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Pen & Paper - Spielsysteme => Cthulhu RPGs => Thema gestartet von: Arkam am 2.08.2012 | 20:46
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Hallo zusammen,
das deutsche Material zu Cthulhu liest sich ja teilweise wie eine Geschichtsabhandlung. In der Diskussion über die 7. Edition kam wieder der Wunsch auf doch eher mehr Material zu haben das man direkt im Spiel verwenden kann als historische Fakten die man eventuell nie brauchen wird wenn sie nicht auch einen Spiel relevanten Bezug haben.
Wie seht ihr das?
Ich persönlich habe ja vor Jahrzehnten das letzte Mal Cthulhu geleitet. Dabei bin ich direkt über ein historisches Problem gestolpert. Nämlich darüber wie verbreitet Telefone 1925 in Deutschland, speziell in Düsseldorf waren.
Inzwischen bin ich eigentlich reiner Sammler und da lesen sich die historischen Ergüsse schon ganz nett. Sie scheinen aber auch dafür zu sorgen das einige Leute vom eigenen Abenteuer Schreiben abgeschreckt werden weil sie sich eben die historische Korrektheit nicht zutrauen.
Dabei würde ich in Zeiten des Internets und vor allen der Wikipedia auch vermuten das man solche Fragen selbst im Abenteuer noch schnell klären kann. Ok die Runden in denen ich mitspiele sind aber auch mit Smartphones, Tablets, Netbooks und Laptops recht Technik affine.
Gruß Jochen
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Mich interessieren historische Fakten nun eher weniger da sie genau in diesem Kontext wenig mit der Fantastik um die es im Spiel geht zu tun haben.
Basics wie Technik, Mode, etc. sind ok und teils notwendig, mehr ist aber dann auch zu viel.
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Generell finde ich historische Hintergründe bei Cthulhu oder anderen Spielen fein, aber es muss spielrelevant bleiben, sollte also den abenteuerrelevanten Rahmen des Settings nicht überschreiten.
Das gilt auch für andere Settings, z.b. Conan D20: Im Cimmeria-Band gibt es detaillierte Beschreibungen cimmerischer Hochzeitsrituale. Ja, danke bestens! Das wollte ich schon immer - Trauzeuge bei Conan sein!
Wenn es wenigstens ein Abenteuer dazu gäbe, die das dann spilerelevant aufgreift, aber nein.
Nun weiß ich das halt. Und als nächstes weis ich dann, wie viele Socken in Arbeiterhaushalten im Kaiserreich so durchschnittlich im Schrank lagen. Prima.
So was braucht kein Mensch. Fragen der nächtlichen Straßenbeleuchtung im Paris des Regime Diabolique sind hingegen vielleicht eine Absatz wert - das kann sehr wohl spielrelevant sein.
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Wie ich schon schrieb, mag ich diese Detailtiefe ganz gerne und bringe sie durchaus mal in ein Abenteuer ein. Zudem ich froh bin, sowas an einem Fleck zu haben und nicht erst im Netz recherchieren zu müssen.
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Die einzige Cthulhu-Bücher die ich in den letzten Jahren gekauft habe waren die drei Cthulhu Britannica Bücher. Die haben Fakten und den Mythos gut eingeflochten, so dass man es im Spiel nutzen kann. Pegasus sollte sich da mal eine scheibe abschneiden. So wie das deutsche Cthulhu jetzt ist würde ich es nicht spielen/kaufen wollen.
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Bei Cthulhu? So historisch wie möglich! (Wow, ich sehe mal was so wie Xemides ;) )
Das hat bestimmte Gründe und ich kann das Genöhle über die exzellenten deutschen Quellenbücher auch nicht so recht nachvollziehen. Klar, im Deutschlandbuch geht es viel um Realhistorie... aber ich finde das als Ausgangsbasis für Cthulhu recht wichtig. Um den Mythos als das Nicht-Alltägliche, Phantastische und Erschreckende in Szene zu setzen, brauche ich ja erstmal eine mundane Realität. Und da ich Cthulhu im hohen Maße als ein immersives Rollenspiel mit In-die-Welt-eintauchen etc. wahrnehme, passt der Detailgrad auch an scheinbaren Nebensächlichkeiten gut ins Bild. Außerdem ist es ja nicht so, dass jeder zweite Mensch auf der Welt gleich ein Cthulhu-Kultist ist.
