- Kapitel IX –
- Der Feind meines Feindes -
„Ihr wollt doch sicherlich Rache“
Schweigend setzt ihr euren Weg fort, durch den Wald welcher euch fest im Griff hat. So viele Rätsel, so viele Fragen und kaum Antworten. Anstatt einen Ausweg zu finden verstrickt ihr euch immer mehr in die Belange seiner Bewohner.
Das ihr den Einflussbereich des Braskelwurms erreicht habt bemerkt ihr als die erste versteinerte Gestallt eines Menschen vor euch auftaucht. Den Schwertarm erhoben, das Schild vor sich gehalten steht dort auf einem Moosüberwucherten Stein eine Statue die lebensechter nicht sein könnte. Der Bildhauer welcher solche Ebenbilder schaffen könnte wäre eine wahrer Meister seiner Zunft. Doch ihr wisst es besser, kein Mensch, Zwerg oder Elf ist für diese Arbeit verantwortlich, sondern ein verschlagenes und tödliches Monster.
Die Bäume lichten sich leicht und ihr könnt eine Niederung erkennen, welche an einer Höhle endet. Überall auf dem Weg vom Rand der Niederung bis zum Höhleneingang, welcher nicht besonders hoch oder breit ist, stehen stumm und still steinerne Abbildungen von den Unglücklichen die hierhergekommen sind und Opfer des Wurms wurden. Manche dieser armen Seelen sind so mit Moos und Ranken überwuchert das man kaum noch erkennen kann das es einst Lebewesen waren. Erst wenn man genau hinschaut erkennt man einen Arm, ein Bein oder eine knieende Gestalt, die Augen im Tode weißt aufgerissen.
Der Höhleneingang ist vielleicht vier Fuß hoch und zwei Fuß breit, so dass ein Wurm sich gerade so durchquetschen kann, eine Kriegerin in Rüstung hätte damit aber ihre Probleme, jedenfalls wenn sich der Gang hinter der Öffnung nicht erweitert. Gebückt und auf beiden Seiten begrenzt wird es schwerfallen ein Schwert zu schwingen oder gar einen Schild zu führen.
Aino blickt in die milchig weißen Augen des Braskelwurms kann aber keine Regung in ihnen erkennen. Die Augen, das Wesen, sein Gesicht die Mimik, es ist alles zu fremdartig. Vielleicht wenn man die Tiere studieren würde, dann könnte man hinter ihre Fassade blicken. Die vielen Steinstatuen im Dickicht um euch herum belegen, dass das kein wirklich einfaches Unterfangen werden würde und schon gar nicht hier im Wald.
Schon beim ersten Aufheben und schwingen bemerkt die Kriegerin wie leicht das Schwert für seine Größe ist. Selbst die Axt aus Torsilber wirkt dagegen schwer. Mit einem feinen sirren fährt die Klinge durch die Luft und es wirkt so als könnte ihrer Schneide nichts widerstehen. Nicht einmal die Schuppen eines Drachen. Die Klinge selbst ist scharf wie am ersten Tag, kein Anzeichen dafür dass sie jemals in einem Kampf geführt wurde, doch das mag an dem Metall liegen aus dem sie gefertigt ist.
„Mein Volk hat gegen die Würmer des Nordens gekämpft…“ sagt Emangisura leise zu Aino „…glaubt mir, so einen Wurm zu erschlagen verlangt mehr als eine gute Waffe. Sie mag helfen, aber unterschätzt nicht die Bestie, ihr Maul ist so lang wie euer Oberkörper und jeder seiner Zähne ein Dolch der euch mühelos durchbohren könnte!“
Ohne noch ein paar Worte auszutauschen wendet ihr euch ab, lasst den Braskelwurm hinter euch und folgt dem Pfad den der Wald für euch freigibt.
Zurück zum Lindwurm.
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