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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Grubentroll am 1.01.2010 | 13:30
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Erstmal frohes neues... :)
Nach 10-jähriger RPG-Abstinenz hab ich letzter Tage so ungefähr fast alles verschlungen habe, was mir an Threads und Infos zu diversen Rollenspielen unter die Nase kam hier auf Tanelorn...
Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die doch etwas anders sind als das was ich von früher kannte.
1) Oldschool & Dungeoncrawling
In meiner aktiven Rollenspielerlaufbahn, die sich von 1986 bis 1994 und danach noch vereinzelt bis 1999 erstreckte, nahmen das erzählerische und Stimmungsvolle in Rollenspielen immer weiter zu.
Die ersten Rollenspiele, die ich erblicken durfte, wie DSA oder D&D, waren ja an sich sehr dungeonlastig und einfach gestrickt in ihren ersten Ausgaben, aber selbst diese entwickelten sich ja stetig zu sehr ausgeklügelten Welten hin, und am Ende standen da Settings wie Planescape, die ja schon fast ins philosophische glitten.
Ich nahm also immer an, dass dies wohl die einzig normale Richtung sein kann, in die Rollenspiel sich entwickeln kann, da sich in meiner aktiven Zeit alles nur in diese Richtung entwickelte.
Mehr erzählen statt Würfeln, starke Stimmungen erzeugen, starke Immersion in den Charakter und die Welt.
Jetzt gibt es aber eine unheimlich starke Fraktion von Leuten die Oldschool Rollenspiele spielen wollen, die sich einfach nur durch die doch früher irgendwann so verpöhnten Dungeons kloppen, und einen Riesenspass dabei haben.
Die das Erzählerische aus den Rollenspielen einfach raushalten, und sich dessen auch nicht groß schämen.
2) Computerisierung des Pen&Papers RPGs.
Pen&Paper RPGs waren natürlich immer ein Rieseneinfluss für Computerspiele seit deren bescheidenen Anfängen. Nun habe ich manchmal das Gefühl, dass gewisse Computerspielmechanismen zurück aufs Pen&Paper-Spielen schlagen.
Für mich am prägnantesten bei D&D4 zu sehen. Aber auch hier und da bei anderen Systemen durchaus bemerkbar.
kleiner Edit/Add: Auch grad wieder gelesen, "Sandboxing" ist da natürlich auch so ein Riesenschlagwort. Kannte ich auch vorher nur vom Computer, und es gibt anscheinend ja nicht wenige Leute, die das gerne in P&P spielen (würden).
3) Theorie (Forge, usw)
ist natürlich was komplett neues für mich im RPG Sektor. Mein erster Gedanke war wie wohl bei jedem: "Was soll denn der Scheiss?". Man liest sehr viele Spezialaudrücke und Abkürzungen, die bestimmte Mechaniken beschreiben, das verwirrt erstmal, und nimmt wohl auch ein bisschen die Magie raus aus dem Thema.
Aber an sich ist es schon interessant, all diese Abläufe die man da jahrelang gegeben hingenommen hat mal zu hinterfragen, und auch zu kategorisieren.
Und sich auch zu fragen, was passiert eigentlich, wenn man genau diesen Mechnismus mal austauscht.
4) Indie-RPGs
Da kann ich jetzt noch nicht viel zu schreiben. Ich hab mir ein bisschen was zu Wushu, Dogs in the Vineyard und Sorcerer durchgelesen, aber ich kann mir gerade zum Teil nur schwer vorstellen wie diese Sachen eigentlich zu spielen sein sollen. Oder noch problematischer, wie finde ich Spieler für sowas. ;D
Während ich verhältnismässig einfach ein paar Leute zusammentrommeln könnte für eine Runde D&D oder Dungeonslayers, hätte ich glaub ich erstmal gewisse Schwierigkeiten, den Leuten zu verklickern, warum ich sowas wie Dogs in the Vineyard überhaupt spielen wollen täte.
Auf jeden Fall aber eine sehr interessante Entwicklung, die mich auch gleich zu meinem Schlusseindruck führt, nämlich:
.... anything goes...
