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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Ludovico am 10.10.2023 | 09:04

Titel: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ludovico am 10.10.2023 | 09:04
Hey Leute!

Ich hab mir mal ein paar Gedanken gemacht über einen Faktor, der SF-Rollenspiele benachteiligt zu Fantasy-Rollenspielen und zwar die Wiedererkennung.

Und das möchte ich gerne hier diskutieren:
Bei Fantasy gibt es zumeist Elfen, Zwerge und Menschen oder Rassen, die so ähnlich sind. Die Zauberei ist sich größtenteils auch ähnlich. Es gibt magische Geschosse und Feuerbälle. Es sind an sich immer die selben Sachen und häufig sind die Namen ähnlich.

Bei SF dagegen ist das anders. Da hast Du von Setting zu Setting ganz neue Rassen mit eigener Kultur und eigenem Aussehen und Fähigkeiten und eigenen Namen. Klar, man kann auch hier Schablonen nehmen, aber wenn man nicht möchte, dass man wirkt, als hätte man abgekupfert, dann muss man jede Schablone stark anpassen.

Es wäre ja schon merkwürdig, wenn Wookies bei Babylon 5 auftauchen.

Bei Technik ist es ebenfalls so, dass man stets neue Geräte mit (eigenen Zeichnungen und) Beschreibungen nutzen muss und im Zweifel das mit Technobabbel garnieren muss.

Dementsprechend ist es einfacher, in Fantasy einzusteigen und dann von Setting zu Setting zu wechseln, als bei SF.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 10.10.2023 | 10:25
Ich glaube das ist im Effekt schon, aber im Grund nicht ganz richtig. Fantasy-Romane haben eine riesige Spannbreite. In den meisten Werken gibt es keine Elfen und Zwerge und Magier werfen seltenst Feuerbälle.

Was du hier Fantasy nennst ist das D&D-Fäntelalter-Kitchen-Sink, welches die Rollenspielerschaft immer wieder abgekupfert hat, bis es keiner mehr merkt.

Du hast insofern recht, dass die Benennung von Dingen in Fantasy sich häufig wiederholt. Da heißt dann etwas Magier, unabhängig davon die mit einem Zauberstab wedeln und das Messer zum Karotten schneiden bringen oder geometrische Figuren irgendwo einritzen, um Schutzkreise zu errichten, oder eine elementare Macht über Käse oder Gallium haben oder, obwohl sie eigentlich Halbgötter sind, lediglich Licht machen und mit Vögeln sprechen.

In SciFi hieße das dann dementsprechend Animacy Transference Rods, Memetic Aversion Patterns, Bierce' Deconstructive Affinities oder Tea Bagging. Lernen was es tut, musst du so oder so, vielleicht ist es weniger einschüchternd, wenn das alles Magier heißt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: AndreJarosch am 10.10.2023 | 10:31
Bei Fantasy gibt es zumeist Elfen, Zwerge und Menschen oder Rassen, die so ähnlich sind. Die Zauberei ist sich größtenteils auch ähnlich. Es gibt magische Geschosse und Feuerbälle. Es sind an sich immer die selben Sachen und häufig sind die Namen ähnlich.

Ich weiß nicht welche Fantasy-Systeme du spielst/kennst/gelesen hast, aber ich möchte dem widersprechen.

Ich gehöre nicht zu den Rollenspielern die alles Neue ausprobieren und habe meine Systeme gefunden, habe aber von 1984 bis 2000 fast alles gespielt was in deutsch erschienen ist (und einiges englische) und habe immer noch zumindest einen kleinen, unvollständigen Überblick was sonst noch so auf dem Markt ist.

Allein in meiner Bubble sind die Spielwelten der Fantasysysteme sehr unterschiedlich:

- Mythras (Thennla): an das archaische Griechenland und Röm, so wie den Orient angelehnte Setting mit viel erforschbarem Hintergrund. Elfen, Zwerge, Orks etc. sind da nur nebensächlich. Magie läuft über Glaubensgemeinschaften oder alchemistischen Studien. Feuerbälle oder ähnliches existieren in dieser Welt nicht.

- RuneQuest (Glorantha): eine auf Mythologie aufgebaute Welt, in der es zwar Elfen (Aldryami), Zwerge (Mostali), Trolle (Uz), etc. gibt, die aber völlig anders sind als die Tolkien- oder D&D-Versionen (Pflanzenwesen, Steinwesen, Dunkelheitswesen). Magie ist allgegenwärtig, und das Magiemonopol haben die Kulte. Und man gehört entweder einem dem unzähligen götterkulten an, welche einem erlauben Runenmagie zu wirken, oder man folgt einer animistischen Tradition unter einem Schamanen, oder einem Weg der Zauberei. Es existieren Zauber im Ausmaß eines Feuerballs, aber diese sind mächtigen Runenpriestern oder erfahrenen Zauberern vorbehalten (da der Powerlevel der Spielercharaktere in RQ aber höher ist, als z.B. in Mythras ist es durchaus wahrscheinlich, dass ein Spielercharakter nach relativ kurzer Zeit zum Kreis dieser Elite gehört).

- Sturmbringer (die Jungen Königreiche": Eine Welt in der die menschlichen Reiche eher der Ordnung oder dem Chaos folgen. Die Melnibonéer, die wirken wie halb-elfisch/halb-dämonische Übermenschen, die die Welt ursprünglich beherrschten sind in den Hintergrund getreten. Weitere Nichtmenschen sind geflügelte Menschen und dämonische Wesen. Elfen, Zwerge, Orcs etc. existieren dort nicht. Magie funktioniert über das Beschwören von Dämonen und anderen Wesen aus anderen Existenzebenen, die dann magische Effekte hervorbringen, oder etwas für den Beschwörer (oder den Besitzer eines Gegenstandes in den ein Dämon gebunden wurde) zu können/müssen.

- King Arthur Pendragon (Britannien zwischen 475 und 600 AD): Eine Mischung auf dem historischen 6. Jahrhundert (wo der Hintergrund spielen soll) und dem 15. Jahrhundert (der Zeit in der die Arthus-Sage zu Papier gebracht wurde). Britannien besteht aus diversen Kleinreichen und wird von Arthus geeint... mit Hilfe seinen Hofzauberers/Druiden Merlin. Es gibt Riesen, Elfen (aber die der britischen Mythologie, nicht die Tolkiens oder aus D&D), Trolle, etc. Aber die sind Monster und NSCs. Gespielt werden in dem Setting nur Menschen, und innerhalb Spezies nur Ritter. Magie ist NSCs vorbehalten.

- Conan (Hyperbora): Eine barbarsche Welt vor der unsrigen in der es gilt zu überleben. Ich denke das Setting ist bekannt. Es gab diverse RPGs die Conan versucht haben abzubilden. Auch hier: weder Elefen, noch Zwerge oder Orks. Magie ist zumeist etwas, welches den feindlichen Endgegnern zur Verfügung steht.

- Lex Arkana (das fiktive Jahr 476 AD in dem das Römische Reich nie untergegangen ist): Kann man sich vorstellen: Elfen, Trolle, etc. gibt es als Fabelwesen, bzw. Wesen wegen denen die Custodes (Sonderermittler des Römischen Reiches in Problemfällen mit wahrscheinlich übersinnlicher Komponente) unterwegs sind. Magie ist vorhanden aber nicht mit übertrieben mächtigen Badaboom-Zaubern.

- Harnmaster (Harn): Eine Welt die sehr mittelalterlich wirkt, in der es aber auch Elfen, Zwerge und Orks gibt. Hier sind sie zwar widererkennbar mit den Tolkien- und D&D-Versionen "verwandt", aber doch anders. Magie ist Sache einiger verschrobener Zauber-Orden und Priester.

- Empire of the Petal Throne/Gardsindial/Adventures in Tekumel (Tekumel): Okay, ist eher Science-Fantasy. Ein anderer Planet der kolonisiert wurde, vom Rest der Welten abgetrennt wurde, und (um zu überleben) in vielen Bereichen wieder auf das Niveau einen Fäntelaters zurückgefallen ist. Eine Mischung aus Fantasy und postapokalyptischer SciFi mit vielen abstrusen Fantasy-/Alien-Rassen.


Deine Verallgemeinerung ("ist alles ähnlich, nur mit Varianten") kann ich für folgende Systeme bestätigen (Kenntnisstand ca. 1995, als ich diesen Systemen den Rücken gekehrt habe): D&D, DSA, Midgard, (Earthdawn), und die "neueren" Pathfinder, DCC, und andere OSR-Rollenspiele.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 10.10.2023 | 10:39
Was du hier Fantasy nennst ist das D&D-Fäntelalter-Kitchen-Sink, welches die Rollenspielerschaft immer wieder abgekupfert hat, bis es keiner mehr merkt.

Denke ich auch. Bei jedermanns Lieblingscimmerier gibt's keine Elfen und sieht selbst ausdrückliche Kampfmagie deutlich anders aus (wenn sie denn mal vorkommt), und drüben bei Harry Potter beschwört nicht mal eben jemand Lolth und sind die Hauselfen auch eher nicht so der Typ "spitzohriger Baumkuschler mit Bogen". Selbst Mittelerde, wo D&D ja seinerseits die Elfen, Zwerge, und Hobbits Halblinge eigentlich erst hergeklaut hat, hat wenig an klassischer "Rollenspielmagie" zu bieten.

(Ganz zu schweigen davon, daß das nächste, was all diese Settings an "Klerikern" zu bieten haben, noch Conans stygische Zauberpriester mit meist üblen Absichten sein dürften... >;D)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 10.10.2023 | 10:49
Deine Verallgemeinerung ("ist alles ähnlich, nur mit Varianten") kann ich für folgende Systeme bestätigen (Kenntnisstand ca. 1995, als ich diesen Systemen den Rücken gekehrt habe): D&D, DSA

Tatsächlich fand ich Geweihte in DSA bis Version 3 erfrischend anders als D&D-Kleriker.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: tartex am 10.10.2023 | 10:50
Ich habe einen neuen Spieler - sicher schon 30 oder so -, der behauptet vor Baldur's Gate 3, konnte er sich ein Fantasy-Setting nicht vorstellen.  :o
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 10.10.2023 | 10:54
Ich habe einen neuen Spieler - sicher schon 30 oder so -, der behauptet vor Baldur's Gate 3, konnte er sich ein Fantasy-Setting nicht vorstellen.  :o

Mag stimmen. Daß es "Fantasy" als Genre überhaupt gibt, habe ich selbst ja auch erst erfahren, als ich schon SF-Fan war und diverse durchaus fantasymäßige Geschichten und Filme (klassische Sagen, Tausendundeine Nacht...) eigentlich schon intus hatte. Da war ich zwar noch ein guuutes Stück jünger als dreißig, aber passieren kann einem so etwas definitiv, und allein über das Timing zu streiten, lohnt sich mMn nicht. :)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: tartex am 10.10.2023 | 11:01
Ich denke halt "Jugend spielt (Computerspiele)" und da kommt man an den ganzen Fantasy-Klischees doch kaum vorbei, oder?

(Andererseits kannte ich One Piece bis vor 4 Wochen auch nur als Logo auf T-Shirts...)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Feuersänger am 10.10.2023 | 11:03
Hmmm ich weiß nicht so recht, ob ich der Eingangsthese zustimme. Am ehesten vielleicht noch: Fantasy ist meistens eine grob-mittelalterliche Welt, auf die irgendeine Form von Magie aufgeflanscht ist. Und SF hingegen kann eine riesige Spannweite abdecken, von Mondbasis bis intergalaktische Teleporter, mit oder ohne Aliens usw.

Aber im Endeffekt ist auch die SF meist strukturalistisch aufgebaut und bedient sich einer Reihe etablierter Topoi. Diese können analog zur Fantasy sein ("Minbari sind Weltraum-Elfen") oder von gängigen Fantasy-Topoi losgelöst, aber das meiste hat man doch irgendwo schonmal gehört.

Vergleiche dazu den köstlichen Tough Guide to the Known Galaxy (http://rocketpunk-observatory.com/spaceguideA-E.htm), in dem die stereotypischsten SF-Topoi zusammengefasst werden.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: KhornedBeef am 10.10.2023 | 11:07
Soso, SciFi ist nicht so humanoid und "relatable" *schieltaufdieganzengrünangemaltenStarTrekAlienmädchen". Kommt drauf an, wer es schreibt. Es ist allenfalls so, dass bei Fantasy eine jahrzehntelange sehr stabile Strömung gibt, die diesen Fäntelalter-Wiedererkennungswert hat. Da ist die Magie noch die wandelbarste, aber die Schwertträger sind alle gleich. Funktioniert ja auch, spitzes Loch in jemanden machen, bumms tot. Sorgen machen tut man sich doch beim Spiel nicht um die eigenen Kräfte, sondern um die Berechenbarkeit des unwirschen Gegenwinds ;)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 10.10.2023 | 11:14
Da ist die Magie noch die wandelbarste, aber die Schwertträger sind alle gleich. Funktioniert ja auch, spitzes Loch in jemanden machen, bumms tot.

Prinz Eisenherz und Lorenor Zorro (https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenor_Zorro) im selben Atemzug: "WIE BITTE?!?"

 ;D
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Sphyxis am 10.10.2023 | 11:15
Meiner Einschätzung nach benennt Ludovico zwei Bereiche:
- 1. die gemeinsame Vorstellung
- 2. das im Genre gebräuchliche Fachvokabular

Beides hängt eng miteinander zusammen. Ob nun Elf, Ork oder Zwerg, die gemeinsame Vorstellung, was diese sind, wie diese Aussehen können sind schon tief im Fantasy Genre verankert, auch wenn es sie nicht in jedem Fantasysetting gibt.

Fachvokabular aus SF sind z.B. Hyperraum, Ionenstrahl, Deflektorschild und Lichtschwert. Die Vorstellung wenn ich sage "Raumschiff" mag schon durchaus weiter auseinanderklaffen, aber das ist wohl alles auch eine Frage der Gewöhnung. Man kann Technobabbel lernen, genausowie Fäntelalter-Marktsprech. :D

Persönlich bin ich der Meinung, dass das Gefühl, die Vorstellungswelt und das Fachvokabular von Fantasy seien leichter zugänglich heutzutage einfach darin begründet ist, dass Fantasy inzwischen deutlich stärker in den Mainstream geschwappt ist, als SF, wobei ich jetzt nicht weiß ob Conan und Elric of Melnibone wirklich Mainstreamwissen sind. Aber grad durch Herr der Ringe, Harry Potter und Game of Thrones oder auch Critical Role hat sich die Fantasy mehr für den Mainstream geöffnet.

Die SF ist genauso vielfältig und breit aufgestellt wie die Fantasy. Bekannte Reihen aus der SF sind Star Wars und Star Trek, RoboCop und vielleicht noch "1984". Da hat sich aber vielleicht nicht eine gut verallgemeinerbare Ästhethik entwickelt außer zu sagen: Raumschiffe, komplizierte Technik und verbesserte Menschen. Während Fantasy leicht und sehr schnell mit Tolkien und Mittelalteridentifiziert ist, auch wenn das überhaupt nur auf 1/4 des Fanatsybereichs passt... Und von dem haben inzwischen auch recht viele, die gar nix mit Fantasy am Hut haben, durch die Filme und ausufernde Werbekampagnen rudimentäres Wissen. Mein Vater (fast 80) mag "so Fantasykram" überhaupt nicht. Aber er kennt auch Legolas und weiß, dass das ein Elf ist und dass "so naturverbundene Grüne" sind. :D Einfach, weil in den 70ern ein junger Mensch und später die HdR Filme mit der Familie (also mir) mitsehen musste... Spock würd er verrmutlich auch noch benennen können und dann vielleicht noch Vulkanier und Raumschiff Enterprise, aber das war's dann auch. Kein Interesse.

In Deutschland muss mensch vielleicht noch dazu sagen, dass die Wahrnehmung von Fantasy in der Rollenspielcommunity vielleicht auch noch ganz stark von DSA geprägt ist und für einige DSA halt DIE klassische Fantasywelt ist. Oder eben dann alternativ eines der D&D Settings.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 10.10.2023 | 11:23
In Deutschland muss mensch vielleicht noch dazu sagen, dass die Wahrnehmung von Fantasy in der Rollenspielcommunity vielleicht auch noch ganz stark von DSA geprägt ist und für einige DSA halt DIE klassische Fantasywelt ist. Oder eben dann alternativ eines der D&D Settings.

Das sowieso. Die reine Marktpräsenz einzelner Exemplare (die dann "zufällig" auch noch vieles gleich machen) verzerrt natürlich schnell den Blick aufs Ganze. Ähnlich im Bereich Computerspiele, wo ja die Computer"rollen"spiele auch erst mal vom großen populären Vorbild D&D (teilweise direkt mit Lizenz schon von TSR) und dann zunehmend einfach nur noch voneinander abgekupfert haben -- das sieht man nicht mal nur an den Settings, sondern auch am ständigen Weitermitnehmen von Regelkonzepten wie etwa "Klassen" und "Stufen" insbesondere und gerade bei Fantasyspielen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ludovico am 10.10.2023 | 11:32
Es gibt durchaus Fantasy-Welten, bei denen es keine Elfen, Zwerge und Orks gibt.
Da hat man dann drei Sorten:
a) Es gibt nur Menschen
b) Es gibt andere Rassen, die aber ähnlich geprägt sind (z.B. Feen, Sartyr,...).
c) Sie haben ganz neue und unbekannte Rassen (z.B. Talislanta).

Von diesen drei Sorten dürfte a) neben den EDO-Spielen noch die erfolgreichsten sein.
Aber auch hier gilt, dass es einen hohen Wiedererkennungswert gibt.

Jeder Spieler weiß, was es mit all diesen Rassen auf sich hat. Entsprechend ist es leicht für Spieler, sich in diese einzufügen.

Da haben es die verschiedenen SF-Spiele halt schwerer, denn sie haben nicht diese Möglichkeit. Spieler müssen sich erst einlösen und das bei Wechseln des Spiels immer wieder neu.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 10.10.2023 | 12:48
Hmmm ich weiß nicht so recht, ob ich der Eingangsthese zustimme. Am ehesten vielleicht noch: Fantasy ist meistens eine grob-mittelalterliche Welt, auf die irgendeine Form von Magie aufgeflanscht ist. Und SF hingegen kann eine riesige Spannweite abdecken, von Mondbasis bis intergalaktische Teleporter, mit oder ohne Aliens usw.

Ich kann genauso sagen, SciFi ist meistens so mit Raumschiffen, die zwischen Planeten hin und herfliegen und Aliens treffen. Du weißt da ist das "meistens" schon sehr augewalzt. Wenn du ausgiebig Fantasy liest, weißt du in die andere Richtung ist es genauso  breit und platt.

Ulkiger Weise ist an der Standard-Fäntelalter-Welt auch eigentlich gar nichts europäisch-mittelalterlich. Die Religion ist falsch-verstandener Polytheismus, der graeco-römische Motive so benutzt, als wären sie Christentum. Die Gesellschaftsstrukturen sind modern. Und die Technik ist eher frühe Neuzeit, außer dass es keine Kanonen gibt, die in der Tat mittelalterlich wären.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 10.10.2023 | 13:56
Ich denke, wenn die Fantasy gegenüber der SF einen Vorteil hat, dann ist der etwas grundlegenderer Natur: es gibt einfach mehr Geschichten über die Vergangenheit als über die Zukunft (liegt halt schon in der Natur der Phänomene Zeit und Erinnerung begründet), und auf gemeinsam etablierter und zumindest in groben und nicht immer ganz korrekten Zügen skizzierter Geschichte läßt sich leichter aufsetzen -- da hat's dann eben schon ein vertrautes Vorbild, auch wenn das vielleicht nur aus Hollywood stammt.

Das hat dann halt weniger mit Elfen und Zwergen zu tun als damit, daß die meisten Leute in Europa oder den USA fast schon automatisch zumindest irgendeine Idee im Kopf haben, wie ein Ritter oder Wikinger so auszusehen hat (auch wenn sie vielleicht gerade nicht wissen, daß der Ritter in Vollblechdose erst eine ganze Weile nach der Wikingerzeit aufkam ;)). Aber in Richtung Spekulationen über die Zukunft, was ja in der SF so gut wie immer ein Stück weit mitschwingt, auch, wenn sie vielleicht nicht besonders "hart" ist...gibt's halt keine historische Grundlage welcher Art auch immer, auf der man in dieser Weise aufsetzen könnte.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Marduk am 15.10.2023 | 12:25
Ich persönlich habe eine Theorie, die besagt, daß Fantasy ganz gerne auch einen gewissen romantisierten Flair hat, während der SciFi der Flair der Wissenschaft anhängt. Das klingt dann etwas zu sehr nach Schule usw.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 15.10.2023 | 12:40
Ich persönlich habe eine Theorie, die besagt, daß Fantasy ganz gerne auch einen gewissen romantisierten Flair hat, während der SciFi der Flair der Wissenschaft anhängt. Das klingt dann etwas zu sehr nach Schule usw.

