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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Joie am 21.05.2010 | 09:52

Titel: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joie am 21.05.2010 | 09:52
Weiß nu nich obs mal wo behandelt wurde, aber wenn ist es wohl irgendwo verschwunden und gesperrt^^

Also mir gehts darum wie ihr das handhabt mit Spieler-NSC Interaktion.
Besteht ihr darauf das es immer ausgespielt wird oder fliegen eher die Würfel?

Bei uns hat es sich irgendwie eingebürgert jegliche Interaktion, auszuspielen.. und das in jedem Regelsystem.
In SR hat mein char zwar den verhandeln skill aber drauf gerollt hab ich bisher noch nicht.

In SW mit meiner Charismatischen Jedi und dem hohen Diplomatie wert.
Hatte bis jetzt von 10 Spielrunden vieleicht 2 mal auf den Wert gewürfelt und dann auch nur wenn mir grad nicht einfiehl was ich sagen soll oder unmotiviert war es lange auszuspielen, was bei uns aber eher die ausnahme als die Regel ist.

Es hat ja so seine Vor und Nachteile.
Vorteil: Man betreibt mehr Rollenspiel was ja auch gut so ist :)
Nachteil: Man hat Punkte in Attribute und Fertigkeiten "Verschwendet" die man sowieso praktisch nie benutzt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 09:56
Kompromissvorschlag:

Erst Würfeln und dann nach dem Ergebnis ausspielen. Ein "Patzer" kann immer passieren und das ganze macht vielleicht mehr Spaß, wenn man sich nach den Würfeln richtet. Der eSeL kann Tipps geben, wenn sich Würfelergebnis und Ausspielen nicht decken.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 09:57
Beides, man spielt aus was man dem NSC so alles erzaehlt, und dann wird gewuerfelt wie das nun an kam, also so als charismatischste Rede bei der Obama bleich wuerde oder etwas bei dem man besser einen Brueckentroll vorgeschickt haette weil der netter gewirkt haette.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: sir_paul am 21.05.2010 | 09:58
Bei mir wird zur Zeit stark gewürfelt.

Deine Frage zielt aber auf ein ziemlich altes Problem ab. Wozu sind die Werte auf meinem Bogen da wenn ich nicht auf sie würfeln muss? Warum würfel ich beim Wettsaufen aber nicht beim Überreden?

Meine Einstellung ist (zur Zeit) ganz klar. Wenn ich ein Regelwerk nutze welche mit Würfelproben arbeitet um soziale Interaktion abzubilden dann wird auch darauf gewürfelt. Schüchternen kriegen keinen Abzug auf diesen Wurf, geborene Schauspieler keinen Bonus.

Was aber gerne genutzt werden kann ist Fanmail, Bennys, etc um den guten Schauspieler zu belohnen und die Schüternen eventuell zu motivieren doch mal aus sich raus zu gehen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Roland am 21.05.2010 | 10:02
Beides.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Village Idiot am 21.05.2010 | 10:03
Dinge mit geringer Relevanz werden ausgewürfelt und nur erzählerisch umrissen oder kurz ausgespielt. Wichtige Dinge werden ausgewürfelt und ausgespielt.  
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joie am 21.05.2010 | 10:07
Was sind Bennys?^^
Fanmail sind dann wohl leute die den Char mögen weil er so charismatisch sind und mehr mit ihm rumhängen möchten  wtf?

Wir würfeln vieleicht auch weniger da unsere Würfel arschige Miststücke sind wenns drauf ankommt(außer bei dem einem wo dann immer die 20(aufs D20 System bezogen) kommt wenn was schlimmes passiert ::) )
Ich kann mir schon denken wie unsere Gespräche dann meistens ablaufen wenn man zuerst Würfelt und danach ausspielt... wär sicher gut gekommen in dem Gespräch mit Talon Karrde oder so nem Piraten Guru.. oder dem Mandalor :D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Zwart am 21.05.2010 | 10:09
Fanmail beschreibt ein Konzept aus dem Rollenspiel Prime Time Adventures.
Die Spieler belohnen sich gegenseitig mit Chips die ihnen Vorteile im Spiel bringen. Bennies sind das gleiche, werden aber ausschließlich vom SL verteilt. Sie heißen im System Savage Worlds so. In anderen Systemen heißen sie Schicksalspunkte oder Glückspunkte und manchmal werden sie auch abwertend Gummipunkte genannt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: sir_paul am 21.05.2010 | 10:10
OT: Was ist denn an Gummipunkte abwertend?  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Zwart am 21.05.2010 | 10:11
Was weiß ich?
Ich habe den Ausdruck bisher immer nur in einem abwertenden Kontext gelesen. ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Hotzenplot am 21.05.2010 | 10:22
Wir betreiben in der Runde nach Lust und Laune beides.

Ich habe allerdings eingeführt und bestehe als SL auch darauf, dass die Erfolge der ausspielbaren Fähigkeiten (Diplomatie z.b.) auch und vor allem anhand der Werte des Charakters abzulesen sind.
Ein rethorisch begabter Spieler wird mit seinem rethorisch unbegabten SC nur die Erfolge erzielen, die seinem SC im Rahmen seiner Werte möglich sind. Mir wäre es lieber, wenn die alle Spieler von vornherein entsprechend ihrer SC kommunizieren würden, aber gerade ein Spieler versteht das noch nicht so ganz. ;)

Fähigkeiten, die am Spieltisch nur schwer auszuspielen sind (Poppen oder so :)), werden per Würfelwurf geprüft.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joie am 21.05.2010 | 10:30
hmmm

Wir ham auch einen Spieler der Rethorisch nicht grade ein Meilenstein ist.. und der spielt ausgerechnet nen Schmuggler  ::)
Vieleicht sollte ich mal mit unsrem SL reden um den etwas zu motivieren obwohl er es mit dem Spieler irgendwie aufgegeben hat...

Bei mir kommts ja immer drauf an..manchmal laber ich echt nur Mist doch sonst kann ich die Gespräche immer mal gut rüberbringen aber im RL bin ich nun wirklich kein Face  :D

Ihr würfelt Sex aus?  ::)
ALso Verführung von NPCs spielen wir gern mal aus... vorallem als besagter Schmuggler versuchte Leia anzubaggern  ;D
Da kommt immer was lustiges bei rum

Aber nochmal das rethorische.. ok ein begabter Spieler welcher einen unbegabten SC spielt sollte würfeln und das so ausspielen damit es passt, klingt auch so ok.
Aber wie läuft das dann anders rum? Generell nur auswürfeln und das dann so hinnehmen?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 10:30
Kompromissvorschlag (bzgl. Eingangsfrage):
Erst ausspielen. Und je nachdem, wie man es ausgespielt hat, einen Bonus oder Maulus auf den Würfelwurf geben.

Der eSeL kann Tipps geben, wenn sich Würfelergebnis und Ausspielen nicht decken.
Der SL ist auch nicht unbedingt ein besserer Schauspieler als die anderen Mitspieler.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Blizzard am 21.05.2010 | 10:31
Also mir gehts darum wie ihr das handhabt mit Spieler-NSC Interaktion.
Besteht ihr darauf das es immer ausgespielt wird oder fliegen eher die Würfel?
Beides-wobei ich nicht drauf bestehe, dass es immer ausgespielt wird. Machnmal verwende ich auch beides in Kombination(also: Wüfeln&Ausspielen, oder Ausspielen&Würfeln) in gewissen Situationen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bathora am 21.05.2010 | 10:33
Ich sehe gern, wenn ausgespielt wird, finde das aber vor allem mal einen Bonus. Wenn ich merke, dass der Spieler gerade nicht will, gerade nicht kann, oder auch einfach nicht ganz fit ist, finde ich es völlig okay, wenn einfach nur gewürfelt wird.
Aber Würfeln weglassen, das mag ich nicht.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 10:38
Wir ham auch einen Spieler der Rethorisch nicht grade ein Meilenstein ist.. und der spielt ausgerechnet nen Schmuggler  ::)
Es spielen auch Spieler die koerperlich keinen Bierkasten hoch kriegen und beim Geschick am oeffnen einer Putzflasche brutal scheitern Starke und Geschickte Charaktere.

Wieso sollte dann ein rethorisch unbegabter keinen Schmuggler spielen der halt einfach klasse feilschen kann weil er nunmal dafuer die Werte auf dem Boden ausgegeben hat?

Zitat
Ihr würfelt Sex aus?  ::)
Nu man sollte doch wissen ob es geklappt hat und erfolgreich war oder ob man mit einem Penisbruch oder sowas endet?

Zitat
Aber nochmal das rethorische.. ok ein begabter Spieler welcher einen unbegabten SC spielt sollte würfeln und das so ausspielen damit es passt, klingt auch so ok.
Aber wie läuft das dann anders rum? Generell nur auswürfeln und das dann so hinnehmen?
Genauso auswuerfeln.

Oder braucht der schwachbruestige Magier SC auch im Kampf nicht mehr zu wuerfeln weil der Spieler Top Fit ist und drei Kampfsport Arten beherrscht?

Von der Idee von Bonus oder Malus Wuerfeln je nach ausspielen halte ich so ziemlich gar nichts..
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 10:43
Hmm, bei so einer Frage wäre es natürlich auch interessant, aus welcher Ecke man kommt:
- Ist man übers Impro-Theater zum RPG gekommen?
- Ist man übers LARP zum RPG gekommen?
- Oder ist man über Trading Cards bzw. TableTops zum RPG gekommen?

Ich denke, die Herkunft spielt auch eine wichtige Rolle dabei, wie sehr man aufs Würfeln wert legt.

BTW:
Wir spielen momentan eine kleine Engel-Arkana Kampagne. Dort gibt es überhaupt kein Würfeln. (Und auch Karten ziehen gibt eher eine inspirierende Richtung anstatt harte Fakten vor.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 10:46
Glaube ich weniger, weil ich eigentlich ueber die Freie-Foren-RPG und oWoD zum RPG gekommen bin.
Und gerade da finde ich es elend wenn das sozial System darueber ausgehebelt wird das sich rethorisch geschickte Spieler die Punkte sparen und getrost andersweitig ausmaxen koennen und die ungeschickten soviele Punkte wie sie wollen ausgeben koennen und "gearscht" bleiben weil sie dann nicht nur nicht kaempfen koennen sondern immer behandelt werden als waeren ihre Charaktere dennoch sozial schlechter als die der rethorisch OT guten Spieler.

Insofern hat es imho weniger mit Wuerfeln, als mit einem fairen und balancierten Spiel zu tun.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bathora am 21.05.2010 | 10:46
Nö.
Demnach müsste ich alles ausspielen, und das tu ich nicht. Es hat nicht so sehr was mit dem Hintergrund zu tun, sondern damit, was man sich vom Spiel erwartet.
Und ich erwarte mir ein Spiel. Mit Spielregeln. Die fair funktionieren.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 10:53
Man kann es noch ein wenig verfeinern:

Spieler sagt an, wie der SC gedenkt zum Erfolg zu kommen (Argumente, Bestechung etc.). Der eSeL legt daraufhin einen Bonus oder eine Schwierigkeit je nach System fest. Der Wurf. Das Ergebnis wird ausgespielt.

Das nur in Kürze, ist aber irgendwie eine Mischung aus vorher ansagen und nach dem Wurf mit "Fleisch" ausstatten.
So funktioniert z.B. das Intrigensystem in ASOIAF RPG.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 21.05.2010 | 10:54
Ausspielen, zwischendurch würfeln, dann sehen, wie das Ausgespielte tatsächlich ankam. An der Beredsamkeit eines Spielers mache ich nichts fest, auch keine Modifikatoren für den Wurf. Einzig der Inhalt des Gesagten zählt, sowie eventuell noch der Ton, also z.B. ob der Spieler eher aggressiv, beschwichtigend, humorvoll etc. auftritt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 10:57
Es spielen auch Spieler die koerperlich keinen Bierkasten hoch kriegen und beim Geschick am oeffnen einer Putzflasche brutal scheitern Starke und Geschickte Charaktere.
Pen&Paper ist auch ein Erzählspiel und kein Sportspiel. (Im Gegensatz zum Beispiel zu LARP.)

Bei einem Erzählspiel kommt es darauf an, wie gut jemand erzählen kann.
Und ja: Jemand kann einen superguten Kämpfer mit superguten Werten spielen. Wenn er das Kampfsystem nicht beherrscht oder eine taktische Niete ist, der nicht weiß, wann es sinnvoll ist, welche Kampfoption einzusetzen, dann wird er im Kampf kläglich scheitern.

Und jemand, der einen schlechten Kämpfer spielt, aber zahlreiche Tricks auf Lager hat, wie man das Kampfsystem ausreizen kann, der wird gewinnen.

Zitat
Oder braucht der schwachbruestige Magier SC auch im Kampf nicht mehr zu wuerfeln weil der Spieler Top Fit ist und drei Kampfsport Arten beherrscht?
Kommt darauf an, welche Form von RPG du spielst:
Spielst du Pen&Paper RPG? Oder spielst du LARP RPG?

Von der Beantwortung dieser Frage hängt es ab, wie ich deine Frage beantworte. (Stichwort: Erzählspiel vs. Sportspiel.)

Glaube ich weniger, weil ich eigentlich ueber die Freie-Foren-RPG und oWoD zum RPG gekommen bin.
Inwiefern widerlegt das jetzt meine These?

Interessanter wäre es, wenn du mir jemanden präsentierst, der früher gerne Impro-Theater und/oder LARP gespielt hat und dem Würfeln wichtig ist. Das würde meine These widerlegen.

Aber jemand, der oWoD gespielt hat und dem Würfeln wichtig ist, bestätigt meine These eher.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Hotzenplot am 21.05.2010 | 10:58
Ihr würfelt Sex aus?  ::)

Aber wie läuft das dann anders rum? Generell nur auswürfeln und das dann so hinnehmen?

Nein, nicht wirklich, mir fiel nur nix dümmeres ein gerade :)


Andersherum läuft es eben - äh - andersherum? :) Nicht hinnehmen. Ich werte die ausgespielte Rede des Spielers auf (wir in der Runde denken uns im Grunde, dass seine Rede entsprechend seiner Werte sehr überzeugend war).

Ingame gehe ich oft ähnlich wie Eulenspiegel vor. Das Ausspielen guter Rhetorik für einen rethorisch unbegabten Spieler gibt Boni auf seinen Wurf. Umgekehrt (also mit Mali) mache ich das allerdings nicht, da ich nicht die Spieler "schneiden" will, die einfach in diesen Bereichen begrenzte Möglichkeiten haben.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 11:02
Bei der Eingangsfrage geht es ja eher um soziale Interaktion.

Mich würde aber mal interessieren, wie ihr es bei einem Detektivabenteuer handhabt:
Gibt es einen Wurf auf "Ermittlungen" oder spielt ihr die Ermittlung aus?

Und wie sieht es bei Intrigen aus?
Gibt es einen Wurf auf "Politische Intrige" oder spielt ihr die Intrige aus?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joie am 21.05.2010 | 11:09
Vieleicht sollte ich mal klären woher bei uns der hang kommt Gespräche mehr auszuspielen als zu würfeln.

Ich sag nur Storytellersystem  :D
Wir ham da die "Goldene Regel" die würfel bei seite zu lassen und mehr alles zu erzählen wohl mal zu ernst ausgelebt und ganze Spielabende im Dunkeln bei Kerzenschein und stimmiger Musik gehockt und unsere Vampirrunde gespielt ohne das jemals ein Würfel gefallen ist. Kämpfe..werden beschrieben und mal nicht ausgewürfelt(gegen Sterbliche), bei stärkeren gegnern wurd dann bissl gewürfelt aber sonst nur Erzählt.
Ich will damit jetzt nicht sagen das der SL nur gelabert hat und wir keine freiheiten hatten.. eher der SL erzählt was passiert und die Spieler erzählen was sie machen.

Detektiv/Intrigen..
ersteres spielen wir aus und machen ab und zu nen Wahrnehmungswurf
zweiteres..wird ausgespielt

Meine Jedi hatte sowas schon hinter sich mit ner Politischen Intrige auf Diplomatischer Mission für die Rebellen
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 11:09
Pen&Paper ist auch ein Erzählspiel und kein Sportspiel. (Im Gegensatz zum Beispiel zu LARP.)
Ich dachte bei Pen&Paper handelt es sich um ein Rollenspiel. Anstelle eines Erzaehl oder Sport Wettbewerb. Das heisst es kommt darauf an das jemand eine Rolle spielt.

Zitat
Interessanter wäre es, wenn du mir jemanden präsentierst, der früher gerne Impro-Theater und/oder LARP gespielt hat und dem Würfeln wichtig ist. Das würde meine These widerlegen.

Aber jemand, der oWoD gespielt hat und dem Würfeln wichtig ist, bestätigt meine These eher.
Also in Freien-Foren-RPGs wurde gar nicht gewuerfelt.
Und die oWoD ist in der Pen&Paper Form eher Storyteller lastig als Wuerfellastig.

Hingegen wird bei LARP zumindest in der oWoD mit Stein-Schere-Papier spielchen gewuerfelt und auch sonst Werte verglichen. Nun und gerade bei anderen LARP gibt es doch auch grosse, dicke Menschen die sowas spielen wie kleine, zierliche Elfen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 11:10
Soziale Interaktion wird  gerne überschauspielt, ich hab es aber lieber wenn erstmal gespielt wird, also die Würfel fallen und demensprechend dann die Beschreibung folgt. Wortgewandte Leute nutzen sowas sonst gerne, vieleicht auch oft unbewusst (oder weil sie gerne Bescheissen), um ihrem Charakter mehr soziale Kompetenz anzureden als er eigentlich hat. Das einfache aussprechen lass ich in Runden zu wo auch alles andere einfach auf Erzählgeschichte hinausläuft. Wozu sonst in Sozialskills investieren wenn man sie eh nicht braucht, bzw den etwas tumberen Spieler der aber auchmal das Superhirn mit mächtig Wortschatz spielen will benachteiligen?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Hotzenplot am 21.05.2010 | 11:14
Mich würde aber mal interessieren, wie ihr es bei einem Detektivabenteuer handhabt:
Gibt es einen Wurf auf "Ermittlungen" oder spielt ihr die Ermittlung aus?

Und wie sieht es bei Intrigen aus?
Gibt es einen Wurf auf "Politische Intrige" oder spielt ihr die Intrige aus?

Beides gute Fragen, die ich mir auch schon gestellt habe.

Ist halt die Frage, wie "feingranuliert" man die Fähigkeiten anwendet. Wenn ich einen Diplomatie-Prüfwurf auf alle Verdächtigen würfele (einzeln oder einen für alle), müsste ich nach der Spielmechanik in manchen Systemen ziemlich schnell - ohne auch nur eine Sekunde ausgespielt zu haben - den Mörder haben. Oder ich gehe gleich zum Gärtner. ;)
Wir in der Runde spielen gerade wichtige Gespräche einzeln aus, insofern umschiffen wir so das Problem, ohne es zu lösen.


Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 11:16
Wobei die Wuerfel doch auch nicht das beschreiben ersetzen.
Heisst im Kampf sagt man ja auch sowas wie:
"Ich ziehe dem mit dem Schwert eins ueber."
Dann wuerfelt man und schaut an ob es Erfolg hatte. Wenn man Erfolg hatte macht der Charakter eine galante Bewegung, zieht das Schwert holt zu einem kunstvollen Streich aus und verletzt den Gegner.
Wenn nicht stolpert der Charakter umher und rammt sich das Schwert vielleicht noch selbst in die Brust.
Und das ist unabhaengig davon das man einem mit einem Schwert vielleicht gar keine "ueber ziehen" kann...

Nun und bei Detektiv Geschichten wird doch durchaus darauf gewuerfelt ob der Char nun das Wissen hat um zu erkennen das eine Geburtstagskerze 3 Minuten braucht zum runter brennen und sich Benzonol Zeug auch von selbst entzuenden kann. Ob ein Hinweis gefunden wird und sowas.

Bei der Intrige kann dann gewuerfelt werden, waehrend die ausgespielt wird, ob den Chars da vielleicht was spanisch an einer Luege vorkommt oder sie n paar passende Verbindungen ziehen koennen..
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Zwart am 21.05.2010 | 11:21
Zitat
Mich würde aber mal interessieren, wie ihr es bei einem Detektivabenteuer handhabt:
Gibt es einen Wurf auf "Ermittlungen" oder spielt ihr die Ermittlung aus?

Und wie sieht es bei Intrigen aus?
Gibt es einen Wurf auf "Politische Intrige" oder spielt ihr die Intrige aus?
Dazu gilt bei mir eigentlich das gleiche wie schon geschrieben wurde.

Das Unspannende, das Ablaufen der Connections bis zur Schlüsselfigur/Schlüsselhinweis, wird erwürfelt. Beim Spannenden wird es dann wieder etwas feiner und alles wird mit Ausspielen unterlegt.

Bei Intrigen gilt das ebenfalls. Das Einfädeln der Intrige kann über einen Wurf geschehen, das ist nicht sonderlich spannend. Spannend wird es erst bei einer Komplikation und das wird das wieder eher ausgespielt.

Es sei denn natürlich das System liefert ein Konfliktsystem für Intrigen oder Ermittlungen gleich mit, dann wird natürlich das genutzt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 11:26
Ich dachte bei Pen&Paper handelt es sich um ein Rollenspiel. Anstelle eines Erzaehl oder Sport Wettbewerb. Das heisst es kommt darauf an das jemand eine Rolle spielt.
Richtig. Die Frage ist aber, wie spielst du deine Rolle?

Spielst du deine Rolle mit Körpereinsatz? (So, wie man es beim Impro-Theater und beim LARP tut.)
Spielst du deine Rolle hauptsächlich schriftlich? (So wie man es bei PbeM und bei Fanfictions macht.)
Oder spielst du deine Rolle hauptsächlich über deine Stimme? (So wie man es bei einem Hörspiel oder beim Pen&Paper macht.)

In allen 6 Fällen spielt man eine Rolle. Aber die Art und Weise, wie man seine Rolle kommuniziert, ist eine andere. (Einmal über Körpereinsatz, einmal über die Schrift und einmal verbal.)

Zitat
Also in Freien-Foren-RPGs wurde gar nicht gewuerfelt.
Und die oWoD ist in der Pen&Paper Form eher Storyteller lastig als Wuerfellastig.
1) Was für ein Freies-Foren-RPG hattest du gespielt? Gab es nur ein Setting oder auch ein Regelsystem? (Wenn ja, welches?)

2) LOL.
oWoD und nicht Würfellastig. Du bist gut.

Sorry, ich habe schon in zahlreichen Runden oWoD gespielt und in jeder oWoD-Runde haben wir würfellastig gespielt.
oWoD ist der feuchte Traum jedes pupertierenden Munchkins.

Wenn du Beispiele für eher nicht würfellastige (allgemein nicht wertelastige) Pen&Paper Systeme haben willst:
- Storyteller-WoD (extra für die Leute geschrieben, die WoD im Storyteller-Modus spielen wollen, aber mit den beiden offiziellen WoDs unzufrieden sind.)
- Engel-Arkana
- Dread

Zitat
Nun und gerade bei anderen LARP gibt es doch auch grosse, dicke Menschen die sowas spielen wie kleine, zierliche Elfen.
Ja, die Schrecken einer jeden Con.
Das sind die Leute, zu denen man nach den Con hingeht und ihnen empfiehlt, sich ein neues Charakterkonzept auszudenken.
Das sind die Leute, über die man hinter vorgehaltener Hand lacht. (Ist zwar nicht moralisch einwandfrei, aber menschlich)

BTW:
Zu WoD Cons kann ich nicht allzuviel sagen:
Ich habe erst zweimal so einen WoD Con besucht und in beiden Fällen gab es kein Stein-Schere Papier. (Wobei auch: "Spieler1: Komme doch bitte mal mit. Ich muss dir etwas zeigen." Spieler2: "Nein, ich habe keine Lust." Spieler1: "OK, dann lass uns Stein, Schere,Papier spielen, ob ich dich überreden kann.")
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 11:47
Zitat
Ich dachte bei Pen&Paper handelt es sich um ein Rollenspiel. Anstelle eines Erzaehl oder Sport Wettbewerb. Das heisst es kommt darauf an das jemand eine Rolle spielt.
Richtig. Die Frage ist aber, wie spielst du deine Rolle?[/quote]
Die Frage nachdem Medium ueber welches ich die Rolle spiele ist m.E. irrelevant.

Es macht auch beim Go keinen unterschied ob ich auf einem Spanholz Brett spiele oder einem Tisch oder virtuell oder per Post. Man kriegt da keine Steine abgezogen oder zugerechnet. Weder der Dan Spieler der sich vielleicht nur haessliche kleine plastik Steine leisten kann noch der double-digit Kyu player der da Muschelsteine verwendet.

Heisst die Kommunikationsweise sollte imho nicht als Bewertungskriterium fuer ein Rollenspiel gelten.

Zitat
1) Was für ein Freies-Foren-RPG hattest du gespielt? Gab es nur ein Setting oder auch ein Regelsystem? (Wenn ja, welches?)
Vom Setting her:
Babylon 5
Vampire System (Eigenes Setting)
Star Trek

Ein formales Regelsystem gab es nicht, ausser so allgemeine Regeln wie "Finger weg von den Handlungen anderer Leute Charaktere", "Mindestens >X (z.B. 500) Woerter pro Zug, maximal bis Y (2000) Woerter" und ein OT basiertes Aktivitaetsmodell nachdem der Charakter befoerdert wurde.

Zitat
2) LOL.
oWoD und nicht Würfellastig. Du bist gut.
Vergleichsweise nicht wuerfellastig.

Frueher, als ich gerade mal das V:tM Regelwerk besass, war ich wirklich, ernsthaft und tiefgehend Kultur-Geschockt als ich auf die erste DSA Runde traf wo man einen Charakter auswuerfelte. Nun oder wo ich auf die erste ED Runde traf wo die Leute Flugorcs killten und nicht den Namen ihrer Chars kannten.

Ich mein, klar wuerfelt man, sonst endet man ja bei den Freien-Foren-Sachen, aber es ist nun nicht wirklich wuerfellastig.

Zitat
Storyteller-WoD (extra für die Leute geschrieben, die WoD im Storyteller-Modus spielen wollen, aber mit den beiden offiziellen WoDs unzufrieden sind.)
Wo gibt es die? Just so aus Neugier.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 11:55
Nur ganz kurz:
Wo gibt es die? Just so aus Neugier.
Hier: [Design-Experiment] Vampire: the Masquerade stripped (http://tanelorn.net/index.php/topic,23376.0.html)

Zum Rest später mehr.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 21.05.2010 | 11:55
Erst ausspielen, dann würfeln. Gewürfelt wird, was der Spieler nicht spielen kann oder will oder zu zeitaufwändig oder zu langweilig ist.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Scylla am 21.05.2010 | 11:56
Erst ausspielen, dann würfeln. Gewürfelt wird, was der Spieler nicht spielen kann oder will oder zu zeitaufwändig oder zu langweilig ist.
Genau so  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: YY am 21.05.2010 | 12:19
Früher habe ich Soziales fast nur ausgespielt, aber seit mir die Problematik überhaupt mal bewusst geworden ist, tendiere ich immer stärker zum Würfeln.

Das ist einer der wenigen Punkte, wo ich ab und zu mal mit einem SL zusammenkrache - wenn ich nämlich irgendwelchen sozialen Kleinkram mal schnell "wegwürfeln" will und der SL das unbedingt ausgespielt sehen möchte.


Genau wie ein Stärke-"Monster" eine klapprige Tür quasi im Vorbeigehen eintreten kann, sollte ein Sozial-"Monster" das entsprechend auch für sein Gebiet so handhaben können.
Für mich heißt das auch, dass ich mir nicht für jeden kleinen NSC vier Spulen Seemannsgarn aus den Fingern ziehe; es muss auch mal reichen, dass ich sage "Ich erzähl dem irgendeinen Unfug" und gut würfle.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 21.05.2010 | 12:24
Richtig. Fällt nämlich unter die Kategorie "zu langweilig" und würd ich deshalb auch nicht unbedingt ausspielen wollen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Hotzenplot am 21.05.2010 | 12:28
Das ist einer der wenigen Punkte, wo ich ab und zu mal mit einem SL zusammenkrache - wenn ich nämlich irgendwelchen sozialen Kleinkram mal schnell "wegwürfeln" will und der SL das unbedingt ausgespielt sehen möchte.


Genau wie ein Stärke-"Monster" eine klapprige Tür quasi im Vorbeigehen eintreten kann, sollte ein Sozial-"Monster" das entsprechend auch für sein Gebiet so handhaben können.
Für mich heißt das auch, dass ich mir nicht für jeden kleinen NSC vier Spulen Seemannsgarn aus den Fingern ziehe; es muss auch mal reichen, dass ich sage "Ich erzähl dem irgendeinen Unfug" und gut würfle.

Ich denke, diese Sachen sind eben eine Angelegenheit der Gruppenabsprache. In wechselnden Gruppen bei wechselnden SL sicherlich nicht immer einfach.
In meiner Hausrunde (seit langem die einzige) werden solche Dinge nach Lust und Laune gemacht.
Wenn ich selbst mal Spieler bin (hach, hat man da wenig zu tun :)), hab ich mal Lust, jeden noob-NSC vollzuquatschen und am nächsten Spieltag vielleicht eher Lust, alles schnell mal auszuwürfeln bzw. anhand der Werte abzuhandeln.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass für mich die Messung eines Erfolges an den Fähigkeiten des Charakters im Sinne dieses Threads auch unter "auswürfeln" fällt. Bei uns wird nämlich gar nicht so viel gewürfelt, sondern eher mal aufs Charakterblatt geschaut und ein Wert abgelesen. Reicht für uns oft aus.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 12:32
Ich würfel nach Möglichkeit nur, wenns um was geht, wenn es also einen Unterschied zwischen Erfolg oder Misserfolg gibt. Alles andere ist meiner Meinung nach blödes Alibiwürfeln und Augenwischerei.

In Dialogsituationen heißt das: worum geht es? Um nichts? Dann kann ausgespielt werden, so oft und so lange der Spieler Lust dazu hat (obwohl die Gefahr besteht, dass sich die anderen Spieler nach einer gewissen Zeitspanne langweilen).

Wenn vom Spieler irgendeine bestimmte Reaktion vom NSC gewünscht wird (oder eine vorteilhafte, aber nicht sicher vorhersehbare Reaktion vom NSC möglich ist), dann wird gewürfelt. Auf den Wurf gibt es einen Bonus, wenn der Spieler die "Knöpfe" des Nsc drückt, d.h. auf eine Weise vorgeht, für die meiner Ansicht nach der NSC empfänglich ist oder Argumente vorbringt, die den NSC überzeugen könnten (oder beim Einschüchtern die richtigen Ängste aktiviert usw.). Aber der Würfel und der Charakter (und das sind auch die Zahlen auf dem Blatt) entscheiden, ob der Versuch der sozialen Interaktion zu einem Erfolg im Sinne des Spielers wurde.

Wer mag, darf das Würfelergebnis ausspielen. Dann ist die Reihenfolge Anspielen, Ansagen, Auswürfeln, Abspielen.  ~;D

Zu meinem persönlichen Ungemach spiele ich leider auch in Runden mit, wo es nach meinem Eindruck aufs Auslabern mit Alibiwürfeln rausläuft...

Edit: Mann, ich finde immer mehr Rechtschreibfehler, ich sollte mal einen Kaffee trinken....
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: YY am 21.05.2010 | 12:36
Ich bin mittlerweile an dem Punkt, wo ich für gutes spielerseitiges Gelaber auch keine Boni mehr vergebe - natürlich auch umgekehrt keine Abzüge für totale Ideenlosigkeit.

Bei uns wird nämlich gar nicht so viel gewürfelt, sondern eher mal aufs Charakterblatt geschaut und ein Wert abgelesen. Reicht für uns oft aus.

Mache ich auch oft, insbesondere dann, wenn das Ergebnis ohnehin absehbar ist oder ein Misserfolg mit erneutem Versuch keine relevant andere Situation zu einem direkt erfolgreichen Versuch darstellt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 21.05.2010 | 12:37
Es besteht beim Ausspielen die Gefahr, dass einem einfach nichts sinnvolles einfällt oder sich das Ausspielen schnell abnutzt, wenn es stets heisst "Ich ziehe meinen Plan xyz durch...". Und es ist nunmal nicht jeder ein Labersack vor dem Herrn, so dass manche Spieler in Intrigenkampagnen wohl alleine durchs Ausspielen nicht auf ihre Kosten kommen werden.

Ich würde zuerst würfeln und dann ausspielen. Ich bin generell für die Interpretation jedes Wurfergebnisses, deswegen mag ich abstraktere Systeme gerne, sofern sie taktisch interessant genug sind.

Allerdings ist verständlich, dass man gewisse Aktionen nicht mit EINEM Wurf abhandeln möchte. Ein Kampf wird meistens auch nicht mit nur einem Wurf abgehandelt. Ich würde deswegen anregen, gerade Intrigen, die ja etwas komplexes darstellen, nach Vorbild des Kampfsystems mit mehreren Würfen auf Sozialtalente abzuhandeln. Dann werden sie nicht mehr nur mit EINEM Wurf erledigt, was obendrein auch nur ein rein zufällig erscheinendes Ergebnis sein kann.
Vergleichsweise könnte man eine bestimmte Anzahl "Sozial-Hitpoints" entwerfen und diese dann mittels einer "Attacke" senken. So könnte man abstrakt den ränkeschmiedenden Bösewicht abbilden.
Eine "Sozial-Attacke" wäre dann sowas wie eine Erpressung, das Fälschen von Beweisen, das Ausspionieren des Opfers usw.

Hier wäre dann wieder Raum für Interpretation.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Herr der Nacht am 21.05.2010 | 12:37
Ich möchte einmal ein Beispiel geben:

Ich versuchte den SC eines anderen Spielers zu überzeugen, durch ausspielen. Der Spieler blieb stur, also entschied der SL dass eine vergleichende Probe entscheiden soll. Trotz herausragendem Wurf und wollte er das Ergebnis nicht akzeptieren und nahm es nur unter murren hin weil der SL es ihm sagte.

Der gleiche Spieler sah es als selbstverständlich an, meinen SC später KO zu schlagen durch einen Würfelwurf. Schließlich ist sein SC laut dem Regelwerk kräftiger und kampfstärker. Das sein SC jedoch auch weniger eloquent ist, dass wollte er nicht akzeptieren. Obwohl es eindeutig sichtbar ist, beim ersten Blick auf den Charakterbogen.

Was ich damit ausdrücken will:

Jede Fähigkeit die in einem Rollenspiel regeltechnisch beschrieben ist, sollte auch im Spiel ausgewürfelt werden in der justen Situation, Social Skills sind da keine Ausnahme. Das ist ein ewiges Schreckgespenst und Missverständnis im Rollenspiel seit den 90er Storyteller-Systemen und ihren Nachwirkungen, auch Larps nehmen da ihren Teil am Einfluß ein.

Will man hingegen diese regeltechnische Abhandlung nicht haben, dann greift man ehrlicherweise zu einem System in dem soziale Fähigkeiten alleine durch Ausspielen geregelt sind bzw löst das ganze per Gruppenvertrag. Dann gibt niemand unnötige Punkte für seinen sozialen Charakter aus der  dann durch Rogar den Kampfbarbaren, gespielt vom eloquenten Spieler unter den Tisch geredet wird =)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 12:40
Besser hätte ich es nicht ausdrücken können, Tümpelritter.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: גליטצער am 21.05.2010 | 12:43
Früher habe ich Soziales fast nur ausgespielt, aber seit mir die Problematik überhaupt mal bewusst geworden ist, tendiere ich immer stärker zum Würfeln.

Das ist einer der wenigen Punkte, wo ich ab und zu mal mit einem SL zusammenkrache - wenn ich nämlich irgendwelchen sozialen Kleinkram mal schnell "wegwürfeln" will und der SL das unbedingt ausgespielt sehen möchte.


Genau wie ein Stärke-"Monster" eine klapprige Tür quasi im Vorbeigehen eintreten kann, sollte ein Sozial-"Monster" das entsprechend auch für sein Gebiet so handhaben können.
Für mich heißt das auch, dass ich mir nicht für jeden kleinen NSC vier Spulen Seemannsgarn aus den Fingern ziehe; es muss auch mal reichen, dass ich sage "Ich erzähl dem irgendeinen Unfug" und gut würfle.

Ja, das kenne ich mir ist vorgeworfen worden ich benutze zu viele indirekte Rede. Wobei ich nicht verstehen kann was an "Wir bitten höflich um Vorlass und berichten dann dem Zuständigen was uns passiert ist" schlecht sein soll... Nochmal einen Erlebnisbericht für den SL abgeben? Wieso das denn?

Aber mal ehrlich, könnt Ihr das z.B. Spaniche Hofzeremoniell? Nein, aber einen König anreden tut Ihr trotzdem... Was bei Ettiquette funktioniert, sollte auch bei Überzeugen und Lügen funktionieren, sonst ist der Spieler der Arsch der da Punkte hineininvestiert und nicht betrügt indem er einfach Fertigkeiten ausspielt, die er gar nicht hat. Ob dazu dann wirklich gewürfelt werden muss, steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber ein "Mir fällt gerade nichts ein, aber mein Charakter hat Ausflüchte auf 10. Ich würfle mal, ob er sich rauswinden kann" würde ich als SL mit Sicherheit auch gelten lassen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: YY am 21.05.2010 | 12:43
Ich würde deswegen anregen, gerade Intrigen, die ja etwas komplexes darstellen, nach Vorbild des Kampfsystems mit mehreren Würfen auf Sozialtalente abzuhandeln. Dann werden sie nicht mehr nur mit EINEM Wurf erledigt, was obendrein auch nur ein rein zufällig erscheinendes Ergebnis sein kann.
Vergleichsweise könnte man eine bestimmte Anzahl "Sozial-Hitpoints" entwerfen und diese dann mittels einer "Attacke" senken. So könnte man abstrakt den ränkeschmiedenden Bösewicht abbilden.
Eine "Sozial-Attacke" wäre dann sowas wie eine Erpressung, das Fälschen von Beweisen, das Ausspionieren des Opfers usw.

Gerade Sachen wie Erpressung oder andere Intrigen werden bei uns generell "in die Länge gezogen", d.h. da wird sicherlich nicht einmal auf die Kabale-Fertigkeit gewürfelt, sondern der logische Ablauf durchgegangen und die Punkte, an denen tatsächlich etwas schiefgehen kann bzw. sich der Ablauf durch Beteiligte/Betroffene in relevanter Weise gestalten lässt, werden bespielt bzw. bewürfelt.

Da hatte ich bisher nie Probleme mit einem "realistisch" orientierten Ablauf unter Einbeziehung der entsprechenden Fertigkeiten.
Eine Abstraktion auf "soziale HP" mit zugehörigen Attacken und Paraden finde ich da entschieden unspaßig.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 12:48
Ich möchte einmal ein Beispiel geben:

Ich versuchte den SC eines anderen Spielers zu überzeugen, durch ausspielen. Der Spieler blieb stur, also entschied der SL dass eine vergleichende Probe entscheiden soll. Trotz herausragendem Wurf und wollte er das Ergebnis nicht akzeptieren und nahm es nur unter murren hin weil der SL es ihm sagte.

Das macht mMn ein weiteres Fass auf: Soll man SCs mit sozialen Aktionen/Fertigkeiten "manipulieren" dürfen?

Hier würde ich - je nachdem, was das betriebene System zulässt - lieber "weicher" vorgehen. Außer bei Bezauberung, Hypnose und sonstigen Mitteln, die regeltechnisch den "freien Willen" des Charakters ausschalten, sollte der Charakter immer vom Spieler gesteuert werden. Und wenn der seinen Charakter nicht überzeugen/verführen/einschüchtern/beleidigen etc. lässt, sollte dieser Wunsch respektiert werden.

Ich persönlich wäre hier für ein System aus (spielrelevanten) Boni und/oder Mali für das Nachgeben gegenüber einer "Sozialen Attacke". (Also Beispielsweise: "Ja, der provoziert Deinen Charakter. Ok, Du willst nicht mit ihm vor die Tür gehen, weil Du eine Falle vermutest? Natürlich kann Dein Barbar seinen Ärger runterschlucken, kostet aber einen Stresspunkt." Oder: "Wenn Du trotzdem mitgehst, gibts einen Gummipunkt.")
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 12:51
Man darf auch nicht vergessen, dass die Frage, was man alles ausspielt Bereiche berührt, die auf der Metaebene liegen. Das ist doch der Ort, wo Spaß generiert wird.

Sich selbst Taktiken zu überlegen und Intrigen zu spinnen, Entscheidungen zu treffen, macht doch das Spiel erst aus.

Aber es schadet nicht, dass der Wurf auf die entsprechende Fertigkeit den eSeL ermächtigt bzw. verpflichtet, Tips zu geben, was er für Erfolg versprechend hält und was nicht.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: YY am 21.05.2010 | 13:00
Das macht mMn ein weiteres Fass auf: Soll man SCs mit sozialen Aktionen/fertigkeiten "manipulieren" dürfen?

Grundsätzlich: Ja.

Schließlich "darf" ich SCs ja auch mit physischen Aktionen manipulieren - auch das schränkt sie ein oder zwingt ihnen fremden Willen auf.

Die meisten Spieler haben da aber relativ wenig Erfahrung mit und können sich nur schwer vorstellen, wie sich so eine Manipulation überhaupt darstellt. Das ist oft eins der Kernprobleme, wenn dagegen protestiert wird.
 
Ein pauschales "Dem glaub ich gar nix!" reicht mir da nicht; das muss dann schon mit einem entsprechenden Wurf untermauert sein.

Sonst hat man das Selbe in Grün wie beim Labern: Der SC ist naiv und gutgläubig von hier bis Jericho, aber belügen, belabern, ausnutzen oder sonst was darf ihn bitte trotzdem keiner...


Auch wenns nicht 100% passt:
Ich hatte letztens eine Sitzung, wo ein Menschenkenntnis-Wurf TOTAL verbockt wurde.
Da der Spieler das selbst gewürfelt hat, war klar, dass der SC grad auf der völlig falschen Fährte ist; aber der Spieler hat diese Einschränkung seiner freien Entscheidungsmöglichkeit nicht nur hingenommen, sondern das dermaßen kompromisslos durchgezogen und alle mit reingerissen - herrlich :)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 13:32
@Herr der Nacht
Ich stimme dir sowas von zu  :d

@Tuempelritter
Das macht mMn ein weiteres Fass auf: Soll man SCs mit sozialen Aktionen/Fertigkeiten "manipulieren" dürfen?
Ja, wenn es in dem System beschrieben, moeglich gar vorgegeben ist, ist es erlaubt, darf gemacht werden und sollte akzeptieren.

Zitat
Außer bei Bezauberung, Hypnose und sonstigen Mitteln, die regeltechnisch den "freien Willen" des Charakters ausschalten, sollte der Charakter immer vom Spieler gesteuert werden. Und wenn der seinen Charakter nicht überzeugen/verführen/einschüchtern/beleidigen etc. lässt, sollte dieser Wunsch respektiert werden.
Und der Spieler der sich bei z.B. Vampire soziales (Charisma, Manipulation und Aussehen) als primaere spalte aussuchte anstelle von physisches (Koerperkraft, Widerstand und Geschick) ist dann sowas von aufgeworfen?

Weil ihn jeder SC oder NSC physisch bis in den Chartod pruegeln darf und er seine sozialen Faehigkeiten nicht einsetzen darf.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 13:39
Das Beeinflussen von SC untereinander kann man sicher eher über den Gruppenvertrag, als über die Regeln lösen. Nach den meisten Regeln, die ich kenne, sollte das problemlos möglich sein. Natürlich wird kein Spieler gerne einen überredeten Charakter darstellen, aber ein bischen Abstand gehört dazu.

Der eSeL ist schließlich auch ein Mitspieler und dessen liebevoll gestalteten NSCs müssen auch immer spuren, wenn die Würfel liegen, wie sie liegen. Gleiches Recht für alle!

Aber abweichende Verträge gehen immer, denn Spaß geht vor.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 13:42
Also imho gehoert es eher zu den Regeln als in den Gruppenvertrag.
Es stellt ja auch keiner gern n zusammengeschlagenen Charakter dar und deswegen heisst es auch nicht, hey wir wuerfeln aber nun die Kaempfe aber nimmer.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 13:45
Nicht falsch verstehen:

Meine Meinung ist, dass nach den Regeln jeder jeden beeinflussen können sollte. Wenn das aber der Gruppe innerhalb der SC keinen Spaß macht, dann macht man einen Gruppenvertrag, dass das ein "No Go" ist.

Ansonsten ist es de facto natürlich eine Regelfrage.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 13:59
Joah, mein Punkt ist nur das es den Spielern mit sozial SCs wohl auch keinen Spass machen wird, wuerden sie von so einem Vertrag mit kaempferisch *und* sozial inkompetenten Chars da stehen wo andere locker ihre auf beiden Bereichen ausmaxen koennen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 21.05.2010 | 14:01
Da hilft ein Blick aufs Charakterblatt sozial kompetente Charaktere müssen eben in bestimmten Situationen nicht würfeln, weil sie es einfach können. Sozial hoch inkompetente Charaktere sollten bei Gegelegenheit darauf hingewiesen werden, dass sie ihre Charaktere auch entsprechend ihrer Werte umsetzen sollen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 14:05
Ja, ich könnte mir vorstellen, dass das einige Spieler nicht gut fänden.

Aber mal ehrlich: Welcher Spieler möchte denn gerne seine Meinung innerhalb der Gruppe unbedingt mit Gewürfel durchsetzen?

Das führt doch auch nur zu bösem Blut.

Wenn einem der Gruppenvertrag nicht gefällt, sucht man sich ggf. ne andere Gruppe. Aber jetzt sind wir wirklich bei Geschmacksfragen angekommen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 14:08
Da hilft ein Blick aufs Charakterblatt, kampftechnisch kompetente Charaktere müssen in bestimmten Kampfhandlungen nicht würfeln, ein Blick auf's Charakterblatt genügt. Kampftechnisch hoch inkompetente Charaktere sollten bei Gelegenheit darauf hingewiesen werden, dass sie ihre Charaktere auch entsprechend der Werte auch umsetzen sollen. Selbe Aussage, nur anderes Skillset, auch wenn immernoch Spieler zustimmen werden, merkwürdigerweise glaube ich das es weniger sind als mit der Aussage von Surtur... warum?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 14:09
Aber mal ehrlich: Welcher Spieler möchte denn gerne seine Meinung innerhalb der Gruppe unbedingt mit Gewürfel durchsetzen?
Jeder der ein Spiel spielt bei dem die Chars nicht nur miteinander kuscheln?
Gefuehlte 70% der Vampire Spieler?

