Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Blizzard am 2.12.2020 | 21:00

Titel: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Blizzard am 2.12.2020 | 21:00
"Auslöser" für diesen Thread ist folgende Aussage eines Mitspielers zum Castlemourn-Forenspiel:
Das wollte ich gar nicht abstreiten, aber ich finde diese Regelung einfach nicht so realistisch. In Computerspiel-Settings o.ä. hätte ich allerdings nichts gegen diese Regelung.
Interessante Aussage. Wieso würde dich diese (Art von) Regelung allgemein beim Pen & Paper oder speziell hier beim Forenspiel stören- bei einem Computerspiel-RPG aber nicht?

Und an alle anderen die Frage: Habt ihr auch Elemente/Bereiche/Aspekte die ihr bei einem Computerspiel (egal, ob PC, Xbox, Playstation,etc.) RPG mögt, die euch aber beim Pen & Paper total abturnen- und natürlich auch umgekehrt (also Sachen, die ihr beim P&P mögt, die euch aber bei einem Computerspiel-RPG stören ?
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: schneeland am 2.12.2020 | 21:07
Realismus ist da kein großer Faktor, aber aus naheliegenden Gründen kann ich bei Videospielen viel besser mit kleinteiligen Mechaniken leben oder solchen, die viel Buchhaltung erfordern (unterschiedliche Schadenswerte je nach Waffen-Rüstungskombination, verschiedene Munitionsarten, etc.).

Was ich auch im Videospiel akzeptabel finde, aber im Pen&Paper zumindest nicht uneingeschränkt: Dinge, die einfach funktionieren, weil man einen gewissen Fertigkeits-/Attributwert hat (Du hast diese Dialogoption, weil Du Charisma >= 14 hast).
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: aufiblue am 2.12.2020 | 21:25
"Auslöser" für diesen Thread ist folgende Aussage eines Mitspielers zum Castlemourn-Forenspiel:Interessante Aussage. Wieso würde dich diese (Art von) Regelung allgemein beim Pen & Paper oder speziell hier beim Forenspiel stören- bei einem Computerspiel-RPG aber nicht?

Mich würde diese Art von Regelung beim Pen and Paper allgemein ziemlich stören, weil in den meisten Rollenspielen ja quasi das Leben simuliert wird. Im echten Leben kann man schließlich auch alles versuchen, egal wie unrealistisch es ist, dass man es schafft. Nun, bei solchen Sachen wie „Ich hebe vom Boden ab und fliege durch die Wolken.“ würde ich jedoch auch keinen Wurf zulassen, es sei denn der SC kann das explizit.

In Rollenspielen, die auf einem Computer-Setting beruhen, würde ich die „Du-kannst-es-nicht-und-damit-ist-Schluss!“-Regel allerdings zulassen, da Online-Spiele auch in Rollenspielen -so wie ich es kenne- in der Regel programmiert sind. Da kann die Regel leicht explizit einprogrammiert worden sein und ist somit Teil des Spiels. ;)
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Tegres am 2.12.2020 | 21:47
Mich würde diese Art von Regelung beim Pen and Paper allgemein ziemlich stören, weil in den meisten Rollenspielen ja quasi das Leben simuliert wird. Im echten Leben kann man schließlich auch alles versuchen, egal wie unrealistisch es ist, dass man es schafft.
Ich kann weder fallschirmspringen, noch eine Herztransplantation durchführen, noch Sihuali von Wolof unterscheiden. Das brauche ich gar nicht erst zu versuchen. In ersteren beiden Fällen würde der Versuch sogar mir oder anderen schaden.
Dass in den meisten Rollenspielen das Leben simuliert werden soll, sehe ich übrigens nicht so. Manche Rollenspiele versuchen das ganz klar, bei anderen passt der Simulationsaspekt überhaupt nicht. Das ist wie so häufig eine Stilfrage.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: KhornedBeef am 2.12.2020 | 21:58
Wenn ich etwas in einem Computerspiel akzeptiere, was ich im Rollenspiel nicht mag, dann spiele ich das gerade nicht wegen des Rollenspiels. Fertig.
Ausnahme sind auch bei mir aufwendige Mechaniken, die der Computer mir ja freundlicherweise abnimmt.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Crimson King am 2.12.2020 | 23:49
Ich kann bei Computerspielen super mit durchgeskripteten Plots leben. Auch crunchige Systeme, die zum Powergaming einladen, stören mich da nicht.

