Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Weltengeist am 9.02.2024 | 16:34

Titel: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Weltengeist am 9.02.2024 | 16:34
Im "Wer mag Splittermond"-Thread schrieb Swanosaurus:

Ich warte ja immer noch drauf, dass sie ein SpliMo nur für mich machen - die Welt mag ich in vielen Ansätzen (Unreich am Graulenkamm, Dakardsmyr), auch wenn sie mich nicht umhaut, aber aus einem Guss mit einem tollen Regelsystem auf genau meinem Wunsch-Komplexitätsniveau wäre sie ein ziemlicher Hammer.

Also bitte:
Tickleiste gegen ein sehr viel einfacheres Strike-Rank-System austauschen.
Erfolgsgrade irgendwie mit weniger Rechnerei. Keine Ahnung wie das gehen soll, aber (Ergebnis-Schwierigkeit):3 ist anstrengend, und negative Erfolgsgrade mag ich erst recht nicht berechnen. Vielleicht einfach: 10 drüber, Supererfolg, 10 drunter: Supermisserfolg, ein gewürfeltes Pasch legt noch einen (Miss-)Erfolgsgrad drauf, und Patzer und Crits geben ein festes Maximum.
Das Lebensenergie-System im Kern beibehalten, aber auch verschlanken.
Weniger Balancing-Fetisch, das macht alles noch mal extra-kompliziert!
Raus mit den Meisterschaften, alles Essenzielle können alle (und hier auch weniger detailliert verregeln und mehr abstrakt-allgemeine Regeln für Spezialmanöver).
Raus mit dem Crafting aus dem Basisbuch! Packt das in irgendein Supplement, das ich nicht kaufen muss.

In solchen Gedanken habe ich mich extrem wiedererkannt; so geht es mir mit quasi jedem Rollenspiel - insbesondere, wenn es auch noch ein Setting dabei hat.

So finde ich beispielsweise Eberron super, aber muss es denn unbedingt D&D sein? So viele schöne Ideen, aber dann schon wieder Elfen und Zwerge und Orks und Zauberer, die morgens ihre Sprüche auswendig lernen müssen? Warum hat man nicht den Mut gehabt, die Dragonmarked als einzige Zauberer zuzulassen und den ganzen Rest zu schrotten? Wieso endete die Katastrophe, die Cyre vernichtet hat, genau an dessen erratischer Ländergrenze? Wieso merken die ehrenhaften Karrnathi nicht, was aus ihnen geworden ist und wer da im Hintergrund die Strippen zieht? Und überhaupt empfinde ich Sarlorna und seine Geschichte (und die Kalashtar) als völlige Fremdkörper, die überhaupt nicht zum übrigen Eberron passen wollen. Und, und, und...

Natürlich war das jetzt nur ein Beispiel (also bitte nicht das Beispiel diskutieren). Das gleiche Spiel kann ich mit so gut wie jedem anderen Rollenspiel-Setting-Kombination spielen. Ich will jetzt gar nicht anfangen, hier Dutzende Rollenspiele aufzulisten (auch wenn ich es problemlos könnte), mir geht es um das immer gleiche Muster von "Ach wie geil", gefolgt von "Aber dieses Detail nervt und jenes ist ätzend und überhaupt mag ich die Regeln nicht und - aaaargh!!!".

Tatsächlich habe ich bis heute keine für mich wirklich gute Lösung gefunden. Natürlich kann ich das Spiel zähneknirschend so akzeptieren und bespielen, wie es ist, aber es bleibt immer das nagende Gefühl, dass es noch so viel cooler sein könnte, wenn es mehr so wäre wie ich es mir vorstelle. Ich habe es auch schon mit Anpassen versucht, aber das ist fast immer viel mehr Arbeit, als ich dachte, und überhaupt habe ich nie eine gute Vorgehensweise gefunden, um diese Mischung aus Originalkram und Anpassungen dann auch so festzuhalten, dass ich mich später noch selbst darin zurechtfinde. Und zu guter Letzt kann man das gekaufte Rollenspiel auch als Ideensteinbruch verwenden für etwas eigenes, aber das ist natürlich noch mehr Arbeit als das Anpassen und hat mit meinem Zeitbudget keine Chance, jemals fertig zu werden.

