Cochise – Wanderer zwischen den Welten
Dunkelheit! Lärm! Gebrüll! Weinen!
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Was folgte, war die lange Stille. Diese lange und unerträgliche Stille. Er wartete – so hatte Mutter es ihm gesagt: „warte, bis ich dich hole.“
Warten in der Dunkelheit.
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Stille! Angst! Hunger! Weinen!
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Eine Folge von ängstlichen Wachphasen, voller Angst und Tränen und erschöpftem Schlaf, voller Angst und Träume. Er wartete, bis ihm klar wurde, dass niemand kommen würde. Selbst das Gekrächze der Aaskrähen war verstummt und er entschloss sich, nicht mehr zu warten.
Aufstehen, unerträglich schwer, so schwach, sein kleiner Körper.
Hinaus, ins Licht, Schmerzen, der ganze Körper. Er schleppt sich zum Wasser. Trinkt – wie ein Tier! Ernährt sich von Früchten und Wurzeln – wie ein Tier! Will leben und lebt – wie ein Tier!
Er schläft. Wacht auf. Ein Mann, bleiche Haut und schwarzer Mantel. Hebt ihn hoch und nimmt ihn mit. Er spricht. Fremde Worte erst, dann beginnt er zu verstehen. Er lebt bei Leutnant, so heißt der Mann. Ein wichtiger Mann, Leutnant Royal E. Whitman! Ein guter Mann, bringt ihm lesen und schreiben bei und schickt ihn zu seinen Leuten, den Navajos und den Apachen, um Frieden zu schließen. Berichtet ihm später vom Massaker an den Aravaipa Apachen. Massaker war Zeit im Dunkel.
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Ich kann nun lesen und schreiben, ich verstehe drei Sprachen: Spanisch, Englisch und mein Apache. In der Schule lernte ich Anne kennen, ich mag sie sehr und sie mag mich. Royal sagt aber, dass wir keine Zukunft hätten. Ob die Zeit ihn Lügen straft?
Jahre später hatte ich begriffen, ich kenne nun Worte wie Vertrag, Recht, Besitz und Anspruch und ich weiß, was ein Massaker ist. Ich weiß, was eine Lüge ist. Ich weiß, was Verrat ist und ich weiß, was Hass ist!
Royal hatte mich gerettet, mich großgezogen wie einen Sohn und dennoch zu einem Apachen werden lassen, da er unsere Art zu leben sehr schätzte und sich für unsere Rechte einsetzte. Er hatte dies mit seinem Leben bezahlt und war von der Regierung entehrt worden, bevor er seinen Dienst in der Armee quittierte. Sein Land war fruchtbar und er baute Mais an, wie wir es ihn gelehrt hatten, so dass er wuchs.
Dann war er tot, hinterrücks niedergeschossen, weil er mich liebte und für seine Meinung einstand. Bis heute weiß ich nicht, wer der Mörder ist, aber ich bin ein geduldiger Jäger. Ich bin mir sicher, dass er meinen Ziehvater noch aus der Armee kannte und ihm nie verziehen hat, dass er wegen des Massakers unehrenhaft entlassen wurde. Kein Fremder wäre so nah an Royal herangekommen in diesem wilden Land.