig ist mir, dass ich mit Leuten spiele, die, wenn sie politisch unkorrekt* sind, sich dessen bewusst sind. Ein Freund von mir hat mal ein einem DRYH-Hack OneShot einen Typen gespielt, der die "Dame seines Herzens" erst verkrüppelt, dann geheiratet und schließlich getötet hat inklusive Nekrophilie. Es war die letzte abgefuckte Scheiße, aber das ist natürlich jedem am Spieltisch in diesem Moment vollkommen bewusst gewesen. Wenn ich nur ansatzweise das Gefühl habe, dass jemandem sowas nicht klar ist, spiele ich mit dieser Person nicht.

Übrigens beschäftigt sich auch "Roll Inclusive" mit diesem Thema. Das ist ja das, was Vermi mit seinem Blogbeitrag "Muss der Ork weg?" angeschnitten hat.
https://dangerzone.rsp-blogs.de/muss-der-ork-weg/
Sehr lesenswert (das eine und das andere)!

*also normal  ~;D
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 21.11.2019 | 16:59
"Dürfen", na ja. Es gibt ja keine Rollenspielpolizei, die vorbeikommt und einem die SL-Lizenz wegen Verstoßes gegen die Offiziellen Rollenspiel-Regeln des Guten Geschmacks (tm) entzieht. ;)

Daß bestimmte Details eines Settings bei den Spielern oder ggf. auch mal bei mehr oder weniger zufälligen Zuschauern nicht so gut ankommen (oder vielleicht im Gegenteil sogar mit für einen selbst eher befremdlicher Begeisterung aufgenommen werden), ist andererseits schon etwas, das immer mal vorkommen kann. Solange man da einigermaßen bereit ist, sich mit den Betroffenen auch zu unterhalten und ggf. tatsächlich auch mal Änderungen vorzunehmen, anstatt einfach nur brachial auf stur und "das ist jetzt nun mal in dieser Welt so, da müßt ihr jetzt durch" zu schalten, sehe ich da allerdings auch normalerweise kein Riesenproblem -- dazulernen kann jeder.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Chaos am 21.11.2019 | 17:01
Nur weil ein Spiel "problematische Inhalte" hat, muss sich niemand diese Inhalte zu eigen machen. Je nachdem wie die Spieler.innen damit umgehen wollen, lassen Inhalte sich spiegeln, verzerren oder brechen. In meinen D&D-Runden sind z.B. alle möglichen "Charm person"-Effekte innerweltlich verpönt, aber deshalb würde ich nicht sagen, dass D&D ein Spiel sei, das "magical roofies" propagiert.

Grüße

Hasran

Es ist ja auch nicht so, dass das durchschnittliche D&D-Setting keine anderen im realen Leben fragwürdigen Inhalte hat. Etwa, ohne jedes Schuldgefühl Leute töten (und sich ihr Zeug aneignen) weil sie die falsche Hautfarbe (grau, grün, orange etc) haben - sowas ist nüchtern betrachtet ja schon weit jenseits von "politisch unkorrekt".
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 21.11.2019 | 17:02
Ich erinnere mich an dieser Stelle an den Cartoon aus dem D&D Regelwerk. 1te Edition?

Ein Zwerg und eine Kriegerin sitzen mit einem Bier Humpen am Tisch.
Sie ist mit Pfeilen gespickt, die alle im Ketten Bikini und den Armreifen stecken.
Beiläufig erzählt sie, dass sie zum Glück ihre Rüstung anhatte.

Ich finde den Cartoon grossartig. Mit viel Geek Witz.

Ist das jetzt zwangsläufig zutiefst chauvinistisch?

Ich empfinde das nicht so. Aber ich bin auch alt.


Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 21.11.2019 | 17:05
Wenn ich politisch unkorrekt spiele, muss ich ja noch lange nicht mit dem N-Wort um mich werfen, oder irgendwelche Wüstensöhne als Kümmel*piepse* titulieren.

Auf meiner Homebrew-Welt sind die Arschlochimperialisten tiefschwarz, handeln mit Sklaven, halten sich einen Harem und brechen jede/n, der/die ihnen quer kommt.
Außerdem sind die Wüstensöhne ehrenvolle Kämpfer, die eine Frau niemals in einer gefährlichen Situation oder Berufung akzeptieren würden, weil Frauen als Geschenk der Götter betrachtet werden. Zwerge behüten ihre Frauen nochmals protektiver, weil es einfach nur 1 Zwergenfrau auf 50 Zwergenmänner gibt. Einige Gnomenvölker halten sich für die Krone der Schöpfung und verachten alle anderen Völker, weil diese wohl von niederem Verstand sind.

Ich brauche solche Bilder, um klare Kante zu schaffen. Wenn alle Völker gleichermaßen aufgeklärt und gleichberechtigt/gerecht daherkommen, wird's doch bekloppt lahmarschig. Alle sind gleich, nur die Hautfarbe ist anders und das Schwert ist gebogen statt gerade und man reitet auf anderen Viechern ... nix da!
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Sphinx am 21.11.2019 | 17:05
Natürlich! Dieses gezwungene Politische korrekte Getue ist irgendwie eine ganz blöde Mode. Ja man sollte sich bewusst sein was nicht korrekt ist, aber laufend zu überlegen was korrekt und was nicht ist, kann nicht der richtige Weg sein.

Ich selbst nutze grade im Rollenspiel sehr gerne Klischees. Nahezu jeder kennt sie, dem einen oder anderen entlocken sie nur ein stöhnen. Aber im großen und ganzen ist es ein schneller weg etwas zu beschreiben. Eine typische halbnackte Barbaren Kriegerin wird bei allem am Tisch ein ähnliches Bild im Kopf entstehen lassen.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 21.11.2019 | 17:13
Ich persönlich bin jetzt niemand, der politisch unkorrekte Settings irgendwie zelebriert, braucht oder auch nur bevorzugt, aber sie einzuschränken würde auf meinen Widerstand stoßen.

Die Kunst ist frei und muss es auch sein.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: aikar am 21.11.2019 | 17:19
Es ist ein Spiel. Wenn man das nicht trennen kann, kann man den Großteil der Rollenspiele in die Tonne treten, allein weil man viele Probleme mit der Waffe in der Hand löst.

Ausnahme natürlich immer: Wenn ein Thema einem Spieler/einer Spielerin unangenehm ist, dann lässt man es.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: WulfBorzagh am 21.11.2019 | 17:21
Man muss auch mal die Kirche im tiefbayrischen Dorf stehen lassen.
Wenn man sich eines historischen Hintergrundes bedient und sich dessen bewusst ist darf man nicht nur politisch unkorrekt sein, man muss! (Aber auch da gilt je realistischer der Ansatz, desto besser. Man darf im viktorianischen Zeitalter Frauen gerne hinterfragen oder nicht für voll nehmen, aber auch nicht ausschließen oder anders ausgedrückt: Der eigene Spaß hört auf, wenn andere verletzt werden)

Als anderes (extremeres) Beispiel: Setting zweiter Weltkrieg. Amerikanische Truppen wollen eine deutsche Basis infiltrieren. Da darf den Helden gerne mal ein Heil Bubi mit gestrecktem Arm rausrutschen um ihre Deckung nicht zu verlieren. Das darf der Punker oder Linke am Tisch zwar doof finden, aber dafür waren sich Spione damals auch nicht zu schade, warum also auch fiktive Personen in derselben Ära. (Natürlich muss die Geste nicht ausgespielt und das Heil Bubi nicht in Nachbars Garten gebrüllt werden. Is klar. Ausser vielleicht in Thüringen um den Nachbarschaftsfrieden wiederherzustellen  >;D)

Ich gehe aber auch davon aus das die Leute am Tisch sich kenne und wissen, wie die Grenzen sind.
Wenn die Gruppenzusammenstellung auf einer Con sich wie im o.G. Beispiel zusammensetzt ist ein Hinweis hilfreich, nicht nur weil ich den Glauben an die Jugend verloren habe etwas über das Zeitalter zu wissen, sondern auch um gemeinsam die Regeln am Tisch zu definieren und den Ton des Abenteuers klar zu machen. Hatte selber scon auf genug RatCons das Vergnügen mit meinen Hau-Drauf-und-Schluss Abenteuern ein paar Hartwurst Spieler zu vergraulen.


Wulfi, das schöne/schlimme an Klischees ist, das Sie zuoft wahr werden
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: felixs am 21.11.2019 | 17:23
Unbedingt darf und sollte man das.

Einerseits weil es niemandem weh tut, andererseits weil man hier ein unschädliches Ventil für allfällige Atavismen finden kann.

Allerdings sollte das alles natürlich reflektiert geschehen - was aber eh die Voraussetzung dafür ist, überhaupt einen Zugang zu dieser Problematik haben zu können.

Bezüglich der "Heil-Hitler"-Problematik: Das sollte man vielleicht dann doch sein lassen, da man sich recht schnell im strafbaren Bereich bewegt. Die Rechtsprechung ist sich in Deutschland recht einig, dass der künstlerischen Freiheit in dieser speziellen Sache sehr enge Grenzen gesetzt sind.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 21.11.2019 | 17:28
Es ist ja auch nicht so, dass das durchschnittliche D&D-Setting keine anderen im realen Leben fragwürdigen Inhalte hat. Etwa, ohne jedes Schuldgefühl Leute töten (und sich ihr Zeug aneignen) weil sie die falsche Hautfarbe (grau, grün, orange etc) haben - sowas ist nüchtern betrachtet ja schon weit jenseits von "politisch unkorrekt".

Klar, aber dann sind wir bei grundsätzlichen Fragen von Moral und Ethik.

Ich würde sogar sagen, an solchen Inhalten kann ich mich im Spiel abarbeiten und Spaß daran haben.

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 21.11.2019 | 17:30
Wenn eine Welt derart Problemfrei ist das die Leute dort sich Politisch Korrekt verhalten statt zu sagen ,Nö wir haben größer Probleme, ist die Welt denke ich nicht mehr Ausreichend bedroht um die Anwesenheit von Helden/SC zu rechtfertigen . Also ja man darf und muss Sogar .
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Chiarina am 21.11.2019 | 17:38
Ja, spielen kann jeder, was es will... ist nur die Frage, ob ich mitspiele.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 21.11.2019 | 17:40
Ja, spielen kann jeder, was es will... ist nur die Frage, ob ich mitspiele.

Interessant, das ist (was mich sehr überrascht!) der erste gemäßigt kritische Beitrag. Magst du das vielleicht noch ein bisschen erläutern?
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 21.11.2019 | 17:45
Ich seh da keine Kritik. Er stimmt Dir zu, dass jede Gruppe das spielen kann und darf, was sie als Gruppe spielen wollen.
Der zweite Teil heisst nur, dass er nicht bei jedem Setting (aus welchen Gründen auch immer) mitspielen würde. Also ja, alles spielen, aber bitte nicht erwarten, dass andere Leute da dann mitspielen wollen.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: aikar am 21.11.2019 | 17:49
Also ja, alles spielen, aber bitte nicht erwarten, dass andere Leute da dann mitspielen wollen.
Das möchte ich auch nochmal unterstreichen. Ich hätte zum Beispiel keine Lust eine psychotische Sabbat (https://vampiremaskerade.fandom.com/de/wiki/Sabbat)-Vampire-Runde zu spielen. Kenne aber mehrere Leute in meinem Bekanntenkreis, die gerade das mit Begeisterung tun. Und keinen davon würde ich als moralisch fragwürdig einstufen.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: klendathu am 21.11.2019 | 17:51
"Politische Korrektheit" ist mindestens seit Mitte der 1990er ein Kampfbegriff aus eher konservativen Lagern. In der Bennenung steckt schon ne Menge Ironie und Abwertung.

Viele Rollenspielsettings sind sicherlich voll von innerweltlichen Rassismen etc. und ziehen daraus fürs Spiel interessante Konflikte, da sehe ich kein Problem für eine Gruppe halbwegs mündige Spieler*innen. Für alles andere nutze ich die X Card. Mit dem Rest: also offensichtlich diskriminierenden Arschlöchern spiele ich grundsätzlich nicht bzw. verlasse solche Runden.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 21.11.2019 | 17:54
Was Wulfi sagt.

Und im übrigen spiele ich wie ich will und wie es mir und meiner Gruppe passt. Meine Spielsitzungen sind für Erwachsene und zum Spaß am Spiel und keine politischen Schulungen.

Wenn ich die will, dann gehe ich zu politischen Schulungen.

Und mit Arschlöchern, diskriminierend oder sonstwie, spiele ich eh nicht.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 21.11.2019 | 17:57
Ja darf man, und, bei Grapthars Hammer, das würde ich auch jederzeit verteidigen!

Wer in seinem Kopf Mauern errichtet, baut im Leben keine Brücken.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 21.11.2019 | 18:21
Das Offensichtliche zuerst: Was du zu Hause an deinem Tisch machst, ist deine absolute Privatsache und keiner verbietet dir irgendwas.

Ein Großteil der Medien (Bücher, Filme, Geschichten etc.), die wir im Laufe unseres Lebens konsumiert haben, und die uns geprägt haben, sind und waren nicht 'politisch korrekt' bzw. würden heute als 'problematisch' gelten. Dementsprechend schlägt sich das natürlich auch auf unsere Spiele nieder.

Für mich liegt die Crux in der Frage, ob ich diese heiklen Stellen einfach unkritisch mitnehmen oder aber bemerken und hinterfrage - ich kann Indiana Jones und John McLane cool finden, aber gleichzeitig wissen, was 'toxische Maskulinität' ist. Ich kann Lovecraft lesen und gleichzeitig die Stirn über seinen Rassismus runzeln.  Ich kann eine sexistische Spielwelt am Tisch darstellen, im vollen Bewusstsein, dass diese Spielwelt sexistisch ist. Es ist ein bisschen so, wie wenn man bemerkt, dass es keine perfekten Helden gibt: Was bewundere ich, was mag ich nicht, warum und was ziehe ich für mich daraus?

Und ganz persönlich glaube ich, der nächste Schritt, nämlich hier und da kleine oder größere Brüche einzubringen, die 'herrschende Ordnung' in Frage zu stellen oder anderweitig das Spiel etwas 'besser' zu machen, kommt dann irgendwann ganz von selbst (und wenn es nur ist, weil sich die Klischees abnutzen).
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Shihan am 21.11.2019 | 18:32
Rollenspiel funktioniert doch grundsätzlich auf der Basis von auszuspielenden Konflikten. Gäbe es keine Konflikte, würde es auch nichts zu tun geben.
Und gerade die gemeinhin als "politisch inkorrekt" angesehenen Sachverhalte basieren doch komplett auf Konflikten. Also ja, natürlich sollte sowas in einer Spielwelt Teil sein.
Sexismus, Rassismus, Glaubenskriege. All dies sind Dinge, die leider zum menschlichen Miteinander gehören. Rollenspiel kann (muss natürlich nicht) an dieser Stelle sogar einen karthatischen Anteil haben. Indem ich diesen Themen hier in einer (hoffentlich) kontrollierten Situation begegne, kann ich mich mit ihnen auseinandersetzen, ohne tatsächlich jemandem zu schaden (Trigger aufgrund von Erlebnissen sind natürlich wichtig zu beachten).

Mein Anspruch wäre nur jederzeit, dass alle Beteiligten sich dessen bewusst sind und eine gewisse Reife mitbringen. Dann kann das einen erkenntnisreichen Effekt haben.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jens am 21.11.2019 | 18:35
Ich glaube, wenn du bewusst so ein Setting spielst, dann möchtest du diese Ungleichbehandlungen im Spiel dargestellt wissen. Die Frage ist, wie groß der Anteil dieser Thematik im Spiel dann sein soll. Und in welcher Form? Das viktorianische England hat zwar seine Gentleman, aber gleichzeitig wäre es für eine Frau auch völlig undenkbar, Armeekommandantin oder ähnliches zu sein. Jetzt ist die Frage, willst du zum wohlfühlen nur die positiven Aspekte darstellen? Möchtest du für ordentliche Konflikte vor allem die negativen Seiten darstellen? Meistens wird es ja ein Mix zwischen beiden sein, der in die eine oder andere Richtung gewichtet ist.

Aber egal, in welche Richtung das nun gewichtet ist: ich finde diese Settings nicht nur legitim, sondern auch sehr sinnvoll! Schließlich führen sie dazu, dass wir uns mit unseren jetzt noch alltäglichen Sexismus und Rassismus Problemen aus einer gewissen, spielerischen Distanz auseinandersetzen.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Derjayger am 21.11.2019 | 18:42
Ich versteh' die Frage nicht. Wie jemand schrieb, hat das mit "dürfen" wenig zu tun, weil das Reden über Kettenhemdbikinis nicht unter Strafe steht.
Geht es also um "sollte man"? Ok, hab ich (jemand aus dem Internet) jetzt die Macht, euch zu überzeugen (oder gar vorzuschreiben), was ihr tun solltet? Und mich aufzuregen, wenn ihr euch weigert? -> Warum habe ich dann damit angefangen?
Man kann Argumente austauschen. Das hat aber erstmal gar nichts präskriptives. Und es klingt für mich nach etwas völlig anderem als der Thread-Überschrift.

Ich seh' das eher pragmatisch:

a) Du fährst 40min zu einer neuen RPG-Runde, die sich als dermaßen politisch unkorrekt aufführt, dass du keinen Bock hast, weiter mitzuspielen. -> Pech gehabt.

b) Du leitest eine Gruppe, ein neuer Mitspieler kommt dazu und benimmt sich daneben -> du wirfst ihn raus.

c) Du leitest einige Zeit und wirst warm mit der Gruppe, so dass du anfängst, politisch unkorrekte Sprüche zu klopfen. -> einer bis alle steigen aus. Oder labern spaßig mit. Wirst du sehen!

d) Du haust in einer unbekannten Runde nen Spruch raus, jemand rückt dich zurecht -> du verkneifst dir die Sprüche.

e) Dein Con-Abenteuer basiert auf Möpsen und Nutten. Dafür kriegst du Ärger -> was hast du erwartet?

f) Dein Con-Abenteuer basiert auf Gentlemen, die Frauen die Tür aufhalten. Jemand am Tisch rastet deswegen aus -> ruf die Männer in den weißen Kitteln.

Ist doch simpel?
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 21.11.2019 | 18:47
Rollenspiel funktioniert doch grundsätzlich auf der Basis von auszuspielenden Konflikten. Gäbe es keine Konflikte, würde es auch nichts zu tun geben.
Und gerade die gemeinhin als "politisch inkorrekt" angesehenen Sachverhalte basieren doch komplett auf Konflikten. Also ja, natürlich sollte sowas in einer Spielwelt Teil sein.
Sexismus, Rassismus, Glaubenskriege. All dies sind Dinge, die leider zum menschlichen Miteinander gehören. Rollenspiel kann (muss natürlich nicht) an dieser Stelle sogar einen karthatischen Anteil haben. Indem ich diesen Themen hier in einer (hoffentlich) kontrollierten Situation begegne, kann ich mich mit ihnen auseinandersetzen, ohne tatsächlich jemandem zu schaden (Trigger aufgrund von Erlebnissen sind natürlich wichtig zu beachten).

Mein Anspruch wäre nur jederzeit, dass alle Beteiligten sich dessen bewusst sind und eine gewisse Reife mitbringen. Dann kann das einen erkenntnisreichen Effekt haben.
Yepp

Rollenspiel findet in einer Phantasiewelt statt.
Die ist, wenn sie denn historisch ist, natürlich bestenfalls pseudohistorisch, da ja meist kein lebender Spieler  zu dieser Zeit schon gelebt hat.
(Dorian Greys, Elfen und Vampire ausgenommen   :D)
Da wird halt eine Zeit samt ihren Werten und Normen- versucht zu simulieren.
Und wenn man das halbwegs - "echt" machen will, dann unterscheiden die sich natürlich teilweise  auch von den heutigen.

Bewusstsein ist wichtig, und Empathie für die Beteiligten.
Es soll sich jeder Wohlfühlen.
Sowas  zu thematisieren ist natürlich auch kein Zwang.
Es ist nur ein Spiel.

Edit. Mit schwierigen Themen umgehen zu lernen, ist mMn. besser als den Umgang von vornerein zu verbieten.
Oder konkreter: Etwas zu tabuisieren.
Tabus machen das, was tabuisiert wird, nur stärker.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Kardinal am 21.11.2019 | 18:54
Settings - natürlich.
Systeme - bitte nicht (siehe z.B. FATAL).
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 21.11.2019 | 18:55
Aber darf man solche Settings heute überhaupt noch spielen? Ich meine, ich spiele Rennspiele, ohne ein Verkehrsrowdy zu werden, würde (wenn sie mir Spaß machten) Shooter spielen, ohne dadurch Amok zu laufen. Trotzdem bleibt da manchmal ein Beigeschmack.
Ja. Warum denn nicht.
Wichtig ist dabei, dass man halt auch die Wirklichkeitsdifferenz wahrnimmt. Oder: Shooter können schon ne Amoktäter-Entwicklung stützen. Voraussetzung ist aber, dass das Spiel als Realitätssimulation gespielt wird. Wenn man die Differenz zwischen Fiktion und Realität gut auf dem Schirm hat, ist alles gut. Zumal in den eigenen vier Wänden.

Der Beigeschmack ... kommt mMn (zu Recht) da her, weil man oft gar nicht zu genau weiß, wo man selbst bzgl. gruppenbezogener Ressentiments (z.B. beim Thema Misogynie oder Transmisogynie) steht. Entspreched laden Spiele wie HEX dazu ein, unangemessene Klischees und Vorurteile weiter zu nutzen. Da sehe ich schon erhebliche Fallen.

Und ganz persönlich glaube ich, der nächste Schritt, nämlich hier und da kleine oder größere Brüche einzubringen, die 'herrschende Ordnung' in Frage zu stellen oder anderweitig das Spiel etwas 'besser' zu machen, kommt dann irgendwann ganz von selbst (und wenn es nur ist, weil sich die Klischees abnutzen).
Das sehe ich ganz genauso. Man kann sich informieren. Man kann hinter gesellschaftliche Tabus und Stereotype schauen und Repräsentation verbessern oder Fakten einbauen (z.B. kann die Person, die von sexueller Gewalt bedroht ist im Pulp Abenteuer auch gut männlich sein und die bedrohende Person weiblich. Das kommt in der Realität erheblich viel häufiger vor, als allgemein geglaubt - sh. Arbeiten von Prof. Lara Stemple) 

Was kann man tun? Sich interessieren ... Sich von Betroffenen raten lassen.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Huhn am 21.11.2019 | 19:10
Ihr tut fast so, als würde euch was weggenommen ("verboten"). Dabei können Spiele und Spielwelten auch viel gewinnen, wenn wir uns von festgefahrenen Vorstellungen, wie Welten oder Gesellschaften (angeblich) funktionieren oder wie "es damals halt war" (gerade Letzteres löst bei mir sowieso geschichtsstudiumsbedingte Würgreflexe aus) lösen.
Muss ja auch nicht das ganze Spiel auf einmal umgekrempelt werden, aber sich darüber Gedanken zu machen, wie eir ubs selbst unsere eigene Realität konstruieren, mit welchen Grundannahmen wir durchs Leben gehen und wie wir sie (unbewusst) ins Spiel einbinden, kann zu spannenden neuen Ideen führen.
Davon ab festigt Wiederholung eingefahrene Muster im Hirn. Und diskriminierendes Denken immer zu wiederholen, und sei es im Spiel, kann leider sehr reale Strukturen und Denkweisen festigen.
Kann euch die Lektüre von Roll Inclusive wirklich ans Herz legen. Eine Menge hier genannter Argumente werden darin aufgegriffen und vor allem wird, jenseits einer vermeintlichen Verbotspolitik, geschaut, was wir Cooles im Spiel gewinnen können, wenn wir unsere Welten, Charaktere und Systeme diverser und offener gestalten. Wir enthalten uns nämlich selbst auch jede Menge toller Sachen vor, wenn wir auf Zwang an Allem festhalten, was wir halt kennengelernt und liebgewonnen haben.
 
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: klendathu am 21.11.2019 | 19:18
...
Muss ja auch nicht das ganze Spiel auf einmal umgekrempelt werden, aber sich darüber Gedanken zu machen, wie eir ubs selbst unsere eigene Realität konstruieren, mit welchen Grundannahmen wir durchs Leben gehen und wie wir sie (unbewusst) ins Spiel einbinden, kann zu spannenden neuen Ideen führen.
Davon ab festigt Wiederholung eingefahrene Muster im Hirn. Und diskriminierendes Denken immer zu wiederholen, und sei es im Spiel, kann leider sehr reale Strukturen und Denkweisen festigen.
...

Word. Gerade das Thema strukturelle Diskriminierungen und deren (Re-) Produktionen sollte mitgedacht werden.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 21.11.2019 | 19:25

Als Beispiel: Ich habe auf der letzten HeinzCon Space1889 ganz klassisch viktorianisch spielen wollen und endete mit einer Runde Mittvierziger und zwei 13-14 jährigen Mädels, die das erste Mal Rollenspiele gespielt haben. Da habe ich das viktorianische Frauenbild eben thematisiert, mich zwar distanziert, aber auch erklärt, dass es in diesem speziellen Setting eben dazu gehören kann (!), dass Frauen das Taschentuch aufgehoben wird, und sie eben ganz im Sinne britischer Gentlemen beschützt und eben auch manchmal nicht ganz für voll genommen werden. Natürlich - so betonte ich - durften sie mit diesen Vorurteilen im Spiel aufräumen! Die Herren unter den Spielen waren super sensibel und die Mädels hatten glaube ich auch echt Spaß. Trotzdem habe ich echt geschluckt, als ich sah, dass auch noch bei einer öffentlichen Veranstaltung minderjährige Määdels bei einem viktorianischen Setting mitspielen wollten.

Wie seht ihr das? Go oder no-go?

Ich finde, du hast bei dem Beispiel alles richtig gemacht, und es macht auch deutlich, dass es auf verschiedenen Ebenen unsinnig ist, irgendwelche Settings "verbieten" zu wollen.
Es lohnt sich, zu dem Thema in Rollenspielbücher wie "Harlem Unbound" reinzuschauen, die den Umstand, dass ein Setting stark durch z.B. rassistische Diskriminierung determiniert ist, problematisieren und Umgangsweisen vorschlagen. Da wird dann deutlich, dass es letztendlich vor allem darum geht, gemeinsam mit der Gruppe ein paar Regeln und Grenzen abzustecken - und dass kann und muss jede Gruppe unter sich abmachen. Wichtig ist eben nur: Wenn jemand keine Lust hat, im Rollenspiel Diskriminierungserfahrungen zu "spielen", dann hat das Vorrang z.B. vor dem Wunsch anderer Spieler, möglichst "historisch korrekt" zu spielen (was auch eh ein ziemlich fragwürdiger Maßstab ist, weil er ja bei den meisten auf einem stark auf Klischees verengten Blick auf bestimmte historische Epochen beruht).

Wenn Leute gerne in einem sexistischen Setting spielen wollen, um sich dagegen zur Wehr zu setzen (oder in der Rolle der Damsel in Distress aufzugehen) - alles klar. Wenn Leute gerne die Geschlechterverhältnisse einer historischen Epoche geflissentlich ignorieren wollen (wie z.B. im Yellow King RSP als Möglichkeit vorgeschlagen), dann ist das auch fein.

Im Endeffekt geht's nur um Sensibilität und Bewusstsein. Dass das dann die Art, wie man Settings bespielt (oder ob man sie bespielt) ändert, ist eigentlich klar, aber das kann ja auch ein Gewinn sein.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 21.11.2019 | 19:28
Ich bin, wenn ich mich selbst reflektierend betrachte, ziemlich festgefahren.
Da geht es, bezogen aufs RPG, weniger um den Inhalt oder alte Vorstellungen und Meinungen, sondern allein schon ums Setting. Manche liegen mir einfach nicht. Und die spiele ich auch nicht. Da werde ich mich wohl auch nicht ändern.

Ein Barbar hat in meiner Vorstellung - klischeehaft - selbst im tiefsten Winter und im Schneesturm nur Stiefel, Lendenschurz und Bärenfell Umhang an. Da steht er dann stoisch mit verschränkten Armen und trotzt dem Wetter.
Das ist natürlich Blödsinn. So etwas machen Babaren nicht.

So laufen nur hippe junge Mädchen herum. Selbst im Winter mit Minirock und bauchfrei...
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: felixs am 21.11.2019 | 19:29
Davon ab festigt Wiederholung eingefahrene Muster im Hirn. Und diskriminierendes Denken immer zu wiederholen, und sei es im Spiel, kann leider sehr reale Strukturen und Denkweisen festigen.

Naja.
Wenn das unreflektiert passiert und wenn es die Wiederholung von Denkweisen ist, die man auch sonst pflegt, ist das natürlich schlecht. Liegt aber eher daran, was man sonst (außerhalb des Spiels) so treibt. Will sagen: Entweder hat man das Problem mit und ohne Rollenspiel, oder nicht.

Dass man im Spiel problematische Muster erlernt und die dann auf die Realität überträgt - das glaube ich eher nicht. Allenfalls würde mir eine Art Rückkopplungseffekt einleuchten: Man sucht sich aus seiner Realität heraus bestimmte Medien, welche Strukturen befördern, die man dann wieder auf seine Realität auswirken lässt. Auch dieses im negativen wie im positiven möglich.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Schlangengott am 21.11.2019 | 19:50
Ja, unbedingt.

Politische Uncorrectness gehört ins Rollenspiel und nicht ins Reallife  :headbang:

Also, wenn ich nicht mindestens einmal am Tag nicht die Gefühle, einer politischen Minderheit oder Mehrheit verletzt habe, kann ich nicht atmen... ~;D >;D 8)
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Oberkampf am 21.11.2019 | 19:56
Das ganze ist eine Frage, die auf unterschiedlichen Ebenen unterschiedlich beantwortet werden kann.

Beispielsweise leite ich in der Regel in mehr oder weniger selbstgestrickten Fantasywelten, wo es jede Menge NSCs mit rassistischen, sexistischen, homophoben, und anderen diskriminierenden oder fanatischen Ansichten gibt. Meistens sind das die Bösen, aber auch manchmal Neutrale mit einer miesen Seite. Mit denen lässt sich auf unterschiedliche Arten interagieren.

Das nächste ist dann ein struktureller Ismus in der Spielwelt, der vor allem NSCs von bestimmten Rollen/sozialen Positionen ausschließt (z.B. Berufsverbote) oder sie auf nachteilige soziale Positionen festlegt (z.B. als Sklaven). Zu einem nicht unwesentlichen Teil ist das der Stoff, aus dem Abenteuer aufgebaut sind, also die sozialen Umstände, die der Paladin aus dem Weg räumen muss, um Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Güte unter einen Hut zu bringen - und für den Rest der Gruppe gilt es, zumindest das geringste Übel zu erreichen.

Dafür vermeide ich in der Regel, in die Spielwelten einen strukturellen Rassismus/Sexismus oder sonstigen -ismus einzubauen, der SCs aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts usw. von bestimmten sozialen Positionen oder Charakterkonzepten ausschließt - es sei denn, das ist vorher abgesprochen und notwendiger Bestandteil der Spielwelt für die Kampagne. Beispielweise eine Kampagne, in der weibliche Charaktere grundsätzlich keine Kleriker sein können, weil in der Spielwelt Frauen Priesterämter/Kirchendienste verboten sind und sich die Kampagne vielleicht darum dreht, dass es eine neue Glaubensrichtung gibt, die das ändern möchte - aber nicht von vorne herein mit SC-Klerikerinnen.

Die letzte Sache sind natürlich die Spieler am Tisch, aber das ist eine real life Angelegenheit. Grundsätzlich nehme ich mal an, dass die meisten Personen sich von den meisten Ismen distanzieren, aber wann und wo welcher Ismus anfängt, ist ja nicht immer so eindeutig konsensuell geregelt und das Thema gleitet leicht in den Speakers Corner ab, darum nur so viel: Üblicherweise vermeide ich es, mit Leuten zu spielen, die nach meinem dafürhalten allzu seltsame Ansichten von sich geben.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 21.11.2019 | 20:28
Und diskriminierendes Denken immer zu wiederholen, und sei es im Spiel, kann leider sehr reale Strukturen und Denkweisen festigen.

Genau diese steile Behauptung - analog zum Videospielsektor, wo es viel mehr Studien gibt und das Konzept bestenfalls umstritten, eher widerlegt ist - löst den Beißreflex gegen gefühlte Verbotsbestrebungen aus.
Denn wenn man diesen Gedanken erst mal akzeptiert hat, was läge dann näher, als die Spieler in recht direkter Weise dazu bringen zu wollen, anders zu handeln und zu denken?


Das ist eine deutlich andere Baustelle als etwa mit Darstellungen ungewohnter, fremdartiger bis hin zu aus unserer Perspektive bizarrer Denkmodelle, Gesellschaftsstrukturen usw. die Spieler dazu anzuregen, die eigenen Perspektiven zu hinterfragen - auch und gerade, indem man sie mal nicht frontal angeht, sondern leicht übersteigert...


Letztlich ist der oben zitierte Ansatz, ob nun subtil oder offensiv vorgetragen, gerade im Freizeitkontext ziemlich kontraproduktiv.
Da fokussiert man sich lieber abseits des Spiels auf die Themenbereiche, wo die Probleme offensichtlich sind und erklärt die zugrundeliegenden Mechanismen*, anstatt sich an historischen oder aktuellen Beispielen abzuarbeiten (was gerade bei Roll Inclusive mMn gründlich daneben gegangen ist).

Man geht diese Dinge viel besser vom Großen zum Kleinen an (wie es über Jahrzehnte bis - in manchen Kontexten - Jahrhunderte erfolgreich geschehen ist) statt vom Kleinen zum Großen (weil man dann beim Kleinkram personelle, gruppenbezogene und methodische Widerstände hervorruft (eben weil es Kleinkram ist), gegen die man die relevanten Sachen deutlich schlechter angehen kann).

Und da sollte man dann auch den richtigen Einstiegspunkt erwischen. Wenn ich einem normal sozialisierten Spieler erzähle, er möge doch bitte keine Ork- oder Alien-Massaker veranstalten, weil reale Genozide schlecht sind, schaut der mich zu Recht an, als wäre ich selbst ein Alien. Das weiß der nämlich schon.



Ab hier noch mehr OT als eh schon  :P
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Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 21.11.2019 | 20:43
Threadtitel ändern ist aber nicht so ganz die feine englische Art bei sowas. :)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 21.11.2019 | 20:46
Ich habe nur ergänzt und präzisiert, nichts weggenommen. :) Es gab ein oder zwei Posts die auf das "dürfen" mehr eingegangen sind als ich das eigentlich wollte. Ich meinte mit dem "dürfen" nicht, ob es ein verbot geben sollte (das es ja auch nicht geben kann), sondern tatsächlich, ob man es sollte. War nur überspitzt/ungenau formuliert.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Ruinenbaumeister am 21.11.2019 | 20:47
Eine Rollenspielwelt steckt voller Konflikte, damit es Abenteuer geben kann. Dazu kann die Unterdrückung und Privilegierung einer Bevölkerungsgruppe gehören - es kommt allerdings darauf an, ob man diesen speziellen Konflikt ausspielen will und wie man darin Partei ergreift. Darüber sollte man besser vor dem Spiel sprechen.

Sklaverei: Was sind die Charaktere - Sklavenjäger, Sklavenbefreier, Sklavenhändler, Sklaven? In jeder dieser Situation können sich Abenteuer ergeben. Strahlende Helden werden die Sklaven befreien, sei es gewaltsam oder diplomatisch. Antihelden werden sich irgendwie durchschlagen. Neutrale Charaktere können vom Sklavenhandel profitieren und dadurch irgendwann in einen Gewissenskonflikt gestürzt werden. Bösewichter kennen keine Skrupel. Jede dieser Rollen kann gespielt werden.

Chauvinismus: Damit lassen sich sowohl sehr düstere Situationen als auch derber Humor (z.B. Andergast vs. Nostria bei DSA) gestalten. Ihr solltet absprechen, wie düster es werden darf. Grundsätzlich ergibt sich hier potential für  Charakterentwicklung, beispielsweise wenn ein Spielercharakter zu Beginn nur Vorurteile über das andere Volk im Kopf hat und diese dann durch Kontakt mit diesem bestätigt oder widerlegt werden.

Rassismus: In einer Fantasywelt gar nicht abwegig. Elfen sind nunmal keine Zwerge. Vorurteile können das Spiel abwechslungsreicher machen, denn mit Klischees lässt sich spielen. Du spielst einen trinkfreudigen Zwerg? Ok, aber etwas langweilig. Du spielst einen abstinenten Zwerg? Ok, du bekommst allein dadurch, dass dein SC nicht dem Klischee entspricht, gleich ein paar neue Konflikte in der Spielwelt. Allerdings kann sowohl ein übermäßig klischeehafter als auch ein völlig klischeewidriger SC bemüht und oberflächlich wirken.

Sexismus: Auf keinen Fall! Ein Setting, das Frauen oder Männern den Zugang zu bestimmten Berufen oder sonstigen Rollen versperrt ist eine absolute Zumutung und sollte auf keinen Fall gespielt werden. Schade, dann wird's wohl nichts mit deiner Kampagne im Deutschland des Jahres 2019. ;)
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Huhn am 21.11.2019 | 20:49
Denn wenn man diesen Gedanken erst mal akzeptiert hat, was läge dann näher, als die Spieler in recht direkter Weise dazu bringen zu wollen, anders zu handeln und zu denken?
Ja, was läge da näher? Vielleicht das, was ich oben gemacht habe: Dazu aufgefordert, einfach offen gegenüber neuen Anregungen zu bleiben und zu schauen, ob sie das eigene Spiel, die Spielrunde, die Community oder das allgemeine Miteinander bereichern könnten. Oder das was Der Tod gemacht hat: Dazu aufgefordert, sich solcher Mechanismen und Inhalte bewusst zu sein, wenn sie verwendet werden. Die einzigen, die in diesem Thread von Verboten schreiben, sind diejenigen, die sich davor fürchten.
Ich habe nirgendwo geschrieben wie Leute dies oder jenes zu tun oder zu lassen haben. Und die Spiele, die ich spiele, strotzen vor solchen stereotypen Inhalten. Ich mag die oft auch. Aber manchmal ist es halt auch schön, sich darüber Gedanken zu machen, wie sowas funktioniert und wie es auch anders funktionieren kann. (Etwa tut es "meinen" 1920ern im Cthulhu-Verse für mich keinen Abbruch an Glaubwürdigkeit, wenn ich auf Diskriminierung gegen Frauen und Schwarze verzichte. Ich find es langweilig, das zu bespielen, deswegen lasse ich es weg. Dennoch erkennen alle, welche Zeit gemeint sein soll. Die 1920er haben ja noch mehr Erkennungsmerkmale als Diskriminierung.)
Der Beißreflex hat seine Ursache also bei dir, nicht bei mir. Andere hätten nicht gebissen. Warum willst du zubeissen?

Im Übrigen denke ich auch nicht, dass Roll Inclusive alles richtig macht. Einige Artikel fand ich deutlich bereichernder als andere. Dennoch bleibt im Schnitt ein anregendes Buch mit interessanten Denkanstößen in Bezug auf das Thema des Threads und deswegen empfehle ich es hier.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 21.11.2019 | 21:14
Genau diese steile Behauptung - analog zum Videospielsektor, wo es viel mehr Studien gibt und das Konzept bestenfalls umstritten, eher widerlegt ist - löst den Beißreflex gegen gefühlte Verbotsbestrebungen aus.
Denn wenn man diesen Gedanken erst mal akzeptiert hat, was läge dann näher, als die Spieler in recht direkter Weise dazu bringen zu wollen, anders zu handeln und zu denken?

Ich denke auch, dass der "pädagogische" Ansatz im Sinne von: Das Spielen mit realen Stereotypen übt diese ein und sollte deshalb unterlassen werden oder auch im Sinne von: Wir können im Spiel nicht- und anti-diskriminierende Handlungsweisen einüben, die wir dann auf die Wirklichkeit übertragen, problematisch ist. Einerseits ist sicher was dran in dem positiven Sinne, dass ein im Spiel erhaltener Denkanstoß auch ins sonstige Leben wirken kann. Andererseits werden solche Übertragungsleistungen wahrscheinlich auch gerne mal überbewertet und sind letztendlich auch kaum scharf zu bestimmen. Ein ähnliches Problem hat man ja auf viel gravierenderer Ebene bei der Frage, inwieweit nicht-diskriminierende Sprachregelungen wirklich zum Abbau von Diskriminierung beitragen können. Meine Meinung: Sie können das ganz enorm, das aber als die Haupt-Einbahnstraße politischen und persönlichen Wandels zu betrachten, geht nach hinten los. Man mus noch an einer ganzen Reihe anderer Strukturen als der Sprache ansetzen, vom Verhältnis Berufswelt/Reproduktionsarbeit über die Medizin (Stichwort pathologisierung von geschlechtlicher Uneindeutigkeit) bis wasweißich.

ABER man kann im Rollenspiel auch erst mal kleinere Brötchen backen. Vielleicht geht es ja einfach nur darum, ein Spielumfeld zu schaffen, in dem möglichst wenige Leute Erfahrungen machen, die ihre negativen Erlebnisse mit Diskriminierung und Stereotypisierung triggern, und wichtiger noch: In denen solche triggernden Erfahrungen sich leicht ansprechen, thematisieren und korrigieren bzw. in Zukunft vermeiden lassen. Damit ist kein großer Sieg gegen jede Form von Diskriminierung erringen, aber am eigenen Spieltisch zumindest ein kleiner Sieg in Sachen zwischenmenschlicher Wertschätzung und Achtsamkeit.

Es ist ganz banal halt für eine einzelne Person schon relevant, ob sie mit ihrem Unbehagen beispielsweise über sexistische Inhalte betreten am Tisch sitzt und vermittelt bekommt, dass alle anderen sich absolut wohl mit selbigen Fühlen, oder ob es ein gemeinsames Bewusstsein dafür gibt, dass so ein Unbehagen eine Berechtigung hat und angesprochen werden kann und sollte. Und diese Selbstverständlichkeit ist eben nach wie vor nicht immer gegeben, ich habe da durchaus auch schon Reaktionen der Marke "That's the setting, deal with it!" miterlebt. Und das muss nicht sein.

Wichtig ist halt immer, sich nicht angegriffen zu fühlen, wenn jemand so ein Problem anspricht. Und dazu gehört, selbst erst mal davon auszugehen, dass man nicht zwangsläufig alles immer perfekt und richtig macht. Deshalb bin ich auch so allergisch auf die Frage, was man "darf": Dann macht sich die SL am Ende noch die Checkliste mit allem, was nicht erlaubt ist, vermeidet die entsprechenden Themen brav, und dann gibt es ein Problem an einer Stelle, die zufällig nicht auf dieser Liste war - und jetzt ist die SL richtig angepisst, sie hat ja wohl alles beachtet, und jetzt immer noch Vorwürfe, die spinnen doch alle! Nee. So geht das nicht. Es gibt keine Liste der verbotenen oder erlaubten Dinge, es gibt nur eine Aufforderun zu Respekt, Achtsamkeit und Offenheit.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Chiarina am 21.11.2019 | 21:24
@ Huhn: Danke. Ich brauchte noch einen kleinen Kick. Den hast du mir jetzt verpasst. Ich werde das Buch lesen.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 21.11.2019 | 22:00
Ja, was läge da näher? Vielleicht das, was ich oben gemacht habe: Dazu aufgefordert, einfach offen gegenüber neuen Anregungen zu bleiben und zu schauen, ob sie das eigene Spiel, die Spielrunde, die Community oder das allgemeine Miteinander bereichern könnten.

Habe ich das oben nicht selbst deutlich voneinander unterschieden?
Das sind für mich zwei verschiedene Herangehensweisen; die eine setzt positiv und konstruktiv auf Impulse/Denkanstöße, Perspektiverweiterung.

Die andere kann nur wirkungslos bleiben oder in Richtung Denk- und Handlungsverbote gehen (mehr dazu s.u.).

Oder das was Der Tod gemacht hat: Dazu aufgefordert, sich solcher Mechanismen und Inhalte bewusst zu sein, wenn sie verwendet werden.

Auch da: Habe ich nicht auch recht ausufernd von Mechanismen gesprochen und der Notwendigkeit, sie zu verstehen, um das Problem zu reduzieren?
Aber wenn das etwas bewirken soll, muss ich stets auch den Bezug zur Realität hinbekommen und bin dann schnell in einem Bereich, wo ich das vielleicht gleich völlig abseits eines Spiels thematisieren sollte.
Und dann auch da, wo es hingehört, nämlich wenn ich das Problem tatsächlich antreffe und nicht nur vermute, dass es auftreten könnte. Einen allgemeinen Erziehungsauftrag für meine Spieler sehe ich ohnehin nicht, und erst recht nicht ins Blaue hinein.

Der Beißreflex hat seine Ursache also bei dir, nicht bei mir. Andere hätten nicht gebissen. Warum willst du zubeissen?

Das war eigentlich recht neutral von der Seitenlinie (vielleicht mit einem Fuß auf dem Spielfeld) gesagt, aber der allgemeinen Unterhaltung halber schaue ich mal, ob der Schuh mir passt.

Ich sehe da wie oben angerissen insgesamt starke Parallelen zur damaligen Killerspiel-Debatte. Der Grundgedanke ist der gleiche: "Böse Gedanken machen böse Taten (und in letzter Konsequenz böse Menschen)". Damit setzt man sich letztlich selbst unter Handlungsdruck - diesen schlimmen Zustand kann man ja nicht einfach so lassen. 


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Schaut man genauer hin, stellt man fest: Die behaupteten Effekte gibt es jedenfalls bei Weitem nicht in der angedachten Form und dem angedachten Ausmaß.
Es ist immer die Frage, wer unter welchen Bedingungen was spielt - bewusster Umgang ist das Zauberwort und selbst da, wo man von außen vielleicht Bedenken hat, zeigt die Praxis, dass es stets weniger schlimm ist wie befürchtet.

Für die Videospiele mag der Verlauf damals noch insofern nachvollziehbar gewesen sein, weil ein vergleichsweise neues Medium auf eine breitere Öffentlichkeit traf.

Jetzt sind P&P-Rollenspiele aber a) ein wesentlich älteres Medium und die viel schwächere Form dieser Debatte gab es im Prinzip fast nur in den USA 20 Jahre vor der hiesigen Killerspieldebatte und b) kommt die Kritik aus den eigenen Reihen statt von außen.

Und an der Stelle frage ich mich: Wo kommt das heute überhaupt her?
Haben ich und mein Bekanntenkreis wirklich so großes Glück gehabt, dass wir von diesen Themen nie so betroffen waren, wie es neuerdings anklingt?
Ist das für irgendwen nicht selbstverständlich, dass man reagiert, wenn jemand am Tisch mit irgendeinem Inhalt ein Problem hat und das anspricht?

Da ist es doch klar, dass es erstmal befremdlich ist, wenn jemand auf so Offensichtliches hinweist und dabei den Eindruck erweckt, er hätte da wunders die neue Erkenntnis gehabt.

Allgemein ist es meine Wahrnehmung, dass über immer kleinere Probleme immer lauter diskutiert wird (was einerseits der Medienlandschaft geschuldet ist, wo man anders kaum noch wahrgenommen wird und andererseits eben genau daran liegt, dass es kleine Probleme sind - da tut sich natürlich in normaler Lautstärke nichts).

Man vergleiche mal die schon nicht mehr ganz aktuelle Feinstaubthematik mit den Umweltproblemen im dritten und letzten Viertel des 20. Jahrhunderts z.B. im Ruhrgebiet oder beim Thema Rhein. Da hat man sich ja schon gefragt, warum man nicht jeden Tag auf dem Weg zur Straßenbahn über totgefeinstaubte Mitbürger steigen muss.
Und das ist auch schon wieder abgelöst von der nächsten Sau, die durchs Dorf getrieben wird - an sich schon ärgerlich genug, aber noch schlimmer, wenn man darüber die echten Probleme vergisst (da schließt sich dann auch wieder der Kreis zum P&P: das Hobby hat die eine oder andere echte Baustelle, aber dort wird recht unaufgeregt vor sich hin gewerkelt).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Faras Damion am 21.11.2019 | 22:33
(...) Und an der Stelle frage ich mich: Wo kommt das heute überhaupt her?
Haben ich und mein Bekanntenkreis wirklich so großes Glück gehabt, dass wir von diesen Themen nie so betroffen waren, wie es neuerdings anklingt? (...)

Vielleicht redet man mit dir einfach nicht über solche Dinge? Rechne mal aus, wie viele Leute mit den genannten Problemen es theoretisch in deinem Umfeld geben wird und wieviel sich offenbart haben.

Sprich doch einfach mal neugierig und aufgeschlossen direkt an. :)



 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 21.11.2019 | 23:36
Also ...

Rumpel macht nen witzigen Kommentar zu einem Bild mit Rollenspielen (Conan und Feminism).
Ich mache meinerseits einen ironisch gemeinten dazu (zum Verhältnis Conan-Belit).
Man hätte über beides lachen oder zumindest schmunzeln können (habe ich bei Rumpels getan).
Oder auch nicht - ist ja auch egal.

Oder man kann natürlich auch mal wieder eine ausufernde Grundsatzdiskussion über die Übel der Welt und den Beitrag/ Nicht-Beitrag des Rollenspiels an und für sich dazu führen - mit dem üblichem Ende (keinem).

 ::)

Irgendwie nehmen hier recht viele Leute das Hobby an der falschen Stelle viel zu ernst, scheint mir.

Aber man kann ja auch aus dem Kauf eines Kaffees im Pappbecher eine grundsätzliche Gesellschafts- und Klimafrage machen und bei dieser Gelegenheit auch die neokoloniale Ausbeutung der Kaffenbauern im Trikont im Rahmen des globalisierten Kapitalismus erörtern.

Oder auf Rollenspielniveau:
Ist es politisch überhaupt zu verantworten in China gedruckte Rollenspiel zu kaufen und zu bespielen oder unterstützt man damit nicht die Politik der KPCh zur Unterdrückung Tibets und der Minderheit der Uighuren?
Und was sagt der Dalai Lama dazu?

Viel Spaß dabei DAS zu diskutieren. Ich bin spielen.

Und wenn ihr mal wieder ein Problem braucht - ich erfinde euch eins!  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: fivebucks am 21.11.2019 | 23:50
Neben verschiedenen Rollenspielen wobei man irgendwelche Horrorfiguren spielt fand ich vor allem eines vom Setting her bedenklich: Exalted.

Kastenwesen, Militarismus sowie der Übermensch der sich seinen ihm zu stehenden Platz als Herrscher erkämpft.

Das alles sind Konzepte wo ich nach etwas nachdenken dachte: Faschistoid!

Es gibt im Werk auch keinen Disclaimer wie es ihn in den meisten anderen Büchern des Verlages gibt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Ludovico am 22.11.2019 | 07:07
Zum Topic:
Man sollte immer spielen, worauf man Lust hat und woran man Spass hat.
Politische Korrektheit ist lediglich ein Kriterium unter vielen, welches die Gruppe bei der Auswahl des Spiels berücksichtigen muss.

Generell würde ich sagen, dass Spiele keinen Spass machen, die gegen die eigenen Wertvorstellungen und Ideale grob verstossen. Ich werde nie In Nomine anfassen und auch nie ein Spiel, bei dem die Charaktere pädophile Neigungen raushängen lassen - weil diese Spiele gegen meine Wertvorstellungen verstossen.

Wichtig ist immer, die Erwartungshaltung der Spieler anzugleichen durch Information, so wie es der HEXer bei der Space-Runde tat.

Deshalb stimme ich Chiarinas Beitrag unumwunden zu.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Hotzenplot am 22.11.2019 | 08:00
Rumpel macht nen witzigen Kommentar zu einem Bild mit Rollenspielen (Conan und Feminism).
Ich mache meinerseits einen ironisch gemeinten dazu (zum Verhältnis Conan-Belit).
Man hätte über beides lachen oder zumindest schmunzeln können (habe ich bei Rumpels getan).
Oder auch nicht - ist ja auch egal.

Oder man kann natürlich auch mal wieder eine ausufernde Grundsatzdiskussion über die Übel der Welt und den Beitrag/ Nicht-Beitrag des Rollenspiels an und für sich dazu führen - mit dem üblichem Ende (keinem).
Oder eben beides - man kann lachen und dann ernsthaft darüber reden, warum nicht?

Ich bekenne mich schuldig. Natürlich war die Zusammenstellung der Sphärenmeister-Lieferung für´s Foto auf humorvolle Art und Weise provokativ.
Es ist meiner Meinung nach absolut legitim, wenn jemand dann weiter darüber reden will und einen Thread aufmacht. Ohne Scheiß, wozu ist ein Forum da? ;)
Und bisher empfinde ich die Diskussion hier auch sehr positiv und entspannt.

Aber du darfst gerne trotzdem ein neues Problemchen erfinden und einen Thread aufmachen. Ich mach mit  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 22.11.2019 | 08:02
Gegen etwas zu wettern macht m.M.n. wenig Sinn. Positive Beispiele zu geben dagegen schon, wenn sich man / frau bewusst macht (machen kann), um was es einem inhaltlich geht. Mahnen und Verbieten bringt wenig.

Apropos Wetter. Hochs hatten einst nur männliche Vornamen.
Ich glaube, dass sich nie ein Mann darüber beklagt hätte, wenn männliche Vornamen ausschliesslich für Tiefs benutzt worden wären. Hätte sich unter diesen Voraussetzungen irgendjemand für Emanzipation eingesetzt?
Jetzt haben Hochs und Tiefs männliche wie weibliche Vornamen, und kein Meteorologe kann sie mehr anhand des Vornamens unterscheiden. Ist das jetzt ein Fortschritt?

Was will ich damit zum Ausdruck bringen?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 22.11.2019 | 08:17
ich habe lange überlegt, was ich dazu sagen soll...ich mache es kurz: ja, man darf und soll so politisch unkorrekt spielen wie man will. Alle weiteren Kommentare von mir zum Thema "Politisch korrekt" würden nur in die tiefste SC führen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 22.11.2019 | 08:25
Ich will wie immer weder den Relativismus noch der moralischen Gleichschaltung das Wort reden. Ich will auch die allgemeine Debatte nicht führen, sondern mich nur auf "... Speziell beim Rollenspiel" beschränken.

Rollenspiel ist sicher ein interessantes Mittel, um kritische Themen zu untersuchen (wenn auch nicht das handhabbarste: ein gutes Buch oder Gespräch kann effizienter sein). Aber die manchmal mitschwingende Forderung danach löst zurecht Reflexe aus (solange man bloß rethorisch zubeißt...). Diese Reflexe muss man sich bewusst machen und hinterfragen,klar. Heißt vorher nicht das man falsch liegt. Wenn Hansi Dumpfkopf sagt, dass der Himmel blau ist, wird der nicht aus Prinzip grün.

Also, die Frage ist, soll man noch z.b. Diskriminierung als implizites Element in einem Rollenspiel stehen lassen? Die Debatte um Killerspiele zeigt schon, wo ein Streitpunkt liegt: was macht das Spiel mit den Spielern? Meist wenig. Aber was machen die Spieler mit den Spielern?
Wenn ich für mich ein Spiel aufsetze oder ein Buch schreibe oder whatever, ist das, wenn ich mir keine besondere Mühe gebe, im Schnitt so "gut" oder "schlecht" wie ich, also mit den Sichtweise des Autors vorbelastet. Solange ich das selbst rezipiere, macht das also nur ganz wenig schlimmer. Das sind jetzt keine Fakten, sondern halbwegs vernünftige Herleitungen, keine Frage.
Bei einer Runde von Rollenspielern kommt aber etwas dazu, was mit Gruppen von Menschen viel und mit Rollenspiel eher wenig zu tun hat. Gruppen bestärken sich, spornen sich an, konkurrieren um Status, bilden manchmal Kulte.
Wo führt das hin? Wenn eine relativ homogene Runde etwas spielt, dann kann das den Sexismus oder Chauvinismus in den Köpfen der Spieler widerspiegeln, ohne dass diese sich bewusst damit beschäftigen. Bodenständige Travia-Priesterinnen halten das Fort, Männer ziehen in den Krieg und besetzen alle Ämter, keiner steht auf das gleiche Geschlecht. Nichts davon würde sich so explizit in einem Spielbericht finden, richtig? D.h. ob sie jetzt spielen oder nicht, oder beim Fußball quatschen, macht keinen großen Unterschied.
Einen großen Unterschied macht es aber, wenn man gemeinsam gesellschaftliche Tabubrüche zelebriert und sich dafür feiert. Wie im Videospiel: beim Werfen einer Bombe "für Allah" per Skript posten, dann bekommt eine Spielfigur die Gesichtstextur eines der Spieler, nur zum Spaß, dann von einer Klassenkameradin, dann von der Sprecherin der Synagoge um die Ecke....*
Wo führt es hin?

Das lässt leider nur spekulative und subjektive Einzelbewertungen zu und ist verständlicherweise unbefriedigend, wenn man gesamtgesellschaftliche Güter in Gefahr sieht. Es ist möglich, dass ich hier im historischen Rückblick auf der falschen Seite gestanden haben werde. "Offensichtlich richtig" existiert viel häufiger in der Kognition des Beurteilenden als in der Sache.

*btw dabei habe ich dabei niemanden vor Augen, der den religiösen Hintergrund für die Äußerung mitbringt. Die ironische Brechung gehört meines Erachtens zu den aktuellen Standards der Radikalisierung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 22.11.2019 | 08:31
Politisch unkorrekte Themen im Rollenspiel zu behandeln bedeutet doch noch lange nicht, auch im RL ein solches Mindset mit sich herumzutragen. Im Gegenteil sogar! Umso reflektierter und bewusster ich solche Themen platziere, desto intensiver kann ich mich damit auseinandersetzen. Und zwar in einem Setting, bzw. in einer Gesellschaft, mit der ich das auch gern kritisch und/oder auch spaßig machen kann. Mich bringt es weiter, mit Klischees, Chauvinismus und uncorrectness zu hantieren.
Den Zirkelschluss, dass mich das abstumpfen könnte, bzw. meine realen Denkstrukturen in dieser Richtung zu festigen halte ich für ausgemachten Unfug. Entschuldige, Huhn, dass ich das mal so salopp ausdrücke. Du weißt, dass ich Dich sehr schätze. Aber hier muss/will ich Dir vehement widersprechen.
Rollenspiel ist doch genau DAS beste Medium überhaupt, solche Themen zu behandeln und durchzuspielen. Sich in solche Rollen zu versetzen und auch konträre Rollen zum RL-Selbst einzunehmen. Das ist etwas, was für mich einen Teil des Spiels ausmacht. Mal ein Arschloch spielen. Einen Kannibalen. Einen Ork. Einen Mörder. Einen Schwarzmagier. Das tue ich als SL übrigens stetig - und es hat mitnichten abgefärbt. Und als Spieler liegen mir viele solcher Rollen nicht, aber einen chauvinistischen Barbaren? Was in Dreigottesnamen soll denn daran bitte falsch sein?
Und das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass man das tun soll oder muss oder dass das besser ist. Es ist schlicht okay, politisch unkorrekt zu spielen. Genauso okay, wie nicht politisch unkorrekt zu spielen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Grey am 22.11.2019 | 08:39
I second Luxferre. 100%.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 22.11.2019 | 08:44
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Warte, hast du auf mich oder wen anders geantwortet?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Hotzenplot am 22.11.2019 | 09:04
Ich denke, man darf das Ganze auch etwas differenzierter sehen. Es gibt viele Grauzonen zwischen dem Schwarz und Weiß (nein, damit sind keine Hautfarben gemeint ;)).

Wenn alle empathisch und sensibel miteinander umgehen, ist glaube ich schon ziemlich viel gewonnen. Ich selbst bin rollenspielerisch und auch sonst mal ganz gerne der hinterletzte Assi und in aller Regel denke ich nicht viel drüber nach, wenn ich "einen raushaue". Dennoch kann man sich ja auch zwischendurch mal besinnen und reflektieren. Es ist also meiner Meinung nach beides möglich und zwar innerhalb von einer Person: Politisch korrekt und politisch unkorrekt sein.
Roll Inclusive hat mir in der Hinsicht etwas geholfen, mir bei einigen Themen etwas bewusster zu werden, was im Hintergrund und Unterbewusstsein eigentlich passiert. Am stärksten habe ich für mich die Artikel zu Rassismus, Feminismus und "Rollenspiel ist politisch!" mitgenommen. Hausaufgaben für´s Unterbewusstsein sozusagen. Dennoch kann ich auch gerne mal darauf scheißen und wieder der Assi sein - das funktioniert allerdings gut in einer gewissermaßen gesicherten Umgebung mit der Toleranz zu so einem Verhalten.
Nochmal empfehle ich für diese Diskussion auch Vermis Blogbeitrag, der die Settingfrage nämlich ganz ähnlich stellt (Muss der Ork jetzt weg?). https://dangerzone.rsp-blogs.de/muss-der-ork-weg/

Anekdotisch: Ich habe kürzlich mit einem Kumpel und Tanelorni (Luxferre) telefoniert, der sich im Laufe des Gesprächs für meine Erfahrungen mit Rassismus interessiert hat. Wir haben da zwanglos (und vermutlich ganz und gar unwissenschaftlich) drüber gequatscht. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass uns das beiden irgendwie geholfen hat, mit dem Thema umzugehen. Reflektion und so. Mit dem selben Typen spiele ich nun in einer Runde, in der wir vermutlich auf politische Korrektheit in Bezug auf Rassismus scheißen. Es ist also nicht immer "der eine, der so einfühlsam und sensibel ist" und der andere "der Beißreflexe hat und unsensibel ist".
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 09:05
Zitat
I second Luxferre. 100%.
Me too!

Ok, mal ein paar Beispiele, wie man das im Rollenspiel behandeln könnte:
Die Helden:
Sollen Figuren aus einer schwierigen Situation erlösen:
Z.B. jmd. von seiner Leibeigenschaft befreien oder
 vor einer gegen den Willen arrangierten Ehe retten,
oder generell gesellschaftlich benachteiligten NSC zu einem besseren Leben verhelfen.

Die SC sollen ja idR. die Helden sein, die Guten.- Und sie sollen dort wo Unrecht und Leid ist, dafür sorgen, dass es aufhört.
Als SL hat man dann die Aufgabe, dieses Leid beziehungsweise diese Ungerechtigkeit darzustellen.
Die Spieler sollen ja schließlich mit den Armen und Unterdrückten mitfühlen.
Folglich stellt man beide dar- Die Unterdrücker, die sich im Recht fühlen andere so zu behandeln (Oder zumindest nicht im Unrecht).- Weil sie eben gesellschaftlich  was "Besseres" sind. (Besonders mächtig, adlig reich whatever). Aber ebenso die Opfer, die aus ihrer Rolle gesellschaftsbedingt schwer rauskommen.

Ich würde mir ja wünschen, dass das alles nur rein historische Themen sind, die es heute gar nicht mehr gibt.
Aber da wünsche ich vermutlich vergeblich.