Ja, das ist es... Mein Haupteindruck der Rollenspielszene dieser Tage ist, dass man eigentlich machen kann was man will, es gibt kein Richtig oder Falsch.
So lange alle am Tisch ihren Spaß haben.
Eine Spielrunde die gerne zweiminütige Beschreibungen darüber hört, wie ein Verliesraum aussieht, oder gar mit Verliesen nichts zu tun haben will und komplett auf einen SL verzichtet, ist nicht besser als wie eine Spielrunde, wo der SL den Raum mit "4 mal 5 Meter, ein Tisch, zwei Stühle, drei Trolle" beschreibt, wenn alle Spieler daran Spaß haben. Aber auch nicht schlechter.
Klar liest man hier und da wie Leute gegen jeweils den Spielstil der Anderen wettern, aber an sich sehe ich primär eine Entwicklung, dass "erlaubt ist, was gefällt". Und es wird viel ausprobiert.
Und das finde ich echt eine tolle Sache.. :d
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Das Unschöne daran ist nur, das man bei all der zu begrüßenden Vielfalt immer noch keine Methodik hat - oder viel eher nicht bereit ist aus den eigentlich vorhandenen Ansätzen eine zu entwickeln und das Anwenden dieser dann auch zu tolerieren - , welche es klar und effizient erlaubt seine Spielpräferenzen zu erkennen und danach die Spielrunden zusammen zu stellen.
Bisher läuft man (ich, in der Praxis, aber auch in Foren) gegen eine Wand aus "Das sind doch alles Rollenpiele(r)", "Es gibt kein Badfun", "Man darf nicht alles theoretisieren" und anschließend hat man den Knatsch am Spieltisch und die (dann auch idR aneinander vorbei gehenden) Diskussionen im Forum!
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Bisher läuft man (ich, in der Praxis, aber auch in Foren) gegen eine Wand aus "Das sind doch alles Rollenpiele(r)", "Es gibt kein Badfun", "Man darf nicht alles theoretisieren" und anschließend hat man den Knatsch am Spieltisch und die (dann auch idR aneinander vorbei gehenden) Diskussionen im Forum!
Meinungen und Ansprüche können eben sehr verschieden sein. Aber ob das nun zu Knatsch führt ich weiss es nicht.
Am Spieltisch sollte an eben MEinungen austauschen und wenn der eine "nur" durch Dungeons rennen will und der andere "ambitioniertes RPG" betreiben will und man keinen gemeinsam Nenner findet, tja dann geht eben jeder seiner Wege.
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und schon hast auch du eine Kategorisierung verwendet ;)
Ohne geht es eben nicht, und das Hobbie ist mit seinen recht schwammigen aber funktionierenden Kategorien ja auch schon viel weiter als so manche Theoretiker, wie man ja an dem Beispiel sieht.
=> denn immerhin können sich die Spieler verständigen.
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Hallo Grubentroll, ein verspätetes Willkommen auf Tanelorn! Ich bin gerade über diesen Thread gestolpert und wollte noch mal meinen Senf dazu abgeben. Ich persönlich habe etwas später als du mit dem Rollenspiel angefangen und das eigentliche Oldschool nur noch sehr am Rande bzw. in einer stümperhaften, pubertären Ausprägung mitgenommen. Auch ich habe aber eine ganze Weile die Entwicklung von Dungeoncrawl zu Story sozusagen als „natürliche Rollenspieler-Genese“ betrachtet und sehe das inzwischen anders. Die Vielfalt des Hobbys ist toll, schade ist, dass die Unterschiede im Internet auch gerne mal zu gegenseitigem Bashing und dem Ausheben von Gräben führen. Aber das ist eben das Internet.
Einige moderne Spiele sind sehr gut gemacht, da sind Spielentwickler am Werk, die ihr Handwerk verstehen und aus den letzten 30 Jahren auch was gelernt haben. Gleichzeitig bringt die Vielfalt und die dank neuer Technologien viel geringere Einstiegsschwelle aber auch einen Haufen sehr unprofessioneller Produkte mit sich.