Das möglicherweise auch, so grob nach dem Motto "In der Fantasy kann sich jeder wiederfinden, Science Fiction ist dagegen nur was für Intellektuelle (und wer will schon freiwillig einer von denen sein?)!!".

Wäre natürlich auch nur ein Vorurteil, aber das hat ja noch nie eine Idee ernsthaft daran gehindert, populär zu werden. :P
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Lyonesse am 15.10.2023 | 15:07
Rollenspiel hätte in der Hochzeit der SF, in den 40er oder 50er Jahren, erfunden werden müssen,
dann hätte es sich vielleicht einer eben solchen Beliebtheit erfreut wie Rollenspiel in der Fantasy.
In den 70ern war da der Zug insofern schon abgefahren, aber damals war SF doch der heiße Scheiß.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Marduk am 15.10.2023 | 15:28
Es gab ja schon recht früh die ersten SciFi Rollenspiele. Und es gab immer mal Zeiten, wo die SciFi in Film und Fernsehen der Fantasy den Rang ablief. Das wird also eher weniger der Grund für die Dominanz der Fantasy im Rollenspiel sein
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 15.10.2023 | 15:40
Rollenspiel hätte in der Hochzeit der SF, in den 40er oder 50er Jahren, erfunden werden müssen,
dann hätte es sich vielleicht einer eben solchen Beliebtheit erfreut wie Rollenspiel in der Fantasy.
In den 70ern war da der Zug insofern schon abgefahren, aber damals war SF doch der heiße Scheiß.

Hinzu kommt, daß die "strikte" Trennung zwischen Fantasy und SF sich erst im Lauf der Zeit überhaupt so verfestigt hat. Eine ganze Reihe von Autoren insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat noch fröhlich beides geschrieben und die Elemente von beiden auch ebenso mal vermengt, und selbst in zumindest den Frühzeiten von D&D (das seinerseits den "Rollenspiel ist Fantasy!"-Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht hat) waren Quasi-SF-Elemente in Kaufabenteuern und Hintergrundmaterial allemal dort auch noch zu finden. Gab halt keine spielbaren Science-Fiction-Klassen...

...wobei dieses Konzept außerhalb recht "archaischer" Settings mMn ohnehin schnell ins Schwimmen gerät. Vielleicht liegt's also mit daran: Fantasy dominiert nicht so sehr das Rollenspiel an sich als primär die Untermenge der immer noch populären Klassen-und-Stufen-Systeme.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 15.10.2023 | 18:01

(Ganz zu schweigen davon, daß das nächste, was all diese Settings an "Klerikern" zu bieten haben, noch Conans stygische Zauberpriester mit meist üblen Absichten sein dürften... >;D)
da gibt es diesen Asura Priester in Hour of the Dragon
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Torsten (Donnerhaus) am 15.10.2023 | 20:36
Was unterscheidet denn Orks von Klingonen? Das eine sind torfdumme Frontalangriff-Krieger mit Feuerschalen und einer rückständigen Gewaltkultur und das andere sind Orks.

Die meisten Klischees aus Fantasywelten gibt es genauso in Science-Fiction Welten.

Zumal es ja auch "Orks" gar nicht gibt. Wenn du mir sagst in einer Welt gäbe es "Elfen, Orks und Zwerge", dann weiß ich damit… absolut gar nichts. Wie sind denn Elfen in dieser Welt? Was sind sie? Was sind Orks? Sind das Tolkien Orks? Sind es Uruk-Hai? Sind es Shadowrun Orks? Warhammer Pilze? Der Begriff allein sagt mir nichts. Er tut so, als würde er etwas sagen, aber er erzeugt nur ein völlig amorphes Konzept, das entweder ohnehin konkretisiert werden muss und damit genauso neu und eigen wird wie jede beliebige Alienrasse in einem Space Opera Sci-Fi, oder es verbleibt in völliger Beliebigkeit und spielt eh keine Rolle.

Wenn man die Klischees nicht hinterfragt und ausbaut, kämpft in Star Wars auch der junge König Artus zusammen mit Merlin gegen Mordred und Morgana die Hexe. Morgana ist ein alter Mann der Blitze schmeißt, aber die Essenz des Evil Wizard ist ohne detaillierte Abgrenzung genau die gleiche. Ist natürlich geschummelt, weil Star Wars ja im Kern tatsächlich Fantasy ist und nicht viel mit echter Science-Fiction zu tun hat.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: YY am 15.10.2023 | 22:21
Zumal es ja auch "Orks" gar nicht gibt. Wenn du mir sagst in einer Welt gäbe es "Elfen, Orks und Zwerge", dann weiß ich damit… absolut gar nichts.

Ich würde aus dem Bauch raus auch sagen:
Bei Fantasy hat man viel eher das diffuse Gefühl, man würde sich schon halbwegs auskennen, auch wenn es bei genauerem Hinsehen gar nicht so ist.
Bis man das gemerkt hat, ist man schon "spielfähig" ins Setting eingestiegen, wo man andernfalls noch rummäkelt, dass SF ja so kompliziert sei :P


Ist natürlich geschummelt, weil Star Wars ja im Kern tatsächlich Fantasy ist und nicht viel mit echter Science-Fiction zu tun hat.

"Echte" Science-Fiction im literarischen Sinne findet man im Rollenspielsektor allerdings allgemein extrem wenig, weil das einfach nicht gut zum Medium passt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 15.10.2023 | 22:23
Ein Nachgedanke zum Thema Klassen: kann es sein, daß gerade die dabei helfen und immer schon geholfen haben, den Spielern die einschlägigen Fantasywelten überhaupt einigermaßen zugänglich zu machen? Denn rein für sich betrachtet sind diese Settings für moderne Menschen doch eher noch ein gutes Stück fremder als eine noch so spekulative Zukunft, und viele von ihnen würden sich wohl entsprechend eher noch schwerer damit tun, sich aus eigener Kraft passende Figuren auszudenken -- in der SF kann ich wenigstens erst mal mit so was wie "okay, mein Charakter arbeitet in diesem oder jenem Beruf, den's so ähnlich schon gibt, und darunter kann ich mir grob was vorstellen" ansetzen, aber wieviele spieletaugliche Jobs würden den meisten von uns für ein Quasi-Mittelalter o.ä. einfallen, wenn es keine entsprechenden Starthilfen gäbe? (Selbst eigentlich "klassenlose" Systeme wie die BRP-Familie nehmen einen ja bei der Charaktererschaffung zumindest in dieser Hinsicht gerne mal an die Hand und führen durch eine Kultur- und Berufsauswahl...)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 15.10.2023 | 22:36
"Echte" Science-Fiction im literarischen Sinne
Was meinst du damit?
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: YY am 15.10.2023 | 22:48
Der Kern von "echter" SF ist eine Idee, eine Erfindung oder eine soziale Entwicklung (oder ein Bündel der vorgenannten), deren Konsequenzen bis zu einem gewissen Punkt durchdekliniert werden.

Also: Wenn es XYZ gäbe, wie sähe die Welt dann wohl aus?


Zumindest für ein längerfristiges Spiel kann dieser Kerngedanke aber nur Teil des Worldbuildings sein und tritt entsprechend in den Hintergrund.
Man schaue sich z.B. mal an, was für (und wie viele!) recht abgefahrene Konzepte und Entwicklungen in Eclipse Phase stecken und was dann an den Spieltischen unterm Strich damit passiert (nämlich sehr wenig).

Wenn ein oder mehrere "richtige" SF-Elemente das angemessene Gewicht behalten sollen, müssen sie zentral sein - dann ist man aber schnell auf One- oder Few-Shots reduziert, die sich eben an so einem Element abarbeiten und dann erzählerisch ausgelutscht sind.
Gibts in der Indie-Ecke, aber als entsprechend obskure Randerscheinung.

Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 15.10.2023 | 23:59
Mm. Ich denke, man kann SF grob in zwei Sorten einteilen.

-- Die eine erzählt relativ "normale" Geschichten einfach nur im zukünftigen Gewand. Junge trifft Androidenmädchen. Schiffsabenteuer auf hoher Sternensee. Mord in der Proxima-Kolonie. Kampf gegen die rote gelbe grüne Gefahr aus dem All. Geht relativ einfach, ist einigermaßen populär, läßt sich wahrscheinlich generell auch recht leicht verrollenspielen.

-- Die andere stellt dann tatsächlich die mehr oder weniger schweren Was-wäre-wenn-Fragen. Was passiert, wenn dieser oder jener Trend so weitergeht? Wie könnte sich ein Erstkontakt mit Außerirdischen wirklich gestalten? Was machen noch mal fünfhundert Jahre technische Entwicklung mit dem Konzept "Mensch"? Da kann's dann mit dem Thema Rollenspiel ein wenig knifflig werden, wenn man die zentrale(n) Frage(n), um die es im Spielverlauf zumindest nebenbei auch gehen soll, nicht erst mal halbwegs sauber herausarbeitet und sich überlegt, wie man sie am besten angeht...und dann braucht's natürlich auch noch die Gruppe, die sich davon begeistern läßt.

Dabei schließen sich die beiden Kategorien nun aber keineswegs gegenseitig aus, sondern sie lassen sich auf Wunsch praktisch beliebig kombinieren. Gerade länger laufende Serien wie die diversen Star Trek-Ableger oder Babylon 5 demonstrieren ja gelegentlich ganz gerne, daß man auch komplexere oder "philosophische" Themen schon mal in einzelnen Folgen einer eher "konventionellen" Abenteuerhandlung ansprechen kann -- und umgekehrt wird auch das tiefgründigste Werk, wenn es in Roman-, Film-, oder sonstiger Unterhaltungsform daherkommen soll, gut daran tun, die "menschliche" Dimension nicht allzusehr zu vernachlässigen, wenn das geneigte Publikum davon nicht größtenteils abprallen soll wie von einer Doktorarbeit aus einem fremden Fachgebiet. Ich denke, daraus läßt sich auch fürs Rollenspielhobby der eine oder andere Schluß ziehen. ;)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Haukrinn am 16.10.2023 | 08:25
Wenn ein oder mehrere "richtige" SF-Elemente das angemessene Gewicht behalten sollen, müssen sie zentral sein - dann ist man aber schnell auf One- oder Few-Shots reduziert, die sich eben an so einem Element abarbeiten und dann erzählerisch ausgelutscht sind.
Gibts in der Indie-Ecke, aber als entsprechend obskure Randerscheinung.

Würde ich so jetzt nicht unterschreiben. Ich denke dass viele große SF-Universen komplex genug sind und reichlich Material bieten, um sich abwechslungsreich damit zu beschäftigen. Auch Unnahbarkeit scheint mir kein Faktor zu sein. Star Trek und The Expanse kennen doch ziemlich viele Leute und wissen etwas damit anzufangen. Klappt sogar teilweise für Dune.

Ich glaube es ist viel eher der (angebliche!) Faktor, dass du Standard-Fantasy halt super als Mitläufer:in spielen kannst, ohne dich großartig mit dem Hintergrund auseinander setzen zu müssen. Bei SF schwingt vielleicht sofort mit, dass man genau das tun muss (da müssen die Charaktere schon einiges über die Welt wissen und damit auch die Spieler:innen), diese Hürde sehen viele Leute bei Fantasy nicht. Obwohl sie dort im selben Maße vorhanden ist, wenn man nicht nur Charaktere spielen möchte, die gerade aus irgendeinem Loch gekrochen sind und nichts von der Welt wissen.

PS: Vielleicht ist das auch eine Frage der Exploration. Viele Computerspiele bekommen es ja erstaunlich gut hin, dich erst einmal ins kalte Wasser zu schmeißen und dann nach und nach propagierte Welt zu offenbaren. Man sollte meinen, dass das auch am Spieltisch so machbar wäre. Aber die allermeisten Spiele sind da in ihrer Machart tatsächlich nicht drauf ausgelegt, weil sie zum Beispiel schon bei der Charaktererschaffung massiv viel Hintergrundwissen voraussetzen.

Aber trotzdem sei abschließend gesagt: Das ist kein SF-Problem. Das ist ein Problem eines jeden Spiels, dass sich nicht primär auf EDO-Tropes verlässt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 16.10.2023 | 10:27
Das ist ein Problem eines jeden Spiels, dass sich nicht primär auf EDO-Tropes verlässt.

Horor/Mystery und Superhelden sind da relativ dankbar. Urban Fantasy kann gehen wenn es eher Urban Shadows als WoD ist. Das entspricht eigentlich deinem Argument, Haukrin. Tropes sind einfach, Setting ist schwierig.

Interessant finde ich ein Spiel, das ich vorgestern auf Camfire Con gespielt habe, For the Queen, wo man eigentlich nichts außer so Hintergrund zu erarbeiten mit völlig undefinierten Figuren. Also die haben noch nicht mal notwendig Namen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 16.10.2023 | 10:45
Horor/Mystery und Superhelden sind da relativ dankbar. Urban Fantasy kann gehen wenn es eher Urban Shadows als WoD ist. Das entspricht eigentlich deinem Argument, Haukrin. Tropes sind einfach, Setting ist schwierig.

Ich denke, das kann man in der Tat ziemlich generell so sagen. Jeder, der mal einen der klassischen Musketierfilme gesehen und auch nur Fragmente im Gedächtnis behalten hat (so wie meine Wenigkeit), hat wahrscheinlich schon eine recht brauchbare Vorstellung vom Genre -- aber das tatsächliche historische Frankreich zu der Zeit, in der diese Abenteuer dann spielen? Hmmm... 8]

Ähnlich werden den meisten Leuten zum Thema "Science Fiction" wahrscheinlich in erster Linie Space-Opera-Tropes einfallen, weil die am ehesten als Science Fiction haften bleiben(*). Also Dinge wie Raumschiffe (von denen oft gleich eins den Protagonisten "gehört"), Außerirdische, Roboter, Strahlenwaffen aller Art. Damit habe ich auch noch lange kein konkret ausgearbeitetes Setting, aber doch so eine erste ungefähre Vorstellung davon, was in einem solchen so abgehen könnte und ob mich das als Spielthema interessiert.

(*) Will sagen, im Prinzip ist ja auch so was wie Mad Max schon SF -- aber ich glaube, der fällt den meisten Leuten dann zu dem Stichwort doch nicht gleich als Erster ein.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 16.10.2023 | 14:03
Der Kern von "echter" SF ist eine Idee, eine Erfindung oder eine soziale Entwicklung (oder ein Bündel der vorgenannten), deren Konsequenzen bis zu einem gewissen Punkt durchdekliniert werden.

Also: Wenn es XYZ gäbe, wie sähe die Welt dann wohl aus?
Naja, du schriebst "literarisch". In der Literaturwissenschaft würde man keine so enge normative Definition verwenden.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: YY am 16.10.2023 | 20:16
Naja, du schriebst "literarisch". In der Literaturwissenschaft würde man keine so enge normative Definition verwenden.

Die Formulierung in Richtung "echte SF" kam auch nicht von mir, aber wenn man schon von echter und unechter SF reden will, wird die Unterscheidung zu sehr großen Teilen darauf hinauslaufen.

"Unechte" SF besteht wohl aus Versatzstücken mit SF-Ästhetik oder -Atmosphäre, fängt damit aber nicht sonderlich viel an.


Würde ich so jetzt nicht unterschreiben. Ich denke dass viele große SF-Universen komplex genug sind und reichlich Material bieten, um sich abwechslungsreich damit zu beschäftigen.

Ich sehe das schon wie nobody@home: Man kann hier und da mal Elemente "echter" SF einbauen und damit auch mal eine ganze Sitzung oder einen Plotbogen einer SF-Kampagne füllen, aber dass der Anspruch, ausschließlich "echte" SF zu spielen, mehr als ein paar Sitzungen trägt, habe ich noch nicht erlebt.


Aber die allermeisten Spiele sind da in ihrer Machart tatsächlich nicht drauf ausgelegt, weil sie zum Beispiel schon bei der Charaktererschaffung massiv viel Hintergrundwissen voraussetzen.

Das gilt für viele der (teils ehemaligen) Platzhirsche, aber wenn ich so ins Regal schaue, gibt es auch einen ganzen Schwung Systeme, die das mehr oder weniger gekonnt vermeiden.

Das geht von komplett zufallsbasierter Erschaffung über Punkteverteilung (aber kein Punktekauf), recht enge Vorgaben bis hin zu Start von Null weg und damit quasi Charaktererschaffung im Spielverlauf.

Plus die Variante, im Spielverlauf große Seitwärtsänderungen an den Charakteren zu ermöglichen, aber davon hab ich keins ;)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 08:58
Die Formulierung in Richtung "echte SF" kam auch nicht von mir, aber wenn man schon von echter und unechter SF reden will, wird die Unterscheidung zu sehr großen Teilen darauf hinauslaufen.
a.) Man sollte das nicht wollen bzw. es ist unproduktiv b.) Denke nicht, dass es darauf hinausläuft. Selbst wenn man (ebenfalls problematische) qualitative Maßstäbe der Art "Hochliteratur" anwendet: Beispielsweise allegorische SF, d.h. der ganze Bereich von verfremdet behandelten sozialen Fragen der Gegenwart, wäre dann ausgeklammert. Dito die Verwendung des gleichen Stilmittels als Herangehensweise an philosophische Grundsatzfragen etc.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 09:03
Ich kann genauso sagen, SciFi ist meistens so mit Raumschiffen, die zwischen Planeten hin und herfliegen und Aliens treffen. Du weißt da ist das "meistens" schon sehr augewalzt.
Nun "meistens" heißt in der Mehrzahl der Fälle. Denkst du, das sei in der SF so? Ich würde so aus dem Bauch heraus eher sagen, dass interplanetare Raumfahrt und außerirdische Lebensformen bei den meisten SF-Werken nicht vorkommen. (Ganze populäre Subgenres, wie Cyberpunk/Near-Future-SF, Postapokalypse, Alternativweltgeschichten, Steampunk haben diese Dinge i.d.R. nicht.)

Während ich mich bei Fantasy aus dem Fenster lehne und sage: Ja, bei den meisten trifft Feuersängers Definition zu.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 17.10.2023 | 09:23
Ich würde das Pferd eher von einer anderen Seite aufziehen,... und damit bin ich fast schon beim Thema.
EDO hin oder her (ich kenn zumindest keinen einzigen Elfen, Zwergen und bei Orks bin ich mir nicht sicher) aber was ich kenne sind dinge die in Fantasy vorkommen: Ritterburgen, Ritterrüstungen, Schwerter, etc. solche Dinge kann ich im Museum sehen in der "freien Wildbahn" (also die Burgen). Pferde sehe ich zwar selten aber bin auch schon mal auf einem gesessen. Raketen,... naja abgesehen von Sylfester sind meine Kontakte dazu eher lau. Schwert hatte ich schonmal was in der Hand, Pfeil und Bogen auch, sogar modernere Schusswaffen bis zum Maschienengewehr bei der BW und Laser, tja mit denen arbeite ich heute fast täglich - und die haben aber mit dem was man aus SF sieht doch wenig gemein (will sagen in Filmen ist mir noch nichts untergekommen was die Lichtgeschwindigkeit von Lasern wirklich abbildet).

Ich denke das Fantasy "uns" näher ist da wir aus dem Geschichtsunterricht damit vieleicht mal konforntiert werden, aber die anknüpfungspunkte im SF sind etwas geringer.

Bleibt noch die sache wie "groß" dieser unterschied wirklich ist und ... wie sehr wir hier im :t: da aus unserer Blase auf die Gemeinschaft übertragen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 17.10.2023 | 09:49
Nun "meistens" heißt in der Mehrzahl der Fälle. Denkst du, das sei in der SF so? Ich würde so aus dem Bauch Während ich mich bei Fantasy aus dem Fenster lehne und sage: Ja, bei den meisten trifft Feuersängers Definition zu.

Mein Argument war, meistens ist in beiden Fällen gleichermaßen gelogen. Wir können gerne mal die letzten zehn Jahre die Hugos und die Stabbies durchgucken. Ich biete 20€ für die Serverkasse.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2023 | 10:14
Nun "meistens" heißt in der Mehrzahl der Fälle. Denkst du, das sei in der SF so? Ich würde so aus dem Bauch heraus eher sagen, dass interplanetare Raumfahrt und außerirdische Lebensformen bei den meisten SF-Werken nicht vorkommen. (Ganze populäre Subgenres, wie Cyberpunk/Near-Future-SF, Postapokalypse, Alternativweltgeschichten, Steampunk haben diese Dinge i.d.R. nicht.)

Während ich mich bei Fantasy aus dem Fenster lehne und sage: Ja, bei den meisten trifft Feuersängers Definition zu.