Edit. Klar könnte ich mir auch Welten bauen, in denen es solche Konflikte nicht oder nicht mehr gibt.
Da die Welten ohnehin utopisch sind, wäre das kein Problem. Und es besteht bei einem Freizeit Spiel  auch keinerlei Zwang sich damit auseinander zu setzen.
Wenn man es aber doch tut, bedeutet das nicht automatisch, dass man gerne der Vergangenheit fröhnt, weil da ja alles besser war.
Eben das ist, aus meiner Sicht, auch ein Trugschluss.
Die Pseudo Historie , schafft uU. eben auch genug Abstand um auch heute leider noch aktuelle Themen zu behandeln.
Der Abstand entsteht durch :
A. Die Zeit/Welt.(Nicht heute/nicht hier)
B. Das Medium (Spiel)

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: bobibob bobsen am 22.11.2019 | 09:13
Zitat
Ok, mal ein paar Beispiele, wie man das im Rollenspiel behandeln könnte:
Die Helden:
Sollen Figuren aus einer schwierigen Situation erlösen:
Z.B. jmd. von seiner Leibeigenschaft befreien oder
 vor einer gegen den Willen arrangierten Ehe retten,
oder generell gesellschaftlich benachteiligten NSC zu einem besseren Leben verhelfen.

Ich hatte das so aufgefaßt das man sich gerade nicht gegen das Setting stellt. Deine Beispiele kann man natürlich auch bespielen steht dann aber schnall außerhalb der Gesellschaft.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 22.11.2019 | 09:16
Mit dem selben Typen spiele ich nun in einer Runde, in der wir vermutlich auf politische Korrektheit in Bezug auf Rassismus scheißen.

Ulrik, der blonde, blauäugige, von Wut getriebene Vollblutarier? Ach komm, der ist harmlos ...  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 09:23
Ich hatte das so aufgefaßt das man sich gerade nicht gegen das Setting stellt. Deine Beispiele kann man natürlich auch bespielen steht dann aber schnall außerhalb der Gesellschaft.
Klar.
Oder man muss innerhalb dieser veralteten Gesellschaft Wege finden, den Benachteiligten doch irgendwie legal weiterzuhelfen.
Zum Beispiel- den Peiniger unter Druck setzen, die gepeinigte Person freizugeben.
Die nötigen Druckmittel dafür finden. Oder eben andere Dinge  finden, denen er sich schuldig gemacht hat.
Beispiel: Wie jmd. seine Leibeigenen behandelt, wird den Staat  zu einer gewissen (pseudo-historischen)Zeit vielleicht nicht interessieren.
Aber ob er in illegal Geschäfte verwickelt ist, schon.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 22.11.2019 | 09:29
Ulrik, der blonde, blauäugige, von Wut getriebene Vollblutarier? Ach komm, der ist harmlos ...  >;D

Und außerdem Transgender...  8]
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Grey am 22.11.2019 | 09:31
Ich hatte das so aufgefaßt das man sich gerade nicht gegen das Setting stellt. Deine Beispiele kann man natürlich auch bespielen steht dann aber schnall außerhalb der Gesellschaft.
@bobibob: Was genau ist für dich Bestandteil des Settings? Beschränkt es sich auf Aspekte des Weltenbaus (Epoche, Ort, Kultur) oder beinhaltet es für dich auch eine Festlegung, wer im Sinne des Spiels "die Guten" sind?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rorschachhamster am 22.11.2019 | 09:32
Ulrik, der blonde, blauäugige, von Wut getriebene Vollblutarier? Ach komm, der ist harmlos ...  >;D
Ich muß immer kichern, weil als echter Arier (Sprich Iraner/Perser) wäre er ja voll der Mutant mit blauen Augen und blonden Haaren...   ~;D

Aber ja, ich gebe dem vollkommen recht. Man spielt ja eh schon tendenziell eher Charaktere, die in modernen Augen ziemlich sicher in die Klapse gehören - und wenn es nur deswegen ist, das sie überhaupt "auf Abenteuer ausziehen".  wtf?
Meine jetzige Kampagne basiert zu jeweils einem Drittel auf griechischer Antike, nordischem Mittelalter und D&D-Klischees. Wenn da einige Themen nicht angesprochen würden, wie Sklaverei z.B., wäre das schon ziemlich respektlos bis zur Unkenntlichkeit verzerrend gegenüber den Inspirationen. Trotzdem habe ich InGame-Gründe gefunden, warum Frauen z.B. relativ gleichberechtigt sind (Wenn auch nicht völlig frei von Rollenklischees) - Es kommt halt auch stark davon ab wie man ein Thema angeht.  :D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 22.11.2019 | 09:58
Thrud The Barbarian ist ein Begriff, oder? Games Workshop Cartoon? 1980er?

Er. Muskelbepackt und riesengross wie ein Baum. Mit winzigem, behelmtem Kopf und einer abartig fetten Doppelaxt, so massiv wie ein Anker der Queen Mary.
Sie. Langhaarig wie langbeinig. Und so leicht bekleidet wie leich bewaffnet.

Und sie zeigt ihm wie man richtig kämpft und haut ihren sabbernden Gegnern, die nur auf ihre XXXXXX [weibliche Attribute; Anm. der Red.] glotzen, eins, zwei, drei... die Rüben runter.

Das IST gewalttätig, chavinistisch und sexistisch.

Das ist Rollenspiel.

Aber vor allem ist es auch ein Spiel mit der Rolle an sich in diesem Cartoon.
Die Kriegerin weiss verdammt gut, wie sie ihre Gegner zur Strecke bringt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 10:00
Zitat
Trotzdem habe ich InGame-Gründe gefunden, warum Frauen z.B. relativ gleichberechtigt sind (Wenn auch nicht völlig frei von Rollenklischees) - Es kommt halt auch stark davon ab wie man ein Thema angeht. 
Ich wäre mit  SC als benachteiligte Personen auch vorsichtig.
Da bieten sich mMn. eher Rollen an, die etwas außerhalb der Gesellschaft stehen oder genug Freiheiten genießen, um sich ungestört darin zu bewegen und zu aggieren.
Wenn ein Spieler/Spielerin  das von sich aus anders haben will.(Figur in schlechter Position) - Dann sollte man als SL trotzdem genug Fingerspitzengefühl haben, um das nicht zu übertreiben.
Lieber zuviel in Watte gepackt als zu wenig.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 22.11.2019 | 10:01
Generell fängt das Problem mit Ismen und ähnlichem im Setting für mich da an, wo der Settingerfinder sie mit "objektiven Settingfakten" unterfüttert. "Ja, in meiner Welt bleiben die Frauen am Herd, weil sie tatsächlich nichts anderes können." "Ja, in meiner Welt sind die Schwarzen grün-weiß Gepunkteten wirklich allesamt wilde Kannibalen, denen man die Zivilisation mit Feuer und Schwert einprügeln muß." Das sind natürlich etwas übertriebene Beispiele und speziell Spruch Nr. 1 wird man wohl schlimmstenfalls in abgeschwächter Form finden (bei Nr. 2 mag das anders aussehen)...aber an dem Punkt wird's für mich allmählich schwierig, noch zwischen "ist ja nur zur Unterhaltung" einer- und "fühlt sich schon verdammt nach Propaganda an" andererseits zu trennen. Das ist vermutlich auch mit der Grund, aus dem ich mich mit Settings, die ihre Bewohner in "objektiv Gute" und "objektiv Böse" einteilen, eher nicht so anfreunden kann.

Daß andererseits die Leutchen im Setting immer noch ihre eigenen Vorurteile haben und auf deren Basis beliebig ungerecht und häßlich zueinander sein können -- geschenkt. Wie oft und stark man das in sein eigenes Spiel einbringen will, ist Gruppensache (ich kann mir durchaus Spieler und/oder SL denken, die sich nicht auch noch im Spiel damit beschäftigen wollen), aber grundsätzlich ist das, egal, wie man selber dazu steht, erst mal einfach nur "typisch menschlich" und bietet auf Wunsch natürlich auch schnell Konflikt- und Abenteuermaterial.

Und inwieweit es jetzt "politisch korrekt" sein mag, wenn jemand beispielsweise (und rein aus den Fingern gesogen) in einer Dreißiger-Jahre-Cthulhu-Kampagne unbedingt einen überzeugten Nazi spielen will, der die "großen Alten" mit ihren unaussprechlichen Namen zumindest anfangs allesamt nur für Tarnidentitäten von Anführern der jüdischen Weltverschwörung hält...ebenfalls geschenkt. Grundsätzlich könnte das allemal ein interessantes Charakterkonzept sein, das auch in die Zeit passen würde, aber wenn sich andere Spieler daran stoßen und so jemanden lieber nicht in derselben Gruppe wie ihre eigenen Charaktere haben wollen, ist das andererseits mMn auch nachvollziehbar. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 22.11.2019 | 10:07
Trotzdem habe ich InGame-Gründe gefunden, warum Frauen z.B. relativ gleichberechtigt sind (Wenn auch nicht völlig frei von Rollenklischees)

Und Settings sind ja auch groß genug, sodass Frauen in der einen Kultur gleichberechtigt sind, in einer weiteren Kultur ein unterdrückendes Matriarchat herrscht und wieder andernorts ein patriarchalischer Chauvinismus an der Tagesordnung ist.
Diese eindimensionale Schwarz(weiß?)malerei ist doch irgendwie an der Realität der Rollenspielsettings vorbei, oder?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 22.11.2019 | 10:07
Und außerdem Transgender...  8]

Psst ... das dürfen seine/ihre Eltern doch nicht wissen  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 22.11.2019 | 10:18
Ich möchte meine Aussage von Seite 1 bekräftigen und erweitern . Was sollen die SC da ? Also in einem Setting das Politisch Korrekt ist . Wenn die Welt schon so Sicher und Zivilisiert ist und alle Großen Problem wie Monster oder Schlechte Herrscher halt weg sind so das die Leute überhaupt auf die Idee kommen Politische Korrektheit zum Thema zu machen  und sie Sogar flächendeckend ein zu Führen  dann BRAUCHEN sie die SC nicht . Diese Welt Braucht keine Helden/Abenteurer mehr und würde ihnen auch Kaum Arbeit Bieten. Mal davon Abgesehen das ein Schwertschwinger der Selbstjustiz Übte wohl einfach verhaftet würde.  Und aus mit der Helden Reise. Wenn eine Welt nicht mehr Düster genug ist damit die NSC keine Größeren Problem haben als zb Poltische Korrekte Sprache ist sie Nicht mehr Düster genug zum Bespielen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 22.11.2019 | 10:23
Ich wäre mit  SC als benachteiligte Personen auch vorsichtig.

Aber ist das nicht gerade besonders fragwürdig, weil es vermittelt "solange es den anderen passiert, ist es nicht so wild"?

Soll keine Bewertung sein, sondern eine Frage, die ich zur Diskussion stelle.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Holycleric5 am 22.11.2019 | 10:38
Zum Topic:
Man sollte immer spielen, worauf man Lust hat und woran man Spass hat.
Politische Korrektheit ist lediglich ein Kriterium unter vielen, welches die Gruppe bei der Auswahl des Spiels berücksichtigen muss.

Generell würde ich sagen, dass Spiele keinen Spass machen, die gegen die eigenen Wertvorstellungen und Ideale grob verstossen.

Mir geht es ähnlich.

Insgesamt spiele ich (vielleicht auch deshalb) eher lieber Fantasy-Settings, weil es da weniger Gefahr für mich gibt, dass diese Spiele gegen meine Wertvorstellungen verstoßen. Da ist die Gefahr weitaus weniger groß, dass man realweltliche Bezüge sofort zu Gesicht bekommt.

Besonders Lorakis (Splittermond) macht diese Sache meiner Meinung nach sehr gut. Dort hat man sich bei den Ländern zwar immer an gewissen Stilen orientiert (z.B. Nyrdfing = Altes England, Badashan = Altes Indien usw.) aber oft vermischen sich auch mehrere Stile miteinander (vermutlich selbst in den zwei von mir genannten Beispielen). Und teilweise bricht man auch mit Klischees, so sind die Zwingarder "Germanen am Mittelmeer" mit deutlich wärmerem Klima, trotzdem hat man mit den dort ebenfalls verehrten Valkyrji eine sanfte Anspielung auf die nordischen Walküren, während die lorakische Göttin Hekaria ein wenig an die antike Magiegöttin Hekate angelehnt ist.

DSA hingegen spart nicht mit realweltlichen Anspielungen. Alleine schon der immer wieder propagierte "Fantastische Realismus" ist ein sehr frühes Warnzeiche gewesen, aber es ging (für mich) noch schlimmer:

Als ich z.B. erfahren habe, dass der NSC Phileasson Foggwulf nichts weiter als eine Anspielung auf den Romancharakter Phileas Fog ist und sich die ach so tolle Phileasson Saga als "In 80 Tagen um Aventurien" entpuppt hatte, büßte Aventurien einen großen Teil meines Respekts ein - nein, damals war es bei mir sogar komplett unten durch. Und selbst der Name der Welt "Dere" ist nichts weiter als eine Permutation des Worts "Erde".
Selbst heutzutage kann ich mich nicht für eine Kampagne, nicht einmal für einen Oneshot in Aventurien begeistern, allerdings liegt es eher an den Regionalbänden, die mich im Gegensatz zu den Lorakis-Regionalbänden ziemlich kaltgelassen haben, was Inspirationen für eigene Abenteuer angeht.

Als ich mir neulich (Ende Oktober) das Warhammer 40.000 Einsteigerset zu Wrath and Glory gekauft habe, hörte ich mir einige Tage später -nichts böses ahnend- einen Gamestar-Podcast zu Warhammer und Warhammer 40.000 an.
Dort fiel irgendwann die Aussage: "Die Kommissare der Imperialen Armee sind an die Nazis/Wehrmacht angelehnt, was man u.a. an ihren schwarzen Mänteln erkennen kann". (Aus dem Gedächtnis wiedergegeben).

In dieser Sekunde habe ich den Podcast abgebrochen und mit Warhammer 40k als System habe ich (Sowohl als Tabletop als auch als RPG) Schluss gemacht.
Auch Hellsing Ultimate habe ich damals abgebrochen, als die "Nazi-Untoten" aufgetaucht sind. (Das normale Hellsing hingegen habe ich mir zu Ende angesehen)
Aus demselben Grund werde ich Hollow Earth Expedition (Nazi-Bezüge) niemals anfassen.

Shadowrun spielt zwar einige Jahre in der Zukunft, schafft es aber, das Bekannte und das Fremde so zu vermischen, dass man vollkommen in die "andere" Welt eintauchen kann (Die ich mit Modern Age bespielen werde).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: LushWoods am 22.11.2019 | 10:42
Mit dem selben Typen spiele ich nun in einer Runde, in der wir vermutlich auf politische Korrektheit in Bezug auf Rassismus scheißen. Es ist also nicht immer "der eine, der so einfühlsam und sensibel ist" und der andere "der Beißreflexe hat und unsensibel ist".

Ich fühle mich angesprochen und verneige mich vor deiner Menschenkenntnis ...  :d ;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: bobibob bobsen am 22.11.2019 | 10:46
Zitat
Ich möchte meine Aussage von Seite 1 bekräftigen und erweitern . Was sollen die SC da ? Also in einem Setting das Politisch Korrekt ist . Wenn die Welt schon so Sicher und Zivilisiert ist und alle Großen Problem wie Monster oder Schlechte Herrscher halt weg sind so das die Leute überhaupt auf die Idee kommen Politische Korrektheit zum Thema zu machen  und sie Sogar flächendeckend ein zu Führen  dann BRAUCHEN sie die SC nicht . Diese Welt Braucht keine Helden/Abenteurer mehr und würde ihnen auch Kaum Arbeit Bieten. Mal davon Abgesehen das ein Schwertschwinger der Selbstjustiz Übte wohl einfach verhaftet würde.  Und aus mit der Helden Reise. Wenn eine Welt nicht mehr Düster genug ist damit die NSC keine Größeren Problem haben als zb Poltische Korrekte Sprache ist sie Nicht mehr Düster genug zum Bespielen.

Es gibt ja noch andere Arten zu spielen als mit dem Schwert in der Hand. Bei Investigativen Spielen tritt das dann halt in den Hintergrund. Warum sollte es weniger spannend sein einem Umweltskandal nachzujagen in dem hochrangige Politiker und wichtige Wirtschaftsbosse involviert sind. Hier können die SC dann auch der Tankwart von der Esso  und seinen Bruder den Bademeister aus dem Freibad spielen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 22.11.2019 | 11:06
Ich möchte meine Aussage von Seite 1 bekräftigen und erweitern . Was sollen die SC da ? Also in einem Setting das Politisch Korrekt ist .
Man kann beispielsweise den Kult der Tiamat Kultisten davon abhalten Tiamat, die olle Weltenverschlingerin, zu beschwören.
Dazu braucht man keine Diskriminierung, Folter, gelebte Rassen-Ideologie, verschiedene -Ismen oder muss Leuten verschiedene Begriffe an den Kopf werfen (egal ob verschiedene rassistische Bezeichnungen oder sowas wie "Krüppel").
Haben wir zumindest nicht gebraucht.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 22.11.2019 | 11:09
Was, die Kommissare mit den schwarzen Ledermänteln und den schwarzen Lederkappen, die immer gegen die Übel des hakennasigen Ketzers hetzen, sind von Nazis inspiriert? Ich bin schockiert, Sir, schockiert, sage ich!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 22.11.2019 | 11:19
Ansonsten darf man Settings spielen wie man mag.
Man darf sich dann, je nachdem, halt auch geben das Mitspieler*innen die Settinginterpretation totale Scheiße finden und nach der Regel "Spiel nicht mit Arschlöchern" dem ganzen fern bleiben.

Das kann auf Situationen zu treffen wo eine Machtphantasie (Barbar) mit einem Belohnungs-Objekt (Willige, ans Bein des Barbaren geklemmte, Frau) gleichgesetzt wird und so getan als wäre das absolut das gleiche.

Praktisch gesehen stellen sich mir die Nackenhaare rauf, und ich werde Mit-Spiel-unwillig wenn man mir erklärt das es keine relevanten Frauen in der Mafia gibt (außer Gun Molls als Zubehör eines Mafiosi oder Schneeflocke). Nur weil man es irgendwie geschafft hat "Die Pate" Triologie als Hinweis zu sehen das es in der Mafia keine Frauen gibt, vielleicht noch "Breaking Bad" dazu nimmt und bereits "Weeds" als Angriff sieht weil zu viele mafiöse Frauen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Hellcat am 22.11.2019 | 11:32
Das Wichtigste dazu ist doch schon gesagt worden: Nein, es braucht kein politisch korrektes Setting, es braucht einen verantwortungsvollen Umgang mit den Settings, die es nicht sind. Denn wenn man mal ehrlich ist - in jedem der etablierten Settings wird man auf etwas stoßen, was nicht politisch korrekt ist. Trotzdem (oder vielleicht sogar genau deswegen) erfreuen sich diese Settings großer Beliebtheit. Wer möchte denn bitte ein Warhammer40k-Universum, in dem das Imperium ein zweites Tau-Reich ist? Oder Vergessene Reiche, in denen die Orks knuddelnd und Blümchen verteiled durch die Silver Marches ziehen?

Ich hab vollstes Verständnis dafür, wenn jemand ein solches Setting ablehnt und sagt, man möchte es nicht spielen. Wo aber mein persönliches Verständnis aufhört ist bei einem "Du DARFST (im Sinne von SOLLST) es nicht spielen, weil es nicht politisch korrekt ist". Davon unbenommen ist natürlich die Möglichkeit mit Spielern ins Gespräch zu gehen, die eben keinen verantwortungsvollen Umgang mit den entsprechenden Settings zeigen. Wenn ein Mitspieler so etwas in der Richtung sagen würde wie "wäre das nicht geil, wenn wir sowas wie die Kommissare aus 40k in Deutschland hätten" würden sich mir jedenfalls die Nackenhaare aufstellen und die Person hätte ein ernstes Gespräch mit mir gewonnen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 14:48
Aber ist das nicht gerade besonders fragwürdig, weil es vermittelt "solange es den anderen passiert, ist es nicht so wild"?

Soll keine Bewertung sein, sondern eine Frage, die ich zur Diskussion stelle.
Sorry war beschäftigt.
Muss was ich verpasst habe erst nachlesen.

Ich habe mir aber schon gedacht, dass dieser Einwurf kommt.
Deshalb kurz: 1. Ich würde es nicht gegen den Willen des Spielers bzw. der Spielerin machen.
Wenn der Wille da ist, geht das klar.
2. Das Leid von Stellvertretern (als NSC), sollte nicht die Folge haben, dass man abstumpft und sich denkt: "Na Hauptsache ich nicht. Und was geht mich das Leid anderer an?"
Sondern führt bei halbwegs empathischen Menschen eigentlich eher dazu:" Wenn ich an der Stelle wäre, würde es mir schlecht gehen. Ich helfe der Person, weil ich mich in sie hineinversetzen kann, weil ich Mitgefühl habe. Und weil ich helfen will."

Man muss Leid nicht zwangsläufig selbst erleben, um es zu fühlen.

Edit. Leider kommt es jedoch immer wieder zu Vermischungen wie- "Du spielst als SL oder Spieler Arschlöcher - also musst du selbst eins sein."
Das ist ebenfalls ein Trugschluss.
Es gibt Menschen die Rolle und Reallife nicht sauber trennen können. Und in dem Kontext finden leider manchmal Übertragungen bzw. Projektionen statt.
A la "wenn ich das nicht sauber trennen kann, dann schafft das Person X sicher auch nicht."
Man schließt dann schnell mal von sich auf andere, und  kann sich nicht vorstellen, dass jmd. anderes damit keine Probleme hat.
Folglich kommt es hier uU. zu Verurteilungen, die nicht nötig wären.

Eine Rolle ist eine Rolle. - Die muss rein gar nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun haben. Und kann sogar den eigenen Werten und Normen zu 180 Grad widersprechen.
Schauspieler, die Bösewichte spielen, sind ja nicht wirklich böse. Im nächsten Film sind sie vielleicht die Guten. oder die Zwielichtigen whatever.
Nicht jeder Spieler kann mEn. Rollen so einfach und problemlos anlegen und abstreifen, und seine Persönlichkeit dabei außenvor lassen.
Es sind auch  nicht alle professionelle Schauspieler.
Aber man sollte auch nicht glauben, dass das kein SL oder Spieler kann.
Ich halte das sogar für eine nicht unbedeutende Grundvoraussetzung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 15:39
Natürlich solltest du politisch unkorrekte Settings spielen, ist das doch - zumindest wenn man dem Gedanken folgt, dass auch im Kleinen der Rollenspielwelt sich die Zukunft der Menschheit entscheidet - ein wichtiger Widerstandsakt gegen gesellschaftliche Gleichschaltung und geistige Entmündigung.

Denn das was da als PC auftritt ist auch nichts anderes als die anderen Ansprüche auf diktatorische Alleinherrschaft über das Denken und Leben der Mitmenschen, basierend auf dem selbstgegebenen ideologiebasierten und nicht mehr zu hinterfragenden Hoheitsanspruch über die Definition von Gut und Böse, umgesetzt durch das Besetzen von einschlägig wirksamen Schlagworten und dann der folgenden eigenmächtigen kontinuierlichen Erweiterung der Definition und folgend des erst sozialen und dann meist auch aggressiveren Drucks zur Durchsetzung von allem, was auch immer einem gerade gefällt oder nicht gefällt und was dann passend als gotteslästerlich, entartet oder eben politisch unkorrekt in seinen Formen ex cathedra definiert wird.

Umgekehrt ist das aber kein Freibrief selbst ungehemmt Schindluder zu betreiben.
Wie zumindest die frühen Formen auch von Ideologien steckt da üblicherweise eine Wahrheit oder ein berechtigter Hinweis auf einen Missstand drin, welchen einfach abzubügeln umgekehrt auch weder förderlich noch angemessen ist.

Aber nach Überwindung der dogmatischen PC-Setzung und damit des letztlich Denk-/Diskussionsverbots besteht dann ja wieder die Möglichkeit sich sachlich mit einer Sache auseinander zu setzen und Lösungen oder zumindest eine Abwägung der Interessen vor zu nehmen, um im Guten miteinander auszukommen.
Letztlich schadet man sich doch in vielen Fällen dann doch auch selbst, wenn man unnötigt potentiell förderliche Mitspieler  ausschließt oder auch generell sonst diskussionsfähige Mitglieder der Szene vor den Kopf stößt.

Also verbleibt auch nach Ablehnung der politisch-korrekten Zwangsjacke die dringende Empfehlung zum eigenen Blick darauf, was und wen man da ggf. mit seinen Spielentscheidungen unnötig - weil für die Sache ohnd unangemessene Ebeinträchtigungen vermeidbar - oder unbedacht überfährt, aber auch wo man (dann rechtzeitig) feststellt, dass auf Grund von Elementen, die ein Teil der Kandidaten in dem konkreten Fall als für seinen Spielspaß dann doch relevant einstuft, einfach mit einem anderen Teil der Kandidaten und folglcih damit die gewünschten Spielerfahrungen einfach inkompatibel sind.

So eine offene und analytische wie auch nach Möglichkeit faire weil Belange aller Seiten berücksichtigenden Behandlung ist letztlich nur dann mögllich, wenn argumentativ und auf Augenhöhe agiert wird und nicht wenn eine Seite auf Paladin macht und angesichts seiner/ihrer/x auf göttlichen Weisheit beruhenden Erleuchtung bezgl. Gut und Böse nur Unterwerfung oder heiligen Zorn anbietet.

In Summe würde ich sagen: Scheiß auf PC, aber versuche umgekehrt zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit und ein Problembewußtsein zu den damit möglicherweise verbundenen Nebenwirkungen zu pflegen, auch wenn du dir immer noch nicht jeden Schuh dann auch anziehen musst. Auch du selbst hast ein Anrecht deine Vorstellung von Spielspaß - so du willige Mitspieler dafür findest - zu realisieren.





Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 15:50
Da hast du aber ganz tief in die Vokabel-Kiste einer bestimmten politisch-rhetorischen Stilrichtung gegriffen, Marzaan. Also ich finde das maximal unangenehm, was du da schreibst.

Verstehe ich dich richtig, dass du im Ernst die Ablehnung von Anstand und Rücksichtnahme (nichts anderes bedeutet "Political Correctness") als Akt der Rebellion verstanden wissen willst?

Das hat mit Mündigkeit nichts zu tun, sondern nur mit Ellenbogengesellschaft.

Wenn das nicht deine Intention ist, dann entschuldige ich mich natürlich. Aber wie gesagt, was du hier von dir gibst, das finde ich bestenfalls unbedacht oder oberflächlich.

@Thema: Ich bin tatsächlich positiv überrascht, wie viele differenzierte Stimmen man hier liest. Ich schließe mich den Überlegungen von Der Tod und D.Athair an. Ich bespiele auch "politisch unkorrekte Settings" (gibt es sowas überhaupt? Es ist ja niemals das Setting selbst politisch unkorrekt, sondern nur Teilaspekte davon), aber ich mache in diesen Fällen klar, dass alles auf den Tisch kommt, bevor wir einsteigen. Und ich mache, wie hoffentlich alle anderen am Spieltisch klar, dass wir uns mit den Inhalten und problematischen Settingaspekten nicht gemein machen. Wenn ich also z.B. "Bluebeard's Bride" spiele, dann sage ich im Vorfeld, dass es in diesem Spiel frauenfeindliche Inhalte geben wird und die SCs der Misogynie, der Unterdrückung und dem Sexismus des Settings voll ausgesetzt sein werden – daraus ergibt sich eben der Horror in diesem Horror-Rollenspiel.

Außerdem gibt es noch Sicherheitsnetz-Mechanismen, wie etwa die X-Card oder Lines and Veils usw. die ich in entsprechenden Fällen auch zur Verfügung stelle.

Tatsächlich finde ich ein Argument in dieser Diskussion aber ermüdend: Das der historischen Korrektheit. Ich finde es immer irritierend, wenn Rollenspieler argumentieren, sie müssten sich in ihrer Fantasy-Welt ja sexistisch und rassistisch verhalten, sonst seien ihre SCs ja nicht authentisch, gleichzeitig aber vielen anderen Eigenheiten des Settings gepflegt auf historische Korrektheit pfeifen und ihre Charaktere atheistisch, obrigkeitsfeindlich, demokratisch, eurozentristisch (obwohl der SC einem anderen Kulturkreis angehört) etc. spielen. Oder mehr noch, die Komplexität menschlicher Einstellungen und Moralvorstellungen in eine bestimmte Richtung lehnen lassen, obwohl es immer schon Abweichler, Grenzgänger und Reformer gegeben hat. In allen Epochen.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 22.11.2019 | 15:58
Maarzan, ich glaube, du hast keine Ahnung, was "politisch korrekt" bedeutet.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 22.11.2019 | 16:02
Maarzan, ich glaube, du hast keine Ahnung, was "politisch korrekt" bedeutet.
... weil dieser Begriff wie bereits erwähnt auch vergiftet und tendenziös ist und niemandem weiter hilft. :( Es gibt einen Grund, warum das Buch nicht "Roll politically correct" hieß. ;)
Aber ich stimme zu. Dieser Rant schien mir doch stark gegen Pappkameraden zu schießen, die es so gar nicht gibt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 22.11.2019 | 16:04
Maarzan, ich glaube, du hast keine Ahnung, was "politisch korrekt" bedeutet.

Aber du? Oder jemand anderes in diesem Thread? Der Begriff wurde schon so oft gebrochen, neu beschrieben und gedacht...

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 16:06
Also, ich denke diese Definition trifft es. Und so wird er hier IMHO auch primär verwendet: Politically Correct (https://www.merriam-webster.com/dictionary/politically%20correct).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 22.11.2019 | 16:07
Aber du? Oder jemand anderes in diesem Thread? Der Begriff wurde schon so oft gebrochen, neu beschrieben und gedacht...

Klar, habe ich, ich beschäftige mich hauptberuflich mit sowas.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 22.11.2019 | 16:10
Also, ich denke diese Definition trifft es. Und so wird er hier IMHO auch primär verwendet: Politically Correct (https://www.merriam-webster.com/dictionary/politically%20correct).

Der Wikipedia-Artikel (https://en.wikipedia.org/wiki/Political_correctness) zum Thema gibt einen brauchbaren Überblick über die historischen Wirrungen und Irrungen des Begriffs. Ohne jetzt in einen Definitions-Reigen auszubrechen, soll das einfach nur demonstrieren, dass dieser Begriff weniger eindeutig ist, als getan wird.

Grüße

Hasran

Edit:
@tartex

Ist als argumentum ad verecundia halt eben genau das...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 16:11
Da hast du aber ganz tief in die Vokabel-Kiste einer bestimmten politisch-rhetorischen Stilrichtung gegriffen, Marzaan. Also ich finde das maximal unangenehm, was du da schreibst.

Verstehe ich dich richtig, dass du im Ernst die Ablehnung von Anstand und Rücksichtnahme (nichts anderes bedeutet "Political Correctness") als Akt der Rebellion verstanden wissen willst.

Das hat mit Mündigkeit nichts zu tun, sondern nur mit Ellenbogengesellschaft.

Wenn das nicht deine Intention ist, dann entschuldige ich mich natürlich. Aber wie gesagt, was du hier von dir gibst, das finde ich bestenfalls unbedacht oder oberflächlich.


Anstand und Rücksichtnahme - das waren da vielleicht mal die unschuldigen Startvokabeln, nicht das, was folgend als politische Aktion dann unter diesem Schirm aufgezogen wurde.

Was meine Intention ist, hättest du ja erkennen können, wenn du den Beitrag komplett gelesen hättest.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 16:12
@
Maarzan

Wenn alle eine böse Gruppe spielen wollen, warum auch immer, kommt doch keine Rollenspiel Polizei vorbei.
Und es ging, glaube ich zumindest ,auch nicht darum jemand vorzuschreiben, wie er zu spielen hat.
Wenn ich sowas lese, und sei es nur versteckt als: "Ihr könnt ja ruhig so spielen...aber dann seid ihr halt für mich Arschlöcher" oder auch "Ihr könnt ruhig so spielen aber dann würde ich mich nie zu euch an den Tisch setzen." etc.
Dann stösst mir das auch unangenehm auf.
Denn alles vor dem aber kann man streichen.

Aber grundsätzlich hat ja jeder Mensch auch irgendwo eigene Werte. Eigene Grenzen. Und die zu achten ist mMn. wichtig.
Wenn da jmd. mit seiner Figur die Sau rauslässt, auf Kosten des Wohlbefindens anderer, dann ist das doof.
Hatte ich auch schon einzelne Spieler, mit denen ich deshalb  nicht spielen konnte.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: HEXer am 22.11.2019 | 16:16
... weil dieser Begriff wie bereits erwähnt auch vergiftet und tendenziös ist und niemandem weiter hilft. :( Es gibt einen Grund, warum das Buch nicht "Roll politically correct" hieß. ;)

Roll politically correctly...  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 16:18
@
Maarzan

Wenn alle eine böse Gruppe spielen wollen, warum auch immer, kommt doch keine Rollenspiel Polizei vorbei.
Und es ging, glaube ich zumindest ,auch nicht darum jemand vorzuschreiben, wie er zu spielen hat.
Wenn ich sowas lese, und sei es nur versteckt als: "Ihr könnt ja ruhig so spielen...aber dann seid ihr halt für mich Arschlöcher" oder auch "Ihr könnt ruhig so spielen aber dann würde ich mich nie zu euch an den Tisch setzen." etc.
Dann stösst mir das auch unangenehm auf.

Aber grundsätzlich hat ja jeder Mensch auch irgendwo eigene Werte. Eigene Grenzen. Und die zu achten ist mMn. wichtig.
Wenn da jmd. mit seiner Figur die Sau rauslässt, auf Kosten des Wohlbefindens anderer, dann ist das doof.
Hatte ich auch schon einzelne Spieler, mit denen ich deshalb  nicht spielen konnte.

Die selbsternannte Rollenspielpolizei kommt, sobald du (ggf. online) die schützenden eigenen 4 Wände verlässt - hierzulande vielleicht noch nicht so extrem, aber man kann ja schon mal in die USA schauen was so im Kommen ist.

Und zum persönlichen Umgang habe ich dann ja auch noch etwas geschrieben.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 16:23
Anstand und Rücksichtnahme - das waren da vielleicht mal die unschuldigen Startvokabeln, nicht das, was folgend als politische Aktion dann unter diesem Schirm aufgezogen wurde.
Politische Aktion? Angehörige marginalisierter Gruppen haben schon immer und vollkommen zu Recht eingefordert, dass man sie doch bitte nicht mit Schimpfworten bedenken soll und mit Respekt behandelt wie jeden anderen Mitmenschen auch. Anständig eben. Und das ist natürlich auch immer ein politisches Vorhaben, weil die natürlich auch eine bestimmte Resonanz brauchen, damit ihr Anliegen auch gehört wird. Wer gesellschaftlich marginalisiert ist, muss sich eben mithilfe von Aktionen seinen Resonanzraum schaffen. Und solange die die Menschenwürde von anderen nicht gefährden oder gegen Gesetze verstoßen ist doch alles okay.

Zitat
Was meine Intention ist, hättest du ja erkennen können, wenn du den Beitrag komplett gelesen hättest.
Das kann man danach aber auch nur schlecht. Ich meine, du kannst ja schlecht auf der einen Seite sagen "Ja! Spielt ohne PC! Damit zeigt ihr es den Typen, die euch die Zwangsjacke anziehen wollen!" und dann auf der anderen "aber bitte immer schön rücksichtsvoll sein, wo angebracht." Also das passt für mich nicht so recht zusammen.

Und nein: Jemandem sachlich widersprechen ist keine Einschränkung von dessen Meinungsfreiheit. Es ist im Gegenteil gerade ein Ausdruck von Meinungsfreiheit.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Doomguy am 22.11.2019 | 16:34
Also ich fände es ekelig einer Mitspielerin in einem Setting die Aktionen ihrer Spielfigur mit der Begründung, dass "sich das für Frauen in dem Setting nicht gehört" einzuschränken. Historische Korrektheit hin oder her, wir bewegen uns im Bereich der Phantasie und da sind Einschränkungen aller Art ein Verlust. Natürlich dürfen solche restriktiven Settings bespielt werden, aber dann bleibt es wohl meist bei kichernden Herrenrunden, die aus bestimmten Gründen Dampf ablassen müssen. Wenn man so ein Ventil braucht, dann bitte...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 16:35
Politische Aktion? Angehörige marginalisierter Gruppen haben schon immer und vollkommen zu Recht eingefordert, dass man sie doch bitte nicht mit Schimpfworten bedenken soll und mit Respekt behandelt wie jeden anderen Mitmenschen auch. Anständig eben. Und das ist natürlich auch immer ein politisches Vorhaben, weil die natürlich auch eine bestimmte Resonanz brauchen, damit ihr Anliegen auch gehört wird. Wer gesellschaftlich marginalisiert ist, muss sich eben mithilfe von Aktionen seinen Resonanzraum schaffen. Und solange die die Menschenwürde von anderen nicht gefährden oder gegen Gesetze verstoßen ist doch alles okay.
 Das kann man danach aber auch nur schlecht. Ich meine, du kannst ja schlecht auf der einen Seite sagen "Ja! Spielt ohne PC! Damit zeigt ihr es den Typen, die euch die Zwangsjacke anziehen wollen!" und dann auf der anderen "aber bitte immer schön rücksichtsvoll sein, wo angebracht." Also das passt für mich nicht so recht zusammen.

Und nein: Jemandem sachlich widersprechen ist keine Einschränkung von dessen Meinungsfreiheit. Es ist im Gegenteil gerade ein Ausdruck von Meinungsfreiheit.

Der Unterschied liegt darin, wie weit jemand "marginalisiert" und "Beleidigung" dann fasst und ob das dann noch je nach Fall  angezweifelt und diskutiert werden darf.

Rücksichtsnahme ist auf der Basis gegenseitigen Respekts zu agieren, PC ist den selbstgeschriebenen Opferjoker zu spielen und jegliche Zweifel an den eigenen Forderungen auf moralischer Ebene zu verdammen. 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 16:38
Und wo tut das hier irgendwer? Oder in einer konkreten Rollenspielsituation im Sinne des OP?

Zitat
Rücksichtsnahme ist auf der Basis gegenseitigen Respekts zu agieren, PC ist den selbstgeschriebenen Opferjoker zu spielen und jegliche Zweifel an den eigenen Forderungen auf moralischer Ebene zu verdammen.
Und daran werde ich mich erinnern, wenn sich das nächste Mal jemand als Opfer der bösen politischen Korrektheit aufspielt. So ein Opferjoker ist wirklich schnell geschrieben. Besonders, wenn man von "Denkverboten" bedroht ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 22.11.2019 | 16:39
Das gleitet Garde etwas zu sehr ins Realweltlicht e ab .
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Doomguy am 22.11.2019 | 16:48
Der Unterschied liegt darin, wie weit jemand "marginalisiert" und "Beleidigung" dann fasst und ob das dann noch je nach Fall  angezweifelt und diskutiert werden darf.

Rücksichtsnahme ist auf der Basis gegenseitigen Respekts zu agieren, PC ist den selbstgeschriebenen Opferjoker zu spielen und jegliche Zweifel an den eigenen Forderungen auf moralischer Ebene zu verdammen.

Das geht sehr in den Off Topic Bereich und ist nebenbei bemerkt auch noch falsch. Welches Werkzeug haben denn deiner Meinung nach Betroffene, wenn sie sich nicht auf Rücksichtnahme der Allgemeinheit verlassen können? PC ist der Versuch einer kollektiven Rücksichtnahme, kein von Betroffenen erfundene Opferjoker.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 16:49
Das gleitet Garde etwas zu sehr ins Realweltlicht e ab .

Das wundert mich aber nicht. "Politisch korrekt" kann man als Begriff gar nicht vom Realweltlichen trennen. Aber du hast auch Recht, das wird schon sehr OT.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 16:56
Und wo tut das hier irgendwer? Oder in einer konkreten Rollenspielsituation im Sinne des OP?

Was war das Startbeispiel noch einmal? -> Darf ich clicheehafte Barbaren spielen oder ist das sexistisch.

Oder auch angesprochen: Darf ich historische Hintergründe Realiätsnähe anstrebend bzw. die Cliches/Vorlagen dieses Zeitalters nutzend spielen?

Bezgl. Opferjoker:
Der entscheidende Unterschied ist doch, dass auf der einen Seite konkrete Übergriffe passieren wo Leute oder Spiele, welche nicht den eigenen Vorgaben entsprechen, angegriffen werden "So darf man nicht spielen" , dies aber global auf der völlig willkürlichen Eigendefinition von "marginalisiert" etc. basiert.

Die sachliche, anlassbezogene Diskussion eines Einzelfalls bleibt doch gerade aus und es wird aus der abstrakt moralischen Perspektive Umsetzung gefordert.

Und genau da sehe ich den Unterschied zwischen anständigem Verhalten, wo man als Mensch versucht mit seinem Gegenüber einen angemessenen Umgang zu finden und der politischen Aktion, welche sich anmaßt basierend auf eigenen ideologischen  Rollenzuweisungen solche Sachen ebenso global wie final zu handhaben.

Das geht sehr in den Off Topic Bereich und ist nebenbei bemerkt auch noch falsch. Welches Werkzeug haben denn deiner Meinung nach Betroffene, wenn sie sich nicht auf Rücksichtnahme der Allgemeinheit verlassen können? PC ist der Versuch einer kollektiven Rücksichtnahme, kein von Betroffenen erfundene Opferjoker.

Dasselbe wie jeder andere auch: seinen Fall konkret zu benennen und zu belegen - sowohl im Einzelfall wie auch wo kollektive Versäumnisse vermutet werden.

Und PC ist der Versuch diesen effektiv Prozesscharakter durch politisch bereits vorgefertigte Blankourteile zu ersetzen für alles, was dem definierten Opfer so einfallen könnte.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 22.11.2019 | 17:06
Der entscheidende Unterschied ist doch, dass auf der einen Seite konkrete Übergriffe passieren wo Leute oder Spiele, welche nicht den eigenen Vorgaben entsprechen, angegriffen werden "So darf man nicht spielen" , dies aber global auf der völlig willkürlichen Eigendefinition von "marginalisiert" etc. basiert.

Wo wurden hier denn konkrete Leute angegriffen?

Ich kenne solches Verhalten hauptsächlich von meiner Zeit auf der (durch und durch von kriminellen Subjekten durchsetzten) therpgsite und da ging das Verhalten noch um einiges weiter, als das aufdrücken von willkürlichen Eigendefinitionen von "moralisch richtigem" Spiel (die es natürlich auch gab - ich verweise auf die Poison'd-Debatte).
Titel: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 17:11
@Marzaan:

Und eine sachliche, anlassbezogene Diskussion startet man am Besten damit, indem man von „Denkverboten“ fabuliert, das Spielen historischer Resentiments zum Akt des Widerstandes adelt, um sich von der Zwangsjacke der „Political Correctness“ freizumachen. Hältst du das für eine Herangehensweise auf Augenhöhe?

Außerdem haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass die Eingangsfrage nicht anhand der Kategorie „dürfen“ behandelt werden muss. Du kämpfst hier gegen Windmühlen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 17:23
@Marzaan:

Und eine sachliche, anlassbezogene Diskussion startet man am Besten damit, indem man von „Denkverboten“ fabuliert, das Spielen historischer Resentiments zum Akt des Widerstandes adelt, um sich von der Zwangsjacke der „Political Correctness“ freizumachen. Hältst du das für eine Herangehensweise auf Augenhöhe?

Außerdem haben wir ziemlich schnell festgestellt, dass die Eingangsfrage nicht anhand der Kategorie „dürfen“ behandelt werden muss. Du kämpfst hier gegen Windmühlen.

Wenn die Sache nicht von den akuten Umständen sondern von vorgefertigten ideologischen Leitsätzen geleitet wird, die aus "moralischen" Gründen nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen, dann ist das eine Zwangsjacke.

In wie weit historische Resentiments in einem Spiel jetzt angemessen wären oder nicht (oder auch andere Problem-/Konfliktsituationen zu lösen wären) hinge nämlich korrekterweise von einen Haufen umständeabhängiger Details ab.

Und "Akt des Widerstands" liegt doch wohl klar auf derselben Höhe wie die anderen Überlegungen, dass wie jetzt rollengespielt wird gesellschaftsrelevant ist.


Dürfen/sollten beschreibt doch letztlich nur denselben Umstand: PC-konforme settings/Spiele ->eine selbsternannte moralische Elite maßt sich an global festzulegen, was andere Leute spielen dürfen/sollten.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 22.11.2019 | 17:33
PC-konforme settings/Spiele ->eine selbsternannte moralische Elite maßt sich an global festzulegen, was andere Leute spielen dürfen/sollten.

Welche Spiele sind denn bis jetzt dieser Elite zum Opfer gefallen?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 22.11.2019 | 17:51
Zitat
Wenn die Sache nicht von den akuten Umständen sondern von vorgefertigten ideologischen Leitsätzen geleitet wird, die aus "moralischen" Gründen nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen, dann ist das eine Zwangsjacke.
Deren Opfer jemand dann wäre, der politisch inkorrekte Settings bespielen will, sehe ich das richtig? Nach deiner eigenen Logik dürfte ich diesen Opferstatus aber natürlich ebenso kritisieren, Belege für diesen gefühlten Opferstatus einfordern oder im Zweifelsfall sagen "Tja, dann spielen wir eben nicht zusammen..." Und letzteres wird als Reaktion doch ziemlich wahrscheinlich sein, wenn du so daher kommst. Denn deine Argumentation lässt ja auch nur den Absolutismus "Jetzt reden wir aber auf Augenhöhe... und dabei zählt meine Definition von Augenhöhe, nicht eure..." zu. Damit kommst du zu keinem Kompromiss.

Statt also die Kampfbegriffe wie "Zwangsjacke" auszupacken könntest du sagen "Hey, Moment, also stört dich das, was ich hier spiele? Du fühlst dich davon angegriffen? Lass uns beiseite gehen und drüber sprechen." Oder, eben in Bezug auf diesen Thread und die Frage im OP "Man muss nicht alles politisch korrekt spielen, aber man sollte sich bewusst sein, dass es Umstände gibt, bei denen Gesprächsbedarf besteht. Und dann sollte man auch drüber reden." So stellt man die Augenhöhe her, die du haben willst. Das Gegenüber ist nämlich nicht automatisch in der Bringschuld, wenn es sich durch Spielinhalte angegriffen fühlt. Und die meisten Leute, die man darauf anspricht werden zumindest eine Ahnung geben, warum sie einen Inhalt problematisch finden... und wenn doch nicht, dann zumindest bekräftigen, dass sie ihn problematisch finden.

Ich versuch mich da in deine Gedankenwelt hineinzuversetzen. Ich jedenfalls habe meinen gut 20 Jahren Rollenspiel noch nie eine Situation erlebt, in denen irgendjemand jemand anderem mit vorgefertigten Leitsätzen (Beispiel bitte, ich meine, Belege darf ich ja einfordern) das Spiel hermetisch dicht abgeblockt hätte. Und auch eine Erfahrung, die ich gemacht habe: Die aller, aller, allerwenigsten Menschen machen im privaten Umfeld einen solchen Aufriss, wenn sie nicht wirklich betroffen wären von dem, was sie eben in einer Rollenspielsituation ankreiden. Bestimmte Dinge kann man auch gar nicht beweisen (z.B. "Bitte beweise mir, dass du Erfahrungen mit Gaslighting von Männern gegenüber Frauen gemacht hast!"... wie soll das gehen?). Da muss man auch einfach dem Gegenüber ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringen.

Dürfen/sollten beschreibt doch letztlich nur denselben Umstand: PC-konforme settings/Spiele ->eine selbsternannte moralische Elite maßt sich an global festzulegen, was andere Leute spielen dürfen/sollten.

Und wer soll diese Elite sein? Hast du Beispiele... und warum selbsternannt? Wenn es um die Regeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens geht, dann ist das nun einmal die Lebensweise, die sich im Rahmen unserer freiheitlichen Ordnung so entwickelt hat. Diskriminierung von Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Sexualität ist eben einfach nicht vereinbar mit dem Grundgesetz. Und das ist nicht selbsternannt sondern einfach als Grundregelwerk des Zusammenlebens gegeben.

Über den Ton kann man also gerne streiten. Aber nicht um die grundsätzliche Richtigkeit der Forderung nach einer diskriminierungsfreien Spielerfahrung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Little Indian #5 am 22.11.2019 | 20:23
Ich finde es schade, dass ein eigentlich interessantes Thema jetzt doch (erwartungsgemäß) in Tanelorn-typische Begriffsdiskussionen, ausschweifende pseudo-wissenschaftliche Ergüsse und persönliche Anfeindungen abdriftet.

Ich wollte eigentlich auch inhaltlich antworten, aber das spare ich mir jetzt, da das eigentliche Thema irgendwie verloren gegangen ist.

 :btt:
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 22.11.2019 | 20:25
Über den Ton kann man also gerne streiten. Aber nicht um die grundsätzliche Richtigkeit der Forderung nach einer diskriminierungsfreien Spielerfahrung.
Hier sollte man vorsichtig sein.
Es  vermischen  sich   leicht die Ebenen Realität /Spiel.
und die Ebenen echte Personen /Fiktive Personen.

Bei einer gesetzlich relevanten Diskriminierung diskriminiert mW. eine echte Person, echte Personen.
Wenn im Spiel, innerhalb einer Spielwelt irgendwelche Figuren andere Figuren diskriminieren, wird erstmal niemand Echtes diskrimiert.
Auch wenn die Erfahrung natürlich trotzdem unschön sein kann.

Werde mich auch erstmal enthalten.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tele am 22.11.2019 | 20:40
Was, die Kommissare mit den schwarzen Ledermänteln und den schwarzen Lederkappen, die immer gegen die Übel des hakennasigen Ketzers hetzen, sind von Nazis inspiriert? Ich bin schockiert, Sir, schockiert, sage ich!

Wat hab ich gelacht...danke...made my day!

Ihr nehmt das Hobby und das Leben viel zu ernst. Eure Hauptfrage muss dich sein, ist alles Politik? Oder eben genau nicht!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2019 | 22:00
Deren Opfer jemand dann wäre, der politisch inkorrekte Settings bespielen will, sehe ich das richtig? Nach deiner eigenen Logik dürfte ich diesen Opferstatus aber natürlich ebenso kritisieren, Belege für diesen gefühlten Opferstatus einfordern oder im Zweifelsfall sagen "Tja, dann spielen wir eben nicht zusammen..." Und letzteres wird als Reaktion doch ziemlich wahrscheinlich sein, wenn du so daher kommst. Denn deine Argumentation lässt ja auch nur den Absolutismus "Jetzt reden wir aber auf Augenhöhe... und dabei zählt meine Definition von Augenhöhe, nicht eure..." zu. Damit kommst du zu keinem Kompromiss.
Klar dürftest du diesen Opferstatus anzweifeln und die diesem zugrunde liegenden Elemente zu widerlegen versuchen, aber Angesichts dessen, dass du auch von politisch inkorrekten Settings redest, sehe ich da erst einmal nicht womit.


"Tja, dann spielen wir eben nicht zusammen..." sehe ich übrigens als eine völlig annehmbare Entscheidung als Ergebnis einer - hoffentlich frühzeitigen - Aussprache. So wie es mit PC-Bezug läuft heißt es aber: Und sonst soll dieses Machwerk der Hölle auch keiner spielen!
Die Augenhöhe mache ich daran fest, dass beide Seiten sich um Argumente bemühen und nicht eine Seite ihre PC-Vorabwertung dann der anderen Seite als "Friss oder sei geächteter Abschaum" aufzuzwingen versucht.

Es gibt ja durchaus Beispiel für dann zu recht vehement verurteiltes -istisches Verhalten oder auch schon einmal Design. Aber mit dieser hohen Voraufladung der Begriffe ist es eben auch ein mächtiges Werkzeug zum potentiellen Missbrauch, wenn eine Seite sich zur alleinigen Definition der Umstände aufschwingt. Und das sehe ich in dem praktischen PC-Unwesen.

Da sind wir eigentlich wieder in einer ähnlichen Situation wie bei der X-Card.

Statt also die Kampfbegriffe wie "Zwangsjacke" auszupacken könntest du sagen "Hey, Moment, also stört dich das, was ich hier spiele? Du fühlst dich davon angegriffen? Lass uns beiseite gehen und drüber sprechen." Oder, eben in Bezug auf diesen Thread und die Frage im OP "Man muss nicht alles politisch korrekt spielen, aber man sollte sich bewusst sein, dass es Umstände gibt, bei denen Gesprächsbedarf besteht. Und dann sollte man auch drüber reden." So stellt man die Augenhöhe her, die du haben willst. Das Gegenüber ist nämlich nicht automatisch in der Bringschuld, wenn es sich durch Spielinhalte angegriffen fühlt. Und die meisten Leute, die man darauf anspricht werden zumindest eine Ahnung geben, warum sie einen Inhalt problematisch finden... und wenn doch nicht, dann zumindest bekräftigen, dass sie ihn problematisch finden.

Wenn jemand auf Grund solcher Vorbewertungen so pauschal die Verdammung setzt und zu bestimmen versucht, was korrekterweise gespielt werden darf, ist es natürlich eine Zwangsjacke, die er den anderen da verpassen will.

Dein Beispiel eines persönlichen Gespräch liegt da doch erheblich näher an meinem Beispiel für konstruktiven Umgang - solange das Argument nicht nur auf "Du -ist" hinausläuft. Wer da im Einzelfall dann Recht hat, sehe ich als situationsabhängig an, nicht abhängig davon, wer jetzt irgendeinen Marginalisierungstitel aufführen kann.
Wobei wenn sich jemand erkennbar unwohl fühlt, wäre die Nachfrage wohl ganz natürlich denke ich. Wenn ich nichts erkenne, kann aber nur sprechenden Menschen geholfen werden und nicht jeder Anlass ist auch ein gerechtfertigter Anlass, um dann Änderungen vor zu nehmen. 

Wobei die praktische Kampfzone ja im privaten meinem Eindruck nach eher selten auftritt und mit zunehmender Öffentlichkeit bis dann hin zu den online-Seiten an Gewicht und Vehemenz zunimmt - halt dort, wo Leute dann tatsächlich Politik machen wollen. Und da geht es dann idR weniger um eine spezifische Spielrunde als um gleich ganze Systeme oder Spieltypen.


Ich versuch mich da in deine Gedankenwelt hineinzuversetzen. Ich jedenfalls habe meinen gut 20 Jahren Rollenspiel noch nie eine Situation erlebt, in denen irgendjemand jemand anderem mit vorgefertigten Leitsätzen (Beispiel bitte, ich meine, Belege darf ich ja einfordern) das Spiel hermetisch dicht abgeblockt hätte. Und auch eine Erfahrung, die ich gemacht habe: Die aller, aller, allerwenigsten Menschen machen im privaten Umfeld einen solchen Aufriss, wenn sie nicht wirklich betroffen wären von dem, was sie eben in einer Rollenspielsituation ankreiden. Bestimmte Dinge kann man auch gar nicht beweisen (z.B. "Bitte beweise mir, dass du Erfahrungen mit Gaslighting von Männern gegenüber Frauen gemacht hast!"... wie soll das gehen?). Da muss man auch einfach dem Gegenüber ein gewisses Grundvertrauen entgegenbringen.

In privaten Runden sortiert sich das üblicherweise vorher. Ich sehe die Diskussion oder eher Kampagne wie oben beschrieben eher auf der Metaeben angesiedelt, wo über Spiele gesprochen wird und versucht wird darüber auf die Spielszene Einfluss zu nehmen und dabei nicht nur auf die paar klar übergriffigen Fälle sondern eben als Teil eines sich höher stehend sehenden politischen Programms. Und dann kommen halt so Fragen raus wie hier "Soll oder darf ich noch" und das hat dann auch indirekt wieder Auswirkungen, was für Spiele dann noch gespielt oder auch in Foren gepflegt werden.


Und wer soll diese Elite sein? Hast du Beispiele... und warum selbsternannt? Wenn es um die Regeln des zwischenmenschlichen Zusammenlebens geht, dann ist das nun einmal die Lebensweise, die sich im Rahmen unserer freiheitlichen Ordnung so entwickelt hat. Diskriminierung von Menschen aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Sexualität ist eben einfach nicht vereinbar mit dem Grundgesetz. Und das ist nicht selbsternannt sondern einfach als Grundregelwerk des Zusammenlebens gegeben.

Es geht nicht darum Diskriminierung schön reden zu wollen, sondern dass nicht jeder Vorwurf auch der Beweis für das Vorliegen einer Diskriminierung oder einen anderen Fehltritt ist.

Es geht also um die Leute, welche mit generellen, weitestgefassten -ismen-Vorwürfen und gleichzeitigem Anspruch diese als PC-Gurus auch abschließend und global bewerten zu dürfen Politik betreiben.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 22.11.2019 | 22:37
Dürfen/sollten beschreibt doch letztlich nur denselben Umstand: PC-konforme settings/Spiele ->eine selbsternannte moralische Elite maßt sich an global festzulegen, was andere Leute spielen dürfen/sollten.
Wer ist diese "moralische Elite" und wo genau zeigt sie sich? Hier im Thread sehe ich nämlich keinen Beleg für diese These. Ich seh da nur einen ideologischen Leitsatz von Dir.
Und wenn Du antwortest, bitte keine Beweisumkehr formulieren, sondern einfach nur Belege liefern!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: felixs am 22.11.2019 | 23:47
Maarzan hat ursprünglich sehr deutlich im Konjunktiv formuliert.

Die Reaktionen sprechen dafür, dass es das Problem zumindest in Ansätzen geben könnte.

Wenn nicht, dann umso besser. Aber dann verstehe ich wiederum nicht, warum Reaktionen so ausfallen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 00:02
Du solltest nochmal gründlich lesen, da ist kein einziger Konjunktiv drin.

Ansonsten waren die Reaktionen hier im Thread eher ein "Wenn es euch Spaß macht, dann spielt halt so", also eher gemäßigt. Da habe ich schon wesentlich schlimmeres gelesen (von den üblichen Verdächtigen, die immer nur aus ihrer Filterblase...oh Verzeihung, dem (selbstgewählten) Exil, posten).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 00:04
Maarzan hat ursprünglich sehr deutlich im Konjunktiv formuliert.
Schauen wir mal...
Denn das was da als PC auftritt ist auch nichts anderes als die anderen Ansprüche auf diktatorische Alleinherrschaft über das Denken und Leben der Mitmenschen, basierend auf dem selbstgegebenen ideologiebasierten und nicht mehr zu hinterfragenden Hoheitsanspruch über die Definition von Gut und Böse, umgesetzt durch das Besetzen von einschlägig wirksamen Schlagworten und dann der folgenden eigenmächtigen kontinuierlichen Erweiterung der Definition und folgend des erst sozialen und dann meist auch aggressiveren Drucks zur Durchsetzung von allem, was auch immer einem gerade gefällt oder nicht gefällt und was dann passend als gotteslästerlich, entartet oder eben politisch unkorrekt in seinen Formen ex cathedra definiert wird.
Nein. Kein Konjunktiv.
Zitat
Die Reaktionen sprechen dafür, dass es das Problem zumindest in Ansätzen geben könnte.
Die Reaktionen sprechen erstmal nur dafür, dass seine Definition von PC und seine Wertung aller derjenigen, die er als "PC benutzen" ansieht ziemlich polarisierend sind. Im Kontext dieses Threads wirkt es nochmal besonders polarisierend, da er über diese Definition und Wertung versucht jede Kritik an politischer Unkorrektheit in Settings zu unterminieren. "Die sowas in welcher Form auch immer kritisieren sind Rollenspielnazis!"
Keine gute Diskussionskultur. Meinst Du nicht auch? 
Zitat
Wenn nicht, dann umso besser. Aber dann verstehe ich wiederum nicht, warum Reaktionen so ausfallen.
Naja. Is nicht nett als Rollenspielnazi bezeichnet zu werden, nur weil mal Anmerkungen oder Kritik äussert.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Quaint am 23.11.2019 | 00:31
Ich hab jetzt nicht alles gelesen, sonder wollte nur mal meinen Senf zur Ursprungsfrage dazugeben.

Ich denke, man sollte unbedingt politisch unkorrekte Settings bespielen. Schon allein weil man sich sonst eine Mehrzahl der Möglichkeiten komplett verbaut, denn je nachdem wie genau man hinsieht und welche Maßstäbe man anlegt sind die meisten Settings doch nicht politisch korrekt.
Und zweitens kann man sich so spielerisch damit auseinandersetzen und dadurch möglicherweise wichtige Denkanstöße erhalten.

Ich mein, Nazis sind ja auch nicht deswegen beliebt als Gegner, weil man die gemeinhin gut findet. Und ich denke genau nach diesem Schema kann man eben auch andere Dinge behandeln. Vielleicht werden Frauen in dem Setting deutlich benachteiligt, aber da kann es doch gerade deswegen auch sehr interessant sein, eine Frau zu spielen, die dann eben damit klarkommt, und die es womöglich dann auch den ganzen Dumpfbacken zeigt und trotzdem Großes erreicht.

Und wie gesagt, rundherum politisch korrekt sind die wenigsten Settings:
1920 Cthulhu: voll mit Rassismus, Frauenfeindlichkeit und co
DnD & co: einige Völker werden da sehr negativ dargestellt, und teilweise soll es prinzipiell etwas gutes sein, Angehörige dieser Völker zu töten
Ars Magica: naja, Mittelalter halt, reden wir nicht drüber...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rorschachhamster am 23.11.2019 | 08:21
DnD & co: einige Völker werden da sehr negativ dargestellt, und teilweise soll es prinzipiell etwas gutes sein, Angehörige dieser Völker zu töten
Jo, gerade das ist interessant in diesem Zusammenhang - wenn das "die Mongolen" sind, seh ich das auch eher kritisch bzw. schwieriger erwachsen darzustellen, aber bei "die Orks"? Das ist ein fiktives Volk, das kann doch sein was man will. Oder meckert einer über den Völkermord an den Zerg?  ~;D

Das hat ne ganze Menge Killerspieldebattenduft, meiner Meinung nach.

Eine valide Kritik dagegen ist die konfliktbefreite Darstellung von realweltlicher Geschichte/Unterdrückung via fiktiver Völker bei der die Seriennummer nur sehr oberflächlich abgeschabt wurde... Als Extrembeispiel: Wenn deine Orks einen Südstaatenakzent haben und auf den Baumwollfeldern arbeiten, dann mußt du schon was erklären...  wtf? :P
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 23.11.2019 | 08:25
Wie wäre das mit mit Mensch vs Gesellschaft ohne politisch unkorrekte Settings
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Quaint am 23.11.2019 | 08:31
Naja, kommt halt auf den Maßstab an, den man anlegt. Soll ja Leute geben, die Rassismus und Völkermord generell ablehnen, auch wenn es vielleicht nur ein fiktives Volk trifft. Immerhin macht man Völkermord damit ein Stück weit salonfähig...   :gasmaskerly:

Und apropros Killerspiele: Also die meisten Shooter sind ja nun auch nicht besonders politisch korrekt. Allein bei diesem Ausmaß an oft relativ wahllos ausgeübter Gewalt... die öfters mal auch verharmlost wird...
Sollte man die deswegen nichtmehr spielen? Sind Gamer die sie trotzdem spielen deswegen schlechte Menschen? Ich glaube nicht...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rorschachhamster am 23.11.2019 | 08:42
Naja, kommt halt auf den Maßstab an, den man anlegt. Soll ja Leute geben, die Rassismus und Völkermord generell ablehnen, auch wenn es vielleicht nur ein fiktives Volk trifft. Immerhin macht man Völkermord damit ein Stück weit salonfähig...   :gasmaskerly:

Und apropros Killerspiele: Also die meisten Shooter sind ja nun auch nicht besonders politisch korrekt. Allein bei diesem Ausmaß an oft relativ wahllos ausgeübter Gewalt... die öfters mal auch verharmlost wird...
Sollte man die deswegen nichtmehr spielen? Sind Gamer die sie trotzdem spielen deswegen schlechte Menschen? Ich glaube nicht...