Oder auch mal ganz egozentrisch, meiner einer.
Wenn ich einen Char hab der z.B. gut im "einschuechtern" ist, will ich das er es auch innerhalb der Gruppe kann wenn er sich dazu genoetigt fuehlt es will oder fuer passend haelt. Oder das er bei guten Fuehrungsqualitaeten auch mal rum fuehren darf anstelle dauernd hinterher zu laufen..
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 14:12
@Teylen
Bitte mich nicht auf V:tM ansprechen, da meldet sich bei mir das Rant-Bedürfnis  >;D

In Deiner Kritik unterscheidest Du nicht, dass es mir bei der Frage explizit darum geht, ob der Spielleiter oder ein Mitspieler einen Spielercharakter (SC!) mit Social Skills manipulieren/steuern darf. Dein Beispielvampir mit hohen Social Skills könnte selbstverständlich NSCs auch ohne Disziplinseinsatz (die ja den freien Willen ausschalten) zu Handlungen bewegen (beispielsweise mit Etikette eine Audienz beim Prinzen erbitten, die anderen, sozial weniger geübten Charakteren verwehrt werden würde). NSCs sind ja schließlich nur Baumaterial für die Handlungen der SCs.
Es geht hier nur um den Einsatz von Sozialen Fertigkeiten ohne übernatürliche Kräfte gegen Spielercharaktere. (Bei einem System mit eingebautem PvP wie V:tM sicherlich auch hinsichtlich der Frage, was Mitspieler mit einem Charakter machen dürfen ein Problem, aber bei vielen Rollenspielen eher unter der Frage bedeutsam, was der SL mit einem Spielercharakter machen darf.)

Ich versuchs mal, ohne weiter auf V:tm und Real existierendes Storytelling (ReSt) einzugehen...

Im Grunde gibt es in dieser Frage (mindestens) zwei Ansprüche ans Rollenspiel, die miteinander im Konflikt stehen.

Der erste (klassische) Anspruch ist, das nach den Regeln gespielt wird (und die Regeln eben social skills mit Auswirkungen enthalten): Die Regeln werden von niemandem außer Kraft gesetzt.
Der zweite (ebenfalls klassische) Anspruch ist, dass die Spieler ihren Charakter steuern, nicht die Story, nicht der Plot, nicht der Spielleiter: Die Spieler treffen freie Entscheidungen.

Bei "körperlichen Manipulationen" (Kämpfen, Ringen, zu Boden werfen usw.) durch NSCs ist meistens akzepiert, wie das aufgelöst wird (allerdings gibts dafür auch elaborierte Kampfregeln). Bei übernatürlichen Manipulationen (Bezauberungen, Hypnose, Gedankenkontrolle) gibts auch seltener Konflikte (wenn der Regeltext nicht total schwammig ist). Aber hinsichtlich der "gewöhnlichen irdischen Interaktion" beisst sich das ganze. Der Spieler hat eine Vorstellung, was sein Charakter will und macht, der Spielleiter eine Vorstellung davon, was der NSC mit dem Spieler-Charakter machen sollte.

Spieler, die "auf Plot" oder "auf Atmosphäre" spielen, haben da vielleicht weniger Probleme, als Spieler, die auf "Charakter", "Selbstbestimmung" und "Entscheidungsfreiheit" wert legen. Mein Kompromissvorschlag sieht vor, den Spieler seinen Charakter weiterhin völlig frei steuern zu lassen, ihm aber als Spieler ein Angebot für seinen Charakter zu machen, das verlockend und interessant ist. Denn tatsächlich kann soziale Interaktion von außen betrachtet auch so gesehen werden: ein verlockendes Angebot, das auszuschlagen unklug wäre. Bei Drohungen ist eben das verlockende Angebot, keine Nachteile zu erleiden, bei Beleidigungen das verlockende Angebot, keinen Frust schieben zu müssen usw.

Die Alternative wäre ein soziales Kampfsystem, das mindestens genauso komplex ist wie das "normale" Kampfsystem. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass das Rollenspiel zum reinen Würfelspiel wird, wo jeder mal würfelt, für welche Spielfigur jetzt welcher Spieler die Handlungen bestimmen darf. Bei einem wirklich guten System gäbe es vielleicht eine Begrenzung, wie oft man soche Manipulationsduelle anwenden könnte.

kurzer Rant, dem ich nicht widerstehen konnte (das Angebot war einfach zu gut):
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Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 14:16
Ein viel stärkerer Eingriff in die Entscheidungsfreiheit ist doch der Tod, der beendet jedwede Form der Entscheidungsfindung und Umsetzung durch selbigen Charakter, hat aber nicht so ein negatives Bild wie das 'überredet werde'
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 14:23
Also bei der Frage in wie weit es angebracht ist waere da zunaechst ein Umstand:
 * Der / Die Spieler haben Interesse daran die Handlung anderer Spieler zu beeinflussen

Weil ob es nun ueber koerperliche Aktionen geht oder ueber soziale, man hat auf jeden Fall einen Einfluss auf die Handlung respektive Handlungsfaehigkeit des anderen Spieler. Kurz umschrieben man hat PvP.

Eine Einschraenkung des PvP auf reine koerperliche Aktionen ergibt nach meinem dafuerhalten keinen Sinn da ein wirkliches Unterscheidungsmerkmal zu sozialen Aktionen fehlt.

Zudem entwertet es soziale Charakter Builds noch mehr als dies bei Dungeon respektive Kampf orientierten Systemen ohnehin bereits der Fall ist.

Die Ursprungsfrage diskutiert das wuerfeln im Kontext sozialer Aktionen uebrigens nicht nur auf Spieler Charakter vs. Spieler Charakter Konstrukte. Imho.


Allgemein gehe ich tatsaechlich davon aus das eine Unterscheidung in der Regelanwendung / Spielweise zwischen SC vs. NSC und SC vs. SC in den allermeisten Faellen nicht sinnig ist.

Zum Rant ^^;
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Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 14:25
Eigentlich ist doch alles gesagt bzw. geschrieben.

Nach den Regeln können sich alle NSCs und SCs untereinander durch Würfeln beeinflussen oder sollten es unserer Meinung nach. Das ist der "normale" Fall.

Es bleibt aber wohl dabei, dass das nicht alle so wollen. Einen Mittelweg bietet Tümpelritter durch den "Köder", die kompromisslose Lösung ist das Verbot solcher Aktionen unter den Spielern. Das kann wiederum zur Folge haben, dass das Spiel (wie Vampire) nicht so funktioniert wie sich die Autoren oder einige der Spieler das gedacht haben.

Zum Schluss noch mal meine Meinung:
Als Rollenspieler mit diesem Fokus sollte man die Größe haben, darüber hinweg zu sehen, wenn man mal fremdgesteuert wird. Sobald es allerdings zur Dauersituation kommt, kann man seinen eigenen Charakter eigentlich dem anderen Spieler bzw. dem Spielleiter geben. Denn dann fehlen mir eben Handlungsspielräume, die ich brauche um Entscheidungen zu treffen und die mir in einem Spiel Spaß bringen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 14:26
Ein viel stärkerer Eingriff in die Entscheidungsfreiheit ist doch der Tod, der beendet jedwede Form der Entscheidungsfindung und Umsetzung durch selbigen Charakter, hat aber nicht so ein negatives Bild wie das 'überredet werde'

(Hervorhebung von mir)
Der Tod eines Charakters ist ja deswegen auch in den meisten systemen, die ich kenne, stark verregelt (im Vergleich zum "überredet werden"). Und beim Charakterbau, beim Planen und Vorgehen im Abenteuer usw. versuchen die meisten Spieler ein Ableben ihres Charakters zu vermeiden (meistens durch Ausnutzen der regelkonformen Möglichkeiten).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 21.05.2010 | 14:35
Aber mal ehrlich: Welcher Spieler möchte denn gerne seine Meinung innerhalb der Gruppe unbedingt mit Gewürfel durchsetzen?

Ich sehe da keinen Unterschied dazwischen ob er sagt „ich verwende Gedankenkontrolle“ oder „ich verwende überreden“ (=> Würfel rollen). In beiden Fällen würde ich (wenn es bei etwas ist, bei dem ich was dagegen habe¹) ihm von Spieler zu Spieler sagen, dass ich das nicht will. Und wenn er es trotzdem macht, würde ich schlicht nicht mehr mit ihm spielen.

¹: Wenn ich für meinen Charakter psychischen Kontrollverlust oder ähnliches ausspiele, finde ich es völlig in Ordnung, wenn ein anderer Spieler soziale Fähigkeiten nutzt, um meinen Charakter zu beeinflussen, solange er dabei nicht versucht die Szene an sich zu torpedieren (im Sinne von „der bricht zusammen, wenn er ein geschlachtetes Kleinkind sieht. Das kann ich grade nicht haben. Ich würfle beruhigen. Und jetzt gehen wir weiter“).

Der zentrale Unterschied zwischen „ich schlag ihn KO“ und „ich würfle Überzeugen“ ist nämlich, dass beim KO danach die Szene weitergeht („wie konntet ihr die Kinder sterben lassen?!“) während bei klassischem Überzeugen die Szene weggewischt und nicht thematisiert wird.

Zumindest solange es kein gutes System für die Psyche der Charaktere gibt, mit z.B. Inkohärenz der eigenen Entscheidungen, die zu einem Infragestellen der Überzeugung führen kann – oder zu einem Infragestellen aller anderen. Oder mit auf dem Charakterblatt festgehaltenen Überzeugungen, die jeweils Werte haben. Da wir das aber bisher meist nicht haben, bedeutet Überzeugen, dass ein Bereich des Spielers, der nicht in den Regeln fixiert und daher eigentlich nicht durch sie gelenkt ist, plötzlich durch die Regeln geändert wird.

Damit ist es eine Art Domänenbruch.

Was beim Überzeugen von NSCs nicht der Fall ist, denn die sind Teil der Welt, und die Fertigkeiten der Charaktere erlauben ihnen, die Welt zu beeinflussen. Aber solange die Psyche der Charaktere keine Werte hat, kann die Welt das umgekehrt nur mit dem Umweg über den Spieler („weil mein Char das erlebt hat, wird sich seine Haltung ändern“).

Effektiv geht es darum, wo welcher Teil des Spiels die Entscheidungen trifft.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 14:40
(Hervorhebung von mir)
Der Tod eines Charakters ist ja deswegen auch in den meisten systemen, die ich kenne, stark verregelt (im Vergleich zum "überredet werden"). Und beim Charakterbau, beim Planen und Vorgehen im Abenteuer usw. versuchen die meisten Spieler ein Ableben ihres Charakters zu vermeiden (meistens durch Ausnutzen der regelkonformen Möglichkeiten).

Jop, wärend beim Sozialkonflikt das aktzeptierter ist es ausserhlab von Regelen zu lösen. Aber wie schon erwähnt wurde, man kann und man sollte Leute nicht dazu zwingen anders zu spielen als es ihnen Spass macht. Sowas gehört vorer abgeklärt und manche Dinge funktionieren so wenig mit unbeinflussbaren Charakteren wie's nicht mit unsterblichen funktioniert, da muss halt jeder selbst wissen was er will. Nur den Bruch zwischen den beiden Aspekten Soziale und Kampf finde ich schon interessant.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 14:43
"Und willst Du nicht mein Freund sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein!"

Vielleicht ist das gewollt, da Gewalt meist schneller und einfacher funktioniert, als Überzeugung?

Das aber nur mit Augenzwinkern.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joerg.D am 21.05.2010 | 14:50
@ Arne

Ich möchte mal anmerken, dass ein Spieler der seinen Charakter ein überreden würfeln lässt um deinen Charakter etwas machen zu lassen in den meisten Spielen im Sinne der Regeln handelt (ich kenne nur Reign, das sagt, das solche Fertigkeiten nicht bei "Serios Combatants" wirken, was sich aber durchaus auch auf SLC bezieht)

Etwas ausspielen ist ja gut und schön, aber der Spieler hat bei der Entwicklung der Figur Punkte in die Fertigkeit in die Entwicklung der Fähigkeit gesteckt und sie eventuell noch gesteigert. Es ist also IMHO sein Recht, dass er die Sache nicht ausspielt sondern sich innerhalb der Regeln auf einen Wurf verlässt. Vergessen wir nicht, wir spielen ein Rollenspiel, das sich aus einer Rolle und dem Spiel zusammensetzt.

Auf diese Weise wird verhindert das sozial kompetentere oder dominante Spieler ihren Willen in der Gruppe immer oder häufig durchsetzen. Man darf beim Ausspielen oder würfeln bei aller Liebe zur Rolle nicht vergessen, das man eine fiktive Person spielt und diese sich den Regeln der Spielwelt unterwerfen muss, wenn es ein faires und für alle Seiten spaßiges Spiel geben soll.

Wer dann sagt alles muss ausgespielt werden hat schon Recht, aber das soll bitte im Rahmen der Regeln bleiben.

Sprich: Erst Skillcheck, dann Wurf auswerten, anschließend ausspielen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 14:51

Zudem entwertet es soziale Charakter Builds noch mehr als dies bei Dungeon respektive Kampf orientierten Systemen ohnehin bereits der Fall ist.


Soziale Charakterbuilds werden dann, und nur dann, entwertet, wenn Spielleiter nicht auf soziale Aktion würfeln lassen, sondern alles Ausspielen oder Handwedeln. Oder wenn der Würfelwurf keine unterschiedlichen Ausgänge hat (siehe meinen ersten Post).
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

In einigen Spielrunden sind sozial gemaxte Charaktere nutzlos, weil der Spielleiter den Spielern nur Kampfbegegnungen aufdrückt, andere Lösungen nicht zulässt oder der Story zuliebe den Verlauf einer sozialen Interaktion schon entschieden hat. Das sind die berüchtigten Fälle des Alibiwürfelns.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)


In einem PvP-Setting kann man sozial gemaxte Charaktere auch über ihre indirekte Aktion gegen NSCs Macht und Einfluss gewinnen lassen, den sie - in einem entwickelten Spiel - gegen ihre Mitspieler einsetzen können. Dazu muss niemand einen anderen Spielercharakter direkt (über Sozialskills) beeinflussen können, aber man braucht halt Ressourcenmanagement.
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Wenn man natürlich unter der Prämisse spielen will, dass NSCs genauso wichtig sind wie SCs - also Hauptprotagonisten sind - dann mögen andere Regeln gelten. Unter der Prämisse möchte ich aber nicht spielen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 15:02
Ich sehe nicht das es NSCs aufwertet.
Nun und gerade das geforderte Ausspielen ist doch ein handwedeln das du forderst.

Das der Spieler mit sozialen SC ueber den NSC gehen soll halte ich fuer unpraktikabel da es lange Solo Sessions bedingt und letztlich dann doch auf das selbe raus laeuft. Zudem ist dann eine Faehigkeit wie "Ueberreden" in der Diskussion wie es nun weiter gehen soll nicht einsetzbar.


Ansonsten, was Joerg.D schrieb ^^
Wobei ich normalerwiese anders vorgehen wuerde also:
Spieler sagt an was der SC dem (N)SC erzaehlt. So in woertlicher Rede.
[Einschuechtern, Bequatschen, Beeindrucken]
Man wuerfelt.
Der (N)SC reagiert entsprechend.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 21.05.2010 | 15:06
Ja, man sollte schon vorher ansagen, wie man denn zum Ziel kommen möchte, denn es mag sein, das es bestimmte Wege gibt, die laut Setzung leichter zum Ziel führen. Dadurch belohnt man diejenigen, die vorher gut recherchiert haben.

Nur so kann der eSeL Boni (oder Mali) vergeben.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joerg.D am 21.05.2010 | 15:17

Spieler sagt an was der SC dem (N)SC erzaehlt. So in woertlicher Rede.
[Einschuechtern, Bequatschen, Beeindrucken]
Man wuerfelt.
Der (N)SC reagiert entsprechend.

Mag ich nicht so, weil der Spielfluss durch das Würfeln unterbrochen wird und man sich nicht so schön batteln kann. Gerade das Ausspielen von einem Konflikt mit seinem Hin und Her kann prächtig zu spielen sein. Eine unterbrechung durch würfeln ist da IMHO eher störend.

Aber die Geschmäcker sind halt verschieden.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 15:22
Das geht auch anders, man führt vor dem Argument/Belabern den Wurf aus, und vor dem Gegenargument/Resist. Das belaberte passt dann besser zu dem Erfolg und der Trollbarbar der von nem Überredungskünstlermunchkin gespielt wird hat keinen Vorteil.

Immernoch für Würfelfeinde nicht optimal, aber nach der Rede würfeln finde ich persönlich auch unpassender.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joerg.D am 21.05.2010 | 15:31
Öh ist das nicht genau das, was Teylon vorgeschlagen hat?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 15:34
Ich denke er meint es etwas anders, also:
Spieler wuerfelt einschuechtern.
Spieler erzaehlt dem SC / NSC etwas einschuechterndes das dann nach Wuerfel Ergebnis rueber kommt.
Spieler oder SL machen den Gegenwurf.
Nun und erzaehlen dem anderen wie es nun tatsaechlich ankam.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 15:37
Jop, so macht man sich die mühe eine ausufernde Rede zu halten wenn das eigentlich in nem 'Patzer' geendet hat und es passender gewesen wäre wenn man schon zum Podium stolpert und einem dann die Notizzettel in die Menge gepustet werden.  :D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 15:42
Ich denke es ist da wirklich nur noch eine Frage des Geschmack ^^;
Ich finde es da leichter los zu reden und schauen wie es ankam und haette a bissel Angst das man nachdem die Wuerfel Fehlschlag oder Patzer zeigen bzw. man weiss wie es ausgeht "ploetzlich" keine Lust mehr hat mit dem Char den Mund aufzumachen ^^,
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Joerg.D am 21.05.2010 | 15:44
Ich sehe die Würfel als Regieanweisungen, wie die Szene ausgeht oder aus zu gehen hat. Wenn einer nicht so gut "Rollen" spielen kann, muss das der bessere Spieler auffangen, was auch eine spielerische Herausforderung ist.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Horatio am 21.05.2010 | 15:45
Wenn ein SC und ein NSC in einer sozialen Situation unterschiedliche Interessen haben oder ich die Wahrnehmung die ein NSC von meinem Chara hat beeinflussen will, wie soll das (in „klassischen" Systemen) ohne Würfel geklärt werden?

Wie läuft das den bei den Leuten, die nicht würfeln? Gruppenkonsens? Reiner SL Entscheid?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 16:02
@Teylen
Lies mal meinen ersten Post. Da steht drin: wenns um was geht (das heißt, der Spieler vom NSC etwas will), dann wird das angesagt ("was willst Du vom NSC?"), angespielt ("So geht mein Charakter vor" oder auch in direkter Rede) und gewürfelt. Und ausgespielt/abgespielt wird dann das Würfelergebnis. (Ansagen und Anspielen können auch die Plätze tauschen, wenn dem Spieler erst im Gespräch klar wiurd, was er konkret vom NSC will.) Ich fordere kein Ausspielen außer zur unterhaltsamen Darstellung am Spieltisch, wenn einige Spieler es wollen oder können. Das Entscheidende, nämlich wie der NSC sich verhält, regelt der Würfelwurf und die dazu passende Charakterskillung. (Und ja, ich habe schon Leute auflaufen lassen, die am Charakter und seinen Fähigkeiten vorbei labern wollten.)

Natürlich wertet es NSCs auf, wenn sie einen Spielercharakter aufgrund ihrer social skills rumschubsen können (s.u.).

In einer intrigenlastigen PvP-Kampagne kann man durchaus über den NSC gehen. Im Larp oder bei Kurzsessions mag das anders sein.

@Jörg D.

Regeln sind gut und schön und wichtig. Wie oben gesagt ist die Gültigkeit von Regeln eine Grundprämisse im RPG. Aber zum Rollenspiel gehört auch, quasi als Regel Null, dass die Spieler die Entscheidungen für ihre Charaktere treffen. Im DSA1 wurde das Rollenspiel an einem Beispiel erklärt, wo ein Freund einem anderen eine Geschichte erzählt, deren Protagonist sich saudämlich verhält. Ich glaube, der Beispielsprotagonist ging allein in einen dunklen Keller, aus dem Geräusche rangen, ohne sich eine Lichtquelle zu holen etc. Dann wurde vom Zuhörer die Frage aufgeworfen, warum der Beispielsprotagonist sowas blödes macht. Der Zuhörer sagte in dem Beispiel dann, dass er selbst sowas ganz anders gemacht hätte - und dann fing die erklärung an, was Rollenspiel ist: nämlich dass man selbst entscheiden kann, wie sich die eigene Figur in so einer Lage verhält. Die Entscheidungsfreiheit ist genauso eine Grundprämisse.

So, und nun schauen wir uns in verschiedenen Systemen mal die Grade der Verregelung an. Physical Skills & Combat: Hochgradig verregelt. Spieler können sich der Auswirkungen bei Anwendung und Charakterplanung sicher sein. Im Zweifelsfall steht alles im Buch, was nicht im Buch steht muss ad hoc vom SL entschieden werden und führt nicht selten zu langen Diskussionen (je nach Selbstvertrauen der Spieler/Entscheidungsmacht des SL). Magie und Gedankenkontrolle: Meistens auch hoch verregelt - dem Spieler wird kurzzeitig die Entscheidungsfreiheit abgenommen (oder stark eingeschränkt), aber Effekte sind angegeben und planbar. Social Skills: oft weich verregelt - wohl/möglicherweise, weil ursprünglich PvP nicht im Mittelpunkt stand, man davon ausging, dass Social Skills nur gegen NSCs eingesetzt werden und sich darum die Grundprämissen Regeltreue und Spielerfreiheit nicht beißen werden.

Mit einer weichen Verregelung im Hintergrund die Entscheidungsfreiheit der Spieler zu beschneiden, halte ich für bedenklich. Also wendet man als Spielleiter entweder keine NSC-social skills auf Spielercharaktere an (und vertraut darauf, dass Spieler schon so spielen, wie sie es für richtig und unterhaltsam halten), oder man greift zu einem detailliert ausgearbeiteten Social Combat System. Von einem Spieler erwarte ich nach einem (einzigen) erfolgreichen Social Skill Wurf gegen ihn nämlich nicht das Gleiche "Say Yes" wie von einem Spielleiter. Von einem Spieler erwarte (erhoffe) ich, dass sein Charakter sein Pet-SC ist, den er liebt und umhegt. Von einem SL erwarte (erhoffe) ich, dass er keine ausgeprägten Pet-NSCs hat, die er hegt und pflegt und mit Plotonium füttert. Von einem SL erwarte ich den Spielern gegenüber eine "wohlwollend neutrale" oder "hart aber faire" Haltung, mit der er den Aktionen der Charaktere gegenübertritt. Von einem Spieler erwarte ich Einsatz und Leidenschaft für seinen Charakter.

Was die Diskussion am Spieltisch betrifft, die als Beispiel hier angeführt wurde, so ist das eine ganz andere Kiste. Ein dominanter Spieler wird sich am Tisch meinstens nicht einem Mäuschen beugen, bloß weil dessen Charakter die höheren Sozialwerte hat. Und das Mäuschen wird den Platzhirsch nicht über ein Auswürfeln des Sozialskills herausfordern wollen. Selbst wenn das mal passiert, hat das IRL gruppendynamische Folgen, die das Problem der Skills obsolet machen. Im Grunde kann das Einsetzen sozialer Fertigkeiten gegen Mitspieler in einem nicht auf PvP angelegten Setting nur vorkommen, wenn zwei zumindest am Tisch von ihrer Stellung her einigermaßen ebenbürtige Spieler einen Machtkampf austragen wollen. Gegen Mitspieler heißt hier auch gegen die als Spieler geäußerten Interessen (also nicht der Einsatz sozialer Fertigkeiten, um eine Spielerentscheidung erzählerisch zu untermauern, nach dem Motto: "Ich will eure Gruppe begleiten, würfelt mal überzeugen, damit mein Charakter einsieht, dass es besser für ihn ist, mitzugehen" oder solcher Besserrollenspielerkram.)

Solche "gewünschte Skillanwendung" ist was anderes als die die Frage, ob jemand als Mitspieler - und als SL bin ich auch Mitspieler - einem anderen Spieler durch social skills eine reinwürgen kann/darf. Wenn PvP gewünscht ist, nur zu, aber bitte mit elaboriertem Social Combat System, dessen Folgen klar festgelegt sind und für alle Spieler einsichtig im Regelbuch stehen. Oder mit einem Intrigensystem, für welches das Gleiche gilt (wäre mir persönlich lieber). Ansonsten haben die Social Combat Charaktere ihren Platz in der Gruppe für die Social Challenges, und jeder Spielleiter, der mit sozialen Skills spielt, sollte dafür sorgen, dass es im Abenteuer einen Unterschied gibt, ob der Skill erfolgreich gegen NSCs angewendet wurde oder nicht. Genau das Gleiche gilt für Wildnisskills, Technikskills, Wissensskills und alle anderen Noncombatskills.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 16:08
zum Thema "Wenn die Situation langweilig ist":
In langweiligen Situation handle ich diese in einem Nebensatz ab oder betreibe Scene Framing.
Langweilige Situationen werden bei mir weder ausgewürfelt noch ausgespielt.

Sowohl Würfelei als auch "Ausspielen" kommt bei mir nur vor, wenn eine Situation interessant ist.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 16:21
zum Thema "Wenn die Situation langweilig ist":
In langweiligen Situation handle ich diese in einem Nebensatz ab oder betreibe Scene Framing.
Langweilige Situationen werden bei mir weder ausgewürfelt noch ausgespielt.

Sowohl Würfelei als auch "Ausspielen" kommt bei mir nur vor, wenn eine Situation interessant ist.

Das ist genau eins meiner Probleme: hinsichtlich der Tempoplanung bin ich viel zu weichherzig und will auch noch den letzten mitnehmen. Ich denke, immer wenn ein Spieler was anspielt, dass er das auch interessant findet (auch wenns mich nicht die Bohne interessiert). Manchmal kann ich was draus machen, was noch ein Bisschen Spannung reinbringt (hier hat Warhammer 3 übrigens mit den Chaossternen einen interessanten Ansatz, aber da kennen die Indie-Experten sicher besseres), aber manchmal fehlt mir der Beißreflex, um das Spiel zu beschleunigen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Herr der Nacht am 21.05.2010 | 16:22
das Beispiel mit dem SC überredet SC im Verhältnis zu SC schlägt SC Ko war nur repräsentativ für das doch stark unterschiedliche Empfinden und Aufnehmen zweier regeltechnisch grundsätzlich identischen Fähigkeiten.

Beide lösen einen Konflikt aus, eine Partei versucht sich gegen eine andere durchzusetzen. Dennoch können viele Spieler die Würfelergebnisse von sozialen Talenten nur schwer akzeptieren, derweil die wenigsten rumdiskutieren wenn sie regelkonform niedergeschlagen werden oder durch ähnliche physische Gewalt zu einer Handlung gebracht werden.

Und GERADE bei den Spielgruppen die gerne die Fahne des Charakter ausspielens und "guten Rollenspiels" schwenken ist diese Diskrepanz häufig vertreten. Obwohl es eigentlich Teil des Charakter ausspielens sein sollte das der dämliche naive Barbar dem eloquenten Gruppenface glauben schenkt, egal was sein Spieler daherstammelt.

Aber die Spieler (und manchmal Spielleiter) können und wollen das nicht akzeptieren. Was oft zu Unzufriedenheit sorgt, denn der Spieler der sich das Gruppenface gebaut hat, hat eben dadurch sein Grundkonzept offengelegt:
"Ich will einen Kerl spielen der alles was halbwegs menschlich aussieht um den Finger wickeln kann durch flottes Gerede"

Dafür investiert er die jeweiligen Punkte bei der Charaktergenerierung, die derweil andere Spieler für starke Magier, geschickte Diebe und kräftige Kämpfer investieren. Welche sich dann wiederum ärgern weil sie in vielen gesellschaftlichen Situationen nicht ihr Outgame-Wissen einbringen können sondern gegen das Face regeltechnisch abstinken.

Also wird auf Ausspielen verwiesen und dass man damit ja ausgleichen könnte.

Ehrlicher wäre es in diesen Fällen, wenn wirklich die meisten Spieler kein Interesse haben sich zwischen Kämpfer und Gesellschaftstauglich zu entscheiden, zu einem Regelkonstrukt zu greifen was soziale Konflikte ohne große Fertigkeiten abhandelt. Dann kann der Spieler des Face andere Bereiche des Charakters verstärken und sich Screentime sichern, muss aber eben hinnehmen sich bei sozialen Konflikten durch Darstellung hervorzuheben.

Wichtig ist hier eben der Konsens. I.d.R. haben jedoch die meisten Systeme soziale Fertigkeiten, welche sofern sie bei Charakteren vorkommen auch einen spieltechnischen Wert besitzen. Dieser Wert sollte entsprechend berücksichtigt werden.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 16:30
@ Würfel-Fraktion
Spielt ihr auch Herausforderungsorientiert?
Und wenn ja: Wo kommt die Herausforderung her, wenn alle wichtigen Sachen ausgewürfelt werden?

Ich habe zu Würfeln die folgende Einstellung: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig."
Sprich: Alle interessanten Szenen, die man ausspielen kann, werden auch ausgespielt. Eine interessante Szene wird nur dann ausgewürfelt, wenn es nicht möglich ist, diese auch auszuspielen. (Ein Kampf gegen 10 Goblins wäre so ein Beispiel.)

@ Tümpelritter
Hier würde ich empfehlen, dass jeder Scene Framing betreiben darf (nicht nur der SL).

Ich weiß nicht mehr, wie das Spiel heißt (die SCs waren alles Alkoholiker, die versucht haben, clean zu werden). Auf alle Fälle konnte ein Spieler dort das Scene framing einleiten, indem er einen Schluck aus der Flasche nahm. (Was man quasi immer dann gemacht hat, sobald man eine Szene langweilig fand.)

Bei klassischen RPGs würde ich evtl. so verfahren:
Spreche erstmal mit den Spieler darüber und sage ihnen, dass sie ebenfalls einen Einfluss darauf haben, wie lange die Szene geht. Wenn ein Spieler, der an einer Szene beteiligt ist, diese langsam langweilig findet, soll er die Arme verkreuzen, sich gelangweilt nach hinten lehnen oder ein anderes nonverbales Zeichen geben. Wenn die Mehrheit der Spieler damit andeutet, dass sie die Szene beenden möchten, dann schließt du die Szene ab und springst zur nächsten.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 16:35
Vom Ausspielen von Situationen auf die man vieleicht in der Form nicht gefasst war. Im Metagame durch die Planung es Charakters mit spezifischen Stärken für die man bestimmte Schwächen in anderen Bereichen in Kauf nimmt. Praktisch bis auf den randomize Faktor also aus den selben Dingen wie ohne Würfel. Ich meine, das wusstest du doch schon, oder ?  wtf?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Herr der Nacht am 21.05.2010 | 16:38
@ Eulenspiegel

Je öfter man wirft desto öfter können Fehlschläge passieren  ;D
Und daraus lassen sich schöne Szenen generieren. Der Würfel ist ein Dramaelement und Inspiration, man muss ihn nur nutzen und mit den Ergebnissen arbeiten.

Außerdem kommt hier wieder ein Schisma zum tragen was so nicht existiert:
Viel würfel lassen heißt nicht alles würfeln lassen. Wenn jemand versucht 50 Meter über einen Abgrund zu springen und das Setting gibt das nicht her, oder versucht einem gewieften Händler zu überzeugen ihm seinen ganzen Laden samt Frau zu schenken, dann wird da nicht gewürfelt, denn jedes Ergebnis würde nichts an der Unmöglichkeit der Versuche ändern.

Vom Regelwerk vorgegebene soziale Talente auswürfeln zu lassen ist auch nichts anderes als bei physischen Talenten. Es gibt Aktionen die lassen sich damit lösen, es gibt auch welche die sich von vorneherein ausschließen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 16:40
@ Face of Freedom
Aber wozu die Planung ausspielen? Ist das nicht unfair dem Spieler gegenüber, der einen Taktiker spielt und viele Punkt in Kriegskunst und Intuition (für unvorhergesehene Ereignisse) gesteckt hat?

Müsste man dann nicht der Fairnis halber einen Wurf auf Taktik (oder Klugheit) erlauben? Und wenn dieser gelingt, dann hat man einen guten Plan. Und wenn dieser misslingt, hat man einen schlechten Plan. - Ich kenne es jedenfalls noch von vielen alten DSA-Abenteuern: "Wenn die Spieler nicht auf die Lösung kommen, lassen sie eine Probe auf [...] würfeln. Bei Gelingen teilen sie dem Spieler die Lösung mit."
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Herr der Nacht am 21.05.2010 | 16:44
Zitat
Müsste man dann nicht der Fairnis halber einen Wurf auf Taktik (oder Klugheit) erlauben? Und wenn dieser gelingt, dann hat man einen guten Plan. Und wenn dieser misslingt, hat man einen schlechten Plan. - Ich kenne es jedenfalls noch von vielen alten DSA-Abenteuern: "Wenn die Spieler nicht auf die Lösung kommen, lassen sie eine Probe auf [...] würfeln. Bei Gelingen teilen sie dem Spieler die Lösung mit."

Igitt, das ist jetzt kein wirklicher Verdienst der alten DSA Abenteuer welche angeblich Charakterfertigkeiten fördern wollten. Sondern eher ein Mittel um die Spieler dazu zu bringen DEN einzig waren Weg des Abenteuers zu beschreiten und bloss nicht auf kreative Ideen zu kommen.

Denn bei 99% aller Ideen die vom Abenteuer abweichen würde der DSA-geeichte SL hier die vom Abenteuer vorgeschriebene Probe auf XX verlangen, egal wie gut die Ideen der Spieler sind.

Solche Kamellen würde ich nicht zum Vergleich heranziehen, wie sich generell statische, nicht gruppenindividuelle Kaufabenteuertexte schlecht für individuelle Lösungen eignen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 16:47
@Eulenspiegel.
Intuition (bzw die anderen SL hilf mir Skills (Gesunder Menschenverstand war's glaub ich bei GURPS) nutz ich auch genauso. Taktik Skill nutze ich, muss ich ehrlich zugeben nur zur Kommandierung von NPCs. Das liegt aber auch daran, dass es leider meist keine 'Kampfregeln' für Sozialkonflikte gibt die ein feineres taktieren der Spieler erlauben würden. Ein System das dies erlauben würde ohne zu stark in den Spielfluss einzugreifen hätte ich allerdings gern, da es Sozialinteraktion interessanter und taktischer gestalten würde. Ich sehe in dem Fall also eher das Problem wieder bei den Sozialskills und dem fehlen eines dynamischen Interaktionssystems als beim Kampf der schon über ein Detailiertes System verfügt, wo man allerdings auch theoretisch alles über einen Skill abhandeln könnte, wie zB schon das genannte Taktik, wenn man keine Lust auf mehr Detailtiefe hat.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 16:53
@Tuempelritter
Ich halte den Weg ueber NSCs sowohl bei kurzen Spielsitzungen als auch bei laengeren in den allermeisten Faellen nicht fuer Gang bar.

Einerseits weil es Einzel Sessions mit dem Spieler erfordert der den NSC auf den anderen Charakter ansetzen will, und andererseits weil es wieder Einzel Sessions braucht wo der andere Charakter dem NSC begegnet.
Wofuer dann auch die sozialen Faehigkeiten des Characters des ersten Spieler gaenzlich irrelvant sind sondern nur die Hintergruende zaehlen.

Andererseits weil es schlicht jeden Realismus sprengt wenn die Gruppe sich da gerade in einer Diskussion befindet ob sie nun nach links oder rechts laufen und der Spieler mit Charisma und Fuehrungsqualitaeten irgendeinen NSC anrufen muss der seinen Standpunkt durchsetzt nach links zu gehen.
Weil es nicht haendelbar ist wenn da gerade der Schlaeger dem Geschaeftsmann eine reinhauen will, dem Geschaeftsmann aber der NSC fehlt der den Schlaeger ueberredet aufzuhoeren oder ihn einschuechtert.

Das heisst meiner Meinung nach kann man NICHT ueber einen NSC sozial handeln.
 - Weil es lang dauert
 - Weil es die sozialen Faehigkeiten nicht anspricht
 - Weil es schlicht nicht geht


Ich behaupte das die Grundpraemisse des Rollenspiel ist das eine Rolle in dem fiktiven Setting der innerweltlichen Logik folgend gespielt wird.

Eine vollkommene Entscheidungsfreiheit ist keine Grundpraemisse sondern, meiner Meinung nach, grober Bloedsinn. Man kann nicht alle Entscheidungen frei treffen und noch nicht einmal die meisten.
In einem Kampf kann man weder festlegen das man einfach so trifft und welchen Schaden man macht oder das man nicht getroffen wird und wenn der Pfeil irgendwie an dem Character abprallt.

Nun und wuerde man bei DSA nicht mit einer Horde Gruppenkonformer Gut Menschen herum rennen haette man dort ein verregelteres Kampfsystem.
Bei V:tM gibt es gar ganze Faehigkeits Listen die sich damit beschaeftigen soziale Handlungen gegen andere abseits von Diziplinen darzustellen. Die auch dementsprechend im GRW als 'sozialer Kampf' beschrieben sind.

Naja und mit einem gelungenen "Ueberzeugen" Wurf unternimmt man bei Vampire wesentlich kuerzer einen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit des Spielers als es bei den verregelten Diziplinen der Fall ist oder gar Sachen wie das Bluts binden.

Na und wenn man bei NSCs keine sozialen Faehigkeiten anwenden will kann man ja gleich nur noch durch automatisch generierte Kerkern mit Kampfereignissen kriechen O.O

Zitat
Ein dominanter Spieler wird sich am Tisch meinstens nicht einem Mäuschen beugen, bloß weil dessen Charakter die höheren Sozialwerte hat.
Imho ein Fall fuer die andere Regel 0, spiel nicht mit I*.


@Eulenspiegel
Drama Orientiert mit leichten Sim einschlag.
Und es gibt dennoch Herrausforderungen.

Nu und man muss nicht ueber all wuerfeln, sondern nur da um quasi einen Drama Check zu machen oder eine Art Simulationscheck.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 16:55
@ Würfel-Fraktion
Spielt ihr auch Herausforderungsorientiert?
Und wenn ja: Wo kommt die Herausforderung her, wenn alle wichtigen Sachen ausgewürfelt werden?


Hmmm, ich weiss nicht, was Du unter Herausforderungen verstehst, aber da ich heut mal Zeit hab kann ich ja ausholen.

Erstmal ist da der Aspekt der Charakterplanung, je nachdem, was das System hergibt (ich habs ja mit ein paar Klassikern). Nennen wir die Frage strategisch: wie entwickele ich meinen Charakter weiter, dass er auch in Zukunft was reißen kann. Beispiel Midgard: inverstiere ich weiter in Beredsamkeit, oder wären mal andere Fertigkeiten angebracht? Was könnte die Gruppe ihren Zielen näher bringen?

Dann die Frage, wie man Dinge im Abenteuer/während einer Spielsitzung angeht. Wer spricht? Mit welchem NSC? Mit welcher Gesprächstaktik? Mit welchen Zielen? Beispiel: Zu einer verzweifelten Mutter, die ihren Sohn vermisst, findet ein Charakter mit Skills in Empathie vielleicht eher Zugang als ein Charakter mit Skills in Einschüchtern oder Beleidigen.

Und dann gibts da eben die "Knöpfe" der NSCs. Haben die Spieler gut recherchiert? Oder haben die Spieler das richtige Gespür für den NSC? Oder vielleicht einfach Glück, und drücken deswegen die richtigen Knöpfe?

Mechanisch läuft das dann i.d.R. auf ein Punktesystem hinaus (X Erfolge bevor man Y Misserfolge hat).

PS: danke für den OT Tipp.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Heretic am 21.05.2010 | 16:55
Erst würfeln, dann darauf aufbauend ausspielen, aber nur in Systemen, die das stützen, ansonsten halt ausspielen lassen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 17:52
Igitt, das ist jetzt kein wirklicher Verdienst der alten DSA Abenteuer welche angeblich Charakterfertigkeiten fördern wollten. Sondern eher ein Mittel um die Spieler dazu zu bringen DEN einzig waren Weg des Abenteuers zu beschreiten und bloss nicht auf kreative Ideen zu kommen.
Von Verdienst habe ich nie was geschrieben.

Im Gegenteil: Ich bin ein Befürworter der Ausspielen-Fraktion. Jede Regel, die das Ausspielen senkt und die Würfellei fördert, ist also eine Regel, die ich nicht mag.
Da diese DSA-Regel das Ausspielen senkt und die Würfellei fördert, folgt daraus also: Ich mag die Regel nicht.

Das ich als Ausspiel-Befürworter diese Regel nicht mag, ist denke ich offensichtlich (so dachte ich bisher). Mich würde aber halt interessieren, wie Würfellei-Befürworter zu so einer Regel stehen. (Und so eine Regel konsequent durchgeführt führt ja nicht zu einem eisenbahnartigen Ergebnis*, sondern je nachdem, ob die Probe misslingt oder gelingt, zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen. - Ob DSA diese Regel jetzt konsequent oder nur halbherzig durchführt, mag man bitte im DSA-Thread diskutieren. Hier im Thread geht es mir darum, was passiert, wenn man diese Regel konsequent durchführt.)

* Um den Kampfbegriff "gerailroadet" zu vermeiden.

Ich sehe in dem Fall also eher das Problem wieder bei den Sozialskills und dem fehlen eines dynamischen Interaktionssystems als beim Kampf der schon über ein Detailiertes System verfügt,
Jain. Der Kampf selber besitzt ein sehr geregeltes System. Die Kampfplanung ist aber in den wenigsten Spielen geregelt.

@ Tümpelritter
OK, "Charakterplanung" als Herausforderung lasse ich gelten. - Aber nur, wenn auch die Möglichkeit besteht, sich verskillen zu können.
Wenn alle Charmkonzepte ausbalanciert sind, ist die Charakterplanung keine Herausforderung mehr. (Nur wenn es effiziente und weniger effiziente Kombos gibt, ist es auch eine Herausforderung, sich einen guten SC zu planen.)

Dann die Frage, wie man Dinge im Abenteuer/während einer Spielsitzung angeht. Wer spricht? Mit welchem NSC? Mit welcher Gesprächstaktik? Mit welchen Zielen? Beispiel: Zu einer verzweifelten Mutter, die ihren Sohn vermisst, findet ein Charakter mit Skills in Empathie vielleicht eher Zugang als ein Charakter mit Skills in Einschüchtern oder Beleidigen.
1) Wer spricht: Der mit dem höchsten Rhetorik-Skill.
2) Welche Gesprächstaktik: Mache eine Probe auf Rhetorik. Wenn sie gelingt, hast du die richtige Gesprächstaktik. Wenn sie misslingt, benutzt du wohl die falsche Gesprächstaktik.
3) Einfach eine Menschenkenntnis-Probe machen, um zu erkennen, ob bei dem NSC jetzt einschüchtern oder Empathie die bessere Alternative ist.
(BTW, wenn eine Mutter ihren Sohn vermisst, kann man mit Einschüchtern schon recht weit kommen. Man muss nur behaupten, den Sohn entführt zu haben und ihn umzubringen, wenn sie nicht genau das tut, was man von ihr will. - Ob man den Sohn tatsächlich entführt hat oder nur blufft, ist unerheblich.)

Zitat
Und dann gibts da eben die "Knöpfe" der NSCs. Haben die Spieler gut recherchiert? Oder haben die Spieler das richtige Gespür für den NSC? Oder vielleicht einfach Glück, und drücken deswegen die richtigen Knöpfe?
Ob die Spieler gut recherchiert haben, bestimmt eine Probe auf "Recherche". Je besser die Probe ausfällt, desto besser haben die Spieler recherchiert.

Und eine Probe auf Menschenkenntnis/Empathie gibt an, ob sie das richtige Gespür für die NSCs haben.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bad Horse am 21.05.2010 | 18:01

1) Wer spricht: Der mit dem höchsten Rhetorik-Skill.
 

Na, bei uns spricht im allgemeinen der Spieler, der den höchsten "Rhetorik-Skill" hat, nicht der Charakter. Oder der Spieler, der gerade am schnellsten reagiert. Oder der Spieler, der von dem NSC angesprochen wurde.

Wobei ich die Rhetorik-Werte der Charaktere in meiner Gruppe durchaus im Hinterkopf habe und bei Charakteren mit höheren Werten wohlwollender zuhöre als bei Charakteren mit niedrigen Werten.
Ich habe einen Spieler, dessen Charakter eine Niete in Kommunikation ist. Gemeinhin spielt er das auch schön aus, aber er ist selbst ein absolutes Ass im Diskutieren und kann einfühlsam argumentieren - und hin und wieder überspielt sein natürliches Talent im Eifer des Gefechts den Nachteil seines Charakters. Trotzdem reagieren die NSCs auf ihn häufig negativ, wenn es plausibel ist, weil ich es blöd finde, wenn er seine mechanischen Nachteile durch seine Persönlichkeit ausgleichen kann.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 18:11
Weg über NSCs: Naja, es kommt drauf an, wie man das sieht. In PvP-Kampagnen, wie ich sie mir jetzt als Nicht-PvPler, sondern Teamspieler vorstelle, würde ich z.B. von jedem Spieler eine Reihe mit Zielen erwarten, die sein Charakter erreichen will. Und über die Social Skills kann man einem anderen dann schon einige Ziele zunichte machen. Dass da noch andere Faktoren wie Einfluss, Connections und andere Ressourcen dazu kommen, ist klar. Aber die Möglichkeiten mit Social Skills was zu erreichen stelle ich mir schon gut vor. Einzelsessions müssten nicht sein, Einzelszenen vielleicht - aber sebst das nicht immer. Mir schwebt halt so ein system mit Einflusspunkten vor.

Gruppendiskusionen: Also Gruppendiskussionen wie Besprechung des weiteren Vorgehens (linke oder rechte Tür) oder der gemeinsamen Taktik über Soziale Fertigkeiten zu dominieren, finde ich schauerlich. Das würde ich weder über NSC noch über Social Skills regeln - und in der Gruppe, wo ein Spieler dann mit seinem Sozialmonster den weiteren Weg bestimmt, wäre ich garantiert nur einmal dabei (und das trotz meiner hohen Schmerztoleranz).

Entscheidungsfreiheit: Was heißt hier vollkommen? Natürlich gibt es Konsequenzen für Handlungen und durch die Regeln auch Einschränkungen dessen, was ein Charakter kann und darf. Und sei es eben so, dass ein Kleriker nur mit stumpfen Waffen kämpfen darf. Aber der Charakter ist trotzdem keine Marionette anderer Leute, sondern eben die Marionette seines Spielers. Nicht die des Spielleiters, und schon garnicht die eines anderen Mitspielers.
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Rolle spielen:
Zitat Teylen:
Zitat
Ich behaupte das die Grundpraemisse des Rollenspiel ist das eine Rolle in dem fiktiven Setting der innerweltlichen Logik folgend gespielt wird.

Akzeptiere ich gerne als eine Grundprämisse. Aber es ist eben nicht die Rolle eines Theaterstücks (die nur sehr eng von Regisseur und Schauspieler "interpretiert" werden kann und dem Script folgen muss. Mit der Rolle ist eher ein Bündel Kompetenzen (Werte) und Erwartungshaltungen (von SL und Mitspielern) verbunden, die vom Spieler ausgespielt werden.

