Wendungen und Wirrungen
Ein Abenteuer-Spielbericht der Betabande
Dramatis Personae
~ Spielercharaktere ~
Esto (waldelfischer Drescher, ehemaliger Zisternenwächter in Baerenburg)
Franz Kreuzberg (menschlicher Gesegneter, ehemals Mönch, danach Lumpenpfaffe)
Karl-Heinz Wunderlich (menschlicher Hexer, Werdegang: Hexerlehrling)
Tholas (elfischer Aschestreuner, arbeitete vornehmlich als Aschereiter)
Hagen Heilehand (menschlicher Medikus, ehemals Leibflicker)
~ Wichtige Nicht-Spielercharaktere ~
Manfred von Wirrungen – rechtmäßiger Vormund des geistesgestörten Erben von Braunau (Walter von Wirrungen)
Herbert von Wirrungen – Walters Onkel, der derzeitige Freiherr von Braunau, welcher hinterhältiges Spiel treibt
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Worum es geht
Hier (http://tanelorn.net/index.php/topic,33665.0.html)wird ausführlich geschildert, wie es zu allem kam, ansonsten eine kurze Zusammenfassung:
Walter von Wirrungen, der geistesgestörte Erbe von Braunau, ist wieder in den "Fängen" seines Onkels Herbert, welcher in den letzten Wochen wiederholt versucht hat, seinen Neffen umzubringen. Jetzt gab es etwas Trara und Herbert von Wirrungen, übrigens der BösewichtTM unserer Geschichte, muss etwas vorsichtig sein und Gras über die Sache wachsen lassen, bevor er seinen Neffen Walter "aus Versehen" einen neuen Unfall erleiden lassen kann.
Die Spielercharaktere, welche im Laufe der letzten Wochen eine gewisse Verantwortung für das sabbernde Riesenbaby Walter entwickelt haben,wollen nun, nachdem ihnen Walter entglitten und wieder bei seinem fiesen Onkel in Braunau weilt, schleunigst nach Geizig im Kurfürstentum Saxen, um dort einen gewissen Manfred von Wirrungen aufzusuchen.
Dieser Manfred ist nämlich - rein der Erblinie nach - Walters Vormund, nicht, wie man bislang annahm, der pöse Herbert (weshalb man auch erst lange Zeit Herberts Mordabsichten Walter gegenüber nicht nachvollziehen konnte).
Würde Walter heute sterben, ginge Braunau weiter an Herbert (wie so das so verworren ist bei den von Wirrungens entnehme man der Vorgeschite oder schlucke es), nicht an Manfred. Solange aber Walter noch lebt, hat Manfred eigentlich die Vormundschaft über den geisteskranken Erben und somit auch die Macht über Braunau.
Kurz: Um Walter vor dem bösen Herbert zu retten und selbigen kräftig in den Arsch zu treten, will man nun zu diesem Manfred reisen und ihn für die eigene Sache gewinnen.
Zusatzinfo: Wie vielleicht jmd. aufgefallen ist, befindet sich nicht der "Mönch" Gustav auf der Darstellerliste. Warum? Nun. der Spieler von "Mönch" Gustav Dreckstecken konnte an diesem Spieltag nicht anwesend sein, was jedoch gut ins Konzept passte, da Gustav - eigentlich ein Ersatzcharakter für den gefallenen Totengräber Matze (siehe Engel des Todes (http://tanelorn.net/index.php/topic,32713.0.html)) - mit dieser ganzen Walterstory nicht fiel am Hut hatte, also sowieso in Baerenburg bleiben würde und eh durch einen anderen Charakter ersetzt werden sollte.
Nun denn...
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Laut polternd schoß die dunkle Kutsche über die matschige, verschlegnete Pfahlstraße und zerriss mit ihrem rumpelndem Lärm die Stille des wolkenverhangenen, kalten Vormittags.
Mit ratternden Rädern fegte das Gefährt den gewundenen Weg entlang, dabei graue Schlegenpfützen zerschneidend, welche in hohen Fontänen zu beiden Seiten aufspritzten. Die vier schnaubenden, schwitzenden Rösser rissen mit wirbelnden Hufen ihre schwere Last, während über ihnen die Peitsche der Kutscher knallend die Luft zerfetzte.
Die Kutsche donnerte schwankend vorbei an kahlen, staubverschmierten Landstrichen, verlassenen Gehöften und brachliegenden Feldern, immer wieder unterbrochen von spitzen, nadelartigen, verschwommenen Waldwänden, die am Wegesrand plötzlich hochschossen, vorbei rauschten und die Sicht auf das umliegende Land versperrten.
Die Kutsche schoß gerade aus einem dieser Wäldchen hinaus und fegte über eine Anhöhe, als die beiden Kutscher auf dem rumpelndem Bock den umgekippten, langen Pfahl erblickten, der vor ihnen auf der Straße lag und der eiligen Kutschfahrt ein jähes Ende bereiten würde.