CRPGs sind aber auch wesentlich näher an Abenteuer-Brettspielen dran als an Pen&Paper.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Scurlock am 3.12.2020 | 00:25
Lustig. Irgendwie mache ich da keine großen Unterschiede mehr zwischen Computer- und P&P-Rollenspielen. Ich hasse inzwischen geskriptete Ereignisse so sehr, dass ich sogar die meisten CPRPGs nicht mehr spielen mag. Und  weder bei Pen&Paper (4E) noch bei CPRPGs (Diablo 3) kann ich völlig glatt geschliffenen Spieldesigns etwas abgewinnen. Für mich geht dabei viel zu viel vom Sense of Wonder verloren. 
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Seraph am 3.12.2020 | 08:28
Ja, Railroading funktioniert für mich beim Medium Videospiel auch viel besser. Oder die Quests, die man quasi auf der Straße angeboten bekommt, weil man eben gerade daher läuft. Oder die Quests, die einfach aufploppen, weil etwas bestimmtes in der Welt passiert ("Gehe dem merkwürdigen Geräusch nach"). Beim P&P hätte ich da deutlich mehr Akzeptanzprobleme.

Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: ArneBab am 3.12.2020 | 08:52
Ich mag im Computerspiel lange Kämpfe mit vielen Beteiligten, im P&P dauern die zu lange.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Ma tetz am 3.12.2020 | 09:15
Bei Computerspielen sind die Dialogoptionen nachvollziehbarerweise festgelegt. Das würde mich beim Pen and Paper stören. Aktuell ist eben kein Computer so Leistungfähig, wie das menschliche Gehirn.

Ansonsten lassen Spiele, wie the Witcher III bei mir wenige Wünsche offen. Da liegt PnP vor allem wegen der sozialen Komponente vorne.

Ach ja neuen Laden und weiterspielen, wenn etwas nicht geklappt hat, fände ich bei Pen and Paper auch eher komisch.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: nobody@home am 3.12.2020 | 11:13
Spontan will mir da nichts einfallen. Sicher, es gibt Dinge, die ich so oder so nicht mag, aber im einen oder anderen Medium aus diesem oder jenem Grund eher zu tolerieren bereit bin -- aber darum ging's ja in der Fragestellung nicht. :)
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: AlphaOrange am 3.12.2020 | 11:43
Mechaniken Computerspiel:
Wie schon genannt super-detaillierte, simulationistische Regeln. Der Computer kann problemlos ohne Zeitverzug Kampfskills, Waffenattribute, Rüstungsattribute, Deckung, Munition, Sichtverhältnisse, usw. usf. mehr oder weniger realistisch verrechnet und dabei wenn nötig auch ein Dutzend Würfelwürfe ausführen. Das will ich im Pen&Paper wirklich nicht.
Auch realistischere Abbildungen von Würfel auf Wahrscheinlichkeiten wären möglich, die im P&P große Tabellen erfordern würden, die ich dort auch dankend ablehnen würde.

Mechaniken Pen&Paper:
Realistische Dialoge - auch schon genannt. Vorgefertigte Optionen würden in der Tat extrem seltsam wirken.
Möglichst totale Handlungsfreiheit. Wenn ich sage, ich ziehe meinen linken Schuh aus und schlage damit die Fensterscheibe ein und der Spielleiter sagt mir, das sei nicht vorgesehen und daher nicht möglich, dann war der die längste Zeit Spielleiter. Von einem Computerspiel erwarte ich nicht, dass das möglich ist. Würde es gar seltsam finden, wenn mir ein Spiel die Möglichkeiten gibt, meine Kleidungsstücke einzeln auszuziehen und als (ungeeignete) Waffen/Werkzeuge zu verwenden, da es dem Spiel ziemlich sicher an anderen Stellen noch an relevanteren Features mangeln würde.

