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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Blizzard am 6.04.2011 | 11:32
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Okay, das mag verrückt klingen, aber: Keine aktive Spielrunde zu haben, hat auch was Gutes. Und zwar kann man sich dann um Aspekte des Rollenspiels Gedanken machen, über die man sich sonst vielleicht nie das Hirn zermattert hätte. Worauf will ich eigentlich hinaus? Der Threadtitel ist evtl. ein wenig schwammig geraten, daher werde mal versuchen, das zu erklären.
In meiner Eigenschaft als angehender Grundschullehrer habe ich in den letzten Tagen gedacht: Eigentlich ist das beim Rollenspiel fast das Gleiche, wie im Unterricht (zu sitzen). Einer steht vorne (oder sitzt mit anderen in einem Kreis zusammen), und erklärt ihnen was, schildert ihnen was, erzählt ihnen was-und die anderen hören zu. Und verstehen. Leisten den Anweisungen folge. Fragen nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben-oder eben auch nicht. Und ergreifen eben auch mal selbst das Wort und/oder agieren selbstständig. Und in der nächsten Stunde/Sitzung wird dann entweder das abgefragt oder nochmals besprochen, was zuvor behandelt wurde-oder man fängt mit einen neuen Thema an. Ist im Rollenspiel doch auch so: Man fährt mit dem Abenteuer/Kampagne fort-oder fängt eben ein neues Abenteuer oder eine neue Kampagne an,machnmal sogar ein neues System. Natürlich ist das im Unterrichten dann doch nochmal was anderes, schon alleine deswegen, weil die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler eine ganz andere ist, als die zwischen "normalen" SL und seinen Spielern. Zudem haben Lehrer und SL ja auch unterschiedliche Rechte und eine Verantwortung die sie tragen. Dennoch: Das akribische Vorbereiten eines Abenteuers könnte ich mir durchaus auch gut als Vorbereitung für eine Unterrichtsstunde vorstellen, wenngleich man das natürlich nicht 1:1 kopieren kann. Eine Unterrichtsstunde sollte i.d.R. immer akribisch vor(und nach)bereitet sein, ein Abenteuer hingegen kann man schon mal spontan improvisieren. Aber: ich schweife ein wenig ab, ich wollte eigentlich keine Lehrer vs. SL- Diskussion vom Zaun brechen. Daher: Ich war früher nie der Typ, der Verantwortung tragen wollte. Ich hab mich immer drum gedrückt wenn es darum ging, Verantwortung zu tragen oder die Führung zu übernehmen. Aber dank meiner SL-Tätigkeiten und meines neuen Studiums mache ich das mittlerweile ganzt gerne,und ich denke auch sonst, dass ich als angehender Lehrer von meinem bisherigen SL-Posten profitiert habe. Wie gesagt,ich musste erst lernen, mit Führung und Verantwortung umzugehen. Andere hingegen können das schon früher, werden früher damit vertraut gemacht, bekommen es in die Wiege gelegt-was weiss ich. Ich frage mich jetzt nur, ob solche Leute, die eben die Verantwortung tragen, in Führungspositionen sitzen, die Führung übernommen haben...es als SL leichter haben,als Leute, die so etwas nicht kennen oder mögen (vorausgesetzt natürlich sie betreiben RPG), und daher der SL-Posten eher „ reine Chefsache“ ist?
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Darauf ein entschiedenes: "Jein!"
Die Verantwortung eines Lehrers und eines Chefs unterscheidet sich grundlegend. Wie es Haldeman in "Der Ewige Krieg" schön auf den Punkt bringt:
"... [Mandella,] Sie sind eine Art Lehrer. Sie neigen dazu, anderen Ihre Ideen aufzudrängen, aber nicht Ihren Willen. Anders ausgedrückt: Ja, Sie werden einen verdammt schlechten kommandierenden Offizier abgeben, wenn Sie sich nicht am Riemen reißen."
