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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Noir am 5.07.2022 | 11:46

Titel: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Noir am 5.07.2022 | 11:46
So ... angetrieben durch Camos Post:

Unpopular truth: Ich hatte einen Rollenspielladen. Der Warenbestand stellte einen fünfstelligen Betrag dar. Spannenderweise haben sich die meisten "Kunden" bei mir beraten lassen, in die Sachen reingeschaut und sonstwie gestöbert, um es dann im Internet zu kaufen. Durch "Einführungsangebote" hab ich nicht wenig dazu beigetragen, dass Nachschub in die Szene kommt, das leisten Onlineshops nicht. Von daher... ja, das wäre schade.
Was "schneller und günstiger" angeht... spannend. Hamburg hatte mal mindestens 7 Läden. Inzwischen ist es glaube ich nur noch einer. Und je mehr Läden verschwinden, desto mehr Leute suchen eine Gruppe, oftmals ohne Glück... weil es eine mächtig zersplitterte Landschaft an Optionen gibt, wo man suchen kann. Ich hab damals recht gern und immer mit Erfolg geholfen, Gruppen zu finden. Und das wird noch schlimmer werden, denke ich.
Dazu kommt noch, dass jeder Laden, der "stirbt" seinem Inhaber mindestens einen vier-, eher einen fünfstelligen Berg an "Restware" beschert, die man irgendwo lagern muss, während man versucht, sie loszuwerden. Wobei dann natürlich erwartet wird, dass man das zum Spottpreis raushaut oder sogar verschenkt. Been there, seen that.

Was "unfreundliche Ladenbesitzer" angeht... das hat meist was damit zu tun, was sie erleben. Gerade das "beraten lassen und dann woanders kaufen" frustriert extrem und sorgt nicht dafür, dass die Laune gut bleibt. Wenn man dann noch immer mehr "Kunden" hat, die das alte Werbemärchen "Der Kunde ist König" glauben und sich entsprechend verhalten... nun ja. Die meisten versuchen, freundlich zu leiben, ist aber nicht ganz einfach. Zumal DAS nun wirklich Leute sind, die Vollzeit für die Szene arbeiten... und nicht selten weniger als H4 dabei rauskriegen... weil die meisten Gewinne reinvestiert werden müssen, da man ohne Neuheiten eh in der Gunst der Kunden absinkt. Nur mal zum Nachdenken, gerade auch weil "man muss davon leben können" für Verlagsangestellte als Ideal gefordert wurde. ;)

würde mich tatsächlich einfach mal interessieren, wie das die Leute hier sehen. Sind Rollenspielläden heute überhaupt noch von Nutzen? Ist das Verschwinden eben jener Läden wirklich "schade"?

Um da jetzt möglichst objektiv ranzugehen, müssen wir natürlich erst einmal ein paar Dinge definieren. Es soll hier explizit um Ladenlokale gehen. Also keine reinen Online-Händler. Außerdem müssen wir - so schlimm es für den einzelnen vielleicht ist - die persönlichen Schicksale der Inhaber ausklammern. Natürlich ist es schlimm, wenn einem persönlich die Existenz wegbricht. Darüber muss man nicht sprechen. Das ist klar. Aber um das Thema "Rollenspielladen" wirklich diskutieren zu können, muss ich "Otto Ladenbesitzer" - so gern ich ihn vielleicht habe - außen vor lassen.

Meine persönliche Meinung ist: Ich glaube, den Rollenspielladen braucht es definitiv nicht mehr. Und das schon seit ... vielen vielen Jahren. In meinen Anfängen des Rollenspieldaseins - das ist nun auch schon so 25 Jahre her, gab es exakt 0 Rollenspielläden in meinem direkten Umfeld. Der nächste Rollenspielladen war eine Zugstunde entfernt (und "gefunden" haben wir den auch erst Jahre nachdem wir angefangen haben). Ein Rollenspielladen hatte also mitnichten irgendetwas mit mir als "Neuling" zu schaffen. Ganz "anders" reingerutscht bin ich allerdings auch nicht. Damals stand DSA noch hier im Vedes rum. Sahen ganz interessant für mich aus. Allerdings wirklich drauf gebracht wurde ich durch andere Spieler. Erst danach habe ich mich wirklich mit den seltsamen Boxen beschäftigt, die da im Vedes standen.

Spielersuche war damals auch so eine Sache. Bei uns hieß das: Freunde überzeugen, das Ganze mal auszuprobieren. Einige von diesen Freunden sind recht schnell wieder abgesprungen, weil das Ganze nix für sie war. Andere sind brennende Hobby-Fans geworden. Dadurch hatten wir irgendwann einen recht großen Spieler-Pool. Ein Rollenspielladen hätte uns hier überhaupt gar nicht helfen können.

Produkte haben wir Anfangs im Vedes bekommen. Einige Jahre später kamen dann die Online-Händler dazu und spätestens danach waren wir völlig losgelöst von irgendwelchen Läden.

So, jetzt sehe ich natürlich ein, dass solche Rollenspielläden sicher damals eine gewisse Funktion hatten. Sie boten vor dem Internet die Möglichkeit an Spiele zu kommen, die man gar nicht anders kennenlernen konnte. Aber heute? Ich kriege alles, was ich brauche. Alles. Kein Rollenspielladeninhaber konnte mir jemals eine Beratung geben, die sonderlich besser gewesen wäre, als eine heutige "Google-Suche" zutage bringt - wenn es nicht gerade um die ganz großen Player im Business ging.

Jetzt könnte man natürlich darüber diskutieren, dass jemand natürlich erst einmal von Rollenspielen erfahren muss, um im Netz nach Rollenspielen zu suchen. Das ist bis zu einem gewissen Punkt sicherlich nicht unwahr ... allerdings sind Rollenspiele durch Film- und Fernsehen inzwischen schon so bekannt, dass die meisten Leute, die ich kenne zumindest schonmal von D&D gehört haben (sei es durch Big Bang Theory oder Stranger Things - oder weil sie ohnehin Brettspieler sind und Rollenspiele zum Beispiel auf der SPIEL gesehen haben).

Dadurch dass das Leben vieler Jugendlicher inzwischen größtenteils im Netz stattfindet, halte ich eine Spielersuche über "Aushänge" oder "abendliche Veranstaltungen" im Rollenspielladen ebenfalls für vernachlässigbar - auch wenn ich hierzu natürlich keine genauen Zahlen habe. Aber eine Spielersuche via Social Media halte ich für sehr viel schneller zielführend. Das ist aber - wie gesagt - nur mein persönlicher Eindruck. Auch gerade deshalb, weil Online via VTT zu spielen gefühlt auch immer beliebter wird. Was die potentiellen Mitspieler gleich verzichfacht.

Dann zum Schluss noch der Punkt der unfreundlichen Mitarbeiter und Besitzer. Da lasse ich den Punkt "die sind nur verbittert, weil sich alle bei ihnen informieren und dann woanders kaufen" nur bedingt gelten. Ja, es mag diese Leute geben ... aber ich wurde teilweise EXTREM unfreundlich behandelt, bereits NACHDEM ich eine Kaufabsicht für verschiedene Produkte klargestellt habe. Das ging soweit, dass mich am Telefon mal einer regelrecht angebrüllt hat, wie ich es denn wagen könnte zu fragen, ob ein bestimmtes Buch 2 mal auf Lager wäre (weil ich eben 2 Exemplare brauchte) und eine Fahrt zum Laden eben eine Stunde mit dem Zug bedeutete. Da fragt man gerne mal vorher an.

So und wenn ich nun die Bilanz ziehe bleibt in meinen Augen ehrlich gesagt nicht mehr viel übrig, was für einen Rollenspielladen spricht. Und versteht mich nicht falsch. Ich war auch immer mal gerne in so einem Laden. Ich mochte die Atmosphäre. Die vielen Bücher. Aber wenn das der einzige Grund ist ... ich weiß ja nicht. Ein Tabletop-Laden bietet mir eventuell Spielfläche. Das ist durchaus ein Argument für einen Tabletop-Laden. Aber "Spielfläche" fürs Rollenspiel? Brauchts nicht wirklich. Und wenn es doch Bedarf für sowas gibt, glaube ich erneut, dass das wirklich eine verschwindend geringe Zahl an Kunden ist, die sowas brauchen. Da bleibt am Ende im Grunde nur als Argument "Nette Atmosphäre". Und das reicht für mich ehrlich gesagt nicht um auf die vielen Vorteile zu verzichten, die mir der Internethandel bietet.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Weltengeist am 5.07.2022 | 12:25
Für mich ist die Diskussion eine eher theoretische, weil es bei uns schon seit über 10 Jahren keinen solchen Laden mehr gibt. Aber wenn ich so darüber nachdenke...

Ein Teil von mir ist nostalgisch, und wenn es bei uns einen Laden gäbe, würde ich sicherlich ab und zu hingehen (auf Reisen in fremde Städte tue ich das auch). Weil ich Läden und Menschen mag. Weil ich gerne in neuen Büchern rumblättere. Weil ich mich gerne inspirieren lasse (und ja, ich neige zu Spontankäufen). Weil sie als Knotenpunkt für Rollenspieler dienen können, an denen man Runden organisieren, Spieler treffen und neue Hobbyisten gewinnen kann.

Aber ich gebe auch zu, dass die Praxis häufig anders aussah. Oft waren Inhaber und Stammkunden so "speziell", dass mir die Läden regelrecht unangenehm waren. Rumblättern darf man in der Praxis oft auch nicht, weil eingeschweißt und überhaupt verboten. Beengte Platzverhältnisse, eingeschränkte Auswahl. Und dann frage ich mich natürlich, ob ich mir da nicht was vormache.

In Wirklichkeit lebe ich mit den Bestellungen im Internet ganz gut. Was bleibt, ist so ein verklärtes Diagon-Alley-Gefühl von einem Rollenspielladen, wie er sein könnte - aber möglicherweise nie war.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: nobody@home am 5.07.2022 | 12:39
Ich bin altmodisch und mache bis heute keine Geschäfte übers Internet (Gratisdownloads sind eine andere Sache, aber um die geht's hier ja nicht). Regale zum Umschauen und Anfassen und Cash auf die Kralle gegen reales Produkt zum Mitnehmen, bitte -- und wenn ich doch mal was bestellen möchte, kann das der Laden ja auch gleich für mich erledigen, ich komme ja wieder. Wozu also Gewohnheiten umschmeißen, die sich bis jetzt weitgehend bewährt haben? :)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: felixs am 5.07.2022 | 12:42
Ich mag das Stöbern im Laden sehr gern. Es macht einen großen Unterschied, ob ich das Buch, Spiel etc. im Online-Katalog sehe, oder ob ich es in seiner physischen Präsenz erleben kann.
Blättern war in den meisten mir bekannten Läden möglich - außer bei eingeschweissten Büchern natürlich, aber das waren auch nicht sooo viele.

Spezielle Leute hat unsere Nerdszene nicht ganz wenige, aber so schlimm, dass es mir einen Laden vermies hätte, war es bisher noch selten.

In einigen Läden konnte und kann man sogar spielen. Das ist dann ganz phantastisch und ich habe damit nur gute Erfahrungen.
Im Gegenzug habe ich dann immer irgendwas gekauft - hatte sogar mal darüber nachgedacht, wieder mit Magic anzufangen, damit ich was kaufen kann (fand ich nämlich nicht immer leicht, etwas zu finden, was ich wirklich haben wollte).
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Makenyo am 5.07.2022 | 12:47
Ich kaufe inzwischen nur noch PDF's. Ein Laden um Bücher zu kaufen ist für mich Lokal wie Online, gar nicht mehr interessant. Und wie schon oben erwähnt, das Internet ist viel effizienter um Mitspieler zu finden. Und wenn, spiele ich normalerweise eh Zuhause.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Raven Nash am 5.07.2022 | 12:49
Meine Erfahrung mit physischen Läden ist so, dass sie prinzipiell nichts lagernd haben, was ich gerade suche/brauche. Das betrifft nicht nur RPGs, sondern auch viele andere Bereiche bis hin zu Bekleidung.
In der Guten Alten Zeittm hatte ein Spieleladen mehr Systeme im Regal stehen, als ich kannte. Heute ist es umgekehrt. Und selbst wenn man 5e-Material will: 3PPP finden sich kaum. Dafür sind die Läden voll mit Brettspielen (die mich so überhaupt nicht interessieren) und einer kleinen Auswahl an Tabletops (meist GW), weil sich das halt besser verkauft.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: aikar am 5.07.2022 | 12:50
Erst als vor ein paar Jahren wieder mal ein solcher Laden in unserer Stadt aufgemacht hat, habe ich wieder gemerkt, was man davon hat.
Es ist immer noch ein Anlaufpunkt für Neulinge (die z.B. wegen Brettspielen kommen und dann für ein RP zu interessieren sind), ein Platz für Events (z.B. Anfänger-RP-Runden oder GRT), eine Gelegenheit um verwandte Seelen kennen zu lernen, zu plaudern und sich zu vernetzen, evtl. was Interessantes im Regal zu entdecken (ok, bei mir weniger, aber ich bin auch schon ziemlich eingedeckt) und allgemein einfach Hobbyszene-Luft zu atmen.

Also ja, ich empfinde einen Nerdhobbyladen als wirklich wertvoll für die örtliche Szene.
Natürlich hängt es stark vom jeweiligen Laden und den Besitzern ab. Ich kenne Läden, denen ich keine Träne nachweine(n würde). Aber eben auch solche, wie hier bei uns, für die ich ehrlich kämpfen würde.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Skyrock am 5.07.2022 | 12:53
Der Markt hat das schon lange entschieden: Nein, zwischen einem schrumpfenden Rollenspielmarkt und grassierenden Gewerbemieten in den Innenstädten war ein ausgewiesener Rollenspielladen schon seit den 90ern nicht mehr tragfähig, sondern nur als quersubventionierte Liebhaberei neben etwas, was Geld in die Kasse spült, wie etwas TCGs, Mangas, TCGs, Belletristik, TCGs und natürlich TCGs.

Und heute? Da tun sich schon Fachgeschäfte schwer, die Sachen verkaufen die fur die breite Masse der Normies relevant sind, während die nächste zahlungskräftigere Dreifaltigkeit aus Modekette, Sportwettbüro und Fresstempel sie preislich aus ihrer Immobilie drängt. Heute noch einem FLGS eröffnen ist wirtschaftlich Irrsinn.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: takti der blonde? am 5.07.2022 | 12:59
Der Markt hat das schon lange entschieden: Nein, zwischen einem schrumpfenden Rollenspielmarkt und grassierenden Gewerbemieten in den Innenstädten war ein ausgewiesener Rollenspielladen schon seit den 90ern nicht mehr tragfähig, sondern nur als quersubventionierte Liebhaberei neben etwas, was Geld in die Kasse spült, wie etwas TCGs, Mangas, TCGs, Belletristik, TCGs und natürlich TCGs.


In Berlin ist meine Anlaufstelle für Rollenspiele ein Comic-Laden.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Teylen am 5.07.2022 | 13:02
Ich persönlich brauche aktuell keinen Rollenspielladen.
Hinsichtlich der Rollenspielprodukte die mich interessieren kaufe ich entweder vor erscheinen (Crowdfunding) oder direkt beim Hersteller bzw. Verlag mitunter auch Übersee.
Hinzukommt das ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffe regelmäßig in einen Laden zu gehen der kein Supermarkt ist.

In Bezug auf die Rollenspielszene braucht es jedoch Rollenspielläden oder entsprechende Comic- bzw. Spielläden mit Rollenspielprodukte.
Die heutige Jugend ist nicht so "terminal online" wie einem das selbst erscheinen mag. Neulinge kommen primär über entsprechende Entdeckungen über Läden und auch die soziale Organisation kommt darüber. Das man gehört hat das es D&D gibt, weil es in einer Serie auftaucht, heißt nicht das man mal so 50€ für im Grunde einen Blindkauf freimacht.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Seraph am 5.07.2022 | 13:04
Ein Teil von mir ist nostalgisch, und wenn es bei uns einen Laden gäbe, würde ich sicherlich ab und zu hingehen (auf Reisen in fremde Städte tue ich das auch). Weil ich Läden und Menschen mag. Weil ich gerne in neuen Büchern rumblättere. Weil ich mich gerne inspirieren lasse (und ja, ich neige zu Spontankäufen). Weil sie als Knotenpunkt für Rollenspieler dienen können, an denen man Runden organisieren, Spieler treffen und neue Hobbyisten gewinnen kann.