Bei mindestens einigen (wenn nicht gleich allen) dieser Subgenres wäre ich vorsichtig damit, sie rein der SF zuzuschlagen. Schließlich gibt's ja zu praktisch allen von denen auch Fantasyvertreter, teilweise sogar direkt bei uns im Hobby.

Wie schon mal gesagt oder zumindest angedeutet: so undurchdringlich, wie manche Schubladendenker sie vielleicht hätten, ist die Grenze zwischen den beiden Genres längst nicht. (Nicht mal im Weltraum, wo ja auch mal gerne außerirdische Quasi-Elfen [Vulkanier, Minbari, Asari...die Liste ist lang] oder Möchtegerngötter abhängen oder auch wieder Leute mit Zauber- Psi- oder sonstwie benamsten Kräften diese spielen lassen.) Ja, es gibt Trends und Tendenzen, aber vieles vermischt sich dann auch schnell wieder.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 10:53
Bei mindestens einigen (wenn nicht gleich allen) dieser Subgenres wäre ich vorsichtig damit, sie rein der SF zuzuschlagen. Schließlich gibt's ja zu praktisch allen von denen auch Fantasyvertreter, teilweise sogar direkt bei uns im Hobby.
Also, wenn's um Literatur geht, würde ich das von der Rezeption her aufrollen, und zwar ganz platt: Was in der Buchhandlung im SF-Regal steht, ist SF.

Zitat
Wie schon mal gesagt oder zumindest angedeutet: so undurchdringlich, wie manche Schubladendenker sie vielleicht hätten, ist die Grenze zwischen den beiden Genres längst nicht. (Nicht mal im Weltraum, wo ja auch mal gerne außerirdische Quasi-Elfen [Vulkanier, Minbari, Asari...die Liste ist lang]
Ja, aber trotzdem nennt jeder außer ein paar Nerds Star Trek, Bab5 und ME "Science Fiction" und niemand "Fantasy". Solche Konstruktionen verstellen nur den Blick für das Wesentliche.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2023 | 11:09
Also, wenn's um Literatur geht, würde ich das von der Rezeption her aufrollen, und zwar ganz platt: Was in der Buchhandlung im SF-Regal steht, ist SF.

Das ist nur halt nicht "die Rezeption", denn um die zu beurteilen, müßte man ja erst mal das konkrete Publikum befragen. Das ist schlichtweg die Diktatur des Zwischenhändlers, und wenn der sich mal umentscheidet, müßte demnach ein und dieselbe Geschichte spontan ganz offiziell -- und auch unabhängig von den Meinungen der Leser und des Verfassers -- das Genre wechseln.
 
Zitat
Ja, aber trotzdem nennt jeder außer ein paar Nerds Star Trek, Bab5 und ME "Science Fiction" und niemand "Fantasy". Solche Konstruktionen verstellen nur den Blick für das Wesentliche.

Dann definier doch bitte mal kurz "das Wesentliche". Denn erstens scheint das außer dir niemand hier so recht zu können (sonst hätten wir ja schon längst eine einvernehmliche Definition, mit der wir weiterarbeiten könnten), und zweitens bin mir einigermaßen sicher: Gegenbeispiele werden sich finden.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 11:13
Mein Argument war, meistens ist in beiden Fällen gleichermaßen gelogen.
Äh, das war auch schon auf Literatur (und spezifisch als "hochwertig" eingestufte... ich nehme mal an, die "Stabbies" sind auch ein Literaturpreis) und nicht auf Rollenspiele bezogen? Ich hatte Feuersänger eher so verstanden, dass er das in Bezug auf das Ausgangsposting, d.h. auf Rollenspiele, meinte.

Auch bei Literatur würde ich das nicht an Preisverleihungen fest machen. Die haben selten Aussagekraft darüber, was wirkmächtig ist. Was die Verkaufszahlen angeht, gibt's (oder gab's... bin nicht mehr so auf dem Laufenden) zwei große Gruppen: Die HdR-Schiene (also das, was Feuersänger meinte, der ganze Bereich Epic Fantasy/High Fantasy/S&S) und die HP-Schiene (also unsere Gegenwartswelt, manchmal auch alternative Geschichte + Magie statt mittelalterlich gefärbte Sekundärwelt + Magie. Meistens für ein jugendliches Lesepublikum geschrieben.) Und den diesen Gruppen gegenüber weniger relevanten Rest.

Wobei ich auf jeden Fall anerkennen würde, dass im Bereich der Fantasy-Literatur die Spannbreite populärer Werke über die hier genannten Klischees hinausgeht. Bei Rollenspielwerken sehe ich das außerhalb kleinster Nischen nicht.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 11:25
Dann definier doch bitte mal kurz "das Wesentliche".
Habe ich doch schon, sogar im gleichen Satz. Und leicht anders formuliert noch einmal: Was in der Buchhandlung im SF-Regal steht. Und das ist nicht die "Diktatur des Zwischenhändlers" (allein diese alberne Formulierung zeigt doch recht deutlich, dass du hier einfach auf Krawall gebürstet bist), sondern der Markt. Glaub's mir einfach: Keine Buchhandlung trifft die Entscheidung, ein Buch der Ecke SF oder Fantasy zuzuordnen, um irgendwas zu "diktieren" (sondern idR überhaupt nicht) und die Verlage treffen die Entscheidung nach dem Gesichtspunkt, wie und an wen sie's verkaufen.

Oder um Norman Spinrad zu zitieren:
“There is only one definition of science fiction that seems to make sense: ‘Science fiction is anything published as science fiction.’”

Eine auf Inhalte abgestellte Definition ist hier vollkommen zwecklos, weil man deren Akzeptanz nicht erwzingen kann. schon gar nicht gegen den im Voraus angekündigten Willen des Gegenübers. Also, wenn du spitze Ohren für ein konstituierendes Fantasy-Element hältst, dann tust du das: Die extrem überwiegende Mehrzahl der Leute, die mit Werken des Genres ihr Geld verdienen oder sie konsumieren, tut's nicht.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 11:55
Ich als Spieler hab' folgende Erfahrung:

Bei Fantasy-Rollenspielen, die ich null kenne, sage ich der SL vor Beginn der Runde: "Ich möchte gerne einen Krieger (oder Magier; oder Dieb) spielen". Antwort in der Regel: Alles klar, da wäre in diesem System folgendes geeignet. SL und ich haben beide eine ziemlich exakte Vorstellung davon, was ich damit meine, ohne diese Vorstellung mit einer exakten (durch Gegenbeispiele auseinanderzupflückenden) Definition klarstellen zu müssen.

Wenn ich bei SF-Spielen mit "Ich möchte gerne einen Jägerpiloten (oder Hacker; oder Cybersoldaten) spielen" anfange, ist die Antwort eher: Ist so direkt jetzt nicht vorgesehen. Oder genauer: Mir ist von vorneherein klar, dass fast das ganze Genre durchziehende Archetypen wie bei Fantasy-Rollenspielen nicht gibt und das ich mich besser vorher informiere, was es in dem konkreten Spiel gibt.

Das ist für mich der Unterschied. Eigentlich ist das auch das Gute an SF. Aber dass es eine (eigentlich recht niedrige) Einstiegshürde darstellt, ist kaum abzustreiten.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Chaos am 17.10.2023 | 12:07
Habe ich doch schon, sogar im gleichen Satz. Und leicht anders formuliert noch einmal: Was in der Buchhandlung im SF-Regal steht. Und das ist nicht die "Diktatur des Zwischenhändlers" (allein diese alberne Formulierung zeigt doch recht deutlich, dass du hier einfach auf Krawall gebürstet bist), sondern der Markt. Glaub's mir einfach: Keine Buchhandlung trifft die Entscheidung, ein Buch der Ecke SF oder Fantasy zuzuordnen, um irgendwas zu "diktieren" (sondern idR überhaupt nicht) und die Verlage treffen die Entscheidung nach dem Gesichtspunkt, wie und an wen sie's verkaufen.

Oder um Norman Spinrad zu zitieren:
“There is only one definition of science fiction that seems to make sense: ‘Science fiction is anything published as science fiction.’”

Eine auf Inhalte abgestellte Definition ist hier vollkommen zwecklos, weil man deren Akzeptanz nicht erwzingen kann. schon gar nicht gegen den im Voraus angekündigten Willen des Gegenübers. Also, wenn du spitze Ohren für ein konstituierendes Fantasy-Element hältst, dann tust du das: Die extrem überwiegende Mehrzahl der Leute, die mit Werken des Genres ihr Geld verdienen oder sie konsumieren, tut's nicht.

Wenn der Verlag sich also entscheidet, "Herr der Ringe" von jetzt an als SF zu vermarkten, dann verwandelt es sich automatisch in SF? Wenn die Buchhändler die Bibel zur Fantasy stellen, wird das Christentum dann automatisch zum Fantasy-Fanclub?

Sorry, aber was du da sagst, macht überhaupt keinen Sinn. Eine halbwegs sachliche Diskussion kann es hier nur auf Basis zumindest des Versuchs geben, sachliche Einordnungskriterien zu schaffen, nicht auf Basis der willkürlichen Dummschwätzerei von Leuten, für die "Fantasy" und "SF" nur Schlagwörter zur Maximierung des Profits sind.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Edvard Elch am 17.10.2023 | 12:12
Bei Fantasy-Rollenspielen, die ich null kenne, sage ich der SL vor Beginn der Runde: "Ich möchte gerne einen Krieger (oder Magier; oder Dieb) spielen". Antwort in der Regel: Alles klar, da wäre in diesem System folgendes geeignet. SL und ich haben beide eine ziemlich exakte Vorstellung davon, was ich damit meine, ohne diese Vorstellung mit einer exakten (durch Gegenbeispiele auseinanderzupflückenden) Definition klarstellen zu müssen.

Wenn ich bei SF-Spielen mit "Ich möchte gerne einen Jägerpiloten (oder Hacker; oder Cybersoldaten) spielen" anfange, ist die Antwort eher: Ist so direkt jetzt nicht vorgesehen. Oder genauer: Mir ist von vorneherein klar, dass fast das ganze Genre durchziehende Archetypen wie bei Fantasy-Rollenspielen nicht gibt und das ich mich besser vorher informiere, was es in dem konkreten Spiel gibt.

Der Witz ist: In den halbwegs erfolgreichen Science-Fiction-Rollenspielen gibt es genau die gleichen Fantasyklassen, nur halt mit anderem Anstrich. Und das liegt daran, dass der Inhalt von Rollenspiel im Mainstream "Eine Gruppe aus verschiedenen Leuten geht auf Abenteuer und überwindet Gegner" ist.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 12:54
Wenn der Verlag sich also entscheidet, "Herr der Ringe" von jetzt an als SF zu vermarkten, dann verwandelt es sich automatisch in SF? Wenn die Buchhändler die Bibel zur Fantasy stellen, wird das Christentum dann automatisch zum Fantasy-Fanclub?
Tun sie aber nicht. So einfach ist das.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Edvard Elch am 17.10.2023 | 12:55
Tun sie aber nicht. So einfach ist das.

Viele Buchhandlungen (und auch einige Verlagsprogramme und Bibliotheken) fassen beides unter "Fantastik" zusammen. Und jetzt?
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 12:58
Der Witz ist: In den halbwegs erfolgreichen Science-Fiction-Rollenspielen gibt es genau die gleichen Fantasyklassen, nur halt mit anderem Anstrich. Und das liegt daran, dass der Inhalt von Rollenspiel im Mainstream "Eine Gruppe aus verschiedenen Leuten geht auf Abenteuer und überwindet Gegner" ist.
Hm, ich spiele und leite anscheinend hauptsächlich völlig erfolglose SF-Rollenspiele wie Traveller, Mechwarrior, Cyberpunk.

(Wobei man's in der Tat zugeben muss: Einige der erfolgreichsten SF-Rollenspiele, die ich auch mal gespielt oder zumindest angespielt habe, wie SW D20, SR und Starfinder, gehen schon sehr stark in die Richtung, ein 08/15-Fantasy-Schema in eine SF-Schablone zu pressen.)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 13:06
Viele Buchhandlungen (und auch einige Verlagsprogramme und Bibliotheken) fassen beides unter "Fantastik" zusammen. Und jetzt?
Und gar nichts? SF und Fantasy, auch übernatürlicher Horror, werden oft in dieses Obergenre zusammengefasst. Ob ein einzelner Händler das tut, oder Untergenres verwendet, oder einfach nur einen ganzen Schrank mit Belletristik hat, ist einerlei. (Und nebenbei machen die ja das Gegenteil von dem, was nobody hier abzieht.)

Jedenfalls, wenn man irgendwie eine Diskussion führen und sinnvoll einen Konsens herstellen will, statt herumzukrakeelen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Chaos am 17.10.2023 | 13:20
Tun sie aber nicht. So einfach ist das.

Könnten sie aber, wenn sie wollten. Weshalb dein "Wesentliches" vollkommen wertlos ist, wenn es darum geht, irgendetwas zu definieren oder zwischen zwei Genres zu unterscheiden.


Ich sage: Alle Maßstäbe oder Definitionen, in denen es möglich ist, "Herr der Ringe" als SF zu definieren und "Der Marsianer" als Fantasy, ohne die Regeln zu brechen, sind automatisch vollkommen ungeeignet als Basis für irgendeine sachliche Diskussion. Und da zählt dein "Es ist das, als was man es vermarktet" eindeutig dazu.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2023 | 13:35
Der Witz ist: In den halbwegs erfolgreichen Science-Fiction-Rollenspielen gibt es genau die gleichen Fantasyklassen, nur halt mit anderem Anstrich. Und das liegt daran, dass der Inhalt von Rollenspiel im Mainstream "Eine Gruppe aus verschiedenen Leuten geht auf Abenteuer und überwindet Gegner" ist.

Na, ich weiß nicht so recht. ;) Es ist sicher richtig, daß es gewisse klassische "Abenteuer-Charakterarchetypen" gibt, die sich in praktisch jedem Abenteuergenre dann in ggf. leicht angepaßter Form wiederfinden -- den Kämpfer/Soldaten/schießmichtot gibt's so ziemlich immer und überall, ebenso gerne mal den "Jedermann", der erst mal nur mehr oder weniger ins Abenteuer gezogen wird und sich dann entweder nach passendem Abschluß wieder abmeldet oder es (etwas seltener) zu seiner neuen Berufung macht. Man findet auch mal den einen oder anderen kriminellen, aber immer noch einigermaßen sympathischen Protagonisten (Robin Hood, Arsène Lupin, Han Solo...). Und die Zauberer & Co. würde ich etwas verallgemeinernd vielleicht in eine Kategorie "Experten und Fachleute" stecken, die ja einigermaßen regelmäßig auch da auftaucht, wo Magie nominell gar nicht existiert, und dann immer noch ähnliche Funktionen (insbesondere das Beantworten von Fachfragen und Herbeihandwedeln von Lösungsansätzen) wahrnimmt.

Aber: Archetypen einer- und "Klassen" als Regelkonstrukte andererseits sind noch lange nicht dasselbe. Das sieht man ja eigentlich schon daran, daß sie auf zwei völlig verschiedenen Begriffsebenen existieren...oder auch daran, daß Archetypen rein beschreibender Art sind, Klassen aber ausdrücklich auch mit Vorschriften daherkommen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Doc-Byte am 17.10.2023 | 13:41
Also, wenn's um Literatur geht, würde ich das von der Rezeption her aufrollen, und zwar ganz platt: Was in der Buchhandlung im SF-Regal steht, ist SF.

Genial, wie sich mit einem Federstrich die komplette Literaturwissenschaft vom Tisch wischen lässt. Hätte ich das mal früher gewusst, das hätte vieles erleichtert. :d ~;D
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 14:13
Könnten sie aber, wenn sie wollten.
Klar, wenn alle wollten, könnten sie's auch Krucklwutsch nennen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Chaos am 17.10.2023 | 14:15
Klar, wenn alle wollten, könnten sie's auch Krucklwutsch nennen.

Dann verstehst du sicher, wie vollkommen wertlos Definitionskriterien sind, bei denen sowas möglich ist.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 14:16
Genial, wie sich mit einem Federstrich die komplette Literaturwissenschaft vom Tisch wischen lässt. Hätte ich das mal früher gewusst, das hätte vieles erleichtert.
Ich hab' ja selber 'nen Abschluss (okay, im Nebenfach) in englischer Literaturwissenschaft und ja: Eine Menge, was man da macht, ist Geschwurbel um des Geschwurbels willen. (Konnte das aber für 'ne 1 ausreichend gut verbergen.) In diese Kategorie fällt auch das, was hier so abgeht.

Wobei ich zur Ehrenrettung sagen muss: Ich hab' keine Literaturwissenschaftler kennen gelernt, für die "wir entwickeln eine Definition von X, die der Definition von Rezipienten und Produzierenden komplett zuwiderläuft, und wir haben recht!" eine valide Herangehensweise war. Das war bei dir wohl anders.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Skaeg am 17.10.2023 | 14:32
Dann verstehst du sicher, wie vollkommen wertlos Definitionskriterien sind, bei denen sowas möglich ist.
Nein, sinnlos sind Diskussionen mit Leuten, die etwas für möglich halten, nur weil sie es sich vorstellen können, und dann aufgrund dieser "Möglichkeit" über reale Verhältnisse reden möchten.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: JollyOrc am 17.10.2023 | 14:52
Bitte unterlasst versteckte oder offene Spitzen gegenüber anderen Menschen hier.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Chaos am 17.10.2023 | 15:25
Nein, sinnlos sind Diskussionen mit Leuten, die etwas für möglich halten, nur weil sie es sich vorstellen können, und dann aufgrund dieser "Möglichkeit" über reale Verhältnisse reden möchten.

Es ist eine objektive Tatsache, dass nach deinen Maßstäben "Herr der Ringe" SF wäre, wenn es als SF vermarktet würde, oder ein Reisebericht, wenn es als Reisebericht vermarktet würde.

Das ist Herr der Ringe aber beides objektiv nicht.

"Reale Verhältnisse", die sich darauf begründen, womit Verleger oder Buchhändler am besten Geld zu verdienen hoffen, sind als Grundlage für eine sachliche Diskussion wertlos.

Mal ganz davon abgesehen, dass es ziemlich fragwürdig ist, "Rezeption" an den Marketingmanövern von Verlegern und Buchhändlern festzumachen anstatt daran, was Leser oder Literaturwissenschaftler davon halten.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Isegrim am 17.10.2023 | 15:32
Das, was am Anfang des Genres "SF" stand, was ihm sein Renomme gab, ist und bleibt nun mal das, was im Namen angelegt: Die Betrachtung fiktionaler (Natur-) Wissenschaft, ihrer möglichen Produkte, und der Auswirkung, die das auf Menschen & Gesellschaft haben könnte.

Dass es praktisch genau so lange Geschichten gibt, die die (noch*) phantastischen Elemente aufgreifen und daraus Abenteuer machen, die mit Wissenschaft so viel zutun haben wie Karl Mays Apachen mit echten Indianern: Geschenkt. Ohne den Kern an "harter SF" hätte sich SF mE nicht als eigenständiges Genre etablieren können.

Dennoch bringt es nichts zu ignorieren, dass etwas nunmal als SF wahrgenommen wird, sobald Raumschiffe und Roboter drin vorkommen, egal wie wissenschaftlich damit umgegangen wird. Ähnlich wie auch Fantasy bieten sich hier einfach so viele erzählerische Möglichkeiten, Geschichten über Menschen zu erzählen, dass Leute sie natürlich nutzen werden, die viel auf das "Fiction" und wenig auf das "Science" geben werden. Und da eine Geschichte viele Elemente enthält, wird es natürlich auch ein weites Spektrum geben, von "hard SF bis auf ein, zwei Aspekte" bis zu "die Drachen heißen nur anders".

* Das nächste Problem: "Hard SF" ist immer ein Produkt ihrer Zeit, da sie ja nur auf den jeweiligs verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren kann. Als die Äthertheorie noch aktuell war, waren darauf basierende Storiey keine Fantasy; heute schon.

Star Trek hat noch einiges vom "SF-Geist", weil es hin und wieder tatsächlich Dinge thematisiert, die mit dem futuristischen Setting und seinen Rückwirkungen auf Menschen, Moral, Gesellschaft zu tun haben; auch wenn die "Science", auf der diese Gesellschaft basiert, phantastisch ist. Star Wars thematisiert vergangene und heutige gesellschaftliche Konflikte (Diktatur, Familie), und nichts davon hat i-was mit "Zukunft" zu tun, außer dass Raumschiffe halt cool aussehen.