Ach ja neuen Laden und weiterspielen, wenn etwas nicht geklappt hat, fände ich bei Pen and Paper auch eher komisch.
Die Idee fasziniert mich gerade. Ich bastel seit Jahren an einem an Videospiele angelehnten RPG herum (wie so häufig in Tempo und Disziplin, dass es niemals fertig wird) und merke gerade: das muss in der ein oder anderen Form als Option rein!  :d
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: tartex am 3.12.2020 | 11:43
Ich mag es am Tisch kooperativ eine Story zu entwickeln und ich wüsste nicht, welches Computerspiel diese Möglichkeit bietet - vor allem, weil ich bei PnP in meinem Kopf auch eigene Grafiksets 'kreiere'.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Blizzard am 5.12.2020 | 11:49
Ich kann weder fallschirmspringen, noch eine Herztransplantation durchführen, noch Sihuali von Wolof unterscheiden. Das brauche ich gar nicht erst zu versuchen. In ersteren beiden Fällen würde der Versuch sogar mir oder anderen schaden.
Sehe ich ähnlich. Es gibt Dinge, die kann man eher "mal so" (aus)probieren als anderen. Es ist/macht halt schon einen Unterschied, ob ich versuche, jemanden (im Kampf) umzustoßen, oder bei jemandem eine Tracheoskopie durchzuführen.  Was das anbelangt, versagt Splittermond z.B. auf ganzer Linie.

Zitat
Dass in den meisten Rollenspielen das Leben simuliert werden soll, sehe ich übrigens nicht so. Manche Rollenspiele versuchen das ganz klar, bei anderen passt der Simulationsaspekt überhaupt nicht. Das ist wie so häufig eine Stilfrage.
Ich denke auch, dass man da von RPG zu RPG unterscheiden muss.

Ich kann bei Computer-RPGs unglaublich viel und tief taktieren. Mir (stundenlang) irgendwelche Strategien ausdenken & überlegen. Ich mag und spiele ja auch bevorzugt rundenbasierte Strategie-Spiele oder Rollenspiele mit rundenbasiertem Kampf. Da interessieren mich dann auch, welche Zusatzeigenschafften irgendwelche Einheiten haben, ganz egal ob sie z.B. "Erstschlag" haben oder immun gegen Gift sind. Das versuche ich mir zu merken, und in Kämpfen zu berücksichtigen. Ich spiele diese Spiele aber in den meisten Fällen auch alleine.

Beim Pen&Paper RPG hingegen ist eher das Gegenteil der Fall. Wenn da zu viel geplant (Shadowrun- Herr, hilf!!!!) oder zu viel taktiert oder es bei der Komplexität einfach unnötig übertrieben wird (Splittermond) dann vergeht mir die Lust am Spiel(en). Beim Pen&Paper RPG will ich eine spannende, interessante Story zusammen mit anderen erleben und mit denen zusammen in eine andere Spielwelt ein-und abtauchen. Aber nicht stundenlang hin-und her planen oder bei Kämpfen monoton die Figur um 3 Felder auf der Battle Map verschieben. ::)
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Koruun am 5.12.2020 | 13:03
Und an alle anderen die Frage: Habt ihr auch Elemente/Bereiche/Aspekte die ihr bei einem Computerspiel (egal, ob PC, Xbox, Playstation,etc.) RPG mögt, die euch aber beim Pen & Paper total abturnen- und natürlich auch umgekehrt (also Sachen, die ihr beim P&P mögt, die euch aber bei einem Computerspiel-RPG stören ?