Ich selbst bin seit über 20 Jahren begeisterter Spielleiter. Mir sind auch schon die Parallelen aufgefallen, die sich ergeben, wenn ich eine Spielsitzung oder eine Mitarbeiterschulung vorbereite. In beiden Fällen fühle ich mich sauwohl, wenn ich da vorne stehe und den Leuten helfe, ihren eigenen Weg zu finden.
Den Leuten einen Weg vorzuschreiben und dessen Einhaltung durchzusetzen, ist jedoch absolut nicht mein Ding. Und unter Spielleitern wird diese Art -- meiner Ansicht nach zu recht -- mit dem Kampfbegriff "Railroading" bezeichnet. Von daher Gesamturteil meinerseits: ein guter Lehrer ist ein guter SL. Ein guter Chef nur... bedingt.
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Von daher Gesamturteil meinerseits: ein guter Lehrer ist ein guter SL. Ein guter Chef nur... bedingt.
Es ging mir aber eigentlich nicht darum, ob ein Lehrer ein guter Chef ist oder nicht, sondern ob jemand mit Verantwortung/Führungsposition es als SL einfacher hat als jemand ohne, bzw. ob so jemand ein besserer SL ist als jemand ohne.
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Es ging mir aber eigentlich nicht darum, ob ein Lehrer ein guter Chef ist oder nicht, sondern ob jemand mit Verantwortung/Führungsposition es als SL einfacher hat als jemand ohne, bzw. ob so jemand ein besserer SL ist als jemand ohne.
Da hast du mich mißverstanden: ich meinte, daß ein Lehrer auf jeden Fall einen Vorteil dabei hat, ein guter SL zu sein; daß dagegen ein Chef diese Eignung zum SL nicht unbedingt mitbringt.
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Nun - genau wie es verschiedenste Positionen der "Lehrer-Seins" gibt, gibt es auch unglaublich viele Ansätze wie man als SL an die Sache herangeht.
Ich will zum Beispiel kein Lehrer sein, der "vorne steht oder gemeinsam in einem Kreis sitzt". Genau wie im Rollenspiel wäre ich begeistert, wenn es mir gelänge, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die SchülerInnen alleine lernen und die SpielerInnen alleine die Spielwelt erleben können.
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Also mir widerstrebt der Lehrer vergleich.
Man will doch - unterstelle ich mal - seine Mitspieler weder belehren noch erziehen und ist gleichgestellt. Nun und man will doch mit spielen anstelle zu unterrichten.
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Da hast du mich mißverstanden: ich meinte, daß ein Lehrer auf jeden Fall einen Vorteil dabei hat, ein guter SL zu sein; daß dagegen ein Chef diese Eignung zum SL nicht unbedingt mitbringt.
ah, okay. ;)
Also mir widerstrebt der Lehrer vergleich.
Der Lehrer war doch nur ein Bsp.(und mir ist wegen meines Studiums auf die Schnelle kein besserer eingefallen). Du kannst auch ein anderers Berufsprofil wählen. Es geht letzten Endes nur um jemanden, der Verantwortung trägt und eine Führungsrolle inne hat.
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Mein Problem ist das ich den Spielleiter nicht in einer annaehrend derart prominenten Fuehrerrolle sehe und auch nicht derart allein verantwortlich.
Vielleicht Teamleader in einem kreativen, recht Hirachielosem Team, der auch noch an der Arbeit beteiligt ist.
Aber Lehrer ist fuer mich aehnlich weit weg als wuerde man ihn ernsthaft als Meister, im eigentlichen Wortsinn, bezeichnen.
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Vielleicht Teamleader in einem kreativen, recht Hirachielosem Team, der auch noch an der Arbeit beteiligt ist.
Würdest du denn sagen, dass der Teamleader es einfacher hat als SL oder einen besseren SL abgeben würde als ein normales Teammitglied?
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Würdest du denn sagen, dass der Teamleader es einfacher hat als SL oder einen besseren SL abgeben würde als ein normales Teammitglied?
Uhm gruebel ich zweifele das man es anhand der Funktion im RL auf das Spiel uebertragen kann.