Vökermord ist doch salonfähig (Stichwort Mittelmeer), deswegen müssen doch die Salons abgebrannt werden...  >;D (Fordert einen Guillotinensmilie!)

Ne, aber im Ernst, gerade die spielerische Auseinandersetzung mit Themen erzeugt doch erst Erkenntnisgewinn. Man kann erst ernsthaft was gegen Völkermord tun, wenn man sich mit dem Weltbild ernsthaft auseinandergesetzt hat - und da ist doch Rollenspiel ein wunderbares Mittel. Und wie bei allen Sachen kann das mißbraucht werden, ja, aber das ist doch der Knackpunkt - wenn man etwas von vornerein ausschließt, weil "Denk doch an die Kinder!" oder was weiß ich, dann verhindert man doch, das diejenigen sich damit beschäftigen, die noch alle Murmeln in der Tasse haben, und überläßt das Feld völlig denjenigen, die dasThema ausnutzen, weil sie eben überhaupt nicht an Konsens oder Erkenntnis interessiert sind.  :P
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 08:54
Ich persönlich bin jetzt niemand, der politisch unkorrekte Settings irgendwie zelebriert, braucht oder auch nur bevorzugt, aber sie einzuschränken würde auf meinen Widerstand stoßen.

Die Kunst ist frei und muss es auch sein.


Es ist ein Spiel. Wenn man das nicht trennen kann, kann man den Großteil der Rollenspiele in die Tonne treten, allein weil man viele Probleme mit der Waffe in der Hand löst.

Ausnahme natürlich immer: Wenn ein Thema einem Spieler/einer Spielerin unangenehm ist, dann lässt man es.
Kamen sehr früh im Thread, spiegeln zum großen Teil meine Meinung wider.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Deviant am 23.11.2019 | 09:00
Ich sehe mich zwar ziemlich weit links, aber mit politischer Korrektheit im Privatraum kann ich irgendwie weniger was anfangen. Das wird sehr schnell verkrampft, wenn man immer überlegen muss "Darf ich das jetzt so sagen".

Viele Menschen sind da dünnhäutiger geworden.   Das ist bei öffentlichen Aussagen relevant. Aber wenn ich mit Leuten spiele, die mich kennen und jeder weiß wie es gemeint ist, sehe ich da weniger Schwierigkeiten. Und wenn doch mal etwas heftiger ausfällt, dann muss man darüber eben mal reden.

Das kann alles von Satire bis hin eben zu ernsten Themen/Spielweisen gehen - die werden dann halt auch entsprechend bespielt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 09:07
Wer ist diese "moralische Elite" und wo genau zeigt sie sich? Hier im Thread sehe ich nämlich keinen Beleg für diese These. Ich seh da nur einen ideologischen Leitsatz von Dir.
Und wenn Du antwortest, bitte keine Beweisumkehr formulieren, sondern einfach nur Belege liefern!

Diejenigen, welcher mit dem -ismus Vorwurf und ihrem Anspruch das verbindlich bestimmen zu dürfen Politik machen.

Und "hier im Thread" ist eine nette praktische Einschränkung - ungefähr wie wenn einer in einer Talkshow zum Thema Rassismus beweisen wollte dass es ihn nicht gibt, weil der anwesende farbige Teilnehmer an dem Abend noch nicht mit Nigger betitelt worden ist.

Im Kontext dieses Threads wirkt es nochmal besonders polarisierend, da er über diese Definition und Wertung versucht jede Kritik an politischer Unkorrektheit in Settings zu unterminieren.

Nein. Nicht JEDE. Was ich verurteile ist Kritik und Verurteilung auf der Basis des Vorwurfs der Verstoßes gegen die selbstdefinierten PC-Richtlinien und nicht auf der Betrachtung der jeweiligen Einzelsituation und den daraus ggf. abzuleitenden Argumenten. Und dann wird z.B. aus "das Setting reproduziert typische Ungerechtigkeiten seiner Zeit" solche Spiele sind rassistisch und davon abgeleitet wer so etwas spielt ist rassistisch.

Und PC sehe ich als die für seine Anhänger praktische Abkürzung eben nicht argumentieren zu müssen, sondern das ohne Anhörung von oben entscheiden zu können bzw. wollen. Das heißt nicht, dass sie gelegentlich auch Recht haben könnten, sondern dass diese ihre Methode unredlich ist und dann so auch auf einen Haufen andere Bereiche anzuwenden versucht wird, wo die Sache eben nicht so klar bis an den Haaren herbeigezogen ist.

Es ist Methodenkritik. Das inhaltliche Urteil muss man sich für den Einzelfall und dessen analytische Betrachtung aufsparen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Crimson King am 23.11.2019 | 09:18
Ich gehe davon aus, dass es nicht allzu viele diskriminierungsfreie Settings gibt. Davon abgesehen tue ich mich mit Kampfbegriffen wie PC schwer. Der Thread ist aber erstaunlich ruhig dafür, dass der Begriff im Titel verwendet wird.

In der Praxis gehe ich davon aus, dass alle Spieler in meinen privaten Runden in der Lage sind, mit innerweltlicher Diskriminierung reflektiert umzugehen. Wenn dann in einer Runde, die eher auf Pulp und Schnetzeln ausgerichtet ist, die Orks per Definition böse sind, ist das halt so. In Storygaming-Runden ist Diskriminierung sowieso potenzielles Thema.

Settings die so weit gehen, die grundsätzliche Überlegenheit bestimmter realer oder an die Realität angelehnter Völker, Kulturen, Geschlechter, sexueller Orientierungen, Klassen, Milieus und was sonst noch so alles zu propagieren, dürften es bei mir aber schwer haben.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: felixs am 23.11.2019 | 09:41
Du solltest nochmal gründlich lesen, da ist kein einziger Konjunktiv drin.

Stimmt. Ich meinte mit "wenn" eingeleitete Sätze und ging irrtümlich davon aus, dass ein Konjunktiv folgen würde. Der Effekt ist aber der gleiche. Es ist ein Bedingungssatz, drückt somit eine gewisse Distanz aus. Zumindest ist es das, worum es mir ging. Hätte man mit ein bißchen gutem Willen vielleicht auch erkennen können. Jedenfalls ist es jetzt richtiggestellt.

Ansonsten waren die Reaktionen hier im Thread eher ein "Wenn es euch Spaß macht, dann spielt halt so", also eher gemäßigt. Da habe ich schon wesentlich schlimmeres gelesen (von den üblichen Verdächtigen, die immer nur aus ihrer Filterblase...oh Verzeihung, dem (selbstgewählten) Exil, posten).

Da wiederum stimme ich grundsätzlich zu.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 09:49
Diejenigen, welcher mit dem -ismus Vorwurf und ihrem Anspruch das verbindlich bestimmen zu dürfen Politik machen.
Dir ist aber schon bewusst, dass das kein Beleg ist, oder?
 
Zitat
Und "hier im Thread" ist eine nette praktische Einschränkung - ungefähr wie wenn einer in einer Talkshow zum Thema Rassismus beweisen wollte dass es ihn nicht gibt, weil der anwesende farbige Teilnehmer an dem Abend noch nicht mit Nigger betitelt worden ist.
Kontext! Ich sagte "hier sehe ich keinen Beleg, also zeige mit einen Beleg!" Also: Wird es noch was mit einem Beleg oder bleiben wir bei "ich stell mir einfach vor, das ist böse"
Zitat
Nein. Nicht JEDE. Was ich verurteile ist Kritik und Verurteilung auf der Basis des Vorwurfs der Verstoßes gegen die selbstdefinierten PC-Richtlinien und nicht auf der Betrachtung der jeweiligen Einzelsituation und den daraus ggf. abzuleitenden Argumenten. Und dann wird z.B. aus "das Setting reproduziert typische Ungerechtigkeiten seiner Zeit" solche Spiele sind rassistisch und davon abgeleitet wer so etwas spielt ist rassistisch.
Wieder die Frage nach Belegen. Kann es sein, dass Du einfach nur getriggert wurdest, weil jemand PC geschrieben hat oder hast Du Belege dafür, dass ein "Rollenspielelite" andere Leute als Rassisten bezeichnet, nur weil sie ein Setting in den rassistische Vorurteile vorkommen, spielen?
Zitat
Und PC sehe ich als die für seine Anhänger praktische Abkürzung eben nicht argumentieren zu müssen, sondern das ohne Anhörung von oben entscheiden zu können bzw. wollen. Das heißt nicht, dass sie gelegentlich auch Recht haben könnten, sondern dass diese ihre Methode unredlich ist und dann so auch auf einen Haufen andere Bereiche anzuwenden versucht wird, wo die Sache eben nicht so klar bis an den Haaren herbeigezogen ist.
Jo und viele Mitdiskutanten stimmen dieser Definition nicht zu. sie sehen darin einen aufgebauten Strohmann. Problem bei Deiner Definition ist zusätzlich, dass sie die Wertung enthält, dass jeder der Anstand und Würde fordert, unlautere Absichten unterstellt. Wie ich schon zuspitzte "Alle Leute die PC verwenden sind Nazis"
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Mithras am 23.11.2019 | 10:10
Ich zitiere mal Rhylthar, ich sehe das genauso.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 10:28
Noch ein paar Gedanken zu unterschiedlichen Wahrnehmungen/ und Trennung von Spieler -Figur:
(Eine entscheidende  Frage ist mMn. : Spiele ich mich selbst als Schlumpf ?
Oder spiele ich einen Schlumpf?)

Tatort- Schlumpfhausen
Der Zauberer Gargamel terrorisiert dort die Schlümpfe. Es hasst sie und  braucht einen von ihnen, um Gold zu machen.
Diesmal hat er Papa Schlumpf höchstpersönlich gefangen, und die Aufgabe der SC- die allesamt Schlümpfe sind-  ist es Papa Schlumpf zu befreien.

Im ersten Szenario fühlt sich Spieler Bert als Schlumpf Schlaubi in Schlumpfhausen. Er spielt sich selbst als Schlumpf.
Also er ist noch er-aber als Schlumpf.
Um es etwas bildlich zu machen:Stellt euch Spieler Bert als Schlumpf verkleidet vor. Er hat sich sein Gesicht blau geschmickt, trägt eine Schlumpfmütze- und sieht ansonsten noch  aus wie Bert.
Sein Freund Gerd ist der Spielleiter, der Gargamel verkörpert.
Im Endkampf stehen sich Schlumpf und Zauberer gegenüber. -  Bert geht davon aus, dass Gerd auch Gerd  ist, nur als Gargamel Verschnitt.
Er trägt für ihn deshalb eine schwarze Robe und eine Gumminase. Ansonsten sieht er aus wie Gerd.
Wenn Gerd mit dem Knüppel ausholt, um auf den Schlumpf zu schlagen, trifft er Bert direkt.

Im zweiten Szenario stellt Bob den Schlumpf Schlaubi aus Schlumpfhausen dar.
Nur steht  er selbst nicht Anstelle des Schlumpfes, sondern er spielt ihn nur.
Um es bildlich zu machen: Stellt euch ein Kasperltheater vor, indem Bob mit seiner Hand in der Schlumpf- Handpuppe Schlaubi steckt.
Bill, sein Freund, spielt Gargamel. Und Bob geht davon aus, dass Bill wie er eine Gargamel Handpuppe bewegt.
Wenn Gargamel mit dem Knüppel ausholt, um nach dem Schlumpf zu schlagen, wird nicht Bob getroffen, sondern der Holzkopf seiner Schlumpfpuppe.
Er hat auch nicht das Gefühl, dass Bill ihn persönlich schlagen wollte, sondern, dass es die Puppe des Gargamel war, die im Puppentheater seine Handpuppe vermöbeln will .

Im ersten Szenario fehlt dem Spieler der Abstand zur Rolle. Alles was dem Schlumpf widerfährt, widerfährt Bert direkt. Seine Persönlichkeit ist nicht geschützt.
Und er geht idR.  davon aus, das Gerds Persönlichkeit ebenso stark involviert ist wie seine eigene.

Im zweiten Szenario ist die Persönlichkeit des Spielers deutlich besser geschützt. Das heißt jetzt nicht, dass sie unverwundbar ist, aber grundsätzlich sind die Figuren die Adressaten, und Bill ist sich bewusst, dass es sich um ein Theater handelt, bei dem Personen nicht gegen Personen agieren-sondern Rollen gegen Rollen.

Auch im zweiten Szenario muss der SL natürlich darauf achten, den Spieler des Schlumpfes nicht doof zu erwischen.
Doch er muss sich deutlich weniger Sorgen machen als in Szenario eins.
Die Gefahr, dass sich ein Spieler persönlich angegangen fühlt, ist bei eins wesentlich größer.
Auch die Gefahr, dass der Spieler hinter dem Schlümpfe diskriminierenden Gargamel die Persönlichkeit des SL vermutet.


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Crimson King am 23.11.2019 | 10:34
Jo und viele Mitdiskutanten stimmen dieser Definition nicht zu. sie sehen darin einen aufgebauten Strohmann. Problem bei Deiner Definition ist zusätzlich, dass sie die Wertung enthält, dass jeder der Anstand und Würde fordert, unlautere Absichten unterstellt. Wie ich schon zuspitzte "Alle Leute die PC verwenden sind Nazis"

Faktisch ist PC ein rechter Kampfbegriff, der zur Verteidigung der Meinungsfreiheit verwendet wird, wo diese mit anderen Grundrechten in Konflikt gerät. Genau aus diesem Grund sollte die Verwendung vermieden werden. Das würde zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 11:02
Dir ist aber schon bewusst, dass das kein Beleg ist, oder?

Nein, das war auch die Antwort zu wer ist das.

Zum Beleg:

Da hatten wir so eine Diskussion und dich in #250 auch noch in einer ähnlichen Position zu meiner gesehen. 

https://www.tanelorn.net/index.php/topic,86524.250.html

Wobei ich denke die X-Card-Diskussion war da noch deutlicher für die Problematik, die ich hier sehe.

Und die liegt dann nicht in dem Versuch der Aufmerksamkeit für Leute, die ggf. in einer Situation der besonderen Rücksichtnahme bedürfen, an sich,  als vielmehr in der Art und Weise wer und wie das Vorliegen eines berechtigten Anliegens entscheiden dürfen soll und in wie weit das gegen die Bedürfnisse und Anliegen anderer Teilnehmer abgewogen werden muss. 

Jo und viele Mitdiskutanten stimmen dieser Definition nicht zu. sie sehen darin einen aufgebauten Strohmann. Problem bei Deiner Definition ist zusätzlich, dass sie die Wertung enthält, dass jeder der Anstand und Würde fordert, unlautere Absichten unterstellt. Wie ich schon zuspitzte "Alle Leute die PC verwenden sind Nazis"

Den Strohman sehe ich da, das es um"Anstand und Würde" oder deren angebliche Ablehnung geht.
Es geht mir darum wer und unter welchen Anforderungen und zu treffenden Abwägungen bestimmen können soll, was denn nun jeweils "Anstand und Würde" genau sein soll.
Wie bei der X-card hat das dann bei einer unbeschränkten alleinigen Aneignung der Definitionshoheit entsprechendes Missbrauchspotential. Und genau da sehe ich den Anspruch der PC-Vertreter diese Deutungshoheit zu besitzen.

Wobei das hier tatsächlich noch (noch?!) lange nicht so prominent ist wie anderswo, primär auch rpg.net. In dem Sinne lag das Groß des Triggermaterials eher dort (bzw. im RL) als hier, so dass mein Ton und Reizzustand hier ggf. für den meistens vorliegenden lokalen Stand der Diskussion möglicherweise tatsächlich etwas zu scharf war. Entschuldigung dafür. 

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 23.11.2019 | 11:14
Feminism !!! & Conan !!!

Es gibt kaum eine Fantasy Welt, die so gleichberechtigt ist wie diese.

Frauen lümmeln sich - ebenso leicht bekleidet wie die Männer - auf weichen Kissen und ergeben sich orgiastischen Gelüsten.
Frauen kämpfen - ebenso leicht bekleidet wie die Männer - gegen Magier und Monster.

Gäbe es nicht einen immensen Aufschrei zu befürchten, wenn die Frauen bei Conan, wie ein Herr der Ringe Nazgûl daher käme, in mehrere Lagen bodenlangen und blickdichten Stoff gekleidet, sowie mit Kopftuch und Schleier verhüllt?

Wieviel Stoff darf es denn nun bitte sein, damit es gefällt? Oder damit es korrekt scheint?

Denn das Ergebnis - wie immer es auch aussehen mag - wird mit Sicherheit nur den Wenigsten gefallen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 23.11.2019 | 11:34
Jo, gerade das ist interessant in diesem Zusammenhang - wenn das "die Mongolen" sind, seh ich das auch eher kritisch bzw. schwieriger erwachsen darzustellen, aber bei "die Orks"? Das ist ein fiktives Volk, das kann doch sein was man will. Oder meckert einer über den Völkermord an den Zerg?  ~;D

Das hat ne ganze Menge Killerspieldebattenduft, meiner Meinung nach.

Eine valide Kritik dagegen ist die konfliktbefreite Darstellung von realweltlicher Geschichte/Unterdrückung via fiktiver Völker bei der die Seriennummer nur sehr oberflächlich abgeschabt wurde... Als Extrembeispiel: Wenn deine Orks einen Südstaatenakzent haben und auf den Baumwollfeldern arbeiten, dann mußt du schon was erklären...  wtf? :P

Wäre halt ein bißchen die Frage, wo man die Grenzen zieht. Nehmen wir mal einen Pulpautor XY, der in seinen Geschichten gerne dunkelhäutige Wilde und undurchsichtig-geheimnisvolle Asiaten verwendet -- ist das jetzt schon rassistisch, oder muß man da, um bloß ja nicht als politisch überkorrekt beschimpft zu werden, als gebildeter Leser "ganz selbstverständlich" wissen, daß diese Figuren auch nur auf dem Mist des Verfassers gewachsen sind und natürlich genausowenig reale Personen widerspiegeln wie Orks oder Zerg auch? Argumente lassen sich für beide Positionen finden...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 11:49
Wäre halt ein bißchen die Frage, wo man die Grenzen zieht.
Als Spieler ?
Beim Konsumverhalten.
Wenn dir ein Setting nicht gefällt- (warum auch immer, kann ja teilweise auch ein subtiles Gefühl sein, ein Beigeschmack was auch immer)- dann spiel es einfach nicht!

Niemand kann dich dazu zwingen. Alles ist rein freiwillig.

Rollenspiel ist ein Freizeitspiel.
Jeder hat die freie Wahl worin er seine Zeit und sein Geld investieren möchte.


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 23.11.2019 | 11:50
Ich finde die Vermenschlichung von eindeutig als Monster erdachten Kreaturen wie Orks sehr problematisch. Wenn man das tut, kann man auch einfach Menschen als Antagonisten verwenden.

Und wo verläuft die Grenze? Bekommen Menschenfresser (Oger) jetzt auch Menschenrechte? Sind Dämonen einfach nur zutiefst missverstandene Wesen? Kann man Zombies ihren Hunger nach Hirn vorwerfen?

Zumindest bei Monstern finde ich die Diskussion mehr als überflüssig.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 11:52
Nein, das war auch die Antwort zu wer ist das.

Zum Beleg:

Da hatten wir so eine Diskussion und dich in #250 auch noch in einer ähnlichen Position zu meiner gesehen. 

https://www.tanelorn.net/index.php/topic,86524.250.html
Ach? Haben wir das? Ich seh da im Posting nichts dass etwas über eine Elite, die anderen vorschreiben will, was Andere spielen dürfen und was nicht. Weder bei mir noch bei Teylen. Kritik und auf ein Problem aufmerksam machen, ist nicht gleichzusetzen mit einem Verbot.
Zitat
Wobei ich denke die X-Card-Diskussion war da noch deutlicher für die Problematik, die ich hier sehe.
Ha. Nein. Da ging es um persönliche Befindsamkeiten. Also jeder in einer Runde in der man mitspielt, hat die Möglichkeit die X-Card zu benutzen, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass sie einen gewissen Aspekt nicht in ihrer Runde haben will.
Besonderer Fokus auf "persönlich" und "in einer Runde, in der man mitspielt". Weitere Diskussion über die X-Card bitte in den passenden Threads. Da werde ich dann aber leider nicht mit diskutieren.
Zitat
Den Strohman sehe ich da, das es um"Anstand und Würde" oder deren angebliche Ablehnung geht.
Weiss ich. Ne Menge Leute, die von sich behaupten, PC gut zu finden, beziehen sich aber genau darauf. Also PC bezieht sich für sie auf Anstand und Würde.
Du sagst daraufhin "das ist unlauter, als sind die Personen, die das befürworten auch unlauter."
Deswegen ist Deine Argumentation an der Stelle ein Strohmann.
Zitat
mir darum wer und unter welchen Anforderungen und zu treffenden Abwägungen bestimmen können soll, was denn nun jeweils "Anstand und Würde" genau sein soll.
Wie bei der X-card hat das dann bei einer unbeschränkten alleinigen Aneignung der Definitionshoheit entsprechendes Missbrauchspotential. Und genau da sehe ich den Anspruch der PC-Vertreter diese Deutungshoheit zu besitzen.
Die "Vertreter" sagen: "Hier habt Ihr ein Mittel, um während der Runde problematische Situationen zu lösen." und Du liest "Ihr müsst dieses Mittel einsetzen, umEure Runde Euch untertan zu machen!"
Zitat

Wobei das hier tatsächlich noch (noch?!) lange nicht so prominent ist wie anderswo, primär auch rpg.net. In dem Sinne lag das Groß des Triggermaterials eher dort (bzw. im RL) als hier, so dass mein Ton und Reizzustand hier ggf. für den meistens vorliegenden lokalen Stand der Diskussion möglicherweise tatsächlich etwas zu scharf war. Entschuldigung dafür. 
Keine Entschuldigung nötig. Ich sehe halt das Problem, dass sehr häufig gerade in solchen Diskussionen Sachen reininterpretiert werden, die nichts mit dem vorliegenden Fall zu tun haben. Geht mir logischerweise auch selber genauso.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 11:52
Im Rollenspiel fußt die Problematik imo darauf, dass es versucht Dinge explizit zu machen, die in anderen Genres nicht explizit sind. Frodo & Co. wissen nicht mit Sicherheit, dass Orks böse sind - der Rollenspieler wirft dagegen einen Blick ins MM und das sagt (zumindest in älteren Editionen) recht deutlich, dass sie es sind. Damit verbaut man sich zahlreiche Möglichkeiten.

Bestes Beispiel wären die Zerg: hätte man die schon zu Starcraft 1-Zeiten fest ausdefiniert (und sie nicht undurchschaubar belassen), dann wäre die Ausgestaltung ihres Schwarmbewusstseins in Starcraft 2 nicht mehr möglich gewesen.

Eine Kultur (selbst eine zutiefst fremdartige und nicht-menschliche) bietet mehr Potential, als plumpe Stereotype.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 23.11.2019 | 12:12
Aus meiner Sicht ist eine "Kultur" bereits etwas Menschliches. Ich sehe nicht, dass Orks so etwas wie eine Kultur haben müssten.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 12:15
Vielleicht nicht etwas, was wir instinktiv als Kultur definieren würden - aber ihre Gesellschaft sollte schon gewissen Regeln folgen, die dafür sorgen, dass sie nicht in sich zusammenbricht (wie es bei Stereotypie-Orks unweigerlich passieren würde).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 23.11.2019 | 12:23
Aus meiner Sicht ist eine "Kultur" bereits etwas Menschliches. Ich sehe nicht, dass Orks so etwas wie eine Kultur haben müssten.
Oha. Sollten da jetzt nicht zumindest alle Elben und Zwerge laut aufschreien?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 12:26
Oha. Sollten da jetzt nicht zumindest alle Elben und Zwerge laut aufschreien?
Elben oder Elfen? ;)

Bewusst gefragt, denn die Darstellung/Lebensweise/Zivilisation/etc. von Orks in Mittelerde und in anderen Settings unterscheidet sich massiv.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 12:26
Wäre halt ein bißchen die Frage, wo man die Grenzen zieht. Nehmen wir mal einen Pulpautor XY, der in seinen Geschichten gerne dunkelhäutige Wilde und undurchsichtig-geheimnisvolle Asiaten verwendet -- ist das jetzt schon rassistisch, oder muß man da, um bloß ja nicht als politisch überkorrekt beschimpft zu werden, als gebildeter Leser "ganz selbstverständlich" wissen, daß diese Figuren auch nur auf dem Mist des Verfassers gewachsen sind und natürlich genausowenig reale Personen widerspiegeln wie Orks oder Zerg auch? Argumente lassen sich für beide Positionen finden...

Ein Autor (wenn er nicht auch noch romanlange Anlagen mitliefert udn pulp tut da swohl eher seltener) hat halt ein begrenztes Fenster zum Darstellen seiner Welt und oft auch einen technisch bedingten begrenzten Blickwinkel (wenn alle Xe auf den Ichprotagonisten schießen, weil die gerade im Krieg liegen, ist von einer eher unfreundlichen Darstellung auszugehen).

In einem Rollenspielwerk kann das noch eher divergieren, schließlich muss davon ausgegangen werden, dass auch unerwartete Facetten von den Spielern beleuchtet werden können.
 Das beginnt quasi äquivalent auf Pulpebene - und da kann man dann auch nicht viel mehr erwarten als oberflächliche aber ggf. gerade so entspannende Unterhaltung.
Aber je mehr ein Spiel bzw. sein Setting für sich Tiefe in Anspruch nimmt (zumindest wenn der gewählte Focus trifft), desto mehr kann man auch erwarten, dass die beschriebenen Gruppen und ihre Details zunehmend differenzierter dargestellt werden.

Vielleicht wäre ein möglicher "Pulp"-Basis-Rassismus/Fairness-Test: Ist anzunehmen, dass die Mehrheit der Spieler- ggf. mit demselben regeltechnischen Heldenbonus bzw. Details der Kulturausbau die andere Seite aber der Beibehaltung des globalen Tons wie vorher - auch die Gegenseite spielen würde, also z.B. eine Gruppe der "Wilden", welche mit den weißen Eidnringlingen umzugehen haben?
Dann könnte man davon ausgehen, dass die teils einseitige Darstellung einfach der praktischen Vorladung der Konfliktsituation dient, aber letztlich vom sozialen Gewicht her neutral wäre. (Wobei ich mich frage, warum das nicht öfter so in der Praxis geschieht - 2 Abenteuer bei 3/4 wiederverwendbarem Inhalt)
Andererseits - wenn die andere Seite eine entsprechend unappetitliche idiologische Prägung hat - wie z.B. Nazitum oder Warhammer Chaos Horden- , würde das ja auch nachvollziehbar eher nicht klappen.
Die Frage ist dann wohl doch noch einmal ein Stück komplexer.

Bezgl. PC:
Das Kernproblem liegt dann wohl in der Beschreibung/Definition von PC:
Die neutrale Basis ist, das Anstand, Respekt, Diskriminierungsfreiheit mehr (Be)achtung finden sollten.
Das dürften dann auch noch nahezu alle Leute unterschreiben.
In der Praxis geht es dann darum, wie diese Begriffe nun in eben realen Situationen gefüllt werden und in dabei auftretenden Konflikten dann abgewogen wird (oder eben auch nicht).
Und da sehe ich dann den Punkt, wo der Versuch, das mit Bezug auf politische Zuschreibungen zu füllen, diese Basis des urspünglichen Grundgedankens zu korrektem Umgang dann wiederum zum politischen Intrument macht, so diese als positives allgemeines Leitbild entwertet und zum Streitthema macht.
Oder kurz: Correctness ist sehr anzustreben und denke ich auch weitestgehend unumstritten, aber das zusätzliche political dadrin ist das darauf gesattelte Gift.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Derjayger am 23.11.2019 | 12:28
Ich finde die Vermenschlichung von eindeutig als Monster erdachten Kreaturen wie Orks sehr problematisch. Wenn man das tut, kann man auch einfach Menschen als Antagonisten verwenden.

Und wo verläuft die Grenze? Bekommen Menschenfresser (Oger) jetzt auch Menschenrechte? Sind Dämonen einfach nur zutiefst missverstandene Wesen? Kann man Zombies ihren Hunger nach Hirn vorwerfen?

Zumindest bei Monstern finde ich die Diskussion mehr als überflüssig.

Aus meiner Sicht ist eine "Kultur" bereits etwas Menschliches. Ich sehe nicht, dass Orks so etwas wie eine Kultur haben müssten.

Tudor: In den RPG-Gruppen scherzen wir immer darüber, wie zutiefst rassistisch (bzw. bei wenig Int: das Gleiche nur gegen Tiere) vieles an D&D ist. Was du beschreibst, gehört volle Kanne dazu. Inkl. dem ganzen Rattenschwanz wie dem Absprechen von Empfindsamkeit, Vernunft, usw.
Oder wozu existieren sie sonst, als nur, um geschreddert zu werden?

Was issi gleich sagen wird, finde ich spannend:
IdR. stehen Orks doch häufig für Unmenschlichkeit, Grausamkeit- Die können natürlich auch Menschen haben.

Also keine Lebewesen, sondern Symbol. Finde ich schön! Hat etwas literarisches. Man bekämpft Unmenschlichkeit und Grausamkeit (ironischerweise mit genau diesen Mitteln).
Das sieht aber leider kein D&D'ler so (nicht "wenige", sondern "keiner", also 0 von 40), sondern Orks sind Monster sind Lebewesen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 12:29
Aber für welche realweltliche Kultur sollen die Orks dann stehen?
Wenn es da keine eindeutigen  Andeutungen oder Hinweise gibt, wie vom Hamster angedeutet, wird es mMn. schwer eine realweltliche Kultur als Adressat ausfindig zu machen.

IdR. stehen Orks doch häufig für Unmenschlichkeit, Grausamkeit- Die können natürlich auch Menschen haben.
"Kein Tier kann so grausam sein, wie ein Mensch."- Weiß leider nicht, von wem das Zitat ist.
Ob sie für eine ganz bestimmte menschliche Kultur stehen sollen, ist selten festzumachen.

Dass sie eine Rasse sind, ist vermutlich dem Weltenbau geschuldet. Irgendwo müssen die Monster ja herkommen. Und weil sie nicht vom Himmel fallen sollen, werden sie halt geboren.
Was sie blöderweise auch zu einer eigenen Rasse mit- zugeschriebenen bösen Eigenschaften macht.


Das Märchen als Mutter der Fantasy Welten hat es da mMn. einfacher: "Es war einmal, in einem fernen Land..."
Wann und wo ist extra nicht relevant. Und auch wo die Un-menschlichen  Wesen herkommen, muss nicht erklärt werden.
Sie können einfach für "die Angst vor Unmenschlichkeit" stehen, ohne dass die Frage nach der Rasse aufkommt.
Und damit vermutlich auch zu einem - möglicherweise getarnten Realwelt Rassismus- der, so vermute ich zumindest, von den wenigsten Autoren so gedacht ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 23.11.2019 | 12:35
Aber für welche realweltliche Kultur sollen die Orks dann stehen?

mkn für den absoluten Abschaum, für Soldaten die ihre Kameraden für eine Zigarette ermorden würden, waren Tolkiens Inspiration.
Nur hatten diese Orks, aus Elben und  wohl auch Menschen gezüchtet und verdorben, keine Freiheit der Wahl
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 12:38
mkn für den absoluten Abschaum, für Soldaten die ihre Kameraden für eine Zigarette ermorden würden, waren Tolkiens Inspiration.
Nur hatten diese Orks, aus Elben und  wohl auch Menschen gezüchtet und verdorben, keine Freiheit der Wahl
Ich sag ja: Das Problem ist der Weltenbau.

Wenn das jetzt irgendwelche einzelnen Unholde wären- Keiner weiß, wo die herkommen (Es interessiert auch nicht)-, dann gäbe es das Problem vermutlich nicht.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 23.11.2019 | 12:43
Aber für welche realweltliche Kultur sollen die Orks dann stehen?
Wenn es da keine eindeutigen  Andeutungen oder Hinweise gibt, wie vom Hamster angedeutet, wird es mMn. schwer eine realweltliche Kultur als Adressat ausfindig zu machen.

Müssen sie denn für eine konkrete reale Kultur stehen, damit sie "zählen"? Oder reicht's gegebenenfalls schon, wenn sie einfach nur "böse, weil anders" sind?

Und natürlich gibt's neben dem "Rassismus in Reinkultur" auch gerne mal noch andere nicht ganz unproblematische Vorurteile. Das klassische "kolonialistische" Weltbild, nach dem die eigene Kultur ausersehen ist, die Zivilisation in die Welt zu tragen, hält andere (und insbesondere "primitivere") Kulturen ja beispielsweise auch gar nicht erst zwangsläufig für genetisch bedingt oder bösartig -- nur halt eben für dummerweise minderwertig und daher ersetzenswert... :P
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 12:45
Zitat
Aber für welche realweltliche Kultur sollen die Orks dann stehen?
Das greife ich mal auf.

"Rassismus" (als Begriff) ist in unserer realen Welt entstanden. Menschen gegenüber anderen Menschen. Vielleicht leben wir ja alle noch lange genug, bis wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie wir mit gelandeten Ausserirdischen umgehen wollen oder mit Deep Ones-Hybriden in Innsmouth.

Bis dahin bewegen wir uns in Fantasy Settings häufig in einer Simplifizierung, die in der realen Welt so nicht existent ist. Natürlich kann und sollte man in (pseudo-)historischen Settings sich Gedanken machen (hier gab es mal ein sehr sehr hartes Beispiel, bei dem jemand übel auf die Nase gefallen ist, weil er sich eben nicht genug Gedanken gemacht hat), in Fantasy kann man dies sicher auch tun, aber es ist imho kein "Muss", da wir hier, wie gesagt, von reiner Fiktion und Simplifizierung ausgehen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 12:48
Verweise auf Fantasy-Völker und ihre eventuellen Probleme sind doch in diesem Kontext eher Nebelkerzen. Heikel wird es doch immer erst dann, wenn reale Bezüge für irgendwen zu real sind (Orks mit Kolonialstereotypen wie Stammesgesellschaft + Schamanismus + evtl. dunkle Haut = Wilde z.B.). Und das ist erstmal theoretisch subjektiv und da gibt es keine fixe Regel für richtig oder falsch (also auch kein "politisch korrekt")!

Was es gibt ist ein Konsens unter mehreren Personen, was sie im Spiel nicht haben wollen, was sich für mich dann natürlich anfühlen kann wie "nix darf man mehr", wenn es eben gerade etwas betrifft, was für mich unproblematisch war.
Die Frage ist dann eben, ob mir als Autor /SL die evtl. historisch tradierten Settingsatzungen (z.B. "Frauen sind normalerweise am Herd") oder der Wunsch meiner Mitspielerin (z.B. "Ich möchte nicht auch noch in meiner Freizeit gegen Sexismus kämpfen müssen") wichtiger sind. Oder anders: gewinnt eure gemeinsame Runde mehr dadurch, dass das Setting dieses Element behält, oder dadurch, dass ihr zusammen spielt?

Im besten Fall spricht man drüber - allerdings sind Mitmenschen nicht in der Bringschuld, ihre Abneigung gegenüber problematischen Themen für mich zu begründen, insbesondere wie sie das Thema im wirklichen Leben stärker betrifft als mich (z.B. weil sie Frauen sind und ich nicht). Was für mich interesssant sein kann ("Spiel doch eine starke Frau!") kann für mein Gegenüber ein ausgelutschter, alter Hut sein, der nur noch nervt.
Und wenn ich dann einen Schritt zurück trete, mein "Meister"-Ego hinterfrage und das Unbehagen meines Gegenüber erst einmal anerkenne, dann zeugt das von Anstand und Rücksichtnahme und einem Gespräch auf Augenhöhe.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 12:49
Also keine Lebewesen, sondern Symbol. Finde ich schön! Hat etwas literarisches. Man bekämpft Unmenschlichkeit und Grausamkeit (ironischerweise mit genau diesen Mitteln).
Das sieht aber leider kein D&D'ler so (nicht "wenige", sondern "keiner", also 0 von 40), sondern Orks sind Monster sind Lebewesen.
Dazu gleich einen kleinen Caveat: Das Problem ist die Symbolhaftigkeit selber. Also wie wird diese Unmenschlichkeit oder Grausamkeit dargestellt und welche Schlussfolgerungen gibt das Setting dafür wieder.
Mal ein extra aus der Luft gegriffenes Beispiel zu bringen:
Wenn Du Orks hast, die alle blond sind, nordische Namen haben, alle mit gehörnten Helmen rumlaufen und diese uA dadurch als Grausamkeit in Person im Setting darstellst, die ohne Gewissensbisse der Spieler von den Heroen umgeschnetzelt werden sollen, könnte es passieren, dass schwedische Mitspieler etwas verschnupft drauf reagieren (also nicht mitspielen wollen).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 12:52
Müssen sie denn für eine konkrete reale Kultur stehen, damit sie "zählen"? Oder reicht's gegebenenfalls schon, wenn sie einfach nur "böse, weil anders" sind?
Eher umgekehrt: "Sie sind nicht böse, weil sie anders sind. Sondern sie sind anders, weil sie böse sind."
- Jetzt mal rein optisch- Ihre an Menschen erinnernde Gesichter sind als Fratzen dargestellt.
Extra übertrieben gefährlich- mit spitzen Zähnen.
Gesichter vor denen man sich fürchten soll.
Sie sollen deshalb zum Fürchten sein, weil sie stellvertretend für Unmenschlichkeit stehen.
Denn die gilt es mMn. zu fürchten. Die Abwesenheit von Mitgefühl und Menschlichkeit.

Wie etwa der böse Wolf bei Rotkäppchen.
Der ist ja auch ein Symbol für einen gefährlichen, unmenschlichen Menschen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 23.11.2019 | 12:52
Orks müssen noch nicht einmal Säugetiere sein. Selbst Halb-Orks lassen sich erklären, ohne dass Orks sich in dem Sinne fortpflanzen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 12:53
Ich halte, als alter Forgotten Realms-Fan, "Orks" sowieso für ein nicht unbedingt gutes Beispiel.

Stichworte sind Grey Orcs, Ondonti und das Verhältnis von Clan Battlehammer zu Obould Many-Arrows während der 4E. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 12:55
Aber für welche realweltliche Kultur sollen die Orks dann stehen?

Schauen wir uns mal an, wie sie in der Mehrzahl der D&D-Publikationen (besonders denen aus den 80ern und frühen 90ern) beschrieben werden):
- sie sind eine Stammeskultur, die sich (natürlich) durch angeborene Aggressivität auszeichnet
- sie sind nicht in der Lage kulturell etwas eigenes auf die Beine zu stellen (was natürlich am eigenen Versagen liegt, nicht daran dass Nachbarvölker sie regelmäßig erobern/versklaven) - sie leben in Höhlen oder Zelten aus Tierhäuten
- sie neigen zu Vergewaltigung von menschlichen (weißen) Frauen

Da sieht man schon einige Merkmale des kolonialistischen Weltbild. Es ist einfach eine Übernahme der Klischees des "schwarzen Wilden", mit gleichzeitigem Schönreden von deren realen Umständen (Übergriffe gegen und Ausbeutung von technologisch unterlegenen Kulturen - diese finden in der Fantasywelt nicht statt, die "Wilden" sind kein Produkt ihrer Umstände, sondern würden ohne die Kolonialherren genau die gleiche Gesellschaft bilden - Hinweise auf "verlorene" Städte in Zentralafrika oder dem Amazonas werden in Pulp-Geschichten gerne mal irgendwelchen untergegangenen (weißen) Kulturen angedichtet, statt den Völkern die dort tatsächlich wohnen).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 12:57

Zitat
Schauen wir uns mal an, wie sie in der Mehrzahl der D&D-Publikationen (besonders denen aus den 80ern und frühen 90ern) beschrieben werden):
- sie sind eine Stammeskultur, die sich (natürlich) durch angeborene Aggressivität auszeichnet
- sie sind nicht in der Lage kulturell etwas eigenes auf die Beine zu stellen (was natürlich am eigenen Versagen liegt, nicht daran dass Nachbarvölker sie regelmäßig erobern/versklaven) - sie leben in Höhlen oder Zelten aus Tierhäuten
- sie neigen zu Vergewaltigung von menschlichen (weißen) Frauen
Steht da wirklich weiß? (Ich kenne die frühen DnD Publikationen nicht, deshalb frage ich nach.)

Sowas trägt natürlich zu nem blöden Beigeschmack bei, keine Frage.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 13:00
Orks müssen noch nicht einmal Säugetiere sein. Selbst Halb-Orks lassen sich erklären, ohne dass Orks sich in dem Sinne fortpflanzen.
In "The Spire" legen Dunkelelfen übrigens Eier. Interessanterweise aus einer feministischen Settingsatzung heraus: Die Brutpflege ist nicht wie bei Säugetieren ein Gutteil Mutteraufgabe, daher gibt und gab es in dem Setting keinen Grund dafür, dass sich nur Männer ins Abenteuer stürzen. Das nur als kleines Beispiel, wie Gedanken über Inklusivität ein Setting auch bereichern können.

Einen hervorragenden Blog zu all diesen Themen möchte ich euch auch noch ans Herz legen: James Mendez Hodes (https://jamesmendezhodes.com/) schreibt über die Probleme von Verweisen auf reale Kulturen in Rollenspielen, und wie man trotzdem Spaß haben kann.
Hier die direkten Links zu seiner Analyse der Orks, Teil 1 (https://jamesmendezhodes.com/blog/2019/1/13/orcs-britons-and-the-martial-race-myth-part-i-a-species-built-for-racial-terror) und Teil 2 (https://jamesmendezhodes.com/blog/2019/6/30/orcs-britons-and-the-martial-race-myth-part-ii-theyre-not-human).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 13:05
Zitat
Steht da wirklich weiß? (Ich kenne die frühen DnD Publikationen nicht, deshalb frage ich nach.)
Kann mich nur auf zwei Settings beziehen (Dragonlance kennt keine Orcs, Dark Sun kenne ich zu wenig), aber in den Forgotten Realms leben Orcs eher im Norden, wo der menschlichen Zivilisation eher eine hellere Hautfarbe zugeordnet wird. Würden Orcs mit Frauen aus z. B. Calimshan (angelehnt an den Mittleren Osten) evtl. anders umgehen? Eher nicht imho.

In Greyhawk dürfte es ähnlich sein.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 13:08
Kann mich nur auf zwei Settings beziehen (Dragonlance kennt keine Orcs, Dark Sun kenne ich zu wenig), aber in den Forgotten Realms leben Orcs eher im Norden, wo der menschlichen Zivilisation eher eine hellere Hautfarbe zugeordnet wird. Würden Orcs mit Frauen aus z. B. Calimshan (angelehnt an den Mittleren Osten) evtl. anders umgehen? Eher nicht imho.

In Greyhawk dürfte es ähnlich sein.
Ok Danke.
Das hätte ich jetzt auch nicht angenommen.
Bzw. Das wäre schon ein starkes Stück.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 13:10
Und natürlich gibt's neben dem "Rassismus in Reinkultur" auch gerne mal noch andere nicht ganz unproblematische Vorurteile. Das klassische "kolonialistische" Weltbild, nach dem die eigene Kultur ausersehen ist, die Zivilisation in die Welt zu tragen, hält andere (und insbesondere "primitivere") Kulturen ja beispielsweise auch gar nicht erst zwangsläufig für genetisch bedingt oder bösartig -- nur halt eben für dummerweise minderwertig und daher ersetzenswert... :P

Wenn man die Ansprüche von PC anlegt, dann ist bei allen ggf. noch vorhandenen Defiziten die moderne westliche Welt da noch am nächsten dran - teils, weil sie es sich auch einfach leisten kann im Gegensatz zu weniger wirtschaftlich abgesicherten Völkern und/oder Zeiten.
Andersrum wird aber auch oft darauf gepocht , das andere Kulturen oder deren Entsprechungen korrekt wiedergeben geben. Dann aber ohne die dort ggf. vorhandenen -ismen quasi doch wieder nur Westler mit anderer Hautfarbe udn anderen Klamotten/Essen ?

Wie willst du den Widerspruch auflösen?

Die allermeisten Kulturen und Zeiten sind eben nicht korrekt. Also bleibt letztlich nur alle Kulturen im Design auf diesen westlichen oder gar einen idealen Nenner zu bringen oder aber im Spiel ein Gefälle zu haben, welches dann aus Sicht der fortschrittlicheren Völker nach Korrektur schreit.

Ok, bliebe noch die Möglichkeit alle Leute/Völker mit reichlich Unsauberkeiten auszustatten, aber dann haben wir wieder das Problem, dass auch überall Leute mit diesen Unsauberkeiten konfrontiert und ihnen ggf. gar selbst ausgesetzt werden.

...
Die Frage ist dann eben, ob mir als Autor /SL die evtl. historisch tradierten Settingsatzungen (z.B. "Frauen sind normalerweise am Herd") oder der Wunsch meiner Mitspielerin (z.B. "Ich möchte nicht auch noch in meiner Freizeit gegen Sexismus kämpfen müssen") wichtiger sind. Oder anders: gewinnt eure gemeinsame Runde mehr dadurch, dass das Setting dieses Element behält, oder dadurch, dass ihr zusammen spielt?

Im besten Fall spricht man drüber - allerdings sind Mitmenschen nicht in der Bringschuld, ihre Abneigung gegenüber problematischen Themen für mich zu begründen, insbesondere wie sie das Thema im wirklichen Leben stärker betrifft als mich (z.B. weil sie Frauen sind und ich nicht). Was für mich interesssant sein kann ("Spiel doch eine starke Frau!") kann für mein Gegenüber ein ausgelutschter, alter Hut sein, der nur noch nervt.
Und wenn ich dann einen Schritt zurück trete, mein "Meister"-Ego hinterfrage und das Unbehagen meines Gegenüber erst einmal anerkenne, dann zeugt das von Anstand und Rücksichtnahme und einem Gespräch auf Augenhöhe.

Idealerweise gibt es ein passendes Spiel für jeden Geschmack (und wenn was fehlt wäre das ja ein Thema, wie diese Nische noch zu füllen wäre) und dann wird in de rspielvorbereitung geschaut, was zu einer gegebenen Gruppe für alle passt oder was sich für ein fixes und ggf. polarisierendes Thema/Genre dann an passenden Spielern finden lässt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 23.11.2019 | 13:10
@der Tod: spannend, werde ich mir sicher durchlesen.  :d

In Harnworld sind die Orks auch insektenartig organisiert, inklusive eierlegender "Stammesmutter".
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 23.11.2019 | 13:11
Steht da wirklich weiß? (Ich kenne die frühen DnD Publikationen nicht, deshalb frage ich nach.)

Sowas trägt natürlich zu nem blöden Beigeschmack bei, keine Frage.

Ich sag's mal so: der klassische "D&D-Mensch" ist natürlich selbst heute noch erst mal ein Fantasy-Europäer und damit per Voreinstellung "weiß", und in den früheren Tagen war das aus meiner Sicht tatsächlich zumindest stellenweise noch ausgeprägter. Da fanden sich dann bei den Monsterbeschreibungen neben Orks und Goblins eben auch gleich noch hinreichend "exotische" (vulgo "nicht-europäische") menschliche Kulturen...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 13:13
Idealerweise gibt es ein passendes Spiel für jeden Geschmack (und wenn was fehlt wäre das ja ein Thema, wie diese Nische noch zu füllen wäre) und dann wird in de rspielvorbereitung geschaut, was zu einer gegebenen Gruppe für alle passt oder was sich für ein fixes und ggf. polarisierendes Thema/Genre dann an passenden Spielern finden lässt.
:headbang:
Exakt. Man darf dann aber im Zweifel nicht beleidigt sein, wenn sich niemand mehr findet, der ein bestimmtes Spiel mit einem spielen möchte, weil es dem (inzwischen stärker vertretenen) Bedürfnis nach Inklusivität z.B. widerspricht.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 13:21
Zitat
Ich sag's mal so: der klassische "D&D-Mensch" ist natürlich selbst heute noch erst mal ein Fantasy-Europäer und damit per Voreinstellung "weiß", und in den früheren Tagen war das aus meiner Sicht tatsächlich zumindest stellenweise noch ausgeprägter. Da fanden sich dann bei den Monsterbeschreibungen neben Orks und Goblins eben auch gleich noch hinreichend "exotische" (vulgo "nicht-europäische") menschliche Kulturen...
(https://dndguide.com/wp-content/uploads/2018/04/Human-5e.png)
Du meinst wie diese junge Dame, als "ikonische" Darstellung der "Humans" im PHB 5E?

Oder diesen älteren Herren, seines Zeichens "Wizard", bzw. den etwas jüngeren, "Fighter" von Beruf ?
(https://media-waterdeep.cursecdn.com/avatars/thumbnails/6/357/420/618/636272696881281556.png)(https://media-waterdeep.cursecdn.com/avatars/thumbnails/6/359/420/618/636272697874197438.png)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 13:21
Faktisch ist PC ein rechter Kampfbegriff, der zur Verteidigung der Meinungsfreiheit verwendet wird, wo diese mit anderen Grundrechten in Konflikt gerät. Genau aus diesem Grund sollte die Verwendung vermieden werden. Das würde zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen.

PC ist mitterweile auch ein rechter Kampfbegriff - die absolute Einordnung als rechter Kampfbegriff ist letztlich nur eine Unterform der Nazikeule im Kampf um die Deutungshoheit, der sich längst nicht mehr an Inhalten, sondern an den Begriffen abarbeitet.
Da kann man jetzt mit viel Liebe einen neuen Begriff mit der (alten) inhaltichen Bedeutung basteln und dann feststellen, dass auch der in kürzester Zeit verbrannt ist.

Besser verlegt man sich gleich auf die Inhalte, wie Maarzaan das hier versucht.
Solange jemand unter PC ausschließlich die Grundsatzforderung nach Anstand und Würde versteht/verstehen will, redet man natürlich aneinander vorbei, wenn der andere von den Auswüchsen hinsichtlich absoluter/universeller Deutungsansprüche redet. Und letzteres darf man durchaus auch aus der Mitte kritisieren.


Aus meiner Sicht ist eine "Kultur" bereits etwas Menschliches. Ich sehe nicht, dass Orks so etwas wie eine Kultur haben müssten.

Da stößt die RL-Definition deswegen an ihre Grenzen, weil wir keine anderen kulturschaffenden Spezies auf dem Planeten haben.
Wie angeklungen wackelt das spätestens da, wo es noch andere weitgehend positiv dargestellte humanoide Spezies in einem Setting gibt.

Aber viel wichtiger:
Tudor: In den RPG-Gruppen scherzen wir immer darüber, wie zutiefst rassistisch (bzw. bei wenig Int: das Gleiche nur gegen Tiere) vieles an D&D ist. Was du beschreibst, gehört volle Kanne dazu. Inkl. dem ganzen Rattenschwanz wie dem Absprechen von Empfindsamkeit, Vernunft, usw.
Oder wozu existieren sie sonst, als nur, um geschreddert zu werden?

Es geht doch auch keiner her und mault, dass in einem Pulp-Setting die armen Mooks so entmenschlicht werden und nur als Kanonenfutter dienen. Da sind Menschenrechte überhaupt keine Kategorie, in der man sinnvoll denken kann.
Wenn Orks in 08/15-Dungeoncrawl-Fantasy die selbe Mook-Funktion haben, was soll diese Überlegung dann dort?

Das wird allerhöchstens da relevant, wo man eben keine Mooks hat, sondern andere vernunftbegabte Wesen, mit denen man halbwegs auf Augenhöhe interagieren kann.
Aber selbst da besteht überhaupt keine Notwendigkeit, in jedem Setting moderne Menschenrechte (die dann mehr oder weniger automatisch auch für andere vernunftbegabte Spezies gelten) einzubringen.
Wenn ein Spieler ein Problem damit hat, in so einem nicht-pulpigen (o.Ä.) Rahmen auf menschliche Gegner zu treffen und lieber irgendwelche Para-/Quasi-Menschen hätte - meinetwegen.
Wenn Gewalt gegen diese dann immer noch problematisch ist, muss man sich so langsam überlegen, ob man in dem Spiel grundsätzlich an der richtigen Adresse ist.

Solange aber niemand ein Problem damit hat, müssen weder Setting noch konkrete SCs den Anspruch zeitgenössischer Menschenrechtsüberlegungen bedienen - da sind wir nämlich wieder bei: "Wer so was spielt, ist ein (oder wird dadurch zum) Rassist und Menschenfeind". Und das ist so pauschal einfach mal Unsinn.


Also keine Lebewesen, sondern Symbol. Finde ich schön! Hat etwas literarisches. Man bekämpft Unmenschlichkeit und Grausamkeit (ironischerweise mit genau diesen Mitteln).
Das sieht aber leider kein D&D'ler so (nicht "wenige", sondern "keiner", also 0 von 40), sondern Orks sind Monster sind Lebewesen.

Irgendwann muss man für Spielzwecke eben vom Abstrakten weg.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 23.11.2019 | 13:22
:headbang:
Exakt. Man darf dann aber im Zweifel nicht beleidigt sein, wenn sich niemand mehr findet, der ein bestimmtes Spiel mit einem spielen möchte, weil es dem (inzwischen stärker vertretenen) Bedürfnis nach Inklusivität z.B. widerspricht.
Den Satz hätte es jetzt mMn. nicht  noch gebraucht.
Da steckt drin: "Wenn du auf Inklusivität keinen Wert legst, hast Du vielleicht bald keine Mitspieler mehr."

Das ist jetzt auch nicht gerade konstruktiv. Und es macht mMn. Inklusivität nicht unbedingt schmackhafter.
Ein "mir macht das Spaß, kann ich nur empfehlen" finde ich konstruktiver.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rorschachhamster am 23.11.2019 | 13:23
Ich sag's mal so: der klassische "D&D-Mensch" ist natürlich selbst heute noch erst mal ein Fantasy-Europäer und damit per Voreinstellung "weiß", und in den früheren Tagen war das aus meiner Sicht tatsächlich zumindest stellenweise noch ausgeprägter. Da fanden sich dann bei den Monsterbeschreibungen neben Orks und Goblins eben auch gleich noch hinreichend "exotische" (vulgo "nicht-europäische") menschliche Kulturen...
Das ist zwar wahr und sicherlich gab es genug Sachen die man da auch kritisch beleuchten sollte, aber so klingt das in meinen Augen (hihi!)  etwas unfair, weil in den Monsterbeschreibungen auch definitiv weiße, europäische Kulturen standen... Berserker und Banditen, zum Beispiel...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 13:26
:headbang:
Exakt. Man darf dann aber im Zweifel nicht beleidigt sein, wenn sich niemand mehr findet, der ein bestimmtes Spiel mit einem spielen möchte, weil es dem Bedürfnis nach Inklusivität z.B. widerspricht.

Das liegt in der Natur der Sache - und ist mit anderen ungewöhnlichen Elementen ja auch nicht anders.

Wo meine Bedenken liegen - da wie dort - ist der "unlautere Wettbewerb", wo zusätzlich zu den sachlichen Elementen noch zusätzlich Dreck geworfen wird.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 13:28
Denn Satz hätte es jetzt mMn. nicht  noch gebraucht.
Da steckt drin: "Wenn du auf Inklusivität keinen Wert legst, hast Du vielleicht bald keine Mitspieler mehr."

Das ist jetzt auch nicht gerade konstruktiv. Und es macht mMn. Inklusivität nicht unbedingt schmackhafter.
Stimme ich zu. Nächster Schritt ist dann eben, sehr unschön, "Wundert euch nicht, wenn keiner mehr eure Produkte kauft, wenn (unserer Meinung nach) nicht genug Wert auf Inklusivität gelegt wird."
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 13:34
Denn Satz hätte es jetzt mMn. nicht  noch gebraucht.
Da steckt drin: "Wenn du auf Inklusivität keinen Wert legst, hast Du vielleicht bald keine Mitspieler mehr."

Das ist jetzt auch nicht gerade konstruktiv. Und es macht mMn. Inklusivität nicht unbedingt schmackhafter.
Ein "mir macht das Spaß, kann ich nur empfehlen" finde ich konstruktiver.
Okay, mein Fehler, ich hätte es andersrum formulieren sollen: Die Anzahl an Personen, die Inklusivität als Kriterium für ihr gewünschtes Spiel zählt, ist innerhalb der letzten Jahre in unserer Szene gestiegen, so zumindest mein Eindruck. Was ich damit sagen wollte ist, dass keine "Elite" von oben herab Zwang auf deinen Spieltisch ausübt, sondern dass sich der durchschnittliche Geschmack der Spielerschaft wandelt und bei diesem Thema kritischer wird. Ein Ding in deinen Spielen, was zuvor nicht hinterfragt wurde, verlangt jetzt nach Aufmerksamkeit. Das war so neutral, nicht als Drohung o.ä. gemeint.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 23.11.2019 | 13:35
Aus meiner Sicht ist eine "Kultur" bereits etwas Menschliches. Ich sehe nicht, dass Orks so etwas wie eine Kultur haben müssten.

Und aus meiner Sicht ist das seinerseits schon wieder ein zutiefst menschlich-chauvinistisches Vorurteil. Kultur hat schließlich schon der Joghurt. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 13:37
Stimme ich zu. Nächster Schritt ist dann eben, sehr unschön, "Wundert euch nicht, wenn keiner mehr eure Produkte kauft, wenn (unserer Meinung nach) nicht genug Wert auf Inklusivität gelegt wird."
Nur als kleiner OT-Einwurf:
*lol* Nike hatte bewusst Werbung mit Colin Kaepenick geschaltet (Im Prinzip in den USA ein rotes Tuch für Trumpfans). Daraufhin gab es einen riesigen Shitstorm, bei dem sehr sehr viele Nikeschuhe verbrannt wurden. Natürlich hatte die Aktion sehr viel linken Zuspruch gefunden.
Endresultat: Nike hat extrem viel kostenlose Werbung erhalten und die Einnahmen ab Schaltung der Werbung sind in die Höhe gegangen. Die Aktie logischerweise auch.

Oder in kurz: Wenn Du versuchst etwas öffentlich zu boykottieren, nicht wundern wenn es nach hinten losgeht. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 13:46
Zitat
Oder in kurz: Wenn Du versuchst etwas öffentlich zu boykottieren, nicht wundern wenn es nach hinten losgeht. ;)
Jep, kenne die Werbung und fand es amüsant, aber ist ja nicht ganz neu (siehe Benetton).

Nur weiss ich nicht, wie gut das kleinere Unternehmen (sprich: Rollenspielverlage) so vertragen könnten.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 14:04
Nur weiss ich nicht, wie gut das kleinere Unternehmen (sprich: Rollenspielverlage) so vertragen könnten.

Da muss man zuerst mal bewerten, ob es um eine Boykottankündigung ohne Effekt geht oder um einen handfesten Boykott - das ist ein recht komplexes Thema.

Aber die Baustelle ist schon mal die richtige: Kein Rollenspiel der Welt wird aus dem alleinigen Grund nicht oder schlecht verkauft, weil es nicht inklusiv genug ist. Zumal die Hürde so niedrig ist, das selbst zu korrigieren, wenn alles andere passt.

Da muss ein Rollenspiel schon ziemlich ins Klo greifen, um deswegen spürbare Einbußen zu erleiden.
Alles andere sind wie erwähnt mehr oder weniger erfolgreiche Boykottaufrufe und/oder mehr als unfaire Schmutzkampagnen, die dann nicht mehr viel damit zu tun haben, das Ganze vom Markt (sprich: den tatsächlichen Kundenwünschen) regeln zu lassen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Derjayger am 23.11.2019 | 14:14
Es geht doch auch keiner her und mault, dass in einem Pulp-Setting die armen Mooks so entmenschlicht werden und nur als Kanonenfutter dienen. Da sind Menschenrechte überhaupt keine Kategorie, in der man sinnvoll denken kann.
Wenn Orks in 08/15-Dungeoncrawl-Fantasy die selbe Mook-Funktion haben, was soll diese Überlegung dann dort?

Das wird allerhöchstens da relevant, wo man eben keine Mooks hat, sondern andere vernunftbegabte Wesen, mit denen man halbwegs auf Augenhöhe interagieren kann.
Aber selbst da besteht überhaupt keine Notwendigkeit, in jedem Setting moderne Menschenrechte (die dann mehr oder weniger automatisch auch für andere vernunftbegabte Spezies gelten) einzubringen.
Wenn ein Spieler ein Problem damit hat, in so einem nicht-pulpigen (o.Ä.) Rahmen auf menschliche Gegner zu treffen und lieber irgendwelche Para-/Quasi-Menschen hätte - meinetwegen.

Solange aber niemand ein Problem damit hat, müssen weder Setting noch konkrete SCs den Anspruch zeitgenössischer Menschenrechtsüberlegungen bedienen - da sind wir nämlich wieder bei: "Wer so was spielt, ist ein (oder wird dadurch zum) Rassist und Menschenfeind". Und das ist so pauschal einfach mal Unsinn.

Jo, in 08/15 Crawlern. Nur rede ich davon nicht, weil ich davon ausging, dass diese eine Nische sind und die meisten hier meistens etwas darüber hinausgehendes spielen. Weil: Juhu, wieder 2d4+2 Goblins schnetzeln. Gähn.

Zitat
Wenn Gewalt gegen diese dann immer noch problematisch ist, muss man sich so langsam überlegen, ob man in dem Spiel grundsätzlich an der richtigen Adresse ist.

Schon mitgekriegt, dass Überwindung von Gegnern (insb. klassischen Monstern wie dem Mühlenoger in Pillars of Eternity 1) durch Dialog seit locker zehn Jahren ein Merkmal für Qualität in CRPGs ist, das von Presse und Spielern gern positiv hervorgehoben wird? Da muss man nicht gleich mit "problematischer Gewalt" oder "modernen Menschenrechten" kommen, da reicht meinetwegen auch Loot-Gier, durch die man überhaupt auf die Idee kommt, Verhandlungen zu führen. Was nur geht, wenn man den Monstern nicht jegliche Vernunft abspricht.
Wogegen du also argumentierst, ist längst Standard.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 23.11.2019 | 14:16
PC ist mitterweile auch ein rechter Kampfbegriff

Genaugenommen ist PC wenn ich mich nicht irre ursprüngllich ein rechter Kampfbegriff (ein Freund von mir hat über das Thema mal ne akademische Arbeit geschrieben und entsprechend recherchiert, kann das aber jetzt selbst nicht aus dem Stegreif belegen).
Diese historische Perspektive ist vielleicht aktuell nicht mehr besonders relevant. Allerdings zeigt sich der Begriff PC in seiner Diffusität schon immer wieder als sehr untauglich für ein politisches Vorgehen für Inklusivität und gegen Diskriminierung. PC ist halt vor allem das, wo alle, die sich angegriffen fühlen, etwas reinprojizieren und dann andere unter dem Label subsummieren können.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Läuterer am 23.11.2019 | 14:21
Elben oder Elfen?