Für's Rollenspiel: Solange das nur Unterhaltung sein will, ist es mE Jacke wie Hose; ob das künstliche Wesen nun ein per Gebeten belebter Golem ist, Frankensteins Monster oder ein Robobter ist: Wichtig ist, wie das Setting das präsentiert, und dann wird halt je nachdem draufgehauen, mit dem Fremdartigen kommuniziert oder jeder Unterschied jenseits verschiedener Stats ignoriert; Abstufungen sind möglich... ;)

Die interessanten Fragen, die SF (und Fantasy, auf andere Art, und andere Genres...) aufwirft, mit Hilfe von Rollenspiel zu thematisieren, über etwas Flair & Feeling hinaus, ist mE eine Nischensache. Wenn ich mir angucke, für wieviele Leute Cyberware und der damit zusammenhänge Verlust von Menschlichkeit mehr war als "nette Gimmicks & RPG-Balancing"...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: JollyOrc am 17.10.2023 | 16:00
Es ist eine objektive Tatsache, dass nach deinen Maßstäben "Herr der Ringe" SF wäre, wenn es als SF vermarktet würde, oder ein Reisebericht, wenn es als Reisebericht vermarktet würde.

Ich glaube, was Skaeg eigentlich schreibt ist: "ich übernehme die Definition vom Buchhandel. Die kenne ich zwar nicht, kann aber die Ergebnisse am Regal da ablesen"
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Chaos am 17.10.2023 | 16:19
Ich glaube, was Skaeg eigentlich schreibt ist: "ich übernehme die Definition vom Buchhandel. Die kenne ich zwar nicht, kann aber die Ergebnisse am Regal da ablesen"

Die Frage, ob er sich diese Definition selbst ausgedacht hat, oder ob er sie einfach von woanders übernimmt, ist in dieser Diskussion eher sekundär. Er vertritt diese Meinung, also kann man eigentlich erwarten, dass er sie mit Argumenten verteidigt, und/oder auf die Argumente der Gegenseite sachlich eingeht.

Autoren wissen, in welchem Genre sie schreiben wollen. Leser wissen, in welchem Genre sie lesen wollen. Literaturwissenschaftler nehmen für sich in Anspruch, wissenschaftlich an die Sache heranzugehen. Allen drei Gruppen unterstelle ich zumindest den guten Willen, eine für sachliche Diskussionen brauchbare Definition der Genres erreichen zu wollen.

Verleger und Buchhändler (zumindest abseits der kleinen Spartenverlage und von Bücherwürmern geführten Nachbarschaftsbuchläden) geht es in allererster Linie darum, Geld zu verdienen - ob sie dafür Bücher, Kartoffelchips oder Wintermäntel verkaufen, ist da letztendlich sekundär. Deshalb unterstelle ich ihnen, dass ihre Definitionen primär der Profitmaximierung und nicht der Schaffung einer Diskussionsgrundlage dienen sollen - was man, meiner Meinung nach, bei der von Skaeg vertretenen Definition ganz gut sehen kann.

Buchhändler könnten, wenn sie wollten, "Herr der Ringe" als Reisebericht (oder Steuerrechtsliteratur) definieren, ohne von ihren Definitionsmaßstäben abzuweichen, indem sie "Herr der Ringe" zu den Reiseberichten (oder der Steuerrechtsliteratur) ins Regal stellen - ohne dass sich am Inhalt oder am tatsächlichen Genre von "Herr der Ringe" das Geringste ändert. Deshalb ist jede Definition, die An- oder Abwesenheit eines Buchs in einem bestimmten Regal basiert, für eine sachliche Diskussion wertlos.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: pharyon am 17.10.2023 | 16:23
Unabhängig der Definitionen bin ich überzeugt, dass Einsteigern Fantasy zugänglicher erscheint, weil sie das Gefühl haben, sie können vieles aus ihrer erlebten Gegenwart einbringen und nur wenig hinzulernen und bei Science Fiction eher nicht.

Möglicherweise liegt es auch daran, dass Fantasy "technisch" eher in die Vergangenheit (HdR) oder maximal an der Gegenwart (HP) orientiert, Science Fiction aber an der oder in die Zukunft. Unserer gefühlten Erfahrung ist die Zukunft komplexer zu begreifen als die Gegenwart, die wiederum komplexer als die Vergangenheit. Gefühlsmäßig werden hier im Geist mehrere Verknappungen durchgeführt, die Fantasy zugänglicher erscheinen lassen.

p^^
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 17.10.2023 | 17:23
Ah, wir haben eine Genre-Diskussion. Hatten wir ja lange nicht.

Kurz und gut: Ein Werk hat kein Genre. Genres haben das Werk.

Genre ist eine Attribution des Publikums / Literaturbetriebs. Wissenschaftlich ist da auch nicht viel zu wollen außer Merkmale zu listen, die dazu führen, dass ein Werk so gelabelt wird und von wem und wann und wo.

Genre hat dabei keineswegs nur mit dem Inhalt zu tun. Es ist natürlich zunächst mal das Medium, dann aber auch die Herkunft (Mangas, afrikanische Literatur), die Publikationskanäle (Webserial vs. Buch, TV-Serie vs. Kinofilm), biographische Merkmale der Autor*in (migrantische Literatur, Literatur von AutorINNEN), die Zeit der Entstehung (Nachkriegsliteratur, Augustäische Epik), die Zielgruppe (Kinderbücher, Populärwisschenschaft) und mit Sicherheit noch mehr.

Zu gucken in welches Regal etwas gestellt wird, ist also durchaus der korrekte wissenschaftliche Ansatz. Nur kann sich ein konkretes Werk durch die Flexibilität des Begriffes im Schnittbereich diverser Genre-Zuschreibungen befinden. Die Leuten denken sich auch ständig neue Genre-Label aus.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 17.10.2023 | 17:52
Unabhängig der Definitionen bin ich überzeugt, dass Einsteigern Fantasy zugänglicher erscheint, weil sie das Gefühl haben, sie können vieles aus ihrer erlebten Gegenwart einbringen und nur wenig hinzulernen und bei Science Fiction eher nicht.

Möglicherweise liegt es auch daran, dass Fantasy "technisch" eher in die Vergangenheit (HdR) oder maximal an der Gegenwart (HP) orientiert, Science Fiction aber an der oder in die Zukunft. Unserer gefühlten Erfahrung ist die Zukunft komplexer zu begreifen als die Gegenwart, die wiederum komplexer als die Vergangenheit. Gefühlsmäßig werden hier im Geist mehrere Verknappungen durchgeführt, die Fantasy zugänglicher erscheinen lassen.

p^^

Ich überlege mir inzwischen, ob ich's nicht anders ausdrücken würde: Fantasy orientiert sich ja meist nicht wirklich groß an der Vergangenheit und die meisten Fantasyfans sind vermutlich auch keine großen Hobbyhistoriker, die sich im Gegenstück des achten Jahrhunderts oder so tatsächlich heimischer fühlen würden als in einem SF-Setting im nominell achtundzwanzigsten.

Aber Fantasy mag viele Leute schlicht an ihre Kindheit erinnern, in der die Erwachsenen ihnen noch primär "kindgerechte" Erzählkost wie Märchen und so und weniger "komplizierte" Sachen wie SF vorgesetzt haben -- und das trägt dann vermutlich, halbwegs erträgliche Kindheit vorausgesetzt, eben schnell auch mal zu einem eher heimeligen Gefühl bei.

Natürlich läßt sich das so schlecht komplett verallgemeinern. Gibt ja durchaus auch Weltraum-Kindergeschichten oder Leute, die Sachen wie die Original-Enterprise und Mondbasis Alpha 1 quasi mit der Muttermilch eingesogen haben, weil die zufällig gerade da in der Flimmerkiste liefen. Aber ich denke, "Fantasy fühlt sich einfacher an, auch wenn sie das in der Praxis dann oft gar nicht ist" taugt als zumindest eine Arbeitshypothese unter anderen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: pharyon am 18.10.2023 | 06:33
Ich meine das nicht zwanghaft historisch auf Epochen / Zeiten konkret bezogen. Zunächst wollte ich mich von dem Definitionsdruck absetzen. Es genügt, dass wir Fantasy und Science Fiction unterschiedlich attribuieren. 1of3 hat das ja auch schön ausgeführt.

Mir geht es um die vermeintlich zu nutzenden Werkzeuge im jeweiligen Setting: Mit Schwertern, Pferden, Rüstungen und Burgen gibt es mehr und belastbare Erfahrungen (der Punkt, dass wir durch Märchen in der Kindheit mit vielen Tropes vertraut gemacht werden, spielt sicher da mit rein) für uns (als Menschheit, nicht zwangsläufig individuell) als mit Plasmabrennern, Trägheitsdämpfern, Druiden und Blastern. Und wenn die "Andersartigen" sehr menschenähnlich sind, fällt uns das auch leichter, uns reinzuversetzen.

Aus dem Grund glaube ich auch, dass "softe"/"unechtere" Science Fiction wiederum zugänglicher ist, weil viele Werkzeuge den uns bekannten Mittel stark ähneln (Lichtschwerter, Raumjäger im Vergleich zu Transhumanismus und Uplifting, zum Beispiel).

Umgekehrt kann man das ggf. auch noch besser nutzen, wenn man Sci Fi - Rollenspiel spielen will: die zugänglichen Aspekte betonen und klare Hilfen bei vermeintlich komplexeren Bereichen der Zukunft parat halten.

p^^
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 18.10.2023 | 08:55
Im hinblick auf:

Tun sie aber nicht. So einfach ist das.

Da ging es um die einsortierung von Romanen in Buchläden wo man (also zumindest ich) die "Drachenreiter von Pern" unter SF gefunden hat.
Wenn man einige der Romane liest kann man sich aber schon über das SF auf dem Einband wundern,... denn in vielen kommt so ziemlich nichts vor was SF ist.

Eigentlich geht es um eine Kolonie von Menschen die einen Planeten besiedelt haben und die technisch dann auf ein Niveau des "Mittelalters" abgesackt sind. Aber das ist in vergessenheit geraten. (ach und telepatische intelligente Drachen gibts halt noch oben drauf).
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 18.10.2023 | 10:50
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Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: AndreJarosch am 18.10.2023 | 11:09
Ich denke vielen was Fantasy "einfacher" macht ist logische Zusammenhänge vorauszusetzen, die in fast jeder Fantasy-Welt stimmen sollten.

Egal in welcher Fantasy-Welt ist spiele und es zum Kampf kommt:
Das Spitze Ende soll in den Gegner gehen. Bei Fernkampf habe ich EINEN Versuch wenn ich einen Wurfspeer habe. Ich habe so viele Schüsse mit dem Bogen wie ich Pfeile im Köcher habe.
Das ist völlig unabhängig ob ich ich Tolkienske Fantasy, Conaneske Fantasy, Historische Fantasy, oder Märchen Fantasy spiele.

In einen SciFi-Hintergrund habe ich eine eine Fernkampfwaffe, aber die erklärt sich NICHT von selbst, sondern ist abhängig von der Hintergrundwelt.
Strahlenpistole bei der ich mir keine Gedanken und die Anzahl der Schüsse machen muss und jeder Schuss ist gleichtödlich? Phaser mit lange haltender Energiezelle, bei dem ich aber die Tödlichkeit (oder Betäubung) einstellen kann? Ein Blaster der entflammtes Plasma verschießt, welches ich irgendwann nachladen muss? Tödliche Strahlenwaffe als mit Munitionsklipps zu je 20 Schuss?


Ähnliches gilt für viele andere Elemente eines Rollenspiels.
Reisezeiten und Arten des Transportmittels sind leicht nachvollziehbar und sich in fast allen Fantasywelten sehr ähnlich.

In SciFi-Welten gibt es so viele Möglichkeiten mehr, die sich gegenseitig ausschliessen können, oder parallel existieren.

Den Welterhintegrund eines SciFi-RPGs verständlich zu machen erfordert viel mehr Detailarbeit als die Spieler in eine Fantasy-Welt zu schubsen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 18.10.2023 | 11:30
Ich möchte mal ein Beispiel geben, wo das regelmäßig schief geht. Ich hab das jetzt bei zwei Anfänger-Gruppen erlebt. Anscheinend gibt es in der Vorstellung der Leute nur BöseTM Nekromanten und nur GuteTM Elfen.

Ich hatte mir dabei ja gar nichts gedacht. Das war halt ein Untoter, der sich freiwillig gemeldet hatte, diese Anlage zu bewachen. Hatte die SCs auch ganz freundlich eingeladen, sich doch umzusehen. Viel weiter kam er dann nicht.

In der zweiten Gruppe trafen sie dann auf eine Truppe See-Elfen, die bei den Küstendörfern Schutzgeld eingetrieben haben. Als das dann klar wurde, sorgte das doch für Entgeisterung. Und ich hatte mir schon Mühe gegeben, die möglichst Klischee-mafiös zu spielen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 18.10.2023 | 11:40
Ich möchte mal ein Beispiel geben, wo das regelmäßig schief geht. Ich hab das jetzt bei zwei Anfänger-Gruppen erlebt. Anscheinend gibt es in der Vorstellung der Leute nur BöseTM Nekromanten und nur GuteTM Elfen.

Nun ja klare "moralische" Kanten gibt es im SF doch ab und an auch.
Ripley braucht keine moralische Rechtfertigung ein Alien zu töten, auch auf die grausame art und weise es durch das Vakkum durch ein kleines Loch saugen zu lassen,.... Stormtrooper darf man als Alianzler abknallen, sind ja eh nur "klone" (in der klassischen Variante).

Oder anderst gesagt: Orks gibt auch im Weltraum.

Aber ja prinzipiell ist es schon so das die Grenzen in Fantasy deutlicher ist.

Wie ich weiter oben schon schrieb ist zwar "EDO" ein Punkt der Wiedererkennung bringt aber mehr basic würde ich es an den Dingen festmachen - Schwert, Bogen; Ritterrüstung - das ist Fantasy. Laser, Raumschifft und Überlichttriebwerke ist SF. Ersteres kann sich jeder im Museum anschauen, bei einem Mittelaltertreffen vieleicht auch mal in die Hand nehmen.
Will sagen das SF Zeugs ist einfach weiter von unserer Vorstellung entfernt als alles was es an Dingen in Fantasy gibt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 18.10.2023 | 12:03
Vorab:
Ich nenne Fantasy jetzt synonym als "die in den klassischen Meanstream Rollenspielen vorkommende mittelalterlich angehauchte Fantastik mit Menschen, Zwergen, Elfen, Orks und existierender Magie".
In Punkto SF beziehe ich mich auf das, was sich an Rollenspielen am ehesten unter Space Opera zusammenführen lässt.
Mir ist klar, dass es anders (Cyberpunk) gibt und auch, dass es Überschneidungen (zB Star Wars) gibt. Diese Unschärfen lasse ich zur Verdeutlichung außen vor.

Rollenspiel in klassischer Fantasy arbeitet stark mit Genre Konventionen und Stereotypen.
Rollenspiel in der SF besitzt diese nicht, sofern die Spielwelt nicht durch Medien wirklich gut bekannt ist.

Mangelnde Kenntnis über Stereotypen und Genre-Tropes limiert die Vertrautheit mit einer Spielwelt und erfordert mehr Investition in die Vermittlung über die Beschaffenheit des Settings.
Solange Spieler nicht wirklich einen Mehrwert wahrnehmen, wird es schwer sein, die Leute für Spielwelten zu begeistern, die mehr Investition erfordern.

Für mich (als SF & Space Opera Begeisterten) steht ausser Frage, dass es in den SF Settings deutlich Mehrwert gibt.
Mich würde die Diskussion der Frage interessieren, wie man das vermitteln kann.

Das "warum" ist für mich eigentlich deutlich klar. Mir stellt sich die Frage nach dem "wie ändere ich das"...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 18.10.2023 | 12:25
Willst du Leute an deinen Tisch kriegen oder Leute an deinem Tisch ein anspruchsvolleres Setting schmackhaft machen? Das sind zwei sehr paar unterschiedliche Schuhe.

Du kannst natürlich den Starfinder- oder Warhammer-40k-Trick machen. Also diese Fantasy-Stereotype auf Raumschiffe setzen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 18.10.2023 | 12:42
Mein Hauptproblem mit SF in Rollenspielwelten ist eigentlich, dass die Strukturen der Geschichten durch die technologischen Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Während mächtige Möglichkeiten in Fantasy oftmals aus einer Progression heraus entstehen und daher den Protagonisten Anfangs noch nicht zur Verfügung stehen sind in SF die technologischen Optionen deutlich weiter verbreitet.

Als Folge dessen ist das Reisen zwischen Welten wesentlich üblicher. Und während dies beim Serienkonzept ala Star Trek viele Möglichkeiten bietet den Planet der Woche zu besuchen wünsche ich mir im Rollenspiel oft einen wesentlich höheren Detailgrad was die Weltbeschreibungen angeht.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 18.10.2023 | 14:28
Für mich (als SF & Space Opera Begeisterten) steht ausser Frage, dass es in den SF Settings deutlich Mehrwert gibt.
Mich würde die Diskussion der Frage interessieren, wie man das vermitteln kann.

Das "warum" ist für mich eigentlich deutlich klar. Mir stellt sich die Frage nach dem "wie ändere ich das"...

 :d

Ich sehe das problem ähnlich. In Fantasy sage ich "Schwert, Bogen, Schild" und jeder hat sofort ein Bild. Aber wenn ich sage "Blaster, Laser" frägt man sich "was ist der unterschied?" Ich hab also als "SL" einen mehraufwand den ich vermitteln müsste und als Spieler eben einen mehraufwand das aufzunehmen.

Wie ich diesen Mehraufwand reduzieren könnte - ich hab keine Ahnung.
Wie ich  Spieler dazu motiviere mit mir den Weg zu gehen den Mehraufwand abzuarbeiten?
Häufig genug war es bei uns,... die Sache das der SL meinte "ich würde das gerne SF ausprobieren" und wenn kein anderer sich beim SL_Mikado schneller bewegte und sagte "Ne ich will lieber wieder was mit D&D in den relams spielen,... und würde auch SL machen."
Tatsächlich hatten wir schon immer wieder mal solche Diskussionen und dann stellte jeder mal kurz sein Konzept vor und wir entschieden als Gruppe. So sind wir jedenfalls auch mal des öfteren im All gelandet.

Ist vieleicht bei uns auch wie mit einem Lieblingssong in dauerschleife, wenn man es zum 1000 mal hört wird es fade - und dann darf es eben auch mal etwas SF sein.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: schneeland am 18.10.2023 | 14:41
Ich sehe das problem ähnlich. In Fantasy sage ich "Schwert, Bogen, Schild" und jeder hat sofort ein Bild. Aber wenn ich sage "Blaster, Laser" frägt man sich "was ist der unterschied?" Ich hab also als "SL" einen mehraufwand den ich vermitteln müsste und als Spieler eben einen mehraufwand das aufzunehmen.

Wie ich diesen Mehraufwand reduzieren könnte - ich hab keine Ahnung.
Wie ich  Spieler dazu motiviere mit mir den Weg zu gehen den Mehraufwand abzuarbeiten?

Die einzige halbwegs realistische Chance, die ich sehe, ist über die Verbindung zu einem etablierten Franchise klarzumachen, welches Set von Tropes man gern hätte. Funktioniert aber natürlich auch nur, wenn entsprechendes Franchise bekannt genug ist (wenn ich nach den Erfahrungen mit meiner Gruppe aus Studienzeiten gehe: Star Wars oder Alien waren ok; schon beim Thema Cyberpunk gab's keine ausreichende Basis mehr, weil nicht mehr jeder Neuromancer gelesen oder früher mal Shadowrun gespielt hatte).
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 18.10.2023 | 15:08
Mein Hauptproblem mit SF in Rollenspielwelten ist eigentlich, dass die Strukturen der Geschichten durch die technologischen Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Während mächtige Möglichkeiten in Fantasy oftmals aus einer Progression heraus entstehen und daher den Protagonisten Anfangs noch nicht zur Verfügung stehen sind in SF die technologischen Optionen deutlich weiter verbreitet.

Als Folge dessen ist das Reisen zwischen Welten wesentlich üblicher. Und während dies beim Serienkonzept ala Star Trek viele Möglichkeiten bietet den Planet der Woche zu besuchen wünsche ich mir im Rollenspiel oft einen wesentlich höheren Detailgrad was die Weltbeschreibungen angeht.

Das ist auch wieder weniger ein Genreunterschied als eine Frage des Regelkorsetts...und in gewisser Hinsicht sogar eine Illusion. Im klassischen Klischee-Fantasyrollenspiel mit Klassen und Stufen ist halt regelseitig gesetzt, daß man weitgehend unfähig anfangen und sich dann gefälligst hocharbeiten soll (was dann auch gleich ein Stück weit über die Komplexität der Regeln an sich hinwegtäuscht, denn als Anfänger kommt man ja noch längst nicht mit allem in Berührung, mit dem das System später aufwarten wird); in dem Moment, in dem man sich von dieser speziellen Vorstellung verabschieden und tatsächlich mal mit kompetenten "Fantasyhelden" ins Spiel einsteigen möchte, fällt aber genau dieses "Anfängerpolster" ebenso mit weg, denn ein Spielstart direkt auf z.B. Stufe 7 wäre ja auch schon wieder eine ganz andere Nummer als einer "wie gewohnt" auf Stufe 1 oder gar 0.

