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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Thalamus Grondak am 26.09.2007 | 22:10

Titel: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 26.09.2007 | 22:10
Ich mach jetzt mal Jörg D. Konkurrenz und starte einen ähnlich betitelten Thread  ;)

Also der vielumschwärmte Gruppenvertrag. Ist das eigentlich ein echtes faßbares Konstrukt? Oder einfach nur ein Strohmann für Diskussionsunwillige.

Ich komme auf diese frage. weil es bei uns keinen faßbaren Gruppenvertrag gibt. Ich frage meine Spieler normalerweise, was sie gerne spielen, und denke auch recht gut darin zu sein, meine Spieler einzuschätzen, und daraus, und aus Erfahrung entsteht sowas wie ein liquider Gruppenvertrag in meinem Kopf, der auch wohl bei jedem Spieler etwas anders aussieht. Grundsätzlichkeiten wie "Ich nehme die regeln nicht so genau" sage ich neuen Spielern normalerweise.

Aber wie ist das bei euch?
Wie ist euer Gruppenvertrag entstanden?
Steht der irgendwo geschrieben?
Haben auch nach der 20ten Spielrunde alle Spieler noch den selben Gruppenvertrag in ihren Köpfen (Was ich für wenig wahrscheinlich halte, wenn er nirgends nachzulesen ist)
Wie genau ist euer Gruppenvertrag?
WelchenBeitrag leisten neue Spieler zum Grupenvertrag?
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Plansch-Ente am 26.09.2007 | 22:17
Wir haben auch keinen wirklichen "Vertrag"...Wir haben im Laufe der Jahre in denen wir zusammen spielen, einfach eine gemeinsame Spielweise entwickelt. Jeder weiß wie gespielt wird...wenn ich mal in einer neuen Gruppe spiele, spielen wir auch einfach nur drauf los...und wenn dann etwas kommt, was vorher nicht so war und was ich so nicht akzeptieren möchte, bring ichs kurz zur Sprache...aber so einen richtigen "Vertrag" haben wir nicht...es ist einfach etwas...was man sich denkt...wir sprechen vorher niemals etwas ab...
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 26.09.2007 | 22:37
Das mit dem Gruppenvertrag ist ein Missverständnis der Theorie. Es geht dabei nicht um einen tatsächlichen Vertrag oder auch nur etwas ähnliches wie eine obligatorische verbindliche Absprache (obwohl sowas natürlich nicht schaden kann).

Der Gruppenvertrag ist ein theoretisches Konstrukt um sich bestimmte Dinge klar zu machen. Außerdem ist es einfach ein Oberbegriff, für bestimmte Verhaltensweisen und Abmachungen, vor und während des Rollenspiels, seien sie stillschweigend oder explizit.
Der Gedanke dahinter ist sehr ähnlich wie beim Gesellschaftsvertrag der sozialphilosophischen Vertragstheorie (http://de.wikipedia.org/wiki/Vertragstheorie).

Der wichtigste Gedanke in Punkto Gruppenvertrag, liegt darin sich klar zu machen, dass alles was beim Spiel geschieht oder als Regel angenommen wird von allen Spielern  in irgend einer Weise akzeptiert werden muss, und sich nur deshalb so auf das Spiel auswirkt wie es das tut (Das Lumpley-Prinzip). Es gibt keine höheren "Naturgesetze" wie "Der SL hat immer Recht" oder "Wir machen nur was in den Regeln steht" o.ä.
Darüber hinaus weißt der Originalbegriff ("social contract") darauf hin, dass es sich beim Rollenspiel insbesondere um eine soziale Aktivität handelt, bei der, mehr als bei anderen Spielen, die Komponente der Kommunikation und Interaktion auf sozialer Ebene immer die Grundlage jedes Spielereignisses ist (das "Verhandeln" des Vertrages).
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 26.09.2007 | 23:02
Ich habe auch noch keinen funktionierenden Gruppenvertrag erlebt, der explizit (also per vorauseilendem Gespräch) ausgehandelt wurde.

Der Gruppenvertrag steht dann, wenn sich die Gruppe eingespielt und eingependelt hat und jeder weiß, wie der Hase läuft. Das kann - je nach Persönlichkeit der einzelnen Spieler - zwischen 10 Minuten und 12 Sitzungen dauern. (Um mal willkürlich Zahlen in den Raum zu werfen).

Also ja... es gibt einen Gruppenvertrag. Er hat sich wie bei vermutlich jeder Gruppe mit der Zeit so ergeben. Sollte es keine groben Spielerwechsel geben, wird er wohl auch erstmal eine Weile so bleiben.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joerg.D am 26.09.2007 | 23:14
Ein intensives Gespräch vor dem Spiel kann eine Menge Ärger ersparen, weil die ja oft extrem unterschiedlichen Erwartungshaltungen synchronisiert werden. So kann man nach meiner Erfahrung die gröbsten Patzer vermeiden.

Es werden die Eckdaten dessen festgelegt, was sich im Laufe der Kampagne als wirklicher Gruppenvertrag entwickelt.

An sonnsten hat Dr. Boomslang alles wichtige geschrieben.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Bad Horse am 27.09.2007 | 13:17
Ein Gruppenvertrag kommt auch dann zustande, wenn nie jemand darüber gesprochen hat ("Wir spielen D&D, immer Mittwochs, der Spielleiter würfelt verdeckt, Björn macht den Tee...").

Zu Problem kommt es meistens dann, wenn zwei Leute den Gruppenvertrag unterschiedlich verstanden haben ("Wie, ich dachte, Björn macht den Tee?" "Nein, der macht das nur, weil er neben dem Wasserkocher sitzt. Heute sitzt du neben dem Wasserkocher, also machst du auch den Tee." "Nee, da setz ich mich ja lieber um...").

Daher hilft es, gewisse Punkte, die eventuell problematisch werden könnten, vorher abzusprechen ("OT-Gelaber ist okay, solange es nicht überhand nimmt" vs. "Niemand darf jemals OT reden!").
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Blizzard am 27.09.2007 | 13:23
Einen Gruppenvertrag schriftlich festzuhalten halte ich für übertrieben-wir sind schliesslich alles erwachsene Menschen (oder die meisten zumindest). Der Gruppenvertrag existiert meist-wie Leonie auch schon sagte-auch  quasi "einfach so", also ohne dass jemals ein Wort drüber verloren wurde (ganz nach dem Motto: " Schweigen bedeutet Zustimmung").

Probleme gibt's imho nur dann, wenn man vom gepflegten und vertrauten Spielstil plötzlich abweicht(gilt sowohl für Spieler als auch für den SL), oder bei OT-Mißverständnissen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Samael am 27.09.2007 | 13:25
Der Gruppen"vertrag" bezeichnet einfach Spielstil und Konventionen. Bei meiner alten Runde aus Schulzeiten ist der einfach über die Jahre gewachsen, bei neuen Runden erwarte ich vorm Spiel ein paar klärende Worte vom SL. Vor der letzten D&D Runde die ich gestartet habe, habe ich zBsp jedem Spieler klar gemacht, dass ich offen würfele und jedes Würfelergebnis steht und das außerdem der Spielfokus zu 90% auf Dungeoncrawl liegen wird und ich keine bösen Charaktere (Alignment) zulasse. So wusste jeder woran er war. 
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.09.2007 | 13:25
Also bei uns läuft das normalerweise so: Der SL erstellt nach dem Kick-Off-Meeting einen ersten Entwurf mit 20-25 Parapgraphen und schickt den an alle rum. Jeder erstellt dann eine Mark-Up-Version mit wesentlichen Änderungen. Danach gibt es ggf. weiteren Schriftwechseln und dann eine Besprechung, in der die Änderungen zusammen geführt werden. Dann erstellt der SL auf dieser Grundlage ein konsolidiertes Mark-Up, das an alle versandt wird. Nach kleinen weiteren Änderungswünschen gibt es dann eine Final Version, die als Mark-Up und Clean versandt wird. Vor dem Spiel wird der Gruppenvertrag dann feierlich unterzeichnet, eine Ausfertigung für jeden Spieler.

 :P
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 27.09.2007 | 13:38
Ich meine auch, dass so etwas wie ein Gruppenvertrag besteht.
In ihm sind meistens die 'ungeschriebenen Gesetze' geregelt.
Ob das nun die üblichen Abmachungen von "wir spielen jeden Freitag, nehmt Euch dafür Zeit" und "wer dreimal (unentschuldigt) fehlt fliegt raus" sind, oder Sachen wie "Der Spielleiter hat das letzte Wort", "Alles was (bis auf das nötigste) gesagt wird, sagt auch der Charakter" oder "zwischen Spielerwissen und Charakterwissen muss unterschieden werden", etc. etc. -- das ist der Gruppenvertrag.
Mit der Zeit gehen davon viele Sachen so ins Blut über, dass vieles zum Automatismus wird, was dann Neu- oder Quereinsteiger vor Probleme stellt, weil die diese Sachen eben nicht wissen können.
Und mit der Zeit wird der Gruppenvertrag auch erweitert oder verändert.

Wichtig ist eigentlich, dass, man sich der Vereinbarungenbewusst ist, und die auch hin und wieder mal kritisch hinterfragt.
Und dass man auch weiss, dass viele der Dinge, die man früher mal als "nur so kann es funktionieren" gelernt hat, durchaus auch wandelbar ist.
Der Wandel der Zeit macht auch vor dem Verständnis, wie man Rollenspiel betreiben kann, nicht halt.
Demenstprechend sollte ein Gruppenvertrag anpassbar sein.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Funktionalist am 27.09.2007 | 13:40
Jupp, so ähnlich läuft das bei uns auch.
Nur, Dass wir mit Blut auf Tierhaut unterschreiben, um des stils Willen.
sers,
Alex
P.S.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Deadman am 27.09.2007 | 13:44
Ich finde die Idee garnicht mal so dumm.
Ich habe auch überlegt in der neuen 2 Steintafeln rauszuholen und mal die goldenen 10 Gebote aufzuschreiben  :P

Warum? weil ich oft genug gesehen habe, wie am Anfang etwas gesagt wurde "nö, ich mag diese Regelfetischisten auch nicht, wenn etwas nicht geht muss man improvisieren". End vom Lied: musste für solche Personen jede Regel 1zu1 umgesetzt werden und wenn es keine gab, ging es nicht.

An irgendwelche abmachen konnte man sich auch nicht mehr erinnern.

Grüße
Leiche... ähm Deadman halt*g*

Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 27.09.2007 | 13:48
Ich habe auch überlegt in der neuen 2 Steintafeln rauszuholen und mal die goldenen 10 Gebote aufzuschreiben  :P
Man kann auch die Sitzungen mit einem Mikro aufnehmen auf MP3 wandeln und archivieren, damit niemand behaupten können, er hätte damals etwas ganz anderes gesagt... ;)
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 27.09.2007 | 13:51
Also bei uns läuft das normalerweise so: Der SL erstellt nach dem Kick-Off-Meeting einen ersten Entwurf mit 20-25 Parapgraphen (...) eine Ausfertigung für jeden Spieler.
*lol* Ich hätte nichts anderes von einem Juristen erwartet...  :D
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Bitpicker am 27.09.2007 | 13:52
Meiner Meinung nach verhalten sich die meisten Gruppenverträge zum Spiel wie Grammatik zur Sprache. Sprache basiert auf Regeln, über die ewig niemand bewusst nachdenkt, bis irgendwann mal jemand merkt, dass es bestimmte Regeln zu geben scheint, nach denen die Sprache funktioniert. Dann analysiert er die Sprache und findet einen ganzen Katalog an Regeln, den er Grammatik nennt und veröffentlicht.

Ebenso spielen die meisten Gruppen auf natürliche Weise miteinander, ohne sich um die ungeschriebenen Regeln zu scheren, die man aber trotzdem beobachten kann. Seit es RPG-Theorie gibt, machen Interessierte solche Beobachtungen. So wie es beim Erlernen einer Fremdsprache hilft, wenn man etwas von Grammatik versteht, so mag es beim Spielen helfen, wenn man die eigene Spielweise analysieren kann. So kann man vermutlich durch Beobachtung der gruppeneigenen Spielweise den Vertrag ermitteln.

Was meine Gruppe angeht, geht die Analogie noch weiter: unser Gruppenvertrag scheint genau so resistent gegen bewusste Veränderung von außen zu sein wie die Grammatik einer Sprache.

Robin
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: wjassula am 27.09.2007 | 13:56
In der realen PtA-Runde herrscht wohlwollender Absolutismus. Der Gruppenvertrag bin ich und dulde höchstens Hofnarren-Bemerkungen ("Was, wir spielen eine Plotszene? Bin schon still, aua!").

In der Online-PtA Runde herrscht der Leviathan: Alle gegen alle. Aua.

In der Live-UA-Runde agitiere ich für den Kommunismus, aber die feigen Sozis bremsen mich immer wieder aus.

Nee, wie so ein Gruppenvertrag zu Stand kommt, wurde ja jetzt schon ausführlich beschrieben. Wie in jeder Gesellschaft von Menschen durch eine Mischung aus explizitem Drüber-Reden und implizitem Keiner-wehrt-sich-dagegen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.09.2007 | 14:02
*lol* Ich hätte nichts anderes von einem Juristen erwartet...  :D

Ich kann dich bei deiner nächsten Gruppenvertragsverhandlung anwaltlich beraten. Zum Freundschaftspreis. >:D
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 27.09.2007 | 14:44
Wie in jeder Gesellschaft von Menschen durch eine Mischung aus explizitem Drüber-Reden und implizitem Keiner-wehrt-sich-dagegen.

Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr davon überzeugt bin, dass "explizites Drüber-Reden" wirklich so hilfreich ist.

In der Theorie sollte sowas ja klappen. Man spricht Unklarheiten an, findet einen Kompromiss und kann dadurch gestärkt eine bessere Spielrunde genießen.

In der Praxis - wie so oft - sieht das aber ganz anders aus. Hier gibt es so viele Faktoren und Einflüsse, die das Gespräch und die Kompromissfindung stören können, dass ich mir nicht sicher bin, ob es den Schritt zur Aussprache wirklich wert ist. Nicht jedem ist die Spielrunde so wichtig, dass er stark von seinem üblichen Verhalten "mit meine Kumpels" abweichen will. Oder gar lang darüber nachdenken möchte, was er denn genau will; was er an seinem Verhalten ändern könnte um anderen entgegen zu kommen oder was er gerne von anderen sehen würde.

Auch unter Freunden ist nicht jeder gleich. Nicht von jedem ist man gewillt "völlig freundschaftlich gemeinte" (bitte NICHT ironisch verstehen) Hinweise zu akzeptieren, was das Spielverhalten angeht. Mitspieler werden halt nicht allein nach ihren überragenden sozialen Kompetenzen ausgewählt. Nur weil ich jemanden mag, heißt dass noch lange nicht, dass ich mir von ihm Ratschläge geben lasse wie ich mich anderen gegenüber verhalten sollte.

Man kann halt nicht mit jedem über alles reden. Triviale Fragen (Offen oder verdeckt würfeln? Mit Miniaturen oder ohne?) sind selten ein Problem. Aber wenn es zu Sachen kommt wie 'sich zurückhalten um andere zu Wort kommen zu lassen' oder 'sich auf die Spielrunde vorbereiten' oder 'nicht spielfremde Themen anzusprechen, auch wenn man grad mit seinen Kumpels abhängt'.... Das sind nicht immer Sachen, die man mal eben ausdiskutiert und dann erwarten kann, dass die Runde so läuft, dass alle Spaß haben.

