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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Lothax am 22.07.2013 | 19:43

Titel: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 22.07.2013 | 19:43
Kommt aus dem Thread: Das Recht zu würfeln, die Pflicht zu würfeln (http://tanelorn.net/index.php/topic,84980.0.html)

Ich tu es dir glatt noch falscher in den Hals. Powergaming ist der Zweck eines jeden Spiels. Die Frage ist eben, was das im einzelnen Spiel bedeutet.

Jetzt will ich es genauer wissen: kann diese zugespitzte Formulierung die rollenspielerische Realität darlegen?

Ich gehe hier klar von einem nein aus. Es fängt schon bei der Definition des Wortes Powergaming an (hier scheiden sich die Geister) und endet in der rollenspielerischen Wirklichkeit.

Powergaming ist der Spielzweck der Powergamer... just my two cents. Ich würde obige Definition von 1o3 noch etwas ausbauen und ausformulieren, um sie eher gelten zu lassen.

Ein gutes System ist jenes, dass auch (und jetzt formuliere ich etwas spitz) an aggressivem Powergaming nicht zugrunde geht. Powergaming erzeugt in der Gruppe immer ein Ungleichgewicht, da die Spieler einem unterschiedlichen Grad an Powergaming anhängen. Ein bisschen Powergamer, und das denke ich kann man so stehen lassen, ist ein jeder von uns. Aber, und hier kann ich eben nur aus meinen persönlichen Erfahrungen schöpfen, gibt es in beinahe jeder Gruppe unterschiedlich starke Ausprägungen davon. Und das ist immer eine Gefahr für das Gruppengleichgewicht und ein ständig präsenter Unruheherd, den man auch als Spielleiter und Spieler in der Gruppe gut im Auge haben sollte. Nur gibt es solche Systeme?

Ich gestehe, ich bin da ein bisschen ein gebranntes Kind was das Thema Powergaming angeht und bin aus diesem Grund vielleicht schon im Vorfeld negativ zu diesem Begriff eingestellt. Nehmt mir die Scheuklappen ab wenn machbar, vielleicht sehe ich das ja zu eng.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Grey am 22.07.2013 | 19:58
Ich würde zumindest so weit gehen: Powergamer sind der Prüfstein jedes Regelwerks.

Als Regelwerksautor kannst du dir eigentlich keinen gewissenhafteren Tester wünschen als einen akribischen Powergamer. Ein Charakter-Minmaxer und Schlupfloch-Sucher ist das beste, was dir passieren kann, um die Regeln auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen. Ein Powergamer legt bereits bei der Charaktererschaffung mehr Murphy's Rules bloß als ein gutwilliger Charakterdarsteller in einer ganzen Kampagne.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 19:58
Ich sag es gern noch mal: Spiele haben ein Spielziel. Was immer das sein mag. Haben sie keins, sind sie keine Spiele. Powergamer möchten das Spiel effektiv spielen. Um das zu tun, müssen sie dem Spielziel hinterher rennen. Das aber nicht zu tun wäre absurd. Es ist der Zweck der ganzen Sache.

Powergamer spielen also gut. Sie verfolgen das Spielziel möglichst effektiv. Natürlich kann es vorkommen, dass einige Teilnehmer nicht so gut spielen. Das ist dann so. Man kann sich auf verschiedene Weisen arrangieren. Man gibt ihnen Hilfestellung etc. Die Hoffnung ist natürlich immer, dass die anderen besser spielen werden.

Wie kann es zu dem Eindruck kommen, es sei schlecht, zielgerichtet dem Spielziel zu folgen? Das klappt nur bei Spielen die keine Spiele sind, weil sie kein Spielziel haben. Oder solche die zwar ein vermeintliches Ziel vorgeben, tatsächlich aber in ihrer Ausführung andere Dinge belohnen.

Die Regeln müssen also so gestrickt sein, dass die Spielenden darauf zielen, was offizielles Spielziel ist. D&D macht das (zumindest auf Spielerseite) sehr gut: Töte die Monster klau, den Schatz. Das ist das Ziel. Das funktioniert auch.

Die meisten Rollenspiele danach haben diesen Zusammenhang aber nicht verstanden. Sie schneiden einfach das Spielziel weg, tun womöglich ein neues hin, benutzen aber trotzdem zu D&D äquivalente Regeln, z.B. Erfolgsproben. Powergamer werden also jedes dieser Spieler spielen wie D&D, denn das ist effektiv nach den Regeln und müsste folglich auch das Spielziel sein.

Es geht also darum gute Spiele zu bauen. Gute Spiele sind solche, wo die Regeln zum Spielziel passen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: ErikErikson am 22.07.2013 | 20:04
Uhm, aber es klappt doch eben nicht. Die D&D Spieler sind doch genauso am nörgeln wie der Rest.  Die wissen doch auch nicht, wann sie nun würfeln sollen, jammern über powergamer usw.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 22.07.2013 | 20:07
1of3, das hast du jetzt schön gesagt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 22.07.2013 | 20:09
Ich würde zumindest so weit gehen: Powergamer sind der Prüfstein jedes Regelwerks.

Ich finde, dass ist sehr gut auf den Punkt gebracht. Powergamer drehen jeden Stein um und finden die Schwächen. Ich will ja gar nicht so weit gehen, dass Powergaming was falsches oder verruchtes wäre, ich sehe es nur nicht alls das Allheilmittel. Es ist ein Spielstil wie andere auch, mit seinen Stärken und Schwächen.

Powergamer spielen also gut. Sie verfolgen das Spielziel möglichst effektiv. Natürlich kann es vorkommen, dass einige Teilnehmer nicht so gut spielen. Das ist dann so. Man kann sich auf verschiedene Weisen arrangieren. Man gibt ihnen Hilfestellung etc. Die Hoffnung ist natürlich immer, dass die anderen besser spielen werden.

Wie kann es zu dem Eindruck kommen, es sei schlecht, zielgerichtet dem Spielziel zu folgen? Das klappt nur bei Spielen die keine Spiele sind, weil sie kein Spieziel haben. Oder solche die zwar ein vermeintliches Ziel vorgeben, tatsächlich aber in ihrer Ausführung andere Dinge belohnen.

Hier halte ich dir entgegen, dass nicht das Gewinnen Sinn und Ziel eines jeden Spiels ist. Es gibt andere befriedigende Erlebnisse. Auch eine Niederlage kann, nach den ersten bitteren Gefühl des Verlierens, erhebend sein. Der Weg ist das Ziel... nicht die Ziellinie. Drama, Verluste, Niederlagen... starke Impulse die ebenso Ziel einer Geschichte und eines Spiels sein können. Man muss nicht jede Herausforderung bestehen, manchmal reicht es einfach, die Herausforderung anzunehmen. Und wenn schon nicht das große finale Ziel erreicht wird, dann sind es manchmal die Dinge im Kleinen, die im Nachhinein ein Gefühl des Triumphes erzeugen. Ich finde jetzt den Thread nicht, aber vor kurzem die Geschichte mit der Gruppe, wo sich zwei Spieler im Endeffekt gegen ihren Kumpan auf die Seite des Widersachers gestellt habe... kein klassisches Gewinnen am Schluss, obwohl der Spieler der standhaft geblieben ist durchaus, trotz Tod, der Gewinner war.

Wenn die Gruppe aus Spieltypen besteht, die so etwas ertragen können, kann dies mindestens so schön sein, wie ein straighter Sieg.

Also nein... gut, ich übersetz das jetzt mal eindeutiger als effektiv, ist nicht das einzige Adjektiv das auf ein gutes Spiel hindeutet. Das steckt viel mehr dahinter als "bloße Effektivität und gutes Spiel".
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 20:11
Nach 1of3s Meinung dürfte also das hier der Megagau sein?

http://tanelorn.net/index.php/topic,84594.0.html


(Das sollte der von Lothax gesuchte Faden sein)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 22.07.2013 | 20:12
Danke Talasha... den Thread hatte ich gemeint.  ;D
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 20:16
@Lothrax:
1of3 meint nicht, dass das Spielziel automatisch "gewinnen" im Sinne von "bewältigen einer Aufgabe" oder "Geld raffen" ist. Für ihn kann das Spielziel auch sein "die Charaktere gehen auf die dramatischste Weise unter" (siehe Fiasko) oder "erlebe Abenteuer mit viel Dramatik" oder "erlebe eine tolle Geschichte" oder oder oder.
Deine Beispiele unterstützen also eher 1of3 Posting
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Scimi am 22.07.2013 | 20:17
Ich sag es gern noch mal: Spiele haben ein Spielziel. Was immer das sein mag. Haben sie keins, sind sie keine Spiele.

Dem kann ich nicht zustimmen. Spiele brauchen zwar Regeln, aber kein vorgegebenes Spielziel. Gerade Rollenspiele zeichnen sich für mich dadurch aus, dass jede Handlung und jede Folge, die sich aus der Anwendung der Regeln ergibt, das Spiel vorantreibt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 22.07.2013 | 20:18
@Lothrax:
1of3 meint nicht, dass das Spielziel automatisch "gewinnen" im Sinne von "bewältigen einer Aufgabe" oder "Geld raffen" ist. Für ihn kann das Spielziel auch sein "die Charaktere gehen auf die dramatischste Weise unter" (siehe Fiasko) oder "erlebe Abenteuer mit viel Dramatik" oder "erlebe eine tolle Geschichte" oder oder oder.
Deine Beispiele unterstützen also eher 1of3 Posting

Gut, dann habe ich ihn missverstanden. Sorry. Deswegen auch der Thread... :) Mir war es eben nicht ganz klar, auf was er hinaus wollte.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 20:20
Dann ist aber seine Definition von Powergaming einfach nur Mist. Ich bitte vielmals um Entschuldigung für den harten Ausdruck, aber derartige Bezeichnungen ergeben doch nur dann einen Sinn wenn man irgend etwas damit anfangen kann.

Denn dann sind die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Taktiker, Gelegenheitsspieler auch alles Powergamer, und eine Unterscheidung der Spielstile ist nicht möglich.

Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 22.07.2013 | 20:21
Zitat
Hier halte ich dir entgegen, dass nicht das Gewinnen Sinn und Ziel eines jeden Spiels ist.

Das ist ja genau der Punkt. Die Fragen sind: "Was ist das Spielziel?" und "Wie unterstützen die Regeln das Spielziel?"
Der Powergamer setzt quasi voraus, dass sich aus den Regeln das Spielziel ablesen lässt. Er baut seine Charaktere so, dass sie das (vermeintlich) durch die Regeln definierte Spielziel bestmöglich verfolgen können.
Wenn aber das tatsächlich vorgesehene Spielziel ein anderes ist, also nicht "Kill things and take their stuff", sondern z.B. "erschaffe eine dramatische Geschichte", aber die Regeln sind immer noch von vorn bis hinten auf "Kill things and take their stuff" gebürstet, _dann_ entsteht da eine Dissonanz. Und dann muss sich das System den Schuh anziehen, weil es andere Dinge fördert als es fordert.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 20:22
Dem kann ich nicht zustimmen. Spiele brauchen zwar Regeln, aber kein vorgegebenes Spielziel. Gerade Rollenspiele zeichnen sich für mich dadurch aus, dass jede Handlung und jede Folge, die sich aus der Anwendung der Regeln ergibt, das Spiel vorantreibt.
Wenn Du mit Deiner Runde gemeinsam spielt, dann hast Du doch ungefähr vor Augen, was Du erleben möchtest oder welche Art von Spiellust Du erleben willst. Vielleicht möchtest Du erleben, wie Du ein Hindernis überwältigst. Oder Du möchtest erleben, wie Ihr gemeinsam diesen Typen da austrickst. Oder aber Du möchtest die tolle Geschichte Deines SLs erleben. Oder Du möchtest mit den anderen Spielern eine dramatische Geschichte zusammen erzählen. Oder vielleicht etwas anderes. Oder vielleicht mehrere Sachen auf einmal. Was Du auch immer willst: Das ist Dein oder Euer Spielziel.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 20:27
Dann ist aber seine Definition von Powergaming einfach nur Mist. Ich bitte vielmals um Entschuldigung für den harten Ausdruck, aber derartige Bezeichnungen ergeben doch nur dann einen Sinn wenn man irgend etwas damit anfangen kann.
In 1of3 Betrachtung sind Powergamer, Leute die versuchen die Regeln so effektiv zu benutzen, um ihre Wünsche zu erhalten. Ob das Mist ist, kommt auf die Herangehensweise an.
Zitat
Denn dann sind die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Taktiker, Gelegenheitsspieler auch alles Powergamer, und eine Unterscheidung der Spielstile ist nicht möglich.
Du hast bisher nur Leute mit Tätigkeiten genannt. Sprich: Ein Geschichtenerzähler erzählt Geschichten. Ob er der SL ist, der anderen Leuten eine Geschichte erleben lassen will, oder ob er gemeinsam mit seinen Mitspielern eine Geschichte zusammenspinnen will, weisst Du nicht.
Oder anders: Deine Berufsbezeichnungen (ich nenn es mal so) sagen nichts über den Spielstil als "Lustgenerator" aus.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 22.07.2013 | 20:30
Powergaming in FATE bedeutet Aspekte zu wählen die leicht gereizt werden können. Dieses Verhalten führt zu interessanteren Szenen im Spiel (oder zumindest welche die theoretisch dramatischer sind). Gleichzeitig geben die extra Fatepunkte dem Charakter die Chance fähig zu wirken. Ganz klar ein Ziel von Fate (man spielt fähige Charaktere).

Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 22.07.2013 | 20:33
dann sind die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Taktiker, Gelegenheitsspieler auch alles Powergamer, und eine Unterscheidung der Spielstile ist nicht möglich.

Man muss sich halt von dem alten Feindbild lösen, dass "Powergaming" etwas Böses sei.
Powergamer ist, wer das Spiel möglichst gut spielen will. Etwaige Diskrepanzen zwischen dem aus dem Regelwerk abgelesenen und dem tatsächlich gewünschten Spielziel generieren hier halt Schwierigkeiten. Das ist aber wie gesagt nicht Schuld des Powergamers, sondern des Systems, weil es andere Dinge tut als es will bzw behauptet.

Vermutlich haben aber Powergamer schon eine gewisse Affinität zum Spielziel "Gewinnen".
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Wormys_Queue am 22.07.2013 | 20:34
Ich sag es gern noch mal: Spiele haben ein Spielziel. Was immer das sein mag. Haben sie keins, sind sie keine Spiele. Powergamer möchten das Spiel effektiv spielen. Um das zu tun, müssen sie dem Spielziel hinterher rennen. Das aber nicht zu tun wäre absurd. Es ist der Zweck der ganzen Sache.

Das Spielziel beim Rollenspiel ist das, was eine Gruppe von Spielern als solches definiert. Das ist ein Gegensatz zu (vielen) Brettspielen, bei denen das Spielziel klar in den Regeln vorgegeben ist. Insoweit führt deine Gedankenkette zum falschen Ergebnis, weil sie von einer falschen Voraussetzung ausgeht. Rollenspiele haben nämlich nicht nur ein Spielziel, sondern unzählig viele Ziele, von denen man eine ganze Menge ganz ohne Powergaming erreichen kann.

Powergaming ist also lediglich "ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems" in Hinblick auf seine Eignung zum Powergaming. Deswegen ist es mir auch völlig egal, wenn Powergamer sich lauthals über die Unbalanciertheit von D&D & Co. aufregen. Ich und sehr viele andere, die das genauso sehen wie ich, haben damit nämlich überhaupt kein Problem.

Und ich behaupte einfach mal: Mainstream-Rollenspiele (und wahrscheinlich auch die meisten Indie-Spiele, aber da kenn ich mich nicht so aus) sind vor allem für unsereins gedacht, nicht mit Powergamern im Sinn. Sonst würden sie anders aussehen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Wormys_Queue am 22.07.2013 | 20:35
Das ist aber wie gesagt nicht Schuld des Powergamers, sondern des Systems, weil es andere Dinge tut als es will bzw behauptet.

Welches System behauptet denn, für Powergamer geeignet zu sein? Wenn es das täte, ohne abzuliefern, hättest du sicher recht.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 22.07.2013 | 20:37
Welches System behauptet denn, für Powergamer geeignet zu sein? Wenn es das täte, ohne abzuliefern, hättest du sicher recht.

Burning Wheel. Es ist die Aufgabe der Spieler das System möglichst zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dies erfordert jedoch wesentlich andere Fähigkeiten als den Schaden möglichst hochzuschrauben.

Gerade die Fähigkeit IM Spiel sich optimal zu verhalten wird ja doch oft ignoriert wenn man seinen Charakter optimiert. BW erfordert sowohl optimierung des Charakters als auch des eigenen Spiels.

UND man kann es auf verschiedene Arten und Weisen tun.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: La Cipolla am 22.07.2013 | 20:37
Zitat
In 1of3 Betrachtung sind Powergamer, Leute die versuchen die Regeln so effektiv zu benutzen, um ihre Wünsche zu erhalten. Ob das Mist ist, kommt auf die Herangehensweise an.

Das ist einfach eine sehr freie Uminterpretation des Worts. Jeder Powergamer dieser Welt lacht dich aus (und verprügelt dich mit seiner optimierten Axt), wenn du ihm erzählst, wie dein Charakter unglaublich gut darin ist, das Spielziel einer tollen Story zu erreichen. ;D

Im Ernst, der Thread wäre ohne das Wort "Powergamer" konstruktiver. Der Inhalt kann ja gleichbleiben, ist denk ich ein tolles Thema.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 20:37
Ich sag es gern noch mal: Spiele haben ein Spielziel.
Nope. Rollenspiele haben (je nach Spielervorlieben in der Runde) sehr häufig mehrere Spielziele. Diese Spielziele ergeben sich teilweise erst während einer Runde. Es kann also durchaus sein, dass eine Runde mit einem Spielziel startet und dann sich in ein anderes Spielziel transformiert. Es kann sogar sein, dass sich mehrere Spielziele überlagern und ihre Wichtigkeit während einer Kampagne komplett ändert.
Von daher brauch eine Spielrunde keinen Powergamer. Er mag durchaus seine Aufgabe für den Spielautor haben. Für die Runde, in der die Regeln finalisiert werden, kann er sogar negativ sein.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 22.07.2013 | 20:38
Man muss sich halt von dem alten Feindbild lösen, dass "Powergaming" etwas Böses sei.

Vermutlich haben aber Powergamer schon eine gewisse Affinität zum Spielziel "Gewinnen".

Zum ersten: stimmt, das versuche ich... auch wenn ich offenkundig Vorurteile besitze. Vielleicht auch aus einem falschen Verständnis des Begriffes heraus.

Zum Zweiten: ja, und das ist glaube ich manchmal Teil des Verständnisproblems. Ich spiele zB nicht immer um zu gewinnen. Natürlich kommt auch das vor, dass ich genau aus dem Grund spiele um zu gewinnen. Das differiert aber stark bei mir. Vielleicht ein blödes Beispiel... beim Fußballspielen habe ich immer gewinnen wollen, beim Rollenspielen hingegen setze ich meist andere Präferenzen. Aber, und da bin ich bei euch, ist das stark Systemabhängig. Bei FATE will ich im Zusammenspiel mit der Gruppe eine schöne Geschichte erleben. Der Ausgang ist nicht relevant... da ist eben der Weg das Ziel. Bei DSA, mit all seinen Werten und Möglichkeiten, sieht es schon anders aus. Dadurch, dass ich mich hier viel intensiver mit der frickeligen Mechanik beschäftige, will ich diese auch nutzen um den "Output" meines Chars und seine Wirkung auf die Welt und die Geschichte zu maximieren. Hier habe ich systembedingt weniger Möglichkeiten auf die Welt einzuwirken, sondern kann dies nur durch eine Effektivitätssteigerung meines Chars bewerkstelligen. Da bin ich wohl dann eher der Powergamer wo der "Weg nicht das Ziel sein kann", da ich diesen nur schwer beeinflussen kann.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 22.07.2013 | 20:42
Welches System behauptet denn, für Powergamer geeignet zu sein? Wenn es das täte, ohne abzuliefern, hättest du sicher recht.

Du hast völlig falsch verstanden. Genau umgekehrt wird ein Schuh draus. Es geht um Systeme, die vorgeben, es ginge bei ihnen um "Gutes Rollenspiel" oder "Dramatische Geschichten" oder was weiß ich, aber in Wahrheit wird "Kill Things and Take Their Stuff" unterstützt und sonst nichts. Paradebeispiel DSA(4).
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 20:43
Was der Preuss sagt.


Uhm, aber es klappt doch eben nicht. Die D&D Spieler sind doch genauso am nörgeln wie der Rest.  Die wissen doch auch nicht, wann sie nun würfeln sollen, jammern über powergamer usw.

Ja, aber war denen das Spielziel klar? Die Sache ist natürlich, wenn man anfängt mit D&D andere Dinge zu tun, als Dungeons and Dragons, dann ist man auf sich allein gestellt. Das Spiel hilft dann nicht mehr und ist womöglich sogar schädlich. Finde einen Grund, warum die Party jenes Monster genau jetzt erschlagen muss. Verteil hinterher Schätze. Mit diesem Verfahren fährst du sicher. (*)

Womöglich hätten die Betreffenden auch einfach nie D&D spielen sollen, weil das Spiel z.B. zu kompliziert für sie ist. Hab ich durchaus erlebt. Die Personen waren aber nicht davon abzubringen ausgerechnet D&D zu spielen, obwohl andere Spiele ihren Wünschen und Ansprüchen näher gekommen wären. Ich gehe allerdings davon aus, dass die meisten Zeitgenossen vernünftig sind.

(*) Zumindest mit D&D 4e.



Dem kann ich nicht zustimmen. Spiele brauchen zwar Regeln, aber kein vorgegebenes Spielziel. Gerade Rollenspiele zeichnen sich für mich dadurch aus, dass jede Handlung und jede Folge, die sich aus der Anwendung der Regeln ergibt, das Spiel vorantreibt.

Nein, dann sind sie keine Spiele. Dann sind sie Spielzeuge. Siehe jenen Vergleich mit dem Ball im letzten Thema. Der Ball fällt runter, wenn ich ihn loslasse. Das ist die Folge seiner Regelhaftigkeit. Der Charakter kletter nicht, wenn er die Kletternprobe nicht schafft. Das ist die Folge der Regelhaftigkeit des Spielsystems. Das sagt mir aber nicht, warum ein Klettern soll.

Jetzt wäre alles gut. Beim Ball ist offensichtlich, dass ich mir noch irgendwas mehr ausdenken muss. Rollenspiele insinuieren aber eine ganze Reihe von Dingen.

Prämisse: Dies ist dein Charakter.
Prämisse: Charaktere sterben, wenn sie zu viele HP verlieren.
Prämisse: Stirbt dein Charakter, erleidest du Nachteile. (Du musst mindestens einen neuen bauen. Möglicher Weise mit weniger XP.)
Folgerung: Ich will nicht, dass mein Charakter stirbt.

Prämisse: Es gibt ERFOLGsproben.
Prämisse: Hast du gute Werte, schaffst du Proben besser.
Prämisse: Schaffst du viele Proben, stirbt dein Charakter weniger.
Folgerung: Ich sorge dafür, dass ich gute Werte habe.

Das ist rationales Verhalten. Das Problem ist nicht, dass der Powergamer folgert. Das Problem kann sein, dass die Prämissen nicht zum Spiel passen.


Dann ist aber seine Definition von Powergaming einfach nur Mist. Ich bitte vielmals um Entschuldigung für den harten Ausdruck, aber derartige Bezeichnungen ergeben doch nur dann einen Sinn wenn man irgend etwas damit anfangen kann.

Denn dann sind die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Taktiker, Gelegenheitsspieler auch alles Powergamer, und eine Unterscheidung der Spielstile ist nicht möglich.

Nein. Der Powergamer wird taktisch denken, wenn die Regeln taktisches Denken belohnen. Der Powergamer wird schauspielen, wenn die Regeln Schauspielen belohnen. Der Powergamer wird Geschichten erzählen, wenn die Regeln eben dies belohnen. Die anderen Genannten sind jene, die es trotz des Regelwerks machen.

Das sind im Grunde jene, die eigentlich ggf. falsch spielen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 22.07.2013 | 20:43
Aber die Story ist besser wenn du Aspekte hast die leicht und interessant zu reizen sind. Du powergamst wenn du solche Aspekte wählst. Das ist die erste Stufe des Powergamens (man könnte die jetzt optimieren in soweit als das man für jegliche Standardaktion einen positiven und negativen Aspekt hat).


Nein. Der Powergamer wird taktisch denken, wenn die Regeln taktisches Denken belohnen. Der Powergamer wird schauspielen, wenn die Regeln Schauspielen belohnen. Der Powergamer wird Geschichten erzählen, wenn die Regeln eben dies belohnen. Die anderen genannten, sind jene, die es trotz des Regelwerks machen.

Das sind im Grunde jene, die eigentlich ggf. spielen.

Genau das mache ich. Wenn mir ein System anreize gibt X oder Y zu tun dann tue ich das auch. Im Idealfall wird das Spiel dadurch besser.
Wenn nicht, würde ich das System vermutlich auch nicht spielen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 20:46
Du hast bisher nur Leute mit Tätigkeiten genannt. Sprich: Ein Geschichtenerzähler erzählt Geschichten. Ob er der SL ist, der anderen Leuten eine Geschichte erleben lassen will, oder ob er gemeinsam mit seinen Mitspielern eine Geschichte zusammen spinnen will, weisst Du nicht.

Das weiß ich in der Sekunde in der ich weiß ob er Spieler oder Spielleiter sein will. Du kannst auch einfach meine Bezeichnungen so ummodeln das halt noch ein Stil hinten dran hängt, aber meiner Meinung nach wäre das so wie eine Pump Gun als Repetierflinte mit Vorderschaftrepetiervorrichtung zu bezeichnen. Man kann es tun aber es ist einfach unnötig.


Oder anders: Deine Berufsbezeichnungen (ich nenn es mal so) sagen nichts über den Spielstil als "Lustgenerator" aus.

Ein Geschichtenerzähler will also keine Geschichten erzählen, pflegt also nicht den Geschichtenerzählerspielstil?
Wenn ein Geschichtenerzähler keine spannenden und/oder dramatischen Geschichten erzählen will dann ist er kein Geschichtenerzähler mehr. Welche Rolle ob Spieler oder Spielleiter er dann effektiv am Spieltisch einnimmt ist dabei von eher sekundärer Bedeutung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Scimi am 22.07.2013 | 20:54
Wenn Du mit Deiner Runde gemeinsam spielt, dann hast Du doch ungefähr vor Augen, was Du erleben möchtest oder welche Art von Spiellust Du erleben willst. Vielleicht möchtest Du erleben, wie Du ein Hindernis überwältigst. Oder Du möchtest erleben, wie Ihr gemeinsam diesen Typen da austrickst. Oder aber Du möchtest die tolle Geschichte Deines SLs erleben. Oder Du möchtest mit den anderen Spielern eine dramatische Geschichte zusammen erzählen. Oder vielleicht etwas anderes. Oder vielleicht mehrere Sachen auf einmal. Was Du auch immer willst: Das ist Dein oder Euer Spielziel.

Dem würde ich zustimmen. In einer Rollenspielrunde kann es viele, auch entgegengesetzte Ziele geben. Und jeder Spieler spielt (zumindest in jedem Moment) auf ein Ziel hin, das er erreichen will. Aber das ist nur möglich, weil das Rollenspiel vom System und von den Regeln her eben kein Ziel vorgeben muss. Weil das Spiel alle potentiellen Spielziele umfassen kann und es keine richtige oder falsche Art geben muss, zu spielen.

Powergaming ist daher eine sehr eingeschränkte Sicht auf das Spiel, weil hier konsequent nur eine mögliche Richtung des Spiels Beachtung findet. Das kann wertvoll sein, weil es einen Randfall abdeckt. Aber wenn das das einzige Kriterium wäre, dann wären Brettspiele die besseren Rollenspiele.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 22.07.2013 | 20:56
Dem würde ich zustimmen. In einer Rollenspielrunde kann es viele, auch entgegengesetzte Ziele geben. Und jeder Spieler spielt (zumindest in jedem Moment) auf ein Ziel hin, das er erreichen will. Aber das ist nur möglich, weil das Rollenspiel vom System und von den Regeln her eben kein Ziel vorgeben muss. Weil das Spiel alle potentiellen Spielziele umfassen kann und es keine richtige oder falsche Art geben muss, zu spielen.