DSA:
Zitat Teylen:
Zitat
Nun und wuerde man bei DSA nicht mit einer Horde Gruppenkonformer Gut Menschen herum rennen haette man dort ein verregelteres Kampfsystem
Ich bin kein Experte dafür (mit DSA1 aufgehört und danach nur wenige Schnupperkurse gemacht), aber soweit ich weiß, hat DSA ein verregeltes Kampfsystem  wtf?

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Soziale fertigkeiten bei NSCs:
Zitat Teylen:
Zitat
Na und wenn man bei NSCs keine sozialen Faehigkeiten anwenden will kann man ja gleich nur noch durch automatisch generierte Kerkern mit Kampfereignissen kriechen O.O

Ich nehe an, Du meinst, wenn der SL durch seine NSCs keine sozialen Fertigkeiten anwendet, könne man nur noch Diablo II spielen? Denn das SCs auf NSCs soziale Fertigkeiten anwenden können, habe ich ja nie bestritten.
Erstmal geht es hier um die Anwendung sozialer Fertigkeiten zur Manipulation von SCs. Zugegeben, das ist unpräzise, ich meine soziale Fertigkeiten, die einen SC zu einer bestimmten Handlung veranslassen. Mit meinen NSCs wende ich durchaus soziale Fertigkeiten zur Abwehr von SC-Fertigkeiten an (Beredsamkeit gegen Menschenkenntnis, oder umgekehrt). Aber die Spieler/Scs sind immder die Aktiven, die NSCs die Reaktiven.
Zweitens: Als SL habe ich 1000 Möglichkeiten, ohne Eingriffe in die Spielerhoheit über den eigenen Charakter ein Abenteuer zu gestalten. Oder glaubst Du im ernst, dass Abenteuer nur funktionieren, wenn NSCs den Spielern Handlungen vorschreiben und das mit einem Social Skill Wurf untermauern? Wer würde denn sowas zweimal mitspielen?
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Drittens: Nun, wenn die Alternative zum automatisch generierten Kerker das Laberabenteuer von Meisters Gnaden ist (und ich weiß, dass es sowas in der Welt da draußen wirklich gibt), dann braucht man sich auch keine Gedanken um Social Skills zu machen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.05.2010 | 18:14
@ Bad Horse
Da fahre ich halt die Schiene:
"Die SC-Werte passen sich den Fähigkeiten der Spieler an."
und nicht
"Die Fähigkeiten der Spieler passen sich den SC-Werten an."

Oder allgemein:
Wenn der SC einen schlechten Wert in Rhetorik hat, aber der Spieler gut argumentiert, muss der Spieler beim nächsten Anstieg Rhetorik steigern. (Diese Steigerung ist ein muss. Ein "ach, ich habs mir anders überlegt" gibt es nicht.)

Wenn der SC bei der Lösung des Logikrätsels eine gute Idee hatte, obwohl er einen schlechten Klugheitswert hat, dann muss er beim nächsten Mal Klugheit steigern.

Wenn der Spieler mit sehr viel outtime Wissen über das Setting brilliert, dann darf er das gerne tun. Dann muss er beim nächsten Mal aber auch die Wissenstalente seines SCs steigern.

Die andere Richtung gibt es bei uns dafür auch:
Wenn jemand seinem SC einen hohen Rhetorik-Wert gibt und dann feststellt, dass er damit unglücklich ist, dann darf er den Wert gerne senken und die freigewordenen XP in andere Werte investieren.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: MadMalik am 21.05.2010 | 18:16
@Eulenspiegel.
Ich muss dazu sagen, in unseren Gruppen gibt es wenig Preplaning, meist gibt es keinen genauen Plan des Dungeons, der Raumstation oder was auch immer. Der Kampf ensteht daher dynamisch aus sich heraus und den Umgebungsvariabeln. Ähnlich einer guten Diskussion oder einer geistigen Auseinandersetzung.  Mit semiplanbaren Encountern könnte man allerdings einen Taktikwurf rienbringen, je nach gelingen oder versagen gibt es dann den Highground für die eigenen Schützen oder den Überraschungsmoment, oder eben andersherum. Nichts was man also mit derzeitigen Mitteln nicht abdecken könnte. Die Situation tritt nur bei uns praktisch nicht auf.  :D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bad Horse am 21.05.2010 | 18:20
@Euli: Finde ich legitim, aber ich habe keine Lust auf ewige Diskussionen, ob das jetzt Sinn macht oder nicht. Ich würde ja sagen: "Die Reaktionen der Umwelt passen sich den Werten der Spieler an", aber das ist eine Spitzfindigkeit.  :)

Ich finde es auf jeden Fall sinnvoll, wenn ein Spieler einen Wert, den er nicht spielen kann oder will, auch wieder loswerden darf.

Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 18:32
@Eulenspiegel:
Das ist halt die Frage, wie man generell zum Würfeln im RSP steht.

Für mich ist "Charakterspiel" ein wesentlicher Grund fürs Rollenspiel. Darunter fallen in meiner Wahrnehmung verschiedene Aspekte, auch die Frage: was kann mein Charakter und wie bewältigt er damit seine Welt/seine Aufgaben? Deswegen mag ich es, wenn seine Werte eine Rolle spielen. Zum Charakterspiel gehört für mich auch der Umgang mit knappen Ressourcen wie Steigerungen bei Aufstiegen. (Wie gesagt, Midgard ist für mich sehr prägend gewesen.)

Unvorhersehbarkeit der Handlung aufgrund eines unpersönlichen Zufallsgenerators ist für mich ebenfalls ein wesentlicher Aspekt. Ich kann mit Misserfolgen im RSP besser leben, wenn der Misserfolg dem Würfel und nicht dem Spielleiter angelastet werden kann.

Ansonsten vermeide ich Würfeln da, wo es um nichts geht, weil es mich aus dem Konzept (der "Immersion") bringt. Wo bei einem Würfelwurf etwas auf dem Spiel steht - wie die Handlung eines NSCs - finde ich es dagegen spannend. Dann zittere ich mit meinem Charakter (oder dem eines Mitspielers).

Ich kenne auch Leute, die mit würfeln im Rollenspiel nichts anfangen können. Wer das ehrlich sagt und auch nicht würfelt, hat meinen Segen. Bloß Alibiwürfeleien kann ich nicht ab.

Hinsichtlich der praktischen Beispiele sind Deine Einwände, wenn ich sie mal als sowas lese, ansonsten schwer zu diskutieren. Recherche ist z.B. ein Prozess aus Nachfragen und Würfeln, der ebenfalls Ausspielelemente und Spielerideen beinhaltet. Menschenkenntniswürfe zählen evtl. schon zu der Skillchallenge. Gute Ideen wie die Behauptung, man habe den Sohn in seiner Gewalt, können als "richtige Knöpfe" gewertet werden und den Einsatz von Einschüchtern erleichtern oder (wie im Beispiel) überhaupt erst möglich machen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 21.05.2010 | 18:44
 * Weg ueber NSCs
Ich sage ja auch nicht das es nicht ueber ein Einfluss System oder die Hintergruende moeglich waere NSCs zu aktivieren, sondern das es mit der Frage der Anwendbarkeit von sozialen Faehigkeiten wenig zu schaffen hat.

 * Gruppendiskussionen
Ich gehe hier bei von Diskussionen aus die Inplay zwischen den Charakteren stattfinden. Nun und da faende ich es eher schauerlich wenn der "Barbar" als der charismatische Meinungsfuehrer auftritt.

 * Entscheidungsfreiheit
Es ist aber doch nichts anderes wenn dein Kleriker nicht mit spitzen Waffen kaempfen kann und dein Grottenolm-Ekel Charakter nunmal nicht der charismatische Chameur sein kann.

Zitat
Akzeptiere ich gerne als eine Grundprämisse. Aber es ist eben nicht die Rolle eines Theaterstücks (die nur sehr eng von Regisseur und Schauspieler "interpretiert" werden kann und dem Script folgen muss. Mit der Rolle ist eher ein Bündel Kompetenzen (Werte) und Erwartungshaltungen (von SL und Mitspielern) verbunden, die vom Spieler ausgespielt werden.
Ich sehe nicht wo du dort das Theaterstueck oder den Bezug zu einem Script siehst. Zudem schreibst du doch das die Rolle mit einem Buendel von Kompetenzen und Erwartungshaltungen verbunden ist.

Wenn ein Spieler einen Charakter Kompetenzen in sozialen Faehigkeiten gegeben hat und die Erwartungshaltung diese anwenden zu koennen, eine Rolle zu haben die darin stark ist - sollte er das doch nicht nur spielen duerfen sondern muss es sogar.
[Weil seiner Rolle dafuer in anderen Bereichen Werte fehlen]

Umgekehrt darf ein Spieler doch eigentlich nicht, wenn er einen Charakter hat der keine Kompetenzen in sozialen Faehigkeiten hat [sondern in anderen] eine Erwartungshaltung an dem Tag legen das die Kompetenzen seiner Rolle auch im sozialen liegen.

Das ist doch spielmechanisch total unsozial und unfair gegenueber dem Spieler mit dem sozialen Charakter.


Wegen der sozialen Fertigkeiten von NSCs.
Ich meine es sowohl als auch.
Heisst das die Spieler die sozialen Faehigkeiten ihrer Charaktere auf die NSCs anwenden duerfen.
Als auch das die NSCs ihre soziale Faehigkeiten auf die Charaktere der Spieler anwenden duerfen.

Das nur in eine Richtung zu Regeln ergibt doch keinen Sinn?
Das waere als wuerde man bei einem Kampfsystem zwar den Spielern erlauben das Monster oder den NSC anzugreifen, aber umgekehrt auf Aktionen verzichten weil es ja unter Umstaenden die Handlungsfaehigkeit des jeweiligen Charakter einschraenkt.

Nun und es muss ja nicht immer ein vorschreiben sein, es koennte ein charismatischer Auftritt sein, nun oder eine Luegengeschichte, eine gut formulierte Rede, eine substile Boshaftigkeit.. was es da auch immer gibt.
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Zum groesseren V:tM Rant.
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Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 21.05.2010 | 19:59
@Teylen:
Weg über NScs: Der Trick wäre in meiner Vorstellung, dass es für den Sozialcharakter leichter ist, sich durch Einsatz seiner Fertigkeiten Einfluss zu erspielen, als für den reinen Prügler (wobei auch eine geballte Faust ein schlagkräftiges Argument sein kann, das Leute überzeugt, aber eben nicht im gleichen Maß und vor allem nicht die gleichen Leute, denn einflussreichere Leute lassen sich nicht so leicht einschüchtern). Aber wie gesagt, dazu bräuchte man ein funktionierendes Intrigen- und Manipulationssystem.

Gruppensikussionen: Wie eine Gruppe untereinander diskutiert, ist deren Angelegenheit. Aber wenn Inplayrollen eingenommen werden und dann gegeneinander gewürfelt wird, dann ist es nur eine Frage der zeit, bis irgendwer auch mal seine Kampfskills gegen andere SCs anwendet, glaube ich. Aber Du warst schneller mit dem Paranoia-Beispiel  :d

Entscheidungsfreiheit: Ich verstehe Deine Antwort nicht. Ehrlich. Mir ging es darum, dass Spieler nicht alles bestimmen können, sondern Grenzen haben, die durch Regeln und Setting vorgegeben sind. Das Klerikerbeispiel war ein Beispiel dafür, dass der Charakter nicht kämpfen kann mit welcher Waffe er will (ohne seine Zauber zu verlieren oder ähnliche schlimme Dinge). Wenn beim Grottenolm bei der Charaktererschaffung Cha - 8  dransteht, dann wird er kein Chameur sein. er kann es aber trotzdem versuchen (bloß fliegt er dabei wahrscheinlich auf die Nase).

Rolle: Auf Theaterrolle kam ich, weil das nunmal eine der vielen Assoziationen mit Rolle verbunden ist, soziale Erwartungshaltung eine andere Assoziation. Theater- oder Schauspielrollen sind auch ziemlich festgelegt und stark von außen bestimmt. Und so käme ich mir als Spieler vor, wenn der SL oder (ein anderer Mitspieler) meinen Charakter mithilfe der Social Skills seiner SL-Charaktere (bzw. seines Spielercharakters) quasi übernimmt und mir die Steuerungskompetenz wegnimmt: Ich würde eine Theaterrolle spielen, keine RSP-Rolle.

Aneinander vorbeireden: Wir reden aneinander vorbei. Ich bestreite nicht, dass ein Sozialcharakter für die Sozialaufgaben der Gruppe zuständig ist. Der Barde im Fantasybereich soll die Informationen eintreiben, die Kontakte herstellen, die Verhandlungen führen. Das soll eine maßgebliche Bedeutung fürs Abenteuer haben. Das soll ausgewürfelt werden. Genauso soll der waldläufer in der Wildnis glänzen und der Technikus bei Reparaturen und Fallen entschärfen. Mich stört es einzig und allein, dass ein Sozialcharakter andere Spielercharaktere beeinflussen kann, weil diesen dann die Kontrolle über ihren Charakter verloren geht.

Sozialfähigkeiten auf NSCs: 1. Der Vergleich mit dem Kampfsystem trägt nicht. Das Kampfsystem ist erstens hoch verregelt, während Sozialfertigkeiten und ihre Auswirkungen aus der Lameng improvisiert werden. Hohe Verregelung führt zu hoher Planbarkeit des Risikos. Man sichert seinen Charakter ab.
Zweitens ist das Risiko im Kampfsystem quasi Teil des Rollenspieles: Spieler wollen mit ihren Charakteren Abenteuer erleben und dabei das Risiko des Scheiterns eingehen. In den meisten Gruppenverträgen kauft man dieses Risiko mit ein (und ich hasse es, wenn ich formell oder informell welche abschließen muss, wo das Risiko aufgehoben ist). Aber in den wenigsten Absprachen wird vereinbart, dass dem Spieler die Kontrolle über seinen Charakter, die Steuerung der Charakter-Handlungen außerhalb der übernatürlichen Manipulation entzogen werden darf. Selbst bei der übernatürlichen Manipulation muss man vorsichtig sein, und es wird Spielleitern üblicherweise empfohlen, darauf zu verzichten. Es ist ungefähr so beliebt wie die erzwungene Gefangennahme von SCs, weil der Plot es so will.
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Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Herr der Nacht am 21.05.2010 | 20:21
Zitat
Mich stört es einzig und allein, dass ein Sozialcharakter andere Spielercharaktere beeinflussen kann, weil diesen dann die Kontrolle über ihren Charakter verloren geht.

Und was ist mit dem Vergleich physische Gewalt? Warum ist das legitim?

Ich würde auch mal vom SC vs SC Beispiel weggehen, das war nur ein Beispiel. Genauso könnte man umgekehrt fragen warum es ein Spieler nicht akzeptiert wenn ein eloquenter NSC seinen SC überzeugt/an der Nase herum führt im Gegensatz zu einem sehr kampfstarken Gegner der mit den SCs den Boden aufwischt.

Ich trenne hier keineswegs sondern mache Spielern auch klar dass sie als Sozialkrüppel erheblich anfälliger sind für Lug und Betrug von NSCs wie SCs als Sozial-Asse.

Ebenso wie es eben auch für mich klar ist dass Sozia-Asse in Kämpfen wesentlich anfälliger sind als die Kampfsäue.

Denn Werte die nur auf dem Bogen stehen und nicht genutzt werden sind für mich verschwendete Werte. Dann greife ich lieber zu einem anderen Regelwerk oder aber streiche redundante Dinge.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 21.05.2010 | 20:40
Ich denke, dass zumindest in nonkompetativen Gruppen gruppeninterne Entscheidungen nicht mittels Zwang erreicht werden sollten, weder sozialer noch physischer Natur.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 21.05.2010 | 22:01
Gerade Sachen wie Erpressung oder andere Intrigen werden bei uns generell "in die Länge gezogen", d.h. da wird sicherlich nicht einmal auf die Kabale-Fertigkeit gewürfelt, sondern der logische Ablauf durchgegangen und die Punkte, an denen tatsächlich etwas schiefgehen kann bzw. sich der Ablauf durch Beteiligte/Betroffene in relevanter Weise gestalten lässt, werden bespielt bzw. bewürfelt.

Da hatte ich bisher nie Probleme mit einem "realistisch" orientierten Ablauf unter Einbeziehung der entsprechenden Fertigkeiten.
Eine Abstraktion auf "soziale HP" mit zugehörigen Attacken und Paraden finde ich da entschieden unspaßig.


Nun, es ist im Grunde egal, wie man sowas regeltechnisch ausgestaltet, ob mit "Sozial-HP" oder anders.
Aber häufig sieht man in Rollenspielsystemen leider ausgebaute Kampfregeln und Magieregeln und ähnliches, aber in Sozialbereichen, wo es immerhin auch zu Konflikten kommt, kriegt man eine Handvoll Fertigkeiten hingeworfen und dann heisst es nur "mach was draus".

Es sollte dann zumindest Hinweise geben, wie man die Fertigkeiten in Sozialen Konflikten einbringen kann und zwar interessanter als ein paar Proben zu werfen. Mit taktischen Optionen, mit der Möglichkeit einen riskanten Einsatz zu tätigen etc.
Da hätte ich zumindest gerne etwas mehr regeltechnische Ausarbeitung.

Dann wird das Spiel nicht mehr von eloquenten Labersäcken bestimmt, die alles durch ausspielen lösen und auch nicht nur nur den Wurf (oder die Würfe) auf die Fertigkeit "Kabale" u.ä.

Spontan muss ich sagen, ich hätte Schwierigkeiten eine Intrige auszugestalten, aber vielleicht bin auch zu sehr DSA gewöhnt, wo man leider nur in die Intrigen anderer stolpert und bei diesen Zuschauer spielen darf.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 22.05.2010 | 01:12
Und was ist mit dem Vergleich physische Gewalt? Warum ist das legitim?
Ist es ja auch nicht:
Wenn der Spieler des Barbaren bei der Planung sagt: "Entweder ihr tut das, was ich sage, oder ich verklopp euch.", dann führt das auch zu Frust.

Der Unterschied ist: Hier kann man den outtime Frust der Spieler auch ingame übertragen und die SCs gefrustet reagieren lassen.
Die Spieler haben outtime die Schnauze voll vom Barbaren-Spieler, der ihren SCs andauernd mit körperlicher Gewalt droht. Also haben ihre SCs ingame auch die Schnauze voll und zeigend en Barbaren beim Stadtbüttel an. (Oder machen sich eines Nachts ohne den Barbaren auf den Weg und  lassen diesen zurück.)

Wenn man jedoch durch soziale Skills einen SCs beeinflussen will, ist der outtime Frust zwar der Selbe, aber man kann ihn nicht ingame übertragen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Master Li am 22.05.2010 | 10:23
Das meiste, das hier diskutiert wird, ist ja eher Geschmackssache... Würfeln oder nicht, SCs manipulieren/töten oder nicht etc. Da kann man sich ewig drüber streiten,

Was in meinen Augen aber keine Geschmacksfrage ist:

Man spielt ein System, in dem man Ressourcen zur Charakterschaffung ausgibt. Wenn nun soziale Fähigkeiten mit Ressourcen gekauft werden müssen und diese dann im Spiel keine Auswirkung haben, wird der Spieler eines solchen Charakters betrogen. Wenn im Vorfeld so etwas klargestellt wurde, ist das etwas anderes. Aber wenn jemand mit einem Facecharakter kommt und dann regelmäßig vom tumben Barbaren, dessen Spieler ein großartiger Rhetoriker ist, an die die Wand gespielt wird, dann ist das unfair.
Wenn man also nicht würfeln will (ist ja durchaus legitim), sollte man ein passendes System verwenden oder den Leuten sagen, dass sie keine Punkte in soziale Fähigkeiten investieren müssen.


Zu einer Geschmacksfrage habe ich auch noch eine Anmerkung.
Gegen das Würfeln wird gerne argumentiert, dass man ja dann alles auswürfeln könnte und gar nicht mehr miteinander agieren muss. Das kann, muss aber nicht so sein. Man kann das Würfeln ja in unterschiedlichen Härte- und/oder Detailgraden praktizieren. Extrem wäre es, nur die Würfel in Dialogen sprechen zu lassen. Das andere extrem wäre, gar nicht zu würfeln und nur die Spieler agieren zu lassen. Dazwischen gibt es viele andere Möglichkeiten. Erst würfeln lassen, dann ausspielen. Nur in bestimmten kritischen Fällen zu würfeln. Oder was man immer machen kann.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 22.05.2010 | 12:47
Das meiste, das hier diskutiert wird, ist ja eher Geschmackssache... Würfeln oder nicht, SCs manipulieren/töten oder nicht etc. Da kann man sich ewig drüber streiten,

Was in meinen Augen aber keine Geschmacksfrage ist:

Man spielt ein System, in dem man Ressourcen zur Charakterschaffung ausgibt. Wenn nun soziale Fähigkeiten mit Ressourcen gekauft werden müssen und diese dann im Spiel keine Auswirkung haben, wird der Spieler eines solchen Charakters betrogen. Wenn im Vorfeld so etwas klargestellt wurde, ist das etwas anderes. Aber wenn jemand mit einem Facecharakter kommt und dann regelmäßig vom tumben Barbaren, dessen Spieler ein großartiger Rhetoriker ist, an die die Wand gespielt wird, dann ist das unfair.
Dann spielt aber der Barbarenspieler seinen Charakter auch nicht richtig, denn zu gutem RSPTM gehört für mich auch, dass man die Schwächen seines Charakters ausspielt.
Das sollte der SL dann auch ansprechen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Master Li am 22.05.2010 | 13:36
Nichts dagegen einzuwenden ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 22.05.2010 | 13:41
gehört für mich auch, dass man die Schwächen seines Charakters ausspielt.
Das sollte der SL dann auch ansprechen.
Klar, wenn der tumbe Barbar redegewandt ausgespielt wird, spielt der Spieler seinen Charakter falsch.
Aber wenn der redegewandte Barde tumb ausgespielt wird, spielt der Spieler seinen Char ebenfalls falsch.

Wobei ich beiden Spielern erstmal keine böse Absicht unterstelle.

Dem kann man natürlich entgegenwirken, indem man Systeme spielt, wo es keine Werte für Redegewandtheit gibt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: LordBazooka am 24.05.2010 | 18:08
In meinen Runden wird relativ selten gewürfelt, sondern eher ausgespielt. Eine wirkliche feste Regel, wann ich Würfe verlange und wann nicht, habe ich nicht wirklich. Allgemein gesprochen verzichte ich gerne auf Würfe wenn es um nichts besonders dramatisches handelt und der SC die Fähigkeit beherrscht. Bei besonderen Ereignissen kann der Spieler durch besonders gutes Ausspielen ab und an auch mal um einen Wurf herum kommen. Quasi als Belohnung für gutes Rollenspiel, welches zum Charakter passt. Kämpfe lasse ich hingegen fast immer auswürfeln, solange es sich um besondere und/oder würdige Gegner handelt. Fällt mir schwer das zu erklären irgendwie... hoffe man versteht wie es gemeint ist. ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 25.05.2010 | 11:12
Das meiste, das hier diskutiert wird, ist ja eher Geschmackssache... Würfeln oder nicht, SCs manipulieren/töten oder nicht etc. Da kann man sich ewig drüber streiten,

Was in meinen Augen aber keine Geschmacksfrage ist:

Man spielt ein System, in dem man Ressourcen zur Charakterschaffung ausgibt. Wenn nun soziale Fähigkeiten mit Ressourcen gekauft werden müssen und diese dann im Spiel keine Auswirkung haben, wird der Spieler eines solchen Charakters betrogen. Wenn im Vorfeld so etwas klargestellt wurde, ist das etwas anderes. Aber wenn jemand mit einem Facecharakter kommt und dann regelmäßig vom tumben Barbaren, dessen Spieler ein großartiger Rhetoriker ist, an die die Wand gespielt wird, dann ist das unfair.
Wenn man also nicht würfeln will (ist ja durchaus legitim), sollte man ein passendes System verwenden oder den Leuten sagen, dass sie keine Punkte in soziale Fähigkeiten investieren müssen.


Zu einer Geschmacksfrage habe ich auch noch eine Anmerkung.
Gegen das Würfeln wird gerne argumentiert, dass man ja dann alles auswürfeln könnte und gar nicht mehr miteinander agieren muss. Das kann, muss aber nicht so sein. Man kann das Würfeln ja in unterschiedlichen Härte- und/oder Detailgraden praktizieren. Extrem wäre es, nur die Würfel in Dialogen sprechen zu lassen. Das andere extrem wäre, gar nicht zu würfeln und nur die Spieler agieren zu lassen. Dazwischen gibt es viele andere Möglichkeiten. Erst würfeln lassen, dann ausspielen. Nur in bestimmten kritischen Fällen zu würfeln. Oder was man immer machen kann.


Stimm ich voll und ganz zu.

Ich kann nachvollziehen, wenn bei einem "Storyteller"- oder "Die Charaktäre werden weniger durch Werte als durch Eigenschaften definert"-System weniger bis gar nicht gewürfelt wird. Bei System die den Charakter fast vollständig mit Werten definieren (z.B. alles mit D20) macht das Würfeln schon viel mehr Sinn und wird dann auch regeltechnisch verlangt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 25.05.2010 | 13:56
Hmmm... gerade gestern hatte ich so einen Fall. Ich wollte den letzten Verdächtigen dazu bringen, dass er mir seinen Rucksack zeigt. Laut Würfelwurf war klar: ich glaube ihm, er ist unschuldig und ich werde seinen Rucksack nicht weiter anschauen. Als Spieler war das für mich total frustrierend, weil ich immersiev nicht nachvollziehen konnte, dass mein Charakter (ein Ritter) sich von diesem Pilger so bequatschen ließ. Allein die Tatsache, dass er sich weigerte, mir den Rucksack zu zeigen, verstärkte eigentlich die Verdachtsmomente ungemein.
Aber die Würfel lagen und damit war die Sache klar.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 25.05.2010 | 16:20
Das mit dem tumb gespielten Barden ist nun auch so ne Sache. Es kann im Rollenspiel nicht darum gehen, dass man nur das darstellt, was man auch in Real Life irgendwie kann, im Fall des Barden also schwülstig dichten. Für mich gings immer auch mal darum was neues zu probieren.

Sicher kann man vom Spieler eines Barden verlangen, dass er gewisse Dinge ausspielt, aber hier kommt es immer auf die Intensität an. Keiner wird ein komplettes Gedicht verlangen, das man sich aus den Fingern saugen muss. Es genügt schon, wenn man eine gewisse Andeutung macht, wohin die Reise gehen soll.

"Holde Maid, blabla, Euer Antlitz ist wie [irgendwas schwüstliges einsetzen] usw. usf." Ein kurzer Satz reicht. Oder auch eine abstrakte Beschreibung ala "Ich singe ein heroisches Lied, das die Heldentaten des Lokalheiligen XY preist, und alle Kneipengäste stimmen mit ein."
Reicht schon aus.
Nur sowas macht man dann nach dem Wurf, der ja zeigt, wie gut der Charakter das kann.
Soll jetzt aber auch nicht heissen, dass man für jedes Liedchen würfeln müsste. Wohl aber, wenn etwas auf dem Spiel steht, wenn ein bestimmes Ziel erreicht werden soll. Wenn jemand beeindruckt oder überredet werden soll.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: WeepingElf am 26.05.2010 | 21:22
Ganz klar: Ausspielen.  Das ist es doch zu einem wesentlichen Teil, was menschliche NSCs interessanter macht als Monster, und was Rollenspiel interessanter macht als Brettspiele oder Wargaming. 

Natürlich sollten Charakterwerte in sozialen Fertigkeiten eine Rolle spielen.  Das sieht dann aber so aus, dass der SL je nach dem Wert das vom Spieler Dargebotene unterschiedlich bewertet.  Hat der SC einen hohen Wert, gewinnt er auch mit nur mittelmäßigem Spiel.  Hat er einen niedrigen, muss sich der Spieler rhetorisch mehr anstrengen, um Erfolg zu haben.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 27.05.2010 | 10:36
Bitte nicht als Angriff lesen, so ist es nicht gemeint. Es ist aufrichtiges Interesse und reine Neugier, weil ich mir einige Dinge nicht vorstellen kann und bei Ausspiel-SLs auch fast noch nie beobachtet habe.

Ich greife mal Eulenspiegels Frage an die Auswürflergruppe (zu der ich mich ja mit Einschränkungen zähle) auf und drehe sie gewissermaßen um (und erweitere sie).

Also, meine Frage(n) an die AUSSPIELERFRAKTION: Wie bringt ihr Herausforderungen ins Ausspielen?

Wie bringt Ihr Spannung rein? Wie bringt ihr Ergebnisoffenheit rein? Wie bringt ihr Fairness rein? Wie verhindert ihr SL-Gutdünken? Wie reragieren eure Spieler auf Misserfolge (oder kommen solche nicht vor)?

 
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 27.05.2010 | 19:00
Hmmm... gerade gestern hatte ich so einen Fall. Ich wollte den letzten Verdächtigen dazu bringen, dass er mir seinen Rucksack zeigt. Laut Würfelwurf war klar: ich glaube ihm, er ist unschuldig und ich werde seinen Rucksack nicht weiter anschauen. Als Spieler war das für mich total frustrierend, weil ich immersiev nicht nachvollziehen konnte, dass mein Charakter (ein Ritter) sich von diesem Pilger so bequatschen ließ. Allein die Tatsache, dass er sich weigerte, mir den Rucksack zu zeigen, verstärkte eigentlich die Verdachtsmomente ungemein.
Aber die Würfel lagen und damit war die Sache klar.
Du musst dir halt vorstellen (oder der SL das Ausspielen) wie er so überzeugend sein konnte.
"Werter Herr Ritter, ich bin den weiten Weg von Blablabla hier her gereist nur um das .... unseres/er Gottes/Göttin/Götter zu sehen. Als rechtschaffener Mann komme ich in dieses Land und dann wird mein Glaube durch eine Person wie Euch, die doch eigentlich an das Gute im Menschen glauben sollte so schnöde in Frage gestellt."
Und natürlich würde ich sagen, dass für diese Verdachtsmomente ein Bonus auf deinen Durchschauen Wurf gehört hätte.

Bzw. wenn dein Ritter Jeden aus Prinzip durchsucht hat er ja sowieso keine Chance:
"Ja ich glaube euch ja, aber ich habe bisher JEDEN durchsucht, da kann ich für euch keine Ausnahme machen - das wäre ja unfair."
Ist das gleiche wie dass man bei mir auch die Elitegarde des Königs nicht dazu bringen kann einen ins Schlafgemacht des Königs zu lassen. Der Wächter glaubt dir dann zwar dass du den König nicht umbringen willst. Rein lässt er dich aber trotzdem nicht.

Ganz klar: Ausspielen.  Das ist es doch zu einem wesentlichen Teil, was menschliche NSCs interessanter macht als Monster, und was Rollenspiel interessanter macht als Brettspiele oder Wargaming. 

Natürlich sollten Charakterwerte in sozialen Fertigkeiten eine Rolle spielen.  Das sieht dann aber so aus, dass der SL je nach dem Wert das vom Spieler Dargebotene unterschiedlich bewertet.  Hat der SC einen hohen Wert, gewinnt er auch mit nur mittelmäßigem Spiel.  Hat er einen niedrigen, muss sich der Spieler rhetorisch mehr anstrengen, um Erfolg zu haben.

Argh ich glaube ich habe meine Antithese gefunden.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 27.05.2010 | 19:39
Natürlich sollten Charakterwerte in sozialen Fertigkeiten eine Rolle spielen.  Das sieht dann aber so aus, dass der SL je nach dem Wert das vom Spieler Dargebotene unterschiedlich bewertet.  Hat der SC einen hohen Wert, gewinnt er auch mit nur mittelmäßigem Spiel.  Hat er einen niedrigen, muss sich der Spieler rhetorisch mehr anstrengen, um Erfolg zu haben.


Moment mal: das fällt mir jetzt erst auf, hab ich komplett überlesen. Ich will ja nicht bashen aber das hört sich für mich so unendlich falsch an...
Wenn der Charakter sehr eloquent ist, dann sollte auch der Spieler eloquent sein. Wenn er das nicht ist, dann kann er sich von den anderen Spielern am Tisch ja helfen lassen.
Wenn der Charakter nicht elloquent ist, dann brauche ich ihn auch nicht eloquent zu spielen, bzw. sollte sogar versuchen diesen Mangel an rhetorischem Geschick darzustellen.
Für den wilden aus dem Wald ist es vollkommen okay, wenn er spricht, wie ein stück Gossengrind mit maximal semihumaner intelligenz.
Für den hochgebildeten Höfling will ich aber eine entsprechende Darstellung - und wer einfach nicht umhin kommt, seinen Gegenüber rhetorisch auf die Füße zu treten, sollte keinen Diplomaten spielen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 27.05.2010 | 21:51
Also, meine Frage(n) an die AUSSPIELERFRAKTION: Wie bringt ihr Herausforderungen ins Ausspielen?

Wie bringt Ihr Spannung rein? Wie bringt ihr Ergebnisoffenheit rein? Wie bringt ihr Fairness rein? Wie verhindert ihr SL-Gutdünken? Wie reagieren eure Spieler auf Misserfolge (oder kommen solche nicht vor)?
Oh, gleich 6 Fragen auf einmal. :)

Ich beantworte sie mal der Reihe nach:
1) und 2) Herausforderungen und Spannung ins Spiel bringen:
Wenn die Sache so ausgespielt wurde, dass der SL der Meinung ist,e s müsste klappen, dann klappt es. Wenn der SL sich nicht hat überzeugen lassen, dann klappt das nicht.

Die Herausforderung liegt also darin, sie einen plausibel anhörenden Plan auszudenken und diesen umzusetzen.
Bzw. bei "NSCs überreden" liegt die Herausforderung darin, gute Argumente vorzubringen, die die NSCs überzeugt.

3) und 4) Ergebnisoffenheit und Fairnis:
Der SL ist bei uns kein Antagonist, sondern ein Schiedsrichter. Er bewertet unsere Ideen hart aber fair. War unsere Idee schlecht, lässt er sie misslingen. War sie gut, lässt er sie mit einem "Ja, aber" gelingen. Und war die Idee brillant (was zugegebenermaßen eher selten der Fall ist), dann lässt er sie mit einem "ja" gelingen.

5) SL-Gutdünken verhindern:
Wir verhindern SL-Gutdünken überhaupt nicht. Im Gegenteil: Das wird bei uns sogar gefördert. Aber ich spiele sowieso nur mit SLs, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Von daher stellt SL-Gutdünken für mich kein Problem da.

6) Reaktion auf Misserfolge:
Einerseits ärgern wir uns über Misserfolge. Andererseits stachelt der Misserfolg einen auch dazu an, sich das nächste Mal einen besseren Plan zu überlegen.
Und Erfolge, die man nach einigen Misserfolgen errungen hat, schmecken um so süßer.

Allgemein kann man die Erfolgs-Misserfolgs-Rate anpassen, indem der SL Ideen strenger bzw. weniger streng bewertet.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bad Horse am 28.05.2010 | 20:34
Wenn der Charakter sehr eloquent ist, dann sollte auch der Spieler eloquent sein. Wenn er das nicht ist, dann kann er sich von den anderen Spielern am Tisch ja helfen lassen.

Für den hochgebildeten Höfling will ich aber eine entsprechende Darstellung - und wer einfach nicht umhin kommt, seinen Gegenüber rhetorisch auf die Füße zu treten, sollte keinen Diplomaten spielen.

Schwierig wird es dann, wenn Spieler Xy einen Diplomaten darstellen will, das deiner Meinung aber nicht kann. Das führt dann zu solchen "Nein, du kannst keinen Sozialcharakter spielen, du bist nicht eloquent genug" "Wohl bin ich ello.. elli... Wohl kann ich reden!"-Diskussionen.
Da ist mir Tränenelfs Methode lieber.

@Tümpelritters Fragen: Was der Eulenspiegel sagt. Wobei ich ein Gespräch noch ergebnisoffener finde als Gewürfel, weil ein Würfel eben außer Ja/Nein kein anderes Ergebnis zulässt - es aber im direkten Gespräch dazu kommen kann, dass sich ganz neue Optionen und Ergebnismöglichkeiten ergeben. Daher würde ich auch nicht auf das Gespräch zwischen SCs und NSCs zu Gunsten von reinem Würfeln verzichten wollen.
(Nur zur Klarstellung: Es muss nicht jeder Scheiss ausgespielt werden. Wenn der charmante Barde die nette Barmaid verführen will, weil er eine nette Nacht und vielleicht ein Freibier will, dann darf er das gerne im Nebensatz abhandeln und würfeln. Wenn es ihm aber darum geht, die Hauptfrau der Wache zu bezirzen, dann sollte er sich schon ein bißchen anstrengen - wenn der Spieler nun überhaupt nicht flirten kann, muss das ja nicht in direkter Rede sein, aber eine gewisse Strategie würde ich da schon gern sehen.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 28.05.2010 | 23:35
Ich würde nie einem Spieler sagen: "Das kannst du nicht". Wohl würde ich sagen: "Überleg dir das doch nochmal".
Wenn er es sich überlegt und immer noch etwas spielen will, wofür ich ihn nicht für sprachgewandt genug halte, dann werde ich ihm eben gelegentlich unter die Arme greifen - und er wird doch häufiger Würfeln, denn ein Spieler darf ja würfeln, wenn er etwas nicht ausspielen möchte - er muss den Wurf nur einfordern.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 29.05.2010 | 11:48
Das Ausspielen setzt zu viel Spielerkenntnisse voraus, die nicht jeder hat. Deswegen aber auf eine Rolle verzichten ist auch nicht der richtige Weg.

Neben Sozialtalenten bezieht sich das noch diverse Wissenstalente, da würde wohl auch niemand verlagen, dass der Spieler hier alles ausspielen soll. Oder soll nur der Maschinenbauingenieur einen Mechanikus und nur der Medizinstudent einen Medicus spielen?

Die Antworten auf Tümpelritters Fragen klingen für mich nun spontan nicht so schön. Finde ich kein gutes Spielkonzept, wenn es dann doch auf Willkür und der Erwartung, dass der SL einen schon nicht reinreitet basiert. 
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 29.05.2010 | 14:21
Zitat
Neben Sozialtalenten bezieht sich das noch diverse Wissenstalente, da würde wohl auch niemand verlagen, dass der Spieler hier alles ausspielen soll. Oder soll nur der Maschinenbauingenieur einen Mechanikus und nur der Medizinstudent einen Medicus spielen?
Nein. Der Spieler des Sozialchars muss ja auch kein ausgebildeter Diplomat sein.

- Der Spieler des Sozialchar muss so gut argumentieren, dass er den SL überzeugt.
- Der Spieler des Mechanicus muss eine Skizze/Blaupause seines Planes vorlegen, die den SL überzeugt.
- Der Spieler des Medicus muss die medizinische Versorgung so gut beschreiben, dass es den SL überzeugt.

Unser SL ist weder ausgebildeter Diplomat noch Ingenieur noch Arzt. Man muss eine Sache also nicht perfekt machen, sondern nur so, dass sie sich plausibel anhört.

Die Antworten auf Tümpelritters Fragen klingen für mich nun spontan nicht so schön. Finde ich kein gutes Spielkonzept, wenn es dann doch auf Willkür und der Erwartung, dass der SL einen schon nicht reinreitet basiert.
Dann lege doch mal das Gegenkonzept vor.

Beantworte doch bitte die folgenden Frage: "Wie bringst du Herausforderung ins Spiel?"

Und BTW, was hast du gegen Spielleiterwillkür?
Wenn SL und Spieler auf einer Wellenlänge sind, gibt das keinerlei Problem. Und wenn sie nicht auf einer Wellenlänge sind, dann führt das RPG früher oder später dennoch zu Problemen. (Auch ohne Willkür.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 29.05.2010 | 16:45
Unser SL ist weder ausgebildeter Diplomat noch Ingenieur noch Arzt. Man muss eine Sache also nicht perfekt machen, sondern nur so, dass sie sich plausibel anhört.
Heisst wenn der Spielleiter (oder einer der Spieler) wahlweise vom Beruf her Arzt, Programmierer, Ingenieur ist, einen kleinen Waffen/Militär Fetish hat, etwas anderes der gleichen darf kein anderer der in dem einen Charakter Spielen der eine Expertise darauf hat?

Schließlich wird sich für den Spielleiter / Spieler mit der Expertise das meiste was der machen will ziemlich unplausibel anhören..
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 29.05.2010 | 17:51
Natürlich darf man trotzdem etwas der gleichen Art spielen.

Ich verweise einfach mal auf meinen Post #155 (http://tanelorn.net/index.php/topic,55408.msg1117536.html#msg1117536):
"Allgemein kann man die Erfolgs-Misserfolgs-Rate anpassen, indem der SL Ideen strenger bzw. weniger streng bewertet."

Dieser Satz behält selbstverständlich auch seine Gültigkeit, falls der SL Arzt, Programmierer oder Ingenieur ist.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Pesttanz am 29.05.2010 | 18:34
Bei uns wird viel ausgespielt, aber wenn es ein Talent oder sonst was gibt wird der Würfel gerne unterstützend hinzu gezogen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 02:17
Heisst wenn der Spielleiter (oder einer der Spieler) wahlweise vom Beruf her Arzt, Programmierer, Ingenieur ist, einen kleinen Waffen/Militär Fetish hat, etwas anderes der gleichen darf kein anderer der in dem einen Charakter Spielen der eine Expertise darauf hat?

Schließlich wird sich für den Spielleiter / Spieler mit der Expertise das meiste was der machen will ziemlich unplausibel anhören..
Dafür habe ich eine relativ einfache Lösung: Ich gebe meinen Spielern einen Teil der Expertise, die ihre Charaktere haben sollten. Wenn ich einen Spieler habe, der bei L5R einen Diplomaten spielt, dann werde ich ihn ausreichend über die Etiquette Rokugans informieren.
Wenn er etwas absurdes tut, dann werde ich ihn darüber informieren und ihm die Möglichkeit geben, seine Handlung anders darzustellen. Ich kann einfach von niemandem erwarten, dass er sich auf Anhieb in die rokuganischen Gesellschaftsregeln einfindet. Ich werde natürlich sukzessive strenger, je länger er den Charakter spielt und sich dementsprechend auskennen sollte.
Und was für rokuganische Gesellschaftsregeln gilt, das kann auch für Physik, Medizin, Bilogoie, Architektur und Wasweißich gelten. Hinzu kommt, das bestimmte, unrealistische Dinge, in manchen Settings okay sind, wenn sie cool sind.
Kurz: P&P RPG ist ein Spiel, das auf Kommunikation basiert. Ich erwarte also, dass ein Spieler kommunizieren kann. Daher ist es okay, von einem Spieler zu verlangen, dass er sich ausdrücken kann, wenn sein Charakter das kann.
Schwertkampf ist nicht Teil der Anforderung. Darum wird Schwertkampf eher mit dem Würfel simuliert und Kommunikation eher weniger.
Als Beispiel: LARP. Hier wird Schwertkampf nicht mit dem Würfel simuliert, sondern muss ausgespielt werden. Wer es kann, darf es spielen. Magie wird durch Regeln simuliert, weil niemand zaubern kann.
Es wird immer das simuliert, was nicht ausspielbar ist, und ausgespielt, was ausspielbar ist und zwar soweit es geht. Denn so macht mir das Spiel am meisten Spaß.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 30.05.2010 | 02:41
So, was ist aber wenn es sich nicht plausibel anhört? Kann man dann noch würfeln, um den Konflikt doch noch zu seinen Gunsten zu entscheiden? Würde ich dann zumindest erlauben.

Herausforderungen:

Ich würde erstmal klarstellen was auf dem Spiel steht, also welche negativen Konsequenzen drohen und je nach dem die Auseinandersetzung mehr zuspitzen, indem ich zuerst Fertigkeiteneinsatz zur Vorbereitung und dann Durchführung verlange. Das geschieht dann idealerweise durch mehrere Würfe auf diverse Sozialfertigkeiten. Je gefährlicher das Vorhaben, desto eher würde ich eine Fähigkeit zur Rettung des Charakters würfeln lassen, irgendwas zum Entkommen/Verstecken.
Selbstverständlich werden die Aktionen dann auch ausgespielt. Aber eben nicht ausschließlich.
Aus dem Ausspielen allein ergibt sich noch keine Wirkung, es ist vielmehr Grundvoraussetzung für das Rollenspiel.

Nur je nach Laune kann das auch kürzer ausfallen. Längere Monologe hört niemand gerne.


Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 03:19
Also, wenn eine ganze Reihe Interaktionen am Stück vorkommen (z.B. jeden geladenen Gast einer Feier anzugraben, um als seine Begleitung hineinzukommen, oder jeden Händler abzuchecken, ob er evtl. Schmuggelwaren vertitscht) dann wird n-mal gewürfelt.
Wenn es um wichtige oder besondere Ereignisse geht (der Barde hat endlich mal einen echten Gig, die Truppen müssen vor der Entscheidungsschlacht motiviert werden, bei der Volksabstimmung zur Staatsform möchte ein Charakter für die Rätedemokratie sprechen) dann knn der Spieler je nach eigenem Temperament ein Exposeé umreißen oder eine selbstverfaßte Rede vortragen - diese geben dann ja nach Qualität einen Modifikator.
 
Aber einen Zwang zu wörtlicher, improvisierter Rebe gibt es nur in direkten Gespräch mit Mit-charakteren und persöhnlichen NPCs des SLs.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 03:37
Bei der Eingangsfrage geht es ja eher um soziale Interaktion.

Mich würde aber mal interessieren, wie ihr es bei einem Detektivabenteuer handhabt:
Gibt es einen Wurf auf "Ermittlungen" oder spielt ihr die Ermittlung aus?

Und wie sieht es bei Intrigen aus?
Gibt es einen Wurf auf "Politische Intrige" oder spielt ihr die Intrige aus?

Ich finde, man kann ganz gut ein "Ereignis-Atom" (ein Angriff, eine Suche nach Spuren an einem Ort, ein Thema eines Gesprächs mit einer Person) definieren, das mit einem Wurf abzuhandeln ist, und jede Verkettung von mehreren dieser Atome benötigt einen vom Spieler ausformulierten Plan; ein Intrige bestünde dann aus einem großen PLan und 20 Würfen auf Gespräche, Dokumente Entschlüsseln, Gerüchte ausstreuen, fälschen, etc., die und deren Zusammenspiel jeweils vom Spieler erdacht werden müssen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 03:47
Ja, das kenne ich mir ist vorgeworfen worden ich benutze zu viele indirekte Rede. Wobei ich nicht verstehen kann was an "Wir bitten höflich um Vorlass und berichten dann dem Zuständigen was uns passiert ist" schlecht sein soll... Nochmal einen Erlebnisbericht für den SL abgeben? Wieso das denn?

 ;D ...wir hatten da in eine Gruppe immer die Floskel "Bla-Blubb" für einen Standrd-Bericht.