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Ich denke, das Stichwort ist "Moderation". Jemand, der Übung darin hat, einer Gruppe etwas zu erklären, ohne sie zu überladen, alle gleichmäßig zu beteiligen und dabei ihre Stärken und Schwächen mitzunehmen, und im Streitfall zu vermitteln, sowie die Führung zu übernehmen, wenn es erforderlich ist, hat gute Grundlagen für einen SL. Und auch für andere Berufe, bei denen ein Einzelner für eine Gruppe verantwortlich ist.
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Mein Problem ist das ich den Spielleiter nicht in einer annaehrend derart prominenten Fuehrerrolle sehe und auch nicht derart allein verantwortlich.
Vielleicht Teamleader in einem kreativen, recht Hirachielosem Team, der auch noch an der Arbeit beteiligt ist.
Aber Lehrer ist fuer mich aehnlich weit weg als wuerde man ihn ernsthaft als Meister, im eigentlichen Wortsinn, bezeichnen.
Der SL erklärt die Welt(*). Das ist seine Aufgabe am Spieltisch.
Was macht ein Lehrer anderes?
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(*) bzw. alles an der Welt, was nicht die SCs sind.
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Der SL erklärt die Welt(*). Das ist seine Aufgabe am Spieltisch.
Was macht ein Lehrer anderes?
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(*) bzw. alles an der Welt, was nicht die SCs sind.
Sehe ich anders. Aufgabe des SL ist es, der Gruppe ein brauchbares Szenario zum Bespielen zu schaffen. Er hat keinen Bildungsauftrag. Er muss die Welt auch nicht "erklären"; das würde einen Verständnisprozess seitens der Spieler bedeuten. Aber die Spieler müssen nichts "lernen". Der SL muss lediglich Fakten schaffen.
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Der SL erklärt die Welt(*). Das ist seine Aufgabe am Spieltisch.
Was macht ein Lehrer anderes?
Hä?
Ein SL _schildert_ die Welt, oder?
Naja, ich kenne Lehrer, die nicht mal das hinkriegen ... aber ich schweife ab.
Ciao,
Martin
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Es gibt ja zwei Aspekte von "Chef": Task-Leader und emotional Leader. Der task leader sorgt dafür, dass eine Sache ins Rollen kommt, Aufgaben deligiert und Ziele gesetzt werden usw., der emotional leader kümmert sich um den Gruppenzusammenhalt, Teamspirit, etc. Meiner Meinung nach müssen diese beiden Positionen in jeder Rollenspielgruppe besetzt werden - aber nicht notwendigerweise von der gleichen Person, und nicht notwendigerweise vom Spielleiter.
Natürlich hat der Spielleiter oft eine herausgehobene Position - aber diese Position kann man einschränken bzw. umzäunen.
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Der SL erklärt die Welt(*).
Nein! Der SL koordiniert den gemeinsamen Vorstellungsraum.
Er definiert ihn auch ein Stueck weit.
Aber die Welt erklaeren tun eher Settinbuecher.
Was macht ein Lehrer anderes?
Ein Lehrer erklaert aus einer absolut erhoehten Position heraus was richtig und was falsch ist, was gelernt werden muss.
Kurz, uebertragen auf das RPG, er railroadet seine Schueler maximalst bei klarer Distanz bzw. ueber die eigene erhoehte Stellung. Die Schueler haben keinen Einfluss mehr und sind effektiv entmuendigt.
Was sinnvoll ist wenn man etwas lernen will, oder seine Meinung predigen, aber doch sicherlich nicht fuer ein Spiel,..
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Ein SL _schildert_ die Welt, oder?
OK, das trifft es eher, danke.
Aber er sollte zu diesem Zweck auch selbst verstehen, wie die Welt funktioniert. Und ein guter Lehrer (nach meinem Empfinden), erklärt die Welt auch nicht "frontal", sondern er läßt seine Schüler die Welt selbst erfahren und erkunden. So betrachtet, sehe ich da ziemlich deutliche Parallelen.