Wenn man den Gruppenvertrag erst ansprechen muss, bedeutet das doch auch, dass sich nicht jeder aus Eigenantrieb und ohne darüber nachzudenken entsprechend verhält. Die Spieler müssen sich also am Riemen reißen, um sich daran zu halten. Statt der entspannten Spielrunde, gibt es diese Verhaltensregeln, die es zu beachten gilt. Das es keinen großen Spaß macht in seiner Freizeit zusätzliche Verhaltensregeln zu befolgen weiß jeder. Ein "ausgesprochener" Gruppenvertrag kann aber häufig zu einer solchen Situation führen.

Ich denke der solideste Gruppenvertrag ist der, den man nicht aussprechen muss. 
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joerg.D am 27.09.2007 | 14:58
Also bei uns läuft das normalerweise so: Der SL erstellt nach dem Kick-Off-Meeting einen ersten Entwurf mit 20-25 Parapgraphen und schickt den an alle rum. Jeder erstellt dann eine Mark-Up-Version mit wesentlichen Änderungen. Danach gibt es ggf. weiteren Schriftwechseln und dann eine Besprechung, in der die Änderungen zusammen geführt werden. Dann erstellt der SL auf dieser Grundlage ein konsolidiertes Mark-Up, das an alle versandt wird. Nach kleinen weiteren Änderungswünschen gibt es dann eine Final Version, die als Mark-Up und Clean versandt wird. Vor dem Spiel wird der Gruppenvertrag dann feierlich unterzeichnet, eine Ausfertigung für jeden Spieler.

 :P

Du hast Gruppeninterna ausgeplappert!

Laut § 16 Absatz 3 im erweiterten Vertrag mußt du als Strafe Settenbrini-Kekse mitbringen!

Eine Abmahnung bezüglich der Gruppeninterna wird dir in Kürze per Einschreiben zugehen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

MfG

Jörg

Edit: Dattelgeschmack, nicht Pfirsich
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Tourist am 27.09.2007 | 15:23
Ganz spannendes Thema,

ich leite seit knapp 3 Jahren jetzt eine Shadowrun-Runde (die eigentlich sehr gut läuft) und letztes Wochende habe ich mir mal die Zeit genommen die 'Regeln' aufzuschreiben.

Neben viele dass bekannt war haben meine Spieler doch über einiges gestaunt, wie ich manche Dinge geregelt habe, neben einer gewissen, vermutlich verständlichen Ablehnung (für was brauch ma den Scheiß, lief doch bis jetzt super) , ist da tatsächlich etwas Diskussionsbedarf entsanden, was auch nicht so verkehrt ist.

Interessant, dass der Gruppenvertrag mehr theoretisch gemeint ist, das ist mir erst im Nachhinein aufgefallen. Aber macht nichts. Ich finde es lohnt sich eine Stunde oder so darüber zu reden was man in der Kampagne haben will und was nicht.

Markus
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 27.09.2007 | 15:35
Ich muss zugeben, dass ich nicht mehr davon überzeugt bin, dass "explizites Drüber-Reden" wirklich so hilfreich ist.
Ja, es kann durchaus sein, dass Explizites hier nicht so viel hilft. Ich nehme mal die recht treffende Grammatikanalogie:
Auch hier kann man Regeln erkennen, explizit festhalten oder sogar festlegen, aber am Ende hält sich in der Praxis doch niemand daran, und alles folgt eigenen Gesetzen oder Empfindungen (was nicht bedeutet dass es völlig chaotisch läuft).
Das ist eben ein lebendiger Prozess, in dem es erstens ständig Wandlungen gibt, und zweitens ein Kontinuum von Möglichkeiten besteht, das unmöglich durch eine endliche Menge von Regeln abgedeckt werden kann, wie bei realen Gesetzen einer Gesellschaft auch.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: 1of3 am 27.09.2007 | 15:39
In der Tat machen Linguisten einen ziemlichen Aufwand, um die Regeln rauszubekommen, die tatsächlich benutzt werden. (Dazu gehört dann zum Beispiel ein Hang zur V2-Stellung in weil-Sätzen und zwar bei Muttersprachlern fast nur da.)

Wenn man den Vergleich überhaupt ranziehen will, dann müsste man wohl zwischen präskriptiven und deskriptiven Social Contracts unterscheiden.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: oliof am 27.09.2007 | 15:47
Georgios schrieb:

Zitat
Ich denke der solideste Gruppenvertrag ist der, den man nicht aussprechen muss.

Und die ideale Regierungsform ist ein wohlmeinender König.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 27.09.2007 | 15:53
Und die ideale Regierungsform ist ein wohlmeinender König.

Wenn man denn allergisch auf Eigenverantwortlichkeit reagiert, ja.

Was interessanterweise auch erklärt, warum so manche unbedingt ausdrücklich formulierte Regeln für ihren Gruppenvertrag suchen oder alles den SL entscheiden lassen wollen. Wer auf ausformulierte Regeln verweisen kann, der muss seine Entscheidungen nicht mehr abwägen.

Faszinierend.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 27.09.2007 | 16:11
Georgios, der ideale wohlmeinende König überlässt ja auch Verantwortung.
...aber nur dem der sie auch tragen kann.

Naja. Das "Wohlmeinende" an diesem König scheint ja vor allem dafür zu dienen ihm alle Eigenschaften zuzusprechen, die man gerade braucht. Was im Großen und Ganzen aufs Gleiche hinausläuft. Die ideale Regierungsform ist die, die keine Fehler macht. Tolles Luftschloß.

Aber das hat nichts mit meiner anfänglichen Behauptung zu tun, dass der stabilste Gruppenvertrag der ist, der nicht ausgesprochen wird; sondern sich aus den Handlungen der Spieler bildet. Das Aussprechen verlangt halt sehr viel mehr von den Teilnehmern, als es das einfache Einbinden in ein Gruppengefüge tut.

Letzteres lernt und übt man von Kindesbeinen an. Aber darüber zu reden, geschweige denn diskutieren können... das kann (und will) halt eben nicht jeder.

Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: 1of3 am 27.09.2007 | 16:17
Ich stelle in Diskussionen immer wieder fest, dass Teilnehmer ein Modell widerlegen wollen, weil es auf andere Sachverhalte nicht zutrifft. Aber das ist doch nicht produktiv, denn ein Modell dient nur dazu, um eine einzige Aussage bildlich zu veranschaulichen, nicht jedoch um sie zu untermauern.

Wirklich? Bist du ein Merkerchen.

Und wenn du nochmal zuliest, wirst du feststellen, dass ich aus Veranschaulichung noch mehr rausgeholt habe, als Boomslang reingetan hat.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 27.09.2007 | 16:40
Und die ideale Regierungsform ist ein wohlmeinender König.
Der wohlmeinende König ist sicher die effektivere Regierungsform, wenn sie denn funktioniert, die Wahrscheinlichkeit dass dies ständig so ist, liegt aber nahe 0.
Genauso ist es mit dem stillschweigenden Verständnis, es funktioniert ja tatsächlich besser im Sinne von effektiver, falls es denn funktioniert.
Das ist die allseits bekannt Abwägung von Effizienz gegen Flexibilität und Stabilität.

Im Bereich der sozialen Interaktion muss man aber dazu beachten, dass die Größe der Gruppe eine entscheidende Rolle spielt. Die sich stillschweigend verstehende Gruppe Rollenspieler (z.B mit nominell absolutistischen SL) ist ungleich wahrscheinlicher als der vom wohlmeinenden König gerecht regierte Staat.
Hier geht es einfach darum wie gut sich Menschen kennen und wie direkt sie sich beeinflussen können, und dementsprechend wie leicht sie Einverständnis ohne große Absprachen und Regeln erzielen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 28.09.2007 | 14:15
Eine Präskription eines Gruppenvertrages währe eine Vorhersage (über Regeln) wie ein Gruppenvertrag entsteht bzw. allgemein wie er sich verhält (so wie grammatische Regeln etwas darüber Aussagen sollen wie Sätze gebildet werden, nicht zwangsläufig wie sie gebildet werden sollen). Ein deskriptiver Vertrag soll nur beschreiben wie sich eine Gruppe tatsächlich verhält (nach der Erfahrung).

In der Rollenspieltheorie geht es eigentlich mehr um letzteres. Allerdings ist der Unterschied eigentlich nur in der empirischen Wissenschaft von Bedeutung. Da die Rollenspieltheorie kaum empirisch vorgehen kann, sind Präskription und Deskription im Prinzip das gleiche, weil eine (präskriptive) Aussage über Rollenspiel nur dann sinnvoll ist, wenn es evident scheint, dass sie tatsächliches Spiel beschreibt (Deskription).

Aus einer Analyse will man natürlich  letztlich etwas herausziehen, was man dann in Normen packen kann. Dann hätte man einen normativen Vertrag.
Der feine Unterschied zwischen normativ und präskriptiv ist nun, dass die Präskription etwas vorhersagt und die Norm etwas vorschreibt. Und das möchte man ja letztlich wissen: Was kann und soll ich tun damit mein Gruppenvertrag optimal ist?
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 28.09.2007 | 23:59
Was mich höllisch interessiert, ist welchen Stellenwert der Gruppenvertrag im Vergleich zu anderen Dingen (z. B. den Spielregeln) hat.

Die Spielregeln sind meiner Erfahrung nach der Teil des Gruppenvertrages, der am häufigsten explizit ausgehandelt wird.
SL: "Wir spielen System XY mit Setting ABC, aber wir verwenden folgende Hausregeln..."
Spieler: "Was ist mit Zusatzband EFG, dürfen wir den verwenden?"
etc.

Zitat
Ist er vielleicht sogar so etwas wie eine übergeordnete Bedingung, damit Rollenspiel oder irgend eine andere zwischenmenschliche Interaktion überhaupt stattfinden kann? Kann man überhaupt ohne Gruppenvertrag spielen?

"Der Gruppenvertrag ist die Summe aller Regeln, an die sich alle in der Gruppe halten wollen."

Nach dieser ziemlich allgemeingültigen Definition gibt es kein noch so dysfunktionales Rollenspiel ohne einen (zumindest minimalen) Gruppenvertrag.

Zitat
Kennt jemand Literatur zu dem Thema?

Abseits von Blogeinträgen und Internetforen?
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 09:13
"Der Gruppenvertrag ist die Summe aller Regeln, an die sich alle in der Gruppe halten wollen."
Meiner Meinung nach enthält der Gruppenvertrag aber nicht die eigentlichen Regeln, nur die Abweichungen zu den normalen Regeln.
Mag kleinkariert klingen, aber bezogen auf Turning Wheels frage ist es schon wichtig.
IMHO kann man durchaus ohne Gruppenvertrag spielen, z.B. wenn sich eine ganz neue Gruppe zusammenfindet und einfach losspielt. Da bildet sich der Gruppenvertrag erst noch heraus, und das ist dann ein rein Sozialer Mechanismus, der wenig mit Rollenspiel zu tun hat.
Überall wo Menschen zusammen kommen, bilden sie einen Gruppenvertrag, das passiert fast immer Implizit (Außnahmen bilden z.B. bestimmte Vereine, oder Clubs die einen Niedergeschriebenen Verhaltenskodex haben).
Und wenn es Streit in der Gruppe gibt, dann haben die Streitparteien normalerweise verschiedene Ansichten vom Gruppenvertrag.

Meine Absicht mit diesem Thread war es ja, zu bestätigen, das es eigentlich nirgendwo einen festen niedergeschriebenen Gruppenvertrag gibt. Deshalb halte ich es für ziemlich unsinnig bei einer Diskussion über Gruppenprobleme diesen Gruppenvertrag immer wieder rauszuholen, ist doch das "zum Thema machen" eines Problems der erste Ansatz den Gruppenvertrag zu verbessern.
Der verweis auf den Gruppenvertrag in einer solchen Diskussion behindert also das ausreifen des Gruppenvertrages.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Bastian-Bux am 29.09.2007 | 11:44
Meiner Meinung nach enthält der Gruppenvertrag aber nicht die eigentlichen Regeln, nur die Abweichungen zu den normalen Regeln.

Mach daraus: sämtliche sowohl intendierten, als auch auf Interpretation oder bloßem Mißverständnis beruhenden Abweichungen zu der "idealisiert-normalen" Regelversion.

Weil seien wir ehrlich: kein Regelwerk kann für sich in Anspruch nehmen a) uninterpretierbar eindeutig und b) völlig narrensicher zu sein. Den a) sind die Regelschreiber auch nur Menschen (schlimmer, Rollenspieler) und b) fällt wohl jedem von uns mind. ein Beispiel für einen Mitspieler ein, der resistent gegen jede Narrensicherheit ist.

Oder anders ausgedrückt: deine Einschränkung wird schon dadurch ad absurdum geführt, das du einen idealen "Normalzustand" der Regeln postulierst, den es so einfach nicht gibt.

Jede Gruppe spielt ihr eigenes Aventurien, Eberron, 6. Welt whatever. Oder noch extremer gesagt: in jedem Spielerkopf besteht eine unterschiedliche Auffassung dieser Welten. So wie die Regelwerke letztendlich eine Art "Vertragswerk" darstellen, die eine gewisse Homogenität der verschiedenen Gruppen-Welten herstellen kann (nicht muss oder auch nur soll), so übernimmt ein bestimmter Teil des Gruppenvertrages dies zwischen den Gruppenmitgliedern.

Und in diesen Teilaspekt fließen dann eben sowohl vorherige bzw. "nebenbei" Absprachen, als auch gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse "in" dieser Gruppenwelt ein.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 12:09
Oder anders ausgedrückt: deine Einschränkung wird schon dadurch ad absurdum geführt, das du einen idealen "Normalzustand" der Regeln postulierst, den es so einfach nicht gibt.
Nein, nicht wirklich.
Wenn ich bei D&D die Regeln für einen Angriffswurf aus dem Buch übernehme, dann ist der Interpretationsfrei.
Das komplette Regelwerk ist sicherlich Interpretationen unterworfen, aber die einzelnen Regeln nicht zwangsläufig.
Also sind, zuminest für mein verständnis, die Regeln, die 1:1 übernommen werden nicht Teil des Gruppenvertrages.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 29.09.2007 | 12:29
Meiner Meinung nach enthält der Gruppenvertrag aber nicht die eigentlichen Regeln, nur die Abweichungen zu den normalen Regeln.

Hmm... dann habe ich meinem Post anscheinend ein anderes Verständnis des Begriffes zu Grunde gelegt.

Ich habe von einem Gruppenvertrag als die für die Gruppe gültigen Verhaltens- und Umgangsregeln gesprochen. Darunter fällt alles mögliche: ob und wie man andere beim Reden unterbricht; welcher Tonfall in einzelnen Situationen angebracht ist; wie man darauf reagiert, wenn der Charakter eines anderen Spielers gerade versagt; wer das Gespräch vom Spiel auf ein anderes Thema lenken darf und wer nicht; etc.

Das sind Verhaltensregeln, die Leute gerne als "selbstverständlich" und "allgemeingültig" sehen... aber die Tatsache ist, dass jede Gruppe sich erst langsam annähert, um zu prüfen wie sehr das wirklich der Fall ist. Jeder einzelne Spieler bringt seine eigene Art der "angemessenen Umgangsform" an den Tisch und daraus formt sich dann mit der Zeit der Gruppenvertrag dieser speziellen Gruppe.