Naja, und dann gibt es noch die Variante, die Swanosaurus oben andeutet (auch wenn er die sicherlich nicht ernst gemeint hat): Man hofft - völlig unsinnigerweise natürlich - dass die nächste Edition oder das nächste gekaufte Rollenspiel so viel näher an den eigenen Vorstellungen ist, dass man endlich glücklich wird. Was es natürlich nicht tut, aber die große Geldausgebemaschine am Laufen hält...

Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Wie macht ihr das?
Und falls ihr zu den Anpassern oder Ausschlachtern gehört: Habt ihr konkrete Techniken, die ihr mit uns teilen wollt?
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: diogenes am 9.02.2024 | 16:49
Das bezieht sich jetzt ausschließlich auf die Setting- nicht auf die Regelfrage: Anpassen, aber im Laufenden Prozess. Grundsätzlich starten mit der Grundannahme dass alles, was vorgegeben ist wahr sein *kann*, aber wirklich wahr wird es erst, wenn es am Spieltisch tatsächlich vorkommt. Das ist mMn auch der einzig sinnvolle Umgang mit so Kitchen Sink-Settings wie die meisten D&D settings oder Golarion (Pathfinder). Man spielt ja meist in einer bestimmten Region, zu einem bestimmten Thema. Und bevor etwas tatsächlich am Spieltisch wahr wird, kann es durchaus auch nochmal von allen Spielenden gevetoed werden oder ggf. angepasst.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Swanosaurus am 9.02.2024 | 16:52
Ich hab einfach mal ehrlich geantwortet, obwohl es mir schwerfiel!
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Megavolt am 9.02.2024 | 17:09
Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Wie macht ihr das?

Sonstiges:
Ich lege Savage Worlds auf den Elfer-Punkt, rotze einmal auf den Rasen, nehme ein paar Schritt Anlauf und donnere dann voll drauf, mit nur halb geöffneten Augen.  ~;D
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: gunware am 9.02.2024 | 17:10
Ich habe sonstiges genommen, aber nur, weil ich nicht alles anklicken konnte. Im Grunde genommen, ist es bei mir eine Mischung aus allen gesagte.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Boba Fett am 9.02.2024 | 17:31
Spielweltelemente passe ich an, wenn sie mir nicht gefallen.
Spielregeln eigentlich nicht, von Minor Rulings vielleicht mal abgesehen. Wir versuchen immer möglichst 'by the book' zu spielen.
Allerdings habe ich auch nichts dagegen, ein komplettes System gegen ein anderes auszutauschen.
Wenn Aventurien mit DSA Regeln für mich nicht geht, könnte ich es auch mit D&D5 Regeln spielen. Okay, das war jetzt ein ziemlich krasses Beispiel...  ;)

Im Moment liebäugel ich ja schon länger mit dem Genesys System als Regelsystem meiner Wahl. Mir fehlt nur die Gelegenheit es einfach mal auszuprobieren...

Ach ja: Warum ich den Motor austausche, wenn mir die Karosserie gefällt?
Naja, "system matters" natürlich. Aber es ist nicht das einzige, das "matters".
Eine Runde, die lange zusammenspielt hat auch ihr individueller "how" gefunden und das mattert zum Beispiel in meinen Augen viel mehr.
Und zwar so viel mehr, dass sich Rollenspiel immer ähnlich anfühlen wird, egal welches System (in einem gewissen Rahmen natürlich) verwendet wird.

Klar, Aventurien aufs Skateboard zu stellen und die D&D5 Regeln als Rollen drunter zu schrauben, wird eine High Powered Achterbahn, und die Alteingesessenen werden es als Sakrileg empfinden.
Vielleicht klappt das aber sogar, wenn man D&D ein Level Cap verpasst. Sagen wir: Bauerngaming bis zur 2. Stufe, Helden bis zur 5. ? (nicht ernst nehmen, ich alber nur herum)...
Zurück zum Ernst:

Wenn ich Robotech spielen wollen würde, mir das Palladium System zu krude ist, dann schau ich mir halt Heavy Gear oder BESM oder Star Wars (d6 oder Edge of the Empire) an.
Shadowrun mit Cyberpunk 2020 Facelift haben schon etliche gespielt, man könnte auch Shadows of the bEanstalk (Genesys) nehmen.
Die Year Zero Engine finde ich bei Alien echt nett, bei Coriolis, das mir vom Setting extrem gefällt ist es für mich eher "meh". Warum also nicht Star Wars EotE nehmen (oder d6?)...?