Bewusst gefragt, denn die Darstellung/Lebensweise/Zivilisation/etc. von Orks in Mittelerde und in anderen Settings unterscheidet sich massiv.
Elb. Kein 11.

Das mit den Orks ist mir bewusst. Bei Warhammer sind es auch eher Pflanzen. Wobei mir das von jeher egal war.
Dennoch. Nur weil jemand keine Schriftsprache kennt und nicht in Steinhäusern wohnt oder Ackerbau betreibt, bedeutet keinesfalls, dass dieser jemand keine Kultur besässe.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.11.2019 | 14:23
Zitat
Jo, in 08/15 Crawlern. Nur ging ich davon aus, dass diese eine Nische sind und die meisten hier meistens etwas darüber hinausgehendes spielen. Weil: Juhu, wieder 2d4+2 Goblins schnetzeln. Gähn.
Schon mitgekriegt, dass Überwindung von Gegnern (insb. klassischen Monstern wie dem Mühlenoger in Pillars of Eternity 1) durch Dialog seit locker zehn Jahren ein Merkmal für Qualität in PC-Rollenspielen ist, das von Presse und Spielern gern positiv hervorgehoben wird? Da muss man nicht gleich mit "modernen Menschenrechten" kommen, da reicht meinetwegen auch Loot-Gier, durch die man überhaupt auf die Idee kommt, Verhandlungen zu führen.
Wogegen du also argumentierst, ist längst Standard.
Da halte ich dann aber mit dem sehr beliebten ARPG dagegen, in denen Verhandlungen wenn überhaupt rudimentär vorkommen. :)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 14:23
PC ist halt vor allem das, wo alle, die sich angegriffen fühlen, etwas reinprojizieren und dann andere unter dem Label subsummieren können.

Daher wie gesagt: Einzeln beschreiben, was man konkret meint und nicht einen neuen Begriff einführen, der schnell wieder untauglich wird.
Mühsam, aber unvermeidlich.

Schon mitgekriegt, dass Überwindung von Gegnern (insb. klassischen Monstern wie dem Mühlenoger in Pillars of Eternity 1) durch Dialog seit locker zehn Jahren ein Merkmal für Qualität in PC-Rollenspielen ist, das von Presse und Spielern gern positiv hervorgehoben wird?

(Ach ja, vor zehn Jahren, als Fallout 1 erschien... ~;D)

Und seitdem gibt es gar keine ARPGs & Co. mehr?

Habe ich vielleicht in genau dem zitierten Absatz Spielstile, -ziele und Spaßquellen unterschieden, was sich am Rechner in völlig verschiedenen Spielen ausdrücken muss, im P&P aber mit ein und dem selben Regelwerk umsetzbar ist?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 14:28
Was beim Thema Inklusivität, der viel zu selten beachtet wird:

Schwarze Menschen in westlicher Rüstung/ Kleidung, die icn einer Fantasywelt klar europäischen Hintergrundes leben!

Ich nenne das neokolonialen, rassistisch-chauvinistisch bevormundenden Paternalismus des Extraklasse, da unterstellt wrd, dass afrikanische Kulturen der gleichberechtigten bzw. vorberechtigen Darstellung nicht wert sind und People of Color nur dann über Zivilisation verfügen, wenn sie sich in die Kleidung und Kultur und Technik der weißen Unterdrücker einbinde!

Man empöre sich mit mir!

Oder: Gebt mir eure Empörung und eure politische Korrekheit - und ich mache, dass sie euch im Gesicht explodiert!

Außerdem: Bin ich der einzige der es seltsam findet, dass die Diskriminierung von Minderheiten vor allem von Angehörigen der Mehrheit als unerhört angeprangert wird, obgleich sich die Interessentsvertretungen der solchermaßen Diskriminierten überhaupt nicht enmpören?
Die sich ja durchaus hier und da artikulieren - in bestimmten Fällen aber nicht?
Weil sie sich nicht diskriminiert fühlen vielleicht?

Und DAS ist das wirklich der Antidiskriminierungs-GAU:
Wahrscheinlich sind die wohl einfach zu dumm und träge, um ihre Diskriminierung zu erkennen!
Und es retten den Tag und die Welt: Die Weiße Rächer der Enterb ... Diskriminierten!

Und schon diskutieren alte weiße heterosexuelle CIS-Männer und Frauen aus privilegierter Position (so die Darstellung der einzig noch existenten Gruppe, die man anscheinend nach Belieben mit Dreck bewerfen darf/muss) darüber, ob es nicht Zeit ist, den Unterprivilegierten mal zu zeigen, wo denen der Schuh drückt:
Zu wenig Frauen in DAX-notierten Vorständen!
Zu wenig schwarze Schauspielmillionäre mit Oscar!
Keine flächendenkenen Unisex-Toilletten!
Nicht genug Diversisität im Dungeon!

Ja, das drückt er, der Schuh - wenn man ihn sich nur fest genug über den Kopf zieht ...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 23.11.2019 | 14:41
Außerdem: Bin ich der einzige der es seltsam findet, dass die Diskriminierung von Minderheiten vor allem von Angehörigen der Mehrheit als unerhört angeprangert wird, obgleich sich die Interessentsvertretungen der solchermaßen Diskriminierten überhaupt nicht enmpören?
Die sich ja durchaus hier und da artikulieren - in bestimmten Fällen aber nicht?
Weil sie sich nicht diskriminiert fühlen vielleicht?

Die Behauptung kannst du sicher belegen, oder?

Womöglich hören wir, die es nicht betrifft, auch nicht genau genug hin. Und glauben deshalb da würde sich nicht empört. Überhaupt wird sich, wenn man mal wirklich in die öffentlichen Räume hineinhört, feststellen lassen, dass auch die Verfechter von politischer Korrektheit nicht so laut brüllen, wie hier immer getan wird. Im Netz scheint es nur häufig so.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 15:22
Nein .... das kann ich nicht ... du bist einfach zu gerissen für mich ....

Ach nein: Bist du nicht!  >;D

"Laternenfeste" statt Sankt Martinsumzug in Kitas - wegen der Muslime! Forderung Der LINKEn in Duisburg.

Seltsamerweise fanden sich nur muslimische Eltern, die sich mit ihren Kindern auf den St-MArtinsumzug in traditioneller Form und Namen gefreut hatten, die Moscheevereine blieben still oder waren dagegen.

Aber LINKE wissen, was Muslime wollen (auch wenn die das anders sehen).

https://www.derwesten.de/politik/selbst-muslime-halten-nichts-von-sankt-martins-verbot-in-kitas-id8637903.html
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 15:33
@General Kong: Wäre es vielleicht zielführender, das Thema eine Nummer kleiner zu halten, und beim Thema Rollenspiel-Settings zu bleiben?

Ich bleibe bei meinem Beispiel: James Mendez Hodes (https://jamesmendezhodes.com/blog/2019/6/30/orcs-britons-and-the-martial-race-myth-part-ii-theyre-not-human) bringt sein Unbehagen (sehr fundiert und gebildet) zum Ausdruck, dass er als POC bei der typischen Darstellung von Orks (und insbesondere der "gemischtrassigen" Halb-Orks) empfindet.

Keine Parteien, kein urdeutsches Brauchtum, keine Hollywood-Millionäre, keine Vorstandsquoten - ein Typ, der mit dir am Spieltisch sitzen könnte. Was würdest du ihm zum Thema Antidiskriminierung im Rollenspiel sagen?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 15:34
Was beim Thema Inklusivität, der viel zu selten beachtet wird:

Schwarze Menschen in westlicher Rüstung/ Kleidung, die icn einer Fantasywelt klar europäischen Hintergrundes leben!

Ich nenne das neokolonialen, rassistisch-chauvinistisch bevormundenden Paternalismus des Extraklasse, da unterstellt wrd, dass afrikanische Kulturen der gleichberechtigten bzw. vorberechtigen Darstellung nicht wert sind und People of Color nur dann über Zivilisation verfügen, wenn sie sich in die Kleidung und Kultur und Technik der weißen Unterdrücker einbinde!
Kein Problem. Wenn Du Probleme damit in einem Setting hast, dann spiel es nicht. Ich persönlich habe keine Probleme damit in einem Setting. Also würde das kein Ausschlusskriterium sein, ob ich ein Setting bespielen würde.

Siehst Du. Ganz einfach. Und ohne Empörung. Wenn Du Dir den Thread durchgelesen hättest, wäre Dir klar gewesen, dass das hier der Konsens war... von welchen "Seiten" auch immer. Einfach mal ein bisschen beruhigen und weniger empören. Dann funktionierts auch mit dem Nachbarn. :)

EDIT: Ansonsten was der Tod sagt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 23.11.2019 | 15:37
Außerdem: Bin ich der einzige der es seltsam findet, dass die Diskriminierung von Minderheiten vor allem von Angehörigen der Mehrheit als unerhört angeprangert wird, obgleich sich die Interessentsvertretungen der solchermaßen Diskriminierten überhaupt nicht enmpören?

[...]

Und schon diskutieren alte weiße heterosexuelle CIS-Männer und Frauen aus privilegierter Position (so die Darstellung der einzig noch existenten Gruppe, die man anscheinend nach Belieben mit Dreck bewerfen darf/muss) darüber, ob es nicht Zeit ist, den Unterprivilegierten mal zu zeigen, wo denen der Schuh drückt

Mal abgesehen davon, dass derlei Gefühlter Anekdotismus nicht gerade erkenntnisfördernd ist, muss man im Rollenspielbereich einfach mal konstatieren, dass das Unsinn ist. Da gibt es doch haufenweise Protagonist*innen der Diskussion (oder auch welche, die sich zwar nicht offensiv an der Diskussion beteiligen, aber einfach an Spielen mit einer erkennbar anti-heteronormativen, anti-rassistischen Agenda arbeiten), die damit sehr wohl ganz direkt an ihre eigene Positioniertheit und damit wahrscheinlich verknüpfte Diskriminierungserfahrungen andocken - Chris Spivey, Avery Alder, Steve Kenson, Jerry D. Grayson, Anne Kreider - das sind jetzt nur mal die, die mir ganz konkret einfallen. Erweitere das auf den Bereich der Phantastik, dann findest du z.B. die lauten Stimmen von Kameron Hurley, und N.K. Jemisin und wer weiß wen noch alles ...

Zweitens musst du (wahrscheinlich um so mehr in der deutschsprachigen Szene) die wahrscheinliche Überrepräsentation privilegierter Positionen im Rollenspiel einbeziehen. Wenn sagen wir mal 10% der im Tanelorn wahrnehmbaren Rollenspieler*innen aus im Großen und Ganzen ziemlich privilegierter Position lautstark für Inklusivität und Antidiskriminierung auftreten, und 50% der im Tanelorn wahrnehmbaren Rollenspieler*innen, die definitiv nicht aus so einer privilegierten Position sprechen, dann sind die 10% aus der einen Gruppe rein numerisch wahrscheinlich immer noch deutlich mehr als die 50% aus der anderen Gruppe. Und wenn sich dann noch ein oder zwei Einzelpersonen aus nicht-privilegierten Positionen mit einer "Anti-PC-Position" zu Wort melden, sind sie gleich noch Kronzeug*innen und erfahren damit eine überproportionale Aufmerksamkeit. Auf diese Art und Weise werden die Stimmen von Personen, die sich tatsächlich in Positionen befinden, in denen sie ernsthafte Diskriminierung erfahren und das auchals Kritik an diskriminierenden Strukturen artikulieren, tendenziell unhörbar gemacht, und die Schlussfolgerung ist dann, dass Antidiskriminierung und Inklusivität so Hobbys von weißen Mittelschichtlern wären und die tatsächlich Betroffenen ja eh ganz andere Probleme hätten bzw. sich einfach nicht so anstellen würden.

Zuletzt ist dieser ganze identitätspolitische Ansatz, der hinter deinem Einwand steckt, in meinen Augen eh ziemlich fragwürdig. Der ziemlich vernünftige Gedanke, dass, wenn es um Diskriminierung geht, vor allem immer erst einmal die Betroffenen sprechen und Forderungen artikulieren sollten, ist ja streckenweise in die Vorstellung übergegangen, dass von einer privilegierten Position aus ein erkenntnisförderndes Sprechen zu Diskriminierungsfragen unmöglich sei und Vertreter*innen dieser Positionen schlicht und einfach zu schweigen bzw. Positionen der Betroffenen ohne jeden Dialog zu übernehmen hätten. Halte ich ehrlich gesagt für eine blöde Position (und habe mich auch viel persönlich mit ihr herumgeschlagen). Klar sind die gesellschaftlichen Positionen, von denen aus gesprochen wird, relevant, aber daraus ableiten zu wollen, wer sich zu welchem Thema legitimerweise äußern darf und wer nicht, führt weitergedacht nur in eine völlige Zersplitterung des gesellschaftlichen Diskurses. (Wobei ich einräumen muss, dass ein "Du hältst jetzt mal bitte zu diesem Thema einfach die Klappe und hörst erst mal zu!" ziemlich oft wichtig und legitim ist und ich mir den entsprechenden Schuh auch schon mehr als einmal anziehen musste ...).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 23.11.2019 | 15:55
Meine Frage blieb ja leider bisher unbeantwortet: was wäre denn ein Beispiel, wo die PC-Elite sich für den Verbot eines Rollenspieles eingesetzt hat?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 23.11.2019 | 15:57
Meine Frage blieb ja leider bisher unbeantwortet: was wäre denn ein Beispiel, wo die PC-Elite sich für den Verbot eines Rollenspieles eingesetzt hat?

Also, ich als PC-Elite wäre total für ein Verbot von Gumshoe. Dann wäre das plötzlich so voll underground, und mir würden die Spieler nur so zufliegen, wenn ich im Darknet eine Runde anbiete.  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 23.11.2019 | 16:03
South Park Lehrt uns PC ist Böse und wird vor allem von Affenartigen verrückten/ und oder Kriminellen betrieben . Doch das ist wahrscheinlich eine Parodie und bewusst überspitzt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 16:56
@General Kong: Wäre es vielleicht zielführender, das Thema eine Nummer kleiner zu halten, und beim Thema Rollenspiel-Settings zu bleiben?

Ich bleibe bei meinem Beispiel: James Mendez Hodes (https://jamesmendezhodes.com/blog/2019/6/30/orcs-britons-and-the-martial-race-myth-part-ii-theyre-not-human) bringt sein Unbehagen (sehr fundiert und gebildet) zum Ausdruck, dass er als POC bei der typischen Darstellung von Orks (und insbesondere der "gemischtrassigen" Halb-Orks) empfindet.

Keine Parteien, kein urdeutsches Brauchtum, keine Hollywood-Millionäre, keine Vorstandsquoten - ein Typ, der mit dir am Spieltisch sitzen könnte. Was würdest du ihm zum Thema Antidiskriminierung im Rollenspiel sagen?

Dass ich die von ihm vorgenomme Unterscheidung von Rassismus und rassistischem Voruteil für Unfug und Sophismus halte, den er im amerikanisch-angelsäschsischen (darf/soll man eigentlich auch nicht mehr sagen) Diskussionkontext vielleicht noch an die geneigte Zuhörerschaft bringen kann, die aber schon in anderen Kulturen/ Gesellschaften (z.B. afrikanischen, z.B. Angola oder Südafrika, bestimmt aber Namibia und Zimbabwe) für die Tonne ist.
Aber als Exkulpieren seiner eigenen Referenzgruppe ist das eine prima Propaganda.

Aber vor allem würde ich ihm sagen, dass wir uns zum Spielen getroffen haben und ich nun wissen möchte, wo er nach Fallen sucht.  ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 17:12
Dass ich die von ihm vorgenomme Unterscheidung von Rassismus und rassistischem Voruteil für Unfug und Sophismus halte, den er im amerikanisch-angelsäschsischen (darf/soll man eigentlich auch nicht mehr sagen) Diskussionkontext vielleicht noch an die geneigte Zuhörerschaft bringen kann, die aber schon in anderen Kulturen/ Gesellschaften (z.B. afrikanischen, z.B. Angola oder Südafrika, bestimmt aber Namibia und Zimbabwe) für die Tonne ist.
Okay. Ich beisse an: Wie hat er Deiner Meinung nach Rassismus und rassistisches Vorurteil unterschieden und wieso kann man es in die Tonne treten?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 17:25
Mal abgesehen davon, dass derlei Gefühlter Anekdotismus nicht gerade erkenntnisfördernd ist, muss man im Rollenspielbereich einfach mal konstatieren, dass das Unsinn ist. Da gibt es doch haufenweise Protagonist*innen der Diskussion (oder auch welche, die sich zwar nicht offensiv an der Diskussion beteiligen, aber einfach an Spielen mit einer erkennbar anti-heteronormativen, anti-rassistischen Agenda arbeiten), die damit sehr wohl ganz direkt an ihre eigene Positioniertheit und damit wahrscheinlich verknüpfte Diskriminierungserfahrungen andocken - Chris Spivey, Avery Alder, Steve Kenson, Jerry D. Grayson, Anne Kreider - das sind jetzt nur mal die, die mir ganz konkret einfallen. Erweitere das auf den Bereich der Phantastik, dann findest du z.B. die lauten Stimmen von Kameron Hurley, und N.K. Jemisin und wer weiß wen noch alles ...

Zweitens musst du (wahrscheinlich um so mehr in der deutschsprachigen Szene) die wahrscheinliche Überrepräsentation privilegierter Positionen im Rollenspiel einbeziehen. Wenn sagen wir mal 10% der im Tanelorn wahrnehmbaren Rollenspieler*innen aus im Großen und Ganzen ziemlich privilegierter Position lautstark für Inklusivität und Antidiskriminierung auftreten, und 50% der im Tanelorn wahrnehmbaren Rollenspieler*innen, die definitiv nicht aus so einer privilegierten Position sprechen, dann sind die 10% aus der einen Gruppe rein numerisch wahrscheinlich immer noch deutlich mehr als die 50% aus der anderen Gruppe. Und wenn sich dann noch ein oder zwei Einzelpersonen aus nicht-privilegierten Positionen mit einer "Anti-PC-Position" zu Wort melden, sind sie gleich noch Kronzeug*innen und erfahren damit eine überproportionale Aufmerksamkeit. Auf diese Art und Weise werden die Stimmen von Personen, die sich tatsächlich in Positionen befinden, in denen sie ernsthafte Diskriminierung erfahren und das auchals Kritik an diskriminierenden Strukturen artikulieren, tendenziell unhörbar gemacht, und die Schlussfolgerung ist dann, dass Antidiskriminierung und Inklusivität so Hobbys von weißen Mittelschichtlern wären und die tatsächlich Betroffenen ja eh ganz andere Probleme hätten bzw. sich einfach nicht so anstellen würden.

Zuletzt ist dieser ganze identitätspolitische Ansatz, der hinter deinem Einwand steckt, in meinen Augen eh ziemlich fragwürdig. Der ziemlich vernünftige Gedanke, dass, wenn es um Diskriminierung geht, vor allem immer erst einmal die Betroffenen sprechen und Forderungen artikulieren sollten, ist ja streckenweise in die Vorstellung übergegangen, dass von einer privilegierten Position aus ein erkenntnisförderndes Sprechen zu Diskriminierungsfragen unmöglich sei und Vertreter*innen dieser Positionen schlicht und einfach zu schweigen bzw. Positionen der Betroffenen ohne jeden Dialog zu übernehmen hätten. Halte ich ehrlich gesagt für eine blöde Position (und habe mich auch viel persönlich mit ihr herumgeschlagen). Klar sind die gesellschaftlichen Positionen, von denen aus gesprochen wird, relevant, aber daraus ableiten zu wollen, wer sich zu welchem Thema legitimerweise äußern darf und wer nicht, führt weitergedacht nur in eine völlige Zersplitterung des gesellschaftlichen Diskurses. (Wobei ich einräumen muss, dass ein "Du hältst jetzt mal bitte zu diesem Thema einfach die Klappe und hörst erst mal zu!" ziemlich oft wichtig und legitim ist und ich mir den entsprechenden Schuh auch schon mehr als einmal anziehen musste ...).

Mag sein, dass dir das als "gefühlter Anektionismus" vorkommt. Die Anführung von Mitgliedern gefühlter oder tatsächlicher Minderheitsvertreter und die Quantifizierung als "haufenweise" (als Anteil der Gesamtmenge der Rollenspielautoren) fällt dir dabei allerdings argumentativ auf die Füße.

"Priviligierte Position" - ist was? Dach über dem Kopf, Zugang zum Internet, dauerhafte Erwerbbeschäftigung, genug Freizeit, um hier zu posten?
Ich denke, dass ich da eine andere Definition von Privilegien im gesamtgesellschaftlichen Kontext habe. Die Fachrichtung Geschichts  und Sozialwissenschaften auch. Ich behaupte, dass KEINER (oder kaum einer) der hier postet, nennenswerte Privilegien im sozilawisschenschaftlichen Sinne genießt, die er nicht so oder ähnlich mit Mitgliedern sogennanter Minderheiten teilt, wodurch die "Vorrechte" zu bloßen Rechten werden, die universellen Charakter in unserer Gesellschaft haben.

Heteronormativität - ist ein statistisches Faktum. Auch wenn es einem nicht passt.

Das Argument, dass nicht-hörbare Stimmen unterpriviligierter Menschen unhörbar sind , weil man sie nicht beachtet - also nicht hört - nun:
In einer Welt, in der in einer historische einmaligen Situation nun wirklich jeder in sozialen Medien die Möglichkeit besitzt zumindest Lärm zu erzeugen, erscheint mir das zu behaupten gewagt.
Ob die Person dann ge- und erhört wird, wäre eine zweite Frage.

Das Argument ist tautologisch, der Hinweis auf "Verräter" (Minderheitenmitglieder, die es wagen nicht ins Diskriminierungshorn zu tuten), die dann auch noch wagen eine andere (nämich ihre) Meinung zu vertreten und so dem Anliegen der hörbar Ungehörten zu schaden ist (Wortspiel!) unerhört.

"Zuletzt ist dieser ganze identitätspolitische Ansatz, der hinter deinem Einwand steckt, in meinen Augen eh ziemlich fragwürdig ..." [/i]- ab hier, lieber Rumpel, stimme ich dir 100%ig zu!

Im übrigen bin ich kein Vertreter dieses Ansatzes, ich halte ihn für falsch und schädlich und hatte ihn nur darstellen wollen. Habe mich wohl undeutlich ausgedrückt - aber der Gewinn daraus ist, dass du in diesem Abschnitt genau das sagst, was ich meine - und sehr gut auf den Punkt!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: klendathu am 23.11.2019 | 17:37
Speakers Corner lässt grüßen.
Ich bin raus.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 23.11.2019 | 17:41

"Priviligierte Position" - ist was? Dach über dem Kopf, Zugang zum Internet, dauerhafte Erwerbbeschäftigung, genug Freizeit, um hier zu posten?
Ich denke, dass ich da eine andere Definition von Privilegien im gesamtgesellschaftlichen Kontext habe. Die Fachrichtung Geschichts  und Sozialwissenschaften auch. Ich behaupte, dass KEINER (oder kaum einer) der hier postet, nennenswerte Privilegien im sozilawisschenschaftlichen Sinne genießt, die er nicht so oder ähnlich mit Mitgliedern sogennanter Minderheiten teilt, wodurch die "Vorrechte" zu bloßen Rechten werden, die universellen Charakter in unserer Gesellschaft haben.

Das "Privilegienfass" hast du nun mal leider aufgemacht, ich bin ja selbst kein Fan von dieser Art der Kategorisierung.
Im Endeffekt kann man da wieder nur von konkreten Diskriminieruungen reden, denen Menschen aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen ausgesetzt sind, und nicht von übergreifend privilegierten Positionen von bestimmten Personen. In Bezug auf Rassismus bin ich nun mal (wie man an meinem Profilbild sieht) in den meisten Situatioen, in denen ich mich bewege, privilegiert. Ich nehme mal an, dass du z.B. das meinst, wenn du die "Hobby-PCisten" kritisierst.


Heteronormativität - ist ein statistisches Faktum. Auch wenn es einem nicht passt.

HN ist eine gesellschaftliche Praxis, die einem passen kann oder nicht.

der Hinweis auf "Verräter" (Minderheitenmitglieder, die es wagen nicht ins Diskriminierungshorn zu tuten), die dann auch noch wagen eine andere (nämich ihre) Meinung zu vertreten und so dem Anliegen der hörbar Ungehörten zu schaden ist (Wortspiel!) unerhört.

Ich weiß nicht, wo du die Verräter hernimmst. Ich nehme mir nicht heraus, zu bestimmen, wer legitimerweise welche Positionen vertreten darf. Ich sage nur, dass das ständig aufgetischte anekdotische: "Also ich kenne mindestens eineN schwarzen/schwulen/Frau, der/die das ganz anders sieht!" dazu führt, dass entsprechende Selbstpositionierungen im Diskurs überrepräsentiert sind. Mit "Kronzeuge" meine ich vor allem, dass diese Leute mit ihren Positionen dann von anderen Leuten ständig vor sich hergetragen werden (oft, ob sie es wollen oder nicht).



Im übrigen bin ich kein Vertreter dieses Ansatzes, ich halte ihn für falsch und schädlich und hatte ihn nur darstellen wollen. Habe mich wohl undeutlich ausgedrückt - aber der Gewinn daraus ist, dass du in diesem Abschnitt genau das sagst, was ich meine - und sehr gut auf den Punkt!

Dir ist also nicht aufgefallen, dass du selbst identitätspolitisch argumentierst, wenn du es für besonders fragwürdig erklärst, wenn Diskriminierende Handlungsweisen/Inhalte von Personen kritisiert werden, die den jeweiligen Diskriminierungen gar nicht ausgesetzt sind?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 17:52
Okay. Ich beisse an: Wie hat er Deiner Meinung nach Rassismus und rassistisches Vorurteil unterschieden und wieso kann man es in die Tonne treten?

Ich halte beides für dasselbe. Der angewendete Trick ist, staatlich oder gesellschaftlich organisierten Rassismus als System in "Rassismus" umzubenennen. Damit betreibt man Begriffsverwirrung und kann sodann behaupten:
"Schwarze Menschen sind NIE rassistisch. DAS können nur Weiße!"

Unfug! Systematische Unterdrücken ist per definitionem nur derjenigen Gruppe, Schicht oder Klasse (meinetwegen auch Rasse) möglich, die in Machtpositionen sitzt und den Zugang dazu und die damit verbundenen Vorrechte kontrolliert.
Beispiel Angola: Nach dem erfolgreichen Befreiungskampf gegen Portugal und der weitgehenden Vertreibung/ Auswanderung der weißen Portogiesen 1974 gehören zur herrschenden Schicht die führenden kader der MPLA und nun ihrer Nachfolger - fast ausschließlich gebildete Mulatten aus den Großstäften.

In Liberia errichteten die eingewnderten Ex-Sklaven einen an den USA orientierten Staat, der systematsich die dort lebenen Einwohner der ansäßigen Völker benachteiligte. Rassismus?
 
"Nein, die sind ja alle schwarz!" - QUARK! Ein Schwarzer in den USA gehört ob seiner für afrikaner leicht als nicht-schwarz erkennbaren Hautfarbe zu einer privilegiertn Kaste/ Rasse, lebten sie in ihrer eigenen Gesellschaft. Und untereinander funktioniert das auch super.

Juden im Dritten Reich und den besetzten Gebieten waren hellhäutig und praktisch nicht von anderen Menschen weißer Hautfarbe zu unterscheiden. Polen und Russen auch nicht. Dennoch wurden sie (und ein haufen anderer Völker und Menschengruppen) aus rassistischen Überlegungen verfolgt und vernichtet.

Weiße könne also Weiße rassistisch begegnen, Farbige oder Schwarze anderen Farbigen oder Schwarzen aber nicht? Neh, ist klar.

Aber im US-Kontext kann man sich so als Opfer fühlen oder gerieren und seine moralische Überlegenheit "feiern", denn man hat ja höchstens "rassistische Vorurteile".

Anstatt an der tatsächlichen Benachteiligung der Arbeiterklasse und anderer Schichten (gleich welcher Hautfarbe, Nationalität, Religion oder Sexvorliebe) etwas zu ändern oder dese wenigstens anzuerkennen, definiert man lieber an einem Aspekt des Problems herum, betreibt selber eine in sich rassistische Identitätspolitik und arbeitet sich an Kleinigkeiten ab, die das Problem (ich komme aus einer benachteiligten sozialen Schicht - was kann ich ändern, wer kann mir helfen?) überhaupt nicht addressiert.

Aber man fühlt sich gut (oder schön schlecht) dabei - Hauptsache!

Soweit meine Meinung dazu.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 17:54
Ich bleibe bei meinem Beispiel: James Mendez Hodes (https://jamesmendezhodes.com/blog/2019/6/30/orcs-britons-and-the-martial-race-myth-part-ii-theyre-not-human) bringt sein Unbehagen (sehr fundiert und gebildet) zum Ausdruck, dass er als POC bei der typischen Darstellung von Orks (und insbesondere der "gemischtrassigen" Halb-Orks) empfindet.

Neben der von Gen. Kong angesprochenen Unterscheidung übersieht oder unterschlägt er an ein paar Stellen, wie einfach eine Korrektur sein kann (warrior race vs. warrior culture).

Und der eine Rundenbericht ist eine ganz großartige Arschlochiade...da kommt für mich ausnahmslos jeder als Depp rüber, inklusive James, und ich habe an genau einer Stelle zustimmend genickt: "The DM ends the game".

ein Typ, der mit dir am Spieltisch sitzen könnte. Was würdest du ihm zum Thema Antidiskriminierung im Rollenspiel sagen?

Davon ausgehend*, dass ich klassisch Beer & Pretzel-D&D spielen/leiten will und James ankommt mit "we must personify and humanize orcs"?
Da würde ich sagen: Nein, müssen wir nicht und machen wir in diesem Spiel nicht - weil ich deinen Kerngedanken von im Spiel erlerntem/bestätigtem und ins echte Leben übertragenem Verhalten so weit nicht teile, dass ich da keinen Handlungsbedarf sehe.
Wohin das dann führt, sieht man im Einzelfall. Absehbar wohl dazu, dass James und ich nicht miteinander spielen.

*Mit einigen D&D-Setzungen bin ich auch nicht glücklich, weil es mMn einem interessanten Spiel eher abträglich ist - dazu gehören u.A. nach Rassen festgelegte Alignments und pauschal als Kanonenfutter vordefinierte Humanoide**.
Das führt aber nicht dazu, dass ich anders D&D spiele, sondern dass ich etwas anderes als D&D spiele.
Wobei ich davon ausgehe, dass ich mich mit James an anderer Stelle in recht ähnlicher Weise in die Haare kriegen würde.

**Ich gehe davon aus (und erlebe es auch ständig), dass meine Spieler reif genug sind, ohne Dehumanisierung Gewaltentscheidungen zu treffen.
Es geht schließlich immer noch um fiktive Personen und mir leuchtet nicht ein, warum man die obendrauf noch dehumanisieren müsste.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 17:59
Dir ist also nicht aufgefallen, dass du selbst identitätspolitisch argumentierst, wenn du es für besonders fragwürdig erklärst, wenn Diskriminierende Handlungsweisen/Inhalte von Personen kritisiert werden, die den jeweiligen Diskriminierungen gar nicht ausgesetzt sind?

Ich kritisiere daran den Paternalismus, der sich darin ausdrückt, dass Personen, die den Diskriminierungen nicht aussetzt sind, nicht zur Unterstützung der Diskriminierten das Wort ergreifen, sondern statt ihrer das große Wort führen, obgleich von der angeblich betroffene Gruppe nichts oder das genaue Gegenteil zu hören ist!
Was daran eien identitätspolitische Argumentation sein soll, entzieht sich mir. Es entspricht eher deinem Ansatz von "erst mal Klappe halten und zuhören" und meinem Vertrauen, dass sich Betroffene am besten selber um ihre belange kümmern. Wenn sie um Hilfe bitten - nur zu!

Aber welche Anmaßung, es besser wissen zu wollen als die (vermeintlich) Betroffenen selber!
Welche Dreistigkeit und Arroganz, ungefragt die Kämpfe anderer zu führen!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 23.11.2019 | 17:59
South Park Lehrt uns PC ist Böse und wird vor allem von Affenartigen verrückten/ und oder Kriminellen betrieben . Doch das ist wahrscheinlich eine Parodie und bewusst überspitzt.

Die Frage an dich wäre ja, wenn die PC-Elite böse ist, sind sie dann nicht doch die eigentlichen, mißverstandenen Helden, bzw. was könnten sie tun um die Guten auf ihre Seite zu ziehen? >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 23.11.2019 | 18:03
Speakers Corner lässt grüßen.
Ich bin raus.

Auch wenn ich Teil des Problems bin, gebe ich zu: der Mann hat recht! :-[

Von meiner Seite ist auch alles gesagt - und das Pfadthema ist schon längst perdu.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 18:05
Soweit meine Meinung dazu.
Danke für Deine Einschätzung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 23.11.2019 | 18:09
Okay. Ich beisse an: Wie hat er Deiner Meinung nach Rassismus und rassistisches Vorurteil unterschieden und wieso kann man es in die Tonne treten?

Die Trennung geht von einem monolithischen rassisch definierten Block von Priviligierten gegenüber Unterdrückten aus und dass es umgekehrt nur Vorurteile gibt - die ja letztlich doch nur wieder aus dem ungerechten System stammen.

Dasselbe würde man wohl von einem Nazi hören, wenn es darum geht, warum man gegen die "jüdisch-imperialistische Weltverschörung" angehen muss: Blockbildung nach Rasse und letztlich Entschuldigung von folgenden Übergriffen gegen beliebige Mitglieder des "priviligierten" Blocks auf Basis dieser Zugehörigkeit.
Wenn ich etwas als rassistisch ansehen würde, wäre das also diese genetisch sortierte Lagerbildung in Böse auf der anderen und maximal als unangemessen hart anzusehende Notwehr auf der eigenen Seite.

Letztlich macht er genau das, wozu Orks manchen Autoren sonst dienen: Angriffe auf gesichtsloser rassischer Basis und einheitlicher Attributszuschreibung legitimieren -> und damit ab in die Tonne.

Abgesehen davon: nach dem Artikel könnten sich ja auch die Deutschen als diskriminierte Opfer des Orkbildes aufführen, wurden doch genau solche Stereotypen auch in der gegen sie gerichteten und sogar recht expliziten Propaganda benutzt.
Oder man stellt fest, dass es in ihrer Geschichte einen Präzedenzfall für das Passen zu dem Bild des blutrünstigen Killers gab, aber wenn man sich nicht weiter in der Nazitradition sieht keinen Anlass gibt sich weiter als Ziel dieses Vergleichs zu sehen: doppelt, wenn man auch andere Repräsentationen für sich im Spiel finden kann.

Und ansonsten haben wir jetzt wohl genug Beispiele für "Mach so (bzw "so nicht") oder du bist rassistisch".

Wobei meiner Meinung nach immer noch ein wahrer Kern zu finden ist: Orks oder Nazis als grobe Repräsentationen des klassischen Bösen ist entsprechend groben Spielen angemessen.
Wer dann aber mehr als schnellen Pulp darstellen will, muss sich auch die Mühe zu mehr Differenzierung und Individualisierung seines gesamten Personals machen oder tatsächlich Fragen zu seiner Intention stellen lassen. 

Bezgl. Patronismus:
Wenn jemand der nicht diskriminiert wird für solche Partei ergreift, ist das erst einmal eine anständiges Anliegen (so es denn tatsächlich der Kern dieses Anliegens ist) . Aber auch damit bleibt die Frage wie sehr er und seine Sichtweise tatsächlich repräsentativ für die von ihm vertretene Gruppe ist und wie berechtigt deren Anliegen dann in Abwägung mit anderen Anliegen. Eine freie Wahl hat es ja letztlich nicht dazu gegeben. Und dann muss eben auch die umgekehrte Darstellung von Meinungen aus diesem Pool gleichberechtigt erlaubt sein, welche dieser ersten Patronsposition nicht folgen.

Ohne Daten wäre wohl der kollateralschadensfreieste (und ggf lukrativste) Weg zu schauen, in wie weit man für die geäußerten Bedürfnisse passende Spielvarianten erzeugen kann. Letztlich würden dann die Verbreitungs- oder gar Verkaufsdaten des Spiels am ehesten aufzeigen, wie viel Bedarfsdruck da tatsächlich anliegt.


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Achamanian am 23.11.2019 | 18:10
Ich kritisiere daran den Paternalismus, der sich darin ausdrückt, dass Personen, die den Diskriminierungen nicht aussetzt sind, nicht zur Unterstützung der Diskriminierten das Wort ergreifen, sondern statt ihrer das große Wort führen, obgleich von der angeblich betroffene Gruppe nichts oder das genaue Gegenteil zu hören ist!

Tja, und das bleibt halt leider pure Behauptung. Klar gibt es das. Auf der Grundlage jedem, der nicht von der Warte eigener erlebter Diskriminierung aus gegen Diskriminierung argumentiert, Paternalismus und Arroganz zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 23.11.2019 | 18:18
Auch wenn ich Teil des Problems bin, gebe ich zu: der Mann hat recht! :-[

Von meiner Seite ist auch alles gesagt - und das Pfadthema ist schon längst perdu.
+1
pc => SC  ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 23.11.2019 | 18:20
Die Trennung geht von einem monolithischen rassisch definierten Block von Priviligierten gegenüber Unterdrückten aus und dass es umgekehrt nur Vorurteile gibt - die ja letztlich doch nur wieder aus dem ungerechten System stammen.
Nee. Das steht nicht im vorliegenden Text. Du interpretierst wieder Sachen rein, die da nicht stehen.
Zitat
Dasselbe würde man wohl von einem Nazi hören, wenn es darum geht, warum man gegen die "jüdisch-imperialistische Weltverschörung" angehen muss: Blockbildung nach Rasse und letztlich Entschuldigung von folgenden Übergriffen gegen beliebige Mitglieder des "priviligierten" Blocks auf Basis dieser Zugehörigkeit.
Wenn ich etwas als rassistisch ansehen würde, wäre das also diese genetisch sortierte Lagerbildung in Böse auf der anderen und maximal als unangemessen hart anzusehende Notwehr auf der eigenen Seite.
Und wieder. "Wer Rassismus von rassistischen Vorurteil unterscheidet ist ein Nazi!"
Zitat
Letztlich macht er genau das, wozu Orks manchen Autoren sonst dienen: Angriffe auf gesichtsloser rassischer Basis und einheitlicher Attributszuschreibung legitimieren -> und damit ab in die Tonne.
Nein. Lieber Marzaan. DU machst genau das was Du dem Autor vorwirfst. Dem Autoren unlautere Absichten unterstellen. Damit dann diffamieren -> und damit ab in die Tonne.
Zitat
Und ansonsten haben wir jetzt wohl genug Beispiele für "Mach so (bzw "so nicht") oder du bist rassistisch".
Ich sehe da immer noch keines.
Aber lass mal gut sein. Ich glaube wir haben hier genug über PC geschrieben
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 18:31
Auf der Grundlage jedem, der nicht von der Warte eigener erlebter Diskriminierung aus gegen Diskriminierung argumentiert, Paternalismus und Arroganz zu unterstellen, ist schon ein starkes Stück.

Ich habe das bei Gen. Kong durchgehend so gelesen, dass es stets nur um jene ging, die das quasi unberechtigt (sprich auf eigene Faust ohne Anlass oder sogar gegen den Widerstand der Betroffenen) betreiben.

Ohne Daten wäre wohl der kollateralschadensfreieste (und ggf lukrativste) Weg zu schauen, in wie weit man für die geäußerten Bedürfnisse passende Spielvarianten erzeugen kann. Letztlich würden dann die Verbreitungs- oder gar Verkaufsdaten des Spiels am ehesten aufzeigen, wie viel Bedarfsdruck da tatsächlich anliegt.

Man kann ja leider nicht parallel dazu ein neutral bewertbares "Kontrollspiel" rausbringen, bei dem alle sonstigen Faktoren identisch sind.
Da, wo das zumindest mit Thema ist, lässt sich aber bislang ganz gut feststellen, dass das Ganze ein hier und da intensiv diskutiertes Thema ist, das aber keinen relevanten Einfluss auf die Verkaufszahlen hat.

Sieht man anderswo anders, z.B. im Kino.
Aber auch da ist der einzige gut wahrnehmbare und bewertbare Effekt der großer Einbußen, wenn man mit fehlgeleitetem Marketing die Kernzielgruppe verprellt und damit einen mittelmäßigen Film komplett abschießt.
"Großen" Filmen schadet oder nützt es i.d.R. kaum, so weit man das sagen kann. 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 23.11.2019 | 18:43
Es gab mal einen Helden in einem Anime der Schlägt Frauen wenn es die Situation erfordert und rechtfertigt das damit das Frauen Gleichberechtigt sind. Also auch Gleichwertig behandelt werden sollten. War er damit nun besonders Politisch Korrekt oder besonders Un Korrekt .  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 23.11.2019 | 19:04
Es gab mal einen Helden in einem Anime der Schlägt Frauen wenn es die Situation erfordert und rechtfertigt das damit das Frauen Gleichberechtigt sind. Also auch Gleichwertig behandelt werden sollten. War er damit nun besonders Politisch Korrekt oder besonders Un Korrekt .  >;D

Sicher ist das politisch korrekt...und nebenbei bemerkt auch nur vernünftig. Eine Frau unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen als Bedrohung weniger ernstzunehmen als einen Mann, einfach nur, weil sie eben eine Frau ist, wäre ja schließlich nicht nur Sexismus pur, sondern obendrein auch noch sträflicher Leichtsinn.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 23.11.2019 | 19:25
Kommt drauf an, ob eines der Erfordernisse "Hysterie" oder so etwas ist  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 23.11.2019 | 19:29
Eine Frau unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen als Bedrohung weniger ernstzunehmen als einen Mann, einfach nur, weil sie eben eine Frau ist, wäre ja schließlich nicht nur Sexismus pur, sondern obendrein auch noch sträflicher Leichtsinn.

 :)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 19:43
Unter "vergleichbaren Umständen" sind Männer daher im Durchschnitt bedrohlicher, weil gefährlicher. Das ist doch eine sachliche Beobachtung, die man objektiv treffen kann.

Das ist so weder richtig noch wäre es für die Betrachung relevant, selbst wenn es richtig wäre.
Titel: Re: Darf man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 23.11.2019 | 20:17
"Politische Korrektheit" ist mindestens seit Mitte der 1990er ein Kampfbegriff aus eher konservativen Lagern. In der Bennenung steckt schon ne Menge Ironie und Abwertung.
Da findet sich hier (https://www.facebook.com/DasSiebteFlugblatt/photos/a.1441202579517240/2153373141633510/?type=3&theater) was. Sowohl die Eindeutschung des englischen Begriffs als auch ihre Ausdeutung ist von Leuten wie Erika Steinbach, Michael Klonovsky (Berater von Gauland) und Matthias Matussek vorangetrieben worden, die man heute eher nicht mehr nur als konservativ sehen würde. (Das ist nur eine Dimension von mehreren, aber mMn eine wichtige.)

Davon ab festigt Wiederholung eingefahrene Muster im Hirn. Und diskriminierendes Denken immer zu wiederholen, und sei es im Spiel, kann leider sehr reale Strukturen und Denkweisen festigen.
Da fehlt mMn ein entscheidendes Moment: Das unreflektierte Wiederholen. Andererseits: Je mehr man sich mit Vorurteils-Mechanismen und -Strukturen in ihren diskriminierenden Qualitäten beschäftigt hat, desto mehr schwindet auch die Toleranz sie als gegeben hinzunehmen zu wollen. Auch als eigene Denkmuster und Weltdeutungen. Das ist als recht natürliche Folge der Dekonstruktion anzusehen. (Wer sich in Voruteilsforschung locker-flockig ein bißchen einlesen mag: Psychology Today hat hier (https://www.psychologytoday.com/intl/blog/without-prejudice) und da (https://www.psychologytoday.com/intl/blog/power-and-prejudice) Artikelreihen.

Je mehr ich also verstehe, wie unangenehm das Frauenbild in einem viktorianischen Setting ist und je mehr ich verstehe, was es für Frauen bedeutet hat darin zu leben, desto eher möchte ich das in meiner Spielrunde nicht 1:1 durchsetzen bzw. versuche historische Abweichungen und Umgangsstrategien zu thematisieren. Außer alle am Tisch wollen gerade dieses Geschlechtersystem - als Differenzerfahrung - erkunden. Im Sinn von: Gerade weil das viktorianische Frauenbild (und was davon noch in unseren Tagen wirksam ist) abgelehnt wird, wagen wir uns damit zu beschäftigen.

Kann euch die Lektüre von Roll Inclusive wirklich ans Herz legen. Eine Menge hier genannter Argumente werden darin aufgegriffen und vor allem wird, jenseits einer vermeintlichen Verbotspolitik, geschaut, was wir Cooles im Spiel gewinnen können, wenn wir unsere Welten, Charaktere und Systeme diverser und offener gestalten. Wir enthalten uns nämlich selbst auch jede Menge toller Sachen vor, wenn wir auf Zwang an Allem festhalten, was wir halt kennengelernt und liebgewonnen haben.
Da ist ganz viel dran. Wobei ich hoffe, dass da noch was "Praktischeres" nachkommt, das man dem Lesen voranstellen kann. "Roll Inclusive" ist gut, aber abstrakt und die vielen Fachbegriffe waren mir - als ne Person, die fachlich und von Betroffenenseite her vieles kennt - eher zu viel. Materialien, Abenteuerideen, ... praktischer Kram ... das fänd ich cooler. Es ist ja nicht so, dass es nicht genügend historische Vorbilder (https://wearepartofculture.de/portraits/) gäbe. Sie sind nur nicht so im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert. Für andere marginalisierte Gruppen gibt es auch herausragende Figuren (positive, negative und neutrale), an denen man sich orientieren kann.

Genau diese steile Behauptung - analog zum Videospielsektor, wo es viel mehr Studien gibt und das Konzept bestenfalls umstritten, eher widerlegt ist - löst den Beißreflex gegen gefühlte Verbotsbestrebungen aus.
Ne, sorry. Das Perpetuieren unsichtbarer! Unrechtsstrukturen in den Medien ist was völlig anderes als das Killerspiel-Modell, wo die Unterscheidbarkeit von Gewalt-Fiktion und Realität (inkl. Kategorien wie Moral) in den allermeisten Fällen gegeben ist oder gar vorausgesetzt wird. Wo das nicht der Fall ist, hat man auch ganz schnell ein Problem. Tatsächlich ist die Differenzierungsfähigkeit ein ganz wesentliches Merkmal. Ich kenn auch Leute, die als Kind zu jung Cartoons (Lony Toons) geschaut haben und sich beim Sturz von einer Mauer schwer verletzt haben. Da mangelte es an Differenzwahrnehmung.

Kurz: Das Zitat von Huhn mit der Videospiel-Panik zu vergleichen hat durchaus was von Äpfeln und Champigons.
Der Beißreflex ist ne (gesunde) Abwehrstrategie gegen das Gefühl der Beschämung, der den Selbstwert schützen soll.
Besonders hilfreich ist er nicht, aber verstehbar und deswegen sollte er von der Gegenseite auch als Initialreaktion toleriert werden.

Man geht diese Dinge viel besser vom Großen zum Kleinen an (wie es über Jahrzehnte bis - in manchen Kontexten - Jahrhunderte erfolgreich geschehen ist) statt vom Kleinen zum Großen (weil man dann beim Kleinkram personelle, gruppenbezogene und methodische Widerstände hervorruft (eben weil es Kleinkram ist), gegen die man die relevanten Sachen deutlich schlechter angehen kann).
... hmmm. Den Elefanten zur Mücke erklären kann natürlich nur, in dessen Wohnung kein Elefant herumtrampelt. Und: Natürlich ist es für Mehrheiten einfach Minderheiten-Themen abzukanzeln. Schließlich kann die Mehrheit (zu Recht) einfach behaupten, für die Mehrheit sei das alles kein Problem.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 23.11.2019 | 20:17
Außerdem: Bin ich der einzige der es seltsam findet, dass die Diskriminierung von Minderheiten vor allem von Angehörigen der Mehrheit als unerhört angeprangert wird, obgleich sich die Interessentsvertretungen der solchermaßen Diskriminierten überhaupt nicht enmpören?
Die sich ja durchaus hier und da artikulieren - in bestimmten Fällen aber nicht?
Weil sie sich nicht diskriminiert fühlen vielleicht?
Da sind zwei Dinge zusammengeworfen, die mMn getrennt betrachtet werden müssen.

A) Es gibt Leute, die paternalistisch für marginalisierte Menschen die Stimme erheben. Das ist deswegen hochproblematisch, weil es egomanischer Schein-Altruismus ist. (Böse gesagt geht es den Leuten nur darum den Belohnungs-Hormon-Cocktail zu bekommen, der mit "Gutes Tun" verbunden ist). Die Arbeit von Sozialarbeitenden und Betroffenengruppen machen diese Leute bisweilen eher schwerer als leichter.

B) Betroffene brauchen aber gleichzeitig wirkliche Verbündete, weil die Privilegierteren immer den Status Quo schützen wollen (Regel von der Selbsterhaltungstendenz von Systemen) und die Anliegen der anderen als Marginalitäten abgetan werden, die eh keine richtigen Probleme sind. Wenn man sich mal z.B. die Quoten an Gewalterfahrungen von schwarzen Transfrauen anschaut, dann merkt man ganz schnell: Wer die Gegebenheiten nicht ernst, sieht vor lauter Schaum im Bad der Ingoranz die Realitäten nicht. Grundlegende Menschenrechte ... sind schließlich nichts, was bloß Mehrheiten zustehen würde.

Und schon diskutieren alte weiße heterosexuelle CIS-Männer und Frauen aus privilegierter Position (so die Darstellung der einzig noch existenten Gruppe, die man anscheinend nach Belieben mit Dreck bewerfen darf/muss)
Halt! Stopp!
Auf Privilegien (= u.a. bessere Startbedingungen) aufmerksam gemacht zu werden und darauf hingewiesen werden, dass die eigenen Denk- und Handlungsweisen strukturell anderen Menschen Lebenschancen nimmt und sie mit schwerwiegenden zusätzlichen Herausforderungen belastet, ist nicht "mit Dreck bewerfen" es ist auch nicht "Rum-Opfern", sondern ein Aufdecken von struktureller, systematischer Ungleichheit.
Natürlich ist es nicht schön die eigene Verstrickung in systemische Diskriminierung gezeigt zu bekommen. Natürlich will man sich dagegen verwahren. Als Erstreaktion verständlich und OK (weil um des Selbstbild-Schutzes nötig), aber dann sollte man doch Scheuklappen ablegen können und sich informieren, inwiefern die Vorwürfe gerechtfertigt sind. Denn: Solange man nicht seinen Anteil an Schwierigkeiten sieht, solange ist die eigene Beteiligung an einer Lösung nicht möglich. Geichzeitig: In unrechte Systeme verstrickt zu sein ist kein persönlicher Mangel, sondern ist Sozialisationsergebnis. Die Devise sollte doch sein da raus zu kommen und eben nicht in unangemessen großen Schuldgefühlen zu versinken. Man kann doch sagen: "Ja, was mir erzählt wurde ist (in Teilen) Mist" und "ja, ich kann einen faireren Umgang gestalten."

Und ja: Da gehört auch ein non-dualer Blick dazu. Natürlich können auch Schwarze rassistisch und nationalistisch sein. Auch in den USA. Siehe Black Liberation Army (https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Liberation_Army). Die Gefahr der ideologischen Verhärtung besteht eh immer - gerade auch weil Hass ein belohnungs-psychologisch lustvolles/vorteilhaftes Gefühl ist. Die Geschichte ist voller abschreckender Beispiele, in denen gerechtfertigte Anliegen nach gleichen Rechten und Befreiung von Unterdrückung umgeschlagen sind in diktatorische Herrschaft. Hier gilt es nicht die Seiten zu wechseln - nur, weil es möglich ist. Siehe Cromwell, ...

Eine Frau unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen als Bedrohung weniger ernstzunehmen als einen Mann, einfach nur, weil sie eben eine Frau ist, wäre ja schließlich nicht nur Sexismus pur, sondern obendrein auch noch sträflicher Leichtsinn.
Korrekt.
Unter "vergleichbaren Umständen" sind Männer daher im Durchschnitt bedrohlicher, weil gefährlicher. Das ist doch eine sachliche Beobachtung, die man objektiv treffen kann.
Das ist doch ziemlich daneben. Vergleichbare Umstände schließen ja gerade Durchschnittswerte aus und betonen die Vergleichbarkeit.


Für mich kann man problematische Inhalte ganz gut daran erkennen, ob Doppelstandards im Spiel sind. Und mit diesem Blick findet man auch relativ zielsicher heraus, dass es kaum eine Identität (oder selbst-akzeptiertes So-Sein) gibt, die nur mit Privilegien und gar nicht mit Nachteilen ausgestattet wäre. Die Doppelstandards und Zuschreibungen sind dann unter die Lupe zu nehmen. Konsequente Intersektionalität würde/kann auch genau das berücksichtigen.
Meist (nicht immer und nicht zu 100%) sind da Unterschiedlichkeiten künstlich aufgeblasen. (Ich hab erst gestern mein Fachbuch zur Entwicklungspsychologie bzgl. Geschlechter[rollen] aufgeschlagen, in dem das so bestätigt wurde.)

Kurz: Die Tendenz zum dualistischen Denken bei Menschen ist ein Wurzelübel, dessen man sich bewusst sein sollte.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Feuersänger am 23.11.2019 | 21:22
Moderationshinweis:
Der Thread hier tanzt zumindest mit den letzten Beiträgen ziemlich im Speakers Corner Minenfeld. Darum bitte wieder enger ans Thema halten. Sollte dieses hinreichend durchgekaut sein, können wir freilich auch dichtmachen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 22:18
Du meinst wie diese junge Dame, als "ikonische" Darstellung der "Humans" im PHB 5E?

Oder diesen älteren Herren, seines Zeichens "Wizard", bzw. den etwas jüngeren, "Fighter" von Beruf ?

Das ist richtig und wichtig zu erwähnen. Für diesen Schritt (ihre Fantasy-Menschen aus der "nur Europäer"-Ecke rauszuholen, sowie etwas anders an die Orks (speziell die Halb-Orks) heranzugehen) hat WotC viel Zuspruch gekriegt.

Natürlich gab es da auch die üblichen Vorwürfe von "PC-culture", aber das war eher ein Sturm im Wasserglas (besonders im Gegensatz dazu, was in diesem Zusammenhang vor Kurzem bei Warhammer 40k abgelaufen ist).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 22:35
besonders im Gegensatz dazu, was in diesem Zusammenhang vor Kurzem bei Warhammer 40k abgelaufen ist

Was war da und wo genau - bei W&G?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: schneeland am 23.11.2019 | 22:40
Das ist richtig und wichtig zu erwähnen. Für diesen Schritt (ihre Fantasy-Menschen aus der "nur Europäer"-Ecke rauszuholen, sowie etwas anders an die Orks (speziell die Halb-Orks) heranzugehen) hat WotC viel Zuspruch gekriegt.

Natürlich gab es da auch die üblichen Vorwürfe von "PC-culture", aber das war eher ein Sturm im Wasserglas (besonders im Gegensatz dazu, was in diesem Zusammenhang vor Kurzem bei Warhammer 40k abgelaufen ist).

Sie haben das m.E. aber auch ziemlich ordentlich gemacht und eher moderat modernisiert (ebenso wie bei den Regeln). Ein solcher Ansatz reduziert die Leute, die sich auf den Schlips getreten fühlen, dann doch beträchtlich.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 22:47
Was war da und wo genau - bei W&G?

Ja, bei W&G. GW/Cubicle 7 haben da ja eine moderate Modernisierung (ähnlich wie bei D&D5) durchgeführt: Bilder von weiblichen Kommissaren, sowie nicht-weißen Imperiumsbürgern (also das, was bei mehreren Millionen Planeten zu erwarten ist).

Das Ergebnis war...naja, 40k gilt als eine Satire, aber durch die Änderungen hat sich herausgestellt, dass es anscheinend einen ganzen Haufen Leute gab, welche die Satire die ganzen Jahre über nicht verstanden hatten. Darunter auch ein nicht unerheblicher Anteil von Personen, die offen eine Neonazi-Gesinnung an den Tag legen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 23.11.2019 | 23:00
Bilder von weiblichen Kommissaren

Ah, also dieser neumodische Kram, den es (mindestens) seit den 90ern gibt ;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 23.11.2019 | 23:07
Bilder von weiblichen Kommissaren, sowie nicht-weißen Imperiumsbürgern
als wer das was neues

https://wh40k-de.lexicanum.com/wiki/Kommissar

https://wh40k-de.lexicanum.com/wiki/Kommissar#Miniaturen
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 23.11.2019 | 23:18
Für diese Leute anscheinend schon (und auf den verlinkten Seiten sind ja auch nur männlich-weiße Ledermantelträger abgebildet und vom Fluff her scheint deren Auftreten doch sehr beschränkt zu sein, also nicht überraschend, dass diese übersehen werden).

Und wenn ich dann noch solche Schoten lese
Zitat
Das Kommissariat ist eine von Männern beherrschte Domäne, trotzdem ist es nicht ungewöhnlich, dass auch Frauen als Kommissarinnen Dienst tun. Diese Damen sind gefürchtet bei Freund und Feind, da sie, um ihre geschlechtlichen Nachteile auszugleichen, zu noch härteren Individuen werden, als ihre männlichen Kollegen schon sind. Kommissarinnen können noch dazu mörderische Politikerinnen sein, da sie bei Intrigen und Verhören nicht die üblichen Kommissariatsmethoden, sondern auch solche einsetzten können, die nur Frauen vorbehalten sind.12 K.2
dann wundert mich gar nichts mehr.  ::)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Radulf St. Germain am 24.11.2019 | 10:14
Zur Eingangsfrage: Ich finde man sollte alles vermeiden, was Leute am Tisch beleidigt oder (ungefragt) deren Sinn für guten Geschmack herausfordert. Daher ist das viktorianische Setting schon OK, wenn man den Frauen am Tisch im Vorfeld die Möglichkeit gibt Ihre Grenzen und Erwartungen kundzutun. Wenn alle damit einverstanden sind, dann kann man von mir aus so krass werden wie man will.

Und noch eine kleine Betrachtung zur "Kommisarfrage".

Ich finde es lustig dass wir (mich irgendwie eingeschlossen) nichts dabei finden, eine Person zu spielen, die Leute ohne Prozess exekutieren darf, weil sie feige waren oder vielleicht auch gute Gründe hatten Befehle zu verweigern. Ein bizarrer, archaischer Ehrenkodex. Würde man mich im realen Leben einer solchen Denkweise verdächtigen, wäre ich sehr betroffen. Gleichzeitig ist es aber irgendwie unfair zu suggerieren, dass Frauen oder Afrikaner nicht diesem Verein angehören könnten. Eigentlich würde sie das in meinen Augen moralisch überlegen machen. 

Ich verstehe  das natürlich schon irgendwie - Kommissar spielen finde ich auch cool und Frauen sollten das auch dürfen. Aber dann fasziniert mich auch wieder, wie fein wir unsere Grenzen ziehen.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Rorschachhamster am 24.11.2019 | 10:56
Zur Orkdebatte, und dem Rassismusbegriff von Herrn Mendez, was ich "leider" völlig verpaßt habe: Deswegen haben meine Orks Schweineschnauzen und sind eben keine edlen Wilden, sondern kannibalische, grausame Monster jenseits jeden Menschenbegriffs... oder "Orcs are Übernazis"  ~;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Feuersänger am 24.11.2019 | 12:42
Mal privat zur Sache: ich habe mit "politisch inkorrekten" Settingelementen auch kein Problem. Im Gegenteil finde ich es mindestens befremdlich, wenn eine pseudomittelalterliche Gesellschaft (ich spiele ja meistens Fantasy) ausgerechnet in bspw Emanzipationsfragen so unglaublich aufgeklärt und progressiv sein soll.
Dass bspw in einem Fantasysetting mit Elfen, Orks und was weiß ich noch die Hautfarbe innerhalb einer Rasse keine nennenswerte Rolle spielt, das kann ich mir allerdings vorstellen. Aber einen fetten Rassismus zwischen diesen Spezies würde ich im Normalfall als gesetzt betrachten.

In Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter ist das gängige Muster ja oft: "traditionelle" Rollenverteilung bei NSCs, vollständige Emanzipation bei SCs -- und in der Regel ist auch kein NSC so blöd, eine schwert- oder zauberstabtragende Frau blöd anzumachen, sie gehöre in die Küche. ;)
(Ich hatte das btw auch mal in einem Thread moniert, dass zumindest in älteren Pathfinder-Kampagnen weibliche NSCs stark unterrepräsentiert sind. Das scheint sich aber über die Jahre etwas ausgeglichen zu haben.)

Naja, oder Sklaverei. In den meisten Fantasy-Settings ist das ja ein No-Go, oder zumindest ein eindeutig als Böse zu bekämpfendes Übel. In Sword & Sorcery Settings hingegen einfach ein fact of life -- männliche Sklaven 15 Silber, hübsche Sklavinnen 65 Silber, ein gutes Pferd 75-300 Silber. :p

That said, können gerade solche überkommenen Vor- und Darstellungen ja auch dazu beitragen, mal über die Verhältnisse IRL nachzudenken. Muss ja nicht immer alles moralinsauer mit erhobenem Zeigefinger durchexerziert werden.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 24.11.2019 | 16:53
Und wenn ich dann noch solche Schoten lesedann wundert mich gar nichts mehr.  ::)
;D
Zitat
Kommissarinnen können noch dazu mörderische Politikerinnen sein, da sie bei Intrigen und Verhören nicht die üblichen Kommissariatsmethoden, sondern auch solche einsetzten können, die nur Frauen vorbehalten sind.12 K.2
Fehlt noch:
"Und da sie an den Job sowieso nur gekommen sind, weil sie sich hochgeschlafen haben, wissen sie auch  genau, wie sie ihre weiblichen Waffen einsetzen müssen."

(Und so sind alle Kommissarinnen, ohne jede Ausnahme!) ~;D


So schlecht, dass es gute Satire wäre. Aber ich vermute mal- dass sie das nicht ist.