Probleme entstehen meist dann, wenn einem Spieler das soziale Feingefühl oder die Flexibilität fehlt die Umgangsformen der Gruppe zu erkennen bzw. sich daran anzupassen. Genau diese Probleme lassen sich aus den von mir zu Beginn erwähnten Gründen nicht dadurch bereinigen, dass man sie ausspricht.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Bastian-Bux am 29.09.2007 | 12:48
Hmhm, völlig richtig. Nur ... macht es Sinn das soweit aufzudröseln? Bzw. wie groß ist der Anteil des "uninterpretierbar - normalen"? Nur als kleiner Tip: in den Sozialwissenschaften hat man sich schon lange vom Begriff des "absoluten Normalismus"  getrennt. Denn merke: es gibt immer irgend jemanden der selbst deine "uninterpretierbare Regel" noch (fehl)interpretieren kann.

Ich würde es vielmehr so ausdrücken: die weitestgehend narrensicheren Elemente der Regelwerke werden als statischer Aspekt des Gruppenvertrages aufgefasst, und werden nur in den allerseltensten Fällen hinterfragt. Daher werden sie von vielen als "Selbstverständlichkeit angenommen. Dadurch das dies auch für weite Teile der sozial-interaktiven Vertragskomponenten gilt, deutet sich mMn nach an, das eben auch die "regeltechnisch-uninterpretierbaren" Teile Teil des Gruppenvertrages sind.

Nenns meinetwegen "das legalese Geseier das eh keiner liest weil immer das gleiche drin steht". Teil des Vertrages ist es trotzdem.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 29.09.2007 | 13:10
Meiner Meinung nach enthält der Gruppenvertrag aber nicht die eigentlichen Regeln, nur die Abweichungen zu den normalen Regeln.
Ich verstehe nicht ganz was du damit sagen möchtest. Heißt das du definierst hier den Begriff neu oder anders, oder heißt das du hast ihn nicht richtig verstanden? Denn um eine Meinung geht es hier nicht wirklich.

Wie ich schon sagte ist meines Wissens der Begriff "Gruppenvertrag" die deutsche Übersetzung des "social contract" und das meint alle Grundlagen des Rollenspiels auf sozialer Ebene. Dazu gehört dann mindestens auch die Festlegung des verwendeten Regelwerks bzw. dessen Auslegung. Der Gruppenvertrag kann also niemals "leer" sein, höchstens implizit, wie du schon selber sagst.
Dass der Begriff dann wenig mit Rollenspiel zu tun hat stimmt zwar nicht, aber du hast Recht wenn du damit meinst, dass sowas nicht spezifisch für das Rollenspiel ist. Etwas formaler ausgedrückt würde das heißen ein Gruppenvertrag ist nicht hinreichend aber durchaus notwendig für das Rollenspiel.

Dass es wohl in den seltensten Fällen einen expliziten oder gar schriftlichen Vertrag gibt war ja eigentlich klar, und ist zumindest jetzt wohl unstrittig.


Und wenn es Streit in der Gruppe gibt, dann haben die Streitparteien normalerweise verschiedene Ansichten vom Gruppenvertrag.
Klar, das ist nichts besonderes, das dürfte offensichtlich sein, sonst gäbe es wohl keinen Streit. Was aber wohl nicht heißen kann, dass es deswegen keine Art von Vereinbarung gibt, denn auch eine vorhandene Vereinbarung schließt ja Streit darüber nicht aus. Schon gar nicht ausgeschlossen ist der Streit der erst zu Vereinbarungen führt.

Der Verweis auf den Gruppenvertrag als Argument in einer Diskussion über den Gruppenvertrag ist nur insofern hilfreich, als das dadurch alle Anerkennen müssen, dass Einigung auf dieser Ebene nötig ist und das möglicherweise auch Missverständnisse über diese Einigungen auf dieser Ebene bestanden.
Was man natürlich nicht machen kann ist sowas wie: "Das wurde in § X Absatz Y festgelegt, und deswegen musst du das jetzt so machen!"

Der grundsätzliche Komplex auf den das Konzept des Gruppenvertrages aufmerksam macht, ist eigentlich jedem Rollenspieler mit ein wenig Erfahrung bekannt. Es geht nur darum, dass man die Existenz einer solchen Instanz bzw. einer solchen Ebene als Grundlage der Interaktion eben auch beim Rollenspiel anerkennt (wie man das bei jeder anderen sozialen Aktivität nahezu selbstverständlich und unbewusst macht)
Im Rollenspiel neigen viele die wenig Erfahrung damit haben dazu, die Regeln des Spiels oder gar vermeintliche Regeln der Fiktion über alles zu stellen und damit zu verkennen, dass es sich beim Spiel zuerst um eine soziale Interaktion handelt, an die alle mit bestimmten Erwartungen herangehen, und erst das alles weitere  Vorgehen legitimiert.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 29.09.2007 | 14:46
Meiner Meinung nach enthält der Gruppenvertrag aber nicht die eigentlichen Regeln, nur die Abweichungen zu den normalen Regeln.
Mag kleinkariert klingen, aber bezogen auf Turning Wheels frage ist es schon wichtig.
IMHO kann man durchaus ohne Gruppenvertrag spielen, z.B. wenn sich eine ganz neue Gruppe zusammenfindet und einfach losspielt.

Mir ist keine Gruppe bekannt, die sich nicht zumindest vor dem Spiel auf das verwendete Regelwerk oder die verwendete Welt geeinigt hat. Und damit hat man zumindest einen Teil des Gruppenvertrages, der explizit ausgehandelt wurde.
Und selbst, wenn man sich nur darauf einigt, sich zu treffen und rollenzuspielen, ist das schon die Minimalform eines Gruppenvertrages.

Zitat
Da bildet sich der Gruppenvertrag erst noch heraus, und das ist dann ein rein Sozialer Mechanismus, der wenig mit Rollenspiel zu tun hat.
Überall wo Menschen zusammen kommen, bilden sie einen Gruppenvertrag, das passiert fast immer Implizit (Außnahmen bilden z.B. bestimmte Vereine, oder Clubs die einen Niedergeschriebenen Verhaltenskodex haben).
Du hast natürlich recht damit, dass sich viele Teile des Gruppenvertrages gerade in der Anfangszeit der Gruppe erst noch herausbilden müssen.
(Die Anhänger des Cheetoism-Modells nennen das sie "Storming-Phase", wenn es auch mal ordentlich kracht, und die verschiedenen Meinungen zum Rollenspiel aufeinanderprallen, bevor man einen Konsens findet oder sich trennt.)

Zitat
Meine Absicht mit diesem Thread war es ja, zu bestätigen, das es eigentlich nirgendwo einen festen niedergeschriebenen Gruppenvertrag gibt. Deshalb halte ich es für ziemlich unsinnig bei einer Diskussion über Gruppenprobleme diesen Gruppenvertrag immer wieder rauszuholen, ist doch das "zum Thema machen" eines Problems der erste Ansatz den Gruppenvertrag zu verbessern.

Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Wenn es Spannungen in der Gruppe gibt und das Problem vorher schonmal besprochen wurde, dann ist ein Verweis auf vorhergehende Diskussionsergebnisse in meinen Augen durchaus legitim. Natürlich kann man auch die expliziten Teile des Gruppenvertrages ab und zu neu verhandeln, aber Verhandlungsergebnisse einfach immer wieder in Frage zu stellen ist schlechter Stil.
Nehmen wir mal an, die Gruppe hat sich darauf geeinigt, "strahlende Helden retten die Welt vor den Bösen" zu spielen. Dann ist es nervig, wenn ein Spieler jedes Mal wieder damit anfängt, Unschuldige zu meucheln, Waisenhäuser abzufackeln und die Tempelkasse zu plündern.
Etwas völlig anderes ist es, wenn der gleiche Spieler nach dem Ende eines Kampagnenabschnittes vorschlägt, doch mal etwas härteres und düsteres zu spielen.
Im ersten Fall ist ein Verweis auf den Gruppenvertrag ("Wir haben das doch schon 20mal diskutiert! Die Mehrheit will "strahlende Helden" spielen!") durchaus angebracht.

Und natürlich benutzt kein Mensch(TM) im wirklichen Leben(TM) die Begriffe "Gruppenvertrag" und "verhandeln", dass ändert aber nichts an der Tatsache, dass in jeder Gruppe ein Gruppenvertrag existiert und auch verhandelt wird, sei es explizit oder implizit.

Zitat
Der Verweis auf den Gruppenvertrag in einer solchen Diskussion behindert also das ausreifen des Gruppenvertrages.

Wie gesagt, im wirklichen Leben, am Spieltisch, ist mir der Begriff "Gruppenvertrag" noch nie untergekommen. Trotzdem scheinen zumindest viele Spieler das Konzept dahinter zu verstehen und auch anzuwenden.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 15:01
Heißt das du definierst hier den Begriff neu oder anders, oder heißt das du hast ihn nicht richtig verstanden?
Von allem etwas. So eindeutig scheint mir der Begriff nicht definiert zu sein. Es gibt also durchaus unterschiedliche Meinungen darüber, ob die Regeln Teil, oder nur Subject des Gruppenvertrages sind.

Der Gruppenvertrag kann also niemals "leer" sein, höchstens implizit, wie du schon selber sagst.
Nehmen wir eine komplett neue Gruppe. Da ist der Gruppenvertrag speziell aufs Rollenspiel bezogen leer. Natürlich gibt es die Grundsätzlichen Sozialen Regeln, die immer gelten, sobald sicheine Gruppe Menschen zusammenfindet, aber wenn man diesen Teil schon als Teil des Rollenspiel-Gruppenvertrages sieht, dann kommt man IMHo viel zu schnell in viel zu komplexe Soziale Theorien, als das man da vernünftig drüber reden könnte. IMHO ist die Abgrenzung eines der wichtigsten Vorbereitungen zum erstelleneiner Theorie.

Klar, das ist nichts besonderes, das dürfte offensichtlich sein, sonst gäbe es wohl keinen Streit.
Es gibt ja zwei Arten von Konflikten.
Entweder haben zwei Personen oder Gruppen verschiedene Ansicht über denselben geregelten Aspekt des Gruppenvertrags, oder sie sind mit einem Teil des Gruppenvertrages an sich nicht einverstanden. Das macht IMHo einen gewaltigen Unterschied.

Wenn der Gruppenvertrag z.B. besagt "Der SL hat das letzte Wort" Dann kann es sein, das sich ein Spieler an der Tatsache stört, das der SL das letzte Wort haben soll (hier ist er mit der Regel nicht einverstanden) ode aber, er ist in einem speziellen Fall nicht mit einer aus dieser Regel entstandenen Situation (z.B. wenn der SL sagt in der Spielwelt gibt es keine Schußwaffen) einverstanden.

In letzterer Situation könnten die anderen Spieler dem Spieler der nicht einverstanden ist, aufgrund des Gruppenvertrags sagen, das die Situation doch geklärt sei, aber das ist ja nicht wirklich der Fall, denn der Spieler ist ja nicht einverstanden.
Das heisst im Endeffekt, das ein Gruppenvertrag immer nur solange gilt, bis irgendjemand nichtmehr damit einverstanden ist, wenn man noch dazu annimmt, das der Gruppenvertrag implizit ist, das handelt es sich dabei doch um ein völlig Substazloses Gebilde, das keien Diskusion weiterbringt.

Oder übersehe ich irgendwo einen Essentiellen Sinn im Gruppenvertrag?

Was aber wohl nicht heißen kann, dass es deswegen keine Art von Vereinbarung gibt, denn auch eine vorhandene Vereinbarung schließt ja Streit darüber nicht aus. Schon gar nicht ausgeschlossen ist der Streit der erst zu Vereinbarungen führt.

Der Verweis auf den Gruppenvertrag als Argument in einer Diskussion über den Gruppenvertrag ist nur insofern hilfreich, als das dadurch alle Anerkennen müssen, dass Einigung auf dieser Ebene nötig ist und das möglicherweise auch Missverständnisse über diese Einigungen auf dieser Ebene bestanden.
Was man natürlich nicht machen kann ist sowas wie: "Das wurde in § X Absatz Y festgelegt, und deswegen musst du das jetzt so machen!"

Der grundsätzliche Komplex auf den das Konzept des Gruppenvertrages aufmerksam macht, ist eigentlich jedem Rollenspieler mit ein wenig Erfahrung bekannt. Es geht nur darum, dass man die Existenz einer solchen Instanz bzw. einer solchen Ebene als Grundlage der Interaktion eben auch beim Rollenspiel anerkennt (wie man das bei jeder anderen sozialen Aktivität nahezu selbstverständlich und unbewusst macht)
Im Rollenspiel neigen viele die wenig Erfahrung damit haben dazu, die Regeln des Spiels oder gar vermeintliche Regeln der Fiktion über alles zu stellen und damit zu verkennen, dass es sich beim Spiel zuerst um eine soziale Interaktion handelt, an die alle mit bestimmten Erwartungen herangehen, und erst das alles weitere  Vorgehen legitimiert.
[/quote]
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 29.09.2007 | 15:20
Da ist der Gruppenvertrag speziell aufs Rollenspiel bezogen leer. Natürlich gibt es die Grundsätzlichen Sozialen Regeln, die immer gelten, sobald sicheine Gruppe Menschen zusammenfindet, aber wenn man diesen Teil schon als Teil des Rollenspiel-Gruppenvertrages sieht, dann kommt man IMHo viel zu schnell in viel zu komplexe Soziale Theorien, als das man da vernünftig drüber reden könnte. IMHO ist die Abgrenzung eines der wichtigsten Vorbereitungen zum erstelleneiner Theorie.

Aber dir ist schon klar, dass sobald du eine komplexe Situation derart reduzierst, die Erkenntnisse die du dann noch machen kannst immer weniger Anwendbarkeit haben?

Denn dafür wiegen die ganzen sozialen Aspekte - bei einer Beschäftigung wie dem Rollenspiel, dass ja nun mal auch stark davon lebt - viel zu schwer, um sie einfach mal auszugrenzen, weil man dann besser über die Anwendung von Regeln reden kann. 
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Roland am 29.09.2007 | 15:45
Von allem etwas. So eindeutig scheint mir der Begriff nicht definiert zu sein.

Er ist:
 
Zitat
All interactions and relationships among the role-playing group, including emotional connections, logistic arrangements, and expectations. All role-playing is a subset of the Social Contract.

Forge - The Provisional Glossary


Ein Gruppenvertrag ist um so weniger hilfreich, je weniger er umfasst und je weniger er explizit ist.


Das heisst im Endeffekt, das ein Gruppenvertrag immer nur solange gilt, bis irgendjemand nichtmehr damit einverstanden ist, wenn man noch dazu annimmt, das der Gruppenvertrag implizit ist, das handelt es sich dabei doch um ein völlig Substazloses Gebilde, das keien Diskusion weiterbringt.

Nein. Ein Gruppenvertrag gilt so lange bis er von den Parteien außer Kraft gesetzt wird. Seine Existenz übt sozialen Druck aus, der es wahrscheinlicher macht, dass sich die Parteien in Einklang mit den vereinbarten Bedingungen verhalten.
Wie Du richtig anmerkst, hat ein völlig implizierter Vetrag den Nachteil, dass sich die Parteien dem Vetrag leichter entziehen können. Dem kann man, z.B. durch eine Diskussion vor Spielbeginn, recht einfach begegnen.
In einigen meiner Runden diskutieren wir etwaige Fragen z.B. vor Beginn des Spiels in einem Forum, nachdem jemand (meist der potentielle SL) eine kurze Zusammenfassung des Konzepts (grober Hintergrund, beispielhaft Tätigkeiten der Charaktere usw.) gepostet hat.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 15:49
Das "Problem" ist IMHO, das der Bereich denman da ausklammert so riesig ist, und auch so komplex und von Fachwissen abhängig, das es weig Sinn macht diese in die Diskussion mit einzubeziehen.
Es gibt hunderttausend gründe, warum sich ein Mitspieler z.B. assozial(in den Augen der anderen) verhalten kann. Die wenigsten Spieler oder SL sind in der Lage da objektiv drauf zu reagieren, also sollte an, denke ich, sich auf die pragmatischeren Bestandteile des zusammenspielens beschränken.
Denn: Der perfekteste Gruppenvertrag ist nichts wert, wenn sich auch nur einer nicht dran hält. Und bei einer zu groben Umfassung der Vertragsinhalte steigt die Wahrscheinlichkeit.