Es bleibt für mich das persönliche Fazit: Ich bin überzeugt, dass Rollenspiele wegen dem Setting und nicht wegen der Regeln gekauft und gespielt werden.
Manches spielt man dann sogar "trotz der beiliegenden Regeln". Und warum dann nicht ein passendes Regelkonzept nehmen? Auch wenn das sich nicht ganz so nativ anfühlt ist es wahrscheinlich immer noch besser, als die ganze  Zeit verkrampft zu überlegen, warum sich das grad so blöde anfühlt, wo die Welt doch so schön ist...

Und natürlich darf das jeder anders sehen...  8)
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Olibino am 9.02.2024 | 17:39
Ich habe anpassen angekreuzt.

Ich glaube man muß das grundlegende Regelsystem und das grundlegende Setting schon mögen. Sonst macht es keinen Sinn dieses Spiel zu spielen.

Aber wenn Details stören ...
Z.B. mag ich bei Monster of the Week die negativen Auswirkungen von Glückspunkten nicht, also lasse ich sie einfach weg.
Bei Pasion de las Pasiones habe ich die XP-Vergabe deutlich angepaßt.
Bei Settings kann man sich ja z.B. einen Ort rauspicken den man mag und eine Rasse die man nicht so mag erst einmal weglassen.

Bei Splittermond habe ich aufgegeben. Ich wollte es mögen, aber da hätte man das halbe System anpassen müssen.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: schneeland am 9.02.2024 | 17:58
Grundsätzlich wär' das wieder so ein "kommt drauf an"-Ding, aber ich habe mal "neues Spiel/neue Edition" angekreuzt, weil meine Toleranz diesbezüglich in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist.
Jetzt ist es schon so, dass es immer ein paar Sachen gibt, die mich nerven (die gäbe es vermutlich selbst bei einem Eigenbau), aber wenn ich das Gefühl habe, dass es mehr als eine Handvoll Hausregeln oder die Entfernung von randständigeren Settingelementen geht, ist meine Motivation, das System wirklich an den Spieltisch zu bringen, schon deutlich reduziert. Wenn ich mich auf der Spielerseite befinde, bin ich da ein bisschen entspannter und der soziale Faktor spielt eine größere Rolle, aber der allgemeine Trend ist trotzdem da.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Fezzik am 9.02.2024 | 17:58
Anpassen oder Ausschlachten. Hab Anpassen gewählt weil mur eins ging.
Ich bin ein leidenschaftlicher auf OSR Anpasser. Da gibts so viele Bausteine mit denen man sich das so hinbiegen kann das es passt. Ehrlich gesagt bin ich mittlerweile viel zu faul um mich in neue Regelwerke reinzulesen...
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: 1of3 am 9.02.2024 | 18:10
Ich spiele sie ironisch und nur so nebenbei.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Megavolt am 9.02.2024 | 18:31
Ich spiele sie ironisch und nur so nebenbei.

Da bin ich gar nicht drauf gekommen, das sind tatsächlich zwei vollwertige Optionen. "Augenrollend" könnte man noch aufnehmen.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Jiba am 9.02.2024 | 18:40
Ich passe sowohl Spielregeln als auch Settingelemente an.

(Was soll ich auch sonst machen? Etwa Getimian Exalted in meinen Runden zulassen?!?! Come on...)
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2024 | 18:57
Anpassen oder Ausschlachten -- je nachdem, ob es wirklich mehr ein tolles Spiel mit doofen Elementen oder doch eher ein doofes Spiel mit ein paar tollen Elementen ist. :)
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Weltengeist am 9.02.2024 | 19:10
Ich spiele sie ironisch und nur so nebenbei.