Ja, definitiv! Bei mir das Ruhrgebiet etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde Fahrzeit entfernt und dort gibt es hier und da Rollenspielläden. Also - wenn man ohnehin einen Ausflugs-/Shoppingtag einlegt, gehe ich eigentlich fast immer in einen Rollenspielladen. Aber es ist leider in kleineren Städten absolut kein Markt dafür da.

Aber ich gebe auch zu, dass die Praxis häufig anders aussah. Oft waren Inhaber und Stammkunden so "speziell", dass mir die Läden regelrecht unangenehm waren. Rumblättern darf man in der Praxis oft auch nicht, weil eingeschweißt und überhaupt verboten. Beengte Platzverhältnisse, eingeschränkte Auswahl. Und dann frage ich mich natürlich, ob ich mir da nicht was vormache.
Auch hier muss ich zustimmen. Sehr "spezielle" Inhaber und/oder Kunden sorgen auch nicht immer dafür, dass man sich gerne länger in jenen Läden aufhält. Das kann man natürlich keinesfalls verallgemeinern, aber na ja... der Ruf unseres Hobbys kommt leider auch nicht von ungefähr, das stelle ich immer wieder fest.
Und ja - Blättern ist oft unmöglich, weil eingeschweißt.
Und dazu kommt, dass die Läden, in denen ich so war, 50-75% Brett- & Kartenspiele führen und Rollenspiele nur einen kleineren Teil des Inventars ausmachen. Auch kein Problem im eigentlich Sinne, aaaaber das sorgt eben dafür, dass die kleinere Auswahl an Rollenspielbüchern oft versucht, viele Systeme abzudecken und dann eben oft nur die populärsten Bücher jedes Settings da sind. Was wiederum dazu führt, dass die Chance, ein Buch zu ergattern (Ausnahme von der Regel - "Laughter of Dragons" für TOR letztes Jahr in Düsseldorf ergattern können), das man noch nicht hat, ziemlich gering ist.

Summa summarum also - schönes nostalgisches Konzept, aber ich glaube, das Internet frisst es kontinuierlich auch - gerade auch weil nicht die Möglichkeiten da sind, Leute wieder mehr zum Kaufen vor Ort zu bewegen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Achamanian am 5.07.2022 | 13:06
In Berlin ist meine Anlaufstelle für Rollenspiele ein Comic-Laden.

Dann muss ich auch mal Werbung für unsere quersubventionierte Rollenspiel-Liebhaberecke im Otherland in Berlin machen:
https://www.otherland-berlin.de/de/rollenspiel.html

Aber ja, genau so ist es bei uns - das Rollenspiel läuft mit, weil ich und zwei Kollegen vor Ort Freude daran haben. D&D bringt uns auch ein bisschen Umsatz, der Rest landet mit etwas Glück unterm Strich bei einer schwarzen 0, schätze ich.

Ist aber auch nicht unbedingt schlecht so.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: schneeland am 5.07.2022 | 13:09
Historisch betrachtet waren Rollenspielläden für mich die Möglichkeit zu stöbern und ab und zu ein neues System kennenzulernen. Das Bedürfnis, wirklich dort zu spielen, hatte ich allerdings schon damals nicht, insofern hatte es das Internet leicht, die Läden zu ersetzen. Und so arg breit war das Sortiment ja schon damals nicht, insofern muss ich feststellen: den Sphärenmeister würde ich vermissen, wenn er zumacht - den lokalen Rollenspielladen in der nächstgrößeren Stadt eher nicht.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: aikar am 5.07.2022 | 13:10
Heute noch einem FLGS eröffnen ist wirtschaftlich Irrsinn.
Mag sein, aber das ist ja auch nicht die Frage gewesen. Die Frage war "Sind Rollenspielläden nützlich und werden sie vermisst".

Und dazu kommt, dass die Läden, in denen ich so war, 50-75% Brett- & Kartenspiele führen und Rollenspiele nur einen kleineren Teil des Inventars ausmachen.
Das ist halt dann der Preis um das ganze wirtschafltich sinnvoll zu machen. Sehe ich jetzt aber auch nicht so als Problem, sondern eher als Chance.
Unser örtlicher Laden ist sicherlich zu einem Großteil Brettspiel- und Tradingcard-Laden, mit einem kleineren Anteil Pen & Paper (und das zum Großteil D&D) und Tabletop.
Aber Fakt ist: Die Brettspiele werden immer nerdiger (gerade in solchen Läden findet sich halt eher Gloomhaven als Monopoly), die Szenen überschneiden sich und Brett- und Tradingcard-Spieler sind gute Rekruten für's Rollenspielen. d.h. selbst wenn der Fokus nicht auf Pen & Paper liegt, ist der Nutzen für das Hobby enorm.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 13:19
Ich glaube, dass die Existenzberechtigung des Rollenspielladens heutzutage von der Frage überschattet wird, ob denn die meisten Läden ganz allgemein überhaupt noch ihre Berechtigung haben.

Ich sehe da eher Schwarz, aber ich habe auch schon vor 15 Jahren Schwarz gesehen, also muss das nix heißen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: nobody@home am 5.07.2022 | 13:23
Ich glaube, dass die Existenzberechtigung des Rollenspielladens heutzutage von der Frage überschattet wird, ob denn die meisten Läden ganz allgemein überhaupt noch ihre Berechtigung haben.

Ich sehe da eher Schwarz, aber ich habe auch schon vor 15 Jahren Schwarz gesehen, also muss das nix heißen.

Hmja. Im Prinzip könnte man dieselbe "Braucht man das eigentlich noch?"-Frage ja heutzutage beispielsweise auch dem Buchhandel stellen... ;)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 13:25
Wie ist es denn um den bestellt? Er hält sich zäh, oder? Warum?

Ich empfinde das Stöbern im klassischen Buchladen schon als großes Vergnügen, weil die modernen Bücher einfach oft herrlich aufgemacht oder originell gestaltet sind oder so. Reicht das schon? Beratung im Buchladen kenne ich nicht, die Angestellten sind stets voll eingespannt.

Bei den Videotheken wurde die genannte Frage ja auch schon gestellt und abschlägig beschieden.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Undwiederda am 5.07.2022 | 13:28
Ich mag zwar unseren Hobbyladen aber
- Bücher sind eingeschweißt und richtig stöbern ist schwierig
- Verfügbarkeit im deutschen gegeben aber nicht zwingend da
- Verfügbarkeit im englischen minimal bis gar nicht vorhanden
- Expertise über einzelne Systeme eher schwierig, also ist es eigentlich doch nur die Katze im Sack kaufen
- kein Platz um spiele zu testen
-gwrade im Tabletop fand ich die Läden immer sehr speziell

Vorteile
- ggf machen sie bei Events wie dem gratis Rollenspiel Tag mit und bieten dann auch was an.
- unterstützen lokale cons und sind dadurch als Händler dort vertreten
-man kann Spielaushänge aushängen um die Gruppensuche lokal zu erleichtern.b
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Brainworm am 5.07.2022 | 13:29
In der Stadt in der ich lebe gab es zur „Glanzzeit“ glaube ich sogar mal 8 Läden. Da war aber auch noch nix mit übers Internet kaufen. Ich liebe eigentlich Rollenspiel(oder auch Brettspiel)-Läden. Ich gehe gerne rein und stöbere umher und die Bücher anfassen und vielleicht auch durchblättern zu können ist schon schön und die ganze Atmosphäre mit Deko und anderem Nerd-Kram finde ich auch ansprechend. Aber: 
Inzwischen gibt es nur noch einen Laden in meiner Stadt und der hat genau das Problem mit der „speziellen“ Kundschaft und Besitzer. Ich habe dort sogar mal an einer Runde vom Besitzer organisiert teilgenommen und das war einigermaßen traumatisch. Wenn ich da Neuling gewesen wäre, hätte ich danach das Hobby vermutlich an den Nagel gehängt.
Mal zum Vergleich: Ich habe in meiner Nähe (ca. 15-20 Minuten zu Fuß) einen Comicladen. Der ist nicht besonders hübsch, wenn man ehrlich ist, es ist einfach ein recht unordentlicher Laden voller Regale mit Comics. Aber wenn ich da hingehe und eine Frage habe, werde ich immer höflich behandelt und gut beraten und hab noch ein bisschen netten Smalltalk. Deswegen gehe ich da gerne hin und lasse da auch gerne mein Geld.
Bei dem Rollenspielladen der in meiner Stadt noch übrig ist (der etwas weiter weg ist), wollte ich mal ein Brettspiel kaufen und wurde am Telefon so unfreundlich behandelt, dass ich mir dann dachte „warum soll ich jetzt 45 Minuten per ÖPNV da hin fahren, 20% mehr für das Spiel als online bezahlen und 45 Minuten zurück fahren um Leute zu unterstützen, die mich am Telefon anpampen?“ Das hab ich mir dann gesparrt.
Als ich zuletzt in dem Laden war, hab ich mich auch eher unwohl gefühlt (obwohl die Spielrunden schon sehr lange her ist), nicht willkommen, sondern eher als würde ich stören.
Ich bin dazu übergegangen, mir meine Rollenspielbücher nur noch online direkt bei den Verlagen oder bei 2-3 speziellen Rollenspiel-Online-Händlern zu besorgen. Stöbern kann ich da auch und der eine hatte auch mal ein Ladengeschäft und da wurde man definitiv deutlich besser behandelt.
Bei Amazon oder so kaufe ich eigentlich nur, wenn ich den Kram wirklich nirgendwo anders bekomme (ist bisher nur 1 mal vorgekommen).
Wenn ich mal in einer anderen Stadt bin und da nen schnuckeligen Laden finde, gehe ich da aber auch gerne rein und kaufe auch etwas.
Ich hab mich übrigens noch nie vor Ort beraten lassen und dann Online gekauft.
Sollte in meiner Nähe ein netter Rollenspielladen aufmachen, wo man nicht von Alpha-Nerds wie ein Aussätziger behandelt wird, dann wäre ich vermutlich mindestens 1x die Woche da und würde auch Bestellungen über den Laden tätigen, um ihn zu unterstützen. Ist aber bei den Mietpreisen hier sehr sehr unwahrscheinlich.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: OldSam am 5.07.2022 | 13:35
Ich glaube, dass die Läden ihre Ausrichtung zentral verändern müssen und dann aber wieder sehr relevant und cool sein können! :)

Im Kern muss man, denke ich, eher weg vom klassischen simplen Angebot und Verkauf, hin zu Service-, Event- und Community-Kultur u. ä. - und ja, das gilt nicht nur für Rollenspielläden, sondern in vielen Fällen kleiner Fachgeschäfte.

Einfach nur ein Regal anbieten, wo ich Produkt P sehe und für Kaufpreis K kaufen kann ist ein totes Geschäft, da ist der Versandhandel fraglos weit überlegen.

Bei Servicekultur geht es dann schon eher los: Man braucht gute Fachverkäufer, die einen individuell beraten und wirklich ihren Bereich kennen. Ich kaufe gerne im lokalen Spieleladen, wenn ich was verschenken will... Dann wird man bzgl. der Zielgruppe usw. beraten, kann sich das Material ansehen. In meinem Spieleladen des Vertrauens zeigen die mir dann auch live mal einen Einblick in das Game und das Spielmaterial, also quasi Kurzerklärung des Spielprinzips inklusive gesamtem Ersteindruck des Spielgefühls.

Events: Man kann lokal tolle Specials machen, wo man z. B. sagt an diesem WE stellen wir Fantasy-Wargames vor, richtig cool aufgebaut, mit Demo-Games. Oder die für uns besten Urban Fantasy Rollenspiele der letzten 5 Jahre...  Dazu gibt es vielleicht gratis oder sehr günstig Waffeln und Eistee o. ä. Sowas.
In dem Rahmen gibt es dann Sales, wo man irgendwelche coolen Gimmicks mitverkauft, günstige Bundles, sei es mit stylischen Würfeln, Fan-Shirts, what-have-you...

Community: Immer Dienstag/Mittwoch... abends ist Magic-Night, Fantasy RPG-Open Session, Newcomer RPG Demorunde, Kennenlern-Sachen um Anschluss an andere Gaming-Runden zu finden (z. B. neu in der Stadt) etc. ...

--

...im Prinzip würde ich das ganz grob damit vergleichen, dass sich mehr an sowas wie einem Messegeschäft mit Promotion, Angeboten usw. und eben Fan-Events orientiert...



Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 13:35
- unterstützen lokale cons und sind dadurch als Händler dort vertreten

Das war etwas, worüber ich mir schon länger Gedanken gemacht habe. Bräuchte man die reinen Händler auf den Cons wirklich? Ich will jetzt nicht gemein sein, aber auf der Liste der relevanten Sachen bei Cons sind die für mein Gefühl eher unten.

Ich möchte die Diskussion jetzt aber auch nicht abschweifen lassen, das nur als Gedanke.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Faras Damion am 5.07.2022 | 13:44
Ich gehöre auch zu der Fraktion, die den örtlichen Rollenspielladen meiden, weil ich zweimal angepöbelt (einmal Kunde, einmal Verkäufer) wurde und mich auch sonst nicht wohlgefühlt habe.
Da kann der Besitzer natürlich nichts dafür und es tut mir auch irgendwie leid, aber für sowas habe ich keine Lust. Gerade weil ich die Kommunikation mit mehreren Online-Shops freundlich, schnell und sympathisch fand.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ArneBab am 5.07.2022 | 13:47
Im Kern muss man, denke ich, eher weg vom klassischen simplen Angebot und Verkauf, hin zu Service-, Event- und Community-Kultur u. ä. - und ja, das gilt nicht nur für Rollenspielläden, sondern in vielen Fällen kleiner Fachgeschäfte.
Also eigentlich zu Vereinen?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: felixs am 5.07.2022 | 14:19
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Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Swafnir am 5.07.2022 | 14:20
DEN Rollenspielladenbesitzer gibt es ja nicht. Ich hab schon so einige erlebt: Welche die ihre "Kunden" überwacht haben wie Schwerverbrecher und sich ansonsten jede Störung verbeten haben, einen der den Anschlag auf das Word Trade Center damals mit "Endlich kriegen die Amis mal auf die Fresse!" kommentiert hat (also direkt nachdem es passiert ist) aber die größte Menge waren echt nette Leute, die sich Mühe gegeben haben jedem gerecht zu werden und sich mit Herzblut um sie gekümmert haben. Letztlich sind die halt auch nur ein Querschnitt der Menschheit.

Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: NurgleHH am 5.07.2022 | 14:27
Welche die ihre "Kunden" überwacht haben wie Schwerverbrecher und sich ansonsten jede Störung verbeten haben
Hey die kannte ich in Hamburg auch. Warst Du häufiger hier????
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Miles am 5.07.2022 | 14:33
Braucht es Rollenspielläden? Ich glaube die Antwort ist einfach - Nein.

Könnten sie "brauchbar" sein? Bitte gerne.
Ich vermisse richtig schöne Läden, die auch Rollenspiele anbieten. Es gibt einige davon und inzwischen versuche ich in diversen Städten auch lokale RSP-Läden zu besuchen. Es gibt dann schon einige unterschiede zwischen, nett und freundlich bis hin zu "schrullig" (und ja ich kenne noch das Games-In). Allen gemein ist, dass Rollenspiel dort auch eine Nische einnimmt. Tabletop, Comics, TCG und vor allem Brettspiele sind deutlich prominenter.


Was hätte ich dann gerne. Ein Laden, der nicht allzu abgelegen liegt, freundliche Mitarbeiter, die hilfreich sind, gerne auch ein wenig Platz und kein Gedränge.

Richtig überrascht und begeistert war ich von den "Science Fiction Bokhandeln" in Stockholm und Göteborg. Große Läden mitten in der Innenstadt, mit einer großen Auswahl. Direkt angeschlossen ein Cafe, in dem man Spiele ausprobieren konnte und regelmäßig RSP Schnupperrunden angeboten wurden.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Brainworm am 5.07.2022 | 14:38
Hey die kannte ich in Hamburg auch. Warst Du häufiger hier????

Wäre jetzt echt interessant wenn unsympathische Rollenspielläden ein Hamburger Phänomen wären  ;D
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Swafnir am 5.07.2022 | 14:49
Hey die kannte ich in Hamburg auch. Warst Du häufiger hier????