Interessant wird die Frage immer, wenn man nciht jedem die ganze Wahrheit erzählt, sondern eine unterschiedlichen Gesprächspartern unterschiedlie Dinge verschweigt bze. vorlügt.

Zitat
Aber mal ehrlich, könnt Ihr das z.B. Spaniche Hofzeremoniell? Nein, aber einen König anreden tut Ihr trotzdem...

Da kommen dann solche Perlen wie "Mahlzeit, König!"   ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 03:51
Das macht mMn ein weiteres Fass auf: Soll man SCs mit sozialen Aktionen/Fertigkeiten "manipulieren" dürfen?

Klar, warum nciht, man darf sie ja auch bezaubern, mit Liebestränken willig machen, unter Drogen setzen, bestehlen, umbringen, in die Sklaverei verkaufen...
...brint zwar böses Blut in die Gruppe, aber es sind nunmal nicht immer alle "best buggies forever".
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 04:15
Für den hochgebildeten Höfling will ich aber eine entsprechende Darstellung - und wer einfach nicht umhin kommt, seinen Gegenüber rhetorisch auf die Füße zu treten, sollte keinen Diplomaten spielen.

Damit verbietest Du aber Spielern, denen das weniger liegt, diese Art von Charakter, während jeder Depp einen MAgier und jeder Schwachmat einen Kreiger spielen darf.
Finde in nunwieder unschön, die Nebenwirkung...
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 04:19
Kurz: P&P RPG ist ein Spiel, das auf Kommunikation basiert. Ich erwarte also, dass ein Spieler kommunizieren kann. Daher ist es okay, von einem Spieler zu verlangen, dass er sich ausdrücken kann, wenn sein Charakter das kann.
Schwertkampf ist nicht Teil der Anforderung. Darum wird Schwertkampf eher mit dem Würfel simuliert und Kommunikation eher weniger.
Als Beispiel: LARP. Hier wird Schwertkampf nicht mit dem Würfel simuliert, sondern muss ausgespielt werden. Wer es kann, darf es spielen. Magie wird durch Regeln simuliert, weil niemand zaubern kann.
Es wird immer das simuliert, was nicht ausspielbar ist, und ausgespielt, was ausspielbar ist und zwar soweit es geht. Denn so macht mir das Spiel am meisten Spaß.

Nun ist für den einen aber ganz anderes 'ausspielbar' als für den anderen....
...und somit führt es eben zu unschönen 'Berufsverboten'.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teijakool am 30.05.2010 | 09:13
Erst wird ausgespielt, wie man sich das vorstellt, und danach wird auf das entsprechende gewürfelt (Bluff, Diplomatie...), um zu schauen, wie gut der SC das umsetzen kann.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 13:47
@ Adanos
Und kommt es bei euch auch auf die Fähigkeiten der Spieler an?
Sprich: Werden bei euch nur die SCs gefordert oder werden die Spieler auch gefordert?

Weil so, wie du es beschrieben hast, klingt es mehr nach Glücksspiel denn nach Herausforderung. (Für die Spieler. Für die SCs ist es ingame natürlich eine Herausforderung.)

Damit verbietest Du aber Spielern, denen das weniger liegt, diese Art von Charakter, während jeder Depp einen MAgier und jeder Schwachmat einen Kreiger spielen darf.
Naja, ein Magierspieler sollte sich schon mit den Magieregeln auskennen. Und ein Kriegerspieler sollte sich mit den Kampfregeln auskennen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 14:01
Damit verbietest Du aber Spielern, denen das weniger liegt, diese Art von Charakter, während jeder Depp einen MAgier und jeder Schwachmat einen Kreiger spielen darf.
Finde in nunwieder unschön, die Nebenwirkung...
Das ist natürlich grundsätzlich richtig - aber ganz ehrlich: Wenn ich nicht Slprache umgehen kann, will ich dann wirklich einen Charakter Spielen, bei dem ich das können muss? Ist das nicht für Spieler und Mitspieler auf Dauer eher frustrierend? Beim P&P lass ich es mir noch eingehen, denn da können ja die Mitspieler dem Spieler unter die Arme greifen und ihm Tipps geben.
Anders: Ich spiele schon seit etwa acht Jahren LARP. Unsere Orga spielt nach DKWDDK - Du kannst, was du darstellen kannst. Ich sehe keinen Grund, warum das beim P&P anders sein sollte.
Die Möglichkeiten, beim P&P darzustellen sind halt andere - hier muss ich meinen Krieger erzählerisch gut darstellen, nicht körperlich. Kurz: Es geht darum, was ich bei dem betreffenden Medium angemessen rüberbringen kann und diese Möglichkeiten sollte ich zumindest großteils erfüllen.
Rollenspiel ist nunmal ein kommunikatives Hobby und daher haben Spieler mit kommunikativen Talenten mehr Möglichkeiten, genau wie beim Klettern solche Leute mit ausgeprägten körperlichen Fähigkeiten besser dran sind.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Spieler, die sozial kompetente Charaktere über lange Zeit spielen, auch ihre Fähigkeiten zumindest in der Darstellung über längere Zeit verbessern - besonders, wenn jemand da ist, der ihnen hin- und wieder Tipps gibt.

Also kurz: Es kann nicht jeder alles und darum sollte auch nicht jeder alles tun.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 30.05.2010 | 14:45
Das ist natürlich grundsätzlich richtig - aber ganz ehrlich: Wenn ich nicht Slprache umgehen kann, will ich dann wirklich einen Charakter Spielen, bei dem ich das können muss?
Wenn man eine gute / zivilisierte Gruppe hat muss man als Diplomat die Sprache nicht mehr beherrschen als der Kämpfer tatsächlich tun können muss.

Es frustriert auch keinen Spieler wenn die Mitspieler es da schaffen ihre Kompetenzen zurück zu halten wie in anderen Bereichen.

Zitat
Also kurz: Es kann nicht jeder alles und darum sollte auch nicht jeder alles tun.
Imho geht es mit unter anderem beim Rollenspiel darum Dinge zu tun die man sonst eben nicht kann.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 15:29
Imho geht es mit unter anderem beim Rollenspiel darum Dinge zu tun die man sonst eben nicht kann.
Und für mich ist das Rollenspiel in erster Linie ein Spiel.

Das heißt, ich als Spieler werde herausgefordert:
- Wenn ich Schach spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Go spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Diplomacy spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Und wenn ich einen Diplomaten spiele und das nicht kann, verliere ich auch.

Wenn man etwas unbedingt spielen will, ohne andauernd zu verlieren, muss man eben besser werden. Das ist bei jedem Spiel so. (Ausnahme Glücksspiele) Warum sollte es ausgerechnet beim Rollenspiel anders sein?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 30.05.2010 | 16:25
Genau, fragt die Leute, ob sie gute Liebhaber oder Autofahrer sind ... , und beim Rollenspiel sollen ähnliche oder noch vaagere Beurteilungen plötzlich funktionieren, über zum Teil heftige Kultur- und sonstige Grenzen hinweg, welche die Spieler von ihren Charakteren und deren Lebenswelten trennen?

Alleine der Gedanke zeigt, dass einige wohl bei weitem nicht in der Lage sind eben diese Charakterdarstellung zu leisten, da sie ja offensichtlich schon die grundlegende Problematik dahinter nicht erkennen - aber sehr von sich überzeugt sind.

Entsprechend blöde sind auch Vergleiche mit "Leistung" im kompetiven Spiel. Da gibt es entsprechende Regeln um Leistung d.h. gewinnen zu bestimmen. Hier wird es ein Wettbewerb um die Gunst oder Vorstellung des (oder Beliebtheit beim)  Spielleiters. Ist der z.B. in der Sache unbeleckt, dann könnte die Darbietung angenommenerweise noch so viel Substanz haben, die geht einfach verloren.

Die Darstellung des Spielers kann daher immer nur Beispiel- und Intentionsdarstellungs-  (und natürlich Unterhaltungs-) charakter haben. Die Übertragung in die Spielwelt und damit die Resultatsfindung muss aber über die Charakterfertigkeiten und die Spielweltbedingungen geschehen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 30.05.2010 | 16:35
Letztens bei unserer WHFRPG Runde hat mein Charakter versucht die Dörfler zu überreden sich gegen das "Böse (TM)" aufzulehnen, das nach und nach die Kinder in den See gezogen hat.
Ich habe eine inspirierende Rede gehalten und die Dörfler haben gegen das Übel gekämpft. - Wir haben nicht gewürfelt.

Im Nachhinein wünschte ich mir wir hätten auf Charm würfeln lassen.
Denn im Nachhinein frage ich mich: "Hätte das mein Charakter eigentlich hin bekommen?"
So retrospektiv finde ich das sehr unbefriedigend. Denn hätte das nicht geklappt, dann hätten wir uns eben was anderes einfallen lassen müssen und es wäre vlt alles ganz anders gelaufen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 16:44
Genau, fragt die Leute, ob sie gute Liebhaber oder Autofahrer sind ... , und beim Rollenspiel sollen ähnliche oder noch vaagere Beurteilungen plötzlich funktionieren, über zum Teil heftige Kultur- und sonstige Grenzen hinweg, welche die Spieler von ihren Charakteren und deren Lebenswelten trennen?
Nein!
- Frage den Beifahrer, ob du ein guter Autofahrer bist.
- Frage deinen Freund/deine Freundin, ob du ein guter Liebhaber bist.
- Frage deinen SL, ob du ein guter Diplomat bist.

Natürlich soll man sich nicht selber beurteilen. Die Beurteilung findet immer über andere statt.

Zitat
Hier wird es ein Wettbewerb um die Gunst oder Vorstellung des (oder Beliebtheit beim)  Spielleiters. Ist der z.B. in der Sache unbeleckt, dann könnte die Darbietung angenommenerweise noch so viel Substanz haben, die geht einfach verloren.
Wie ich schon sagte: SL und Spieler sollten ungefähr auf der gleichen Wellenlänge sein. (Um ein vernünftige Beurteilung beim Liebesleben zu erhalten, sollten die beiden Partner auch auf der gleichen Wellenlänge sein.)

Zitat
Die Darstellung des Spielers kann daher immer nur Beispiel- und Intentionsdarstellungs-  (und natürlich Unterhaltungs-) charakter haben.
Wieso?
Entweder der SL ist überzeugt oder er ist nicht überzeugt.
Wieso sollte ich darstellen, wie ich jemanden überzeuge, wenn ich stattdessen direkt überzeugen kann? (Bzw. wieso sollte ich versuchen, darzustellen, wie ich jemanden überzeuge, wenn ich auch direkt versuchen kann, jemanden zu überzeugen.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 16:48
Genau, fragt die Leute, ob sie gute Liebhaber oder Autofahrer sind ... , und beim Rollenspiel sollen ähnliche oder noch vaagere Beurteilungen plötzlich funktionieren, über zum Teil heftige Kultur- und sonstige Grenzen hinweg, welche die Spieler von ihren Charakteren und deren Lebenswelten trennen?

Alleine der Gedanke zeigt, dass einige wohl bei weitem nicht in der Lage sind eben diese Charakterdarstellung zu leisten, da sie ja offensichtlich schon die grundlegende Problematik dahinter nicht erkennen - aber sehr von sich überzeugt sind.

Entsprechend blöde sind auch Vergleiche mit "Leistung" im kompetiven Spiel. Da gibt es entsprechende Regeln um Leistung d.h. gewinnen zu bestimmen. Hier wird es ein Wettbewerb um die Gunst oder Vorstellung des (oder Beliebtheit beim)  Spielleiters. Ist der z.B. in der Sache unbeleckt, dann könnte die Darbietung angenommenerweise noch so viel Substanz haben, die geht einfach verloren.

Die Darstellung des Spielers kann daher immer nur Beispiel- und Intentionsdarstellungs-  (und natürlich Unterhaltungs-) charakter haben. Die Übertragung in die Spielwelt und damit die Resultatsfindung muss aber über die Charakterfertigkeiten und die Spielweltbedingungen geschehen.
Das ist nur eine Möglichkeit. Resultatsfindung kann sehr wohl auch anhand der Beurteilung der Darstellung durchgeführt werden.
Und der Vergleich mit kompetativen Spielen ist nicht wirklich weit her geholt. Zwar ist Rollenspiel häufig (aber auch nicht immer) eher kooperativ, in beiden Fällen aber gilt es, eine Herausforderung zu meistern - im kompetativen Umfeld den Gegner bezwingen, im kooperativen Umfeld, zusammen mit der Gruppe eine festgelegte Herausforderung zu überwinden.
Tendenziell ist beim Rollenspiel dabei eine gelungene Darstellung erstens hilfreich und zweitens Zielführend.
Um hier nochmal deutlich zu werden:
Ich verbiete niemandem, etwas zu spielen. Aber wenn es jemand darstellen kann, muss er weniger würfeln und trägt einfach mehr zum Spielspaß der Gruppe bei.
Letztens bei unserer WHFRPG Runde hat mein Charakter versucht die Dörfler zu überreden sich gegen das "Böse (TM)" aufzulehnen, das nach und nach die Kinder in den See gezogen hat.
Ich habe eine inspirierende Rede gehalten und die Dörfler haben gegen das Übel gekämpft. - Wir haben nicht gewürfelt.

Im Nachhinein wünschte ich mir wir hätten auf Charm würfeln lassen.
Denn im Nachhinein frage ich mich: "Hätte das mein Charakter eigentlich hin bekommen?"
So retrospektiv finde ich das sehr unbefriedigend. Denn hätte das nicht geklappt, dann hätten wir uns eben was anderes einfallen lassen müssen und es wäre vlt alles ganz anders gelaufen.
Das ist eben die Frage: Hast du deinen Charakter angemessen dargestellt? Wenn er eine relativ gute Chance hatte, den Wurf zu schaffen, war es also für den Charakter angemessen, dass er eine inspirierende Rede hält, dann ist Würfeln in Anbetracht der guten Darstellung überflüssig.
Hätte er per se eigentlich keine besonders hohe Chance, die Rede zu halten, dann hättest du die Rede auch nicht so ausspielen sollen.
Ich vermute einfach mal ins Blaue, dass das "unbefriedigende" an der Sache eher ist, dass du vermutest, dass der SL von Anfangan geplant hat, dass ihr es schafft, die Leute auf eure Seite zu ziehen, euch also die Möglichkeit des Scheiterns und damit die Herausforderung und damit das Gefühl des Erfolgs vorenthalten wurde. Deine Rede war also nicht Erfolgreich, weil du Glück hattest (guter Wurf) oder gut warst (gute Rede), sondern weil es im Plot so vorhergesehen war. Anders ausgedrückt: Railroading.

Nur so ein Schuß ins Blaue, ich war ja nicht dabei.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 30.05.2010 | 17:04
Nein!
- Frage den Beifahrer, ob du ein guter Autofahrer bist.
- Frage deinen Freund/deine Freundin, ob du ein guter Liebhaber bist.
- Frage deinen SL, ob du ein guter Diplomat bist.

Natürlich soll man sich nicht selber beurteilen. Die Beurteilung findet immer über andere statt.
Wie ich schon sagte: SL und Spieler sollten ungefähr auf der gleichen Wellenlänge sein. (Um ein vernünftige Beurteilung beim Liebesleben zu erhalten, sollten die beiden Partner auch auf der gleichen Wellenlänge sein.)
Wieso?
Entweder der SL ist überzeugt oder er ist nicht überzeugt.
Wieso sollte ich darstellen, wie ich jemanden überzeuge, wenn ich stattdessen direkt überzeugen kann? (Bzw. wieso sollte ich versuchen, darzustellen, wie ich jemanden überzeuge, wenn ich auch direkt versuchen kann, jemanden zu überzeugen.)

Es ist aber nicht der Spieler, der den Spielleiter überzeugen soll, sondern der Charakter einen anderen Charakter - eben die Leute, deren Rollen man zu übernehmen versucht, die man aber bei weitem nicht wirklich ist. Das läuft auf einer ganz anderen Ebene ab, spielt kulturelle Vorstellungsstrukturen, Gewohnheiten, Fertigkeiten sowie einen Haufen weiterer z.t unterbewußter Einflüsse aus der Erfahrung der beteiligten Charaktere sowie zu einem guten Teil auch nichtsprachliche Effekte an.
Das ist eine ganz andere Ebene.
Es ist insbesondere nicht der Mitspieler Adressat, sondern auf Metaebene erfolgt eine Aushandlung über die jeweilige Handlungsqualität der Figur anhand der imaginären Beteiligten. Und da treffen dann Selbstbeurteilung mit einer Fremdbeurteilung für andere (d.h. für die NSCs des SL oder SCs der Mitspieler) zusammen.

Entsprechend der Komplexität und der nötigen Übertragung auf die jeweilige innere Vorstellung des Gesagten wird man auch kaum eine längere Übereinstimmung zwischen den Parteien finden, insbesondere, da man halt nicht eine lange eingespielte Gruppe als Norm sehen kann. Und selbst mit Regelunterstützung bleibt solche soziale Interaktion komplex genug, dass man da immer wieder weiteren Kommunikationsaufwand treffen muss und gefährdet ist, so etwas zu verhauen, wenn man das als Selbstläufer sieht.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 30.05.2010 | 17:11
Das ist eben die Frage: Hast du deinen Charakter angemessen dargestellt? Wenn er eine relativ gute Chance hatte, den Wurf zu schaffen, war es also für den Charakter angemessen, dass er eine inspirierende Rede hält, dann ist Würfeln in Anbetracht der guten Darstellung überflüssig.
Hätte er per se eigentlich keine besonders hohe Chance, die Rede zu halten, dann hättest du die Rede auch nicht so ausspielen sollen.
Naja weist du ich denke mein Charakter hätte das sicherlich nicht so blumig gesagt wie ich.
Aber die Logik ist ne ganz Simple. "Leute wollt ihr mit zusehen wie eure Kinder eins nach dem Andern in den See laufen?"

Der springende Punkt ist eher der, die Leute wollten sich nicht gegen den Seegeist auflehnen, weil sie Fischer sind und sich dadurch ihre Lebensgrundlage zerstört hätten (so die Sache schief geht).
Das heißt da schlagen zwei Herzen in der Brust der Männer. Zum einen könnte ihr Kind das nächste sein, zum Anderen könnte aber auch ihr Kind eines von denen sein, das dem Lockruf widersteht.

Und genau das ist halt der Punkt. Die Leute waren sich schon im Klaren über das was mein Charakter ihnen da erzählt hat und sie wollten ja auch ... aber zum Anderen halt doch nicht.
Und dann kommt da ein 16 jähriger Jüngling mit 2 Elfen und nem Soldaten daher und sagt ihnen das so ins Gesicht.
Ich denke halt, dass da zwei Reaktionen möglich sind:
a) Wenn da jemand kommt, der eigentlich gehen könnte und für uns bereit ist sein Leben zu riskieren - können wir dann einfach so rum sitzen und zu sehen wie unsere Kinder sterben?
b) Der Typ hat noch nicht mal nen richtigen Bartwuchs und meint es besser zu wissen als wir - soll er sich doch verpissen!

Und genau deswegen denke ich, dass da ein Charm Wurf hin gehört hätte (die Idee ist mir aber auch erst später gekommen) weil man die Leute hier nicht mit reiner Logik überzeugen kann sondern ihr Herz ansprechen muss - und dazu braucht man nicht unbedingt nen brillanten Redner.

Zitat
Ich vermute einfach mal ins Blaue, dass das "unbefriedigende" an der Sache eher ist, dass du vermutest, dass der SL von Anfangan geplant hat, dass ihr es schafft, die Leute auf eure Seite zu ziehen, euch also die Möglichkeit des Scheiterns und damit die Herausforderung und damit das Gefühl des Erfolgs vorenthalten wurde.
Deine Rede war also nicht Erfolgreich, weil du Glück hattest (guter Wurf) oder gut warst (gute Rede), sondern weil es im Plot so vorhergesehen war. Anders ausgedrückt: Railroading.

Nur so ein Schuß ins Blaue, ich war ja nicht dabei.
Äh nein.
Ziemlich sicher nicht.
Das war eher so ein Gesichtsausdruck. "Ich glaub das jetzt zwar nicht aber ich lass es mal durchgehen um euch nicht den Spaß zu versauen!"

Äh nein das Railroading kam später.
Dadurch das wir die Sirene tot geklopft hatten ist uns ne Information durch die Lappen gegangen (ein Wappen auf einem Schild in ihrer Höhle).
Dieses Wappen wurde uns dann halt in einem Buch präsentiert - damit wir trotzdem weiter kommen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 17:21
@ Marzaan
Klar soll der SC einen NSC überzeugen.
Aber hier spielen wir Narrative Truth: Wenn man sagt, dass etwas so ist, dann ist das auch so. (Vorausgesetzt, man hat outtime das Recht, die entsprechende ingame-Sache festzulegen.)

Sprich:
Das gleiche gilt natürlich auch für den Spieler:
Narrative truth halt. (Die Erzählung der Beteiligten legt fest, wie es in der Spielwelt aussieht. Wenn man erzählt, dass in der Spielwelt ein bestimmter Sachverhalt so ist, dann ist er dort auch so.)
Und je nach Stärke des Player Empowerment haben die Spieler mehr Narrative Truth oder weniger. (Aber der SL hat grundsätzlich eine ganze Menge davon.)

Naja weist du ich denke mein Charakter hätte das sicherlich nicht so blumig gesagt wie ich.
Wieso hast du es dann so blumig gesagt und nicht in den Worten, die auch dein SC verwendet hätte? (Es ist schließlich dein SC. Du weißt von allen Beteiligten am besten, welche Worte dein SC verwenden würde.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 30.05.2010 | 17:26
- Wenn ich Go spiele und das nicht kann, verliere ich.
Man hat aber ein Go Spiel und klare Regeln.
Ebenso hat man ein RPG Spiel und sein Charakter Sheet mit Würfeln.

Es ist wurscht ob ich mich am Go Tisch gepflegt verhalte, oder ob ich auf jede Kultur k*cke. Ich muss nicht mal taktisch gut sein, SunTzi gelesen haben, einen Schimmer von Strategie oder sonst was. Wenn ich irgendwo einen Stein hin setzte, muss ich die Stellung gar nicht mal ausgelesen habe, ich kann den da sogar böswillig hinsetzen, in der Hoffnung das mein Gegner einen Fehler macht, obwohl ich weiß das die Situation zu komplex ist oder eher so lala weil ich denke das es einfach cool aussieht, zum probieren.

Aber beim Rollenspiel heißt es dann das ich Charaktere nicht so spielen darf wie es den Regeln eigentlich nach möglich ist, sondern nur das was ich darstellen kann und wo ich das komplette Wiissen habe.

Ist doch ne Ecke weit absurd.
Das wäre als würde man im Go mir vorschreiben wo ich hinsetzten soll und der Gegenüber der besser in Taktik ist kriegt noch einen Bonus.

Zitat
Wenn man etwas unbedingt spielen will, ohne andauernd zu verlieren, muss man eben besser werden.
Geht aber in deinem Szenario nicht mehr.
Weil es egal ist ob ich den schlechten Wert auf dem Charakterblatt habe oder einen phantastischen. Solange ich außerhalb des Spiels zu keinem Genie werde kann ich deiner Argumenation nach wissenschaftlich orientierte Chars vergessen, und wenn ich rethorisch nicht allzu geschliffen bin die sozialen Charaktere.

Dann ist es eben kein Spiel mehr, sondern eine reine Egoprojektion der Leute mit ihren RL Expertisen die mit den Spiel respektive den Spielregeln nichts mehr zu tun hat.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 17:49
Man hat aber ein Go Spiel und klare Regeln.
Stimmt schon. Aber Go war ja auch nur ein Beispiel und kein Analogon.
Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Go und RPG.

Worauf es mir ankam:
Wenn der Spieler gut ist, dann gewinnt er.
Wenn der Spieler schlecht ist, dann verliert er.

Das Go wesentlich stärker verregelt ist als RPG, streite ich auch gar nicht ab. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, dass man gut sein muss, wenn man etwas spielt und gewinnen will. Egal, ob die Sache stark verregelt oder überhaupt nicht verregelt ist.

Zitat
Aber beim Rollenspiel heißt es dann das ich Charaktere nicht so spielen darf wie es den Regeln eigentlich nach möglich ist, sondern nur das was ich darstellen kann und wo ich das komplette Wiissen habe.
Äh, jetzt verwechselst du etwas:
In meiner Runde darfst du den SC spielen wie du willst. (Du darfst deine Steine quasi hinsetzen, wo du willst, auch wenn es blöd ist.)

Es ist die Würfelfraktion, bei der du den SC nicht spielen darfst, wie du willst, sondern dich nach den Würfeln zu richten hast.
Bei mir müsstest du dich nicht nach Würfeln richten, sondern dürftest ihn tatsächlich so spielen, wie du willst. (Egal, was irgendwelche blöden Würfel sagen.)

Zitat
Das wäre als würde man im Go mir vorschreiben wo ich hinsetzten soll und der Gegenüber der besser in Taktik ist kriegt noch einen Bonus.
wtf?

Wenn du unbedingt ein Go-Analogon willst:
Ohne Würfeln:
Du darfst den Stein hinsetzen wo du willst. Wenn du ihn an einer blöden Stelle hinsetzt, dann verlierst du.
Wenn du deine Steine an eine gute Stelle hinsetzt, dann gewinnst du.

mit Würfeln:
Du musst würfeln. Wenn du den Wurf gewinnst, musst du die Steine an eine intelligente Stelle sitzen und gewinnst. (Alternativ gewinnst du, egal wo du den Stein hinsetzt.)
Wenn du den Wurf verkackst, musst du den Stein an eine blöde Stelle hinsetzen und verlierst. (Alternativ verlierst du, egal wo du den Stein hinsetzt.)

Ohne Würfeln besagt: "Ich mache dir keinerlei Vorschriften. Du kannst tun und lassen, was du willst. Wenn du intelligent bist, wirst du gewinnen. Und wenn du dich blöd anstellst, wirst du verlieren."

Und diese Aussage trifft sowohl auf Go zu als auch auf RPG, wie ich es spiele.

Zitat
Solange ich außerhalb des Spiels zu keinem Genie werde kann ich deiner Argumenation nach wissenschaftlich orientierte Chars vergessen, und wenn ich rethorisch nicht allzu geschliffen bin die sozialen Charaktere.
Liest du überhaupt was ich schreibe? ::)

Extra für dich zum dritten Mal:
Ich verweise einfach mal auf meinen Post #155 (http://tanelorn.net/index.php/topic,55408.msg1117536.html#msg1117536):
"Allgemein kann man die Erfolgs-Misserfolgs-Rate anpassen, indem der SL Ideen strenger bzw. weniger streng bewertet."

Und ich hatte dich Teylen schonmal auf diesen Satz hingewiesen. Bitte, bitte lese ihn, bevor du erneut behauptest, man müsse eine Sache studiert haben, bevor man es spielen kann. (Und wenn du diesen Satz von mir nicht verstehst, frage nach. Aber behaupte nicht immer wieder, in Eulenspiegels Spielstile können nur Wissenschaftler auch Wissenschaftler spielen, obwohl ich dich bereits darauf hingewiesen habe, dass das falsch ist und auf Eulenspiegels Spielstil nicht zutrifft.)

Zitat
Dann ist es eben kein Spiel mehr, sondern eine reine Egoprojektion der Leute mit ihren RL Expertisen die mit den Spiel respektive den Spielregeln nichts mehr zu tun hat.
Spielregeln sind das, auf das sich die Gruppe geeinigt hat. (Genaugenommen sind es die Regeln, auf die man sich geeinigt hat und die den Spielverlauf regeln.)

Spielregeln können schriftlich fixiert sein, sie können aber auch nur verbal vereinbart worden sein. Das ist für ein Spiel egal. Hauptsache, sie sind allen der Runde bekannt und sie haben zugestimmt, sich an diese Regeln zu halten.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 30.05.2010 | 18:45
Worauf es mir ankam:
Wenn der Spieler gut ist, dann gewinnt er.
Wenn der Spieler schlecht ist, dann verliert er.
Richtig, worin der Spieler gut oder schlecht ist.
Nicht worin die Spielfigur des Spielers gut oder schlecht ist.

Dann kann man imho den Charakter auch gleich streichen.
Nur ist das was dann raus kommt imho kein RPG mehr.

Zitat
Das Go wesentlich stärker verregelt ist als RPG, streite ich auch gar nicht ab.
Das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist das es im RPG Werte gibt die das Können der Spielfigur beschreiben.
Nur hebelt dein Vorschlag das aus.

Um die Analogie zu bemühen, und an der stelle ist es tatsächlich ein Bemühen.
Es wäre als wenn man Go spielt, nach normalen Regeln, und dann hat man eine Stellung wo man gerne hinsetzen würde, bevor du aber setzt, schnappt ein Dan Spieler dich, und wenn du es dann nicht gut erklären kannst verbietet er dir wahlweise da hin zu setzten oder steckt dem Gegner den perfekten gegen zu.

Zitat
Es ging darum, dass man gut sein muss, wenn man etwas spielt und gewinnen will.
Nein.
Es geht nicht nur um das Gewinnen.
Es geht sowohl darum das Spieler die die Fähigkeit im RL nicht haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben entsprechend zu "gewinnen" wenn es das Charblatt her gibt als auch das Spieler die die Fähigkeit haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben zu verlieren wenn es das Charblatt entsprechend her gibt.

Zitat
In meiner Runde darfst du den SC spielen wie du willst. (Du darfst deine Steine quasi hinsetzen, wo du willst, auch wenn es blöd ist.)
Man darf vielleicht versuchen zu spielen was man will, aber es bringt nichts.
Angenommen ich wollte einen charismatischen, redegewandten Charakter spielen aber weil du jetzt angenommen total redegewandt bist und mir so etwas von über bist brächte es rein überhaupt gar nichts weil ich könnte dem Charakter bei der Erschaffung noch so tolle Werte geben, er würde noch vom herab gekommensten NSC in Punkte Charisma und Redegewandtheit geownt.

Spielleiter-/Spielerwillkür par excellence.

Zitat
Es ist die Würfelfraktion, bei der du den SC nicht spielen darfst, wie du willst, sondern dich nach den Würfeln zu richten hast.
o.O
Also ich erwarte das ein Charakter durch Werte (und Würfel) beschrieben wird.
Was er kann und was er nicht kann.
Deshalb spiele ich doch RPG und kein Foren-Free-Form Zeugs.

Anstelle irgendwelchen Willkür kram der sich an RL Fähigkeiten orientiert.

Zitat
Liest du überhaupt was ich schreibe? ::)
Ja.

Zitat
"Allgemein kann man die Erfolgs-Misserfolgs-Rate anpassen, indem der SL Ideen strenger bzw. weniger streng bewertet."
Was nun nichts direkt damit zu tun hat worüber wir hier schreiben.

Ansonsten habe ich nicht behauptet das deinen Spielstil nur Wissenschafler spielen können.
Ich behaupte das dein Spielstil danach klingt das es bei dir am Spieltisch nicht möglich ist einen Charakter zu spielen wenn dieser eine Expertise hat, auf dem Charblatt, in welcher der Spieler im RL schlechter ist als ein Mitspieler, alle Mitspieler oder vielleicht gar keine Ahnung hat.

Bezogen auf LARP gab es da z.B. eine Runde bei der ich im Forum lass das eine Spielerin sich eine Freude daraus macht sämtliche Mitspieler die eine bestimmte Sprache nicht beherrschen obwohl sie es vom Char Hintergrund können müßten und der Char es auch per Bogen kann, in eben dieser anzusprechen - und das dann so zu handhaben als könnte der Char die Sprache eben nicht.
Kann man machen, hat m.E. aber dann nicht mehr viel mit RPG zu tun.

Zitat
Spielregeln sind das, auf das sich die Gruppe geeinigt hat. (Genaugenommen sind es die Regeln, auf die man sich geeinigt hat und die den Spielverlauf regeln.)

Spielregeln können schriftlich fixiert sein, sie können aber auch nur verbal vereinbart worden sein. Das ist für ein Spiel egal. Hauptsache, sie sind allen der Runde bekannt und sie haben zugestimmt, sich an diese Regeln zu halten.
Und mit diesem allgemeinen Einwurf magst du nun was genau zur Diskussion beitragen?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 19:10

Nein.
Es geht nicht nur um das Gewinnen.
Es geht sowohl darum das Spieler die die Fähigkeit im RL nicht haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben entsprechend zu "gewinnen" wenn es das Charblatt her gibt als auch das Spieler die die Fähigkeit haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben zu verlieren wenn es das Charblatt entsprechend her gibt.
Man darf vielleicht versuchen zu spielen was man will, aber es bringt nichts.
Angenommen ich wollte einen charismatischen, redegewandten Charakter spielen aber weil du jetzt angenommen total redegewandt bist und mir so etwas von über bist brächte es rein überhaupt gar nichts weil ich könnte dem Charakter bei der Erschaffung noch so tolle Werte geben, er würde noch vom herab gekommensten NSC in Punkte Charisma und Redegewandtheit geownt.
Das ist aber nur so, wenn du einen bösartigen SL hast - und mit so jemandem, pardon, würde ich sowieso nicht spielen. Ich glaube auch, dass das eines von Eulenspiegels Hauptargumenten ist: Wenn ich einen generell wohlwollenden SL habe, dann muss ich kein Experte sein, sondern es reicht, wenn ich mich nicht komplett bescheuert anstelle.
Bei mir:
1) Kann ein spieler jederzeit einen Wurf einfordern. Er sagt dann: "Ich will das nicht ausspielen, lass mich würfeln." Dann entscheiden Wert und Würfel.
2) Wenn ein Spieler etwas tut, was in Anbetracht seines Spielwertes vollkommen absurd wäre (z.B. wenn der hochspezialisierte Mediziner einen Druckverband am Hals anbringen will oder der Waldläufer einen roten Pilz mit weißen Punkten verputzen möchte oder ein L5R-Samurai sein Wakizashi liegen lässt und sagt: Ich kauf mir einfach beim nächsten Schmied ein neues) dann sage ich ihm, dass er das aufgrund seines Ingame-Wissens so wohl kaum tun wird. Auf Selbstverständlichkeiten lasse ich nicht würfeln.
3) Auch wenn ich jemandem rhetorisch haushoch überlegen wäre, würde der Bauern-NSC, den ich als SL gerade darstelle, seinen Charakter nicht in Grund und Boden reden: Weil ich sowohl meine NSCs als auch meine SCs versuche entsprechend ihrem Konezept zu spielen.



Bezogen auf LARP gab es da z.B. eine Runde bei der ich im Forum lass das eine Spielerin sich eine Freude daraus macht sämtliche Mitspieler die eine bestimmte Sprache nicht beherrschen obwohl sie es vom Char Hintergrund können müßten und der Char es auch per Bogen kann, in eben dieser anzusprechen - und das dann so zu handhaben als könnte der Char die Sprache eben nicht.
Kann man machen, hat m.E. aber dann nicht mehr viel mit RPG zu tun.
Erstens gilt bei LARP: Du kannst was du darstellen kannst. Wenn du die Sprache nicht sprichst, dann schreib sie nicht auf dein Charakterblatt. Ich kann nicht kämpfen, weil ich Probleme mit der Hand-Augen-Koordination habe. Also spiele ich keine Kämpfer.
Ich bin 172cm klein und wiege knapp 60 Kg. Also spiele ich keine Nordland-Barbaren, keine Schwarzorks und keine Zwerge. Und wenn ich eine Sprache OT nicht spreche, dann spreche ich sie nunmal auch nicht IT. Dazu ist es LARP und nicht LIVE.
Beim LIVE löse ich eine Kampfsituation mit Stein-Schere-Papier und spiele sie danach entsprechend dem Ergebnis nach. Bei LARP gewinnt der, der besser kämpfen kann. So einfach ist das.
Und was das dann nicht mit RPG zu tun haben soll, ist mir völlig schleierhaft.
Zweitens: Jemand, der es sich zum Ziel gesetzt hat, andere Leute vorzuführen, den ignoriere ich bestenfalls, schlimmstenfalls wird der Intime vergiftet, dann kann er den Rest des Cons bauchschmerzen ausspielen, denn für sowas hab ich kein Verständnis. Jemanden darauf hinzuweisen, dass er noch etwas lernen sollte, um seine Rolle besser zu spielen ist eine Sache, jemanden vorzuführen und zu demütigen eine ganz andere.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 19:13
Dann kann man imho den Charakter auch gleich streichen.
Nur ist das was dann raus kommt imho kein RPG mehr.
1) Nein, den SC kann man nicht streichen: Es ist schließlich die Figur, über die man handelt. Den SC zu streichen wäre so, als würde man bei Brettspielen die Pöppel streichen.

Wobei ich auch schonmal ein interessantes experimentelles RPG hatte, in denen es tatsächlich keine SCs, sondern nur NSCs gab.

2) Ich wusste gar nicht, dass du die Definitionshoheit hast und festlegst, was ein RPG sein darf und was nicht.

Aber von mir aus. Dann spiele ich halt kein RPG, sondern ein Erzählspiel. *schulterzuck*

Zitat
Der Punkt ist das es im RPG Werte gibt die das Können der Spielfigur beschreiben.
Nur hebelt dein Vorschlag das aus.
Schonmal "Engel - Arkana" gespielt? Dort gibt es solche Werte nicht.

Und auch bei Spielen, wo es Werte gibt, heißt das noch lange nicht, dass es auch für soziale und/oder wissenschaftliche Sachen Werte gibt.

Und auch wenn man ein Rollenspiel Erzählspiel spielt, in dem es Werte für soziale und wissenschaftliche Sachen gibt, heißt das noch lange nicht, dass sich der Spieler nach diesen Werten richten muss.
Ebenso können diese Werte deskriptiv sein und die Werte haben sich nach dem Spieler zu richten. (Nicht andersrum.)

Wie du siehst gibt es mehrere Möglichkeiten.

Zitat
Es wäre als wenn man Go spielt, nach normalen Regeln, und dann hat man eine Stellung wo man gerne hinsetzen würde, bevor du aber setzt, schnappt ein Dan Spieler dich, und wenn du es dann nicht gut erklären kannst verbietet er dir wahlweise da hin zu setzten oder steckt dem Gegner den perfekten gegen zu.
Ich verstehe dein Analogon nicht wirklich. Wo wird dir bei meinem Spielstil irgendetwas verboten? Du darfst tun und lassen, was du willst. (Du darfst deinen SC intelligent spielen und du darfst ihn dumm spielen. Du darfst ihn redegewandt aber auch plump spielen.)
Was entspricht bei meinem Brettspiel dein "Dan-Spieler verbietet dir etwas"?

Zitat
Es geht nicht nur um das Gewinnen.
Es geht sowohl darum das Spieler die die Fähigkeit im RL nicht haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben entsprechend zu "gewinnen" wenn es das Charblatt her gibt als auch das Spieler die die Fähigkeit haben eine Hohe Wahrscheinlichkeit haben zu verlieren wenn es das Charblatt entsprechend her gibt.
Also dafür, dass es nicht um gewinnen geht, schreibst du ziemlich häufig gewinnen und verlieren. ;D

Dem ersten Satz muss ich widersprechen. Dafür stimme ich dem zweiten Satz vollkommen zu. (Das ist im Prinzip genau das, was ich auch geschrieben habe.)

Zitat
Man darf vielleicht versuchen zu spielen was man will, aber es bringt nichts.
RICHTIG!

Wenn du eine Go-Lusche bist, darfst du zwar Go spielen, aber es bringt nichts.
Und wenn du eine rhetorische Lusche bist, darfst du zwar einen Diplomaten spielen, aber es bringt nichts. (Es sei denn, die gesamte Gruppe besteht aus Luschen und der SL passt das Niveau dementsprechend an.)

Wie ich schon schrieb: Wenn du etwas spielen willst und "gewinnen" willst, musst du gut darin sein.
Wenn es dir nicht ums gewinnen geht, kannst du auch als miserabler Spieler GO spielen.
Wenn es dir nicht ums gewinnen geht, kannst du auch als plumper Char einen Diplomaten spielen.

Aber in dem Augenblick, wo du gewinnen willst (sei es bei GO oder im RPG), musst du dich halt verbessern.

Zitat
Deshalb spiele ich doch RPG und kein Foren-Free-Form Zeugs.
Wenn wir mal einen kurzen Moment vergessen, dass du die Definitionshoheit für das Wort RPG hast:
1) Auch Foren-Free-Form Zeug ist RPG.

2) Egal, ob du Pen&Paper, LARP oder Foren-RPG spielst:
Du kannst alle drei Arten freeformen und du kannst auch bei allen drei Arten feste regeltechnische Werte hinzufügen. (Und Gerüchten zu Folge soll es sogar Kompromisse zwischen diesen beiden Extremen geben.)

Zitat
Ich behaupte das dein Spielstil danach klingt das es bei dir am Spieltisch nicht möglich ist einen Charakter zu spielen wenn dieser eine Expertise hat, auf dem Charblatt, in welcher der Spieler im RL schlechter ist als ein Mitspieler, alle Mitspieler oder vielleicht gar keine Ahnung hat.
Wie gesagt: Es kommt auf das Kompetenzniveau (der Spieler) an, auf dass sich die Gruppe geeinigt hat.

Wenn man sich darauf geeinigt hat, dass man ein niedriges Kompetenzniveau der Spieler annimmt, dann ist der SL entsprechend wohlwollend bei Ideen der Spieler und drückt auch schonmal ein Auge zu, obwohl er es eigentlich für falsch hält.

Zitat
Und mit diesem allgemeinen Einwurf magst du nun was genau zur Diskussion beitragen?
Damit will ich verdeutlichen, dass mein Spielstil eben doch RPG ist und dass mein Spielstil keine Egoprojektion ist.
Und damit will ich beitragen, dass es auch beim würfellosen Spielstil Regeln gibt, an die man sich zu halten hat.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 19:40
@ Adanos
Und kommt es bei euch auch auf die Fähigkeiten der Spieler an?
Sprich: Werden bei euch nur die SCs gefordert oder werden die Spieler auch gefordert?
Weil so, wie du es beschrieben hast, klingt es mehr nach Glücksspiel denn nach Herausforderung. (Für die Spieler. Für die SCs ist es ingame natürlich eine Herausforderung.)

Also, für mcih ist das ein Spiel, eine Freizeitbeschäftigung, es soll Spaß machen - was Du hier beschreibst ertrage ich so geschätzt 10h am Tag, gezwungenermaßen; ...das möchte ich ehrlich nicht auch noch in meinem Hobby haben.
Okay, etwas Beschreibung liefere ich gerne, ich überlege mir was und wie ich es mache... aber bitte keinen Aktiven Streß, wie eine direkte Verhandlung oder einen Schaukampf mit Polsterwaffen.

Zitat
Naja, ein Magierspieler sollte sich schon mit den Magieregeln auskennen. Und ein Kriegerspieler sollte sich mit den Kampfregeln auskennen.

Das sind aber ein paar kleine Kiki-Kenntnisse, die man so locker-flockig und ohne Streß nebenbei mitkriegt.
(Es sei denn, man spielt DSA-Hardcore und muß die Schüttelreime auswendig aufsagen).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 30.05.2010 | 19:54
@Sutur:
Zustimmung zum ersten Part.
Beim zweiten nahm ich an das LARP und LIVE eigentlich weitesgehend das selbe sind, nur halt mit unterschiedlichen Settings. Nu und vor dem Beitrag dachte ich das man ein Zeichen macht das sagt: "Wir reden gerade [Sprache]" und dann in etwas redet das der andere auch versteht, der Forenbeitrag der das Verhalten beschrieb war einer der Gründe wieso ich mich dann doch eher nicht in die Nähe von LIVE Gruppen wagte ^^;

Nu und ich dachte das es beim LARP möglich ist grosse Zwere, dicke Elfen und sonstiges zu spielen, wenn man damit leben kann das sich ein paar ihren Teil denken, kann man immer noch so spielen?

Nein, den SC kann man nicht streichen: Es ist schließlich die Figur, über die man handelt. Den SC zu streichen wäre so, als würde man bei Brettspielen die Pöppel streichen.
Der Gedanke bei dem streichen ist das der SC keine eigene Werte hat die von dem des Spielers abweichen.
Nun und wenn das der Fall ist ist der SC doch im Grunde ein voller Avatar?
Das hätte m.E. etwas von Therapie als etwas das nach einem Einem Spiel klingt.

Zitat
Schonmal "Engel - Arkana" gespielt?
Nein.

Ich bin bisher von solchen System ausgegangen wo es [die] Werte gibt.
So wie keine Vorschrift die sagt: Gebe die Punkte nur auf Bereiche wo du dich OT drin auskennst.

Zitat
Ich verstehe dein Analogon nicht wirklich. Wo wird dir bei meinem Spielstil irgendetwas verboten? Du darfst tun und lassen, was du willst. (Du darfst deinen SC intelligent spielen und du darfst ihn dumm spielen. Du darfst ihn redegewandt aber auch plump spielen.)
Man darf eben nicht tun was man will.
Ich darf mir eben keinen Arzt-Gott machen wenn ich denke das man mit einem Druckverband auch am Hals Blutungen stoppen oder etwas heilen kann.

Heißt man darf nur noch tun was man als Mensch auch kann.

Zitat
Was entspricht bei meinem Brettspiel dein "Dan-Spieler verbietet dir etwas"?
Na, man will einen Zug machen.
Dann kommt der Dan Spieler und prüft deine Kompetenzen abseits des Spiels, und wenn die dann nicht ausreichend sind darf man eben nicht mehr.

[Sagte doch zuvor Explizit das die Analogie in die Richtung nicht sooo gut arbeitet]

Zitat
Also dafür, dass es nicht um gewinnen geht, schreibst du ziemlich häufig gewinnen und verlieren. ;D
Ich glaube das du es häufiger verwendest, besonders das gewinnen, als ich ;D

Zitat
Wenn es dir nicht ums gewinnen geht, kannst du auch als plumper Char einen Diplomaten spielen.
Der Char ist aber nicht plump, der Spieler ist vielleicht plump, aber der Charakter eben den Werten nach nicht.

Das wäre als würde man einen beim Go spielen, der eigentlich gut im Go spielen ist, aber weil er im schlecht im Schach ist oder bei militärischen Sachen, wird dann dafür gesorgt das er schlecht im Go spielt [wie auch immer].

Zitat
Damit will ich verdeutlichen, dass mein Spielstil eben doch RPG ist und dass mein Spielstil keine Egoprojektion ist.
Nu, aber wenn der Charakter nur kann was auch der Spieler schreibt?
Respektive der Charakter nur die Beschreibung des Spielers in halt der Spielwelt ist?
Was soll er den sonst sein?

Zitat
Und damit will ich beitragen, dass es auch beim würfellosen Spielstil Regeln gibt, an die man sich zu halten hat.
Nu aber nicht so wirklich viele?
"Du kannst was du kannst", fertig..?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 19:57
Das ist natürlich grundsätzlich richtig - aber ganz ehrlich: Wenn ich nicht Slprache umgehen kann, will ich dann wirklich einen Charakter Spielen, bei dem ich das können muss? Ist das nicht für Spieler und Mitspieler auf Dauer eher frustrierend?