Ich bin mir außerdem einfach nicht sicher, wo man wirklich die Grenze zwischen "ist spielrelevant" und "ist nicht spielrelevant" ziehen kann. Was an Hochzeitsritualen jetzt weniger spielrelevant sein soll als an Straßenbeleuchtung erschließt sich mir zum Beispiel nicht. Beim Stichwort "Hochzeitsrituale" fallen mir direkt 10 Konflikte ein, die man im Spiel mit sowas verbinden kann. Bei Straßenbeleuchtung nicht mehr sondern eher weniger: Entweder sind die Lichter an, oder die Lichter sind aus.
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Na ja, die meisten Charaktere werden mehr Straßen nachts begehen als Hochzeiten (im Detail) feiern ;)
Ich schließe mich der "Weniger-Historie-mehr-kreative-Eigenleistung"-Fraktion an ;)
Ich hab letztens "Sucht nach Leben" geleitet, hm, wie viel Historie war da wirklich nötig als Hintergrundwissen?
Letztlich hatte ich sogar zu wenig Zeit, mir die Stadtbeschreibung näher anzuschauen.
Fehlte was? Nein. Warum auch ;)
1920: Hochzeit war Hochzeit, Auto war Auto, Straße war Straße, Vermieter war Vermieter.
Alles etwas konservativer angesetzt, so wie in Bayern auf dem Dorf noch heute ;) und die Schauplätze abgeklappert und gut ist es
Wer 102x wirklich Bürgermeister, Polizei-Chef etc. war und welche Hotels wirklich dort eine Filiale hatten etc. Wen interessiert das denn im Spiel wirklich.
Ich zahle beim RPG für kreative Eigenleistungen, die ich mir nicht selbst ausdenken kann/will oder eben nicht im Web selbst recherchieren kann
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Ich schließe mich Jiba an. Man braucht ein Gefühl für das Alltägliche, damit man den Mythos davon abheben kann. Deshalb finde ich den Deutschland-Band eine der besten Weltbeschreibungen überhaupt.
Die Frage ist für mich dann nur: Welche Zeit interessiert mich? Am liebsten Now, dann 1920er, dann andere wie Gaslicht oder Antike. Vielleicht bin ich einfach langweilig, aber das Mittelalter kann mich irgendwie nicht begeistern...
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Na ja, die meisten Charaktere werden mehr Straßen nachts begehen als Hochzeiten (im Detail) feiern ;)
Ganz entschieden: Nein! Denn das kommt doch stark auf die Runde an und die Themen, die diese Runde bespielt.
Wer 102x wirklich Bürgermeister, Polizei-Chef etc. war und welche Hotels wirklich dort eine Filiale hatten etc. Wen interessiert das denn im Spiel wirklich.
Mich. Und ich gebe euch vollkommen recht, wenn es um Dinge wie Fantasywelten oder SciFi-Planeten geht: Da möchte ich möglichst viel Freiraum und wenig Details für eigene Setzungen. Aber wenn ich ein historische Epoche bespiele auf unserer Welt, dann erwarte ich schon ein wenig Bereitschaft (von allen am Spieltisch), sich in das entsprechende Feeling einzulesen. Sonst kann ich ja auch ein Fantasyeuropa mit Horroreinschlägen spielen. Unser SL hat uns damals nach Charaktererschaffung die für unsere Charaktere relevanten Seiten aus dem Deutschlandbuch kopiert (bei meinem Charakter war es hauptsächlich Unterhaltungsindustrie). Das hat mich sehr stark in den Charakter reingebracht und das ist bei "Cthulhu" ja entscheidend.
Ich zahle beim RPG für kreative Eigenleistungen, die ich mir nicht selbst ausdenken kann/will oder eben nicht im Web selbst recherchieren kann
Auch so was: Das, was im Deutschlandbuch steht, kann man nicht eben mal so im Web recherchieren. Erstmal glaube ich nicht, dass während der Spielrunde noch Zeugs im Internet rumgesucht wird; mich würde das doch eher stören. Zweitens sind viele Informationen in den Büchern eben nicht gerade mal bei Wikipedia abgeschrieben. Das "Deutschland"-Buch ist wahrscheinlich das beste Quellenband über das Deutschland der 20er Jahre, das es gibt.
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Ich finde es zwar manchmal anstrengend mit meinen historisch-mega-fundierten Freunden CoC zu spielen, weil ich da einfach nicht mithalten kann .... trotzdem, ich brauche CoC (20er) so historisch wie möglich.
Neben den bereits genannte Gründen, finde ich, dass eine saubere Trennung zwischen realer Historie und Fiktion den Kontrast zwischen Mensch und Mythos verstärkt und zum Spielgefühl beiträgt.
