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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Vash the stampede am 27.08.2007 | 18:59

Titel: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Vash the stampede am 27.08.2007 | 18:59
Es mag nun dumm klingen, aber dem stelle ich mich gerne: Wie erspielt man eine Geschichte?

Erklärt es mir bitte! Zeigt mir Beispiele!
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: ragnar am 27.08.2007 | 20:41
Indem man die Regeln auf die man sich geeinigt hat anwendet und daraus Konsequenzen zieht. Das Ergebniss sieht natürlich je nach Regelrahmen anders aus.

Länger? Indem man die Regeln auf die man sich geeinigt hat anwendet und daraus Konsequenzen zieht. "Ältere" Systeme ähneln damit oftmals eher der Realitiy-TV-Herangehensweise an eine Geschichte, d.H. die entstehende Geschichte entsteht aus der Beobachtung der Charaktere und ihrer Handlungen/Entscheidungen in einem bestimmten Umfeld und unterwirft sich nicht den gängigen dramatischen Regeln die sonst für Drehbücher/Romanen gelten (dafür es wird sich an durch Modul und Regelwerk gegebene Vorgaben gehalten). Dramatische Wendungen usw. kann/wird es natürlich trotzdem geben können (Unter der Maske versteckt sich in Wirklichkeit...), aber am "Pacing" kann es durchaus hapern (Vom möglichen Fehlen eines definitiven Abschlusses einer Episode bis hin zu Ups! Schurke enttarnt bevor er sein Ding auch nur im Ansatz bloß stellen konnte!).

Ein gutes Beispiel dafür ist die Spielweise der alten D&D-Module. Diese Starten die Handlung eigentlich In-Media-Res, d.H. die Lokation ist vorgegeben und der Plot ist eigentlich schon am brodeln (nicht notwendigerweise nur an einer Stelle) wenn die SC in betreffende Gegenden kommen. Die SC bringen das ganze dann zum überkochen, werden darauf gestoßen sich ein wenig die Vorgeschichte zu recherchieren und das Geschehen zu einem Abschluss zu bringen.
Aber wie das geschieht, die Handlung, und wie der Abschluss aussieht ist ziemlich offen, ergibt sich aus den Handlungen der SC und den Reaktionen der Spielwelt d.h. dem SL und den Spielern sind durchs Modul und die Regeln Grenzen gesetzt an die sie sich halten (Wenn die SC den Schurken schon zu früh stoppen oder die SC draufgehen, dann war's das eben. Reality-TV halt). Der SL hat dabei die Aufgabe die Reaktion der Welt auf die Aktionen der SC abzuwägen insofern sie nicht durch die Regeln abgedeckt ist (z.B. Wie entscheidet der Schurke den SC mit seinem Wissen und den ihm gegebenen Mitteln am besten zuzusetzten wenn er davon erfährt das sie im Spiel sind?).

"Moderne" Regelsysteme haben oftmals Regelungen eingebaut (Scene Framing, Flags, Kicker und wie sie alle heißen ... ) die auf die Stärken von Geschichten hinarbeiten, aber diese Regelungen müssen natürlich auch angewendet werden, um eine Geschichte zu erspielen (Wenn man TRoS spielt, aber die Flagattribute der Spieler nicht beachtet und seine Story durchprügelt hat man damit auch nichts gewonnen, eher im Gegenteil).
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: IDA-eSeL am 27.08.2007 | 21:19
Unabhängig von den Regeln braucht es immer einen Konflikt. Wenn die Spieler zum Handeln gezwungen sind, müssen sie ja irgendwas sagen. Das klingt am Anfang vllt nicht nach einer Geschichte ...
SL: "Guckst Du Räuber."
Spieler: "Den hau ich weg!" *würfelt*
SL: "Oh. Platt."
... Aber wenn man eine Geschichte "erzählen" will, kann man sich ja hübschere Formulierungen einfallen lassen. :D mMn ist das der erste Schritt; die weiteren kommen von allein, wenn man dran Spaß hat. Wenn nicht, kann man das wohl nicht erzwingen, außer ein "Erzähler" (SL?) nimmt allen anderen das "Vortragen" gern allein ab.
Als nächstes holt sich der SL eben differenziertere Konflikte, als sowas wie "der Räuber steht auf der Straße und will Dein Gold." Die Geschichte entsteht durch den fortwährenden Handlungszwang der Spieler, wenn sie nicht von sich aus agieren wollen. Und eben der Ausformulierung.