Wenn ich das auf die meisten meiner Gruppen beziehe, dann folgt da z.B. jeder seinen eigenen Umgangsformen. Das gibt schonmal Konflikte, aber die sind außerhalb des Rollenspiels, und wenn man sich nicht dran festbeist, kann man die, wie bei jedem anderen zusammenkommen verschiedener Menschen relativ schnell umgehen.
Ein ewiger Querulant z.B. wird immer ein ewiger Querulant bleiben, egal was der Gruppenvertrag sagt. Und entweder kann der Rest der Gruppe damit leben, oder sie Werfen ihn raus. dann aber nicht wegen "ncihteinhaltung des Gruppenvertrages" sondern schlicht und einfach weil sie mit ihm nicht spielen können.

Zitat
All interactions and relationships among the role-playing group, including emotional connections, logistic arrangements, and expectations. All role-playing is a subset of the Social Contract.
Das heisst die Regeln sind nicht Teil des Vertrages. Das entspricht meiner Meinung. Aber iwe gesagt, die allgemeinen Sozialregeln darin gefallen mir nicht, da ich sie für zu abgetrennt vom eigentlichen Spiel halte.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 29.09.2007 | 16:05
Das "Problem" ist IMHO, das der Bereich denman da ausklammert so riesig ist, und auch so komplex und von Fachwissen abhängig, das es weig Sinn macht diese in die Diskussion mit einzubeziehen.

Das sehe ich überhaupt nicht so.

Es gab schliesslich schon Gruppenverträge, bevor sich jemand die Mühe gemacht hat, sie so zu nennen. Menschen konnten auch schon auf dieser "sozial-wissenschaftlichen" Ebene handeln und darüber reden, bevor es Leute gab, die dazu Bücher lasen oder sie schrieben.

Man braucht kein Fachwissen um vernünftig oder sinnvoll über Gruppenverträge sprechen zu können, sondern fundierte Sozialkompetenz und die Fähigkeit sie in Worten auszudrücken.

Zitat
Das heisst die Regeln sind nicht Teil des Vertrages.

Doch. "subset" heißt "Teilmenge".
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 16:16
Doch. "subset" heißt "Teilmenge".
Aber role-playing heisst doch nicht "Die Regeln" sonder "das Rollenspiel", also die Handlungen.

Man braucht kein Fachwissen um vernünftig oder sinnvoll über Gruppenverträge sprechen zu können, sondern fundierte Sozialkompetenz und die Fähigkeit sie in Worten auszudrücken.
Ja, aber wenn man die allgemeinen Sozialen verhaltensregeln mit einbezieht, dann öffnet man ein Faß ohne Boden. Man ist ruck zuck weg vom eigentlichen Thema, und streitet sich darüber, ob die Kompetenzenverteilugn gerecht ist. Man streitet sich darüber, ob der Meister seine Nerdigkeit im Realen Leben durch sein "Mestergehabe" kompensiert, statt über die eigentlich wichtigen Faktoren zu reden, die bestimmte Regeln zur Grundlage haben.
Bei Jörgs "Auge um Auge" Thread z.B. wurde sofort darauf reagiert, das es eine Art Rache oder Erziehungsversuch ist.
IMHO sind diese querverweise irrelevant, da sie nur vom eigentlichen Thema ablenken. In diesem Fall sollte man eher darüber reden, was für Auswirkungen "Auge um Auge" hat, und welche Spieltechnischen Gründe es dafür geben könnte.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Bastian-Bux am 29.09.2007 | 16:28
Nope, genausowenig wie du aus dem "Schauspiel" die Regie und das Script herauslassen kannst. Und selbst die Höhe des Gehaltscheques der Schauspieler (oder besser, das subjektive Empfinden darüber) sind Teil des subsets "Schauspiel".

Natürlich kannst du das alles außen vor lassen, weil es mit dem "Schauspiel" an und für sich nichts zu tun hat. Dann wirst du aber dummerweise auf einige Connections nicht aufmerksam werden.

Sicher ist das "Regelwerk" ein abgrenzbares subset des Gruppenvertrages, mit eigenen Besonderheiten. Aber eben auch das: ein über verschiedene Ebenen integriertes Subset, kein "sozial unbeeinflußtes" Idealding, das man mal eben rauslassen kann.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 29.09.2007 | 16:32
Wenn ich das auf die meisten meiner Gruppen beziehe, dann folgt da z.B. jeder seinen eigenen Umgangsformen. Das gibt schonmal Konflikte, aber die sind außerhalb des Rollenspiels, und wenn man sich nicht dran festbeist, kann man die, wie bei jedem anderen zusammenkommen verschiedener Menschen relativ schnell umgehen.

Ja. Und? Dann ist eine implizite Regel eures Gruppenvertrages eben: Jeder folgt seinen eigenen Umgangsformen, und wenn es Konflikte gibt, dann beißen wir uns nicht daran fest, sondern umgehen sie.

Zitat
Ein ewiger Querulant z.B. wird immer ein ewiger Querulant bleiben, egal was der Gruppenvertrag sagt. Und entweder kann der Rest der Gruppe damit leben, oder sie Werfen ihn raus. dann aber nicht wegen "ncihteinhaltung des Gruppenvertrages" sondern schlicht und einfach weil sie mit ihm nicht spielen können.

Man könnte auch sagen, wenn jemand die Regeln (und damit meine ich auch die sozialen, zwischenmenschlichen) nicht akzeptiert, dann spielt er eben nicht mehr mit. Und die Gesamtheit dieser Regeln, die in einer Gruppe gelten, nennt man eben heutzutage Gruppenvertrag. Früher sagte man gar nichts dazu, und meistens hat es trotzdem funktioniert.

Zitat
Das heisst die Regeln sind nicht Teil des Vertrages. Das entspricht meiner Meinung. Aber iwe gesagt, die allgemeinen Sozialregeln darin gefallen mir nicht, da ich sie für zu abgetrennt vom eigentlichen Spiel halte.

Die Regeln sind natürlich Teil des Vertrages. "All interactions".
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 29.09.2007 | 16:36
Und wie bei vielen Theorie-Ergüssen ist es auch beim Gruppenvertrag so:
Es hilft schon ungemein, wenn man sich nur einmal bewusstgemacht hat, dass es so etwas überhaupt gibt: Regeln, die in der Gruppe gelten, und auf die man sich explizit oder implizit geeinigt hat.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 16:48
Die Regeln sind natürlich Teil des Vertrages. "All interactions".
Eine Regel ist aber keine interaktion.
Eine Interaktion ist die Anwendung einer Regel.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 29.09.2007 | 17:02
Eine Regel ist aber keine interaktion.
Eine Interaktion ist die Anwendung einer Regel.

Aber bei der Frage, wie interagiert wird, ob z.B. die Interaktion "Kampf auswürfeln" mit einem Pool von W6 gegen eine Mindestschwierigkeit oder mit einem W20 möglichst niedrig ausgeführt wird, da werden die Regeln auf einmal ziemlich wichtig, oder?
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 29.09.2007 | 17:06
Aber bei der Frage, wie interagiert wird, ob z.B. die Interaktion "Kampf auswürfeln" mit einem Pool von W6 gegen eine Mindestschwierigkeit oder mit einem W20 möglichst niedrig ausgeführt wird, da werden die Regeln auf einmal ziemlich wichtig, oder?
Also das lese ich nicht aus der Definition raus.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: anarath am 29.09.2007 | 17:19
Dann ist also alle Interaktion Teil des Gruppenvertrages?
Also ist die Mitschrift allen gesagten und das Protokoll sämtlicher Körpersprache etc. Teil des Gruppenvertrages und nicht die Übereinkunft, wie all das von Statten gehen sollte?
das macht doch keinen Sinn..
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Roland am 29.09.2007 | 17:41
Dann ist also alle Interaktion Teil des Gruppenvertrages?

Nein. Alle Interaktion soll durch den Gruppenvertrag geregelt werden.

Also das lese ich nicht aus der Definition raus.

Dann lass Dir gesagt sein, dass dem so ist. Alles was mit Rollenspiel zu tun hat, fällt unter den Geltungsbereich des Social Contract nach der Definition. Es lassen sich auch bestimmt einige Forenthreads zu dem thema finden, wo Du die Definition und die Diskussion die zu ihr geführt hat, nachlesen kannst.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 29.09.2007 | 17:43
Dann ist also alle Interaktion Teil des Gruppenvertrages?
Also ist die Mitschrift allen gesagten und das Protokoll sämtlicher Körpersprache etc. Teil des Gruppenvertrages und nicht die Übereinkunft, wie all das von Statten gehen sollte?
das macht doch keinen Sinn..

Da hast du recht. Halte dich lieber an meine Definition:

"Der Gruppenvertrag ist die Summe aller Regeln, an die sich alle am Spiel Beteiligten halten wollen."

Das ist auf deutsch, leicht verständlich, und dürfte von ca. 98% aller, die den Begriff "Gruppenvertrag" in den Mund nehmen, akzeptiert werden.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 29.09.2007 | 20:17
Nochmal das selbe Missverständnis das ich schon am Anfang geklärt habe. Der Gruppenvertrag ist nur begrenzt als normativ (Regelhaft im Sinne einer Vorschrift, Was man tun soll) für die konkrete Spielgruppe zu sehen, wenn überhaupt. Viel mehr geht es darum einen Begriff für die Ebene zu haben auf der eine Gruppe von Menschen ganz grundsätzlich miteinander nach bestimmten Regeln handelt (deskriptiv), seien die nun verhandelt oder nur "einfach so" aus der Praxis entstanden und im ständigen Wandel.


Ja, aber wenn man die allgemeinen Sozialen verhaltensregeln mit einbezieht, dann öffnet man ein Faß ohne Boden. Man ist ruck zuck weg vom eigentlichen Thema...
Das ist einerseits richtig, mit einem "aber".
Du solltest dich vielleicht etwas mehr mit der Theorie beschäftigen, anstatt dich nur dazu auszulassen und Definitionen anzuzweifeln, dann wüsstest du, dass man auch Begriffe für Bereiche hat, die die soziale Ebene nicht beinhalten (z.B. Spielregeln, Regelwerk, System etc.) und damit voraussetzen, dass auf der rein sozialen Ebene alles in Ordnung ist bzw. dass dort bestimmte angenommene Zustände herrschen.
Ist man sich dieser Ausklammerung aber nicht bewusst und betrachtet sie noch nicht mal von ihrer Bedeutung für das Spiel her, macht man genau den Fehler alle Ursachen Wirkungen, Probleme und Lösungen im Spiel selbst zu suchen, womit man in (völlig willkürlich) geschätzt mindestens 50% der Fälle absolut scheitern muss, weil man das völlig falsche betrachtet.
Die Rollenspieltheorie betrifft ja gar nicht die rein sozialen Aspekten des Rollenspiels, sondern nur die spezifischen. Allerdings geht es nicht ohne die Anerkennung der sozialen Ebene und ihrer Bedeutung, auch wenn man dann nicht unbedingt weitere Aussagen zur Funktion dieser Ebene macht, weil das entweder Allgemeinwissen ist, oder es ist zu komplex und zu weit vom Thema entfernt.

Zu allem weiteren würde ich mich nur noch mehr wiederholen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Arkam am 29.09.2007 | 23:56
Hallo zusammen,

da meine derzeitige Gruppe aus recht verschiedenen Leuten besteht kracht es bei uns schon Mal im sozialen Gebälk.
Das liegt nicht daran das die einzelnen Leute sozial inkompetent wären sondern daran das sie sehr unterschiedliche Ansätze von Rollenspiel haben.

Deshalb haben wir tatsächlich etwas schriftliches über vernünftiges Verhalten am Spieltisch verfaßt, siehe Anhang. Das ganze fand in einer Mechwarrior Runde statt und deshalb heißt das Ganze auch Areskonvention, regelte im Mechwarriorhintergrund Fragen zu Kriegsführung.

In der derzeitigen D&D Runde hat der Spielleiter bei der einleitenden E-Mail festgelegt worauf er Wert legt.

Gerade das letzte Verfahren fand ich hilfreich. Denn so wurde einiges an Ärger in der E-Mail Diskussion und nicht in der Spielrunde erledigt. Leider wurde aus falscher Rücksichtnahme doch noch die eine oder die andere Ausnahme zugelassen.

In meiner eigenen Runde spielen ein Ehepaar und ein Freund des Ehemannes mit mir als Spielleiter. Unsere Vorstellungen von einem gelungenen Rollenspiel sind ähnlich genug so das selbst Spieltermine an denen nicht gespielt wird gruppeneinvernehmlich behandelt werden.

Gruß Jochen

[gelöscht durch Administrator]
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 30.09.2007 | 00:06
Du solltest dich vielleicht etwas mehr mit der Theorie beschäftigen, anstatt dich nur dazu auszulassen und Definitionen anzuzweifeln, dann wüsstest du, dass man auch Begriffe für Bereiche hat, die die soziale Ebene nicht beinhalten (z.B. Spielregeln, Regelwerk, System etc.) und damit voraussetzen, dass auf der rein sozialen Ebene alles in Ordnung ist bzw. dass dort bestimmte angenommene Zustände herrschen.
Aber dann fehlt mir imer noch die Ebene die ich unter Gruppenvertrag verstehen würde, nämlich die spezielen aufs Rollenspiel bezogenen Kommunikations und Hirarchie und Problembewältigungsregeln.
Und um diesen IMHO einzig wichtigen Punkt herauszufiltern, will ich mich nicht mit einer Theorie beschäftigen, die mir viel zu viele falsche Wege geht.(Nimm es einfach hin)
Tatsache ist, das der Begriff des Gruppenvertrages hier im Forum immer mal wieder als spezifisches "Regelwerk", das man explizit abspricht, benutzt wird. Wenn er das nicht ist, dann fehlt ja ein Begriff für dieses "Regelwerk".
Ein Begrff für "Alles was im Rollenspiel, beim Rollenspiel und ums Rollenspiel herum" passiert ist total Sinnlos.
Dann ist der Gruppenvertrag einfach "Das Rollenspiel", und der Begriff des Gruppenvertrages total überflüssig.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 30.09.2007 | 00:27
Aber dann fehlt mir imer noch die Ebene die ich unter Gruppenvertrag verstehen würde, nämlich die spezielen aufs Rollenspiel bezogenen Kommunikations und Hirarchie und Problembewältigungsregeln.

Hmm... also wenn man sich wie bei "Gruppenvertrag" vom Forge-Vokabular inspirieren möchte, dann gibt es dort den Begriff "System" (http://tanelorn.net/index.php/topic,28747.msg564703.html#msg564703).

Deine Umschreibung ist vielleicht sogar besser, als das was ich damals dazu geschrieben habe.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 30.09.2007 | 00:36
Ein Begrff für "Alles was im Rollenspiel, beim Rollenspiel und ums Rollenspiel herum" passiert ist total Sinnlos.
Dann ist der Gruppenvertrag einfach "Das Rollenspiel", und der Begriff des Gruppenvertrages total überflüssig.

