Vorweg: Dieses Thema enthält "Spoiler" zur Natur von Hexen und Sturmgeistern. Wer also nur als Spieler:in oberflächlich in den Hintergrund einsteigen will, sollte hier abbrechen.
Ebenso alle, die HeXXen einfach als spaßiges Bier & Bretzel - Pulpsetting spielen wollen und sich das nicht ruinieren wollen. Ihr wurdet gewarnt.
HeXXen hat mich als Setting von Anfang an fasziniert und die Vorstellung pulpiger Hexen- und Monsterjagden in diesem hat mich sehr gereizt, ich habe eigentlich nur auf das für mich passende Regelsystem (und mehr Zeit) gewartet und mich derweil in die Hintergrundbände eingelesen.
Aber je mehr ich letzteres tue, um so schwerer tue ich mir mit einem Sachverhalt: Hexen und andere Kreaturen der Dunkelheit entstehen, wenn Menschen in Zeiten eines schweren Traumas von Sturmgeistern aus der Hölle besessen werden.
Letztendlich läuft das darauf hinaus, dass Menschen, die ohnehin schon auf die schlimmste denkbare Art zu Opfern werden, Vergewaltigungen, Folter und Todesangst durchleben, sich in Folge selbst verdammen und zu den Bösen des Settings werden. Und das, soweit ich es bisher sagen kann, ohne Hoffnung auf Erlösung.
Das gilt z.B. auch für die Voodoo-Anhänger unter den den Sklaven in der Karibik, eine Ausprägung, die bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht hat und irgendwie tue ich mir jetzt echt schwer, HeXXen noch zu genießen.
Es läuft für mich dem Gedanken eines leichtherzigen pulpigen Settings mit klarem gut-böse-Muster einfach komplett zuwider und ich tue mir schwer mit dem Gedanken, meine Spieler:innen eine Hexe unterhaltsam zur Strecke bringen zu lassen, von der ich weiß, das sie höchstwahrscheinlich einfach nur jemand ist, dessen Leben auf die denkbar ekelhafteste Weise ruiniert worden ist.
Wie seht ihr das? Wie geht ihr damit um?
Ohne das jetzt böse zu meinen, ihr habt Teile des Settings nicht gelesen oder nicht verstanden.
1) ja sowas wie die spontane Aufnahme eines Sturmgeistes kann passieren (wird überall als selten beschrieben), aber zumeist geht dies mit Sturmweihen, Blutpakten, Verzauberungen etc. einher (siehe Hexenzorn, Unter Wölfen, Dinge aus dem Sumpf). Die Leute sind entweder Freiwillige oder Opfer eines miesen Zaubers.
2) Meist nehmen wirklich böse Menschen wie Mörder etc. Sturmgeister auf, was in vielen Abenteuern beschrieben ist.
3) Voodoo ist nicht per se böse in dem Seeting, nur einige Spielarten des Voodoo, wie es übrigens selbst von der Voodoo Gemeinde gesehen wird.
Das stimmt so außer bei den Hexen, da ist es tatsächlich häufiger der Fall. Auch in den publizierten Szenarien.
Es läuft für mich dem Gedanken eines leichtherzigen pulpigen Settings mit klarem gut-böse-Muster einfach komplett zuwider [...]
Aber vor dem Hintergrund wundere ich mich "von der Seitenlinie" schon, warum es jetzt auf einmal schlimm ist, wenn in einem Horror-Rollenspiel Unschuldige zu Hexen werden statt zu Vampiren, Werwölfen oder Zombies. Mag mich mal jemand erleuchten?
Aber vor dem Hintergrund wundere ich mich "von der Seitenlinie" schon, warum es jetzt auf einmal schlimm ist, wenn in einem Horror-Rollenspiel Unschuldige zu Hexen werden statt zu Vampiren, Werwölfen oder Zombies. Mag mich mal jemand erleuchten?Liegt bei mir wohl vor allem daran, dass ich HeXXen eben NICHT als Horror-Rollenspiel eingestuft hätte. Bei Cthulhu oder auch Warhammer hätten mich die obigen Sachverhalte nicht oder nur weniger gestört. HeXXen hat sich für mich aber eben eher als pulpiges "Monsterklatschen" präsentiert. Und da finde ich sowas dann halt schon unnötig harten Stoff. Aber vielleicht/wahrscheinlich stehe ich da eh nur allein mit meiner Empörung auf weiter Flur weil meine Erwartungen nicht dem Ist-Stand entsprechen. Dann hat sich das Thema eh erledigt.