Man kann diesen "Zwang" auch durch die Aktionen von NSC provozieren, dann spielen SL und Spieler sich die Bälle zu und "zwingen" sich im ständigen Wechsel.
Beispiel: Alchimist X hat Hexe Y erschlagen, weil sie seiner Frau Z verraten wollte, dass X nicht treu war. Die SC 1-4 hatten einen Tag zuvor noch bei Y einen Sowieso-Trank bestellt und sind jetzt sauer, weil der nicht da ist, sie aber die Hälfte im Voraus gezahlt haben. Konflikt für die SC: Wo ist der Trank oder unser Gold? Konflikt für Alchimist X: Kacke, die spitzeln mir nach. Wer was wie macht, mal sehen ... Die Geschichte entsteht also durch die Ideen beider "Parteien" im Wechsel, ihr Problem irgendwie zu lösen, und wenn man sich ein bisschen Mühe macht, klingt sie sogar gut. Viele schreiben ja beim Spielen oder hinterher mit, dann wird's halt nach dem Zocken ne Geschichte.
(Alchimist X (= SL oder Antagonisten-Spieler) kann allein die 4 SC nicht auch noch erschlagen ... aber vergiften? Verleumden? Ihnen den blutigen Dolch zuschieben? usw.)

edit: Ach, hab den anderen Thread gefunden, wie Du auf die Frage kamst. Warum hastn das ausgelagert? Jetzt dröselt sichs auf, ich finde nämlich nicht, man müsste erleben, erspielen und erzählen getrennt betrachten, das ist doch eher eine sich ständig verschiebene Mischung?!
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Vash the stampede am 27.08.2007 | 21:38
...
edit: Ach, hab den anderen Thread gefunden, wie Du auf die Frage kamst. Warum hastn das ausgelagert? Jetzt dröselt sichs auf, ich finde nämlich nicht, man müsste erleben, erspielen und erzählen getrennt betrachten, das ist doch eher eine sich ständig verschiebene Mischung?!

Anscheinend sehen es manche auf eine andere Art und Weise und so interessiert es mich, wie man eine Geschichte erspielt. Und die Dreiteilung ist zwar nicht wirklich neu, aber doch irgendwie anders. ;)

Deine Antwort hat mir schon geholfen. Danke dafür! :d
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Crimson King am 27.08.2007 | 21:40
Jede Rollenspielsitzung oder Folge von Sitzungen erspielt eine Geschichte, so lange im Kern mindestens ein Konflikt steht, dessen Lösung gesucht (nicht zwangsläufig gefunden) wird.

Mir stellt sich eher die Frage, wie man eine "gute" Geschichte erspielt.

Stormbringer
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: IDA-eSeL am 27.08.2007 | 21:59
Mir stellt sich eher die Frage, wie man eine "gute" Geschichte erspielt.

Was ist denn "gut"? Viele oder wenig Kämpfe? Viel oder wenig Palaver? Viele oder wenige NSC? Große Bedeutung (Epik), High- oder LowFantasy? ;)
mMn ist jede Geschichte per se gut, wenn sie allen gefällt, weil zB der SL auf den Spielergeschmack eingeht, oder die Spieler gar von sich aus dem SL rechtzeitig klar gesagt haben, was sie machen wollen. ("Können wir mit unserer Diebesgruppe übermorgen beim Zocken den Banküberfall machen?") Gut kann für die Spieler also auch heißen, dass sie viel Gelegenheiten hatten, ihre SC zu "genießen". Was für nen Krieger eben anders aussieht, wie für einen Diplomaten oder einen Dieb. Wenn man viel improvisiert mit Aktion/Reaktion der NSC und SC, ist es auch nicht so leicht, eine dolle klassisch-dramaturgische Struktur beizubehalten. Zumal die berechenbar wäre, wohingegen das genannte Improvisieren mehr Überraschungen bieten kann.