Mit Blick darauf, daß der SL sämtliche Kreaturen der Welt bis auf die SCs verkörpert, darunter auch Herrscher und Götter, sehe ich ihn schon in einer prominenten Rolle, die ihn deutlich von den Spielern absetzt. Ob das jetzt eine "Führerrolle" im Sinn von Chef ist, steht auf einem anderen Blatt.
Ein Lehrer erklaert aus einer absolut erhoehten Position heraus was richtig und was falsch ist, was gelernt werden muss.
Du mußt grauenhafte Lehrer gehabt haben... :-\
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Ein Lehrer erklaert aus einer absolut erhoehten Position heraus was richtig und was falsch ist, was gelernt werden muss.
Kurz, uebertragen auf das RPG, er railroadet seine Schueler maximalst bei klarer Distanz bzw. ueber die eigene erhoehte Stellung. Die Schueler haben keinen Einfluss mehr und sind effektiv entmuendigt.
Gerade in "kreativen" Fächern sehe ich das absolut anders. Also insbesondere Diskussionsrunden, Gruppen- und Projektarbeit und selbstständiges arbeiten in Fächern wie Deutsch, Englisch, Ethik/Religion, andere Sprachen, Kunst etc. laufen doch oftmals so ab, dass der Lehrer ein Thema bzw. Stichworte vorgibt und lediglich zwecks Moderation und Fragenbeantwortung eingreift.
Nicht unbedingt so unterschiedlich zur SL-Rolle imho.
Edit:
Railroading würde ich da eher Monologe gewürzt mit rethorischen Fragen, die in einer eingeschlafenen Klasse münden, nennen.
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Du mußt grauenhafte Lehrer gehabt haben...
Eh nein.
Es ist der schlichte Fakt das der Lehrer weiss, was der Schueler nicht weiss und sein Wissen vermittelt.
Was in Bezug auf die Lehrsituation auch Sinn ergibt.
Wenn ich mit einem Lehrer niederlaendisch lerne brauch ich nicht mal daran zu denken ihm erzaehlen zu wollen [oder zu koennen] wie man niederlaendisch spricht. Und wenn ich es als nicht niederlaendisch sprachige Person koennte, waere er ein bescheidener Lehrer.
Ansonsten habe ich eher den Eindruck das du grauenhafte Spielleiter gehabt haben musst. @.@ :-P
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Mit dem Lehrer ist es so, glaube ich, dass es stark auf Lehrertyp und RSP-Vorlieben hinausläuft.
Bei den von Jiriki ins Spiel gebrachten "kreativen" Fächern, insbesondere Kunst, begleitet der Lehrer ja eine Eigenleistung des Schülers und achtet bestenfalls darauf, dass bestimmte vorgegebene Techniken berücksichtigt werden. Könnte man vielleicht Ähnlichkeiten zum Schiedsrichter-SL sehen, der in erster Linie darauf achtet, dass die Regeln befolgt werden.
Ein Lehrer, der in naturwissenschaftlichen Fächern Schüler durch Versuche, Fragen und Denkanstöße zu der richtigen Lösung bringt, also den Schülern auf die Sprünge hilft, um ein Lernziel durch eigenes Denken zu erleichtern, hat vielleicht Ähnlichkeiten mit dem herausforderungsorientierten SL, der die Missionsziele vorgibt und Hindernisse aufbaut, es aber den Spielern überlässt, einen Weg zu finden.
Und ein Lehrer, der einfach nur Ergebnisse aus dem Lehrbuch vorliest, wäre dann eben der Erzählonkel unter den Rollenspielern.
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Wenn ich mit einem Lehrer niederlaendisch lerne brauch ich nicht mal daran zu denken ihm erzaehlen zu wollen [oder zu koennen] wie man niederlaendisch spricht. Und wenn ich es als nicht niederlaendisch sprachige Person koennte, waere er ein bescheidener Lehrer.