Powergaming ist daher eine sehr eingeschränkte Sicht auf das Spiel, weil hier konsequent nur eine mögliche Richtung des Spiels Beachtung findet. Das kann wertvoll sein, weil es einen Randfall abdeckt. Aber wenn das das einzige Kriterium wäre, dann wären Brettspiele die besseren Rollenspiele.

Ein gutes Spiel würde dann aber klare Ziele und Anreize setzen so dass ein klares Spielziel klar wird. Oder zumindest "das Spiel ist über X. Habe ich X gemacht?"
Idealerweise hat das Spiel dann mechaniken die dir sogar sagen, dass du X getan hast.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 20:56
Das weiß ich in der Sekunde in der ich weiß ob er Spieler oder Spielleiter sein will. Du kannst auch einfach meine Bezeichnungen so ummodeln das halt noch ein Stil hinten dran hängt, aber meiner Meinung nach wäre das so wie eine Pump Gun als Repetierflinte mit Vorderschaftrepetiervorrichtung zu bezeichnen. Man kann es tun aber es ist einfach unnötig.
Typisches Beispiel:
1. Eine Gruppe will an einer Wache vorbei. Ein Spieler überredet die Wache dazu sie vorbeizulassen. Dazu schauspielert er die Situation.
2. Eine Gruppe steckt gerade in einem Dilemma. Zwei Spieler lassen über ihre guten schauspielerischen Fähigkeiten ihre Charaktere gegenseitig eskalieren, bis einer der Charaktere drauf geht.

Fällt das Beides unter dem Spielstil Schauspiel?
Zitat
Ein Geschichtenerzähler will also keine Geschichten erzählen, pflegt also nicht den Geschichtenerzählerspielstil?
Wenn ein Geschichtenerzähler keine spannenden und/oder dramatischen Geschichten erzählen will dann ist er kein Geschichtenerzähler mehr. Welche Rolle ob Spieler oder Spielleiter er dann effektiv am Spieltisch einnimmt ist dabei von eher sekundärer Bedeutung.
Stell Dir einen SL vor, der ein Abenteuer ausgearbeitet mit allem drum und dran (Bildersturm, Soundtrack, Skripting usw). Er macht regelrecht eine Onemanshow, damit die Spieler seine Geschichte erleben können.
Und jetzt stell Dir eine Runde ohne SL vor, bei der die Gruppe sich eine Anfangsituation kreiert haben, um dann mit ihren Charakteren gemeinsam eine spannende Geschichte zusammenzuspinnen.

Fällt für Dich Beides unter "Geschichtenerzählerspielstil"? Und wenn ja: Kannst Du Dir vorstellen, dass die Spieler aus dem zweiten Runde dem SL aus der ersten Runde gehörig die Meinung geigen würden über Railroading usw? Ich auf alle Fälle. Entsprechendes habe ich schon mehrmals erlebt. Die erste Runde hat einen komplett anderen Spielstil als die zweite Runde.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 22.07.2013 | 20:56

Die Regeln müssen also so gestrickt sein, dass die Spielenden darauf zielen, was offizielles Spielziel ist. D&D macht das (zumindest auf Spielerseite) sehr gut: Töte die Monster klau, den Schatz. Das ist das Ziel. Das funktioniert auch.

Die meisten Rollenspiele danach haben diesen Zusammenhang aber nicht verstanden. Sie schneiden einfach das Spielziel weg, tun womöglich ein neues hin, benutzen aber trotzdem zu D&D äquivalente Regeln, z.B. Erfolgsproben. Powergamer werden also jedes dieser Spieler spielen wie D&D, denn das effektiv nach den Regeln, müsste folglich auch das Spielziel sein.

Ich finde dies zeigt die Problematik ziemlich gut auf, denn natürlich ist das genannte nicht der offizielle Spielstil, es ist nur was viele daraus machen. Obwohl sogar explizit gesagt wird das dem nicht so sei, und das System mehr beinhaltet. Und dann kommt man zu der Situation dass jemand einen Spielstil verfolgt und ein anderer ein anderes, und beide tun dies so gut sie können. Und empfinden es so als ob sie beide so spielen wie geplant. Spiele sind nun mal komplex.

Von so abstrakten Spielzielen wie "einfach nur Spaß haben" mal ganz abgesehen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:08
Typisches Beispiel:
1. Eine Gruppe will an einer Wache vorbei. Ein Spieler überredet die Wache dazu sie vorbeizulassen. Dazu schauspielert er die Situation.
2. Eine Gruppe steckt gerade in einem Dilemma. Zwei Spieler lassen über ihre guten schauspielerischen Fähigkeiten ihre Charaktere gegenseitig eskalieren, bis einer der Charaktere drauf geht.
Fällt das Beides unter dem Spielstil Schauspiel?
Jap, das wären Method Actors.
Ein Powergamer würde auf Überreden/Diplomacy oder ähnliches würfeln, vorausgesetzt er hätte einen Charakter der auf Soziale Interaktion ausgelegt ist, ist der Charakter auf Kampf ausgelegt haut er die Wache aus den Socken, ist der Charakter auf Kontrolle ausgelegt sei es als Magier oder Psioniker wird er die Wache mit diesen Fähigkeiten ausschalten.


Stell Dir einen SL vor, der ein Abenteuer ausgearbeitet mit allem drum und dran (Bildersturm, Soundtrack, Skripting usw). Er macht regelrecht eine Onemanshow, damit die Spieler seine Geschichte erleben können.
Und jetzt stell Dir eine Runde ohne SL vor, bei der die Gruppe sich eine Anfangsituation kreiert haben, um dann mit ihren Charakteren gemeinsam eine spannende Geschichte zusammenzuspinnen.

Fällt für Dich Beides unter "Geschichtenerzählerspielstil"? Und wenn ja: Kannst Du Dir vorstellen, dass die Spieler aus dem zweiten Runde dem SL aus der ersten Runde gehörig die Meinung geigen würden über Railroading usw? Ich auf alle Fälle. Entsprechendes habe ich schon mehrmals erlebt. Die erste Runde hat einen komplett anderen Spielstil als die zweite Runde.
Ja, beides sind Geschichtenerzähler, nur verschiedene Unterarten der selben Gruppe. Bei beiden steht die Geschichte im Vordergrund. Das es Ärger gibt liegt daran das man sich vorher nicht über die genaue Erzählmethodik unterhalten hat.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 22.07.2013 | 21:12
Jap, das wären Method Actors.
Ein Powergamer würde auf Überreden/Diplomacy oder ähnliches würfeln, vorrausgesetzt er hätte einen Charakter der auf Soziale Interaktion ausgelegt ist, ist der Charakter auf Kampf ausgelegt haut er die Wache aus den Socken, ist der Charakter auf Kontrolle ausgelegt sei es als Magier oder Psioniker wird er die Wache mit diesen Fähigkeiten ausschalten.

Außer das System erlaubt das nicht. Und wenn er den auf Sozial ausgebaut hat und das System aber das Ausspielen trotzdem erfodert und mit Bonus belohnt dann wird er auch so gut Schauspielern wie er kann. Ansonsten würde er nicht voll Powergamen.

Daher, Sozial-Powergamer kann durchaus dem Schauspielerischen Helfen, gegeben das System gibt das her.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 21:14
Jap, das wären Method Actors.
Ein Powergamer würde auf Überreden/Diplomacy oder ähnliches würfeln, vorrausgesetzt er hätte einen Charakter der auf Soziale Interaktion ausgelegt ist, ist der Charakter auf Kampf ausgelegt haut er die Wache aus den Socken, ist der Charakter auf Kontrolle ausgelegt sei es als Magier oder Psioniker wird er die Wache mit diesen Fähigkeiten ausschalten.

Der Powergamer wird das aber nur tun, wenn es Diplomacy zum Würfeln gibt. Er wird die Wachen nur dann präferiert umhauen, wenn er den Charakter auf Kampf auslegen kann. Und er wird nur Psi benutzen, wenn es Psi gibt.

Was ich versuche zu erklären ist, dass von den Regeln abhängt, was gespielt werden wird.

Wir können diese Regeln ändern. Die Regel kann sein: Die Wachen werden dich vorbei lassen, wenn du ihnen drei Gründe dafür nennen kannst. Dann wird der Powergamer drei Gründe finden.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 22.07.2013 | 21:17
Das trifft aber noch keine Aussage über die Qualität der Regeln.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 21:19
Jap, das wären Method Actors.
Ein Powergamer würde auf Überreden/Diplomacy oder ähnliches würfeln, vorrausgesetzt er hätte einen Charakter der auf Soziale Interaktion ausgelegt ist, ist der Charakter auf Kampf ausgelegt haut er die Wache aus den Socken, ist der Charakter auf Kontrolle ausgelegt sei es als Magier oder Psioniker wird er die Wache mit diesen Fähigkeiten ausschalten.
Haha. Nein. Vor kurzem wieder erlebt. Ein Powergamer(nach Deiner Vorstellung) nutzt das aus, dass er zur Hand hat. Wenn er sich Resourcen sparen kann, dann schauspielert er. Besonders dann wenn er Improtheater macht. (I look at You, Chris H!)
Unabhängig davon habe ich sogar schon Powergamer (nach Deiner Definition) erlebt, die sich vollkommen auf ihre Fähigkeiten als Schauspieler verlassen. Die sind so gut im Überreden, dass sie Dir als SL einen Kühlschrank im Winter aufschwatzen und das vollkommen konform mit ihrer Rolle tun.
Allen genannten Beispielen ist gemein, dass sie sich verdammt stark über den Tod des eigenen Charakters ärgern würden.
Zitat
Ja, beides sind Geschichtenerzähler, nur verschiedene Unterarten der selben Gruppe. Bei beiden steht die Geschichte im Vordergrund. Das es Ärger gibt liegt daran das man sich vorher nicht über die genaue Erzählmethodik geeinigt hat.
Nein. Sind sie nicht. Die Spieler in der ersten Gruppe möchten mit ihren Charakteren die Geschichte erleben, während in der zweiten Gruppe die Charaktere nur Werkzeuge zur Geschichtserzählung sind. Die einen wollen erleben, während die anderen erschaffen wollen. Beides unterschiedliche Spielvorlieben und damit nach Deiner Definition andere Spielstile.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 22.07.2013 | 21:25
Vieles wurde sicher schon gesagt, hier einfach mal meine Sicht.
Das eigentliche Problem mit Powergaming ist immer, wie schon gesagt wurde, dass Regeln eines Spiels nicht mit den möglichen Spielzielen übereinstimmen.
Eindeutige Regeln werden immer objektiver sein als Ansichten einzelner Spieler. Daher tendiert die Realität des Spiels gegen eine die von den objektiveren Regeln des Spiels dominiert wird.
Das ist ja z.B. auch der Grund warum Brettspiele oder Multiplayer-Computerspiele kein echtes Rollenspiel zulassen. Sie bestehen nur aus objektiven Regeln, was die Vorstellung der Spieler konsequenzenlos werden lässt.

Beim Rollenspiel hat man mit Powergamern aber ein ähnliches Problem. Ein Powergamer im negativen Sinn ist eben einer der die unausgesprochene Regel verletzt sich für bestimmte Zwecke eben nicht an den objektiven Regeln des Spiels zu orientieren, sondern an den impliziten Regeln der Vorstellungen der Gruppe. Deswegen sind Powergamer so verpönt, sie setzen die Regeln des Spiels gegen den Konsens der Gruppe ein die sich auf diese Regeln aber geeinigt hat. Der Powergamer zwingt die Gruppe also dazu entweder ihre Regeln oder ihre Vorstellung aufzugeben, d.h. er sprengt genau das worauf es beim Rollenspiel ankommt.
Oft gelingt es Gruppen aber Powergamer durch kollektives Abstrafen auf einer gewissen Linie zu halten. Es liegt aber in der Natur dass so jemand immer versuchen wird diese Linie zu überschreiten.

Die Qualität der Regeln kommt also da im Spiel wo sie für diesen Missbrauch so wenig Angriffsfläche bietet wie möglich und die einfachste Möglichkeit ist es natürlich, das Dehnen der Grenzen zum Teil des Spiels zu machen.
Das ist nur durchführbar indem die Regeln grundsätzlich auf die Vorstellung der Spieler als Spielinhalt Bezug nehmen und nicht versuchen nur "objektiv" zu sein, denn dann "gewinnt" wieder derjenige der nur diese Regeln benutzt. Es nützt auch wenig den Konsens unter Spielern oder den SL als "letzte Instanz" zu beschwören. Die Regeln müssen im Gegenteil den Spieler und seine Vorstellung explizit als Spielelement nutzen und zwar an jeder Stelle an der es sinnvoll möglich ist.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:31
Haha. Nein. Vor kurzem wieder erlebt. Ein Powergamer(nach Deiner Vorstellung) nutzt das aus, dass er zur Hand hat. Wenn er sich Resourcen sparen kann, dann schauspielert er. Besonders dann wenn er Improtheater macht. (I look at You, Chris H!)
Er konnte keine Ressourcen sparen, wenn doch hast du oben gelogen um mich zu täuschen. Kein netter Stil, den ich dir eigentlich nicht unterstellen wollte. Eigentlich wollte ich noch einen passenden Disclaimer einbauen aber hab es dann aber gelassen um dich nicht persönlich zu attackieren.


Unabhängig davon habe ich sogar schon Powergamer (nach Deiner Definition) erlebt, die sich vollkommen auf ihre Fähigkeiten als Schauspieler verlassen. Die sind so gut im Überreden, dass sie Dir als SL einen Kühlschrank im Winter aufschwatzen und das vollkommen konform mit ihrer Rolle tun.
Wobei das dann wohl eher ein Hybridspieler ist. So etwas ist übrigens der Standard nicht die Ausnahme. Ich z.B. würde mich als Method Actor/Taktiker bezeichnen.
Probier einfach mal den Test hier aus:
http://quizfarm.com/quizzes/Fashion/ellydragon/laws-game-style/
Ich kenne niemanden der nicht auf mindestens 2 Gebieten über 50% liegt.

Nein. Sind sie nicht. Die Spieler in der ersten Gruppe möchten mit ihren Charakteren die Geschichte erleben, während in der zweiten Gruppe die Charaktere nur Werkzeuge zur Geschichtserzählung sind. Die einen wollen erleben, während die anderen erschaffen wollen. Beides unterschiedliche Spielvorlieben und damit nach Deiner Definition andere Spielstile.
Die beide Untergruppen des Geschichtenerzählers sind. Die hassen sich natürlich am meisten, siehe zum Beispiel die Fans unterschiedlicher Fußballvereine.


@Dr. Boomslang
Das ist im Prinzip richtig.
In der Praxis hast du das Problem das die meisten Spieler Hybriden sind. Sprich entweder bespielst du 2 oder 3 Systeme parallel oder du suchst dir ein System das entsprechende Freiheiten erlaubt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 21:37
Ich glaube, 6 möchte aufzeigen, dass diese Einteilung nicht so richtig nützlich ist. Man kann diese Trennlinien beliebig ziehen. Zudem sind gerade die Spielertypen uralt. Inzwischen wurde etwas weiter gedacht. Sie sind dennoch nützlich, aber nicht weil jemand diesem oder jenem Typen anhängt, sondern so wie sie gedacht waren, als Aufforderung an die SL: "Liebe SL. Spieler können verschiedenes von einer Runde wollen. Womöglich sind es auch diese Sachen." Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Eindeutigkeit und Verifizierbarkeit.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:39
Wobei die Spielertypen entsprechen Modifizierbar sind, entweder durch Untergruppen, Aufspaltung oder direkt neue Typen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 21:41
Ja. Das wollte 6 dir zeigen. Er würde also die beiden Typen aufspalten und sie nicht beide als Storyteller bezeichnen. Man kann eigentlich nur daraus lernen, dass Leute unterschiedliche Präferenzen haben und diese auf ganz unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein können.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:43
Ja. Das wollte 6 dir zeigen. Er würde also die beiden Typen aufspalten und sie nicht beide als Storyteller bezeichnen. Man kann eigentlich nur daraus lernen, dass Leute unterschiedliche Präferenzen haben und diese auf ganz unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein können.

Dann hat man aber einfach nur zwei neue Typen, z.b. den Sandboxstoryteller und den RR-Storyteller.


Vor allem kannst du durch die Typen die Spieler Kategorisieren, ansonsten bleibt nur die nervige, zeitraubende, teure und stressige Versuch-und-Irrtum Methode um den Spielstil der der Gruppe passt heraus zu finden. Vorrausgesetzt die Gruppe bleibt lange zusammen bis das oder die Richtigen Systeme gefunden sind.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 21:44
Er konnte keine Ressourcen sparen, wenn doch hast du oben gelogen um mich zu täuschen.
Er musste keinen Zauberspruch anwenden. Er musste keinen Angriff führen, bei dem er uU Schaden erleidet. Er brauchte keinen Würfelwurf machen, der trotz Powergaming fehl schlagen könnte (Niedrige Stufe PF/D&D3.X). usw.
Zitat
Wobei das dann wohl eher ein Hybridspieler ist. So etwas ist übrigens der Standard nicht die Ausnahme. Ich z.B. würde mich als Method Actor/Taktiker bezeichnen.
Probier einfach mal den Test hier aus:
http://quizfarm.com/quizzes/Fashion/ellydragon/laws-game-style/
Ich kenne niemanden der nicht auf mindestens 2 Gebieten über 50% liegt.
Ja, ich kenne Law. ;)
Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass es nach Deiner Definition Powergamer gibt, die Method Actor sind?(kurze Erinnerung an den Start der Diskussion)
Zitat
Die beide Untergruppen des Geschichtenerzählers sind. Die hassen sich natürlich am meisten, siehe zum Beispiel die Fans unterschiedlicher Fußballvereine.
Wieder nein. Sorry dass ich frage, aber hast Du schon auf beide Arten gespielt? Also sowohl bei einer Onemanshow als auch bei einer SL-losen Runde?
Der große Kritikpunkt von Gruppe 2 an Gruppe 1 ist, der Freiheitsgrad der Spieler. Umgekehrt ist der größte Kritikpunkt umgekehrt, die fehlende Geschichte, die der SL vorgibt. Es spielt sich komplett anders und es erfüllt komplett andere Spielvorlieben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 21:49
Dann hat man aber einfach nur zwei neue Typen, z.b. den Sandboxstoryteller und den RR-Storyteller.

Womöglich. Oder auch nicht. Bin ich ein Sandboxler, weil ich Sandboxen mag? Bin ich ein Würfelpooler, weil ich Würfelpools liebe? Bin ich Charakter-Hübsch-Einkleider, weil mir eben dies am Herzen liegt? Bin ich Dicht-am-SL-Sitzer, weil ich das tue?

Welche Distinktionen nützlich sind, wird erst klar, wenn ein Problem vorliegt. Es kann z.B. sehr interessant sein, wer sich wo an den Tisch setzt und ob man das vielleicht mal ändern kann.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:50
(Niedrige Stufe PF/D&D3.X). usw.Ja, ich kenne Law. ;)
Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass es nach Deiner Definition Powergamer gibt, die Method Actor sind?(kurze Erinnerung an den Start der Diskussion.
Ja, da ging es um die reinen Archetypen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 22.07.2013 | 21:51
In der Praxis hast du das Problem das die meisten Spieler Hybriden sind.
Was meinst du damit?

Ich spreche ja über zwei total verschiedene Phänomene die man Powergaming nennen kann. Einmal 1of3s Variante, wobei der Powergamer einfach nur das Spiel auf Gewinn spielt. Und ein mal jemand der das tut um die Regeln gegen den Gruppenkonsens zu verwenden. Dieser Powergamer spielt gar kein Rollenspiel sonder er tut nur so als ob, will aber in Wirklichkeit nur gewinnen, ohne sich mit dem Vorstellungen seiner Mitspieler auseinanderzusetzen.
Diese beiden Sachen haben natürlich eine Gemeinsamkeit, aber völlig gleich sind sie eben nur bei einem optimalen Regelsystem, deshalb ist "Powergamerresistenz" ein valides Mittel zur Qualitätsmessung von Systemen. Allerdings funktioniert dass eben nicht mit "Powergamer verbieten", sondern nur mit "Powergamer ins Spiel einbauen".

PS: Natürlich gibt es auch noch die Variante von System die Powergaming völlig sinnlos werden lässt, weil man nicht gewinnen kann. Dann muss man aber auf Objektivität meist völlig verzichten und hat dann kein Spiel mehr sondern ein Spielzeug. Das kann natürlich trotzdem ein Rollenspiel sein, ein Rollenspielzeug ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 21:51
Im Prinzip hat 1of3 Recht. Ich will Dir gerade erklären, dass Laws Einteilung nicht als Gesetz genommen werden darf. Machst Du das, dann passiert Dir genau das, was ich mit Gruppe 1 und Gruppe 2 beschrieben habe. Du bereitest eine Onemanshow vor (weil Du ja mit Storyteller spielst) und wirst dann mit den mitgebrachten Fressalien beworfen, weil die Spieler ihre eigene Geschichte erspielen wollte. Oder Du bereitest nur die Anfangssituation vor und wunderst Dich dann das von den Spielern nichts kommt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 21:55
Machst Du das, dann passiert Dir genau das, was ich mit Gruppe 1 und Gruppe 2 beschrieben habe. Du bereitest eine Onemanshow vor (weil Du ja mit Storyteller spielst) und wirst dann mit den mitgebrachten Fressalien beworfen, weil die Spieler ihre eigene Geschichte erspielen wollte. Oder Du bereitest nur die Anfangssituation vor und wunderst Dich dann das von den Spielern nichts kommt.

Dann baue ich mir halt einfach neue Typen, und vor allem ist es immer noch besser als zum Beispiel etwas vor zu bereiten in dem es z.B. um das Töten von Monstern und sammeln von Schätzen geht, die Spieler aber eine gerailroadete Geschichte oder eine gesandboxte Geschichte erleben wollen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 21:59
Dann baue ich mir halt einfach neue Typen, und vor allem ist es immer noch besser als zum Beispiel etwas vor zu bereiten in dem es z.B. um das Töten von Monstern und sammeln von Schätzen geht, die Spieler aber eine gerailroadete Geschichte oder eine gesandboxte Geschichte erleben wollen.
Nein. Es ist gleich doof. Die Spieler bewerfen Dich danach bei allen Konflikten mit Fressalien.
Der entscheidende Punkt ist doch, dass Du eine Unterscheidung hast, die auch in der Realität einigermassen tragfähig ist. Laws Spielergrundtypen sind es leider nicht. Mehr sage ich ja nicht.
EDIT: Deswegen kannst Du ja den Powergamer so definieren, wie es 1of3 gemacht hat. Damit sagt er zwar nichts mehr über die Spielvorlieben aus. Aber auf der anderen Seite gibt Dir der Begriff dann die Möglichkeit ein breites Spektrum an ähnlichen Konflikten innerhalb einer Runde zu benennen ohne gleich wieder wertend rüberzukommen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Talasha am 22.07.2013 | 22:03
Nein. Es ist gleich doof. Die Spieler bewerfen Dich danach bei allen Konflikten mit Fressalien.
Der entscheidende Punkt ist doch, dass Du eine Unterscheidung hast, die auch in der Realität einigermassen tragfähig ist.


Wobei aus deiner Ecke keinerlei Vorschläge kamen.


Laws Spielergrundtypen sind es leider nicht. Mehr sage ich ja nicht.

Deshalb schreibe ich seit 20 Minuten davon das man sie jederzeit anpassen kann.  ;)


Reaktion auf Nachtrag:
Und wie nenne ich dann die Spieler die einfach nur mehr Power möchten?  ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 22:07
Wobei aus deiner Ecke keinerlei Vorschläge kamen.
Oh. Ich hätte da einen Vorschlag: Aesthetics im MDA-Framework (http://tanelorn.net/index.php/topic,82990.0.html).
Allerdings bin ich da selber noch am Kopf zerbrechen, wie das Framework sich genau im Rollenspiel abbildet.
Zitat
Deshalb schreibe ich seit 20 Minuten davon das man sie jederzeit anpassen kann.  ;)
Na. Dann hast Du ja kein Problem, wenn der Powergamer eben nicht mehr in der Reihe der Spielertypen ist. ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 22.07.2013 | 22:08
Was ist Power?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 22.07.2013 | 22:10
Und wie nenne ich dann die Spieler die einfach nur mehr Power möchten?  ;)
Die Frage dabei ist, wofür will er die Power?
Will er damit Hindernisse aus dem Weg räumen? Will er erleben welche Probleme ein Charakter mit Power hat? Will er einfach nur wissen wieviel Power er ansammeln kann? Will er mit der Power etwas bestimmtes erreichen? Will er eine bestimmte Power, weil diese Power ihm selber als Spieler fehlt? usw.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: afbeer am 23.07.2013 | 00:02
Spieler könne Rollenspiele nicht gewinnen. Spieler können gewinnende Charaktere spielen.

Das Spielziel auf das der Powergamer hinarbeitet ist, bei einem Rollenspiel mit Peter, Paul und Mary ein anderes als bei Larry, Moe und Curly. Es unterscheidet sich in den beiden Runden noch dadurch welcher Spieler SL ist und welches Regelsystem verwendet wird. Niemand wird daran gehindert auf andere Spielziele hinzuarbeiten als die die ein Regelsystem am besten unterstützt. Mehrere Spielziele sind untereinander kompatibel.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Edvard Elch am 23.07.2013 | 10:35
Spieler könne Rollenspiele nicht gewinnen. Spieler können gewinnende Charaktere spielen.

Kobolds ate my Baby: Der Spieler (nicht der Charakter!) mit den meisten Siegpunkten gewinnt.

Ja, natürlich kann man in jedem Rollenspiel jedes beliebige Spielziel verfolgen. Ein gutes Rollenspiel (so zumindest eine Prämisse im (Rollen)spieldesign) hat Regeln, die Spieler belohnen, die die vom Regelwerk vorgesehenen Spielziele verfolgen. Und jemand, der ein Spiel besonders effektiv spielen möchte, stößt am ehesten auf Diskrepanzen zwischen gefordertem und gefördertem Spielziel.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 10:56
Ein gutes Rollenspiel (so zumindest eine Prämisse im (Rollen)spieldesign) hat Regeln, die Spieler belohnen, die die vom Regelwerk vorgesehenen Spielziele verfolgen. Und jemand, der ein Spiel besonders effektiv spielen möchte, stößt am ehesten auf Diskrepanzen zwischen gefordertem und gefördertem Spielziel.

Mhh - widerspricht dies aber nicht der These im Ausgangsthread? Denn dies legt ja den Fokus auf den vom System gewünschten Spielstil - wenn man ihn überhaupt so eindeutig festmachen kann.

Im Ausgangsthread heißt es aber:

Zitat
Ein gutes System ist jenes, dass auch (und jetzt formuliere ich etwas spitz) an aggressivem Powergaming nicht zugrunde geht.

Nun kann ein Spieler eines Rollenspiel - Systems ja problemlos einen Großteil der eigentlichen Spielziele ignorieren und dafür andere in den Vordergrund rücken. Nach dem Motto: "mir egal ob das System auch Rätsel und Co. vorsieht, ich will draufhauen!". Das Spiel muss dadurch fraglos nicht zugrundegehen, es hat nur einen anderen Fokus als andere Spielrunden die sogar das gleiche System benutzen könnten und wieder andere Schwerpunkte setzen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 11:01
Mal testen ob ich das so weit verstanden habe:
Würde ich ein neues Rollenspiel erstellen wollen, müsste ich im Kern mit dem Spielziel beginnen, Thema, Setting, Regeln, Archetypen, etc darum herum designen und so lange daran Arbeiten bis Regeln und Ziel im Einklang sind.
Zum Testen bedarf es dann in doppelter Hinsicht Powergamer. Zum einem um zu sehen wie das Regelkonstrukt standhält, zum anderen um zu sehen ob diese das Ziel erreichen können und dabei Spaß haben.

[Edit] Kurze Frage hier: Man müsste ja nun eigentlich davon ausgehen, dass ein Powergamer mitspielen will, das Spiel vorantreiben will und Eigenmotivation besitzt anstatt motiviert zu werden, oder?