Einen Begriff dafür, dass es jenseits des Regelwerkes noch weitere, meist ungeschriebene Regeln gibt, die das zwischenmenschliche Miteinander am Spieltisch beschreiben, halte ich persönlich nicht für überflüssig.
Andererseits halte ich die Verwendung des Begriffes "Gruppenvertrag" auch nicht für spielspaß-entscheidend.
Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass viel Frust und Streit beim Rollenspiel nicht in den verwendeten Regeln (die, die im gedruckten Regelwerk stehen) und deren Interpretation ihren Ursprung findet, sondern einen oder zwei Ebenen höher.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.09.2007 | 02:16
Tatsache ist, das der Begriff des Gruppenvertrages hier im Forum immer mal wieder als spezifisches "Regelwerk", das man explizit abspricht, benutzt wird. Wenn er das nicht ist, dann fehlt ja ein Begriff für dieses "Regelwerk".
Dazu würde ich dann Regelwerk sagen.
Das Regelwerk setzt sich dann aus Hausregeln und offiziellen Regeln zusammen.

Bzw. falls du auch soziale Regeln meinst:
Das ist dann der explizite Gruppenvertrag. (Der Gruppenvertrag setzt sich aus dem implizitem und dem explizitem Gruppenvertrag zusammen.)
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 30.09.2007 | 10:29
1.
Der Gruppenvertrag kann beinhalten, dass jeder sein eigenes Fresschen und Trinkchen mitbringt. Dann ist das Essen selbst kein Teil des Gruppenvertrages, aber sehr wohl etwas das unmittelbar beim Spiel passiert.
Gerade das ist ja mein Problem, wenn man es so nennen will.
Mir ist Klar, was der Gruppenvertrag nach der Definition alles bedeutet, aber er enthält dann doch viel zu viele Dinge, die völlig unnötig für Objektive Diksussionen sind.
Was soll ich mit einem Konstrkt das regelt, wer das Trinken mitbringt, wenn ich über die Kommunikationssregeln sprechen will.
Den Gruppenvertrag in einer Diskussion ums Rollenspiel herauszuholen, ist wie die Mana Carta hervorzukramen, wenn eine Politesse mir erklärt, warum ich jetzt einen Strafzettel wegen Falsch parkens bekomme.
Meiner Erfahrung nach, und auch wenn man sich eingie Diskussionen anguckt, ist das höchst Kontraproduktiv.
Wenn wir allgemein darüber reden, wie eine Rollenspielgruppe funktioniert, dann ist der Gruppenvertrag ein wichtiges Element. Aber für spezifische Probleme ist er viel zu umfassend.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 30.09.2007 | 10:43
Wenn wir allgemein darüber reden, wie eine Rollenspielgruppe funktioniert, dann ist der Gruppenvertrag ein wichtiges Element. Aber für spezifische Probleme ist er viel zu umfassend.

Dem stimme ich zu. Das theoretische Konstrukt "Gruppenvertrag" ist kein Werkzeug zur Problemlösung.
Das Wissen um dieses theoretische Konstrukt kann aber helfen, Probleme zu erkennen, zu vermeiden oder eben anzusprechen.

Genauso löst mir das "Big Model" keine Probleme am Spieltisch. Aber das Wissen darum, dass verschiedene Menschen verschiedene Dinge am Rollenspiel gut finden, war zumindest für mich selbst ein großer Schritt, die Ursache vieler Probleme in meinen Runden zu erkennen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Fredi der Elch am 30.09.2007 | 11:28
Meiner Erfahrung nach, und auch wenn man sich eingie Diskussionen anguckt, ist das höchst Kontraproduktiv.
Wann, wie, wo? Wo sind meine konkreten Beispiele?

Denn
Zitat
Wenn wir allgemein darüber reden, wie eine Rollenspielgruppe funktioniert, dann ist der Gruppenvertrag ein wichtiges Element. Aber für spezifische Probleme ist er viel zu umfassend.
Wenn du für die Erkenntnis, dass das Konstrukt nicht für alle Fragestellungen und alle Diskussionen geeignet ist, diesen Thread hier gebraucht hast, dann... naja, das ist dann... neeeee, ich will ja nicht ausfallend werden. ;) Das kann dann ja also nicht alles gewesen sein.

Dann gib einfach mal konkrete Beispiele, wo der Begriff deiner Meinung nach in Diskussionen unproduktiv war. Wäre doch besser als hier im luftleeren Raum 3 Seiten lang zu seiern, oder? Um nicht zu sagen: "Der Thread von Thalamus - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?" ;D
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 30.09.2007 | 12:36
Gerade das ist ja mein Problem, wenn man es so nennen will.
Mir ist Klar, was der Gruppenvertrag nach der Definition alles bedeutet, aber er enthält dann doch viel zu viele Dinge, die völlig unnötig für Objektive Diksussionen sind.
Was soll ich mit einem Konstrkt das regelt, wer das Trinken mitbringt, wenn ich über die Kommunikationssregeln sprechen will.
Den Gruppenvertrag in einer Diskussion ums Rollenspiel herauszuholen, ist wie die Mana Carta hervorzukramen, wenn eine Politesse mir erklärt, warum ich jetzt einen Strafzettel wegen Falsch parkens bekomme.
Meiner Erfahrung nach, und auch wenn man sich eingie Diskussionen anguckt, ist das höchst Kontraproduktiv.
Wenn wir allgemein darüber reden, wie eine Rollenspielgruppe funktioniert, dann ist der Gruppenvertrag ein wichtiges Element. Aber für spezifische Probleme ist er viel zu umfassend.
Das sehe ich anders und halte das, was Du hier geschrieben hast, für ziemlichen Unsinn.

Zunächst: Ja, im Gruppenvertrag sind wahrscheinlich auch Dinge geregelt, die für spezifische Probleme anderer Natur nicht relevant sind.
Aber: Das bedeutet nicht, dass im Gruppenvertrag Dinge nicht die Dinge geregelt sind / sein können, die für das betreffende spezifische Problem relevant sind. Es bedeutet allerdings auch nicht, dass die spezifischen Dinge geregelt sind.
Da letztendlich jede Gruppe ihren eigenen Vertrag aushandelt und über den Inhalt selbst bestimmt, kann das gar nicht allgemein bestimmt werden.

Wenn eine Gruppe (Dein Beispiel mal aufnehmend) über Kommunikationsprobleme spricht, kann in deren Gruppenvertrag dazu Regelungen zu finden sein. Muss aber nicht - wenn sie sich diesbezüglich noch keine Gedanken gemacht haben. Es kann aber auch eine Regelung zu finden sein, was passiert wenn jemand nicht erscheint, wer den Müll rausträgt oder wer für Getränke sorgt.
Das ist aber auch gar nicht wichtig, denn wenn man über ein spezifisches Problem spricht, sind nur die Passagen relevant, die treffen. Die anderen sind OT.

Dementsprechend ist Dein Politessen Beispiel auch vollkommen daneben. Wenn Du mit einer Politesse diskutierst, kramst Du die Straßenverkehrsordnung raus. Da drin steht das betreffende über verkehrswidriges Parken. Da steht aber auch was über zu schnelles Fahren, Fahren ohne angeschnallt zu sein und Mobilfunktelefonate während des Fahrens.
Du suchst Dir raus, was zum Thema betreffend gehört und verwendest das in der Diskussion mit der Politesse. Die anderen Passagen sind für diesen speziellen Fall unwichtig - genau wie beim Gruppenvertrag.

Ob Elemente des Gruppenvertrages unrelevant sind, bestimmt die Gruppe selbst. Und zwar jede für sich.
Für Dich mag die Regelung über die Getränkeversorgung unrelevant sein - dann brauchst Du sie nicht in den Gruppenvertrag integrieren. Wir hatten vor Jahren mal einen totalen Schnorrer in der Runde - da war es superwichtig, das zu regeln.
Und zwar sogar wichtig für objektive Diskussionen, denn wenn die Hälfte der Runde angefressen rumsitzt, weil der Schnorrer mal wieder nichts dabei hat und jeden anschnorrt, dann wirds auch nichts mit objektiver Diskussion über andere Themen.
Dementsprechend gehörte für uns das Thema in den Gruppenvertrag - andere haben kein Problem damit, also hat deren Gruppenvertrag darüber nichts im Inhalt.

Ein Gruppenvertrag ist ein dynamisches, generisches Konstrukt - er verändert sich laufend, weil in ihm das aufgenommen wird, was für die individuelle Gruppe wichtig ist. Und er sieht auch bei jeder Gruppe anders aus.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Funktionalist am 30.09.2007 | 12:54
@Thalamos
Warum möchtest Du die Def. des Gruppenvertrages einschränken, obwohl sie, so wie sie jetzt besteht, all das kann, was Du von ihr verlangst?

Die Bereiche, die durch ihn geregelt werden und die Du nicht brauchst, kannst Du für einzelne Diskussionen ja einfach weglassen...
Hohoho:"Bei Gericht wird ja auch nichtmit dem gesamten Gesetzestext argumentiert"
bzw: Bei Gesetzesänderungen werden nur Teile geändert und der Rest belassen, wie er ist.

 :3~ was für eine schwere Geburt...
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 30.09.2007 | 21:34
@Thalamos
Warum möchtest Du die Def. des Gruppenvertrages einschränken, obwohl sie, so wie sie jetzt besteht, all das kann, was Du von ihr verlangst?
Ich will die garnicht einschränken. ihr könnt definieren, was auch immer ihr wollt.
Hört doch mal auf aus allem was ein Mensch schreibt einen Allgemeingültigkeitsanspruch herauslesen zu wollen.

Auf die Diskussion mit der Definition des Gruppenvertrages kam ich ja erst später, weil es mir Sinnentleert vorkommt, die Regeln an sich (So wie sie im Regelwerk stehen) als Teil des Gruppenvertrages zu betrachten, und dort hat mir noch keiner eine Antwort gegeben, warum das Sinn machen sollte.

Den Thread gestartet habe ich ja wegen:
Meine Absicht mit diesem Thread war es ja, zu bestätigen, das es eigentlich nirgendwo einen festen niedergeschriebenen Gruppenvertrag gibt. Deshalb halte ich es für ziemlich unsinnig bei einer Diskussion über Gruppenprobleme diesen Gruppenvertrag immer wieder rauszuholen, ist doch das "zum Thema machen" eines Problems der erste Ansatz den Gruppenvertrag zu verbessern.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 30.09.2007 | 22:50
Auf die Diskussion mit der Definition des Gruppenvertrages kam ich ja erst später, weil es mir Sinnentleert vorkommt, die Regeln an sich (So wie sie im Regelwerk stehen) als Teil des Gruppenvertrages zu betrachten, und dort hat mir noch keiner eine Antwort gegeben, warum das Sinn machen sollte.

Die Regeln im Regelwerk sind nunmal meist Grundlage all dessen, was spielmechanisch am Tisch passiert. Und meistens sind die Regeln das erste und einzige (nach dem Termin), was explizit verhandelt wird.
Es ergibt in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, diese Grundlage als getrennt vom Gruppenvertrag zu betrachten, weil das Regelwerk eben auch in viele andere Aspekte der rollenspielerischen Aktivität mit hineinspielt.

Ansonsten gebe ich dir (zum wiederholten Male) vollkommen recht: Es gibt in der freien Wildbahn keine niedergeschriebenen Gruppenverträge. Das theoretische Konstrukt "Gruppenvertrag" ist weder spielspaß-entscheidend, noch taugt es als Werkzeug, um Probleme in der Gruppe zu lösen.

Zitat
Deshalb halte ich es für ziemlich unsinnig bei einer Diskussion über Gruppenprobleme diesen Gruppenvertrag immer wieder rauszuholen, ist doch das "zum Thema machen" eines Problems der erste Ansatz den Gruppenvertrag zu verbessern.

Kannst du mal bitte an einem konkreten Beispiel (aus deinem eigenen Leben oder aus einer Diskussion hier im Forum) mal erläutern, wie dieses "mit dem Hinweis auf den Gruppenvertrag das Ansprechen eines Problemes verhindern" denn genau funktioniert? Ich hab zwar eine grobe Vorstellung davon, was du meinen könntest, habe diese Verhaltensweise aber noch nirgends gesehen.
Meistens kommt in Diskussionen über Gruppenprobleme der Hinweis auf den Gruppenvertrag ja genau aus der entgegengesetzten Motivation, nämlich als Aufforderung: "Redet darüber! Findet eine einvernehmliche Lösung, die jeden zufriedenstellt!"
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Purzel am 1.10.2007 | 08:09
• (Den dritten habe ich leider vergessen) :-)

Das funktioniert doch nie!
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 09:21
Kannst du mal bitte an einem konkreten Beispiel (aus deinem eigenen Leben oder aus einer Diskussion hier im Forum) mal erläutern, wie dieses "mit dem Hinweis auf den Gruppenvertrag das Ansprechen eines Problemes verhindern" denn genau funktioniert? Ich hab zwar eine grobe Vorstellung davon, was du meinen könntest, habe diese Verhaltensweise aber noch nirgends gesehen.
Es geht mir darum, das ein "redet drüber" oder "sowas sollte im Gruppenvertrag geregelt sein" am Kern der meisten Diskussionen vorbei geht. Wenn hier im Forum jemand über ein spezifisches Problem reden will, dann ist das doch oft der Anfang eien Regelung für den Gruppenvertrag zu finden
Phrasen wie "ein Gruppenvertrag schafft da abhilfe" oder ähnliches hab ich hier schon gelesen, und ich hab jetzt keine Lust danach zu suchen (Die suchfunktion des Forums ist für den A***).
Aber da wir ja bereits festgestellt haben, das es kein Rollenspiel ohne Gruppenvertrag gibt (jedenfalls wenn man die Regeln mit einbezieht) dann ist es doch Sinnlos zu sagen "Ein Gruppenvertrag hilft da, oder?
Genau wie bei vielen Old Schoolern die Goldene Regel oft als Automatismus angewandt wird, sehe ich das bei den Theoretikern auch mit dem Gruppenvertrag. Es ist ein schönes Wort mit dem man um sich werfen kann, ohne was falsch zu machen, aber man macht auch nichts Produktives damit.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 1.10.2007 | 09:39
In aller Kürze: Es gab Zeiten, da war es in unserer Runde notwendig, Abmachungen schriftlich festzuhalten und da haben wir das auch getan. Zu dieser Zeit gab es also bei uns einen schriftlichen Gruppenvertrag.

An einem Punkt gebe ich Thalamus Recht:
Phrasen wie "Ein Gruppenvertrag schafft da Abhilfe." sind inhaltlich Blödsinn. Denn es existiert immer ein Gruppenvertrag. ...in jeder Runde!
Dementsprechend ist die Formulierung schlecht, denn sie impliziert, dass man einen noch nicht existierenden Gruppenvertrag erschaffen könnte.
Der wird aber allein durch die getroffene Abmachung "Wir spielen zusammen Rollenspiel!" erschaffen.
Was vielleicht statt dessen gemeint sein könnte (Achtung: Interpretation!):
"Sich der Existenz des Gruppenvertrages bewust sein und diese Dinge darüber zu lösen, kann Abhilfe schaffen."

Der Begriff "Gruppenvertrag" ist doch letztendlich eine Worthülse, die die Summe aller Abmachungen, die die Spielerrunde treffen, beinhaltet.
Der Begriff sagt ansonsten rein gar nichts aus. Er sagt auch nichts über die Qualität eines spezifischen Gruppenvertrages aus.
Wenn die Spielerrunde aus Trotteln besteht, die sich auf keine Abmachungen einigen können, oder wo sich niemand an getroffene Abmachungen hält, werden die Inhalte eines Gruppenvertrages auch bei keinem Problem helfen können.