Mag sein, aber trotzdem wirst du dich dazu ja wahrscheinlich zwischen "lassen wie es ist" und "anpassen" entscheiden müssen, oder?

@all:
Bisher stimmt die überwältigende Mehrheit für Anpassen. Wie geht ihr dabei vor?
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: YY am 9.02.2024 | 20:06
Wenn es nicht zu viel Störkram ist, passe ich an.
Andernfalls wird auf ein gefälligeres System gewechselt und das Setting angepasst dorthin portiert.


Meistens habe ich diese Konversionen ziemlich ins Unreine geschrieben oder sogar aus dem Kopf geleitet, von daher habe ich an großen Techniktipps nicht viel zu bieten - also jenseits von: das genutzte Regelwerk so gut beherrschen, dass diese Methode auch funktioniert.

Hier und da bringe ich auch mal etwas zu Papier und ja, das ist immer viel mehr Arbeit, als man anfangs denkt. Aber unterm Strich ist es weniger Arbeit und langfristig weniger nervig, als ständig neuen Kleinkram anzupassen und dann doch wieder zur nächsten Großbaustelle zu tingeln.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Weltengeist am 9.02.2024 | 20:40
Meistens habe ich diese Konversionen ziemlich ins Unreine geschrieben oder sogar aus dem Kopf geleitet, von daher habe ich an großen Techniktipps nicht viel zu bieten

Muss ja auch nichts wahnsinnig Ausgefeiltes sein. Meine eigene Vorgehensweise ist beispielsweise sehr nah an dem, was diogenes oben schreibt: Ich arbeite anfangs eigentlich gar nichts zum Setting aus, sondern entscheide im Laufe der Kampagne, welche Elemente ich verwende und welche nicht. Eine Setzung wird erst dann auch eine Setzung unserer Runde, wenn sie zum ersten Mal im Spiel vorgekommen ist. Bis dahin ist sie nichts anderes als ein Gerücht: "Vielleicht habt ihr solche Geschichten gehört, aber ob die stimmen...?"

Um dabei nicht von meinem eigenen schlechten Gedächtnis betrogen zu werden, schreibe ich Sitzungsberichte - etwa eine Seite pro Stunde Spielzeit. Dann kann ich im Zweifelsfall später nachschlagen, wie wir das Setting gestaltet haben.

Ach ja, ganz wichtig bei dieser Vorgehensweise ist natürlich: Spiel nicht mit Setting-Fanatikern in deren Lieblingssetting. Ja, mach am besten gleich einen großen Bogen um Settings, die dafür bekannt sind, dass manche Leute die Lore perfekt beherrschen und davon ausgehen, dass alle anderen das auch tun (Star Wars, Star Trek, WH40K, Aventurien...). Tatsächlich nehme ich inzwischen am liebsten Settings, die die Spieler noch gar nicht kennen, da kann das "in Band 3 der Krslwnx-Saga steht aber..."-Problem gar nicht erst auftreten...
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Klingenbrecher am 9.02.2024 | 20:57
Antwort 1.

Wir haben Fragged Empire gespielt da wir die Welt/Setting super fanden/finden. Jedoch haben wir es nach ca 6 Sitzungen abgebrochen aufgrund von zuviel Regeln die uns gestört haben.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: aikar am 10.02.2024 | 08:19
Ich habe sonstiges genommen, aber nur, weil ich nicht alles anklicken konnte. Im Grunde genommen, ist es bei mir eine Mischung aus allen gesagte.
Das.
Mal übernehme ich ein Spiel wie es ist, trotz der Macken und bespiele dann z.B. nur die Teile die mir gefallen
Mal wechsle ich das Regelsystem
Mal schlachte ich es als Steinbruch aus

Das einzige was ich eigentlich nie mache ist Teile des Settings umgestalten (höchstens füge ich was dazu oder verwende gewisse Teile einfach nicht, sie existieren aber trotzdem im Setting). Wenn das notwendig ist, zerlege ich es eher gleich komplett und mache was eigenes draus.