Apropos Satire:
Wieso gibt es für Weibliche Figuren eigentlich nirgends  extra Charakterklassen, die ihrem Geschlecht angemessen sind, sowie Hausfrau, Köchin und Prostituierte....?
Auch Abzüge auf Kampffertigkeiten und Intelligenz werden selten berücksichtigt... :think:

 :Ironie:
 

Zitat
In Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter ist das gängige Muster ja oft: "traditionelle" Rollenverteilung bei NSCs, vollständige Emanzipation bei SCs -- und in der Regel ist auch kein NSC so blöd, eine schwert- oder zauberstabtragende Frau blöd anzumachen, sie gehöre in die Küche.
Jep
So sehe ich das auch.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Radulf St. Germain am 24.11.2019 | 17:16
Apropos Satire:
Wieso gibt es für Weibliche Figuren eigentlich nirgends  extra Charakterklassen, die ihrem Geschlecht angemessen sind, sowie Hausfrau, Köchin und Prostituierte....?
Auch Abzüge auf Kampffertigkeiten und Intelligenz werden selten berücksichtigt... :think:

Gab's das nicht ansatzweise bei dem Bretonia-Quellenbuch für Warhammer? Frauen konnten da gewisse Karrieren nicht nehmen, ausser, wenn sie sich als Mann verkleidet haben. Das war insofern lustig, als das es fast schon ein Running Gag war, wie viele der NPCs dann eigentlich Frauen waren.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Feuersänger am 24.11.2019 | 17:39
Ach, wie bei Pratchett's Monstrous Regiment. Erzählt aus der Perspektive eines Mädchens, das sich beim Militär einschleicht um nach ihrem Freund zu suchen. Im Lauf der Handlung stellt sich raus,
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 24.11.2019 | 22:01
ich habe mit "politisch inkorrekten" Settingelementen auch kein Problem. Im Gegenteil finde ich es mindestens befremdlich, wenn eine pseudomittelalterliche Gesellschaft (ich spiele ja meistens Fantasy) ausgerechnet in bspw Emanzipationsfragen so unglaublich aufgeklärt und progressiv sein soll.
Da finde ich sollte man schauen, ob a) die eigenen Vorstellungen von der historischen Realität gedeckt sind und b) ob es sein muss, dass bestimmte Settingelemente diskriminierenden historischen Vorbildern folgen während es an anderen Stellen geradezu selbstverständlich ist, dass das nicht der Fall ist.

Zu A) Häufig ist der historische Möglichkeitenraum gar nicht hinreichend bekannt. Dass die spätantike/frühmittelalterliche Adelphopoiesis (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwurbruderschaft) z.B. ein Rechtsinstitut war, das Homosexuelle nutzen konnten, ist z.B. meist nicht auf dem Schirm. Oft schwingt da auch die Annahme mit, die heutige Zeit, sei emanzipatorisch dem Mittelalter (innerhalb dessen sich soziale Normen oft genug verändert haben) völlig überlegen. Das ist jedoch nicht in allen Bereichen der Fall und so pauschal auch faktisch nicht richtig.

Die Frage, worauf sich die Vorstellungsreferenz überhaupt bezieht, ist also nicht unwichtig.
Natürlich kann man als Referenz das Mittelalterbild von Romantik, Biedermeier und konservativen 50ern nehmen. Man sollte es nur nicht mit dem Bild der Geschichtswissensschaften verwechseln. Und: Nein, niemand muss Historiker sein. Die Bereitschaft die eigenen Annahmen (die man sich ja auch nicht einfach so ausgedacht hat, sondern die sozialisiert wurden) in Frage zu stellen und im Zweifelsfall anzupassen, erwarte ich aber schon.

Zu B) Da ist z.B. die Frage der religiösen Abweichung relevant. Zum einen: Warum sollte man einem Fäntelalter-Setting polytheistische Setzungen abkaufen aber keine, in denen Geschlechter vergleichbare Möglichkeiten haben? Beide haben mit Mittelalter nix zu tun.
Und andererseits: Wenn man die Settingsetzungen as written akzeptiert: Warum sollte man Spieler.innen zugestehen agnostische oder atheistische Figuren zu spielen - ohne dass diese die Repressionen der Spielwelt zu spüren bekommen - und bei z.B. abweichenden Geschlechterrollen soll ein vergleichbares Vorgehen nun nicht möglich sein? MMn macht das nicht viel Sinn.

Dennoch: Privates sollte nun nicht in Arbeit ausarten. Man kann nie alles auf dem Schirm haben. Ein bißchen Problembewusstsein ist jedoch mMn nicht zu viel verlangt. Es gibt genug Möglichkeiten das ein oder andere nachzuschlagen oder einfach andere zu fragen.

Grundsätzlich gehören solche Dinge - je "politisch unkorrekter" Settings sind, umso umfangreicher - besprochen. Dass man da (als SL und genauso als Spieler.in bzw. ganze Runde) Fehler machen wird, ist eh wahrscheinlich und sollte auch kein Problem sein.
 (Ich hab damals bei der Maelstrom-Gothic-Runde auch nicht besprochen, ob es OK ist, das viktorianische Frauenbild einfach ein gutes Stück auszublenden, das historische Vorbild als Hintergrundfolie intakt zu lassen und die Frauenfiguren unter den SC ein Stück weit unangreifbar gegenüber viktorianisch-männlichem Paternalismus zu halten. Die Runde war eh nur für ein Abenteuer geplant gewesen, aber ich weiß nicht, ob ich daran gedacht hätte, das mittelfristig zumindest mit den Spielerinnen [niemand hat Cross-Gender gespielt] abzuklären.)

Gleichzeitig legt für mich aber immer die Spielleitung fest, was Verhandlungsmasse sein soll.
Denn primär muss die SL ja Bock haben das Spiel zu leiten. Wenn da zu wenig Flexibilität oder zu viele Vorbehalte drin sind, dann werden Spieler.innen halt (hoffentlich) abspringen.

Und: Ja, man kann auch bewusst "politisch unkorrekte" Sachen spielen. Bluebeard's Bride gehört da (in doppelter Hinsicht) dazu. Ich hab ziemlich lang gebraucht zu verstehen, dass das Spiel nichts verkehrt macht. Es kümmert sich gar nicht um Häufigkeiten und Verteilungen von geschlechtlicher Gewalt in der Realität, sondern legt den Fokus auf die Bluebeard-Geschichte und darin wiederum exklusiv auf die Braut. Einfach nur femininer Horror - ohne Wertungen. Political Correctness ist einfach keine Kategorie, mit der BB Berührungen hat. Es wird lediglich ne mythische Horror-Geschichte, die von Ängsten und Erfahrungen von Frauen gedeckt ist, erkundet.
Und ja, auch Spiele, die Fairness im Blick haben, machen Fehler oder nutzen ungute Setzungen. Die massive Amatonormativität von Blue Rose fällt mir da z.B. ein.

Dass bspw in einem Fantasysetting mit Elfen, Orks und was weiß ich noch die Hautfarbe innerhalb einer Rasse keine nennenswerte Rolle spielt, das kann ich mir allerdings vorstellen. Aber einen fetten Rassismus zwischen diesen Spezies würde ich im Normalfall als gesetzt betrachten.
Das Erste ... denkbar.
Zum Zweiten: Ja, dem würde ich auch zustimmen.

Schwierig aber wirds dadurch, dass phantastische Rassen eben auch historische/reale Vorbilder haben (exemplarisch (https://de.wikipedia.org/wiki/Walen) für die Zwerge). Problemantisch ist, dass reale/realhistorische Vorbilder sammt Vorurteilen in phantastische Schöpfungen erkennbar hineingenommen sind. Die bekommt man da auch so ohne Weiteres nicht mehr raus.

Ich würd da den (wenn er durchgezogen worden wäre recht schlauen) Warhammer-Weg gehen: Das Einbauen von Ambiguitäten, Vielseitigkeiten und der Ausgleich von Stärken und Schwächen. Im Zweifelsfall in Richtung von Menschengruppen übersteuern, die weiter weg von machtvollen Positionen sind. Und am Besten: Homorvoll Kischees sammeln, brechen und neu zusammenfügen.

Die Kampftänzer der Waldelfen waren im Prinzip ne schwule Schwertbruderschaft taoistischer Tanz-Punks mit keltischen und indianischen Trappings. (Gerade das Verschwinden des eklektischen, anachronistischen Moments zugunsten von Mainstream-Accessability und Anbiederung an japanisch beeinflusste High-Magic-Fantasy bei Warhammer Fantasy ist etwas, das ich sehr bedauere.)

Naja, oder Sklaverei. In den meisten Fantasy-Settings ist das ja ein No-Go, oder zumindest ein eindeutig als Böse zu bekämpfendes Übel. In Sword & Sorcery Settings hingegen einfach ein fact of life -- männliche Sklaven 15 Silber, hübsche Sklavinnen 65 Silber, ein gutes Pferd 75-300 Silber. :p
Auch da: Die historischen und literarischen Vorbilder kennen auch Tempelhuren (m/w/d) und männliche Lustsklaven. Deren Fehlen finde ich immer seltsam.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 24.11.2019 | 22:06
Der Artikel über "Orks in D&D sind rassistisch" hat mir nur in zwei Punkten weitergeholfen: Dass es eine stehende Unterscheidung zwischen "racial prejudice"(was die meisten Menschen unter "Rassismus" verstehen) und "racism"(systemischer, gesellschaftlicher Rassismus, quasi?) zu geben scheint, die für eine deutsche Übersetzung der Begriffe höchstwahrscheinlich so nicht gilt. Und dass die Asiaten im US-amerikanischen Mehrheitsbild jetzt eine vorbildliche Minderheit sind und dafür Latinos und Schwarze die Wilden.
Wofür es jetzt Halb-Orks braucht, die sich als Ork identifizieren, weiß kein Mensch. Der Autor sagt selbst, das D&D-"race" mal Kulturen, mal Spezies bezeichnet. Aber bei Orks ist das doch relativ deutlich, oder? Das sind keine grünen, etwas behaarten Menschen, das gibt der Kanon nicht her. Und was jetzt in der einen Beschreibung steht, die der Autor aus emotionalen Gründen zwar lesen, aber nicht aufschreiben konnte, hätte des mutmaßlich auch nicht geändert.
Teil 1 des Artikels ist interessanter.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 24.11.2019 | 23:01
Zur Orkdebatte, und dem Rassismusbegriff von Herrn Mendez, was ich "leider" völlig verpaßt habe: Deswegen haben meine Orks Schweineschnauzen und sind eben keine edlen Wilden, sondern kannibalische, grausame Monster jenseits jeden Menschenbegriffs... oder "Orcs are Übernazis"  ~;D

Hat natürlich den kleinen Haken, daß die Orks dadurch entsprechend schneller langweilig werden... :think:

Abgesehen von aller "politischen Korrektheit" beziehungsweise einem eventuellen Mangel daran ist nämlich das aus meiner Sicht der größte praktische Nachteil von Stereotypen: je mehr alle X garantiert denselben Satz Y von Eigenschaften haben, um so weniger Platz bleibt noch für Individualität, Abwechslung, oder so etwas wie eine über die "Standardprogrammierung" hinausgehende eigene Persönlichkeit. Darauf lege ich aber selbst bei Mooks mit ansonsten identischen Spielwerten gelegentlich noch Wert. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 25.11.2019 | 05:46

Und wenn ich dann noch solche Schoten lesedann wundert mich gar nichts mehr.  ::)
;DFehlt noch:
"Und da sie an den Job sowieso nur gekommen sind, weil sie sich hochgeschlafen haben, wissen sie auch  genau, wie sie ihre weiblichen Waffen einsetzen müssen."

Solschenyzin beschreibt spezielle Verhörmethoden von Teschekistinnen und bei Viktoria Balshin ist der Vergleich nicht unpassend
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 25.11.2019 | 07:33
Korrektur zum "Orks sind Rassistisch"-Artikel, und weil es gerade nochmal angerissen wurde: Es gibt ein grundsätzliches Problem damit, dass sich Orks mal als kulturschaffende intelligente Wesen und dann wieder als "kannste Wegputzen" dargestellt werden, in Verbindung damit, dass sie, anders als Nazis, tatsächlich eine biologische Art sind. Ich habe keine Ahnung, wie einheitlich dass über die Editionen ist. Das geht alles in Fantasy, aber unter dem Eindruck des weniger zivilisierten Umfeldes des Autors (see what I did there?) kann ich verstehen, woher seine Befremdung kommt.
Ich tendiere immer noch dazu, dass intelligente "Unpersonen" auch unter strengen ethischen Maßstäben (d.h. nicht "an meinem Tisch" sondern ich würde es bei einer öffentlichen Veranstaltungen akzeptabel finden) in einem Setting vorkommen dürfen, aber ich erkenne schon die Voraussetzungen an Aufgeklärtheit, damit das funktioniert.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 08:35
Gab's das nicht ansatzweise bei dem Bretonia-Quellenbuch für Warhammer? Frauen konnten da gewisse Karrieren nicht nehmen, ausser, wenn sie sich als Mann verkleidet haben. Das war insofern lustig, als das es fast schon ein Running Gag war, wie viele der NPCs dann eigentlich Frauen waren.
Lauter "Mulans" quasi... :D

Wenn da steht "die Gesellschaft verbietet ihnen das"- OK.
Sowas ähnliches hat man bei Pendragon auch.- Dass Frauen Ritter waren, passt dann halt nicht in die spezielle pseudohistorische Welt.
(Wäre für mich jetzt als Spielerin akzeptabel)

Wenn da steht: "geschlechtlicher Nachteil"- dann kommt da rüber- "Die Gesellschaft verbietet ihnen das, aus gutem Grund- da sie ja durch ihr Geschlecht benachteiligt sind."
Und was halt noch unglücklich formuliert ist: Es wird verallgemeinert bzw. .  - a la- "alle weiblichen Figuren dieser Gattung Komissarin" -sind grundsätzlich so.
Also nix differenziert.

Das muss vom Autor nicht mal böse gemeint sein. Aber es liest sich halt so unglaublich blöd.
 ~;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 08:57
Zu A) Häufig ist der historische Möglichkeitenraum gar nicht hinreichend bekannt.
Jep
 Dass die spätantike/frühmittelalterliche Adelphopoiesis (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwurbruderschaft) z.B. ein Rechtsinstitut war, das Homosexuelle nutzen konnten, ist z.B. meist nicht auf dem Schirm. Oft schwingt da auch die Annahme mit, die heutige Zeit, sei emanzipatorisch dem Mittelalter (innerhalb dessen sich soziale Normen oft genug verändert haben) völlig überlegen. Das ist jedoch nicht in allen Bereichen der Fall und so pauschal auch faktisch nicht richtig.

Die Frage, worauf sich die Vorstellungsreferenz überhaupt bezieht, ist also nicht unwichtig.
Natürlich kann man als Referenz das Mittelalterbild von Romantik, Biedermeier und konservativen 50ern nehmen. Man sollte es nur nicht mit dem Bild der Geschichtswissensschaften verwechseln. Und: Nein, niemand muss Historiker sein. Die Bereitschaft die eigenen Annahmen (die man sich ja auch nicht einfach so ausgedacht hat, sondern die sozialisiert wurden) in Frage zu stellen und im Zweifelsfall anzupassen, erwarte ich aber schon.
Ich nicht.
Aus dem einfachen Grund, weil es mich zunächst einmal nichts angeht, was wer wie an seinem Spieltisch spielt.
Insofern habe ich da keinerlei Erwartung zu haben.

Von Autoren kann ich es mir zwar wünschen, dass sie genauer recherchieren. (Und ja das kann einen schon ärgern, wenn man sich selbst näher mit Geschichte beschäftigt)-  aber da geistern so viele unterschiedliche Theorien und feste Vorstellungen davon, wie es denn früher in der bestimmten Zeit war,  herum, dass ich Autoren auch nicht wirklich böse sein kann, wenn es da zu Unstimmigkeiten kommt.

Letzlich hat keiner zu der Zeit gelebt. Da wird auch von Fachleuten viel  interpretiert. Nicht alles ist aufgezeichnet.

Noch dazu kommt: Egal wie historisch  falsch eine Welt auch beschrieben wird. - Wenn es sich um eine Fantasy Welt handelt, in der auch andere komische Wesen rumrennen, dann ist die Welt bestenfalls pseudo- historisch.- Also hat gar nicht den Anspruch- die Vergangenheit exakt real abzubilden.


Und wenn jmd. eine extra düstere Welt erschaffen will, mit viel Konflikten, - die muss nicht mal "historisch" sein, die kann genauso eine Welt der "Zukunft" sein,- dann wird sich der  Autor vermutlich auch die Elemente raussuchen, die diese Welt düster machen- ob nun original historisch oder nicht.

Edit.
Vermutlich ist die Frage weniger- ob oder ob man nicht historisch - genau sein will, sondern wie hell oder düster man seine Spielwelt haben möchte.
In einer düsteren Welt,  kann ja auch gerne in einer postapokalypischen Welt sein, eine Welt der "Zukunft", - wird man mehr Elemente der Unterdrückung finden.
Ein herrschendes System, das andere unterdrückt und versklavt. In der bestimmte Rassen/Bewohner weniger Rechte haben als andere.
Starke Hierachien usw.

Überspitzt hat man das z.B. in "die Tribute von Panem" oder "die Bestimmung" oder "Blad Runner" oder oder.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Der Tod am 25.11.2019 | 10:48
Noch dazu kommt: Egal wie historisch  falsch eine Welt auch beschrieben wird. - Wenn es sich um eine Fantasy Welt handelt, in der auch andere komische Wesen rumrennen, dann ist die Welt bestenfalls pseudo- historisch.- Also hat gar nicht den Anspruch- die Vergangenheit exakt real abzubilden.
Das Problem tritt ja erst dann auf, wenn Leute den (auch schon von @Huhn angeprangerten) Satz bringen: "DAS WAR IM MITTELALTER (oder wann auch immer) EBEN SO!" Mit der irgendwie begründeten Folgerung, das müsse jetzt auch in der Fantasy-Welt so sein. Also wenn sie selbst historische Realität als Argument für sich beanspruchen.

Blade Runner und Tribute von Panem (und Warhammer ...) sind Dystopien - da muss ich davon ausgehen, dass die Autoren WISSEN, dass sie gerade etwas überspitzen und die Spielwelt eben unrealistisch dark machen. Unterdrückung als großes, thematisiertes Setting-Element ist das eine, Unterdrückung als (out-game) unhinterfragter Normalzustand, der halt einfach unveränderlich so sei, ist etwas anderes.

Der Verweis auf den Unterschied zwischen heimischem Spieltisch und offiziellen Publikationen bringt mich auch noch auf was, was man vielleicht nochmal unterstreichen sollte: Zu Hause, für mich und meine eingeschworenen Freunde, kann ich alles spielen, was ich will. Gehe ich damit an die Öffentlichkeit und biete meine Gedanken es der Allgemeinheit an, nehme ich Teil am gesellschaftlichen Diskurs und setze mich auch Kritik aus. Will sagen: Ich selbst würde auch an das, was ich veröffentliche (oder was andere veröffentlichen), einen höheren Standard anlegen, als das, was ich zur reinen Unterhaltung zu Hause spiele.

Nachdem ich jetzt genug mit dem Zeigefinger gewedelt habe, ist es nur fair, dass ich auch mein guilty pleasure aufdecke: Mein liebstes, "politisch unkorrektes" Setting sind vermutlich so 18./19. Jahrhundert Abenteuer in Übersee. Irgendwas an der Vorstellung, mit dem Segel- oder Dampfschiff tropische Gestade zu entdecken (obwohl da ja schon längst Leute wohnen), dem Unbekannten zu trotzen, sich dort niederzulassen und tolle Dinge zu erleben war wohl prägend für mich.
Würde ich sowas spielen wollen? Hell yeah! Ich weiß aber jetzt natürlich von den ganzen unschönen Dingen hinter der bunten Fassade (Kolonialismus, Imperialismus, Exotismus etc. etc. pp.) und würde wohl versuchen, das Setting dahingehend weiter zu bearbeiten. Und wenn ich mit diesem Setting an die Öffentlichkeit gehen würde, dann würde ich mir dabei noch mehr Mühe geben (müssen) - nicht zuletzt deswegen, weil die typische Geschichte 'Europäischen Triumphs' schon so oft erzählt worden ist, dass sie Leute wie mich mit ihrer Heroik geprägt haben und auch einfach nichts neues mehr ist.
Das vorherrschende Narrativ hinterfragen heißt für mich auch, spannendere Geschichte erzählen zu können.

EDIT: @D.Athair: Zu deiner Einschätzung zu Bluebirds Bride würde ich dir widersprechen wollen. BB befasst sich ganz zentral mit Themen aus der PC-Ecke, z.B. bereits auf Regelebene Victim-Blaming und die Problematik femininer Rollenerwartungen. Spielen möchte es trotzdem (deswegen?) nicht noch einmal.
Zitat
Einfach nur femininer Horror - ohne Wertungen. Political Correctness ist einfach keine Kategorie, mit der BB Berührungen hat. Es wird lediglich ne mythische Horror-Geschichte, die von Ängsten und Erfahrungen von Frauen gedeckt ist, erkundet.

EDIT 2: Ich weiß, ich hatte mal einen Text aus der Zeit um 1700 gefunden, wo nur halb-satirisch darüber diskutiert wurde, ob es für England nicht sinnvoll wäre, ein ganz offizielles Regiment nur aus Frauen (andere Uniformen, kürze Musketen ...) aufzustellen, weil doch ohnehin die halbe Armee bereits von ihnen gestellt würde. >;D Sollte ich ihn nochmal wiederfinden, melde ich mich.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Chiarina am 25.11.2019 | 10:57
Zitat von: Der Tod
Das vorherrschende Narrativ hinterfragen heißt für mich auch, spannendere Geschichte erzählen zu können.

Wow! Ein Satz, den ich unterschreibe!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 11:17
Zitat
Das Problem tritt ja erst dann auf, wenn Leute den (auch schon von @Huhn angeprangerten) Satz bringen: "DAS WAR IM MITTELALTER (oder wann auch immer) EBEN SO!" Mit der irgendwie begründeten Folgerung, das müsse jetzt auch in der Fantasy-Welt so sein. Also wenn sie selbst historische Realität als Argument für sich beanspruchen, um
Ich vermute zu wissen, was du meinst : a la: "Ich muss das ja so setzen, weil das war früher eben so."
Es stimmt schon: In einer ausgedachten Welt muss man theoretisch gar nichts, weil eben Fantasy.
Insofern ist das Argument allein etwas wacklig.
Andererseits haben Spieler idR. schon gewisse Erwartungen, wenn sie pseudohistorische Settings bespielen.
Der Kompromiss, den Feuersänger schon gebracht hat, war ja der, dass das Setting zwar teilweise von alten Hierachien geprägt ist, um die Erwartungen nicht total zu enttäuschen, auf der anderen Seite die SC aber nach Regeln spielen, nach denen sie  nicht zu stark negativ betroffen sind.

Zitat
Blade Runner und Tribute von Panem (und Warhammer ...) sind Dystopien - da muss ich davon ausgehen, dass die Autoren WISSEN, dass sie gerade etwas überspitzen und die Spielwelt eben unrealistisch dark machen. Unterdrückung als großes, thematisiertes Setting-Element ist das eine, Unterdrückung als (out-game) unhinterfragter Normalzustand, der halt einfach unveränderlich so sei, ist etwas anderes.
Um noch zu hinterfragen, um überhaupt zu hinterfragen, wird ja die Überspitzung häufig verwendet.
Denn wenn es alltäglich subtil darstellt wird oder alles in einer utopisch schönen Welt bar jeder Konflikte spielt, dann wird es schwerer das überhaupt noch wahrzunehmen.

Zitat
Der Verweis auf den Unterschied zwischen heimischem Spieltisch und offiziellen Publikationen bringt mich auch noch auf was, was man vielleicht nochmal unterstreichen sollte: Zu Hause, für mich und meine eingeschworenen Freunde, kann ich alles spielen, was ich will. Gehe ich damit an die Öffentlichkeit und biete meine Gedanken es der Allgemeinheit an, nehme ich Teil am gesellschaftlichen Diskurs und setze mich auch Kritik aus. Will sagen: Ich selbst würde auch an das, was ich veröffentliche (oder was andere veröffentlichen), einen höheren Standard anlegen, als das, was ich zur reinen Unterhaltung zu Hause spiele
Klar.
Doch letztenden Endes ist es auch Unterhaltung.
Nicht, dass man an das Medium  Spiel als Konsument nicht auch Ansprüche haben darf- (Man wird ja nicht gezwungen irgendwas zu kaufen oder zu spielen)
- aber das sollte man bei seiner Kritik auch immer mit im Blick haben.

Nicht jedes Spiel möchte die Welt verändern. Manche wollen auch einfach nur unterhalten.






Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 25.11.2019 | 11:33
Nicht jedes Spiel möchte die Welt verändern. Manche wollen auch einfach nur unterhalten.

Klar. Ist ja nicht so, als ob es zwischen den beiden Extremen noch irgendwelchen Spielraum gäbe. ::)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 11:35
Klar. Ist ja nicht so, als ob es zwischen den beiden Extremen noch irgendwelchen Spielraum gäbe. ::)
Das habe ich doch auch nicht ausgeschlossen.
Und falls es doch  so rüber kam: Das schließe ich nicht aus!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: First Orko am 25.11.2019 | 12:00
Von all den Positionen hier im Thread sehe ich mich am Ehesten auf der Linie "Ja, aber".
Mit entsprechend sensibler Reflektion steht einem faktisch jedes Setting offen. Da Rollenspiel aber eben nicht nur passive Rezeption ist sondern aktive Teilnahme und eben ein soziale Aktivität steht der Respekt voreinander und vor Meinungen der Gruppe der grundsätzlichen Freiheit u.U. einschränkend gegenüber.
Wo und wie Einschränkungen zu treffen sind ist ein defiziles Thema, was allgemeingültig kaum zu beantworten ist - dafür sind zu viele Parameter im Spiel.

Um mal das Ausgangsbeispiel aufzugreifen: Wenn ich nur zwei der Männer am Tisch durch zwei Mitspieler einer Runde, bei der ich mal Gast sein "durfte", ersetzt hätte, wäre die Sache ziemlich sicher ganz anders und nicht nur für Hexer deutlich unangenehmer ausgegangen...

- Anekdote Anfang -
Die beiden Exemplare fielen nämlich dadurch auf, dass sie Rollenspiel merkbar als Vehikel sahen, möglichst oft rassistische und sexistische Sprüche rauszuhauen und sich am Spielgeschehen nur rudimentär beteiligten. Das in Kombination mit einem Laissez-Faire-SL war schon ein ziemlich giftiger Cocktail... Wenn ich jetzt aber einerseits sage "Das gehört halt zum Setting dazu" und "Aber so wie ihr das macht, nicht!" (ob jetzt so oder höflicher ausgedrückt) befinde ich mich schon am Anfang einer u.U. sehr "interessanten" Diskussion (Jaja klar.. Regeln 0, den Idioten die Tür zeigen, blabla. Aber wie man es dreht: Die Situation ist dann auch nicht besser).
- Anekdote Ende -

Es ist eben nicht schwarz-weiß. Rollenspiel tritt immer mehr in die Öffentlichkeit - sei es durch Serien wie Stranger Things, Big Bang Theory, durch YT-Streams, Franchiseprodukte, massentauglichere System usw. Was immer man davon halten soll - die Ansicht "In unserem kleinen Kreis an Kellerkindern ist das kein Problem also wozu diskutieren" halte ich für rückwärtsgewandt und nicht gerade förderlich.
Anzuerkennen, dass es bei bestimmten Spielinhalten am Tisch zu problematischen Konstellationen führen kann, ist kein implizites Verbot von irgendwas. Sich zu überlegen, unter welchen Konstellationen man durch das Thematisieren bestimmter Aspekte eine negative Außenwirkung aufbauen kann ist keine Zensur. Rollenspiel in politischen Settings ist niemals unpolitisch. Eine Rollenspielszene, in denen diese Punkte offen diskutiert werden, ohne dass die eine Seite der anderen mit Nazivergleichen kommt, ist keine Diktatur. Aber auch eine kritische Reflexion darüber, wo die Verantwortung über das, was am Tisch gespielt wird liegt, ist sinnvoll. Eine private Runde langjährig bekannter Spieler ist die eine Seite. Ein öffentlich aufgenommener Stream eine andere. Jede kommt mit ihren eigenen Fallstricken und Anforderungen. Man sollte jetzt nur aufpassen, welche diese Forderungen allgemeingültig sein können/sollten - und welche eben nicht. Ein zu weitreichender Geltungsanspruch wird heftige Gegenreaktionen hervorrufen und am Ende erreicht man das Gegenteil.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 12:19
Es ist eben nicht schwarz-weiß. Rollenspiel tritt immer mehr in die Öffentlichkeit - sei es durch Serien wie Stranger Things, Big Bang Theory, durch YT-Streams, Franchiseprodukte, massentauglichere System usw. Was immer man davon halten soll - die Ansicht "In unserem kleinen Kreis an Kellerkindern ist das kein Problem also wozu diskutieren" halte ich für rückwärtsgewandt und nicht gerade förderlich.
Ob die Kellerkinder jetzt mit  Bier und Brezen- Rollenspiel, Mau Mau oder Flaschendrehen glücklicher sind, ist erstmal ihre  Freizeit, ihre Privatsphäre.
Daraus folgt doch nicht, dass man über Probleme, die beim Rollenspiel allgemein auftauchen können, nicht mehr diskutieren darf. 

A la "Weil ich mich nicht einmischen will, was genau in Kellergruppe X am Spieltisch gespielt wird, darf ich nicht mehr öffentlich und allgemein über Rollenspiel diskutieren?"
Das ergibt aus meiner Sicht gar keinen Sinn.  wtf?

Edit. Ich spiele in gewissen Runden auch nicht mehr mit.
Ich vermute auch die ein oder andere Störung hinter dem Verhalten eines Ex- Spielers.
(Extrem Frauen verachtend)
Aber letzendendes hat der inzwischen genug andere Mitspieler gefunden.
Und es kann ihm auch niemand verbieten so zu spielen, wie er es tut.

Der Gedanke- "Das geht mich nichts mehr an"- kann durchaus befreiend sein.
Und es hält mich auch nicht davon ab allgemein über Rollenspiel zu diskutieren.


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: First Orko am 25.11.2019 | 12:31
Daraus folgt doch nicht, dass man über Probleme, die beim Rollenspiel allgemein auftauchen können, nicht mehr diskutieren darf. 

Das meinte ich mit meinem Post auch nicht. Ich wollte darauf hinaus, dass Bereiche des Hobbys den Keller eben schon lange verlassen haben und daraus eine grundsätzliche Notwendigkeit zumindest zur Reflektion besteht. Was man prviat in seiner Gruppe macht ist ja dem Rest wirklich erstmal egal. Aber daraus dann abzuleiten, dass man diese Gleichgültigkeit auf alle anderen Gruppen ableiten kann ((weil man von der Diskussion ausgehend einen Anspruch an die private Gruppe befürchtet))* halte ich für zu kurz gegriffen in Angesichts von über 1/2 Mio Abonenten bei Critical Role etc.

*Zumindest meine ich, das so zwischen den Zeilen rausgelesen zu haben. Quasi eine gedachte Extremposition im Thread, die ich gar nicht auf einzelne Aussagen herunterbrechen kann oder will. Kann mich da auch vertan haben aber die Haltung ist ja im Umfeld solcher Diskussionen durchaus verbreitet - man möge mir diesen "halben Strohmann" (Heumann?) daher nachsehen ;)

A la "Weil ich mich nicht einmischen will, was genau in Kellergruppe X am Spieltisch gespielt wird, darf ich nicht mehr öffentlich und allgemein über Rollenspiel diskutieren?"
Das ergibt aus meiner Sicht gar keinen Sinn.  wtf?

Also DAS habe ich nun wirklich nicht gemeint! Ich hoffe, das mit obiger Erklärung noch ein wenig klarer gemacht zu haben. Ich wiederhole mich: Das Thema ist nicht einfach und Mißverständnisse über die Textebene daher nur verständlich...
Ich habe aber gerade auch nicht die Muße und Ruhe, das nochmal eindeutiger/einfacher zu erläutern bzw. weiß ich gerade nicht, wie...  :-\
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 12:49
Zitat
Aber daraus dann abzuleiten, dass man diese Gleichgültigkeit auf alle anderen Gruppen ableiten kann ((weil man von der Diskussion ausgehend einen Anspruch an die private Gruppe befürchtet))* halte ich für zu kurz gegriffen in Angesichts von über 1/2 Mio Abonenten bei Critical Role etc.
Wenn man soll will, besteht der große  Schwarm aller Rollenspiel ja auch nur aus einzeln Gruppen. ~;D
Und klar- Sobald eine Gruppe ihr Spiel  jedoch bewusst öftenlich macht, über Video und Co. Dann muss sie natürlich auch damit rechnen, dass über sie öftentlich diskutiert wird.
Bei Gruppen, die das nicht tun, bleibt die Privatssphäre dagegen relativ unangetastet.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 25.11.2019 | 12:58
Ich finde weiterhin die Idee merkwürdig, das durch politische Korrektheit, oder auch einfach nur dem behandeln von anderen Spielern als normal/gleichwertig, irgendwie die Abenteuer / Kampagnen Szenarien den Bach runter gehen und man gar überhaupt keine mehr hat.

Ich mein, wenn man so eine Gruppe männlicher, heterosexuelle, weiße Abenteurer ohne körperliche oder mentale Herausforderungen spielt, beschäftigt man sich doch eher nicht damit verschiedene -Ismen auszuleben oder hat sie als normale, wichtige Spannungspunkte.
Meiner Erfahrung, vom Konsum verschiedener Mitschriften und Aufzeichnungen von Runden, nicht einmal in Systemen die es den Spielern eher nahelegen. Wie Pendragon, WH40k und dergleichen.
Am ehesten vielleicht noch bei Conan. Wobei das Geschlecht der "Belohnung" meines Erachtens nicht wirklich prägend relevant ist. Hauptsache für den Charakter attraktiv und willig.

Dementsprechend sehe ich nicht, weshalb es sich ändern sollte, wenn in der Gruppe Abenteurer sind, die nicht-männlich oder nicht-heterosexuell oder nicht-weiß sind oder körperliche oder mentale Herausforderungen haben. Respektive weshalb man die nicht ganz normal behandeln sollte, und plötzlich -Ismen so relevant werden, das Spieler bildlich gesehen die Hände hoch werfen und den Niedergang aller Dramatik fürchten.
Ich mein, an sich spricht doch nichts dagegen, einfach so zu spielen als wäre es ein ganz normaler Abenteurer, womit man verschiedene Abenteuererlebnisse spielt.
Ganz ohne hinzugehen und zu sagen "Okay, dein Charakter ist aber dann ein Exot / Schneeflocke" oder sich verschiedene Vor- und Nachteile dafür auszudenken das der Charakter jetzt dabei ist.

Ich mein, bei männlichen Figuren käme man auch nicht auf die zu sagen: Okay, also man weiß ja, das sexy Männer damit immer gut durchkommen. Sind auch voll spannende Geschichten. Deswegen kriegst du -2 auf Kämpfen aber +2 auf Scharfer Schnucki und als favorisierte Klasse KPopModel.. errr Barde. Alternativ +2 auf Heilen und Fürsorglichkeit."
Selbst wenn es da Spieler gibt, die gerne einen scharfen Schnucki spielen mögen, wäre es etwas merkwürdig das allen als nahe liegende aufdrücken zu wollen. Selbst ohne den Malus. ^^;
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 25.11.2019 | 13:11
Ich denke, wenn man gängige "Männerklischees" durchziehen wollte, dann käme man vielleicht eher auf Boni auf Stärke, Kloppen, und Hart-im-Nehmen-Sein (jedenfalls, wenn's nicht gerade um den nächsten Gang zum Arzt geht... >;D) und dafür dann Abzüge auf Weicheierzeugs wie Charisma und Beredsamkeit (richtige Männer können schließlich schon alles, worauf es wirklich ankommt, schon perfekt mit einsilbigem Grunzen ausdrücken!)... ;)

Aber ja, an dem Punkt sind wir dann schon recht weit im Reich der Parodie.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 25.11.2019 | 14:08
Zitat
Rollenspiel in politischen Settings ist niemals unpolitisch
Das nicht.
Aber die Politik eines Settings  muss nicht unbedingt auf die aktuelle Zeit und Welt adressiert sein.
Oder diese 1:1 widerspiegeln.
Beispiel die "Rosenkriege", "Französische Revolution"-  etc.
 würde ich jetzt nicht als brand-aktuell bezeichnen.
Auch wenn vielleicht  manche Begebenheit aus der Politik Geschichte heute auch noch in irgendeiner Form wirksam sind.

Edit. Vermute  auch, dass jetzt jmd. der sich z.B. als Setting- "die Ritter der Tafelrunde " ausgewählt hat, eher eine Form von Weltflucht erleben möchte.
Also es nicht mit der Intention spielt, dort aktuell -Realwelt-politischen Themen zu begegnen.

Eskapismus- Die Flucht in eine Welt, die anders ist, als diese, ist ja bei nicht wenigen Rollenspielern ein Spielantrieb.
Wo anders sein, als normal. Jemand anderes sein, als normal. Etwas anderes erleben, als normal.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 25.11.2019 | 16:53
Rollenspiel in politischen Settings ist niemals unpolitisch.

Was macht ein politisches Setting aus?
Warum ist nicht auch Rollenspiel in unpolitischen Settings politisch?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 25.11.2019 | 17:51
Als Politische Setting werden, meinem Eindruck nach, solche Settings bezeichnen welche einen fast unübersehbaren, bewusst gewählten, politischen Rahmen für die Einbettung der Figuren vorgeben.
Welcher darüberhinaus noch im Spiel, unterstützt durch die Narration auf Basis der Spielmechanik hervorgehoben wird.

Das heißt, bei einem standard Rollenspiel welches unreflektiert Fantasy Klischees reproduziert oder sich damit beschäftigt Genre-Konventionen verschiedener Unterhaltungsserien abzubilden, kann es passieren, dass sich den geneigten Spielern etwaige politische Implikationen entziehen aktive oder diese nicht bewusst sind.

Das geht soweit, dass die Satire in Bezug auf Warhammer im popkulturellen Unterhaltungsfaktor ertrinkt oder allenfalls die Messiah-Parabel aus Matrix überlebt, dass von Die Tribute von Panem nur der Unterhaltungsfaktor des Kampfs um das Überleben übrig bleibt - quasi Fortnight.

Wenn man Night Witches spielt, macht es das Spiel einem schwer sich dem Umstand zu entziehen, dass es sich um russische Pilotinnen im zweiten Weltkrieg handelt, welche sich neben dem Krieg auch mit anderen Problemen auseinandersetzen müssen. Es ist vielleicht möglich, allerdings muss man hierbei das System selbst aufbrechen.
Ähnlich schwer ist es Montsegur 1244 zu spielen, ohne sich des politischen und religiösen Thema des Spiels bewusst zu sein. Allerspätestens zum Ende hin holt es die Spieler entweder ein, oder man spielt ein wortwörtlich anderes Spiel. Ebenso kann man gerade als die Person mit Regelkenntnis, nicht vermeiden Dinge über die Situation in Montsegur 1244 zu lernen.

Warum ist nicht auch Rollenspiel in unpolitischen Settings politisch?
Ich halte auch das Rollenspiel in "unpolitischen Settings" für politisch.

Schließlich wirken sich Aspekte, wie die Frage ob die Spieler das Geschlecht von Menschen binär sehen oder als Spektrum, recht direkt auf das Spiel aus. Auch wenn es ohne entsprechenden Anlass zur Diskussion, weil eine Person mit anderen Vorstellungen dazu kommt, nicht weiter bemerkt wird.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 25.11.2019 | 18:12
Was macht ein politisches Setting aus?
Warum ist nicht auch Rollenspiel in unpolitischen Settings politisch?

Gegenfrage: wie müßte ein Setting aussehen, das glaubhaft "unpolitisch" sein oder zumindest so wirken soll? Gibt's das eigentlich überhaupt?

Selbst auf dem sprichwörtlichen Ponyhof habe ich ja wahrscheinlich allermindestens einen gegebenen Status Quo, der entweder verändert (weil verbesserungswürdig) oder verteidigt (weil als so-wie-er-ist erhaltenswert eingestuft) werden soll...selbst da kann man also schon mal schnell und ohne es unbedingt sofort zu merken ins Weltanschauliche kommen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 25.11.2019 | 18:15
+1 zu nobody@home

Edit. Vermute  auch, dass jetzt jmd. der sich z.B. als Setting- "die Ritter der Tafelrunde " ausgewählt hat, eher eine Form von Weltflucht erleben möchte.
Also es nicht mit der Intention spielt, dort aktuell -Realwelt-politischen Themen zu begegnen.
Richtig. Das gilt umso mehr, je mehr man unter Realwelt-Verhältnissen zu leiden hat.
Interessante Lektüre aus der Rollenspiel-Blogosphäre dazu ist Settembrinis 5-teilige Reihe "Die Erklärung (https://hofrat.rsp-blogs.de/2017/08/13/ich-lag-falsch-mit-fast-allem-die-erklaerung-teil-1/)."
Spoiler: Achtung ggf. treten spontan Lern- und Verstehenseffekte auf ... was den Bann und das Drama hier um seine Person betrifft.

Im Klartext bedeutet das:
Wenn man ganz klassisch politisch unkorrektes Zeug als Eskapismus spielen will und von PC-Kram frei sein will, dann müsste man die Mitspielenden danach auswählen, dass sie auf keiner Ebene irgendwelche Marginalisierungserfahrungen haben oder Minderheiten angehören. Denn: Die bringen sonst ihre Erwartungen und das, was sie für normal halten (würden), mit ein. (Und damit wären PC-Themen wie von Zauberhand plötzlich wieder im Spiel.)
So ne Mitspieler.innen-Auswahl ist Quatsch! Das kann eigentlich niemand wollen. Genauso wie die ständige Beschäftigung mit PC-Themen einfach nur in der Überforderung endet.
Verbesserung hinbekommen - mit ner gewissen Leichtfüßigkeit - das ist doch der Weg. Witz und Humor sind ja nicht verboten. Und: Lernprozesse brauchen ihre Zeit. Das geht nicht von heut auf morgen.

Nochmal zum Artus-Beispiel:
Ich nehme jetzt mal Prince Valiant Storytelling exemplarisch als Artus-Spiel. Zum einen, weil ich das gern mag und recht gut kenn und zum anderen, weil "Artus" viel zu viele und sehr diverse Bezugspunkte hat, um da sinnvoll drauf einzugehen.
Also: Wenn da ne Cis Frau bei PV mitspielen will, dann soll sie - gemäß der Regeln - entweder crossgender spielen oder halt eine außergewöhnliche Frau innerhalb üblicher Geschlechterrollen-Zuschreibungen spielen.

Zitat von: Prince Valiant Storytelling Game, 2nd Edition, 2017; p.59
Male Adventurers have all the privileges of going where they want
and doing what they want,  as long as somebody with more
authority doesn’t block them. Women Adventurers must be more
subtle than male Adventurers, or else be ready to deal with distrust
and dislike from ordinary people. Most female Adventurers will
be used to such distrust, and will know how to compensate.

The role of women in Prince Valiant, The Storytelling Game is based
on the historic situation of women in the Middle Ages. They were
restricted and oppressed in comparison with modern Western society,
being relegated to running their households and raising children.
Of course, if their household was a county or a kingdom the women
had significantly more clout.

The personal strengths of most women lie in their ability to get men
to do what they cannot.

Da kann man schon die Frage stellen, warum man anno 2017 nicht auf die Zeichentrickserie aus den frühen 90ern hinweisen kann und auf die konventionen-brechende Gefährtin von Prinz Eisenherz, Rowanne of Bridgesford, vorstellen. Zumal das Spiel auch davon ausgeht, dass SC-Frauen (die übrigens so gedacht sind, dass sie erst in den Ausbauregeln spielbar sind) was Besonderes sind. Sorry, Leute, sowas geht heute einfach besser.

Ansonsten bietet selbst das Quellenmaterial Möglichkeiten romantisch-sexuelle Beziehungen völlig außen vor zu lassen (was sicher nicht nur Leute im Ace-Spectrum begrüßen dürften) oder Begegnungen homo- oder biromantisch zu deuten. Weder im Quellenmaterial noch im Spiel selbst bekommt man eine Liste an die Hand, die sagt: Folgende Figuren sind unbedingt als Heten zu spielen. Das geht eher aus Kontexten hervor, die weniger eindeutig sind, als man glauben möchte.

Tatsächlich ist der anachronistische und eklektische PV-Comic ein gutes Beispiel dafür, Dinge neu abzumischen. PV verwendet z.B. ne mit dem realen Mittelalter nicht kompatible Ethik/Moral. Entsprechend der Freiheiten, die sich PV gegenüber mittelalterlichen Vorbildern genommen hat, hätte sich das Rollenspiel von seinem Comic-Vorbild auch ein paar Freiheiten nehmen können.

Zurück zum Anfang:
Das Eskapismus-Argument ist für mich eigentlich eher eines, das dafür spricht sich vorab ein paar Gedanken zu machen.
Damit man eben nicht auf die harte Tour auf Differenzen am Spieltisch stößt und um sicherzustellen, dass Eskapismus auch für alle einigermaßen funktioniert.

Abgesehen davon ist es auch kein großer Akt in der Spielvorbereitung kurz mit den Spieler.inne.n zu sprechen. Wiklich nicht.
Das tut nicht weh.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lord Verminaard am 25.11.2019 | 18:17
Huhn, Rumpel, Hotze und einige andere haben schon viel Schlaues zum Thema geschrieben und der Thread ist ja auch schon auf S. 10 (er ist tot, Jim). Ich schreibe jetzt trotzdem auch noch mal meine Perspektive.

Ich bin ein in fast jeder Hinsicht privilegierter Mensch, und ich bin in einem Milieu aufgewachsen, indem man sich über emanzipatorische Bewegungen jeder Art, sagen wir mal, gutmütig lustig machte. Ich habe 2005 ein satirisches sexistisches Rollenspiel geschrieben (2009 veröffentlicht), und bin, dadurch aber auch generell, ab 2005 stärker mit Aktivist*innen in Kontakt gekommen, die sich beim Thema Diversity politisch engagieren und zugleich Indie-Rollenspiele schreiben. Eine der Keimzellen war damals der Knife Fight, ein experimentelles, zugangsbeschränktes Forum von Meg und Vincent Baker, wo unter anderem Leute wie Julia Bond Ellingboe, Graham Walmsley oder auch Avery Alder rumhingen und wo ich eine Weile sehr aktiv war.

Gleichzeitig hat sich mein Bekanntenkreis um Menschen aus der LGBT-Community und People of Color erweitert, die die gesellschaftlichen Verhältnisse stark reflektierten. Sie waren alle sehr lieb und geduldig mit mir, aber haben mich hier und da doch auf das ein oder andere Verhalten hingewiesen, das ggf. uncool war. In der Folge habe ich dann das ein oder andere im Netz und in der Zeitung zum Thema gelesen. Leider ist es schwer, wirklich unaufgeregte und ausgewogene Stimmen zu dem Thema zu finden.

Doch während ich las, fühlte ich mich oft, sehr oft, ertappt. Ich war der Typ, der mal gesagt hatte: „Ich kann doch kein Rassist sein, ich bin doch mit einer nicht-weißen Frau zusammen!“ Ich war der Typ, der seine Kommiliton*innen mit anderer Hautfarbe nach ihrer Familiengeschichte fragte (nur aus Interesse!) Ich war der Typ, der auf den ersten Tanelorn-Treffen das „Männerzimmer“ mit begründete und dort Pin-Ups aufhängte. Ich war der Typ, der einem Trans*Mann, den er kaum kannte, aufdringliche Fragen über seine Hormonbehandlung und OP stellte (nur aus Interesse!) Ich war der Typ, der sich aggressiv gegen feministische Kritik an Diesem Dummen Exalted-Cover (tm) verteidigte. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Der Defensivreflex ist verständlich. Man hat es nicht böse gemeint, sich nichts dabei gedacht, und deswegen möchte man sich nicht entschuldigen müssen, möchte sich nicht ändern müssen, möchte, dass die Kritiker*innen bitte Unrecht haben, fühlt sich angegriffen, fühlt sich herabgesetzt, zumal die Kritik oft ihrerseits in wütender und pauschaler Weise vorgebracht wird. Been there. Den Defensivreflex zu überwinden und zuzuhören, ist aber nicht die einzige Schwierigkeit. Zu lernen und das eigene Verhalten zu reflektieren, es hier und da zu ändern, ist nicht die einzige Schwierigkeit. Für mich ist die größte Schwierigkeit, dabei die richtige Balance zu finden. Bei respektvollem Verhalten gegenüber Angehörigen marginalisierter Gruppen gilt, genau wie bei ethischem Konsum oder ähnlichen Fragen: Immer alles richtig zu machen ist unmöglich. Niemand kann sich darauf einigen, was überhaupt im Einzelfall richtig ist, teilweise stehen die Handlungsaufforderungen in direktem Widerspruch zueinander. Wer versucht, es allen recht zu machen, wird darüber unglücklich werden. Ich selbst habe gemerkt, dass ich dabei die Leichtigkeit und Freude verloren habe, gerade in größeren Gruppen war ich stiller, weniger präsent, hatte keine positive Ausstrahlung. Ich habe mich daher bewusst entschieden, es wieder etwas lockerer anzugehen.

Letztendlich kann zwar jeder von uns einen Beitrag dazu leisten, unsere Gesellschaft besser zu machen, und da wir es können, sind wir als moralische Wesen auch dazu aufgefordert, es zu tun. Man sollte darüber aber nicht aus den Augen verlieren, dass gerade bei diesen indirekten Sachen wie z.B. dem (Nicht-)Reproduzieren von Stereotypen der gesamtgesellschaftliche Einfluss verschwindend gering ist. In diesem Kontext darf man das durchaus gegen das eigene, legitime Interesse abwägen, einigermaßen entspannt durch den Tag zu kommen und auch gelegentlich mal zu lachen (oder zu flirten). Das hat jetzt natürlich alles mit dem Thread-Thema nicht mehr wahnsinnig viel zu tun, irgendwie aber doch, wenn am Ende dieses besagten hypothetischen Tages, durch den man kommen möchte, eben die Rollenspielsitzung wartet.

Rollenspiel ist für mich Eskapismus, es ist Unterhaltung, es ist, wenn es gut läuft, ein besonderes, intimes Erlebnis mit Freunden, mit anderen Worten: Es ist privat. Das Private sei politisch, heißt es in Roll Inclusive, und das ist ja auch generell ein Leitsatz der emanzipatorischen Bewegungen. Das mag man so sehen, daraus allerdings zu schlussfolgern, dass man sein jegliches privates Handeln unablässig und kompromisslos an seinen politischen Überzeugungen auszurichten hätte, ist ebenso brutal wie absurd. Ich nehme mir heraus, in gewissen Bereichen meines Lebens einfach mal zu sagen, ey sorry, heute nicht.

Unbenommen bleibt, dass ich gute Romane, Filme und Serien, die beim Thema Diversität punkten und alte Stereotype gekonnt aufbrechen, echt abfeiere, und dass ich mir das auch für neue Rollenspiel-Produkte im Idealfall wünsche.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 25.11.2019 | 19:41
Huhn, Rumpel, Hotze und einige andere haben schon viel Schlaues zum Thema geschrieben und der Thread ist ja auch schon auf S. 10 (er ist tot, Jim). Ich schreibe jetzt trotzdem auch noch mal meine Perspektive.

Ich bin ein in fast jeder Hinsicht privilegierter Mensch, und ich bin in einem Milieu aufgewachsen, indem man sich über emanzipatorische Bewegungen jeder Art, sagen wir mal, gutmütig lustig machte. Ich habe 2005 ein satirisches sexistisches Rollenspiel geschrieben (2009 veröffentlicht), und bin, dadurch aber auch generell, ab 2005 stärker mit Aktivist*innen in Kontakt gekommen, die sich beim Thema Diversity politisch engagieren und zugleich Indie-Rollenspiele schreiben. Eine der Keimzellen war damals der Knife Fight, ein experimentelles, zugangsbeschränktes Forum von Meg und Vincent Baker, wo unter anderem Leute wie Julia Bond Ellingboe, Graham Walmsley oder auch Avery Alder rumhingen und wo ich eine Weile sehr aktiv war.

Gleichzeitig hat sich mein Bekanntenkreis um Menschen aus der LGBT-Community und People of Color erweitert, die die gesellschaftlichen Verhältnisse stark reflektierten. Sie waren alle sehr lieb und geduldig mit mir, aber haben mich hier und da doch auf das ein oder andere Verhalten hingewiesen, das ggf. uncool war. In der Folge habe ich dann das ein oder andere im Netz und in der Zeitung zum Thema gelesen. Leider ist es schwer, wirklich unaufgeregte und ausgewogene Stimmen zu dem Thema zu finden.

Doch während ich las, fühlte ich mich oft, sehr oft, ertappt. Ich war der Typ, der mal gesagt hatte: „Ich kann doch kein Rassist sein, ich bin doch mit einer nicht-weißen Frau zusammen!“ Ich war der Typ, der seine Kommiliton*innen mit anderer Hautfarbe nach ihrer Familiengeschichte fragte (nur aus Interesse!) Ich war der Typ, der auf den ersten Tanelorn-Treffen das „Männerzimmer“ mit begründete und dort Pin-Ups aufhängte. Ich war der Typ, der einem Trans*Mann, den er kaum kannte, aufdringliche Fragen über seine Hormonbehandlung und OP stellte (nur aus Interesse!) Ich war der Typ, der sich aggressiv gegen feministische Kritik an Diesem Dummen Exalted-Cover (tm) verteidigte. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Der Defensivreflex ist verständlich. Man hat es nicht böse gemeint, sich nichts dabei gedacht, und deswegen möchte man sich nicht entschuldigen müssen, möchte sich nicht ändern müssen, möchte, dass die Kritiker*innen bitte Unrecht haben, fühlt sich angegriffen, fühlt sich herabgesetzt, zumal die Kritik oft ihrerseits in wütender und pauschaler Weise vorgebracht wird. Been there. Den Defensivreflex zu überwinden und zuzuhören, ist aber nicht die einzige Schwierigkeit. Zu lernen und das eigene Verhalten zu reflektieren, es hier und da zu ändern, ist nicht die einzige Schwierigkeit. Für mich ist die größte Schwierigkeit, dabei die richtige Balance zu finden. Bei respektvollem Verhalten gegenüber Angehörigen marginalisierter Gruppen gilt, genau wie bei ethischem Konsum oder ähnlichen Fragen: Immer alles richtig zu machen ist unmöglich. Niemand kann sich darauf einigen, was überhaupt im Einzelfall richtig ist, teilweise stehen die Handlungsaufforderungen in direktem Widerspruch zueinander. Wer versucht, es allen recht zu machen, wird darüber unglücklich werden. Ich selbst habe gemerkt, dass ich dabei die Leichtigkeit und Freude verloren habe, gerade in größeren Gruppen war ich stiller, weniger präsent, hatte keine positive Ausstrahlung. Ich habe mich daher bewusst entschieden, es wieder etwas lockerer anzugehen.

Letztendlich kann zwar jeder von uns einen Beitrag dazu leisten, unsere Gesellschaft besser zu machen, und da wir es können, sind wir als moralische Wesen auch dazu aufgefordert, es zu tun. Man sollte darüber aber nicht aus den Augen verlieren, dass gerade bei diesen indirekten Sachen wie z.B. dem (Nicht-)Reproduzieren von Stereotypen der gesamtgesellschaftliche Einfluss verschwindend gering ist. In diesem Kontext darf man das durchaus gegen das eigene, legitime Interesse abwägen, einigermaßen entspannt durch den Tag zu kommen und auch gelegentlich mal zu lachen (oder zu flirten). Das hat jetzt natürlich alles mit dem Thread-Thema nicht mehr wahnsinnig viel zu tun, irgendwie aber doch, wenn am Ende dieses besagten hypothetischen Tages, durch den man kommen möchte, eben die Rollenspielsitzung wartet.

Rollenspiel ist für mich Eskapismus, es ist Unterhaltung, es ist, wenn es gut läuft, ein besonderes, intimes Erlebnis mit Freunden, mit anderen Worten: Es ist privat. Das Private sei politisch, heißt es in Roll Inclusive, und das ist ja auch generell ein Leitsatz der emanzipatorischen Bewegungen. Das mag man so sehen, daraus allerdings zu schlussfolgern, dass man sein jegliches privates Handeln unablässig und kompromisslos an seinen politischen Überzeugungen auszurichten hätte, ist ebenso brutal wie absurd. Ich nehme mir heraus, in gewissen Bereichen meines Lebens einfach mal zu sagen, ey sorry, heute nicht.

Unbenommen bleibt, dass ich gute Romane, Filme und Serien, die beim Thema Diversität punkten und alte Stereotype gekonnt aufbrechen, echt abfeiere, und dass ich mir das auch für neue Rollenspiel-Produkte im Idealfall wünsche.
Post des Tages hier im Thread, und wenn es nur ist, weil ich nachdenken muss, ob ich mich auch so sehe.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 25.11.2019 | 19:46
Prince Valiant

Aleta und Tillikum

Das Schloss der Frauen einschliesslich Black Knight
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 25.11.2019 | 20:07
Würde man sich wirklich so offen, selbstreflexiv und abgeklärt im Rollenspiel mit lauter poltischen Meinungen befassen wollen, dann müsste man in meinen Augen fairerweise den gesamten politschen Themenkreis abdecken. Das heißt, man müsste mit einer einigermaßen ausgewogenen Verteilung "auch" umweltpolitische, religionspolitische, sozialpolitische, wirtschaftspolitische, familienpolitische, verkehrspolitische, verwaltungspolitische (etc. pp., you name it) Themen im Rollenspiel in den Vordergrund rücken. Innerhalb dieses Themenkranzes müsste man jeweils auch konträre Positionen und Darstellungen ergebnisoffen zulassen.

Warum man das nicht tut, ist evident: Im Rollenspiel möchte man sich vorrangig (im weitesten Sinne) erlebnishaft mit Fantastik beschäftigen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 25.11.2019 | 20:19
Würde man sich wirklich so offen, selbstreflexiv und abgeklärt im Rollenspiel mit lauter poltischen Meinungen befassen wollen, dann müsste man in meinen Augen fairerweise den gesamten politschen Themenkreis abdecken.
Nö. Das hat ne andere Qualität.
Deine politische Gesinnung, deine Religion, dein Verhältnis zur Umwelt, ... all das kannst Du Dir aussuchen.

Wann hast Du Dir Deine Hautfarbe, Dein Geschlecht, Deine sexuelle Orientierung, Deine Behinderungen, Dein Herkunftsmilieu, ... ausgesucht?  ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 25.11.2019 | 20:23
Nö. Das hat ne andere Qualität.
Deine politische Gesinnung, deine Religion, dein Verhältnis zur Umwelt, ... all das kannst Du Dir aussuchen.

Wann hast Du Dir Deine Hautfarbe, Dein Geschlecht, Deine sexuelle Orientierung, Deine Behinderungen, Dein Herkunftsmilieu, ... ausgesucht?  ;)

Im Rollenspiel? Bei jeder Charaktererschaffung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 25.11.2019 | 20:26
Im Rollenspiel bei jeder Charaktererschaffung.

Okay, dann gib die Frage doch bitte an deinen Spieler weiter. ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 25.11.2019 | 20:30
Nö. Das hat ne andere Qualität.
Deine politische Gesinnung, deine Religion, dein Verhältnis zur Umwelt, ... all das kannst Du Dir aussuchen.

Wann hast Du Dir Deine Hautfarbe, Dein Geschlecht, Deine sexuelle Orientierung, Deine Behinderungen, Dein Herkunftsmilieu, ... ausgesucht?  ;)
Der Korrektheit halber: Herkunftsmilieu und Gesinnung und Religion kannst du nicht sinnvoll in verschiedene Kategorien klamüsern.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 25.11.2019 | 20:35
Nö. Das hat ne andere Qualität.
Sei doch mal ergebnisoffener und aufgeschlossener und habe ein Interesse an anderen Positionen.

Es geht doch vielleicht eher um Belang. Ich habe mir nicht ausgesucht, dass ich eine Brille auf der Nase habe. Das ist aber am Spieltisch und im Spiel komplett belanglos. Also ist es unnötig, daraus ein politisches Thema zu machen, das thematisiert werden muss.

[an dieser Stelle auf Crimmis Hinweis hin eine wohl überzogen formulierte Stalking-Vermutung gestrichen]
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Crimson King am 25.11.2019 | 20:46
Ich fände es ganz gut, wenn das hier ohne persönliche Vorwürfe weiter gehen könnte, denn für mich ist vieles davon sehr erhellend. Speziell der Stalkingvorwurf lässt sich aus D.Athairs Antwortverhalten auch nicht mal ansatzweise extrapolieren.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 25.11.2019 | 20:51
Ich fände es ganz gut, wenn das hier ohne persönliche Vorwürfe weiter gehen könnte, denn für mich ist vieles davon sehr erhellend. Speziell der Stalkingvorwurf lässt sich aus D.Athairs Antwortverhalten auch nicht mal ansatzweise extrapolieren.

Dann nehme ich den zurück. Mir war aufgefallen, dass ich in dieser Art Threads mit einer D. Athairschen Antwort rechnen kann, kann natürlich auch Zufall sein oder aus der Threaddynamik entstehen, klar.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 25.11.2019 | 21:07
Würde man sich wirklich so offen, selbstreflexiv und abgeklärt im Rollenspiel mit lauter poltischen Meinungen befassen wollen, dann müsste man in meinen Augen fairerweise den gesamten politschen Themenkreis abdecken. Das heißt, man müsste mit einer einigermaßen ausgewogenen Verteilung "auch" umweltpolitische, religionspolitische, sozialpolitische, wirtschaftspolitische, familienpolitische, verkehrspolitische, verwaltungspolitische (etc. pp., you name it) Themen im Rollenspiel in den Vordergrund rücken. Innerhalb dieses Themenkranzes müsste man jeweils auch konträre Positionen und Darstellungen ergebnisoffen zulassen.
Verstehe ich Dich richtig? Man soll nur dann etwas Diversität ins Rollenspiel bringen dürfen, wenn man auch die Klimakrise, Katholizismuss und Marxismus gleichmässig mitbehandelt? :o
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Undwiederda am 25.11.2019 | 21:18
Für diese Leute anscheinend schon (und auf den verlinkten Seiten sind ja auch nur männlich-weiße Ledermantelträger abgebildet und vom Fluff her scheint deren Auftreten doch sehr beschränkt zu sein, also nicht überraschend, dass diese übersehen werden).

Und wenn ich dann noch solche Schoten lesedann wundert mich gar nichts mehr.  ::)

bei näherer Betrachtung habe ich das aber auch nur auf der deutschen Lexikanum Seite so gefunden. Gerade die englischsprachigen Seiten sind da differenzierter und sprechen zwar von "he" aber es wird häufig von Men and Women geredet und kein weiteres Wort zu der Geschlechterfrage gestellt.
Ich meine auch das GW sich da durch den Roman In Treue und Glaube von dem Image lösen will. Leider gibt es bei den WH40K Spielern zu viele Gatekeeper, die nur die alte Sicht als die "wahre" Sicht empfinden, ich hoffe, dass dort mal etwas umdenken stattfindet und wenn sie W&G wegen weiblichen oder PoC Bildern das Spiel nicht kaufen oder spielen wollen, soll es mir recht sein, solche Leute brauche ich in dem Hobby auch nicht
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 25.11.2019 | 21:19
Ach Leute das Thema ist doch eigentlich ziemlich einfach:

- Spiele ich in einem politisch unkorrekten Setting, kann es meine Empathie und mein Problembewusstsein schärfen, wenn ich als "weißer alter Mann" eine Minderheit spiele und so Diskriminierung erfahre. Das geht aber auch nur, wenn der SL sie thematisiert. Natürlich können wir "weißer alter Mann" auch gegen so ziemlich alles ersetzen. Generell ist unser Hobby eine wunderbare Möglihckeit sich in andere Rollen, Ethnien, Geschlechter und Kulturen zu versetzen und daraus zu lernen.