Eine weitere Entwicklung im Vergleich zu Rollenspiel in den 80ern ist sicherlich die graphische Aufmachung der Bücher. Vollfarbige Hochglanz-Regelwerke präsentieren sich mit unglaublichem Aufwand, die sehen zum Teil fast schon aus wie Graphic Novels. Das hängt auch damit zusammen, dass zu den Käufern ein wachsender Anteil von Sammlern gehört, die wenig bis gar nicht spielen und die Bücher hauptsächlich zum Lesen, Angucken und ins Regal Stellen haben wollen.
In jedem Fall freut es mich, wenn unser Forum dein Herz für Rollenspiele wieder zum Schlagen gebracht hat! :)
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...und das Anwenden dieser dann auch zu tolerieren - , welche es klar und effizient erlaubt seine Spielpräferenzen zu erkennen und danach die Spielrunden zusammen zu stellen.
Ich denke, die einzige Regel, "welche es klar und effizient erlaubt seine Spielpräferenzen zu erkennen und danach die Spielrunden zusammen zu stellen", ist Regel 0. Theorie ist meines Erachtens interessant und kann auch zu Zeiten hilfreich sein, aber zum Zusammenstellen einer Spielrunde ist eine Theorie über Spielmechanismen etc. kein geeignetes Hilfsmittel. Denn so irritierend es sein mag, damit das Spiel "gelingt", tragen soziale Faktoren so sehr viel mehr bei als alle rollenspielspezifischen, daß man nach den ersteren, nicht nach den letzteren auswählen sollte.
Insofern pflichte ich dem Grubentroll bei :-) !
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Eine gewagte These aus meiner Erfahrung: die unterschiedlichen Spielstile erlauben nicht nur, jeweils "passende" Gruppen zusammenszustellen (trotz etwaiger Verständigungsschwierigkeiten für diejenigen, die da gern eine einheitliche Systematik hätten). Sondern man kann auch innerhalb einer Gruppe durchprobieren/wechseln. Ich kann mit denselben Menschen Prime Time Adventures spielen, mit denen ich die Woche drauf durch einen DSA-Metaplot railroade oder durch einen Oldschool-Tunnel krieche. Das ist es eigentlich, was mich so sehr daran fasziniert. Diese: "Komm, lass uns doch einmal dies und das ausprobieren ..." Freilich wird man für längere Kampagnen auf einen mehr oder weniger einheitlichen Stil zurückgreifen, aber man kann eben auch man ausbüchsen. Wie gesagt: mit den richtigen Leuten, versteht sich.
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Ich würde jetzt - mit meiner bescheidenen Rollenspielerfahrung - einfach mal sagen, dass mittlerweile einfach feiner unterschieden wird und sich verschiedene Szenen gebildet haben, auch wenn das sehr überspizt klingt.
Das muss nichtmal im Sinne von Abgrenzung stattfinden, aber alle Spieler mit denen ich so spiele wurden von einem Storytelling-Meister "angelernt" und sehen das jetzt als "das wahre Rollenspiel" an, dem kann ich mich nicht ganz anschließen und immer öfter kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, die mich zum Entschluss gebracht haben, mit eine neue Gruppe zu suchen.
Rollenspielist nunmal auch ein breitgefächerter Begriff, der soviel Themen enthält, dass man kaum mit einem System alle in gleichem Maße abdecken kann.
Ein krasser Vergleich: Ein Krimi-Autor und ein leidenschaftlicher Kniffel-Spieler könnten sich wohl kaum auf einen Spielstil einigen, den sie zusammen spielen, es lassen sich zwar kompromisse finden, aber der Spielstil der einzelnen Spieler innerhalb der Gruppe wird trotzdem voneinander abweichen.
Im Rollenspielbereich hat man es jedoch geschafft, sich auf einen Nenner (das Einnehmen und Darstellen einer Rolle) geeinigt, welcher Form diese Rolle jedoch entspricht, ist abhängig von System, Spielrunde etc, da ist vom "Gefäß für Kampfwerte" bis hin zu "Spielwerteloser Poet" alles drinne.
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Was ist eigentlich Diskussionsgegenstand dieses Threads?
Ein Allgemeinplatz?
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Wenn Du so willst. Da hat eben jemand, der der Szene lange Zeit fern war mal seine Eindrücke aufgeschrieben.