Wir haben Fragged Empire gespielt da wir die Welt/Setting super fanden/finden. Jedoch haben wir es nach ca 6 Sitzungen abgebrochen aufgrund von zuviel Regeln die uns gestört haben.
Regeln wechseln war keine Option?
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Blizzard am 10.02.2024 | 08:36
Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Wie macht ihr das?
Und falls ihr zu den Anpassern oder Ausschlachtern gehört: Habt ihr konkrete Techniken, die ihr mit uns teilen wollt?
Ich gehöre zu den Anpassern. Ausschlachten tu' ich schon auch - aber eher selten.
Eine konkrete Technik oder bestimmte Vorgehensweise habe ich bei Elementen, die mich in einem ansonsten "tollen" System stören, nicht.
Für gewöhnlich sind das dann solche Dinge, die mir schon beim 1. Mal Durchlesen als "störend" oder "unpassend" ins Auge springen.

Ich glaube, ich versuche dann als Erstes, diese Dinge einzuordnen und zu differenzieren: Stört mich da nur die Art der Umsetzung oder ein Teilaspekt davon? Oder fällt das in die Kategorie "schlichtweg überflüssig, brauch' ich nicht?"
Wenn mich nur ein Teilaspekt stört, dann überlege ich, wie den so umbauen kann, dass es für mich (zum Spielgefühl und Regeln) passt. Und versuche dabei, möglichst am/beim Originalsystem zu bleiben oder mich daran zu orientieren (bei der "Lösung"). Wenn ich da aber nichts Passendes finde, dann überlege ich mir, wie andere Systeme das umgesetzt haben und ob ich das entsprechend adaptieren kann.
In dem Fall, dass mir etwas als unnötig kompliziert oder überflüssig erscheint, lasse ich diese Dinge meistens einfach weg.

Und wenn ich tatsächlich mit dem Regelsystem als Solchem oder insgesamt unzufrieden bin, dann überlege ich auch, welches alternative Regelsystem ich stattdessen verwenden könnte.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Fezzik am 10.02.2024 | 08:40
Wenn ich mich entschieden habe ein Setting zu bespielen ändere ich in dem Setting in der Regel nichts. Ich passe die Regeln an das System das ich verwenden will an und mach mir da im Vorfeld gedanken wie ich den Effekt erziele den das ursprüngliche System erzeugen will. Z.B. wenn Magie beim zaubern Korruption erzeugt sollte sie das auch wenn ich OSR verwende und dann klau ich mir irgendwo aus der großen OSR Schublade ein Magiesystem das das bedient. So mach ich das mit Völkern und anderen Spezialfähigkeiten, meist gibts was passendes und dann kann ich das ganze entsprechend bespielen ohne mich in was neues reinzuarbeiten und dadurch das ich die Regeln beherrsche hab ich mehr Zeit mich auf das "leiten" zu konzentrieren.
Meist schreib ich das als Blattsammlung runter, damit ich nachschauen kann.
Beim spielen versuch ich spontane Settingänderungen die sich aus dem Spiel ergeben kontinuierlichen zu notieren, damit ich sie nicht vergesse.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 10.02.2024 | 08:45
Ich gehöre zu den Anpassern. Ausschlachten tu' ich schon auch - aber eher selten.
Eine konkrete Technik oder bestimmte Vorgehensweise habe ich bei Elementen, die mich in einem ansonsten "tollen" System stören, nicht.
Für gewöhnlich sind das dann solche Dinge, die mir schon beim 1. Mal Durchlesen als "störend" oder "unpassend" ins Auge springen.

Ich glaube, ich versuche dann als Erstes, diese Dinge einzuordnen und zu differenzieren: Stört mich da nur die Art der Umsetzung oder ein Teilaspekt davon? Oder fällt das in die Kategorie "schlichtweg überflüssig, brauch' ich nicht?"
Wenn mich nur ein Teilaspekt stört, dann überlege ich, wie den so umbauen kann, dass es für mich (zum Spielgefühl und Regeln) passt. Und versuche dabei, möglichst am/beim Originalsystem zu bleiben oder mich daran zu orientieren (bei der "Lösung"). Wenn ich da aber nichts Passendes finde, dann überlege ich mir, wie andere Systeme das umgesetzt haben und ob ich das entsprechend adaptieren kann.
In dem Fall, dass mir etwas als unnötig kompliziert oder überflüssig erscheint, lasse ich diese Dinge meistens einfach weg.