Sprachen sind eine reine Frage der Konvention. Man kann sie sich nicht durch pure Geistesarbeit erarbeiten, und auch die Methode "Try and error" erfordert das Vorhandensein von Muttersprachlern und den Mut, sehr viele Fettnäpfchen mit Anlauf zu nehmen. Hier kann der Lehrer nur Fakten vorgeben, und die Schüler müssen sie schlucken.
Fast alle anderen Schulfächer sind anders gelagert. Naturwissenschaften? Der Lehrer gibt einen Überblick und läßt die Schüler danach auf das Experiment los (entweder führt er es vor, oder die Schüler führen es sogar selbst durch) und überläßt es erst mal ihnen, sich die Gesetzmäßigkeiten dahinter logisch zu erschließen. Kunst? Der Lehrer läßt die Schüler sich kreativ austoben, bewertet und beurteilt und gibt Verbesserungsvorschläge zu Technik und vielleicht noch Stil. Philosophie, Ethik, Religion? Der Lehrer erarbeitet in der Diskussion mit den Schülern Grundsätze und Leitlinien, doch es liegt in der Natur der Sache, daß er ihnen gar nicht vorschreiben kann, was sie am Ende davon für sich annehmen. Geschichte? Der Lehrer präsentiert einige Eckdaten und Quellen und läßt die Schüler das Bild der vergangenen Ereignisse in eigener Regie erstellen.
In allen diesen Fällen stellt der (gute) Lehrer nur die Ausgangslage, greift moderierend ein und bewertet am Ende das Ergebnis -- obwohl er die prominente Position und das Wissen hätte, notfalls alles auch allein zu schaffen. Da sehe ich ziemlich deutliche Parallelen zum Spielleiten.
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Ein Lehrer erklaert aus einer absolut erhoehten Position heraus was richtig und was falsch ist, was gelernt werden muss.
Kurz, uebertragen auf das RPG, er railroadet seine Schueler maximalst bei klarer Distanz bzw. ueber die eigene erhoehte Stellung. Die Schueler haben keinen Einfluss mehr und sind effektiv entmuendigt.
Also das entspricht nicht mehr so ganz 100% dem heute erwünschten Lehrerbild (kommt natürlich drauf an, wer wünscht).
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Na, der Lehrer hat einen Lehrplan zu erfüllen, oder nicht? Daran führt kein Weg vorbei. Die Art und Weise bleibt ihm hinsichtlich seiner Methode überlassen, aber am Ende soll der Schüler über bestimmtes Wissen verfügen, seien es naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten, künstlerische Techniken oder sprachliche Fähigkeiten.
Insofern hilft es dem Lehrer nicht, wenn sich seine Schüler in eine "falsche" Richtung bewegen.
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Insofern hilft es dem Lehrer nicht, wenn sich seine Schüler in eine "falsche" Richtung bewegen.
Und einige Themen haben keine eindeutige Antwort, der Lehrplan sieht lediglich vor, dass sie thematisiert und diskutiert werden.
Und für einige Plots/Abenteuer haben einige SLs noch keinen festen Ausgang, sondern lediglich den Plan, NPCs/Orte/Ereignisse vorzugeben, auf die reagiert/in denen agiert wird.
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Selbst bzw. gerade auch Naturwissenschaften sind mit faktischen Informationen unterlegt und folgen einem bestimmten Lehrplan der vielleicht Varianz bietet aber keine Moeglichkeit abzuweichen.
Dabei ist es im Grunde egal ob die Schueler nun mit Experimenten die Illusion einer Handlungsfreiheit erhalten oder nicht. Es macht auch in Bezug auf den Unterricht auch keinen Sinn es nicht so zu handhaben.
Letztlich folgt es dem Lehrplan und letztlich wird der Lehrer Noten verteilen.
Wobei gerade Faecher wie Kunst und Religion noch einer gewissen Willkuer-Bewertung unterworfen sind.
Ich sehe da nicht eine positive Eigenschaft auf die Spielleiter Rolle bezogen.