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Ich denke die Antworten werden verständlich wenn man ein wenig skizziert wie man CoC spielt. Alle längeren Abenteuer mit denen ich bisher zu tun hatte waren sehr Reise-lastig und lebten stark von Szenenwechsel, etwa: Mitten im Ersten Weltkrieg, Ungarische Grenze, ein Schloß in Irland, ein Kloster in Irland, Traumlande, Steinkreise rund um Irland, dann wieder Ungarn.
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Klar sind die Infos, die man haben will, abhängig davon, was und wie man spielt.
Aber mal ehrlich: Bei Regime Diabolique werden die Musketiere SICHERLICH in fats jedem zweiten Abenteuer mal nachts unterwegs sein - da sind Infos zu der Straßenbeleuchtung IMMER wichtig.
Nichts gegen Hochzeitsbräuche - dann aber bitte MIT Abenteuer dazu (oder Abenteuerideen zum Selbstausbauen, die über "Und was wäre, wenn nun der Ehemann Kultist ist? Oder Tiefes Wesen? Oder doch nicht?") und nicht als weitere Bluem im bunten Allerlei-Strauß.
Zudem. Bevor ich mir eine Superabenteueridee davon kaputt machen lasse, dass ein für das Abenteuer unumgängliches, aber ansonsten vernachlässigbares Detail nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt, ums schlimmer für die Realität! Wenn z.B. Mordserie in einem Hotel in Klein-Unterflümritz am Dumpfbach (oder meinetwegen auch in Dresden), das aber schon tatsächlich zwei Jahre vorher abgebrannt war, ich aber das Abenteuer wegen Hitlers Machtübernahme nicht zeitlich verlegen kann, na: Dann steht das halt noch! Und da gibt es auch eine Park! Und ne Straßenbahnhaltestelle!
Wenn ich mir schon Grusels in die Welt setze, dann brauche ich nicht Detailkenntnisse über die Hosenmode der Damen im Frühjar 1228 (oder 1576), AUSSER das ist im Abenteuer von Bedeutung.
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@jiba
(kann auf Handy nicht gut Teilzitate machen)
Zum Europa mit Fantasyeinschlag
Rollenspiel in der Welt des HPL heißt es oder?
Klar wenn man aus Cthulhu historisches Detektivrollenspiel mit kleinem Horroreinschlag macht sind Details wichtig.
Beim Horror stören sie eher bzw sind weniger wichtig.
Ich bin für mehr HPL und Horror und für weniger Detektivrollenspiel und Historie
Gebt Lovecraft den Mythos zurück ;-);-);-);-)
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(sorry, ist wegen Handy)
Lovecraft hat ja auch kein Historienfetisch betrieben sondern fiktive erfunden
zb bei Schwanengesang sieht man dazu noch eine falsche Zielsetzung
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Lovecraft hat ja auch kein Historienfetisch betrieben sondern fiktive erfunden
Ja, ist schon lustig wenn man bedenkt dass die meisten seiner Geschichten an fiktiven Orten spielen.
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Erfahrungsgemäß würde ich sagen: Die historisch-akkurate Darstellung des Settings kann ein Szenario oder eine Szene tragen und sehr zur Spielatmosphäre und Spieldichte beitragen und eine sehr starke Eigendynamik entwickeln, die massiv zum Reiz des Settings beitragen kann
Gleichermaßen kann man sich den Lovecraftschen Mythos-Tinnef ohne größere Reibungsverlust aus den Fingern saugen. Da braucht es ehrlich gesagt kein sonderliches Geschick für.
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Na ja.
Spielst Du Cthulhu nur wegen der Epoche?
Oder ist der Grusel nur nebenaspekt ?
Bzw nur mal ein Monster?
Weil wofür unbedingt Cthulhu(-regeln) cht Private ehe oder midgard 1880 oder anderes ?
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Ich spiel eher Trail als Call, wobei das eher ziemlich nebensächlich ist, was die Settingdarstellung angeht. Bei beiden bleibt: Das Setting, dass durch den Mythos vorgegeben wird, ist relativ klar umgrenzt und nach ein paar Jahren des Spiels, der Kenntnis der üblichen Geschichten und ein paar Partien Arkham Horror ist das Thema halt relativ schnell durch genudelt. Dazu sind die einzelnen Aspekte auch nicht interessant genug, bzw. nicht gut genug geschrieben um länger zu fesseln. Umso abgeschmackter wird es, wenn sich hinter jder Ecke Kultisten und ausserirdische Schrecken verstecken und trotzdem ausser den Spieler-Ermittlern kaum jemand etwas weiß oder wahrhaben will. Der rein fiktionale Teil des Cthulhu-Mythos ist ausgelutscht und läuft im Endeffekt darauf hinaus, die bekannten Motive als Running Gags zu recyclen. Tekeli-Li, Tekeli-La, etceteri, etcetera.