Das erklärt jetzt nicht das "Handwerk", wie man (dramaturgisch?) eine gute Geschichte aufbaut - aber ich bin sicher, dazu gibt es hier schon jede Menge Threads irgendwo und gleich taucht jemand auf, der den Link postet. :)

edit: oder schau in der zugehörigen Umfrage,
http://tanelorn.net/index.php/topic,36603.0.html (http://tanelorn.net/index.php/topic,36603.0.html)
Da sind auch einige Tipps (von Boba Fett), wie das Improvisieren von Aktion/Reaktion nach hinten losgehen kann ...
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Crimson King am 27.08.2007 | 22:11
Was ist denn "gut"?

Rate mal, warum ich das in Anführungszeichen gesetzt habe...

Stormbringer
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: IDA-eSeL am 27.08.2007 | 22:51
Weil Du Dich nicht konkreter ausdrücken konntest, damit man versteht, was Du möchtest? >;D

Sry fürs spammen, back 2 topic, was hast Du denn gemeint, hat Dir mein Post trotzdem geantwortet?
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Joe Dizzy am 27.08.2007 | 23:44
Geschichten im Rollenspiel erspielen ist wie Bilder mit optischen Tricks zu schauen. Je nachdem worauf man achtet, hat man eine Vase oder 2 Gesichter vor Augen (oder sogar beides auf einmal).

Eine Rollenspielrunde ist entweder eine Ansammlung von Einzelsituationen oder eine Geschichte. Um eine Geschichte zu erspielen muss man sie erst mal wahrnehmen, und dann mit diesem Ziel vor Augen spielen.

Praktisch macht das so gut wie keinen Unterschied.

Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Crimson King am 28.08.2007 | 09:26
Weil Du Dich nicht konkreter ausdrücken konntest, damit man versteht, was Du möchtest? >;D

Sry fürs spammen, back 2 topic, was hast Du denn gemeint, hat Dir mein Post trotzdem geantwortet?

Gut liegt im Auge des Betrachters. Diese Erkenntnis war mir allerdings zu trivial, um sie nochmal extra auszuführen. Danke, dass du das übernommen hast.

Stormbringer
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Vanis am 28.08.2007 | 10:24
Ehrlich gesagt versteh ich die Frage nicht so ganz. Die Formulierung "eine Geschichte" erspielen" klingt für mich so, als ob die Spieler einem festen Verlauf folgen, was dann in Richtung Railroading ginge. Für mich ergeben sich da folgende Möglichkeiten:

Der SL hat sich tatsächlich schon eine komplette Geschichte für die Gruppe ausgedacht. Die Spieler folgen nun einfach den Hinweisen des SLs und "erspielen" sich so dessen Geschichte. Findet sich so in vielen Abenteuern.

Es exisitiert eine Hintergrundgeschichte zu einer Kampagne, die sich die Spieler erarbeiten. Den Platz in der Geschichte definieren die Spieler. Ansatzpunkte könnten die Charakterhintergründe geben, die an den Konflikt der Kampagne anküpfen.

Die Spielercharaktere sind die Geschichte. Sie beinhalten selbst den Konflikt für eine Kampagne und erarbeiten sich ihre Geschichte, indem sie schlicht ihre Konflikte ausspielen.
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Bitpicker am 28.08.2007 | 14:51
Anscheinend sehen es manche auf eine andere Art und Weise und so interessiert es mich, wie man eine Geschichte erspielt. Und die Dreiteilung ist zwar nicht wirklich neu, aber doch irgendwie anders. ;)

Da ich an der Dreiteilung nicht unschuldig bin, grenze ich 'Erspielen' mal von den anderen beiden ab: beim Erspielen ist das Regelkorsett für entscheidende, weite Teile der Handlung verantwortlich. Deutlichstes Beispiel sind Plot-Generatoren, Zufallsbegegnungstabellen und dieser Kram. Je mehr Handlung sich quasi automatisch aus der Verwendung der Regeln ergibt, desto mehr wird erspielt.

Robin
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: IDA-eSeL am 28.08.2007 | 14:57
"eine Geschichte" erspielen" klingt für mich so, als ob die Spieler einem festen Verlauf folgen, was dann in Richtung Railroading ginge.