Ich war leider noch nie in Hamburg. Norddeutschland ist bisher überwiegend von mir verschont geblieben >;D
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Gotham Rundschau am 5.07.2022 | 15:01
Ich schätze eher Spieleläden allgemein, die auch(!) Rollenspiele führen. Und Comics. Und Zeitschriften. Und Romane. Und Miniaturen. Und Kinderkrams.

So hat man diverse Medien der Nerd-Kultur vereint und kann die sich daraus ergebenden Schnittmengen als Kunde genießen. Ich kenne solche Läden und finde sie wunderbar. Man will seine im Abo zurückgelegten Rollenspielneuerscheinungen abholen und kommt mit einem Brettspiel, zwei Romanen, einem Bildband und Kreativ-Spielzeug für die Kinder aus dem Laden raus. Außerdem haben solche Läden ein sehr gemischtes Publikum und können so Querwechsler in die Szene holen oder einfach neugierig machen.

Die in manchen Beiträgen angedeuteten Bemerkungen, dass das Publikum "reiner" Rollenspielläden "speziell" sei, weise ich entschieden zurück. Erinnert an primitives blödes Nerd/Geek-Bashing. ("Warste schon im neuen Spieleladen? Nicht? Ist'n olfaktorisches Highlight" und andere Sprüche aus Studentenzeiten)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 5.07.2022 | 15:07
Ich kaufe inzwischen nur noch PDF's. Ein Laden um Bücher zu kaufen ist für mich Lokal wie Online, gar nicht mehr interessant. Und wie schon oben erwähnt, das Internet ist viel effizienter um Mitspieler zu finden. Und wenn, spiele ich normalerweise eh Zuhause.

Fast jeder besitzt Computer, Smartphone und Tablet, um PDFs zu lesen. Hinzu kommt noch, dass Papiermangel ein reales Problem geworden ist, also warum dieses Problem verschärfen, indem man auf irgendwelche Traditionen und persönliches Verlieben pocht, nur damit das gedruckte Buch zum Staubfänger wird. Das Mindset, alles in gedruckter Form haben zu wollen, scheint vor allem bei Rollenspielern vorzuliegen, die in den 70/80/90ern anfingen als alles im Überfluss vorhanden war.

Auf dem Land war die Spielersuche eh nur über das Internet möglich. Ich hatte sogar die Spieler, mit denen ich heute immer noch spiele, vor 15 Jahren hier im  :t: über eine Anzeige gefunden. Wenn ich irgendwelche "special interest" Systeme hatte musste ich auch zwangsläufig im Internet (oft auf der Drachenzwinge, heute eher Discord) nach Spielern dafür suchen, um zumindest mal einen One Shot gemacht zu haben.

Wobei ich auch vor 15 Jahren zuletzt ein Rollenspiel in einem FLGS gekauft habe (inkl. 1,5 Std Zugfahrt) und zwar D&D4e auf deutsch. Danach habe ich Jeff Bezos geholfen zum reichsten Menschen der Welt zu werden.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: General Kong am 5.07.2022 | 15:10
Im Urlaub in Pittsburgh klapperte ich immer die örtlichen Rollenspieläden ab (ja gibt mehrere da - inzwischen sogar wieder mehr). Das war nett, ein Anlaufpunkt und die haben viele alte Sachen.

Nur ... ich habe begonnen, meine Sammlung zu verkleinern und besitze mehr, als in so einen Laden passt (natürlich nicht mehrfach ... also jetzt ... nicht alles mehrfach ...).
Ich bin an alten Sachen interessiert oder an Dingen, die es nur POD gibt.
Neue Sachen bitte MIT PDF. Ich will Bücher in echt, aber PDF sind gut, wenn man mal was ausdrucken will. Kopieren finde ich schlecht.

Leider sind die meisten Läden, wenn sie sich nicht ihre Regale mit altem Kram (Second Hand) oder abstrusen Dingen vollrümpeln, ziemlich uninteressant.

Auch hat Corona meine Tendenz, nicht nur mal so in die Stadt zu fahren, stark gedämpft - Inzidenz hin oder her.
Dann noch der Zeitaufwand, die Parkgebühren, die Spritkosten, in meinem Stammladen (so ich da mal bin) kaufe ich dann immer auch aus Solidarität oder Gewohnheit Kram, denn ich echt nicht brauche - und in letzter Zeit kaufe ich eh mehr Minis. Die bekomme ich da nicht - Minis gibt es schon, nur nicht (mehr) die, die ich haben will.
Und meine anregung (vor jahren), sich doch am Programm "Bits and Mortar" für kostenlose PDF zu beteiligen, fiel auf faktisch keine Gegenliebe.

Also mehr zahlen (Hin- und Rückreise) für weniger Ware?

Und "kann ich dir bestellen" ... nun, das kann ich auch selber online. Da bekomme ich den Kram frei Haus, meist versandkostenfrei. Und bei Nichtgefallen schicke ich es zurück (kam bisher nur selten vor).

Und selbst, wenn ich da dann auf den Rücksendekosten von 4-5 € sitzen bleibe - EINE  Fahrt in die Stadt (hin und zurück) kostet mich schon über 10€ Sprit. Plus Parkgebühr.

Ich mag Rollenpielläden.
Ich bin da eigentlich gerne.
Aber ich brauche sie nicht mehr.
Und sie erfüllen für mich höchstens noch den Zweck, dort rumzuquatschen und mich so zu amüsieren und aus Freigiebigkeit Scahen zu kaufen, die ich tatsächlich nicht brauche. Und da ich auch sonst fast alles im Netz bestelle (Bücher, DVD, Klamotten, Schmuck, Schreibwaren usw. usf. - ja, bin ein Böser und werfe den Großkonzernen das Geld hinterher), gibt es auch seltenst einen Grund für mich, in die Stadt zu fahren und noch etwas anderes zu erledigen UND in den Rollenspielladen zu gehen.

Eigentlich schade. Aber die Pferdedroschke war auch irgendwann passé und das nicht, weil die Leute plötzlich die Kutscher hassten oder alle eine Pferdehaarallergie entwickelten. Nennt sich "Fortschritt" - bei allen Nachteilen macht der Onlinehandel nicht alles, aber doch mehr besser als das, was viele am Rollenspielladen gut finden.
Und dann zieht die Karawane halt weiter.

Ich denke, dass sich einige Läden halten werden (so wie es auch noch Vinyl-Schallplattenläden gibt). Aber entweder müssen sie sich etwas Neues einfallen lassen (was, weiß ich nicht) oder die Leute packt die Nostalgie ("D&D - das kauft man nur bei Verlies-Thomas oder gar nicht!").

Oder das Internet schmiert ein für allemal ab und wir müssen wieder alle in Läden einkaufen oder den Qualle-Katalog durchfingern ...
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Alex am 5.07.2022 | 15:29
Für mich ging es in den Läden immer ums Soziale, also Leute treffen etc., weil das war vor Internet. Und da war es super und wichtig.

Heute würde ich eher eine Art Rollenspieltreff wünschen, einfach mal reingehen wenn man Zeit hat, quatschen und was trinken. Dann noch RPG-Kram ansehen, ohne sich ständig verpflichtet zu fühlen was zu kaufen.
Also quasi Rollenspielladen 2.0.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 15:31
Ein Rollenspielcafé sozusagen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: aikar am 5.07.2022 | 15:34
Ich glaube, dass die Läden ihre Ausrichtung zentral verändern müssen und dann aber wieder sehr relevant und cool sein können! :)

Im Kern muss man, denke ich, eher weg vom klassischen simplen Angebot und Verkauf, hin zu Service-, Event- und Community-Kultur u. ä. - und ja, das gilt nicht nur für Rollenspielläden, sondern in vielen Fällen kleiner Fachgeschäfte.

Einfach nur ein Regal anbieten, wo ich Produkt P sehe und für Kaufpreis K kaufen kann ist ein totes Geschäft, da ist der Versandhandel fraglos weit überlegen.

Bei Servicekultur geht es dann schon eher los: Man braucht gute Fachverkäufer, die einen individuell beraten und wirklich ihren Bereich kennen. Ich kaufe gerne im lokalen Spieleladen, wenn ich was verschenken will... Dann wird man bzgl. der Zielgruppe usw. beraten, kann sich das Material ansehen. In meinem Spieleladen des Vertrauens zeigen die mir dann auch live mal einen Einblick in das Game und das Spielmaterial, also quasi Kurzerklärung des Spielprinzips inklusive gesamtem Ersteindruck des Spielgefühls.

Events: Man kann lokal tolle Specials machen,
Darauf läuft es hinaus. Und wie du eh sagst, für alle Läden, nicht nur bei Rollenspielen. Jeder Laden, der sich immer noch einfach als Regalfläche mit Kassa sieht, kann gegen den Internethandel nur verlieren. Nur Geschäfte, die kompetente und freundliche Beratung und Events bieten, werden überleben. Das einzige was ich anders sehe: Das ist nicht nur ein Problem der kleinen Läden. Auch die großen Ketten werden da ins Schleudern kommen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: melkvie am 5.07.2022 | 15:35
Ein Rollenspielcafé sozusagen.

Oder ein Rollenspielverein.

Kurz Off topic:
Wie sieht denn in dem Bereich die Landschaft aus?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: unicum am 5.07.2022 | 15:38
Was ist schon "brauchen" in der heutigen Zeit?

Ich war früher immer wieder gerne in den Rollenspielläden meiner Stadt, es gibt da vieles was man bekommen kann das es eben NICHT so ohne weiteres im Internett gibt.

Ich schreib schon an anderer Stelle das mein Blick "über den Tellerrand" seitdem ich eben nicht mehr in einen solchen Laden gehe sich etwas eingeschränkt hat. Würde ich nicht das :t: konsultieren würde ich kaum erfahren das es hier und da etas neues gibt.
Das hatte ich früher in den Rollenspielläden.
Das kann also das Internett auch,... wenn auch etwas weniger erfolgreich. Im Laden nehm ich das Buch auch mal in die Hand, blättere duch und bekomme eher ein gefühl "das ist etwas für mich - oder nicht" als "hier" im Netz.

Zinnfiguren - schau ich mir auch gerne an bevor ich sie kaufe.

Was mir aber wirklich, wirklich vermisse sind die Gespräche in den Rollenspielläden, mit dem Besitzer / Verkäufer, mit den Kunden. Ich hab viele Mitspieler so kennengelernt. Abends gab es in einem Laden auch immer wieder mal Spielrunden (gerade in einer Universitätsstadt hat nicht jeder einen passenden Raum um Rollenspiel zu machen).

Auch die Sache: wie kommt heute jemand in unser Hobby? Ich hab damals in einem Spieleladen das "rote Set" gesehen und war interessiert. Würde ich ohne einen Spieleladen heute zum Rollenspiel finden? Ich bin sehr skeptisch. Ja sicher das Netz, und Computerrollenspiele hatten auch etwas Werbung hier und da - aber ich bin skeptisch.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Noir am 5.07.2022 | 16:11
Ich finde die Antworten hier tatsächlich interessant. Ein Großteil scheint bisher in etwa meine Einschätzung zu teilen. Gerade im Hinblick auf den immer wieder auftauchenden Satz "Support your local Dealer" ist das aber tatsächlich spannend. Der "local Dealer" - wenn es ihn denn noch gibt - bietet mir nur ganz selten wirklich etwas. Also im Rollenspielbereich bietet mir der local Dealer sogar absolut gar nichts. Nur wenn er noch Tabletops anbietet und mich dahingehend beraten kann, ist er für mich noch interessant. Alles Rollenspielrelevante erledigen für mich Suchmaschinen, Foren und Social Media. Und das meistens sogar sehr viel besser als der "local dealer".

Was müsste für mich also ein solcher Händler bieten, dass sein Laden für mich interessant würde? Lassen wir da einfach mal unsere Gedanken fliegen ... und lassen die Wirtschaftlichkeit dabei mal kurz außer Acht ...  auf jeden Fall müsste der Händler eine enorme Expertise seines Fachs bieten. Er muss mich über jede Menge Systeme aufklären können - und zwar tiefgehender als "es gibt da noch ein anderes System, das heißt Shadowrun und da kann man mit Elfen ein Maschinengewehr benutzen". Er muss mir fundiert erklären können, was bestimmte Systeme bieten und warum sie für mich interessant sein könnten. Und wenn er es nicht selbst weiß, muss er (!) sich informieren um mich zu informieren. Service quasi. Das ist natürlich ein ordentlicher Aufwand. Wenn alle Stricke reißen und er selbst keine Möglichkeit hat mich auf die Schnelle zu informieren, muss er mir Möglichkeiten aufzeigen, wie ich an die gewünschten Infos komme. Vielleicht eine Art Datenbank-Terminal im Ladenlokal hinstellen (wie in manchen Bibliotheken) ... Es müsste schon fast an eine Dienstleistung grenzen. Reine Verkäufer bringen mir gar nichts. Wie gesagt: Deren Job mache ich im Internet halt schon selbst (und das meist besser), ohne dass ich mich irgendwo hinbewegen muss und für gewöhnlich sogar zu einem günstigeren Preis. Es müsste mir eben was geboten werden, damit ich die höheren Preise und Nachteile in Kauf nehme. Dabei ist wichtig zu sagen, dass ich durchaus bereit wäre, diese Dinge in Kauf zu nehmen ... aber eben nicht nur "um den local Dealer zu erhalten".
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 5.07.2022 | 16:22
Für mich ging es in den Läden immer ums Soziale, also Leute treffen etc., weil das war vor Internet. Und da war es super und wichtig.

Heute würde ich eher eine Art Rollenspieltreff wünschen, einfach mal reingehen wenn man Zeit hat, quatschen und was trinken. Dann noch RPG-Kram ansehen, ohne sich ständig verpflichtet zu fühlen was zu kaufen.
Also quasi Rollenspielladen 2.0.

In Hamburg gibt es das "Würfel & Zucker". Das ist vor allem für Brettspieler gedacht und da werden auch Brettspiele zum Ausleihen angeboten. Für Rollenspielrunden wäre das, zumindest oben, im Saal zu laut. Es gibt im Keller noch zwei Räume, die man anmieten kann. Dann hast du halt nicht nur das Problem, dass alle Spieler zur gleichen Zeit für die Runde zur Verfügung stehen müssen, sondern ob dann auch einer der beiden Räume für den Zeitraum frei ist.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Brainworm am 5.07.2022 | 16:24
auf jeden Fall müsste der Händler eine enorme Expertise seines Fachs bieten. Er muss mich über jede Menge Systeme aufklären können - und zwar tiefgehender als "es gibt da noch ein anderes System, das heißt Shadowrun und da kann man mit Elfen ein Maschinengewehr benutzen". Er muss mir fundiert erklären können, was bestimmte Systeme bieten und warum sie für mich interessant sein könnten.

Ich glaube das ist bei Rollenspielen genau der Knackpunkt. Die meisten sind einfach zu groß (zu viel Text, zu viele Regeln) um eine Expertise in sehr vielen aufbauen zu können. Meine Erfahrung vom Rezensieren von Rollenspielen ist, dass es ein Heidenaufwand ist, ein Grundregelwerk erstmal mehr oder weniger komplett zu lesen und zu verstehen und selbst wenn man das getan hat, stellt man viele Dinge, die sich in einem Rollenspielsystem "verstecken" erst fest, nach dem man es öfter mal gespielt hat. Teilweise sogar erst nach Jahren. Ging mir so z.B. bei Shadowrun Anarchy und Splittermond. Das heißt der oder die Besitzer:in des Rollenspielladens, müsste eigentlich ganz viele Systeme selber spielen und auch noch auf dem laufenden bleiben mit neuen Erweiterungsbänden etc.
Hinzu kommt ja noch, dass die ganzen Rollenspielläden ihren (Haupt-)Umsatz ja gar nicht mit Rollenspielen machen. Insofern ist da natürlich auch weniger Anreiz für Expertenwissen.
Tatsächlich sehe ich da wenig Chancen, dass ein solcher Laden gegen das geballte Wissen mit Rezensionen und Let's Plays des Internets ankommt.
Mir persönlich würde es aber auch schon reichen, wenn das einfach ne sympathische Person ist, die mich grob in eine Richtung weisen kann ala "du suchst ein Cyberpunk-System, da gibt es die und die und die, die sind ungefähr so und so".
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: tartex am 5.07.2022 | 16:25
Ich habe seit den 90igern keinen Rollenspiel-Laden mehr gesehen, wo mich das vorhandene Angebot geflasht hätte. Egal ob London, Berkley oder New York. Im besten Fall haben sie ein paar Nischenprodukte im Regal, die ich aus Solidarität kaufe. Aber es gab sicher nichts, was mich echt beeindruckt hätte, bzw wo es was gab, was ich immer schon haben wollte, aber sonst schwer rankam.