Es mag also sein, daß der "Fantasyvorteil" schlicht ein Stück weit in dieser genrespezifischen Rollenspieltradition begründet liegt. In "realistischeren" (auch Fantasy!-) Settings wäre so ein klassisch-standardmäßiger SC-Machtzuwachs im Dragonball-Z-Tempo natürlich bei Licht betrachtet recht unglaubwürdig, aber indem man nur kräftig genug mit "ist halt alles fantastisch und magisch und so" drüberweghandwedelt und die Herausforderungen immer schön einigermaßen mundgerecht vorsetzt, kann man sich ein Stück weit aus der Erklärungsnot herausschleichen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: tartex am 18.10.2023 | 15:10
Die einzige halbwegs realistische Chance, die ich sehe, ist über die Verbindung zu einem etablierten Franchise klarzumachen, welches Set von Tropes man gern hätte. Funktioniert aber natürlich auch nur, wenn entsprechendes Franchise bekannt genug ist (wenn ich nach den Erfahrungen mit meiner Gruppe aus Studienzeiten gehe: Star Wars oder Alien waren ok; schon beim Thema Cyberpunk gab's keine ausreichende Basis mehr, weil nicht mehr jeder Neuromancer gelesen oder früher mal Shadowrun gespielt hatte).

Würde behaupten der gemeine Nichtnerd denkt eh nur an Star Wars, und diese Fragen sind schon wieder was für Spezialisten.

In meiner D&D5-Newbie-Runde sagen übrigens alle Männer (50% der Gruppe), dass Fantasy eigentlich nicht ihres ist. (Obwohl einer davon totaler Castlevania-Stan ist.)

Abgesehen davon kenne ich auch viele Männer zwischen 30 und 40, die nur bei GTA popkulturell mitkönnen, und sich Fantasy und StarWars, etc hauptsächlich für den Beziehungsfrieden antun. (Rollenspiel wohl auch. >;D)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 18.10.2023 | 15:16
Würde behaupten der gemeine Nichtnerd denkt eh nur an Star Wars, und diese Fragen sind schon wieder was für Spezialisten.

In meiner D&D5-Newbie-Runde sagen übrigens alle Männer (50% der Gruppe), dass Fantasy eigentlich nicht ihres ist. (Obwohl einer davon totaler Castlevania-Stan ist.)

Abgesehen davon kenne ich auch viele Männer zwischen 30 und 40, die nur bei GTA popkulturell mitkönnen, und sich Fantasy und StarWars, etc hauptsächlich für den Beziehungsfrieden antun. (Rollenspiel wohl auch. >;D)

Wenn ich frech sein wollte, würde ich sogar sagen, daß der gemeine Nichtnerd wahrscheinlich mehr von Knarren versteht als von so vorgestrigem Zeug wie Schwertern. Was dann natürlich im Zweifel, wenn er sich Nerdzeug trotzdem antun wollte, schon wieder näher an der SF wäre... 8]
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 18.10.2023 | 15:36
... Ich hab also als "SL" einen Mehraufwand den ich vermitteln müsste und als Spieler eben einen Mehraufwand das aufzunehmen.

Grundsätzliche Zustimmung, aber mit kleiner Korrektur.
Ich schrieb ganz bewusst:
Mangelnde Kenntnis über Stereotypen und Genre-Tropes [...] erfordert mehr Investition in die Vermittlung über die Beschaffenheit des Settings.

Und bezog damit ganz bewusst ein, dass die Investition nicht automatisch durch die Spielleitung geschehen muss.
- Die Spielleitung macht den Erklärbär - das ist natürlich eine Option.
- Die Leute kennen das Setting durch Medien (Star Wars, Star Trek, ...) ausreichend gut - das ist eine weitere Option
- Die Mitspielenden arbeiten sich selber ein ("Wir spielen morgen Dune! Hier, lies diese Romane!") wäre eine dritte Option.
und bestimmt gibt es noch eine vierte, zum Beispiel, in dem man das Setting gemeinsam erschafft...

Die Option des Erklärbärs ist wohl die meist gebräuchliche, wenn es sich nicht um Main Stream Media Settings handelt.
Vor allem ist sie für die Spieler bequem und kann in Game diskret verwendet werden. Wenn der Erklärbär es gut macht, vemittelt er dem Spieler sogar unterschwellig, dass sein Charakter die entsprechende Erfahrung hat.
"Dein Charakter weiss natürlich, dass ... und ist entsprechend vorbereitet..." Nach und nach haben die Spieler dann eine Menge Detailwissen.
Schwierig dabei sind Konventionsbrüche mit Stereotypen, weil keine Erwartungshaltung existiert und die Spieler nicht überrascht werden. Die Charaktere schon, aber die Spieler eben nicht, wenn Sie die Ausnahme von der Regel kurz nach der Vermittlung der Regel erfahren.
Als Vorteil sehe ich da die in Game Exploration.

Kurz erwähnt: Ich spiele gerade in einer solchen SF Runde mit. Der SpL hat ein über Jahre eigens erschaffenes Setting, dass er in und auswendig kennt und vermittelt die Kenntnis über die Spielwelt mangels Quellen eben während des Spielens. Das funktioniert überraschend gut und macht wirklich Spaß. Da diese Welt seit rund 25 Jahren existiert, mit verschiedenen Runden (und mit Pausen) bespielt wurde und stetig was dazu kam, hat dieses Setting eine recht Hohe Detailtiefe. Trotzdem und auch trotz eines nicht so sehr typischen Settings sind da auch Einsteiger nicht überfordert - was auch am Spielleiter liegen mag. Der kann das auch sehr gut vermitteln. Auf der anderen Seite muss man sich darauf auch einlassen können.
"Kenn ich nicht, spiele ich nicht" oder "ich vertraue nicht darauf, dass der Spielleiter wohlwollend agiert" Blockadehaltungen würden da natürlich Ausschlusskriterien darstellen.

Hilft mir das weiter? Nö, denn ich spiele SF ohnehin lieber als Fantasy und ich bin auch sehr aufgeschlossen, einfach mal zu auszuprobieren.
Dass es da manchmal saure Zitronen und manchmal echte Leckereien gibt, ist mir lieber als jeden Tag das gleiche essen zu müssen. (um es mal kulinarisch zu formulieren)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 18.10.2023 | 18:20
Das ist auch wieder weniger ein Genreunterschied als eine Frage des Regelkorsetts...und in gewisser Hinsicht sogar eine Illusion. Im klassischen Klischee-Fantasyrollenspiel mit Klassen und Stufen ist halt regelseitig gesetzt, daß man weitgehend unfähig anfangen und sich dann gefälligst hocharbeiten soll (was dann auch gleich ein Stück weit über die Komplexität der Regeln an sich hinwegtäuscht, denn als Anfänger kommt man ja noch längst nicht mit allem in Berührung, mit dem das System später aufwarten wird); in dem Moment, in dem man sich von dieser speziellen Vorstellung verabschieden und tatsächlich mal mit kompetenten "Fantasyhelden" ins Spiel einsteigen möchte, fällt aber genau dieses "Anfängerpolster" ebenso mit weg, denn ein Spielstart direkt auf z.B. Stufe 7 wäre ja auch schon wieder eine ganz andere Nummer als einer "wie gewohnt" auf Stufe 1 oder gar 0.

Wie gesagt, ich sehe das in erster Linie aus Spielleitersicht und im Kontext der Frage "welche Geschichten kann man erzählen?"

Und bei Science Fiction ist halt ein gängiges Element, das auch das Überwinden der Distanz zwischen Welten üblich und prinzipiell auf rein technologischem Weg möglich ist.

Was toll ist für Science Fiction Serien die dadurch jede Woche ein neues Set auf Planet XY darstellen können.

Aber gleichzeitig im Kontext einer Rollenspielrunde für einige übliche Herangehensweisen eine Schwierigkeit darstellt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 18.10.2023 | 18:56
Wie gesagt, ich sehe das in erster Linie aus Spielleitersicht und im Kontext der Frage "welche Geschichten kann man erzählen?"

Und bei Science Fiction ist halt ein gängiges Element, das auch das Überwinden der Distanz zwischen Welten üblich und prinzipiell auf rein technologischem Weg möglich ist.

Was toll ist für Science Fiction Serien die dadurch jede Woche ein neues Set auf Planet XY darstellen können.

Aber gleichzeitig im Kontext einer Rollenspielrunde für einige übliche Herangehensweisen eine Schwierigkeit darstellt.

Na ja, was sind denn so "übliche" Herangehensweisen? Welche Grundannahmen stecken dahinter, die durch "modernere" Hilfsmittel (wie sie ja auch schon Bahn, Auto, und Flugzeug darstellen...oder in der Fantasy halt sinngemäß fliegende Teppiche und Langstrecken-Teleportzauber) sofort ausgehebelt werden, und warum ist das ein Problem?

Ich meine, "Alles, was meinen lahmen Plot sprengen könnte, darf schon mal gar nicht!" ist ja nicht unbedingt eine gesunde SL-Philosophie... :)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 18.10.2023 | 19:15
Wie gesagt, ich sehe das in erster Linie aus Spielleitersicht und im Kontext der Frage "welche Geschichten kann man erzählen?"

Und bei Science Fiction ist halt ein gängiges Element, das auch das Überwinden der Distanz zwischen Welten üblich und prinzipiell auf rein technologischem Weg möglich ist.

Was toll ist für Science Fiction Serien die dadurch jede Woche ein neues Set auf Planet XY darstellen können.

Aber gleichzeitig im Kontext einer Rollenspielrunde für einige übliche Herangehensweisen eine Schwierigkeit darstellt.

Deshalb haben Space Operas ja oft Planeten mit nur einer Klimazone. Im Endeffekt ist es narrativ völlig egal, ob man vom Stadtplaneten Coruscant zum Wüstenplanten Tatooine mit dem Raumschiff fliegt oder von der Stadt Coruscant zur Wüste Tatooine reitet. Raumkämpfe sind auch nur Überfalle durch Räuber oder Schlachten zwischen zwei Armeen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 18.10.2023 | 23:10
Na ja, was sind denn so "übliche" Herangehensweisen? Welche Grundannahmen stecken dahinter, die durch "modernere" Hilfsmittel (wie sie ja auch schon Bahn, Auto, und Flugzeug darstellen...oder in der Fantasy halt sinngemäß fliegende Teppiche und Langstrecken-Teleportzauber) sofort ausgehebelt werden, und warum ist das ein Problem?

Ich meine, "Alles, was meinen lahmen Plot sprengen könnte, darf schon mal gar nicht!" ist ja nicht unbedingt eine gesunde SL-Philosophie... :)

So lahm ist der meist gar nicht. ;-)

Aber ich meinte vor allem Probleme die durch eine niedrigere Bindung an Lokalitäten und Leute die dort leben entstehen können. Es klingt vielleicht banal, aber wenn man halt jeden Morgen zum nächsten unentdeckten Planeten aufbricht gibt es wesentlich weniger Grund für einen hohen Detailgrad oder dafür auch mal Bindungen zu den NPC oder anderen Fraktionen aufzubauen.

Und natürlich ist dies der Extremfall. Natürlich kann ein guter SL oder Weltendesigner dort entgegensteuern.

Trotzdem geschehen Science Fiction Geschichten nun einmal häufig auf einer sehr großen erzählerischen Ebene, umfassen Welten und gelegentlich gleich sehr viele davon.

Der Detailgrad leidet darunter - auch wenn man Exotik dadurch gewinnt.

Wie gesagt, das sind keine unlösbare Probleme. Man kann sehr wohl darauf achten Ersatzlösungen einzubauen und wie immer gilt: das Genre ist vielfältig. In der Aussage ging es nur darum zu sagen, das SF dort eine zusätzliche Schwierigkeit hat. Und das diese durchaus ein Grund sein kann warum manche Geschichten eher mit Rittern und Zauberern und nicht mit Raumschiffen erzählt werden.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 19.10.2023 | 00:04
Im Endeffekt ist es narrativ völlig egal, ob man vom Stadtplaneten Coruscant zum Wüstenplanten Tatooine mit dem Raumschiff fliegt oder von der Stadt Coruscant zur Wüste Tatooine reitet. Raumkämpfe sind auch nur Überfalle durch Räuber oder Schlachten zwischen zwei Armeen.

Ist eigentlich ein schönes Beispiel für die Problematik. Denn bei einer Reise vom Planeten Coruscant zum Planeten Tatooine habe ich oftmals nichts das dazwischen liegt. Wenn man eine Einheit festlegen würde, nennen wir sie mal erzählerische Distanz, so wäre die Distanz zwischen beiden 1 ED.

In unserem Ritterscenario? Eher nicht. Vieles kann zwischen der Stadt und der Wüste liegen, erzählerisch und von der Weltbeschreibung her ist die Stadt schließlich das Zentrum des Reiches und die Wüste ein fernes Niemandsland außerhalb der Kontrolle.

Und natürlich kann man als Spielleiter auch hier wieder gegensteuern, in Star Wars gibt es beispielsweise mehrfach die Begründung für etwas außerplanmäßiges auf der Reise "das Schiff stürzt ab"

Ist jetzt nicht so als gäbe es diese Mittel nicht. Dennoch können sie die Art der Geschichten die man erzählen möchte einschränken.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 19.10.2023 | 00:37
Ist eigentlich ein schönes Beispiel für die Problematik. Denn bei einer Reise vom Planeten Coruscant zum Planeten Tatooine habe ich oftmals nichts das dazwischen liegt. Wenn man eine Einheit festlegen würde, nennen wir sie mal erzählerische Distanz, so wäre die Distanz zwischen beiden 1 ED.

In unserem Ritterscenario? Eher nicht. Vieles kann zwischen der Stadt und der Wüste liegen, erzählerisch und von der Weltbeschreibung her ist die Stadt schließlich das Zentrum des Reiches und die Wüste ein fernes Niemandsland außerhalb der Kontrolle.

Und natürlich kann man als Spielleiter auch hier wieder gegensteuern, in Star Wars gibt es beispielsweise mehrfach die Begründung für etwas außerplanmäßiges auf der Reise "das Schiff stürzt ab"

Ist jetzt nicht so als gäbe es diese Mittel nicht. Dennoch können sie die Art der Geschichten die man erzählen möchte einschränken.

Du darfst dich gar nicht von der Größe des Weltraums einschüchtern lassen. Die meisten Reisen sind langweilig, egal ob du tagelang reitest oder tagelang im Hyperraum bist. Wenn ein Königreich befestige Straßen hat, wie z.B. früher das Römische Reich, dann dauern die Reisen auch nicht mehr so lange und regelmäßige Wachposten sorgen für Sicherheit. Seeschiffreisen sind genauso wie Raumschiffreisen, nur halt in ferne Länder, statt ferner Planeten. Diese können sich auch über Tage, Monate und sogar Jahre hinziehen, wo fast nichts passiert.

Man könnte auch Homer's Odysee (die so bummelig 2800 Jahre alt ist) zu einer Star Wars Kampagne im Weltraum, statt dem Mittelmeer, machen.
Mein Tipp: Denke klein, erzähle groß!

Pathfinder 1E hat ja das Quellenbuch Distant Worlds, was quasi Fantasy Stargate ist. Da müsstest du dir auch keine Gedanken über die Reise machen, weil die Gruppe sofort am Ziel ist.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2023 | 00:43
So lahm ist der meist gar nicht. ;-)

Aber ich meinte vor allem Probleme die durch eine niedrigere Bindung an Lokalitäten und Leute die dort leben entstehen können. Es klingt vielleicht banal, aber wenn man halt jeden Morgen zum nächsten unentdeckten Planeten aufbricht gibt es wesentlich weniger Grund für einen hohen Detailgrad oder dafür auch mal Bindungen zu den NPC oder anderen Fraktionen aufzubauen.

Und natürlich ist dies der Extremfall. Natürlich kann ein guter SL oder Weltendesigner dort entgegensteuern.

Trotzdem geschehen Science Fiction Geschichten nun einmal häufig auf einer sehr großen erzählerischen Ebene, umfassen Welten und gelegentlich gleich sehr viele davon.

Der Detailgrad leidet darunter - auch wenn man Exotik dadurch gewinnt.

Wie gesagt, das sind keine unlösbare Probleme. Man kann sehr wohl darauf achten Ersatzlösungen einzubauen und wie immer gilt: das Genre ist vielfältig. In der Aussage ging es nur darum zu sagen, das SF dort eine zusätzliche Schwierigkeit hat. Und das diese durchaus ein Grund sein kann warum manche Geschichten eher mit Rittern und Zauberern und nicht mit Raumschiffen erzählt werden.

Kommt halt drauf an, was man möchte. Umgekehrt tut sich dieselbe Ritter-und-Zauberer-Truppe wahrscheinlich schwerer damit, mal aus dem eigenen Vorgarten rauszukommen oder echte Bindungen zu Leuten in weit entfernten Ländern oder mit größer angelegten Organisationen (wenn's die in ihrem Setting überhaupt gibt) zu knüpfen. Denn insbesondere, wenn ich mit meiner Fantasy auch noch etwas hartwurst-bodenständiger bleiben möchte, dann ist das schnellste Reisemittel in viele Gegenden plötzlich bloß noch ein Segelschiff...und, um ein wenig auf deine Antwort an Hondo mit einzugehen, auch da passiert dann auf der Reise von A nach B plötzlich gar nicht mehr so viel. (Denn in der Praxis ist ja insbesondere in der etwas "weicheren" SF das All auch bloß eine andere Art von Ozean, alles, was einem auf See zustoßen könnte -- Begegnungen mit anderen Leuten oder "Monstern", Stürme, Probleme mit dem Schiff selbst --, hat also auch schnell sein Weltraumäquivalent...)

Und natürlich: wenn ich (insbesondere als SL) mal in einer Fantasywelt schnell von einem Land zu einem anderen "springen" möchte, dann hindert mich im Prinzip auch da nichts daran. Da macht mal halt einen Zeitsprung über ein paar Tage, Wochen, oder Monate, sondert (wenn überhaupt nötig) einen kurzen Handwedelsatz a la "die Reise war weitgehend ereignislos" ab, und schon ist die Gruppe statt in Plotstadt op der Zauber jetzt im fernen Land der Sieben Wüsten, wo zuuufällig auch gleich das nächste Abenteuer wartet. Ist das jetzt also ein spezielles Problem des Fantasygenres? ;)

Nachsatz: Es ist ja auch in den meisten Fällen so: je leichter die Spielercharaktere in einem Setting per Technik o.ä. von A nach B reisen können, um so leichter können das auch andere Leute. Ihre Gegner beispielsweise, oder Leute, deren Spur sie verfolgen wollen, oder auch nur irgendein Haufen anderer Reisender, auf die man gestoßen ist und mit denen man sich jetzt aus diesem oder jenem Grund herumschlagen muß. Oder vielleicht auch einfach nur die Verkehrspolizei, die in dem ganzen Chaos irgendwie die Einhaltung der Regeln überwachen soll...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: pharyon am 19.10.2023 | 05:52
Nachdem ich den Faden nochmal in Ruhe habe sacken lassen, stimme ich dem Ausgangsbeitrag weitgehend zu. Auch wenn in anderen Medien Fantasy und Science Fiction noch weit variantenreicher sind, kommt es mir bei Rollenspielen stark vor, dass viele der prominenten Vertreter im Fantasy-Bereich mit "klassischer" (im Kontrast zu urbaner) Fantasy sehr häufig sehr bekannte Tropen anbieten, sowohl was Handlungsträger als auch was Werkzeuge (Technik) betrifft. D&D, Earthdawn, Midgard, DSA und Splittermond haben da deutlich mehr Überschneidungen als Star Trek, Star Wars, Coriolis, Traveller und Cyberpunk 2020/Red. Vielleicht ist das ein Problem "unserer Bubble", also hier im Tanelorn, oder allgemeiner in der deutschen Rollenspiel-Szene. Das glaube ich aber nicht.

Um auf Bobas Anschlussfrage einzugehen: Eine Variante, wo Spielende am Anfang mit Hilfe von Erklärbären ans Setting herangeführt werden, hast du selbst schon genannt. Auch ein entsprechend angenehmer Gruppenvertrag kann hier viel bewirken und eine Seite möglicher Bedenken gut auffangen. Vor 11 Jahren haben wir (2 Mitspieler und ich als SL) zwei Nicht-Trekkies in unsere Star Trek Runde inkludiert und peu a peu an die gängigen Konzepte herangeführt. Die Gruppe besteht heute noch.