Wenn jemand hier im Forum bei einer bestimmten Problemsituation auf die Möglichkeit, das über einen Gruppenvertrag zu lösen, hinweist, sagt er nichts anderes als "einigt Euch auf eine Methode, das zu behandeln und haltet Euch danach daran".
Wenn jemand den Begriff "Gruppenvertrag" zu Bedeutungsvoll für diesen simplen Vorgang findet, dann muss er ihn nicht verwenden. Es geht auch ohne.
Über die Notwendigkeit dieses Begriffes braucht man nicht diskutieren. Das darf jeder selbst entscheiden, ob der Begriff Kommunikation erleichtert.
Ich bezweifle aber, dass Rollenspiel ohne getroffene Abmachungen möglich ist. Dementsprechend ist Rollenspiel ohne Gruppenvertrag nicht möglich.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 09:55
Ansonsten kann man durch den Begriff eine Menge Diskussion ersparen. Wenn man nicht gerade über den begriff selbst diskutiert (so wie hier).
Aber besteht da nicht gerade die Gefahr, das dieser Begriff zuviel Diskussion erspart. Wie bei allen entscheidungen, braucht man doch auch bei den Regeln in der Rollenspielgruppe erstmal Substanz auf die man die Verabredungen bauen kann. Wenn die Gruppe einen Gruppenvertrag, schriftlich oder Wörtlich, verfasst und dabei jeder Spieler nur das einbringt, was ihm in dem Moment gerade einfällt und richtig erscheint, dann kann man sich sicher sein, das dieser Gruppenvertrag jede Sitzung neu gemaht werden muss.
Wenn also hier im Forum jemand ein Problem abspricht, dann ist das doch gerade ein Weg zur Urteilsfindung. (Was will ich eigentlich in unserem Gruppenvertrag.)
Ich glaube nicht, das das wissen um einen Gruppenvertrag irgendeinen Nutzen bringt. Absolut jeder Mensch unterwirft sich einem Gesellschaftsvertrag(und nichts anderes ist ein Gruppenvertrag) so, wie er es überall tut. Weil jemandem bewußt wird, das es einen Gruppenvertrag gibt, wird er nicht plötzlich zu einem Mutigen Selbstverteidiger seiner Position, wenn er vorher ein Passiver, sich anpassender Spieler war.
Deshalb ist der Begriff des Gruppenvertrages durchaus in Theoretischen Betrachtungen relevant, weil man dem Kind einfach einen Namen geben muss, auch wenn ich die Definition dafür immer noch zu Weitläufig halte, aberin Diskussionen um ein Spezifisches Problem nutzt es niemandem, sich Gedanken um dieses konstrukt zu machen.
Der einzige Punkt wo mir der Gruppenvertrag bei spezischen Problemen noch Sinnvoll vorkommt, sind Situationen in denen es offenbar einen impliziten Gruppenvertrag gibt, der Kollidiert. Aber es lässt sich natürlich darüber streiten, ob man etwas einen Vertrag nennen kann, bei dem jede Partei ein abweichendes Exemplar besitzt.


PS. Im Gegensatz zu dem was so mancher Poster hier zu glauben scheint, lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Joe Dizzy am 1.10.2007 | 10:11
Aber es lässt sich natürlich darüber streiten, ob man etwas einen Vertrag nennen kann, bei dem jede Partei ein abweichendes Exemplar besitzt.

Gruppenvertrag ist ja auch ein blödes Wort. Zu viele Leute denken dabei an Verträge, die vollständig ausformuliert sind, als bindendes Konstrukt gelten und in schriftlicher Form existieren.

Das trifft alles nicht auf den Gruppenvertrag, wie er im Rollenspiel benutzt wird, zu. Gruppenverträge sind fast nie ausformuliert (schon gar nicht vollständig), sind nicht bindend sondern freiwillig und nur zu einem kleinen Bruchteil (die Spielregeln aus dem Buch) schriftlich festgehalten.

Die Behauptung, dass der Gruppenvertrag als diskurs-zersetzender Begriff eingesetzt wird, mit dem man jedwede Problembesprechung abwiegelt, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Der Grund weshalb die Suchfunktion da nix ausspuckt, liegt vielleicht nicht daran dass die Suchfunktion so schlecht ist. Vielleicht... irrst du dich? Sowas kann ja mal vorkommen.

Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 1.10.2007 | 11:31
Aber besteht da nicht gerade die Gefahr, das dieser Begriff zuviel Diskussion erspart.
Möglich... Allerdings sind Worthülsen, auf deren Bedeutung man sich geeinigt hat, hilfreich, weil man nicht erst aneinander vorbei redet.
Wenn über "Gruppenvertrag" gesprochen wird, dann doch in einem Kreis wie dem Forum oder so. In meiner Spielrunde sage ich nicht "wir müssen den gruppenvertrag erweitern" sondern "wir müssen eine Abmachung treffen, wie wir das regeln...".
Zitat
Wie bei allen entscheidungen, braucht man doch auch bei den Regeln in der Rollenspielgruppe erstmal Substanz auf die man die Verabredungen bauen kann.
Wenn die Gruppe einen Gruppenvertrag, schriftlich oder Wörtlich, verfasst und dabei jeder Spieler nur das einbringt, was ihm in dem Moment gerade einfällt und richtig erscheint, dann kann man sich sicher sein, das dieser Gruppenvertrag jede Sitzung neu gemaht werden muss.
Nein, denn der Gruppenvertrag enthält alle relevanten Abmachungen, auf die sich die gesamte Gruppe geeinigt hat.
Ein einzelner kann da nichts reinbringen, was ihm gerade einfällt und wenn es keine Relevanz hat, ist es auch kein Bestandteil des Gruppenvertrages.
Und dementsprechend muss der Gruppenvertrag nicht jede Woche neu erschaffen werden - denn letztendlich wissen doch alle, auf welche Abmachungen man sich geeinigt hat (und wenn nicht, sollte man es schriftlich festhalten).
Allerdings wird der Gruppenvertrag stetig überarbeitet. Es finden Änderungen, Ergänzungen und Streichungen statt.
Wenn vorher die Abmachung war, dass man Samstags spielt und das auf Freitag verlegt wird, dann wurde diese Abmachung im Gruppenvertrag geändert. Wenn man merkt, dass man für ein Problem eine Regelung braucht, wird der Gruppenvertrag ergänzt, sobald man sich auf eine Regelung geeinigt hat. Der Gruppenvertrag ist so dynamisch wie die Probleme der Gruppe dynamisch sind.
Zitat
Wenn also hier im Forum jemand ein Problem abspricht, dann ist das doch gerade ein Weg zur Urteilsfindung. (Was will ich eigentlich in unserem Gruppenvertrag.)
Nicht ganz... In unserem Gruppenvertrag wird was anderes stehen als in Eurem. Einfach, weil bei uns andere Probleme auftauchen und andere Lösungen gefunden werden.
Wenn Du (als Beispiel) also von einem Problem berichtest, dann kann ich nicht automatisch meinen Gruppenvertrag auspacken und Dir meine Lösungen präsentieren. Vielleicht hatten wir das Problem nie und selbst wenn, dann muss unsere Abmachung für Euch keine Lösung schaffen.
Wir können also nur Empfehlungen "bei uns hat ... gut geklappt" aussprechen. Ob das für Euch praktikabel ist und ob Ihr darüber eine Abmachung trefft (Gruppenvertrag erweitern) ist aber nicht garantiert.
Zitat
Ich glaube nicht, das das wissen um einen Gruppenvertrag irgendeinen Nutzen bringt. Absolut jeder Mensch unterwirft sich einem Gesellschaftsvertrag(und nichts anderes ist ein Gruppenvertrag) so, wie er es überall tut. Weil jemandem bewußt wird, das es einen Gruppenvertrag gibt, wird er nicht plötzlich zu einem Mutigen Selbstverteidiger seiner Position, wenn er vorher ein Passiver, sich anpassender Spieler war.
Das stimmt...
Allerdings ist das "sich bewusst sein", dass man eben doch Abmachungen abseits von den Regeln im Rollenspiel trifft, wichtig.
Denn nur dann kann man drüber sprechen. Und nur dann kann man Empfehlungen ausgeben, über Abmachungen...
Und ich behaupte: Viele sind sich dessen nicht bewusst.
Denn zu oft liest man hier in Bezug auf die Frage "wie spielt Ihr denn Euer Kaufsystem X?" die Antwort "ganz normal, wie im Buch".
Denn da fehlt dann das Verständnis, dass es eben auch Regelungen abseits des Regelwerkes gibt.  Die meisten haben dann nur "Hausregeln" im Kopf und dann heisst es "mit diesen und jenen Hausregeln als Abweichungen" wo dann die Initiative oder irgendwas geregelt ist.
Das ist schön, hilft aber nicht weiter!

Ausserdem, wenn man weiss, dass man sowieso vieles per Abmachungen regelt, dann ist man Vorschlägen zu Alternativen auch wesentlich aufgeschlossener. Und man kann schneller anderen (zB Neulingen) mitteilen, wie gespielt wird und denen so einen leichten Einstieg machen.
Außerdem ist die Behauptung "wir haben schon immer so gespielt" dann meistens vom Tisch, denn man hat eben nicht schon immer so gespielt.
Denn der Gruppenvertrag ist ja einer Evolution unterworfen. Und das bedeutet, das man früher wahrscheinlich ganz anders gespielt hat.
Man muss sich dem also bewusst sein - und das sind viele nicht.
Sieht man oft in Diskussionen..!
Zitat
Deshalb ist der Begriff des Gruppenvertrages durchaus in Theoretischen Betrachtungen relevant, weil man dem Kind einfach einen Namen geben muss, auch wenn ich die Definition dafür immer noch zu Weitläufig halte, aberin Diskussionen um ein Spezifisches Problem nutzt es niemandem, sich Gedanken um dieses konstrukt zu machen.
Ja und nein...
Ja, der Gruppenvertrag an sich hilft nicht bei spezifischen Problemen, nur die spezifische Abmachung, die Bestandteil des Gruppenvertrages ist, hilft ggf. - nur muss sie erstmal getroffen werden.
Nein, das Wissen um die Existenz des Gruppenvertrages an sich hilft schon, weil es Verständnis für gewisse Abläufe schafft und Möglichkeiten aufzeigt, mit bestimmten Dingen umzugehen.
Zum Beispiel : Es kann helfen, wenn man sich bewusst wird, dass die Regelung "Der Spielleiter ist die höchste Entscheidungsinstanz" kein unveränderlicher Fakt sondern auch nur eine Absprache im Gruppenvertrag ist. Denn dann kann man über das "warum eigentlich" und über Alternativen nachdenken.
Wenn man sich aber dem gar nicht bewusst ist, nimmt man dies (und vieles andere) als gegeben hin und bezieht es nicht in die Überlegung ein. Und vielleicht ist gerade etwas, das man deswegen nicht hinterfragt, ein Teil der Problemursache.
Zitat
Der einzige Punkt wo mir der Gruppenvertrag bei spezischen Problemen noch Sinnvoll vorkommt, sind Situationen in denen es offenbar einen impliziten Gruppenvertrag gibt, der Kollidiert. Aber es lässt sich natürlich darüber streiten, ob man etwas einen Vertrag nennen kann, bei dem jede Partei ein abweichendes Exemplar besitzt.
Wenn jede Partei über bestimmte Abmachungen ihre eigene Vorstellung der Abmachung hat, dann existiert keine Abmachung.
[Wenn wir uns verabreden, Du meinst um 15:00 beim Bahnhof und ich meine um 13:00 beim Marktplatz, werden wir uns nicht treffen.]
In dem theoretischen Konstukt Gruppenvertrag sind nur die Abmachungen enthalten, über die Konsens herrscht.
Wenn es irgendwo ein Missverständnis gibt, dass jemand, mehrere oder alle glauben, man hätte eine Abmachung - es aber keine Abmachung gibt, der jeder zustimmt, dann ist keine Abmachung existent - also auch keine Abmachung Bestandteil des Gruppenvertrages.
Deswegen bedarf es ja auch in gewissen Abständen einer kritischen Prüfung der Abmachungen - haben alle zugestimmt? haben alle verstanden? hat die Abmachung heute noch einen Sinn? Das sind Fragen, die man sich stellen sollte. Immer wieder.

Wenn alle aneinander vorbeireden und meinen einen umfassenden Gruppenvertrag zu haben, jeder aber seine eigene Vorstellung von Abmachungen hat, die alle nicht übereinstimmen, dann ist der Gruppenvertrag sehr klein - denn er enthält nur das, worüber Einigkeit herrscht.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 18:53
Thalamus,
ich glaube wir haben jetzt (nach mindestens drei mal, die Du das erklärt hast) schon alle verstanden, dass Du den Begriff persönlich zu allgemein findest.
Ja, dann fragt doch nciht immer wieder  ::)
Würdest Du deshalb gerne lieber gar nicht über den Begriff sprechen? Dann lass es doch einfach.
Ich will einfach über den Begriff und dessen Stellung Diskutieren. Ganz offen, ohne festgezimmerte Zielsetzung.
Statt endlos über die Definition des Wortes zu reden, wäre mir lieber gewesen, wenn jemand mal zu meinen bisherigen Ausführungen Stellung genommen hätte, was konkret zum Gruppenvertrag gehört und was nicht.
Das z.B. finde ich eine sehr wichtige Frage, immer hin gibt es einige, die der Meinung waren, das jeder sich darüber Klar sei, was alles Teil des Gruppenvertrages ist.
Nein, denn der Gruppenvertrag enthält alle relevanten Abmachungen, auf die sich die gesamte Gruppe geeinigt hat.
Ein einzelner kann da nichts reinbringen, was ihm gerade einfällt und wenn es keine Relevanz hat, ist es auch kein Bestandteil des Gruppenvertrages.
Und dementsprechend muss der Gruppenvertrag nicht jede Woche neu erschaffen werden - denn letztendlich wissen doch alle, auf welche Abmachungen man sich geeinigt hat (und wenn nicht, sollte man es schriftlich festhalten).
Sicher? Aber es wurde doch unbestritten festgestellt, das ein Großer Teil der Rollenspielgruppen rein implizite Gruppenverträge hat. Und "implizit" impliziert ja, das es eben nicht explizit abgesprochen wurde.
Ich beobachte das jeden Monat auf der Con, wenn sich Spieler zu einem Rollenspiel zusammensetzen. Da wird selten vorher explizit verhandelt und abgesprochen, sondern meist ist das Regelwerk das einzige, was als absprache bestätigt wird.
Nichts destotrotz geht jeder Spieler mit bestimmten Erwartungen in die Runde. Er bildet sich seinen Teil des Gruppenvertrages, indem er z.B. frühere Runden mit den Spielern als Grundlage setzt, oder Erzählungen dritter über den Leitstil des SL.
Wenn der Gruppenvertrag "die Gesamtheit des Rollenspiels" darstellt, dann gehören auch diese Punkte dazu, und dann kann man nicht behaupten, das letztendlich alle Wissen auf welche Abmachungen sie sich geeinigt haben.
Der Punkt ist doch, das der Gruppenvertrag bei weitem nicht so einheitlich und Klar von jedem gesehen wird, wie es gern behauptet wird. Wenn es dazu dieses Threads bedurfte, bitte sehr. Nichts zu Danken  :ctlu:
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Crimson King am 1.10.2007 | 19:05
Aber es wurde doch unbestritten festgestellt, das ein Großer Teil der Rollenspielgruppen rein implizite Gruppenverträge hat. Und "implizit" impliziert ja, das es eben nicht explizit abgesprochen wurde.