"Hooooooooooooooooh..!"
Schnaubend, mit angezogenen Zügeln, kamen die vor Schweiß dampfenden Rösser nur wenige Meter vor dem umgestürzten Pfahl tänzelden Schrittes zum Stehen, begleitet vom ungesunden Knacken des Bremshebels, den der Nebenkutscher mit aller Kraft nach unten gedrückt hielt.
Stille.
Irgendwo hinter ihnen schreckte irgendetwas ein paar Krähen auf, die sich laut meckernd prasselnd in die Luft erhoben.
Die beiden Kutscher blickten sich mißtrauisch um. Bei dem Regen der letzten Tage werden sich so einige Stämme am Wegesrand der Pfahlstrassen gelöst haben und umgestürzt sein. Hin und wieder kam es jedoch vor, dass jemand absichtlich diese Pfähle umkippte.
Einer der beiden Männer zog hinter sich langsam seine mit Rostnägeln gefüllte Schrottschleuder hervor und stieg langsam und vorsichtig vom knarrenden Kutschbock. Leise schlich er an den unruhigen Pferden vorbei und starrte gespannt auf die umliegende Ebene vor der grauen Wolkenwand des Horizonts.
Nichts...
"Was ist los? Gibt es ein Problem?", hallte es von der Kutsche herüber.
Der Kutscher drehte sich knirschend um.
"Nein, Herr heilehand, kein Problem", antwortete er. "Nur ein umgestürzter Pfahl. Mein Kollege und ich räumen den kurz beiseite und dann geht es auch schon weiter. Noch heute werdet Ihr mit Euren Gefährten wie vereinbart Geizig erreichen."
Keine fünf Minuten später donnerte die Kutsche schon wieder über die schmale Straße Richtung Saxen, als wäre ihre rasende Fahrt nie unterbrochen worden.
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Am Abend hatte die Kutsche Geizig erreicht und die Charaktere mieteten sich in einer Herberge am Freimarkt ein. Dort brachte man in Erafhrung, dass der gesuchte Manfred von Wirrungen über die beiden Dörfer Wachauf und Makaberg herschte, beide keine 5 Meilen entfernt von Geizig. Vom Südtor aus könne man am Tage gar den Makaberg samt darauf befindlicher Burg erblicken, wurde den Charakteren erklärt und zuversichtlich begab man sich schließlich ins Bett.
*
Früh am nächsten Morgen öffnete sich im weiter nördlich gelegenen Braunau knarrend das schwere Burgtor der Festung und sieben Reiter, allen voran Herbert von Wirrung, preschten die staubige, breite Rampe hinab ins Dorf, wo man der Hauptstrasse folgte.
"Auf, Männer", rief Herbert den Söldnern zu. "Damit wir noch heute Abend Makaberg erreichen und Wein auf Blut fliesse!"
Dann rammte er seinem weißen Hengst die Sporen in die Seiten und der Troß galloppierte polternd los Richtung Geizig, staubige Aschewolken nach sich ziehend...
*
Am späten Vormittag erreichten Lumpenpfaffe Franz, der humpelnde Herr Heilehand, der Hexer Karl-Heinz Wunderlich und die beiden Elfen Tholas und Esto die kleine Siedlung Makaberg, gelegen am Fuße des gleichnamigen, etwa 100m hohen "Berges". Man folgte der schlammigen Hauptstrasse durch die Ortschaft, eine Sammlung von gerade mal einem Dutzend windschiefer, staubgrauer Holzhütten, umgeben von kahlen, verlassenen Feldern. Ein armes Dorf, trist und grau und ohne Hoffnung. Weiter abseits stand stumm eine alte Frau, ihr hageres, faltiges Gesicht von einem schwarzen Kopftuch umrahmt, den Fremden mit ausdrucksloser Miene hinterher starrend.
"Reizender Ort", bemerkte Tholas und blickte hinauf zum Makaberg, auf dem die kleine "Burg" des Manfred von Wirrungen schäbig und zerbrechlich trohnte.
"Wirklich reizend..."
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Als man gegen Mittag in einem Krüppelwäldchen an einem kleinen Bach die Pferde tränkte, ergriff Herbert von Wirrungen das Wort:"Wir werden in Geizig kurz Halt machen, wo wir Ludwig treffen."
Ludwig.
Einige der Söldner tauschten stumme Blicke miteinander.
Sie kannten Ludwig.
"Ludwig ist bereits gestern nach Geizig gereist und wird inzwischen einiges über Manfred und die Besatzung der Burg in Erfahrung gebracht haben. Manfred wird mit mir früher oder später gerechnet haben, wenn er nicht völlig dämlich ist."
"Also weiter, Pack. Ich bezahl Euch schließlich nicht fürs Rasten", schloß Herbert, während er sich auf den Rücken seines Hengstes schwang.