- Sitzt aber eine Minderheit mit am Spieltisch, sollte man davon ausgehen dass die keinen Bock darauf hat, das auch am Spieltisch zu erleben. Daher sollte man vorher fragen ob das für sie in Ordnung ist. Ist es das nicht und es gehört aber zum Setting dazu, dann überlege ich ob es auf die Bedürfnisse meiner Gruppe anpasse, es nicht thematisiere oder was anderes spiele. "Sei kein Arschloch" ist da ne gute Richtline.

Das wars eigentlich schon.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Megavolt am 25.11.2019 | 21:22
Verstehe ich Dich richtig? Man soll nur dann etwas Diversität ins Rollenspiel bringen dürfen, wenn man auch die Klimakrise, Katholizismuss und Marxismus gleichmässig mitbehandelt? :o

Da muss ich sicherheitshalber zunächst zurückfragen: Wieso schreibst du denn einschränkend von "etwas" Diversität, lässt diese Einschränkung bei den anderen von dir genannten Politikfeldern aber weg? Und wieso schreibst du etwas von "dürfen" und legst mir dadurch eine Art Verbotswunsch in den Mund? :o

So möchte ich kein Gespräch führen, sorry.

"Sei kein Arschloch" ist da ne gute Richtline.

Absolut korrekt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 25.11.2019 | 21:32
Da muss ich sicherheitshalber zunächst zurückfragen: Wieso schreibst du denn einschränkend von "etwas" Diversität, lässt diese Einschränkung bei den anderen von dir genannten Politikfeldern aber weg?
"Etwas" bezog sich auf "ein Teilgebiet der Diversität" wie z.B. Konsequenzen der Hautfarbe oder Stellung der Frau im Setting.
Zitat
Und wieso schreibst du etwas von "dürfen" und legst mir dadurch eine Art Verbotswunsch in den Mund? :o
Weil ich Dein Posting so verstanden habe. Deswegen meine Nachfrage. Ich habe Dir nichts "in den Mund" gelegt, sondern das war eine Verständnisfrage. Also kein Angriff, sondern eine einfach Nachfrage, ob ich Dich richtig verstanden habe. Scheinbar nicht.
Dann aber meine Nachfrage: Was meintest Du mit Deinem Posting?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Isegrim am 25.11.2019 | 22:05
Verstehe ich Dich richtig? Man soll nur dann etwas Diversität ins Rollenspiel bringen dürfen, wenn man auch die Klimakrise, Katholizismuss und Marxismus gleichmässig mitbehandelt? :o

Wenn ich das mal aufgreifen darf, obwohl ich nicht Megavolt bin:

Es geht wohl mehr um die pffentlich vertretene Forderung nach "mehr Diversität" im Rollenspiel. Ich find die Frage legitim, welche politische Themen dabei warum so im Zentrums tehen, wie sie es meiner Wahrnehmung nach tun (ohne das jetzt i-wie verdammen zu wollen).

Am eigenen Spieltisch kann doch sowieso jeder das thematisieren oder nicht thematisieren, was er will, und die einzigen, vor denen man sich rechtfertigen muss, sind die eigenen Mitspieler.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: 6 am 25.11.2019 | 22:08
Wenn ich das mal aufgreifen darf, obwohl ich nicht Megavolt bin:
Gerne.
Zitat
Es geht wohl mehr um die pffentlich vertretene Forderung nach "mehr Diversität" im Rollenspiel. Ich find die Frage legitim, welche politische Themen dabei warum so im Zentrums tehen, wie sie es meiner Wahrnehmung nach tun (ohne das jetzt i-wie verdammen zu wollen).
Okay. Verstehe.
Danke für die Klarstellung.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 25.11.2019 | 22:58
Ich finde weiterhin die Idee merkwürdig, das durch politische Korrektheit, oder auch einfach nur dem behandeln von anderen Spielern als normal/gleichwertig, irgendwie die Abenteuer / Kampagnen Szenarien den Bach runter gehen und man gar überhaupt keine mehr hat.

Politische Korrektheit und andere als gleichwertig behandeln sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.
Letzteres ist der völlig angemessene und eigentlich normale Umgang mit Mitmenschen - aber eben dann auf Gegenseitigkeit und üblicherweise fallweise kompromisbasiert, erster ist der normative politisch, sprich ideologisch basierte wie legitimierte und üblicherweise aggressiv weil eben aus der festen Überzeugung moralischer Überlegenheit und Sendungsbewußtsein geführte Anspruch bestimmen zu können, was generell "korrekt" sein soll.

Politk ist letztlich Machtanspruch.

Ersteres wäre beispielhaft zumindest zu fragen, wie ein farbiger Mitspieler dazu steht, dass als nächstes auf der Liste ein US-Bürgerkriegsspiel auf dem Plan steht (und dann ggf. zum 3. spiel der Liste zu springen, wenn das so gar nicht geht), zweiteres ist solche Spiele direkt als rassistisch zu brandmarken und jeden der so etwas - ohne farbige Beteiligung -  spielt gleich dazu.

Wobei da meines Erachtens hier schon zu viele Ebenen durcheinandergeworfen werden denke ich. Letztlich hat jede Ebene andere Umstände und folgend zu berücksichtigende Ansprüche.


1. Bestehende Privatrunde - in einer bestehenden Gruppe ist es denke ich normal, dass man die Bedürfnisse der Bekannten oder gar Freunde mit im Auge hat und jeder konstruktiv daran mitarbeitet einen für alle tragbaren Kompromiss zu finden. Dafür braucht man keine Politik und wenn die doch bemüht wird, hat man eh ein anderes Problem mit dem Gruppenklima.

2. Private Spielersuche zu einem Thema - Hier steht der Wunsch ein bestimmtes Spiel/Genre /Stil  zu spielen im Vordergrund. Die einzige Verpflichtung hier ist es entsprechend offen mit den Erwartungen und Besonderheiten zu sein, um den Interessenten die Möglichkeit zur informierten Entscheidung zu geben ob sie mitmachen wollen oder nicht.
Auch ohne Berücksichtigung von speziellen Wünschen wäre es immer noch sehr nützlich mögliche Befindlichkeiten zu kennen, um sie eben in die Beschreibung aufnehmen zu können - bzw. ggf. zu wissen wo Kompromisse anstehen könnten / möglcih wären, wenn es dann darum geht einen Wackelkandiaten doch zu integrieren.

3. Spielersuche auf einem Con

4. Verlagsebene

Die letzten beiden auszuführen wird mir jetzt heute zu spät, wobei das genau die beiden Ebenen sind, wo die PC-Agitation direkt reinwirkt - über die das Angebot der Verlage dann aber wieder natürlich indirekt auch wieder zurück auf 1 +2. 


Bezgl. Politik wollen:
Auch da liegt eben "Diversität": manche wollen, andere nicht udn die, welche wollen, wollen das Thema dann ggf in ganz unterschiedlichen Herabngehensweisen: PC- hingegen ist versuchte Gleichschaltung: Einer sagt: Mach das jetzt so oder -ismus - siehe den Ork.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: YY am 25.11.2019 | 23:31
Gegenfrage: wie müßte ein Setting aussehen, das glaubhaft "unpolitisch" sein oder zumindest so wirken soll? Gibt's das eigentlich überhaupt?

Genau darauf wollte ich mit meinen Fragen hinaus.

Intern ist erst einmal jedes Setting in irgendeiner Form politisch bzw. hat politische Aspekte.
Das kann höchstens dort anders sein, wo man den Rahmen und die Zahl der Personen sehr stark begrenzt - muss es aber immer noch nicht bzw. ist es auch dann nicht automatisch. Selbst Robinsonaden sind bisweilen hoch politisch.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes Setting dann auch nach außen, sprich bis an den Spieltisch, politisch ist; oder eben nur, wenn man der Meinung ist, alles und jedes sei politisch.
Da wäre dann die Frage, was der Autor mit dem Werk wohl bezweckt hat (und an der Stelle kommen viele schon nicht über den Flachköpper hinaus, dem Autor die Ansichten eines Charakters 1:1 zu unterstellen), wenn es überhaupt eine wirklich klare Aussage gibt (und die nicht Satire ist...usw.).

Schnell erreicht das den Punkt, wo es viel mehr darum geht, was man sehen will.
Und selbst wenn ich jemand anderen so weit bringen kann, dass er die Gesichter in der Strukturtapete auch sieht - wenn eine notwendige Voraussetzung ist, dass ich sie sehen will, dann kann ich schon nicht mehr guten Gewissens behaupten, dass sie wirklich da sind.

Ja, man kann auch als Setting-Autor nicht nicht kommunizieren.
Aber: "Ein Freund ist jemand, mit dem man schweigen kann" - weil das Schweigen dann nicht unangenehm ist und nichts reininterpretiert wird.
Mit Unsicherheiten klar kommen und (auch eigene!) Ambivalenzen einfach mal stehen lassen können ist da schon der deutlich verträglichere Weg, als alles auf die Spitze interpretieren zu müssen.

Wo Vermi das als "brutal und absurd" bezeichnet, sage ich: Das ist ungesund und wenig sozialverträglich. Nicht umsonst finden die härtesten Grabenkämpfe da statt, wo es drum geht, wer unter den Erleuchteten auch hinreichend erleuchtet ist. Alle anderen sind da aber schon längst ausgestiegen und man spielt wohl schon nur noch explizit als ("nach außen") politische Rollenspiele angelegte Sachen.

Wenn man ganz klassisch politisch unkorrektes Zeug als Eskapismus spielen will und von PC-Kram frei sein will, dann müsste man die Mitspielenden danach auswählen, dass sie auf keiner Ebene irgendwelche Marginalisierungserfahrungen haben oder Minderheiten angehören.

Ganz entschieden nicht.
Man muss sie "nur" danach auswählen, ob sie sich daran stören, wenn das im Spiel vorkommt. Und da sind die Zahlenverhältnisse auf einmal ganz andere.
Jeder kann sich an irgendwas stören und man könnte sich dann stundenlang drüber die Köpfe einschlagen, was davon denn nun wie berechtigt ist, wessen Interesse wo überwiegt etc. pp.
In der Praxis erlebe ich das so gut wie nie und da, wo es aufkommt, ist es mit ein paar Sätzen erledigt.

Und weil ich zum ace spectrum auch was sagen "darf":
Da ist mir schon gar nicht klar, warum man das überhaupt als Kategorie aufmacht.
Vielleicht bin ich zu pragmatisch, vielleicht ist das Fell zu dick, aber ich muss schon lange überlegen, wann das überhaupt mal wirklich Thema war, geschweige denn wo ich da eine Diskriminierungserfahrung reindeuten sollte. 

Aber Hauptsache Vernetzung, Awareness und "A-Pride/Ace Pride" :P, statt damit zufrieden zu sein, dass man als Betroffener ( ::)) trivial einfach seine Ruhe haben kann, wenn man das nur will.

Und im nächsten Schritt könnte man dann merken, dass das auch der Maßstab für den Rest ist:
Die anderen so ihr Ding machen lassen, wie man seins macht und einfach mal nicht alles gleich auf sich selbst beziehen und krumm nehmen.
Was dann immer noch bzw. trotzdem nicht geht, geht halt nicht - aber man darf und sollte sich immer die Frage stellen, ob man den jeweiligen Affen nicht doch selbst auf dem Rücken reingetragen hat. Gerade dann, wenn man ungefragt für andere spricht. Und man muss sich eigentlich nicht mehr fragen, wenn die, für die man spricht, vollkommen fiktiv sind und obendrauf keine direkte Verbindung nach außen haben (sprich: SC-Status).

Abseits des Rollenspiels kann es auch nicht Ziel sein, dass jeder alle anderen total toll findet in ihrer Individualität und besonderen Identität, sondern dass alle sich gegenseitig so "positiv egal" sind (also: sich wie oben erwähnt freundschaftlich anschweigen können), dass jeder machen kann, was er für richtig hält. Alles andere ist utopisch - und wo der Weg mit den voll guten Absichten hin führt, ist ja bekannt.
 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 25.11.2019 | 23:39
Kurzer SC-Ausflug, weil ich das für wichtig halte:

Politische Korrektheit und andere als gleichwertig behandeln sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.  [...] PC- hingegen ist versuchte Gleichschaltung: Einer sagt: Mach das jetzt so oder -ismus - siehe den Ork.
Ein Gegenstandpunkt (https://www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/29/rotherham-pc-gone-mad-defence-racism-contempt-pakistani-heritage) dazu.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 25.11.2019 | 23:49
Und weil ich zum ace spectrum auch was sagen "darf":
Da ist mir schon gar nicht klar, warum man das überhaupt als Kategorie aufmacht.
Vielleicht bin ich zu pragmatisch, vielleicht ist das Fell zu dick, aber ich muss schon lange überlegen, wann das überhaupt mal wirklich Thema war, geschweige denn wo ich da eine Diskriminierungserfahrung reindeuten sollte.
Pragmatisch gesehen können sich die Erfahrungen dahingehend unterscheiden.
Es kann passieren, dass einen nie jemand darauf anspricht das man auf dem asexuellen Spektrum ist.
Es kann passieren, dass man in der Familie Probleme bekommt weil man deutlich jenseits der 30 keinen Partner hat.
Es kann passieren, dass man in der Familie Probleme bekommt weil man den Familienstammbaum quasi bedroht.

Wobei sich die Probleme unterscheiden können, von direkten Vorwürfen, Bekehrungsversuchen bis hin zu Schuldzuweisungssituationen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass es je nach Lebenssituation Auswirkungen auch andere Aspekte des Lebens hat.

Jenachdem mit wem man, in welchen Kontext, und über welche Plattform, wie Rollenspiele spielt - ich rede hierbei von Pen & Paper - kann es auch durchaus zum Problem werden, wenn man kein Interesse daran hat mit seinem Charakter sexuelle oder romantische Beziehungen einzugehen. Weil es einem unangenehm ist, weil man es aus der Position des Charakters einfach nicht wirklich nachvollziehen kann, weil es einem Stress bereitet und dem Spielspaß abträglich ist.

Auch hierbei, kann je nach Situation, die Erfahrung eine andere sein.
Das heißt, ich habe die Erfahrung gemacht, das jede weibliche Figur in einem Star Trek (Foren-) Rollenspiel, schneller angegraben wurde als Kirk in TOS sich an die attraktive Dame der Folge ran macht. Selbst nachdem man explizit den Wunsch äußert "Leute, ich mag echt keine romantischen Sachen im Rollenspiel haben, lasst es". Was dann ignoriert wird, bis man einen Vorta spielt. Das heißt, halbwegs männlich kodiert und halbwegs geklont, womit das angraben beendet wurde.

In dem Rahmen, kann es durchaus befreiend sein zu sagen:
A-Price / Ace-Pride, es zu zeigen und es respektiert zu sehen.
Auch zu sehen das man nicht der einzige Mensch ist dem es so geht. Das es ganz normale Menschen sind, und nicht nur die "Irre Katzenfrau" oder "Frigide Alte" mit gescheiterten Leben.

Davon sich im Grunde selbst die Schuldzugeben, selbst Schuldvorwürfe zu machen den Affen reingetragen zu haben, halte ich nichts.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 26.11.2019 | 07:07
Kurzer SC-Ausflug, weil ich das für wichtig halte:
 Ein Gegenstandpunkt (https://www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/29/rotherham-pc-gone-mad-defence-racism-contempt-pakistani-heritage) dazu.
Ne du, ich gucke mir jetzt nicht x sich widersprechende Meinungsartikel an, bitte gib mal das tl,dr davon. Wir waren uns doch schon einig, dass PC ein absichtlich schwammiger Begriff ist, dachte ich, und Leute als gleichwertig zu behandeln ist deutlich einfacher und Fundament unserer Gesellschaft. Da reicht kein "Wohl!"
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 26.11.2019 | 08:53
Genau darauf wollte ich mit meinen Fragen hinaus.

Intern ist erst einmal jedes Setting in irgendeiner Form politisch bzw. hat politische Aspekte.
Das kann höchstens dort anders sein, wo man den Rahmen und die Zahl der Personen sehr stark begrenzt - muss es aber immer noch nicht bzw. ist es auch dann nicht automatisch. Selbst Robinsonaden sind bisweilen hoch politisch.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes Setting dann auch nach außen, sprich bis an den Spieltisch, politisch ist; oder eben nur, wenn man der Meinung ist, alles und jedes sei politisch.
Da wäre dann die Frage, was der Autor mit dem Werk wohl bezweckt hat (und an der Stelle kommen viele schon nicht über den Flachköpper hinaus, dem Autor die Ansichten eines Charakters 1:1 zu unterstellen), wenn es überhaupt eine wirklich klare Aussage gibt (und die nicht Satire ist...usw.).

Schnell erreicht das den Punkt, wo es viel mehr darum geht, was man sehen will.
Und selbst wenn ich jemand anderen so weit bringen kann, dass er die Gesichter in der Strukturtapete auch sieht - wenn eine notwendige Voraussetzung ist, dass ich sie sehen will, dann kann ich schon nicht mehr guten Gewissens behaupten, dass sie wirklich da sind.
 
+ 10

Zitat
Wobei sich die Probleme unterscheiden können, von direkten Vorwürfen, Bekehrungsversuchen bis hin zu Schuldzuweisungssituationen.
Ich kann mir auch vorstellen, dass es je nach Lebenssituation Auswirkungen auch andere Aspekte des Lebens hat.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, und soziale Ausgrenzung wird daher häufig als im weitesten Sinne "bedrohlich" empfunden.
Besonders von den Menschen, die einem nahe stehen.

Dennoch- und jetzt wird es kurz noch philosophisch:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 26.11.2019 | 10:46
Der Mensch ist ein soziales Wesen, und soziale Ausgrenzung wird daher häufig als im weitesten Sinne "bedrohlich" empfunden.
Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, finde ich Dinge wie A-Pride/Ace-Pride oder die Kommunikation das man auf dem asexuellen Spektrum ist, eventuell noch wo, richtig.

Es bietet die Möglichkeit zu seiner Identität zu stehen und sich sowie die eigene Bedürfnisse zu beschreiben.
Was wiederum im sozialen Umgang und auch in Hobby Tätigkeiten mit anderen hilfreich ist.
Es bietet die Möglichkeit zu sehen das es andere Menschen gibt, welche den Persönlichkeitaspekt teilen.
Das man nicht die einzige Person ist oder völlig aus der Art gefallen, weil man auf dem Spektrum ist. Wenn man sich dahingehend nicht äußert, weil Personen jenseits des Spektrum es als bedrohlich empfinden könnten, führt dies zu einer Isolierung und damit Ausgrenzung aus dem Sozialen. Man kann an sozialen Tätigkeiten teilnehmen, muss jedoch schauen das man den Aspekt der eigenen Person kaschiert.

Das heißt, wenn man als Person auf dem asexuellen Spektrum Rollenspiel spielen will, Politik frei und ungezwungen, sollte man seine Mitspieler dazu kriegen, dass sie Dinge akzeptieren wie das es asexuelle Charaktere gibt oder das Romanzenspiel gegenüber einen vielleicht runter schrauben.
Das erzielt man nicht, in dem man so tut als gäbe es den Aspekt nicht, um etwaige Beißreflexe zu unterbinden, weil sich die anderen von der Existenz von Personen auf dem asexuellen Spektrum ggf. in ihrer Normativität bedroht fühlen.

Zumal es nicht so ist, als würden mit anderen Sexualitäten jenseits des asexuellen, ähnliche Zurückhaltung geübt, wie es nach meinem Verständnis YY Personen auf dem asexuellen Spektrum nahelegt. Man erfährt da mitunter recht schnell, das andere nicht asexuelle Inhalte sehr gern mögen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 26.11.2019 | 11:35
bitte gib mal das tl,dr davon.

+1 (gilt natürlich ebenso für Lichtschwerttänzer, wenn er wieder seine anekdotische Evidenz ohne Quellenangabe in den Thread kotzt).

@Topic:
Was der Crux des Themas ist - und das zeigt sich imo in zahlreichen Kontexten - ist, dass die Ablehnung von "PC" mit einer seltsamen Form von Schizophrenie verbunden ist:
- solange diverse Menschen innerhalb der Hobbys (durch Verlage etc.) nicht berücksichtigt werden, sagen diese Leute "Das ist ja kein Problem - das muss man halt in der Gruppe klären"
- wenn aber ein Verlag plötzlich inklusive Berücksichtigung praktiziert kommt von denselben Leuten der Vorwurf "Oh nein, der Verlag zwingt uns seine Politik auf" (als wäre die Nicht-Berücksichtigung nicht politisch  ::) ) - das ist dann (seltsamerweise) plötzlich nichts mehr, was man "mal eben in der Gruppe klären" kann, warum wohl?
- PC ist - nach dieser Argumentation (welche den argumentativen Untugenden #8 und #10 nach Umberto Eco ziemlich nahe ist) - gleichzeitig komplett unterlegen, sowie außerdem alles beherrschend. Diese Irrationalität zieht sich so ziemlich durch alle Postings/Blogartikel zu diesem Thema.
- im Grunde geht es also um "gatekeeping" - man will solche Sachen nicht in seinem Hobby haben und tut alles, um sie draußen zu halten, während man gleichzeitig so tut, als wäre "draußen" gar nicht so schlimm (was es dann aber fragwürdig macht, dass man so sehr darauf insistiert).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2019 | 11:47
Nur fürs Protokoll, weil Alexandro gerade in diese Richtung deutet:

mir persönlich sind Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Rücksicht sehr wichtige Tugenden. Im Real-Life.
Allerdings sind das Faktoren, die bei konsequentester Anwendung in Rollenspielsettings zu gähnender Langeweile führen würden. Für mich zumindest. Ich fänd es schade um die Reibungspunkte oder auch die Möglichkeit mal abseits von der eigenen Ethik Rollen zu verkörpern. Dabei muss es nichtmal um Extreme/Extremisten gehen. Ein Patriarchat muss ja nicht Frauen gewaltsam und brutal unterdrücken, sondern eine auf Männer ausgerichtete Gesellschaftsstruktur besitzen, in der Frauen eben weniger wichtige Positionen besetzen. Das ist sicherlich politisch total unkorrekt, aber eben auch nichts, wo ich sagen würde "FURIO! Hinfort mit Dir Du niederträchtiges, frauenverachtendes Setting." Was'n Kack, wenn ich darauf verzichten müsste, dort eine emanzipierte und zielorientierte Frau spielen zu können. Oder einen Mann, der diese Gesellschaftsordnung (aus welchen Gründen auch immer) ablehnt. Oder einen Mann, der dort aufgewachsen ist und andernorts schmerzlich erfahren muss, wie tough Frauen sein können und sich so entwickelt ... oder eine Frau, die die ihr zugewiesene Rolle erst akzeptiert und in der GroßenweitenweltTM erfährt, was ihr noch alles offen steht. Oder den unverbesserlichen Chauvinisten, der überall und immer wieder aneckt und für Reibereien sorgt.

Ich sehe also nicht, dass eine Ablehnung von PC eine seltsame Form der Schizophrenie beherbergt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 26.11.2019 | 11:57
Öhm, darum ging es in meinem Post gar nicht (der Post bezog sich ausschließlich aufs RL - im Speziellen auf die Rollenspielgruppen, Verlage und Internetkommunikation - nicht auf die Spielwelt).  wtf?

Aber da du es ansprichst: ist richtig, Konflikte sollten im Setting drin sein.
Allerdings: in den meisten Settings ist es halt so, dass durch den Einbau der "Non-PC"-Elemente (und besonders durch deren Explizitmachung durch Setzungen im Quellenband als etwas, was feststeht und nicht durch die Gruppe auszudeuten ist) gerade Konflikte verhindert: durch "Orks sind böse und Punkt" wird das Setting halt ein stückweit langweiliger (ebenso durch "Patriarchat herrscht unumschränkt und Punkt") - ein gutes Setting spielt mit solchen Stereotypen (bspw. die Wildlinge in ASoIaF, welche im Prolog des ersten Buches noch wie Monster beschrieben werden, weil über sie halt nur Geschichten bekannt sind, sich aber im Verlauf der weiteren Bücher als ganz normale Menschen entpuppen).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 26.11.2019 | 12:58
@Luxferre
Es will niemand Spielern verbieten oder madig machen, dass sie in patriachalen Settings spielen und dort weibliche Charaktere vor entsprechend gesellschaftliche Herausforderungen gestellt werden.

Die These ist doch eher, dass während dies Spaß machen kann, es vielleicht seitens Spielern der Gedanke existieren könnte, in Settings zu spielen ohne patriachale, gesellschaftliche Herausforderungen zu thematisieren. Das das Thema vielleicht verschiedene Spieler nicht anspricht.

Gerade wenn der Aspekt erst mit dem weiblichen Charakter aufkommt bzw. eingebracht wird. Gerade wenn man vielleicht die Erfahrung gemacht wird, dass es nicht wirklich thematisiert wird sondern mehr so "nebenher laufen gelassen", während sich die Gruppe eher auf die "normalen" Abenteuer Dinge konzentriert.


Wobei ich denke das sich Alexandros Argumentation, da mag ich mich irren und man kann mich gerne korrigieren auf grundlegendere Dinge bezieht.

Man kann beispielsweise das Thema Geschlechter nehmen.
Es gibt Personen die verstehen Geschlechter binär und haben vielleicht davon gehört das es Intersexuelle Personen gibt respektive das "d" für divers in Stellenausschreibungen bemerkt.
Es gibt Personen die verstehen Geschlecht als Spektrum und verorten männlich, weiblich, divers bzw. nicht-binär auf verschiedene Art und Weisen mit verschiedenen Bereichen.

Wenn man jetzt bei einer Runde nur weibliche und männliche Charaktere anbietet, steht eine Person die einen Charakter außerhalb des binären spielen möchte, die eine Welt sehen möchte in der ihr Erfahrungsspektrum abgebildet ist vor einer gewissen Herausforderung.
Wenn man jetzt bei einer Runde darauf hinweis das Charaktere weiblich, männlich oder divers sein können, kann es einem passieren, das einen Mitspieler entsetzt anschauen und mit Ablehnung reagieren.

Ich halte dahingehend, ähnlich wie Alexandro darstellt, die Rollenspiel-Szene nicht unbedingt für absolut unpolitisch oder inklusiv.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 26.11.2019 | 13:03
Zitat
Was der Crux des Themas ist - und das zeigt sich imo in zahlreichen Kontexten - ist, dass die Ablehnung von "PC" mit einer seltsamen Form von Schizophrenie verbunden ist:
- solange diverse Menschen innerhalb der Hobbys (durch Verlage etc.) nicht berücksichtigt werden, sagen diese Leute "Das ist ja kein Problem - das muss man halt in der Gruppe klären"
- wenn aber ein Verlag plötzlich inklusive Berücksichtigung praktiziert kommt von denselben Leuten der Vorwurf "Oh nein, der Verlag zwingt uns seine Politik auf" (als wäre die Nicht-Berücksichtigung nicht politisch  ::) ) - das ist dann (seltsamerweise) plötzlich nichts mehr, was man "mal eben in der Gruppe klären" kann, warum wohl?
Jetzt nur mal nach meiner Logik:
Wenn man es den Spielern überlässt, dann überlässt man es doch den Spielern.

oder anders- Wenn den Spielern völlig freisteht, welches Geschlecht/Sexualität/Herkunft whatever sie spielen wollen.
Also es da bewusst weder Eingrenzungen noch Schwerpunkte gibt, dann sind doch automatisch
alle  Spieler- egal welches Geschlechts/Sexualität, Herkunft etc.  miteingeschlossen)

Wie dann gespielt wird- ob voll nach Klischee,  total dagegen oder  eine bunte Mischung, liegt dann allein an den beteiligten Spielern.

Sobald man im Setting diesbezüglich bestimmte Schwerpunkte setzt, gibt man, nach meinem Verständnis, auch Richtungen vor.
Und man verleiht (z.B. der Sexualität) plötzlich ein Gewicht, das vorher nicht da war.  bedeutungslos.
(Weil man es vorher z.B. nicht für wichtig hielt, weil es keine besondere Bedeutung haben sollte, weil es Keinen interessiert hat, weil man es den Spielern selbst überlassen wollte, wie und ob, oder nicht)

Edit.
Ein Setting, das bewusst keine Schwerpunkte setzt, bewirkt sicher nichts *.
Aber es schließt jetzt nach meinem Verständnis  auch niemanden bewusst aus.

*
Dass sich jmd. am Tisch dennoch ausgeschlossen oder nicht willkommen fühlt, würde in dem Fall  mMn. an der Denke, der beteilligten Spieler liegen.
Nicht am Setting.

Jetzt kann man natürlich argumentieren: "Man muss bestimmte Schwerpunkte setzen, damit sich die Denke der Spieler ändert."
Und schätze mal daher kommt der Aufschrei.

Wobei es vermutlich in den meisten Fällen schon einen Bedarf gibt, Dinge  inklusiver darzustellen.
Kommt, denke ich, auch darauf an, in welcher Form das geschieht.

Wie  könnte man das verpacken ?:
Statt gegen die Klischees zu arbeiten-  das Setting stattdessen erweitern.- und mehr inklusive Alternativen anbieten.
(Kann ja beides nebeneinander existieren)

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2019 | 13:04
@Luxferre
Es will niemand Spielern verbieten oder madig machen, dass sie in patriachalen Settings spielen und dort weibliche Charaktere vor entsprechend gesellschaftliche Herausforderungen gestellt werden.

Die These ist doch eher, dass während dies Spaß machen kann, es vielleicht seitens Spielern der Gedanke existieren könnte, in Settings zu spielen ohne patriachale, gesellschaftliche Herausforderungen zu thematisieren. Das das Thema vielleicht verschiedene Spieler nicht anspricht.

Gerade wenn der Aspekt erst mit dem weiblichen Charakter aufkommt bzw. eingebracht wird. Gerade wenn man vielleicht die Erfahrung gemacht wird, dass es nicht wirklich thematisiert wird sondern mehr so "nebenher laufen gelassen", während sich die Gruppe eher auf die "normalen" Abenteuer Dinge konzentriert.

Oh, ich fühle mir das gar nicht abgesprochen oder verboten  :d

Was mich umtreibt ist eher der Fakt, dass Settings doch weitläufiger sind, als DAS patriarchalische Setting. Vielleicht ist ein Land oder eine Kultur im Setting patriarchalisch, eines dafür matriarchalisch und ein anderes wiederum kannibalistisch und wiederum ein Anderes objektiv bemessen tiefböse.
Mir persönlich würde es in Settings ohne solche Prämissen an einigem interessanten Konfliktpotential fehlen.
Auch abseits davon finde ich es auch interessant Charaktere zu spielen, die eben nicht realweltlich modern aufgeklärt sind, sondern ihren eigenen Horizont haben.

Allerdings habe ich den Satz von Alexandro:
@Topic:
Was der Crux des Themas ist - und das zeigt sich imo in zahlreichen Kontexten - ist, dass die Ablehnung von "PC" mit einer seltsamen Form von Schizophrenie verbunden ist:
auch schlicht missverstanden  8]
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 26.11.2019 | 18:03
Kurzer SC-Ausflug, weil ich das für wichtig halte:
 Ein Gegenstandpunkt (https://www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/29/rotherham-pc-gone-mad-defence-racism-contempt-pakistani-heritage) dazu.

Ja, hört sich wie die übliche Vorgehensweise Kritik durch weitere Rassismusvorwürfe zu begegnen.
Klar will man sich so ein Machtinstrument nicht kaputt machenlassen.
Und ein Missbrauch von so einemVorwurf wird eben nicht dadurch richtig, dass man zu einemneuen Thema dann neue Rassismusvorwürfe erhebt.

+1 (gilt natürlich ebenso für Lichtschwerttänzer, wenn er wieder seine anekdotische Evidenz ohne Quellenangabe in den Thread kotzt).

@Topic:
Was der Crux des Themas ist - und das zeigt sich imo in zahlreichen Kontexten - ist, dass die Ablehnung von "PC" mit einer seltsamen Form von Schizophrenie verbunden ist:
- solange diverse Menschen innerhalb der Hobbys (durch Verlage etc.) nicht berücksichtigt werden, sagen diese Leute "Das ist ja kein Problem - das muss man halt in der Gruppe klären"
- wenn aber ein Verlag plötzlich inklusive Berücksichtigung praktiziert kommt von denselben Leuten der Vorwurf "Oh nein, der Verlag zwingt uns seine Politik auf" (als wäre die Nicht-Berücksichtigung nicht politisch  ::) ) - das ist dann (seltsamerweise) plötzlich nichts mehr, was man "mal eben in der Gruppe klären" kann, warum wohl?
- PC ist - nach dieser Argumentation (welche den argumentativen Untugenden #8 und #10 nach Umberto Eco ziemlich nahe ist) - gleichzeitig komplett unterlegen, sowie außerdem alles beherrschend. Diese Irrationalität zieht sich so ziemlich durch alle Postings/Blogartikel zu diesem Thema.
- im Grunde geht es also um "gatekeeping" - man will solche Sachen nicht in seinem Hobby haben und tut alles, um sie draußen zu halten, während man gleichzeitig so tut, als wäre "draußen" gar nicht so schlimm (was es dann aber fragwürdig macht, dass man so sehr darauf insistiert).

Der Knackpunkt ist nicht, dass es AUCH etwas für andere geben soll, sondern dass mit den PC-ichtlinien und -ismusvorwürfen gegen Abweichler letztlich ALLES so aussehen soll, wie es sich die PC-Jünger vorstellen.
Es wird somit ja auch nicht nur angegriffen was fehlt, sondern auch jede Menge, was da ist und nun verschwinden soll. Damit damit ist es eben keine Diversifikation des Materials, sondern eine angestrebte PC-korrekte Einheitslösung.

Und Nichtberücksichtigung wäre auch erst dann politisch, wenn es politisch motivierte Absicht ist.
Wobei : wieder etwas gelernt, die Eco-Liste kannte ich noch nicht, aber die PC-Strukturen sind wohl klar darin erkennbar ...

Öhm, darum ging es in meinem Post gar nicht (der Post bezog sich ausschließlich aufs RL - im Speziellen auf die Rollenspielgruppen, Verlage und Internetkommunikation - nicht auf die Spielwelt).  wtf?

Aber da du es ansprichst: ist richtig, Konflikte sollten im Setting drin sein.
Allerdings: in den meisten Settings ist es halt so, dass durch den Einbau der "Non-PC"-Elemente (und besonders durch deren Explizitmachung durch Setzungen im Quellenband als etwas, was feststeht und nicht durch die Gruppe auszudeuten ist) gerade Konflikte verhindert: durch "Orks sind böse und Punkt" wird das Setting halt ein stückweit langweiliger (ebenso durch "Patriarchat herrscht unumschränkt und Punkt") - ein gutes Setting spielt mit solchen Stereotypen (bspw. die Wildlinge in ASoIaF, welche im Prolog des ersten Buches noch wie Monster beschrieben werden, weil über sie halt nur Geschichten bekannt sind, sich aber im Verlauf der weiteren Bücher als ganz normale Menschen entpuppen).

Die Konflikte werden nicht verhindert, sondern massiv simplifiiziert und abstrahiert, um sich eben nicht mit irgendwelchen politischen Details auseinander setzen zu müssen - Fastfoodunterhaltung eben, aber wie fastfood hat auch die irgendwo eine Berechtigung, auch wenn sie nicht jeden befriedigt. Das Setting will nicht gut/ansprichsvoll sein, sondern es will schnell und aufwandsarm unterhalten. (Ich kann den Stachel nachvollziehen, ich habe mich ja z.B. auch schon aus ähnlichen Gründen früher über Mookregeln aufgeregt.)



Sobald man im Setting diesbezüglich bestimmte Schwerpunkte setzt, gibt man, nach meinem Verständnis, auch Richtungen vor.
Und man verleiht (z.B. der Sexualität) plötzlich ein Gewicht, das vorher nicht da war.  bedeutungslos.
(Weil man es vorher z.B. nicht für wichtig hielt, weil es keine besondere Bedeutung haben sollte, weil es Keinen interessiert hat, weil man es den Spielern selbst überlassen wollte, wie und ob, oder nicht)

Edit.
Ein Setting, das bewusst keine Schwerpunkte setzt, bewirkt sicher nichts *.
Aber es schließt jetzt nach meinem Verständnis  auch niemanden bewusst aus.

*
Dass sich jmd. am Tisch dennoch ausgeschlossen oder nicht willkommen fühlt, würde in dem Fall  mMn. an der Denke, der beteilligten Spieler liegen.
Nicht am Setting.

Jetzt kann man natürlich argumentieren: "Man muss bestimmte Schwerpunkte setzen, damit sich die Denke der Spieler ändert."
Und schätze mal daher kommt der Aufschrei.

Wobei es vermutlich in den meisten Fällen schon einen Bedarf gibt, Dinge  inklusiver darzustellen.
Kommt, denke ich, auch darauf an, in welcher Form das geschieht.


+1.

Und umgekehrt hat es ja früher auch funktioniert - auch ohne entsprechende Systemunterstützung und Quotenbebilderung waren dann Charaktere aus verschiedensten Regionen der Welt ausgeborgt und auch weibliche Charaktere dabei.


Oder um es mal von einer weiteren Facette aus zu betrachten: Konflikte, gerade soclhe, welche dann auf Waffengewalt rauslaufen erfolgen nahezu nie unter rundum korrekten Umständen. Und selbst wenn man auf der "korrekten" Seite steht, läuft man Gefahr in diesem Kampf auf Unanehmlichkeiten und unschönes Verhalten zu treffen, ggf. gerade wenn man auf der korrekten Seite steht. Somit ist eigentlich Ein Käfig voller Hleden das einzige mögliche Szenario udn selbst dann läuft man Gefahr wird das Böse zu weich gespült, das der Vorwurf der Verharmlosung als nächstes im Raum steht ... und es waren nicht 50% weibliche Kriegsgefangene also Sexismus. 

Auch eine andere Stoßrichtung läuft quuasi auf Unmöglichkeit hinaus, die Forderung der kulturellen Repräsentation:
Ohen Repräsentation wird gemeckert, erfolgt die Behandlung auf dieselbe clicheehafte Weise wie der Rest, wird bemängelt, dass dies beleidigend und nicht angemessen ist, wird tatsächlich entsprechende Mühe in die Grundlagenforschung gegeben ist es wiederum kultureller Diebstahl ... wie mans macht, man würde immer am Fliegenfänger hängen. Und der Hinweis: nie war Veröffentlichung so einfach wie heute, machs dann halt selbst richtig wird ebenfalls als Rassismus eingestuft, denn als "Priviligierter" steht man im Bedienzwang.

Da frage ich mich schon, ob es den Leuten überhaupt um das Spiel und die Spieler geht oder ob da wie ein Fußballhooligan die Aktivsiten einfach nur Gelegenheit gesucht und gefunden haben ihren RL-Frust an anderen abzulassen.


Womit wir zu den beiden anderen Ebenen kommen, welche als in der Öffentlichkeit stehend dem direkten PC-Druck ausgesetzt sind, denn die Öffentlichkeit nimmt nur den -ismus Vorwurf wahr - dass sich da jemand für diskriminiert hält, weil er fürchtet mit einem Ork verwechselt zu werden sind Details, welche es da im Normalfall nie in den Verarbeitungszustand schaffen: Lautstärke und Image/Imageschaden vermeiden toppt Inhalt.

3. Cons und öffentliche Treffs.
Organisatoren solcher Treffs sind (im Rahmen ihrer Kapazität) eigentlich immer an einer Vielzahl von Besuchern interessiert und wenn es mit öffentlichen Unterstützern erfolgt auch an einer bunten Mischung an Besuchern. Andererseits haben dann solche Unterstützer oft keinen Bezug zum Spielen selber sondern eher wieder zur Politik, was die Organisatoren dann entsprechend angreifbar für politische Anwürfe macht - was noch lange nicht heißt, dass diese auch berechtigt sind.
Dazu kommt, dass Cons in der Regel besucheroffen sind und sich somit verschiedenste Leute unterschiedlichsten Hintergrunds, Informationslage zum Thema Rollenspiele und vor allem auch Alters auftauchen können.

4. Verlage
Verlage sind an entsprechenden Verkäufen interessiert, welche erst einmal steigen, wenn man sein Produkt für mehr Leute interessant/verdaubar macht. Wer also ein halbwegs Mainstreamprodukt hat, für den kann eigentlich Diversität nur gut tun, erhöht es doch die potentielle Kundenbasis. Aber wie oben aufgeführte Diversität der Kunden ist ja nur eine Facette und der Gleichschaltungsdruck schädigt dann - wo er sich durchsetzen kann - die Diversität der Inhalte, was dann ggf. zum Erlöschen von Interesse oder aber eben die Verweigerung zu politischen Problemen führen kann.
Andere Verlage setzen von vorne herein Nischenprodukte, welche von spezifischen Eigenheiten leben, welche dann von so einem Zwang zum Einheitsbrei dann natürlich erst recht erledigt werden.

Somit ist jede der 4 Ebenen anderen Ansprüchen und Umständen unterworfen, welche bei der Beurteilung von korrektem Verhalten aber auch dem Einfluss von PC berücksichtigt werden müssten. 


 

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Blechpirat am 26.11.2019 | 18:16
Ihr seid schon wieder hart off topic. Bitte bleibt beim Thema!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 27.11.2019 | 00:19
Der Knackpunkt ist nicht, dass es AUCH etwas für andere geben soll, sondern dass mit den PC-ichtlinien und -ismusvorwürfen gegen Abweichler letztlich ALLES so aussehen soll, wie es sich die PC-Jünger vorstellen.
Es wird somit ja auch nicht nur angegriffen was fehlt, sondern auch jede Menge, was da ist und nun verschwinden soll. Damit damit ist es eben keine Diversifikation des Materials, sondern eine angestrebte PC-korrekte Einheitslösung.

In der realen Welt sieht es derweil anders aus: wer heute über Diversity redet, dann als persönliche Begründung, warum ein Setting nichts für einen persönlich ist (und zwar ohne sich mit "Das war aber damals so"-Idioten auseinandersetzen zu müssen, welche komplett am Thema vorbei zu argumentieren). Einen Vorteil davon, dass alle Rollenspiele "einheitlich" wären, hat ja auch niemand.

Aber hey, das hält dich offensichtlich nicht davon ab, irgendwelche irrationalen Feindbilder (#3 in Ecos Liste) zu konstruieren. Wo "PC-Jünger" konstruktiv sind und sagen "Ich fühle mich von den bestehenden Settings nicht angesprochen, ich hätte gerne eine Alternative", da phantasierst du irgendwelche kruden Verschwörungstheorien über "Einheitsbrei" zusammen, welche nirgendwo gefordert wurden.

Diese Ahnungslosigkeit zieht sich auch durch den Rest des Posts:
Zitat
3. Cons und öffentliche Treffs.
Organisatoren solcher Treffs sind (im Rahmen ihrer Kapazität) eigentlich immer an einer Vielzahl von Besuchern interessiert und wenn es mit öffentlichen Unterstützern erfolgt auch an einer bunten Mischung an Besuchern. Andererseits haben dann solche Unterstützer oft keinen Bezug zum Spielen selber sondern eher wieder zur Politik, was die Organisatoren dann entsprechend angreifbar für politische Anwürfe macht - was noch lange nicht heißt, dass diese auch berechtigt sind.
 

Öhm, was?  wtf? Gut 90% der Rollenspielcons werden von Rollenspielern veranstaltet - in der Regel welchen, die sich auch gut damit auskennen, was es für Systeme gibt. Ich denke die Awareness gegenüber politischen Themen ist da wesentlich geringer, als die Kenntnis der Spiele (möglicherweise holt letztere gerade auf, aber rein logistisch kann sie niemals die Kenntnis der Spiele überholen). Das Argument ist nichts anderes, als eine Entlarvung deiner Unkenntnis der Szene.

Zitat
Dazu kommt, dass Cons in der Regel besucheroffen sind und sich somit verschiedenste Leute unterschiedlichsten Hintergrunds, Informationslage zum Thema Rollenspiele und vor allem auch Alters auftauchen können.

Du sagst das so, als wäre das etwas schlechtes.

Zitat
4. Verlage
Verlage sind an entsprechenden Verkäufen interessiert, welche erst einmal steigen, wenn man sein Produkt für mehr Leute interessant/verdaubar macht. Wer also ein halbwegs Mainstreamprodukt hat, für den kann eigentlich Diversität nur gut tun, erhöht es doch die potentielle Kundenbasis. Aber wie oben aufgeführte Diversität der Kunden ist ja nur eine Facette und der Gleichschaltungsdruck schädigt dann - wo er sich durchsetzen kann - die Diversität der Inhalte, was dann ggf. zum Erlöschen von Interesse oder aber eben die Verweigerung zu politischen Problemen führen kann.
Andere Verlage setzen von vorne herein Nischenprodukte, welche von spezifischen Eigenheiten leben, welche dann von so einem Zwang zum Einheitsbrei dann natürlich erst recht erledigt werden.

Verlage müssen vor allem ihre Nische im Markt finden. Wenn sie ein Produkt herausbringen, welches genauso wie ein bereits etabliertes Produkt ist (der von dir zusammenphantasierte "Einheitsbrei"), dann geht das neue Produkt in der Regel unter. Deswegen haben Verlage in der Regel eben ein Interesse daran, eben NICHT immer dasselbe zu machen, sondern sich ihre Nische zu besetzen (selbst wenn sie damit nicht 100% der Rollenspieler abholen - wichtig ist, dass sie Teile der Spielerschaft abholen, die sonst von niemandem abgeholt werden, denn das ist ihre Stammkundschaft). Ein gut gemachtes Rollenspiel mit einer klaren Zielgruppe findet seine Nische. Immer.

Zitat
Und Nichtberücksichtigung wäre auch erst dann politisch, wenn es politisch motivierte Absicht ist.
Interessant. Andererseits argumentierst du, das Berücksichtigung immer politisch wäre (egal ob beabsichtigt oder nicht).
Merkst du was?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 27.11.2019 | 07:14
Womöglich sind die echten "PC-Jünger" gar nicht die Leute, die hier mitreden..? Da fehlt mir jedenfalls das Fanatische.
Da draussen gibt es natürlich ganz real "PC"-"Anhänger" die mehr wohlmeinende Amateur-Bolschwisten sind als rationale Gesprächspartner. Aber die findet man für jedes heiße Eisen, schätze ich. Oder wie ich schon sagte: Wenn Hein Blöd sagt, der Himmel ist blau, ist er deswegen noch lange nicht grün.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 27.11.2019 | 09:44
Noch mal zu historischen Settings.
Die Erwartung , den Anspruch warum man ein bestimmts Spiel spielt, kann einfach stark divergieren.
Sowas wie eine "Zeitmaschine" gibt es real nicht. Und doch ist es Thema vieler Bücher und Filme in der Zeit vor oder zurück zureisen.
Die Spannung dabei ist unter anderem auch: "Wie würde ich mich(oder der Protagonist der Geschichte) in dieser fremden Zeit schlagen?"
"Wie lange würde ich unter dortigen Umständen durchalten? Wie würde es mir ergehen?"-
Und das kann eben auch ein Anreiz für Spieler sein. (Und für Zuschauer und Leser )

Im Rollenspiel sind Zeitreisen insofern möglich, dass man in die Rolle einer historischen Figur schlüpft.
Auch wenn die Beteiligten nicht wirklich zu der Real-Zeit gelebt haben, versucht man diese, so gut es geht nachzustellen.


Das muss sicher nicht für jeden der Anreiz sein. Manche wollen vielleicht nur interessante Geschichten erleben, egal in welcher Welt.
Andere wollen Monster bekämpfen oder Dungeons plündern.

Aber es kann ein solcher Spielanreiz da sein.
Und Rollenspiel ist eines der wenigen Spiele, das sowas zumindest als Phantasiereise anbieten kann.

Wenn "Zeitreise"-Anreiz - Spieler sich wünschen: "Wir wollen es bitte möglichst "real.""- Dann geschieht das mMn. nicht aus Respektlosigkeit.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 27.11.2019 | 10:55
Das ist jedenfalls möglich, und persönlich gebe ich zunächst den Vertrauensvorschuss,das anzunehmen, bis ich gegenteiliges erfahre.
Einer der Kritikpunkte ist aber zumindest, dass das trotzdem schädlich ist, für die eigene Weltanschauung.
Wo ich die Grenze ziehen würde, ist bei der pauschalen Verurteilung von Leuten, die für sich pauschal diesen Einfluss abstreiten. Wurde aber auch schon thematisiert, und eigener Umgang damit von Vermi sehr schön beschrieben
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 27.11.2019 | 11:12

Einer der Kritikpunkte ist aber zumindest, dass das trotzdem schädlich ist, für die eigene Weltanschauung.
Das musst Du mir bitte näher erklären.
Dass  Zeitreisen zu Problemen führen kann, weiß jeder,  schließlich kann man seinem eigenen Vorfahr begegnen, und wenn man den auslöscht, kann es passieren, dass man gar nicht erst geboren wird.
Auch kann man seinem früheren Selbst begegnen, was ebenfalls fatale Folgen haben kann. ~;D

Aber inwieweit soll es bitte schädlich sein, im Spiel für ein paar Stunden in der Phantasie  in der Zeit zu reisen?
Ist es dann auch schädlich historische Filme zu schauen oder Dokumentationen?
(Da geht man ja  gedanklich eventuell auch mit den Figuren mit).

Ist es vielleicht sogar schädlich sich überhaupt mit Geschichte zu beschäftigen?
 ;D

Sorry, man kann ja gerne dieser Auffassung sein.
Aber ich muss die ja nicht teilen.

Edit. Dass sich Erwachsene durchaus kritisch genug mit historischen Settings auseinandersetzen können, davon würde ich ausgehen.
Hier gebe ich meinen Vertrauensvorschuss.

Es zieht ja Keiner real nach Camelot und es kriegt auch niemand ein Apartment im New York der 20er Jahre.

Denn bei anderer Annahme müsste man Rollenspiel in historischen Settings in Zukunft auch  für Erwachsene verbieten/einschränken.
Oder nur noch Settings anbieten, bei denen- aus Sicht der Vertreter dieser Meinung- Keiner "an seiner Weltanschauung Schaden nimmt".

Wo da die Grenze ziehen?
Wer legt fest was für wen wie schädlich ist?

Wenn ein Setting Kritische Sachen feiert, statt sie kritisch zu sehen, - Ok, das muss wirklich nicht sein.
Wenn ein Setting kritische Sachen bringt, um Konflikt zu schaffen, dann ist eine kritische Auseinandersetzung aus meiner Sicht schon gegeben.

Ich spiele jetzt keine original historischen Settings.
Und muss es für mich auch nicht möglichst echt haben.
Abendunterhaltungsprogramm- Niveau reicht mir.

Aber ich kann zumindest verstehen, dass Spieler, die genau das gerne wollen, sich da u.U. bevormundet fühlen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 27.11.2019 | 12:19
Ich würde behaupten das die allermeisten Settings oder Genre keine Zeitreise darstellen oder nähere historische Betrachtung. In aller Regel sind es Abenteuer Geschichten die nahezu losgelöst von der tatsächlichen Geschichte sind.

Da finde ich persönlich es merkwürdig, wenn in der Klischee Gruppe der weißen, Hetero-Männer bei dem Schmied aus dem Rüstungssortiment gewählt wurde, Adlige und Gemeine miteinander auf Augenhöhe abenteurern, sich das Werben & Liebensleben sich im Grunde mehr an Tinder als an irgendwas historischen orientiert, wenn man sowas wie normale/alltägliche Pflichten abtut weil es beim abenteuern stört... ... ... wenn man dann aber z.B. eine Frau dabei hat, heißt es "Ja, aber jetzt müssen wir mal einbringen das es eine patriarchale Gesellschaft ist!" "Das oder das ganze Genre ändert sich" "Es ist dann ja nur noch PC Anbiederung!".

Wo ich dann argumentieren würde, dass es sich mit der Einbringung des Fokus für die Spielerin oder den Spieler der weiblichen Figur vom Genre (zB Fäntelalter Abenteuer) ändert (zu Sexismus-Simulator.
Kann und darf man machen, wird auch gemacht, man sollte da nur ggf. die Mitspieler vorher drauf hinweisen. Nun, und damit rechnen das es vielleicht dann nicht mit der Gruppe klappt.
Egal ob man es als Spieler oder Spielleiter einbringen mag.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 27.11.2019 | 12:30
Spaßeshalber könnte man ja mal über ein Setting nachdenken, in dem die "klassischen Monster" durchgehend mehr von Gleichberechtigung halten als die "typisch Guten". Frei nach dem Motto "Die Armeen des Bösen haben bisher noch für jeden einen Job gefunden, und plündern, morden, und brandschatzen können Orkfrauen schließlich auch..." ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 27.11.2019 | 12:42
Zitat
Ich würde behaupten das die allermeisten Settings oder Genre keine Zeitreise darstellen oder nähere historische Betrachtung. In aller Regel sind es Abenteuer Geschichten die nahezu losgelöst von der tatsächlichen Geschichte sind.
Das denke ich auch.

Ich vermute jedoch, dass viele das historische Ambiente mögen.
(Ritter -Drachen- Helden in Strumpfhosen)

Zitat
Da finde ich persönlich es merkwürdig, wenn in der Klischee Gruppe der weißen, Hetero-Männer bei dem Schmied aus dem Rüstungssortiment gewählt wurde, Adlige und Gemeine miteinander auf Augenhöhe abenteurern, sich das Werben & Liebensleben sich im Grunde mehr an Tinder als an irgendwas historischen orientiert, wenn man sowas wie normale/alltägliche Pflichten abtut weil es beim abenteuern stört... ... ... wenn man dann aber z.B. eine Frau dabei hat, heißt es "Ja, aber jetzt müssen wir mal einbringen das es eine patriarchale Gesellschaft ist!" "Das oder das ganze Genre ändert sich."
In einem pseudo historischen Setting - klingt :" Das ist geschichtlich aber nicht korrekt!"- echt pseudo.
Aber stimmt schon- darauf wird sich gerne berufen.

Wenn jetzt jmd ein ganz spezielles historisches Setting wählt- z.B. Französische Revolution.
Alle wissen das. Alle wollen das.
Dann ist das klar was anderes, als wenn man seine Fluffy -pseudo - Mittelalter_Märchenrunde hat.
(Wie sie die meisten haben, mich eingeschlossen)
Und da sind die  Dinge zumindest meiner Erfahrung nach auch so, dass niemand einen pseudo unterdrückten weiblichen Charakter spielen muss, es sei denn man will es so.

Edit.
Wenn da jmd einwirft: "Das ist historisch aber anders gewesen!"- ist das in pseudo historischen Settings, vermutlich mehr ein Aufschrei, dass jmd. die Stimmung bzw. das Ambiente  gefährdet sieht.

Welche Stimmung eine bestimmte  pseudohistorische Welt hat, kann ja schon bei verschiedenen Gruppen   total unterschiedlich sein.
Die einen spielen in einer düsternen Welt, in der nie die Sonne scheint, und Leute in Lumpen durch die Gegend laufen.- Immer mal wieder ein Galgen mit "Anhang" an dem man zur Abschreckung vorbei läuft.
Die anderen, haben vielleicht eher eine bunte Abenteuer und Märchenwelt, in der sich Zwerg Bimmel und Fee Bommel Gute Nacht sagen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 27.11.2019 | 12:46
Spaßeshalber könnte man ja mal über ein Setting nachdenken, in dem die "klassischen Monster" durchgehend mehr von Gleichberechtigung halten als die "typisch Guten". Frei nach dem Motto "Die Armeen des Bösen haben bisher noch für jeden einen Job gefunden, und plündern, morden, und brandschatzen können Orkfrauen schließlich auch..." ;)
~;D

Genau- eine Welt, in der die Monster das Sagen haben, und die kleinen Menschen die Sonderlinge sind.
Ich frage mich gerade ob es sowas schon gibt... :think:

Oder eine Welt ohne Gewalt.
Die Orks geben Seminare in gewaltfreier Kommunikation. Es gibt keine Konflikte mehr, alles ist friedlich.
Niemand braucht mehr ein Schwert.
Die Abenteuer sehen auch anders aus z.B.: Wer findet die Blume der Elfenkönigin?
Gefahren: Sich im Wald beim Laufen oder Klettern verletzen. Sich verirren.
 ~;D


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 27.11.2019 | 18:53
In der realen Welt ...

Was du für die reale Welt hältst ...

Diese Ahnungslosigkeit zieht sich auch durch den Rest des Posts:
Öhm, was?  wtf? Gut 90% der Rollenspielcons werden von Rollenspielern veranstaltet - in der Regel welchen, die sich auch gut damit auskennen, was es für Systeme gibt. Ich denke die Awareness gegenüber politischen Themen ist da wesentlich geringer, als die Kenntnis der Spiele (möglicherweise holt letztere gerade auf, aber rein logistisch kann sie niemals die Kenntnis der Spiele überholen). Das Argument ist nichts anderes, als eine Entlarvung deiner Unkenntnis der Szene.

Das entlarvt eher dein mangelndes Leseverständnis oder wieder abweichende Realitätswahrnehmung.

Das war Unterstützer, nicht Veranstalter -> die Institutionen, welche die Räume zur Verfügung stellen, Läden und Einrichtungen, welche Werbung auslegen lassen, Sponsoren ... .

Du sagst das so, als wäre das etwas schlechtes.

Wieder  Leseverständnis.
Das sind einfach die besonderen Umstände, welche öffentliche Runden von Privatrunden unterscheiden udn daher in die Behandlungsüberlegungen mit einfließen sollten.

Verlage müssen vor allem ihre Nische im Markt finden. Wenn sie ein Produkt herausbringen, welches genauso wie ein bereits etabliertes Produkt ist (der von dir zusammenphantasierte "Einheitsbrei"), dann geht das neue Produkt in der Regel unter. Deswegen haben Verlage in der Regel eben ein Interesse daran, eben NICHT immer dasselbe zu machen, sondern sich ihre Nische zu besetzen (selbst wenn sie damit nicht 100% der Rollenspieler abholen - wichtig ist, dass sie Teile der Spielerschaft abholen, die sonst von niemandem abgeholt werden, denn das ist ihre Stammkundschaft). Ein gut gemachtes Rollenspiel mit einer klaren Zielgruppe findet seine Nische. Immer.

Diese Nische müssen sie auch erst einmal füllen und Leute von sich überzeugen. Und das wird extrem erschwert, wenn sie mit entsprechenden Vorwürfen politisch platt geschrieben/geschrien werden.

Interessant. Andererseits argumentierst du, das Berücksichtigung immer politisch wäre (egal ob beabsichtigt oder nicht).
Merkst du was?
Ja, dass du nicht lesen kannst oder willst.
Das war wie von dir zitiert: "Und Nichtberücksichtigung wäre auch erst dann politisch, wenn es politisch motivierte Absicht ist. ". Nichts mit Berücksichtigung ist immer politisch und gerade der Verweis auf die Absicht -> Motivation.

Ich würde behaupten das die allermeisten Settings oder Genre keine Zeitreise darstellen oder nähere historische Betrachtung. In aller Regel sind es Abenteuer Geschichten die nahezu losgelöst von der tatsächlichen Geschichte sind.

Da finde ich persönlich es merkwürdig, wenn in der Klischee Gruppe der weißen, Hetero-Männer bei dem Schmied aus dem Rüstungssortiment gewählt wurde, Adlige und Gemeine miteinander auf Augenhöhe abenteurern, sich das Werben & Liebensleben sich im Grunde mehr an Tinder als an irgendwas historischen orientiert, wenn man sowas wie normale/alltägliche Pflichten abtut weil es beim abenteuern stört... ... ... wenn man dann aber z.B. eine Frau dabei hat, heißt es "Ja, aber jetzt müssen wir mal einbringen das es eine patriarchale Gesellschaft ist!" "Das oder das ganze Genre ändert sich" "Es ist dann ja nur noch PC Anbiederung!".

Wo ich dann argumentieren würde, dass es sich mit der Einbringung des Fokus für die Spielerin oder den Spieler der weiblichen Figur vom Genre (zB Fäntelalter Abenteuer) ändert (zu Sexismus-Simulator.
Kann und darf man machen, wird auch gemacht, man sollte da nur ggf. die Mitspieler vorher drauf hinweisen. Nun, und damit rechnen das es vielleicht dann nicht mit der Gruppe klappt.
Egal ob man es als Spieler oder Spielleiter einbringen mag.

Das ist wie mit Magie: Bloss weil es sie gibt ist nicht jeder bereit gleich alles Irdische über Bord zu werfen.

Und die meisten Geschichten enthalten mit ihren Konflikten, aber auch Archetypen und Cliches immer noch jede Menge PC-angreifbares Material.

Wenn da scih der Vcharakter mit einem neuen Mitspieler plötzlcih ändern sollte, dann ist das natürlcih erst einmal fragwürdig. Aber auch da kann man sich erst einmal fragen ob das jetzt ein Bruch ist oder das eine Folge davon, dass zum erstenmal mit der neuen Figur ein bisher vernachlässigtes Feld in den Fokus geraten ist.

Wobei das mit dem "Hinweisen" ja auch auf Ebene 1 oder 2 hindeutet. Wenn das wirklich nur eine Sache des anständigen Umgangs miteinander hätten (und das Hinweisen bezöge sich in dem Moment ja effektiv auf ein ganzes Paket von Problemen auf dieser Ebene bezgl Spielstil, Fokus, PvP, Sterblichkeit etc.) hätten wir auch die PC-Diskussion ja gar nicht.

Der Kackpunkt liegt doch da, wo jemand -ismen anbringt und damit einen Vorwurf auf den Tisch wirft, der eine eine Grundsatzentscheidung einfordert bezüglich was auch immer da nun aufregt aus höheren allgemeingesellschaftlichen Interessen heraus sofortige und konsequente Abhilfe zu schaffen - was ja auch formell völlig korrekt und Teil des allgemein anerkannten Anstands wäre, wenn der Vorwurf tatsächlich so korrekt wäre.

Und jetzt haben wir Leute, welche jetzt inflationär bis mutwillig verzerrend nach Gründen suchen diese -ismen anzumerken und gleichzeitig die eigentloch noch anstehende Diskussion über die Richtigkeit des Vorwurfs mit neuen -ismusvorwürfen zu unterdrücken versuchen und so die alleinige Deutungshoheit über den von ihnen selbst neu gefüllten Begriff anstreben und über dessen Stellung entsprechendes politisches Gestaltungsmonopol zu erlangen - und da haben wir das, was wir als PC erleben.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 27.11.2019 | 19:11
Was du für die reale Welt hältst ...

Okay, ab hier ist dann aber auch vorbei. Jegliche weitere Diskussion erübrigt sich. Ich meine, wie soll denn hier noch miteinander diskutiert werden, wenn man dem anderen Realitätsverlust vorwirft? Alexandro kann diesen Vorwurf nämlich jetzt einfach zurückspiegeln und nichts wäre mehr zu gewinnen...