Man kann einen Gruppenvertrag oder Inhalte desselben auch implizit aushandeln. Ich muss ja mit meiner Freundin auch nicht extra aushandeln, dass fremd gehen falsch ist.

Und Con-Runden sollte man nicht unbedingt dazu zählen, denn gerade die sind oft genug dysfunktional, weil sie keinen besonders ausgeprägten Gruppenvertrag haben. Das implizite Aufstellen eines Gruppenvertrags klappt nur, wenn man sich kennt und ein ähnliches Verständnis davon hat, was man eigentlich spielen will.

Stormbringer
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 19:14
Man kann einen Gruppenvertrag oder Inhalte desselben auch implizit aushandeln. Ich muss ja mit meiner Freundin auch nicht extra aushandeln, dass fremd gehen falsch ist.
Nun, dann musst du aber mit dem Risiko leben, das Sie das vllt anders sieht, und von dir niemals Erfahren hat, das du das nicht möchtest.
Zumidnest kannst du dich nicht auf einen Beziehungsvertrag berufen.
Du kannst dann sagen "Aber das ist doch normal in Deutschland", aber mehr auch nicht.
Und wenn eine Gruppe von 5-6 Spielern anfängt zu Argumentieren, was denn normal und was besonders hervorgehoben werden müsste, dann viel Spaß. Du wirst mindestens 20 Verschiedene Punkte haben, in denen die Spieler sich nichtmal darüber einig sind, ob es die Zeit wert ist, sich darüber zu unterhalten.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 1.10.2007 | 20:57
Da wir hier ja scheinbar mal wieder im Kreis reden, beantworte ich mal ganz konkret Deine Fragen.
Vielleicht wird dann ja klar was ich meine und wo wir uns falsch verstehen.

Also der vielumschwärmte Gruppenvertrag.
Ist das eigentlich ein echtes faßbares Konstrukt?
Bei uns ist es ein faßbares Konstrukt - wie schon gesagt, es sind die Dinge auf die sich die Mitspieler geeinigt haben.
Zitat
Oder einfach nur ein Strohmann für Diskussionsunwillige.
Ganz im Gegenteil, es ist eher ein Impulsgeber für Diskussionsfreudige.
Und er hilft bei Diskussionen. Denn seine Existenz beweist, dass man sich auf Dinge einigen kann,
wodurch Leute, die Lösungen suchen, ermutigt werden eine Diskussion zu initiieren.
Und er kürzt immer wiederkehrende Diskussionen ab, denn "zu diesem Thema hat man dann schon eine Regelung gefunden".
Was nicht bedeutet, dass man nicht ab und zu schauen sollte, ob die immer noch praktikabel ist.
Zitat
Aber wie ist das bei euch?

Wie ist euer Gruppenvertrag entstanden?
Sehr früh, aus den Erfahrungen heraus, dass es ohne Absprachen nicht geht.
Einige der ersten Regeln waren Faustformeln wie "Ein Charakter muss teamfähig gestaltet sein" oder "Ein Charakter muss Abenteuertauglich gestaltet sein" oder auch "Der Gastgeber sorgt für die Getränke und organisiert eine Umlage".
Später dann mit präziseren Regeln, weil wir problematischere Spieler in der Runde hatten.
Zitat
Steht der irgendwo geschrieben?
Es gab Zeiten, da war es nötig, die Regeln schriftlich festzuhalten. Inzwischen sind wir längst so eingespielt, dass wir das nicht mehr brauchen.
Zitat
Haben auch nach der 20ten Spielrunde alle Spieler noch den selben Gruppenvertrag in ihren Köpfen
(Was ich für wenig wahrscheinlich halte, wenn er nirgends nachzulesen ist)
Die wichtigen Dinge haben die Spieler im Kopf.
Denn sie sind seit Jahren im Gebrauch und alle haben gelernt, was passiert, wenn sie nicht eingehalten werden.
Zitat
Wie genau ist euer Gruppenvertrag?
Teilweise sehr genau (zum Beispiel bei Absprachen, bis wann man sich abmelden sollte, oder wann und wo wir spielen)
Teilweise auch vage und interpretationsfähig ("Charaktere müssen teamfähig sein", "Charaktere müssen Abenteuerfähig sein")
Zitat
WelchenBeitrag leisten neue Spieler zum Grupenvertrag?
Wir haben seit cirka 10 Jahren keine neuen Spieler.
Früher wurden sie entweder über den Gruppenvertrag durch das Niedergeschriebene informiert,
oder eben nach und nach aufgelärt, wenn es wichtig wurde.

Gemeint ist der Gruppenvertrag, so wie ich ihn definiert habe - "das, worauf sich alle geeinigt haben".
Wenn Du von etwas anderem reden möchtest, Thalamus zB "das was jeder für sich im Kopf hat", dann ist das nicht das, was ich unter Gruppenvertrag verstehe - aber dann musst Du auch bitte erläutern, worüber Du sprechen möchtest.

Andere bestandteile des Gruppenvertrages:
Während der Star Wars Kampagne: "Alle Charaktere müssen gute Gründe haben, dem Imperium feindlich gegenüber eingestellt zu sein."
Früher: "Unterhaltungen in der Metaebene sind mit dem Wort 'Skip' einzuleiten und mit 'Skip Ende' zu beenden" (wie gesagt, ganz ganz früher... ;) )
Eine Weile lang: "Playerkill ist nicht erwünscht!"
Früher: "Es soll zwischen Spieler und Charakterwissen unterscheiden werden!"
Heute: "Auf das Spielerwissen darf bei Entscheidungen über Charakterhandlungen zurückgegriffen werden, wenn das das Rollenspiel positiv beeinflusst."
Früher: "Der Spielleiter ist für den Spielspaß primär verantwortlich!"
Heute: "Jeder einzelne Spieler ist für den Spielspaß aller Spieler und des Spielleiters verantwortlich."


Wer wacht über die Einhaltung des Gruppenvertrages:
alle

Ich sehe es nicht so schwierig, einen Gruppenvertrag einzuhalten und im Kopf zu behalten, denn es sind Abmachungen, auf die man sich geeinigt hat. Das ist genau so, wie in einem Stammtischtreffen, einem Großen-Forum-Treffen oder einem Kegelverein, einer kleinen Firma oder in einer Beziehung.
Irgendwann merkt jemand, dass etwas Probleme bereitet, dann findet sich eine Lösung und dann wird sich darauf geeinigt, dass so weiter verfahren wird. Wer es mal vergisst, wird daran erinnert. Wer sich prinzipiell nicht daran hält, der wird irgendwann sehen, dass er alleine steht.
Auf dem Großen Treffen (als Beispiel) haben wir auch Abmachungen getroffen, wie Spielrunden zu organisieren sind, wie die Räume genutzt werden und wie die Schlafraumschlüssel verwaltet werden. Und alle halten sich dran. Und es steht nirgends geschrieben. Und wenn einer mal das vergisst, wie es läuft, dann muss er sich ggf. einen Kommentar anhören und dann ist es okay. Neulinge werden kurz Informiert. Wenn die Heimleitung plötzlich was neues Erfindet, woran man sich halten muss, wird auch da eine Abmachung gefunden und fertig. Beim großen Treffen gibts zwar keine Basisdemokratie (wegen der Menge) aber es gibt auch den ewigen kleinen Kreis der üblich Verdächtigen, die sich engagieren und die bei solchen Dingen dann auch gefragt werden, wie sie das meinen.
Und es funktioniert!
Ein Gruppenvertrag ist etwas ganz einfaches, eigendynamisches.

Und wenn im Gruppenvertrag Dinge fehlen und deswegen etwas schiefgeht, wird man darauf aufmerksam und bessert ihn nach.
Dementsprechend ist das Fremdgehbeispiel nicht ein Beispiel für die Nichtexistenz, sondern nur, dass dieser Gruppenvertrag offensichtlich nicht ausreichend war - beim nächsten Mal wird das dem Betroffenen nicht noch einmal passieren, dass er das nicht klärt - was ihm aber nicht garantiert, dass ihm das nicht noch mal widerfährt. Und auch das ist beim Gruppenvertrag so: Die Einhaltung und das Funktionieren ist nie garantiert, da sich die Umstände stetig anpassen und der Gruppenvertrag auch immer wieder angepasst werden müsste. Was aber meist erst passiert, wenn man merkt, dass es schief geht.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 1.10.2007 | 21:26
Mir ist grad ein guter Vergleich eingefallen:

Ein Gruppenvertrag ist wie die Straßenverkehrsordnung!
- Die Teilnehmer haben einen gemeinsamen Katalog an Verhaltensregeln.
- Dieser Katalog ist dynamisch und passt sich der Zeit und ihren Bedürfnissen an.
- Neue Verkehrsteilnehmer werden schrittweise eingearbeitet.
- Die StVo ist zwar schriftlich festgelegt, aber kaum ein Verkehrsteilnehmer hat dieses Werk gelesen - trotzdem wissen alle, wie sie sich in den entsprechenden Situationen zu verhalten haben - ohne, dass sie die StVO dabei haben oder nachlesen würden.
- Es kommt immer mal wieder zu Verstößen und die führen auch zu Problemen.
- Wenn jemand den Verhaltenskatalog mißachtet, wird er die Konsequenzen spüren, wenn seine Mißachtung zu einem Problem führt. Wird die Mißachtung nur wahrgenommen und führt sie nicht zu einem wirklichen problem, wird er trotzdem auf sein Fehlverhalten hingewiesen. Im schlimmsten Fall wird der Betreffende ausgegrenzt.
- Beide Verhaltenskataloge enthalten vage Dinge (§1 StvO) und sehr konkrete Dinge.
- Wenn die StVO der Gruppenvertrag einer Spielrunde ist, dann ist der Gruppenvertrag einer anderen Spielrunde die StVO eines anderen Landes. Es wird Gemeinsamkeiten und Unterschiede geben. Wenn man sich auf die Unterschiede nicht einstellt, wird es wohl zu Problemen kommen. Trotzdem nehmen viele am Straßenverkehr in anderen Ländern einfach teil, so wie viele auch mal in einer anderen Runde mitspielen.


Finde ich ziemlich gelungen.
Aber mir ist klar, dass ein beispiel immer begrenzte Überlappungen haben.
Dass das Beispiel auch an anderen Stellen nicht stimmig ist, ist mir klar.

Unterschiede:
- StVO ist schriftlich festgelegt (finde ich aber nicht schlimm, weil sie kaum jemand gelesen hat).
- Geschädigte haben Schadensersatzanspruch bei Zuwiderhandlung gegen die StVo.
- bei der StVO gibt es externe Überwacher.

Trotzdem ist es ein guter Ansatz. Bitte nicht auf den Unstimmigkeiten herumreiten, sondern die Stimmigkeiten konstruktiv verwerten. Danke!
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Funktionalist am 1.10.2007 | 21:37
Nun, dann musst du aber mit dem Risiko leben, das Sie das vllt anders sieht, und von dir niemals Erfahren hat, das du das nicht möchtest.
Da hast du recht, wenn es nicht noch andere signale als der Sprache gäbe. z.B. Reaktionen auf ereignisse, die rückschlüsse über die Einstellungen zulassen.
"Hast Du das von Kevin und Angela gehört? das mit Fritz?"
"Jepp, das allerletzte!"
"sehe ich genauso!"
->implizit verhandelt.

So ein gruppenvertrag ist ja die summe aller entscheidungen, die getroffen wurden. Ob implizit oder nicht.
Auf kon-Runden gibt es so ein paar Dinge, die irgendwie klar sind:
-derjenige, der die Runde anbietet hat eine Vorrangstellung, was Atmo, Spielart, hausegeln etc... angeht.
-man weiß, dass es wahrs. einmalig ist.
-Ort und Termin der Runde werden diktiert
...

Alles dinge, die schon "im vertrag stehen", da sie allen als Info zur Verfügung standen und man generell von einem normalen satz an Erwartungen ausgeht.

Spezielle sachen werden dann ja direkt auskrakeelt:"Darf ich meinen halb-drachenBariaur diebkriegermagierbarde importieren?"
"hat wer was zum schlickern dabei?"
...

So eine Vereinbarung muss ja nicht vollständig sein und gerade auf Kons verbietet die knappe zeit und die einander unbekannten spieler eine tiefe Übereinkunft über das bevorstehende gemeinsame Erlebnis.

N
Du kannst dann sagen "Aber das ist doch normal in Deutschland", aber mehr auch nicht.
Und wenn eine Gruppe von 5-6 Spielern anfängt zu Argumentieren, was denn normal und was besonders hervorgehoben werden müsste, dann viel Spaß. Du wirst mindestens 20 Verschiedene Punkte haben, in denen die Spieler sich nichtmal darüber einig sind, ob es die Zeit wert ist, sich darüber zu unterhalten.

Dafür üben wir schon seit jahrzehnten kommunikation, um eine chance zu haben, die für das rollenspiel und das gemeinsame Miteinander wichtigen Punkte zu erkennen und zur sprache zu bringen. Es ist erstaunlich, dass 26Jahre Training manchmal nicht genug nicht... :ctlu: ~;D

sers,
alex
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 21:38
Mit sowas kann ich sehr viel Anfangen  :d
Ich z.B. habe niemals einen Gruppenvertrag niedergeschrieben, und ich find es ist zumindet Erkenntnisreich, das es auch Gruppen gibt, die das tun, oder getan haben.
Vllt hab ich einfach 2 Dinge hier imm Thread zusammengeworfen.
1. Mein Interesse wie der Gruppenvertrag speziell bei anderen aussieht.
2. Mein Unmut über die angebliche "Eindeutigkeit" des Begriffs, und der damit einhergehenden Benutzung.

Nicht alles was ich zu dem Gruppenvertrag geschrieben habe, will ich als meinen Standpukt verstanden wissen.
Ich habe das genommen, was mir Leute die sich etwas mehr mit der Theorie beschäftigt haben als Definition gegeben haben.
Und sie bestehen ja auf die Allgemeingültigkeit dieser Definition, nach der der Gruppenvertrag alles umfasst, was im Rollenspiel implizit und explizit passiert.


Gemeint ist der Gruppenvertrag, so wie ich ihn definiert habe - "das, worauf sich alle geeinigt haben".
Wenn Du von etwas anderem reden möchtest, Thalamus zB "das was jeder für sich im Kopf hat", dann ist das nicht das, was ich unter Gruppenvertrag verstehe - aber dann musst Du auch bitte erläutern, worüber Du sprechen möchtest.

Wie gesagt, ich will über den Begriff reden und darüber, wie ihn jeder einzelne versteht. Dabei ist es doch nur Logisch, das es verschiedene Definitionen geben wird, und Wir letztendlich über verschiedene Sachen reden. Da diese verschiedenen Sachen aber von unterschiedlichen Leuten als Gruppenvertrag benannt werden, finde ich es nicht verwerflich, sondern sehr nützlich in diesem Thread über alle Ausprägungen des Gruppenvertrages zu reden.
Ich bin hier mit Absicht nicht im Theorieforum. Man muss nicht alles bis zur unkenntlichkeit zerfleddern, man kann auch mal ganz ungezwungen ein Thema in den Raum werfen, und jeder gibt seinen Senf dazu. Da kann man oft mehr rausziehen, als aus Streng reglementierten Diskussionen, in denen es erstmal die ersten 5 Seiten darum geht worüber man eigentlich redet, und wenn man das dann endlich rausgefunden hat, dann schließt man das Thema mit dem Satz "Ja, jetzt wissen wir ja endlich worüber wir reden wollten, hat noch jemand Lust dazu?"