Auf der anderen Seite kann man bestimmt mit der Aufbereitung von Informationen in den Rollenspiel-Büchern auch Einiges bewirken, um wie in einem "Zwiebelschalen-Modell" rationiert das sinnvoll erforderliche Wissen zu transportieren. Level-Systeme machen (nicht nur, aber vor allem auch) das ja gerade für Regel-Elemente mit Erfolg.

p^^
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 19.10.2023 | 07:51

Und natürlich: wenn ich (insbesondere als SL) mal in einer Fantasywelt schnell von einem Land zu einem anderen "springen" möchte, dann hindert mich im Prinzip auch da nichts daran. Da macht mal halt einen Zeitsprung über ein paar Tage, Wochen, oder Monate, sondert (wenn überhaupt nötig) einen kurzen Handwedelsatz a la "die Reise war weitgehend ereignislos" ab, und schon ist die Gruppe statt in Plotstadt op der Zauber jetzt im fernen Land der Sieben Wüsten, wo zuuufällig auch gleich das nächste Abenteuer wartet.

Der Punkt ist folgender: In Fantasy kann ich so vorgehen, bei SF (zumindest solcher die das einfache Bereisen fremder Welten vorsieht) muss ich.

Gleichzeitig gibt es ja nicht nur die Charaktere, sondern auch NSC und auch deren Möglichkeiten weite Distanzen zu überbrücken haben halt Einfluss auf das Spiel, beispielsweise auf die Frage weshalb jemand mit einer Armee irgendwo eingreift oder nicht.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2023 | 08:47
Der Punkt ist folgender: In Fantasy kann ich so vorgehen, bei SF (zumindest solcher die das einfache Bereisen fremder Welten vorsieht) muss ich.

Gleichzeitig gibt es ja nicht nur die Charaktere, sondern auch NSC und auch deren Möglichkeiten weite Distanzen zu überbrücken haben halt Einfluss auf das Spiel, beispielsweise auf die Frage weshalb jemand mit einer Armee irgendwo eingreift oder nicht.

Puh. Ehrlich gesagt, scheint mir bei dieser Art von Begründung (und nicht mal nur speziell bei deinem Beitrag, da finden sich auch schon andere Posts im Faden) ein gewisser Unterton von "Fantasy ist halt bequem, weil sich die Spieler da leichter kleinhalten lassen" mitzuschwingen. Das gilt aber aus meiner Sicht -- ganz abgesehen davon, daß ich es ohnehin für eine etwas zweifelhafte Betrachtungsweise halten würde -- gar nicht wirklich für das Genre allgemein, sondern "nur" für die traditionellen Klassen-und-Stufen-Systeme, in denen man halt gewohnheitsmäßig klein anfängt und die Kampagne auch schon mal auslaufen lassen kann (bzw. vielleicht sogar "muß"), wenn die SC im Lauf ihres Aufstiegs ernsthaft anfangen, der SL beim Noch-Mithalten Schwierigkeiten zu machen; nicht ohne Grund haben klassische Vertreter wie gewisse D&D-Editionen ihre "sweet spots".

Persönlich will mir nach wie vor scheinen, daß sich die genreimmanenten Vorteile der Fantasy, so vorhanden, doch einigermaßen in Grenzen halten. Wenn sie am heutigen Markt also so eine dominante Position hat -- und selbst die sehe ich mehr in absoluten Verkaufszahlen einzelner Marken als darin, daß am selben Markt irgendein konkreter Mangel an auch anderen Produkten herrschen würde --, dann ist das eher schlicht ein Ergebnis einer Kombination von historischem Zufall und Massenträgheit, die sich nach dem Prinzip "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier" zum Selbstläufer entwickelt hat...und wenn es nicht gerade diese bestimmte Kombo gewesen wäre, dann würden wir heute dieselbe Diskussion statt dessen eben vielleicht über die marktbeherrschende Position des Telenovela-Rollenspiels führen. :)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Marduk am 19.10.2023 | 09:16
Ich denke, as ein Unterschied zwischen Fantasy und SciFi ist, ist die Tatsache, dass sich die Fantasy im Rollenspielsektor sehr stark auf von Tolkien beeinflusste Settings beschränkt, so dass ein paar Basistropen schon gesetzt sind. Sobald man diesen Bereich verlässt, wird es auch bei Fantasy dünner.
SciFi auf der anderen Seite hat diesen Vorteil erstmal nicht. Selbst wenn man sich zum Beispiel auf SciFi im Weltraum festlegst, has du bereits eine Vielzahl von populären Settings, wie Star Wars, Star Trek, Expanse, W40K usw. Du hast also, wie schon mehrfach zuvor erwähnt, wesentlich mehr Vorarbeit zu leisten um alle am Tisch auf einen gemeinsamen  Nenner zu bekommen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 19.10.2023 | 09:25
Puh. Ehrlich gesagt, scheint mir bei dieser Art von Begründung (und nicht mal nur speziell bei deinem Beitrag, da finden sich auch schon andere Posts im Faden) ein gewisser Unterton von "Fantasy ist halt bequem, weil sich die Spieler da leichter kleinhalten lassen" mitzuschwingen.

Zumindest meine Aussage hatte nix mit kleinhalten zu tun, die sollte einfach nur sagen "Die Setzungen innerhalb von Fantasysettings können es erschweren manche Geschichten plausibel zu erzählen."

Es sind halt einfach Konsequenzen aus dem beschriebenen Technologielevel.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 19.10.2023 | 10:13
Ehrlich gesagt, scheint mir bei dieser Art von Begründung (und nicht mal nur speziell bei deinem Beitrag, da finden sich auch schon andere Posts im Faden) ein gewisser Unterton von "Fantasy ist halt bequem, weil sich die Spieler da leichter kleinhalten lassen" mitzuschwingen.

Das lese ich da gar nicht raus. Ich nehme da ein  "Fantasy ist halt bequem, weil die Spieler da leichter Orientierung finden" wahr.
Und man soll ja in diesem Forum gelesenes wohlwollend interpretieren...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 19.10.2023 | 10:19
"Die Setzungen innerhalb von Fantasysettings können es erschweren manche Geschichten plausibel zu erzählen."

Das gilt aber doch für alle Genres.
Stereotype geben Orientierungshilfen, schränken aber auch ein.

Star Trek muss sich auch immer irgendwas aus dem Techno-Blabla Hut zaubern, warum das Beamen jetzt nicht funktioniert, weil man sonst die einfachste Lösung hätte...
Oder, warum Beamen jetzt doch auf einmal durch einen Schirm erlaubt ist, was sonst unmöglich wäre, damit die Story weitergeht...

Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 19.10.2023 | 10:22
Das gilt aber doch für alle Genres.
Stereotype geben Orientierungshilfen, schränken aber auch ein.

Star Trek muss sich auch immer irgendwas aus dem Techno-Blabla Hut zaubern, warum das Beamen jetzt nicht funktioniert, weil man sonst die einfachste Lösung hätte...
Oder, warum Beamen jetzt doch auf einmal durch einen Schirm erlaubt ist, was sonst unmöglich wäre, damit die Story weitergeht...

Klar, aber manche dieser Setzungen haben halt größeren Einfluss als andere.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Boba Fett am 19.10.2023 | 10:33
Klar, aber manche dieser Setzungen haben halt größeren Einfluss als andere.

Sicherlich, aber ich nehme das nicht als Grund wahr, bestimmte Genres oder Settings nicht zu bespielen.
Will sagen: Ich glaube nicht, dass deswegen jemand ablehnt Rollenspiel in Genre X oder Y (SF oder Fantasy) zu spielen.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 19.10.2023 | 10:40
Ich denke, as ein Unterschied zwischen Fantasy und SciFi ist, ist die Tatsache, dass sich die Fantasy im Rollenspielsektor sehr stark auf von Tolkien beeinflusste Settings beschränkt, so dass ein paar Basistropen schon gesetzt sind. Sobald man diesen Bereich verlässt, wird es auch bei Fantasy dünner.
SciFi auf der anderen Seite hat diesen Vorteil erstmal nicht. Selbst wenn man sich zum Beispiel auf SciFi im Weltraum festlegst, has du bereits eine Vielzahl von populären Settings, wie Star Wars, Star Trek, Expanse, W40K usw. Du hast also, wie schon mehrfach zuvor erwähnt, wesentlich mehr Vorarbeit zu leisten um alle am Tisch auf einen gemeinsamen  Nenner zu bekommen.

Ich weis nicht so recht, bevor ich den Herrn der Ringe gelesen habe hatte ich "Star Treck" und "Raumpatrollie" gesehen.

Ist schon irgendwie merkwüdig das SF auf der anderen Seite (des Rollenspieles) etwas erfolgreicher erscheint als Fantasy. So etwas wie Star Treck, also eine länger laufende Serie auf relativ hohem Niveau fällt mir im Fantasybereich nicht ein, da gab es erst sehr viel später etwas "Hercules & Xena" etwa. Mit Netrflix und Co gibt es nun "Buchverfilmungen" GoT etwa, oder auch WoT das ist aber noch ziemlich "neu".
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 19.10.2023 | 10:55
Tjo, die beliebtheit der SF jenseits des Rollenspieles zeigt eben dass das Problem im Spiel liegt.

Das lese ich da gar nicht raus. Ich nehme da ein  "Fantasy ist halt bequem, weil die Spieler da leichter Orientierung finden" wahr.
Und man soll ja in diesem Forum gelesenes wohlwollend interpretieren...

Das Orientierungsproblem trifft ja nicht nur Spieler. Ich erinnere mich dass ich mir am Anfang von D&D3 etwa verloren vorkam weil ich keine Ahnung hatte was die SCs eigentlich können. Nachdem ich mir dann die ganzen Zauber durchgelesen hatte war das dann ok.

In der SF ist das schwieriger. Die technischen Möglichkeiten die logischerweise funktionieren müssen sind kaum begrenzt, und sie werden nicht in ein Buch passen. Und bei materialreichen Settings (Star Wars/Trek) kann es vorkommen dass Spieler mehr wissen als SLs, was aufgrund der Materialfülle schwer aufzuholen ist.

Wenn das dann dazu führt dass die SL nicht mit dem Spiel zurecht kommt wird die Runde nicht lange überleben.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2023 | 11:54
Tjo, die beliebtheit der SF jenseits des Rollenspieles zeigt eben dass das Problem im Spiel liegt.

Das Orientierungsproblem trifft ja nicht nur Spieler. Ich erinnere mich dass ich mir am Anfang von D&D3 etwa verloren vorkam weil ich keine Ahnung hatte was die SCs eigentlich können. Nachdem ich mir dann die ganzen Zauber durchgelesen hatte war das dann ok.

In der SF ist das schwieriger. Die technischen Möglichkeiten die logischerweise funktionieren müssen sind kaum begrenzt, und sie werden nicht in ein Buch passen. Und bei materialreichen Settings (Star Wars/Trek) kann es vorkommen dass Spieler mehr wissen als SLs, was aufgrund der Materialfülle schwer aufzuholen ist.

Wenn das dann dazu führt dass die SL nicht mit dem Spiel zurecht kommt wird die Runde nicht lange überleben.

Nun ja: alles, was man gerade als SL wissen muß, paßt ja auch bei (A)D&D schon seit einer kleinen Ewigkeit nur noch in drei Bücher. Das ist also vielleicht nicht das allerbeste Beispiel für "Fantasy erschließt sich halt leichter" ;) -- und gerade und insbesondere die angeführte in manchen Editionen schon kilometerlange Spruchliste (für die's dann ja auch noch regelmäßig in Zusatzbänden Ergänzungen gibt, weil die sich immer verkaufen) ist da ziemlich genau die Entsprechung der ach so komplizierten Technik in der SF. Das in diesem Fall sogar recht buchstäblich, denn wenn man seinen Zauberspruch mal nicht funktionsklar (memoriert, mit Komponenten, und ggf. auch noch unter Erfüllung anderer Bedingungen) dabeihat, dann kann man ihn halt auch nicht benutzen -- ganz genau wie ein x-beliebiges Gerät.

Wer sich also so was wie D&D3 oder Pathfinder 1 freiwillig antun und damit Spaß haben kann, der hat für "SF ist doch viiieeelll zu komplifiziert!" eigentlich schon längst keine glaubhafte Entschuldigung mehr. :)
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 19.10.2023 | 12:14
Tjo, die beliebtheit der SF jenseits des Rollenspieles zeigt eben dass das Problem im Spiel liegt.

Das Orientierungsproblem trifft ja nicht nur Spieler. Ich erinnere mich dass ich mir am Anfang von D&D3 etwa verloren vorkam weil ich keine Ahnung hatte was die SCs eigentlich können. Nachdem ich mir dann die ganzen Zauber durchgelesen hatte war das dann ok.

In der SF ist das schwieriger. Die technischen Möglichkeiten die logischerweise funktionieren müssen sind kaum begrenzt, und sie werden nicht in ein Buch passen. Und bei materialreichen Settings (Star Wars/Trek) kann es vorkommen dass Spieler mehr wissen als SLs, was aufgrund der Materialfülle schwer aufzuholen ist.

Wenn das dann dazu führt dass die SL nicht mit dem Spiel zurecht kommt wird die Runde nicht lange überleben.

Besonders Star Wars und Star Trek sind doch gute Beispiele, dass es sich dabei um Settings handelt, die sehr vielen Leuten schon gut bekannt sind und so sind die dortigen Tropen, dann auch bekannt. Man weiß z.B., dass man in Star Trek teleportieren/beamen kann, aber nicht in Star Wars.

Ich habe ganze 7 Jahre lang Star Wars geleitet. Erst die Saga Edition, dann das FFG System. Heißt das, dass ich alles über Star Wars weiß?! Nö. Mit einer Gruppen Star Wars Begeisterter zu spielen, kann auch Wissenslücken schließen und falls mal doch was nicht ganz mit dem Kanon zusammen passt, dann gibt es halt einen Retcon. Retcons sind sogar auch was typisches für Star Wars.

Ein SL ist doch kein omniszientes Wesen, sondern auch nur Mensch. Wenn alle Spaß haben, dann ist auch völlig egal, ob man Fehler bei den Tropen macht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es hier SLs gibt, die Angst haben von ihren Spielern wie von einem Rudel hungriger Wölfe zerfleischt zu werden, wenn sie nur einen kleinen Fehler machen. Wir sind alle hier, zum Spaß haben...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 19.10.2023 | 12:24
Ich sehe das problem ähnlich. In Fantasy sage ich "Schwert, Bogen, Schild" und jeder hat sofort ein Bild. Aber wenn ich sage "Blaster, Laser" frägt man sich "was ist der unterschied?" Ich hab also als "SL" einen mehraufwand den ich vermitteln müsste und als Spieler eben einen mehraufwand das aufzunehmen.

Solange du nicht beides hast und unterscheiden willst, mach doch eine Checkliste. Ich glaube, das ist was Boba mit gemeinsam Bauen meint.

In unserem Space-Opera-Setting

Heißen unsere futuristischen Pew-Pews: Blaster, Lasguns, Disruptoren, ___________

Funktioniert unsere überlichtschnelle Antriebsmethode (wähle alle die zutreffen): Mit Krümmung/Warping des Raums, mit künstlichen Sprungtoren, mit natürlichen Wurmlöchern, durch Eintritt des Schiffs in einen Hyperraum, _____________

Heißen die besonders kriegerischen Leute: ______________
Und sind: Uplifts, Cyborgs, Roboter, humanoide Aliens, insektoide Aliens

Heißen die mysteriösen alten Leute: ________________
Und sind: Engelserscheinungen, Energiewesen, humanoide Aliens, kristalloide Aliens

....
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Arldwulf am 19.10.2023 | 15:22
Sicherlich, aber ich nehme das nicht als Grund wahr, bestimmte Genres oder Settings nicht zu bespielen.
Will sagen: Ich glaube nicht, dass deswegen jemand ablehnt Rollenspiel in Genre X oder Y (SF oder Fantasy) zu spielen.

Ich schon, ehrlich gesagt. Wenn auch in konkreterer Form, also das jemand sagt "Die Welt dort ergibt doch gar keinen Sinn, wegen XYZ" wobei dann halt meist Gründe genannt werden die mit den oben genannten Schwierigkeiten zu tun haben.

Das dürfte vielen unterschiedlich gehen und manch einer sagt gewiss "für mich ist das kein Problem". Aber in der Summe sorgen solche Dinge halt für weniger Spieler.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 19.10.2023 | 16:00
Und bei materialreichen Settings (Star Wars/Trek) kann es vorkommen dass Spieler mehr wissen als SLs, was aufgrund der Materialfülle schwer aufzuholen ist.

Zugestanden ich hab nur Star Wars gespielt bisher aber daas Problem "Spieler wissen mehr als SL" ist mir auch im Fantasybereich des öfteren über den Weg gelaufen,...
Ich erinnere mich mit Grauen an eine DSA Runde auf einem Con wo 3 Spielleiter in der Gruppe sind (also einer offiziell und 2 die ansonsten eben Leiten) und eine Diskussion lostreten Welche niederlassung nun wo genau liegt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 19.10.2023 | 16:15
Das ist also vielleicht nicht das allerbeste Beispiel für "Fantasy erschließt sich halt leichter" ;) -- und gerade und insbesondere die angeführte in manchen Editionen schon kilometerlange Spruchliste (für die's dann ja auch noch regelmäßig in Zusatzbänden Ergänzungen gibt, weil die sich immer verkaufen) ist da ziemlich genau die Entsprechung der ach so komplizierten Technik in der SF. Das in diesem Fall sogar recht buchstäblich, denn wenn man seinen Zauberspruch mal nicht funktionsklar (memoriert, mit Komponenten, und ggf. auch noch unter Erfüllung anderer Bedingungen) dabeihat, dann kann man ihn halt auch nicht benutzen -- ganz genau wie ein x-beliebiges Gerät.

Ich glaube eben nicht das es eine einfache Entsprechung ist. Zauber machen halt genau das was im Buch steht. Man kann sie nicht anders benutzen. Technik dagegen muss logisch funktionieren. Man kann sie kombinieren, man kann sie auf unerwartete Weise nutzen, etc. All das und alle damit zusammenhängenden Möglichkeiten sind in der SF prinzipiell im Spiel.

Hinzu kommt dass SF Technik meistens zu Spielbeginn einfach da ist, während viele Zauber ja traditionell erst ins Spiel kommen wenn die SCs "mal gross geworden sind". 

Wer sich also so was wie D&D3 oder Pathfinder 1 freiwillig antun und damit Spaß haben kann, der hat für "SF ist doch viiieeelll zu komplifiziert!" eigentlich schon längst keine glaubhafte Entschuldigung mehr. :)

Naja, dass D&D3 zu kompliziert ist ist ja eine verbreitete Ansicht. Wenn dass das Minimum wäre um vernünftig SF zu spielen würde das erklären warum SF Systeme weniger beliebt sind...

Ich habe ganze 7 Jahre lang Star Wars geleitet. Erst die Saga Edition, dann das FFG System. Heißt das, dass ich alles über Star Wars weiß?! Nö. Mit einer Gruppen Star Wars Begeisterter zu spielen, kann auch Wissenslücken schließen und falls mal doch was nicht ganz mit dem Kanon zusammen passt, dann gibt es halt einen Retcon. Retcons sind sogar auch was typisches für Star Wars.

Offensichtlich behauptet niemand dass es nicht geht. Aber es ist halt schwieriger.

Ein SL ist doch kein omniszientes Wesen, sondern auch nur Mensch. Wenn alle Spaß haben, dann ist auch völlig egal, ob man Fehler bei den Tropen macht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es hier SLs gibt, die Angst haben von ihren Spielern wie von einem Rudel hungriger Wölfe zerfleischt zu werden, wenn sie nur einen kleinen Fehler machen. Wir sind alle hier, zum Spaß haben...

Darum geht es ja nicht. Aber wenn ich als SL ein Abenteuer entwerfe muss ich eine Vorstellung davon haben was die SC können. Beamen ist da ein gutes Beispiel. Viele Szenarien funktionieren nicht (sind keine Herrausforderung) wenn man das hat und Star Trek Autoren behelfen sich da oft mit Ionenstürmen etc. Wenn man das vorher weiss dann kann man das ansagen und es wird damit Teil des Szenarios. Aber wenn man es nicht weiss dann ist entweder das Szenario weg oder es fühlt sich nach Kleinhalterei an wenn die SL-Antwort auf technische Lösungen immer "es gibt da Interferenzen und deshalb funktioniert das jetzt grade nicht" ist. 
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Doc-Byte am 19.10.2023 | 16:27
Ich glaube eben nicht das es eine einfache Entsprechung ist. Zauber machen halt genau das was im Buch steht. Man kann sie nicht anders benutzen. Technik dagegen muss logisch funktionieren. Man kann sie kombinieren, man kann sie auf unerwartete Weise nutzen, etc. All das und alle damit zusammenhängenden Möglichkeiten sind in der SF prinzipiell im Spiel.