Wohingegen kein fiktionales Setting auch nur annährend so reichhaltig ist wie die echte Welt und die Welt der 20er und 30er Jahre gerade weit genug entfernt ist, um noch nachvollziehbar zu sein, und gleichzeitig so lange her, dass viele wichtige und weltbewegende Aspekte der damaligen Zeit für sich selbst genommen bereits aussergewöhnlich und exotisch sind und ganz hervoragende Plots stricken, die völlig ohne übernatürliche Beteiligung oder nur die Andeutung einer nicht völlig erklärlichen Verbindung völlig ausreichen. Und sie sind in aller Regel interessanter, da man davon ausgehen muß, dass die Eskapismus-erfahrene Zielgruppe mehr über Cthulhu und co. als, sagen wir mal, über die Femenmorde.
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Bei uns sind gab es damals regelmäßig Fachsimpeleien, wann denn jetzt genau sich der Reißverschluß an Kleidung durchgesetzt hat, ob schon 1920 der Fingerabdruck vor englischen Gerichten als Beweismittel zugelassen war, wie häufig Frachtschiffe zwischen Amsterdam und Belize verkehrten etc. Und mit zwei "Besserwissern" am Tisch ist das dann auch mal gerne ausgeartet, und man kam auch auf keinen Konsens, weil es ja jeder der beiden "besser wusste". Irgendwann kam dann zum Glück der SL auf die geniale Idee, diese Diskussionen in Bibliotheksrecherchen auszulagern. Also in echt jetzt: "Du, wenn dich das Thema so brennend interessiert, dann schau doch mal nach, wie es wirklich war, und halte uns das nächste Mal einen kurzen Vortrag." So ist es dann passiert, und aus halbstündigen Streitgesprächen wurden dreiminütige, wissenschaftlich fundierte Belehrungen. Mit Quellenangaben! ;)
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Hallo zusammen,
der Lichtbringer hat mich Mal wieder daran erinnert das es neben den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts auch noch andere Setting gibt. Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf die 20er Jahre. In anderen Settings bin ich mehr an historischen Fakten interessiert.
Gerade für reales europäisches Mittelalter würde ich mir sehr viele Details wünschen. Für ein Setting in der Neuzeit, für mich ab 1983 bis Heute, bräuchte ich wohl keine Daten mehr. Da habe ich meine eigenen Erfahrungen, meine eigene Timeline und die Möglichkeit die meisten Daten im Internet zu suchen da brauche ich keinen geschichtlichen Abriss mehr.
Auch die Art wie man spielt habe ich Mal wieder vergessen. Es gibt wohl, wenn man das so aus dem offiziellen Forum schließen kann, genügend Spieler die ihren Spaß daraus ziehen eine historische Epoche mit ihren Charakteren zu erforschen. Da sind dann natürlich allen bekannten historische Fakten wichtig.
Wenn man natürlich Mythos Abenteuer bevorzugt sind die historischen Fakten eher weniger wichtig.
Natürlich gibt es auch wieder Mischformen des Spiels.
Kann es also sein das die Frage nach den historischen Fakten nur wieder ein Nebenkriegsschauplatz ist? Das es eigentlich nur darum geht das die Mythos Spieler auch gerne etwas Spielzeug in den Quellenbüchern hätten? Also etwa vernünftige Karten, also keine historischen sondern vermessbare mit allen Abenteuerorten?
Gruß Jochen
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Ich als SL arbeite liebend gerne mit den Quellenbüchern und weiteren Hintergrundinfos, zumal ich dann noch auf etliches Material stoße, welches ich dan einsetzen kann.
Das Problem liegt meines Erachtens an den Mitspielern. Wenn die nicht mitziehen wollen (oder können) gibt es ganz schnell ziemlich dicke Probleme, insbesondere wenn man sich über Dinge und deren Entstehungszeit streiten muss, damit die Jungs nicht sterben...
Deshalb hat sich bei uns der Mittelweg zwischen historisch recht genau und mancher rollenspieltechnischer Freiheit eingebürgert. Ist halt letztlich eh Fiktion, was wir da Tisch spielen. Hauptsache es macht allen Beteiligten Freude.