Das hier führt zu nichts.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 27.11.2019 | 19:17
Okay, ab hier ist dann aber auch vorbei. Jegliche weitere Diskussion erübrigt sich. Ich meine, wie soll denn hier noch miteinander diskutiert werden, wenn man dem anderen Realitätsverlust vorwirft? Alexandro kann diesen Vorwurf nämlich jetzt einfach zurückspiegeln und nichts wäre mehr zu gewinnen...

Das hier führt zu nichts.

Wer seine Sichtweise  mit "in der realen Welt" anfängt, der hat bereits impliziert, dass die abweichende Sicht der Anderen nicht von dieser ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Oberkampf am 27.11.2019 | 20:24
Das Problem and er "realen Welt" und "realen Geschichte" ist eben, dass sie sich ständig ändert, weil irgendwer neue Quellen entdeckt, alte Quellen neu interpretiert oder mit neuen Fragen an sie rangeht, oder es Details gibt, die zwar nicht Mainstream sind, aber der dominierenden, diskriminierenden Perspektive nicht ganz entsprechen. Klar kenn niemand z.B. den Sexismus in den verschiedenen Epochen leugnen, aber er nimmt eben immer besondere Ausprägungen an, die sich von Jahr(hundert) zu Jahr(hundert) unterscheiden, und jedes Jahrhundert gibt es Kritiker, Gegner und Alternativen dazu.

Im Rollenspiel ist es auch so, dass die Personen am Spieltisch auswählen, welche Perspektive sie auf ein "historisches" Setting werfen wollen. Tatsächlich wird so viel Alltagsgeschichte oder Wirtschaftsgeschichte ausgeblendet, weil sie entweder nicht bekannt oder fürs Spiel zu hinderlich ist, da besteht kein Grund, irgendwelche diskriminierenden Praktiken zwanghaft in den Spielfokus zu rücken, an denen irgendwer am Tisch sich stören könnte - völlig egal ob das eine direkt betroffene Person ist oder nicht.

Und obwohl das oben alles für mich gilt, regt es mich ehrlich gesagt auf, wenn ich die Art und Weise sehe, wie z.B. in Deadlands der amerikanische Bürgerkrieg von der Sklavereifrage entkoppelt wird. Vielleicht ist das auch eine sogenannte "political correctness", um einige spezialgelagerte Sonderfälle aus den Südstaaten nicht vom Spieltisch zu vergraulen, für die es im Bürgerkrieg "nur um States Rights" ging, aber ich persönlich empfinde es als richtig unangenehm, wenn - wie in diesem Fall - historischer Rassismus relativiert und runtergespielt wird.

Wer also unbedingt historische, oder an die wirkliche Welt(geschichte) angelehnte Settings bespielen will (was ich persönlich nicht mehr so gerne tue), sollte mMn vorher mit seiner Gruppe nicht nur abklären, inwieweit die Ereignisse herausgelassen werden können, sondern auch, inwieweit es stört, wenn besagte Ereignisse unter den Teppich gekehrt werden.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 29.11.2019 | 11:09
~;D

Genau- eine Welt, in der die Monster das Sagen haben, und die kleinen Menschen die Sonderlinge sind.
Ich frage mich gerade ob es sowas schon gibt... :think:

Oder eine Welt ohne Gewalt.
Die Orks geben Seminare in gewaltfreier Kommunikation. Es gibt keine Konflikte mehr, alles ist friedlich.
Niemand braucht mehr ein Schwert.
Die Abenteuer sehen auch anders aus z.B.: Wer findet die Blume der Elfenkönigin?
Gefahren: Sich im Wald beim Laufen oder Klettern verletzen. Sich verirren.
 ~;D

Da liest du aber in meinen Post ganz schön was rein, das ich so gar nicht geschrieben habe. ::)

Worauf ich hinauswollte, war eigentlich eher dieses: es ist ja eine klassische Erzähltechnik, die eigene Seite (speziell also die "Guten") als schwächer und zerstrittener darzustellen als den Gegner, der bequemerweise weniger bis keine internen Probleme hat und nebenbei wahrscheinlich sowieso in der Überzahl ist. Das ist jetzt nicht unbedingt so furchtbar "realistisch" -- in der Praxis hat die Gegenseite normalerweise durchaus ihre eigenen Probleme, die kriegt man als Außenstehender nur nicht so leicht mit --, aber es ist eine nette Methode, die Rolle des zahlenmäßig und materiell unter-, dafür aber moralisch überlegenen Underdogs für sich zu beanspruchen, und wenn man die Gegner ausdrücklich als ganz schlimme Finger hinstellen will, dann kann man das noch damit untermauern, daß die in ihren Methoden natürlich skrupellos-pragmatischer sein dürfen als die nobleren eigenen Leute, die ja schließlich noch so was wie ein Gewissen haben...

...und in so einem Zusammenhang kann man dann plötzlich "und nebenbei sind die Fieslinge auch 'politisch korrekter' als wir" wunderbar unterbringen. Ob sich das jetzt beispielsweise so manifestiert, daß die "Bösen" einfach nur entsprechende Propaganda betreiben, um ihre Unterlinge leichter gleichschalten zu können (was dann wahrscheinlich schon wieder manchen Vorstellungen von unserer Realität unbequem nahekommt), ob die Orks einfach deshalb auch Frauen und Kinder an die Front schicken, weil sie damit ihre Armeen gegenüber "Soldat ist ein Männerberuf"-Kulturen zahlenmäßig wunderschön aufplustern können, oder ob wir es am Ende vielleicht schlicht und ergreifend wirklich "nur" mit Kulturunterschieden ohne große Hintergedanken zu tun haben, kann man sich dann schon wieder frei aussuchen, ohne daß das Setting davon auch nur einen Tick "harmonischer" werden muß.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 29.11.2019 | 11:24
aber ich persönlich empfinde es als richtig unangenehm, wenn - wie in diesem Fall - historischer Rassismus relativiert und runtergespielt wird.

Könntest du das mit Beispielen unterfüttern? Mein Eindruck von Deadlands ist eher, dass da jemand relativ scharfsinnig eine Welt weitergedacht hat, bei der es eben keinen klaren Gewinner gab zwischen Nord- und Südstaaten. Und dass Sklaverei in irgendeiner Form nicht schlecht sei, habe ich in den mir bekannten Werken nicht gelesen.

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: unicum am 29.11.2019 | 11:39
Könntest du das mit Beispielen unterfüttern? Mein Eindruck von Deadlands ist eher, dass da jemand relativ scharfsinnig eine Welt weitergedacht hat, bei der es eben keinen klaren Gewinner gab zwischen Nord- und Südstaaten. Und dass Sklaverei in irgendeiner Form nicht schlecht sei, habe ich in den mir bekannten Werken nicht gelesen.

Ich auch nicht. (also Deadlands Classic betreffend)

Wobei "unser" Bild der Sklaverei zu einem sehr großen Teil von der amerilkanischen Sklavenhaltergesellschaft geprägt ist.

Ich hab mal zu einer recherche dazu gefunden das zumindest zeitweise die "Polizei" in Athen aus Sklaven bestand - etwas was nun wirklich nicht in das Bild passt, oder?
https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_antiken_Griechenland#Sklavenhandel
"Die Angehörigen bestimmter Völker sind regelmäßig und in großer Zahl unter den Sklaven vertreten, so etwa die skythischen Bogenschützen, die von den Athenern als Polizei eingesetzt wurden"

Es gibt noch so einiges anderes - die Bandbreite der Sklaverei ist sehr "breit" - das was in den Südstaaten passiert ist war sicher eines der Schlimmsten.
Und nein, ich will das damit nicht irgendwie relativieren, Sklaverei ist immer irgendwie "schlimm" aber es gibt eben auch einfach nur "unangenehm" und "lieber tod als das!"

Und um wieder den passus zum Thema zu nehmen:
Ohne die Bösen - also die politisch unkorrekten - wären die Guten ebern nicht gut. Ich will im rollenspiel abenteuer erleben, wenn die gegenseite da nicht böse sein darf- wird es schnell recht langweilig. Wenn aber die Spielfiguren jeden Sklavenbesitzer umbringen könnte es sein das sie von einigen Sklaven eben NICHT gelobt werden. "Das war unser Herr! der hat uns immer gut behandelt! Den Arzt bezahlt und uns ernährt! Wir sassen an seinem Tisch wenn es etwas zu essen gab!"
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 29.11.2019 | 12:00
ihnen den Kettenbikini zu verbieten und somit vor zu schreiben wie sie sich als Frauen zu kleiden haben ist doch auch Politisch unkorrekt ?
Titel: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 29.11.2019 | 12:20
Wenn man Frauen in einem Regelwerkbuch im Kettenbikini abbildet oder im Text oder am Spieltisch entsprechend beschreibt, dann entscheiden da ausschließlich der Illustrator, der Autor oder die SL respektive. Darum geht es. Nicht darum, ob Frauen im Setting keine Kettenbikinis tragen dürfen, sondern darum, dass sie so dargestellt werden, dass sie ausschließlich Kettenbikinis oder ähnlich sexualisierende Kleidung tragen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 29.11.2019 | 12:32
Das Problem am Kettenhemdbikini aus innerweltlicher Perspektive ist einfach, daß er durchgehend unpraktisch ist. Als Rüstung taugt er nichts, als praktische Kleidung auch nicht (wer nur "leicht gerüstet" herumlaufen will, hat massig Alternativen), und in den Situationen, in denen man als Frau vielleicht wirklich mal einen Bikini tragen möchte, ist einer aus Stoff allemal bequemer und heizt sich auch nicht so schnell auf...

...mit anderen Worten, er ist eigentlich nur der gestaltgewordene Fantasy-Blondinenwitz. ("Tihihi, ich hab' ja keine Ahnung, aber 'Kette' ist doch Kämpferinnenmode, richtig?")
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: LushWoods am 29.11.2019 | 12:51
Und obwohl das oben alles für mich gilt, regt es mich ehrlich gesagt auf, wenn ich die Art und Weise sehe, wie z.B. in Deadlands der amerikanische Bürgerkrieg von der Sklavereifrage entkoppelt wird. Vielleicht ist das auch eine sogenannte "political correctness", um einige spezialgelagerte Sonderfälle aus den Südstaaten nicht vom Spieltisch zu vergraulen, für die es im Bürgerkrieg "nur um States Rights" ging, aber ich persönlich empfinde es als richtig unangenehm, wenn - wie in diesem Fall - historischer Rassismus relativiert und runtergespielt wird.

Na das deckt sich doch super mit der Philosophie der Purple-Hatebrigade.  :d
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 29.11.2019 | 13:01
Ich denke nicht, das es in diesem Fall um den realen Sinn eines solchen "Rüstungsteils" geht.

Oh, sicher. In erster Linie geht's darum, viel nackte weibliche Haut zu zeigen, während die Figur gleichzeitig immer noch ein paar Kriegerklassen-Alibi-Abzeichen mit sich herumträgt. Ich denke allerdings, daß der "reale Sinn" da durchaus ein gutes Stück weit mit hineinspielt: wenn ein Kettenbikini nichts ist, was sich jemand normalerweise freiwillig selbst anziehen würde (hochspezialisierte Kontexte wie vielleicht Auftritte auf thematisch passenden Kostümparties "für Erwachsene" mal außen vor gelassen), dann wird er damit zwangsläufig zu etwas, was der Künstler der Figur mehr oder weniger gegen deren Willen anzieht...und ich denke, aus der Perspektive wird das Problem mit ihm dann recht verständlich.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 29.11.2019 | 13:25
Die Figur hat einen Willen? Das sich Betrachter an der übermäßig sexualisierten Darstellung der Figur stören könnten, weil sie sie für sexistisch und/oder geschmacklos halten, finde ich schlüssig und mitunter sehr nachvollziehbar. Das ich aber beispielsweise Red Sonja oder Vampirella sexuell nötige, wenn ich sie leicht bekleidet zeichne, halte ich für eine...etwas gewagte Perspektive. Das ist was völlig anderes, als wenn ich einer Messehostesse bei der Comic-Messe auferlege, zwangsweise einen Kettenhemdbikini zu tragen...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 29.11.2019 | 13:31
Da liest du aber in meinen Post ganz schön was rein, das ich so gar nicht geschrieben habe. ::)
Sorry, das war von mir missverständlich geschrieben.
Ich hatte dann auch Ideen, und habe die mal gesponnen.
(Ohne direkten Bezug zu deinem Post)

@
Hach ja..der Kettentanga......

Ich muss gestehen, dass mich das immer erheitert, wenn ich sowas sehe.
 (Wobei das doch eher auf den Uralt-Covern zufinden ist)
Da hat der zumeist männliche  Künstler vermutlich zuviel Playboy gelesen.. ~;D

Das gleiche habe ich doch auch umgekehrt bei den männlichen Bodybuilder- Helden, die aussehen, als hätten sie ne Portion Anabolika zuviel genommen.
(Vielleicht weil man fälschlicherweise annimmt, dass mehr mehr ist.- Bzw. man nie genug Muskeln haben kann.)
Das gibt natürlich keinen Abzug auf Geschlicklichkeit....nein!
 ;D
 Anderseits- es ist Fantasy. Und diese Form der Übertreibung, kann auch ein künstlerisches Stilmittel sein.
Dann sind auch Orks,Trolle und Monster die riesen Muskelberge mit Erbsenkopf.

Realistisch sehen die dann sowieso nicht mehr aus.

Edit.
Bei  Barbaren z.B. denkt halt jeder erst mal an Arnie.(Und Bodybuilding)
Das hat sicher auch die Kunst Szene mitgeprägt.

Bodybuilder(jedwedem Geschlechts) haben vergleichsweise viele  Muskeln, und vergleichsweise wenig an.
Damit man möglichst viel von ihrem Körper sieht.
Deshalb trägt der Superheld auch figurbetont- damit man seinen Body gut sieht.
Wenn schon nicht Bikini, dann eben Leder oder Latex...oder einen maßgefertigten Superhelden- Superanzug von "Edna Mode" ~;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 29.11.2019 | 13:46
Die Figur hat einen Willen?

Wenn sie keinen hätte, was wäre dann an ihr noch interessant? wtf?

Und abgesehen davon: okay, eine gezeichnete Figur mag nicht auf dieselbe Weise "real" sein wie ein sich bewegendes biologisches Gebilde in vier Dimensionen. Sie spricht einfach weniger Sinne gleichzeitig an. Gleichzeitig ist aber die einzige Entität, von der ich mit einiger Sicherheit sagen kann, daß sie überhaupt denkt und (soweit vorhanden, Datenlage unklar) einen eigenen Willen hat, meine Wenigkeit selbst -- alles andere ist mangels direkter telepathischer Wahrnehmungsmöglichkeiten letztendlich schon nur Spekulation. Was wäre angesichts dieser Tatsache also mein Grund, künstlich die eine Kategorie über die andere zu erheben? ~;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: unicum am 29.11.2019 | 13:52
Ja der Kettenbikini,... der ist halt bikini.

Nehmen wir mal das andere extrem - den Ritterharnisch mit Vollhelm. Da erkennt niemand wer gerade wirklich drinsteckt, Männlein und Weiblein haben nämlich meistens gar nicht so sehr verschiedene Oberweiten und wenn ist meist genug Luft drin um "weichteile" rinzubekommen.

Und hätten es mehr Frauen im Kriegerhandwerk gegeben (ausser exemplarisch Jeanne d’Arc et al.) welche ihren Harnisch selbst gestaltett hätten (Jeanne hat ja nur einen von "der Stange" bekommen) - wer weis welche modischen Dinge wir darauf gesehen hätten.

Jedenfalls waren einige der Harnische von Männern (zugestanden nur die Reichen bis Stinkreichen) etwas "aufgepeppt" - gerne auch mit einer "Schamkapsel" welche den Gegner auch einschüchtern sollte.
Das obligatorische sixpack sah man ja schon bei den ollen Römern auf den Prunkharnischen. Ist das auch politisch korrekt gewesen?
Verweise:
https://www.welt.de/img/geschichte/mobile117013269/3272502427-ci102l-w1024/Trajan-Panzerstatue-Ostia-Trajan-Statue-in-armour-Ostia.jpg
Die "Schamkapsel" habe ich in einem Youtube von Shadaversity gesehen, keine ahnung mehr in welchem. Ich weis auch nicht wie ich es sonst nennen will Schamkapsel kenne ich sonst aus der Renaisance aber da war so ein "Sporn" an einer Ritterrüstung,...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 29.11.2019 | 14:00
Und obwohl das oben alles für mich gilt, regt es mich ehrlich gesagt auf, wenn ich die Art und Weise sehe, wie z.B. in Deadlands der amerikanische Bürgerkrieg von der Sklavereifrage entkoppelt wird. Vielleicht ist das auch eine sogenannte "political correctness", um einige spezialgelagerte Sonderfälle aus den Südstaaten nicht vom Spieltisch zu vergraulen, für die es im Bürgerkrieg "nur um States Rights" ging, aber ich persönlich empfinde es als richtig unangenehm, wenn - wie in diesem Fall - historischer Rassismus relativiert und runtergespielt wird.

Da wird überhaupt nichts relativiert, die Sklavereifrage ist auch bei Deadlands einer der wichtigsten (wenn auch nicht der einzige) Auslöser des Bürgerkriegs. Es geht weniger darum, Südstaatler zu bemuttern, als vielmehr den Spielern afroamerikanischer SC ein paar mehr Möglichkeiten zu geben, als sich nur ständig mit dieser einen (für einige Spieler aus diversen Gründen sicher auch ziemlich unangenehmen) Sache auseinandersetzen zu müssen (und es ist schon vorteilhaft, wenn ein Charakter mehr als einen möglichen Background haben kann).

Innerhalb der Spielwelt wird das dann so erklärt, dass die Konföderation einfach zu große Verluste hinnehmen musste, um nicht ihre Reihen mit Soldaten aus dem entsprechenden Background aufzufüllen. Damit diese für ihre Sache kämpfen musste aber auch irgendein Anreiz für diese geschaffen werden, damit sie da mitmachen und nicht bei der ersten Gelegenheit desertieren - daher der Deal "Emanzipation im Austausch für Militärdienst".

Das eröffnet einige interessante neue Möglichkeiten sich, wenn man das denn will, mit dem Rassismus der Zeit auseinanderzusetzen:
- der ehemalige Sklave und jetzt Soldat in der konföderierten Armee, der um persönliche Freiheit zu erlangen ein System unterstützt, welches ihn zuvor ausgebeutet hat
- der Plantagenbesitzer, der seinen Sklaven bewusst nichts von der Möglichkeit "Freiheit gegen Waffendienst" erzählt, weil er seine Arbeitskräfte nicht verlieren will - selbst wenn das bedeutet, dass die Konföderation den Krieg verlieren könnte
- der rassistische Kommandant, der seine afroamerikanischen Truppen kurz vor der Beendigung ihrer Dienstzeit (nach der sie ihre Freiheit erhalten würden) auf ein Selbstmordkommando nach dem anderen schickt, weil er den Gedanken nicht ertragen kann, dass "freie N*****" in "seiner" Konföderation rumlaufen
usw. usf.

Die Änderung schafft einen Haufen neuer Möglichkeiten für Geschichten, ist durchdacht und bietet viel Potential.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 29.11.2019 | 15:27
Die Deadlands-Nummer kann man - wie den "Tschetschenien-Skandal" bei Vampire V5 - gerade auch aus Betroffenen-Sicht unterschiedlich bewerten. Tatsächlich würde ich mir gerade an solchen Stellen einen Erklärkasten wünschen, in dem die Autor.inn.en ihre Intensionen offenlegen. Dann fällt nämlich dieses "Nein-Doch-Aber-Übrigens"-Rätelraten raus.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: unicum am 29.11.2019 | 15:48
Bezüglich Deadlands und Sklaverei empfehle ich mal in das Quellenbuch "Back East The South" zu schauen,... (Seite 6 "A Few Notes")

Ich will hier mein Zitat so kurz wie möglich halten - also Sklaverei ist abgeschafft in beiden Staaten. Rasismus gibt es allerdings immer noch. (Was ja auch in Hell on Earth weitergeführt wurde wo es darum geht das sich ein "neuer" Rassismus gegenüber den Mutanten entwickelt hat):
"Our reason for doing this is not to whitewash some of the horrible things which happened in America under slavery, but because they don’t contribute to a very fun gaming atmosphere."
"Racist characters that do appear in our books ... almost always play the role of villains."
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 29.11.2019 | 16:14
Bezüglich Deadlands und Sklaverei empfehle ich mal in das Quellenbuch "Back East The South" zu schauen,... (Seite 6 "A Few Notes")
Soll heißen: Ne Autoren-Erklärung wurde nachgereicht. Jedoch in nem Quellenband, den viele vielleicht gar nicht haben.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 29.11.2019 | 16:29
Nicht ganz. Die Setzung mit "keine Sklaverei mehr" kam überhaupt erst mit diesem Quellenbuch (vorher wurde einfach davon ausgegangen, dass afroamerikanische SC halt außerhalb der Südstaaten gespielt werden).

Und in späteren Editionen (Deadlands:Reloaded) stand es dann auch im GRW drin.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Oberkampf am 29.11.2019 | 17:08
Könntest du das mit Beispielen unterfüttern? Mein Eindruck von Deadlands ist eher, dass da jemand relativ scharfsinnig eine Welt weitergedacht hat, bei der es eben keinen klaren Gewinner gab zwischen Nord- und Südstaaten. Und dass Sklaverei in irgendeiner Form nicht schlecht sei, habe ich in den mir bekannten Werken nicht gelesen.

Grüße

Hasran

Deadlands Classic kenne ich kaum, darum sag ich dazu nichts. Ich beziehe mich auf Players Guide Deadlands reloaded p. 32, Kasten "A word on slavery". Darin heißt es, 1) Sklaverei sei eine Sache der Vergangenheit, 2) der Grund für den Bürgerkrieg sei komplizierter und 3) Rassismus sei im Weird West ebenfalls eine Angelegenheit der Vergangenheit.

Ich habe zu den Punkten eben eine längere, zumindest anfangs etwas differenzierte Darstellung geschrieben, die ich mir irgendwie selbst gelöscht habe (was vielleicht ganz gut war, denn am Schluss bin ich etwas auf den Kulturkrieg in den USA eingegangen, was nah am Speakers Corner sein könnte), aber ich schreib nicht alles nochmal, darum nur kurz:

Punkt 1) ist allein noch kein Problem. Auch wenn der Bürgerkrieg "unentschieden" (d.h. faktisch mit einem Sieg der Separatisten) endete, könnte man durchaus das Setting so aufbauen, dass es in den Südstaaten hinterher eine Reform gab, durch welche die Sklaverei abgeschafft wurde.

Punkt 3) ist vielleicht gut gemeint, aber er beschreibt eine starke Abweichung von der historischen Realität (Gründung des KKK und ähnliches). Das ist vielleicht insofern entschuldbar, weil es ein phantastisches Setting ist, aber da glaube ich schon, dass die Autoren - ungewollt - über das Ziel, Rassismus im Setting zu minimieren, hinausgeschossen sind.   

Punkt 2) ist aber der, der mich am meisten ärgerte, als ich es gelesen habe, und auch jetzt noch stört. Mag sein, dass einige Nebenaspekte des Bürgerkriegs kompliziert sind, aber soweit ich bisher gelesen habe, ist sich der überwältigende Großteil der historischen Forschung einig, dass die Hauptursache die Weigerung der Südstaaten war, die Sklaverei abzuschaffen. Mit einem "it´s complicated" schlittert man da leicht in eine bestimmte Position im Kulturkampf rein. Das ist der Punkt, wo Geschichtsverschönerung anfängt.

Wenn das Thema in anderen Publikationen von Deadlands etwas ausführlicher und weniger ...kosmetisch... weißwaschend... behandelt wurde, freut mich das, aber so wie es im Payers Guide steht, kommt es mir unangenehm vor. Und zur Klarstellung: Damit will ich nicht behaupten, dass Deadlands rassistisch wäre - das ist kein RaHoWa oder ähnliches. Es ist nur eine saublöde Sache, wenn man ein Genre (Western) nimmt, bei dem ein Motiv (Bürgerkrieg) einen prominenten Platz hat, den es beibehalten soll, und man dann dieses Motiv seines Kerninhalts (Sklaverei) entkleidet.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tele am 29.11.2019 | 18:23
Ahja, die Sklaverei ist der Grund für den Sezessionskrieg...wie das Attentat von Sarajevo der Grund für WK I...und der Prager Fenstersturz der Grund für den 30. Jährigen Krieg...Chemiewaffen für den letzten Irakkrieg

Oder verwechselt da Jemand Auslöser (ergo die Präsidentschaft Lincolns der die Sklaverei übrigens anfangs nicht abschaffen, sondern nur beschränken wollte) mit Hintergründen (die Frage des Rechtes des Einzelstaates gg. der Union; industrialsierte gg. Agrarstaaten; Schutzzölle etc.). Faktisch waren auch im Norden nur Wenige gegen die Sklaverei. Es ist ein bis heute vorgeschobenes Argument, das einzig Wikipedia-Leser für den Hauptgrund halten. Das volle Verbot der Sklaverei sollte den Kriegsgegner gesellschaftlich destabilisieren.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Oberkampf am 29.11.2019 | 18:29
Nee, Anlass und Ursache verwechsel ich nicht. Tatsächlich ging es um die Rechte der Staaten, und zwar speziell das Recht des Staates, Sklaverei zu erlauben.

Dass Lincoln kein reiner Prohibitionist war, ist Nebensache.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Tele am 29.11.2019 | 18:34
Das ist doch der Punkt. Der Konflikt hat viele Gründe und viele vorherige Konflikte, ist ergo kompliziert...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 29.11.2019 | 18:40
Selbst bei der Abschaffung der Sklaverei ging es nicht um die Rechte der Sklaven, sondern darum, dass sklavenhaltende Staaten (durch den Anteil der Sklaven an der Bevölkerung) ein unverhältnismäßig großes Stimmrecht im Kongress hatten und (nach Aufnahme einiger weiterer Staaten) bestimmte Dinge auch ohne Billigung der nicht-Sklavenhalterstaaten durchbringen konnten.

Was Punkt 3 angeht: es wird in DLR recht deutlich gesagt, dass es eine klare Trennung zwischen "gut" (nicht-rassistisch) und "böse" (rassistisch) im Setting gibt, nicht dass Rassismus überhaupt nicht mehr existiert. Das kann man jetzt blöd finden und es anders handhaben, aber ich verstehe schon, warum Pinnacle das so gemacht hat.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Widukind99 am 3.12.2019 | 08:33
Ich finde Rollenspiel kann eine gute Möglichkeit sein, sich mit Rassismus, Sexismus und anderen Vorurteilen und Missständen auseinanderzusetzen und diese zu reflektieren.
In einer Rollenspielgruppe finden ja sehr oft Menschen (und Nichtmenschen) aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammen und stehen füreinander mit ihrem Leben ein.

Und ein viktorianisches Setting (wie im Engangspost) halte ich nicht für "politisch inkorrekt", sondern für historisch. Und wenn dann dort die Dame des Hauses, offiziell natürlich immer im Schatten ihres Mannes, in Wahrheit die Strippen zieht, umso schöner....
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 18.12.2019 | 19:49
... hab lange überlegt, ob ich das hier posten will, oder nicht.
Nach Wochen bin ich zu dem Schluss gekommen: Ja, das kann und will ich dem Forum als Angebot zumuten.

Warum?

Is MYFAROG Racist (Youtube) (https://www.youtube.com/watch?v=sfE31HVZUL4)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 18.12.2019 | 20:09
Na ja, Varg ist ein bekennender Rassist und verurteilter Mörder. Das alleine ist halt schon ein Punkt an dem jeder entscheiden muss, ob er seine Kunst (ob jetzt das Rollenspiel oder BURZUM) konsumieren möchte oder nicht.

Da stelt sich vielmehr die Frage: Kann ein Rassist mit einem rassistischen Mindset ein Rollenspiel schreiben, das nicht rassistisch ist? Ich hab darauf keine zufriedenstellende Antwort. Letztlich muss auch das jeder für sich entscheiden.

Ich bin zwiegespalten. Einerseits würde es mich reizen das zu lesen und zu schauen wie sich das niederschlägt. Auf der anderen Seite mag ich auch nicht dass der Kohle von mir bekommt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 18.12.2019 | 20:37
Selbst bei der Abschaffung der Sklaverei ging es nicht um die Rechte der Sklaven, sondern darum, dass sklavenhaltende Staaten (durch den Anteil der Sklaven an der Bevölkerung) ein unverhältnismäßig großes Stimmrecht im Kongress hatten und (nach Aufnahme einiger weiterer Staaten) bestimmte Dinge auch ohne Billigung der nicht-Sklavenhalterstaaten durchbringen konnten.

Was Punkt 3 angeht: es wird in DLR recht deutlich gesagt, dass es eine klare Trennung zwischen "gut" (nicht-rassistisch) und "böse" (rassistisch) im Setting gibt, nicht dass Rassismus überhaupt nicht mehr existiert. Das kann man jetzt blöd finden und es anders handhaben, aber ich verstehe schon, warum Pinnacle das so gemacht hat.

Was ich an dem Ansatz von Deadlands:Reloaded eher "problematisch" (hohes Wort) finde, ist, dass sie das tatsächliche Problem der Sklaverei und Rassismus eher dadurch kleinhalten, indem sie die Südstaaten zu der Seite machen, die die Sklaverei zuerst abschaffen.

Das ist zwar einerseits historisch gesehen ein nachvollziehbarer Schachzug, da die Konföderation um internationale Anerkennung und wirtschaftliche und militärische Unterstützung buhlte und gerade das UK diese mit Sklaverei nicht gewähren konnte.

Aber machen wir uns nichts vor - die Sezession wäre ohne die Sklaverei (bzw. die Furcht des Südens vor der Emanzipation der Sklaven) undenkbar gewesen, weil völlig sinnfrei!

Also wieso sollten ein  Staatenbund, den es nur wegen der Aufrechterhaltung der Sklaverei gibt, eben diese zuerst und noch während des Krieges, der eben zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Sklaverei geführt wird, abschaffen?

Und dann noch zu sagen: "Nun, nur wenge Jahre danach, gilt im Weird West die Hautfarbe gar nichts mehr und nur noch reaktionäre Fieslingen und Bösewichte achten da überhaupt drauf!" ist eine Geschichtsklitterung Sondershausen.

Sie hätten wenigstens dem Norden den Vortritt geben können (ja, er kämpfte um die Einheit der Union, aber es war dennoch ein fortschrittlicher Aspekt des Krieges).

Dass sie eindeutig sagen, dass Rassismus nichts für die Helden im Weird West ist - Super!
Kein Problem damit!
So soll es sein.

Aber die Anstrengungen der Sklaven und ihrer Nachkommen (und Alliierten) durch ein Eia-Popeia-alle-sind-nun-tolerant zu ersetzen, kann ich nur mit spezifischen amerikanischen Befindlichkeiten erklären.

Nachvollziehbar, aber ich finde es historisch wie politisch falsch und insgesamt auch beschönigend.

Und die Konföderation hätte diesen politischen Schachzug auch nicht überlebt - weder politisch, noch wirtschaftlich durch den Wegfall der Sklavenarbeit.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 18.12.2019 | 20:46
... Danke für die Ergänzungen, Swafnir. (Wobei er selbst die Fremdbezeichnung Rassist ja ablehnt.) Und wegen dieser Voraussetzungen finde ich die inhaltliche Betrachtung seiner Argumente und seine Argumentationsstrukturen beobachtenswert.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 18.12.2019 | 20:55
... hab lange überlegt, ob ich das hier posten will, oder nicht.
Nach Wochen bin ich zu dem Schluss gekommen: Ja, das kann und will ich dem Forum als Angebot zumuten.

Warum?
  • Es kann sich lohnen die Argumentationsstruktur anzuschauen, mit welcher Autor Varg Vikernes (https://de.wikipedia.org/wiki/Varg_Vikernes) Rassismusvorwürfen, die gegen sein Rollenspiel MYFAROG gerichtet sind, begegnet.
  • Auch, um den Zusammenhang von fiktionalen Inhalten und deren Wechselwirkung mit realen Menschen zu reflektieren, bietet sich das Video an.

Is MYFAROG Racist (Youtube) (https://www.youtube.com/watch?v=sfE31HVZUL4)

Hmmm ... ich habe mir den Beitrag mal angesehen.
Ohne MYFAROGzu kennen, würde ich sagen:
1. Nein, das Regelwerk an und für sich ist wahrscheinlich nicht "rassistischer" als andere Fantasy-Rollenspiele, in denen Zwerge Goblins, Elfen Orks und Humpadinger grüne Wampfe hassen, weil die eben die hassen, weil die eben so sind wie sie sind.
2. Seine Argumentation und die Darstellung seiner eigenen Motivation für das Spiel und das Setting sind vor dem seinem Hintergrund, dass er ein Rassist und Mörder ist und respektive war, recht durchsichtig.
3. Und wenn MYFAROG die Rollenspieloffenbarung des Jahrtausends wäre - bevor ich dieser Person auch nur einen Cent gebe, spiel ich lieber bis zum Ende meiner Tage Mensch-ärger-die-nicht gegen mich selbst.
Ohne Spielbrett und Würfel!

Klar, es ist gut, dass er nun nicht mehr mordet und seinen Rassismus wohl in gesellschaftlich vertretbaren Bahnen hält (hat seine Meinung, ruft nicht zu Pogromen o.ä. auf) und friedlich ist und Rollenspiele schreibt.
Soweit.
Es hat auch jeder eine "zweite Chance" verdient.
Auch gut.
Aber ich kaufe seinen Kram trotzdem nicht, solange ich den Eindruck habe, dass er immer noch ein in der Wolle gefärbter Rassist ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Irian am 18.12.2019 | 21:37
Mal völlig ungedachtet der Person, die Argumentation die er bringt, ist auch unglaublich schwach...

* "Das kann kein Rassismus sein, niemals nicht, sondern nur ein paar Leute wollen, dass alle anderen das glauben."
* "Das ist Fantasy, deshalb hat es absolut gar keinen Bezug zur Realität."
* "Meine Bösewichter haben alle Fangzähne! Hallo? Fangzähne!!! Die hat ja kein echter Mensch, also ist alles toll!"

Sorry, aber das ist eine so selten schwache Argumentation, selbst wenn man nicht wüßte, von wem es kommt, muß man dem Autoren zumindest absolut fehlende Reflektionsfähigkeit unterstellen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Toht am 18.12.2019 | 21:42
Alles soweit erstmal richtig. Es ist jetzt keine Offenbarung in der Argumentation aber erstmal durchaus legitim. Ich kenne das Setting aber nicht.
Aber wenn man die Gegenseite mal betrachtet, kann man sicher zu ähnlichen Schlüssen kommen. Wie lautet denn der konkrete Vorwurf? Was (und warum) soll in MYFAROG rassistisch sein?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Crimson King am 18.12.2019 | 21:48
Mal völlig ungedachtet der Person, die Argumentation die er bringt, ist auch unglaublich schwach...

* "Das kann kein Rassismus sein, niemals nicht, sondern nur ein paar Leute wollen, dass alle anderen das glauben."
* "Das ist Fantasy, deshalb hat es absolut gar keinen Bezug zur Realität."
* "Meine Bösewichter haben alle Fangzähne! Hallo? Fangzähne!!! Die hat ja kein echter Mensch, also ist alles toll!"

Sorry, aber das ist eine so selten schwache Argumentation, selbst wenn man nicht wüßte, von wem es kommt, muß man dem Autoren zumindest absolut fehlende Reflektionsfähigkeit unterstellen.

Ergänzend: Elben, Drow und Zwerge in D&D sind rassistisch, aber das Spiel gilt nicht als rassistisch. Also kann myfarog auch nicht rassistisch sein.

Ergänzend ein Review des Spiels in der ersten Edition (https://www.metalsucks.net/2015/08/21/advanced-discrimination-dragons-critical-look-varg-vikernes-myfarog-rpg/). Das ist ganz offensichtlich ein hartes Pflaster. Ein weiterer Review (https://rpggeek.com/thread/1742811/not-my-favorite-game) geht die Sache noch elaborierter an.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Isegrim am 18.12.2019 | 22:14
Aber die Anstrengungen der Sklaven und ihrer Nachkommen (und Alliierten) durch ein Eia-Popeia-alle-sind-nun-tolerant zu ersetzen, kann ich nur mit spezifischen amerikanischen Befindlichkeiten erklären.

ME wollten die in erster linie schwarze SCs spielbar machen, ohne dass die ständig als "der N..." behandelt werden.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Harry Du Bois am 18.12.2019 | 22:21
Mein bescheidener Beitrag zu der Sache:

Es schadet nicht sich selbst in diesen Dingen zu hinterfragen. Warum will ich das so und nicht anders handhaben? Generiere ich damit einen Mehrwert für meine Mitspieler?

Ich denke kaum einer hier, tritt an mit dem Vorsatz an, andere verletzen zu wollen oder zu diskriminieren (also ausschließen kann ich es nicht, aber ich glaube an euch). Und sich nach diesen Maßen zu bemühen, in der direkten Interatkion am Tisch oder der Vorbereitung, ist doch schon alles was man dazu fordern sollte/kann/muss. Da steckt schon alle nötige Politicial Correctness drin (oh du viel geschundener Kampfbegriff). So lang wir uns darüber bewusst sind was wir wie und warum tun und uns darüber verständigen, sind wir auf dem richtigen Weg.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 18.12.2019 | 22:33
Ergänzend: Elben, Drow und Zwerge in D&D sind rassistisch, aber das Spiel gilt nicht als rassistisch. Also kann myfarog auch nicht rassistisch sein.

Ja, sicher. :P D&D hat seine eigenen Problemchen (gerade aus modernerer Sicht unbeleckt von eventuellen "Gnade der frühen Geburt"-Argumenten), aber ich denke, wenn man seiner Autorenriege über die Jahrzehnte eins zugutehalten kann, dann das, daß sie ärgerliche Vorurteile und Stereotypen lediglich zu unreflektiert übernommen haben und sie nicht obendrein noch bewußt als Teil einer gezielten Agenda propagieren wollten. Myfarog scheint selbst dieses Feigenblatt zu fehlen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 18.12.2019 | 22:55
Was ich an dem Ansatz von Deadlands:Reloaded eher "problematisch" (hohes Wort) finde, ist, dass sie das tatsächliche Problem der Sklaverei und Rassismus eher dadurch kleinhalten, indem sie die Südstaaten zu der Seite machen, die die Sklaverei zuerst abschaffen.

Wot?  :o In der Welt von Deadlands wird Sklaverei in der Konföderation im Jahre 1877(!) abgeschafft - d.h. 20 Jahre, nachdem Afroamerikanern innerhalb der USA Rechte zugesprochen wurden, welche die Sklaverei verhindern sollten und 17 Jahre nach der Sezession. Während Afroamerikaner in den Nordstaaten schon länger frei sind, ist das im Süden eine Neuerung.

Zitat
Aber machen wir uns nichts vor - die Sezession wäre ohne die Sklaverei (bzw. die Furcht des Südens vor der Emanzipation der Sklaven) undenkbar gewesen, weil völlig sinnfrei!

Wie gesagt: die Abschaffung der Sklaverei erfolgte 17 Jahre nach der Sezession des ersten Bundesstaates. Auch wenn damit einer der wesentlichen Kriegsgründe vom Tisch war, war die Situation zu diesem Zeitpunkt schon zu verfahren (und die politische Realität der zwei Amerikas zu gefestigt), um einfach zu sagen "Nee, wir kommen jetzt wieder zusammen".
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 19.12.2019 | 02:42
Ja, sicher. :P D&D hat seine eigenen Problemchen (gerade aus modernerer Sicht unbeleckt von eventuellen "Gnade der frühen Geburt"-Argumenten), aber ich denke, wenn man seiner Autorenriege über die Jahrzehnte eins zugutehalten kann, dann das, daß sie ärgerliche Vorurteile und Stereotypen lediglich zu unreflektiert übernommen haben und sie nicht obendrein noch bewußt als Teil einer gezielten Agenda propagieren wollten. Myfarog scheint selbst dieses Feigenblatt zu fehlen.

Vorallem sind die aktuellen Verantwortlichen extrem bemüht möglichst viele Menschen abzuholen.

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 05:27
Es gibt in einem Spiel verschiedene Rassen, die sich vielleicht gegenseitig nicht leiden können und bekriegen.
(Ingame Rassismus -der für Konflikte im Spiel sorgen soll)

Und dann gibt es die Möglichkeit dass diese Fantasy Rassen für echte Menschen, in der echten Welt stehen sollen, und der Autor damit zudem irgendein verdecktes Statement abgeben will, indem er eine Rasse z. B.  als böse oder minderwertig darstellt.  (Outgame Rassismus )

Selbst wenn Letzteres tatsächlich in allen Punkten zutreffen sollte, dürfte das nicht nachzuweisen sein.



Auch Tolkien wurde ja sowas schon unterstellt. Was er jedoch zurück wies.

Ich hatte ja schon vor Seiten geschrieben, dass Monster in Märchen idR. für die Angst vor Unmenschlichkeit stehen. Also nicht der Platzhalter für reale Menschen sind. (Der Weltenbau ist schuld, dass sie geboren, und damit zu einer Rasse gemacht werden) Und selbst wenn der Autor da heimlich etwas reininterpretieren sollte,  so greift er doch niemanden aus der Realwelt offen damit an.

Edit.
In diesen Märchen und Fantasy Geschichten geht es ja vordringlich um den Kampf mit dem eigenen Schatten. Nur, dass diese Schatten dann "Gestalt annehmen". (Wie sie das in Träumen z. B. auch tun.) Sie bekommen hässliche Fratzen, vor denen man sich fürchten soll. Und stehen für Aggression und ein Mangel an Mitgefühl.
Im Märchen werden wir mehr oder weniger zum mutigen Helden, der mit seiner Angst fertig wird. Und töten sogar Drachen.

Diese Symbolik hat man in Fantasywelten zu Hauf. Es wird ein "Schatten" geschaffen, den es zu besiegen gilt.
Der Schatten sorgt für Konflikt und Herausforderung.(An der der Held (und mit ihm auch  der Zuschauer/Leser/Spieler)wachsen und sich entwickeln kann.)
Bei Star Wars sind es die Sith Lords, und die dunkle Seite der Macht, bei Herr der Ringe sind es Sauron und seine Geschöpfe, und bei Harry Potter ist es Lord Voldemort, und seine Anhänger, die Todesser.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 19.12.2019 | 06:42
Ich habe deja-vu...
Kritisiert werden glaube ich nicht "der Schatten", sondern eher als Kulturschaffende und intelligente Wesen dargestellte Rassen, die man aber trotzdem ohne Fragen meucheln soll, wenn immer sich die Gelegenheit bietet.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 06:49
Ich habe deja-vu...
Kritisiert werden glaube ich nicht "der Schatten", sondern eher als Kulturschaffende und intelligente Wesen dargestellte Rassen, die man aber trotzdem ohne Fragen meucheln soll, wenn immer sich die Gelegenheit bietet.
- Die sind aber (aufgrund des Weltenbaus) ggf.  auch ein Teil des Schattens.
(Vom Bösen gezüchtete Wesen eben)
Mit dementsprechend bösen Eigenschaften, von Geburt auf.

-Also etwas, was es im Reallife nicht gibt.

Ich vermute, dass Monster, die ursprünglich mal als Schattenarmee des Oberbösewichtes gedacht waren, in manchen Settings schon wieder stark vermenschlicht rüberkommen.
Fast normal.
So, dass ihr ursprünglicher Daseinszweck kaum mehr erkenntlich ist.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 19.12.2019 | 06:58
- Die sind aber (aufgrund des Weltenbaus) ggf.  auch ein Teil des Schattens.
(Vom Bösen gezüchtete Wesen eben)
Mit dementsprechend bösen Eigenschaften, von Geburt auf.

-Also etwas, was es im Reallife nicht gibt.
Lass es mich anders formulieren: wenn Der Schatten (oder Sein Schatten (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lexx_%E2%80%93_The_Dark_Zone) Wesen produziert, oder sich mit ihnen verbündet, die als einzige in dem Setting von dunkler Hautfarbe sind, sich gerne mit reichlich Körperschmuck zeigen, und sagen wir, vielschichtige Trommelmusik und Sprechgesang lieben, nennen wir sie Norker, ist dir dann hundertprozentig wohl dabei? Wenn nicht, warum? Wenn doch, kannst du dir vorstellen dass andere Menschen das nicht so gut trennen können wie du?

TL,Dr: wenn ansonsten intelligente, wie Menschen lebende Wesen per se als böse und unwert gelten, ist das genau der Kritikgrund, nicht die Erklärung
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 07:25
Lass es mich anders formulieren: wenn Der Schatten (oder Sein Schatten (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lexx_%E2%80%93_The_Dark_Zone) Wesen produziert, oder sich mit ihnen verbündet, die als einzige in dem Setting von dunkler Hautfarbe sind, sich gerne mit reichlich Körperschmuck zeigen, und sagen wir, vielschichtige Trommelmusik und Sprechgesang lieben, nennen wir sie Norker, ist dir dann hundertprozentig wohl dabei?

Generell : Ich schließe nicht aus, dass ein Autor da durch Beschreibungen von Fantasy Rassen einen schlechten Eindruck oder ein Geschmäckle hinterlassen kann, das mir unangenehm ist.

Kommt ganz auf den jeweiligen Text an.
Wo gibt es Ähnlichkeiten, wo Unterschiede?
Wie kommt das Insgesamt rüber ?
Ist das ein schlechter Wink mit dem Zaunpfahl oder nicht ?

Wenn es in der Welt bereits Menschen mit allen unterschiedlichen Haut und Haar Pigmentierungen gibt, und mir da in der Hinsicht nichts unangenehm aufstösst, würde es mir vermutlich leichter fallen, die Norks als andere Wesen zu sehen.

Edit. In vielen Settings sind Menschen in ihrer Vielfalt sowohl bereits vorhanden,  als auch  zudem klar als Spielerfiguren vorgesehen.

Die zusätzlichen (nichtmenschlichen!) Rassen unterteilen sich dann in weitere Spielerfiguren,(Elf/Zwerg & Co), und in NSC Rassen (Oger/Orks/Trolle und Co), die idR. nicht unbedingt als SC vorgesehen sind. Also die Gegner bilden. Allein dadurch bekommen sie oft eben die Eigenschaften der "Schattenfraktion", der sie immer noch, wenn auch getarnt (durch Weltenbau), angehören.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: D. M_Athair am 19.12.2019 | 09:29
Generell : Ich schließe nicht aus, dass ein Autor da durch Beschreibungen von Fantasy Rassen einen schlechten Eindruck oder ein Geschmäckle hinterlassen kann, das mir unangenehm ist.

Was daran liegen könnte, dass der Unterschied zwischen "Personifizerung des Schattens und Auseinandersetzung damit" wahrnehmbar was anderes ist, als Projektion des eigenen (personalen oder kulturellen) Schattens auf andere. Sartre hat Letzteres so formuliert hat: "Das Böse. Das sind die anderen."
Da wird dann auch verstehbar, was an der Verwendung von Projektion in Kombination mit erkennbar negativen realweltlichen Stereotypen schwierig ist. Gerade für Menschen, denen dadurch vermittelt wird unerwünscht und ausgeschlossen zu sein.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 19.12.2019 | 09:44
Wenn man unbedingt will das alle Menschen mit Dunkler Hautfarbe im Setting für das Böse Arbeiten lässt sich das doch leicht mit Rassismus erklären . In dem man einfach sagt sie wurden hunderte von Jahren wegen ihrer Hautfarbe unterdrückt und getötet dann kam der Evil Overlord und hat angeboten das man doch zusammen gegen die Leute die das tun Kämpfen könnte. Natürlich wissen die Schwarzen das er sie nur ausnutzt und das er sogar noch Schlechter ist als die weißen aber ihnen hat er nie was getan und sie können sich nun endlich wehren also machen sie erst mal mit. Die SC Schlachten sie trotzdem ohne bedenken ab ? Nun sie könnten sich die Namen ihrer durch Sklaverei gestorbenen Vorfahren Magische ein tätowieren und Lieder der Rache und Freiheit singen wenn sie in den Kampf ziehen. Schon sollten die SC (oder die Spieler ?) nachdenklich werden .
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 09:45
Was daran liegen könnte, dass der Unterschied zwischen "Personifizerung des Schattens und Auseinandersetzung damit" wahrnehmbar was anderes ist, als Projektion des eigenen (personalen oder kulturellen) Schattens auf andere. Sartre hat Letzteres so formuliert hat: "Das Böse. Das sind die anderen."
Da wird dann auch verstehbar, was an der Verwendung von Projektion in Kombination mit erkennbar negativen realweltlichen Stereotypen schwierig ist. Gerade für Menschen, denen dadurch vermittelt wird unerwünscht und ausgeschlossen zu sein.

Naja,  das Märchen oder auch unsere Traumwelt, gibt dem Bösen eine Gestalt.
Im Traum jedoch häufig auch kein Gesicht.
(Man weiß zwar, dass es ein menschlicher Gegner ist. -Aber häufig nicht, wie er genau aussieht. (Weil die personifizierte Angst in vielen Fällen gesichtslos ist. ))
Menschen haben Angst vor Dingen, mit denen sie nicht umgehen können. Sie haben Angst vor Ungewissheit,  und auch vor dem Unbekannten.
Und das ist ja mit ein Hauptgrund warum man "Angst vor den Anderen" hat.
Nur ist das in Fantasywelten in der Regel so, dass die Menschen (aufgrund, der Monster die es dort gibt)  weit größere Feinde haben, als sich selbst.
Sie müssen zusammenhalten (egal welcher Herkunft), gegen einen viel schlimmeren Feind.
Es geht nicht darum : Gehörst du zur "richtigen Sorte Mensch?"
Sondern um "Sein oder nicht sein. "
Und darum zusammen zu halten. Und zusammen zu kämpfen. Gegen das unmenschliche Böse.

Wenn der Autor damit bricht,  indem es z. B. nur eine bestimmte Sorte Menschen gibt (Keine Vielfalt ),  und die Gegner Rasse verdächtige Merkmale aufweist, würde dieses Prinzip natürlich verraten werden.

Nur habe ich so ein Setting , zgg.  noch nirgends gesehen. Ich kann nur annehmen, dass KornedBeef sich das als ein Negativ Beispiel ausgedacht hat.


Edit. "Die grundsätzliche Angst vor anderen Menschen" steht in Fantasywelten daher eigentlich nicht im Vordergrund, im Gegenteil.
Es werden auch Freundschaften mit anderen Wesen, wie Elfen und Zwergen usw. eingegangen, weil es eben extra nicht darum geht gleich zu sein, sondern gemeinsam gegen "die Unmenschlichkeit " vorzugehen.


Beim Herr der Ringe bekommt man im Lauf der Geschichte mit, dass die eigentlichen Kleinkriege um die Unterschiede immer unwichtiger werden. Wenn sich Gimmli und Legolas anfangs noch streiten, wird es gegen Ende immer unwichtiger, was sie unterscheidet, denn sie sind inzwischen Freunde, trotz all der Vorurteile,die sie zu Beginn gegenseitig hatten.

Man überwindet praktisch mit den Helden gleich mehrere Hindernisse. Die kleinen Inneren (weil der andere, anders ist), und die großen Äußeren. (Der gemeinsame Feind, der sie gleichermaßen bedroht, und ihnen dabei klarmacht, worauf es wirklich ankommt.)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 19.12.2019 | 12:31
Ja, seufz, das Beispiel ist ausgedacht.  ::)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 12:49
Ja, seufz, das Beispiel ist ausgedacht.  ::)
Kennst Du auch tatsächlich ein Setting, bei dem nur Menschen mit einer bestimmten Hautpigmentierung als Spielerfigur zur Verfügung stehen?
(Ich nämlich nicht)

Wenn Menschen vorkommen, was fast immer der Fall ist, sind für gewöhnlich auch alle Haut und Haarfarben bereits mit im Paket.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 12:57
Sagen wir mal so - ich kenne Settings, die zumindest sehr, sehr heftig nahelegen, dass SC nur eine bestimmte Hautpigmentierung haben. Das Setting Rokugan zum Beispiel wird, so wie mir bekannt beschrieben, echt problematisch, wenn man etwas anderes würde verkörpern wollen als ein Mitglied der "japanischen" Oberschicht - das dann in nahezu 99% aller Fälle weder weiß, schwarz, blond oder die falsche Sorte von bräunlich ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 13:04
Sagen wir mal so - ich kenne Settings, die zumindest sehr, sehr heftig nahelegen, dass SC nur eine bestimmte Hautpigmentierung haben. Das Setting Rokugan zum Beispiel wird, so wie mir bekannt beschrieben, echt problematisch, wenn man etwas anderes würde verkörpern wollen als ein Mitglied der "japanischen" Oberschicht - das dann in nahezu 99% aller Fälle weder weiß, schwarz, blond oder die falsche Sorte von bräunlich ist.
Das scheint dann ein sehr spezifisches Setting zu sein, dass auf ein bestimmtes Land, bzw.  eine bestimmte Zeit begrenzt ist.

Das wäre bei Pendragon ähnlich.

Aber ich denke, sobald das Setting eine ganze Welt beschreibt, inklusive aller Länder und Kulturen,  wird es idR auch entsprechend vielfältig.

Wenn ich dagegen nur in einer bestimmten Zeit und in einem bestimmten Land spiele, ist es klar, dass das nicht soviel abbilden kann, wie eine ganze Welt.

Beim Begriff "Setting" dachte ich tatsächlich daran.
Dabei hatte ich nicht berücksichtigt, dass man auch nur  in sogenannten "Weltausschnitten" spielen kann.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 19.12.2019 | 13:14
Was daran liegen könnte, dass der Unterschied zwischen "Personifizerung des Schattens und Auseinandersetzung damit" wahrnehmbar was anderes ist, als Projektion des eigenen (personalen oder kulturellen) Schattens auf andere. Sartre hat Letzteres so formuliert hat: "Das Böse. Das sind die anderen."
Da wird dann auch verstehbar, was an der Verwendung von Projektion in Kombination mit erkennbar negativen realweltlichen Stereotypen schwierig ist. Gerade für Menschen, denen dadurch vermittelt wird unerwünscht und ausgeschlossen zu sein.

Wobei das nicht mal speziell immer nur an die "Rasse" gekoppelt sein muß. So was wie etwa "Das Böse, das sind die Häßlichen" ist ja nicht automatisch besser, nur weil es nicht unbedingt "rassistisch" kodiert daherkommt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 13:17
Das scheint dann ein sehr spezifisches Setting zu sein, dass auf ein bestimmtes Land, bzw.  eine bestimmte Zeit begrenzt ist.

Das wäre bei Pendragon ähnlich.

Aber ich denke, sobald das Setting eine ganze Welt beschreibt, inklusive aller Länder und Kulturen,  wird es idR auch entsprechend vielfältig.

Wenn ich dagegen nur in einer bestimmten Zeit und in einem bestimmten Land spiele, ist es klar, dass das nicht soviel abbilden kann, wie eine ganze Welt.

Beim Begriff "Setting" dachte ich tatsächlich daran.
Dabei hatte ich nicht berücksichtigt, dass man auch nur  in sogenannten "Weltausschnitten" spielen kann.

Sehr richtig - allerdings beschreiben Settings von RPGs relativ oft keine kompletten Welten, so dass es dann doch Einiges gibt, wo die "Wahl der Hautfarbe" dadurch sozusagen eingeschränkt wird. Das muss meines Erachtens kein Problem sein. So stellt sich mir bei einem thematisch eng an 1001 Nacht angelehnten Setting beispielsweise gar nicht die Frage, ob das jetzt "Indianer" und "Kelten" ausgrenzt.

Wobei für mich auch das "wie" des Nichtvorkommens durchaus eine Rolle spielen kann. Spielen gewisse Typen und Kulturen deswegen keine Rolle, weil sie immens weit weg sind und daher keine Rolle spielen? Oder werden sie "aktiv" weggedrückt?

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 13:22
Wobei für mich auch das "wie" des Nichtvorkommens durchaus eine Rolle spielen kann. Spielen gewisse Typen und Kulturen deswegen keine Rolle, weil sie immens weit weg sind und daher keine Rolle spielen? Oder werden sie "aktiv" weggedrückt?
Wie würde denn sowas aussehen?
Ich meine,  auch im Mittelalter gab es zum Beispiel Händler und Reisende aus anderen Ländern.
Und es wäre mMn. jetzt nicht so schwer zu konstruieren, warum jmd. in einem bestimmten Land ist.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 13:27
Zitat
Wobei für mich auch das "wie" des Nichtvorkommens durchaus eine Rolle spielen kann. Spielen gewisse Typen und Kulturen deswegen keine Rolle, weil sie immens weit weg sind und daher keine Rolle spielen? Oder werden sie "aktiv" weggedrückt?

Nehmen wir mal das Beispiel der Vergessenen Reiche (oder eines beliebigen anderen D&D-Settings): weiße Kulturen finden sich auf dem ganzen Kontinent verteilt, aber nicht-weiße sind meist auf ein bestimmtes Land beschränkt, welches dann als "das exotisierende" Land charakterisiert ist. Selbst bei relativ nahe beeinander liegenden Ländern (oder stärkeren kulturellen und wirtschaftlichen Austausch durch überlegene Reisemöglichkeiten - siehe Splittermond) bleiben die Länder weitgehend homogen.

Das ist schon ein ziemliches "wegdrücken".
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 13:36
Nehmen wir mal das Beispiel der Vergessenen Reiche (oder eines beliebigen anderen D&D-Settings): weiße Kulturen finden sich auf dem ganzen Kontinent verteilt, aber nicht-weiße sind meist auf ein bestimmtes Land beschränkt, welches dann als "das exotisierende" Land charakterisiert ist. Selbst bei relativ nahe beeinander liegenden Ländern (oder stärkeren kulturellen und wirtschaftlichen Austausch durch überlegene Reisemöglichkeiten - siehe Splittermond) bleiben die Länder weitgehend homogen.

Das ist schon ein ziemliches "wegdrücken".
OK, die SPliMo Welt kenne ich leider nicht.

Aber es wäre den Spielern jetzt nicht verboten Menschen aus dem "exotisierten "Land zu spielen?
Bzw. sie bekommen im Spiel dadurch keine Nachteile ?
(Das hatte ich nämlich befürchtet)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 13:39
Wie würde denn sowas aussehen?
Ich meine,  auch im Mittelalter gab es zum Beispiel Händler und Reisende aus anderen Ländern.
Und es wäre mMn. jetzt nicht so schwer zu konstruieren, warum jmd. in einem bestimmten Land ist.

Sicher gab's die - in einem bestimmten Radius. So wäre im "Britannien des Königs Artus" ein Fernhändler aus der Levante oder auch Äthiopien seeeeehr viel wahrscheinlicher als einer aus China oder von Sri Lanka. Polynesier und Mayas hingegen würde ich mal ganz arrogant für "immens unwahrscheinlich" erklären. So weit, so unproblematisch.

Die andere Variante wäre, wenn andere Ethnien faktisch die Rolle der Orks übernähmen oder (wie IMHO im Falle von Rokugan) als unterlegene NSC-Untermenschen präsentiert werden (das ist einer der Punkte, die ich an Legend of the five Rings tatsächlich ziemlich bäh finde)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 13:44
Zitat
Aber es wäre den Spielern jetzt nicht verboten Menschen aus dem "exotisierten "Land zu spielen?

Nein, so explizit ist es nicht.

Zitat
Bzw. sie bekommen im Spiel dadurch keine Nachteile ?

Aber wenn die Kampagne ist dann halt nicht in diesem Land spielt, dann ist man halt "der Exot". Und man hat weniger Anbindung an den Rest des Settings (was Menschen aus Kara-Tur oder Zakharia über Elfen und Zwerge denken wird z.B. nicht wirklich klar gemacht - weil diese Kulturen zu den "westlichen" Kulturen gehören).

Damit hat man schon Nachteile, weil weniger Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Charakters (welche ein Charakter, der z.B. von der Schwertküste kommt, nicht hat).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 13:47
Die andere Variante wäre, wenn andere Ethnien faktisch die Rolle der Orks übernähmen oder (wie IMHO im Falle von Rokugan) als unterlegene NSC-Untermenschen präsentiert werden (das ist einer der Punkte, die ich an Legend of the five Rings tatsächlich ziemlich bäh finde)
Ok, wenn das so ist, ist das natürlich unschön.

Kommt vielleicht auch darauf an, wie das Setting beschrieben wird: Sind das die Werte des Settings und seiner Zeit?
Oder die des Autors?

Wenn es zu der Zeit komische Ansichten und Hierachien gab, dann versucht der Autor vermutlich diese darzustellen.
Ob es seine eigenen sind, davon würde ich mal nicht ausgehen. Er schafft das Setting vermutlich so, damit interessante Konflikte entstehen können (Die armen Unterdrückten gegen die eingebildeten Reichen)

Aber ich habe das Setting nicht gelesen, daher kann ich nur mutmaßen.

Ich glaube aber sofort, dass eine solche Welt mit solchen Werten, auch wenn kein böser Wille vom Autor dahinter steckt,  als belastend empfunden werden kann.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Turgon am 19.12.2019 | 13:53
Die andere Variante wäre, wenn andere Ethnien faktisch die Rolle der Orks übernähmen oder (wie IMHO im Falle von Rokugan) als unterlegene NSC-Untermenschen präsentiert werden (das ist einer der Punkte, die ich an Legend of the five Rings tatsächlich ziemlich bäh finde)
Aber genau das ist doch das, woraus Rokugan den Konflikt für seine Spielerfiguren herauszieht? Wie die sich in einer extrem verregelten Gesellschaft verhalten, und was es mit einem macht, als ehrenvoll oder ehrlos angesehen zu werden?
Oder was meinst du mit „NSC-Untermenschen“?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 13:54
OK, die SPliMo Welt kenne ich leider nicht.

Aber es wäre den Spielern jetzt nicht verboten Menschen aus dem "exotisierten "Land zu spielen?
Bzw. sie bekommen im Spiel dadurch keine Nachteile ?
(Das hatte ich nämlich befürchtet)
Bei Splimo würde ich Mal bezweifeln, dass sie dadurch Nachteile haben. Bei Faerun weiß ich es nicht, würde das in der Form aber auch bezweifeln.
Generell liegt das aber IMHO zum Teil daran, dass einige dieser Settings,  aus den 80ern stammen (Faerun) oder weil das Design tendenziell auf "Klare Kanten" ausgelegt (Splimo, das darüber hinaus allerdings mehr "nichtweiße" als "weiße" Kulturen präsentiert).

Zu Rokugan:
Mein Eindruck von Rokugan war immer, dass man die Xenophobie, die man dem "mittelalterlichen Japan" gern unterstellt, in diesem Setting auf Elf dreht, weil die Autoren glauben, dass das irgendwie zu Samurai gehören würde. Dabei wird das Ganze (zumindest so wie ich das Setting kenne) so präsentiert, dass alles "ausländische" im besten Falle ominös und in den meisten Fällen spirituell korrumpierend IST und nicht nur von Leuten innerhalb des Settings so empfunden wird.