Daraus folgere ich das stark thematisierte Spiele einfacher zu handhaben sind und somit eher zu "Spaß" führen als breitgefächerte, die erst auf ein Spielziel justiert werden müssen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 11:10
Ich würde die Spielziele der Systeme weniger als einen Punkt sehen auf den man hinarbeiten kann. Sondern als Fläche, deren Grenzen man austesten kann. Und da gibt es dann bei einigen Systemen mehr Richtungen die man erkunden könnte. Ich würde aber nicht nur Powergamer als "Tester" haben wollen, da diese ansonsten ja nur die "Grenzbereiche" austesten, der große Hauptbereich aber aussen vor bleiben würde.

Oder konkreter auf ein Spielbeispiel besprochen: Wenn ich nur die Jungs teste die ihre Charaktere mit dem Elitemodus bauen testet niemand mehr die Charaktere im Standardmodus.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 11:21
[Edit] Kurze Frage hier: Man müsste ja nun eigentlich davon ausgehen, dass ein Powergamer mitspielen will, das Spiel vorantreiben will und Eigenmotivation besitzt anstatt motiviert zu werden, oder?

Ich denke, Slayn, du verstehst das richtig.

Auf deine Frage würde ich aber meinen: Jein. Wenn ich tue, wozu die Regeln mich auffordern, treibe ich ja das Spiel voran. Dieser Aufgabe kann man sich hoch motiviert widmen. Tatsächlich rockt auch mich nicht jedes Spiel. Extrinische Motivation kann also nicht funktionieren. Extrinische Motivation funktioniert nur, wenn ich die Veranstaltung aus irgendwelchen Gründen für sinnvoll halte (internalisiert) oder unter Druck stehe (external). Spiele sind aber per se zweckfrei. Es liegt also weniger einer extrinische Motivation vor, als ein Bejahen der Eigentlichkeit des vorliegenden Spiels.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 11:21
Daraus folgere ich das stark thematisierte Spiele einfacher zu handhaben sind und somit eher zu "Spaß" führen als breitgefächerte, die erst auf ein Spielziel justiert werden müssen.
Aus dem hier geschriebenem kann ich irgendwie Deiner Folgerung zustimmen (so scheint es mir auch so, dass dies in die Richtung driftet), aber für mich persönlich ist es irgendwie alles zu - wie soll ich es sagen - einschränkend? Und schon diese Einschränkung ist nicht so richtig mit dem Rollenspiel (so wie ich es verstehe) nicht richtig vereinbarend. Ich weiß, dass ein Rollenspiel, das eine Richtung, ein Thema, ein Ziel hat (oder meinetwegen auch zwei oder drei) als besser empfunden wird, weil man besser messen kann, ob die Spielziele erreicht werden. Für mich persönlich ist aber die Tatsache, dass man die Spielziele definiert, schon eine Art Einschränkung.  Man gibt der Sache eine Richtung. Und damit gibt es Grenzen. Ich weiß, mir ist vollkommen klar, dass es nicht vollkommen grenzenlos sein kann, aber trotzdem bin ich dann damit nicht richtig glücklich.
Wenn ich Rollenspiel habe, dann will ich eben keine Grenzen haben, keine Ziele (oder keine richtig richtungsweisende Ziele) haben, weil ich das Rollenspiel auf viele Arten haben will. Ich will einfach die immer voll regenerierende Eierlegendevollmilchsau mit Whiskyzitzen. An jedem Tag etwas anderes abschneiden, an jedem Tag eine andere Geschmacksrichtung kriegen, ohne dass ich von der Sau weniger habe. Und das können Rollenspiele, die ihre Spielziele auf bestimmte Bereiche richten, eben nicht so gut leisten, wie Rollenspiele, die so offen wie nur möglich bleiben (auch wenn dann keiner der Ziele so gut bedient wird, wie bei einem Spezialisten - aber das ist doch keine neue Erkenntnis, dass Spezialisten besser in ihrem Spezialgebiet sind, aber dafür in den anderen Gebieten schlechter).

Deswegen wüsste ich jetzt nicht, welche Art von Powergamer jetzt auf das Spiel losgelassen werden sollten, damit der Zweck des Spieles gut erwischt wird - denn der Zweck des Spiels ist eigentlich kein festes Ziel zu haben - und da habe ich ziemlich Probleme mir vorzustellen, wie die Powergamer (in der erweiterten Definition, die hier genannt wurde) dies erreichen wollen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 23.07.2013 | 11:22
Zitat
Oder konkreter auf ein Spielbeispiel besprochen: Wenn ich nur die Jungs teste die ihre Charaktere mit dem Elitemodus bauen testet niemand mehr die Charaktere im Standardmodus.

Stimmt freilich auch. Das Kniffelige ist, das Spiel zu aufzuziehen, dass es für Gelegenheitsspieler machbar bleibt ohne von Powergamern komplett demontiert zu werden. Das schafft man übrigens durch ein allgemein recht hohes (und balanciertes) Powerniveau besser als durch starke Restriktionen. Letztere sieht der Powergamer nämlich nur als Herausforderung, auch aus den widrigen Voraussetzungen noch das meiste rauszuholen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 11:42
@gunware:
Das sehe ich ähnlich. Deswegen sehe ich das System des Rollenspiels nur als "Engine" an, die von jeder Gruppe an ihre Bedürfnisse angepasst wird. Dementsprechend hat jedes breitgefächerte Regelwerk gegenüber dem stark fokussierten Regelwerk den Vorteil, eine größere Mechanikvielfalt zu besitzen. Du musst dann normalerweise weniger tief in das System einsteigen, um die Anpassungen zu machen.
Deswegen bin ich der Meinung dass ein Powergamer dem Regelwerkautor von Vorteil ist, in einer Spielrunde aber durchaus stören kann.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 23.07.2013 | 11:52
Das schafft man übrigens durch ein allgemein recht hohes (und balanciertes) Powerniveau besser als...

Ehrlich gemeinte Frage zu dem und da oben... kann ein hohes Powerniveau gebalanced sein, oder schafft man dies nicht eher mit einem geringen Powerniveau?

Hintergrund der Frage ist Folgender: bei einem geringen Powerniveau ist nach meinem Verständnis auch die Spanne der Möglichkeiten geringer. Nimmt man jetzt verschiedene Spieler(typen) werden die Charaktere trotz Optimierung relativ ähnlich sein vom Machtniveau. Balancing beschäftigt sich eben mit dieser "Spanne an Möglichkeiten".

Anders bei Systemen mit hohem Powerniveau: hier ist die Spanne der Möglichkeiten um einiges größer und auch die Abweichungen können dementsprechend größer sein. Für mich folgt daraus, dass ein solches System viel schwerer zu balancen ist, wenn nicht sogar unmöglich.

Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 12:08
@1of3:

Das einem das Thema zusagen muss und man genug Eigenmotivation besitzen muss um es bespielen zu wollen, sehe ich jetzt mal als direkte Voraussetzung für dieses Hobby.
Ich versuche hier nur ein paar Dinge abzugrenzen, wie etwa Leute, die man erst künstlich einbinden muss damit sie wirklich partizipieren und deren Motivation eher rein hedonistisch geprägt ist.

@gunware:

Bei dir scheinen sehr viele der verwendeten Begriffe negativ anzukommen oder du denkst zu sehr an bestimmte, hochspezialisierte Indie-Spiele, die nur auf eine Art, zu einem Ziel gespielt werden können.
Nimm aber mal ganz klassisches D&D, das ist auch auf einen bestimmten Spielstil hindesigned worden und bedient bestimmte Ziele. Ja, man kann damit auch andere Dinge machen, aber dann bricht die Regelunterstützung dafür weg. Hier müsste man nacharbeiten um Stil und Ziel gerecht zu werden. Beispiel dafür wäre Lorefinder, dass klassisch D&D mit Detektivspiel kombiniert, was man zwar davor machen konnte, nicht aber inherent unterstützt wurde.
Ein anderes Beispiel ist Legend of the Five Rings, hier hast du auch ein klares Ziel, nämlich einen Samurai Typ-gerecht zu spielen und auch hier unterstützen die Regeln dieses Ziel sehr genau, lassen aber weitere Ziele, etwa einen Gaijin in Rokugan zu spielen außen vor, da dies nicht mit dem Kernziel übereinstimmt.

@Lothax:

Shadowrun ist ein gutes Beispiel dafür. Hier hat sich eine bestimmte Start-Kombination an Attributen und Skills eingepegelt, die einfach das beste Preis-Leistung-Verhältnis für einen Charakter bietet.
Die Balance-Frage ist hier dann ob man die Balance mit der eigenen Vorstellung über die Welt vereinbart (Ist das für einen normalen Menschen schaffbar?) oder die Balance anhand der Protagonisten aufzieht (Ist das für einen Runner schaffbar?).
Ein beispiel bei, sagen wir mal Pathfinder, wäre zu beobachten dass beim Point-Buy System bestimmte Werte immer gleich gesetzt werden, es z.B. keinen irgendwie gearteten Magiewirken unter einen Zauberattribut von 16 gibt und bestimmte Dinge zur Lösung bestimmter Situationen bevorzugt herangezogen werden. Nachher für das eigentliche Spiel dann davon auszugehen dass diese Dinge nicht vorkommen werden, verfälscht die Balance und führt zu einem schwammigen Spielgefühl.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 12:12
@1of3:

Das einem das Thema zusagen muss und man genug Eigenmotivation besitzen muss um es bespielen zu wollen, sehe ich jetzt mal als direkte Voraussetzung für dieses Hobby.
Ich versuche hier nur ein paar Dinge abzugrenzen, wie etwa Leute, die man erst künstlich einbinden muss damit sie wirklich partizipieren und deren Motivation eher rein hedonistisch geprägt ist.

Interessant. Wie kann sie bei einer Freizeitbeschäftigung sonst geprägt sein?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 12:17
@Slayn:
Klassisches D&D (klassisch im Sinne von Originalem D&D) ist ein ganz schlechtes Beispiel, weil dort sogar vorausgesetzt wird, dass Du als SL Regeln "on the fly" erfinden sollst. Du wirst z.B. keine Regeln dafür finden wie hoch die Chance ist einen reissenden Untergrundbach mittels Stab zu überwinden. Da muss dann der SL eingreifen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 12:20
Interessant. Wie kann sie bei einer Freizeitbeschäftigung sonst geprägt sein?

Ob man nun partizipiert oder nicht. Es gibt genug Leute, denen es egal ist ob sie jetzt Rollenspielen oder sich eine Soap im Fernsehen reinziehen, hauptsächlich Beschallung. Das sehe ich im Unterschied zu Spaß haben, bevorzugt gemeinsam.

@"6":

Den Einwand hallte ich in dem Zusammenhang nur dann für relevant, wenn aus Rulings keine Rules werden und ein wiederkehrende Situation nicht identisch gehandhabt wird.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 12:27
Den Einwand hallte ich in dem Zusammenhang nur dann für relevant, wenn aus Rulings keine Rules werden und ein wiederkehrende Situation nicht identisch gehandhabt wird.
Das wird sie automatisch. Die Spieler können an Hand der Regelung erkennen, wie der SL auf ähnliche Situationen reagieren wird. Also werden sie sowas unterlassen, wenn der SL daraus eine schwer zu schaffende Probe macht, die uU dann auch noch schwere Konsequenzen birgt (w20 + Geschicklichkeitsbonus gegen 15. Bei Misserfolg: 1w8 Fallschaden vs 1w6 gegen 2, weil Du geschickt bist. Bei Misserfolg kommst Du halt nicht rüber).
Allerdings könnte das zu weit vom Thema weg führen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 12:28
Ich finde es schon putzig, wie sich diese übervereinfachte Sichtweise "Spielziel > Regeln > Erfolgsmaximierung > Spielzielerreichung > optimales Spielerlebnis" hält. Nach meinem Dafürhalten hat diese immer zu kurz gegriffen und wurde auch vielfach widerlegt. Trotzdem würde ich im Grundsatz zustimmen, dass ein System, das Powergaming ermöglicht und belohnt, sich wohl kaum hinterher über Powergamer beschweren kann.

Mit den Spielertypen nach Laws wäre ich ebenfalls vorsichtig, die haben doch einige entscheidende Schwächen. Trotzdem Applaus für diese Aussage:

Denn dann sind die Geschichtenerzähler, Schauspieler, Taktiker, Gelegenheitsspieler auch alles Powergamer, und eine Unterscheidung der Spielstile ist nicht möglich.


Prägnanter kann man einen Zirkelschluss nicht entlarven. :)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 12:33
Diesen Schluss habe ich bereits widerlegt. (http://tanelorn.net/index.php/topic,84982.msg1725450.html#msg1725450)

Ob man nun partizipiert oder nicht. Es gibt genug Leute, denen es egal ist ob sie jetzt Rollenspielen oder sich eine Soap im Fernsehen reinziehen, hauptsächlich Beschallung. Das sehe ich im Unterschied zu Spaß haben, bevorzugt gemeinsam.

OK, also prototypische Casual Gamer. Tatsächlich glaube ich nicht, dass es so etwas gibt. Es gibt Leute, die das Spiel ernster nehmen als andere. Casualness ist also relativ. Nur weil jemand nicht besonders viel beiträgt, muss das nicht schlecht sein. Ob es das ist, hängt vom gespielten Spiel ab. Bei einigen Spielen sind Differenzen in diesem Bereich fatal, bei anderen anderen nicht so sehr.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 12:37
OK, also prototypische Casual Gamer. Tatsächlich glaube ich nicht, dass es so etwas gibt.
Diesen Casual Gamer belegen wir fast jede Woche Dienstags. Kannste also als gegeben betrachten. ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 23.07.2013 | 12:38
@Slayn:
Klassisches D&D (klassisch im Sinne von Originalem D&D) ist ein ganz schlechtes Beispiel, weil dort sogar vorausgesetzt wird, dass Du als SL Regeln "on the fly" erfinden sollst. Du wirst z.B. keine Regeln dafür finden wie hoch die Chance ist einen reissenden Untergrundbach mittels Stab zu überwinden. Da muss dann der SL eingreifen.

Textstelle?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 12:40
Bei dir scheinen sehr viele der verwendeten Begriffe negativ anzukommen oder du denkst zu sehr an bestimmte, hochspezialisierte Indie-Spiele, die nur auf eine Art, zu einem Ziel gespielt werden können.
Ich hoffe nicht. Wenn wir bei D&D sind, wird Hack&Slay besser als Detektivgeschichte unterstützt, wie Du schreibst. Das heißt, da haben wir bereits eine richtungsweisende Unterstützung. Das hat nichts mit Indie-Spielen zu tun. Je weniger dieser richtungsweisender Unterstützung da ist, sondern, je breiter angelegt es ist, desto positiver empfinde ich es. Negativ ist so ein negatives Wort, das benutze ich nicht so gern.  :)  Für mich ist Rollenspiel nicht nur Charablatt vor sich zu haben und was sagen. Das ist nur ein Teil des Rollenspiels. Da kommt doch noch viel viel mehr.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Pyromancer am 23.07.2013 | 12:46
Meine Erfahrung nach gibt es grob drei Arten von Spielern:

Die einen spielen das Spiel. (Diese Spieler tricksen bei Savage Worlds, sie wissen, wie bei GURPS die Finten funktionieren, werfen bei FATE mit invokes und compels um sich und framen bei PtA wie die Weltmeister.)

Die zweiten "machen Rollenspiel". (Die fragen dann auch bei Dogs in the Vineyard, ob man da jetzt unbedingt würfeln muss oder ob man den Konflikt nicht "rollenspielerisch lösen" kann.)

Und die dritten sitzen daneben und schauen zu. (Sie haben einen Charakterbogen vor sich und Würfel, und reagieren, wenn sie direkt angesprochen werden.)

Die erste Gruppe kann man "Powergamer" nennen, die zweite und dritte Gruppe nicht.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 23.07.2013 | 12:49
Ehrlich gemeinte Frage zu dem und da oben... kann ein hohes Powerniveau gebalanced sein, oder schafft man dies nicht eher mit einem geringen Powerniveau?

[...]

Anders bei Systemen mit hohem Powerniveau: hier ist die Spanne der Möglichkeiten um einiges größer und auch die Abweichungen können dementsprechend größer sein. Für mich folgt daraus, dass ein solches System viel schwerer zu balancen ist, wenn nicht sogar unmöglich.

Naja. Du kannst natürlich perfekte Balance erhalten, wenn du überhaupt keine Optionen zulässt. Jeder hat 50% Trefferchance, jeder macht 1W6 Schaden, jeder hat 30 Lebenspunkte.
Laaaaangweilig!
Aber sobald du Optionen hast, werden diese nicht alle gleichwertig sein. Und dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Dann gibt die eine +10% Trefferchance und die andere macht +1 Schaden. Die eine gibt +10 Leben und die andere 1 Punkt Schadensreduzierung. Der Powergamer findet raus, was davon effektiver ist. Nicht selten wird die optimale Lösung unintuitiv sein. Dann nimmt der Durchschnittsspieler Trefferchance + Leben, der Powergamer aber Schaden + Rüstung. Selbst bei diesen minimalen Optionen geht die Effektivität zwischen bester und schwächster Kombo schon über 10% auseinander.

Der Punkt ist: kleine Unterschiede summieren sich auf niedrigem Niveau stärker auf als auf hohem. Mal ganz abstrakt in Punktwerten beziffert, stell dir ein Spiel mit Grundniveau 100 und ein Spiel mit Grundniveau 1000 vor. Und eine Option ist 10 wert und eine andere 15. Dann haben wir bei niedrigem Niveau mit 115 vs 110 einen größeren prozentualen Leistungsunterschied als zwischen 1015 vs 1010. Wie gesagt, ganz abstrakt und nur zur Veranschaulichung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Maarzan am 23.07.2013 | 12:53
Powergaming wäre nach der Definition hier ja die durch die expliziten Regeln und deren geschickten Einsatz erwachsenden Möglichkeiten das Spiel im eigenen Sinne zu beeinflussen.
Ein Rollenspiel ist aber im Vergleich zu einem Brett- oder Abenteuerspiel deutlich offener angelegt, um eben auch das Ausfüllen einer Rolle und damit der dazugehörigen Möglichkeiten und Entscheidungen, die zu der Rolle gehören, zu erlauben. Auch wenn das nicht binär ist, ist dies für mich DIE Differenzierung zu eben solchen "Nichtrollenspielen".

Damit gibt man dem Spieler aber auch die verstärkte Möglichkeit an die Hand sich seine Ziele selbst zu setzen und dabei ggf in Konflikt mit seinen Mitspielern zu kommen.

Bliebe dem Designer oder eher noch dem Spielleiter / Abenteuerschreiber nur, diese Freiheit entweder mechanisch zu beschneiden indem bestimmte Lösungswege oder Optimierungen unattraktiv gemacht werden oder auf Spielerebene klare Einschränkungen und Zielsetzungen zu machen. Wobei das insbesondere auf Regelebene eben auch eine Menge potentielle Kunden kostet, wenn man sein Spiel so auf einen spezifischen Geschmack zuschneidet.

Wobei das nicht einmal ein Konflikt der Spielstile sein muss, sondern oft auch ein erbitterter Konflikt innerhalb eines Spielstils ist - z.B. zwei Geschichtenerzähler mit unterschiedlichen Geschmäckern oder zwei Spiele, welche beide "bester Schwetmeister aller zeiten" als Konzept haben - und eine Vorabklärung des Spielstils gar nicht so einfach oder gar unerwünscht ist ("böser Powergamer" ist der, der erreicht, was der Beschwerdeführer lieber selber erreichen wollte und dieser daher bis zum Moment der Erkenntnis dazu geschwiegen hat) und viele Vorabklärungsversuche so ins Leere laufen.

Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 12:55
Pyromancer hat das schön gesagt.

Naja. Du kannst natürlich perfekte Balance erhalten, wenn du überhaupt keine Optionen zulässt. Jeder hat 50% Trefferchance, jeder macht 1W6 Schaden, jeder hat 30 Lebenspunkte.
Laaaaangweilig!

Stimmt. In diesem Fall wäre zu überlegen, vielleicht ganz was Anderes zu machen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 12:55
Und dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Dann gibt die eine +10% Trefferchance und die andere macht +1 Schaden. Die eine gibt +10 Leben und die andere 1 Punkt Schadensreduzierung. Der Powergamer findet raus, was davon effektiver ist. Nicht selten wird die optimale Lösung unintuitiv sein.
Das Problem dabei kann manchmal auch die Gruppe sein. Wenn in einer Gruppe 5×mehr auf Wahrnehmung gewürfelt und in anderer Gruppe 10×mehr Kämpfe stattfinden, sind in der ersten Gruppe andere (pro Powergamer) Lösungen besser als in der zweiten Gruppe. Deswegen kann man manchmal die optimalen Lösungen nicht transferieren. Wie willst Du dann die Spreu von Weizen trennen?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 13:00
"Herzlichen Glückwunsch. Du hast dich entschieden die SL zu geben. Dein Job ist ein Abenteuer zu machen. Im Spiel gibt es diese 20 Fertigkeiten. Ein Abenteuer ist ein Handlungszusammenhang in dem mindestens 10 unterschiedliche Fertigkeiten vorkommen. Du kannst diese mit 1W20 auswürfeln."
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 13:05
Ein viel besseres Mittel zur Qualitätsmessung von Systemen sehe ich in der Möglichkeit zum Ausspielen einer Charakterrolle.

Dies beinhaltet auch die Frage nach Balance und Powergaming indem diese natürlich auch die Anzahl sinnvoll / glaubwürdig spielbarer Charakterrollen einschränkt oder eben vielfältig belässt. Aber es beinhaltet auch andere Fragen, in erster Linie die Umsetzbarkeit der Charakterkonzepte und die Unterscheidbarkeit der Charaktere.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 13:10
Textstelle?
Gebe ich Dir gerne. Und zwar genau dann, wenn Du im D&D-Regelwerk (Original D&D) eine Regelstelle findest, die das Überqueren eines reissenden Flusses per Stab regelt oder Dir zumindest einen Regelguide zur Verfügung stellt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 23.07.2013 | 13:17
Ein viel besseres Mittel zur Qualitätsmessung von Systemen sehe ich in der Möglichkeit zum Ausspielen einer Charakterrolle.

Gefühlt uns als Sympathie für diese Aussage würde ich dir gerne zustimmen... aber liegt die Möglichkeit, die gegebene Charakterrolle wirklich "gut" auszuspielen, am Regelsystem?

DSA4.1 gilt ja im Tanelorn Universum als keines der "guten" Systeme. Dennoch kann ich zB einen Rondrageweihten und dessen Charakterrolle prima und toll ausspielen. Hier hindert mich weder das Setting, noch die Regelmechanik daran.

Für mich liegt die Wahrheit, wie überall und bei allem im Leben, irgendwo in der Mitte. Man kann natürlich rein quantitativ an eine Sache heran gehen, oder eben von der Gefühlsseite... die Realität setzt sich aber meines Erachtens aus beidem zusammen.

@Feuersänger: danke, das Beispiel hilft mir tatsächlich zum besseren Verständnis.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 23.07.2013 | 13:18
Gebe ich Dir gerne. Und zwar genau dann, wenn Du im D&D-Regelwerk (Original D&D) eine Regelstelle findest, die das Überqueren eines reissenden Flusses per Stab regelt oder Dir zumindest einen Regelguide zur Verfügung stellt.

Die Frage ist allerdings auch ob ich eine Regel brauche...
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 23.07.2013 | 13:25
Die Frage ist allerdings auch ob ich eine Regel brauche...
Hier im Thread in der Diskussion über OD&D nicht. Hier ging es darum, wann die Regelunterstützung weg bricht. Bei OD&D tut sie das innerhalb des von OD&D bevorzugten Spielstils. Deswegen halte ich es für ein schlechtes Beispiel in Bezug auf Slayns Posting.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 13:29
Gefühlt uns als Symopathie für diese Aussage würde ich dir gerne zustimmen... aber liegt die Möglichkeit, die gegebene Charakterrolle wirklich "gut" auszuspielen, am Regelsystem?

Definitiv. Man sieht dies sehr schön am Beispiel eines noblen Ritters und eines hinterhältigen Gauners. Wenn beide verschiedene, für sie typische Aktionen durchführen können, verschiedene Wege zum Erfolg oder zur Lösung eines Problems haben können so hilft das ihre Charaktere auszuspielen.

Umgedreht werden sie daran gehindert wenn das System am Ende nur einen Weg zur Problemlösung vorsieht. Vielfalt im System ist also auch ein wichtiger Gradmesser wie Charaktere ausgespielt werden können. Das gilt auch für Balance. Wenn beispielsweise das System vorsieht dass Magier grundsätzlich und in jedem Fall stärker als Krieger sind so ist es schwierig den Kriegerfreund des Magiers auszuspielen, da er im Rollenspiel zwar der tapfere Beschützer seines Freunds ist - dies aber mechanisch nicht umsetzen kann. Es ist auch schwieriger den Magier auszuspielen lustigerweise, da seine (aus Charaktersicht) logischste Aktion wäre seinen schwächeren Freund für den die Gefahren dieser Welt zu viel sind daheim zu lassen. Sich lieber einen anderen Magier als Begleitung zu suchen. In der Praxis macht dies keiner - was dann aber dazu führt dass man sich im Spiel selbst beschränkt.

Insofern können Balance (und in der Folge die Frage nach der Möglichkeit diese per Powergaming zu unterwandern) sicher auch wichtige Aspekte sein. Sie sind es nur nicht automatisch. Ein System dass keine Probleme mit Powergamern hat ist noch nicht automatisch gut. Das ist es erst wenn dieser Aspekt genutzt wird um Charakterspiel zu unterstützen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 23.07.2013 | 13:32
Man könnte auch einfach akzeptieren, dass alles was keine Regeluntestützung hat - keine braucht sondern einfach vom SL entschieden wird. Das wäre dann keine Ruling sondern einfach entscheid.
Schon hat man das Problem nicht mehr (bräuchte jedoch SL Prinzipien).
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 13:35
Das ändert allerdings nichts. Ob eine Regel im Buch steht oder vom SL entschieden wird macht keinen Unterschied.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 23.07.2013 | 13:36
Wenn beispielsweise das System vorsieht dass Magier grundsätzlich und in jedem Fall stärker als Krieger sind so ist es schwierig den Kriegerfreund des Magiers auszuspielen, da er im Rollenspiel zwar der tapfere Beschützer seines Freunds ist - dies aber mechanisch nicht umsetzen kann. Es ist auch schwieriger den Magier auszuspielen lustigerweise, da seine (aus Charaktersicht) logischste Aktion wäre seinen schwächeren Freund für den die Gefahren dieser Welt zu viel sind daheim zu lassen. Sich lieber einen anderen Magier als Begleitung zu suchen.

Und warum kann man das nicht akzeptieren? Wenn dies von Regeln UND Setting so unterstützt wird dann spielt man eben so ein Spiel und MUSS sich diese Frage eben stellen. Sind auch anknüpfungspunkte für Rollenspiel.
Ein Spiel ist nicht schlechter nur weil es bestimmte Rollenkonzepte nicht unterstützt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 23.07.2013 | 13:38
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Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 13:42
Diesen Schluss habe ich bereits widerlegt. (http://tanelorn.net/index.php/topic,84982.msg1725450.html#msg1725450)

Mit zirkulärer Logik.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 13:43
Erklärs mir bitte.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 14:00
These: "Das Spiel" ist gleichbedeutend mit "die Spielregeln".

Schlussfolgerung: Es spielt "das Spiel" richtig, wer sich dabei (einzig und allein) an "den Spielregeln" orientiert. Nennen wir ihn den "Powergamer".

Begründung: "Das Spiel" ist gleichbedeutend mit "die Spielregeln".

Das nennt man einen Zirkelschluss.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 14:03
Und warum kann man das nicht akzeptieren? Wenn dies von Regeln UND Setting so unterstützt wird dann spielt man eben so ein Spiel und MUSS sich diese Frage eben stellen. Sind auch anknüpfungspunkte für Rollenspiel.
Ein Spiel ist nicht schlechter nur weil es bestimmte Rollenkonzepte nicht unterstützt.

Akzeptieren - und damit Spaß haben - kann man vieles. Ist mein alter Gameboy die schlechtere Spielkonsole als aktuelle Konsolen? Klar. Heißt ja nicht dass ich damit nicht dennoch Spaß haben kann und dies akzeptieren kann.