Das höchste der Gefühle waren ein paar verstaubte Ladenhüter, die man ein wenig günstiger als bei Ebay kriegen konnte.

Mit den Verkäufern habe ich natürlich auch so meine Erfahrungen. Als ich mal nach Unknown Armies gefragt habe, wurde mir gesagt, dass man nicht jeden Schrott führen konnte. Und als ein mir bekannter Ladenbesitzer mich beim Erwerb einer DSA4-Box angesprochen hat, war mir das extrem peinlich. Das nächste Mal nur noch mit Trenchcoat, Fedora und Sonnenbrille. Oder gleich diskret am Postweg.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Eismann am 5.07.2022 | 16:25
Ich find es da ganz charmant, wie das der Mage Store in Düsseldorf macht. Die haben einerseits eine solide Auswahl an Rollenspielkram, bisschen Figürchen, Brettspiele, Nippes und natürlich Trading Card Games und hinten raus Spieltische. Tagsüber läuft da quasi die Magic- und Yugioh-Jugendbetreuung, und um 18 Uhr werden die Kids von ihren Eltern abgeholt und die alten Herrschaften aus den umliegenden Läden, Büros etc. kommen in den Laden, um hinten Rollenspiele zu spielen. Man hätte es vielleicht noch um Snack- und Getränkeverkauf erweitern können, aber das ist natürlich rechtlich wieder so eine Sache.
In einem anderen Laden hingegen wurde bei der Frage nach Spielrunden mit patzigem Unterton "Sind alle voll" geantwortet und mir nach einem Smalltalk-Versuch meinerseits erklärt, dass Spiel X in Edition Y, von dem ich erwähnt hatte, dass ich es ja ganz gerne spiele, der letzte Rotz sei und ich besser Spiel Y spielen solle. Seitdem hat mich der Laden auch nicht wiedergesehen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: tartex am 5.07.2022 | 16:29
Das heißt der oder die Besitzer:in des Rollenspielladens, müsste eigentlich ganz viele Systeme selber spielen und auch noch auf dem laufenden bleiben mit neuen Erweiterungsbänden etc.
Hinzu kommt ja noch, dass die ganzen Rollenspielläden ihren (Haupt-)Umsatz ja gar nicht mit Rollenspielen machen. Insofern ist da natürlich auch weniger Anreiz für Expertenwissen.
Tatsächlich sehe ich da wenig Chancen, dass ein solcher Laden gegen das geballte Wissen mit Rezensionen und Let's Plays des Internets ankommt.

Würde doch reichen, falls sie selbst Rezensionen lesen bzw. schauen, oder? So voll sind die Läden wieder auch nicht und ich mach das ja auch Parallel zu meinem Broterwerb.  ;D
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 16:37
Ich will in Läden nicht angesprochen werden. Das ist ein persönliches Ding und es tut mir auch sehr leid. Wenn die Verkäuferin kommt und fragt, ob sie mir helfen kann, das nervt und stresst mich. Die Meinung vom Verkäufer über Rollenspiele ist mir egal, ich käme nie auf die Idee, mich beraten zu lassen.

Ich schätze das Stöbern und den Krimskrams und das Entdecken von coolen Sachen, aber dafür brauche ich meine Ruhe. Parkplatzsuche und Herumfahren empfinde ich als Zumutung. Es ist nicht besonders leicht, mich dafür zu kompensieren.

Am meisten gefallen mir noch große Läden, wo ich vom Rollenspielregal zu den Larpgewandungen und den Romanen und den Comics und den Miniaturen schlendern kann. Der Ultracomix in Nürnberg ist mein idealer Rollenspielladen, weil er eher ein allgemeiner Nerdladen ist.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Alex am 5.07.2022 | 16:42
Ein Rollenspielcafé sozusagen.
Exakt. Das wäre die perfekte Lösung.
Wenn nicht, dann zumindest ein RPG-Verein, der sich regelmäßig trifft.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Alex am 5.07.2022 | 16:44
In Hamburg gibt es das "Würfel & Zucker". Das ist vor allem für Brettspieler gedacht und da werden auch Brettspiele zum Ausleihen angeboten. Für Rollenspielrunden wäre das, zumindest oben, im Saal zu laut. Es gibt im Keller noch zwei Räume, die man anmieten kann. Dann hast du halt nicht nur das Problem, dass alle Spieler zur gleichen Zeit für die Runde zur Verfügung stehen müssen, sondern ob dann auch einer der beiden Räume für den Zeitraum frei ist.
Das klingt doch gut.  :)
Bedauerlicherweise bin ich viel zu wenig im Norden, aber wenn ich mich mal wieder hinzieht, bin ich auf jeden Fall dort auch.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: unicum am 5.07.2022 | 16:45
... auf jeden Fall müsste der Händler eine enorme Expertise seines Fachs bieten.

Ich glaube das ist mittlerweile einfach unmöglich.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Noir am 5.07.2022 | 16:47
Ich glaube das ist mittlerweile einfach unmöglich.

Jain. Ich meine mit Expertise natürlich nicht, dass er sämtliche Rollenspiele dieser Erde in und auswendig kennen muss. Aber er muss mir eben mehr erzählen können als nur "Da gibts DSA und Shadowrun und Cthulhu."
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: schneeland am 5.07.2022 | 16:48
So viel Beratung, bräuchte ich, glaube ich, auch nicht. Natürlich wär's nett, wenn die Person hinter dem Tresen zumindest grundsätzlich auf dem Laufenden ist, was es so gibt. Und es müsste dann quasi die Ladenvariante des Sphärenmeisters geben, sprich: wenn dann möchte ich auch mindestens den mittelobskuren Scheiß anschauen können. Idealerweise gibt's dann noch ein paar Tische und einen ordentlichen Espresso, denn wie beim Herr Kong ist es bei mir so, dass in die Stadt fahren aufwendig und kostenbehaftet ist, insofern wäre etwas Komfort da nicht schlecht.
So richtig realistisch ist das aber m.E. nicht, zumindest nicht hier in meinem direkten Umfeld, denn der FLGS hat halt den Nachteil, dass er wirklich "local" ist, und mehr als die 20 Minuten bis in die nahegelegene Stadt würde ich nicht unbedingt fahren wollen - die Kalkulation sieht aber sicher für Berlin, Frankfurt oder München nochmal anders aus.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Megavolt am 5.07.2022 | 16:49
Jain. Ich meine mit Expertise natürlich nicht, dass er sämtliche Rollenspiele dieser Erde in und auswendig kennen muss. Aber er muss mir eben mehr erzählen können als nur "Da gibts DSA und Shadowrun und Cthulhu."

Was wäre denn deine Erwartungshaltung? Dass er sagen kann: "Kauf dieses Abenteuer, das ist cool"? Oder auf welchem Level wünschst du dir Expertise?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Noir am 5.07.2022 | 16:55
Abenteuerempfehlungen wären durchaus ne nette Sache. Wenn er das Abenteuer kennt und mir schon ein paar Eckdaten sagen kann, umso besser. Aber wenn ich zum Beispiel sage, dass ich Interesse habe ein neues System kennenzulernen und ich gerne die Eigenschaften X, Y und Z hätte ... dass er mir dann zum Beispiel etwas empfehlen kann. Und sei es nur, weil es in die Richtung geht. Wie gesagt: Er müsste jetzt nicht jedes obskure Spiel der Welt auftischen ... aber der Teller sollte halt schon etwas mehr bieten als nur die Big Player. So, dass ich das Gefühl habe, der Händler will mir nicht nur etwas verkaufen. Sondern er will mir wirklich helfen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Brainworm am 5.07.2022 | 17:04
Würde doch reichen, falls sie selbst Rezensionen lesen bzw. schauen, oder? So voll sind die Läden wieder auch nicht und ich mach das ja auch Parallel zu meinem Broterwerb.  ;D

Das wäre dann aber nicht wirkliches Expertenwissen, in meinen Augen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: unicum am 5.07.2022 | 17:18
Jain. Ich meine mit Expertise natürlich nicht, dass er sämtliche Rollenspiele dieser Erde in und auswendig kennen muss. Aber er muss mir eben mehr erzählen können als nur "Da gibts DSA und Shadowrun und Cthulhu."

Das mit dem In- und Auswendig meinte ich nicht einmal. Trozdem halte ich es schon für Zeitlich sehr aufwenidg sich etwas in ein System einzulesen, sicher - die meisten Rollenspiellädenbesitzer waren eigentlich auch Spieler und hatten so zumindest in ein, zwei Systemen eine hohe Expertise - zu vielen anderen konnten sie zumindest mal etwas sagen.

Aber ich würde heute sagen das es sehr viel mehr "interessante" Regelwerke da draussen gibt als, sagen wir mal vor 2000. Und ich denke so nach 2000 ging es mit dem Spielelädensterben los. (so zumindest mein persöhnliches Empfinden).
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Hereagain am 5.07.2022 | 17:19
@Topic: Für mich nicht.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Belfionn am 5.07.2022 | 17:39
Ich finde im Eingangspost ist die Situation ganz gut analysiert worden.

Ich persönlich habe seit etwa 20 Jahren keinen Rollenspielshop mehr in der Nähe und brauche ihn auch nicht. Gekauft wird auf der Spielemesse am Stand (manchmal) oder online, dann meist direkt beim Verlag (häufiger), da ich weiß, dass ich damit die Schaffenden am besten unterstütze.

Ich glaube aber in der „gesellschaftlichen“ Wahrnehmung kann so ein Rollenspiel- oder Nerdladen vielleicht nützlich sein, einfach weil man ihm von außen ansieht, dass es dort „seltsame“ Fantasy-/Scifi-/Horror-/…-Sachen gibt und vielleicht mal jemand interessiert ins Schaufenster lugt. Damit kann er vielleicht das erfüllen, was früher angeblich die DSA-Boxen in Kaufhäusern geschafft haben: initial Neugier oder Interesse wecken.

Denn ganz klar: Wer erst mal Kontakt zur Rollenspielszene hat, der findet alles was er braucht online und braucht keinen Laden. Wer (als Jugendlicher?) den Kontakt noch nicht hat, braucht vielleicht einen Stups in die Richtung.

Das alleine kann aber natürlich keinen Laden am Leben halten. Schon gar nicht in einer Lage, in der viel Laufkundschaft vorbei kommen kann, weil da die Miete viel zu hoch ist.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: tartex am 5.07.2022 | 17:55
Das wäre dann aber nicht wirkliches Expertenwissen, in meinen Augen.

Zumindest ein großer Schritt in die richtige Richtung. Alle Abenteuer durchspielen oder selber ausprobieren bringt ja auch nicht viel, wegen Linse der speziellen Gruppe und persönlichem Geschmack. Würde es auch keinem Verkäufer übel nehmen, falls er findet die 7G-Kampagne ist das Highlight aus 45 Jahren Rollenspiel-Historie. Aber zu jedem Buch im Laden 2 oder 3 Rezensionen mit unterschiedlichen Meinungen gelesen zu haben, würde schneller geben und man hätte mehr Einsicht.

Wenn ich so einen Laden durchschaue, recherchiere ich danach ja auch alle Bände, die mir bisher nicht bekannt waren. Und ich verbringe da sicher keine 8 Stunden täglich. (Seit 3 Wochen habe ich z.B. einen guten Überblick über finnische Überbleibsel vergangener Jahrzehnte in den Rollenspielläden dieses Landes. Dabei spreche ich ja nichtmal die Sprache.)

Ich habe übrigens vergessen zu erwähnen, dass mich in den letzten 20 Jahren kein Rollenspielladen mehr geflasht hat, aber dafür die Zentralbibliothek von Helsinki.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Weltengeist am 5.07.2022 | 18:11
Was müsste für mich also ein solcher Händler bieten, dass sein Laden für mich interessant würde? Lassen wir da einfach mal unsere Gedanken fliegen ... und lassen die Wirtschaftlichkeit dabei mal kurz außer Acht ...  auf jeden Fall müsste der Händler eine enorme Expertise seines Fachs bieten.

Abenteuerempfehlungen wären durchaus ne nette Sache.

Da wären wir - was mich betrifft - wieder beim besagten Blättern. Gerade bei Abenteuern würde es mir enorm helfen, wenn ich einfach in den Laden latschen, ein Dutzend davon über die Hand gehen (richtig reingucken!) lassen könnte und dann zwei davon kaufe. Das hätte mir im Laufe der Jahre so manchen Fehlkauf erspart (und sicher auch so manche Entdeckung erst ermöglicht) und ist im Internet als Recherche unendlich viel schwieriger zu leisten, weil immer nur Fetzchen als Leseprobe verfügbar sind.

Aber wie gesagt: oft sind die Dinger eingeschweißt, oder es ist von der Ladenleitung nicht gewollt, dass man die Ware "für andere Kunden verdirbt" (mach ich nicht, aber es gibt ja echt Leute, die schlappen mit 'nem Döner auf den Hand in den Fantasy-Shop). "Angefasst ist gekauft" hilft mir da halt nicht weiter.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: YY am 5.07.2022 | 18:22
Mir fallen von früher™ drei Läden ein, in denen ich mich einigermaßen regelmäßig rumgetrieben habe.

Der eine war ein sehr aktiver Treffpunkt für die lokale Rollenspiel- und Tabletopszene und hatte nebenbei auch eine Schanklizenz - war also damals schon eine Art Rollenspielcafé.

Der andere hatte trotz Lage in der Provinz aufgrund starker amerikanischer Truppenpräsenz eine sehr breite Auswahl auch an englischsprachigen Spielen. Da habe ich erst im Nachhinein gemerkt, wie viel große weite Rollenspielwelt der uns damals gebracht hat ;)

Und der dritte hatte eine ziemlich große Ecke mit gebrauchten Regelwerken, in der man auch mal die eine oder andere obskure Perle entdeckt hat. Die wurde aber irgendwann abgeschafft und damit war für mich der größte Pluspunkt weg.


Heute habe ich "meine" Spieler, spiele kein TT mehr und habe nicht die Zeit, mich stundenlang im Laden rumzudrücken. Damit fällt das Rollenspielcafé weg.
Für mich interessante neue Systeme finde ich im "normalen" Laden eh nicht und die anstehenden Veröffentlichungen bekannter Systeme habe ich auf dem Schirm oder bekomme das übers Netz mit, also brauche ich nicht auf gut Glück hingehen.

Da bleibt dann gar nicht so viel über.

Aber:
Was müsste für mich also ein solcher Händler bieten, dass sein Laden für mich interessant würde?

Einen "Laden" bei mir in der Nachbarstadt gibts, wo ich selten, aber dann gerne hingehe.
Das ist eigentlich ein Versandhändler für Rollenspiele, Wargames, TT und Brettspiele, aber mit Anmeldung kann man dort im Lager rumstreunen.
Der hat auch viel älteren Kram, den man sonst kaum mehr irgendwo findet.

Dort gehe ich eigentlich immer mit mehr raus, als ich ursprünglich mitnehmen wollte, sprich das Stöbern zahlt sich noch aus.
Aber es ist eben auch eine eher unansehnliche Lagerhalle statt ein schicker, ansprechender Laden. Den findet man auch schon kaum, wenn man weiß, wo er ist ;D
Mit Laufkundschaft sieht es dort also mehr als schlecht aus.


Hochkompetente Beratung ist bei der Masse dann natürlich nicht mehr für alles möglich, sondern nur noch für das, was der Betreiber selbst mal gespielt hat.
Aber i.d.R. habe ich einiges sowieso schon konkret auf dem Schirm und anderes sind Zufallsfunde, die ich dann auf gut Glück mitnehme - das passt schon. 
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Holycleric5 am 5.07.2022 | 21:51
Ich mag zwar unseren Hobbyladen aber
- Bücher sind eingeschweißt und richtig stöbern ist schwierig
- Verfügbarkeit im deutschen gegeben aber nicht zwingend da
- Verfügbarkeit im englischen minimal bis gar nicht vorhanden
- Expertise über einzelne Systeme eher schwierig, also ist es eigentlich doch nur die Katze im Sack kaufen
- kein Platz um spiele zu testen
-gwrade im Tabletop fand ich die Läden immer sehr speziell

Vorteile
- ggf machen sie bei Events wie dem gratis Rollenspiel Tag mit und bieten dann auch was an.
- unterstützen lokale cons und sind dadurch als Händler dort vertreten
-man kann Spielaushänge aushängen um die Gruppensuche lokal zu erleichtern.