Und wenn ich tatsächlich mit dem Regelsystem als Solchem oder insgesamt unzufrieden bin, dann überlege ich auch, welches alternative Regelsystem ich stattdessen verwenden könnte.

Sehr treffend beschrieben, so gehe ich auch vor :d
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Olibino am 10.02.2024 | 08:50
Ach ja, ganz wichtig bei dieser Vorgehensweise ist natürlich: Spiel nicht mit Setting-Fanatikern in deren Lieblingssetting. Ja, mach am besten gleich einen großen Bogen um Settings, die dafür bekannt sind, dass manche Leute die Lore perfekt beherrschen und davon ausgehen, dass alle anderen das auch tun (Star Wars, Star Trek, WH40K, Aventurien...). Tatsächlich nehme ich inzwischen am liebsten Settings, die die Spieler noch gar nicht kennen, da kann das "in Band 3 der Krslwnx-Saga steht aber..."-Problem gar nicht erst auftreten...
Ich habe schon öfter erlebt, dass ein SL schon gleich in der Ausschreibung geschrieben hat, dass die Kampagne in einem bestimmten Setting spielt, es aber deutliche Abweichungen von dem Kanon gibt. Wäre auch eine Möglichkeit.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: 1of3 am 10.02.2024 | 11:57
Mag sein, aber trotzdem wirst du dich dazu ja wahrscheinlich zwischen "lassen wie es ist" und "anpassen" entscheiden müssen, oder?

Es ist definitiv ein "Lassen wie es ist". Für einen Abend kann man fast alles spielen. Außer eben Spiele, die sich so furchtbar ernst nehmen.

Ach ja, ganz wichtig bei dieser Vorgehensweise ist natürlich: Spiel nicht mit Setting-Fanatikern in deren Lieblingssetting. Ja, mach am besten gleich einen großen Bogen um Settings, die dafür bekannt sind, dass manche Leute die Lore perfekt beherrschen und davon ausgehen, dass alle anderen das auch tun (Star Wars, Star Trek, WH40K, Aventurien...).

Star Trek nur zwischen 2380 und 2440. ;)

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Herr Moin am 10.02.2024 | 12:40
Was Regeln angeht: Da gab es immer schon die eine oder andere Hausregel, die man eingeführt oder von bereits existierenden Runden übernommen hat. Das waren aber immer bloß Kleinigkeiten, die im Gesamtbild wenig ins Gewicht fielen.

Inhaltlich habe ich die eierlegenden Orks in Harn Master geretconned, weil ich das zu albern fand.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Klingenbrecher am 10.02.2024 | 12:52
Regeln wechseln war keine Option?

Regeln und Setting sind sehr stark verzahnt. Wenn einem die Regeln nicht gefallen dann liegt leider kein leichtes Problem vor.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 10.02.2024 | 14:50
ich bin ja ein bekennender Anpasser, daher ist es für mich "leicht"

quasi liegt die laufende Kettensäge immer griffbereit auf dem Tisch, um mal was hinter abzusägen...

ich spiele aber auch nicht mit Lorefanatikern

@Technik
ich habe gute Erfahrungen mit "geteilten" Erzählrechten gemacht.
Meine Spieler sagen also an, dass sie in der Stadt in den XYZ gehen (Beispiel, die Rittersfrau will zum Rondraschrein/Tempel).
Ich schlage dann nicht nach, ob das dort lorekonform für dieses Nest/Stadt/Gareth höchstselbt ist, sondern gewähre das einfach so.
es ist ja immerhin ein Spielerinteresse dahinter  ;), an das ich anbinden kann (ich bin ja auch ein Freund der Sandbox)

- der Schrein/Tempel kann ja auch wenig besucht/vernächlässigt sein

- wenn ich es für sehr unpassend halte, fordere ich als Kompensation Gummibärenpunkte. Die werden dann in der Runde gemeinschaftlich taxiert (und gegessen  ;D ),
 so bemerkt der Spieler der Rittersfrau, wie unpassend HIER der Rondraschrein währe, aber wenn darauf bestanden wird...