Natürlich ist ein Spiel besser in dem ich 5 verschiedene Charakterkonzepte glaubwürdig spielen kann als eines in dem ich nur 2 genausogut verkörpern kann.

Heißt ja erstmal noch nichts, das ist nur eine Frage nach der Qualitätsmessung, und misst auch erst einmal nur einen Aspekt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 14:10
These: "Das Spiel" ist gleichbedeutend mit "die Spielregeln".

Schlussfolgerung: Es spielt "das Spiel" richtig, wer sich dabei (einzig und allein) an "den Spielregeln" orientiert. Nennen wir ihn den "Powergamer".

Begründung: "Das Spiel" ist gleichbedeutend mit "die Spielregeln".

Das nennt man einen Zirkelschluss.

Wie sollte das dann deiner Meinung nach aussehen?

Ich hoffe nicht. Wenn wir bei D&D sind, wird Hack&Slay besser als Detektivgeschichte unterstützt, wie Du schreibst. Das heißt, da haben wir bereits eine richtungsweisende Unterstützung. Das hat nichts mit Indie-Spielen zu tun. Je weniger dieser richtungsweisender Unterstützung da ist, sondern, je breiter angelegt es ist, desto positiver empfinde ich es. Negativ ist so ein negatives Wort, das benutze ich nicht so gern.  :)  Für mich ist Rollenspiel nicht nur Charablatt vor sich zu haben und was sagen. Das ist nur ein Teil des Rollenspiels. Da kommt doch noch viel viel mehr.

Du kannst das aber auch andersherum angehen.
Anstatt zu sagen: "Je weniger diese richtungsweisende Unterstützung ist", kannst da aber auch sagen "Je mehr Richtungen durch die Regeln unterstützt werden".
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 14:11
@Vermi:

Das wäre womöglich eine Replik auf meinen ersten Beitrag in diesem Thema. Du hast insofern recht, dass man sich neben den Spielregeln bitte weiterhin richte nach der allgemeinen Höflichkeit und Fairness. Ansonsten finde ich auch mit diesem Hinweis nichts einzuwenden.

Insbesondere jedoch, hat das nichts mit dem Beitrag Talashas zu tun, welchen du gelobt hast, noch mit meiner Antwort auf Talashas Beitrag, die ich verlinkt habe. Talasha hatte nämlich eingewendet, man könne dann nicht mehr differenzieren zwischen Powergamern und Storytellern.

Darauf erwiederte ich, man könne dies doch. Und zwar weil der Powergamer nur Geschichten erzähle, wenn dies im Sinne der Regeln sei. Der Storyteller aber immer. Unabhängig davon postulierte ich, dass der Storyteller womöglich falsch spielt, wenn er das falsche Spiel vor sich hat. Das war weder als Begründung gedacht, noch habe ich es begründen wollen. Auch das ist kein Zirkelschluss. Du kannst es nur für falsch halten.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 14:29
Aber schau mal, das ist doch spitzfindig. Talashas Beitrag bezieht sich doch nicht auf ein Abgrenzungsproblem. Sondern eben genau darauf, dass deine These aus sich selbst heraus begründet ist: Wenn jeder "richtig" gespielte Spielstil Powergaming ist, ist jeder "richtig" gespielte Spielstil Powergaming. Das widerslegst du dann ja gar nicht, sondern du sagst, "ja, und die anderen sind falsch". Und warum sind sie falsch? "Weil sie kein Powergaming sind." Und genau da führt Talashas Aussage dich zielsicher hin.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 14:36
Aber schau mal, das ist doch spitzfindig. Talashas Beitrag bezieht sich doch nicht auf ein Abgrenzungsproblem.

Aber genau das steht da. Und nichts anderes.

Und natürlich ist das spitzfindig. Was erwartest du, wenn du mir einen Zirkelschluss vorwirfst?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Zarkov am 23.07.2013 | 14:37
Entschuldigt, wenn ich euren Boxkampf störe.

Ich finde es schon putzig, wie sich diese übervereinfachte Sichtweise "Spielziel > Regeln > Erfolgsmaximierung > Spielzielerreichung > optimales Spielerlebnis" hält. Nach meinem Dafürhalten hat diese immer zu kurz gegriffen und wurde auch vielfach widerlegt.

Es scheint mir offensichtlich, daß dies eine Möglichkeit ist, eine bestimmte Art Spiel zu konstruieren. Bzw., es ist ein Teil vieler Spiele, aber nur ein Teil.

Vermi, magst du deinen Gedanken vielleicht ganz kurz ausführen? Das interessiert mich gerade sehr.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 14:39
Aber schau mal, das ist doch spitzfindig. Talashas Beitrag bezieht sich doch nicht auf ein Abgrenzungsproblem. Sondern eben genau darauf, dass deine These aus sich selbst heraus begründet ist: Wenn jeder "richtig" gespielte Spielstil Powergaming ist, ist jeder "richtig" gespielte Spielstil Powergaming. Das widerslegst du dann ja gar nicht, sondern du sagst, "ja, und die anderen sind falsch". Und warum sind sie falsch? "Weil sie kein Powergaming sind." Und genau da führt Talashas Aussage dich zielsicher hin.

Liegt das Abgrenzungsproblem da aber nicht wo anders?
Wenn die These lautet: Das Spielziel soll Spaß sein. Spielziel ergibt Spielinhallte, Spielinhallte lassen sich in Regeln umsetzen, gezielte Nutzung der Regeln erlaubt gewinnbringendes Spiel, gewinnbringendes Spiel macht Spaß und validiert somit das Spielziel.
Die Spitzfindigkeit besteht hier für mich darin, sich an dem begriff "Regeln" aufzuhängen, denn das können sowohl explizite Regeln als auch implizite Regeln sein.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 14:46
Das Spielziel soll Spaß sein. Spielziel ergibt Spielinhallte, Spielinhallte lassen sich in Regeln umsetzen, gezielte Nutzung der Regeln erlaubt gewinnbringendes Spiel, gewinnbringendes Spiel macht Spaß und validiert somit das Spielziel.
Das funktioniert aber nur so lange, so lange sich das Spielziel nicht ändert. Aber das Spielziel ist nicht nur ein Punkt, sondern ein (mehrdimensionales?) Konstrukt. Und deswegen kann das Spielziel Bereiche abdecken, die sich widersprechen. Und schon funktioniert die oben gemachte Aussage nicht. Im Unterschied zu Brettspielen oder anderen gewinnorientierten Spielen hat da das Rollenspiel die Nase vorn, weil sie solche Widersprüche auflösen und unterstützen kann. Selbstverständlich mit dem Nachteil, dass dieses "gewinnorientiert" dadurch unter die Räder gerät.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 14:47
@ 1of3: Also wenn ich es richtig verstehe, möchtest du festgehalten wissen, dass zwar dein Ausgangsbeitrag einen Zirkelschluss beinhaltet, Talasha diesen aber nicht entlarvt hat? ;)

@ Slayn: Um diese Frage dreht sich letztendlich jedwede Rollenspieltheorie, jedwedes Modell, ja, jedwede rollenspielbezogene Diskussion in diesem Forum. Da werden wir kaum hier in zwei Sätzen ein Fazit zusammen bringen. ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 23.07.2013 | 14:49
gezielte Nutzung der Regeln erlaubt gewinnbringendes Spiel

Letztlich liegt hier eine der größten Schwierigkeiten, da die "gezielte" Nutzung sehr schwer zu definieren ist, und zum Teil auch auf Spielzielen basiert die von den Regeldesignern so ja gar nicht geäußert werden.

Gunware beschreibt dies imho sehr schön, ich hab es oben auch schonmal gesagt: Es gibt eben oft nicht das eine Spielziel eines Systems, den Punkt an den man hinstreben kann. Meist ist es eher ein sehr weiter Bereich der auch völlig verschiedene Richtungen abdecken kann.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 14:51
@ 1of3: Also wenn ich es richtig verstehe, möchtest du festgehalten wissen, dass zwar dein Ausgangsbeitrag einen Zirkelschluss beinhaltet, Talasha diesen aber nicht entlarvt hat? ;)

Mindestens dies. Ich sehe aber auch im ersten Beitrag noch keinen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Necoras am 23.07.2013 | 14:56
Es ist doch mittlerweile offensichtlich geworden, dass 1of3 eine bestimmte Definition von Powergaming hat, die mit der Definition einiger anderer Mitleser nicht übereinstimmt. Na und?

Ich kann persönlich mit dieser weit gefassten Definition auch nichts anfangen. Das erinnert mich an die Definition des Nutzenbegriffs in manchen ökonomischen Theorien: Wenn Nutzen alles, aber auch wirklich alles sein kann, dann wird der Begriff für Theoriediskussionen wertlos.

Aber wenn man Powergaming als effektivste Verfolgung des Spielziels, das der Designer genau so im Sinn hatte, definiert - dann taugt Powergaming durchaus als ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems. Wohlgemerkt als ein valides Mittel neben anderen...
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 14:58
Das funktioniert aber nur so lange, so lange sich das Spielziel nicht ändert. Aber das Spielziel ist nicht nur ein Punkt, sondern ein (mehrdimensionales?) Konstrukt. Und deswegen kann das Spielziel Bereiche abdecken, die sich widersprechen. Und schon funktioniert die oben gemachte Aussage nicht. Im Unterschied zu Brettspielen oder anderen gewinnorientierten Spielen hat da das Rollenspiel die Nase vorn, weil sie solche Widersprüche auflösen und unterstützen kann. Selbstverständlich mit dem Nachteil, dass dieses "gewinnorientiert" dadurch unter die Räder gerät.

Erlaube mir, mit einem Beispiel zu antworten.
kennst du das Spiel Pendragon? Hier geht es gezielt darum einen englischen Ritter zur Arturs Zeiten zu spielen. Alles was du dafür benötigst, wird mitgeliefert, alle weiteren Spielziele sind ausgeschlossen, da für dieses Ziel (englischer Ritter) irrelevant. Wenn du dich auf dieses Ziel einlässt, dann ist alles in Butter und du kannst nach Lust und Laune losspielen.
Der Zusatzband "Knights & Ladies" erweitert dies um zwei Ziele, "nicht-englische Ritter" und "Ladies", wobei die existierende Regeln so angepasst werden, dass auch diese neuen Spielziele gewinnbringend integriert werden. Man könnte, wenn man wollte, jetzt auch hingehen und "Intrigen an Arturs Hof" als Spielziel einführen und auch da die Regeln anpassen und erweitern um dies Möglich zu machen.

Ich stimme dir da jederzeit zu, wenn man sagt dass eben RPG die Option hat den Spielstil zu ändern, widerspreche aber mit der Aussage dass die "gewinnorientiertheit" dabei unter die Räder gerät, so lange man in der Lage ist die neuen Ziele ebenso in allen verständliche regeln zu gießen, wie es auch die alten Regeln waren, ohne diese alten regeln zu invalidieren.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lothax am 23.07.2013 | 15:01
Wohlgemerkt als ein valides Mittel neben anderen...

Ein wichtiger Satz meiner Meinung nach, ein ganz wichtiger.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 15:15
kennst du das Spiel Pendragon?
Nein, leider nein. (Ich meine, klar, den Namen nach schon, aber nicht drin geblättert oder in der Hand gehabt.)

widerspreche aber mit der Aussage dass die "gewinnorientiertheit" dabei unter die Räder gerät,
Selbstverständlich nicht immer.
Aber ich spreche auch eher davon: http://tanelorn.net/index.php/topic,84982.msg1725643.html#msg1725643
Gerade Pendragon scheint es mir als einer der Spiele zu sein, die bereits ein starkes Thema oder Richtung haben (mindestens Deiner Beschreibung nach) und das beinhaltet eben die Grenzen, die ich nicht haben will. Und da beißt sich die Schlange in den Schwanz - aber sie bildet leider keine Möbiusschleife. Und so wie Du bei der Möbiusschleife keine zweite Seite finden kannst, kannst Du auch bei einschränkungslosen Rollenspielen kein Gewinn (im Sinne gewinnorientiert) erwarten.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 23.07.2013 | 15:18
Nenne mal bitte ein beispiel für ein einschränkungslosen RPG. Mir fällt nämlich dazu keines ein.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Pyromancer am 23.07.2013 | 15:48
Ich persönlich finde ja den Anspruch, mit einem Rollenspiel "alles" machen zu können, sehr spannend. "Da ist die Welt, da sind die Regeln, der Rest ist dein Bier." Traveller ist da z.B. ein Paradebeispiel, wo das gut gelöst ist, und das vom Überlebenskampf eines Stammes auf einem steinzeitlichen Planeten über dynastische Intrigen in einem Sternenreich bis hin zur Invasion eines Planeten mit tausenden von Schiffen und Millionen von Bodentruppen (und zwar vom SC als General bis runter zum "Schütze Arsch") kaum einen denkbaren Bereich nicht auf die eine oder andere Art regeltechnisch (und damit auch rollenspielerisch) unterstützt. Und ich habe das auch in der Praxis erlebt, dass ein Spiel innerhalb von Minuten und 1, 2 Würfelwürfen komplett den Fokus, die Stimmung, und die hauptsächlich verwendeten Regelelemente gewechselt hat - weil es halt MÖGLICH war, und weil es sich so aus der Situation ergab. Interessanterweise ist Traveller auch ein Spiel, das REGELSEITIG kaum Möglichkeiten zum Powergamen bietet. Traveller muss man SETTINGSEITG powergamen.

Und das wäre dann die vierte Gruppe von Rollenspielern, die ich oben vergaß: Denen ist es völlig egal, was regelseitig passiert, wenn eine Gruppe einen Zollbeamten besticht, damit er die Ladung des einzigen Konkurrenten für drei Monate in Quarantäne steckt. Die machen sich da auch vorher keinen Kopf drum. Die tun einfach, und wollen, dass die Regeln die Geschehnisse im Setting plausibel modellieren. Und wenn die Handelsregeln dann Angebot und Nachfrage gar nicht berücksichtigen, dann ist das blöd.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 15:55
Naja das Konzept von "settingseitigem" Powergaming (ich würde von fiktionsgetriebenem Spiel sprechen) kommt ja bei 1of3 nicht vor, er würde ja immer fragen, "wie bilden die Regeln das ab?" Dem liegt ja die Vorstellung zugrunde, dass gute Regeln alles können. Dass man also für jede gewünschte Spaßquelle nur die richtigen Spielregeln finden muss, die dann bei erfolgsorientierter bzw. effektivitätsmaximierter Spielweise sozusagen "von alleine" das gewünschte Spielerlebnis erzeugen. Und das halte ich für grundfalsch. Auf diese Weise kann man allenfalls den Anschein eines Spielerlebnisses, nicht aber das Erlebnis selbst reproduzierbar machen, weil man den gesamten Prozess entkernt und den Kern eben durch Mathematik ersetzt. Und dann bleibt eben vom Spielerlebnis (ob man es nun Spiel im engeren Sinne nennen will oder nicht) nur noch Mathematik und ein paar leere Hülsen übrig.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 23.07.2013 | 15:57
ein beispiel für ein einschränkungslosen RPG
Das ist auch eher ein theoretisches Konstrukt. Jedes Rollenspiel ist (auch) irgendwie einschränkend. Meine Aussage war nur, dass je weniger von diesen Einschränkungen existieren, desto besser würde mir wahrscheinlich das Spiel gefallen. (Vorausgesetzt, die anderen Sachen stimmen auch - Regel, Welt, Thema, usw.)
Ich empfinde von den Spielen, die ich kenne, z.B. GURPS als am wenigsten einschränkend (es könnte sein, dass ich auch TORG dazu zählen könnte, aber da habe ich leider keine Erfahrung). Shadowrun und Cthulu haben eine starke Richtung; Savage World und Dračí Doupě II erlauben kein (vernünftiges) Barbiespiel; D&D und (Pathfinder) ist von Regeln her eher Richtung Hack&Slay; DSA ist am Tisch schwerfälliger;  Hero verlangt schon am Anfang zu wissen, wie es am Ende aussieht; mit Wushu kann ich nichts anfangen; Einsamer Wolf Mehrspielerbuch ist viel zu wenig komplex; - das sind jetzt so die Spiele, die mir am geläufigsten sind. Keines davon ist wirklich einschränkungslos wie ich es gerne hätte. Keins davon ist meine sich voll regenerierende Eierlegendevollmilchsau mit Whiskyzitzen. Aber teilweise so in der Reihenfolge, in der ich es jetzt aufgeschrieben habe, versuchen sich die Spiele dem Ideal zu nähern.
Das Problem ist nämlich auch die Tatsache, die ich bereits angesprochen habe:
Aber das Spielziel ist nicht nur ein Punkt, sondern ein (mehrdimensionales?) Konstrukt. Und deswegen kann das Spielziel Bereiche abdecken, die sich widersprechen.
(Fettmarkierung jetzt von mir, um den springenden Punkt zu erwischen.  ;) )

EDIT: wenn ich jetzt Pyromancers Text lese, den er geschrieben hatte, während ich meinen schrieb, dann könnte man Traveller höchst wahrscheinlich auch als einen Kandidaten dazu nehmen. Ich wollte mir Traveller schon länger anschauen, aber leider kam ich nicht dazu. Gut, dass ich ab und zu daran erinnert werde.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Zarkov am 23.07.2013 | 16:21
(Ganz kurz: ich wurde zwischendurch auf diesen älteren Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,45274.0.html) hingewiesen. Sehr lesenswert in Hinblick auf die aktuelle Diskussion. Auch wiederlesenswert.)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 23.07.2013 | 17:13
Dem liegt ja die Vorstellung zugrunde, dass gute Regeln alles können. Dass man also für jede gewünschte Spaßquelle nur die richtigen Spielregeln finden muss, die dann bei erfolgsorientierter bzw. effektivitätsmaximierter Spielweise sozusagen "von alleine" das gewünschte Spielerlebnis erzeugen.
Ich hab das aber oben meine ich schon anders gesagt. Es geht nicht darum dass etwas "von alleine funktioniert", sondern dass Powergaming das Spiel nicht so leicht kaputt machen kann, und dafür gibt es nun mal bessere und schlechtere Regelwerke. Sich an die Regeln zu halten darf eben nie falsch sein, dass es nicht alles ist um ein tolles Spiel zu haben weiß doch jeder vernünftige Mensch.
Ich bin mir nicht sicher ob 1of3 das sagt was du ihm vorwirfst. Es gibt Leute die diese vereinfachende Sichtweise angenommen haben mögen, aber meinst du wirklich die Leute mit denen du hier diskutierst gehören dazu?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 17:53
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. :)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 18:22
Naja das Konzept von "settingseitigem" Powergaming (ich würde von fiktionsgetriebenem Spiel sprechen) kommt ja bei 1of3 nicht vor, er würde ja immer fragen, "wie bilden die Regeln das ab?"

Stimmt. "Settingsseitig" würde ich tatsächlich so nicht akzeptieren. Natürlich kann man das tun, was ihr beschreibt. Dann spielt man aber nicht das Setting, sondern die Mitspieler. Ungefiltert.

Die Regeln benutzen sich ja nicht von allein. Sie lenken vielmehr die Teilnehmer in bestimmte Richtungen und kanalisieren die Interaktion. Wenn sich Regeln mit einem Teil nicht beschäftigen, dann haben wir es direkt mit den persönlichen Präferenzen der anderen Leute am Tisch zu tun.

Es wird dann ja gerne davon geredet, dass man "dumme Aktionen" bestraft oder "plausible Aktionen" durchwinkt etc. Das ist alles Augenwischerei. Man winkt dann die Aktionen, denen man zustimmt und straft solche ab, die man nicht mag. Wenn ich in einem solchen Szenario erfolgreich bin, dann weil ich weiß, wie meine Mitspieler ticken. Das ist auch mit viel Regelwerk günstig, hier wird es aber um so wichtiger.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 19:37
Eben. Das ist doch die Aktivität. Man verhandelt Fiktion. Ein Regelwerk ist dazu zunächst mal ein Werkzeug, unter mehreren. Setting/Kanon/Genre sind andere, deren Relevanz du glaube ich erheblich unterschätzt. Manche Spieldesigner benutzen nun das Regelwerk, um harte Vorgaben wie z.B. ein Spielziel zu implementieren und bestimmtes Spielerverhalten und/oder bestimmte fiktionale Inhalte zu inzentivieren oder zu sanktionieren. Ich persönlich halte bekanntlich nicht sehr viel von dieser Philosophie und dem Effekt, den sie erzeugt. (Edit: Okay, das stimmt so nicht ganz, manche der Spiele mag ich schon und habe sogar selbst eins geschrieben, aber jedenfalls widerspreche ich vehement, wenn diese Philosophie zur Heilslehre erhoben wird.)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Bad Horse am 23.07.2013 | 19:46
Kurze Zwischenfrage: Was siehst du als besser an - "Regeln kanalisieren Absicht" oder "Absicht ruft Regeln auf"?

(Ich meine folgendes: Wenn die Regeln die Absicht kanalisieren, dann wird der Spielinhalt von den Möglichkeiten, die die Regeln vorgeben, bestimmt. Bei einem Problem wird also geschaut, welche Regeln die Lösung des Problems ermöglichen, und dann überlegt, wie sich das innerhalb der Fiktion umsetzen lässt.
Wenn die Absicht die Regeln aufruft, wird der Spielinhalt von der Absicht der Spielenden bestimmt. Bei einem Problem wird geschaut, wie der Spielende es innerhalb der Fiktion lösen möchte, und dann werden entsprechende Regeln für die mechanische Umsetzung dieser Absicht aufgerufen.)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 23.07.2013 | 19:57
Eben. Das ist doch die Aktivität. Man verhandelt Fiktion. Ein Regelwerk ist dazu zunächst mal ein Werkzeug, unter mehreren. Setting/Kanon/Genre sind andere, deren Relevanz du glaube ich erheblich unterschätzt.

Na vielleicht bin ich da ein gebranntes Kind. Ich habe in meiner ganzen Rollenspielkarriere noch nicht erlebt, dass diese Dinge in  einem Maße relevant gewesen wären, wie es das Regelwerk war. Der Hintergrund - egal welcher - wurden weitenteils nicht gekannt. Wenn die SL was wusste, wars egal. Hätte sie sich ja auch selbst aus der Nase ziehen können. Wenn ein anderer Teilnehmer was wusste, war es auch egal, weil interessierte nicht. Schnittmengen kamen nicht vor.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 23.07.2013 | 22:50
Kurze Zwischenfrage: Was siehst du als besser an - "Regeln kanalisieren Absicht" oder "Absicht ruft Regeln auf"?

(Ich meine folgendes: Wenn die Regeln die Absicht kanalisieren, dann wird der Spielinhalt von den Möglichkeiten, die die Regeln vorgeben, bestimmt. Bei einem Problem wird also geschaut, welche Regeln die Lösung des Problems ermöglichen, und dann überlegt, wie sich das innerhalb der Fiktion umsetzen lässt.
Wenn die Absicht die Regeln aufruft, wird der Spielinhalt von der Absicht der Spielenden bestimmt. Bei einem Problem wird geschaut, wie der Spielende es innerhalb der Fiktion lösen möchte, und dann werden entsprechende Regeln für die mechanische Umsetzung dieser Absicht aufgerufen.)

Die Unterscheidung habe ich mal mit "regelgetriebenes Spiel" vs. "fiktionsgetriebenes Spiel" zu umschreiben versucht. Es ist m.E. mit die wichtigste Differenzierung bei der Betrachtung von Spielstilen. Ich persönlich bevorzuge ein überwiegend fiktionsgetriebenes Spiel. Oder war die Frage an 1of3 gerichtet? Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich ihm attestiere, ein überwiegend regelgetriebenes Spiel zu bevorzugen. ;)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: blut_und_glas am 23.07.2013 | 23:05
An dieser Stelle - wie auch schon weiter vorne im Thread - fühle ich mich schwer versucht den Vergleich zur Verwandschaft zu suchen:

Diesen Komplex der parallelen Ziele und Triebfedern und ihrer Beziehungen (auch mit und im Regelwerk) findet sich sehr deutlich auch im historischen Kriegsspiel.

Vielleicht hilft es der Diskussion ja weiter, das Ganze erst einmal an diesem etwas distanzierteren (und klarer abgegrenzten?) Beispiel zu untersuchen, und dann eine (Rück)übertragung vorzunehmen?

(Nur ein Einwurf.)

mfG
jdw
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 24.07.2013 | 08:27
Sind wir bei "Finktionsgetriebenes Spiel" bzw. "Absicht ruft Regeln auf" nicht wieder ganz am Anfang der Rollenspiele angelangt, also bei oD&D und Traveller?
Aber mal zum Settingseitigen Powergaming, also dem Fiktionsgetriebenen Spiel, sind das nicht letztendlich auch Regeln und Konventionen? Ich sehe jetzt den Unterschied nicht so richtig ob man eine Regel nur als mathematisches Gebilde hat oder ob es eine Settingvorgabe gibt, an der man gemessen wird (Du spielst deinen Elf wie einen Elf in diesem Setting. Heute hast du ihn gut gespielt [Das entspricht einem guten Ergebnis auf die Elf-sein Probe]).
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 08:45
Ja. "Elfen haben doofe Ohren", ist im Grunde eine Regel. Übersetzt heißt das: "Du darfst nichts äußern, was vermuten lässt, das Elfen keine doofen Ohren haben."
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Necoras am 24.07.2013 | 08:58
Ja. "Elfen haben doofe Ohren", ist im Grunde eine Regel. Übersetzt heißt das: "Du darfst nichts äußern, was vermuten lässt, das Elfen keine doofen Ohren haben."
Aber irgendwie kommt mir das trotzdem anders vor als eine mechanische Regel: Wenn ich im Doofe-Elfenohren-Setting einen Elfen mit sexy Ohren spiele, dann wäre das ja ein Regelbruch. Aber ich könnte doch durchaus so einen Elfen spielen. Er wäre halt ein Sonderling und die Ohren wären ein (Fate-)Aspekt oder ein (DSA-)Vor-/Nachteil o. ä. Mir kommt aber ein solcher Regelbruch weniger schwerwiegend vor wie etwa "Mit diesem Schwert kann ich einfach doppelt so oft attackieren".

Wo ist hier mein Denkfehler?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 09:03
Ich kenne kein Regelsystem, in welchem ein Schwert, an dem der mechanische Regelteil "kann doppelt so oft attackieren", der aus der Beschreibung "Woooosh. Dieses Schwert ist sooo leicht und soooo schnell. Krass. Damit bist du sicher doppelt so flott wie deine Gegner" erwächst, ein Regelbruch wäre. Schlechter Stil ok, aber sonst?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 24.07.2013 | 09:22
Aber irgendwie kommt mir das trotzdem anders vor als eine mechanische Regel: Wenn ich im Doofe-Elfenohren-Setting einen Elfen mit sexy Ohren spiele, dann wäre das ja ein Regelbruch. Aber ich könnte doch durchaus so einen Elfen spielen. Er wäre halt ein Sonderling und die Ohren wären ein (Fate-)Aspekt oder ein (DSA-)Vor-/Nachteil o. ä. Mir kommt aber ein solcher Regelbruch weniger schwerwiegend vor wie etwa "Mit diesem Schwert kann ich einfach doppelt so oft attackieren".

Wo ist hier mein Denkfehler?

Hm, das ist ja nun die Frage.
Das sich Aktionen und Handlungen in Regeln packen lassen, ist ja klar. Bestimmte Systeme packen auch ganze Handlungsabläufe in Regeln und übergeben diese vom Spieler ans System.
Warum wird also nicht strikter beim Setting der Regel-Aspekt herausgekehrt, sondern hier immer auf die Individualität des Spielers gepocht, bzw die Kritik nur über die Peer-Gruppe?

Als sehr striktes Beispiel kommen mir Pendragon, L5R und WH40K Black Crusade in den Sinn. Ersteres mit seinen Verhalltens-bezogenen Attributen, die man prüft, L5R durch Bushido, die Befolgung davon und dem Honour-Wert, der geprüft wird und letzteres durch die drei Attribute Insanity, Corruption und Infamy, die durch das Spiel entstehen und geprüft werden, also direkte Auswirkung haben.
Btw: Sanity is for the Weak!