Das heisst ich wuerde keinen Spielleiter haben wollen der sich fuer einen Lehrer haelt oder so auffuehrt.
Und einige Themen haben keine eindeutige Antwort, der Lehrplan sieht lediglich vor, dass sie thematisiert und diskutiert werden.
Ach ja? Und welche relevanten [fuer die Pruefung] sind das?
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Insofern hilft es dem Lehrer nicht, wenn sich seine Schüler in eine "falsche" Richtung bewegen.
Im Gegenteil: kurze Ausflüge in "falsche" Richtungen sind selbst in den Naturwissenschaften hilfreich. Aus Fehlern lernt man doch bekanntlich am meisten.
Klar, der Lehrer hat im Gegensatz zu einem (ergebnisoffenen) SL ein vorgegebenes "Ende der Geschichte", nämlich die Lernziele. Es geht ja auch nicht um die Frage, ob Lehrer und SL 1:1 dasselbe machen. Es geht darum, ob es Parallelen gibt; Synergien, wie es im BizSprech heißt. Ob die Skills eines Lehrers ihm auch beim Spielleiten weiterhelfen würden.
Mein Votum: ja, tun sie. Natürlich wäre es Blödsinn, eine Spielsitzung exakt 1:1 als Unterrichtsstunde durchzuziehen und am besten noch Arbeitsblätter auszuteilen und die XP danach zu verteilen, ob die Spieler auch brav den vorgegebenen Plot gelöst haben. Aber gewisse Vorgehens- und Verhaltensweisen aus dem Lehrerberuf sind imho gut auf das SL-Hobby übertragbar.
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Ach ja? Und welche relevanten [fuer die Pruefung] sind das?
Ein Großteil der Deutsch-, Ethik- und Geschichtsthemen, in der die Prüfung Reflektion und Bewertung von Themen bedeutet. Gedichts- und Dramenanalysen lassen sich nur schwer mit einer einstudierten Antwort bestehen. Ethische und moralische Fragen ebenso. Dito die Einordnung von geschichtlichen Ereignissen in einen Kontext. Der "Lernstoff" beeinhaltet im wesentlichen ein gewisses Handwerkszeug, um mit den Fragen umgehen zu können.
Und die eigentliche Leistung besteht gewiss nicht darin, zu zeigen, dass man fähig ist Stilmittel in einem Gedicht zu finden, sondern diese zu interpretieren.
Edit: Daher rührt doch auch die häufige Klage von Schülern, man könne sich auf solche Klausuren nicht wirklich vorbereiten bzw. die Bewertung unterliegt mangelnder Objektivität.
Aber was haben Prüfungen überhaupt mit dem Vergleich zu tun?
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Im Gegenteil: kurze Ausflüge in "falsche" Richtungen sind selbst in den Naturwissenschaften hilfreich. Aus Fehlern lernt man doch bekanntlich am meisten.
Das stimmt, solange sie kurz sind und keine bleibende "Irrlehre" ( ;) ) hinterlassen.
Aber ja, es gibt sicherlich Synergien. Aber ich denke ähnlich wie Teylen, dass der Lehrer eben von seiner Stellung als Lehrer profitiert. Er ist automatisch eine übergeordnete Instanz. Der SL übrigens auch. Allein durch seine Aufgabe ist er bereist aus der Gruppe herausgehoben. Nur ist das grundlegende Ziel jeweils ein ganz anderes (Ausprägung bestimmter Fähigkeiten vs Unterhaltung). Die Techniken ähneln sich allerdings zum Teil sehr, ja.
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Das stimmt, solange sie kurz sind und keine bleibende "Irrlehre" ( ;) ) hinterlassen.
Aber ja, es gibt sicherlich Synergien. Aber ich denke ähnlich wie Teylen, dass der Lehrer eben von seiner Stellung als Lehrer profitiert. Er ist automatisch eine übergeordnete Instanz. Der SL übrigens auch. Allein durch seine Aufgabe ist er bereist aus der Gruppe herausgehoben. Nur ist das grundlegende Ziel jeweils ein ganz anderes (Ausprägung bestimmter Fähigkeiten vs Unterhaltung). Die Techniken ähneln sich allerdings zum Teil sehr, ja.