Ja!
Ich WILL NICHT das spielen, was ich tagein, tagaus bin.
Lieber mal ein Heiopei-Barde oder ein drauggängerischer Barbarenkrieger.
Darum spiele ich auch nur ungerne Menschen und Männer...
...beides bin ich 24h am Tag, das muß reichen.

Zitat
Anders: Ich spiele schon seit etwa acht Jahren LARP. Unsere Orga spielt nach DKWDDK - Du kannst, was du darstellen kannst. Ich sehe keinen Grund, warum das beim P&P anders sein sollte.

Von meinem Standpunkt aus: weil ich aus genau dem Grund nicht mehr auf LARPS gehe.
Es macht keinen Spaß doch nur wieder im selber Körper mit denselben Unzuläglichkeiten zu stecken und nicht mehr tun zu können, als man im Alltag kann und tut.

Zitat
Die Möglichkeiten, beim P&P darzustellen sind halt andere - hier muss ich meinen Krieger erzählerisch gut darstellen, nicht körperlich. Kurz: Es geht darum, was ich bei dem betreffenden Medium angemessen rüberbringen kann und diese Möglichkeiten sollte ich zumindest großteils erfüllen.

Ist mir zuviel Zwang und Anforderung!
Es reicht IMHO, wenn man hinreichend präzise beschreiben kann, was man wie macht.

Zitat
Rollenspiel ist nunmal ein kommunikatives Hobby und daher haben Spieler mit kommunikativen Talenten mehr Möglichkeiten, genau wie beim Klettern solche Leute mit ausgeprägten körperlichen Fähigkeiten besser dran sind.

Ich sehe es als imaginatives Hobby, und ich möchte den Leistungsdruck und Wettbewerb da weitestgehend heraushalten - dafür habe ich ein Berufsleben, das reicht dazu für meine Bedürfnisse auch völlig aus.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 30.05.2010 | 20:01
Nach dem, was ich bisher gelesen habe, fühle ich mich in meiner Ansicht bestärtkt, dass Ausspieler eher zum Erzählspiel neigen. Einzig Teylens Position, die ich aufgrund anderer Aussagen für einen Storytelling-Fan hielt, verwundert mich ein Bisschen (wobei ich das mit dem "NSCs dürfen mit social skills SCs herumkommandieren" gut in mein weltbild integrieren kann.)

Deswegen mal zur Überprüfung: sehen sich außer Eulenspiegel noch mehr Ausspieler als Erzählspieler?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 20:14
Und für mich ist das Rollenspiel in erster Linie ein Spiel.

Das heißt, ich als Spieler werde herausgefordert:
- Wenn ich Schach spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Go spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Diplomacy spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Und wenn ich einen Diplomaten spiele und das nicht kann, verliere ich auch.

Wenn man etwas unbedingt spielen will, ohne andauernd zu verlieren, muss man eben besser werden. Das ist bei jedem Spiel so. (Ausnahme Glücksspiele) Warum sollte es ausgerechnet beim Rollenspiel anders sein?

ICH verliere doch gar nicht...
...mein CHARAKTER verliert (mangels Skill oder Glück) vielleicht manchmal, aber das gehört zum Leben dazu.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 30.05.2010 | 20:22
    [...]
  • Wenn der SL sagt, der NSC ist von der Rede des SCs beeindruckt, dann ist er beeindruckt.
  • Wenn der SL sagt, der NSC ist von der Rede unbeeindruckt, dann ist er unbeeindruckt.

Oder der SL sagt: wenn Dein Überreden-Wurf über 25 liegt, ist er beeindruckt, wenn sie unter 15 bleibt, eher genervt...

Zitat
    [...]
  • Wenn der Spieler sagt, sein SC nimmt Anlauf und springt über die Schlucht, dann nimmt sein SC Anlauf und springt über die Schlucht.
  • [...]

Oder: Wenn Du srpingen mit 30 oder b esser schaffst, klappt es, sonst platsch!

Zitat
Narrative truth halt. (Die Erzählung der Beteiligten legt fest, wie es in der Spielwelt aussieht. Wenn man erzählt, dass in der Spielwelt ein bestimmter Sachverhalt so ist, dann ist er dort auch so.)
Und je nach Stärke des Player Empowerment haben die Spieler mehr Narrative Truth oder weniger. (Aber der SL hat grundsätzlich eine ganze Menge davon.)

Nicht alles ist eine absolute Wahrheit - alles andere können eben genausogut Chancen, Wahrscheinlichkeiten, Absichten oder Wünsche sein.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.05.2010 | 20:23
@ Naldantis
Macht dir Schach Spaß? Macht dir Go Spaß? Die Art, wie ich RPG spiele, ist ähnlich.

Natürlich kann es sein, dass dir GO und Schach keinen Spaß macht. Dann würde dir auch mein Spielstil keinen Spaß machen. Aber es gibt zahlreiche Leute, denen Go und Schach Spaß machen und die das auch als Freizeitbeschäftigung betreiben.

Mit meinem würfellosen Spielstil ist es ähnlich. (Es ist anspruchsvoll wie Schach, macht aber auch als Freizeitbeschäftigung genau so viel Spaß wie Schach.)

Und klar: Mein Spielstil muss nicht jedem gefallen. Soll er ja auch gar nicht. Er richtet sich explizit an Leute, die halt an herausforderungsorientierten Spielen Spaß haben.

@ Teylen
Ja, du kannst beim LARP auch dicke Elfen oder große Zwerge spielen. Du musst dann aber halt damit leben, dass die Leute sich hinter deinen Rücken über dich lustig machen. (Verbieten wird dir das keiner. Aber die netteren Leute werden zu dir kommen und dir ein anderes Konzept empfehlen. Die nicht so netten Leute werden einfach nur grinsen.)


Der Gedanke bei dem streichen ist das der SC keine eigene Werte hat die von dem des Spielers abweichen.
Nun und wenn das der Fall ist ist der SC doch im Grunde ein voller Avatar?
Der SC hat ja andere Werte: Alles was man nicht darstellen kann, besitzt abweichende Werte.

Darüber hinaus definiert sich ein SC ja hauptsächlich nicht über sein Können, sondern über seinen Charakter: Ist er freundlich oder gemein? Aufbrausend oder zurückhaltend? Männlich oder weiblich? Steht er auf Männer oder Kerle? Mag er Elfen und Zwerge oder ist er Rassist? Ist er ehrlich oder ein Dieb? Wie sieht es mit seiner Loyalität aus? Ist er verheiratet? Hat er Kinder?

Alles Sachen, die den Charakter definieren und wo er vom Spieler abweichen kann.

Zitat
Ich bin bisher von solchen System ausgegangen wo es [die] Werte gibt.
So wie keine Vorschrift die sagt: Gebe die Punkte nur auf Bereiche wo du dich OT drin auskennst.
Zumindest ich überlege mir erst, was ich spiele und suche mir anschließend ein System, das zu meinem Spielstil passt.

Andersrum (also erst ein System suchen und dann seinen eigenen Spielstil anpassen) halt ich für kontraproduktiv.

Das heißt im Klartext: Ich überlege mir erst, ob ich soziale Sachen ausspielen möchte oder nicht. Und erst anschließend suche ich mir ein System, das meinen präferierten Spielwunsch (soziale Sachen ausspielen) am besten umsetzt.

Zitat
Ich darf mir eben keinen Arzt-Gott machen wenn ich denke das man mit einem Druckverband auch am Hals Blutungen stoppen oder etwas heilen kann.
Du darfst bei mir einen Arzt spielen.

Und du darfst dir aussuchen, ob du den Druckverband um den Hals anlegst (dumme Idee) oder ob du die Blutung anderweitig stoppst (bessere Idee).

Du darfst spielen, was du willst, und du darfst handeln, wie du willst.

Zitat
Heißt man darf nur noch tun was man als Mensch auch kann.
Zum vierten Mal: NEIN!

Es kommt darauf an, wie streng der SL die Ideen bewertet. Also darauf, wie hoch man das Kompetenzniveau der Spieler festgelegt hat. (Auch wir sind im Prinzip als Spieler alle schlechter als unsere SCs.)

Zitat
Der Char ist aber nicht plump, der Spieler ist vielleicht plump, aber der Charakter eben den Werten nach nicht.
Dann werden die Werte eben beim nächsten Spiel angepasst.

Zitat
Nu aber nicht so wirklich viele?
"Du kannst was du kannst", fertig..?
Ja, wir spielen ziemlich regelarm.
Früher habe ich auch Regelmonster mit 200 Seiten Regeltext gespielt. Aber diese Zeiten sind vorbei. Mein jetziges Haupt-RPG, das wir momentan spielen, käme (falls wir es aufschreiben würden) mit einer halben DinA4 Seite an Regeln aus (plus vielleicht noch eine Seite Metaregeln).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 20:44
@Sutur:
Zustimmung zum ersten Part.
Beim zweiten nahm ich an das LARP und LIVE eigentlich weitesgehend das selbe sind, nur halt mit unterschiedlichen Settings. Nu und vor dem Beitrag dachte ich das man ein Zeichen macht das sagt: "Wir reden gerade [Sprache]" und dann in etwas redet das der andere auch versteht, der Forenbeitrag der das Verhalten beschrieb war einer der Gründe wieso ich mich dann doch eher nicht in die Nähe von LIVE Gruppen wagte ^^;

Nu und ich dachte das es beim LARP möglich ist grosse Zwere, dicke Elfen und sonstiges zu spielen, wenn man damit leben kann das sich ein paar ihren Teil denken, kann man immer noch so spielen?
Kann man natürlich. Finde ich aber doof. Die Herausforderung beim LARP ist es ja gerade, etwas aus sich, mit den eigenen beschränkten Möglichkeiten zu machen.

Ich wäre im P&P nie darauf gekommen einen Elfen zu spielen - im LARP tue ich es aus dem einen Grund: Ich hab die Statur und das Gesicht dafür. Zugegebener Maßen kein besonders hübscher Elf, aber in anbetracht, was da sonst so rumläuft, komme ich schon verdammt nah ran.

@ Naldantis: P&P ist ein imaginatives Hobby, richtig. Aber wenn ich meine Imagination nicht kommunizieren kann, dann geht sie verloren. Da kann ich mich auch zu Hause in die Ecke setzen, und mir meine Geschichte ausdenken. Erst durch Interaktion wird meine Imagination zum Rollenspiel. Dazu muss ich meine Imagination aber angemessen kommunizieren können.
Wenn ich mir als SL ein Gestammel anhören muss, dann wird ein Würfel geworfen und der Spieler ruft triumphierend: "Ich habe eine 20 gewürfelt! Dann hab ich den Typen ja wohl überzeugt!", dann ist das ungefähr genau so unterhaltsam wie ein Testbild im Fernsehen.
Wenn ich aber zwanzig Minuten aus der Sicht meines NSCs mit dem Spielercharakter kommuniziere und am Ende sage: "Ja, das sehe ich ein, dass der den NSC überzeugt hat", dann macht das Freude, dann ist das Rollenspiel.
Eine diplomatische Ausbildung habe ich auch nicht, aber ich kann einen Diplomaten auf dem verhältnismäßig niedrigen Niveau eines Rollenspiels DARSTELLEN. Das ist das.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bentley Silberschatten am 30.05.2010 | 21:03
Zitat
Ausspielen oder Auswürfeln?

Beides.

Der Spieler spielt seinen Part aus und versucht sich so taktische Vorteile zu sichern. Wenn es um Diplomatie geht, Charm oder ähnliches, dann achte ich darauf ob er Argumente bringt die die Reaktion des Gegenüber beeinflussen kann. Das gibt einen Bonus oder Malus auf den Wurf der auf jeden Fall folgt (es sei den die Aktion ist so wenig von Bedeutung das man generell nicht würfeln muss.)
Der Wurf bestimmt dann ob der Charakter das erreichen kann was der Spieler anstrebt.

Halte ich persönlich für die fairste Methode.


Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 30.05.2010 | 21:06
Weil's grad so gut zum Thema passt (http://www.commissionedcomic.com/comics/2010-02-17.jpg)...
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Dark Paladin am 30.05.2010 | 22:39
@ SJT und Surtur:
Der besagte SL war ich. Das mit dem Railroding beim Wappen gebe ich zu (mea culpa)  :(
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Werd ich in Zukunft vermeiden.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Das Klappen der Rede war bestimmt kein Railroding, da "Das Böse" notfalls auch von den Chars alleine besiegt werden konnte. (erinnere mich nur noch verschwommen an die Rede) Aber die Rede schien mir damals überzeugend genug, dass der Bürgermeister und einige Freiwillige bereit waren den SCs zu helfen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Und wenn man für die Argumentation nur Menschenverstand braucht, so lass ich das auchbei vernünftiger Argumentation durch.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eran am 30.05.2010 | 23:17
Ohne mir alle vorherigen Beiträge zu dem Thema durchgelesen zu haben:

Wenn ich leite dann entscheide ich je nach Situation ob etwas ausgespielt oder gewürfelt wird. Das kommt ganz drauf an wie viel Zeit wir haben und ob es vom Spannungsaufbau und Spielfluss usw. Sinn macht, evtl auch zu würfeln, wobei ich ausspielen auch vorziehe.

Manchmal lasse ich auch nicht soziale situationen ausspielen. Z.B. Heimlichkeit. In meiner Gruppe hatte ein Spieler eine super Idee den Gegner abzulenken und so seinen Kollegen zu ermöglichen heimlich zu sein. Da habe ich dann auch keine würfelei gewünscht da meine Gruppe dann trotz der guten Idee keine chance gehabt hätte (dnd3.5 2barbaren, 1 krieger und 1 cleric = da ist nicht viel mit heimlichkeit).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 31.05.2010 | 00:19
Na, ich darf mich ja auch mal irren.  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 31.05.2010 | 00:57


Und du darfst dir aussuchen, ob du den Druckverband um den Hals anlegst (dumme Idee) oder ob du die Blutung anderweitig stoppst (bessere Idee).


Und der nächste SL hat noch weniger Ahnung als der Spieler und hält das für eine blendende Idee.

Das kann nur in der Vorstellung von jemandem funktionieren, der in einer sehr ausgesuchten, erfahrenen und homogenen Gruppe spielt und vergessen hat, wie es außerhalb seiner Elfenbeinrunde aussieeht oder jemand, der davon ausgeht, das alle anderen Situationen natürlich genauso wie er sieht - (selbsternannt) "korrekt" halt.

Dann kommen noch Felder hinzu, wo alle keine Ahnung haben oder die keine realweltliche Entsprechung haben und dann ist sowieso Schluss mit "bewertbarer" Darstellungsleistung. Der eine hält "Ihrs" und "Euchs" und "Führwahr" für hohe Kunst, der andere für schwülstigen Mist. 


Wer für Ausspielen statt Würfeln ist, sollte dann auch Offen für die Anwendung von Folter als erweiterte Form der Kommunikation beim Einschüchtern oder Befragen sein. Dann hat der Betreffende eben genau so viel "sozialen" Widerstand wie seine Figur. Du kannst was du kannst.  ::)

Nebenbei:
Die Entscheidung mit welchen Kompetenzen ich einen Charakter bauen will, fällt bereits bei der Erschaffung, nicht erst beim Würfeln. Wenn jemand Medizin 0 hat, dann ist es keine Entscheidung der Würfel, wenn der Charakter keine Operation durchführen kann, welche der Spieler vielleicht sogar könnte, (oder zu können glaubt, weil er Dr.House gesehen hat). Es sollte auch nicht davon abhängen., ob der Spielleiter fachliche Kompetenzen in der Richtung hat. Wobei es eben alles nicht funktioniert, wenn der SL nicht dieselben Vorstellungen hat, sei es nun "besser" oder "schlechter", wo dies denn faktisch feststellbar ist. Und ein Rollenspiel hat viel zu viele mögliche Situationen, um überall Deckung erreichen zu können. Was man mit freiem Ausspielen nur erreicht, ist es das Ego der Beteiligten zu bemühen (weil ja Spieler gegen Spieler antreten), entsprechende Konflikte einzuladen und bei der Erschaffung (Punkt)ressourcen in Bereiche umzuleiten, die nicht durch ein entsprechendes Auftreten auf der Metaebene kompensiert werden können (Kampf und Magie z.B., obwohl es ja eine Menge Kampfsport- und Katanaexperten gibt, welche auch das versuchen ...) .
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 31.05.2010 | 03:15
Zitat
Wer für Ausspielen statt Würfeln ist, sollte dann auch Offen für die Anwendung von Folter als erweiterte Form der Kommunikation beim Einschüchtern oder Befragen sein. Dann hat der Betreffende eben genau so viel "sozialen" Widerstand wie seine Figur. Du kannst was du kannst.  Roll Eyes
  ;D Sensationell!

Nebenbei:

Würfeln bedeutet nicht, dass man als Spieler nicht gefordert wird, oben hieß es ja Herausforderung. Natürlich sollte man schon eine gewisse Grundidee haben. Nur: die alleine reicht nicht aus, bzw. wenn die Idee nicht so toll ist, hat man trotzdem eine Chance den Konflikt für sich zu gewinnen.

Dabei kommt es aber, so wie ich das sehe, nicht darauf an, dass der Spieler den Konflikt löst. Sollte die Probe gelingen, dann muss man eben eine Lösung finden, wenn der Spieler gerade nicht darauf kommt, dann vielleicht der SL oder ein Mitspieler. Oder es wird gleich ganz abstrahiert, bei Dingen wo keiner eine Ahnung hat (Magiekunde, Sternkunde im DSA etwa). Das heisst dann, dass man sich mit Tech-Sprech zufrieden gibt. Mehr braucht man meistens auch nicht.

Sicher, manchmal findet man nicht so schnell eine Erklärung, wie wir es einmal in DSA hatten, als der Krieger sensationell würfelte und 18 TaP* bei der Kriegskunstprobe übrigbehielt. Darauf wusste keiner so schnell was, wir einigten uns auf einem wagemutigen Guerillataktikmanöver of Doom (TM). Mit Ausspielen kriegt man solche Erfolgserlebnisse wohl nicht hin. Oder nicht so einfach.  ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 11:15
Und der nächste SL hat noch weniger Ahnung als der Spieler und hält das für eine blendende Idee.
Wenn keiner eine Ahnung davon hat und alle das für eine blendende Idee halten, ist es doch super. Wo ist das Problem?

BTW:
Wo du weiter unten Dr.House ansprichst: Wie würdet ihr es in einer Dr.House Kampagne handhaben?
SL: "Es kommt ein Patient mit hohen Fieber in die Aufnahme."
Spieler: "Ich mache eine Probe auf Diagnose." *schafft Probe*
SL: "Der Patient leidet unter Malaria."
Spieler: "OK, dann mache ich jetzt eine Probe auf Heilung." *schafft Probe*
SL: "OK, der Patient ist geheilt. Das heutige Abenteuer ist abgeschlossen."

Oder wie würde ein Dr.House Abenteuer in eurer Runde ablaufen?

Zitat
Dann kommen noch Felder hinzu, wo alle keine Ahnung haben oder die keine realweltliche Entsprechung haben und dann ist sowieso Schluss mit "bewertbarer" Darstellungsleistung. Der eine hält "Ihrs" und "Euchs" und "Führwahr" für hohe Kunst, der andere für schwülstigen Mist.
Ob die Leute sihc mit "Ihr" und "Euch" ansprechen, erfährt man spätestens dann, wenn man mal das Gespräch zweier Adligen belauscht.

Bzw. hier der Tipp: Nicht als erster gleich lossprechen, sondern sich erstmal nur kurz vorstellen und dann dem Gespräch kurz zuhören, bevor man sich beteiligt.

Zitat
Wer für Ausspielen statt Würfeln ist, sollte dann auch Offen für die Anwendung von Folter als erweiterte Form der Kommunikation beim Einschüchtern oder Befragen sein. Dann hat der Betreffende eben genau so viel "sozialen" Widerstand wie seine Figur. Du kannst was du kannst.
Billige Polemik! ::)

1) Es geht hier um Pen&Paper und nicht um Larp.
Für diejenigen, die den Unterschied nicht kennen:
LARP --> Spieler handeln
Pen&Paper --> Spieler erzählen

Sprich:
LARP --> Spieler foltern
Pen&Paper --> Spieler erzählen, wie sie foltern

2) RPG (egal ob Pen&Paper oder LARP) ist ein Spiel, das allen Beteiligten Spaß machen soll.
Bei "Überzeugen" macht es (zumindest in unserer Runde) beiden Beteiligten Spaß:
Der Aktive hat Spaß daran, Argumente zu finden, um den Passiven zu übverzeugen.
Und der Passive hat Spaß daran, darzustellen, wie er langsam überzeugt wird.

Bei "Foltern" hätte evtl. der Folternde Spaß. Der Gefolterte hätte (zumindest in unserer Runde) keinen Spaß.
Daher wird es bei uns nicht gemacht.

Wenn man aber LARP spielt und der Gefolterte ein SM-Fetisch hat, dann kann man die Folterszene auch gerne ausspielen und beide haben ihren Spaß daran. (Aber erstens reden wir hier nicht über LARP und zweitens haben zumindest bei uns viele Spieler keinen SM-Fetisch.)

Zitat
Die Entscheidung mit welchen Kompetenzen ich einen Charakter bauen will, fällt bereits bei der Erschaffung, nicht erst beim Würfeln.
Kann man so machen. Kann man aber auch anders handhaben:

Du gehst den Weg:
Werte --> Charakterkönnen

aber ebensogut kann man den umgekehrten Weg gehen:
Charakterkönnen --> Werte

(Von wertelosen Spielen ganz zu schweigen.)

Sicher, manchmal findet man nicht so schnell eine Erklärung, wie wir es einmal in DSA hatten, als der Krieger sensationell würfelte und 18 TaP* bei der Kriegskunstprobe übrigbehielt. Darauf wusste keiner so schnell was, wir einigten uns auf einem wagemutigen Guerillataktikmanöver of Doom (TM). Mit Ausspielen kriegt man solche Erfolgserlebnisse wohl nicht hin. Oder nicht so einfach.  ;)
Sagen wir es so:
Ich habe kein Erfolgserlebnis, wenn der Würfel einen guten Tag hatte.
In meinen Augen habe dann nicht ich, sondern der Würfel Erfolg.

Wenn ich eine gute Taktik erzähle, wie wir die Übermacht fertig machen und der SL mich erst grinsend aber dann zunehmend mit offenen Augen und Mund anstarrt. Wenn der SL nachdem ich meine Taktik unterbreitet habe hektisch seine Unterlagen durchblättert und dann kleinlaut meint: "Ja, könnte klappen. Dann müssen wir den Kampf wohl auswürfeln*."

Aber wenn ich drei 1en bei einer DSA-Probe würfle, habe ich kein wirkliches Erfolgserlebnis. (Weil nicht ich, sondern die Würfel etwas außergewöhnliches geleistet haben.)

*Ja, außerhalb des LARP werden Kämpfe auch bei uns ausgewürfelt. (Was aber daran liegt, dass wir zu wenig Platz zum Kämpfen haben und der SL nur sehr schlecht 20 angreifende Goblins LARP-technisch darstellen kann.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 11:41
Ich möchte mal anmerken, dass ein Spieler der seinen Charakter ein überreden würfeln lässt um deinen Charakter etwas machen zu lassen in den meisten Spielen im Sinne der Regeln handelt.

Das schwierige für mich dabei ist, dass diese Regeln weitaus grober sind als die Kampfregeln, die Effekte aber deutlich stärker.

Vielleicht ist das Problem auch einfach, dass es zwischen sozialer Interaktion und anderen Regeln eine massive Disbalance gibt. Nehmen wir mal Bannbaladin vs. Überzeugen.

Der Magier hat Bannbaladin gesteigert und kann dich, wenn deine Magiresistenz nicht zu hoch ist, für eine gewisse Zeit zu seinem Freund machen, zahlt dafür aber Astralenergie, andere Magier können erkennen, dass er an dir rumgpfuscht hat, und er muss Konsequenzen fürchten, wenn es rauskommt.

Der Streuner hat Überzeugen gemaxt und kann dich mit einem guten Wurf überzeugen, dass ihm das alte Artefakt zu bringen das höchste der Gefühle ist. Oder, dass du dich seiner Bande anschließen und ihn unterstützen solltest. Und das ist dann höchstens Anstiftung zu einer Straftat, aber am Ende verlierst Du.

Von der Macht her ist damit Überzeugen viel stärker, und der Effekt davon hält länger.

Wir haben nämlich meist keine Regeln dafür, wie Überzeugungen wieder nachlassen, wenn sie nicht ständig gestärkt werden. Oder wo eine Überzeugung in eine fixe Idee (Nachteil) übergeht. Oder wie sich in einem Charakter Hass entwickelt, den er selbst nicht mehr kontrollieren kann und der im Gegenzug sein Handeln bestimmt.

Es gab aber Systeme, die psychologische Parameter festgehalten haben (wie Extrovertiert/Introvertiert u.ä. - ich weiß nicht mehr welche Systeme, aber ich sehe die Skalen noch vor mir :) ).

Ich denke der Grund dafür ist, dass psychologie meist wenig beachtet wurde. Mechanical Dream ist da übrigens eine schöne Ausnahme. Da ist die Psyche der Charaktere ein eigener Bereich des Spiels.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Oberkampf am 31.05.2010 | 11:48
Lustig, bei mr ist es genau umgekehrt.

Ich habe wirklich wenig Spaß daran, wenn eine soziale Interaktion im P&P RPG (LARP/LIVE mache ich nicht) nur ausgespielt wird (ohne dass die würfel fallen). Ich bin zwar auch kein reiner Auswürfler (wie gesagt: Anspielen, Ansagen, Auswürfeln, Ausspielen, und immer auf die Knöpfe der NSCs achten), aber ich würde im Zweifelsfall das reine Auswürfeln mit Ergebniserzählen (zur farbenfrohen Untermalung) einem reinen Ausspielen vorziehen.

Beim reinen Ausspielen käme ich mir zu sehr wie im Laientheater vor.

Dr. House als RPG würde mir wahrscheinlich nicht liegen, aber wenn ich eine Arztserie spielen wollte, würde ich den Heilvorgang natürlich in Szenen packen (und ggf. einen Timer dazu konstruieren, der angibt, wie lange der Patient am Leben bleibt, und wann sich neue Symptome zeigen). Nun habe ich selbst sehr wenig Ahnung von Medizin, in einer Fantasylandschaft mit völlig erfundenen Krankheiten usw. könnte ich mir sowas als Zwischenabenteuer vielleicht sogar vorstellen.

Also: Patient wird eingeliefert: erste Proben zum Finden der Symptome. Danach Interpretation der Symptome (mit weiteren Proben). Dadurch ergeben sich für die Spieler Recherechemöglichkeiten - im Sinne von House, die Spieler müssen Wohnung oder Arbeitsplatz des Patienten absuchen, dabei mit Familie oder Kollegen reden usw. Daraus werden weitere Informationen gewonnen (die auch auf den richtigen Fragen und gelungenen Proben beruhen).

Es käme immer darauf an, ob die Spieler die Fertigkeiten ihrer Charaktere (Werte) mit den Anforderungen der Situation kreativ in Verbindung bringen können. Also: Mein Charakter kann Kräuterkunde, wie setze ich das hilfreich ein, um das Leben des Patienten zu verlängern (einfach)? Mein Charakter kann Empathie, wie kann ich das zielgerichtet einsetzen (schon schwieriger)? Und was könnte ich jetzt mit meinem Skill "Eisangeln" anfangen (hier warte ich auf die Superidee)?

So entsteht für mich eben ein Bild des Charakters, den man spielt bzw. den ein Spieler spielt, das mir beim reinen Ausspielen verschlossen bleibt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 12:20
Das heißt, ich als Spieler werde herausgefordert:
- Wenn ich Schach spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Go spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Wenn ich Diplomacy spiele und das nicht kann, verliere ich.
- Und wenn ich einen Diplomaten spiele und das nicht kann, verliere ich auch.

Ich sehe es eher so, dass der Charakter das Mittel ist, mit dem der Spieler mit der Welt interagiert.

Wenn er einen Diplomaten spielt, dann greifen ihm die Fähigkeiten seines Charakters unter die Arme. Solange er zeigt, dass er versucht, höfisch zu sein, ist sein Char das auch - gerne mit Hilfe der anderen Spieler.

Da übersehe ich als SL dann auch kleinere Fehler und weise auf größere hin (willst du das wirklich? Deinem Char wäre klar, dass er damit den NSC verärgert). Ich warne ja auch den Spieler des Strategen, wenn er eine offensichtliche Falle übersieht (oder passe die Handlungen der NSCs an, denn schließlich hat der Stratege die bessere Strategie als die NSCs (mit Modifikatoren durch die Ideen des Spielers)).

Auf die Art ist (hoffentlich) jeder Spieler im Rahmen seiner eigenen Fähigkeiten gefordert. Wenn es für einen rethorisch schwachen Spieler eine große Leistung ist, drei kohärente Sätze zu sprechen (und ich das als SL weiß), dann kriegt sein Charakter für drei kohärente Sätze einen Bonus, während der Charakter des Off-Play-Diplomaten für das gleiche einen riesigen Malus kriegen würde.

Schließlich designen wir kein Spiel mit Herausforderungen für beliebige Leute, sondern Spielen die Runde genau für unsere Gruppe, da können wir die Herausforderungen auch an die Spieler anpassen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 12:26
Wenn PvP gewünscht ist, nur zu, aber bitte mit elaboriertem Social Combat System, dessen Folgen klar festgelegt sind und für alle Spieler einsichtig im Regelbuch stehen. Oder mit einem Intrigensystem, für welches das Gleiche gilt (wäre mir persönlich lieber). Ansonsten haben die Social Combat Charaktere ihren Platz in der Gruppe für die Social Challenges, und jeder Spielleiter, der mit sozialen Skills spielt, sollte dafür sorgen, dass es im Abenteuer einen Unterschied gibt, ob der Skill erfolgreich gegen NSCs angewendet wurde oder nicht. Genau das Gleiche gilt für Wildnisskills, Technikskills, Wissensskills und alle anderen Noncombatskills.

Das geht in die Richtung einiger Schreibgrundsätze: Wenn du irgendetwas für die Auflösung eines Konfliktes nutzen willst, muss es vorher eingeführt sein, und der Leser muss wissen, dass es dafür genutzt werden kann.

Wenn in einem Krimi ein Beweisstück genutzt wird, um den Täter zu überführen, dann muss es vor der Auflösung bekannt sein (oder zumindest bekannt sein, dass man solche Beweisstücke finden kann, wenn man die Krullgamben mit Fargeltock füttert). Ansonsten kommt es bei Lesern meist nicht gut an – es sei denn, das Beweisstück selbst ist wichtiger als der Fall (weil es ein Puzzleteil im größeren Rätsel bietet; dann löst es den Fall aber auch nicht, sondern erweitert ihn um ein neues Rätsel).

Wenn also mit sozialer Interaktion Konflikte gelöst werden sollen, muss das Interaktionssystem komplex genug sein, dass die Spieler damit taktisch arbeiten können.

Was ist das soziale Äquivalent von „ich springe hinter der Mülltonne in Deckung und ballere blind das halbe Magazin meiner Knarre in Richtung der Gegner“?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Roland am 31.05.2010 | 12:26
Oder wie würde ein Dr.House Abenteuer in eurer Runde ablaufen?

Wie in jedem anderen Schablonenkrimi auch.

Pschyrembel und Gumshoe-Regeln schnappen, Fälle entwerfen, Drama-Hooks für SCs einstreunen.

Wobei normale Krimis im Rollenspiel üblicherwesie besser ankommen als Medizinmysterien.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 12:47
Ich möchte hier mal ein etwas extremeres Beispiel einstreuen. Als eine Art Realitätscheck.

Nehmen wir an, ich spiele jemandem von Geburt an Querschnittsgelähmten, der Balance nur als Wort kennt, jemandem mit einer schweren Sprachstörung, der froh ist, wenn er einen kurzen Satz ohne Stottern rauskriegt, und jemandem mit Geistiger Behinderung, der glücklich ist, wenn er rausfindet, mit welchem Würfelwurf er den Mindestwurf geschafft hat.

Dürfte der Querschnittsgelähmte einen erfolgreich von Dach zu Dach springenden Ninja spielen?

Dürfte der Spieler mit Srpachstörung einen berüchtigten Verführer spielen, der ganz definitiv keine Sprachstörung hat?

Dürfte der geistig Behinderte einen bekannten Strategen spielen, der Schlachten alleine durch seinen Intellekt entscheidet?


Ich persönlich finde, alle drei sollten das können und dürfen.

Entsprechend sollte auch jemand, der vielleicht nicht gleich massiv stottert, aber eben sprachlich nicht ganz so gut ist, auch einen erfolgreichen Diplomaten spielen können, und die Regeln sollten seine Probleme ausbügeln. Dafür spiele ich schließlich ein Spiel, das mit der Vorstellung arbeitet und stelle mich den Leuten nicht in Rethorikduellen (auch das machen Leute).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 12:52
@ Roland
Mit Tümpelritters Beschreibung zum Dr.House Abenteuer konnte ich etwas anfangen. Er hat klar und deutlich gemacht, wann er wo würfelt, wo er Ideen der Spieler einfließen lässt etc.

Mit deiner Antwort kann ich dagegen nichts anfangen. (Was zum Teil auch daran liegt, das ich nicht weiß, wie du normale Krimis spielst.)

Auf die Art ist (hoffentlich) jeder Spieler im Rahmen seiner eigenen Fähigkeiten gefordert. Wenn es für einen rethorisch schwachen Spieler eine große Leistung ist, drei kohärente Sätze zu sprechen (und ich das als SL weiß), dann kriegt sein Charakter für drei kohärente Sätze einen Bonus, während der Charakter des Off-Play-Diplomaten für das gleiche einen riesigen Malus kriegen würde.
Das ist doch beim würfellosen RPG nicht anders:
Wenn ich weiß, dass ein Spieler schlechter ist, dann kann ich ihm doch eher etwas durchgehen lassen, als jemanden, der ein rhetorisches Ass ist.

Das ist doch im Prinzip genau so wie beim Go: Wenn ein Dan-Spieler gegen einen Kyu antritt, dann bekommt der Kyu-Spieler Vorgabesteine.
Eigentlich ist der Kyu-Spieler schlechter. Durch die Vorgabesteine ist das Spiel aber halbwegs ausgeglichen und er hat wieder Chancen, den Dan zu besiegen.

Das heißt, die Herausforderung individuell anzupassen (und nicht global), ist bei jedem Spielstil möglich, in denen es Herausforderungen gibt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 12:59
Das ist doch beim würfellosen RPG nicht anders:
Wenn ich weiß, dass ein Spieler schlechter ist, dann kann ich ihm doch eher etwas durchgehen lassen, als jemanden, der ein rhetorisches Ass ist.

Das heißt, die Herausforderung individuell anzupassen (und nicht global), ist bei jedem Spielstil möglich, in denen es Herausforderungen gibt.

Jupp. Und sobald du in die Anpassung der Herausforderung die Werte des Charakters einfließen lässt, hast du ein Regelwerk – egal ob auf toten Bäumen mit in geometrische Formen gepresstem Erdöl als Zufallssystem oder im Kopf der SL.

Solange die Spieler einschätzen können, wie die SL ihre Handlungen interpretiert, hat das Regelwerk selbst dann Aussagekraft, wenn es nirgendwo geschrieben steht. Anders gesagt: Wenn die Spieler wissen „mein Char kann das so und so gut, wenn ich also mindestens *so* gut argumentiere, schaffe ich es“, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Spieler abschätzbar – und damit gibt es Herausforderungen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 13:21
Dürfte der Querschnittsgelähmte einen erfolgreich von Dach zu Dach springenden Ninja spielen?
Dürfte der Spieler mit Srpachstörung einen berüchtigten Verführer spielen, der ganz definitiv keine Sprachstörung hat?
Dürfte der geistig Behinderte einen bekannten Strategen spielen, der Schlachten alleine durch seinen Intellekt entscheidet?
Querschnittsgelähmter:
Kommt darauf an: Beim Pen&Paper darf er das. Beim LARP nicht.

Sprachstörung:
Kommt darauf an, wie stark die Sprachstörung ist. Wenn es sich nur um Lispeln handelt, dann kann ich es "wegimmersionieren". Wenn er jedoch stottert, dann stört mich das bei meiner Immersion. (Und ja, ich bin egoistisch genug, dass mir meine Immersion wichtig ist. - Und glücklicherweise ist meine Heimatstadt groß genug, dass ich mir meine Spieler aussuchen kann und nur mit Leuten spiele, die meine Immersion nicht stören.)
(Stotterer können in meiner Runde gerne mitspielen. - Aber entweder sie spielen einen SC, der auch ingame stottert, oder sie spielen eine Person, die sich redetechnisch nicht in den Vordergrund zwängt.)

geistig Behinderter:
Nee Sorry. In meiner Rollenspielrunde könnte er keinen genialen Strategen spielen. (Aber ihm steht es natürlich frei, seine eigene Rollenspielrunde zu gründen, in der er so etwas spielen kann.)

Aber mal den Realitätscheck an dich zurückgegeben:
Hattest du in deiner Runde schonmal Leute mit Sprachstörung oder geistig Behinderte? Oder ist das nur graue Theorie, was du da forderst?

Zitat
Ich persönlich finde, alle drei sollten das können und dürfen.
Irgendwo bei irgendwem sicherlich. Aber nicht in meiner Runde.

Sie dürfen gerne ihre eigene Runde gründen und dort ihre eigenen Regeln aufstellen. Aber in meiner Runde haben sie sich an meine Regeln zu halten. (Es sei denn, ich werde per Mehrheitsbeschluss überstimmt.)

Anders gesagt: Wenn die Spieler wissen „mein Char kann das so und so gut, wenn ich also mindestens *so* gut argumentiere, schaffe ich es“, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Spieler abschätzbar – und damit gibt es Herausforderungen.
Nein. Herausforderung hat nichts mit Abschätzbarkeit zu tun. (Ich hatte im RL schon einige Herausforderungen, wo ich nicht annähernd abschätzen konnte, wie schwer oder leicht das ist.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 14:00
geistig Behinderter:
Nee Sorry. In meiner Rollenspielrunde könnte er keinen genialen Strategen spielen. (Aber ihm steht es natürlich frei, seine eigene Rollenspielrunde zu gründen, in der er so etwas spielen kann.)

Hattest du in deiner Runde schonmal Leute mit Sprachstörung oder geistig Behinderte?

Ich nicht, aber einer meiner Spieler hat in Marburg einen Freund mit Angststörung, mit dem er spielt.

Und einer der Spieler in einer meiner unregelmäßigen Runden hat psychische Probleme, die seine Wahl der Charaktere und Flexibilität im Spiel stark einschränken.

Beide Runden machen viel Spaß, und die Spieler sind eine Bereicherung.

In erster Linie dient die Frage aber zu zwei Zwecken:

* prüfen, ob die verschiedenen Regelungen als allgemeine Regelungen taugen oder ob sie deutliche Diskriminierung bedeuten (und so potenzielle Freunde aus der Freizeitbeschäftigung ausschließen). Und
* Darauf hinweisen, dass jeder Spieler unterschiedliche Begabungen hat, deren Auswirkung in so einem extremen Beispiel einfach besser sichtbar werden.

Zitat
Nein. Herausforderung hat nichts mit Abschätzbarkeit zu tun. (Ich hatte im RL schon einige Herausforderungen, wo ich nicht annähernd abschätzen konnte, wie schwer oder leicht das ist.)

Welche davon haben Spaß gemacht, und hättest du sie absichtlich gewählt?

Sagen wir es anders: Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Handlung ist nur dann eine Herausforderung an den Spieler, wenn er abschätzen kann, was die möglichen Ergebnisse der Handlung sind. Ansonsten ist es effektiv nur ein Würfelwurf, auf den der Spieler dann reagiert.

„Will ich versuchen, die Wache zu überzeugen?“

Wenn ich überhaupt nicht abschätzen kann, wie meine Chancen stehen, dann tue ich es eher nicht (oder stelle sicher, dass meine Chummer schwere Atellerie in der Hinterhand haben).

Was stimmt ist, dass das Ausspielen selbst auch dann eine Herausforderung ist, wenn ich nicht weiß, wie meine Erfolgschancen sind.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 15:01
Ich nicht, aber einer meiner Spieler hat in Marburg einen Freund mit Angststörung, mit dem er spielt.
Und einer der Spieler in einer meiner unregelmäßigen Runden hat psychische Probleme, die seine Wahl der Charaktere und Flexibilität im Spiel stark einschränken.
Und spielt die Person mit Angsstörung einen SC, der sich dadurch auszeichnet, dass er keine Angst davor hat?
Sprich: Wenn der Spieler Angst vor Blut hat, spielt er dann einen Chirurgen?
Oder wenn der Spieler Angst vor Spinnen hat, spielt er einen Höhlenforscher?
Oder wenn der Spieler Angst vor Ratten hat, spielt er einen Rattenfänger?

Unter "psychisches Problem" kann ich mir nichts vorstellen. Das kann alles und nichts bedeuten.

Und dass die Runden viel Spaß machen, bezweifle ich nicht. Ich denke, wenn wir in unserer Runde einen Stotterer haben, der KEINEN redegewandten Diplomaten spielt (sondern einen Krieger, einen Arzt, einen Dieb etc.), dann macht das auch viel Spaß.

Und wenn wir einen geistig Behinderten in der Runde haben, der ein Kind oder einen Barbaren spielt, dann kann das auch sehr viel Spaß machen.

Es ist halt nur wichtig, dass man bei solchen Extremen etwas spielt, was zu einem passt.

Zitat
* prüfen, ob die verschiedenen Regelungen als allgemeine Regelungen taugen oder ob sie deutliche Diskriminierung bedeuten (und so potenzielle Freunde aus der Freizeitbeschäftigung ausschließen). Und
* Darauf hinweisen, dass jeder Spieler unterschiedliche Begabungen hat, deren Auswirkung in so einem extremen Beispiel einfach besser sichtbar werden.
Zum Thema Diskriminierung möchte ich auf folgenden Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,52147.html) verweisen.

Dort habe ich meine Meinung bezüglich Diskriminierung im Zusammenhang mit Freizeitbeschäftigung/Privatleben geäußert. Falls diesbezüglich noch Diskussionsbedarf besteht, können wir gerne den dortigen Thread wiederbeleben.

Und ja: Spieler haben unterschiedliche Begabungen. Das muss man berücksichtigen. Und zwar in beide Richtungen: Der SL sollte nachsichtig sein, wenn jemand, der stottert eine Rede hält. Und der Stotterer sollte nicht unbedingt einen Barden oder Diplomaten spielen.
Sprich: Die Gruppe nimmt Rücksicht auf den Stotterer und der Stotterer nimmt Rücksicht auf die Gruppe.

Zitat
Welche davon haben Spaß gemacht, und hättest du sie absichtlich gewählt?
Ich habe beim Sportfechten mal gegen einen unbekannten Gegner gekämpft. Diese Herausforderung hat Spaß gemacht.

Ansonsten machen mir Herausforderungen im RL generell keinen Spaß. Egal, ob ich die Erfolgswahrscheinlichkeit abschätzen kann oder nicht. Aber das ist auch egal. Viel wichtiger ist: "Machen mir Herausforderungen, die ich nicht abschätzen kann, im RPG Spaß?"
Und hier lautet die Antwort: "Ja!"
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 31.05.2010 | 16:00
Wenn keiner eine Ahnung davon hat und alle das für eine blendende Idee halten, ist es doch super. Wo ist das Problem?

Wenn alle das für eine blendende Idee halten, dann hat es mal gepaßt. Das Problem ist, dass es typischerweise nicht alle für eine gleich gute Idee halten und die Leute so im Nebel stochern bzw. es zu fruchtlosen, da einer gemeinsamen Basis beraubten Diskussion kommt.


Zitat
Oder wie würde ein Dr.House Abenteuer in eurer Runde ablaufen?

In so einem Fall würde es bei entsprechendem Interesse idealerweise ein System geben, welches eben Krankheitsverläufe und -behandlungen in Regeln faßt, so dass es ein Gerüst gibt, welches diesen Kernpunkt aus der Beliebigkeit und Trivialität des orinetierimgslosen Improvisierens befreit und den Spielern eine enstprechende Basis bietet um anhand dieses Systems auf einer halbwegs gemeinsamen Basis entsprechende Entscheidungen zu treffen, wie z.B. in einem Kampfsystem sonst.
Oder es geht nicht primär um die Krankheiten und den Kampf dagegen - dann ist Gesundung oder nicht eher Nebensache und es kein Problem, wenn es dann mit einem Wurf abgehandelt wird.
 

Zitat
Ob die Leute sihc mit "Ihr" und "Euch" ansprechen, erfährt man spätestens dann, wenn man mal das Gespräch zweier Adligen belauscht.

Bzw. hier der Tipp: Nicht als erster gleich lossprechen, sondern sich erstmal nur kurz vorstellen und dann dem Gespräch kurz zuhören, bevor man sich beteiligt.


Also Selbstgespräche des SL belauschen? Wie lange soll denn das gehen, bis der Spieler den Wissens- und Sozialisisierungsvorsprung seines Chars aufgeholt hat?


Zitat
Billige Polemik! ::)

1) Es geht hier um Pen&Paper und nicht um Larp.
Für diejenigen, die den Unterschied nicht kennen:
LARP --> Spieler handeln
Pen&Paper --> Spieler erzählen

Sprich:
LARP --> Spieler foltern
Pen&Paper --> Spieler erzählen, wie sie foltern

Extrembeispiel vielleicht, aber diesmal keine Polemik. Genau diese Abstraktionsstufe unterläuft die Idee des "Du mußt den SL überzeugen" ja. Der SL ist eben nicht der ZielNSC (entsprechendes für Spieler und SC), weil er eben nicht mit diesem identisch ist, in dessen Schuhen steht bzw. aufgewachsen ist und nicht dessen Gefühle und Empfindungen (oder Schmerzen) durchmacht. Diese ganzen von der reinen Erzählung unabhängigen Elemente kann man nicht einfach ausblenden und das Ganze dann auf die reinen ihres Spielweit- und Charakterbezugs entleerten Worte reduzieren. Was zählt ist auf dem Platz, d.h. in der Spielwelt. Dafür wird ja eben eine Rolle gespielt.
Das Ausspielen des Spielers kann nur die Blaupause der Handlung, welche dann die grundsätzliche Richtung, Ressourcen und Methoden vorgibt, sein. Die Spielwelthandlung selbst kann erst durch eine Transformation erfolgen, für die dann Regeln, Charakterwerte im weitesten Sinne und ggf. Würfel für die übliche Unsicherheit anhand der unzähligen kleinen Unwegbarkeiten herhalten.

Zitat
Du gehst den Weg:
Werte --> Charakterkönnen

aber ebensogut kann man den umgekehrten Weg gehen:
Charakterkönnen --> Werte

(Von wertelosen Spielen ganz zu schweigen.)

Um einen Charakter zu verkörpern muss der Spieler eine Vorstellung haben, was dieser kann. Um dies in einem sozialen Umfeld wie einem gemeinsamen Spiel zu leisten, müssen auch die anderen dieses Verständnis haben.
Das muss nicht über schriftliche und an einem Maßstab orientierte Werte geschehen, hilft aber erheblich.