Nachtrag: Ich kenne aber kein System das z.B. Elf-sein prüft. Boni durch die Volkswahl, ja, eine Abfrage dahinter, nein.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 09:30
Wieviel Spaß macht es dem Spieler des Rondra-Geweihten in DSA, sich vom Meister anzuhören, dass sein Charakter NIEMALS Gift verwenden würde und er ihn völlig falsch spielt? Das ist das Ergebnis des Versuches, Setting-Regeln zu erschaffen und durchzusetzen. Aber selbstverständlich gibt es vielfältige Versuche Setting-Regeln in mechanische Regeln zu implementieren, selbst "alle Elfen können zaubern" hat ja eine regelseitige Komponente.

Edit: Die Beispiele, die du in deinem Edit bringst, zeigen, dass es sinnvoll sein kann, das, was andere Spiele nur via Setting-Regeln festlegen, auch als mechanische Regel umzusetzen. Vermutlich ist die Bereitschaft, diese Regeln zu akzeptieren und mit ihnen zu spielen, aufgrund der stärkeren Formalisierung größer.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Thandbar am 24.07.2013 | 09:46

Nachtrag: Ich kenne aber kein System das z.B. Elf-sein prüft. Boni durch die Volkswahl, ja, eine Abfrage dahinter, nein.

Burning Wheel kennt einen eigenen Weltschmerz-Zähler eigens für Elfen. Steigt er, wird der Elf gewissermaßen "elfischer".
Wird er zu hoch => "Fahret wohl, ich muss nach Westen reisen..."
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 09:54
Ich würde mich nicht so sehr auf Restriktionen als Beispiele versteifen. Der Unterschied zwischen fiktionsgetriebenem und regelgetriebenem Spiel liegt darin, mit welchen Aspekten des Spiels sich die Spieler vorwiegend auseinander setzen. Einerseits was Ziele angeht ("ich möchte der armen Dorfbevölkerung helfen" vs. "ich möchte auf Stufe 8 aufsteigen"), andererseits und vor allem aber, was die Mittel angeht, mit denen sie ihre Ziele erreichen ("ich weiß, dass der Haushofmeister eitel ist, also versuche ich, ihm zu schmeicheln" vs. "ich habe einen hohen Wert auf Einschüchtern, also versuche ich, den Haushofmeister einzuschüchtern").

Manche scheinen der Meinung zu sein, dass dies nicht wirklich unterschiedliche Dinge sind. Ich bin anderer Meinung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 24.07.2013 | 10:04
Der Unterschied zwischen fiktionsgetriebenem und regelgetriebenem Spiel liegt darin, mit welchen Aspekten des Spiels sich die Spieler vorwiegend auseinander setzen.
...
Manche scheinen der Meinung zu sein, dass dies nicht wirklich unterschiedliche Dinge sind.
Ich habe jetzt einfach versucht, mir die letzten Spielabende in Erinnerung zu rufen - und falls mein altersschwaches Gedächtnis nicht totaler Aussetzer hat, dann konnte ich eigentlich keine Häufigkeit des einen irgendwie feststellen. Ich habe das Gefühl, dass beide Sachen gleich oft vorkommen können (und damit meine ich nicht von unterschiedlichen Spielern, ich meine schon immer die gleichen Spieler). Das heißt, auch wenn es unterschiedliche Dinge sind (ich sehe schon den Unterschied ziemlich deutlich), habe ich trotzdem irgendwie nicht das Gefühl, dass der Unterschied in der Praxis relevante Auswirkungen hat. Oder übersehe ich etwas?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 24.07.2013 | 10:07
Manche scheinen der Meinung zu sein, dass dies nicht wirklich unterschiedliche Dinge sind. Ich bin anderer Meinung.

Natürlich bestehen hier riesige Unterschiede.
Es ist trotzdem interessant, 1of3s Gedankengang um die Regeln mal bis in die Tiefe zu verfolgen und auch mal festzustellen warum er selbst anscheinend bei der Halbzeitmarke seine eigene Theorie im Stich lässt. Siehe so saloppe Kommentare wie eben Elfen haben Doofe Ohren.

@gunware:

In der Praxis stellt sich die Frage: Wer lenkt nun wen und worauf basieren Spielerentscheidungen.
Um bei Vermis Beispielen zu bleiben, hierbei ist gerade das soziale Beispiel gut: Wenn ich als Spieler gut Reden und Schauspielern kann, dann umgehe ich meine Werte (die Spielweltsimulation) und Quatsche den kerl dort an die Wand. Wenn ich das Gefühl habe meine Werte wären ausschlaggebender (Hoher Werte, muss also gut sein in der Spielweltsimulation), dann würfle ich den Kerl an die Wand.
Das Endergebnis mag zwar identisch sein (Soziales Encounter bewältigt), der Weg dahin ist doch arg unterschiedlich und Methode 1 entwertet die Simulation. Bestehe ich auf der Simulation, darf nur Methode 2 eine Rolle spielen.
[Nachtrag: Neutrale, in sich geschlossene Simulation]
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 10:54
Hm, das ist ja nun die Frage.
Das sich Aktionen und Handlungen in Regeln packen lassen, ist ja klar. Bestimmte Systeme packen auch ganze Handlungsabläufe in Regeln und übergeben diese vom Spieler ans System.
Warum wird also nicht strikter beim Setting der Regel-Aspekt herausgekehrt, sondern hier immer auf die Individualität des Spielers gepocht, bzw die Kritik nur über die Peer-Gruppe?

Ich finde die Fragen die sich hier ergeben hoch interessant. Zu dieser Stelle kann ich mir zwei Dinge vorstellen:

1) Diese "Regeln" werden nicht auf die gleiche Weise präsentiert wie andere. Ihre Ausführung lässt daher auf eine geringere Verbindlichkeit schließen. Gerade beim Verhalten und Wesenszügen intelligenter Wesen wissen wir aus unserer Erfahrungswelt, dass schon unter Menschen große Unterschiede bestehen. Es ist daher wahrscheinlich, so etwas auch im Spiel zu finden. Anders ist das z.B. bei Magie. Wenn Zeitreisen ausgeschlossen sind, sind Zeitreisen eben ausgeschlossen.

2) Zentral beim Rollenspiel ist die Schaffung einer Fiktion, einer Erzählung. Das einzuschränken ist gewisser Maßen widersinnig. Es geht ja darum etwas eigenes zu produzieren. Deshalb werden eher solche Setting-Regeln akzeptiert, die zum Füllen einer Leerstelle auffordern: "Jede Stadt hat eine Fürsten!" - Mach einen! Habe tatsächlich noch keine Stadt bei Vampire gesehen, die keinen hatte.



Nachtrag: Ich kenne aber kein System das z.B. Elf-sein prüft. Boni durch die Volkswahl, ja, eine Abfrage dahinter, nein.

So ziemlich jedes Spiel mit Trait Pattern. Risus, Pool, PDQ. Fate benutzt das ein bisschen anders, aber ähnlich.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 24.07.2013 | 11:06
Um bei Vermis Beispielen zu bleiben, hierbei ist gerade das soziale Beispiel gut: Wenn ich als Spieler gut Reden und Schauspielern kann, dann umgehe ich meine Werte (die Spielweltsimulation) und Quatsche den kerl dort an die Wand. Wenn ich das Gefühl habe meine Werte wären ausschlaggebender (Hoher Werte, muss also gut sein in der Spielweltsimulation), dann würfle ich den Kerl an die Wand.
Da habe ich Lord Verminaard bisschen anders verstanden. Es geht nicht darum, dass der Spieler jetzt den Spielleiter (als Vertretung des Charas an den NPC) "an die Wand quatscht", sondern dass er eine Lösung wählt, die innerhalb des gerade Gespielten ist (Hofmeister eitel -> schmeicheln) oder dass er eine Lösung wählt, die er von dem Charabogen abliest (hoher Wert Einschüchtern -> Hofmeister wird eingeschüchtert).
So habe ich jetzt sein Beispiel verstanden - aber so, wie Du es beschreibst, ist es aber etwas ganz anderes, oder?

Gerade das Beispiel mit dem Hofmeister kam (ähnlich) in unserer Gruppe, es ging nicht um Hofmeister, sondern einmal um einen Hafenbewacher und einen Polizisten. Der Hafenbewacher wurde wegen seiner Neugier überrumpelt (der Spieler drehte es so, dass der Hafenbewacher unbedingt selbst sehen wollte, was auf dem Schiff ist und ging mit dem vermeintlichen Reporter mit), aber bei dem Polizisten wurde dann in der Kneipe einfach die Probe bemüht, nachdem der Polizist genug Alkohol intus hatte. Gleicher Spieler, gleicher Abend.
Anderes Beispiel:
Hm, wir waren 4 Wochen mit dem Schiff unterwegs? Damit ich mich nicht langweile, helfe ich der Besatzung. Dann werde ich halt ein paar Punkte in die Fertigkeit investieren.
Ich bin zwar verdammt gut in Verhandeln, aber da geht noch mehr. Die nächsten Punkte gehen da rein.

Ich glaube, das sind so die Sachen, die Lord Verminaard angesprochen hatte, so habe ich es verstanden. Und beides kommt bei uns vor - und wie gesagt, ich würde nicht raten wollen, was öfter kommt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Zarkov am 24.07.2013 | 16:12
Der Knackpunkt für mich ist halt der, daß die Fiktion und die mechanischen Teile ineinandergreifen müssen. Man kann ein Rollenspiel natürlich streng einseitig entwerfen (oder auch einseitig als System am Tisch umsetzen): entweder mit dem Primat der Fiktion (sieht man oft so, daß die Spieler „einfach sagen, was sie machen“, und der SL dann die Rolle übernimmt, das in regeltechnische Begriffe umzusetzen und abzuhandeln: „würfel mal 3W6, ich sag dir dann, was passiert“), oder mit dem Primat der Technik.

Anders ausgedrückt: In manchen Spielen kann man immer nur an dem einen Rädchen drehen, und das andere dreht sich dann mit (oder auch nicht). Ich mag gerne an beiden Rädchen drehen, und das andere soll sich bitte mitdrehen, so lange es nicht nur um colour geht.

Meine persönliche goldene Mitte ist also da, wo Fiktion und Regeltechnik immer ineinandergreifen und sich in einem geschlossenen Kreislauf bei der Hand nehmen. Wenn also z.B. Charaktere, die sich konsistent in der Fiktion auf eine bestimmte Weise verhalten, mit der Zeit mit Hilfe der Regeln dann auch auf dem Charakterbogen diesen, öhm, Charakter annehmen. Und umgekehrt: Das, was auf dem Charakterbogen steht, trägt dann zum Verhalten in der Fiktion bei. Und so weiter.

Also keine Paladine oder Was-weiß-ich-Geweihten, die dann beliebig Leute vergiften und mürbe foltern und trotzdem ihren Heiligenschein polieren, sondern z.B. der Ritter, der solange Grausamkeiten begeht, bis er „Grausam“ auf dem Datenblatt über die kritische Schwelle gesteigert hat und in kritischen Situationen dann unter Umständen auch in der Fiktion nicht anders kann. Der Spieler, der einen Trait oder Tag aktiviert, was dann in die Fiktion umgesetzt wird, was wieder eine Auswirkung hat, die den Charakter dann auch regeltechnisch verändert, was sich wieder in der Fiktion anders auswirkt.

Die beiden Extreme und die goldene Mitte sind natürlich selten. Meist versucht der Spieldesigner, mehr oder weniger in eine Richtung zu gewichten, scheint mir. Die Rückkopplungsmechanismen werden allerdings oft vernachlässigt und z.B. durch generische XP nach Spielleiterwillen ersetzt, oder auf das Kampfsystem beschränkt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 24.07.2013 | 16:18
Ich mag gerne an beiden Rädchen drehen, und das andere soll sich bitte mitdrehen, so lange es nicht nur um colour geht.

Meine persönliche goldene Mitte ist also da, wo Fiktion und Regeltechnik immer ineinandergreifen und sich in einem geschlossenen Kreislauf bei der Hand nehmen. Wenn also z.B. Charaktere, die sich konsistent in der Fiktion auf eine bestimmte Weise verhalten, mit der Zeit mit Hilfe der Regeln dann auch auf dem Charakterbogen diesen, öhm, Charakter annehmen. Und umgekehrt: Das, was auf dem Charakterbogen steht, trägt dann zum Verhalten in der Fiktion bei. Und so weiter.
:d Genau das. So ist es auch für mich perfekt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Pyromancer am 24.07.2013 | 16:36
Und umgekehrt: Das, was auf dem Charakterbogen steht, trägt dann zum Verhalten in der Fiktion bei. Und so weiter.

Das, was auf dem Charakterbogen steht, beeinflusst doch (im Idealfall) immer das Verhalten in der Fiktion. Da braucht's kein Trait "hinterhältig und grausam" dafür, da reicht auch "Kräuterkunde (Gifte) +10, Foltern +12, Einschüchtern +16". Diese Werte beeinflussen das Bild des Charakters, und zwar unabhängig davon, ob der Spieler die Entscheidung trifft, seinen Charakter diese Werte auch aktiv einsetzen zu lassen.

Wenn z.B. zwei Charaktere sich dafür entscheiden, den Brunnen des Dorfes nicht zu vergiften (obwohl das gewisse Vorteile hätte), dann sind die Implikationen trotzdem unterschiedlich, wenn der eine "Giftmischen+18" auf dem Charakterblatt stehen hat, und der andere "Giftmischen-nicht gelernt".
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 16:38
@ Zarkov/gunware: Mein Verdacht ist, dass ihr beide - wie übrigens die meisten "normalen Rollenspieler" ;) - überhaupt nicht auf die Idee kommen würdet, wie regelgetrieben man eigentlich spielen kann, dass ihr also einen klar fiktionsgetriebenen Ansatz verfolgt. Ist natürlich nur geraten. Fiktionsgetrieben heißt ja nicht, dass man überhaupt nicht nach Regeln spielt. Es heißt nur, dass man Ziele und Mittel zu deren Erreichung zunächst mal aus der Fiktion heraus entwickelt, und im diesen Sinne von Regeln erwartet, dass sie auch an die Fiktion anknüpfen und diese reflektieren. Während im regelgetriebenen Ansatz diese Anknüpfung und Reflektion gerade nicht als wichtig angesehen wird.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 16:39
Aber nur wenn dies bekannt ist. Wenn mein Gegenüber Giftmischen 16 hat und das nie erwähnt ist es egal.
Nur was in die Fiktion eingebracht wird hat dort auch Geltung. Wenn nur der eine Spieler davon weiß und es nie Rückblenden oder Erwähnungen zu seiner Zeit als Giftmischer gibt dann ist das alles irrelevant für den Rest des Tisches. Das ist dann Spaß für den einen Spieler.
Genau wie das dunkle Geheimnis von dem keiner nie etwas erfährt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Pyromancer am 24.07.2013 | 16:50
Aber nur wenn dies bekannt ist. Wenn mein Gegenüber Giftmischen 16 hat und das nie erwähnt ist es egal.

Das ist beim Trait "gemein und grausam" jetzt auch nicht so viel anders.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 17:01
Das ist beim Trait "gemein und grausam" jetzt auch nicht so viel anders.

richtig. Und wenn man den die ganze Zeit nicht spielt fliegt der vom Charakterblatt und wird durch einen passenderen ersetzt. (in Fate oder Burning Wheel)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Zarkov am 24.07.2013 | 17:55
@ Zarkov/gunware: Mein Verdacht ist, dass ihr beide - wie übrigens die meisten "normalen Rollenspieler" ;) - überhaupt nicht auf die Idee kommen würdet, wie regelgetrieben man eigentlich spielen kann, dass ihr also einen klar fiktionsgetriebenen Ansatz verfolgt. Ist natürlich nur geraten.

Es ist natürlich schön, auch mal als normal bezeichnet zu werden …

[Nachtrag: Ist ja doch sehr OT, ich habe mal ein eigenes Thema eröffnet.]
http://tanelorn.net/index.php/topic,85014.0.html
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 09:35
Fiktionsgetrieben heißt ja nicht, dass man überhaupt nicht nach Regeln spielt. Es heißt nur, dass man Ziele und Mittel zu deren Erreichung zunächst mal aus der Fiktion heraus entwickelt, und im diesen Sinne von Regeln erwartet, dass sie auch an die Fiktion anknüpfen und diese reflektieren. Während im regelgetriebenen Ansatz diese Anknüpfung und Reflektion gerade nicht als wichtig angesehen wird.
Es könnte sein, dass Du da recht hast - oder auch nicht. Um das zu beurteilen, müsste ich mehr wissen. Hättest Du ein Beispiel für sehr stark regelgetriebenen Ansatz, der sich nicht in der Fiktion wieder findet? Mir fällt nämlich überhaupt kein Beispiel ein, die Rückkopplung zurück in die Fiktion ist doch immer gegeben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 10:07
Es könnte sein, dass Du da recht hast - oder auch nicht. Um das zu beurteilen, müsste ich mehr wissen. Hättest Du ein Beispiel für sehr stark regelgetriebenen Ansatz, der sich nicht in der Fiktion wieder findet? Mir fällt nämlich überhaupt kein Beispiel ein, die Rückkopplung zurück in die Fiktion ist doch immer gegeben.

Vermindaard schrieb "nicht als wichtig angesehen wird", nicht "keine Rückkopplung zur Fiktion".
Ein Beispiel hierbei sind alle Spiele, die einen nicht-simulierenden Kampf haben, oder eine Gleichstellung Kampf/Sozial oder die Spielerhandlungen ganz über nicht-simulierende Mechaniken laufen lassen.
- Burning Wheel, Kampfhandlungen, Battle of Wits, etc.
- Gumshoe System (Trail of Cthulhu und Co.) mit den mechanischen Detektivregeln.
- Die Würfel aus Warhammer Fantasy 3rd und Star Wars Edge of the Galaxy.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 10:24
OK, alle diese Spiele habe ich nicht gespielt und die Regel auch nicht gesehen.
Dass er von der Rückkopplung nicht geschrieben hatte, das weiß ich, aber das war die einzige Erklärung, als ich es einfach weiter gedacht habe. *schulterzuck* Ich bin immer noch genauso ahnungslos wie vorher.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 10:35
OK, alle diese Spiele habe ich nicht gespielt und die Regel auch nicht gesehen.
Dass er von der Rückkopplung nicht geschrieben hatte, das weiß ich, aber das war die einzige Erklärung, als ich es einfach weiter gedacht habe. *schulterzuck* Ich bin immer noch genauso ahnungslos wie vorher.

Ein paar konkrete Beispiele:
- Ein Kampf in drei Schritten/Proben. Wenn alle drei Proben abgelegt sind, wird das Ergebnis bestimmt, dann der Kampf daraus hergeleitet. Die drei Schritte/Proben sind für jeden Konflikt identisch, egal ob jetzt körperlicher Kampf, sozialer Kampf oder "schlauer sein als der Andere".
- Ergebniswürfel. Man deklariert nur "ich würfle einen Angriff", dann wird anhand der Würfel bestimmt (Symbole), welche Aktion der Charakter wie nun genau ausgeführt hat.
- Aktionspools. Wenn du bestimmte vorgefertigte Aktionen mit festem Ausgang als Ressource zur Verfügung hast, etwa 2x/Abenteuer "Ich rufe einen Freund bei der Zeitung an, der besorgt mir die Hintergrunddaten" und 3x/Abenteuer "Ich finde den versteckten Hinweis".
- Wenn Werte deine Handlungen bestimmen und diese vor der Ausführung der Intention abgefragt werden, etwa Mut-Proben, Gier-Proben, Wahnsinns-Proben, etc.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 25.07.2013 | 10:37
Ich halte die Beispiele alle unpassend. Wenn das gemeint ist, ist die Unterscheidung keine. Ich kann bei Warhammer 3 meine Aktionen mehr imaginieren, mehr ausbeschreiben und darstellen als bei Unkown Armies. Oder auch umgekehrt. Auf diese Weise wird eine Abgrenzung nicht funktionieren.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 10:46
Ich halte die Beispiele alle unpassend. Wenn das gemeint ist, ist die Unterscheidung keine. Ich kann bei Warhammer 3 meine Aktionen mehr imaginieren, mehr ausbeschreiben und darstellen als bei Unkown Armies. Oder auch umgekehrt. Auf diese Weise wird eine Abgrenzung nicht funktionieren.

Mit besseren Beispielen kann ich nicht dienen, da ich nur über die Dinge reden kann, die ich kenne.
Der Ansatz, der Hinter diesen Beispielen steckt, sollte aber klar sein, nämlich Regel vor Fiktion ohne das Wechselspiel das Regeln mit Fiktion ausmacht, wobei hier ja meist Schritt für Schritt vorgegangen wird, also ich deklariere meine Intention, prüfe, visualisiere, weiter.

Oder um es anders auszudrücken:
- Fiktiongetrieben kann zu einen Wechselschritt mit den Regeln führen, muss aber nicht.
- Regelgetrieben führt zu keinen Wechselschritt sondern zu absoluten Ergebnissen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 11:03
- Ein Kampf in drei Schritten/Proben. Wenn alle drei Proben abgelegt sind, wird das Ergebnis bestimmt, dann der Kampf daraus hergeleitet. Die drei Schritte/Proben sind für jeden Konflikt identisch, egal ob jetzt körperlicher Kampf, sozialer Kampf oder "schlauer sein als der Andere".
Was ist jetzt daran anders, als wenn ich jetzt z.B. bei Shadowrun sage: würfle auf Gebräuche und je nach Anzahl der Erfolge, hast du dann unterschiedliche Informationen während des Tages erhalten? Dann bestimme ich auch die  Fiktion nach der Probe.

- Ergebniswürfel. Man deklariert nur "ich würfle einen Angriff", dann wird anhand der Würfel bestimmt (Symbole), welche Aktion der Charakter wie nun genau ausgeführt hat.
Was ist jetzt anders, als wenn ich bei GURPS würfle, wo der Gegner getroffen wurde?

- Aktionspools. Wenn du bestimmte vorgefertigte Aktionen mit festem Ausgang als Ressource zur Verfügung hast, etwa 2x/Abenteuer "Ich rufe einen Freund bei der Zeitung an, der besorgt mir die Hintergrunddaten" und 3x/Abenteuer "Ich finde den versteckten Hinweis".
Was ist jetzt anders, als wenn ich bei Savage Worlds einen Bennie ausgebe, damit in dem Zimmer ein Kronleuchter ist, damit sich mein Chara von einer Seite auf die andere schwingen kann? Oder bei DrDII meine Quelle anzapfe, damit sich hinter dem nächsten Hügel ein Kloster einer magischen Gruppe befindet?

- Wenn Werte deine Handlungen bestimmen und diese vor der Ausführung der Intention abgefragt werden, etwa Mut-Proben, Gier-Proben, Wahnsinns-Proben, etc.
So wie bei DSA?

Falls Du jetzt das Gefühl hast, dass ich patzig reagiere, dann glaube mir, nichts könnte mir ferner liegen. Ich versuche es nur wirklich zu verstehen - weil ich halt denke, dass bei den meisten RPGs man beides wählen kann. Und dass es halt mal so und mal so ist.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 11:13
Es könnte sein, dass Du da recht hast - oder auch nicht. Um das zu beurteilen, müsste ich mehr wissen. Hättest Du ein Beispiel für sehr stark regelgetriebenen Ansatz, der sich nicht in der Fiktion wieder findet? Mir fällt nämlich überhaupt kein Beispiel ein, die Rückkopplung zurück in die Fiktion ist doch immer gegeben.
- Das Erfahrungssystem und der Stufenanstieg in D&D3. Wenn Du in einem Skill besser werden willst, musst Du eine Stufe aufsteigen. Das bedeutet gleichzeitig, dass Du automatisch besser im Kampf wirst. Wenn Du also einen Meister der Töpferkunst vor Dir stehen hast, dann solltest Du Dir zweimal überlegen, ob Du Dich auf einen Kampf einlässt.
- Das Erschaffungssystem von Original D&D. Du würfelst 6x 3d6 die Attribute runter. Deine Vorstellungen des Charakters richten sich dann nach diesen Werten und nicht umgekehrt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 11:24
OK, dank dieser zwei Beispielen von 6 kann ich sagen, dass wir auch schon regelgetrieben gespielt haben (Erschaffung bei DSA2 war ja auch nur Zufall, falls sich mein altersschwaches Gedächtnis richtig erinnert). Aber ich hätte z.B das zweite Beispiel nicht unter "regelgetrieben" eingeordnet, weil wenn ich es ganz runterbreche, dann ist es im Prinzip nichts anderes wie der Zufallstreffer bei GURPS -> hauen und dann schauen, wo man getroffen hatte. Hier würfeln und dann schauen, welchen Chara die Welt für mich bereit hält.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 1of3 am 25.07.2013 | 11:29
- Das Erfahrungssystem und der Stufenanstieg in D&D3. Wenn Du in einem Skill besser werden willst, musst Du eine Stufe aufsteigen. Das bedeutet gleichzeitig, dass Du automatisch besser im Kampf wirst. Wenn Du also einen Meister der Töpferkunst vor Dir stehen hast, dann solltest Du Dir zweimal überlegen, ob Du Dich auf einen Kampf einlässt.
- Das Erschaffungssystem von Original D&D. Du würfelst 6x 3d6 die Attribute runter. Deine Vorstellungen des Charakters richten sich dann nach diesen Werten und nicht umgekehrt.

Zumindest das zweite erfüllt aber nicht die Bedingungen von Vermi. Es befasst sich weder mit Zielen noch mit Mitteln.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Praion am 25.07.2013 | 12:02
Ein paar konkrete Beispiele:
- Ein Kampf in drei Schritten/Proben. Wenn alle drei Proben abgelegt sind, wird das Ergebnis bestimmt, dann der Kampf daraus hergeleitet. Die drei Schritte/Proben sind für jeden Konflikt identisch, egal ob jetzt körperlicher Kampf, sozialer Kampf oder "schlauer sein als der Andere".
- Ergebniswürfel. Man deklariert nur "ich würfle einen Angriff", dann wird anhand der Würfel bestimmt (Symbole), welche Aktion der Charakter wie nun genau ausgeführt hat.
- Aktionspools. Wenn du bestimmte vorgefertigte Aktionen mit festem Ausgang als Ressource zur Verfügung hast, etwa 2x/Abenteuer "Ich rufe einen Freund bei der Zeitung an, der besorgt mir die Hintergrunddaten" und 3x/Abenteuer "Ich finde den versteckten Hinweis".
- Wenn Werte deine Handlungen bestimmen und diese vor der Ausführung der Intention abgefragt werden, etwa Mut-Proben, Gier-Proben, Wahnsinns-Proben, etc.

Gerade die Kampfsachen in Burning Wheel sind sehr charakterdirekt da das eben Sachen wie Schlag, Gegenschlag, Block, Tackle, Wurf, Finte, Block etc. Sind. Wo das nichts mehr mit dem Character zu tun hat ist mir unklar.
Duell of Wits und Range&Cober sind da etwas abstrakter aber bilden immer noch direkte Manöver ab. Duell of Wits MUSST du dein Argument sogar ausspielen. Ich weiß nicht wo das weg von der Characterebene ist....
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 12:16
@gunware:

Deine Argumentationskette sieht für mich so aus: Fiktion - Intention - Mechanik - Fiktion.

Regelseitiges Spiel kann aber sowohl auf dem Micro- als auch auf dem Makro-Level stattfinden.
Bei den meisten Micro-Beispielen gibt es eine Differenz zwischen Intention und Mechanik. Hier kann man z.B. bei d20 sogenannte Enabler-Feats anführen, die erst Optionen freigeben, wenn man diese besitzt, etwa Power Attack. Der Herweg Fiktion - Intention kann noch so schön beschrieben sein, ohne das Feat kannst du nicht härter Zuschlagen. Umgekehrt sehe ich mir meine Option: Power Attack an und passe somit Fiktion und Intention an. Selbiges gilt für bestimmte Fakten in der Handlung. Nehmen wir mal die mechanische Existenz eines Wertes [Blackmail]. Bei strikter Umsetzung kann man jemanden ohne Punkte in [Blackmail] nicht erpressen. Kauft man sich aber [Blackmail], so schaffen die Regeln hier ein Fakt in der Spielwelt. Auch das Beispiel mit dem notwendigen Stufenanstieg um einen Skill zu steigern fällt hier rein. Egal aus welcher Fiktion heraus und mit welcher Intention, die Mechanik bestimmt die weitere Fiktion.