Ich kann mit Horror auch eher nichts anfangen, aber mich wundert es weniger, wenn die Verknüpfung "Trauma führt zum Bösenᵀᴹ" Übel aufstößt. Diese ist nicht unbedingt naheliegend und zeigt auch eher, dass die Autor:innen etwas nicht so ganz verstanden haben. Das wiederum ist in dem Genre keine Seltenheit, wie man bspw. auch diesem Essay (https://papercult.substack.com/p/psychosis-is-badly-written-in-tabletop) über Psychose in TTRPGs entnehmen kann.Mich wundert es halt auch gerade bei einem Ulisses-Haussystem. Ulisses war in den vergangenen Jahren doch sehr darauf aus, Sachen wie eingeborene Kulturen, Sklaverei etc. sehr vorsichtig zu behandeln (Beasts & Barbarians wurde deswegen sogar eingestampft, bevor es erschienen ist). Egal wie man jetzt zur Notwendigkeit dessen steht, es ist doch ein ziemlicher Bruch.
Nachdem ich hier mitgelesen habe, ist mir jetzt immerhin klarer, wieso Ulisses Hexxen noch nicht auf dem amerikanischen Markt veröffentlicht hat. ;)
Aber vielleicht/wahrscheinlich stehe ich da eh nur allein mit meiner Empörung auf weiter Flur weil meine Erwartungen nicht dem Ist-Stand entsprechen. Dann hat sich das Thema eh erledigt.
Liegt bei mir wohl vor allem daran, dass ich HeXXen eben NICHT als Horror-Rollenspiel eingestuft hätte.
Das in Kunstleder gebundene Buch der Regeln enthält alles, was du für das actiongeladene Horror-Rollenspiel in einer alternativen Fassung unseres europäischen Barocks benötigst.
@Tele: Ich habe aktuell SEHR viel Zeit (Krankenhausaufenthalt) mich detailliert durch die Bücher zu lesen.
Bei Voodoo steht z.B. steht z.B. wörtlich dass ALLE Loas Sturmgeister sind, nicht nur die, die unter Petro fallen. Und jede Besessenheit führt weiter in die Dunkelheit deshalb(Zitat) "existieren 1733 auch weitaus mehr Voodoo-Priester des schwarzen Weges als des weißen".
Ja, manche weiße Hexen oder Voodoo-Priester können dem länger widerstehen und versuchen mit dem Bösen gutes zu tun. Aber letztendlich ist es nur ein Hinauszögern des Verfalls.
Und wie ganz oben geschrieben: Klar kann ich das für meinen Tisch anpassen. Sogar so, dass nie ein Spieler der nicht selber tief in den SL-Teil eintaucht jemals etwas bemerkt. Und mir ist auch klar, dass das für die meisten HeXXen-Spieler:innen oder HeXXenmeister nie ein Thema sein wird.
Darum geht es mir nicht. Mir geht es darum, dass ich den Sachverhalt an sich ekelhaft und unnötig finde und von Ulisses eigentlich anderes erwartet hätte, gerade nach dem Theater, das sie bei Beasts & Barbarians gemacht haben.
Trauma-Opfer und Sklaven auch noch auf einen Weg in die Verdammnis zu schicken, von dem es praktisch kein zurück, sondern höchstens ein Verzögern gibt, finde ich einfach unnötig.
Aber so wie du sagst, es sind letztendlich nur ein paar wenige Sätze. Deshalb habe ich das mal an Ulisses-Feedback geschickt ob sie nicht darüber nachdenken wollen, die paar Sätze in Neuauflagen und neuen Editionen zu retconnen. Dem Setting würde es wohl keinen Schaden machen.
Und mal schauen ob ich meinen Frieden mit HeXXen machen kann, indem ich diese Punkte für mich einfach streiche. Aktuell regt es mich halt einfach auf.
Ist diese besessenheit, durch die menschen zu Hexen werden, nun eine freiwillige oder unfreiwillige Besessenheit? Das ist doch der Punkt der entscheidet, ob die Hexen ihren Status selbst wählen oder nicht.
Ohne das System zu kennen mal so von aussen reingegrätscht:Da hast du (und Hacos und Tele und andere) wahrscheinlich recht. Ich lass das alles jetzt erstmal sacken. Danke für euren Input.
Vielleicht liegt das "Problem" eher darin das Aikar ein anderes Setting bzw eine andere Atmosphäre bekommen hat als er erwartet hatte. Vielleicht liegt der Fehler hier im Marketing oder es wurde von Aikar schlicht anders wahrgenommen als es gedacht war.
So oder so scheint mir das du, Aikar, mit einem anderen Setting besser bedient bist wenn die Beschreibung dir unbehagen verursacht.