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:T: Koops => Unknown Armies => Thema gestartet von: Transmission King am 20.02.2005 | 17:20
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Ich habe mich schon einige Male mit Wjassala darüber unterhalten ob ein Szenario UA und der Zweite Weltkrieg möglich wäre ?
Die Meinung die sich da rauskristallisiert hat war immer : In Amerika möglich in Deutschland undenkbar .Begründung : Innerhalb kürzester Zeit würden alle sagen "UA das ist das Rollenspiel mit den Nazis" , alles andere würde verblassen.
Ich mag da immer noch nicht so ganz dran glauben ,und frage mich nach wie vor ,ob das nicht doch umsetztbar ist und man ein schönes Abenteuerheftchen mit UA-Drittes Reich rausbringen könnte .
Was denkt ihr darüber ? Tatsächlich zu "heiß" ? Hättet ihr überhaupt Bock so ein Szenario zu spielen oder findet ihr das geschmacklos ?
Vielleicht erklär ich mal warum ich das gerne spielen würde : Das ganze Dritte Reich ist voll mit schweren Symbolen vom Hakenkreuz über den Judenstern und den Rosa Winkel bis zu den Werwölfen ist alles dabei . Man hätte also einiges an Auswahl . Unter den Symbolen könnte man z.b. magische Schulen fassen , die ihre Stärken aus unterschiedlichen Ritualen etc. ziehen. Die Symbole liessen sich sicherlich aber auch anders verwursten ....die Magieschulen sind nur das erste was mir einfällt .Hitler ist als Avatar des Vollstreckers kaum zu toppen und bietet so ziemlich alles was man sich schon immer so unter einem übermächtigen Feind vorgestellt hat : Wahnsinn und Genialität liegen bei ihm ziemlich dicht beieinander. Er ist unkalkulierbar. Hat seine Hände überall mit im Spiel , seine Spitzel sind überall u.s.w.
Insgesamt passt die ganze düstere Atmosphäre einfach 1A zu UA und mir würde es einfach Gänsehaut und Spass bereiten
das wars in kürze von mir
greetz TMK
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Ich kenne UA zwar nicht wirklich, aber denke, daß es als Spiel über Verschwörungen etc. durchaus gut in das Dritte Reich paßt. Ich kann mir auch vorstellen, eine Cthulhu-Runde mit Nazi-Charakteren im Dritten Reich zu gestalten.
Warum sollte das falsch sein?
Walter Moers hat ja auch mit "Äch bin wieder da" einen großen Erfolg gehabt.
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@TMK: Kurz und bündig, Ja. Ich würde mitmachen, ich würde sowas auch spielen. Hab keine Probleme damit. Immerhin kann ich auch ohne schlechtes Gewissen Godlike oder Weird Wars spielen.
Für meine Cthulhu Runde hab ich mir ähnlich wie Ludovico Gedanken gemacht für Abenteuer die im 2. Weltkrieg spielen. Als Inspiration dient da u. a. der Roman Hex von Kai Meyer.
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Ich dachte bei mir schon an solche Sachen wie Vaterland.
Ich hätte auch kein Problem mit Charakteren, die vollwertige Mitglieder der Partei sind.
Immerhin ist das nur ein Spiel und nicht die Realität und so lange ich weiß, daß die Spieler nicht auch selber hinter dieser schwachsinnigen Ideologie stehen, finde ich die Idee, ein Abenteuer mit Nazi-Charakteren zu leiten durchaus interessant.
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Ich sehe kein "geschmackliches" Problem mit UA-WW2.
Das einzige "Problem" wäre das der Postmoderne Gedanke/Stil von UA IMO nicht wirklich in die Zeit passt. Da wäre IMO etwas das sich an etwas zeitgemäßerem Okkultismus/Mystizismus anlehnt eher was.
M
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Ich haette auch kein Problem mit einem solchen Setting und ehrlich gesagt, es bietet sich geradezu an Stalingrad zu einem Ausloeser zu machen, oder die Leningrad-Belagerung oder die Bombennaechte oder ...
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Ich kann mir schon vorstellen, ein WWII-Abenteuer zu machen. Es kommt eben sehr auf die Mitspielenden an. Wenn im Zentrum der Kampagne "Macht und Verantwortung" steht, und nicht "boah, die krasse Faschoästhetik", dann wäre das sicher interessant.
Ich würde mich dann wohl eher an Pynchon's "Enden der Parabel" und "V." orientieren...
Aber Monkey in the pants hat schon recht, eigentlich kommt der spezielle Charme von UA in dem Setting nicht so rüber. Mir hat eigentlich immer gefallen, dass die Bedrohung nicht aus weltumspannenden Katastrophen herrührt, sondern aus der Nachbarschaft kommt...von ganz normalen Leuten. Das war bei den Nazis zwar auch so, aber das heisst wohl, dass ich nicht so gern auf internationaler Ebene spielen würde, und auch Ideen über "die okkulte Verschwörung hinter der NSDAP" aussen vor lassen würde, sondern den Spielenden kleine, fiese Alltagssituationen vorsetzen würde. Die Frage wäre dann: "Was kannst du ändern?".
Na, und dann kann man ja auch gleich Godlike spielen...
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Wenn man allerdings noch ein paar Jahre zurueckgeht, in die Zwanziger, dann kann man IMHO ein Setting in das man UA fast 1:1 uebernehmen kann. Postmoderne, die Bedrohung von nebenan ...
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Hm , ich denke das es für UA in Deutschland als solches zu riskant wäre, das ist kein Thema, das ein Rollenspiel aufgreifen sollte, das sich in einem Land noch profilieren muss.
Ansonsten muss ich sagen, das ich sehr gern Szenarien im zweiten WK spiele, und Weird Wars II ist eines meiner Lieblingssysteme.