Ja. Ich habe z.B. Ende der 90er, Anfang der 00er die Baldur's Gate Reihe, davor noch Final Fantasy 7 geliebt. Davor noch zu SNES-Zeiten JRPGs wie Secret of Mana, Terranigma, Illusion of Time, Breath of Fire 3, Suikoden etc.
Bei einem CRPG habe ich überhaupt kein Problem, wenn diese eine feste Story verfolgen, wenn diese mitreißend ist wie bei den o.g.

RPGs am Tisch dagegen spiele/leite ich mittlerweile (wieder - je mehr ich mich wieder mit AD&D beschäftige, desto mehr erinnere ich mich daran, dass wir damals um 2000 rum auch sehr offen gespielt haben wie es eben Usus und in den Regeln vorgegeben war mit Zufallstabellen usw.) offener, weil das die Stärke von Pen&Paper ist.
Ein strikter roter Faden spricht mMn. gegen meine Vorstellung von Tischrollenspiel, bei CRPGs dagegen finde ich es angemessen, v.a. auch im Hinblick der Möglichkeiten des Mediums.

edit @Jiba:
es bezieht sich ja darauf, was ich im Vergleich RPG vs. CRPG bei CRPGs mag und bei RPGs nicht. Ich gehe jetzt nicht allzu sehr darauf an da das nicht Thema ist, andere Leute haben andere Meinungen/Geschmäcker und das ist auch in Ordnung. Eine behauptete Allgemeingültigkeit sehe ich in meinem Post aber nicht.
Bei einer professionell produzierten RPG-Story die genau so runter geht wie Öl, wie bei einem tollen Fantasyfilm oder einem CRPG wie Baldurs Gate, würde ich vermutlich auch weniger meckern. Beim P&P habe ich so etwas aber noch nicht erlebt, darum: ich persönlich nutze und erlebe da lieber die Stärken von P&P.
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: Jiba am 5.12.2020 | 13:42
Ein strikter roter Faden spricht mMn. gegen meine Vorstellung von Tischrollenspiel, bei CRPGs dagegen finde ich es angemessen, v.a. auch im Hinblick der Möglichkeiten des Mediums.

Naja, das ist dann aber doch eine normative Aussage, oder?  ;)

Die Möglichkeiten des Mediums Rollenspiel oder von mir aus auch der Methode Rollenspiel sind ja breit genug, um alle möglichen Spielsituationen abzubilden: Sandboxen, Schienenstories, freie Geschichten mit festem Ende oder festem Anfang, Vignetten-Geschichten mit wechselnden Protagonisten, Poolgruppen...

Ich weiß nicht, ich finde ja zu sagen "die und die Art Geschichte sollte man niemals nicht im Rollenspiel spielen" hat sowas von den frühen Filmtheoretikern, die bestimmte Arten, wie in Spielfilmen gedreht oder erzählt wurde als "unfilmisch" gebrandmarkt haben, so zum Beispiel Voice-Overs mit Erzählerstimme. Nun können Filme aber mit diesen Elementen arbeiten und es gibt tolle Filme, die das tun.

Genauso gibt es wahnsinnig gute Sandbox-Runden und wahnsinnig gute Sightseeing-Runden und wahnsinnig gute Endloskampagenen und wahnsinnig gute One-Shots. Das Einzige, was am Spieltisch zwingend gewährleistet sein muss, ist, dass alle absprechen, wie sie spielen wollen und woran sie Spaß haben.

(Aber Kudos von mir, dass du "Breath of Fire 3" und "Suikoden" erwähnt hast... besonders letzteres ist ein tolles Beispiel für eine atmosphärisch superdichte Story)
Titel: Re: Computer RPG vs. Pen&Paper RPG
Beitrag von: ArneBab am 5.12.2020 | 22:21
(Aber Kudos von mir, dass du "Breath of Fire 3" und "Suikoden" erwähnt hast... besonders letzteres ist ein tolles Beispiel für eine atmosphärisch superdichte Story)
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)