Naja, das könnte man "nachspielen" nennen. "Erspielen" klingt für mich erstmal nur nach einem aktiven Prozess (anders als zB erleben), ohne zwingende Verknüpfung zu einem festen Ablauf. Vor allem, wenn man die Unberechenbarkeit des Würfelns bedenkt -> spielen, siehe Bitpicker.

edit: wobei "Konflikte ausspielen" (Vanis) hier natürlich die Doppelbedeutung von "erspielen" zeigt, wäre nach Bitpicker ja "erzählen".
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Rána am 28.08.2007 | 15:12
Huhu!

Meiner Meinung nach "erspielt" man sich eine Geschichte, indem man sie spielt. Statt sie aufzuschreiben, den Leuten mitzuteilen oder sie sonstwie zu ihrer Kenntnis zu bringen.
Damit folge ich einer der Bedeutungen der Vorsilbe "er-": durch eine Handlung etwas in meinen Besitz bringen (erjagen, erlangen, erheucheln, ...; s.a. http://www.textlog.de/mauthner-grammatik-vorsilbe-er.html).
In diesem Falle bringe ich eine Geschichte in meinen Besitz, indem ich sie spiele.

Dabei bleibt natürlich offen, was genau eine Geschichte denn ist, oder was genau unter "spielen" zu verstehen ist. :)

"Erspielen" macht insofern nur dann Sinn, wenn ich es im Kontrast zu etwas anderem stelle: spielen, statt aufzuschreiben; spielen, statt mitzuteilen.

Ich als SL habe bisher nur im Zusammenhang mit Vorgeschichten hochstufiger Figuren das Wörtchen "erspielen" benutzt. Die betreffenden SpielerInnen konnten dann wählen, ob sie die Vorgeschichte erspielen wollten, oder ob ich sie ihnen aufschreiben/mit ihnen besprechen sollte.

Hach, all die Jahre Linguistikstudium müssen doch zu etwas gut gewesen sein! ;)


Liebe Grüße
Rána ;->
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Bitpicker am 28.08.2007 | 15:28
Rumlinguisten kann ich auch: bei den drei Wörtern erspielen, erleben, erzählen in Bezug auf die Geschichte geht es (mir) eher um er- wie in erschaffen: woher kommt die Geschichte, wovon ist sie das Produkt? Und wie wirkt sich das auf die Geschichte aus? Wie im anderen Faden schon erwähnt: eine erlebte Geschichte ist wie Historie, wie sie wirklich war, eine erzählte Geschichte ist wie Historie, die die Sieger schreiben, und eine erspielte Geschichte ist wie Gott oder Schicksal, die würfeln.

Robin
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: 6 am 28.08.2007 | 15:34
Ich kenne noch eine weitere Art die Geschichte zu "erspielen": Bei vielen Computerrollenspielen musst Du Dir die Handlung erst erkämpfen, indem Du jede Menge Monster bezwingen und Minispiele schaffen musst. Auch da "erspielst" Du Dir die Geschichte. Deine Handlungen haben da aber keinen oder wenig Einfluss auf die eigentliche Geschichte.
Dem gegenüber kannst Du Dir bei dem Brettspiel "Once upon a Time" eine Geschichte erspielen, weil da jeder Spieler versucht die Geschichte so weiter zu erzählen, dass seine eigenen Karten als erstes weg sind. Die Geschichte dabei ist allerdings vollkommen irrelevant. Es geht nur darum, die Karten loszuwerden.
Im Prinzip kannst Du allerdings bei sehr vielen Brettspielen Geschichten erspielen, ohne dass die Geschichte für das eigentlich Spiel relevant ist.
Das geht jetzt zwar vom eigentlichen Thema weg. Ich fand es aber trotzdem erwähnenswert.
Titel: Re: Zeigt's dem Vash: Wie erspielt man eine Geschichte?
Beitrag von: Wolf Sturmklinge am 29.08.2007 | 08:42
Es mag nun dumm klingen, aber dem stelle ich mich gerne: Wie erspielt man eine Geschichte?

Erklärt es mir bitte! Zeigt mir Beispiele!
Man treffe sich mit seinen Mitspielern und rettet eine Prinzessin, versklavt ein Königreich, was auch immer. Und wenn man dahingehend noch das ganze drumherum ein wenig ausschmückt ist das ganze fertig.
Wenn die Spieler genügend Freiheiten haben, dann wurde die Geschichte erspielt, wenn der SL sie an der Schnur auf dem Plot entlang gezogen hat, dann wurde sie erzwungen.