Ja, ein richtiges stöbern ist aufgrund der eingeschweißten Bücher tatsächlich schwierig, aber gut gemachte Texte auf der Buchrückseite haben mich damals z.B. dazu verleitet, dass ich mir Rolemaster mitnehme.

Platz zum Spieletesten: Kommt auf den Laden an. Damals in Dortmund bei Tellurian Games 2007 (Testspiel D&D 3.5 inkl. eigener Charaktererschaffung) und 2008 (Eingelesen in World of Darkness, Oneshot D&D 4 mit vorgenerierten Charakteren) war es sehr gut machbar.
Bei meinem Bremer Laden Highlander Games stelle ich mir dies eher schwieriger vor, dort gibt es zwar Tische im Ladenlokal, aber man sitzt da sehr nah an der Laufkundschaft.

Fast jeder besitzt Computer, Smartphone und Tablet, um PDFs zu lesen. Hinzu kommt noch, dass Papiermangel ein reales Problem geworden ist, also warum dieses Problem verschärfen, indem man auf irgendwelche Traditionen und persönliches Verlieben pocht, nur damit das gedruckte Buch zum Staubfänger wird. Das Mindset, alles in gedruckter Form haben zu wollen, scheint vor allem bei Rollenspielern vorzuliegen, die in den 70/80/90ern anfingen als alles im Überfluss vorhanden war.

Auf dem Land war die Spielersuche eh nur über das Internet möglich. Ich hatte sogar die Spieler, mit denen ich heute immer noch spiele, vor 15 Jahren hier im  :t: über eine Anzeige gefunden. Wenn ich irgendwelche "special interest" Systeme hatte musste ich auch zwangsläufig im Internet (oft auf der Drachenzwinge, heute eher Discord) nach Spielern dafür suchen, um zumindest mal einen One Shot gemacht zu haben.

Wobei ich auch vor 15 Jahren zuletzt ein Rollenspiel in einem FLGS gekauft habe (inkl. 1,5 Std Zugfahrt) und zwar D&D4e auf deutsch. Danach habe ich Jeff Bezos geholfen zum reichsten Menschen der Welt zu werden.

Zuletzt habe ich mir ein Rollenspiel bei meinem FLGS vor 4 Tagen gekauft  ;D (aber ich nutze auch eher den ÖPNV, der mich in einer halben Stunde in die Stadt bringt)
Ja, ich bestelle Rollenspiele Teilweise übers Internet (beim Sphärenmeister, wenn es sich um englische, gerne obskure Systeme handelt, z.B. Chivalry and Sorcery), beim Uhrwerk Verlag, um mich mit Neuerscheinungen für Splittermond zu versorgen, manchmal hole ich mir "erratierte" Versionen beim FLGS.

Und ich mag die Papierversionen von Rolllenspielbüchern mehr als PDFs.
Das Gefühl, die Seite tatsächlich umzublättern, statt einfach weiterzuscrollen.
Das Buch tatsächlich wieder aus dem Schrank/Regal zu holen.
Das Gefühl, etwas wirkliches in der Hand zu halten, statt nur ein paar bits und bytes.

PDFs sind toll für erste Einblicke in das System/einen bestimmten Erweiterungsband, keine Frage. Aber wenn dieser erste Eindruck gut ist, folgt für mich oft die Druckversion.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Timo am 5.07.2022 | 23:19
Was habt ihr für miese RPG Ladenerfahrungen gehabt?  :o
Gottseidank war das bei mir eher selten und wenn ich schlechtere Erfahrungen hatte, dann eher mit Mitnerds auf Cons (sei es nun RPG, Comic oder Anime), aber selbst da haben positive Erfahrungen überwogen. Bin ich etwa ein Glückspilz?

Aktuell der perfekte Fantasyladen für mich:

Die ScienceFiction Buchhandlung in Göteborg
https://www.sfbok.se/kontakt/goteborg

Da war ich geflasht dieses Jahr, bin ich immer noch positiv geschockt von.

(https://res.cloudinary.com/tobeinstore/image/upload/q_80,f_auto/v1617552362/content/shops/shop-science-fiction-bokhandeln-goteborg-sweden/shop-science-fiction-bokhandeln-goteborg-sweden-uht8swgMqP.jpg)

(https://res.cloudinary.com/tobeinstore/image/upload/q_80,f_auto/v1617552359/content/shops/shop-science-fiction-bokhandeln-goteborg-sweden/shop-science-fiction-bokhandeln-goteborg-sweden-inYeKr6Awy.jpg)

Das wären Fotos vom Keller wo die RPGs, Romane, Comics und Manga/Anime sind. Im Erdgeschoss ist das Merchandise, Sachbücher und das angeschlossene Cafe zum spielen und essen und trinken.

Ansonsten sind die Läden in Schleswig Holstein auch ganz gut und da bin ich noch ab und an.

Also mein Fazit:
Ja, GUTE Fantasyläden werden auch heute noch gebraucht. Sie müssen aber auch gewertschätzt werden.

Ich weiss nicht ob Roland ein Ladenlokal hat, aber vom Kundenkontakt online her, hat er mich für  Deutschland sehr positiv beeindruckt.

Hier (D) geht der Trend aber eher zu Brettspielcafes statt Rollenspiel, wobei ja evtl. CR und Konsorten auch hier einen positiven Einfluss auf die Szene haben.

Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: AlucartDante am 6.07.2022 | 00:18
Ohne Rollenspielläden wäre ich heute auch nicht hier. Klar heute gibt es das Internet, aber manche Menschen mögen auch die analoge Welt.

Das Tanelorn erfüllt ja auch viele Zwecke eines Rollenspielladens: Man trifft Gleichgesinnte, erfährt etwas über neue Produkte, kauft etwas aus der Schnäppchenecke und trifft Gleichgesinnte.

Braucht es das Tanelorn heute noch?

Lokale Rollenspielläden sind halt einfach vor Ort im Gegensatz zu einem Forum. Aber klar, Rollenspielläden und Foren wirken beide ein bisschen aus der Zeit gefallen...
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Undwiederda am 6.07.2022 | 05:35
Das war etwas, worüber ich mir schon länger Gedanken gemacht habe. Bräuchte man die reinen Händler auf den Cons wirklich? Ich will jetzt nicht gemein sein, aber auf der Liste der relevanten Sachen bei Cons sind die für mein Gefühl eher unten.

Ich möchte die Diskussion jetzt aber auch nicht abschweifen lassen, das nur als Gedanke.

Ne braucht es nicht zwingend aber prinzipiell ist es gut, wenn neue Leute im Hobby den Hypetrain  mitnehmen und sich theoretisch ein decken können aber muss nicht zwingend ein Händler sein, könnte auch ein Bring and Buy oder eine gute Internetverbindung aber physisch in der Hand was zu haben ist schon nice
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: FlorianGressConsulting am 6.07.2022 | 06:10
Läden mit Mehrwert für die Szene braucht es auch heute noch.

Leider generieren den nicht alle Läden oder generieren den nicht mehr alle Läden.

Natürlich ist es so, dass nur weil ein Laden den Mehrwert nicht mehr für mich generiert, nicht unbedingt so, dass der den nicht dennoch noch für die Szene generiert.

Was ich will muss der Laden leider genauso bestellen, wie ich es muss bloß wird der seltener beliefert und ich muss zum Abholen und Bestellen rein.

Mitspieler finde ich über den nicht mehr. Veranstaltungen müssen ich oder die lokalen Vereine schon selber organisieren.

In meinen Nischen kenne ich mich uneinholbar besser aus als der Mensch im Laden.

Für Leute, die weiter am Anfang ihres Hobbys stehen dürfte er aber mehr zubieten haben.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Kaskantor am 6.07.2022 | 06:41
Ich habe in die eine Richtung ca. 60km und in die andere 50km bis zu den nächsten Shops.
Das Sortiment ist höchstens dürftig und die Aussage ich bestelle es und schicke es zu, ist mir die Mühe echt nicht mehr wert.

Reihenfolge der Sichtung und Bestellung:

Roland (Sphärenmeister)> Fantasywelt> Verlage> das große A

PDF:
DriveT> Roland> KS> Verlage zb. System Matters
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Arkam am 6.07.2022 | 06:44
Hallo zusammen,

den reinen Rollenspielladen braucht es sicherlich nicht mehr.
Ich war auch erst soweit das ich mein Rollenspielmaterial Online gekauft habe.
Dann hat mich ein anderes Projekt Mal dazu gebracht in die Hobbyläden gebracht, hier in Düsseldorf kenne ich drei davon. Seitdem schaue ich monatlich eigentlich immer Mal in einen rein.

Wenn man nicht speziell Rollenspiele sucht sondern auch an Brettspielen und eventuell Tabletops interessiert ist kann sich ein Besuch durchaus lohnen. Ja ein gezieltes Kaufen ist meistens nur bei den großen Systemen möglich und eine besondere Fachkenntniss erwarte ich auch eher nicht. Aber das Produkt ist eben direkt da und Inspiration kann man so auf jeden Fall bekommen und das Regelbuch 2 Stunden vor dem Spieltermin zu kaufen klappt online eben eher selten, habe ich vor der Coriolis Online Runde gemacht.

Gruß Jochen
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Zanji123 am 6.07.2022 | 09:53
ich habe ja das Glück in NBG zu wohnen in dem es nen Nerd Laden über 3 Etagen gibt.

Unten RPG / Tabletop / Brettspiele
EG = Manga / Animes / Merch
OG = Comics, weitere Brettspiele, TCGs

Expertise ist da (also die Angestellten kennen sich aus)


auch in Würzburg gibt's ne Bücherei die quasi DIE Anlaufstelle für Fantasy / Sci-Fi ist und der (alte) Chef könnte dir jederzeit Empfehlungen geben was dir gefallen könnte.



Sind die Geschäfte aber mittlerweile "Pflicht" um neue Spieler / Nerds "ranzuziehen"?? Jein

Wenn du Tabletops / TCGs spielst brauchst du halt nen Laden um Turniere zu veranstalten und wenn du erstmal auf dieser schiene bist ist der Schritt von TCG zu weiterem Nerd Kram eigentlich da und hier kann ein RPG Laden schon helfen
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Undwiederda am 6.07.2022 | 10:17
Nur braucht der Laden halt auch den Platz um Dinge zu erlauben. Das mag beim Ultra gut funktionieren aber in kleinen Läden ist es unmöglich.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Grubentroll am 6.07.2022 | 11:03
Früher waren die Läden immens wichtig. Games In und Jürgens Comic Shop waren wichtige Anlaufstellen für die Szene hier in München, bei denen vieles auch erst entstanden ist beim neue Leute kennenlernen und gemütlichen Schwatz im Laden.

Aber heutzutage ist das Thema durch.
Wie der Rest vom Einzelhandel auch, wenn es nicht um Nahrungsmittel geht. Und selbst da passiert ja grad einiges.

Also, nein, es braucht keine Rollenspielläden mehr.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: tartex am 6.07.2022 | 11:19
Das wären Fotos vom Keller wo die RPGs, Romane, Comics und Manga/Anime sind. Im Erdgeschoss ist das Merchandise, Sachbücher und das angeschlossene Cafe zum spielen und essen und trinken.

Es hat auch keiner gesagt, dass es keine umwerfend guten Comicäden oder Buchhandlungen gäbe.  8]  >;D
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Ma tetz am 6.07.2022 | 11:53
Rollenspielläden waren nie ein wichtiger Teil meines Hobbys. Ende der 90er bin ich dahin, um meine ersten Regelwerke zu kaufen, weil es die sonst einfach nirgends gab. Heutzutage ist das eben anders.

Dennoch schaue ich, wenn ich in einer Fremden Stadt bin gerne, ob es solche Läden gibt und besuche die dann.

Den Rollenspielladen in der Nähe habe ich 1-2 Mal besucht, aber sowohl die weitere Kundschaft, als auch das Angebot holen mich nicht ab.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: FlorianGressConsulting am 6.07.2022 | 14:28

Wenn du Tabletops / TCGs spielst brauchst du halt nen Laden um Turniere zu veranstalten und wenn du erstmal auf dieser schiene bist ist der Schritt von TCG zu weiterem Nerd Kram eigentlich da und hier kann ein RPG Laden schon helfen

Ich empfehle einen Blick auf T3 und die gängigen anderen Seiten aber Tabletopturniere in Läden stellen nur einen sehr kleinen Bruchteil der stattfindenden Turniere dar.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Miles am 6.07.2022 | 14:36
Vielleicht muss man Rollenspielläden heutzutage auch anders denken.

Das reine Produkte verfügbar machen und Beratung anbieten reicht nicht mehr. Das kann das Internet auch und ist dabei effizienter, wie hier schon häufiger beschrieben wurde.

Aber wie Grubentroll schon schreibt, der komplette Einzelhandel muss etwas umdenken.
Warum soll ich zu einem Ort kommen? Das kann nur etwas sein, was mir speziell dieser Ort liefert.
Spielrunden, Dinge ausprobieren können, Zeit verbringen und schmökern fallen mir da ein.

Die größeren Buchhandlungen haben das Konzept ja auch geändert. Bieten große bequeme Leseinseln an, Cafe direkt mit dabei. Sie sagen "bleib ruhig und lies einfach ein bisschen, was zu trinken?" Klar das Konzept trägt inzwischen auch nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahren.

Dennoch, wenn der lokale Handel irgendwie Bestand haben will (über treue Stammkunden hinaus), dann muss man den Kunden mehr liefern als das pure Verkaufen von Rollenspielprodukten...
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Zanji123 am 6.07.2022 | 14:44
Nur braucht der Laden halt auch den Platz um Dinge zu erlauben. Das mag beim Ultra gut funktionieren aber in kleinen Läden ist es unmöglich.

selbst kleine Läden können Turniere veranstalten :) sonst hätte Bamberg ja keine z.b.

irgendwas musst du halt machen um Kunden in den Laden zu kriegen. einfach zu sagen "jo bin hier" bringt's halt selten


Ich empfehle einen Blick auf T3 und die gängigen anderen Seiten aber Tabletopturniere in Läden stellen nur einen sehr kleinen Bruchteil der stattfindenden Turniere dar.


ok hätte Tabletops weglassen sollen....
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Nebelwanderer am 6.07.2022 | 15:16
Das meißte sind ja gar keine Rollenspielläden mehr, sondern machen ihren Hauptumsatz mit Sammelkarten oder Warhammer und haben Rollenspiele meißtens nur als kleine Nische nebenher laufen wo geschaut wird das halt aktuelle Systeme da sind weil es dazu gehört irgendwie und natürlich doch der ein oder andere sich reinverirrt.

Wirkliche Rollenspielabende in den Läden gibt es ja auch nur noch sehr sehr begrenzt, die Verlagern sich ja überwiegend auf Vereine.

Zudem kenne ich eigentlich niemanden aus dem Rollenspielsektor der wirklich durch Zufall in einen Laden gestolpert ist und durch Zufall sich zu Pen&Paper überreden hat lassen, die meißten haben es durch Freunde kennengelernt und dann eben über die Faszination erst einen Laden aufgesucht um sich zu erkundigen und das passiert heute überwiegend übers Internet.

Als Spielmöglichkeit taugen sie auch nur begrenzt, da Laut und der Besitzer auch irgendwann feierabend haben möchte. Zudem ist ein Tisch oder Platz viel besser mit Warhammer oder Sammelkartenspielern zu belegen, da die deutlich mehr Umsatz generieren.

Ich selber kaufe meine Rollenspielprodukte in einem Spielwarenhandel der auch Rollenspielprodukte führt, habe den Laden aber schon seit ewigkeiten nicht mehr Betreten da er eine Zweigstelle in meinem Dorf hat (ohne Rollenspielprodukte) aber es dort immer hinliefern lässt und ich es abhole, und der letzte Realekontakt zwischen ihm und mir ist schon mehr als 5 Jahre her, in der Regel schreibe ich ihm eine E-Mail wenn etwas angekündigt wird (Meißtens limitierte Editionen) und er meldet sich wenn er es hat.

Beratung sehe ich auch keine mehr, die meißten Rollenspieler wissen was sie haben möchten und den meißten Verkäufern wird die Fachexpertise fehlen weil man sich einfach zeitlich viel mehr mit einem Rollenspielprodukt ausseinandersetzen muss als mit einem Brett oder Kartenspiel, und man einfach an einem Wochenende mehr Brettspiele kennenlernen und Zielgruppen besser beraten kann als es bei Rollenspielen der Fall ist.