Und eben dieses Charakterkönnen ist auch kein Ergebnis spontanen Wunschdenkens, sondern der Charaktergeschichte in Bezug zu ihrer Umwelt.
Die komplette Kette lautet
Charakterkönnen (Konzept ,bzw. Charaktergeschichte)--> "Werte" (Charakterblatt/Istbeschreibung)--> Situation (Welt)--> Leistungsprofil (Ergebnis(se) auf Grund des Zusammentreffens von Welt und Char)


Zitat
Sagen wir es so:
Ich habe kein Erfolgserlebnis, wenn der Würfel einen guten Tag hatte.
In meinen Augen habe dann nicht ich, sondern der Würfel Erfolg.

Zufallserfolge gibt es immer wieder mal (entsprechend selten meist) und sind dann auch so dann meist auch kein besonderes Erfolgserlebnis, außer wenn es ein enstprechendes Risiko war. Dann ist es eben der Lohn der Angst.
Im Normalfall ist es aber kein einfaches Kopf oder Zahl sondern ein nennenswerter Konflikt ist eine Ansammlung zahlreicher Ressourceninvestitionen und Chancenverteilungen. Diese so zu arrangieren, dass ein Erfolg herauskommen kann, ist dann eben die Leistung, welche den Erfolg befriedigend macht. Der Würfel ist dabei einfach ein Teil der Würze durch Ungewissheit und ein anderer Teil eben des taktischen Riechers die richtigen lohnenden Risiken eingegangen zu sein (und der Herausforderung im Falle von Fehlschlägen die richtigen Alternativpläne gehabt zu haben).
Regeln für das Grundgerüst einer solchen Situationsabhandlung, sei es Kampf oder Operationssaal, erlauben es allen Beteiligten am Tisch durch das kompakte Angebot einer entsprechend unabhängig zu erlernenden Basis sich weitestgehend in Augenhöhe zu begegnen und ein Gerüst zu haben, auf dessen Basis man die Details halbwegs geordnet anhängen kann, ohne erst mühsam alle am Tisch immer wieder neu von Null auf ein gemeinsames Spielweltverständnis zu bringen.
Sinnvolle und dauerhaft befriedigende Herausforderungen benötigen dann eben auch ein System, welches auf mehr als Kopf oder Zahl hinausläuft.

Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 16:17
In so einem Fall würde es bei entsprechendem Interesse idealerweise ein System geben, welches eben Krankheitsverläufe und -behandlungen in Regeln faßt, so dass es ein Gerüst gibt, welches diesen Kernpunkt aus der Beliebigkeit und Trivialität des orinetierimgslosen Improvisierens befreit und den Spielern eine enstprechende Basis bietet um anhand dieses Systems auf einer halbwegs gemeinsamen Basis entsprechende Entscheidungen zu treffen, wie z.B. in einem Kampfsystem sonst.
Oder es geht nicht primär um die Krankheiten und den Kampf dagegen - dann ist Gesundung oder nicht eher Nebensache und es kein Problem, wenn es dann mit einem Wurf abgehandelt wird.
Kommen bei euch als Storyelemente nur Kämpfe und "Gegenstände herstellen" vor? Oder was für ein System benutzt ihr?
Weil ich kenne abgesehen vom Kampf (und Gegenstände herstellen) keinen Bereich, der im "normalen" RPG detaillierter behandelt wird als die Heilung.

Zitat
Genau diese Abstraktionsstufe unterläuft die Idee des "Du mußt den SL überzeugen" ja. Der SL ist eben nicht der ZielNSC (entsprechendes für Spieler und SC), weil er eben nicht mit diesem identisch ist, in dessen Schuhen steht bzw. aufgewachsen ist und nicht dessen Gefühle und Empfindungen (oder Schmerzen) durchmacht.
Bei uns musst du halt den SL überzeugen, da dieser ja den NSC verkörpert.

Wobei der SL natürlich die Eigenschaften des NSCs berücksichtigt:
Ist der NSC ängstlich, ist der SL eher bereit,s ich von Drohungen beeindrucken zu lassen.
Ist der NSC arrogant, ist der SL eher bereit, sich von Schmeicheleien und Wetten beeindrucken zu lassen.

Zitat
Im Normalfall ist es aber kein einfaches Kopf oder Zahl sondern ein nennenswerter Konflikt ist eine Ansammlung zahlreicher Ressourceninvestitionen und Chancenverteilungen. Diese so zu arrangieren, dass ein Erfolg herauskommen kann, ist dann eben die Leistung, welche den Erfolg befriedigend macht.
Gib doch mal ein Beispiel außerhalb des Kampfes und außerhalb des "Gegenstände herstellen", wie dort die zahlreichen Ressourceninvestitionen aussehen. Und auch ein Beispiel, wie du diese dann passend arrangierst. (Am besten in deinem Haupt-Rollenspielsystem.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 31.05.2010 | 16:37
Und spielt die Person mit Angsstörung einen SC, der sich dadurch auszeichnet, dass er keine Angst davor hat?

Er spielt jemanden, der definitiv weniger Angst hat als er selbst. Der damit auch Dinge tun kann, die er selbst nicht kann. Das heißt aber nicht, dass seine Angststörung nicht manchmal das Spiel bricht, weil der Spieler manche Sachen nicht kann, die der Charakter kann.

Bestimmte Sachen detailliert beschreiben geht auch nicht für jeden (es gibt Frauen, die bei der Beschreibung von Vergewaltigung Zusammenbrechen - die sollten dann vielleicht keinen Vergewaltiger spielen, aber warum keine Prostituierte, wenn halt festgelegt wird, dass bestimmte Dinge nicht beschrieben werden?).

Zitat
Und wenn wir einen geistig Behinderten in der Runde haben, der ein Kind oder einen Barbaren spielt, dann kann das auch sehr viel Spaß machen.

Es ist halt nur wichtig, dass man bei solchen Extremen etwas spielt, was zu einem passt.

Das hängt, denke ich, mehr davon ab, wieviel man integrieren kann und will. Es geht nicht alles (die Gesamtgruppe mit Querschnittsgelähmtem, Sprach- und Geistig behindertem zusammen wäre vermutlich recht schwer zusammenzuhalten). Aber das heißt eben nicht, dass es nicht funktioniert, wenn einer von ihnen in der Gruppe ist, der seine Rolle nur unzureichend spielen kann.

Es heißt aber auch nicht, dass du jemanden in deine Gruppe nehmen musst, dessen Spielstil dir nicht gefällt (um das mal klarzustellen).

Zitat
Zum Thema Diskriminierung möchte ich auf folgenden Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,52147.html) verweisen.

Habe mich da gerade reingelesen, nach drei Seiten aber abgebrochen. Es dauert mir zu lange, deine Aussagen darin zu finden…

Ich glaube aber, wir diskutieren gerade über zwei unterschiedliche Sachen. Ich frage, ob das Kriterium „spiel nur Charaktere, die du darstellen kannst“ allgemein gültig sein kann (z.B. ob es sinnvoll wäre, es in einem Regelwerk aufzunehmen – meiner Meinung nach nicht), während du sagst „ich will in meiner Runde, dass die Leute ihre Charaktere gut darstellen“.

Und das ist ein signifikanter Unterschied.

Zitat
Und ja: Spieler haben unterschiedliche Begabungen. Das muss man berücksichtigen. Und zwar in beide Richtungen: Der SL sollte nachsichtig sein, wenn jemand, der stottert eine Rede hält. Und der Stotterer sollte nicht unbedingt einen Barden oder Diplomaten spielen.

Das „muss“ sehe ich anders. Um so etwas auszugleichen, können wir Werte und Würfel verwenden.

Klar, in einer Runde, in der nie gewürfelt wird, kann der Stotterer nicht sagen

„I-i-ich rasple Süßholz, b-b-bis sie m-m-mir sagt, w-w-wo ich den Schlüssel z-z-zu ihrem Stadthaus f-f-finde. U-u-um sie zu ü-ü-überzeugen, l-l-lade ich sie zum Essen ein.“

Er muss stattdessen das ganze Gespräch ausspielen, und das wird vermutlich irgendwann anstrengend.

Wenn er aber würfeln kann, dann kann er sich darauf beschränken zu beschreiben, auf welche Art er versucht Leute zu überzeugen. Genau wie eben der Hänfling-Spieler mit dem Barbaren-Charakter nicht wirklich den riesigen Rucksack durch 20 Kilometer Steinwüste schleppen muss, sondern nur beschreibt, wie sein Barbar versucht, mit der Belastung umzugehen und dann würfelt.

Zitat
Ansonsten machen mir Herausforderungen im RL generell keinen Spaß. Egal, ob ich die Erfolgswahrscheinlichkeit abschätzen kann oder nicht. Aber das ist auch egal. Viel wichtiger ist: "Machen mir Herausforderungen, die ich nicht abschätzen kann, im RPG Spaß?"
Und hier lautet die Antwort: "Ja!"

Gilt das bei jeglicher möglichen Konsequenz? Wenn also dein Char bei der Herausforderung leicht sterben könnte?

Wenn einige Konsequenzen bei euch ausgeschlossen sind, gibt ihnen auch das eine gewisse Abschätzbarkeit.

Und wenn dir im RL Herausforderungen keinen Spaß machen, warum dann das als Maßstab für Herausforderungen im RPG nehmen?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 31.05.2010 | 18:25
Zitat von: Eulenspiegel
Sagen wir es so:
Ich habe kein Erfolgserlebnis, wenn der Würfel einen guten Tag hatte.
In meinen Augen habe dann nicht ich, sondern der Würfel Erfolg.

Du bist aber auch nicht deine Spielfigur. Du hast einfach nicht die gleichen Fähigkeiten, wie eine Figur in einem Rollenspielsystem, genauer gesagt, die ihre Rolle haben sollte.
Du kannst natürlich den SL beackern, dass er dir deine Erzählung abkauft und dann pi mal Daumen entscheidet, dass du recht hast. Nur begibst du dich aus der Ebene des Spiels (=Immersion) in die Ebene der Spieler. Plötzlich kommt es darauf an, was DU für eine Idee hast oder wie gut DU reden kannst.
Im Spiel aber kommt es darauf an, was eine Spielfigur kann, was für gewöhnlich über Werte von Eigenschaften, Talenten, Fertigkeiten abgebildet wird.

Spielerwissen mit Charakterwissen gleichzusetzen kann aber nicht funktionieren. Das liegt zum einen daran, dass das Charakterwissen, selbst in extrem ausführlich beschrieben Systemen wie DSA, nur grob für uns Spieler zusammengefasst wird.
Wir Spieler können gar nicht wissen, was zB ein Magier eines Fantasysystems über Magie wissen würde oder ein Wissenschaftler über modernste Technologie in einer SciFi Welt. Wohlmöglich funktioniert das ganz anders als auf der Erde. Wozu also etwas verlangen, was wir nicht erbringen können?

Ähnlich halte ich das mit den Sozialtalenten, überreden oder was auch immer. Das sind auch Fähigkeiten, die wir nicht haben, verglichen mit dem an die Spielwelt angepasseten Level einer Spielfigur.
Deswegen muss ich nicht den SL überzeugen, sondern den von ihm verkörperten NSC. Dieser kann ja etwa eine Argumentation, die der SL in RL total dämlich findet, den NSC überzeugt. Aus irgendeinem Grund, sei es, weil der NSC besonders tumb, naiv...ist oder das verwendete Argument in der Spielwelt einfach als allgemein Gültig gesehen wird.

Aber, soweit ich das herausdestilliert habe, hast du ja mit Kampfregeln kein Problem. Das spricht wieder für meine These, dass die meisten Systeme ein zu grobkörniges System für (Sozial-)Fertigkeiten haben und man jede wohl auch nach dem Kampfsystem modellieren sollte, um sie interessanter zu machen. Oder nach den Regeln fürs Crafting, die du oben angesprochen hast.

Ah, und wenn es nur ums Würfeln geht, es ist für mich auch unproblematisch ab bestimmter Höhe der Feritigkeitswerte insb. bei Wissensfertigkeiten abzuwinken und zu sagen, dass der Charakter das einfach weiss.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.05.2010 | 20:32
Habe mich da gerade reingelesen, nach drei Seiten aber abgebrochen. Es dauert mir zu lange, deine Aussagen darin zu finden…
OK, meine Aussage in Kurzformat:

Ich bin gegen Diskriminierung im öffentlichen Bereich.
Wenn jemand aber in seinem privaten Bereich Vorurteile hegt und eine bestimmte Personengruppe nicht mag, dann ist das vollkommen legitim. (Egal, ob seine Ansichten jetzt rational oder irrational sind.)

Zitat
Ich glaube aber, wir diskutieren gerade über zwei unterschiedliche Sachen. Ich frage, ob das Kriterium „spiel nur Charaktere, die du darstellen kannst“ allgemein gültig sein kann (z.B. ob es sinnvoll wäre, es in einem Regelwerk aufzunehmen – meiner Meinung nach nicht), während du sagst „ich will in meiner Runde, dass die Leute ihre Charaktere gut darstellen“.
Nee, Allgemeingültig ist das ganze natürlich nicht.
Das ist halt auf meinen präferierten Spielstil zugeschnitten.

Wenn jemand einen anderen Spielstil hat, dann kann es dort wieder ganz anders aussehen.

Zitat
Und wenn dir im RL Herausforderungen keinen Spaß machen, warum dann das als Maßstab für Herausforderungen im RPG nehmen?
Weil mir allgemein Sachen im RPG Spaß machen, die mir im RL keinen Spaß machen würden:

Alles Sachen, die mir im RL keinen Spaß machen.
Und genau so ist es mit Herausforderungen: Im RL machen sie keinen Spaß, aber im RPG machen sie Spaß.

Du bist aber auch nicht deine Spielfigur. Du hast einfach nicht die gleichen Fähigkeiten, wie eine Figur in einem Rollenspielsystem, genauer gesagt, die ihre Rolle haben sollte.
Und was hat das ganze jetzt mit Erfolgserlebnis zu tun?

Zitat
Spielerwissen mit Charakterwissen gleichzusetzen kann aber nicht funktionieren.
Hast du es denn schonmal probiert?

Und gerade bei High-Tech und bei Magie gilt: Wenn ein Spieler sagt, dass es so ist (und es hört sich plausibel an), dann ist es so. Stichwort Narrative Truth.

Zitat
Ähnlich halte ich das mit den Sozialtalenten, überreden oder was auch immer. Das sind auch Fähigkeiten, die wir nicht haben, verglichen mit dem an die Spielwelt angepasseten Level einer Spielfigur.
Ich habe es schon mehrmals Teylen gesagt und ich sage es jetzt auch dir:
Das kann man dadurch justieren, dass der SL weniger streng damit ist, für wie plausibel er das Gesagte des Spielers hält.

Zitat
Aber, soweit ich das herausdestilliert habe, hast du ja mit Kampfregeln kein Problem. Das spricht wieder für meine These, dass die meisten Systeme ein zu grobkörniges System für (Sozial-)Fertigkeiten haben und man jede wohl auch nach dem Kampfsystem modellieren sollte, um sie interessanter zu machen.
Nein. Dass ich kein Problem mit Kampf-Gewürfel habe, liegt an zwei Sachen:

1) Wir haben nicht genügend Platz in unserer Wohnung, um LARP-Kämpfe auszutragen.
2) Wir haben nicht genügend Co-SLs (und genügend Latex-Waffen), um einen Angriff durch eine Goblinhorde zu simulieren.

Im Sommer fällt zumindest Grund 1 weg. Und wenn du eine Lösung für Problem 2 findest, würden wir sofort auf LARP-Kämpfe beim Pen&Paper umsteigen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 31.05.2010 | 20:33
Ich habe kein Problem, wenn ein Spieler sein Spielerwissen geschickt in die Charakterhandlungen einflechtet. Niemand verbietet dem Charakter, zufällig die richtige Idee zu haben.  ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ErikErikson am 31.05.2010 | 20:39
Auspielen oder Würfeln, Auspielen oder Würfeln, entscheidet euch endlich mal!

Einerseits mag ich es, wenn der Efferdgeweihte zum 57. Mal "Efferd zum Gruße, er sei dreifach gepriesen... (1 min Predigt) abzieht. Komisch eigentlich.

Andererseits hasse ich es, wenn ich Hans-Alrik seine Mistgabel abschwatzen muss. Da würfel ich lieber.

Kurz, wenn es um was geht, und die Gefahr besteht, das Kiddygespräche entstehen ("Vertrau uns doch, weil...Nein, ich vertrau euch nicht, weil...soltest du aber, weil...) dann würfel ich lieber.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 1.06.2010 | 00:28
Ich brauche mich nicht zu entscheiden, denn ich variiere auch sehr gerne zwischen Würfeln und Ausspielen - mir ist ausspielen nur in der Mehrzahl der Fälle lieber.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 1.06.2010 | 01:01
Kommen bei euch als Storyelemente nur Kämpfe und "Gegenstände herstellen" vor? Oder was für ein System benutzt ihr?
Weil ich kenne abgesehen vom Kampf (und Gegenstände herstellen) keinen Bereich, der im "normalen" RPG detaillierter behandelt wird als die Heilung.
Bei uns musst du halt den SL überzeugen, da dieser ja den NSC verkörpert.

Im Falle von Dr.House hätten wir ein Spiel, welches bei einen entsprechend engen und häufig belasteten Fokus hätte wie sonst eben die Kampfspiele. Enstprechend wäre dort dann auch ein entsprechendes "Kampf"system sinnvollerweise zu entwickeln. Solche weiteren Detailsysteme sind leider sehr selten und entsprechend neben dem "Action"rollenspiel dann Nischenprodukte, so dass es da keine übergreifende und beeinflussende Entwicklung gibt, aber eben darumn gibt es eben auch kein Dr.House Rollenspiel. Alles andere muss dann halt hausgeregelt oder improvisiert werden, vorzugsweise auf Basis eines Systems, welches einen allgemein detailierten Handwerkskasten und Fertigkeiten hat.

Zitat
Wobei der SL natürlich die Eigenschaften des NSCs berücksichtigt:
Ist der NSC ängstlich, ist der SL eher bereit,s ich von Drohungen beeindrucken zu lassen.
Ist der NSC arrogant, ist der SL eher bereit, sich von Schmeicheleien und Wetten beeindrucken zu lassen.
Gib doch mal ein Beispiel außerhalb des Kampfes und außerhalb des "Gegenstände herstellen", wie dort die zahlreichen Ressourceninvestitionen aussehen. Und auch ein Beispiel, wie du diese dann passend arrangierst. (Am besten in deinem Haupt-Rollenspielsystem.)

Das ist nur die halbe Wahrheit: "... und die Eigenschaften des SC", denn die sind eben dann umgekehrt Teil der Umgebung des NSCs - und die am besten/genauesten beschriebenen Eigenschaften eines SCs sind seine Spielwerte. Ohne Schnittstelle um die Erklärungen von Spieler und Spielleiter an den Kontaktpunkten in Einklang zu bringen, redet man aneinander vorbei, produziert zusätzliche unnötige Missverständnisse oder gar Streit.
Wie viel beim Betrügen ist zum Beispiel vom Minenspiel und der restlichen Körpersprache abhängig. Der SC hat vielleicht körperlich bedingt gar kein wahrnehmbares Minenspiel oder des NSC könnte es gar nicht deuten, da die Kommunikation für ihn über einen Nebensinn erfolgt und Körpersprache bei ihm über Farbwechsel passiert.
Die Worte des Spielers können auch im sozialen nur Be-/Umschreibungen sein, genauso wie die physischen Aktionen und müssen in die Spielwelt hineintransformiert werden. Alles andere ist naiv und bietet ein völlig verkürztes Bild von Kommunikation und sozialen Situationen.

Ressourcen  sind hier im weitesten Sinne gemeint: Leute, die an bestimmte Orte geschickt werden, Einladungen zu Banketten, eingeforderte Gefallen, Appelle an Loyalität, die sich auch abnutzen, oder allgemein an Vertrauen, Bestechungsgelder, Erschöpfung für Gewaltmärsche ... .

Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 1.06.2010 | 01:03

Zitat
Und was hat das ganze jetzt mit Erfolgserlebnis zu tun?
Das ist relativ einfach, dein Erfolgserlebnis verzerrt das Spiel, weil du nicht mehr deine Rolle spielst, sondern wenn du es so haben willst dich selber. Dein Erfolgserlebnis ist daher wohl mehr etwas für RL, als für RPG. Denn da stellt man nach meinem Verständnis eine Rolle dar, die nicht der eigenen Persönlichkeit entsprechen muss. Diese Rolle hat für sich ihre Fähigkeiten, die anhand ihrer Werte dargestellt werden und nicht durch mein Können.
Ich kann allerdings entscheiden wie ich die Werte ausbaue und wie ich sie im Rahmen der Regeln einsetze. Sollte mein "Plan" dann aufgehen und der Würfelwurf ist erfolgreich, kann ich auch ein Erfolgserlebnis verzeichnen. Sei es, dass ich so schlau war und die Punkte richtig verteilt habe, oder die Idee hatte diese Fertigkeit zu nutzen.

Leider nur sind da viele Regeln sehr schwurbelig und man weiss daher nicht ob es sich lohnt da auszubauen oder wie man was einsetzt.


Zitat
Und gerade bei High-Tech und bei Magie gilt: Wenn ein Spieler sagt, dass es so ist (und es hört sich plausibel an), dann ist es so. Stichwort Narrative Truth.
Na das geht aber nicht in jedem System. Je genauer der Hintergrund beschrieben ist, desto weniger kann man Unsinn verzapfen und darauf insistieren.
Aber ja, Unsinn erzählen kann man immer. Ich finde das ist aber dann auch kein so gutes Rollenspiel, außer man spielt einen zerstreuten Professor oder sowas.
Narrative Truth erfordert zudem regeltechnische Interaktionsmechanismen, seien es Vetorechte oder sonstiges.
Hast du nicht in jedem System, daher halte ich es nicht für ohne weiteres auf konventionelle Systeme übertragbar.

Zitat
Ich habe es schon mehrmals Teylen gesagt und ich sage es jetzt auch dir:
Das kann man dadurch justieren, dass der SL weniger streng damit ist, für wie plausibel er das Gesagte des Spielers hält.

Das heisst also, wenn der SC einen guten Tag hat, nickt er alles ab und du hast immer Erfolg und wenn er mal schlecht drauf ist, dann gibt er dir immer Kontra und ihr verstrickt euch in Diskussionen. Ist dir das nicht zu willkürlich? Insbesondere wo du eine Figur darstellst, die man anhand ihrer Werte charakterisiert.


Zitat
Nein. Dass ich kein Problem mit Kampf-Gewürfel habe, liegt an zwei Sachen:

1) Wir haben nicht genügend Platz in unserer Wohnung, um LARP-Kämpfe auszutragen.
2) Wir haben nicht genügend Co-SLs (und genügend Latex-Waffen), um einen Angriff durch eine Goblinhorde zu simulieren.

Im Sommer fällt zumindest Grund 1 weg. Und wenn du eine Lösung für Problem 2 findest, würden wir sofort auf LARP-Kämpfe beim Pen&Paper umsteigen.

Jo, geh auf einen LARP Con.  ;D Sieht so aus als wärest du tatsächlich mehr so der LARP Fan.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 1.06.2010 | 01:11
Hu? Was willst du uns damit sagen?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Adanos am 1.06.2010 | 01:21
Da war ein quote Tag zu viel.  ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.06.2010 | 12:00
Wie viel beim Betrügen ist zum Beispiel vom Minenspiel und der restlichen Körpersprache abhängig. Der SC hat vielleicht körperlich bedingt gar kein wahrnehmbares Minenspiel oder des NSC könnte es gar nicht deuten, da die Kommunikation für ihn über einen Nebensinn erfolgt und Körpersprache bei ihm über Farbwechsel passiert.
Natürlich ist viel vom Minenspiel abhängig. Aber das kann der Spieler ja auch darstellen.

Wenn der NSCs technisch bedingt nicht die Gestik und Mimik des SCs wahrnehmen kann, dann schaut der SL halt weg, während er mit dem Spieler redet.

Und wenn die Kommunikation der Rasse über Farbe läuft (was wir bisher noch nie hatten), dann würde uns bestimmt auch etwas passendes dazu einfallen. So aus dem Standgreif: Die Sprache des Spielers entspricht dem Farbwechsel des SCs. Müsste eigentlich recht gut klappen. (Aber da wir noch nie einen Farbwechsel-SC hatten, kann ich da nichts praxisbedingtes zu sagen.)

Zitat
Die Worte des Spielers können auch im sozialen nur Be-/Umschreibungen sein, genauso wie die physischen Aktionen und müssen in die Spielwelt hineintransformiert werden.
Natürlich können die Worte auch Umschreibungen sein. Das bestreitet ja niemand.
Aber sie können auch die direkte Rede des SCs sein.

Und zweiteres bietet wesentlich mehr Herausforderung und stärkt die Immersion.
Daher ist Spielgruppen, die auf Immersion und/oder Herausforderung wert legen, die zweite Variante zu empfehlen. (Aber sie können natürlich auch die erste Variante mit der Be-/Umschreibung und anschließender Transformation wählen.)

Zitat
Ressourcen  sind hier im weitesten Sinne gemeint: Leute, die an bestimmte Orte geschickt werden, Einladungen zu Banketten, eingeforderte Gefallen, Appelle an Loyalität, die sich auch abnutzen, oder allgemein an Vertrauen, Bestechungsgelder, Erschöpfung für Gewaltmärsche ... .
Klingt interessant. Was für ein RPG spielst du, wo das geregelt ist? (Abgesehen von der Erschöpfung für Gewaltmärsche.)


Das ist relativ einfach, dein Erfolgserlebnis verzerrt das Spiel, weil du nicht mehr deine Rolle spielst, sondern wenn du es so haben willst dich selber. Dein Erfolgserlebnis ist daher wohl mehr etwas für RL, als für RPG. Denn da stellt man nach meinem Verständnis eine Rolle dar, die nicht der eigenen Persönlichkeit entsprechen muss. Diese Rolle hat für sich ihre Fähigkeiten, die anhand ihrer Werte dargestellt werden und nicht durch mein Können.
Also die Rolle hat erstmal einen Charakter. Dieser Charakter ist erstmal auch unabhängig von seinem Können.

Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, dann nehme ich daher erstmal diesen fremden Charakter an. Das ist das A und O des in die Rolle schlüpfen. (Das Können des SCs ist für die Rolle erstmal nebensächlich. Viel wichtiger ist: Was für einen Charakter hat er?)

Zitat
Ich kann allerdings entscheiden wie ich die Werte ausbaue und wie ich sie im Rahmen der Regeln einsetze. Sollte mein "Plan" dann aufgehen und der Würfelwurf ist erfolgreich, kann ich auch ein Erfolgserlebnis verzeichnen. Sei es, dass ich so schlau war und die Punkte richtig verteilt habe, oder die Idee hatte diese Fertigkeit zu nutzen.
OK, Erfolgserlebnis durch "guter Charakterbuild" kann ich nachvollziehen.
Ich persönlich bevorzuge zwar Systeme, die gebalanced sind und wo es keine Powergamer-Builds gibt, aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass so etwas Erfolgserlebnisse für den Spieler produziert.

Aber "hatte die richtige Idee, die richtige Fertigkeit zu benutzen" kann ich nicht nachvollziehen:
1) Man würfelt einfach auf Intelligenz/Klugheit. Und wenn man Erfolg hat, sagt einem der SL, was jetzt sinnvoll wäre.
2) Man würfelt einfach auf die besten Fertigkeiten, die man hat.

Zitat
Das heisst also, wenn der SC einen guten Tag hat, nickt er alles ab und du hast immer Erfolg und wenn er mal schlecht drauf ist, dann gibt er dir immer Kontra und ihr verstrickt euch in Diskussionen. Ist dir das nicht zu willkürlich? Insbesondere wo du eine Figur darstellst, die man anhand ihrer Werte charakterisiert.
1) Ich nehme mal an, du meinst SL und nicht SC.
2) Nein, denn wie sehr der SL alles abnickt oder nicht, hängt nicht von seiner Tagesform ab, sondern vom Gruppenvertrag. (Wenn der SL einen schlechten Tag hat, dann sorgt das eher für ein schlechtes AB und einen langweiligen Spielabend.)

Zitat
Jo, geh auf einen LARP Con.  ;D Sieht so aus als wärest du tatsächlich mehr so der LARP Fan.
Ich gehe ja auch regelmäßig auf LARPs. Aber
1) Wäre es zu teuer, jede 2. Woche auf einen LARP zu gehen.
2) Habe ich nicht immer den ganzen Tag Zeit, sondern manchmal nur 6 Stunden. Da lohnt sich der LARP nicht.
3) Ist mir LARP im Winter zu kalt.
4) Kann ich mir beim LARP nicht aussuchen, mit wem ich spiele. (Bzw. wen ich meinen Privat-LARP veranstalte, hätte ich zu wenige Spieler.)

Diese 4 Gründe sorgen dafür, dass ich zwar auch auf LARPs gehe, aber eben hauptsächlich Pen&Paper spiele. (Ist billiger, lohnt sich auch für Zwischendurch, ist wärmer und ich kann mir meine Mitspieler aussuchen.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 1.06.2010 | 17:47
Weil mir allgemein Sachen im RPG Spaß machen, die mir im RL keinen Spaß machen würden:
  • Im RPG macht es mir Spaß, mich bis zum Tod zu prügeln.
  • Im RPG macht es mir Spaß, angeschossen zu werden, damit eine hübsche Frau mir die Kugel aus der Wunde zieht.
  • Im RPG macht es mir Spaß, eine Frau zu sein.

Genau. Warum also notwendigerweise das RL als Maßstab für Sachen im RPG nehmen?

Anders gesagt: Wenn es dir im RL keinen Spaß macht, uneinschätzbare Herausforderungen zu haben, warum müssen die im RPG es sein?

Und sind die wirklich uneinschätzbar? (kannst du immer sterben, …?)

Es geht mir nur darum, den Maßstab „im echten Leben ist es aber so“ rauszukriegen und zur Frage zu gehen „was macht im Spiel am meisten Spaß?“
Titel: etwas OT: Diskriminierung
Beitrag von: ArneBab am 1.06.2010 | 17:52
OK, meine Aussage in Kurzformat:

Ich bin gegen Diskriminierung im öffentlichen Bereich.
Wenn jemand aber in seinem privaten Bereich Vorurteile hegt und eine bestimmte Personengruppe nicht mag, dann ist das vollkommen legitim. (Egal, ob seine Ansichten jetzt rational oder irrational sind.)

Dann will ich meine Gedanken dazu genauso kurz sagen: Ich denke dass es im privaten das gute Recht jedes einzelnen ist, dass es aber Gesamtgesellschaftlich zu großen Problemen führen kann, so dass ich einen Rollenspielstil, der Diskriminierung fördert, nicht unbedingt gut finde (wenn er sich verbreitet führt er zu Ausgrenzung).

Dagegen finde ich, dass Rollenspiel mit Würfeln als Zufallsfaktor sehr gut integriert: JedeR kann jeden Archetyp spielen, egal ob er/sie jetzt toll reden kann oder nicht.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 1.06.2010 | 17:53
1) Wir haben nicht genügend Platz in unserer Wohnung, um LARP-Kämpfe auszutragen.
2) Wir haben nicht genügend Co-SLs (und genügend Latex-Waffen), um einen Angriff durch eine Goblinhorde zu simulieren.

Im Sommer fällt zumindest Grund 1 weg. Und wenn du eine Lösung für Problem 2 findest, würden wir sofort auf LARP-Kämpfe beim Pen&Paper umsteigen.

Den Kampf in mehrere Einzelkämpfe aufteilen (jeweils ein Kämpfer gegen eine gewisse Zahl Gegner) und die nicht Beteiligten Spieler als SL rekrutieren.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.06.2010 | 18:07
Warum also notwendigerweise das RL als Maßstab für Sachen im RPG nehmen?
Nicht notwendigerweise. Aber das ist der Spielstil, der mir mehr Spaß macht.

Und warum macht er mir mehr Spaß:
- Weil er immersiver ist.
- Weil man als Spieler eine direktere Herausforderung hat.

Zitat
Anders gesagt: Wenn es dir im RL keinen Spaß macht, uneinschätzbare Herausforderungen zu haben, warum müssen die im RPG es sein?
Ich habe eine Gegenfrage:

Kannst du diese Fragen beantworten? Wenn ja, hast du auch gleich die Antwort auf deine Frage.

Zitat
Und sind die wirklich uneinschätzbar? (kannst du immer sterben, …?)
Welchen Sinn hat diese Frage?

Aber um deine Frage trotzdem zu beantworten:
Jain.
Mal sind die sozialen Verhandlungen, die ich führe, uneinschätzbar. (Wenn ich Pech habe, stirbt mein Charakter, weil er sich verplappert hat.)
Und mal sind die sozialen Verhandlungen abschätzbar. (Ich kann den größten Schwachsinn verzapfen, aber das Schlimmste, das passiert, ist, dass mein Gegenüber mich auslacht und meinen Wunsch ablehnt.)

Zitat
Es geht mir nur darum, den Maßstab „im echten Leben ist es aber so“ rauszukriegen und zur Frage zu gehen „was macht im Spiel am meisten Spaß?“
Für die erste Frage, bist du bei mir an der falschen Adresse. Ich habe nie argumentiert "im echten Leben ist das aber so".

Im Gegenteil: Ich habe genau in dem Post, auf den du geantwortet hast, explizit geschrieben, dass mir im RPG andere Sachen Spaß machen als im RL.

Und zu deiner zweiten Frage "was macht im Spiel am meisten Spaß":
Mir macht es im Spiel am meisten Spaß, wenn es Herausforderungen gibt, in denen auch die Fähigkeiten des Spielers gefordert sind. Und es macht mir Spaß, wenn es eine hohe Immersion gibt.

Und beides erreicht man wunderbar, wenn man die folgende Regel beachtet:
"So viel würfeln wie nötig. So wenig würfeln wie möglich."

Den Kampf in mehrere Einzelkämpfe aufteilen (jeweils ein Kämpfer gegen eine gewisse Zahl Gegner) und die nicht Beteiligten Spieler als SL rekrutieren.
Hmm, führt allerdings zu einigen Problemen:
1) Es sind nicht alle SCs Kämpfer. Und es ist die Rolle der Kämpfer, die Nichtkämpfer zu verteidigen. (Während die Nichtkämpfer dann zum Beispiel die Waffen der Kämpfer nachladen.) Das lässt sich schwer darstellen, wenn niemand zum verteidigen da ist.

2) Unsere Gruppe kämpft ja nicht im luftleeren Raum, sondern sie unterstützen sich gegenseitig:
- Wir kämpfen in Formation.
- Bei nur zwei SCs kämpfen wir Rücken an Rücken.
- Einer lenkt den Gegner ab, während der andere draufhaut.
- Der Nahkämpfer hält die Gegner an einer Engstelle im Pass, während die Fernkämpfer draufballern.
- Einer überschüttet den Gegner mit Öl, während ein zweiter dann ein brennendes Tuch auf ihn wirft.

Einzelkämpfe würden das ganze Teamplay zunichte machen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 1.06.2010 | 19:47
OK, Erfolgserlebnis durch "guter Charakterbuild" kann ich nachvollziehen.
Ich persönlich bevorzuge zwar Systeme, die gebalanced sind und wo es keine Powergamer-Builds gibt, aber ich kann zumindest nachvollziehen, dass so etwas Erfolgserlebnisse für den Spieler produziert.

Es gibt auch „im Rahmen der Grenzen des Charakters das bestmögliche geschafft“.

Nehmen wir an, mein Charakter kann nicht toll Sprechen, ich kann es aber. Dann versuche ich mich in meinen Charakter hineinzuversetzen und mit der besten Argumentation, die er/sie aufbringen kann, zu argumentieren.

Damit kann ich aber logischerweise die SL nicht überzeugen, den NSC vielleicht aber doch. Und auch wenn ich persönlich den NSC in Grund und Boden diskutieren könnte, kann das mein SC vielleicht nur mit viel Glück.

Für mich eröffnet also der „toll ausgespielt“-Bonus für meine tolle Darstellung der sehr schlechten Redefähigkeiten die Möglichkeit mit dem Wurf dann Erfolg zu haben.

Meine Darstellung modifiziert die Wahrscheinlichkeiten, und dadurch habe ich einen Teil des Erfolges des Charakters erzielt. Dazu kommt noch, dass die Mitspieler toll finden, was ich gemacht habe – sozialer Erfolg des Spielers.

Wenn ich jetzt schlecht sprechen kann, die SL aber sieht, dass ich für meine Fähigkeiten sehr gut war, bekomme ich möglicherweise den gleichen Bonus und habe so auch Erfolg – und die anderen in der Gruppe haben vermutlich auch Spaß daran zu sehen, was ich schaffen kann.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 1.06.2010 | 21:44
Ich habe eine Gegenfrage:
  • Warum macht es im RPG Spaß, sich bis zum Tod zu prügeln, aber im RL nicht?
  • Warum macht es im RPG Spaß, angeschossen zu werden, damit eine hübsche Frau mir die Kugel aus der Wunde zieht, aber im RL nicht?

Kannst du diese Fragen beantworten? Wenn ja, hast du auch gleich die Antwort auf deine Frage.

Der Grund ist der gleiche wie beim Lesen von Büchern: Es sind extremere Situationen.

Aber warum haben die meisten Filme ein Happy End?

Zitat
Welchen Sinn hat diese Frage?

Der Sinn ist die Frage nach dem Einfluss des Regelwerks auf euer Spiel, und damit die Frage, wie stark ausspielen, dann würfeln euer Spiel im Kern ändern würde, unabhängig davon, was euch im Detail mehr Spaß macht.

Die Frage: Spielt ihr ein Spiel, in dem die Werte des Charakters nichts ausmachen, oder ist euer Spiel eine Ausprägung des Rollenspiels, bei dem einfach der Fokus auf der schauspielerischen Leistung der Spieler liegt?

Zitat
Aber um deine Frage trotzdem zu beantworten:
Jain.
Mal sind die sozialen Verhandlungen, die ich führe, uneinschätzbar. (Wenn ich Pech habe, stirbt mein Charakter, weil er sich verplappert hat.)

Ist das schon häufiger passiert?

Zitat
Für die erste Frage, bist du bei mir an der falschen Adresse. Ich habe nie argumentiert "im echten Leben ist das aber so".

Du hast gesagt: „Herausforderung hat nichts mit Abschätzbarkeit zu tun. (Ich hatte im RL schon einige Herausforderungen, wo ich nicht annähernd abschätzen konnte, wie schwer oder leicht das ist.)“

Und daraufhin habe ich versucht zu erläutern, warum das für Herausforderungen im RPG nicht gelten muss. Eine Herausforderung im RPG kann dann deutlich mehr Spaß machen, wenn man in etwa weiß, was das schlimmste ist, was passieren kann bzw. um was es geht.

Zitat
Und zu deiner zweiten Frage "was macht im Spiel am meisten Spaß":
Mir macht es im Spiel am meisten Spaß, wenn es Herausforderungen gibt, in denen auch die Fähigkeiten des Spielers gefordert sind. Und es macht mir Spaß, wenn es eine hohe Immersion gibt.

Die beiden Punkte sehe ich zwar nicht als notwendigerweise zusammenhängend an (Immersion kann es auch ohne Herausforderungen an den Spieler geben, mMn sogar stärker), aber um beides zusammen zu erreichen ist deine Art zu spielen meinem Gefühl nach sehr passend.

Eine Liste „Ziele – Spielweisen“ wäre was praktisches. Das wäre auch ein tolles Ergebnis aus diesem Thread :)

Zitat
1) Es sind nicht alle SCs Kämpfer. Und es ist die Rolle der Kämpfer, die Nichtkämpfer zu verteidigen. (Während die Nichtkämpfer dann zum Beispiel die Waffen der Kämpfer nachladen.) Das lässt sich schwer darstellen, wenn niemand zum verteidigen da ist.

Dann kann ja einer die verschiedenen anderen darstellen.

Und die anderen, die nicht kämpfen, geben wundervolle Teilzeit-SLs ab :)

Zitat
2) Unsere Gruppe kämpft ja nicht im luftleeren Raum, sondern sie unterstützen sich gegenseitig:
Ihr könntet es verwirklichen, wenn ihr die Kämpfe in klein genuge Zeiteinheiten aufteilt, in denen jeweils Teilziele zu erreichen sind.


Kurz mal als Beispiele:

Zitat
- Wir kämpfen in Formation.
Dann können Gegner nur von einer Seite kommen, solange keiner besiegt wird. Kämpfe aufteilen in jeweils 3 Handlungen (oder so). Wird einer bedrängt, können die daneben einspringen (lassen dafür aber einen Gegner unbedrängt, der sich dann jemand anderen vorknöpfen kann).
Zitat
- Bei nur zwei SCs kämpfen wir Rücken an Rücken.
Die anderen sollten genügend viele sein, um die Gegner darzustellen. Hier also einfach 2 gegen viele.
Zitat
- Einer lenkt den Gegner ab, während der andere draufhaut.
Ebenso: Teamplay in kleinen Einheiten (hast du mal Suikoden gespielt? Computer-RPG.
Zitat
- Der Nahkämpfer hält die Gegner an einer Engstelle im Pass, während die Fernkämpfer draufballern.
Im Wechsel spielen. Wenn immer der Nahkämpfer seinen Gegner auf Abstand gebracht hat, darf der Fernkämpfer versuchen, eine Dartscheibe zu treffen.
Zitat
- Einer überschüttet den Gegner mit Öl, während ein zweiter dann ein brennendes Tuch auf ihn wirft.
Da ist nur ein Einzelgegner; drei Beteiligte kriegt ihr vermutlich zusammen.

Wo es nur sehr schwer klappen würde ist, wenn es darum geht, ob ihr überrannt werdet, weil da die Formation bricht, sobald auch nur einer zu Boden geht. Aber für irgendwas sollten Würfel ja auch bei euch gut sein :)

Es braucht dafür halt eine SL, die einen Überblick über die Einzelkämpfe hat, und ihr müsst schnell genug zwischen SC und NSC wechseln können.

Gerade wenn einige von euch keine Kämpfer sind, habt ihr aber vielleicht auch ohne Wechsel genug NSC zur Verfügung. Schließlich muss ein Toter nicht liegenbleiben.

Auf den zwei Larps auf denen ich bisher als NSC war, haben wir nachts zu sechst ein ganzes Lager auf Achse gehalten und waren sehr glücklich als uns die Spieler am nächsten Morgen gesagt haben, dass sie sicher waren wir wären mindestens 30, und das geht auch im kleineren Maßstab.

Zum Beispiel könnten die NSCs für jeden getöteten Gegner einen Würfelbeutel fallen lassen (der dann zur Leiche wird), zwei Schritte zurück gehen und wieder angreifen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 1.06.2010 | 22:01
Da haben sich ja zwei gefunden...  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.06.2010 | 23:58
Nehmen wir an, mein Charakter kann nicht toll Sprechen, ich kann es aber. Dann versuche ich mich in meinen Charakter hineinzuversetzen und mit der besten Argumentation, die er/sie aufbringen kann, zu argumentieren.
Damit hätte ich keine Probleme. Das wäre ja immernoch "ausspielen anstatt zu würfeln". Wäre also vollkommen im Rahmen meiner Argumentation "Ausspielen ist besser als würfeln".

Zitat
Meine Darstellung modifiziert die Wahrscheinlichkeiten, und dadurch habe ich einen Teil des Erfolges des Charakters erzielt. Dazu kommt noch, dass die Mitspieler toll finden, was ich gemacht habe – sozialer Erfolg des Spielers.
Wenn deine Darstellung toll war. Und wenn die Mitspieler deine Darstellung auch toll fanden: Wieso dann überhaupt noch würfeln?

Der Grund ist der gleiche wie beim Lesen von Büchern: Es sind extremere Situationen.
Und wieso soll das nur auf extreme Situationen zutreffen? Wieso kann dieser Unterschied zwischen RL und RPG nicht auch bei normalen Situationen auftreten?

Zitat
Aber warum haben die meisten Filme ein Happy End?
Keine Ahnung. Da musst du Hollywood fragen.
Ich habe letztens erst wieder einen Film gesehen, der kein Happy End hatte und der mich begeistert hat.

Zitat
Ist das schon häufiger passiert?
Dass mein Charakter gestorben ist, ist selten passiert.
Dass aber die Gefahr bestand, dass er stirbt, falls ich mich sehr dumm anstelle, ist häufig passiert.

Zitat
Und daraufhin habe ich versucht zu erläutern, warum das für Herausforderungen im RPG nicht gelten muss. Eine Herausforderung im RPG kann dann deutlich mehr Spaß machen, wenn man in etwa weiß, was das schlimmste ist, was passieren kann bzw. um was es geht.
Wir hatten ursprünglich darüber diskutiert, was eine Herausforderung ist.
Wir hatten nicht darüber diskutiert, welche Herausforderungen Spaß machen.

Und ob ich nun weiß, was das Schlimmste sein kann oder nicht, ist doch letztendlich für den Thread hier egal:
- Wenn ich eine Diskussion ausspiele, kann das Schlimmste, was mir passieren kann bekannt sein oder eben nicht.
- Und wenn ich eine Diskussion auswürfle, kann das Schlimmste, was mir passieren kann bekannt sein oder eben nicht.

Aber nehmen wir, um die Diskussion zu vereinfachen (und um nicht noch einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen) einfach mal an, dass ich dir in diesem Punkt zustimme.

Also ja: Wenn ich weiß, was mir im schlimmsten Fall zustoßen kann, dann macht es mehr Spaß, als wenn ich das nicht weiß.

Das ändert aber nichts an meiner Aussage, dass ausspielen mehr Spaß macht als auswürfeln.
Und das ändert auch nichts an meiner Aussage, dass ausspielen mehr Herausforderung bietet als auswürfeln.

Zitat
Die beiden Punkte sehe ich zwar nicht als notwendigerweise zusammenhängend an (Immersion kann es auch ohne Herausforderungen an den Spieler geben, mMn sogar stärker), aber um beides zusammen zu erreichen ist deine Art zu spielen meinem Gefühl nach sehr passend.
Es besteht auch kein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Herausforderung und Immersion.

Der kausale Zusammenhang ist folgender:
1) Darstellen ist eine größere Herausforderung als auswürfeln.
2) Darstellen fördert die Immersion stärker als auswürfeln.

Also:
a) Zwischen Immersion und Herausforderung besteht kein kausaler Zusammenhang.
b) Es besteht aber ein Zusammenhang zwischen Darstellung/Auswürfeln und Herausforderung.
c) Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen Darstellung/Auswürfeln und Immersion.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 3.06.2010 | 16:57
Wenn deine Darstellung toll war. Und wenn die Mitspieler deine Darstellung auch toll fanden: Wieso dann überhaupt noch würfeln?

Um zu prüfen, ob sie gut genug war. Dadurch kommt der Charakter mit seinen Werten stärker rein.