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Als offzielles Quellenbuch für UA würd ich mich auch hüten...Einmal wegen der Kontroverse, dann aber auch, weil es aus oben schon genannten Gründen einen falschen Eindruck vom Spiel vermittelt, es passt für meine Begriffe nicht so in die Thematik. Was allerdings ganz im Sinne eines postmodernen deutschen Settings wäre, wären Neonazis, die glauben, über irgendwelche "nordische" Magie zu verfügen, die dann aus ganz anderen Gründen wirksam wird. Das in irgendeinem abgefuckten brandenburgischen Dorf inklusive Abhängen vor der Tanke und Kampfhundspass-das geht mir mehr unter die Haut und passt in mein UA-Bild viel besser.
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Ich würd das Setting nicht spielen. Dafür hat mein Grossvater mir einfach zu viele Geschichten aus seiner Zeit im KZ erzählt. Ich glaube, die nächste Generation wird das mit mehr Abstand betrachten. Für mich ist das nocht zu greifbar, um es nachzuspielen.
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Ist ja interessant , dass soviele leute lust zu einem solchen szenario hätten . ich hatte ehrlich gesagt gedacht , dass sofort alle aufschreien würden : WAAAAAASSS????
ich bin also nicht der einzige der auf die zeit und die möglichkeiten die diese liefert abfährt .
gerade deshalb ist es natürlich umso mehr deprimierend , dass man offiziel sowas nie in einem verlag rausbringen könnte . dabei gebe es so viele nette möglichkeiten und echt coole kampangen die man spielen könnte . ganze regelwerke könnte man damit füllen. großartig !
Die idee mit dem neo-nazi tum finde ich aber auch nicht übel ...ist natürlich ganz anders düster als WW2 aber da liesse sich mit sicherheit auch was draus machen .
ansonsten muss ich doch mal Godlike spielen . Vielleicht komme ich da mehr auf meine kosten .
TMK
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Für mich ist das nocht zu greifbar, um es nachzuspielen.
Verständlicherweise.
Vielleicht ist das meine sozialdemokratische Erziehung, aber ich frage mich beim Nachdenken über das Setting schon, was Leute dazu sagen würde, deren Verwandte von Nazis umgebracht wurden. Und ich Wohlstandskind finde das jetzt geil, irgendwelche moralischen Issues darüber durchzuspielen.
Obwohl, kann man natürlich auch sofort sagen: Ob ich jetzt UA im 2.Weltkrieg spiele oder nicht, hilft auch keinem. Ist doch schon wieder super-bürgerlich-doof, da jetzt den Pietätvollen raushängen zu lassen. Das entführte, vergewaltigte und an seiner eigenen Kotze erstickte Mädchen aus "Bill in der 3.Person" kannst du bringen, aber Menschen in Viehwaggons nicht?
Oder anders: Wenn man Rollenspiel als sowas wie eine Kunstform ernst nimmt, warum sich nicht auch mit schwierigen Themen befassen? Man darf/muss? ja auch Literatur und Filme über den Holocaust produzieren.Und was soll das überhaupt mit den Leuten, deren Verwandte umgebracht wurden. Gucken die mir über die Schulter, oder was? Interessiert die das überhaupt? Ist es nicht total panne, das Verhalten am Spieltisch vor dem Menschheitsgericht zu sehen? Wo kommt denn dieser Reflex her, der objektiv betrachtet keinem was bringt?
Vielleicht muss ichs einfach mal machen, um hinterher sagen zu können, wie ich dazu stehe.
Ich schreie halt nicht sofort auf, weil ich die Argumente, man könne "sowas" ja wohl nicht machen, auch immer recht zweifelhaft finde. Aber ich schreie auch nicht "juhu". Vielleicht ist so eine Position zwischen den Stühlen die einzige, aus der heraus ich so ein Abenteuer machen könnte...und hoffen würde, dass sich das auf die Spielenden überträgt.
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Ich denke, ob das gespielt werden kann oder nicht sollte jeder für sich selbst entscheiden. Wenn jemand (wie Dr. Sylvia) sagt, nein, er möchte nicht, dann sollte man es lassen. Wenn die Gruppe sich dieser Sache aber stellen will, warum nicht? Solange das nicht in Faschoästhetik (schöner Begriff) ausartet oder irgendwo stattfindet, wo es zu Mißverständnissen kommen könnte, wäre ich auch dabei. Ich würde aber keinen hartgesottenen Nazi spielen wollen... dann schon lieber einen feigen Systemkritiker.
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Ich seh das im Prinzip genauso , die Gruppe entscheidet .
Und aus der " Naziperspektive " würde ich ( zunächst) auch nicht spielen wollen. Dann doch lieber einen Widerstandskämpfer .
Beim Nazis spielen käme ich mir dann glaub ich doch ein "merkwürdig" vor . Nee ich galub das könnte ich nicht . Obwohls natürlich ein bißchen gemein ist diese Rollen dann automatisch dem Spielleiter rüberzuschieben, der fühlt sich ja möglicherweise auch nicht wohl damit .
TMK
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Der SL ist ja nicht gezwungen, ein Abenteuer im 2.Weltkrieg zu leiten. Wenn er keine Nazis spielen mag, kann er einfach ein anderes Setting wählen. Insofern sehe ich nichts unfaires daran. Hey, ich hab auch schon Nazis geleitet. Und Mörder. Und Vergewaltiger. Aber spielen würde ich das alles nicht wollen... ;)
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Ich leite ja eigentlich nie ....
Deshalb war mir nicht bewusst , dass da anscheinend ein so grosser Unterschied besteht .
dann muss ich mir ja keine Sorgen mehr machen und kann die Aufgabe getrost an Wjassula abgeben , falls er denn irgendwann Lust dazu haben sollte