Keine Minute später waren sie fort.
*
Der unscheinbare, schmalschultrige Manfred von Wirrungen entpuppte sich als neugieriger, leicht verschroben wirkender Mann, welcher mit theatralischen Gesten und versnoppter Körperhaltung die Charakter/Spieler belustigte Blicke untereinander austauschen liess ("Der sieht aus wie Jim Carrey mit schulterlangen Haaren", höre ich mich noch sagen).
Die Charaktere standen im "Rittersaal" von Burg Makaberg, einer kahlen, ärmlich ausgestatteten Halle, und gebannt lauschten Jim Carrey..äh...Manfred von Wirrungen sowie einige seiner Wachmänner (die Burg war echt klein, heruntergekommen wie das Dorf, aber 'ne Menge Wachen stolzierten dafür da herum) den Ausführungen der Charaktere, immer wieder unterbrochen vom gelegentlichen "Prost!" des Burgherren, woraufhin die Charaktere sich ordentlich am eingeschenkten Wein bedienten.
Und sie erzählten die gaaaanze Geschichte.
Von Anfang an.
Wie sie Herbert kennen gelernt hatten und er sie beauftragte, den verblödeten Walter ins Kloster Wehihm zu bringen. Dann der Verrat, Herberts Lüge und die Mordbeschuldigungen gegen sie, schließlich wie man Baerenburg erreichte und für den Preis der Unschuld den verrückten Walter in die Arme Herberts schließlich geben musste, ohne eine Wahl zu haben.
Und dann erklärte man Manfred, dass er der legitime Vormund von Walter ist, dem rechtmäßigen Erben von Braunau. Manfred müsste also nur seine "tolle" Burg verlassen, nach Braunau reisen, Herbert den Weg zur Tür weisen und er und Walter könnten fortan auf Braunau glücklich sein.
Offenbar gefiel das Manfred.
Zumindest grinste er und sagte einige Zeit lang nichts.
Dann begann das Gift in dem Wein endlich zu wirken.
*
"Der weiß, dass Du kommst", grinste Ludwig, nahm einen kräftigen Schluck seines Humpen Dünnbieres und stellte das Gefäß lautstark auf den fleckigen Tisch, wobei er Herbert von Wirrungen durch seinen kurzen, nun bierverschäumten Bart angrinste.
"Ach Manfred weiß, dass ich komme, ja? Ist das jetzt eine Vermutung von Dir, alter Freund, oder hast Du ihn auf Makaberg etwa besucht und persönlich gefragt?", entgegnete Herbert spöttisch, während er sich in der Saufhalle umblickte. Der Siff von Geizig war nun überhaupt nicht sein Ding, aber Ludwig wurde hier gesucht und eine "sichere" Herberge am Freimarkt stand als Treffpunkt somit nicht zur Diskussion.
"Klar gehe ich zu diesem durchgeknallten Verrückten", sagte Ludwing und wischte sich dabei den Schaum vom Bart. "Es wird schon seine Gründe haben, warum es dem Dorf so schlecht geht. Aber um auf Deine Frage zurück zu kommen: Ich habe herausgefunden, dass Manfred in den letzten Wochen - seit Hermanns Tod, mit dem alles begann - vermehrt Söldner in seine Dienste gestellt hat. Unverhältnismässig viele Wachen tummeln sich jetzt wohl auf seiner stinkigen Burg und Manfred lauert auf ein Zeichen von Euch, einen Hinweis, eine Falle. Kurz - ich denke, sobald wir oder irgendwer, der mit der Geschichte irgendwie in Verbindung stehen könnte, da aufkreuzt, wird Blut fliessen."
Dann nahm Ludwig abermals seinen Krug und trank einen kräftigen Schluck von dem dünnen Bier.
Mal was zur Textauflockerung.
Hier mal ein bissel Gekrakel von den Sessions. Zuerst die stümperhafte Skizze des schäbigen Dörfchens Makaberg. Der von mir ohne Hintergedanken eingemalte Totenkopf unter dem Namen verunsicherte meine Spieler total, ich peilte erst gar nicht, was los ist - schließlich konnten wir das klären, der Totenkopf wurde als grafisches SL-Humbugstilmittel interpretiert und alle waren beruhigt: "Das Ding hat nix zu bedeuten, alles ist okay hier..."
(http://s176520660.online.de/postings/makaberg.jpg)
Dann die spärliche Skizze der Burg vom ersten Abend. Man beachte, dass ich diesmal ein gänzlich anderes Zeichen unter den Namen setzte:
(http://s176520660.online.de/postings/makaburg1.jpg)
Und ein etwas ordentlicherer Versuch, der in einer späteren Session am Tisch entstand (Makaburg sollte noch öfters vorkommen...).
(http://s176520660.online.de/postings/makaburg2.jpg)