Hast Du damit ein Problem?
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4) Indie-RPGs
Da kann ich jetzt noch nicht viel zu schreiben. Ich hab mir ein bisschen was zu Wushu, Dogs in the Vineyard und Sorcerer durchgelesen, aber ich kann mir gerade zum Teil nur schwer vorstellen wie diese Sachen eigentlich zu spielen sein sollen. Oder noch problematischer, wie finde ich Spieler für sowas. ;D
Melde dich beim GROSSEN an - dort kannst du dann mindestens vier Indiespiele ausprobieren, wenn du das geschickt organisierst :)
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Wenn Du so willst. Da hat eben jemand, der der Szene lange Zeit fern war mal seine Eindrücke aufgeschrieben.
Hast Du damit ein Problem?
Nö. Ich war nur verwirrt.
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Nö. Ich war nur verwirrt.
Na dann - ich hoffe, das ist nun klarer.
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Hallo Grubentroll,
ich finde, du hast die Entwicklung der letzten Jahre sehr schön zusammengefasst. Genau wie dir und Vermi kam mir die Entwicklung vom Würfel- zum Storyspiel natürlich vor (zusammen mit solchen goldenen Regeln wie "wenn eine Regel die Story stört, dann weg damit" oder ähnlichem), und gutes Rollenspiel war etwas, das mit guter Story zu tun hatte.
Schön, dass du mal Indies ausprobieren willst, und auch schön, dass du den natürlichen "Theorie? Wer braucht denn den Scheiss?"-Reflex so schnell überwunden hast. Ich kann dich hier einfach mal auf den Con-Kalender verweisen, wenn einer davon bei dir in der Nähe liegt, kannst du ja in dem Thread mal anfragen, ob jemand kommt, der sich mit so etwas auskennt. ;)
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Politologisch gesehen müsste nach diesem Zeitalter der Diversifikation eigentlich eine Vereinheitlichung kommen. Also nur noch ein einziges Rollenspiel. :Ironie:
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Politologisch gesehen müsste nach diesem Zeitalter der Diversifikation eigentlich eine Vereinheitlichung kommen. Also nur noch ein einziges Rollenspiel. :Ironie:
Gibt es doch schon. Frag mal rum, für viele gibt es nur "wahres Rollenspiel" oder "das wahre System". ~;D
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"erlaubt ist, was gefällt".
Das war doch schon immer so - man wusste halt nur nichts von den ganzen Leuten, die alles falsch machen ~;D
Für mich persönlich muss ich sagen, dass sich die ganze Zeit, die ich z.B. ins Mitlesen und Mitdenken auf der Forge u.Ä. gesteckt habe, ab einem gewissen (sehr früh erreichten) Punkt nicht mehr wirklich gelohnt hat.
Da hatte ich von allgemeiner Lese-, Systemlern- und -ausprobierwut und einer allgemein analytischeren Herangehensweise deutlich mehr.
Aber das weiß man eben erst hinterher :)
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Was ist eigentlich Diskussionsgegenstand dieses Threads?
Ein Allgemeinplatz?
Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich solche Threads in Themen/Foren, in denen ich sehr drin bin ganz gerne lese.
Da kommt einer von "draussen", und erzählt einfach mal, wie das was man da so Tagein-Tagaus macht auf ihn wirkt.
Mehr soll das hier nicht sein.. :)
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Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich solche Threads in Themen/Foren, in denen ich sehr drin bin ganz gerne lese.
Da kommt einer von "draussen", und erzählt einfach mal, wie das was man da so Tagein-Tagaus macht auf ihn wirkt.
Volle Zustimmung.
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Nun, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich solche Threads in Themen/Foren, in denen ich sehr drin bin ganz gerne lese.
Da kommt einer von "draussen", und erzählt einfach mal, wie das was man da so Tagein-Tagaus macht auf ihn wirkt.
Mehr soll das hier nicht sein.. :)
Ich find 's auch klasse! Musste irgendwie an meine erste Runde denken, als ich den Beitrag gelesen habe. Da erinnert man sich doch gerne mal zurück, wenn auch nicht ganz so weit! :d