Zum Differenzierung gilt genau das Gegenteil: Wenn ich etwas herausfinde, mit dem sich jemand erpressen lässt, erhallte ich [Blackmail]. Wenn ich sage ich lerne Töpfern, kann ich irgendwann Töpfern. Hier bedingen Fiktion und Intention nachher die Mechanik.

Das Makro-Level bestimmt komplette Vorgänge und schließt die ersten Fiktion - Intention Schritte aus.
Wenn z.B. ein kompletter Kampf immer über die drei abstrakten und mechanischen Schritte "En Garde, Riposte, Coupé" läuft und sich nur darauf die Fiktion entwickelt (wenn überhaupt), wenn eine Schlacht nach einem festen Muster und mit bestimmten Regeln daherkommt mit denen genau diese eine Schlacht fest abgehandelt wird oder, um Shadowrun zu nehmen, wenn es eine feste Regel gibt, nach der ein Run abgehandelt wird und man nachher, im Resumée, die Fiktion zu diesem Run gestalltet.

Zu Differenzierung der Oben von mir genannte Wechselschritt bei dem die Mechanik nach der Fiktion und Intention aufgerufen wird.

@Praion:
Hier genauer aufgeführt was ich meine.

[Nachtrag] Womit der Bogen zurück zum Powergamen auch wieder geschafft wäre.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 12:19
@gunware:
Okay. Um das Beispiel etwas besser in den Kontext zu stellen (und warum ich es als Beispiel gewählt habe): Original D&D ist ein Stufensystem mit extremer Tödlichkeit. Dass Dein Charakter beim Abenteuern drauf geht, ist relativ wahrscheinlich. Da stellt sich dann eher die Frage "wann" er drauf geht. Unter normalen Umständen würdest Du den Charakter als Darwin Award-Anwärter ansehen und wenn Du ihn in der Fiktion ausspielen wolltest, würdest Du ihn nach Hause schicken. Im originalen D&D ist das "realistische" Ausspielen des Charakters aber nicht gegeben. Da geht es dann darum, den Charakter so lange überleben zu lassen, wie nur irgendmöglich. Du hast dann sogar am Stufensystem sowas wie einen Highscore (mein Charakter ist auf Stufe 5 gestorben. Das bekomme ich besser hin!). Du nimmst also den Charakter, den Du Dir auswürfelst und versuchst ihn durch die Dungeons so hoch wie möglich zu spielen. Das 6x 3d6-System ist dabei nur das Einstellen der Grundbedingungen.

Disclaimer: Natürlich kann hinter dem Spiel im Original D&D eine komplett andere Zielsetzung liegen. uA. deshalb gibt es ja verschiedene Erschaffungsmöglichkeiten. In Deiner Runde kann auch der SL die Tödlichkeit des Systems "anpassen", um andere Zielsetzungen in den Vordergrund zu bringen. Wenn man sich aber nur das zugrunde liegende System anschaut, dann ist die Zielsetzung im Spiel regelgetrieben.

Disclaimer2: Original D&D ist im eigentlichen Spiel aber trotzdem auch fiktionsgetrieben. Alle Aktionen, die nicht zuhauen sind, werden an Hand der Fiktion behandelt und gelöst. Wenn Du mit einem Stab über einen reissenden Fluss springen willst, dann muss sich der SL an Hand der Situation in der Fiktion die Wahrscheinlichkeiten des Erfolges ermitteln.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 13:44
Regelseitiges Spiel kann aber sowohl auf dem Micro- als auch auf dem Makro-Level stattfinden.
Ja, klar, das hat mit dem hier angesprochenem Problem aber nicht wirklich zu tun, weil es unabhängig davon ist.

Der Herweg Fiktion - Intention kann noch so schön beschrieben sein, ohne das Feat kannst du nicht härter Zuschlagen.
Doch, klar kann der Chara härter zuschlagen (und tut es auch) - nur es werden andere Regel benutzt als wenn Feat da wäre. Dass es regeltechnisch egal wäre, ob er härter zuschlägt oder nicht, das verschwindet halt in dem Hintergrundrauschen der Regel und ist keine notwendige Bedingung dafür, in der Übersetzung der Regel (egal in welche Richtung) darauf zu verzichten oder es beibehalten.

Nehmen wir mal die mechanische Existenz eines Wertes [Blackmail]. Bei strikter Umsetzung kann man jemanden ohne Punkte in [Blackmail] nicht erpressen. Kauft man sich aber [Blackmail], so schaffen die Regeln hier ein Fakt in der Spielwelt.
Ja, aber es ist doch das Gleiche wie  bei anderen Regelanwendungen - man kann es nicht (vernünftig) voneinander abkoppeln. Das eine beeinflusst das andere. Was man höchsten bestimmen kann, ist die Richtung der Auflösung. Suche ich für eine Handlung aus der Fiktion eine Regel, die mir sagt, wie es weiter geht; oder erschaffe ich durch Anwendung einer Regel die entsprechende Handlung in der Fiktion. Beides existiert doch nebeneinander und wird während des Abends mehrmals benutzt. Mal so, mal so.


Das Makro-Level bestimmt komplette Vorgänge und schließt die ersten Fiktion - Intention Schritte aus.
Wenn z.B. ein Kampf immer über die drei abstrakten und mechanischen Schritte "En Garde, Riposte, Coupé" und sich nur darauf die Fiktion entwickelt (wenn überhaupt), wenn eine Schlacht nach einem festen Muster und mit bestimmten Regeln daherkommt mit denen genau diese eine Schlacht fest abgehandelt wird
Wenn ich nur ein Wurf 50% habe - Kampf gewonnen, Kampf verloren, dann kann ich bei Erfolg sagen: "Ohne Gnade haue ich ihm in die Fresse und er fällt wie ein gefällter Baum um." Oder ich kann sagen: "Zuerst tritt er mich in die Eier, ich drehe mich aber noch rechtzeitig um, damit er nur meinen Schenkel erwischt. Es tut weh, ich humpele zurück, er versucht mich nochmal zu treffen, rutscht aber auf einer Bananenschale aus und fällt um, wobei er sich den Kopf so stark anschlägt, dass er bewusstlos liegen bleibt."
In beiden Fällen kam die Regel in die Fiktion rein, aber wegen dem Hintergrundrauschen ist aus Regelseite vollkommen egal, ob ich gerade so eben oder haushoch gewonnen habe. Von Regelseite gibt es nur die zwei Zustände gewonnen/verloren. Alles andere sind doch nur Geschmacksverstärker.

Bei diesem Fall wäre der fiktionsbetriebene Einsatz eher so verlaufen: "der Feind steht mir direkt gegenüber und weil er mir zu gefährlich ist, schalte ich ihm aus." SL: "dann würfle auf Kampf, ob du es schaffst." 50% Chance, geschafft, gewonnen.

Der regelbetriebene Einsatz wäre dann eher so: "ohne dass der Feind besiegt wird, kommen wir nicht weiter. Deswegen muss zuerst auf Kampf gewürfelt werden." 50% Chance, geschafft, gewonnen.

Und in beiden Fällen kann man dann den Kampf wie oben beschreiben oder man kann auch einfach nur sagen: "ich bin der Sieger."

So verstehe ich es.
Weil ob ich zuerst [Blackmail] kaufen muss, damit ich erpressen kann, oder ob ich zuerst erpressen muss, damit ich [Blackmail] bekomme, ist nur davon abhängig, wie die Schnittstelle zwischen Fiktion und Regeln aussieht - und wie stark das Hintergrundrauschen ist, was beim Durchgang durch die Schnittstelle entsteht, egal in welche Richtung man sich bewegt.


Wenn man sich aber nur das zugrunde liegende System anschaut, dann ist die Zielsetzung im Spiel regelgetrieben.
....
Original D&D ist im eigentlichen Spiel aber trotzdem auch fiktionsgetrieben.
Das meine ich auch. Deswegen wird aber bei D&D nicht zwangsläufig der regelgetriebene Einsatz öfters vorkommen als der fiktionsgetriebene.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 14:08
@gunware:

Ganz kann ich deiner Argumentation nicht folgen, denn du vermischt hier etwas willkürlich.

Der regelseitige Ansatz definiert die Inhalte für die Fiktion. Das Feat Power Attack ist die Umsetzung der Fiktion "Härter Zuschlagen". Besitzt du dieses Feat nicht, hast du keinen Zugriff auf diese Fiktion. Extremer ausgedrückt, erlauben dir die Regeln keinen zweiten Angriff pro Runde, hast du keinen zweiten Angriff pro Runde.

Leitest du von der Fiktion "Härter Zuschlagen" die Mechanik ab, kannst du das jederzeit machen, benötigst aber das Feat Power Attack nicht mehr. Kann man aus der Fiktion Zweiter Angriff eine mechanik ableiten, so geht das, man benötigt aber keine Angaben über die Anzahl der möglichen Angriffe mehr.

Beide Regelungen zur gleichen Zeit macht keinen Sinn.

Sowohl dein 50-50 Kampfbeispiel als auch die Art wie du das Blackmail-Beispiel angehst, zeigen auf dass du dich von der Fiktion - Intention - Mechanik - Fiktion Schiene nicht lösen kannst oder auch in Betracht ziehen kannst wie es anders aussehen kann und das meine ich gar nicht mal böse.

[Nachtrag] Es hilft übrigens, wenn man sich darüber im klaren ist dass Regeln nicht gleich Simulation bedeuten. Auch FATE hat Regeln.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 14:09
Das meine ich auch. Deswegen wird aber bei D&D nicht zwangsläufig der regelgetriebene Einsatz öfters vorkommen als der fiktionsgetriebene.
Wenn Du ein System haben willst, das basismässig eine stark regelgetriebene Engine hat, dann nimm D&D4 RAW. Die ganzen Kämpfe sind defaultmässig komplett regelgetrieben. Der Spielwerte der Monster sind über die Stufen standardisiert und der SL ist aufgefordert, die Gegner an das Machtverhältnis der Gruppe anzupassen. Das geht sogar so weit, dass die Spieler automatisch in den Kampfmodus gehen, sobald sie das Gefühl haben, in einen Konflikt zu geraten. Deer Ablauf eines Kampfes wird auch sehr stark von den Powers der Charaktere bestimmt. Wenn die Charaktere eine Powerkombi haben, die den Regeln nach gut zusammenpasst, dann wird genau die verwendet, ganz egal wie die aktuelle Fiktion genau aus sieht. Es kann sogar sein, dass eine Aktion, die in der Fiktion sinnvoller erscheinen würde, bestraft wird. (Einbruch in ein Haus über Stealthaktion gegenüber Einbruch in ein Haus, indem man die Tür einschlägt und sich direkt durch die Gegner prügelt.)

Aber auch hier wieder der Disclaimer: Natürlich kann man D&D4 anders spielen und natürlich gibt es sogar Guides, um das Spiel fiktionsgetriebener zu gestalten. Wenn man aber von der Grundhaltung und den Kaufabenteuer ausgeht, dann ist das Geschehen zu 70 - 80 % regelgetrieben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 14:33
Puh....das ganze ist halt insofern ein schlechtes Beispiel als dass es dort auch improvisierte Aktionen gibt. Die natürlich in ihrer ganzen Grundidee Fiktionsgetrieben sind. Ich sage was ich machen will - und der Spielleiter hat Mittel um dies regelseitig zu bewerten.

Und gerade dein Beispiel mit dem Einbruch in ein Haus wäre wohl etwas das D&D 4 eigentlich sehr stark darüber regeln würde dass "Kick in the Door" bestraft wird. Einfach weil es als die Möglichkeit anbietet durch eine Schleichenskillchallenge die Gefahr zu reduzieren.

Unter anderem ja auch in den Kaufabenteuern und Regelbüchern die dieses Verhalten letztlich ja fördern. Dass es dann nicht von jedem genutzt wird ist eine andere Frage, aber du sprichst ja von RAW.

Umgedreht wird das ganze aber auch durch derartige Regeln nicht zu 100% Fiktionsgetrieben - am Ende ist es eine Mischung. Und ich denke die gibt es auch bei vielen Spielen.

Was ich mich aber frage: Ist dies denn überhaupt noch beim Thema "Qualitätsmessung"? Denn prinzipiell sind ja fiktionsgetriebene und regelgetriebene Systeme erst einmal gleichrangig. Diese Einteilung trifft doch keine Aussage über die Qualität, oder?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 14:40
ass du dich von der Fiktion - Intention - Mechanik - Fiktion Schiene nicht lösen kannst oder auch in Betracht ziehen kannst wie es anders aussehen kann
Das wäre schade, wenn ich das nichtmal kapieren könnte. Aber klar, könnte durchaus sein. Vielleicht bin ich gerade dabei wie ein Farbenblinder, den man versucht den Unterschied zwischen rot und grün zu erklären. Keine Ahnung. Trotzdem hindert mich das nicht daran, weiter zu bohren, weil mich das wirklich interessiert.

Ganz kann ich deiner Argumentation nicht folgen, denn du vermischt hier etwas willkürlich.
OK, wenn das was ich oben zitiert habe zutrifft, dann wird es wahrscheinlich sein, sorry.

Extremer ausgedrückt, erlauben dir die Regeln keinen zweiten Angriff pro Runde, hast du keinen zweiten Angriff pro Runde.
Vielleicht liegt es an diesem Punkt. In der Fiktion gibt es keine Runde, eine Runde gibt es nur bei den Regeln.

Fiction <--- Schnittstelle --->  Regel.

So wie man in unterschiedlichen Sprachen bestimmte Redewendungen, Sprüche usw. nicht in andere Sprachen übersetzen kann, kann man bestimmte Bereiche aus Fiction oder aus den Regel nicht verlustfrei in den anderen Bereich übersetzen.

Leitest du von der Fiktion "Härter Zuschlagen" die Mechanik ab, kannst du das jederzeit machen, benötigst aber das Feat Power Attack nicht mehr. Kann man aus der Fiktion Zweiter Angriff eine mechanik ableiten, so geht das, man benötigt aber keine Angaben über die Anzahl der möglichen Angriffe mehr.
Ich sehe es nicht als ableiten, sondern als übersetzen. So wie man das Wort Spiel aus dem Deutschen auf Englisch mit game oder play übersetzen kann (je nach Kontext) so wird auch die Aussage in der Fiction "ich haue hart zu" entweder zu Schaden mit Feat oder zu Schaden ohne Feat übersetzt, je nach Kontext. Oder aus der anderen Richtung, wenn ich das Wort Game übersetze, dann kommt Spiel raus. Das heißt, wenn ich Schaden mit Feat benutze, bildet sich das in der Fiction als "stark zugehauen". Wenn ich Schaden ohne Feat benutze, dann wird es in der Fiction als "zugehauen" übersetzt. Ob man dann mit dichterischer Freiheit noch "trotz seiner Schwäche haute er so stark wie er nur konnte zu, aber es war trotzdem schwach" macht oder nicht, dass kümmert die Regelseite nicht.

Beide Regelungen zur gleichen Zeit macht keinen Sinn.
Es gibt aber keine "beide Regelungen zur gleichen Zeit". Es gibt nur verschiedene Sichtweisen auf ein Problem. Aus welchem Blickwinkel man es löst, ist nur eine Frage der Vorliebe.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 14:41
Was ich mich aber frage: Ist dies denn überhaupt noch beim Thema "Qualitätsmessung"? Denn prinzipiell sind ja fiktionsgetriebene und regelgetriebene Systeme erst einmal gleichrangig. Diese Einteilung trifft doch keine Aussage über die Qualität, oder?

Ist es, ganz klar. In beiden Fällen, also Einzelmethode und Mischmethode, kann man die Qualität immer noch am "Powergamer" ableiten.
Bei der Einzelmethode, also entweder Fiktions- oder Regelgetriebenen Spiel, nutzt der Powergamer seine Möglichkeiten, hier kann man Qualität innerhalb der Methode bemessen.
Bei der Mischmethode wird es schwerer, trotzdem kann es interessant sein sich anzusehen wie beide Methoden genutzt werden und wo der "Powergmer"-Anteil daran ist, besonders im dem Fall die Wechselwirkung zwischen Regelnutzung und Fiktionsnutzung.

@gunware:

Du zeigst das "Problem" gut auf, wenn du schreibst Fiktion <- Schnittstelle -> Regeln. Das ist aber nicht die einzige Annahme, denn sie geht von dem Grundpunkt aus dass diese beiden Dinge getrennt wären. Die beiden Schwester-Optionen Fiktion -> Regeln (Rulings) und Regeln (Rules) -> Fiktion sind gleichwertig aber getrennt und ergeben ein ganz anderes Spiel als bei deiner Annahme.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 14:47
Puh....das ganze ist halt insofern ein schlechtes Beispiel als dass es dort auch improvisierte Aktionen gibt. Die natürlich in ihrer ganzen Grundidee Fiktionsgetrieben sind. Ich sage was ich machen will - und der Spielleiter hat Mittel um dies regelseitig zu bewerten.
Meiner Erfahrungen widerlegen Deine Haltung. Die meisten Spieler starren auf ihre Powers beim Spielen. Wenn sie dann dran sind, dann wird Kästchen gezählt und dann der Regeltext auf der Power ausgeführt.
Zitat
Und gerade dein Beispiel mit dem Einbruch in ein Haus wäre wohl etwas das D&D 4 eigentlich sehr stark darüber regeln würde dass "Kick in the Door" bestraft wird. Einfach weil es als die Möglichkeit anbietet durch eine Schleichenskillchallenge die Gefahr zu reduzieren.
Meine Erfahrungen widerlegen Dein Argument. Alle Gruppen die ich geleitet habe, denen ich nicht explizit erzählte, dass ich jetzt eine Skillchallenge machen will, haben die Tür eingetreten. Sie wussten genau, dass dahinter ein Kampf kommen wird, der an ihre Stärke angepasst ist.
Zitat
Unter anderem ja auch in den Kaufabenteuern und Regelbüchern die dieses Verhalten letztlich ja fördern. Dass es dann nicht von jedem genutzt wird ist eine andere Frage, aber du sprichst ja von RAW.
Meine Erfahrungen widerlegen Dein Argument. Die Kaufabenteuer (vor allem das Einstiegsabenteuer) strotzten und strotzen nur von Kampfencounter und besassen wenige Skillchallenges
Zitat
Umgedreht wird das ganze aber auch durch derartige Regeln nicht zu 100% Fiktionsgetrieben - am Ende ist es eine Mischung. Und ich denke die gibt es auch bei vielen Spielen.
Ich redete von 70 - 80% Regelgetrieben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 14:51
Ist es, ganz klar. In beiden Fällen, also Einzelmethode und Mischmethode, kann man die Qualität immer noch am "Powergamer" ableiten.

Wie genau? Ich meine - wo ist der Unterschied zwischen einem fiktionsgetriebenem und einem regelgetriebenem Powergamer bezogen auf die Qualität des Spiels?

@6: Deshalb ja auch der Verweis auf RAW. Ich will und kann dir deine Erfahrungen natürlich nicht nehmen. Rules as Written ist das ganze aber eben nicht. Es ist nur eine Spielweise die Teile des Regelwerks ignoriert. Ob das nun schlecht oder gut für eure Runde ist oder nicht.

Das Problem bei sowas ist immer nur: Über deine Erfahrungen kann man so schlecht diskutieren - die kannst du ja nur selbst machen und niemand kann dir sagen das sie eigentlich doch anders wären. Es bleiben deine. Egal ob andere andere Erfahrungen machen. Man kann dir da Rat geben, aber ich kann dir halt nicht sagen: "Wenn du in das Buch eine Regel für improvisierte Aktionen reinschreiben würdest wäre dies anders". Die steht ja dummerweise schon drin, und eine zweite reinzuschreiben ändert wenig daran ob deine Gruppe diese Regeln nutzen will oder nicht.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 14:54
Wie genau? Ich meine - wo ist der Unterschied zwischen einem fiktionsgetriebenem und einem regelgetriebenem Powergamer bezogen auf die Qualität des Spiels?

Die Nebendiskussion mit gunware ist da recht hilfreich.
Lasse ich beide Optionen zu, als Regeln bedingen Inhalte, Inhalte bedingen Regeln, so müsste ich am Ende, bei zwei "gleich guten" Powergamers zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Nehme ich noch einen dritten Powergamer hinzu, der zwischen beiden Optionen alteriert, habe ich einen endgültigen Benchmark.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 14:58
Die beiden Schwester-Optionen Fiktion -> Regeln (Rulings) und Regeln (Rules) -> Fiktion sind gleichwertig aber getrennt und ergeben ein ganz anderes Spiel als bei deiner Annahme.
Klar ist es ein bisschen anderes, ob ich Fiktion -> Regeln oder ob ich Regeln -> Fiktion gehe. Nichtsdestotrotz sind es nur Untermengen von Fiktion <---Schnittstelle---> Regeln. Und (meiner Erfahrung nach) benutzt man während eines Rollenspielabends fröhlich beide "Schwester". Und man kann bei vielen Problemen auch beide "Schwester" benutzen - aber nicht beide gleichzeitig. Man fängt ja gewöhnlich nicht von der Schnittstelle an sondern entweder von links oder von rechts und geht dann zu der anderen Seite.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 14:58
Die Nebendiskussion mit gunware ist da recht hilfreich.
Lasse ich beide Optionen zu, als Regeln bedingen Inhalte, Inhalte bedingen Regeln, so müsste ich am Ende, bei zwei "gleich guten" Powergamers zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Nehme ich noch einen dritten Powergamer hinzu, der zwischen beiden Optionen alteriert, habe ich einen endgültigen Benchmark.

Ja...bis dahin komm ich noch mit. Aber wie messe ich mit diesem Benchmark die Qualität des Spiels?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 15:06
@6: Deshalb ja auch der Verweis auf RAW. Ich will und kann dir deine Erfahrungen natürlich nicht nehmen. Rules as Written ist das ganze aber eben nicht. Es ist nur eine Spielweise die Teile des Regelwerks ignoriert. Ob das nun schlecht oder gut für eure Runde ist oder nicht.
Nochmal: Ich redete von 70-80% regelgetrieben. Das bedeutet, dass der Großteil des Spielbetriebes regelgetrieben abläuft. Niemand redete davon, dass es 100% regelgetrieben wäre. Ich habe also mitnichten Teile des Regelwerkes ignoriert. Es geht einzig und alleine darum, dass gunware ein Beispiel hat, wie ein Rollenspiel mit hohen regelgetriebenen Ansatz aussieht und nicht wie ein Rollenspiel noch gespielt werden könnte.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 15:07
Klar ist es ein bisschen anderes, ob ich Fiktion -> Regeln oder ob ich Regeln -> Fiktion gehe. Nichtsdestotrotz sind es nur Untermengen von Fiktion <---Schnittstelle---> Regeln. Und (meiner Erfahrung nach) benutzt man während eines Rollenspielabends fröhlich beide "Schwester". Und man kann bei vielen Problemen auch beide "Schwester" benutzen - aber nicht beide gleichzeitig. Man fängt ja gewöhnlich nicht von der Schnittstelle an sondern entweder von links oder von rechts und geht dann zu der anderen Seite.

Mal so aus Neugierde: hast du mal ein striktes System gespielt? Etwa Pendragon?

Ja...bis dahin komm ich noch mit. Aber wie messe ich mit diesem Benchmark die Qualität des Spiels?

Da ich da nie wirklich drüber nachgedacht habe und auch kein Sozialwissenschaftler bin, meine ich es geht nur über Beobachtung. Wenn alle Beteiligten anscheinend den gleichen Grad an Partizipation erreicht haben und die Stimmung dabei nicht kippt, ist es ein Erfolg. Je mehr "ich" dabei eingreifen muss um dabei eine Balance zu hallten, ist es ein Misserfolg.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 15:21
@Slayn:

Klingt gut. So würd ich da auch noch mitgehen.

@6: Das Problem ist dass es natürlich eine Menge Spiele gibt die keine improvisierten Aktionen oder Nichtkampflösungen für Probleme explizit vorsehen. Bei denen ich wenn ich in das Haus schleiche anstatt die Monster zu verhauen am Ende mit weniger XP und Schätzen dastehe, oder die dies gar nicht vorsehen. Die also eigentlich deutlich bessere Beispiele wären.

Und natürlich ist ein Problem dass auch ein paar der anderen Aussagen von dir dort nicht so ganz hinhauen.

Zitat
Der Spielwerte der Monster sind über die Stufen standardisiert und der SL ist aufgefordert, die Gegner an das Machtverhältnis der Gruppe anzupassen.

zum Beispiel. Nimmt man dort das Buch zur Hand dann findet man dort natürlich solche Aussagen wie "es sollten nicht einfach alle Begegnungen an die Stufe der Gruppe angepasst werden" - und auch die explizite Aufforderung immer mal wieder Gegner bereitzustellen welche deutlich höherstufig sind als die Gruppe. Bis hin zu dem Punkt dass auch Monster besprochen werden die von der Gruppe eigentlich nicht besiegbar sind und "auf anderem Weg angegangen" werden müssen. Oder anders gesagt: Das Buch sagt hier etwas anderes.

Ähnlich sieht es mit den Powers aus. Du sagst da etwas sehr interessantes: "egal wie die Fiktion aussieht es wird die entsprechende Power gewählt". Nun ist Fiktion ja nichts anderes als eine Situationsbeschreibung. Abhängig von der Situation kann es aber sinnvoller sein eine bestimmte Aktion zu machen anstatt eine andere. Aus reiner Powergamersicht ist es natürlich der falsche Ansatz einfach immer nur die gleiche Aktion zu machen, es verschwendet Optimierungspotential.

In der 4E ist es nun so dass abhängig von der gewählten Aktion die Trefferchance auch schonmal um 20-30% höher sein kann, man hat also eine recht hohe Situationsbezogene Komponente. Und da fängt die schwierigkeit an solche Spielelemente einzuordnen.

Ist es fiktionsgetrieben wenn ich sage: "Oger sind meist dumm, ich versuche wohl besser eine Aktion die seinen schwachen Geist ausnutzt" - oder doch regelgetrieben weil diese Fiktion sich auch in Regelwerten niederschlägt?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Thandbar am 25.07.2013 | 15:26
Nochmal: Ich redete von 70-80% regelgetrieben. Das bedeutet, dass der Großteil des Spielbetriebes regelgetrieben abläuft. Niemand redete davon, dass es 100% regelgetrieben wäre. Ich habe also mitnichten Teile des Regelwerkes ignoriert. Es geht einzig und alleine darum, dass gunware ein Beispiel hat, wie ein Rollenspiel mit hohen regelgetriebenen Ansatz aussieht und nicht wie ein Rollenspiel noch gespielt werden könnte.

Es gibt ja Leute, die spielen die 4E 100% regelgetrieben (wenn man das so nennen will) - gewissermaßen Würfelschach. Mir persönlich würde das nicht so liegen, aber allein die Tatsache, dass man es so spielen kann, zeigt doch irgendwie, dass die regelseitige Stütze, die ohne Improvisation von Seiten der Gruppe oder des SL alleine funktioniert, ein komplett eigenständiges System darstellt.

Die meisten Rollenspiele, die ich kenne, würden mit dieser Prämisse überhaupt nicht mehr laufen, weil wesentliche Elemente regelseitig gar nicht abgedeckt sind. Und das teilweise auch durchaus absichtsvoll, immerhin ködert D&DNext die Spielleiter damit, im Vergleich zur 4E wieder über mehr Entscheidungsmacht zu verfügen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 25.07.2013 | 15:31
Mal so aus Neugierde: hast du mal ein striktes System gespielt? Etwa Pendragon?
Nein, habe ich nicht.

Für mich ist Rollenspiel jahrelanges Vergnügen - und da will ich keine Grenzen haben. Denn was mir in diesem Jahr gefällt, muss nicht unbedingt das gleiche sein, was mir in 5 Jahren gefällt. Bei idealen Rollenspiel kann ich aber trotzdem immer noch in der gleichen Kampagne spielen, obwohl sich die Vorlieben gewandelt haben oder aus Zeitgründen wandeln mussten. Weil es beim Rollenspiel unzählige Anzahl von Blickwinkeln geben kann (oder sollte, um für mich attraktiv zu sein), aus denen man das Ganze betrachten darf.