Ich denke also das die Bedeutung eines lokalen Händlers keine relevante Auswirkungen mehr hat

Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Gorbag am 6.07.2022 | 20:25
Ich glaube auch das man "Rollsnspielladen" neu denken muss. Seit dem KickAss Film bin ich ja von dem Comiccafé aus dem Film angetan und glaube, dass auch Rollenspielläden diesem Vorbild erfolgreich folgen könnten. Man muss von einem Händler für Waren mehr zu einem Anbieter von Gemeinschaftsflächen werden. Am Ende sollte es mehr Pub als Laden sein. Heiße und kalte Getränke im Angebot zusammen mit Sitz- und Spielflächen. Am Besten 2-3 abgetrennte Räume mit gehobener Ausstattung, die man Abendweise mieten kann und einem eher lockereren Hauptraum wo man mit der Community ins Gespräch kommen kann. Dazu dann am Besten auch ein dichtes Rahmenprogramm. Public Viewing der gängigen größeren Live Streams. Abende mit offenen Einsteigerrunden oder ein Event der Adventurers League usw.. Eventuell auch mit 2-3 bezahlten Spielleitern an der Hand, die man Abendweise buchen kann - mit Vorlauf versteht sich. Mit denen könnte man dann auch über Releaseevents nachdenken, die 1-2 Wochen nach dem Release direkt neue Abenteuer oder Systeme anbieten.

An tatsächlicher Ware sollte es da denke ich gar nicht so viel Angebot geben. Vermutlich eher Würfel und ähnliches und Bücher maximal auf Bestellung.

Sicherlich ist das Konzept nur in größeren Städten überhaupt tragfähig. Aber das wäre halt ein Laden, der für mich einen echten Mehrwert bietet und der etwas anbietet, was ich eben nicht im Internet bekomme.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Miles am 7.07.2022 | 09:41
Zudem kenne ich eigentlich niemanden aus dem Rollenspielsektor der wirklich durch Zufall in einen Laden gestolpert ist und durch Zufall sich zu Pen&Paper überreden hat lassen, die meißten haben es durch Freunde kennengelernt und dann eben über die Faszination erst einen Laden aufgesucht um sich zu erkundigen und das passiert heute überwiegend übers Internet.

Stimmt. Ich würde aber gerne noch hinzufügen, die meisten Läden sind auch nicht einfach zu finden. Im Sinne, dass dort viel Laufkundschaft vorbeikommt. Bei guter Lage und freundlichem Aussehen könnte ich mir durchaus vorstellen, dass ein paar Leute doch mal stehen bleiben, reingehen und sich umsehen was es mit diesem "Ding aus Stranger Things" so auf sich hat. Vielleicht probiert es sogar jemand mal aus.

Ich habe vor einer Weile auf einer Brettspielmesse Rollenspielschnupperrunden angeboten. Da sind sehr viele Leute stehen geblieben und wollten wissen was es damit auf sich hat. Ein nicht unbeträchtlicher Teil hat dann gemeint: "Stimmt früher habe ich auch sowas gespielt, Das Schwarze Auge. Wie, das gibt's noch?"

Wenn der Laden aber nur abgelegen liegt, und mehr nach Buchantiquar aussieht, dann muss man schon sehr neugierig sein um darin die RSP Ecke zu entdecken.
Nicht falsch verstehen, ich liebe diese Läden, aber mehr Leute zieht man damit nur schwer an.

...Man muss von einem Händler für Waren mehr zu einem Anbieter von Gemeinschaftsflächen werden. Am Ende sollte es mehr Pub als Laden sein...

Genau das, es muss mehr das Konzept Event betont werden. Denn nur da kann man mit einem Lokal gegenüber Internet punkten.
Kennt jemand sowas?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: unicum am 7.07.2022 | 10:40
Zudem kenne ich eigentlich niemanden aus dem Rollenspielsektor der wirklich durch Zufall in einen Laden gestolpert ist und durch Zufall sich zu Pen&Paper überreden hat lassen, die meißten haben es durch Freunde kennengelernt und dann eben über die Faszination erst einen Laden aufgesucht um sich zu erkundigen und das passiert heute überwiegend übers Internet.

Zugestanden die meisten die ich kenne haben es auch durch Freunde kennengelernt.

ABER ich kenne auch einige welche es tatsächlich durch Läden kennengelernt haben. Als ich meine Mittagspause im Studium noch gerne im naheliegenden Rollenspielladen verbracht habe sind da tatsächlich ab und an mal Leute reingeschneit und haben gefragt was das denn für merkwürdige Spiele in der Auslage sind, dann musste der Verkäufer mal wieder her und ich war meinen Gesprächspartner los.(*)

Auch habe ich dort erlebt wie Leute von "Magic The Gaterhing" den Sprung zum Rollenspiel schafften.

Freunde von mir sind auch dazu gekommen weil sie eigentlich Cosim Spieler waren und in ihrem Cosimladen eben auch Rollenspiele drin standen.

(* interessant war das mal eine ältere Dame (geschäzt: 70+) in den laden gekommen ist und sich hat beraten lassen und auch ein Probespiel mitspielte und danach meinte "ach das ist schade das es sowas nicht schon zu meiner zeit gegeben hat" (da hatte ich mich breitschlagen lassen SL zu machen))
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Fillus am 7.07.2022 | 12:30
Ich habe jetzt nicht die 4 Seiten gelesen, also sorry wenn es so schon gesagt wurde.

Ich nehme mal den Satz aus dem Eingangspost "würde mich tatsächlich einfach mal interessieren, wie das die Leute hier sehen. Sind Rollenspielläden heute überhaupt noch von Nutzen? Ist das Verschwinden eben jener Läden wirklich "schade"?"

Ja es wäre schade! Und wie! Aber auch irgendwie reiner Egoismuss von mir, weil ich die Wirtschaftlichkeit ausser acht lasse.


Es ist doch so, auch heute finden noch immer wieder neue Menschen zum Hobby. Klar, sie können sich Online infomieren und Bücher kaufen, aber haben damit keine Anlaufstelle in ihrer Region. Es gibt Onlineseiten zur Spielersuche, die manchmal zum Erfolg führen, aber eben nicht immer.

In den Läden hätten (haben) die Interessierten einen Punkt wo sie Kontakte knüpfen können. Oft wird es auch durch Stammstische, Vereine oder ähnlichem übernommen. Die Hürde sich Online an Fremde zu wenden ist für mich noch ungleich höher. Conventions sind natürlich auch wichtig. Außerdem ist ein Laden ein Ort für den Gratis Rollenspiel Tag.

Vor Corona habe ich bei uns in der Region auf Brettspielveranstaltungen Pen&Paper angeboten und somit unheimlich vielen gezeigt oder erklärt was es damit auf sich hat. Das Interesse war immer riesig und zeigt mir auf wie sehr ein Laden, ein Verein oder irgendwas in der Art hier in der Region fehlt. Es gibt keinen Anlaufpunkt.

Früher habe ich auch viele Spielende vom Magic und Co "rekrutiert", aber auch solche Läden gibt es hier schon nicht mehr. Das Internet ersetzt heute, was früher der Anschlag am Brett im Supermarkt oder das Zeitungsinserat war. Mit dem Unterschied das man sich "Spielanleitungen" in Form von Actual Plays anschauen kann und dann oft im direkten Freundeskreis spielt und unter sich bleibt. Gerade das unter sich bleiben finde ich schade. Das tolle am Hobby ist doch, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen.

Aber, ich habe keinen Einblick in die Finanzen. Lohnt sich so ein Laden noch ausserhalb von Großstädten? Überhaupt muss man Laden und Onlinehandel kombinieren? Ich msus weit fahren um einen Laden zu finden. Heute versuche ich auf anderem Wege Anlaufstellen zu bieten. Selbst die Spielzeugläden gibt es nicht mehr, die früher für sowas offen waren. Hobbyläden (Modellbau) sind auch so gut wie weg. Jetzt versuche ich mein Glück in Büchereien, die ein Cafe integriert haben und auf allen Veranstalungen die da kommen. Ich setzte ich wortwörtlich ins Schaufenster um andere für das Hobby zu begeistern.

Es sollte mehr Vereine geben, wenn ein Verein betreiben nur nicht so umständlich wäre, man rechtlich bei der Satzung (Vorsicht, Halbwissen bei mir) so aufpassen müsste um nicht irgendwie Pirvat haftbar zu sein. Vereine sollten eng mit den Läden zusammen arbeiten, schon mal eine Basis an Stammkundschaft sichern (was vermutlich meistens passiert, ich habe keinen Verein in der Nähe).

Zurück zum Egoissmus. Für mich persönlich wäre es großartig, einen Laden in der Nähe zu haben. Und ich habe auch kein Problem damit etwas mehr zu bezahlen. Wenn ich in ein Restaurant gehe, lasse ich das Trinkgeld auch großzügig ausfallen wenn es mir gefallen hat. Im Rollenspielladen würde ich halt noch irgendwas kaufen, dass ich gar nicht brauche. Aber ich habe es auch zu oft erlebt, dass man sich im Laden beraten lässt und dann Online kauft. Damit unterstelle ich gar keine böse Absicht, vielleicht mussten die Personen auch auf jeden Euro achten oder es gab andere Gründe.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Teylen am 7.07.2022 | 14:24
Wenn der Laden aber nur abgelegen liegt, und mehr nach Buchantiquar aussieht, dann muss man schon sehr neugierig sein um darin die RSP Ecke zu entdecken.
Kleine Anekdote:
Ich war gerade in Barcelona um V:tM Rivals zu spielen. Der Laden war eingequetscht zwischen Restaurants in einem Mehrfamilienhaus.
Man mußte klingeln damit die Tür aufgemacht wurde und dann nochmal warten das die Ladentür aufgeschlossen wurde.
Der Laden war aber dann sehr stylisch und von der Spiel-/Veranstaltungsfläche her riesig ^^
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Fillus am 7.07.2022 | 14:49
Vielleicht wird es Zeit für ein umherziehendes Event. Eine hauptberufliche dauerhafte Convention sozusagen. Ein Team welches durch ganz Deutschland (Österreich, Schweiz) zieht, überall Flächen anmietet und das Event veranstaltet. Müsste sich wohl über Eintritt und Getränke/Speisen, sowie Spenden finanzieren. Durch Werbung könnte man wohl wenig einnehmen, müsste zuminest Anfangs stattdessen einiges investieren. Man wäre auf so viele ehrenamtliche Helfer angewiesen, die sich bereit erklären zu leiten. Ansäzige Läden könnten dort auch einen Stand aufbauen.

Ähnlich einer Band würde man ganzjährlich seine Tour planen und Eintrittkarten im Vorverkauf anbieten. Eine Menge Planung und viele Kontakte wären zu knüpfen. Aber auch eine Möglichkeit für die Verlage sich noch mehr zu präsentieren, sofern ihre Kapazität es zuzlässt.

Man könnte Pen&Paper, Tabletop und kleine LARPs damit verbinden. Wenn man an Brettspiele denkt wird der Markt und das Interesse groß, vielleicht zu groß. Auch Kartenspiele wie Magic, samt Tuniere könnten da stattfinden. Wenn man jetzt noch Comicstände mit rein nimmt ... .

Aber ja, ich fantasiere nur etwas rum. Aber wäre doch toll so eine umherziehende Veranstaltung, auf man man auch mal in Hobbys schnuppern kann, die gar nicht so weit weg vom eigenen scheinen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Noir am 7.07.2022 | 14:49
Es ist doch so, auch heute finden noch immer wieder neue Menschen zum Hobby. Klar, sie können sich Online infomieren und Bücher kaufen, aber haben damit keine Anlaufstelle in ihrer Region. Es gibt Onlineseiten zur Spielersuche, die manchmal zum Erfolg führen, aber eben nicht immer.

In den Läden hätten (haben) die Interessierten einen Punkt wo sie Kontakte knüpfen können.

Und genau diesen Punkt sehe ich eben nicht mehr wirklich als relevant an. Das war vielleicht vor 20/30 Jahren der Fall ... aber wie gesagt ... selbst als ich vor 25 Jahren angefangen bin, waren Rollenspielläden schon völlig irrelevant für uns und unser Hobby. Ich kenne niemanden (!) der irgendwie durch Suche und Kontakte in Rollenspielläden zum Hobby gekommen wäre. Nicht einen. Nun sind meine Bekannten sicher nicht repräsentativ. Aber Kontakte knüpfen neue und junge Leute heute sehr viel schneller und einfacher online. Da darf man sich nicht selbst als Maßstab nehmen, wenn man vielleicht schon Ü30, Ü40 oder Ü50 ist. Das funktioniert für die Jugend heute ganz anders. Irgendwo "hingehen" zu müssen, um sich mit einem fremden über ein Spiel zu unterhalten, dass sie vielleicht interessiert? Das dürfte kaum noch jemand machen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Fillus am 7.07.2022 | 15:05
Und genau diesen Punkt sehe ich eben nicht mehr wirklich als relevant an. Das war vielleicht vor 20/30 Jahren der Fall ... aber wie gesagt ... selbst als ich vor 25 Jahren angefangen bin, waren Rollenspielläden schon völlig irrelevant für uns und unser Hobby. Ich kenne niemanden (!) der irgendwie durch Suche und Kontakte in Rollenspielläden zum Hobby gekommen wäre. Nicht einen. Nun sind meine Bekannten sicher nicht repräsentativ. Aber Kontakte knüpfen neue und junge Leute heute sehr viel schneller und einfacher online. Da darf man sich nicht selbst als Maßstab nehmen, wenn man vielleicht schon Ü30, Ü40 oder Ü50 ist. Das funktioniert für die Jugend heute ganz anders. Irgendwo "hingehen" zu müssen, um sich mit einem fremden über ein Spiel zu unterhalten, dass sie vielleicht interessiert? Das dürfte kaum noch jemand machen.

Alleine im letzten Jahr vor Corona komme ich in dem ländlichen Teil in dem ich wohne, auf sehr viele. Das ist natürlich nur ein regionaler Wert und auch nur mit mir eine Einzelsperson daher statistisch nicht relevant. Aber ja, vor allem auf Veranstaltungen die eher allgemeiner waren, also also um's Spielen (Brett- und Kartenspiele) an sich ging, musste ich dutzendweise Menschen in andere Gruppen vermitteln, weil ich selbst keinen Platz hatte. Zugegeben, Jugendliche waren selten dabei, die bleiben wie ich schon schrieb eher unter sich. Aber von 19 bis cirka 75 Jahren war alles dabei. Wobei der Trend bei den älteren Mitmenschen eher Richtung Krimi Rollenspiel ging.

Ich habe zudem auch Rollenspiel für Kinder angeboten und der Andrang war gewaltig. Die Eltern haben keine Anlaufstelle und nur mit den Videos aus dem Internet haben sie sich nicht getraut, oder es schlicht nicht verstanden. War es schwer im Dschungel der Spiele ein passendes für sich zu finden. Kennen ja auch die einschlägigen Seiten nicht, sind nicht in der Szene drin. Viele waren mir sehr dankbar, es einmal aufgezeigt bekommen zu haben und so zu Hause einfach loslegen zu können.

Die Hemschwelle auf eine Convertion zu gehen, ist deutlich häher als einen Laden vor Ort besuchen.

Mal davon ab, die Male die ich bei uns in Geschäften geleitet habe, ob an Gratis Rollenspieltagen oder sonst wie, haben immer wieder Menschen ins oder zurück ins Hobby geführt. Und auch vor wenigen Jahren als ich noch Magic gespielt habe, sind regelmäßig "Überlaufer:innen" zum Pen&Paper gekommen, ohne das ich all zu viel Überredungskunst anwenden musste.

Aber wie geschrieben, alles nur als eine Person in meiner eigenen Blase.

Ich weiss ich denke zu sozial. Ein Laden muss Geld verdienen um zu bestehen. Ich kann das in meiner Freizeit schaffen, muss nicht davon leben.

Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: after.job.nerd am 7.07.2022 | 16:14
Der damalige FLGS in meiner Heimatstadt war über Jahre mein Wohnzimmer. Irgendwann hatte ich eine eigene Bude, da brauchte ich kein zweites Wohnzimmer mehr.

