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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Rollenspiel- & Weltenbau => Thema gestartet von: Scriptorus am 8.09.2006 | 10:08
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Guten Morgen miteinander,
Vorweg: Es ist keine neue Idee, aber eine bewährte. Bei der Charaktererschaffung setzt man Tugenden und "Nicht-Tugenden" gegeneinander und lässt Spieler die Gewichtungen wählen, mit dann spielrelevanten Konsequenzen.
Also z.B.:
Geiz vs. Großzügigkeit
Friedlich vs. Gewalttätig
Dazu zwei Fragen:
Welche Begriffe für das Umschreiben wären eurer geschätzten Meinung nach angemessen? Ängste, Tugenden? Weiße / Dunkle Seite?
Und welche Gegensätze wären wirklich relevant und aussagekräftig? Es sollen ja nicht dutzende, sondern einige markante sein...(modernes Setting, aber auch geschichtsbezogen...also auch die klassische "Ehre" ist ok)
Hhm...bin ja gespannt auf eure Einfälle, ihr Rollenspieler ihr! HA! ~;D
Grüße, scrip
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Welche Gegensätze aussagekräftig sind, hängt davon ab, um was sich dein Spiel drehen soll. Soll der Kampf Gut vs. Böse im Vordergrund stehen? Der Konflikt der Charaktere mit dem Gesetz? Zwischenmenschliche Beziehungen?
In einem Rollenspiel wie D&D kommt es sicherlich nicht auf "Zärtlichkeit vs. Grobheit" an. Wenn du dagegen ein Kabale-und-Liebe-Rollenspiel machen willst, könnte das nicht unwichtig sein.
Dom
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Welche Begriffe für das Umschreiben wären eurer geschätzten Meinung nach angemessen? Ängste, Tugenden? Weiße / Dunkle Seite?
Ich wuerde empfehlen, die beiden Endpunkte grundsaetzlich positiv zu benennen - anderfalls gibt man immer eine Vorgabe, was gewaehlt werden "sollte". Dann empfiehlt sich als Begriff etwas moeglichst neutrales: Eigenheiten, Merkmale, Ausrichtungen...
Und welche Gegensätze wären wirklich relevant und aussagekräftig? Es sollen ja nicht dutzende, sondern einige markante sein...(modernes Setting, aber auch geschichtsbezogen...also auch die klassische "Ehre" ist ok)
Das haengt, wie Dom inzwischen schon geschrieben hat, sehr stark von der Ausrichtung des Spiels ab. Geht es viel um den Einsatz koerperlicher Faehigkeiten, sollten ein paar Paare diese differenzieren, spielt die Handlung sich komplett im unkoerperlichen Raum ab, geht es ohne (oder mit einem Paar, das Ausdauer regelt) auch ganz gut. Dafuer braucht so eine Thematik dann vielleicht eine exaktere Unterteilung als nur in "Buecherschlau - Bauernschlau"...
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Ich würd mir eventuelll überlegen, ob nicht eine Eigenschaft reicht, also ohne den Gegensatz noch dazu zu schreiben. Ich meine, wenn jemand sich aufschreibt, dass er geizig ist, dann kann er das so ausspielen, wie er das will. Ich hätte als Spieler wahrscheinlich ein Problem mit der Übersichtlichkeit, wenn ich immer schauen müsste, wie die Eigenschaften jetzt nochmal genau gewichtet sind. Da find ich eine kurze, prägnante Beschreibung einfacher zu handhaben.
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erstmal ein paar Gegenfragen ;D
Gibt es denn in Deinem System auch noch die "herkömmlichen" Attribute/Eigenschaftswerte/etc. oder sind diese Gegensatzpaare das einzige beschreibende Element?
Welchen Flair soll das Spiel denn haben? Gibt es vielleicht etwas in der Hintergrundwelt (z.B. etwas Mythologischen) an dem man die Gegensätz ausrichten könnte?
Wie soll sich die Gewichtung denn auswirken? Modi auf andere Werte oder Boni/Mali bei Erfüllung oder Nicht-Einhaltung, oder eine reine Vorgabe für das Charakterspiel?
orcus
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Ja, es gibt auch herkömmliche Attribute und auch Talente. Diese sind aber getennt von diesen Einstellungen.
Das primäre Stimmungsbild ist düster / magisch. Mythologie und Realität stehen gegeneinander, wie auch ein fast metaphorisierender rKampf zwischen Gut/Böse, Schwarz/Weiß.
Die Charaktere sind in ihrer Entwicklung zwischen diesen Polen zerrissen und entscheiden fast ausschließlich selbst, in welche Richtung sie tendieren...
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Ich verwende in meinem neues System ICOS Tugenden und Triebe. Der Spieler wählt bei der Charaktererschaffung eine Tugend und einen Trieb für seinen Charakter aus. Während dem Spiel regenerieren die SCs ihre Schicksalspunkte, wenn sie etwas für Ihre Tugend opfern oder sich rücksichtslos dem Trieb hingeben.