Ist es fiktionsgetrieben wenn ich sage: "Oger sind meist dumm, ich versuche wohl besser eine Aktion die seinen schwachen Geist ausnutzt" - oder doch regelgetrieben weil diese Fiktion sich auch in Regelwerten niederschlägt?
Dies ist ein Beispiel, bei dem die Zuordnung (wenn überhaupt) erst während des Spielens feststellbar wäre. Und sie könnte sogar variieren.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 15:38
zum Beispiel. Nimmt man dort das Buch zur Hand dann findet man dort natürlich solche Aussagen wie "es sollten nicht einfach alle Begegnungen an die Stufe der Gruppe angepasst werden" - und auch die explizite Aufforderung immer mal wieder Gegner bereitzustellen welche deutlich höherstufig sind als die Gruppe. Bis hin zu dem Punkt dass auch Monster besprochen werden die von der Gruppe eigentlich nicht besiegbar sind und "auf anderem Weg angegangen" werden müssen.
Also werden standardmässig die Begegnungen an die Stufe angepasst und nur selten bis sehr selten etwas Anderes draus gemacht. Verstehst Du jetzt wieso ich von 70-80% rede?
Zitat
Ähnlich sieht es mit den Powers aus. Du sagst da etwas sehr interessantes: "egal wie die Fiktion aussieht es wird die entsprechende Power gewählt". Nun ist Fiktion ja nichts anderes als eine Situationsbeschreibung. Abhängig von der Situation kann es aber sinnvoller sein eine bestimmte Aktion zu machen anstatt eine andere. Aus reiner Powergamersicht ist es natürlich der falsche Ansatz einfach immer nur die gleiche Aktion zu machen, es verschwendet Optimierungspotential.
Also wir sind bei einem Kaufabenteuer auf 15.(?) Stufe mit immer den gleichen Powers sehr gut und resourcenschonend voran gekommen.
Zitat
In der 4E ist es nun so dass abhängig von der gewählten Aktion die Trefferchance auch schonmal um 20-30% höher sein kann, man hat also eine recht hohe Situationsbezogene Komponente. Und da fängt die schwierigkeit an solche Spielelemente einzuordnen.
Woran orientierst Du Dich? An der Battlemap. Und zwar an Hand standardisierter Eigenschaften. Alle Modi sind komplett verregelt und sie kommen zustande, weil sie von den vorher verregelten Powers ausgelöst werden. Dabei spielt die Fiktion keine Rolle. Es ist für den Kampf vollkommen unerheblich ob der Kobold sich die Augen reibt, weil er Sand in die Augen bekommen hat, oder der Nacktmull von einem Lichtblitz geblendet ist. Genau das ist es doch, was "regelgetrieben" meint. Die Fiktion tritt in den Hintergrund (ist aber noch da) und der Fokus liegt auf den Regeln.
Zitat
Ist es fiktionsgetrieben wenn ich sage: "Oger sind meist dumm, ich versuche wohl besser eine Aktion die seinen schwachen Geist ausnutzt" - oder doch regelgetrieben weil diese Fiktion sich auch in Regelwerten niederschlägt?
Normalerweise läuft der Spruch (nach normalen Regeln) so: "Knowledgewurf! Geschafft! Welche Defence ist denn schwach?" "Will" "Okay. Dann hau ich ihm meine Power gegen die Willdefence um die Ohren" Und das ist definitiv regelgetrieben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 15:47
Nein, habe ich nicht.

Ohne das dies nun wertend sein soll: Dann bist du sowohl ein "Kind deiner Zeit" was den prägenden Geschmack angeht und du hast dich um eine Erfahrung gebracht, die sowohl Gut/Schlecht/Neutral sein kann, trotzdem eine Erfahrung ist, aber die Sicht auf diese Abgrenzungen erweitern kann.
Es ist eine erfrischende Erfahrung und man kann daraus einiges mitnehmen. (Ok, das ist wertend)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 15:49
Die Fiktion tritt in den Hintergrund (ist aber noch da) und der Fokus liegt auf den Regeln.Normalerweise läuft der Spruch (nach normalen Regeln) so: "Knowledgewurf! Geschafft! Welche Defence ist denn schwach?" "Will" "Okay. Dann hau ich ihm meine Power gegen die Willdefence um die Ohren" Und das ist definitiv regelgetrieben.

Und wie würde das gleiche Beispiel fiktionsgetrieben aussehen? Doch genauso, oder? Ich weiß um eine Eigenschaft der Situation, und nutze diese.
Vor allem aber widerspricht dies doch deiner obigen Aussage man würde unabhängig von der Fiktion die Aktionen wählen. Wie passt dass den zu "mhh - wenn ich weiß das mein Gegner folgende Eigenschaft hat dann...."?

Oder wird eine Eigenschaft in dem Moment nicht mehr Fiktion sobald es sie als Regelelement gibt? Wir könnten das gleiche mit dem Schleichenbeispiel durchführen - ich weiß dass ich auf Gegner treffen könnte und sie mit schleichen umgehen könnte. Dies ist die Fiktion. Wenn mir das System Regeln anbietet das zu tun so wird das ganze ja noch nicht regelgetrieben deshalb, es unterstützt nur die Umsetzung dieser Fiktion.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 25.07.2013 | 15:54
Und wie würde das gleiche Beispiel fiktionsgetrieben aussehen? Doch genauso, oder? Ich weiß um eine Eigenschaft der Situation, und nutze diese.

Vor allem aber widerspricht dies doch deiner obigen Aussage man würde unabhängig von der Fiktion die Aktionen wählen. Wie passt dass den zu "mhh - wenn ich weiß das mein Gegner folgende Eigenschaft hat dann...."?

Oder wird eine Eigenschaft in dem Moment nicht mehr Fiktion sobald es sie als Regelelement gibt?

Geh in Gedanken mal zwei Schritte zurück.

An welcher Stelle wird ein "Konzept: Troll" zum "Troll (Regelkonstrukt)"?
Das klingt jetzt schwach, nur ist der Unterschied zwischen "Troll" und "Regeln für einen Troll" in der Methodik sitzend.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: 6 am 25.07.2013 | 16:04
Und wie würde das gleiche Beispiel fiktionsgetrieben aussehen? Doch genauso, oder? Ich weiß um eine Eigenschaft der Situation, und nutze diese.
Nope. "Der Oger ist meist dumm. Okay. Vielleicht können wir ihn überreden. Also..." (Wenn ich mich noch richtig erinnere gibt es keine expliziten Regeln für das Überreden eines Gegners über eine Mindpower im Kampf (ausser DMG S.42). Nur die Möglichkeit des Einschüchterns ohne Power bei blutigen Gegner. )
Oder "Der Oger ist meist dumm. Hey Oger! Hinter Dir! und danach versuche ich ihn von hinten zu erstechen." (In D&D4 verlierst Du bei einer normalen Finte den Angriff für eine Runde. Ausser Du hast eine Power der Dir den Vorteil gibt)
Zitat
Vor allem aber widerspricht dies doch deiner obigen Aussage man würde unabhängig von der Fiktion die Aktionen wählen. Wie passt dass den zu "mhh - wenn ich weiß das mein Gegner folgende Eigenschaft hat dann...."?
Du wählst eine Power, nach deren Regelansatz. Es ist dabei egal wie der Fluff genau aussieht. Wenn auf der Power steht, Du stunnst den Gegner, dann wird sie einfach genommen und nicht weiter auf die genaue Situation in der Fiktion geachtet.
Zitat
Oder wird eine Eigenschaft in dem Moment nicht mehr Fiktion sobald es sie als Regelelement gibt? Wir könnten das gleiche mit dem Schleichenbeispiel durchführen - ich weiß dass ich auf Gegner treffen könnte und sie mit schleichen umgehen könnte. Dies ist die Fiktion. Wenn mir das System Regeln anbietet das zu tun so wird das ganze ja noch nicht regelgetrieben deshalb, es unterstützt nur die Umsetzung dieser Fiktion.
Nein. Aber in dem Moment wenn die Regeln einen Lösungsansatz vorgeben, wirst Du von den Regeln getrieben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 25.07.2013 | 16:59
Aber in dem Moment wenn die Regeln einen Lösungsansatz vorgeben, wirst Du von den Regeln getrieben.

Ich denke da sind wir uns ja durchaus einig.

Nur: Ich sehe schon noch einen Unterschied darin wenn die Regeln mir 10 Lösungsansätze vorgeben aus denen ich einen auswähle (oder eigene hinzufüge indem ich improvisier) als wenn die Regeln nur einen Lösungsansatz kennen.

Das Beispiel mit den Finten trifft es doch ganz gut, wenn ich 3 verschiedene Finten im Regelwerk habe, davon lockt die eine den Gegner in eine ungünstige Position, die andere gibt mir einen Vorteil für den nächsten Angriff und die dritte lässt ihn danebenhauen so habe ich Auswahl. Und bin näher an fiktionsgetriebenem Spiel als wenn ich nur eine Finte hätte die immer das gleiche tut, oder gar nur einen Angriff der immer das gleiche tut.

Sprich: Je größer die Auswahl an möglichen Aktionen ist, und umso einfacher sie erweiterbar ist durch neue Aktionen umso näher bin ich an der Fiktion.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Wormys_Queue am 25.07.2013 | 19:21
Das Beispiel mit den Finten trifft es doch ganz gut, wenn ich 3 verschiedene Finten im Regelwerk habe, davon lockt die eine den Gegner in eine ungünstige Position, die andere gibt mir einen Vorteil für den nächsten Angriff und die dritte lässt ihn danebenhauen so habe ich Auswahl. Und bin näher an fiktionsgetriebenem Spiel als wenn ich nur eine Finte hätte die immer das gleiche tut, oder gar nur einen Angriff der immer das gleiche tut.

Das ist die Frage (und meiner Vermutung nach Teil vieler Streitereien). Ich sehe es beispielsweise genau andersherum. In einem System, dass nur eine Art der Finte kennt (die gerne noch entsprechend abstrahiert werden darf), ist die Regel von der Fiktion weitestgehend entkoppelt, was mir als Spieler die Freiheit gibt, sie auf 1000 und eine unterschiedliceh Art zu beschreiben. Habe ich aber genau definierte unterschiedliche Arten von Finten, dann ist da nicht nur vorgegeben, dass ich eine mache, sondern auch das dabei herumkommende Ergebnis. Das kann es unter Umständen sogar erschweren, andere Arten von Finten ins Spiel einzubringen, weil es für diese keine Regel gibt.

Die Frage stellt sich also, ob 10 Lösungsansätze in Bezug auf die Fiktion wirklich besser funktionieren, als nur einer. (Vorsicht: Beispiel) Wenn ich sage: Es gibt Autos, mache ich keine Aussage über seine Farbe, es kann also jede beliebige Farbe haben. Wenn ich sage: Es gibt rote, gelbe und blaue Autos, schließe ich damit implizit grüne und andersfarbige Autos aus.

Das eigentlich wichtige aber ist: In einem fiktionsgetriebenen Spiel gibt es vielleicht gar keine Regeln für Finten. Man macht sie einfach, weil sie gerade in die Fiktion passen. Oder falls es eine Regel gibt, beschreibt der Spieler vielleicht eine Finte, obwohl er die entsprechende Regel gar nicht einzusetzen gedenkt, bzw. kann. Und der SL spinnt (in Abhängigkeit vom Angriffsergebnis) die Fiktion weiter, in dem er den Gegner auf die Finte hereinfallen lässt oder eben nicht.

Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 09:38
Das ist die Frage (und meiner Vermutung nach Teil vieler Streitereien). Ich sehe es beispielsweise genau andersherum. In einem System, dass nur eine Art der Finte kennt (die gerne noch entsprechend abstrahiert werden darf), ist die Regel von der Fiktion weitestgehend entkoppelt, was mir als Spieler die Freiheit gibt, sie auf 1000 und eine unterschiedliceh Art zu beschreiben. Habe ich aber genau definierte unterschiedliche Arten von Finten, dann ist da nicht nur vorgegeben, dass ich eine mache, sondern auch das dabei herumkommende Ergebnis. Das kann es unter Umständen sogar erschweren, andere Arten von Finten ins Spiel einzubringen, weil es für diese keine Regel gibt.

Das Stichwort hierfür ist Relevanz. Fraglos kann ich auch wenn es nur eine Finte gibt die mir (beispielsweise) einen Abstrakten Bonus gibt diese so beschreiben als ob der Gegner ins stolpern kommt und hinfällt. Nur hinfallen tut er nicht, ich bekomme einfach nur den Bonus. Ich kann auch nicht unterscheiden ob er nun deshalb auf die Finte reinfiel weil sie besonders trickreich, oder besonders geschickt ausgeführt war, oder weil er anfällig dagegen war. Obwohl ich diese Dinge beschreiben kann fehlt ihnen die Relevanz, die Beschreibung hätte keine Auswirkungen. Genau hier liegt ja das angesprochene Problem Regelgetriebener Spiele. Da die Beschreibung keine Auswirkung hat wird sie auch leicht weggelassen, oder beschränkt sich auf die wenigen definierten Dinge.

Ich kann nun als Spielleiter den Beschreibungen dennoch wieder Auswirkungen geben. Aber auch dies geht natürlich leichter wenn das System bereits Vorlagen gibt an denen man sich orientieren kann. Um bei deinem Beispiel zu bleiben: wenn ich weiß das Autos Farben haben können ist es einfacher neue Autos in Farbe einzubauen. Einfacher als wenn die Welt nur schwarz und weiß wäre. Und dann ist es auch einfacher das Cabrio einzubauen, den Monster Truck und das Motorrad. Weil ich ihre Eigenschaften explizit beschreiben kann und nicht nur die abstrakte Überkategorie Fahrzeuge habe.

Um Fiktionsgesteuert zu spielen braucht die Fiktion Relevanz, müssen die Aktionen der Protagonisten unterschiedlich sein können und unterschiedliche Ergebnisse haben können, abhängig von der Situation. Je mehr umso besser. Für die Vielfalt ideal ist natürlich komplette Regelfreiheit, doch diese hat auch den Nachteil keine Inspiration bieten zu können, keine Vorschläge zu machen wie man etwas regelt. Ich komme ja aus der komplett regellosen Rollenspielecke - die dann tatsächlich zu 100% fiktionsgetrieben ist. Vielleicht trübt das den Blick auf die Beschreibbarkeit von Systemen die Aktionen stark abstrahieren. Aber ich habe sie nie so recht gesehen, habe nie gesehen dass dieser Ansatz beim Charakterspiel helfen könnte. Im Gegenteil, oft war es ein sehr wesentlicher Hinderungsgrund.

Obwohl dies fur mich wie oben beschrieben ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal ist. Wie gut kann ich meinen Charakter ausspielen, wie hilft mir das System dabei. Balancing, und ob ein System mit Powergamern klarkommt ist nur ein Aspekt dabei, auch wenn ich sagen würde das ein gut ausbalanciertes System Charaktervielfalt und damit Charakterspiel fördert.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 10:00
Ich kann auch nicht unterscheiden ob er nun deshalb auf die Finte reinfiel weil sie besonders trickreich, oder besonders geschickt war. Obwohl ich diese Dinge beschreiben kann fehlt ihnen die Relevanz, die Beschreibung hätte keine Auswirkungen. Genau hier liegt ja das angesprochene Problem Regelgetriebener Spiele. Da die Beschreibung keine Auswirkung hat wird sie auch leicht weggelassen.
(kursiv in Zitat von mir) Aber sie muss nicht weggelassen sein. Man könnte die Fiktion auch mit beliebiger Beschreibung füllen. An der Stelle arbeitet eben die von mir angesprochene Schnittstelle. Die Frage ist dann nur, ob die dichterische Freiheit (die man dann hat, weil die "Übersetzungen" vielfältig sein können) bemüht wird oder ob die nackten Tatsachen für das (eigentliche) Spielen reichen. Ich glaube, diejenigen, die von der stark regelgetriebenen Spielen sprechen, beziehen sich am stärksten gerade an diese Tatsache - das die freiwillige blumige "Übersetzung" des Regeltechnischen oft unter den Tisch fällt. Aber das fußt eher an der Vorliebe (und Bequemlichkeit? Zeitmangel?) als daran, dass es "verboten" wäre.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 10:08
(kursiv in Zitat von mir) Aber sie muss nicht weggelassen sein. Man könnte die Fiktion auch mit beliebiger Beschreibung füllen.

Beliebig würde ich schon hinterfragen. Das Beispiel mit dem als hingefallen beschriebenem Charakter der nicht in der Regelmechanik hinfällt zeigt dies ja sehr schön. Ich kann es zwar so beschreiben, löse damit aber die Beschreibung aus der gemeinsamen Fiktion auch heraus wenn die folgenden Aktionen nicht dazu passen.

"beliebig" gilt dort eben nur noch für Dinge die der folgenden Fiktion, den folgenden Aktionen nicht widersprechen.

Zum Beispiel kann ich keine Finte glaubwürdig beschreiben die den Gegner zwischen mich und meinen Verbündeten bringt - wenn dieser Gegner anschließend nicht zwischen uns beiden ist. Es ist also nicht nur Bequemlichkeit die dafür sorgt das irrelevante Beschreibungen oft weggelassen werden. Es ist auch der Punkt dass sie der gemeinsamen Fiktion leicht widersprechen können.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 10:17
Zum Beispiel kann ich keine Finte glaubwürdig beschreiben die den Gegner zwischen mich und meinen Verbündeten bringt - wenn dieser Gegner anschließend nicht zwischen uns beiden ist.
Selbstverständlich nicht. Das wäre eben falsche Übersetzung. Die Schnittstelle muss schon funktionieren. Ich meinte "beliebig" innerhalb der vorhandenen Parametern. Ob ich die Anrede "Honey" als "Schatzi" oder "Mausi" übersetze, ist in dem Zusammenhang egal, aber ich kann es doch nicht als "Hey, du da!" übersetzen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 10:20
Klar, innerhalb der Parameter die diese abstrahierte Regelumsetzung dann setzt geht es.

Aber das ist ja gerade der Punkt. Mit weniger abstrahierten, und detaillierteren Umsetzungen kann man aus diesem Rahmen leichter ausbrechen. Es ist der bessere Weg Beschreibungen Relevanz zu geben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 10:31
Selbstverständlich nicht. Das wäre eben falsche Übersetzung. Die Schnittstelle muss schon funktionieren. Ich meinte "beliebig" innerhalb der vorhandenen Parametern. Ob ich die Anrede "Honey" als "Schatzi" oder "Mausi" übersetze, ist in dem Zusammenhang egal, aber ich kann es doch nicht als "Hey, du da!" übersetzen.

Wischi-Waschi-Ansatz.
Wenn man den Beschreibungen eine Relevanz zuspricht, dann gibt es dieses Übersetzungsproblem nicht.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 10:42
Wenn man den Beschreibungen eine Relevanz zuspricht, dann gibt es dieses Übersetzungsproblem nicht.
Ich glaube, Du bist hier jetzt an einer anderen Stelle als Ardwulf und ich. Wenn es regeltechnisch nicht möglich ist, nach einer Finte das Opfer zwischen zwei Gegner zu haben, damit man Überzahlbonus bekommt, dann darf die Übersetzung aus dem regeltechnischen in der Fiktion diese Tatsache nicht schaffen. Und wenn man die Richtung von Regeln zu Fiktion geht, sind die Regel die bestimmende Fraktion. Die Fiktion kriegt nur die Übersetzung mit und sie kann eigentlich nur die "Inhalte" haben, die weiterhin in der Regelecke Gültigkeit haben.
Das Gleiche gilt selbstverständlich spiegelverkehrt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 10:52
Und bevor die Frage aufkommt was das ganze noch mit Powergaming und Qualität von Rollenspielsystemen zu tun hat (kommt sie bei mir durchaus ^^):

Sowohl ein System welches anfällig für Powergaming ist, oder allgemein schlechte Balance hat, als auch eines das die möglichen relevanten Auswirkungen von Aktionen stark begrenzt sorgen dafür das die Vielfalt der gespielten Charakterkonzepte abnimmt. In beiden Fällen gibt es eine (wenn auch weiche) Einschränkung dessen was man ausspielen kann.

Ist ein Charakterkonzept deutlich stärker als ein anderes ohne dass der entsprechende Charakter vom System auch so behandelt wird (also beispielsweise auch eine höhere Stufe hat) so schränkt dies die Fiktion ein. Ich kann dann die Beziehung der Charaktere zueinander schlechter ausspielen - im Extremfall kann dies so weit gehen dass sie eigentlich keinen Grund mehr haben zusammen Aufgaben anzugehen. Oder das bestimmte Charakterkonzepte nicht mehr verfolgt werden.

Und den gleichen Effekt habe ich im kleinem, wenn Aktionen eingeschränkt werden. Auch dies führt zu einer limitierten Fiktion bei der nur noch bestimmte Spielelemente tatsächliche Relevanz haben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 11:25
Sowohl ein System welches anfällig für Powergaming ist, oder allgemein schlechte Balance hat, als auch eines das die möglichen relevanten Auswirkungen von Aktionen stark begrenzt sorgen dafür das die Vielfalt der gespielten Charakterkonzepte abnimmt. In beiden Fällen gibt es eine (wenn auch weiche) Einschränkung dessen was man ausspielen kann.

Ist ein Charakterkonzept deutlich stärker als ein anderes ohne dass der entsprechende Charakter vom System auch so behandelt wird (also beispielsweise auch eine höhere Stufe hat) so schränkt dies die Fiktion ein.

(http://www.2w10.de/bilder/smilies/eusa_think.gif) Hm, kann man schon jetzt die Schlussfolgerung daraus ziehen? Ich meine, von Gefühl her geht es zwar in die richtige Richtung und für stufenbasierte Systeme würde ich auch zustimmen, aber... Wie ist es aber mit Systemen, die nicht stufenbasiert sind? Da ist die Varianz noch ziemlich groß. Da kann ein Chara, der viel weniger Aufbaupunkte verbraucht hat, powergamermäßig in dem einen Abenteuer voll rocken und der mit ganz viel Aufbaupunkten total schwächeln, weil das Abenteuer nicht die Bereiche anspricht, die derjenige mit mehr Aufbaupunkten bei sich vertieft hat. Und in dem nächsten Abenteuer der gleichen Kampagne kann es wieder kippen. Wie will man dann da die Powergamer darauf loslassen, damit sie was vernünftiges sagen? Ich habe das Gefühl, dass uns noch etwas wichtiges fehlt, irgendeine Information ist noch unter dem Horizont, die wir noch brauchen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 11:45
Ich glaube, Du bist hier jetzt an einer anderen Stelle als Ardwulf und ich. Wenn es regeltechnisch nicht möglich ist, nach einer Finte das Opfer zwischen zwei Gegner zu haben, damit man Überzahlbonus bekommt, dann darf die Übersetzung aus dem regeltechnischen in der Fiktion diese Tatsache nicht schaffen. Und wenn man die Richtung von Regeln zu Fiktion geht, sind die Regel die bestimmende Fraktion. Die Fiktion kriegt nur die Übersetzung mit und sie kann eigentlich nur die "Inhalte" haben, die weiterhin in der Regelecke Gültigkeit haben.
Das Gleiche gilt selbstverständlich spiegelverkehrt.

Ich denke nun mal über mehr nach als die reine Simulation und bedenke auch regeln die keinen Simulationsanspruch erfüllen können oder sollen. Die machen ja auch nicht das ganze Spiel aus.

(http://www.2w10.de/bilder/smilies/eusa_think.gif) Hm, kann man schon jetzt die Schlussfolgerung daraus ziehen? Ich meine, von Gefühl her geht es zwar in die richtige Richtung und für stufenbasierte Systeme würde ich auch zustimmen, aber... Wie ist es aber mit Systemen, die nicht stufenbasiert sind? Da ist die Varianz noch ziemlich groß. Da kann ein Chara, der viel weniger Aufbaupunkte verbraucht hat, powergamermäßig in dem einen Abenteuer voll rocken und der mit ganz viel Aufbaupunkten total schwächeln, weil das Abenteuer nicht die Bereiche anspricht, die derjenige mit mehr Aufbaupunkten bei sich vertieft hat. Und in dem nächsten Abenteuer der gleichen Kampagne kann es wieder kippen. Wie will man dann da die Powergamer darauf loslassen, damit sie was vernünftiges sagen? Ich habe das Gefühl, dass uns noch etwas wichtiges fehlt, irgendeine Information ist noch unter dem Horizont, die wir noch brauchen.

Hier fehlt das Ziel oder zumindest die Rahmenbedingungen. Rollenspiel an sich kommt selten ohne Ziele aus, seien es Endziele oder Zwischenziele, zudem gibt es selten keine Rahmenbedingungen wie Setting oder Kampagne. Hier entsteht dann auch die Messlatte.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 11:54
(http://www.2w10.de/bilder/smilies/eusa_think.gif) Hm, kann man schon jetzt die Schlussfolgerung daraus ziehen? Ich meine, von Gefühl her geht es zwar in die richtige Richtung und für stufenbasierte Systeme würde ich auch zustimmen, aber... Wie ist es aber mit Systemen, die nicht stufenbasiert sind? Da ist die Varianz noch ziemlich groß. Da kann ein Chara, der viel weniger Aufbaupunkte verbraucht hat, powergamermäßig in dem einen Abenteuer voll rocken und der mit ganz viel Aufbaupunkten total schwächeln, weil das Abenteuer nicht die Bereiche anspricht, die derjenige mit mehr Aufbaupunkten bei sich vertieft hat. Und in dem nächsten Abenteuer der gleichen Kampagne kann es wieder kippen. Wie will man dann da die Powergamer darauf loslassen, damit sie was vernünftiges sagen? Ich habe das Gefühl, dass uns noch etwas wichtiges fehlt, irgendeine Information ist noch unter dem Horizont, die wir noch brauchen.

Fiktion ist immer auch Situationsbeschreibung, insofern bist du dort eigentlich durchaus bei der gleichen Argumentation die es weiter oben im kleinerem gibt. Wenn abhängig von der Situation verschiedene Aktionen (oder in diesem Fall Charakterkonzepte die verschiedene Aktionen machen) sinnvoller sein können als andere dann gibt man dieser Situationsbeschreibung (und damit der Fiktion) Relevanz.

Probleme gibt es eben erst dort wo die gewünschte Fiktion und die von den Regeln dargestellte Fiktion nicht mehr zusammenpassen. Beispiele dafür wären:


Alle drei Beispiele haben die Gemeinsamkeit dass sie entweder einen Unterschied zwischen der Vorstellung von der Situation und dem Geschehen am Spieltisch schaffen - oder diese Vorstellung einschränken damit diese Distanz nicht vorhanden ist. Spiele ich Bert den Schloßknacker, aber alle Schlösser werden durch Julius den Magier der noch viel mehr kann per Fingerschnippen geöffnet, so verliert das Charakterkonzept von Bert an Relevanz. Ich kann dies abfangen indem ich sage: Ist halt so!

Und in Kauf nehmen das dies die Fiktion - die möglichen Geschichten die entstehen können und die möglichen Charakterkonzepte - einschränkt. Oder aber sagen: Ne, ist nicht so - und dafür sorgen dass Julius eben nicht mehr alle Schlösser per Fingerschnippen öffnet so dass Berts Charakterkonzept Relevant bleibt.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 12:34
Hier fehlt das Ziel oder zumindest die Rahmenbedingungen. Rollenspiel an sich kommt selten ohne Ziele aus, seien es Endziele oder Zwischenziele, zudem gibt es selten keine Rahmenbedingungen wie Setting oder Kampagne. Hier entsteht dann auch die Messlatte.
Genau das ist doch der springende Punkt. Wie sollen Powergamer beurteilen, wie gut ein Spiel ist, wenn sich die Ziele widersprechen? (Banales Beispiel: viel Zeit mit der Familie verbringen, viel Geld verdienen. Zwei einfache Ziele. Wenn man mehr Zeit mit der Familie verbringt, verdient man weniger Geld. Wenn man mehr Geld verdient, verbringt man weniger Zeit mit der Familie. - Wie soll man solche Fragen powergamermäßig auflösen?