Also, im Bezug auf Rollenspiel hängt das jetzt aber stark vom Regelwerk ab. Es gibt durchaus auch System, die für die Zaubersprüche ein Baukastensystem verweden und sehr flexibel einsetzbare Magie haben. Umgekehrt kann ein gutes Regelwerk die Möglichkeiten futuristischer Techniken auch gut in den Griff bekommen, indem es bspw. gar nicht auf die konkrete Technik eingeht, sondern sagt: Okay, du wilst das-und-das machen, für diese Aufgabe kannst du deinen Tricorder nutzen und der bringt dir für die entsprechende Probe xy einen Vorteil von z. - Wie das Ding eigentlich genau funktioniert, spielt dabei genauso wenig eine Rolle, wie die Überlegung, wie konkret man sich wohl die Funktion eines magischen Artefakts vorzustellen hat.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 19.10.2023 | 16:41
Also, im Bezug auf Rollenspiel hängt das jetzt aber stark vom Regelwerk ab. Es gibt durchaus auch System, die für die Zaubersprüche ein Baukastensystem verweden und sehr flexibel einsetzbare Magie haben.

Da hast du sicher recht, aber: sind diese Systeme verbreiteter als SF Systeme? Was Fantasy so weit verbreitet macht ist doch der D&D,DSA,etc Mainstream.

Umgekehrt kann ein gutes Regelwerk die Möglichkeiten futuristischer Techniken auch gut in den Griff bekommen, indem es bspw. gar nicht auf die konkrete Technik eingeht, sondern sagt: Okay, du wilst das-und-das machen, für diese Aufgabe kannst du deinen Tricorder nutzen und der bringt dir für die entsprechende Probe xy einen Vorteil von z. - Wie das Ding eigentlich genau funktioniert, spielt dabei genauso wenig eine Rolle, wie die Überlegung, wie konkret man sich wohl die Funktion eines magischen Artefakts vorzustellen hat.

Jedes vernünftige Regelwerk wird das tun und die Standardanwendungen verregeln. Aber bei Technik ist es auch möglich sie anders als in vorhergesehener Weise zu verwenden was bei Magie nicht der Fall seien muss.

Zugestanden ich hab nur Star Wars gespielt bisher aber daas Problem "Spieler wissen mehr als SL" ist mir auch im Fantasybereich des öfteren über den Weg gelaufen,...
Ich erinnere mich mit Grauen an eine DSA Runde auf einem Con wo 3 Spielleiter in der Gruppe sind (also einer offiziell und 2 die ansonsten eben Leiten) und eine Diskussion lostreten Welche niederlassung nun wo genau liegt.

Das klingt allerdings eher nach belanglosen Kleinigkeiten. In der SF ist es dagegen denkbar dass Spieler die mehr wissen das Abenteuer trivialisieren weil die SL die Möglichkeit übersehen hat.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2023 | 16:47
Ich glaube eben nicht das es eine einfache Entsprechung ist. Zauber machen halt genau das was im Buch steht. Man kann sie nicht anders benutzen. Technik dagegen muss logisch funktionieren. Man kann sie kombinieren, man kann sie auf unerwartete Weise nutzen, etc. All das und alle damit zusammenhängenden Möglichkeiten sind in der SF prinzipiell im Spiel.

Ach...und all das kann man mit Zauberei, insbesondere gerade der Sorte mit pingelig genau standardisierten Zaubereffekten, die zuverlässig bei jedem Einsatz immer dieselbe Leistung liefern und von denen mal also im Vorfeld schon gut abschätzen kann, wie sie zusammen- oder gegeneinander arbeiten werden, nicht? Da habe ich so meine gelinden Zweifel.

Zitat
Hinzu kommt dass SF Technik meistens zu Spielbeginn einfach da ist, während viele Zauber ja traditionell erst ins Spiel kommen wenn die SCs "mal gross geworden sind".

Wie schon mal gesagt: das liegt nicht am Thema Fantasy, sondern daran, daß speziell D&D & Co. (und da schließe ich jetzt mal Sachen wie DSA und Midgard frech mit ein) das regelseitig so machen. Starte halt auf einer hinreichend höheren Stufe als 1 und die ganze Komplexität des Systems wird einfach nur entsprechend schneller offensichtlich -- wenn ich's unfreundlicher formulieren wollte, würde ich die angebliche Einfachheit "am Anfang" sogar gleich als Etikettenschwindel bezeichnen.

Zitat
Naja, dass D&D3 zu kompliziert ist ist ja eine verbreitete Ansicht. Wenn dass das Minimum wäre um vernünftig SF zu spielen würde das erklären warum SF Systeme weniger beliebt sind...

Ist es ja nicht. Der Witz an der Sache ist eben, daß es allemal deutlich einfachere SF-Systeme gibt...die können dann eventuell nicht "alles, was SF ist", aber angesichts der Tatsache, daß so ein System auch für die Fantasy nicht existiert, wäre der Anspruch ohnehin zu hoch gehängt.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Doc-Byte am 19.10.2023 | 17:23
Jedes vernünftige Regelwerk wird das tun und die Standardanwendungen verregeln. Aber bei Technik ist es auch möglich sie anders als in vorhergesehener Weise zu verwenden was bei Magie nicht der Fall seien muss.

Naja, was heißt schon "Standardanwendung"? Kann es die überhaupt geben? Ein schnöde Taschenlampe bspw. erzeugt zunächst einmal Licht und veringert Einschränkungen in der Dunkelheit. Man kann damit aber auch einen Gegner blenden und wenn sie groß und schwer genug ist, zur Not auch damit zuschlagen. Das alles kann man - wenn man will - noch in konkrete Regeln fassen bzw. kann man Regen zu Sichtverhältnissen und dem Nahkampf darauf anwenden. Spätestens wenn jetzt aber ein Spieler hergeht und den Akku der Taschenlamp als improvisierte Energiequelle für ein ausgefallenes elektronisches Schloss verweden möchte, verlassen wir wohl den Bereich, den man als "Standardanwendung" betrachten könnte. Ein gutes Regelwerk sollte daher mMn gar nicht erst versuchen, jede irgendwie erdenkliche Anwendung abzudecken (was schlicht unmöglich ist), sondern Spielern und SL Werkzeuge an die Hand geben, flexibel mit solchen Situationen umzugehen. So würde die besagte Taschenlampe einem damit geblendeten Gegener bspw. ganz allgemein einen Nachteil xy für seinen Angriff verpassen oder die Probe, um das Schloss zu überbrücken, wäre ohne den zweckentfremdeten Akku halt gar nicht erst möglich. - Und wir reden hier immer noch über einen im realen Leben völlig alltäglichen Gegenstand. Wenn dann auch noch futuristische Gerätschaften wie bspw. Tricorder ins Spiel kommen, kann das in meinen Augen nicht wirklich über Standardanwendungen verregelt werden (auch wenn sie definitiv hilfreich sind, um sich vorzustellen, was so ein Gerät grundlegend kann), sondern das Regelwerk muss so ausgestaltet sein, dass es flexibel reagieren kann. Beispiel: "Okay, du schließt den Tricorder an die Sensorphalanx des Shuttles an... Hm, ja. Du bekommst jetzt ein viel deutlicheres Signal von hinter diesem dicken Stahlschott des Außenpostens vor euch; das gibt dir einen Bonus von x (oder reduziert deinen Mindestwurf um y) für deine Fertigkeitsprobe, um daraus schlau zu werden."
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 19.10.2023 | 19:14
Naja, was heißt schon "Standardanwendung"? Kann es die überhaupt geben?

Na da du hier ein Beispiel gibst würde ich sagen ja :-)

oder die Probe, um das Schloss zu überbrücken, wäre ohne den zweckentfremdeten Akku halt gar nicht erst möglich. - Und wir reden hier immer noch über einen im realen Leben völlig alltäglichen Gegenstand.

Gutes Beispiel. Wenn ich mehrere elektrische Geräte habe kann zumindest prinzipiell das eine das andere laden. Sowas wird halt nicht verregelt, aber es muss im Spiel gehen. Bei Zauberstäben ist das nicht der Fall.
Enstprechend stiegen halt die Möglichkeiten und damit die Komplexität je mehr Technik im Spiel ist. Und bei einem Tricorder würde man vermutlich erwarten dass er alles kann was ein modernenr Computer kann, auch wenn das nicht explizit aufgelistet ist.


Wie schon mal gesagt: das liegt nicht am Thema Fantasy, sondern daran, daß speziell D&D & Co. (und da schließe ich jetzt mal Sachen wie DSA und Midgard frech mit ein) das regelseitig so machen.

Ja. Mit Magie kann man das halt so machen. Aber eine Knarre funktioniert logischerweise auch für Stufe 1 Charaktere.

Ist es ja nicht. Der Witz an der Sache ist eben, daß es allemal deutlich einfachere SF-Systeme gibt...

Die Systeme mögen einfach sein, aber die Welten sind komplex. Das Problem ist ja grade dass die Technik ausserhalb ihrer Standardanwendungen funktioniert.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Doc-Byte am 19.10.2023 | 19:39
Wenn ich mehrere elektrische Geräte habe kann zumindest prinzipiell das eine das andere laden. Sowas wird halt nicht verregelt, aber es muss im Spiel gehen.

Prinzipiell kann man auch einen Ochsen oder einen Esel vor einen Streitwagen spannen, aber muss man das in den Kampfregeln deshalb ausdrücklich berücksichtigen? - Ich bin der Ansicht mit einem guten Regelgrundgerüst und ewas Fingerspitzengefühl muss man nicht jeden Kleinkram verregeln. Ja, ich sage sogar, es wäre völlig kontraproduktiv dies überhaupt zu versuchen. Ich meine, natürlich kannst du theoretisch mit jeder elektrischen Stromquelle jedes elektrische Gerät betreiben. Aber stetze dabei einfach mal deinen Verstand ein! Der Taschenlampen-Akku wird wohl nicht genug Energie für den Phaser liefer. (Wobei ich als SL dem Phase je nach Bedeutung der Szene ggf. sogar einen einzigen Schuss genehmigen würde.) Aber mit dem Phaser kannst du ziemlich sicher den Tricorder betreiben. - Wenn du allerdings gerade mit diesen zwei Geräten auf einen unbewohnten Planeten gebeamt wurdest und weder Werkzeug noch ein paar elektronische Bauteile wie Kondensatoren, Transformatoren oder auch nur simple Kabel zu Hand hast (Wobei es Regelwerke gibt, die auch für diese Dinge eine elegante Lösung bieten.), wird die Aufgaben schon ziemlich herausfordernd.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 19.10.2023 | 20:38
Ja. Mit Magie kann man das halt so machen. Aber eine Knarre funktioniert logischerweise auch für Stufe 1 Charaktere.

Ein Bogen und eine Armbrust auch. Am besten streicht man die also gleich ebenfalls.

Zitat
Die Systeme mögen einfach sein, aber die Welten sind komplex. Das Problem ist ja grade dass die Technik ausserhalb ihrer Standardanwendungen funktioniert.

Wenn man denn weiß, wie's geht, und auch das richtige Werkzeug zur Hand hat...dann ja. Aber hast du schon mal ernsthaft versucht, aus einem Fön und einem Videorekorder was Neues zu basteln? Oder auch nur beides in seine sämtlichen Einzelteile zu zerlegen und dann so wieder zusammenzusetzen, daß es noch so läuft wie vorher?

Letzten Endes läuft das also schnell nicht mehr auf "Technik kann alles!" hinaus (dafür ist sowieso mehr die Magie zuständig, die hat die Ausrede dafür ja gleich frei Haus mit dabei), sondern schlicht auf die Anwendung passender Fertigkeiten im System, so ein Charakter die überhaupt hat...und die lassen sich in der Tat verregeln.

Und weil's mir gerade aufgefallen ist, noch mal etwas zu diesem Punkt:

Zitat
Gutes Beispiel. Wenn ich mehrere elektrische Geräte habe kann zumindest prinzipiell das eine das andere laden. Sowas wird halt nicht verregelt, aber es muss im Spiel gehen. Bei Zauberstäben ist das nicht der Fall.

Hmmm...Wieso eigentlich nicht? Welche Spielweltlogik liegt der Idee zugrunde, daß Zauberstäbe erstens überhaupt wie Schußwaffen "geladen" werden müssen und sich dann aber zweitens Ladungen nicht von einem Stab zum anderen transferieren lassen, selbst wenn beide Stäbe vom selben Typ sein sollten? :think:

Die einfache Antwort ist natürlich gerade wieder in klassischen Spruchlistensystemen: Weil noch kein Regelschreiber einen Zauber formuliert hat, der genau das leistet. Aber das läßt sich ja jederzeit nachholen...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Isegrim am 19.10.2023 | 22:30
Wenn man denn weiß, wie's geht, und auch das richtige Werkzeug zur Hand hat...dann ja. Aber hast du schon mal ernsthaft versucht, aus einem Fön und einem Videorekorder was Neues zu basteln? Oder auch nur beides in seine sämtlichen Einzelteile zu zerlegen und dann so wieder zusammenzusetzen, daß es noch so läuft wie vorher?

Filme uä machen uns aber vor, dass so technische Probleme während Abenteuern, Spezialeinsätzen usw gelöst werden. Wenn du MacGyver zu dem dem Fön und dem Videorkorder noch eine Rolle Ducktape und drei Büroklammern gibst, baut der dir ne Atombombe... Und der Zuschauer kann das weder, noch versteht, wie es funktioniert, egal ob es real funktionieren würde oder nicht. Wenn Robin Hood ne Fallgrube baut, oder ein Netz aus den Bäumen auf die Schergen des Sheriffs fällt, versteht man die Funtionsweise. Die Funktionsweise der Waffen bei Star Wars ist für uns ein reines Msyterium (weil halt Fantasy), mit einer Ausnahme: Wie die Waffen der Ewoks funktionieren, versteht jeder. Die mechanischen Fallen, die man in Old School-Manier nicht mit einer Probe entschärft, sondern indem man herausfindet, wie sie funtkionieren, sind in einem modernen Setting i-was zwischen "unmöglich" bis "nur mit viel (Pseudo-) Veständnis für (Pseudo-) Technik machbar".

Das kann man alles mit Technobabel lösen und den Rest mit einer Probe abhandeln. Aber es geht etwas verloren, oder es erhöht die Komplexität des Spiels. Ich erinnere mich noch*, wie meine Freunde und ich damals von Fantasy a la DSA auf Shadowrun umgestiegen sind. Da war das ein großer Pluspunkt, weil wir großen Spaß hatten, und in diese ganzen Möglichkeiten hinein zu denken. Aber es hat halt auch Planung und Vorbereitung viel wichtiger gemacht und mehr Zeit einnehmen lassen.

* dunkel, is Jahrzehnte her...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 20.10.2023 | 00:19
Ich bin der Ansicht mit einem guten Regelgrundgerüst und ewas Fingerspitzengefühl muss man nicht jeden Kleinkram verregeln. Ja, ich sage sogar, es wäre völlig kontraproduktiv dies überhaupt zu versuchen.

Klar. Es geht ja auch nicht um verregeln. Es geht darum dass die Möglichkeiten im Spiel sind. Und je komplexer die Technik, destso mehr Möglichkeiten gibt es, und destso schwerer ist es Szenarios zu entwerfen.

Der Taschenlampen-Akku wird wohl nicht genug Energie für den Phaser liefer. (Wobei ich als SL dem Phase je nach Bedeutung der Szene ggf. sogar einen einzigen Schuss genehmigen würde.) Aber mit dem Phaser kannst du ziemlich sicher den Tricorder betreiben.

Genau. Es gibt eben Möglichkeiten die recht logisch sind, auch wenn wir nicht wissen wie ein Phaser oder Tricorder funktioniert.

sondern schlicht auf die Anwendung passender Fertigkeiten im System, so ein Charakter die überhaupt hat...und die lassen sich in der Tat verregeln.

Nein. Die Fertigkeiten sagen nicht was man mit der Technik machen kann, sondern nur was dein SC kann.

Hmmm...Wieso eigentlich nicht?

Wieso sie es nicht müssen? Weil Autoren frei aussuchen können wie Magie funktioniert. 

Ein Bogen und eine Armbrust auch. Am besten streicht man die also gleich ebenfalls.

Ich hab keine Ahnung wie du hier auf "streichen" kommst.
 
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: pharyon am 20.10.2023 | 06:55
Wieso sie es nicht müssen? Weil Autoren frei aussuchen können wie Magie funktioniert. 
Inwiefern unterscheidet sich das von zukünftiger Technologie, die wir noch nicht verstehen? In beiden Fällen kann ich doch entweder mit den Setzungen zufrieden sein oder Folgen, Variablen, Alternativen extrapolieren. Solange alle am Tisch einverstanden sind, ist das doch in Ordnung.

Warum kann/soll ich mich da bei Magie schneller zufrieden geben?

p^^
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: unicum am 20.10.2023 | 09:51
"Jede Art von Technik die noch von Magie zu unterscheiden ist, ist nicht fortschrittlich genug"

frei nach A.C. Clark
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 20.10.2023 | 10:26
Ich glaube da macht, ihr euch zu viele Probleme. Also jedenfalls wenn ihr Space Opera spielt. Bei Star Trek heißen die Ingeneure ja nicht umsonst Miracle Workers. Das kann dann in Regeln so aussehen.

Zitat
When you plan to repair or modify a piece of tech, say what you want to achieve and roll. On a hit, you have a plan. On a 10+ choose two, on a 7-9 choose three.
   - I need a fully functional starship or I need several days of work.
   - I need some additional materials or I must dismantle another system.
   - Someone has to do something hazardous.
   - It will only work once.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 20.10.2023 | 11:06
Inwiefern unterscheidet sich das von zukünftiger Technologie, die wir noch nicht verstehen? In beiden Fällen kann ich doch entweder mit den Setzungen zufrieden sein oder Folgen, Variablen, Alternativen extrapolieren. Solange alle am Tisch einverstanden sind, ist das doch in Ordnung.

Warum kann/soll ich mich da bei Magie schneller zufrieden geben?

p^^
"Jede Art von Technik die noch von Magie zu unterscheiden ist, ist nicht fortschrittlich genug"

frei nach A.C. Clark
Ich glaube da macht, ihr euch zu viele Probleme. Also jedenfalls wenn ihr Space Opera spielt. Bei Star Trek heißen die Ingeneure ja nicht umsonst Miracle Workers. Das kann dann in Regeln so aussehen.

Yep. ;D Mit aus dieser Überlegung heraus habe ich ja in einem Vorgängerpost Zauberer und "Experten" wie Ingenieure und dergleichen in dieselbe Kategorie einsortiert: die machen schlicht beide dasselbe, nämlich Dinge, die andere mit den vorhandenen Mitteln nicht könnten.

Insofern ist es auch Humbug, Leute wie McGyver, Geordi LaForge, oder meinetwegen Daniel Düsentrieb als "Belege" dafür anzuführen, wie kompliziert und überpowert doch Technik ist -- das ist ziemlich genau, als wollte man argumentieren, daß in Settings, wo es Magie gibt, automatisch gleich jeder ein Erzmagier sein muß. Unter der Annahme wäre dann natürlich auch die "Einfachheit" von Fantasy sofort wieder dahin...
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Isegrim am 20.10.2023 | 11:24
Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass mit Regeln einfangen zu wollen. Das funzt so nicht. Natürlich kann man die gleichen Regelkonstrukte nutzen, um verschiedene Sachen abzubilden. Das ändert aber nichts am Spielgefühl, an den Gedanken, die die Spieler sich machen, und nichts an der Frage, wann Regeln überhaupt zum Einsatz kommen. Für all das ist die Vorstellung der Mitspieler entscheidend, nicht, was man mit welchem Move erreichen kann.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 20.10.2023 | 12:13
Kannst du das mit den Gedanken näher erläutern? Denn so drängt sich mir die Antwort auf: Mach den Kopf aus, ist geil hier.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Isegrim am 20.10.2023 | 13:13
Ich will aber nicht meinen Kopf ausschalten müssen, wenn es doch ein Teil des Spaßes ist, genau diesen zu benutzen. ;)

Der Unterschied Fantasy RPG vs SF RPG liegt nicht in den Regeln. Mit einem Universalsystem, dass seinen Namen verdient, sollte man beides spielen können, ohne mehr als ein paar marginale Änderungen oder Ergänzungen zu benötigen. Der Unterschied liegt in der unterschiedliche Vorstellungswelt der Genres; mit Überschneidungen und breiten Grauzonen, denn dass sich beides nicht klar voneinander trennen lässt wurde ja schon festgestellt.

Diese unterschiedlichen Vorstellungen beeinflussen das Spielgefühl, auch im gleichen Regelkorsett. Nimm zB den Teil des Spiels, der ganz ohne konkrete Regelanwendung auskommt. Die Möglichekiten sind andere, wenn jeder moderne Technik zur Hand hat. Ich kann jemanden am anderen Ende der Welt anrufen, ein Foto machen, ein Gespräch mitschneiden. In einem Fanatsy-Setting brauch ich dafür i-welche besonderen Fähigkeiten und vermujtlich eine Probe, bei SR nur ein Handy.