- passt alles wie Faust aufs Auge, dann haben alle ihren Spaß.

und wenn alle ihren Spaß haben, mag die Hexe Lore-ley einsam auf ihren Felsen heulen, unbeirrt eilt das Narrenschiff weiter nach Naragonien  ~;D


Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Dr. Evil am 10.02.2024 | 18:05
Da bin ich nicht unbedingt der Anpasser. Im Normalfall haben sich die Entwickler etwas bei ihrem Mechanismus gedacht und da möchte ich ungerne anfangen rumzuschrauben. Hier hat sich schon des öfteren im laufe von Spielabenden die Intention der Macher "offenbart".

Wenn es aber wirklich nicht hilft und alle nur noch genervt sind - ausschlachten und mit anderem System spielen.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: flaschengeist am 10.02.2024 | 18:23
Ich passe an, was nicht gefällt. Das Erschaffen von DuoDecem hat mich auch (noch) toleranter gegenüber Elementen anderer Systeme gemacht, die meinen Geschmack verfehlen. Oft haben die in der Wechselwirkung mit anderen Systemelementen durchaus ihren Sinn und viele Dinge lassen sich ohnehin nicht optimal lösen, weil es oft Dilemmata gibt, bei denen Systemdesigner einen Tod sterben müssen (auf der Makroebene ist das klassische Beispiel für mich die Skala Einfachheit versus Differenzierungsfähigkeit aka "Spieltiefe").
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Nebelwanderer am 10.02.2024 | 21:09
Also, ich habe sehr vieles ausprobiert aber früher oder Später bleibe ich eh wieder an Pathfinder 1 und Shadowrun hängen.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Trollkongen am 8.03.2024 | 01:24
Ein bisschen spät zur Party, aber was soll's:

Ich bin auch ein "Anpasser". Wobei das heißt, dass mir das grundsätzlich natürlich gefallen muss - aber das setzt der Thread ja voraus.

Wie ich das mache?

Imperium Maledictum (die neue Variante von Warhammer 40K auf W100) ist da nun ein Beispiel. Grundsätzlich gefällt mir der Ansatz, aber zwei, drei Elemente stören mich sehr, z. B. wie die Designer die Skills verregelt haben. Da schaue ich nun also, wie ich meine Wünsche reinkriege, so dass es generell aber passt, es also nicht das gesamte Regelwerk sprengt.

Bei anderen System ähnlich. D&D5-Rast, bei der man voll heilt? Nope! Also irgendwas ausgedacht, in dem Fall etwas auf Basis der Trefferwürfel, die man ja eh hat.

Etc. pp.

Klar, nicht selten sind die Änderungen nicht ungravierend - bei D&D5 macht es ja eine Menge aus, wie viel HP man hat -, das muss man mitdenken.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Eismann am 8.03.2024 | 01:26
Ich neige früher oder später zu "selber machen, mit Blackjack und Nutten".
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Radulf St. Germain am 8.03.2024 | 08:30
Ich passe an (meistens im Sinne von "ich lass weg"*) aber manchmal ist es auch nett, das neue auszuprobieren und zu sehen, ob es nicht doch funktioniert.

* Klassische Beispiele: Encumberance, Fallschaden, Regeln für Grappling.
Titel: Re: Tolles Spiel mit doofen Elementen - Was tun?
Beitrag von: Grubentroll am 8.03.2024 | 08:57
Puh, DAS kenne ich so gut.

Meistens spiele ich es dann einfach nicht.
Und oft kaufe ich es auch einfach nicht. Heutzutage hat man ja die Chance einen schon relativ guten Einblick in Regeln und Setting zu kriegen.

Mein Hauptbeispiel ist da so ein bisschen Shadow of the Demon Lord. Die Welt gefällt mir an sich so saugut, aber da gibt's so ein paar Ecken (die Steampunk-Elemente vs der Rest) die mir nicht in den Kopf wollen, bzw sich einfach nicht in meinem Kopf stimmig zusammenfügen.

Mich da hinzusetzen und das irgendwie zusammenzuklamüsern damit es mich nicht aufregt ist nicht meins.