Das würde ich in der Formulierung unterschreiben.
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Das würde ich in der Formulierung unterschreiben.
+1
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Den Lehrer-Vergleich hat der OP ja selbst gebracht, daher ist es auch nicht verwunderlich, dass hier so sehr auf dem Lehrertum herumgeritten wurde. Aber ich bin beim wiederholten Lesen des OP nochmal darauf aufmerksam geworden:
Wie gesagt,ich musste erst lernen, mit Führung und Verantwortung umzugehen. Andere hingegen können das schon früher, werden früher damit vertraut gemacht, bekommen es in die Wiege gelegt-was weiss ich. Ich frage mich jetzt nur, ob solche Leute, die eben die Verantwortung tragen, in Führungspositionen sitzen, die Führung übernommen haben...es als SL leichter haben,als Leute, die so etwas nicht kennen oder mögen (vorausgesetzt natürlich sie betreiben RPG), und daher der SL-Posten eher „ reine Chefsache“ ist?
Die beiden Schlagworte sind "Führung" und "Verantwortung". Ein SL braucht auch noch andere Fähigkeiten (Kreativität, Rhetorik etc.) aber diese sind eher losgelöst von der Gruppe. Ich denke, worauf Blizzard vielleicht anspielt ist die Situation, wo alle Spieler darauf warten, dass der SL etwas sagt, weil eben dieses für den Fortgang des Spiels entscheidend ist. Der SL ist in dem Moment dafür verantwortlich, dass er etwas sagt, das das Spiel in einer positiven Weise fortsetzt. Das kann eine Schilderung sein, eine NSC-Reaktion, ein Naturereignis oder aber auch eine Regelentscheidung. Kurzum: er steht damit im Mittelpunkt.
Er muss mit diesem Anspruch zurecht kommen. Das bedeutet imo vor allem Selbstvertrauen.
Die Führung umfasst vielleicht Organisatorisches, wobei dieses eigentlich von der ganzen Gruppe getragen werden kann, aber es bezieht sich imo vor allem auf darauf, dass das Wort (die Entscheidung) des SL von den Spielern akzeptiert wird, damit keine Diskussionen entstehen, die das Spiel stören. Der SL muss dafür seine Spieler kennen (wie ein Lehrer seine Klasse) aber eben auch seinen Plot (oder das, was gerade Gegenstand der Handlung ist).
Er muss also Kompetenz ausstrahlen. Auch das bedeutet imo vor allem Selbstvertrauen.
Daher würde ich sagen, dass es vor allem Selbstvertrauen ist, was einen SL qualifiziert (neben der Motivation für den Posten natürlich); das deckt sich dann auch mit der "Chef-Sache". Alles andere kriegt man schon irgendwie hin (das führt dann zu schlecht organisierten SLs, sich verhaspelnden SLs, zu autoritären SLs etc.).
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Dass das Sein das Bewustsein bestimmt ist jetzt keine neue Erkenntnis...
Ich glaube, wenn man sich eine gewisse Herangehensweise im "Richtigen Leben" angeeignet hat und damit gut umgehen und zufrieden ist, ist es relativ leicht, die dann auch auf ein Hobby wie Rollenspiele übertragen kann. EInfach, weil
Mal abgesehen davon, dass gewisse Erkenntnisse über Psychologie oder Verhaltensadaption bzw. Lernen auch beim Rollenspiel ziemlich gut funktionieren - und wenn es bloß so was ist, wie Frustrationsquellen zu identifizieren und zu beseitigen oder die Erkenntnis, dass man nicht nicht erziehen kann ist.
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...ob jemand mit Verantwortung/Führungsposition es als SL einfacher hat als jemand ohne, bzw. ob so jemand ein besserer SL ist als jemand ohne.