Nimm das Beispiel Fallen, dass ich oben erwähnt hab. Old School-Fallen waren nie mein Ding, wenn sie zum alberrnen 10-foot-pole führen, aber die Idee, eine Falle nicht durch eine Probe auf Whatever zu entschärfen, sondern dadurch, dass man halt im Spiel heraus finden muss, wie sie arbeitet, kann eine spannende Sache sein, weil sie eben nicht auf "Würfle halt" hinaus läuft. In einem modernen Setting wird das deutlich schwieriger, da die technischen Möglichkeiten viel größer sind; frag SR-Sicherheitssystem-Experten...

Und es sind eben andere Vorbilder, die wir verwenden und im Kopf haben. In modernen Settings sind die Tricks a la Scotty oder MacGyver für Otto/Ann-Normal-Konsumente nicht nachollziehbar, selbst wenn sie eine reale Grundlage haben. Die Tricks von Robin Hood idR schon. In einem Fantasy-Setting akzeptieren wir Rätsel, weil "is eben Fanatsy & Magie & so"; in nem futuristischen SF-Setting wird das schwieriger. Warum sollte der Eingang zu einem Bunker mit einer albernen Rätselfrage gesichert sein? Beim Dungeon klappt das schon besser.

All das macht im Kopf der Mitspieler einen Unterschied. Sag ich, der ich mehr SF in meinem Leben gespielt hab als Fantasy (wenn SR als SF taugt), und dessen größtes Eigenbau-Projekt ein SF-Space Opera-Universum ist. Fantasy ist in vielem einfacher, pflegeleichter, zugänglicher als SF. Was man als Feature oder Bug begreifen kann. Der höhere Komplexitätsgrad ermöglicht vieles, was sonst nicht oder schwerer möglich ist, wenn man die Energie investiert, sich entsprechend einzuarbeiten; Heists mit vorangegangenen Planungsorgien sind ne tolle Sache, und wenn man die will, ist man bei SR besser aufgehoben als bei DSA. Aber er erschwert auch manches, und in der Masse wundert es mich nicht, dass Fantasy-Settings immer beliebter waren als SF-Settings.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 20.10.2023 | 13:36
Inwiefern unterscheidet sich das von zukünftiger Technologie, die wir noch nicht verstehen?

SF Technik die noch als solche erkennbar ist funktioniert mit physikalischer Energie, und der ist es egal wer sie verwendet und wofür.
Bei MAgie kann es weisse Magie geben die nur heilen kann, oder Priestermagie die verschwindet wennn man die Göttin ärgert, oder Magie die nur für eine Blutline funktioniert, usw.
Natürlich kann es in der SF auch Kräfte geben wie die Macht oder PSI. Selbst wenn das doert auf Genmanipulation beruht hat es dann aber den Charakter von MAgie und nicht Technik.


"Jede Art von Technik die noch von Magie zu unterscheiden ist, ist nicht fortschrittlich genug"

Im Rollenspiel ist auch hinreichend fortschrittliche Technologie von Magie zu unterscheiden.

Ich glaube da macht, ihr euch zu viele Probleme. Also jedenfalls wenn ihr Space Opera spielt. Bei Star Trek heißen die Ingeneure ja nicht umsonst Miracle Workers. Das kann dann in Regeln so aussehen.

Naja, das Ingenieure Raumschiffe reparieren ist ja die von den Regeln vorgesehene "Standardanwendung". Wie sie das genau machen ist dabei eigentlich egl, und das war auch nie das Problem.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: tartex am 20.10.2023 | 13:44
In einem Fantasy-Setting akzeptieren wir Rätsel, weil "is eben Fanatsy & Magie & so"; in nem futuristischen SF-Setting wird das schwieriger. Warum sollte der Eingang zu einem Bunker mit einer albernen Rätselfrage gesichert sein? Beim Dungeon klappt das schon besser.

All das macht im Kopf der Mitspieler einen Unterschied. Sag ich, der ich mehr SF in meinem Leben gespielt hab als Fantasy (wenn SR als SF taugt), und dessen größtes Eigenbau-Projekt ein SF-Space Opera-Universum ist. Fantasy ist in vielem einfacher, pflegeleichter, zugänglicher als SF..

Aso du sagst Fantasy erlaubt eher Gamismus und Magie erlaubt mehr Deus Ex. Interessant.

Superkräfte in der Gegenwart könnten das zwar auch, aber der vorhandene Physik-Layer macht es doch schwieriger für die Spielleitung?
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 20.10.2023 | 13:51
Naja, das Ingenieure Raumschiffe reparieren ist ja die von den Regeln vorgesehene "Standardanwendung". Wie sie das genau machen ist dabei eigentlich egl, und das war auch nie das Problem.

Ähm, ne. Das Ding ist nicht zum Reparieren. Also auch, aber vor allem kann man damit den Hauptdeflektor dazu bringen Borgsche Transwarp-Kanäle zu öffnen oder den Transporter Tuvix zu trennen oder mit einem Tricorder sonische Impulse ausstoßen um Terroristen auszuschalten oder welche Idee die Folge auch sonst gerade erfordert.

Du musst nicht wissen, was die Technik tut, außer der der Kommunikator kommuniziert, der Tricorder scannt, der Phaser phasert und der Warp-Antrieb warpt. Das war die Frage, weil man - so war das Argument - bei futurischer Technologie anders als bei Zaubern sie ja auch kreativ einsetzen könne. Kannst du total machen. Kannst du praktisch alles machen, was dir einfällt. Und dann machst du diesen Move und dann finden wir raus, ob das geht.

Ich will aber nicht meinen Kopf ausschalten müssen, wenn es doch ein Teil des Spaßes ist, genau diesen zu benutzen. ;)
[...]
Heists mit vorangegangenen Planungsorgien sind ne tolle Sache [...]

OK, dann verstehe ich deinen Standpunkt und muss jetzt ganz schnell weg.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 20.10.2023 | 14:24
Ähm, ne. Das Ding ist nicht zum Reparieren.

Naja, das stand wörtlich da :-)
Aber ich sehe was du meinst.

Du musst nicht wissen, was die Technik tut, außer der der Kommunikator kommuniziert, der Tricorder scannt, der Phaser phasert und der Warp-Antrieb warpt. Das war die Frage, weil man - so war das Argument - bei futurischer Technologie anders als bei Zaubern sie ja auch kreativ einsetzen könne. Kannst du total machen. Kannst du praktisch alles machen, was dir einfällt. Und dann machst du diesen Move und dann finden wir raus, ob das geht.

Tja, aber wie wirkt sich das auf das Spiel aus? Wenn ich alles machen kann was mir einfällt dann ist meine Antwort auf jedes Szenario: "Ich baue ein Transwarp-Superflux-Dingsbums das das Problem löst." und die SL Antwortet: "Ok, dann würfel mal auf Abenteuer schaffen." Man kann ohne jede technologische Plausibilität spielen, aber ich glaube das das je nach Spielstil nicht sehr befriedigend ist.

Diese unterschiedlichen Vorstellungen beeinflussen das Spielgefühl, auch im gleichen Regelkorsett. Nimm zB den Teil des Spiels, der ganz ohne konkrete Regelanwendung auskommt. Die Möglichekiten sind andere, wenn jeder moderne Technik zur Hand hat. Ich kann jemanden am anderen Ende der Welt anrufen, ein Foto machen, ein Gespräch mitschneiden. In einem Fanatsy-Setting brauch ich dafür i-welche besonderen Fähigkeiten und vermujtlich eine Probe, bei SR nur ein Handy.

Nimm das Beispiel Fallen, dass ich oben erwähnt hab. Old School-Fallen waren nie mein Ding, wenn sie zum alberrnen 10-foot-pole führen, aber die Idee, eine Falle nicht durch eine Probe auf Whatever zu entschärfen, sondern dadurch, dass man halt im Spiel heraus finden muss, wie sie arbeitet, kann eine spannende Sache sein, weil sie eben nicht auf "Würfle halt" hinaus läuft. In einem modernen Setting wird das deutlich schwieriger, da die technischen Möglichkeiten viel größer sind; frag SR-Sicherheitssystem-Experten...

Genau das. Ganz ohne Regeln bringt mehr Technik mehr Komplexität in die Welt weil SCs einfach mehr Möglichkeiten haben und die moderne und SF Technik schwerer zu verstehen ist als die mittelalterliche.


Heists mit vorangegangenen Planungsorgien sind ne tolle Sache, und wenn man die will, ist man bei SR besser aufgehoben als bei DSA. Aber er erschwert auch manches, und in der Masse wundert es mich nicht, dass Fantasy-Settings immer beliebter waren als SF-Settings.

Wenn ich so an bekannte Heist Filme denke fällt auf: keiner von denen wird Linear erzählt. Die Vorbereitung kommt eigentlich immer in Rückblenden. 100 Minuten Vorbereitung und dann 20 Minuten Heist wären auch vermutlich recht
langweilig. Entsprechend schwierig ist das mit dem linearen Erzählstil konventioneller Rollenspiele.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: 1of3 am 20.10.2023 | 14:33
Tja, aber wie wirkt sich das auf das Spiel aus? Wenn ich alles machen kann was mir einfällt dann ist meine Antwort auf jedes Szenario: "Ich baue ein Transwarp-Superflux-Dingsbums das das Problem löst." und die SL Antwortet: "Ok, dann würfel mal auf Abenteuer schaffen." Man kann ohne jede technologische Plausibilität spielen, aber ich glaube das das je nach Spielstil nicht sehr befriedigend ist.

Ja, das ist der Punkt. Es geht nicht um "Genre". Es geht um Spielpräferenzen. Also wer jetzt wie Isegrim anscheinend Shadowrun-Planungsorgien mag und klagt, dass niemand das spielen mag, sollte nicht wie im Eingangsbeitrag des Themas angemerkt, glauben, dass es an "SciFi" liegt und die eben komplex sei. Die Leute mögen womöglich keine Planungsorgien spielen. Und ich sollte eben ggf. quengeln, dass niemand mit mir PbtA spielen will, aber das Problem hatte ich noch nie.

Wir erkennen: Spielstil hat nichts mit "Genre" zu tun.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Isegrim am 20.10.2023 | 16:31
Wenn ich so an bekannte Heist Filme denke fällt auf: keiner von denen wird Linear erzählt. Die Vorbereitung kommt eigentlich immer in Rückblenden.

Der Fate-SR-Hack Shadwocore hat genau deswegen einen Standard-Feat, den jeder SC hat, und genau eine solche Rückblende erlaubt, um Ausrüstung herbei zu erzählen oder ähnliche Vorbereitung während des Runs nachzuholen. Passt für Fate-Spielstil und SR-Hintergrund ziemlich gut. In einem Fantasy-Setting kann ich mir sowas auch mit Fate schwerer vorstellen.

100 Minuten Vorbereitung und dann 20 Minuten Heist wären auch vermutlich recht
langweilig. Entsprechend schwierig ist das mit dem linearen Erzählstil konventioneller Rollenspiele.

Zum Glück ist das originale SR-Kampfsystem komplex genug, um die paar Minuten Action auf viele, viele Stunden Spielzeit zu strecken... ;)

Ja, das ist der Punkt. Es geht nicht um "Genre". Es geht um Spielpräferenzen. Also wer jetzt wie Isegrim anscheinend Shadowrun-Planungsorgien mag und klagt, dass niemand das spielen mag, sollte nicht wie im Eingangsbeitrag des Themas angemerkt, glauben, dass es an "SciFi" liegt und die eben komplex sei. Die Leute mögen womöglich keine Planungsorgien spielen. Und ich habe sollte eben ggf. quengeln, dass niemand mit mir PbtA spielen will, aber das Problem hatte ich noch nie.

Wir erkennen: Spielstil hat nichts mit "Genre" zu tun.

Genau genommen sind mir diese Planungsorgien schon lange über. War ne tolle Zeit, aber mir ist inzwischen das Kosten-Nutzen-Verhätnissen (vgl Ainors Einwurf) zu schlecht; oder ich hab nicht mehr die Energie, mich so rein zu knien wie früher; auf jeden Fall werd ich alt...

Und mE hast du Unrecht. Das war ein Beispiel, ich hab auch andere gebracht, die andere Spielstile präferieren. Man kann vermutlich jeden Spielstil mit jedem Genre verbinden, und jedes Setting so hinbiegen, dass es bestimmten rollenspielerischen Erwartungen genügt. Aber das heißt nicht, dass das alle mitmachen.

Warum sind Fantasy-Settings spielstil-unabhängig so beliebt, und warum tun sich SF-Settings doch recht schwer? Und besonders Settings, die versuchen, den Geist der "klassischen SF" einzufangen, nicht speziellere Subgenres wie Cyberpunk oder Superhelden? Ich hab den Eindruck, je mehr "Fantasy" auch ein SF-Setting enthält, desto massentauglicher wird es (Star Wars, WH40K). Warum? ME liegts an den Erwartungshaltungen, die in der Masse dazu führt, dass für die einfache Weltflucht eine einfachere Welt gesucht wird; oder eine, die als einfacher imaginiert wird.

Fantasy hat den Vorteil, dass es das Bild einer simplen Welt zumindest vorgaukelt; Märchenkönige, Sagenritter, Zauberer und Ungeheuer; alles Dinge, die man seit frühester Kindheit kennt. Auch wenn es real dann in mehrbändigen Monstermanuals ausartet, die mehr Kreaturen enthalten als die Star Wars-Galaxis, oder Detailorgien über Kleinstädte im Pseudo-Mittelalter, für die Historiker töten würden, würden sie das echte betreffen würden.

SF hat den Nachteil, dass es auch geprägt ist von hochkomplizierten Geschichten, die sich tiefsinnig mit der möglichen Zukunft der Menschheit beschäftigen. Und von der allgemeinen Erwartung, dass in einer zukünftigen Gesellschaft das Leben für die ganz normalen Menschen sicher nicht weniger komplex sein wird als unser heutiges; das so komlex ist, dass man ihm ja grade mittels Weltflucht entkommen möchte. Selbst wenn das nicht immer zutrifft, auch wenn es SF-Geschichten gibt oder man welche im RPG spielen könnte, die so flach sind wie eine Pfanne auf dem Herd: Dass muss man potentiellen Mitspielern erst mal klar machen. Einstiegshürde.

Nichts von diesen Erwartungen hat was mit Systemfragen oder Spielstil zu tun; sondern mit den Möglichkeiten, Problemstellungen und Begrenzungen, die in Genres angelegt sind und von solchen erwartet werden. Man könnte auch sagen: "Setting matters." ;)

Das kannst du gerne mit abfällig Unterton beiseite schieben. Gegenargumente wären aber auch nicht schlecht.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 20.10.2023 | 17:03
Ich kann mich irgendwie des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Diskussion am Ende auf die Emotionen und Vorurteile des angenommenen Publikums (und des einen oder anderen Beteiligten) hinauslaufen wird: "Spieler halten einfach Fantasy für simpel und SF für kompliziert, isso, kommt denen bloß nicht mit Fakten!"

Mag sein, daß da was dran ist, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, daß die Gewohnheit speziell der Rollenspielcommunity, Neuspieler erst mal nahezu ausschließlich mit Fantasy "anzufüttern" und es dabei dann oft genug auch schon zu belassen, ihr Scherflein beiträgt. Dann wäre die nächste Frage eben "Okay, und wie gehen wir dieses Mißverständnis jetzt am besten an?". Denn ein Mißverständnis bleibt's aus meiner Sicht nach wie vor.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: tartex am 20.10.2023 | 18:04
Fantasy hat den Vorteil, dass es das Bild einer simplen Welt zumindest vorgaukelt; Märchenkönige, Sagenritter, Zauberer und Ungeheuer; alles Dinge, die man seit frühester Kindheit kennt. Auch wenn es real dann in mehrbändigen Monstermanuals ausartet, die mehr Kreaturen enthalten als die Star Wars-Galaxis, oder Detailorgien über Kleinstädte im Pseudo-Mittelalter, für die Historiker töten würden, würden sie das echte betreffen würden.

Ich würde behaupten die meisten Kinder und Jugendlichen von heute kennen viel eher Star Wars und Marvel Superhelden als Fantasy.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: pharyon am 20.10.2023 | 19:57
Dementsprechend müsste es einfach zugängliche Star Wars- oder Marvel-Rollenspiele geben, die "Anfänger"/Einsteiger (mwd) gut an die Hand nehmen (insbesondere frische SL). Aufgrund der Lizenzkosten sind die Regelwerke meistens jedoch eher "dick".

Hmmm...

p^^
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 20.10.2023 | 20:03
Dementsprechend müsste es einfach zugängliche Star Wars- oder Marvel-Rollenspiele geben, die "Anfänger"/Einsteiger (mwd) gut an die Hand nehmen (insbesondere frische SL). Aufgrund der Lizenzkosten sind die Regelwerke meistens jedoch eher "dick".

Hmmm...

p^^

Die Startersets vom FFG Star Wars RPG waren großartig. Marvel Heroic war ein sehr gutes Rollenspiel, nur das neue Marvel RPG ist ein Griff ins Klo.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: Ainor am 23.10.2023 | 17:41
Wir erkennen: Spielstil hat nichts mit "Genre" zu tun.

Ähm, nein. Es ist eher so dass es Spilstile gibt die Genre/Settingunabhängig funktionieren.

Auf der einen Seite wäre extrem narratives Spiel, also eigentlich kollaboratives Geschichten erzählen. Hier sehe ich keinen Grund warum das mit SF nicht gut klappen sollte. Der Erfolg von Star Trek/Wars zeigt ja dass man offenbar dort spannende Geschichten erzählen kann. Auf der anderen Seite wäre ein Spiel das quasi nur innerhalb der vordefinierten Regelelemente abläuft, also quasi ein Brettspiel. Auch hier sollte es keinen grossen Unterschied zwischen Fantasy und SF geben denn was die Regelelemente in der Spielwelt repräsentieren ist ja quasi beliebig. Ob ich mit einem Bogen oder einem Blaster angreife ist aus dieser Perspektive egal.

Selbst Kombinationen der beiden Stile sollten kein Problem darstellen. Das Problem taucht erst auf wenn das Spiel herausforderungsorientiert ist und Spieler technische Möglichkeiten jenseits vordefinierter Regelelemente nutzen. Dann kommen halt so Sachen wie z.B.: die SL hat eine Rogue One/New Hope Plot vorbereitet und die Spieler lassen stattdessen eine Kreuzer in den Todestern springen. Das sind Dinge die bei mittelalterlicher Technik sehr viel überschaubarer sind.

Genau genommen sind mir diese Planungsorgien schon lange über. War ne tolle Zeit, aber mir ist inzwischen das Kosten-Nutzen-Verhätnissen (vgl Ainors Einwurf) zu schlecht; oder ich hab nicht mehr die Energie, mich so rein zu knien wie früher; auf jeden Fall werd ich alt...

Bei langen Planungen hätte ich ggf auch Sorge dass da manchmal nicht alle Spieler wirklich teilhaben können.

Ich kann mich irgendwie des Eindrucks nicht erwehren, daß diese Diskussion am Ende auf die Emotionen und Vorurteile des angenommenen Publikums (und des einen oder anderen Beteiligten) hinauslaufen wird: "Spieler halten einfach Fantasy für simpel und SF für kompliziert, isso, kommt denen bloß nicht mit Fakten!"

Fakt ist dass schon viele Szenarien von Horrorfilmen aus den 80ern heute nicht mehr funktionieren weil alle Mobiltelefone haben.
Titel: Re: Die Problematik von SF zur Fantasy - Wiedererkennung
Beitrag von: nobody@home am 23.10.2023 | 18:38
Fakt ist dass schon viele Szenarien von Horrorfilmen aus den 80ern heute nicht mehr funktionieren weil alle Mobiltelefone haben.

Die funktionieren auch in der Fantasy nicht, weil's da zum einen Zauberei hat und man zum anderen in dem Genre für gewöhnlich sowieso schon die mehr oder weniger großen Monsterplätter spielt, die fast schon gewohnheitsmäßig die Dinge verdreschen, vor denen andere Angst haben -- da kommt der "richtige" Horror irgendwann natürlich gar nicht erst mehr auf.

Verglichen damit ist eine Anpassung von Horror an so ziemlich jedes denkbare Technikniveau fast schon trivial, denn für alles, was man dabei vielleicht an Möglichkeiten verliert ("Hey, was wird mit diesen neumodischen 'Autos' aus meinen durchgehenden Pferden?!"), kommen durch all das, was dank dieser Technik jetzt neu schiefgehen oder in sich gruselige Auswirkungen haben kann, auch prompt wieder neue dazu. Und gerade durch diese Unterschiede wird das Verorten von Gruselszenarien in dieser oder jener Epoche der Menschheitsgeschichte doch überhaupt erst interessant und verliert sich nicht in temporaler Beliebigkeit...