Zitat
Und wieso soll das nur auf extreme Situationen zutreffen? Wieso kann dieser Unterschied zwischen RL und RPG nicht auch bei normalen Situationen auftreten?

Er ist bei den extremen Situationen besser zu sehen. Aber der Grund warum ich von extremen Situationen geschrieben habe ist ein anderer: Eskalierende Konflikte sind interessant, und extreme Situationen sind Konflikte, die auf die Spitze getrieben werden.

Da im RPG Leute meist nicht so einfach sterben, können Konflikte immer höher getrieben werden – sie enden nicht so leicht, und Kämpfe (oft die ultimative Eskalation) werden (daher) im Gegensatz zum echten Leben nicht so stark vermieden.

Daher sind Herausforderungen im RPG nicht unbedingt mit denen im RL vergleichbar, so dass eine Verbindung von eigener Leistung und Spielgeschehen nicht alleine aus der Natur der Herausforderung entsteht, sondern geschaffen werden muss. Das ist die Schnittstelle zwischen würfeln und darstellen.

Zitat
Dass mein Charakter gestorben ist, ist selten passiert.
Dass aber die Gefahr bestand, dass er stirbt, falls ich mich sehr dumm anstelle, ist häufig passiert.

Dass es sehr selten passiert deutet darauf hin, dass ihr implizite Regeln nutzt, die den Charaktertod weniger wahrscheinlich machen - also den Tod nicht nur an deine Leistung koppeln.

Zitat
Also ja: Wenn ich weiß, was mir im schlimmsten Fall zustoßen kann, dann macht es mehr Spaß, als wenn ich das nicht weiß.

Das ändert aber nichts an meiner Aussage, dass ausspielen mehr Spaß macht als auswürfeln.

Es ändert etwas daran, wie viel vom Ergebnis der Handlung wirklich am Ausspielen hängt. Und damit daran, wie viel Würfel bei euch ändern würden (abgesehen von dem zusätzlichen Aufwand, der stören kann).

Zitat
Also:
a) Zwischen Immersion und Herausforderung besteht kein kausaler Zusammenhang.
b) Es besteht aber ein Zusammenhang zwischen Darstellung/Auswürfeln und Herausforderung.
c) Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen Darstellung/Auswürfeln und Immersion.

Bei a) und b) stimme ich dir zu (wenn Teile ausgewürfelt werden, sind die ausgewürfelten Teile keine Herausforderung an die Fähigkeiten des Spielers mehr).

c) dagegen erlebe ich anders (zumindest wenn du sagen willst, dass durch Darstellung die Immersion größer ist als durch Würfeln). Dadurch, dass ich für meinen Charakter würfle, werde ich stärker zu meinem Charakter, weil ich auf seine Fähigkeiten angewiesen bin, nicht auf meine.

Ich arbeite mit dem Maximum, das er/sie leisten kann, nicht mit dem Maximum, das ich leisten kann.

Die Schattenseite ist, dass ich weniger der Handlungen meines Charakters selbst ausführe und dadurch weniger (oft) mein Charakter bin.

Das heißt:

1. Die Immersion ist beim Würfeln dadurch stärker, dass die Realität meines Charakters in seinen Handlungen nicht (direkt) von meiner Leistung abhängt, so dass der Charakter stärker ein eigenständiges Wesen ist, in dessen Körper ich schlüpfe.
2. Sie ist aber im Gegenzug schwächer, weil ich in dem Moment, in dem ich würfle, eine andere Instanz zwischen mich und den Charakter schalte.

Dafür kann ich Rollen übernehmen, die ich nicht vollständig darstellen kann, und so fremdartigere Realitäten erleben.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 7.06.2010 | 16:28
Sprachstörung:
Kommt darauf an, wie stark die Sprachstörung ist. Wenn es sich nur um Lispeln handelt, dann kann ich es "wegimmersionieren". Wenn er jedoch stottert, dann stört mich das bei meiner Immersion. (Und ja, ich bin egoistisch genug, dass mir meine Immersion wichtig ist. - Und glücklicherweise ist meine Heimatstadt groß genug, dass ich mir meine Spieler aussuchen kann und nur mit Leuten spiele, die meine Immersion nicht stören.)
(Stotterer können in meiner Runde gerne mitspielen. - Aber entweder sie spielen einen SC, der auch ingame stottert, oder sie spielen eine Person, die sich redetechnisch nicht in den Vordergrund zwängt.)

Ergo deine Argumentation auf andere Gebiete ausgeweitet. Wenn der SL Mediziner ist, darf niemand nen Arzt spielen.

Es gibt viel zu viele Momente in denen man als Mediziner die Hände vors Gesicht schlägt bei Dingen die Patienten (der Rest der Welt) so tut.

Ich muss dann halt darüber hinwegsehen. Bei Kämpfen muss ich ja auch immer mein Wissen ausschalten (oder der SL beschriebt die Wunden nicht zu genau), würde sonst zu oft den Tod oder Verkrüppelung bedeuten.

Genauso unser SL ist Ingenieur. Der muss dauernd darüber hinweg sehen, wenn wir irgendwas basteln wollen.

Wenn wir also uns auf das hohe Ross setzen, nur spielen was man kann, würde unsere Gruppe aus Kriegern/Barbaren/Magiern bestehen. Glücklicherweise haben wir keine Gesiteswissenschaftler in der Runde. So darf wenigstens jemand nen Diplomaten oder so spielen.


Und ja ich bin bekennender Würfler, da ich gerne dem Tabletop hobby fröne. Jedoch dies erst später dazugekommen ist.

Beim Rollenspiel (oder jedem anderen Hobby) geht es mir darum Spaß zu haben. Da muss ich nicht das spielen, was ich sowieso bin. Wenn ich mit Leuten reden will, naja dann bleibt man länger bei der Arbeit. Schnetzeln kann man als nicht Chirurg nur zu Hause.

Und nun eine Spitze gegen das LARP und keine dicken Elfen. Wie unterscheide ich zwischen einem Elfen und einem Menschen der einen Elfen versucht zu imitieren. Beides Charaktere, nicht Spielerseitig.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 7.06.2010 | 16:37
Ergo deine Argumentation auf andere Gebiete ausgeweitet. Wenn der SL Mediziner ist, darf niemand nen Arzt spielen.

Es gibt viel zu viele Momente in denen man als Mediziner die Hände vors Gesicht schlägt bei Dingen die Patienten (der Rest der Welt) so tut.
Nein. Der Mediziner-SL gibt dem SC ein paar kleine Hinweise, wie er seiner Rolle besser gerecht werden kann. Also zumindest wenn ich das zu entscheiden habe.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 7.06.2010 | 17:36
Ergo deine Argumentation auf andere Gebiete ausgeweitet. Wenn der SL Mediziner ist, darf niemand nen Arzt spielen.
Nein, das ist nicht meine Argumentation.

Nur um etwas klar zustellen:
1) "Wer kein Diplomat ist, darf keinen Diplomaten spielen"
würde entsprechen:
"Wer kein Arzt ist, darf keinen Arzt spielen."

oder

2) "Wer rhetorisch unbegabt ist, darf keinen Diplomaten spielen"
würde entsprechen:
"Wer im Biologie-Unterricht nicht aufgepasst hat, darf keinen Arzt spielen."

oder

3) "Wer einen leichten Sprachfehler hat, darf keinen Diplomaten spielen"
würde entsprechen:
"Wer nicht weiß, dass das Herz Blut pumpt, sondern das Herz für die Quelle von Emotionen hält und wer homöopathische Mittel für toll hält, darf keinen Arzt spielen."

oder

4) "Wer einen schweren Sprachfehler hat, darf keinen Diplomaten spielen"
würde entsprechen:
"Wer den Unterschied zwischen Roboter und Mensch nicht kennt, darf keinen Arzt spielen."

Alles vier wären gültige Entsprechungen. Aber wie du darauf kommst, dass
"Wer kein Arzt ist, darf keinen Arzt spielen."
eine gültige Entsprechung für
"Wer einen schweren Sprachfehler hat, darf keinen Diplomaten spielen"
ist, ist mir schleierhaft.

Nochmal, weil das scheinbar so schwer zu verstehen ist:
- Man muss kein Diplomat sein, um einen Diplomaten spielen zu können.
- Und man muss kein Arzt sein, um einen Arzt spielen zu können.

Wie häufig muss ich das noch wiederholen? ::)

Zitat
Beim Rollenspiel (oder jedem anderen Hobby) geht es mir darum Spaß zu haben. Da muss ich nicht das spielen, was ich sowieso bin. Wenn ich mit Leuten reden will, naja dann bleibt man länger bei der Arbeit. Schnetzeln kann man als nicht Chirurg nur zu Hause.
Und wenn ich würfeln will, naja, dann hole ich das Warhammer 40k Tabletop heraus und zocke eine Runde.

Was glaubst du, ist der Hauptunterschied zwischen dem Warhammer 40k TableTop und dem Warhammer 40k RPG?
(Bei dem einen würfelt man und bei dem anderen erzählt man.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 7.06.2010 | 17:49
Bei dem einen hat man eine Armee, bei dem anderen nur sich und seine zweifelhaften "Gruppenmitglieder".  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 7.06.2010 | 17:53
OK, wenn du das Warhammer 40k RPG als TableTop auf Skirmish Level (http://de.wikipedia.org/wiki/KoSim#Die_Wargame_Spielebenen) spielst, dann hast du damit sicherlich Recht. :)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 7.06.2010 | 18:00
Ich dachte dich verstanden zu haben.

Wenn sie jedoch ein Problem haben, dass auf  Grund ihres Wissen besteht (oder dem Fehlen davon), dann kann ich dir da locker zustimmen. Es ist lösbar.

Rhetorisch stellst du den Menschen ein Problem in den Weg, für das sie nichts können. Sprachfehler. Das kann er nicht lösen. Ergo würde ich halt auch sagen, dass ich da lockerer sein sollte als toleranter Mensch.

Ich muss aber zugeben, dass ich keinen Freund mit Sprachfehlern habe. Das macht es mir zugegebenermaßen einfacher so zu argumentieren.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2010 | 18:01
"Wer nicht weiß, dass das Herz Blut pumpt, sondern das Herz für die Quelle von Emotionen hält und wer homöopathische Mittel für toll hält, darf keinen Arzt spielen."

Dann dürfte mein Arzt keinen Arzt spielen :)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2010 | 18:07
Es bleibt doch das Grundproblem, dass die Vorstellungen z.B. von einer gelungenen Rede, aber auch etlichen fachlicheren Darstellungen hochgradig geschmacks- und persönlicher Erfahrung abhängig sind, vor dem Problem stehen eben nicht direkt in den Schuhen des Chars zu stecken, von den fehlenden unterbewußten und nichtsprachlichen Einflüssen und von den potentiell noch weit unterschiedlichen Vorstellungen fremder Lebenssituationen ganz zu schweigen.

Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 7.06.2010 | 18:11
Es bleibt doch das Grundproblem, dass die Vorstellungen z.B. von einer gelungenen Rede, aber auch etlichen fachlicheren Darstellungen hochgradig geschmacks- und persönlicher Erfahrung abhängig sind,
Nicht, wenn du mit einer Runde spielst, die auf einer Wellenlänge mit dir ist.

Und auch ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch in relativ heterogenen Kreisen, relative Einigkeit darüber herrschte, ob eine Rede gelungen war oder nicht. (Einzige Ausnahme: Wenn man über den Inhalt der Rede eine Meinung hatte. - Viele Leute sind bei Themen, die sie persönlich betreffen nicht in der Lage, zwischen vermittelten Inhalt und Art der Vermittlung zu differenzieren. - Aber dieses Problem tritt beim RPG eher selten auf.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2010 | 18:19
Nicht, wenn du mit einer Runde spielst, die auf einer Wellenlänge mit dir ist.

Davon hatte ich genau ein, aber das war die große Ausnahme und zusätzlcihdurch eine überaus wohlwollende und tolerante Gruppendynamik gekennzeichnet, welche doch auftretende Unterschiede schnell und ohne Egobeschädigungen erledigen lies .

Der anzusetzende Normalfall scheint mir dann doch der Problemfall zu sein - insbesondere, da Regeln udn damit auch die damit verbundenen Mechaniken primär den Anfänger unterstützen sollen und damit auch Leute, denen alleine schon auf Grund mangelnder gemeinsamer Spielhistorie und Erfahrung diese gemeinsame Wellenlänge fehlt.
Der erfahrene Spieler kann sich dann mit der Zeit ja kontrolliert seiner Stützräder entledigen.

Persönliche OOC-Meinungen und Befindlichkeiten sind nur noch zusätzliches Tüpfelchen auf dem I der Kontroverse.

Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 7.06.2010 | 18:40
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Anfänger gerne regellos spielen und sich durch Regeln eher abschrecken lassen.

Ich hatte z.B. damals zwei Mitschüler zum RPG gebracht, indem ich spontan beschlossen hatte, am Lagerfeuer mal eine Beispielsession einzuführen. (Die ganzen Lagerfeuergeschichten waren bereits erzählt. Die meisten Mitschüler waren schon Müde und sind zu Bett gegangen, so dass wir am Ende zu fünft da waren. Zwei von ihnen hat das Lagerfeuer-RPG so gut gefallen, dass sie mit Pen&Paper angefangen haben.)

Und auch jetzt kann ich bei kompletten Neulingen besser das Interesse wecken, wenn ich recht regelarm und würfellos spiele. (Man muss sich ja irgendwie deutlich von den ganzen Brettspielen, die die Neulinge bisher nur kennen, abgrenzen.)

Ansonsten weiß ich natürlich nicht, wo du wohnst. Aber hier in meiner Gegend funktioniert das mit "auf einer Wellenlänge" mit durchschnittlich jeder 2. bis 3. Runde. (Und man kann die Erfolgsquote noch leicht steigern, indem man im Vorfeld klar macht, welchen Spielstil man pflegt etc.) Die Runden, mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge bin, verlasse ich dann auch wieder recht schnell. (Gibt ja genügend Auswahl an Runden.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 8.06.2010 | 18:03
Zitat von: Tuempelritter
Nach dem, was ich bisher gelesen habe, fühle ich mich in meiner Ansicht bestärtkt, dass Ausspieler eher zum Erzählspiel neigen. Einzig Teylens Position, die ich aufgrund anderer Aussagen für einen Storytelling-Fan hielt, verwundert mich ein Bisschen (wobei ich das mit dem "NSCs dürfen mit social skills SCs herumkommandieren" gut in mein weltbild integrieren kann.)
Im es etwas zu relativieren entdeckte ich nachdem leiten einer Runde das ich vielleicht doch eher wohl zu ergebnisoffenem bzw. Spielerentscheidungen einbindendem Spiel als strikter Erzaehlspielerei neige. Zumindest war das so das Feedback das bisher zurueck kam.

Mir ist halt nur wichtig das am Ende eine gute, spannende Geschichte erzaehlt wurde und man Spass hatte. Und Geschichte an denen man Spass hatte sind gut und spannend.

Daneben fuehle ich mich beim leiten eher schlecht wenn ich nicht die Charakter Boegen der Spieler habe oder bei einem Kampf Encounter nicht darauf achtete das er auch ausgewogen designt ist.


@Eulenspiegel
Da du schreibst das du deinen Charakter im Grunde definierst bevor du dir ein zu dem Charakter und Spielstil passendes System holst, wuerde ich nur gerne anmerken das ich eher zu der umgekehrten vorgehensweise neige.
Das heisst ich sehe mir erst das Setting sowie das System an und entscheide mich darauf basierend was ich gerne spielen wuerde.

Es gibt selten den Fall das ich mir sage das mir, just als Beispiel, das Setting der Desperate Housewives so gut gefaellt, das ich gerne ein passendes System dazu habe das einen Schwerpunkt auf soziale Interaktion legt.

Wenn dann das System steht und ich mir einen Charakterbogen habe demnach meine Hausfrau eine sehr gute Aerztin ist, ist das fuer mich etwas das der Charakter, entsprechendes Wuerfelglueck vorausgesetzt sehr gut kann. Obwohl mein Wissen ueber Medizin kurz nachdem erste Hilfekurs und einer handvoll Arzt-Aktionen in Aktion Serien endet.

Kommt es dann dazu das der Charakter jemanden verartzten soll, der gerade einen Streifschuss am Hals ab bekam wuerde ich mit meinem Charakter dem natuerlich helfen wollen. Heisst der Charakter geht hin, schaut sich die Wunde an, was an Moeglichkeiten gegeben ist, ich beschreibe wie er ein paar saubere Tuecher nimmt, er wuerfelt auf seine Medizin Kenntnisse, und wenn er Erfolg hat, dann stoppt er die Blutung. Nun und wenn es vom Arzt-Technobabbel her gerade so ueber die Lippen kommt, auch mit dem ersten funktionierenden Druck Verband am Hals.
Ich mein ernsthaft, ich habe keine Ahnung was ein Druck Verband macht, ausser das er wohl was abdrueckt, in dem Fall die Blutung, punktuell. Aber es geht ja auch nicht um Realismus sondern darum ein fiktiver Arzt zu sein der anderen Leuten das Leben rettet. Wie bei Grays Anatomy oder Doctor House oder wie die Arzt Serien alle heissen.

Und nur weil man wuerfelt heisst es nicht das man eine Doctor House Folge in 3 Minuten zu ende wuerfelt.


Um das Go Beispiel zu bemuehen, es aber staerker mit dem RPG zu verbinden.
Ich haette kein Problem damit wenn ein Spieler der im richtigen Leben gerade mal weiss das es beim Go schwarze und weisse Steine gibt die man setzt, einen Charakter spielt der das absolute As im Go ist.
Der dann auch gegen meinen Charakter der eher eine Go Niete ist gewinnt.
Mit total abwegigen Beschreibungen die mir als jemand der im richtigen Leben nicht allzu uebel Go spielt eher die Nackenhaare rauf stehen lassen.
Die Zeichnerin von Hikaru no Go hat auch bewiesen das man da spannende Geschichte erzaehlen kann.

Zitat
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Anfänger gerne regellos spielen und sich durch Regeln eher abschrecken lassen.
Ich habe einige Jahre lang ausschliesslich regelloses Rollenspiel ueber Mail und spaeter Foren gespielt. Die laengste Zeit dabei in Star Trek Rollenspielen.

Es hat anfangs durchaus Spass gemacht, allerdings ergaben sich spaeter, so mindestens nach etwa zwei Jahren, doch Probleme die dazu fuehrte das ich mich nur noch mit grauen an die Zeit zurueck erinnere.

Darunter faellt unter anderem auch die fehlende Beschreibung und damit Einschraenkung des Charakter durch ein Wertegeruest sowie Wuerfel Mechaniken.
Darunter faellt ganz besonders das von Spielern die Counselors spielte beispielsweise erwartet wurde das sie eine entsprechende "Facharbeit" ueber eine psyschische Stoerung schreiben oder man neben den Charakteren auch die Spieler durch eine Akademie schickt(e); inklusiver Tests - oder sich auch so etwas einfallen liess wie Charaktertests fuer die Eignung ob man einen Charakter in fuehrender Position spielen darf.

Nun wuerde ich ja, bzw. wollte ich ja, damals gern sowas spielen wie einen Sicherheits Offizier oder aber einen Counselor. Aber sicherlich kein "ich" als Sec oder Cou. Geschweige den zu den Mary Sue Auswuechsen zu denen das fuehrt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.06.2010 | 00:02
Um das Go Beispiel zu bemuehen, es aber staerker mit dem RPG zu verbinden.
Ich haette kein Problem damit wenn ein Spieler der im richtigen Leben gerade mal weiss das es beim Go schwarze und weisse Steine gibt die man setzt, einen Charakter spielt der das absolute As im Go ist.
Klar kann man das so spielen. Aber da fehlt imho total die Herausforderung und die Immersion.

Wenn du einfach nur zeigen willst, was für ein cooler Typ du bist, ist das ja vollkommen in Ordnung, einfach eine Probe auf Go zu machen und gut ist.

Wenn du aber willst, dass das Go-Spiel gegen den Kaiser eine Herausforderung für die Spieler ist, dann reicht einfaches würfeln halt nicht mehr aus. (Klar kann man eine vergleichende Probe machen. Und wenn der SC besser würfelt als der Kaiser-NSC, dann hat der SC gegen den Kaiser gewonnen. - Aber so etwas ist nunmal keine Herausforderung.)

Zitat
Darunter faellt unter anderem auch die fehlende Beschreibung und damit Einschraenkung des Charakter durch ein Wertegeruest sowie Wuerfel Mechaniken.
Also fehlende Beschreibung kann ich nicht nachvollziehen. Auch beim regellosen Spiel kann man wunderbar detaillierte Beschreibungen des SCs abgeben.

Zitat
Darunter faellt ganz besonders das von Spielern die Counselors spielte beispielsweise erwartet wurde das sie eine entsprechende "Facharbeit" ueber eine psyschische Stoerung schreiben oder man neben den Charakteren auch die Spieler durch eine Akademie schickt(e); inklusiver Tests - oder sich auch so etwas einfallen liess wie Charaktertests fuer die Eignung ob man einen Charakter in fuehrender Position spielen darf.
Wie ich in einem anderen Thread schonmal anmerkte:
"Scene framing ist dein Freund!"

Sprich: Man spielt die Sachen aus, die man interessant und spannend findet. Und die Sachen, die man langweilig findet, werden einfach übersprungen.

Wenn jemand also High School Filme cool findet, dann kann man den Prüfungsstress gerne ausspielen. (Und Spieler 1besteht den Test, weil er ihn outtime gelernt hat und Spieler 2 besteht den Test, weil er beschreibt, wie er heimlich von Spieler 1 abguckt. Und Spieler 3 besteht den Test, weil er einen Spickzettel benutzt. Und Spieler 4 besteht den Test, weil sein Vater ein reicher Milliardär ist und den Lehrer besticht.)

Wenn du High School Filme jedoch langweilig findest, dann geschieht das ganze im off. Man spielt also das Leben nach Schulschluss. Und sobald die Schule wieder beginnt, macht man einen Cut und spult nach vorne, bis sie wieder zu Ende ist.

Hartwurstiges Behandeln von jeder Kleinigkeit ist immer langweilig. Egal, ob man das nun mit ausspielen oder mit auswürfeln macht.
Ich finde das ausspielen einer Prüfungsvorbereitung langweilig. Ich finde es aber auch langweilig, wenn wir auswürfeln, ob die Prüfungsvorbereitung erfolgreich war oder nicht.

Solche langweiligen Sachen sollten in beiden Spielstilen (Ausspielen und Auswürfeln) nur knapp in einem Nebensatz erwähnt werden, um sich dann den interessanteren Dingen zu widmen.

Zitat
Nun wuerde ich ja, bzw. wollte ich ja, damals gern sowas spielen wie einen Sicherheits Offizier oder aber einen Counselor.
Wie stellst du dir denn die Rolle eines Sicherheitsoffiziers in einem würfelbasierten Spiel vor?
SL: "Auf euren Schiff wurde eine Leiche gefunden."
Spieler: "Ich würfle mal eine Probe auf 'Fall aufklären' und überführe dann den Täter."
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Skele-Surtur am 9.06.2010 | 00:15

"Wer nicht weiß, dass das Herz Blut pumpt, sondern das Herz für die Quelle von Emotionen hält und wer homöopathische Mittel für toll hält, darf keinen Arzt spielen."

Dummes beispiel. Ich kenne Ärzte, die Homöpathie anwenden. Wenn jemand, der Homöpathie offensichtlich gut findet, Arzt sein kann, dann kann auch jemand, der Homöpathie gut findet einen spielen.  ;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 9.06.2010 | 13:18
Dummes beispiel. Ich kenne Ärzte, die Homöpathie anwenden. Wenn jemand, der Homöpathie offensichtlich gut findet, Arzt sein kann, dann kann auch jemand, der Homöpathie gut findet einen spielen.  ;D

Wenn man jetzt böse wäre, könnte man sagen:
Nein, kein Arzt, ein Charlatan, der einen Arzt spielt, und zwar ohne genug Punkte in den Skill 'evidenzbasierte Medizin' investiert zu haben, sondern im Vertrauen darauf, daß der SL ihn mit 'freiem Ausspielen' durchkommen läßt und selber nur auf den Hintergrund von 'Bild der Frau' und 'Focus' zurückgreifen kann.
 >;D
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 9.06.2010 | 13:23
Dummes beispiel. Ich kenne Ärzte, die Homöpathie anwenden. Wenn jemand, der Homöpathie offensichtlich gut findet, Arzt sein kann, dann kann auch jemand, der Homöpathie gut findet einen spielen.  ;D
Wenn man jetzt böse wäre, könnte man sagen:
Nein, kein Arzt, ein Charlatan, der einen Arzt spielt, und zwar ohne genug Punkte in den Skill 'evidenzbasierte Medizin' investiert zu haben, sondern im Vertrauen darauf, daß der SL ihn mit 'freiem Ausspielen' durchkommen läßt und selber nur auf den Hintergrund von 'Bild der Frau' und 'Focus' zurückgreifen kann.
 >;D
Der Arzt weiß vlt.:
A) homöopathische Mittel können nichts kaputt machen, weil nichts drin ist.
B) der Placeboeffekt wirkt.
C) der Patient glaubt nicht dass es Nebenwirkungen gibt, also gibt es auch keien Noceboeffekt.

Wenn er also versucht Migräne und nicht gleich einen Tumor so zu behandeln kann es sich durchaus um einen guten Arzt handeln.
Weil es nichts "kaputt macht" wenn es nicht funktionieren sollte.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 10.06.2010 | 00:41
Wenn man jetzt böse wäre, könnte man sagen:
Nein, kein Arzt, ein Charlatan, der einen Arzt spielt, und zwar ohne genug Punkte in den Skill 'evidenzbasierte Medizin' investiert zu haben, sondern im Vertrauen darauf, daß der SL ihn mit 'freiem Ausspielen' durchkommen läßt und selber nur auf den Hintergrund von 'Bild der Frau' und 'Focus' zurückgreifen kann.
 >;D

Auch nicht (notwendigerweise). Ein Arzt, der weiß, dass evidenzbasierte Medizin nur da funktioniert, wo die Messmethode bereits ausreichend beziffert ist.

Und gerade das ist bei Homöopathie schwer, weil sie weniger direkt wirkt als z.B. ein Antibiotikum.

Aber sie wirkt (nach Erfahrungen von Freunden) bei Haustieren und Kleinkindern, ohne dass die wüssten, dass sie jetzt was tolles gekriegt haben. Also kommt da entweder ein anderer Mechanismus mit rein (z.B. „mein Herrchen/Frauchen denkt, es würde mir jetzt bald besser gehen, also heile ich lieber mal schnell”) oder Homöopathie wirkt.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 10.06.2010 | 01:16
Dummes beispiel. Ich kenne Ärzte, die Homöpathie anwenden. Wenn jemand, der Homöpathie offensichtlich gut findet, Arzt sein kann, dann kann auch jemand, der Homöpathie gut findet einen spielen.  ;D

Ich bin bei einem Arzt, der Homöopathie nutzt, und sie hat gewirkt (gegen die Nachwirkungen einer allergischen Reaktion), wo die konventionellen Salben versagt haben, obwohl ich an die Salben „geglaubt“ habe (ich habe die Salben getestet und gemerkt, dass sie besser wirken, als eine einfache Creme).

In der heftigen Phase habe ich aber lieber auf die Antihistaminika gebaut, weil es da schnell gehen musste.

Und leider gibt es auch unter Wissenschaftlern viele Dogmatiker, deren Aussagen genauso von Glauben statt Experiment und Theorie geprägt sind, wie die vieler Esoteriker. Dogmatiker im Sinne von „was ich nicht erlebe, kann auch für andere nicht funktionieren“.

Ebenso gibt es aber leider auch unter Esoterikern Leute, die gerne wissenschaftliche Begriffe gebrauchen, ohne zu verstehen, von was sie eigentlich reden und was die Theorien dahinter sind (und da stehen mir als Physikstudent dann fast die Haare zu Berge).

Beides ist unwissenschaftlich.

Trotzdem könnte auch der Esoteriker einen Wissenschaftler spielen. Wenn ich Spielleiter wäre, würde ich ihn dann allerdings bitten, keine allzu Haarsträubenden Theorien zu nutzen, weil auch ich meine Grenzen habe (und offplay die Pseudowissenschaft zu lassen, während ich dabei bin, weil wir uns sonst in die Haare kriegen würden :) ).

Und der Dogmatische Forscher könnte einen Magier spielen - ich würde ihm dann auch die Fähigkeit „plötzlicher Realitätseinbruch“ zugestehen, mit der er Magie kontern kann :)

→ http://1w6.org/deutsch/magie/magie-ideen#real
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.06.2010 | 11:49
Ich hatte Surtur extra eine PN geschrieben, in der Hoffnung, das OT-Thema hier ausklammern zu können.

Wenn noch Diskussionsbedarf besteht, verschiebt die Posts doch bitte in die Community.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 10.06.2010 | 13:23
Ich hatte Surtur extra eine PN geschrieben, in der Hoffnung, das OT-Thema hier ausklammern zu können.

Ich habe es extra mit einem Weg zurück zum Thema abgeschlossen, damit wir wieder rein kommen. Scheint nicht deutlich genug gewesen zu sein…

Daher jetzt eine weitere relevante Frage: Wenn jemand, der keine Ahnung von wissenschaftlicher Arbeit hat, einen Wissenschaftler spielt und mit haarsträubenden Fehlern erzählt, wie die wissenschaftliche Methode (Theorie+Experiment; „two-step“) funktioniert, ist für die Spielwelt dann wahr, was er gesagt hat, oder wird im Nachhinein korrigiert, was sein Charakter sagte?

Nehmen wir an, er würfelt noch auf die Erklärung und würfelt unglaublich gut, was bedeutet das für die Spielrealität? Verändert sich die Spielwelt („das ist jetzt die wissenschaftliche Methode hier“) oder verändert sich nachträglich, was der Charakter gesagt hat?

Oder hat er wegen dem Unsinn, den sein Spieler verzapft hat, überhaupt keine Chance, die Probe zu schaffen? (bzw. wird nicht gewürfelt und die Kenntnis des Charakters ignoriert?)

(und, war das ein erfolgreicher Zirkelschluss? Wenn wir hier schon so eine Diskussion hatten, können wir die auch gleich gnadenlos für das Thema ausschlachten ;) )
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 10.06.2010 | 13:31
Man hätte lieber mal gewürfelt bevor man was gesagt hat.
Und dann hätten vlt ALLE zusammen sich überlegen sollen, was der Char jetzt sagt.
Wenn ein Spieler dazu besonders qualifiziert ist sollte der vlt. als beratende Kompetenz angesehen werden.

Oder um es kurz zu sagen: "Wenn Friseuse Susi einen Atomphysiker spielt dann fragt sie Physikstudent Jan was ihr Charakter jetzt sagen könnte."

EDIT: SIE eingefügt, so macht das mehr Sinn
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 10.06.2010 | 13:39
Damit haben wir jetzt 5 Möglichkeiten:


So haben wir auch ein schönes Spektrum mit „der Charakter handelt immer konsistent in der Welt“ auf der einen Seite, „die Welt ist immer konsistent mit den Handlungen der Charaktere“ auf der anderen Seite und „was der Spieler sagt ist immer wahr“ irgendwo zwischendrin.

Eigentlich sind es sogar zwei Skalen, nämlich


[^1]: Das betrifft auch die Auswirkung der Handlung: Gelingt sie oder nicht?

Und das gibt dann auch dem Würfeln unterschiedliche Bedeutung.

Und jetzt die Eingangsfrage des Threads nochmal strukturiert: Was spricht für welchen Punkt? Wann sollte also welche Technik genutzt werden?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 10.06.2010 | 13:59
Damit haben wir jetzt 5 Möglichkeiten:

  • Erst würfeln. Zusammen überlegen, was des für die Handlung bedeutet.
  • Ausspielen, dann würfeln. Je nach Ergebnis des Wurfes ändert sich möglicherweise im Nachhinein, was der Charakter gesagt hat. das Ausspielen gibt vll. Boni oder Mali auf den Wurf.
  • Ausspielen. Was der Spieler gesagt hat, gilt in jedem Fall für den Charakter.
  • Ausspielen, dann würfeln. Je nach Ergebnis der Wurfes ändert sich möglicherweise die Spielwelt. Das Ausspielen gibt vll. Boni oder Mali auf den Wurf.
  • Ausspielen. Was der Spieler sagt ist wahr oder falsch, je nach Werten des Charakters.

So haben wir auch ein schönes Spektrum mit „der Charakter handelt immer konsistent in der Welt“ auf der einen Seite, „die Welt ist immer konsistent mit den Handlungen der Charaktere“ auf der anderen Seite und „was der Spieler sagt ist immer wahr“ irgendwo zwischendrin.

Und das gibt dann auch dem Würfeln unterschiedliche Bedeutung.

Und jetzt die Eingangsfrage des Threads nochmal strukturiert: Was spricht für welchen Punkt? Wann sollte also welche Technik genutzt werden?
mMn ist die beste Option zuerst zu würfeln und dann zu labern - zumindest bei Dingen die FAKTEN erklären.
Weil ansonsten könnte in einem RealweltRPG der Spieler sagen "Schwerkraft lässt Dinge in den Himmel fallen!" würfelt auf Physik, hat vollen Erfolg. Jetzt müsste sich plötzlich die Schwerkraft umpolen.
Dass das irgendwie Sinnbefreit ist ist mMn offensichtlich. Deswegen ein wahres Würfelergebnis (geschafft) auch an eine wahre Aussage knüpfen.

Bei Sozialskills kann man es anders machen.
Man kann zuerst sagen wie der Barde die Bardame zu verführen versucht. Und dann würfeln. Wenn der Charmewurf nicht funktioniert, dann findet sie ihn einfach unsympathisch. Oder beim Lügen hat man sich der Charakter zwar nicht verhaspelt, aber der Andere sieht es in den Augen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 10.06.2010 | 15:15
Musste jetzt bei dem Physikbeispiel ernsthaft loslachen :D.

Beim Sozialen verfolgen wir genau andersherum. Erst auspielen, dann würfeln, und je nachdem sah dann manche bewegung bescheuert aus, oder man hatte etwas gestotter oder sonstwas.

Nur wenn man Werte hat, sollte man würfeln. Sonst passiert pot. das Extrembeispiel mit Charisma 1 und jeder glaubt ihm.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 10.06.2010 | 15:23
Weil ansonsten könnte in einem RealweltRPG der Spieler sagen "Schwerkraft lässt Dinge in den Himmel fallen!" würfelt auf Physik, hat vollen Erfolg. Jetzt müsste sich plötzlich die Schwerkraft umpolen.
Dass das irgendwie Sinnbefreit ist ist mMn offensichtlich. Deswegen ein wahres Würfelergebnis (geschafft) auch an eine wahre Aussage knüpfen.

In einem Realwelt-RPG wäre das sinnlos (ich würde den Mindestwurf für des Umpolen der Schwerkraft durch Argumentation recht hoch ansetzen :) ), aber was ist mit einem System, in dem bestimmte „Fakten“ noch nicht festgeschrieben sind?

Hat der König einen Bediensteten, der ihm Schuhe bindet? Wenn nun der Spieler schön argumentiert und seinen Etikette-Wurf schafft, warum soll dann dieser Bedienstete nicht einfach existieren? Oder halt nicht existieren, wenn der Spieler den Wurf nicht schafft?

Oder bei Dingen, bei denen sich die Spieler nicht sicher sind? Ich mag mich krümmen, wenn jemand erklärt, dass parapsychologische Fähigkeiten „auf jeden Fall“ durch weitreichende quantenmechanische Verschränkung entstehen (real erlebt), aber bei juristischen Spitzfindigkeiten sieht das anders aus.

Was spricht dagegen, in den Bereichen den Wurf darüber entscheiden zu lassen, was denn nun in der Spielwelt wahr ist?

Oder bei Ultratech u.ä.?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 10.06.2010 | 16:32
So lange das nicht die Plausibilität zerstört: gar nichts.

Aber was ist wenn zwei Charaktere eine unterschiedliche These aufstellen und beide Erfolg haben?
Wie lange ist das Gültig?
Für die Aktuelle SC besetzung?
Dieses Abenteuer?
Diese Kampagne?
Alle Kampagnen dieser Rune in diesem Setting?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 10.06.2010 | 18:13
Zitat
Um das Go Beispiel zu bemuehen, es aber staerker mit dem RPG zu verbinden.
Ich haette kein Problem damit wenn ein Spieler der im richtigen Leben gerade mal weiss das es beim Go schwarze und weisse Steine gibt die man setzt, einen Charakter spielt der das absolute As im Go ist.
Klar kann man das so spielen. Aber da fehlt imho total die Herausforderung und die Immersion.
Mein empfinden laeuft der Feststellung das dir dort die Herausforderung und Immersion fehlt gaenzlich entgegen. Insbesondere in Bezug auf die Immersion.

So habe ich mich in den gut etwa fuenf Jahren in dem ich freie Forenrollenspiele spielte wo galt das der Charakter kann was man selbst beschreibt, nicht wirklich einmal immersiv gefuehlt das ich mich daran erinnern koennte.

Das heisst ich baue eher einen Bezug zu einer Person auf die definitiv nicht ich bin, als zu dem Gedanken von meiner Person die in einem anderem Setting als dem richtigen Leben agiert.
Unter anderem weil ich 24 Stunden und 7 Tage die Woche in meiner Haut stecke und mir die Herausforderung fehlt, der Anreiz immersiv heran zu gehen. Der Transfer in das neue Setting ist nicht gross genug und die Tatsache das man nichts machen kann das nicht auch so gelingt frustrierend eintoenig - nichts neues.

Hingegen die Vorstellung das der Charakter eine Psyche hat die von der eigenen abweicht, Emotionen die vielleicht anders laufen, Macken auf die geachtet werden wollen und Faehigkeiten die von den eigenen abweichen, die man vielleicht nichtmals im Kern besitzt.
Ist eine Leistung die mir ermoeglicht immersiv in den Charakter bzw. das Setting einzusteigen.

Klaus Kinski hat auch kein echtes Schiff als Fitzcarraldo in den Dschungel gezogen, nichtmal die Vorlage tat es, dennoch - und meiner These genau deswegen - war er derart immersiv in die Rolle versunken.

Zitat
Wenn du einfach nur zeigen willst, was für ein cooler Typ du bist, ist das ja vollkommen in Ordnung, einfach eine Probe auf Go zu machen und gut ist.

Wenn du aber willst, dass das Go-Spiel gegen den Kaiser eine Herausforderung für die Spieler ist, dann reicht einfaches würfeln halt nicht mehr aus. (Klar kann man eine vergleichende Probe machen. Und wenn der SC besser würfelt als der Kaiser-NSC, dann hat der SC gegen den Kaiser gewonnen. - Aber so etwas ist nunmal keine Herausforderung.)
Wenn ich eine Herausforderung meiner Go Faehigkeiten haben will, spiele ich kein Rollenspiel sondern suche wahlweise auf KGS oder bei meinem Spielclub entsprechende Gegner.

Es ist keine rollenspielerische Herrausforderung wenn ich den Spielleiter, in der Rolle des NSC Kaiser, im Go abziehe weil ich nunmal 3-1 Kyu bin und er vielleicht irgendetwas zwei stelliges. Nun und es wirkt meiner Immersion massiv entgegen wenn es dazu kommt obwohl der Charakter den ich spiele eigentlich 28 Kyu ist und eigentlich nur die Grundzuege der Regeln kennt.

An der Stelle finde ich es wesentlich spannender wenn ich beschreibe wie sich der Charakter dem NSC gegenueber hockt, er in die Dose greift, den zweiten Zug macht.
Man wuerfelt.
Das Spiel sich in eine Richtung entwickelt. Vielleicht spricht der Character nun mit dem Kaiser oder der Kaiser klackert total nervenzerreibend mit den Steinen und starrt einen an.
Man wuerfelt.
Eventuell mit Boni/Mali fuer die gebrachten Aktionen.
Des Spiel geht noch etwas weiter.
Man beschreibt als Spieler fluffig was der Charakter da so gerade tut, wie das er einen total bedrohlichen Zug macht.
Man wuerfelt.
Der Schnuersenkel des Charakter reist und irgendwo stuerzt sein Geliebter in den Tod. [Wie bei Mila Superstar] [Was einen fetten Wuerfelbonus gibt damit man chance hat das der sieg des Spiel tragisch wird]
Man wuerfelt.
..
Man hat irgendwann ein Ergebnis.

Und irgendwann hat man dann das spannende Ergebnis wie das Spiel ausging und ein aufregende Partie im Rollenspiel. Ein Spiel das vielleicht sogar spannender war als alles was einem eine reale Partie geben kann.

Das dann vielleicht auch soviel mit realem Go zu schaffen hat wie eine durchschnittliche japanische Sportzeichentrick Serie mit Physik.

Zitat
Zitat
Darunter faellt unter anderem auch die fehlende Beschreibung und damit Einschraenkung des Charakter durch ein Wertegeruest sowie Wuerfel Mechaniken.
Also fehlende Beschreibung kann ich nicht nachvollziehen. Auch beim regellosen Spiel kann man wunderbar detaillierte Beschreibungen des SCs abgeben.
Beim regellosen Spiel bist du in der detaillierten Beschreibung vollkommen frei.
Dir fehlt ein Regelgeruest um die Beschreibung nicht nur detailliert sondern auch angemessen zu gestalten.

Extrem Beispiel, bei einem der Foren Rollenspiele, Star Trek, beschrieb einer in einer Gefahren Situation, wie sich sein Charakter in ein Energiewesen verwandelt, die Zeit anhaelt, alles killt, die Boesen verfolgt und erledigt, die Crew wieder belebt, zurueck in seinen Koerper morpht und die Zeit weiterlaufen laesst.

Um so etwas zu vermeiden, tuen Regeln gut.


Zitat
Zitat
Darunter faellt ganz besonders das von Spielern die Counselors spielte beispielsweise erwartet wurde das sie eine entsprechende "Facharbeit" ueber eine psyschische Stoerung schreiben oder man neben den Charakteren auch die Spieler durch eine Akademie schickt(e); inklusiver Tests - oder sich auch so etwas einfallen liess wie Charaktertests fuer die Eignung ob man einen Charakter in fuehrender Position spielen darf.
Wie ich in einem anderen Thread schonmal anmerkte:
"Scene framing ist dein Freund!"
Geht am Punkt in dem Fall vorbei.
Weil sowohl Vorbereitung als auch Test Teil der Szene sind.
Ohne denn Text ueber eine Psychische Stoerung bestehst du den Test nicht.
Das waere so wie eine Abschlusspruefung wo dein Meisterstueck fehlt.

Es geht in dem Beispiel auch weniger darum das man es ausspielt, auch wenn es Teil ist, als das es als Teil des OT Wissens damit schlicht eingefordert wird.
Heisst du spielst keinen Counselor ohne Analyse und keinen Captain ohne einen Vortrag ueber das Fuehren von Gruppen. Und beides solltest du entsprechend OT Verstanden haben.


Zitat
Zitat
Wie stellst du dir denn die Rolle eines Sicherheitsoffiziers in einem würfelbasierten Spiel vor?
SL: "Auf euren Schiff wurde eine Leiche gefunden."
Sec-Spieler: "Ich gehe mir die anschauen, wo liegt die?"
SL: "Noch vor Ort auf Deck 3, ein Med-Team ist vor Ort und NSC-Kollege X geschickt"
Sec-Spieler: "Ich versuche vor NSC-Kollege X dazu sein"
*Wuerfel mal Konsti + Laufen + Schiffskenntnis*
SL: "Du rennst los, hechtest durch ein paar Jeffrey Roehren"
*Wuerfel mal Konsti + Laufen + Schiffskenntnis NSC*
"Kommst aber gerade so vor dem NSC an.
Du siehst den toten Koeper des Klingonen gegen die Wand gepresst und das BattLet noch in seiner linken Hand."
Sec-Spieler: "Hm, der war doch Rechts Haender? Gut ich untersuche die Wunde"
*wuerfel*
SL: "Des war aber nicht gut, du stellst gerade so fest das es ein Einschuss Loch ist"
Sec-Spieler: "Ich gehe zu dem Crusher-SC und frag den mal ob er nicht einen Bericht hat"
Crusher-SC: "Ich lege dem Typen auf der Barre da n Druck Verband am Hals an um die Blutung zu stoppen und gehe dann mit Sec-Spieler den Untersuchungsbericht durch."
SL: *guckt auf den Charbogen* [ist eh nur n unwichtiger NSC und nix tragisches, was das vom SC als narrativ truth eingebracht wurde] " 'kay dein Char ist ein guter Arzt und die Blutung ist gestoppt, ein NSC kuemmert sich um den waehrend ihr die Unterlagen durchschaut...

usw. usf.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Naldantis am 10.06.2010 | 22:13
Das heisst ich baue eher einen Bezug zu einer Person auf die definitiv nicht ich bin, als zu dem Gedanken von meiner Person die in einem anderem Setting als dem richtigen Leben agiert.
Unter anderem weil ich 24 Stunden und 7 Tage die Woche in meiner Haut stecke und mir die Herausforderung fehlt, der Anreiz immersiv heran zu gehen. Der Transfer in das neue Setting ist nicht gross genug und die Tatsache das man nichts machen kann das nicht auch so gelingt frustrierend eintoenig - nichts neues.

Meine Rede - as boring as real life.

Wenn ich eh nicht aus meiner Haut raus kann, weil ich nix darf was ich nciht besser (beschreiben) kann als jeder andere am Tisch, dann kann ich besser gleich ein Buch lasen oder am Computer daddlen, da werde ich zumindest keiner Leitungsbewertung unterzogen.
 
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.06.2010 | 22:28
mMn ist die beste Option zuerst zu würfeln und dann zu labern - zumindest bei Dingen die FAKTEN erklären.
Weil ansonsten könnte in einem RealweltRPG der Spieler sagen "Schwerkraft lässt Dinge in den Himmel fallen!" würfelt auf Physik, hat vollen Erfolg. Jetzt müsste sich plötzlich die Schwerkraft umpolen.
Ist doch das gleiche auch andersrum:
Spieler würfelt auf Physik, hat Erfolg und beschreibt anschließend, wie er ein Perpetuum Mobile baut. (In guter Absicht, da der Spieler nicht weiß, dass so etwas unmöglich ist.)

Ich unterstelle den Spielern ja nicht, dass sie absichtlich Stuss erzählen.
Meistens beruht es daher, dass sie glauben, das, was sie sagen, sei sinnvoll.

Und da ist es egal, ob sie den Stuss, den sie für sinnvoll halten, vor dem Würfeln oder nach dem Würfeln erzählen. (Oder ob man das Würfeln gleich wegfallen lässt und ihnen direkt ins Gesicht sagt, dass das Stuss ist.)

Auch bei nach dem Würfeln stellt sich die Frage:
Interveniert man und sagt: "Nein, du hattest bei der Probe einen Erfolg. So etwas würde dein SC daher niemals tun."
oder sagt man: "OK, du hattest Erfolg, also wird das Setting so angepasst, dass das, was du jetzt erzählst, tatsächlich sinnvoll ist."