Eher umgekehrt:
Meiner Meinung nach hat es ein SL einfacher in einer verantwortungsvollen/Führungs-Position, als jemand, der noch nie SL war. Also umgekehrt.
Allerdings denke ich allgemein, dass man durch Rollenspiel und durch SL-Tätigkeit insbesondere Fähigkeiten entwickelt, die auch beruflich sehr hilfreich sein können. (Kommunikation, Verhalten im Team, Kompromissfähigkeiten, etc.)
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Es geht darum, ob es Parallelen gibt; Synergien, wie es im BizSprech heißt. Ob die Skills eines Lehrers ihm auch beim Spielleiten weiterhelfen würden.
Mein Votum: ja, tun sie.
Ich stimme dem Votum voll und ganz zu. Und zwar nicht nur in bezug auf Führung und Verantwortung, sondern auch weit darüber hinaus.
Allerdings sind Schulklassen ein weit gestreutes Feld, eine zweite Grundschulklasse ist mit einem Lateinkurs im diesjährigen Abijahrgang nicht zu vergleichen, und beide nicht mit einem widersprenstigen Sportkurs von Achtklässlern. Kein Spielleiter wird eine Runde, die es mit dem Verhalten der zuletzt Genannten versucht, lange leiten, er hat ja das Glück, daß er die Brocken hinschmeißen kann. Die beste Vergleichbarkeit haben zweifellos die Lateiner, die das Latinum schon haben, d.h. alle, die noch im Kurs sind, wollen vermutlich auch dort sein, und dort haben auch Schüler und Lehrer schon eine recht ähnliche "Augenhöhe". Sicher weiß der Lehrer noch mehr, aber die Schüler können sich doch schon recht selbstbewußt einbringen.
Den Eindruck einer "zweiten Grundschulklasse" hat man vermutlich eher, wenn man tatsächlich mit noch recht jungen Spielern zusammen ist und ein zum Powergaming einladendes RSP spielt. Das kann durchaus auch Spaß machen, aber da muß man schon gute Nerven haben und vor allem einen sehr scharfen Blick für soziale Interaktion. Aber da wiederum ist man mE exakt in der Situation eines Lehrers. Man hat nebenher noch ein anderes Ziel (Lehrer: Stoff vermitteln, Spielleiter: Spielrunde leiten), aber dazu kommt man jedenfalls nur, wenn man die Gruppendynamik in der einen oder anderen Weise "im Griff hat".
Insofern lernt man, denke ich, durchaus beim Spielleiten für eine Verantwortungsposition und in einer Verantwortungsposition (im besten Fall) für's Spielleiten.
Spielleiten ist allerdings, soweit ich es sehe, nicht selten die "entschärfteste" Form einer Leitungsposition. Wenn die anderen Mitspieler sich freuen, daß überhaupt einer die Spielleitung macht, und ihm lieber zuweit entgegenkommen als seine Anstrengungen zu mißachten, dann hat man eine so günstige Situation wie sonst selten, um sich mal in der "anderen" Position auszuprobieren.
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Dass das Sein das Bewustsein bestimmt ist jetzt keine neue Erkenntnis...
Die Rollenspieltheorie ist dann in ihrer radikalsten Form eine Theorie der gescheiterten Praxis.
Und der Spielleiter ist Freund und Helfer.
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Nun - genau wie es verschiedenste Positionen der "Lehrer-Seins" gibt, gibt es auch unglaublich viele Ansätze wie man als SL an die Sache herangeht.
Ich will zum Beispiel kein Lehrer sein, der "vorne steht oder gemeinsam in einem Kreis sitzt". Genau wie im Rollenspiel wäre ich begeistert, wenn es mir gelänge, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die SchülerInnen alleine lernen und die SpielerInnen alleine die Spielwelt erleben können.
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außerdem spiele ich bald FATE, daher ist das eh alles eine kooperativere Geschichte (also hoffentlich, wenn meine Jungs so mitmachen, wie ich es mit erträume), als Unterricht je sein könnte.