Ich kenne inzwischen fast jeden Rollenspiel-Laden in Deutschland, da ich beruflich viel unterwegs bin und auf jeder Dienstreise nach der Arbeit in den lokalen Rollenspielläden stöbern gehe. Vor zehn Jahren bin ich da auch immer noch fündig geworden, aber heute sind es meist nur noch Rollenspielecken in Comic- oder TT- oder Brettspielläden, wo meist über Pegasus/Ulisses/Uhrwerk/5E hinaus nix zu finden ist. Bei den besseren Läden gibt es eine recht komplette Palette der Spiele der genannten Verlagen, aber oft ist mit DSA, Shadowrun, Cthulhu, 5E bereits das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die paar Systeme, bei denen ich noch gedruckte Bücher kaufe (bei den meisten Sachen reicht mir PDF), beziehe ich halt bei amazon oder direkt beim Verlag. BattleTech beim SciFi-Trader.

Kurz gesagt: Rollenspielläden brauche ich keine.

Und die Mär von den Neuspielern, die über die Läden in die Szene kommen, glaube ich nicht. Wenn ich mir die Mitspieler meines Sohnes angucke: Bei locker 2/3 sind die Eltern selbst Rollenspieler, der Rest sind neu angefixte Klassenkameraden.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: T.Dorst am 7.07.2022 | 16:43
Der damalige FLGS in meiner Heimatstadt war über Jahre mein Wohnzimmer. Irgendwann hatte ich eine eigene Bude, da brauchte ich kein zweites Wohnzimmer mehr.

Ich kenne inzwischen fast jeden Rollenspiel-Laden in Deutschland, da ich beruflich viel unterwegs bin und auf jeder Dienstreise nach der Arbeit in den lokalen Rollenspielläden stöbern gehe. Vor zehn Jahren bin ich da auch immer noch fündig geworden, aber heute sind es meist nur noch Rollenspielecken in Comic- oder TT- oder Brettspielläden, wo meist über Pegasus/Ulisses/Uhrwerk/5E hinaus nix zu finden ist. Bei den besseren Läden gibt es eine recht komplette Palette der Spiele der genannten Verlagen, aber oft ist mit DSA, Shadowrun, Cthulhu, 5E bereits das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die paar Systeme, bei denen ich noch gedruckte Bücher kaufe (bei den meisten Sachen reicht mir PDF), beziehe ich halt bei amazon oder direkt beim Verlag. BattleTech beim SciFi-Trader.

Kurz gesagt: Rollenspielläden brauche ich keine.

Und die Mär von den Neuspielern, die über die Läden in die Szene kommen, glaube ich nicht. Wenn ich mir die Mitspieler meines Sohnes angucke: Bei locker 2/3 sind die Eltern selbst Rollenspieler, der Rest sind neu angefixte Klassenkameraden.

Den Post kann ich zu 90% unterschreiben (sogar inkl. der Dienstreisen und dem Rollenspielshoptourismus quer durch Deutschland). Die einzige Abweichung ist, dass ich keinerlei pdfs kaufe, sondern ausschließlich "echte" Bücher.

Es gibt noch ein paar Läden, die auch Exoten und Indies führen, aber das sind wirkliche Ausnahmen. Und so richtig tief stöbern und Schätze heben kann man dort in der Regel auch nicht mehr.


Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: felixs am 7.07.2022 | 16:47
Ein Laden muss Geld verdienen um zu bestehen.

Das ist sicherlich ein Problem. Und das ist auch der Grund, weshalb ich keinen solchen Laden eröffnen würde, auch wenn ich mich durchaus gern beuflich umorientieren würde und obwohl mir Einzelhandel, Kundenberatung etc. Spaß machen würden. An Herzblut würde es nicht fehlen, aber ich würde gern (gern auch gut) leben.

Wenn es aber Läden gibt und wenn die nicht überwiegend von totalen Idioten bevölkert sind (selten so erlebt), dann unterstütze ich die gern - allerdings setzt das natürlich voraus, dass ich 1) Geld habe und 2) dort etwas finde, das ich kaufen möchte. 1) ist unbedingt nötig, 2) kann man natürlich irgendwie umgehen und einfach irgendwas kaufen, aber das rächt sich schnell in Form von verrümpelter Wohung...

Es gibt noch ein paar Läden, die auch Exoten und Indies führen, aber das sind wirkliche Ausnahmen. Und so richtig tief stöbern und Schätze heben kann man dort in der Regel auch nicht mehr.

Der einzige Laden, bei dem ich in de letzten 10 Jahren noch richtig lohnendes Stöbern hatte, war der Tellurian in Dortmund.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: CAA am 7.07.2022 | 19:17
Ich hab "erst" 2009 ins Hobby gefunden und war seitdem in 3 Rollenspielläden.

1) War wohl irgendwann mal mit P&P als Hauptfokus, aber dato (2009) gabs nur noch nen halbvolles Regal mit DSA4.1 Büchern. Der Rest vom Laden waren Sammelkartenspiele (Pokemon und Magic)
2) War so eng und zugestellt, dass man sich kaum umdrehen konnte. Bücher waren eingeschweist.
3) Bücher waren eingeschweist. Zu dem System was mich interressiert hatte, konnte der Verkäufer leider nichts sagen.

In keinem der drei Läden gab es ein schwarzes Brett (o.ä.), über das man hätte eine Gruppe finden können.


Mir stellt sich da ne ganz andere Frage: Hat es Rollenspielläden überhaupt jemals gebraucht?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Nebelwanderer am 8.07.2022 | 00:01



Mir stellt sich da ne ganz andere Frage: Hat es Rollenspielläden überhaupt jemals gebraucht?

Tatsächlich habe ich zu einer Zeit angefangen als es noch keine Handys gab und Internet noch nicht überall Verfügbar und Minutengenau abgerechnet wurde. Durch den Aushang im örtlichen Rollenspielladen habe ich zwei Gruppen gefunden und davon sind zwei immer noch meine besten Freunde, Davon abgesehen gab es sowas wie Amazon noch nicht, wir konnten zwar die Rollenspielbücher in der Buchhandlung bestellen, mussten aber erstmal wissen was es überhaupt gibt. Also ja, ich glaube schon das Rollenspielläden in den 80er/90er sehr zum Erhalt und Aufbau der Szene beigetragen haben, aber früher oder später eben Aussterben/Sich verändern wie Videotheken.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ToBored am 13.08.2022 | 22:47
Hey, hab die 4 Seiten überflogen. Aufgefallen sind mir die Beiträge zur Neuformulierung/-Strukturierung des Konzepts Rollenspielladen. Aber zu erst:
Ich denke Rollenspielladen als Laden zu fassen indem nur Rollenspiele verkauft werden greift unnötig zu kurz. Eine so enge Eingrenzung ist einfach nicht wirtschaftlich machbar. Noch dazu gibt es beim Rollenspielhobby sowohl von den Personen als auch von der Geschichte her einige Überschneidungen mit dem Table Top, Card Games und Brettspielen im allgemeinen. Für mich macht es deswegen keinen Sinn in diesem engen Kontext von einem Rollenspielladen zu sprechen. Von einem Hobby- oder Nerdladen zu sprechen macht für mich hier mehr Sinn, deswegen gehe ich in meinem Beitrag auch von einem solchen durchmischten Angebot aus.

Ich bezweifle tatsächlich das die Einschätzung dass das physische kaufen im Landen überholt sei stimmt. Denn wenn dem so wäre würde Amazon nicht so viel Aufwand betreiben um seine eigene Laden Kette aufzubauen, aktuell vorerst nur in den USA und auf Alltagsprodukte begrenzt. Sie beherrschen bereits den Online-Markt und wäre es wahrscheinlich das in naher Zukunft kein signifikanter Anteil der Käufe mehr in Läden statt finden würde, dann wäre diese Investitionen absolut blödsinnig. In sofern denke ich das lokale/regionale Läden auch in Zukunft relevant für den Vertrieb von Waren sein werden.

Ich denke aber sie werden sich auf einige Arten stark verändern:
Einerseits wird sich der Konflikt zwischen Online und Offline denke ich zum online integrierten physischen Laden auflösen, also das was die Amazon Läden schon heute sind. Das Ladenlokal wird also zu einem lokalen/regionalen Schaufenster des Online-Shops. Indem Waren für den Kauf im Online-Shop ausgewählt werden können.
Da bei Online-Shops(aufgrund der Anmeldeformulare) Netzwerkeffekte greifen ist es recht ineffektiv und nicht wettbewerbsfähig wenn jeder Laden seinen eigenen Online-Shop hat. Zudem kann die Pflege eines Online-Shops recht aufwändig sein(selbst wenn das System eingekauft ist). Deswegen wird sich die Eigentumsstruktur weg vom Inhaber:innen geführten Fachgeschäft hin zu Niederlassungen von Ketten mit bestimmten Fachabteilungen entwickeln. Auf diese Weise können die Netzwerkeffekte des Online-Shops möglichst effektiv genutzt werden und die Ladenlokale können sich am besten auf ihre lokale und fachlich spezifische Situation konzentrieren.
Um ihrer Funktion als Schaufenster am besten gerecht zu werden, werden die Ladenlokale mehr zu Event-Orten werden. Das Ladenlokal für Lebensmittel wird z.B. mehr Live Kochevents veranstalten und dabei Rezepte vorstellen die aus den angebotenen Lebensmitteln gekocht werden können, die zu diesem Zeitpunkt auch herunter gesetzt sein werden. Das Ladenlokal ist so nicht mehr der Vertriebsort, sondern der Werbeort und ein Ort in dem Wert um das Produkt herum geschaffen wird, z.B. durch das Angebot eines Cafes in einem Buchladen.

Unter dieser Prämisse ist der zukünftige Nerdladen ein Ort an dem sich Menschen treffen können um Rollenspiele, Table Top, Card Games und Brettspiele zu spielen, an dem Events geplant, organisiert und veranstaltet werden, an dem am neun Cosplay, der neuen Gewandung, der neuen Spielplatte, der neuen Table Top Armee oder der neuen Kampagnen-Karte gearbeitet werden kann und an dem Dienstleistung rund um das Hobby angeboten werden wie die Bewirtschaftung. Und das alles integriert in ein übergreifendes Online-Shop System. In einem solchen Laden wäre es egal wenn die Leute sich beraten lassen und dann nachher Online kaufen, wenn sie im angeschlossenen Online-Shop kaufen. Und die Dienstleistungen und Events um zu verkaufenden Waren herum stellen die Bindung an den Online-Shop bestmöglich sicher, z.B. da das Buchen von Räumen, Anmelden bei zu Events oder das Nutzen von Werkzeugen für das Basteln einen Account im Online-Shop erfordern. Ein Account der vor Ort einfach angelegt werden kann, entweder durch das kostenlose WLAN mit dem eigenen Gerät oder an Internet-Terminals.
Profitieren könnte das ganze denke ich noch von einem angeschlossenen Forum und natürlich einer Integration in bestehende Soziale Netzwerke.

Ein solcher Laden wäre durchaus anders als heute, vielleicht am ehesten kommt es einer Mischung aus GW-Lokal und Brettspiel-Cafe gleich. Aber ich denke er würde auch sehr nützlich für das Hobby sein. Er könnte Elemente eines Rollenspielvereins erfüllen, bzw. sogar Teil eines solchen sein. Auf diese Weise könnte er eventuellen schädlichen Mono- oder Oligopolen im Vertriebsfeld vorbeugen, die durch die Online-Shop Technologie aufgrund ihrer Netzwerkeffekte gefördert werden. Andererseits könnte er auch den Kontakt zwischen Spieler:innen und Verlagen verbessern, in dem er den Austausch strukturiert und organisiert, z.B. in Form von regelmäßigen Austauschrunden zwischen Fans und Redaktion. Er könnte auch die Interessen von Rollenspiel interessierten in der Gesellschaft sichtbar machen und in dieser vertreten, als normaler Interessenverband. Im Rahmen dieser Tätigkeit könnte z.B. auch die vielfältig entstehenden digitalen Formate im Internet wie Live Streams oder Podcasts finanziell oder materiell unterstützen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Runenstahl am 14.08.2022 | 00:15
- Ich habe derzeit 4 Rollenspielrunden am Laufen mit insgesamt 20 verschiedenen Mitspielern (plus mich selbst). Keinen einzigen davon habe ich durch einen Rollenspielladen gefunden. Ein paar wenige über das Internet, die allermeisten schlicht über Mundpropaganda.
- Rollenspielprodukte kann man überall kaufen. Z.B. im Buchhandel. Dafür braucht es keine speziellen Läden. Beratung kann bei Rollenspielprodukten eh kaum geleistet werden.
- In letzter Zeit kaufe ich mehr PDFs als echte Bücher.

Fazit: Ich mag es in derartigen Läden zu stöbern. Wirklich brauchen tue ich sie nicht.

PS: Zum Thema sich beraten lassen und dann woander kaufen. Rollenspielbücher sollten hier in Deutschland doch eigentlich der Buchpreisbindung unterliegen. Mag sein das das bei Tabletops, Figuren, Würfeln etc. geht, aber bei reinen Regel- oder Abenteuerbüchern sollte das gar nicht möglich sein. Oder habe ich da was übersehen ?
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Raven Nash am 14.08.2022 | 07:34
Oder habe ich da was übersehen ?
Ja, die Tatsache, dass sich die Buchpreisbindung nur auf deutschsprachige Bücher bezieht. Sowas kauf ich aber nicht.  ;)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Weltengeist am 14.08.2022 | 08:06
Oder habe ich da was übersehen ?

Ja. Wie Raven Nash schreibt: dein gesamter Beitrag bezieht sich auf deutschsprachige Bücher. So auch die Annahme, man könne die Bücher einfach über den normalen Buchhandel beziehen. Die deutschen Buchhändler sind nämlich an dermaßen unfähige Großhändler angebunden, dass sie alles abseits des deutschen 08/15 nicht kriegen. Gilt übrigens nicht nur für Rollenspielkram, sondern beispielsweise auch für Romane, Sach- und Fachbücher. Meine örtliche Buchhändlerin verliert dadurch jährlich rund tausend Euro Umsatz, die ich dann doch beim bösen A lassen muss, weil sie die englischsprachigen Sachen einfach nicht (oder nicht in erträglicher Zeit) beschaffen kann, so sehr sie sich auch bemüht.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Alex am 14.08.2022 | 09:08
Ein solcher Laden wäre durchaus anders als heute, vielleicht am ehesten kommt es einer Mischung aus GW-Lokal und Brettspiel-Cafe gleich. Aber ich denke er würde auch sehr nützlich für das Hobby sein. Er könnte Elemente eines Rollenspielvereins erfüllen, bzw. sogar Teil eines solchen sein. Auf diese Weise könnte er eventuellen schädlichen Mono- oder Oligopolen im Vertriebsfeld vorbeugen, die durch die Online-Shop Technologie aufgrund ihrer Netzwerkeffekte gefördert werden. Andererseits könnte er auch den Kontakt zwischen Spieler:innen und Verlagen verbessern, in dem er den Austausch strukturiert und organisiert, z.B. in Form von regelmäßigen Austauschrunden zwischen Fans und Redaktion. Er könnte auch die Interessen von Rollenspiel interessierten in der Gesellschaft sichtbar machen und in dieser vertreten, als normaler Interessenverband. Im Rahmen dieser Tätigkeit könnte z.B. auch die vielfältig entstehenden digitalen Formate im Internet wie Live Streams oder Podcasts finanziell oder materiell unterstützen.
Das ist genau das was ich mir auch vorstellen und mich zu einem regelmäßigen Besuch animieren würde.  :)
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: General Kong am 14.08.2022 | 10:17
Ich sehe nicht, wie ein von ToBored vorgestellter laden für den Besitzer durch den Betrieb des Ladenlokals auch nur annähernd genug Gewinn abliefern sollte.
Leute kommen, lümmeln rum, tun Dinge, lassen sich beraten und dann kaufen sie vielelicht im Laden oder online im Online-Laden ein Buch oder zwei.
Oder in einem anderen Online-Laden.

Oder soll das eine Art Kneipe werden? Mit angeschlossenem Online-Vertrieb? Auch das Besipiel mit Nahrungsmittelgeschäft, das Kochkurse macht und Rezeptideen (gegen Eintritt?) vorstellt, erscheint mir recht weit von einem Konzept entfernt, das betriebswirtschaftlich irgendwie für den Betreiber Sinn macht.