->implizit verhandelt.
Sicher, aber da machst du dir die Menschen einfacher als sie sind.
-> "Ich hab über Klaus gelästert, weil er Fremdgegangen ist? Klar, er ist ja auch ein Chauvi-Schwein. Bei mir war das was anderes, ich brauchte einfach etwas Zertlichkeit die du mir nicht geben  kannst"  >;D

Dafür üben wir schon seit jahrzehnten kommunikation, um eine chance zu haben, die für das rollenspiel und das gemeinsame Miteinander wichtigen Punkte zu erkennen und zur sprache zu bringen. Es ist erstaunlich, dass 26Jahre Training manchmal nicht genug nicht... :ctlu: ~;D
Ach, so manche machen mit den Jahren auch schwere Rückschritte.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Pyromancer am 1.10.2007 | 21:47
Nicht alles was ich zu dem Gruppenvertrag geschrieben habe, will ich als meinen Standpukt verstanden wissen.
Ich habe das genommen, was mir Leute die sich etwas mehr mit der Theorie beschäftigt haben als Definition gegeben haben.
Und sie bestehen ja auf die Allgemeingültigkeit dieser Definition, nach der der Gruppenvertrag alles umfasst, was im Rollenspiel implizit und explizit passiert.

Wie kann denn etwas "implizit passieren"?

Und es gibt hier doch niemanden, der behauptet, dass alles, was im Rollenspiel passiert, Teil des Gruppenvertrags ist. Auf der Forge man das anders aussehen, aber da sitzen ja auch Soziologen und so Zeug.  :)
Und ich hab auch das Gefühl, dass alle hier (außer dir) die genau gleiche Vorstellung davon haben, was ein Gruppenvertrag ist.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Funktionalist am 1.10.2007 | 21:52
Ach, so manche machen mit den Jahren auch schwere Rückschritte.
Arg,kam falsch rüber. sollte kein Angriff sein, sondern bezog sich auf eigene Erfahrungen mit Bekannten.

aber Du hast recht. Es kann auch rückschritte geben und die müssen noch nicht einmal ausschließlich mit ennui begründet sein, was mit fortschreitendem Alter auftauchen kann.
sorry,
alex
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: 8t88 am 1.10.2007 | 22:16
Gruppenvertrag... Implizit gabs das bei 7te See mit der Charta...
Aber zu einem Beispiel:

Ich hab mal für 2 Gruppen wo ich eine Kurze Kampagnie geleitet habe (je 3 Abende) meine SL und Spielkonventionen aufgeschrieben. Das hatte halt ein recht flüssiges Spiel ergeben, ohne das übliche "einschleifen" von neuen SL und Gruppe.
Aber auch nur weil ich eine Art Fragebogen ausgegeben habe, was wer Spielen wollte, und von der Runde erwartet hat.

Mir war das ganz angenehm. Drauf bestehen tu ich aber nicht. Wobei ich mir das bei meiner nächsten Kampagnie nicht vielleicht doch noch einmal überlege...
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 1.10.2007 | 22:23
Arg,kam falsch rüber. sollte kein Angriff sein, sondern bezog sich auf eigene Erfahrungen mit Bekannten.
:o War auch kein Gegenangriff. Bezog sich eher auf Lokale Erfahrungen mit alternden Spielern  ;)

Wie kann denn etwas "implizit passieren"?
Ach, du glaubst garnicht, was alles implizit passieren kann.  ;)

Und es gibt hier doch niemanden, der behauptet, dass alles, was im Rollenspiel passiert, Teil des Gruppenvertrags ist. Auf der Forge man das anders aussehen, aber da sitzen ja auch Soziologen und so Zeug.  :)
Dann lass Dir gesagt sein, dass dem so ist. Alles was mit Rollenspiel zu tun hat, fällt unter den Geltungsbereich des Social Contract nach der Definition. Es lassen sich auch bestimmt einige Forenthreads zu dem thema finden, wo Du die Definition und die Diskussion die zu ihr geführt hat, nachlesen kannst.

Und ich hab auch das Gefühl, dass alle hier (außer dir) die genau gleiche Vorstellung davon haben, was ein Gruppenvertrag ist.
Dann solltest du evtl. den Thread nochmal lesen. Siehe Turning Wheels Post.

..meine SL und Spielkonventionen ...
Das find ich gut. Es gibt also durchaus Begriffe für die Teilmengen ds Gruppenvertrages.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 10.10.2007 | 02:47
Oger macht das immer so: rufe meine Freunde an, oder kriegt eine E-Mail, und dann wird drüber geredet, was wir spielen wollen. Einer bringt Bier mit. Der andere Chips, oder Süßes (Weingummi mag Oger am liebsten. Das ist so schön Gummig.) Wenn Oger Spielleiter ist, dann bekommt er manchmal was umsonst, so wie vom Chinesen. Weil er so viele Bücher gekauft hat. Oger wird auch immer gefragt, ob er einen frischen schwarzen Kaffee möchte. Oder ein kaltes Pils. Irgendwann kochen wir auch zusammen. Wenn Frau von Kumpel friert oder nicht möchte, das geraucht wird, dann bleiben die Kippen in der Schachtel, und das Fenster bleibt zu. Am Ende des Abends fragt Oger, ob er alles gut gemacht hat. Wenn ja, freue ich mich. Wenn nein, dann will ich immer wissen, warum nicht. Damit ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Oger sagt dann auch, wenn ihm das Spiel gut oder nicht so gut gefallen hat. Damit die Spieler es beim nächsten Mal besser machen können.

Tolle Sache, so ein Social Contract. Das haben sogar die klugen Gelehrten gesagt, die sich gelegentlich in meine Höhle verirren.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Deadman am 10.10.2007 | 08:00

Am Ende hilft alles nicht wenn die Spieler nicht den Mund aufmachen. Die meisten Gruppen von mir sind daran zerbrochen, dass jemand die Klappe nicht aufgemacht hat und den Rest mit seiner miesen Stimmung angesteckt hat. Aber auf Nachfragen hieß es immer: "Ne Ne, das passt schon alles. Ich sag schon wenn mir was nicht passt".

Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 10.10.2007 | 11:44
Ich habe mit dem Gruppenvertrag immer gute Erfahrungen gemacht.
Teilweise, wie schon meine Vorredner anmerkten, ergeben sich Übereinkünfte wortlos, andere werden ausdrücklich angesprochen.

Bei unserem letzten Spiel (Shadowrun-Welt mit Theatrix/Everway/Freeform-Regeln) haben wir etwa den Powerlevel und den Action-Grad (an der Realität orientiert oder Hongkong-Style) explizit besprochen, desgleichen mehr die Konfliktregeln und die Erzählrechte.

Für das gesamte Thema ist die Cheetoism-Homepage wärmstens zu empfehlen: http://cheetoism.pbwiki.com/ , hier vor allem der Erfahrungsbericht "How I made my best campaign ever": http://cheetoism.pbwiki.com/How+I+Made+My+Best+Campaign+Ever . Im Text gibt's dann noch den Link zu einem seeehr brauchbaren Fragenkatalog: http://cheetoism.pbwiki.com/Player+Preferences+Questionnaire
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 10.10.2007 | 11:51
Aber mal vom Regelbuch abgesehen: Könnten mal ein paar Leute schreiben, welche Rollenspielaktivitäten oder welche Rollenspielaspekte ihrer Meinung nach NICHT zum Gruppenvertrag gehören?

Für mich gehören in den Gruppenvertrag alle Dinge, die das Spiel direkt und indirekt betreffen. Also eigentlich alles :D

Ernsthaft.

Für den in game-Bereich gehört ohnehin alles rein, sei es nun Thematik, Stimmung, Charaktere und ihr Verhalten oder der Powerlevel.

Für den out game-Bereich fallen mir eigentlich keine Dinge ein, die nicht reingehören: "Handy aus!" gehört bei uns rein, ebenso wie "out of character-Gequatsche bitte möglichst wenig" und "wenn du nur zwei Stunden Zeit hast, dann sag' es bitte vorher"...
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: 8t88 am 10.10.2007 | 11:51
@8t88:
Könntest Du mal den Fragenkatalog hier reinstellen. Es würde mich sehr interessieren, was man alles fragen kann, weil ich das auch mal gerne machen würde und nicht so recht weiß wie ich es anfangen soll. (Oder wenn Du es nicht veröffentlichen willst gerne auch per PN.)
Eben Raussuchen, sonst Schreib ich den eben neu... kann bis heute Abend dauern!
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 10.10.2007 | 12:31
@ Norbert:
Vielen Dank für die Links. Das sieht sehr interessant aus. Toll!

Gern geschehen.

Zitat
kannst Du Dir bitte mal mein Posting #62 in diesem Thema durchlesen und was dazu sagen?

(sieht nach)
Wow, das war ja ein Riesenschinken, was ;)

Ich versuch's mal:
Für meinen ganz persönlichen Geschmack ist mir dein Vorschlag zu viel der Definition. Aber wie gesagt, das ist nur meine persönliche Vorliebe für Einfachheit. Ob jetzt nun, wie du in deinem Beispiel anmerkst, das Abenteuertagebuch streng genommen ein Objekt des GV ist oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Das ist eine theoretisch zwar interessante, praktisch für mich aber unwichtige Frage.

Was genau jetzt drin ist im GV und nicht, wird sich, und auch das wurde schon angemerkt, sehr oft nicht-verbal, durch Taten, etablieren. Wenn was ausdrücklich besprochen werden soll, halte ich mich als braver Journalist einfach an die W-Fragen:

"Wer macht wann, was, wo, warum und wie mit wem?"

Wer... mit Wem?
Wer kommt?

Wann...?
Start und Ende.

Was?
Regeln. Hintergrund. Themen. Powerlevel. Alles, was das Abenteuer angeht. Was wollen wir erzählen (etwa wie unsere Charaktere stärker werden, oder wollen wir möglichst viel von der Spielwelt erleben, oder beides, oder vielleicht auch was ganz anderes)?

Wo?
Der Veranstaltungsort.

Warum?
Warum treffen wir uns? Weil wir spielen wollen? Oder einfach so, zum gemeinsamen Abhängen?

Wie (eng verwandt mit Warum)?
Wie regeln wir Konflikte am Tisch und in der Spielwelt? Wie "intensiv" erzählen wir (verteilte Erzählrechte oder keine, möglichst in character oder nicht, sind out of game-Kommentare erlaubt, ist Pizzapause erwünscht, etc.)

Das sind ganz simple Fragen, die aber sehr gut abdecken, was die Spielteilnehmer eigentlich haben wollen.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 11.10.2007 | 08:34
Und ich finde diese Frage auch so clever, weil man darauf ganz einfach antworten kann, was NICHT in den GV hineingehört. Und zwar alles, was jemand in Bezug auf das Rollenspiel NICHT mit irgendwem macht. Oder? :-)

 :d
Die wunderbare Welt des Wortes  ;D
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Boba Fett am 11.10.2007 | 11:46
Oh ja richtig! Das ist genau das, was in den Bereich des GV gehört.
Und ich finde diese Frage auch so clever, weil man darauf ganz einfach antworten kann, was NICHT in den GV hineingehört. Und zwar alles, was jemand in Bezug auf das Rollenspiel NICHT mit irgendwem macht. Oder? :-)
Explizite Unterlassung, also "was nicht" kann ebenso in "was" behandelt werden.
und genauso kann man zu "wann" auch "wann nicht" fügen, wenn Verspätungen, Fehlen oder dergleichen geregelt werden soll.

Im übrigen kann niemand eine umfassende Sammlung definieren, was in einen Gruppenvertrag gehört, weil das überall verschieden ist.
Hinein gehört das, was die Gruppe als wichtig erachtet.
Und wenn es ein Dresscode ist, dann gehört auch der hinein. würde ich unter "wie" ablegen.

@Norbert: schöne strukturierung...
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 11.10.2007 | 12:14
Oger glaubt, es gibt gute und schlechte Gruppenverträge. Oger würde sich ganz doll freuen, wenn Kluge Gelehrte sagen würden, was die beiden unterscheidet.
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Preacher am 11.10.2007 | 12:22
Oger glaubt, es gibt gute und schlechte Gruppenverträge. Oger würde sich ganz doll freuen, wenn Kluge Gelehrte sagen würden, was die beiden unterscheidet.

Ganz einfach: Wenn viel Streit in Gruppe, dann Gruppenvertrag schlecht.

Nicht so einfacher Zusatz: Gleicher Gruppenvertrag kann funktionieren in anderer Gruppe. Nicht -kluge Nicht-Gelehrte sagen dann "Gruppenchemie stimmen". Denn wenn spielen mit Leuten, die nicht mögen mich und die nicht mögen Dinge die ich mag (und umgekehrt), dann Gruppenvertrag nicht gehen. Kluge Gelehrte dann sagen "dys-funk-ti-o-nal".
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Preacher am 11.10.2007 | 13:49
Preacher, warum schreibst Du denn so bescheuert? Nicht mal der Oger formuliert Sätze im Infinitiv.  :-\

Hatte einfach gerade Spaß daran ;)
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 11.10.2007 | 14:22
Oger ist nicht böse auf Preacher. Oger ist schließlich kein Troll. Oger findet, man sollte eine Liste von Merkmalen aufstellen, an Hand dessen man einen guten und einen schlechten Gruppenvertrag erkennt, wie beispielsweise

+ Feedback zwischen Spielern und Spielleitern wird verlangt, gegeben und umgesetzt
+ Einrichtung einer Gruppenkasse für alle Spieler, für Lebensmittel und Getränke
+ Termine werden pünktlich eingehalten

- Alle sind unzufrieden, aber keiner sagt ein Wort
- Die finanzielle Hauptlast einer Sitzung bleibt bei einem Spieler hängen
- Ein Spieler kommt ständig zu spät

oder hat Oger die Threads für diese Themen nur noch nicht gesehen?
Titel: Re: Gruppenvertrag - Nur hohles geseire oder steckt was dahinter?
Beitrag von: Preacher am 11.10.2007 | 14:44
Oger ist nicht böse auf Preacher.
Das ist nett - ich wollte auch niemanden wütend machen. Ich war einfach ein bischen albern.

Oger findet, man sollte eine Liste von Merkmalen aufstellen, an Hand dessen man einen guten und einen schlechten Gruppenvertrag erkennt, wie beispielsweise[...]
Hehres Ansinnen, nur - imho - nicht machbar. Dinge, die in einer Gruppe gut funktionieren können in einer anderen Gruppe ein herber Verstoß gegen Konventionen sein.
"Zu spät kommen" ist ein prima Beispiel. Wenn es den Mitspielern nichts ausmacht, daß einer immer zu spät kommt, ist dann Pünktlichkeit kein Bestandteil des Gruppenvertrages oder ist ist es Bestandteil des Gruppenvertrages, daß Unpünktlichkeit in Ordnung ist? Und ob dieser Gruppenvertrag gut oder schlecht ist, lässt sich so pauschal auch nicht sagen. Wenn es in der Runde keine Unstimmigkeiten deswegen gibt, dann ist es wohl ein guter Vertrag.
Überträgst Du ihn aber auf eine Runde, in der die Teilnehmer wert auf Pünktlichkeit legen, dann wird er nicht funktionieren - dann ist es ein schlechter Gruppenvertrag. Ich denke, daß es keine guten oder schlechten Gruppenverträge gibt - nur geeignete und ungeeignete, passende und unpassende.