@Turgon
Richtig - wobei (ich betone das: so wie ich das Setting kennengelernt habe!) die ganze, rigid xenophobische Gesellschaft Rokugans als "kosmologisch korrekt" präsentiert wird. Die Frage, ob der Gajin auf seine Art vielleicht ebenso Recht haben könnte, wie der Rokugani, stellt sich IMHO auch auf der Metaebene nicht oder zumindest nicht so richtig.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 14:06
Was mich immer mehr stört ist dass Leute nicht mehr zwischen Werk und Künstler unterscheiden können. Wenn jemand ein Rollenspielsetting erfindet, dass teilweise rassistisch ist, ist er noch lange kein Rassist. Jemand der Kriminalromane schreibt ist kein Mörder. Das klingt jetzt doof in seiner Einfachheit, aber teilweise ist es schon so.

Schauspielerin Ruby Rose wurde zum Beispiel von Teilen der LGBT-Community angegangen, weil sie "nicht lesbisch genug sei" um Batwoman zu spielen.

Daher sehe ich keinen Grund Rollenspielautoren bei sowas etwas negatives zu unterstellen. Ich sehe sowas als Ansatz für die Spieler sich diesen Problemen in den Weg zu stellen - wenn sie das wollen. Bei Varg hingegen weiß ich dass er ein Rassist ist und daher werde ich dort auch dieses Mindset findet, ob es darin wirklich nachweisbar enthalten ist oder nicht.

 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 14:14
Was mich immer mehr stört ist dass Leute nicht mehr zwischen Werk und Künstler unterscheiden können. Wenn jemand ein Rollenspielsetting erfindet, dass teilweise rassistisch ist, ist er noch lange kein Rassist. Jemand der Kriminalromane schreibt ist kein Mörder. Das klingt jetzt doof in seiner Einfachheit, aber teilweise ist es schon so.

Manche Dinge SIND halt auch Mal einfach.  8)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 14:19
Was mich immer mehr stört ist dass Leute nicht mehr zwischen Werk und Künstler unterscheiden können. Wenn jemand ein Rollenspielsetting erfindet, dass teilweise rassistisch ist, ist er noch lange kein Rassist. Jemand der Kriminalromane schreibt ist kein Mörder. Das klingt jetzt doof in seiner Einfachheit
Nein, tut es nicht.
Wenn ich als Krimi Autor Angst haben muss,  dass man mich für den kranken Psychopathen aus meinem Buch hält, dann habe ich ein Problem.
Wenn ich als SL Angst haben muss, dass meine Spieler glauben, ich spiele bei den Bösen mich selbst, auch.
Das Gleiche gilt auch für Schauspieler.
Was musste der Darsteller von Joffree aus GoT alles einstecken, weil man ihm unterstellte, dass er selbst so ist ?
(Hassbriefe, Morddrohungen alles dabei)
(Die Argumentationskette war hier: Er ist in seiner Rolle so überzeugend. Das kann keiner spielen. Also muss es echt sein....  : ::) - Jetzt mal überspitzt gesagt : Sowas kann auch  nur eine Laienmeinung sein. Von Leuten, die das Handwerk Schauspiel nicht kennen)
Das hat ihn so sehr mitgenommen, dass er seine Karriere erst mal an den Nagel gehängt hat.

Edit.
Aus diesem Grund tendiere ich auch dazu vorsichtig mit Unterstellungen zu sein.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 14:22
Was mich immer mehr stört ist dass Leute nicht mehr zwischen Werk und Künstler unterscheiden können. Wenn jemand ein Rollenspielsetting erfindet, dass teilweise rassistisch ist, ist er noch lange kein Rassist. Jemand der Kriminalromane schreibt ist kein Mörder. Das klingt jetzt doof in seiner Einfachheit, aber teilweise ist es schon so.

Es geht nicht darum, ob der Autor rassistisch ist. Und wenn er etwas interessantes mit Rassismus im Setting anfängt und den Spieler zum Nachdenken bringt, dann ist das super.

Allerdings ist es meistens einfach reproduzieren von tropes, ohne über diese nachzudenken, und da kommt halt oft etwas raus, was eher 'meh' ist.

OT, aber wichtig:
Zitat
Schauspielerin Ruby Rose wurde zum Beispiel von Teilen der LGBT-Community angegangen, weil sie "nicht lesbisch genug sei" um Batwoman zu spielen.

Die Kritik kam aus dem Umfeld von Mike Cernovich (einem Trump-Supporter und Gegner der #metoo-Bewegung, der bereits für das Feuern von James Gunn verantwortlich war) - also eher nicht aus der LGBT-Community selber. Es war nur ein Vorwand, um Stimmung gegen eine Serie/Schauspielerin zu machen, welche der Altright ein Dorn im Auge war und gleichzeitig zwei Seiten der Diversity-Fraktion gegeneinander auszuspielen (hat glücklicherweise nicht funktioniert).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 14:46
Es geht nicht darum, ob der Autor rassistisch ist. Und wenn er etwas interessantes mit Rassismus im Setting anfängt und den Spieler zum Nachdenken bringt, dann ist das super.

Allerdings ist es meistens einfach reproduzieren von tropes, ohne über diese nachzudenken, und da kommt halt oft etwas raus, was eher 'meh' ist.

OT, aber wichtig:
Die Kritik kam aus dem Umfeld von Mike Cernovich (einem Trump-Supporter und Gegner der #metoo-Bewegung, der bereits für das Feuern von James Gunn verantwortlich war) - also eher nicht aus der LGBT-Community selber. Es war nur ein Vorwand, um Stimmung gegen eine Serie/Schauspielerin zu machen, welche der Altright ein Dorn im Auge war und gleichzeitig zwei Seiten der Diversity-Fraktion gegeneinander auszuspielen (hat glücklicherweise nicht funktioniert).

Die Kritik kam laut vielen Berichten aus der LGBT-Community und es seien so viele gewesen, dass sie darauf hren Account gelöscht hätte. Allerdings ist es ja auch ziemlich egal von wem das kam. Es würde ja auch kritisiert, dass die Figur jüdisch sei, Ruby Rose aber nicht. Das ist doch grotesk.

Und woher willst du denn beurteilen können ob tropes einfach gedankenlos reproduziert werden? Das ist für mich eine Unterstellung gegenüber den Autoren. Die können sie auch ebenso bewusst mit reingenommen haben.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Turgon am 19.12.2019 | 14:57
Zu Rokugan:
Mein Eindruck von Rokugan war immer, dass man die Xenophobie, die man dem "mittelalterlichen Japan" gern unterstellt, in diesem Setting auf Elf dreht, weil die Autoren glauben, dass das irgendwie zu Samurai gehören würde. Dabei wird das Ganze (zumindest so wie ich das Setting kenne) so präsentiert, dass alles "ausländische" im besten Falle ominös und in den meisten Fällen spirituell korrumpierend IST und nicht nur von Leuten innerhalb des Settings so empfunden wird.
Hm, dass Fremdes grundsätzlich korrumpierend ist, habe ich so nicht wahrgenommen.
Das einzige, was grundsätzlich immer korrumpierend ist, sind die Schattenlande und Blutmagie. Wobei es noch lange nicht heißt, dass man mit Schattenlandverderbnis gleich böse ist. Das kann auch „guten“ Charakteren passieren.

Zitat
@Turgon
Richtig - wobei (ich betone das: so wie ich das Setting kennengelernt habe!) die ganze, rigid xenophobische Gesellschaft Rokugans als "kosmologisch korrekt" präsentiert wird. Die Frage, ob der Gajin auf seine Art vielleicht ebenso Recht haben könnte, wie der Rokugani, stellt sich IMHO auch auf der Metaebene nicht oder zumindest nicht so richtig.
Doch, genau das tut es imho schon, wobei man dabei eben teilweise die gesellschaftlichen Konventionen und seinen eigenen Ehrbegriff in Frage stellt. Für mich ist genau das das zentrale an Rokugan, dass das so in den Mittelpunkt des Spiels gestellt wird.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 15:01
Zitat
Die Kritik kam laut vielen Berichten aus der LGBT-Community

Hast du auch Quellen? Ich habe nach der Aussage gesucht und keinen einzigen Artikel gefunden, wo diese als Quelle der Kritik benannt wurde (meinetwegen Antwort auch drüben in "Sehen").
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 19.12.2019 | 15:03
Und woher willst du denn beurteilen können ob tropes einfach gedankenlos reproduziert werden? Das ist für mich eine Unterstellung gegenüber den Autoren. Die können sie auch ebenso bewusst mit reingenommen haben.

Okay, was darf man Autoren deiner Meinung nach eigentlich überhaupt noch "unterstellen"? Daß sie das, was sie geschrieben haben, auch wirklich selber so geschrieben haben, wie es dann dasteht -- oder sollen sie auch in der Hinsicht von vornherein über jeden Verdacht erhaben sein? wtf?
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Waldviech am 19.12.2019 | 15:11
Hm, dass Fremdes grundsätzlich korrumpierend ist, habe ich so nicht wahrgenommen.
Das einzige, was grundsätzlich immer korrumpierend ist, sind die Schattenlande und Blutmagie. Wobei es noch lange nicht heißt, dass man mit Schattenlandverderbnis gleich böse ist. Das kann auch „guten“ Charakteren passieren.
Doch, genau das tut es imho schon, wobei man dabei eben teilweise die gesellschaftlichen Konventionen und seinen eigenen Ehrbegriff in Frage stellt. Für mich ist genau das das zentrale an Rokugan, dass das so in den Mittelpunkt des Spiels gestellt wird.

Gut - so gesehen valide Punkte. Ist vielleicht auch eine Sache der subjektiven Wahrnehmung oder der Edition. L5R ist für mich halt eines der Systeme, bei der mir das dem Setting enthaltene, xenophobische mithin am stärksten sauer aufstößt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 15:20
Hast du auch Quellen? Ich habe nach der Aussage gesucht und keinen einzigen Artikel gefunden, wo diese als Quelle der Kritik benannt wurde (meinetwegen Antwort auch drüben in "Sehen").

Zeit-Online:
https://www.zeit.de/kultur/film/2018-08/ruby-rose-batwoman-minderheiten-hollywood-lgbtq

und der Podcast Laesterschwestern fällt mir da spontan noch ein. Aber wie gesagt: Du findest das wichtig, grundsätzlich ist es ziemlich egal aus welcher Richtung sowas kommt.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Turgon am 19.12.2019 | 15:23
L5R ist für mich halt eines der Systeme, bei der mir das dem Setting enthaltene, xenophobische mithin am stärksten sauer aufstößt.
Ja, die Gesellschaft in L5R ist xenophob, chauvinistisch, extrem hierarchisch. Als SC steht man idR weit über der normalen Bevölkerung, die man durchaus wie Dreck behandeln kann. Dabei ist man selbst allerdings einem starren Korsett an Regeln unterworfen, an denen man sich selbst immer wieder stößt. IMHO ist eine der Ziele des Settings, dass man das ganze (als Spieler) hinterfragt und dann seine Figur bewusst handeln lässt, da praktisch jede Handlung in der ein oder anderen Weise regeltechnisch(!) Auswirkungen hat. Das habe ich so noch bei keinem anderen RPG gesehen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 15:25
Okay, was darf man Autoren deiner Meinung nach eigentlich überhaupt noch "unterstellen"? Daß sie das, was sie geschrieben haben, auch wirklich selber so geschrieben haben, wie es dann dasteht -- oder sollen sie auch in der Hinsicht von vornherein über jeden Verdacht erhaben sein? wtf?

Bei solchen Fragen frage ich mich schon wieder warum ich überhaupt was zu dem Thema geschrieben habe  ::) Danke, bin raus.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 15:31
Okay, was darf man Autoren deiner Meinung nach eigentlich überhaupt noch "unterstellen"? Daß sie das, was sie geschrieben haben, auch wirklich selber so geschrieben haben, wie es dann dasteht -- oder sollen sie auch in der Hinsicht von vornherein über jeden Verdacht erhaben sein? wtf?
Du darfst theoretisch alles unterstellen.
Die Frage ist, ob du es machst.
Und wie.

Du kannst sagen: "Du hast den Eindruck gewonnen, aus folgendem Grund. (Sollte halt auch einen geben)."
Ob es wirklich so ist, weiß häufig nur der, der rückwirkend  in den Kopf des Autors sehen kann. Also keiner.

Doch wird die Kritik ja häufig nicht mal mehr als Vermutung geäußert, sondern als bereits feststehendes Resultat.
Es werden also keine Mutmaßungen mehr ausgesprochen, sondern gleich Urteile verhängt.

Dagegen kann sich der Beschuldigte nur schwer wehren.
Und was, wenn man doch falsch liegt?
Keine Angst vorhanden, dass es doch einen Unschuldigen trifft?
Keine Zweifel, dass man sich in seiner Einschätzung auch geirrt haben kann?
Keine Furcht dem anderen erheblichen Schaden zu zufügen?

Ich hätte die.








Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: takti der blonde? am 19.12.2019 | 15:32
Okay, was darf man Autoren deiner Meinung nach eigentlich überhaupt noch "unterstellen"? Daß sie das, was sie geschrieben haben, auch wirklich selber so geschrieben haben, wie es dann dasteht -- oder sollen sie auch in der Hinsicht von vornherein über jeden Verdacht erhaben sein? wtf?

Hi. Willkommen im postmodernen Literaturdiskurs. :)

Grüße

Hasran
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 19.12.2019 | 15:32
Bei solchen Fragen frage ich mich schon wieder warum ich überhaupt was zu dem Thema geschrieben habe  ::) Danke, bin raus.

Nun, wenn deiner Meinung nach Rollenspielautoren unbekannterweise weder bewußt noch unbewußt rassistisch sein "dürfen", weil das ja 'ne gaaanz fiese Unterstellung wäre...dann müßten eventuell doch vorhandene pro-rassistische Elemente in ihren Werken ja irgendwie komplett aus dem Nichts erschienen und unbemerkt in den Text gefallen sein. Und das scheint mir dann doch von allen noch die am allerwenigsten glaubhafte Option.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 15:36
Du darfst theoretisch alles unterstellen.
Die Frage ist, ob du es machst.
Und wie.

Du kannst sagen: "Du hast den Eindruck gewonnen, aus folgendem Grund. (Sollte halt auch einen geben)."
Ob es wirklich so ist, weiß häufig nur der, der rückwirkend  in den Kopf des Autors sehen kann. Also keiner.

Doch wird die Kritik ja häufig nicht mal mehr als Vermutung geäußert, sondern als bereits feststehendes Resultat.
Es werden also keine Mutmaßungen mehr ausgesprochen, sondern gleich Urteile verhängt.

Dagegen kann sich der Beschuldigte nur schwer wehren.
Und was, wenn man doch falsch liegt?
Keine Angst vorhanden, dass es doch einen Unschuldigen trifft?
Keine Zweifel, dass man sich in seiner Einschätzung auch geirrt haben kann?
Keine Furcht dem anderen erheblichen Schaden zu zufügen?

Ich hätte die.


 :d
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 19.12.2019 | 15:42
Ich denke, das Problem ist, dass manche Leute einen Diskussionsverbot erteilen wollen, wenn man potentiell problematische Darstellungen ansprechen will. Das ist gar nicht zielführend.

Wenn ich z.B. das Gefühl habe, dass eine Darstellung rassistisch erscheint, dann werde ich das in der von mir verfassten Rezension, oder in meinen Forenbeiträgen wohl erwähnen dürfen, oder? Aber leider sind dann genau die Leute, die sonst so für "Free Speech" aufstehen, ganz plötzlich der Meinung, dass man da gefälligst den Mund zu halten habe. Ich verstehe diese Sprechverbote nicht.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Swafnir am 19.12.2019 | 15:52
Ich denke, das Problem ist, dass manche Leute einen Diskussionsverbot erteilen wollen, wenn man potentiell problematische Darstellungen ansprechen will. Das ist gar nicht zielführend.

Wenn ich z.B. das Gefühl habe, dass eine Darstellung rassistisch erscheint, dann werde ich das in der von mir verfassten Rezension, oder in meinen Forenbeiträgen wohl erwähnen dürfen, oder? Aber leider sind dann genau die Leute, die sonst so für "Free Speech" aufstehen, ganz plötzlich der Meinung, dass man da gefälligst den Mund zu halten habe. Ich verstehe diese Sprechverbote nicht.

Lies was Issi schreibt: Ansprechen ist in Ordnung. Direkt urteilen eben nicht.

Ich finds krass, dass du gleich mit einer Sprachverbotskeule kommst  :q.


@Mods: Ich meld das hier mal selbst. Wir sind im Speakers Corner angekommen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 15:52
Ich denke, das Problem ist, dass manche Leute einen Diskussionsverbot erteilen wollen, wenn man potentiell problematische Darstellungen ansprechen will. Das ist gar nicht zielführend.

Wenn ich z.B. das Gefühl habe, dass eine Darstellung rassistisch erscheint, dann werde ich das in der von mir verfassten Rezension, oder in meinen Forenbeiträgen wohl erwähnen dürfen, oder? Aber leider sind dann genau die Leute, die sonst so für "Free Speech" aufstehen, ganz plötzlich der Meinung, dass man da gefälligst den Mund zu halten habe. Ich verstehe diese Sprechverbote nicht.

Sprechverbote sind Quatsch.
Bei Kritiken macht ja auch der Ton die Musik.
Formuliere ich lediglich meine Empfindungen und Eindrücke ? Oder fälle ich  ein unumstössliches Urteil, das über jeden Zweifel erhaben ist?

Ersteres lässt einen Austausch noch zu.
Zweiteres nicht.

Ist das Urteil erst gefällt, geht es weniger um echte Kommunikation, sondern um Verteidigung, und untermauern von Beweisen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 19.12.2019 | 15:55
Sprechverbote sind Quatsch.
Bei Kritiken macht ja auch der Ton die Musik.
Formuliere ich lediglich meine Empfindungen und Eindrücke oder fälle ich  ein unumstössliches Urteil, das über jeden Zweifel erhaben ist?

Ersteres lässt einen Austausch noch zu.
Zweiteres nicht.

Ist das Urteil erst gefällt, geht es weniger um echte Kommunikation, sondern um Verteidigung, und untermauern von Beweisen.

Und woran unterscheidest du, ob du nur den Eindruck hast, daß da jemand schon ein Urteil gefällt hätte, oder ob das schon seinerseits dein eigenes unumstößliches Urteil ist? ;)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 19.12.2019 | 16:00
Und woran unterscheidest du, ob du nur den Eindruck hast, daß da jemand schon ein Urteil gefällt hätte, oder ob das schon seinerseits dein eigenes unumstößliches Urteil ist? ;)
Ich bin mir sicher, es würde Dir auch auffallen, würdest du selbst abgeurteilt werden.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: tartex am 19.12.2019 | 16:00
Ich versuche auch im echten Leben immer zu sagen "mir gefällt diese Musik nicht, weil" statt "diese Musik ist Scheiße, weil".  ;D

30 Jahre Stammtischstreitereien über Kultur haben mich gelernt diesen doppelten Boden schon allein zu Selbstschutzzwecken nie aufzugeben.  >;D
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: General Kong am 19.12.2019 | 16:01
Wot?  :o In der Welt von Deadlands wird Sklaverei in der Konföderation im Jahre 1877(!) abgeschafft - d.h. 20 Jahre, nachdem Afroamerikanern innerhalb der USA Rechte zugesprochen wurden, welche die Sklaverei verhindern sollten und 17 Jahre nach der Sezession. Während Afroamerikaner in den Nordstaaten schon länger frei sind, ist das im Süden eine Neuerung.

Wie gesagt: die Abschaffung der Sklaverei erfolgte 17 Jahre nach der Sezession des ersten Bundesstaates. Auch wenn damit einer der wesentlichen Kriegsgründe vom Tisch war, war die Situation zu diesem Zeitpunkt schon zu verfahren (und die politische Realität der zwei Amerikas zu gefestigt), um einfach zu sagen "Nee, wir kommen jetzt wieder zusammen."

Deadlands: Reloaded (deutsche Ausgabe), S. 35:
"Die Regierung Davis willigte ein, und am 9. April 1865 wurden alle Sklaven der Konföderierten Staaten von Amerika befreit. Aus Angts sienen moralische Überlegenheit einzubüßen, ließ Abraham Lincoln seiner früheren Emanzipationsproklamation (...) racsh einenn Entwurf für den 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika folgen, der (...) Ende des Jahres 1865 ratifiziert (wird). 1879 gehört der Rassismus im Unheimlichen Westen allmählich der Vergangenheit an."

Die Konföderation befreit die Sklaven als erste Seite in Deadlands:Reloaded. Im 19. Jahre der Sezession gibt es im Weird West fast keinen Rassimus mehr, ist er nur noch eine überkommende Erinnerung.

Vielelicht ist da eine Veränderung vorgenommen worden, aber so steht es im Spielerhandbuch.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 16:10
OK, das ist etwas früher...aber das Dred-Scot-Urteil war eben schon vorher, der Sklavenhandel in der Union war bereits seit 1850 verboten...die Aktion von Lincoln war also nur eine Formalität.

Die Südstaaten waren also in Deadlands die ersten, welche die Sklavenbefreiung zu einem Akt der Exekutive gemacht haben...während es in der Union auf judikativer Ebene schon lange eine Realität war.

EDIT: der 13. Zusatzartikel wurde das erste Mal im April 1864 vorgestellt - daraus eine Reaktion auf die Aktion der Konföderation zu machen, funktioniert also eigentlich nicht wirklich.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 19.12.2019 | 16:14
Nehmen wir mal das Beispiel der Vergessenen Reiche (oder eines beliebigen anderen D&D-Settings): weiße Kulturen finden sich auf dem ganzen Kontinent verteilt, aber nicht-weiße sind meist auf ein bestimmtes Land beschränkt, welches dann als "das exotisierende" Land charakterisiert ist. Selbst bei relativ nahe beeinander liegenden Ländern (oder stärkeren kulturellen und wirtschaftlichen Austausch durch überlegene Reisemöglichkeiten - siehe Splittermond) bleiben die Länder weitgehend homogen.

Das ist schon ein ziemliches "wegdrücken".

In einer Welt ohne umfangreiche Migration bleiben die Länder eben auch weitgehend homogen - doppelt, wenn an schon eh nur im üblichen Rollenspielmaße abstrahierend unterwegs ist.
Und wo es diese Großmigrationen gibt, sind Konflikte und folgend negative Zuschreibungen das übliche nächste, was passiert.   

Nein, so explizit ist es nicht.

Aber wenn die Kampagne ist dann halt nicht in diesem Land spielt, dann ist man halt "der Exot". Und man hat weniger Anbindung an den Rest des Settings (was Menschen aus Kara-Tur oder Zakharia über Elfen und Zwerge denken wird z.B. nicht wirklich klar gemacht - weil diese Kulturen zu den "westlichen" Kulturen gehören).

Damit hat man schon Nachteile, weil weniger Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Charakters (welche ein Charakter, der z.B. von der Schwertküste kommt, nicht hat).

Wenn du irgendwo fern der heimat bist, bist du immer der Exot, auch der Schwertküstenmensch in Karatur.

Ich versuche auch im echten Leben immer zu sagen "mir gefällt diese Musik nicht, weil" statt "diese Musik ist Scheiße, weil".  ;D

30 Jahre Stammtischstreitereien über Kultur haben mich gelernt diesen doppelten Boden schon allein zu Selbstschutzzwecken nie aufzugeben.  >;D

Die Zuschreibung eines -ismus ist aber nun keine persönliche und nebenwirkungsfreie Geschmackssache - egal wie viel imo etc daran hängt.
Das heißt nicht, dass diese Aissage falsch seinmuss, aber ich sehe mit dem zusätzlichen Gewicht auch die Verantwortung des "weils", damit ein dritter dann mindest einen Anhaltspunkt hat diese Aussage zu bewerten bzw. der letztlich doch so Angegriffene einen Gegenbeweis zu versuchen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 19.12.2019 | 17:06
Kennst Du auch tatsächlich ein Setting, bei dem nur Menschen mit einer bestimmten Hautpigmentierung als Spielerfigur zur Verfügung stehen?
(Ich nämlich nicht)

Wenn Menschen vorkommen, was fast immer der Fall ist, sind für gewöhnlich auch alle Haut und Haarfarben bereits mit im Paket.
;D also weil ich sie gerade greifbar habe: Sword &Wizardry und Astonishing Swordsmen and Sorcerers of Hyperboria sind weiß, so weit das Auge reicht. Sind siiiiicher totale Ausnahmen.

Ich bin ja auch gar nicht der, der das grundsätzlich verteufelt. Wenn ich aus einem Kaff in England (oder sonstwo) komme und nur hellhäutige Menschen kenne, zeichne ich halt so auch erstmal die Illus in meinem Dungeoncrawler. Oder wenn ich ein Wikingerspiel mache.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 19.12.2019 | 17:28
In einer Welt ohne umfangreiche Migration bleiben die Länder eben auch weitgehend homogen - doppelt, wenn an schon eh nur im üblichen Rollenspielmaße abstrahierend unterwegs ist.

Innerhalb von geographisch eng zusammenliegenden Gebieten ist Migration unvermeidlich. Und wenn man eben seinen Fantasy-Kongo (Chult) nur durch einen Ärmelkanal von seinem Fantasy-Mitteleuropa trennt, oder sein Fantasy-Ägypten (Mulhorand) direkt neben der Fantasy-Mongolei platziert, dann kommt das schonmal vor, dass die aus der realen Welt importierte Trennung zwischen den Volksgruppen nicht mehr funktioniert.

Wenn es dann noch Handelsrouten gibt, die einmal quer über den Kontinent verlaufen, dann ist es um so verwunderlicher, dass sich da nichts tut.

Zitat
Und wo es diese Großmigrationen gibt, sind Konflikte und folgend negative Zuschreibungen das übliche nächste, was passiert.

Großmigrationen (bzw. ständige Migrationen) waren die Norm in den Gebieten, wo heute Grenzen verlaufen. Der Staatsbegriff wurde ja erst im 19. Jahrhundert erfunden, vorher war das eher fließender. Großmigrationen über größere Entfernungen gab es vorher auch schon, es hat aber idR nicht so einen großen Unterschied gemacht, ob die Neulinge in der Gegend "von der anderen Seite des Flusses" kamen oder "aus einem fernen Land, mehrere Wochen Fußmarsch von hier entfernt".

Zitat
Die Zuschreibung eines -ismus ist aber nun keine persönliche und nebenwirkungsfreie Geschmackssache - egal wie viel imo etc daran hängt.

Richtig. Ebensowenig wie das Pochen auf "historischen Realismus" eine nebenwirkungsfreie Geschmacksfrage ist. Gewisse Konsequenzen muss man immer einkalkulieren.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 09:00
;D also weil ich sie gerade greifbar habe: Sword &Wizardry und Astonishing Swordsmen and Sorcerers of Hyperboria sind weiß, so weit das Auge reicht. Sind siiiiicher totale Ausnahmen.
Interessant

Kurioserweise habe ich es häufig erlebt, dass Spieler es lieben die großen Ausnahmen zu spielen.
Also Figuren, die in der Region was Besonderes sind.
Den Held aus der Wüste am Nordpol, den vom Nordpol in der Wüste, den Kung Fu Meister bei den Wikingern... usw.
Insofern gibt es auch Spieler (vielleicht mit kleiner Snowflake Tendenz   ~;D), die das echt genießen. :D

Zu historischer Korrektheit. - Das kann natürlich (Je nachdem, was man damit zu begründen sucht) auch ein Scheinargument sein. Und gerade weibliche SC sollten in solchen Settings ihren Spielern Zuliebe eine Sonderrolle einnehmen dürfen.

Dennoch kann ich verstehen, wenn man (davon ab). zumindest die Stimmung einer vergangenen Zeit im Setting haben möchte.
Wenn jetzt in Pendragon z. B. einfach alles modern und hipp wäre, sämtliche Konflikte, die es zu der Zeit vielleicht gab (z. B. Hierachische Gesellschaft -Adel, Könige, usw.)   nicht existent, dann bricht das Setting irgendwann mit dem Genre- Historisch.
Und das ist ja auch nicht zielführend.

Da ist es vermutlich die Kunst die Stimmung eines altes Settings zu erhalten, und es dennoch gut spielbar zu machen.

Im echten Mittelalter würden die meisten Spieler vermutlich ohnehin doof aus der Wäsche schauen.
Was man im Rollenspiel  so spielt, sind ja mehr die Film und Feierabend Settings mit Prinz Eisenherz und Helden in Strumpfhosen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 20.12.2019 | 10:40
Im echten Mittelalter würden die meisten Spieler vermutlich ohnehin doof aus der Wäsche schauen.
Was man im Rollenspiel  so spielt, sind ja mehr die Film und Feierabend Settings mit Prinz Eisenherz und Helden in Strumpfhosen.

Womit sich dann das ganze "aber historisch korrekt!"-Argument ohnehin sauber ins Knie geschossen haben dürfte. ;) (Ganz davon abgesehen, daß ja auch die Historiker selbst nie mit letzter Sicherheit wissen können, was ihnen vielleicht an Ausnahmen durchs Netz der oft eher spärlichen noch erhaltenen Belege geschlüpft sein mag. Die Zeitmaschine, mit der man beliebig zurückschauen und sicherstellen könnte, daß im Jahre XYZ am Ort Weißnichtwo auch garantiert alles so gelaufen ist, wie es heutzutage in den Büchern steht, ist ja noch nicht erfunden.)
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 20.12.2019 | 10:45
Ja, das ist aber auch nicht erheblich. Dass es im vorchristlichen Schweden wenig Dunkelhäutige und im Australien des 15. Jahrhunderts wenig Hellhäutigen hab, braucht man dennoch nicht anzuzweifeln. Nur am mal wieder zu dem Inklusivitätsthema zu kommen.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 10:54
Womit sich dann das ganze "aber historisch korrekt!"-Argument ohnehin sauber ins Knie geschossen haben dürfte. ;) (Ganz davon abgesehen, daß ja auch die Historiker selbst nie mit letzter Sicherheit wissen können, was ihnen vielleicht an Ausnahmen durchs Netz der oft eher spärlichen noch erhaltenen Belege geschlüpft sein mag. Die Zeitmaschine, mit der man beliebig zurückschauen und sicherstellen könnte, daß im Jahre XYZ am Ort Weißnichtwo auch garantiert alles so gelaufen ist, wie es heutzutage in den Büchern steht, ist ja noch nicht erfunden.)
Ich bin kein Historiker. Aber ich könnte bei Gelegenheit mal ein paar anhauen, wie es mit der Faktenlage so aussieht.
Wenn man sich Filme und Bücher anschaut, wird da natürlich auch ein Bild einer Zeit gezeichnet, an dem man sich, zumindest als Zuschauer/Leser/Spieler orientiert.
Jetzt bespielt Rollenspiel ja häufig Welten wo sich die Märchenwelt und die historischen Filmwelten  Guten Tag sagen.
Letztere wurden sicher auch häufig nicht ohne jede Recherche gedreht.
Und ich denke aus diesen Eindrücken speisen sich auch die Erwartungen.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 20.12.2019 | 10:58
Ja, das ist aber auch nicht erheblich. Dass es im vorchristlichen Schweden wenig Dunkelhäutige und im Australien des 15. Jahrhunderts wenig Hellhäutigen hab, braucht man dennoch nicht anzuzweifeln. Nur am mal wieder zu dem Inklusivitätsthema zu kommen.

Der zweiten Aussage würde ich einigermaßen zustimmen, bei der ersten gibt's aus meiner Sicht zur Not noch Platz zur Lücke -- Handel über ganz Europa weg betrieben haben die Leute ja schon in der Steinzeit, da kann sich dann auch schon mal jemand aus Afrika oder (gerade) dem Mittelmeerraum zur passenden Zeit nach Schweden verirrt haben. :)

Aber abgesehen davon ist Inklusivität ja nicht einfach nur eine Frage der Hautfarbe allein, auch wenn das der Punkt zu sein scheint, der diesen Faden generell dominiert. Historische oder anderweitige "Korrektheit" wird ja beispielsweise auch gerne mal in Bezug auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft in den Mund genommen, und XX-Chromosomenträger gibt's nun wirklich weltweit...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: ChaosZ am 20.12.2019 | 11:13
Weitreichender Handel ist seit der Steinzeit belegt, auch größere Bevölkerungsmigrationen hat es Schubweise immer wieder gegeben.

Möchte man in einem historischen Setting der realen Welt spielen, so muss man sich eingestehen, dass keiner dies auch abbilden kann. In einem Wikingersetting können allerlei Menschen anderer Herkunft auftauchen, das liegt daran, dass die Wikinger/bzw. Nordischen Völker lange Handelsreisen oder Raubzüge unternahmen, u.a. kamen sie bis Byzanz, besiedelten die Kiewer Rus und kamen über Großbritannien und Island bis zum amerikanischen Kontinent. Auch das Frankenreiche bzw. das Heilige Römische Reich (früheres Ostfrankenreich) waren Ziele. Sklaven, verschleppte Gelehrte und Geistliche aber auch Händler kamen so nach Skandinavien, dass der abgeschieden lebende Bauer Sven Erikson davon nichts mitbekam, liegt an der dünnen Besiedlung und der langsamen Informationsübermittlung.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 20.12.2019 | 14:08
Richtig. Ebensowenig wie das Pochen auf "historischen Realismus" eine nebenwirkungsfreie Geschmacksfrage ist. Gewisse Konsequenzen muss man immer einkalkulieren.

Der Vorwurf eines -ismus ist ein direkter und scharfer persönlicher Angriff auf denjenigen, dem das vorgeworfen wird.
Wo soll da die Parallele zu einemm "Pochen auf historischen Realismus" sein?

Und was für Konsequenzen "muss man einkalkulieren"?

Wo man drüber diskutieren kann ist in wie weit historische Vorlagen in einem nicht direkt historischen Setting noch passen oder nicht. Aber das wäre Grund für eine Sachdiskussion, kein Anlass für eine Hexenjagd.

Der zweiten Aussage würde ich einigermaßen zustimmen, bei der ersten gibt's aus meiner Sicht zur Not noch Platz zur Lücke -- Handel über ganz Europa weg betrieben haben die Leute ja schon in der Steinzeit, da kann sich dann auch schon mal jemand aus Afrika oder (gerade) dem Mittelmeerraum zur passenden Zeit nach Schweden verirrt haben. :)

Sind theoretisch möglich bzw. spielbarer Exotenstatus reicht ja offenbar auch nicht, um die PC-Anforderungen zu erfüllen.

Aber abgesehen davon ist Inklusivität ja nicht einfach nur eine Frage der Hautfarbe allein, auch wenn das der Punkt zu sein scheint, der diesen Faden generell dominiert. Historische oder anderweitige "Korrektheit" wird ja beispielsweise auch gerne mal in Bezug auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft in den Mund genommen, und XX-Chromosomenträger gibt's nun wirklich weltweit...

Und zumindest Geschlechterrollen wenn nicht gar Unterdrückung scheint auch weltweit verbreitet zu sein.
Das ist als Argument eher lausig. Da könnte man eher überlegen, in wie weit potentiell geschlechtsunabhängiger Zugang zu Magie oder klerikalen Effekten aber auch die in den meisten Spielwelten deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit bis zu erwartende Gewohnheit spontan auf Monster oder andere Gefahren zu treffen gegen welche die formellen Kräfte üblicherweise nicht rechtzeitig eingreifen können zu einer generellen Wehrertüchtigung für alle Mitglieder einer Gemeinschaft führen dürfte.
Völkerwanderung über wilder Westen bis hin zu Israel zeigen dann ja ähnliche, emanzipatorischere Muster. 






Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 20.12.2019 | 14:25
Der Vorwurf eines -ismus ist ein direkter und scharfer persönlicher Angriff auf denjenigen, dem das vorgeworfen wird.
Wo soll da die Parallele zu einemm "Pochen auf historischen Realismus" sein?

Der Ton macht die Musik.

Wenn ich schreibe "Ich finde es schade, dass das Setting unterschwellig einige sehr überkommene kolonialistische Klischees wiederholt", dann ist das KEIN persönlicher Angriff.

Wenn ich aber schreibe (wie ich es schon oft gelesen habe) "Der Autor versucht uns weiszumachen, dass eine Kavallerie nur aus Frauen funktionieren kann, was für ein himmelschreiender Unsinn (hat der überhaupt schonmal auf einem Pferd gesessen)?" dann ist das sehr wohl einer.

Es besteht in diesem Gebiet oft die Tendenz, Meinung als Sachlichkeit auszugeben (siehe auch ein Großteil der "Debatten" auf der rpgsite).
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 20.12.2019 | 14:40
Der Ton macht die Musik.

Wenn ich schreibe "Ich finde es schade, dass das Setting unterschwellig einige sehr überkommene kolonialistische Klischees wiederholt", dann ist das KEIN persönlicher Angriff.

Wenn ich aber schreibe (wie ich es schon oft gelesen habe) "Der Autor versucht uns weiszumachen, dass eine Kavallerie nur aus Frauen funktionieren kann, was für ein himmelschreiender Unsinn (hat der überhaupt schonmal auf einem Pferd gesessen)?" dann ist das sehr wohl einer.

Es besteht in diesem Gebiet oft die Tendenz, Meinung als Sachlichkeit auszugeben (siehe auch ein Großteil der "Debatten" auf der rpgsite).

Die angegebenen Details/Begründungen zu dem Vorwurf machen meines Erachtens die Musik.

In beiden Fällen oben sehe ich zumindest grob, wo das Urteil herkommt.
In "ich finde das Setting rassistisch" udn ggf. bloss ein allgemeiner Verweis nur auf "Klischees" bietet das so nicht. 

Wenn mir das wichtig erscheint kann ich mit solchen Hinweisen/Begründungen sachbezogen nachfragen, statt jetzt nur auf der "politischen Metaebene" alles an dem -ismus und folgend Glauben oder Unglauben aufhängen zu müssen.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 20.12.2019 | 14:47
Um Glauben/Unglauben geht es ja gerade bei den Hobby-"Historikern" - wofür sie keine Belege haben, das wird erstmal angezweifelt (und das auch nicht in einer neutralen Weise, sondern in einer Weise, welche dem Gegenüber die Intelligenz abspricht).

Zitat
In "ich finde das Setting rassistisch" udn ggf. bloss ein allgemeiner Verweis nur auf "Klischees" bietet das so nicht.

In diesen Fällen kann man zumindest (sachlich!) nachfragen, was genau jetzt als rassistisch und klischeehaft empfunden wird (wenn das nicht schon in der Review drin steckt), statt sich selbst gleich auf die politische Metaebene zu katapultieren und den Vorwurf grundsätzlich abzukanzeln.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Isegrim am 20.12.2019 | 15:01
Könnten wir mal aufhören, hier brutal auf i-welche Strohleute einzudreschen? Welche "Hobby-Historiker"? Wer hält reine Frauen-Kavallerie für unmöglich?

Ansonten fühle ich mich befleißigt, darauf hinzuweisen, dass es in Haithabu keine China Town gab, egal, was i-welche (vermutlich fiktiven) Diversitäts-Fanatiker mir erzählen wollen...
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 20.12.2019 | 15:05
Um Glauben/Unglauben geht es ja gerade bei den Hobby-"Historikern" - wofür sie keine Belege haben, das wird erstmal angezweifelt (und das auch nicht in einer neutralen Weise, sondern in einer Weise, welche dem Gegenüber die Intelligenz abspricht).

In diesen Fällen kann man zumindest (sachlich!) nachfragen, was genau jetzt als rassistisch und klischeehaft empfunden wird (wenn das nicht schon in der Review drin steckt), statt sich selbst gleich auf die politische Metaebene zu katapultieren und den Vorwurf grundsätzlich abzukanzeln.

Wer den Vorwurf erstellt, der steht auch in der Pflicht ihnzu belegen.
Doppelt, weil man so selbst auch nur abstrakt bleiben kann und damit es bei dem Status Glauben vs Unglauben bleibt und es für den Vorwerfenden nebenbei auch keinen Anlass gibt sich doch noch auf die Sachebene zu begeben statt dessen dann auf der politischen Metaebene weitergearbeitet werden kann. (Bsp: Wer das Problem nicht selbst sieht, muss Teil des Problems sein ...")

Nebenbei: drüben auf rpg.net wird gar das Nachfragen selbst schon aus "Opferschutz" unter Strafe gestellt.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 15:16
Wenn ich der beschuldigte Autor wäre, würde ich mir vermutlich auch wünschen, dass der Derjenige, der kritisiert, seine Kritik konkretisiert, damit ich weiß, was genau  bei ihm persönlich den Eindruck erweckt hat.

Kleine Beispiele wäre da hilfreich oder Textstellen. Dann kann der Autor auch darauf eingehen.
Und nicht nur der Autor. Auch andere Leser können Feedback geben, wie sie das wahrnehmen.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 20.12.2019 | 15:22
Zitat
Könnten wir mal aufhören, hier brutal auf i-welche Strohleute einzudreschen? Welche "Hobby-Historiker"? Wer hält reine Frauen-Kavallerie für unmöglich?

Der RPGPundit z.B., in seinem "Review" zu REIGN damals.

Zitat
Wer den Vorwurf erstellt, der steht auch in der Pflicht ihnzu belegen.

Problematisch, wenn die Belege grundsätzlich angezweifelt und die Torpfosten verschoben werden. Wenn man also sagt "Ich finde 'verlorene Städte' ein problematisches kolonialistisches Klischee, weil..." erstmal ganz andere Sachen ausgepackt werden, die gar nichts damit zu tun haben.
Titel: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 20.12.2019 | 15:24
Wenn ich der beschuldigte Autor wäre, würde ich mir vermutlich auch wünschen, dass der Derjenige, der kritisiert, seine Kritik konkretisiert, damit ich weiß, was genau  bei ihm persönlich den Eindruck erweckt hat.
Ja, duh...

Es sagt doch niemand hier dass „Das ist rassistisch!“ „Was ist denn genau rassistisch?“ „Das sage ich dir nicht!“ ein eleganter Diskurs wäre.

Auf der anderen Seite gibt es Dimensionen des Begriffs, die klar genug sind, dass man nicht ständig dran rumerklären muss. Wenn mir ein Spiel eine Karikatur eines jüdischen Menschen vor die Nase hält, auf der der eine Hakennase hat und einen Sack mit einem Dollarzeichen drauf herumträgt, (oder das textliche Äquivalent zu so einer Karrikatur), dann muss ich im deutschen Kulturkreis einfach keine langen Ausdefinitionen machen. Dann ist das antisemitisch, no questions asked.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 15:31
Ja, duh...

Es sagt doch niemand hier dass „Das ist rassistisch!“ „Was ist denn genau rassistisch?“ „Das sage ich dir nicht!“ ein eleganter Diskurs wäre.

Auf der anderen Seite gibt es Dimensionen des Begriffs, die klar genug sind, dass man nicht ständig dran rumerklären muss. Wenn mir ein Spiel eine Karikatur eines jüdischen Menschen vor die Nase hält, auf der der eine Hakennase hat und einen Sack mit einem Dollarzeichen drauf herumträgt, (oder das textliche Äquivalent zu so einer Karrikatur), dann muss ich im deutschen Kulturkreis einfach keine langen Ausdefinitionen machen. Dann ist das antisemitisch, no questions asked.
Was kostet es denn, es zu konkretisieren ?
Ein... "Also wenn Du Dir selbst nicht erklären kannst, was ich an deinem Produkt Scheiße finde! Dann kann Dir sowieso niemand mehr weiterhelfen! "
- ist verweigerte Kommunikation
(Selbst in so einem glasklaren Fall, wie diesem.)
Wenn es denn schon so glasklar ist, dann kann man es doch umso leichter benennen und belegen.
Und es wird vermutlich auch  kein Problem sein, ähnliche Wahrnehmungen von Dritten zu finden.
Kein Grund die Kommunikation zu verweigern.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 20.12.2019 | 15:33
Der RPGPundit z.B., in seinem "Review" zu REIGN damals.

Problematisch, wenn die Belege grundsätzlich angezweifelt und die Torpfosten verschoben werden. Wenn man also sagt "Ich finde 'verlorene Städte' ein problematisches kolonialistisches Klischee, weil..." erstmal ganz andere Sachen ausgepackt werden, die gar nichts damit zu tun haben.

Bloss weil man ein Argument anführt, heißt das eben nicht, dass es auch so von anderen so akzeptiert werden muss.
Und Torpfostenverschieben wäre dannja etwas, was man selbst wiederum benennen könnte und damit aufzeigen, dass die Gegenseite gerade kein stichhaltiges Argument geliefert hat.

Im Zweifel kann man ein überzeugtes Gegenüber vielleicht nicht erreichen, aber die dann relevante Entscheidung über die angeführten Argumente treffen dann die außenstehenden neutralen Dritten.





Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Jiba am 20.12.2019 | 15:46
Bloss weil man ein Argument anführt, heißt das eben nicht, dass es auch so von anderen so akzeptiert werden muss.

Und wer entscheidet, ob ein Argument valide ist?

Da bist du doch dann im Bereich "Deutungshoheit beanspruchen". Und die beansprucht doch in der Regel die Gruppe erfolgreich, die gesellschaftlich eher "in control", in einer relativen Machtposition... einer der Hauptgründe, warum gute Argumente von unterdrückten Gruppen nicht gehört werden oder ideologisch abgebügelt werden.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 16:06
Und wer entscheidet, ob ein Argument valide ist?
Naja, die Frage ist doch vor Allem,  was willst Du als Kritiker damit erreichen?
Was ist dein Ziel?
Wenn es dein Ziel ist, dass der Autor deine Meinung und Argumente wirklich überdenkt,  dann ist es weder ratsam ihn gleich vor den Kopf zu stoßen, noch ihm die konkreten Gründe, für deine Kritik vorzuenthalten.
Sondern am Besten schilderst Du ihm, wie es Dir damit geht, wie es bei Dir ankommt.
(Selbst wenn jmd daraufhin in Verteidigungshaltung geht, um sein Werk zu schützen, hast du dennoch größere Chancen, das doch was hängen bleibt. Und das evtl. in Zukunft Einfluss hat )

Wenn es dein Ziel ist ihm nur noch eins reinzuwürgen (Weil dein Urteil über ihn und sein Werk bereits ohne Austausch gefällt ist), dann kannste natürlich auch jede Kommunikation verweigern.
Nur wirst du  dann, außer, dass er dich sehr wahrscheinlich  für gemein hält,  auch nichts weiter bewirken.



Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: nobody@home am 20.12.2019 | 16:13
Naja, die Frage ist doch vor Allem,  was willst Du als Kritiker damit erreichen?
<schnipp>

Nun ja, vielleicht richtet sich die Kritik ja in erster Linie gar nicht mal so sehr an den Autor selbst und mehr an potentielle Käufer des betreffenden (ggf. Mach-)Werks, die an Meinungen und Rezensionen im Vorfeld eventuell auch dann noch Interesse haben könnten, wenn sie mal nicht ganz watteweich verpackt mit Ich-will-ja-bloß-keinem-wehtun-auch-wenn-ich-vielleicht-richtig-liege-Aufkleber daherkommen...ist natürlich nur so eine Idee von mir.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Alexandro am 20.12.2019 | 16:17
Vor allem finde ich es interessant, dass man einerseits wieder das große Feindbild einer "PC-culture" beschwört, wo sich die ganze Community zusammentut um bestimmte Argumente abzukanzeln, dann aber auf der anderen Seite die Validität bestimmter  Argumente (natürlich nur diejenigen, welche nicht mit Diversität zusammenhängen) dann dem Werturteil von "neutralen" Dritten (die natürlich nicht wirklich neutral sind, wenn man sich die realen Argumentationsstrukturen in den entsprechenden Communities anschaut) überlassen wird.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 20.12.2019 | 16:49
Und wer entscheidet, ob ein Argument valide ist?

Einen Führer, Generalsekretär des Zentralkomitees, oder Propheten der das von der Kanzel/lei herab bestimmen darf bzw. deren linientreue Leutnants besser nicht.
Also bleibt letztlich nur : jeder für sich nach der angenommenen Stichhaltigkeit der wahrgenommenen  Argumente - ja, fehlbar, aber letztlich genau die Basis der Demokratie.

Da bist du doch dann im Bereich "Deutungshoheit beanspruchen". Und die beansprucht doch in der Regel die Gruppe erfolgreich, die gesellschaftlich eher "in control", in einer relativen Machtposition... einer der Hauptgründe, warum gute Argumente von unterdrückten Gruppen nicht gehört werden oder ideologisch abgebügelt werden.

Jeder kann (und wird)  erst einmal seine Argumente vertreten. Hoheitsanspruch wird es dann, wenn versucht wird die Aussagen/Argumente anderer eben nicht mehr auf Argumentationsbasis zu begegnen, sondern auf moralisch/ideologischer Basis, der dann aus ebensolchen Gründennichtmehr wiedersprochen werden darf, oder zumindest auf der Basis verucht wird Denk- und Redeverbote zu erwirken.

Und wenn eine "unterdrückte" Gruppierung in einem System nicht zur Geltung kommt, kann das daran liegen, dass eben aus entsprechender idiologischer Behandlung (oder auch direkter Machtkontrolle über die Kommunikationskanäle) sie nicht dazu kommt ihre Argumente zu äußern bzw. diese auf dieser Metaebene kraft moralischer Deutungshoheit zerrissen werden - oder sie ggf. auch einfach keine stichhaltigen Argumente haben ... udn sie daher gerne selbst die Argumente der Gegenseite "abschalten" lassen würden.

Wesentlich ist also die Korrektheit des Verfahrens, nicht die Gewünschtheit des Ergebnisses, denn die wird je nach Position eh immer anders ausfallen, je nachdem wen man fragt.
 

Vor allem finde ich es interessant, dass man einerseits wieder das große Feindbild einer "PC-culture" beschwört, wo sich die ganze Community zusammentut um bestimmte Argumente abzukanzeln, dann aber auf der anderen Seite die Validität bestimmter  Argumente (natürlich nur diejenigen, welche nicht mit Diversität zusammenhängen) dann dem Werturteil von "neutralen" Dritten (die natürlich nicht wirklich neutral sind, wenn man sich die realen Argumentationsstrukturen in den entsprechenden Communities anschaut) überlassen wird.

PC-Culture ist eben die Zerschlagung der regulären Diskussion und (wenigstens der Versuch) der Ergebniserzwingung über moralische Selbsterhöhung statt einer Sache mit Argumenten zu begegnen.
Dabei tut sich eben nicht eine Cganze Community zusammen, sondern es wird wie beim Mobbing ein Klima der Angst und Ausgrenzung geschaffen (über den idiologischen Unterbau, der dann letztlich keine Sachfrage  richtig oder falsch stellt, sondern für "uns" oder gegen "uns", wobei "uns" von der Idiologie gekidnappt wurde), bis aller Widerspruch erstickt ist.

Und "Dritte" sind dann ja gerade nicht der einzelne Dritte, sondern die Gesamtheit der Zuhörer, die es dann mehrheitlich zu überzeugen gilt, um eine dann ggf. Entscheidung treffende Meinungsmehrheit zu erwirken.


Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 20.12.2019 | 17:00
Wenn mir etwas z. B. Frauenfeindlich vorkommen sollte, in der Form, dass ich mich unwohl fühle,  würde ich es einfach äußern,  und das unabhängig davon, was Dritte davon halten.
Der Grund, warum ich es konkretisiere, z. B. mit Textstellen, wäre der,  dass nur dann überhaupt die Chance besteht, dass auch andere meine Beweggründe nachvollziehen können. Auch der Autor.
Das bin ich dem Erschaffer eines Werkes zumindest schuldig,  egal wie schlecht ich es finde.
Auch, wenn niemand meine Argument nachvollziehen kann, habe ich sie zumindest geäußert.

Edit.
Was noch dazu kommt: Es kann ja sein, dass nur ein paar Textstellen unglücklich formuliert wurden, der Rest des Werkes aber Ok ist.  Das würde ich deshalb auch so zum Ausdruck bringen wollen.

Die Dritten sind idR. nicht alle neutral.
Jeder hat seine eigene Brille auf.
Und doch will ich anderen zumindest die Chance geben zu verstehen, was mir konkret aufgestossen ist.
Nichts desto trotz hilft es natürlich, wenn andere,  aufgrund meiner Ausführung nachvollziehen können, was ich meine.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 7.01.2020 | 16:54
Das bin ich dem Erschaffer eines Werkes zumindest schuldig,  egal wie schlecht ich es finde.
Wieso den das?
Die Person hat Geld dafür bekommen und man selbst etwas das man schlecht bis scheiße findet.
Die Schuldigkeit gegenüber dem Autor ist mit der Bezahlung oder bei freien Produkten dem Konsum getan.

Gerade wenn es nicht eine missverständliche Stelle ist, sondern deutlich mehr als eine oder eine überdeutliche.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 7.01.2020 | 16:59
Wieso den das?
Hinter dem Werk steht ein Mensch, den möchte ich achten, selbst wenn ich gänzlich anderer Meinung bin.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 7.01.2020 | 17:04
Hinter dem Werk steht ein Mensch, den möchte ich achten, selbst wenn ich gänzlich anderer Meinung bin.
Hinter den Leser*n und Spieler*n steht auch immer ein Mensch, die möchte ich auch geachtet sehen.
Wenn da ein anderer Mensch der Ansicht ist in dessen Richtung kacken zu müssen, teile ich das dem Scheißerle mit.

Zumal verschiedene Feindlichkeiten mitunter nicht sehr zweifelhaft oder subtil verpackt sind.
Am spontan wenigsten subtil bei bspw. Dingern wie Fatal (Frauen) oder RaHoWa ("Rassen").
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 7.01.2020 | 17:13
Zumal verschiedene Feindlichkeiten mitunter nicht sehr zweifelhaft oder subtil verpackt sind.
Am spontan wenigsten subtil bei bspw. Dingern wie Fatal (Frauen) oder RaHoWa ("Rassen").
Wenn ich es konkretisiere, besteht für den Autor die Möglichkeit sich ebenfalls konkret dazu zu äußern.
Und, wenn er das nicht tut, zumindest zu verstehen, was unangenehm aufgefallen ist.
(Manchmal hat jmd. einen blinden Fleck, nimmt etwas anders wahr als andere, und so ist ein Abgleich unterschiedlicher Wahrnehmungen auch möglich)

Selbst wenn ein  Autor  sich dessen bewusst sein sollte, möchte ich sowas dennoch konkret benannt haben.
Von diffusen Anschuldigungen halte ich nichts.
(Selbst bei Dingen die Vielen als offensichtlich aufstoßen).

Oder Anders: Ich möchte mir in Hinblick auf (in Texten verpackte)Unmenschlichkeit meine Menschlichkeit dennoch bewahren.
Und das gelingt mir am Besten, indem ich versuche, so gut es geht, den Menschen dahinter zu sehen.

Gewaltfreie Kommunikation beruht darauf.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 7.01.2020 | 17:28
Wenn ich es konkretisiere, besteht für den Autor die Möglichkeit sich ebenfalls konkret dazu zu äußern.
Der Autor hat sich schon konkret geäußert.

Bei Fatal beispielsweise dahingehend das Frauen weniger Intelligent sind als Männer und attraktiver werden wenn sie größere Brüste haben. Bei Racial Holy War dahingehend das verschiedene andere Gruppierungen von Menschen aufgrund ihrer Rasse - im Verständnis der Nazi-Ideologie - weniger wert, verkommen bis direkt böse sind.

Dahingehend zu unterstellen, dass die Autor*en sich nur nicht bewusst sind das es eine Abwertung respektive Feindlichkeit gegenüber Frauen respektive anderen Menschen darstellt, ist eine Entschuldigung des Autors für einen bewusst geschriebenen Text und eine Belastung gegenüber den Personen welche von der Abwertung bzw. Feindlichkeit betroffen sind.

Wenn es in einem Buch heißt "Waldmenschen sind größer bestückt als Andergaster", kann man sich sinnvoll bei dem Autor*en erkundigen, ob man sich des Klischees bewusst war respektive aufzeigen woher das Klischee kommt.
Wenn es in einem Buch heißt "Frauen kriegen eine rein defensive Kleriker Klasse, weil sie hauptsächlich auf bemuttern und heilen aus sind", dann bringt der Hinweis nichts. Ebenso wie man auch einer Wand erzählen kann, dass es im Mittelalter dokumentierte schwarze Nonnen gibt, wenn sich da wer meint im neusten Dracula drüber echauffiert das eine von etwa 10 oder 20 Nonnen Schwarz war.
Zitat
Selbst wenn ein  Autor  sich dessen bewusst sein sollte, möchte ich sowas dennoch konkret benannt haben.
Wieso das?
Wenn der Autor* sich dessen bewusst ist, stellt es lediglich eine Bestätigung der dargebrachten Weltsicht da.

Zitat
Von diffusen Anschuldigungen halte ich nichts.
Diffus ist lediglich deine These das man dem Autor aufgrund dessen Autorenschaft etwas schuldet bzw. eine Schuldigkeit abzuleisten hat.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Maarzan am 7.01.2020 | 17:33
Wieso den das?
Die Person hat Geld dafür bekommen und man selbst etwas das man schlecht bis scheiße findet.
Die Schuldigkeit gegenüber dem Autor ist mit der Bezahlung oder bei freien Produkten dem Konsum getan.

Gerade wenn es nicht eine missverständliche Stelle ist, sondern deutlich mehr als eine oder eine überdeutliche.

Issi bezog sich ja nicht auf den Preis, sondern auf die Person ds Autors, zu dessen Werk sie sich gerade äußert bzw. kritisiert.
Und der hat dann den Anspruch mit Sachargumenten kritisiert zu werden statt einfach abstarkt platt gemacht zuwerden, damit er a) sehenkann, womit genau er den Widerspruch erzeugt hat und b) ggf auch die Chance hat wenn sich der oder die Angreifende irren sollte darauf eben auch mit Argumenten wieder reagieren zu können statt das zu einem Beliebtheitswettbewerb zumachen.
Auch Kritiker können mal daneben liegen und was deutlich oder gar überdeutlich ist, ist in breiten Bereichen nicht wirklich so sicher. 
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 7.01.2020 | 17:34
Zitat
Dahingehend zu unterstellen, dass die Autor*en sich nur nicht bewusst sind das es eine Abwertung respektive Feindlichkeit gegenüber Frauen respektive anderen Menschen darstellt, ist eine Entschuldigung des Autors für einen bewusst geschriebenen Text und eine Belastung gegenüber den Personen welche von der Abwertung bzw. Feindlichkeit betroffen sind.
Ich habe das nicht konkret auf etwas bezogen.
Sondern ganz allgemein.- Es ist tatsächlich möglich, dass sich ein Autor dessen nicht bewusst ist.

Selbst wenn es so wäre, wie in dem Beispiel- das Frauen pauschal dümmer sind, würde ich das konkret benennen.
Ist doch umso besser, wenn ich für meine These ein konkretes Beispiel habe.
Und es kostet mich nichts es zu benennen.

Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Teylen am 7.01.2020 | 17:43
<Den Ignore-Rechtsaussen-Filter geöffnet>
Issi bezog sich ja nicht auf den Preis, sondern auf die Person ds Autors, zu dessen Werk sie sich gerade äußert bzw. kritisiert.

Issi bezieht sich auf den Mensch Autor und spricht gegenüber einer Schuldigkeit gegenüber dem Autor.
Wohingegen der Autor offenbar keine Schuldigkeit gegenüber dem Mensch Leser hat, welcher dieser mit Feindlichkeiten und Abwertungen zumüllen darf und darüberhinaus Ansprüche hat.
Ungeachtet des finanziellen oder zeitlichen Investment des Menschs Leser.

Ansonsten fände ich es respektvoll wenn Menschen wie du, respektive konkret du, nicht auf meine Beiträge antworten würden. Danke.
<Den Ignore-Rechtsaussen-Filter wieder zugemacht>

Ich habe das nicht konkret auf etwas bezogen.
Sondern ganz allgemein.- Es ist tatsächlich möglich, dass sich ein Autor dessen nicht bewusst ist.
Einerseits ist das eine diffuse Einordnung die ich durchaus vorwerfe bzw. wo du zuvor diffuses handeln vorwarfst.
Andererseits gingst du zuvor auf Autoren ein die sich dem bewusst sind.
So von wegen: "selbst wenn ein  Autor  sich dessen bewusst sein sollte"
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Issi am 7.01.2020 | 17:57
Einerseits ist das eine diffuse Einordnung die ich durchaus vorwerfe bzw. wo du zuvor diffuses handeln vorwarfst.
Andererseits gingst du zuvor auf Autoren ein die sich dem bewusst sind.
So von wegen: "selbst wenn ein  Autor  sich dessen bewusst sein sollte"


Ich würde in jedem Fall konkretisieren, auch wenn ich zunächst davon ausgehe, dass sich ein Autor dessen bewusst ist.

Es gibt auch einzelne Fälle, wo der Autor tatsächlich einen Blinden Fleck hat.

Wie auch immer- in jedem Fall konkretisiere ich.
1. Weil ich benennen will, was mich  stört, auch wenn es im Text gut verpackt ist.
2. Weil ich so nicht nur dem Autor sondern auch anderen Lesern zeigen kann, was mir konkret negativ auffällt.
3. Weil ich mit Menschen respektvoll umgehen möchte. (Auch wenn ich merke, dass sie das  mit ihrem Text nicht tun)
4. Weil ich mir in manchen Fällen auch tatsächlich nicht sicher sein kann, ob die Abwertung die ich wahrnehme, vom Autor überhaupt beabsichtigt war.

Das ist auch schon alles.
Ich fürchte besser kann ich es nicht ausdrücken.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Supersöldner am 7.01.2020 | 18:29
erst mal alle beruhige .
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Widukind99 am 9.01.2020 | 10:12
Ich verstehe noch nicht so ganz, woran man sich stören sollte.
Wenn ein Sachbuch eine Gesellschaft beschreibt, die extrem rassistisch ist, kann das eine sehr antirassistische Wirkung haben.
Wenn ein Roman eine Gesellschaft beschreibt, die extrem rassistisch ist, kann das auch eine sehr antirassistische Wirkung haben. 
Wenn nun also ein Rollenspiel in einer extrem rassistischen (oder sexistischen oder wasauchimmer) Gesellschaft spielt, warum kann das nicht die gleiche Wirkung haben?

Ist es nicht wünschenswert, wenn ein Spieler nach dem Spiel denkt: Oh gut, dass wir in einer Demokratie leben und ich mag nicht in einer Sklavenhaltergesellschaft leben? Wenn er sich sagt: Ich sollte mich vielleicht noch mehr für Antirassismus und Demokratie engagieren!
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: Cynom am 9.01.2020 | 10:16
Es besteht ein Unterschied darin, ein problematisches Thema in Form von inhaltlicher Auseinandersetzung zu verarbeiten, es unreflektiert wiederzugeben oder es sogar als Aussage des Spiels, z. B. als Bestandteil der Regeln, zu formulieren.
Titel: Re: Darf (lies: sollte) man politisch unkorrekte Settings noch spielen?
Beitrag von: KhornedBeef am 9.01.2020 | 17:11
Es besteht ein Unterschied darin, ein problematisches Thema in Form von inhaltlicher Auseinandersetzung zu verarbeiten, es unreflektiert wiederzugeben oder es sogar als Aussage des Spiels, z. B. als Bestandteil der Regeln, zu formulieren.
This. "Es kann unter dem bestimmten Umständen ein gutes Ergebnis haben" ist halt auch kein wirklich hartes Kriterium für "optimale Vorgehensweise" :)