Das ist mehr ein Klubhaus zum Rollenspielen (bzw. Kochen) mit einer Empfehlung, dass man im Online-Shop als Klubmitglieder Prozente erhält (von wegen "Kauft bei Horst, der hält den Laden doch auf für uns!"). Blöd nur, wenn Nur-Online-Heinz günstiger sein kann als Klubhaus-Horst mit laden, denn: Heinz ist schlau und hat keinen Laden.

Läden sind nett. Buchhandlungen auch.

In beiden war ich früher ständig, jetzt schon lange, lange nicht mehr.

Ich vermisse das ein wenig, aber ich fahre bei den Spritpreisen und Parkgebühren nicht in die Stadt um zu schauen, ob das, was ich haben will, vielleicht da sein könnte. Die Antwort ist eh meisten: "Nein, aber wenn sie in zwei Wochen nochmal kommen, dann haben wir das vielleicht da. ... Was? Sie kontaktieren, wenn es da ist? ..." (mitleidig-verständnisloser Blick oder Bejahung - aber es kommt nie was)

Oder ich nutze mein Amazon Prime-Abo und habe es übermorgen im Briefkasten.  :think:
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ToBored am 14.08.2022 | 14:11
Ja wie geschrieben, am besten als Mischung aus GW-Laden und Brettspiel-Cafe zu verstehen. Und da in den USA diese Brettspiel-Cafes aktuell im Trend sind und immer mehr entstehen, scheint es sich doch irgendwie zu rechnen.

Jedoch scheinst du einen Teil meines Beitrags nicht gelesen zu haben, da du von einem Einzelnen persönlichen Inhaber sprichst. Ich allerdings gehe von der Prämisse aus das der isolierte Inhaber geführte Einzelhandel als konkrete Eigentumsform überholt ist, weniger das Konzept einer lokalen Einkaufsmöglichkeit, auch teils fachspezifisch. In der Zukunft werden das örtliche Zweigstellen von Aktiengesellschaften oder anderen Kapitalgesellschaften(abseits der kleinst GmbH) sein. Vielleicht wird sich auch ein immer härteres Freanchising Modell halten können, bzw. das ergänzen(im schlimmsten Fall). Auf jeden Fall wird sich das Kapital stärker konzentrieren, allein weil es so effektiver verwertet werden kann im Bezug auf die aktuellen Technologien.

Aber wo du richtig liegst ist das Klubhaus, den ja das wäre es zu teilen. So wie Amazon Amazon Prime anbietet und dadurch besseren Service, aber auch On-Demand Angebote bei Filmen, Musik und ihren physischen Stores, anbietet. Würde es auch hier ein Mitgliedsmodell geben, das z.B. die Nutzung der Werkstatt zum herstellen von Gewandungen erlaubt. Zusätzlich würde wohl der Großteil der nicht fixen Einnahmen im Tagesgeschäft durch die angeschlossene Gastronomie kommen.
Interessant wäre es denke ich auch das Mitgliedsangebot mit einem VTT Angebot zu verknüpfen. Und natürlich würde die Mitgliedschaft auch kürzere Lieferzeiten bedeuten, wie bei Amazon Prime.

Generell rückt das Verkaufen von Güter im örtlichen Laden in den Hintergrund. Es ist viel eher eine Tätigkeit um den Wert der angebotenen Dienstleistungen, lies Gastronomie, VTT, Events, Werkzeuge on-demand, etc., zu erhöhen und um den Online-Shop zu bewerben, dessen Möglichkeit der Kundenbetreuung zu ergänzen und natürlich um regionale Vierteilzentren für eine Erhöhung der Lieferqualität zu haben(so wie Amazon schon heute seine physischen Läden nutzt).
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 14.08.2022 | 14:54
In der Zukunft werden das örtliche Zweigstellen von Aktiengesellschaften oder anderen Kapitalgesellschaften(abseits der kleinst GmbH) sein

bliebe die Frage, "welche" Kapitalgesellschaften sich das antuen sollten.

Brett-Amazon-Cafe
Alexa, muss ich da jetzt drüber oder drunter würfeln? Alexa, ich habe 3+3 gewürfelt
"3er Pasch schlägt nach Sonderregel-der-abschreckenden-Sonderregel die 4+3"
so kann es mir egal sein, wie zerhackstückelt-uninuitiv dieses Spiel seine Regeln präsentiert! Gewürfelt und Ergebnis ist da - so kann man schnell loszocken bzw. einfach mal ein neues System/Brettspiel ausprobieren

"wir haben auch passende Glitzerfarbenwüfel farblich passend zu der letztens gekauften Unterhose im Sortiment..."  >;D
"bei Abschluss von PrimeAbo Cheat steigen die kundenlastig verschobenen Probe-gelungen-Ansagen um garantiert 15%"  >;D


"also, wir haben nach Sprach- und Kampagnenauswertung der bei uns in den Cafes gespielten D&D Session folgende Schwerpunkte bei der Herr der RingeTM Subserie Diebe-in-Mordors-Kerkern gewählt..."
 ~;D


 
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ToBored am 14.08.2022 | 15:09
Antwort, Amazon. Und es ist ein wichtiges Forschungsfeld rund um Smart City. Das was du da zeichnest hat wenig mit dem Vorgestellten zu tun, da es da eher um konkrete Systeme geht. Bei dem was ich vorgestellt habe geht es um das Spielen und das drumherum, sprich Spielmaterial, Räumlichkeit, Verpflegung, etc. die satirische Überspitzung ist also nicht wirklich zutreffend, aber durchaus witzig.

Und ganz konkret haben die physischen Läden für Amazon ganz konkrete Vorteile.
1. Sie holen Menschen ab die über das Internet nicht oder nicht so einfach zu erreichen wären und bauen so die eigene Marktmacht aus womit bessere Konditionen beim Einkauf und der Vertriebsbeteiligung erzielt werden können. Was mit der Unternehmensstrategie der Monopolsicherung einhergeht die Amazon seit seinem bestehen verfolgt und die vor allem für Online-Shops sehr nützlich ist da sie ähnlich wie Soziale Netzwerke funktionieren und Netzwerk Effekte aufweisen, bedeutet desto mehr Kunden ich führe desto wertvoller ist der Online-Shop an sich. Aufgrund besserer Marktdaten, mehr Marktmacht, mehr Verhandlungsmacht gegenüber Vertragspartnern, etc.
2. Sie dienen ihnen als Vierteilzentrum das quer finanziert wird. Was ihre Logistik kosten senkt.
3. Es stellt eine Werbeposition da, vor allem ihre To Go Geschäfte in Innenstädten, wobei das bei Amazon vernachlässigbar ist aufgrund der bestehenden Marktdurchdringung im Online Bereich.
4. Sie dienen der Vermeidung von produktspezifischen Hürden die im Online-Shop bestehen, z.B. bei Lebensmitteln oder Kleidung, wo manche Menschen das Produkt vorher gerne physisch erleben wollen.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 14.08.2022 | 15:29
Und ganz konkret haben die physischen Läden für Amazon ganz konkrete Vorteile
2. Sie dienen ihnen als Vierteilzentrum das quer finanziert wird. Was ihre Logistik Kosten senkt.


Batterie an Code-Schließfächern, aus denen man sich bei der Fahrt-nach-der-Arbeit mal eben seine Amazon-Bestellung abholt
(etwa, weil man genau diese Station schon beim Bestellen als Übergabepunkt gefixt hat und sich nicht überraschen lässt, wo das Packet in der Nachbarschaft oder Abholstore am Arsch der Welt Ende der Auslieferungsfahrt "gelandet" ist)

- also hast du schon Parkplätze und/oder Bus/Bahnanbindung

wie schnell möchten sich an diesem Standort jetzt Gastronomen ansiedeln?

wenn jetzt das noch durch weitere Aktivitäten wie "Spiele-Cafe" aufgewertet wird, dann könnte sich das sogar tragen  :think:

sobald das eine Parkplätze finanziert, profitiert das andere ebenfalls durch diese Erreichbarkeit und wird stärker angenommen, so dass es weitere "Anbieter für Freihzeit&Shoppen&Supermarkt" zieht - Akkumulation halt, um die kritische Größe als Center zu erreichen

nimm die Parkplätze (Abtransport der Einkäufe) und siehe die gänige Innenstadtverödung

(oder Codeschließfächer in echt abgeranzten Industriegebietecken, wo ich keinem empfehle, nach der Arbeit im Dunkeln sein neues Hochwertzeugs abzuholen)


Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ToBored am 14.08.2022 | 16:34
Verteilerzentrum meint nicht Abholzentrum, sondern einen Punkt der im Logistik Netzwerk zur Verteilung von Gütern auf andere Transportmittel genutzt wird. Für den Lieferservice den Amazon aufbaut, um von Lieferdiensten wie DHL unabhängiger zu werden und Angebote wie Amazon Fresh überhaupt anbieten zu können, benötigen die überall im Liefergebiet möglichst engmaschig Lieferzentren, das sind im Endeffekt schlichtweg Lagerhallen mit einem recht kleinen Bereich zum Sortieren beim Auslieferungsbereich. Da jetzt einfach noch eine Verkaufsfläche vor zu setzen und das Lager doppelt zu nutzen ist da recht einleuchtend.

Aber wieder weg von Amazon hin zum Rollenspielladen.
Die Idee ist folgendermaßen. Du hast physische Läden. Diese Läden haben eine angeschlossene Gastronomie(die zu dir gehört die muss sich nicht ansiedeln oder so, das ist Teil des Konzepts). Zusätzlich hast du Buchbare Räumlichkeiten. Regelmäßig organisierst du Events, wie Cons, Turniere, Diskussionsrunden, etc. zu denen es dann je nach dem auch Rabatt Aktionen auf passende Artikel gibt. Dazu gibt es einen Online-Shop, der ist nicht Laden spezifisch, sondern den nutzen ganz viele andere Läden die andere Zweigstellen sind oder Kooperationspartner.
Erweiterbar wäre das durch eine angeschlossene Werkstatt(ähnlich eines Makerspaces oder Fab Labs) wo Leute Dinge rund um das Hobby herstellen können(Miniaturen, Spielplatten, Kleidung, etc.). Und/Oder ein VTT Abo. Beides könnte durch ein Mitgliedsschafts-Modell vertrieben werden, vielleicht mit unterschiedlichen Stufen wie z.B. beim neuen PS Plus Dienst, nachdem dort PS Now integriert wurde.

Rechtlich würde ich das als eine Verbundstruktur von Genossenschaften aufziehen. Jeder Laden wäre eine eigene örtliche Genossenschaft. Um die Angebote des Mitgliedsschafts-Modells würden über die Mitgliedsschaft in der Genossenschaft vertrieben, die darf nämlich wie Vereine Mitgliedsbeiträge verlangen. Die Events würden je nachdem von Mitgliedern, Angestellten und externen veranstaltet werden. Ziel wäre es das jede örtliche Genossenschaft in den örtlichen Szenen verankert wäre und dort auch die Rolle eines Vereins ausfüllen würde. Haupteinnahmequelle der örtlichen Genossenschaften wäre wohl der Gastronomie Bereich, der ein Thematisches Cafe darstellt. Raumbuchungen und eventuelle Werkstatt wären eher Mitgliederpflege. Für alles würde ich durchaus auf die Möglichkeit der Rückvergütung beim Mitgliedergeschäft zurückgreifen. Diese örtlichen Genossenschaften würden dann eine übergreifende Genossenschaft bilden. Diese würde sich um das Betreiben einer Online-Shop Plattform kümmern, überregionale Events veranstalten, die Vertretung gegenüber der Öffentlichkeit, Verlagen und Politik übernehmen(als eine Art Interessenverband) und im besten Fall auch als Großhändler fungieren(wobei ich mich hier im speziellen nicht genug mit der konkreten Marktsituation auskenne um sagen zu können ob dies so einfach zu etablieren wäre) zumindest würde sie aber die Verhandlungen mit dem Großhandel und den Verlagen bündeln. Die Gewinne aus dem Online-Handel würde dann über Rückvergütungen und Gewinnausschüttungen an die örtlichen Genossenschaften und eventuell die einzelnen Mitglieder verteilt.
Ziel ist es also nicht Gewinne zu machen, sondern einen Mehrwert für die Szenen zu schaffen und dabei möglichst bei 0 raus zu kommen, bei einer Gewinnrate die zukünftige Investitionen ermöglicht.
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Runenstahl am 14.08.2022 | 17:27
Ja. Wie Raven Nash schreibt: dein gesamter Beitrag bezieht sich auf deutschsprachige Bücher. So auch die Annahme, man könne die Bücher einfach über den normalen Buchhandel beziehen. Die deutschen Buchhändler sind nämlich an dermaßen unfähige Großhändler angebunden, dass sie alles abseits des deutschen 08/15 nicht kriegen. Gilt übrigens nicht nur für Rollenspielkram, sondern beispielsweise auch für Romane, Sach- und Fachbücher. Meine örtliche Buchhändlerin verliert dadurch jährlich rund tausend Euro Umsatz, die ich dann doch beim bösen A lassen muss, weil sie die englischsprachigen Sachen einfach nicht (oder nicht in erträglicher Zeit) beschaffen kann, so sehr sie sich auch bemüht.

Macht Sinn.

Ich selbst kaufe auch viele Englisch-Sprachige Produkte. Meine Buchhandlung hat allerdings noch nie ein Problem gehabt englischsprachige Werke zu bekommen (oder in anderen Fremdsprachen was das angeht). Ich habe allerdings auch keinen Kummer damit wenn es mal ein paar Wochen dauert weil der Großhändler den Titel nicht hat und es ein "Besorgungstitel" ist. Das ist natürlich im Vergleich zum "bösen A" (tm) wo es in 1-2 Tagen vorliegt ein deutlicher Nachteil. Ich muß gestehen das es mir auch gut genug geht das ich nicht jeden Euro zweimal umdrehen muß und es mir bei Büchern spare nachzugucken wo es nun ein paar Euronen günstiger ist (bei größeren Einkäufen mache ich das schon und da schlägt A den Fachhandel dann meist um derartige Längen das mein guter Wille die Dinge Lokal zu kaufen nicht ausreicht... ich lasse mich aber auch nicht im Fachhandel beraten sondern hole mir meine Meinungen durch ausgiebige Recherchen.... also 10-30 Minuten im Internet ;) ).
Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: Maarzan am 14.08.2022 | 19:43
Ich kann den Wunsch nach einem Rollenspielladen in der besagten Form nachvollziehen, aber lässt sich das tatsächlich mit Preisen umsetzen, welche dann von den anvisierten Kunden getragen werden?

Mein Eindruck ist z.B. beim Unperfekthaus Essen, dass die sich aus dieser Zielgruppe (gemessen an den von mir wahrgenommenen Spieleterminen z.B. über spontacts vorher und nachher) herausgepreist haben. (9€ für Getränkeflat)

Titel: Re: Braucht es den "Rollenspielladen" heute noch?
Beitrag von: ToBored am 14.08.2022 | 20:29
Das lässt sich so allgemein denke ich nicht sagen. Kommt da denke ich je nachdem auf die konkreten Gegebenheiten an. Allerdings würde das vorgeschlagene Modell dort recht viel Anpassungsfähigkeit bieten, da der örtliche Laden von einem quasi Klubhaus mit nur ehrenamtlich tätigen bis hin zum quasi Laden mit nur Angestellten reichen kann, aufgrund der Flexibilität der Genossenschaft und da man durchaus auch andere Rechtsformen in die übergreifende Genossenschaft mit aufnehmen könnte, bestehenden Läden also ein Angebot bieten würde an zu docken um jemanden zu haben der sich um den Online-Shop, den Kontakt mit den Verlagen und Großhändlern kümmert und teilweise als Interessenverband fungieren würde.
Aber generell wäre mit Mitgliedsbeiträgen ja schon einmal ein Fixer Grundstock an Liquidität gegeben der Fix Kosten wie die Miete schon mal in teilweise decken würde. Anders als im Unperfekt Haus in Essen wäre die Gastronomie also nicht die einzige Einnahmequelle, abseits des Hotelbetriebs. Aber so was hängt natürlich immer stark von der Höhe der Miete, der Kosten für Kredite, etc. ab, müsste also jeweils konkret durch gerechnet werden. Ziel wäre es allerdings durch Rückvergütungen und Gewinnausschüttungen(und dadurch am besten alle Kunden, bzw. Stammkunden, zu Mitgliedern zu machen) die Dinge zum Einkaufspreis, plus Kosten für die Bereitstellung(Miete, Maschinen, Löhne,Kredite, etc.) und einer Gewinnquote zur Gewährleistung von Modernisierungen weiter zu geben.