Zitat
Deswegen ein wahres Würfelergebnis (geschafft) auch an eine wahre Aussage knüpfen.
Das wäre der Optimalfall.
Die Frage ist halt: "Was ist, wenn der Spieler ein Laie ist und glaubt, dass das, was er sagt, eine wahre Aussage ist, die Experten es aber besser wissen?"
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 11.06.2010 | 09:45
Interveniert man und sagt: "Nein, du hattest bei der Probe einen Erfolg. So etwas würde dein SC daher niemals tun."
oder sagt man: "OK, du hattest Erfolg, also wird das Setting so angepasst, dass das, was du jetzt erzählst, tatsächlich sinnvoll ist."

Und das ist genau die Skala „verändert sich eher die Welt oder die Handlung des Spielers?“

Die Entscheidung muss getroffen werden, am besten vor dem Spiel.

Zum Beispiel könnte man sagen „bei allem, das in einem Regelbuch steht (oder für einen Mitspieler gar nicht geht), verändert sich die Handlung des Spielers. Ansonsten verändert sich die Welt und wir nehmen den Punkt in unsere Hausregeln auf. Wenn es im Regelbuch stand, wir es aber vergessen haben, war es offensichtlich nicht so wichtig, also behalten wir die Hausregel“.

Oder man verwendet direkt Universalis: PodCast dazu (http://pihalbe.org/audio/picast-—-folge-8-—-universalis-638)

Da treten Spieler gegeneinander an, um die Realität der Welt zu formen.

„Die Schwerkraft fluktuiert hier manchmal lokal“ (eine Münze) → „nein tut sie nicht“ (eine Münze dagegen) → doch (X Münzen) → nein (Y Münzen) → lass uns würfeln (X+1 Wurfel vs. Y+1 Würfel) → na gut…
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 11.06.2010 | 09:49
Der Schnuersenkel des Charakter reist und irgendwo stuerzt sein Geliebter in den Tod. [Wie bei Mila Superstar] [Was einen fetten Wuerfelbonus gibt damit man chance hat das der sieg des Spiel tragisch wird]

Das Beispiel finde ich klasse :)

Kam der höhere Bonus vom Schnürsenkel oder vom Geliebten?  ;)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.06.2010 | 21:06
So habe ich mich in den gut etwa fuenf Jahren in dem ich freie Forenrollenspiele spielte wo galt das der Charakter kann was man selbst beschreibt, nicht wirklich einmal immersiv gefuehlt das ich mich daran erinnern koennte.
Hast du schonmal würfelbasierte Forenrollenspiele gespielt? Und hast du dich da immersiver gefühlt?

Weil falls nein, würde ich schätzen, dass die fehlende Immersion etwas damit zu tun hatte, dass die Antwortzeiten zwischen schreiben und 'Antwort lesen' der Immersion zuwiderlaufen.

Zitat
Das heisst ich baue eher einen Bezug zu einer Person auf die definitiv nicht ich bin, als zu dem Gedanken von meiner Person die in einem anderem Setting als dem richtigen Leben agiert.
1) Zu sich selber ist man automatisch immersiv, weil man man selber ist. (Ausnahme: Es gibt eine seltene Krankheit, bei der man das Gefühl hat, nicht sich selbst zu sein.)

2) Wenn es um einen fremden Ort geht, spielt die Immersion auch stärker mit, wenn man sich selber da vorstellt.
Ich weiß nicht mehr, welcher Thread das war. (Ich glaube aber, dass es hier im Tanelorn war.) Auf alle Fälle hat ein Poster zum Thema Harry Potter geschrieben:
"Ich habe mich geärgert, dass ich 12 Jahre alt war, als ich Harry Potter gelesen habe. Wäre ich 11 Jahre gewesen, könnte ich mir vorstellen: Was wäre, wenn das Buch real wäre und bei mir plötzlich solche Briefe ankämen? Aber leider war ich halt 12 und konnte deswegen solche Gedankenspiele nicht machen."

3) Wenn du nicht dich selber spielen willst, ist das auch bei "Du kannst, was du kannst", kein Problem:
Eine Person definiert sich nicht über das,was sie kann, sondern über ihre anderen Eigenschaften:
Ist sie aufbrausend oder ruhig? Höflich oder arrogant? Kriegerisch oder pazifistisch? Homosexuell oder Heterosexuell? Trinkt sie gerne Alkohol oder nur Milch? Herz für Tiere oder Tierquäler? Fleißig oder Faul? Lieblingsessen? etc.

Selbst wenn eine Person das gleiche kann wie du, heißt das noch lange nicht, dass sie den gleichen Charakter hat.

Zitat
Hingegen die Vorstellung das der Charakter eine Psyche hat die von der eigenen abweicht, Emotionen die vielleicht anders laufen, Macken auf die geachtet werden wollen und Faehigkeiten die von den eigenen abweichen, die man vielleicht nichtmals im Kern besitzt.
Bis auf den letzten Punkt kannst du das alles auch im würfellosen "Du kannst,was du kannst" erleben.
Der letzte Punkt sit der einzige, der beim würfellosen Spiel so direkt nicht vorhanden ist. (Indirekt ist aber selbst dieser Punkt vorhanden.)

Zitat
Wenn ich eine Herausforderung meiner Go Faehigkeiten haben will, spiele ich kein Rollenspiel sondern suche wahlweise auf KGS oder bei meinem Spielclub entsprechende Gegner.
Sorry. Ich dachte, du hattest das Go-Beispiel als Beispiel für eine Herausforderung gedacht.

Wenn du ein Go-Spiel nicht als Herausforderung haben willst, dann wird es auch bei uns nur in einem Nebensatz abgehandelt.

Was bei uns halt die Herausforderung ist: Zum Beispiel den Kaiser dazu überreden, mit dir Go zu spielen.
Das wäre eine Herausforderung, der du dich im RL oder auf KGS nicht stellen kannst.

Und klar: Meistens stellen wir uns im RPG Herausforderungen, die wir im RL nicht haben.

Und wenn man das Go Spiel nicht als herausforderung, sondern nur als schnöde Geschichte beschreibt: Wozu überhaupt würfeln?

Dein Beispiel leicht abgeändert:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Da das ganze nicht als Herausforderung gedacht ist, sondern nur als ein immersives Erlebnis, kann man sich hierbei dann das Ergebnis herbeireden, das man für am passendsten/immersivsten/sonstwas hält.

Zitat
SL: "Auf euren Schiff wurde eine Leiche gefunden."
Sec-Spieler: "Ich gehe mir die anschauen, wo liegt die?"
SL: "Noch vor Ort auf Deck 3, ein Med-Team ist vor Ort und NSC-Kollege X geschickt"
Sec-Spieler: "Ich versuche vor NSC-Kollege X dazu sein"
*Wuerfel mal Konsti + Laufen + Schiffskenntnis*
SL: "Du rennst los, hechtest durch ein paar Jeffrey Roehren"
*Wuerfel mal Konsti + Laufen + Schiffskenntnis NSC*
"Kommst aber gerade so vor dem NSC an.
Du siehst den toten Koeper des Klingonen gegen die Wand gepresst und das BattLet noch in seiner linken Hand."
Sec-Spieler: "Hm, der war doch Rechts Haender? Gut ich untersuche die Wunde"
*wuerfel*
SL: "Des war aber nicht gut, du stellst gerade so fest das es ein Einschuss Loch ist"
Sec-Spieler: "Ich gehe zu dem Crusher-SC und frag den mal ob er nicht einen Bericht hat"
Crusher-SC: "Ich lege dem Typen auf der Barre da n Druck Verband am Hals an um die Blutung zu stoppen und gehe dann mit Sec-Spieler den Untersuchungsbericht durch."
SL: *guckt auf den Charbogen* [ist eh nur n unwichtiger NSC und nix tragisches, was das vom SC als narrativ truth eingebracht wurde] " 'kay dein Char ist ein guter Arzt und die Blutung ist gestoppt, ein NSC kuemmert sich um den waehrend ihr die Unterlagen durchschaut...
OK, dein Sicherheitsoffizier muss also gut in Athletik und in Pathologie sein. (Beides zwei Eigenschaften, die einen Sicherheitsoffizier nicht wirklich auszeichnen.)

Aber die Fertigkeiten, die einen guten Sicherheitsoffizier auszeichnen, werden nicht ausgewürfelt, sondern auch ausgespielt.

Ein guter Sicherheitsoffizier zeichnet sich durch folgendes aus:
1) Pflichtbewustsein (Also erstmal auswürfeln, ob der Sec überhaupt zur Leiche geht, oder ob ihm das total egal ist.)
2) Detailkenntnis und Kombinationsgabe (Also erstmal auswürfeln,ob der SC darauf kommt, dass etwas nicht stimmt, wenn ein Rechtshänder die Waffe in der linken Hand hält.)
3) Intelligenz (Also erstmal auswürfeln, ob der SC auf die Idee kommt, den Crusher-SC zu befragen.)

Fazit:
In deinem Beispiel muss der Sec-Typ auf lauter Sachen würfeln, die nicht typisch für einen Sicherheitsoffizier sind.
Sachen jedoch, die sicherheitstypisch sind, werden in deinem Beispiel ausgespielt.

Wenn mir jemand sagt, wir spielen mit auswürfeln und ich kaufe mir daraufhin Fertigkeiten, die typisch für einen guten Sicherheitsoffizier sind, käme ich mir verarscht vor. (Weil auf diese Fertigkeiten nicht gewürfelt wird.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 11.06.2010 | 21:28
Hrmm minor Nitpick, da es sich anscheinend um Star Trek handelt, würde ich davon ausgehen, dass Atheltik sehr wohl zu einem Typ im Roten Hemd gehört, als auch das erkennen von Schusswunden. (Und Schusswundenerkennen muss nichtmal Rechtsmidizin sein. Vielleicht ein anderer Skill, der den Sec Offizier vorgaukelt sowas zu erkennen. Kriegsveteranen haben ja auch keine Ahnung von Rechtsmedizin, sollten Schusswunden aber dennoch erkennen können.)

Wenn er Sec Offizier ist, sollte Schiffskenntnis ebenfalls dazugehören.

Aber das mag an der unterschiedlichen Vorstellungsweise von Star Trek liegen.

PS: Großes Ärgernis für alle Rechtsmediziner und Pathologen in Deutschland. Fast die gesamte Medienlandschaft hats nämlich nicht kapiert. Wenn er ne Obduktion für die Polizei oder eine Blutanalyse wegen Drogen macht. Dann wars sehr wahrscheinlich ein Rechtsmediziner. Ein Patholge macht ähnliches zwar auch mal, aber nur fürs Krankenhaus und zu Forschungszwecken. Das kommt nicht so häufig in irgendwelche Akten die direkt wegen Mordverdacht bei der Polizei landen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bad Horse am 11.06.2010 | 21:37
"Pathologe" klingt halt viel cooler als "Rechtsmediziner".  ;)

...und ein Typ, der ermordete untersucht, ist halt cooler als einer, der Krankheiten untersuchen - damit muss er auch den cooleren Namen kriegen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 11.06.2010 | 21:38
Ja ^^.

Und beweist damit nur nach Eulenspiegel, dass er es nicht spielen dürfte :D. (Nichts gegen Eulenspiegel, aber die Anspielung bot sich gerade einfach zu sehr an)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.06.2010 | 21:46
@ Voronesh
zum 1. Post:
Wenn man streng nach Star Trek geht, braucht ein Sicherheitsmann nur eine Eigenschaft: Sich abschießen lassen, bevor das Führungspersonal zu Schaden kommt. (Ansonsten nur schweigend mitlaufen und möglichst keine Eigeninitiative zeigen.)

zum 2. Post:
Keine Sorge, ich nehme das nicht persönlich.

Aber jain:
Ich dürfte einen Rechtsmediziner bei mir spielen. Ich würde bloß von allen anderen Rechtsmedizinern schief angeschaut werden, weil ich mich selber als Pathologe bezeichne.
Rechtsmediziner-NSC: "Wie oft denn noch: Sie sind kein Pathologe, sondern ein Rechtsmediziner."
Eulenspiegel-SC: "Von einem Pathologen wie ihnen lasse ich mir schonmal gar keine Vorschriften machen." (Bzw. mein SC würde ingame einmal zurechtgestutzt werden und die Worte fortan richtig gebrauchen.)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Bad Horse am 11.06.2010 | 21:57
...außer natürlich, der SL und deine Mitspieler haben auch zu viele Pathologen-Serien angeguckt und wissen gar nicht, was "Rechtsmediziner" machen (Packungsbeilagen für Medikamente rechtssicher schreiben, vielleicht?). Aber dann stört es keinen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 11.06.2010 | 22:03
@ Voronesh
zum 1. Post:
Wenn man streng nach Star Trek geht, braucht ein Sicherheitsmann nur eine Eigenschaft: Sich abschießen lassen, bevor das Führungspersonal zu Schaden kommt. (Ansonsten nur schweigend mitlaufen und möglichst keine Eigeninitiative zeigen.)

zum 2. Post:
Keine Sorge, ich nehme das nicht persönlich.

Aber jain:
Ich dürfte einen Rechtsmediziner bei mir spielen. Ich würde bloß von allen anderen Rechtsmedizinern schief angeschaut werden, weil ich mich selber als Pathologe bezeichne.
Rechtsmediziner-NSC: "Wie oft denn noch: Sie sind kein Pathologe, sondern ein Rechtsmediziner."
Eulenspiegel-SC: "Von einem Pathologen wie ihnen lasse ich mir schonmal gar keine Vorschriften machen." (Bzw. mein SC würde ingame einmal zurechtgestutzt werden und die Worte fortan richtig gebrauchen.)

Außer dick Grinsen geht grad nix ^^.

Hrm naja ich bin von nem Sicherheitsoffizier der Brücke ausgegangen, also eher Will Riker als Namenloser Redshirt. Aber ja, rotes T-Shirt in Star Trek RPG dürfte lustig sein.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 12.06.2010 | 02:14
Hast du schonmal würfelbasierte Forenrollenspiele gespielt? Und hast du dich da immersiver gefühlt?
Ja, habe ich, einige Jahre lang.
Ja, ich habe mich da sehr viel immersiver gefühlt.

Nein, an der Zeit kann es nicht gelegen haben, da einerseits innerhalb eines Tages mehrere Züge gepostet wurden und andererseits mit der Entdeckung des IRC "sims" gespielt wurden. Ein Teil der zuvor erwähnten Prüfungen wurden in einem entsprechenden IRC Chat Chanel abgenommen, Auszeichnungen der Charaktere eben dort erreicht. Nun und so etwas wie die CoC sogar in den meisten Fällen gewahrt.

Zitat
Zu sich selber ist man automatisch immersiv, weil man man selber ist.
Ich gehe bei der Immersion in Bezug auf Rollenspiel von einer Abstraktion der Immersion wie sie in Bezug auf den Film beschrieben wird:
„Der Film hat dieses Prinzip der alten räumlichen Künste - die Distanz und die abgesonderte Geschlossenheit des Kunstwerkes - zerstört. Die bewegliche Kamera nimmt mein Auge, und damit mein Bewußtsein, mit: mitten in das Bild, mitten in den Spielraum der Handlung hinein. Ich sehe nichts von außen. Ich sehe alles so, wie die handelnden Personen es sehen müssen. Ich bin umzingelt von den Gestalten des Films und dadurch verwickelt in seine Handlung. Ich gehe mit, ich fahre mit, ich stürze mit - obwohl ich körperlich auf demselben Platz sitzen bleibe.“ Béla Balázs: Zur Kunstphilosophie des Films (1938)

Um eine Immersion zu mir selbst zu erfahren müsse ich demnach erst ein Gefühl des "Neben Sich stehen" erschaffen und mir aus eben diesem Standpunkt vorstellen wie es wohl wäre ich zu sein.
Da dies keinen Sinn ergibt und mit der Definition Balázs nicht einhergeht gehe ich davon aus das man nur auf Sachverhalte welche man von außen betrachtet immersiv reagieren kann.


Die Äußerung zu Harry Potter bezieht sich nicht auf die Immersion, das heißt der Wunsch bzw. die Vorstellung aus der Perspektive Harry Potters die Geschehnisse zu erleben, sondern den Wunsch das es einem den besseren Bezug zu Tagträumen ermöglicht.

Zitat
Wenn du nicht dich selber spielen willst, ist das auch bei "Du kannst, was du kannst", kein Problem:
Es bleibt ein Problem weil ich zu all den genannten Eigenschaften deiner Theorie nach ein Wissen an lesen muß das mir eine absolut glaubwürdige Darstellung ermöglicht.
Heißt ich könnte niemanden spielen der aufbrausend und einschüchternd ist wenn ich ein Problem habe aus mir selbst heraus zu gehen und mich nicht wirklich darauf verstehe einschüchternd zu sein.
Ich könnte niemanden spielen der arrogant ist, wenn ich keinen arroganten Tonfall drauf bekommen.
Ich könnte keinen kriegerischen Charakter spielen wenn alles was ich im echten Leben über Krieg weiß ist wo die Kugeln bei einem Gewehr raus kommen.
Ich könnte keinen homosexuellen Charakter spielen wenn ich zuvor nicht zumindest Minotaurus Tips for Slash Writers durchgelesen habe und es verkaufen kann.
Und so weiter und so fort.

Selbst dann nicht wenn es das System eigentlich unterstützt.

Zitat
Bis auf den letzten Punkt kannst du das alles auch im würfellosen "Du kannst,was du kannst" erleben.
Man kann im würfellosen Spiel nur erleben was man kann.
Und genau das ist imho langweilig.

Zitat
Sorry. Ich dachte, du hattest das Go-Beispiel als Beispiel für eine Herausforderung gedacht.
Ja, deswegen habe ich ja auch beschrieben wie ich Go als Beispiel in Form einer Herausforderung umsetzen würde.
Hierbei dediziert das Go Spiel und nicht die Interaktion mit dem Kaiser.
Dein Beispiel zuvor bezog sich schließlich auch auf das Go Spiel und das Können des Spielers.

Zitat
Was bei uns halt die Herausforderung ist: Zum Beispiel den Kaiser dazu überreden, mit dir Go zu spielen.
Das wäre eine Herausforderung, der du dich im RL oder auf KGS nicht stellen kannst.
Ich kann auf KGS anfangen Profis dazu zu überreden mit mir zu spielen.
Kommt dann auf das selbe heraus mit dem Unterschied das die den Standesunterschied aus der natürlichen Position besser darstellen als der SL.

Zitat
Und wenn man das Go Spiel nicht als herausforderung, sondern nur als schnöde Geschichte beschreibt: Wozu überhaupt würfeln?
Ich wollte es in dem Beispiel als Herausforderung haben.
Und imho ist es in dem Beispiel eine Herausforderung.
Da sich der Charakter mit dessen [nicht meinen] Fähigkeiten mit dem Kaiser-NSC misst.

Wohingegen bei deinem Beispiel jegliche Herausforderung fehlt.
Es ist eine schnöde Geschichte bei der es keinen Spannungspunkt gibt da es eh willkürlich entschieden wird wie die Partie verläuft. Es ist auch nicht immersiv da dafür die Fixpunkte in der Handlung fehlen. Die Spieler werfen sich schnöde Worte beliebig zu und es endet formlos. Wo soll da die Immersion her kommen?

Es ist ein bisschen so wie eine FanFiction die im Grunde aus den Worten bestand:
Die Charaktere aus Detektiv Conan und Ranma 1/2 erleben ein typisches witziges Abenteuer.
(Also diesem einem Satz)

Zitat
OK, dein Sicherheitsoffizier muss also gut in Athletik und in Pathologie sein.
Nein, ich gehe davon aus das es ein Sicherheitsoffizier wie Tasha Yar oder Worf ist.
Die genau eben dies so tun. Es gab sogar einen Film wo ein Klingone angeschossen wurde.
(Das mit Kirk auf dem Gefängnis Planet iirc)

Zudem sind Sicherheitsoffiziere bei Star Trek allesamt Gutmenschen ala DSA.
Die zieht es magisch zu Unfallorten um zu klären welcher externe Freund den Frieden der ST Welt stört und die arbeiten gerne im Team.
Das der Charaktere bemerkt das der NSC die Waffe in der falschen Hand hält liegt dran das der Spieler aufgepasst hat, ansonsten könnte man einen Wurf fragen, ja.

Zudem kann man immer noch selbst entscheiden wie granular man würfelt.
Man würfelt ja auch nicht bei der Go Partie wo alle ~300 Züge hinkommen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 12.06.2010 | 02:25
@Teylen und Eulenspiegel: Kann es sein, dass es bei der Diskussion aktuell darum geht, was ihr eigentlich vom Rollenspiel wollt?

Einen kreativen Hintergrund für Herausforderungen an den Spieler vs. einen Charakter erleben, der andere Fähigkeiten hat als ich.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 12.06.2010 | 02:36
Ja, das könnte durchaus so hinkommen.
Spielt bei der Frage ob man ausspielt oder würfelt ja auch keine so kleine Rolle..

Wobei ich mich dann Frage, würfelt Eulenspiegel überhaupt?
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 12.06.2010 | 16:13
Eins, das mir gerade noch aufgefallen ist: Würfeln bringt ein Zufallselement ins Spiel. Ich weiß also nicht im vorneherein, wie meine Handlung aufgenommen wird.

Auch wenn mein Charakter ein Ass im waffenlosen Nahkampf ist und ich im RL die letzten zehn Jahre Funny Kung Fu im Stil von Jacky Chan gelernt habe (beides nicht der Fall…), kann mein Charakter trotzdem gerade abgelenkt sein, auch wenn ich selbst es nicht bin.

Auf die Art bringen Würfel für alle Beteiligten überraschende Wendungen und Situationen, die in würfellosem Spiel sehr viel seltener aufkommen dürften.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.06.2010 | 19:25
@ Teylen
Von der gleichen Immersion, wie sie in deinem Zitat beschrieben wird, gehe ich auch aus. Allerdings habe ich dort kein "Gefühl des neben mir stehens", sondern stattdessen ein "Gefühl des Mittendrin seins".
Das wird auch so in dem von dir zitierten Text gesagt.

Ansonsten bitte nicht Charakteristik mit Können verwechseln:
Nur weil jemand aufbrausend und jähzornig ist, heißt das noch lange nicht, dass er einschüchternd wirkt.
Aufbrausend und jähzornig sind Charakteristiken. "Einschüchtern" dagegen ist Können.

Zur Arroganz: Es ist ein Irrtum, dass man arrogante Leute am Tonfall erkennt. Häufig haben sie einen ganz normalen Tonfall und man muss sie länger kennen (oder ein längeres Gespräch führen), um zu erkennen, dass sie arrogant sind.

Was du wahrscheinlich meinst, ist der "näselnde Tonfall", den viele häufig (fälschlicherweise) als Arroganz werten. Und hier stelle ich mir auswürfeln als ziemlich seltsam vor. Wie würfelt man aus, ob die Person in dieser konkreten Situation gerade besonders stark näselt oder etwas weniger? Und wieso sollte man das auswürfeln und nicht einfach (ohne Würfel) festsetzen?

Zitat
Die Äußerung zu Harry Potter bezieht sich nicht auf die Immersion, das heißt der Wunsch bzw. die Vorstellung aus der Perspektive Harry Potters die Geschehnisse zu erleben, sondern den Wunsch das es einem den besseren Bezug zu Tagträumen ermöglicht.
Und Tagträume sind ja wohl die höchste Form der Immersion! (Und in den Tagträumen ist man halt nicht Harry Potter, sondern man selber.)

zum Go-Spiel:
Vielleicht ist es eine Herausfoprderung für den SC.
Ich dachte, ich hätte in meinen früheren Posts deutlich gemacht, dass es mir um eine Herausforderung für den Spieler geht.

Und die Herausforderung für den SC ist sowohl im Würfelbasierten als auch im Erzählmodus die gleiche:
Der SC würfelt ingame schließlich nicht. Daher ist es für den SC völlig irrelevant, ob outtime gewürfelt wird oder nicht. Durch die outtime Entscheidung pro/contra Würfeln ändert sich ingame nichts.

Und für den Spieler existiert so, wie du es beschrieben hast, keine Herausforderung. (Falls du das anders siehst, hätte ich gerne gewusst, was die Herausforderung an den SPieler ist, wenn gewürfelt wird. - Für Leute mit Koordinationsproblemen ist das Werfen mehrere Würfel natürlich eine Herausforderung. Für einen durchschnittlichen Menschen stellt dies jedoch keine Herausforderung da.)

Zitat
Es ist auch nicht immersiv da dafür die Fixpunkte in der Handlung fehlen. Die Spieler werfen sich schnöde Worte beliebig zu und es endet formlos. Wo soll da die Immersion her kommen?
Die Fixpunkte sind die gleichen wie beim Würfeln. Der einzige Unterschied ist:
Beim Würfeln wird man während der Fixpunkte aus der Immersion gerissen. Ohne Würfeln kann man nachd em Fixpunkt nahtlos weiter machen, ohne die Immersion zu verlieren.

Und natürlich kann man auch formale Enden beim würfellosen Spiel einführen. Ich wüsste halt nur nicht, inwiefern formale Enden jetzt die Immersion fördern oder behindern. (Vor allem: Die Immersion hast du ja vor dem Ende. Wie soll also ein Ereignis, das in der Zukunft liegt, dein aktuelles Immersionserlebnis beeinflussen können?)

Zitat
Nein, ich gehe davon aus das es ein Sicherheitsoffizier wie Tasha Yar oder Worf ist.
Die genau eben dies so tun. Es gab sogar einen Film wo ein Klingone angeschossen wurde.
(Das mit Kirk auf dem Gefängnis Planet iirc)
OK, ich bin im Start Trek Universum jetzt nicht so firm. Ich dachte eher, dass die Sicherheitsbeamten bei Star Trek so ähnlich drauf sind, wie die Sicherheitsbeamten in der Gegenwart. (Bessere Technik, aber vom Anforderungsprofil her ähnlich.)

Aber OK: Nehmen wir mal an, wir spielen einen Sicherheitsbeamten/Polizisten in der WoD oder einem anderen Gegenwartssetting.

Zitat
Das der Charaktere bemerkt das der NSC die Waffe in der falschen Hand hält liegt dran das der Spieler aufgepasst hat, ansonsten könnte man einen Wurf fragen, ja.
Das heißt, wenn die Spieler sich intelligent anstellen und aufpassen, wird nicht gewürfelt, und nur, wenn die Spieler sich zu dumm anstellen, wird als Auffangnetz gewürfelt?

Zitat
Zudem kann man immer noch selbst entscheiden wie granular man würfelt.
Klar, gibt es nicht nur die beiden Extreme:
"alles auswürfeln" und "alles ausspielen", sondern noch diverse Zwischenformen.

Aber wenn man sich für die Zwischenformen interessiert, ist halt die Frage, was würfelt man aus und was spielt man aus:
Die Sachen, die relevant für die Handlung sind, bzw. den ganzen Nebenkram?

Wobei ich mich dann Frage, würfelt Eulenspiegel überhaupt?
Kommt darauf an. Ich habe vier verschiedene Runden mit vier verschiedenen Spielstilen.
Und ja: In einer Runde würfeln wir tatsächlich überhaupt nicht. (In den anderen 3 Runden würfeln wir zwar, aber eher selten.)

Eins, das mir gerade noch aufgefallen ist: Würfeln bringt ein Zufallselement ins Spiel. Ich weiß also nicht im vorneherein, wie meine Handlung aufgenommen wird.
Das weiß ich auch nicht, wenn ich würfellos spiele:
Ich kann beschließen, den Bürgermeister zu verhören. Vielleicht habe ich damit Erfolg, vielleicht istd er Bürgermeister auch wütend auf meine Aktion und ich bekomme eine Rüge von meinem Chef.

Oder ich gebe mich als Arbeiter aus Sektion 3 aus. Vielleicht glaubt mir mein Gegenüber das, vielleicht ist die Firma aber auch so klein, dass sich alle Mitarbeiter persönlich kennen. (Oder vielleicht ist die Firma groß, aber mein Gegenüber kommt auch aus Sektion 3. - Hier hätten wir zum Beispiel einen Fall, wo das Lügen zwar ausgespielt wird, aber der SL würfelt, ob der Gegenüber zufällig auch aus Sektion 3 kommt.)

Zitat
Auf die Art bringen Würfel für alle Beteiligten überraschende Wendungen und Situationen, die in würfellosem Spiel sehr viel seltener aufkommen dürften.
Glaub mir: Wir hatten auch im würfellosen Spiel zahlreiche überraschende Wendungen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 12.06.2010 | 21:08
Und Tagträume sind ja wohl die höchste Form der Immersion! (Und in den Tagträumen ist man halt nicht Harry Potter, sondern man selber.)

Das ist bei mir anders, gerade was die Fähigkeiten angeht.

„Was würde ich machen, wenn ich … könnte?“

oder

„Was würde ich machen, wenn ich … wäre?“

Im ersten Fall habe ich andere Fähigkeiten (auch kommunikativ!) und Handlungen gehen anders aus als im echten Leben. Im zweiten habe ich eine andere Einstellung zum Leben. Beides kommt vor.

Deine Immersion lässt meinem Eindruck nach den ersten Fall teilweise außen vor.

Zitat
Das weiß ich auch nicht, wenn ich würfellos spiele:
Ich kann beschließen, den Bürgermeister zu verhören. Vielleicht habe ich damit Erfolg, vielleicht istd er Bürgermeister auch wütend auf meine Aktion und ich bekomme eine Rüge von meinem Chef.

Hier hätten wir zum Beispiel einen Fall, wo das Lügen zwar ausgespielt wird, aber der SL würfelt, ob der Gegenüber zufällig auch aus Sektion 3 kommt.)
Glaub mir: Wir hatten auch im würfellosen Spiel zahlreiche überraschende Wendungen.

Wer entscheidet das dann? Die SL (ZUfallsgenerator ohne Würfel)?

Das Auswürfeln, ob jemand aus Sektion 3 kommt, könnte auch einfach über eine Fertigkeitsprobe gemacht werden: „Wenn du die Probe schaffst, ist deine Aussage plausibel“. Da haben wir dann genau den Fall, in dem sich die Welt an den Wurf anpasst. Nur ist bei einem begabten Lügner nunmal die Chance höher, dass er sich eine sichere Lüge gesucht hat :)
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.06.2010 | 21:41
Wer entscheidet das dann? Die SL (Zufallsgenerator ohne Würfel)?
Wie gesagt: Da gibt es mehrere Möglichkeiten:
1) Man würfelt es aus.
(Merke: Der Würfel simuliert hier den Zufall, aber nicht das Können des SCs.)

2) Der SL entscheidet.

3) Ein anderer Mitspieler entscheidet.

4) Der SL hat bereits vor der Session mehrere NSCs ausgearbeitet und schaut einfach auf dem Blatt nach, aus welcher Sektion der NSC kommt.

Zitat
Das Auswürfeln, ob jemand aus Sektion 3 kommt, könnte auch einfach über eine Fertigkeitsprobe gemacht werden: „Wenn du die Probe schaffst, ist deine Aussage plausibel“.
Könnte man so machen. Aber damit geht die Herausforderung flöten, sich eine gute Lüge auszusuchen.

Wenn man ohne Herausforderung spielen möchte: Kein Problem, dann würfelt man einfach auf Lüge. Wenn man jedoch mit Herausforderung spielen möchte, dann ist das keine Option.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 13.06.2010 | 18:10
Könnte man so machen. Aber damit geht die Herausforderung flöten, sich eine gute Lüge auszusuchen.

Wenn man ohne Herausforderung spielen möchte: Kein Problem, dann würfelt man einfach auf Lüge. Wenn man jedoch mit Herausforderung spielen möchte, dann ist das keine Option.

Nicht ganz: Desto besser die Lüge, desto einfacher der Wurf. Eine Lüge wie „wir kommen aus der Zentralmensa“ wäre dann viel schwerer durchzukriegen als eine wie „wir kommen aus der Abteilung für Stempelkontrolle“.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Teylen am 14.06.2010 | 16:13
Ich halte bei dem Zitat die Trennung zwischen der eigenen Person sowie der fiktiven Person in welche sich hineinversetzt wird fuer einen elementaren Teil des Erlebnis.

Schliesslich sieht man in Filmen anderen Figuren, welche mit den eigenem Ich sowie den eigenem realweltlichen Koennen nicht zu schaffen haben zu und versetzt sich in deren Lage.

Die Verwechslungsgefahr zwischen der Charakteristika und dem Koennen sehe ich nicht da beides mit unter an den darstellerischen Faehigkeiten des Spielers scheitert.
Er kann das Ziel haben das sein Charakter jaehzornig wirkt, aber vor dem Problem stehen das er selbst wirkt wie ein Mauerbluemchen.
Er kann das Ziel haben das sein Charakter einschuechtern kann, jedoch persoenlich das Durchsetzungsvermoegen eines Faehnchen im Winde.
In Bezug auf den arroganten Tonfall gehe ich nicht davon aus das schlichtes naeseln reicht aber es geht auch da wieder um die gewuenschte Wirkung im Spiel.

Auswuerfeln kann man hierbei nur das wo, je nach System, Werte vorhanden sind. Dann gibt es den Fall das Mechanismen vorhanden sind oder man sagt einfach an: "blabla. Das hat der Charakter nun in einem traurigen Tonfall gesagt da er wirklich betroffen ist".

Zitat
Und Tagträume sind ja wohl die höchste Form der Immersion! (Und in den Tagträumen ist man halt nicht Harry Potter, sondern man selber.)
Nein, meiner Meinung nach sind Tagtraeume nicht im geringsten Immersiv.
Es sei den man wuerde sich vorstellen was Harry Potter gerade erlebt.

Zitat
zum Go-Spiel:
Vielleicht ist es eine Herausfoprderung für den SC.
Ich dachte, ich hätte in meinen früheren Posts deutlich gemacht, dass es mir um eine Herausforderung für den Spieler geht.
Richtig, und der Spieler spielt in dem Moment kein Go sondern ein Rollenspiel.

Weshalb fuer den Spieler auch nicht die Go Partie die Herausforderung darstellt sondern das hineinversetzen in einen Charakter der eine zuvor festgelegten Moeglichkeitsrahmen in Bezug auf Go hat die unter Umstaenden von dem Moeglichkeitsrahmen des Spielers abweicht.

Wenn man nicht wuerfelt besteht keine Herausforderung fuer den Spieler da das Go koennen des Charakters entweder beliebig ist oder dem Koennen des Spielers entspricht. Im ersten Fall fehlt die Spannung, im zweiten die Immersion.

Wenn man wuerfelt stellt sich fuer den Spieler die Herausforderung mit seinem Charakter dem Wuerfelergebnis entsprechend zu handeln respektive damit umzugehen. Sowie das die Situation mit seiner Spielfigur etwas unwaegbarer wird.

Zitat
Zitat
Es ist auch nicht immersiv da dafür die Fixpunkte in der Handlung fehlen. Die Spieler werfen sich schnöde Worte beliebig zu und es endet formlos. Wo soll da die Immersion her kommen?
Die Fixpunkte sind die gleichen wie beim Würfeln. Der einzige Unterschied ist:
Beim Würfeln wird man während der Fixpunkte aus der Immersion gerissen.
Ohne Wuerfel gibt es keinen Fixpunkt.
Heisst du hast kein nachvollziehbares Kriterium nachdem der Charakter nun gegen den Kaiser gewonnen oder verloren hat.

Zitat
Vor allem: Die Immersion hast du ja vor dem Ende. Wie soll also ein Ereignis, das in der Zukunft liegt, dein aktuelles Immersionserlebnis beeinflussen können?
Wie beim Player Empowerment muss ich entscheiden wie die Szene ausgeht, was an fuer sich eine Entscheidung ist welche die Figur nicht treffen kann.

Wenn ich mir vorstelle das da der Toshiko vor dem Shogun Nobunaga sitzt und eine spannende Partie Go mit diesem spielt, kann ich aus der Perspektive Toshikos nicht sagen: "Fuer mich vorteilhafter / nachteilhafter" sondern brauche so etwas wie Wuerfel die dann als dritte Instanz den Verlauf regeln.

Zitat
Aber OK: Nehmen wir mal an, wir spielen einen Sicherheitsbeamten/Polizisten in der WoD oder einem anderen Gegenwartssetting.
Ich bastele aber jetzt nicht noch ein Beispiel ^^;
Es funktioniert auch in der WoD wenn man ein entsprechendes Noir Setting vorraussetzt.

Zitat
Das heißt, wenn die Spieler sich intelligent anstellen und aufpassen, wird nicht gewürfelt, und nur, wenn die Spieler sich zu dumm anstellen, wird als Auffangnetz gewürfelt?
Unter anderem wird auch als Auffangnetz gewuerfelt, ja.
Das heisst ich setze Wuerfel durchaus an einem Spielabend auch oefters als Gedaechtnis Hilfe fuer die Charaktere ein.

Daneben duerfen sie mit ihren Charakteren durchaus nach Wuerfeln fragen, wie just als Beispiel: "Mein Charakter guckt in die Akte und schaut nach der Information XY. Er findet Z und wuerfel mal ob ihn noch was auffaellt", "Mein Charakter guckt in die Menge und versucht plot relevante Infos aus den Bewegungsmustern zu ziehen."

Nun oder um zu schauen wie sympathisch sie auf einen NSC wirken. Sowas wie "Ich rede mit der Gruppe Cheerleader & Jocks Smalltalk und versuche dabei in diese und jene Richtung Infos zu bekommen".

Zitat
Aber wenn man sich für die Zwischenformen interessiert, ist halt die Frage, was würfelt man aus und was spielt man aus:
Die Sachen, die relevant für die Handlung sind, bzw. den ganzen Nebenkram?
Wir wuerfeln nicht den ganzen Nebenkram o.O
Da wird hoechstens mal Handlungsmaessiger Nebenkram in einem Wurf zusammen gefasst. "Ich geh sozial jagen. Wuerfel mal CH+Ausdruck. 2 Erfolge. Findest zwei Menschen die du beissen kannst, wieviel trinkst du? 1 BP. Geht klar, weiter im Plot."
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Eulenspiegel am 14.06.2010 | 18:56
Ich halte bei dem Zitat die Trennung zwischen der eigenen Person sowie der fiktiven Person in welche sich hineinversetzt wird fuer einen elementaren Teil des Erlebnis.
Wenn diese Trennung wahrgenommen wird, dann ist es ja keine Immersionmehr.

Die Immersion wächst ja gerade daraus, dass man diese Trennung eben nicht wahrnimmt.

Aber wie würdest du es denn beschreiben,wenn du dir einen Film anschaust und dir vorstellst, du wärest die Hauptperson? Immersion wäre es in deinen Augen ja nicht. Was wäre es dann?

Zitat
Schliesslich sieht man in Filmen anderen Figuren, welche mit den eigenem Ich sowie den eigenem realweltlichen Koennen nicht zu schaffen haben zu und versetzt sich in deren Lage.
Richtig: Du vesetzt dich in ihre Lage.
Sprich: Die Trennung zwischen dir und der anderen Person wird aufgehoben.

Objektiv gesehen (für einen Außenbeobachter) gibt es eine Trennung zwischen dir und Hauptperson.
Aber subjektiv (für dich) existiert diese Trennung eben nicht.

Solange du dir denkst: "Das bin nicht ich, das ist jemand anderes.", kannst du zwar einen spannenden Film schauen, bist aber immersiv nicht dabei.
Erst in dem Augenblick,wo du das vergisst und dir denkst: "Das bin ich, der das da erlebt.", hast du auch einen immersiven Film.

Zitat
Er kann das Ziel haben das sein Charakter jaehzornig wirkt, aber vor dem Problem stehen das er selbst wirkt wie ein Mauerbluemchen.
Was hat das mit "darstellerischer Fähigkeit" zu tun?

Der Spieler sagt einfach: "Ich balle meine Faust und schlage sie dem Gegenüber volle Kanne ins Gesicht!"
Dazu braucht man keine darstellerische Fähigkeit. Dazu muss man nur den Mund öffnen und sagen, was der SC gerade tut.

Zitat
Auswuerfeln kann man hierbei nur das wo, je nach System, Werte vorhanden sind.
Richtig: Und die Frage lautet: Wofür sollten Werte vorhanden sein?

Und meine Antwort:
1) Nicht für Charakteristika (sondern höchstens für Können)
2) Nicht für Können, das sich auch verbal darstellen lässt. (z.B. das Erkennen, dass der Linkshänder die Waffe in der rechten Hand trägt.)

Oder anders ausgedrückt:
Nur für Können, das sich nicht verbal darstellen lässt.

Zitat
Nein, meiner Meinung nach sind Tagtraeume nicht im geringsten Immersiv.
Dann benutzt du eine andere Definition als Wikipedia:
„Der Film hat dieses Prinzip der alten räumlichen Künste - die Distanz und die abgesonderte Geschlossenheit des Kunstwerkes - zerstört. Die bewegliche Kamera nimmt mein Auge, und damit mein Bewußtsein, mit: mitten in das Bild, mitten in den Spielraum der Handlung hinein. Ich sehe nichts von außen. Ich sehe alles so, wie die handelnden Personen es sehen müssen. Ich bin umzingelt von den Gestalten des Films und dadurch verwickelt in seine Handlung. Ich gehe mit, ich fahre mit, ich stürze mit - obwohl ich körperlich auf demselben Platz sitzen bleibe.“

Das trifft exakt auf Tagträume zu.

Zitat
Wenn man wuerfelt stellt sich fuer den Spieler die Herausforderung mit seinem Charakter dem Wuerfelergebnis entsprechend zu handeln respektive damit umzugehen.
Also, wenn man normalerweise vom "herausforderungsorientierten Spiel" spricht, dann meint man damit normalerweise: "Der SC steht vor einem Problem und der Spieler muss versuchen, dieses Problem zu lösen."

Du bist die erste, die darunter versteht: "Der Spieler muss versuchen, seinem Würfelergebnis entsprechend zu handeln."

Ich sehe da auch keine wirkliche Herausforderung drinne. Und vor allem:Wie sieht es denn bitteschön bei dieser Herausforderung aus, wenn es dem Spieler misslingt? (Eine Herausforderung ist ja nur dann eine Herausforderung,wenn der Spieler theoretisch scheitern kann. Wenn es dem Spieler in deinem Fall also nicht gelingt,mit dem SC dem Würfelergebnis entsprechend zu handeln.)

Zitat
Ohne Wuerfel gibt es keinen Fixpunkt.
Heisst du hast kein nachvollziehbares Kriterium nachdem der Charakter nun gegen den Kaiser gewonnen oder verloren hat.
OK, ich merke, du verstehst unter Fixpunkt auch etwas völlig anderes.

Für dich ist Fixpunkt scheinbar ein anders Wort für "Kriterium".
Wenn dem so ist, dann bitte ich dich, in Zukunft Kriterium und nicht Fixpunkt zu schreiben.

Weil Fixpunkte gibt es beim würfellosesn RPG en masse:
1) Der erste Go Zug.
2) Der erste eigene geschlagen Stein.
3) Der erste fremde geschlagene Stein.
4) Der Punkt, wo eine Seite die Überlegenheit erreicht.
5) Das Ende des Go-Spiels.

Alles Fixpunkte beim würfellosen RPG.

Zitat
Wie beim Player Empowerment muss ich entscheiden wie die Szene ausgeht, was an fuer sich eine Entscheidung ist welche die Figur nicht treffen kann.
Nein, der SL entscheidet, wie die Partie ausgeht.

Zitat
Es funktioniert auch in der WoD wenn man ein entsprechendes Noir Setting vorraussetzt.
Wie gesagt: Dass auf Akrobatik würfeln sinnvoll ist, habe ich nie bestritten. Das sind Sachen, die man zwar in einem LARP, aber nicht im Pen&Paper darstellen kann.

Es geht mir beim "Würfel vs. Ausspielen" aber vor allem, um folgende Sachen:
1) Ist der SC motiviert genug, zur Leiche zu rennen oder isst er erstmal gemütlich seinen Donut auf und schlendert dann gemütlich hin?
2) Erkennt der SC, dass die Leiche die Waffe in der linken Hand hält, anstatt in der rechten?
3) Kommt der SC auf die Idee, die Wunde zu untersuchen?
4) Kommt der SC auf die Idee,  einen Arzt einzuschalten oder versucht er, alles alleine zu machen.
5) Beschattet er den Verdächtigen oder bringt er ihn aufs Revier, um ihn dort zu verhören?
6) Liest er dem Verdächtigen seine Rechte vor und gesteht ihm einen Anwalt zu? Oder schlägt er den Verdächtigen in einer dunklen Ecke zusammen und droht, ihn zu erschießen, wenn er nicht gesteht? (Bzw. irgendeine Mischform?)

Das sind alles Entscheidungen, die ausgespielt werden und nicht ausgewürfelt.

Sachen wie Akrobatik werden auch bei mir in den meisten Runden ausgewürfelt, da es sich beim Pen&Paper (im Gegensatz zum LARP) um ein verbales Spiel handelt.

BTW:
Und ich spreche hier von wichtigen Entscheidungen, die im Mittelpunkt des Plottes stehen und nicht um irgendwelche Nebenentscheidungen.
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: ArneBab am 15.06.2010 | 10:52
Aber wie würdest du es denn beschreiben,wenn du dir einen Film anschaust und dir vorstellst, du wärest die Hauptperson? Immersion wäre es in deinen Augen ja nicht. Was wäre es dann?

Sprich: Die Trennung zwischen dir und der anderen Person wird aufgehoben.

Erst in dem Augenblick,wo du das vergisst und dir denkst: "Das bin ich, der das da erlebt.", hast du auch einen immersiven Film.

Wenn es immersive Filme gibt, in denen ich selbst überhaupt keine Handlungsfreiheit habe, wie zerstört es dann die Immersion, wenn ich würfle, um herauszufinden, ob eine Handlung gelingt?

Dadurch handle ich automatisch stärker in den Bahnen des Charakters und weniger als ich, so dass das Gefühl, der Charakter zu sein, verstärkt wird.

Ohne Würfel (und andere Einflüsse der Charakterwerte auf den Ausgang meiner Handlungen) erlebe ich mich selbst in einer anderen Umgebung.

Mit Würfeln (…) erlebe ich meinen Charakter in der anderen Umgebung – wie in einem Film, aber mit mehr Handlungsfreiheit (im Rahmen der Fähigkeiten des Charakters).
Titel: Re: Ausspielen oder Würfeln?
Beitrag von: Voronesh am 15.06.2010 | 19:21
Nur eine Anekdote zur Immersion.

Bei meinen Tabletopspielen, passiert es mir oft genug, dass ich mir vorstelle, General der Armee zu sein. Wenn ein Haufen Soldaten durch schlechtes Würfeln untergeht, kommt mir oft genug der Gedanke: "Was für Trottel, waren anscheinend noch nicht richtig aus der Ausbildung raus." durch den Sinn.
Andersherum, denke ich mir oft genug, wie die siegreichen Truppen, welche heldenhafte Aktionen brachten, mehr Beute als der rest der Truppen bekommt o.ä..

Natürlich stelle ich mir nicht vor Joe Average auf dem Spielfeld zu sein, Übelebenschancen nicht garantiert ^^.