Aus Baptistes bricht ein heiseres Lachen hervor, das bald in einen trockenen Husten übergeht. „Du hast Biß, das muß ich Dir lassen. Laß mich eben meinen Wundarzt rufen, dann kannst Du gerne Deine beiden Mädchen haben.” Als klar wird, dass Ferdinand keine Verzögerung duldet, kichert Baptiste nochmal in sich hinein, wendet sich dem Pult zu, und beginnt zu schreiben…
Schenkungsurkunde
Mit diesem Schreiben überantworte ich die Sklavinnen Ariana und Paruline meinem Neffen Ferdinand de Maire. Alle ihre Handlungen dienen ab dem heutigen Tag allein dazu, seinem Willen gerecht zu werden.
Die Ware wird wie gesehen übernommen. Umtausch und Ersatz sind ausgeschlossen.
Gonne-on-Maire, den …
Baptiste de Maire
Ferdinands Onkel siegelt die Urkunde und reicht sie Ferdinand. „Hier, das hast Du Dir redlich verdient. Wenn Du entschuldigst, ich fühle mich etwas ermattet.” Baptiste läutet mit einem Glöckchen, das er aus einer Tasche seines Anzugs zieht, deutet eine Verneigung in Richtung seines Neffen an und verläßt den Saal. Noch bevor Baptiste durch den Torbogen in den Innenhof verschwunden ist, erscheint Ariana wie von Geisterhand.
Sie ist gut geschminkt, und dem ungeübten Auge würde nichts auffallen, doch Ferdinand spürt, dass die Sklavin krank ist. Bei genauerem Hinsehen sieht man, dass sich entzündete Striemen über ihre Wangen ziehen, die sorgfältig überpudert werden. Ferdinand hat davon gehört; es ist eines der ersten Anzeichen für die Blutpest. Schlimm würde es erst, wenn diese Striemen zu offenen Wunden würden, dann bleibt nur noch wenig Zeit, bis man schwarze Klumpen und Blut hustet. Mit Glück dauert es dann noch eine Woche bis zum Ende – mit Pech leidet man ein Vierteljahr, mit immer wiederkehrenden Krämpfen, teilweisen Heilerfolgen, doch letztendlich hat noch niemand die Blutpest überlebt.
Ferdinands Blick fällt auf das Blatt, das auf Baptistes Schreibpult liegt. Es ist der Titelbogen seiner aktuellen Arbeit, den Rest hat er mitgenommen, als er den Saal verließ.
Die Blutpest
Zweiter Akt: Tränen aus Blut und Eiter
Baptiste de Maire