Frag mich jetzt nicht, wo ich mich dafür hab inspirieren lassen ;) (war das bei Shadow of Yesterday mit Vice and Virtue?)
Auf jeden Fall verwende ich dafür folgende Liste an Paaren:
Bescheidenheit - Stolz
Mitleid - Habgier
Tapferkeit - Feigheit
Ehrlichkeit - Täuschung
Aufopferung - Völlerei
Gerechtigkeit - Rache
Ehre - Hinterhältigkeit
Geistlichkeit - Trägheit
Basiert sehr stark auf den Tugenden aus Ultima IV und den klassischen Todsünden (bekannt aus dem Film Seven).
Vielleicht hilft Dir das ja weiter?
orcus
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Spannend... Manche Paare verstehe ich gar nicht, und ich haette die Paare
Bescheidenheit - Stolz
Mitleid - Habgier
einander umgekehrt zugewiesen: Bescheidene Menschen leben auch gut, wenn sie wenig haben; es ist Gier, die immer mehr braucht. Dagegen ist Stolz der (andere uebersehende) Blick auf sich selbst, Mitleid der (mitfühlende) Blick auf den anderen... Vielleicht aber auch nur eine Frage des Sprachgebrauchs...
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@Merlin:
Sehr gute Argumente! Vielleicht drehe ich die Zuordnung wirklich um. Die Liste ist auch noch der erste Entwurf und hat sicherlich noch nicht Hand und Fuß.
Mir war jetzt im ersten Schritt am wichtigsten, dass ich die 8 "Virtues" von Ultima IV unterbringe: http://en.wikipedia.org/wiki/Virtues_of_Ultima (http://en.wikipedia.org/wiki/Virtues_of_Ultima)
Mit Sicherheit ist eine genaue Erklärung der Tugenden und Triebe notwendig um Mißverständnisse durch unterschiedlichen Sprachgebrauch vorzubeugen.
Vielleicht mache ich dann hier im Channel mal einen Thread auf, wenn ich soweit bin.
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@scriptorus
Warum nimmst du nicht einfach die 4 Kardinaltugenden Klugheit (Weisheit), Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung?
@orcus
Der Gegensatz zu Völlerei ist übrigens die Tugend der Mäßigung.
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@Orcus: Danke fuer den Link, das muss ich irgendwann mal in Ruhe durchlesen... Ich baue auch an einem System, das mit Gegensatzpaaren arbeitet, insofern bin ich immer neugierig auf Gedanken zu dem Thema.
Vielleicht mache ich dann hier im Channel mal einen Thread auf, wenn ich soweit bin.
Au ja, mach das!
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Auch folgende Kombinationen wären denkbar:
Bescheidenheit (Mäßigung) - Völlerei
Mitleid - Stolz
Aufopferung - Habgier
...
Cool, das gefällt mir sogar besser als vorher! Danke an Euch, Merlin und Ein :)
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Ich würde Stolz eher Einsicht gegenüberstellen.
Mitleid dann gegenüber Gleichgültigkeit.
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Ich würde Stolz eher Einsicht gegenüberstellen.
Das Gegenteil von Einsicht ist in meinem Sprachgebrauch allerdings der Irrtum. Und Stolz kann ja durchaus berechtigt und gut begründet sein.
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Einsicht und Gleichgültigkeit kommen (nach meiner Interpretation) schon in Geistlichkeit und Trägheit vor.
Es gibt sicherlich ne Menge Kombinationsmöglichkeiten und natürlich auch viele Ausdrücke für ähnliche Prinzipien.
Ich mach mich mal langsam an die Beschreibung der Tugenden und Triebe. Dann gibts auch nen eigenen Thread dazu ;D
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@ orcus:
Ja, vielen Dank. Diese Paare, und auch die Namensgebung "Tugend" und "Trieb", entsprechen ziemlich genau dem was ich suche. Die Paare klingen ziemlich interessant und haben auch Anwendungsbereich im Spiel. Ja gut, die exakte Stellung lässt sich variieren, aber im Ganzen klingt das doch sehr gut. Danke dafür!
Die verlinkte Seite zur wiki ist auch sehr informativ...einige der Inhalte könnten/sollten/müssten/werden ein wenig geklaut werden... >;D
Grüße, scrip
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@scriptorus:
Hey! Freut mich, dass Du damit was anfangen konntest.
Wenn wir beide das etwas weiter durchdacht haben, können wir uns gerne nochmal darüber austauschen :d
Fröhliches Basteln noch!
orcus
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Ja, danke für deine Zeit! Ich werde auf jeden Fall daran weiter basteln. Wenns fertig ist, werde ich es vor :ctlu: und >;D um jeden Preis schützen und dir zeigen ~;D
scriptorus