Beispiele dafür wären
...
Und in Kauf nehmen das dies die Fiktion - die möglichen Geschichten die entstehen können und die möglichen Charakterkonzepte - einschränkt.
Ich bezog mich eher auf andere Sachen. Nehmen wir eine Kampagne in Infinite World (ein Abenteuer in der Vergangenheit, ein Abenteuer in Weltall, ein Abenteuer in einer Fantasy-Welt. Jeder der drei Charas kommt aus einer der Welten und powergamermäßig kann er auch jeweils in einem der Welten richtig rocken, dafür aber ist er in den anderen Welten eine Lusche. Der vierte Chara ist der Powergamer, der die Regel prüfen soll - wie soll er angelegt werden? So, dass er auf allen Welten besser ist als die zwei anderen? Aber dann loost er gegenüber dem einen total ab. Oder soll er noch viel besser sein als einer von denen - dann ist er der beste in einer Welt, aber in den anderen Welten unfähig. Jetzt unabhängig davon, ob er mehr oder weniger Aufbaupunkte als die anderen haben.
Ich hoffe, ich habe die Beispiele noch einfach genug gehalten, damit wir keine Nebenschauplätze aufmachen. Ich hoffe, dass ich es gut genug erklärt habe, damit klar ist, worauf ich hinaus will.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Feuersänger am 26.07.2013 | 12:41
viel Zeit mit der Familie verbringen, viel Geld verdienen. Zwei einfache Ziele. Wenn man mehr Zeit mit der Familie verbringt, verdient man weniger Geld. Wenn man mehr Geld verdient, verbringt man weniger Zeit mit der Familie. - Wie soll man solche Fragen powergamermäßig auflösen?

Da sieht man mal wieder, du denkst viel zu eng. Der Powergamer friert die Familie ein, verdient einen Haufen Geld, verjüngt sich dann mittels Leonization, taut die Familie wieder auf und verbringt den Rest der Zeit mit ihr.  ;D
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 12:45
taut die Familie wieder auf und verbringt den Rest der Zeit mit ihr.  ;D
:d Perfekt!
Leider war es nur ein Beispiel.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 12:51
Ich bezog mich eher auf andere Sachen. Nehmen wir eine Kampagne in Infinite World (ein Abenteuer in der Vergangenheit, ein Abenteuer in Weltall, ein Abenteuer in einer Fantasy-Welt. Jeder der drei Charas kommt aus einer der Welten und powergamermäßig kann er auch jeweils in einem der Welten richtig rocken, dafür aber ist er in den anderen Welten eine Lusche. Der vierte Chara ist der Powergamer, der die Regel prüfen soll - wie soll er angelegt werden? So, dass er auf allen Welten besser ist als die zwei anderen? Aber dann loost er gegenüber dem einen total ab. Oder soll er noch viel besser sein als einer von denen - dann ist er der beste in einer Welt, aber in den anderen Welten unfähig. Jetzt unabhängig davon, ob er mehr oder weniger Aufbaupunkte als die anderen haben.
Ich hoffe, ich habe die Beispiele noch einfach genug gehalten, damit wir keine Nebenschauplätze aufmachen. Ich hoffe, dass ich es gut genug erklärt habe, damit klar ist, worauf ich hinaus will.

Ich würde sagen die Antwort darauf ist: Weder noch.

Die Aufgabe des Powergamers wäre es hierbei zu prüfen inwieweit die Unterschiede zwischen einem in einer der Welten "starken" Charakter und einem "schwachen" Charakter so extrem werden können dass sie das Spiel negativ beeinflussen.

Sprich in der Ursprünglichen Vorstellung von den Welten ist beispielsweise der Charakter in der "passenden" Welt doppelt so stark wie ein "unpassender". Die Aufgabe des Powergamers - oder sagen wir besser "Regeltesters" wäre nun zu schauen: Kann der auch 5 mal so stark sein? 10x?

Oder kann auch ein Charakter die Nische eines anderen "stehlen", ohne dass dies beabsichtigt war, und dann in zwei Welten der beste sein? Es geht also um die Frage nach der Veränderlichkeit des Gleichgewichts - wie sehr kann man das in der Fiktion bestehende durch Regeloptimierung verändern und eine Distanz zwischen Fiktion und Regelmechanik schaffen.

Um das an deinem Beispiel darzustellen:

Nehmen wir mal an jeder der 3 hat eine bestimmte Stärke und eine Schwäche. Der Fantasyweltcharakter ist ein Magier und kann Zaubern, doch seine Zauber funktionieren in den anderen beiden Welten nicht.
Der Sci-Fi Charakter hat umfassendes technisches Wissen über modernste Technologie - doch diese existiert in den anderen beiden Welten nicht.
Der Vergangenheitscharakter weiß alles über Schwertkampf und höfisches Verhalten - doch dies ist in den anderen Welten kaum mehr gefragt.

Und jetzt kommt dein Powergamer und sucht sich einen dieser Charaktere aus.

Zum Beispiel den Sci-Fi Technikcharakter. Zur Optimierung nimmt er sich eine Waffe mit die keine Ersatzteile braucht, und ihre Energie aus in allen drei Welten vorhandenen Ressourcen holt. Dies sorgt dafür dass er dem Charakter aus der Vergangenheit nun doch auch in dessen Welt überlegen ist. Er bringt seine Überlegenheit einfach mit, und sorgt dafür dass sie auch dort funktioniert wo sie nicht vorgesehen war.
Als nächstes nimmt er nun beispielsweise den Magier und besucht die Sci-Fi Welt. Das ganze ist sehr interessant. Nun kehrt er zurück in seine Welt in der er zaubern kann und wünscht sich mit seiner Magie alles zu verstehen was in der Sci-Fi Welt an Technik existiert. Stiehlt also die Stärke des Technikcharakters und macht sie zu seiner eigenen. Und ist damit plötzlich in allen 3 Welten besser als die anderen beiden.

Immer vorrausgesetzt das System lässt solche Dinge zu. Die Überlegung bezüglich dem Powergamer ist also dass dieser eher Dinge findet die so nicht geplant waren aber die angedachte Fiktion brechen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Pyromancer am 26.07.2013 | 13:00
Ich bezog mich eher auf andere Sachen. Nehmen wir eine Kampagne in Infinite World (ein Abenteuer in der Vergangenheit, ein Abenteuer in Weltall, ein Abenteuer in einer Fantasy-Welt. Jeder der drei Charas kommt aus einer der Welten und powergamermäßig kann er auch jeweils in einem der Welten richtig rocken, dafür aber ist er in den anderen Welten eine Lusche. Der vierte Chara ist der Powergamer, der die Regel prüfen soll - wie soll er angelegt werden? So, dass er auf allen Welten besser ist als die zwei anderen? Aber dann loost er gegenüber dem einen total ab. Oder soll er noch viel besser sein als einer von denen - dann ist er der beste in einer Welt, aber in den anderen Welten unfähig. Jetzt unabhängig davon, ob er mehr oder weniger Aufbaupunkte als die anderen haben.
Ich hoffe, ich habe die Beispiele noch einfach genug gehalten, damit wir keine Nebenschauplätze aufmachen. Ich hoffe, dass ich es gut genug erklärt habe, damit klar ist, worauf ich hinaus will.

Man lässt den Powergamer einfach machen, der findet schon was.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 13:01
Es geht also um die Frage nach der Veränderlichkeit des Gleichgewichts - wie sehr kann man das in der Fiktion bestehende durch Regeloptimierung verändern und eine Distanz zwischen Fiktion und Regelmechanik schaffen.
Ja, aber das meine ich doch. Wie beurteilt man es, wenn es kein Gleichgewichtspunkt gibt? Nicht geben kann, weil die ganze Sache zum Vergleich zwischen Birnen und Äpfeln mutiert.
Klar, bei Rollenspielen, bei denen es diesen Gleichgewichtspunkt gibt, weil das Ziel oder die Ziele darauf hinarbeiten, da funktioniert es perfekt. Da werden die Powergamer die Schwachstellen erwischen und hilfreich sein. Bei den anderen werden sie aber (höchstwahrscheinlich) versagen, weil man höchstens immer nur eine Untermenge mit ihnen prüfen könnte. Und bei einer entsprechend hoher Untermengenanzahl versagt das System, weil man keine gemeinsamen Nenner findet, denn jeder Spieler findet sich selbst auf einer anderen Stelle in der Skala des Messsystems.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 13:04
@Arldwulf:

Nicht nur Regeloptimierung und "Stärke" zählen. Vergiss bitte nicht das hier die Definition für Powergamer anders ist, nämlich "Jemand der aktiv das Spiel mitspielt und vorantreibt". Stärke und Regeloptimierungen sind dabei nur Folgen des genutzten Systems, nicht aber die Quintessenz dessen.
Auch der optimierteste Charakter treibt das Spiel nicht voran, wenn der Spieler dahinter keine Ahnung hat was er tut. Es geht also darum, machbare Grenzen auszuloten und diese Erkenntnisse dann zu nutzen, auch abseits der Regeln.

@gunware:

Du hast das Grundprinzip hier nicht verstanden. Ziele sind systeminherent und recht klar formuliert, etwa XP sammeln um sich zu verbessern. Wenn die Prämisse Kampf -> XP -> Stufenaufstieg ist, dann ist dies das Ziel. Wenn HP = 0 = Charaktertod ist, ist dies ein Ziel (das es zu vermeiden gilt). Ein Powergamer sieht wo in einem Spiel diese Ziele liegen oder welche Handlungen in diesen Zielen näher bringt. Diese Punkte gilt es zu erforschen, zu validieren und dann zu benutzen. Die Fiktion dahinter ist, gelinde gesagt, zweitrangig hinter diesen inherenten Zielen.
Das kann man erweitern um Fiktions-Ziele. Schaffe ich es, mit meinen Handlungen, die Fiktion voran zu treiben, ist die ein Ziel. Werde ich dafür belohnt, ist es ein inherentes Ziel. Bedenke doch einfach mal, welche Aktionen bei deinem Haussystem ein positives Feedback auslösen (Belohnung) und beobachte dabei wie deine Spieler reagieren.

Du spielst ShadowRun, also kennst du die Karma-Regeln. nehmen wir diese doch als Beispiel her. Du hast klare Definitionen, welche Handlungen (abstrakt oder konkret) Karma einbringen: Mission geschafft, Ziele erfüllt, "Gutes Rollenspiel", "Mut gezeigt" usw usw. Wenn wir nach diesen Regeln spielen und diese begreifen, will bedeuten dass der Meister dahinter kein Depp ist der seine eigenen Realitätsvorstellungen einfließen lässt, so könnte ein Powergamer, der die gleiche Tabelle kennt, sich dahinterklemmen und bis zu 11 Punkte Karma pro Run "erarbeiten".
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 13:06
Ich habe oben mal noch ein Beispiel eingebracht.

Und klar..."Stärke" ist hier als sehr abstraktes Konstrukt gemeint und kann auch Dinge enthalten wie "der Spieler dieses Charakters ist sehr gut darin die Story fortzutreiben"

Deshalb fände ich den Begriff "Systemtester" besser. Wie du schon sagst, es geht um das ausloten der Grenzen des Systems.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 13:22
Du hast das Grundprinzip hier nicht verstanden.
...
Ein Powergamer sieht wo in einem Spiel diese Ziele liegen oder welche Handlungen in diesen Zielen näher bringt. Diese Punkte gilt es zu erforschen, zu validieren und dann zu benutzen.

Wie du schon sagst, es geht um das ausloten der Grenzen des Systems.

Das heißt, der Powergamer (oder Systemtester) ist nur dafür da, um sich ein Ziel aus den allen möglichen auszusuchen und diesen dann ohne Rücksicht auf Verluste zu verfolgen?
Dann das nächste Ziel usw.?

Wie bring man dann eigentlich aber die erworbene Kenntnisse zusammen? Je mehr mögliche Ziele das Spiel hat, desto einfacher kann es doch passieren, dass eins von den Zielen übersehen wurde und leider könnte es auch passieren, dass es die anderen Ziele beeinflussen könnte.
...  Hm. Hm. Ich glaube, das wäre schon jammern auf hohem Niveau. Ihr habt recht, für einzelne Ziele müsste es funktionieren. Für ganzes Spiel könnte es zwar immer noch Schwachstellen haben, aber die Probleme dürften eigentlich nicht so gravierend sein.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 26.07.2013 | 13:28
Es gibt dort ja auch nicht nur gut und schlecht, sondern feine Abstufungen. Je weniger Lücken im System gefunden werden (vom Lückenimsystemfinder den ich ungern Powergamer nennen mag weil dies die falschen Assoziationen weckt) können und umso mehr Dinge wie geplant funktionieren (auch hierfür braucht man jemanden der mit etwas Aufwand und bedacht an das ganze heran geht) umso besser. Aber das heißt nicht dass alles gleich schlecht ist nur weil es derartige unbedachte Auswirkungen gibt, wenn dies nur wenige sind kann man meist gut darüber hinweg sehen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 13:33
Aber das heißt nicht dass alles gleich schlecht ist nur weil es derartige unbedachte Auswirkungen gibt, wenn dies nur wenige sind kann man meist gut darüber hinweg sehen.
Selbstverständlich. Das meinte ich mit dem Jammern auf hohen Niveau. Das ist das Problem damit, wenn man über ein Problem nachdenkt, dann vergisst man manchmal, dass es nicht um die Rettung der Welt sondern nur um ein bestimmtes Problem geht. Da gehen manchmal die Pferde mit einem durch.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 13:46
Das heißt, der Powergamer (oder Systemtester) ist nur dafür da, um sich ein Ziel aus den allen möglichen auszusuchen und diesen dann ohne Rücksicht auf Verluste zu verfolgen?
Dann das nächste Ziel usw.?

Wie bring man dann eigentlich aber die erworbene Kenntnisse zusammen? Je mehr mögliche Ziele das Spiel hat, desto einfacher kann es doch passieren, dass eins von den Zielen übersehen wurde und leider könnte es auch passieren, dass es die anderen Ziele beeinflussen könnte.
...  Hm. Hm. Ich glaube, das wäre schon jammern auf hohem Niveau. Ihr habt recht, für einzelne Ziele müsste es funktionieren. Für ganzes Spiel könnte es zwar immer noch Schwachstellen haben, aber die Probleme dürften eigentlich nicht so gravierend sein.

Man kann z.B. seinen "Nullpunkt" überdenken, bzw. sich Gedanken über Varianz machen.
So kommt auf diese Art z.B. heraus wenn ein Skill, eine Handlung oder eine Options-Wahl stärker ist als alle anderen und/oder ein Powergamer dieses genannte Ding immer wählen wird weil es "Gewinn" verspricht.
Nehmen wir Shadowrun und Agility, an diesem einem Attribut hängt so vieles, das es der Sau graust. Ein Powergamer entdeckt diesen Zusammenhang und man lernt daraus dass kein Powergamer unter Agi4 starten würde, weil es sich nicht lohnt. Die Erkenntnis daraus ist, das Agility zu stark ist im Vergleich zu anderen Attributen.
Was man daraus ableitet, ist eine andere Sache. Wäre Balance ein Gedanke, könnte man z.B. Agi steigern teurer machen als andere Attribute.

Anders formuliert, ebenfalls Shadowrun: Ein gelernte Regel und spätere Anpassung könnte so aussehen: Ein Powergamer entdeckt dass man für einen Samurai immer mit Agi6, 3x Skillgruppe auf 6 und Cyber A, B und C starten muss um erfolgreich zu sein, zudem Waffe A und Granate B dabei haben sollte für maximalen Erfolg.
Die Erkenntnis daraus ist, dass man sich mal fragt ob "Schwierigkeit" an einem "Normalen Menschen" oder diesem "Normalen Samurai" gemessen werden sollte.

Wenn man auf "Balance" steht, was ich nicht tue, kommt es aber darauf an zu sehen wo der Powergamer den besten Kosten-Nutzen-Faktor sieht und dies gegen Null zu modifizieren.

Oder, um ein ganz anderes Beispiel zu nennen, wenn es gewinnbringender erscheint den meister vollzulabern anstatt Punkte in Diplomatie oder Schmeicheln zu packen.
Oder, um abstrakt zu sein, wenn wir ein Abenteuer mit einem Leitmotiv und ein Spieler dieses Leitmotiv kennt, soll er belohnt werden?
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 13:56
So kommt auf diese Art z.B. heraus wenn ein Skill, eine Handlung oder eine Options-Wahl stärker ist als alle anderen und/oder ein Powergamer dieses genannte Ding immer wählen wird weil es "Gewinn" verspricht.
Nehmen wir Shadowrun und Agility, an diesem einem Attribut hängt so vieles, das es der Sau graust. Ein Powergamer entdeckt diesen Zusammenhang und man lernt daraus dass kein Powergamer unter Agi4 starten würde, weil es sich nicht lohnt. Die Erkenntnis daraus ist, das Agility zu stark ist im Vergleich zu anderen Attributen.
Wenn man mehr magische als weltliche Runs spielt, verschiebt sich wiederum das Gleichgewicht und Magie kann wichtiger sein als Geschicklichkeit. Das war eigentlich einer der Punkte, die ich auch immer versuchte anzusprechen, aber jetzt verstehe ich, dass es so nicht gemeint war, dass man alles auf einmal lösen möchte, sondern immer wieder vergleichen und immer nur ein Ziel anvisieren.

EDIT: um bei Shadowrun zu bleiben. Wie sieht es bei Straßenkampagnen, wie sieht es bei magischen Runs, wie sieht es bei Weltrettungsmissionen, wie sieht es bei Besorgen von Prototypen, wie sieht es bei Wetwork, wie sieht es bei Spionageruns, usw usf. Immer wieder einzelne Ziele anvisieren und vergleichen, manchmal eine Sisyphusarbeit.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 14:15
Wenn man mehr magische als weltliche Runs spielt, verschiebt sich wiederum das Gleichgewicht und Magie kann wichtiger sein als Geschicklichkeit. Das war eigentlich einer der Punkte, die ich auch immer versuchte anzusprechen, aber jetzt verstehe ich, dass es so nicht gemeint war, dass man alles auf einmal lösen möchte, sondern immer wieder vergleichen und immer nur ein Ziel anvisieren.

EDIT: um bei Shadowrun zu bleiben. Wie sieht es bei Straßenkampagnen, wie sieht es bei magischen Runs, wie sieht es bei Weltrettungsmissionen, wie sieht es bei Besorgen von Prototypen, wie sieht es bei Wetwork, wie sieht es bei Spionageruns, usw usf. Immer wieder einzelne Ziele anvisieren und vergleichen, manchmal eine Sisyphusarbeit.

Denk mal an Karma und die Ziele und gewonnen Erkenntnisse.
Die Ziele sind doch, in Kurzfassung, immer noch: Überleben, Karma einsammeln und sich verbessern, Nuyen einsammeln und sich verbessern.
Diese Ziele ändern sich nicht, auch wenn sich die darum gesponnene Fiktion ändert. Spielen wir By The Rules, so spielt eben diese Fiktion keine Rolle, abgeschlossener Run 1 Karma, 2/3 aller Missionsziele erreicht, 1 Karma, usw. Zwischen den Fiktionszielen (Wetwork, Spionage, etc.) und den Regelzielen (Überleben und Karma) gibt es hier nur einen indirekten Zusammenhang.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 14:23
Zwischen den Fiktionszielen (Wetwork, Spionage, etc.) und den Regelzielen (Überleben und Karma) gibt es hier nur einen indirekten Zusammenhang.
Wieso indirekt? Indirekt nur dann, wenn Du viele Sachen unter den Tisch fallen lässt. Lebensstil, Connection, Ausrüstungsverfügbarkeit, usw. Es geht ja nicht nur um die reinen Charadaten. Bestimmte Fiktionsziele können bei dem Regelziel Überleben absolut entscheidend sein und verlangen andere regeltechnische Umsetzung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 14:28
Wieso indirekt? Indirekt nur dann, wenn Du viele Sachen unter den Tisch fallen lässt. Lebensstil, Connection, Ausrüstungsverfügbarkeit, usw. Es geht ja nicht nur um die reinen Charadaten. Bestimmte Fiktionsziele können bei dem Regelziel Überleben absolut entscheidend sein und verlangen andere regeltechnische Umsetzung.

Indirekt deswegen weil das Ziel auf einem Abstrakt beruht. Der Run. Die Ziele. Die Herausforderung. Die Leistung. Der Witz. Der Spaß.
Hierbei wird eben nicht die Fiktion bemessen sondern einzig und alleine die Regelebene.

Ich verstehe die Dinge, die du anführst und auch warum du sie anführst, nur sind diese eben auch in ein Abstrakt gegossen und entstehen nicht aus der Fiktion heraus.
Die Entscheidung für den Lebensstil wird willkürlich getroffen und willkürlich verändert. Ein Kontakt ist nur dann ein Kontakt wenn er nach allen Regeln (der Kunst) als solches aufgebaut ist, ansonsten ist es nur ein beliebiger NSC. Der NSC ist in der Fiktion verankert, die Connection in den Regeln. Der Lebensstil ist im Abstrakt verankert, nicht aber in der Fiktion.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 26.07.2013 | 14:40
Indirekt deswegen weil das Ziel auf einem Abstrakt beruht.
Sorry, ich glaube, ich habe jetzt ein Brett vorm Kopf.
An welcher Stelle mache ich Fehler?
(klar, es wäre viel komplexer, aber als Beispiel könnte es reichen. Um es noch einfacher zu halten, gehe davon aus, dass egal wie Du den Magier oder den Samurai erschaffst, es endet immer mit diesen Ergebnissen.)

Ziel: Überleben.

Regeltechnische Umsetzung:
Run 1 (Magier überlebt, Samurai stirbt.)
Run 2 (Samurai überlebt, Magier stirbt.)
So ist es abstrakt.

Gehen wir in die Fiktion:
Run 1 (Insektengeisternetzt ausräuchern.)
Run 2 (Drachen töten.)

Wie kann dann das Ziel nur indirekt von der Fiktion abhängig sein? (Und da haben wir den Decker noch total außer acht gelassen, der wäre nämlich jedes mal tot. Aber würde es um Matrixrun gehen, dann wäre er der einzige erfolgreiche.)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 26.07.2013 | 15:06
@gunware:

Das genannte Brett vorm Kopf kommt daher dass du versuchst der Fiktion Werte zuzuschreiben.
Ein Run, ein Spielabend/4 Stunden, 1 Punkt Karma.
Ein Run, harte Opposition/Professionalitätslevel, 1 Punkt Karma.
Ein Run, Spieler konnte Humor einbringen, 1 Punkt Karma.

Diese Ziele sind unabhängig von der Fiktion zu erreichen. Die Umsetzung der Fiktion mag diese Ziele zwar schwieriger gestallten, ändert aber weder an Zielen noch an Belohnung etwas. Ob man jetzt einen StufferShack überfällt, ein Insektengesiernest ausräuchert oder einen Drachen angreift ist die Fiktion, diese spiegelt sich aber nicht direkt in den Zielen und der Belohnung wieder, sind nur ein Hindernis dass man schaffen muss.

Anders würde es aussehen, wenn man direkte Belohnungen mit der Überwindung der jeweiligen Fiktion verortet, etwa den Monster-basierenden XP in D&D, was hier aber nicht der Fall ist.

[Nachtrag] Man kann hier, in Bezug auf Powergaming, auch weiterdenken. Wenn "ich" meinen "Meister" kenne, dann habe ich eine Ahnung davon welche Inhalte vorkommen werden und wie ich diese zu bewältigen habe. Wenn du, gunware, oft magische Runs einforderst, dann wäre es Pflicht etwas Magie zu erlernen, auch wenn es nur gerade so viel ist um die genannten Ziele zu erreichen, allen voran Überleben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arkam am 28.07.2013 | 15:28
Hallo zusammen,

für mich ist Powergaming kein valides Mittel zur Qualitätsmessung, lange Begründung siehe http://tanelorn.net/index.php/topic,85002.msg1727313.html#msg1727313 .
Aus meiner Sicht fehlt dem Rollenspiel ein Ziel das das Spiel für alle Mitspieler beendet und dann den Erfolg der einzelnen Mitspieler vergleichbar macht.
Wenn eben nicht mehr das eine Ziel im Mittelpunkt steht können auch Nebenziele, Überleben, Geschichte interessant gestalten etc., für den einzelnen Spieler wichtig werden.
Je nach Nebenziel ergeben sich aber eben auch andere Dinge die für einen Charakter optimal sind.

Hinzu kommt das es auch nicht den Regelsatz gibt sondern eigentlich Regeln dafür vorgestellt werden wie man eine beliebige Situation ins Spiel bringen kann, Lösen durch Gespräch, Würfel und andere Zufallsgeneratoren oder das Aufwenden von Ressourcen sind wohl die häufigsten Methoden.
Hinzu kommt das der Hintergrund noch bestimmt welche Aktionen zugelassen werden. In einer Fantasy Geschichte werden die Spieler das Bauen einer Atombombe eher als unpassend ansehen während die Entwicklung des Spruches "Schepper BUMM Hiroshima - Gestern war die Stadt noch da!?!" zwar ähnliche Auswirkungen haben kann aber eher akzeptiert wird.
Die eigentlichen Spielregeln ergeben sich also aus den Regeln im Buch + Absprachen zur Verwendung der Regeln im konkreten Spiel die auf dem Hintergrund beruhen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 28.07.2013 | 16:11
@Arkam:

Du verwechselst Ziele mit Spielzielen und Endzielen. jede Handlung, die ein positives Feedback auslöst, ist ein Ziel. Jede Handlung die belohnt oder bestraft wird, ist ein Ziel, auch wenn es eines ist das es zu vermeiden gilt. Ein Powergamer wird versuchen positive Feedbackschleifen zu identifizieren und so oft es geht zu nutzen, dabei negative Feedbackschleifen so gut es geht zu vermeiden um auf diesen Weg das "Optimimum" zu erreichen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arkam am 28.07.2013 | 16:38
Hallo Slayn,

@Arkam:
Jede Handlung die belohnt oder bestraft wird, ist ein Ziel, auch wenn es eines ist das es zu vermeiden gilt.

das sehe ich bedeutend enger. - Ich habe den Eindruck das ich den eigenen Text nicht verstehen würde wenn ich ihn als Außenstehender lesen müsste deshalb die drei Erklärung Anläufe. Ich hoffe einer ist verständlich genug.
Handlungen sind etwas was mich dem gegebenen Spielziel näher bringt.
Um das Spiel, von der Seite der Regeln, attraktiv zu machen sollten für das Handeln nach Regeln positive Verstärkungen vorhanden sein.

Was du als Spielziele bezeichnest sind für mich eigentlich nur Zwischenergebnisse die zum Endziel führen.
Ein Spielziel könnte also sein eine gewisse Stufe zu erreichen damit ich dann das Endziel des Spiels angehen kann. Entweder weil ich erst mit dieser Stufe eine Chance zu erreichen habe oder die Regel lautet:"Nur mit Stufe x können sie das Endziel erreichen."
Um die Spieler ans weiterspielen zu bringen brauchen sie eine Verstärkung zum Weiterspielen.

Beim "Mensch ärgere dich nicht!" ist das Endziel alle vier Pöppel im Pott zu haben. Die Handlung die ich ausführe um ein Spielziel, also erst Mal ein Pöppel und dann die nachfolgenden in den Pott zu kriegen, ausführe bestehen immer aus würfeln und bewegen einer Figur. Die Möglichkeit die Pöppel seiner Mitspieler zu schlagen und sie damit am erreichen des Endziels zu behindern stellt neben dem Erreichen des Spielziels die Motivation da.
Im Rollenspiel kann man diese Kette noch feiner zerlegen. Wenn das Spielziel etwa die nächste Stufe ist bringt einem jedes erschlagene Monster, jedes überwundene Hindernis dem Spielziel etwas näher und kann wieder als Spielziel definiert werden. Die Motivation immer wieder die gleichen Schritte zu vollziehen kann aus dem Spiel kommen, etwa bessere und interessantere Ausrüstung / Fähigkeiten oder auch von den anderen Mitspielern die einen als wichtig für ein erfolgreiches Ziel ansehen.
Gerade das ich ein Rollenspiel auch so spielen kann das nicht Spielziel und Endziel sondern die Verstärker im Mittelpunkt stehen bringen aus meiner Sicht ganz spezifische Probleme mit sich.

Gruß Jochen
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Maarzan am 28.07.2013 | 18:53
Dadurch, dass sich die Spieler die Ziele in recht weitem Sinen selber setzen können, können die Ziele des einen auch für den Spielspaß des anderen kontraproduktiv sein. Powergaming ist dann nicht das Ziel vorantreiben, sondern sein Ziel vorantreiben.
Man stelle sich ein Abenteuer vor: Die Spieler sind alle in einem Königreich und werben um die Hand der Königstochter (und das obligatorische halbe Königreich). Es gibt keine weiteren Absprachen außer, dass alle Charaktere in diese Richtung Interesse haben udn darauf hinarbeiten sollen (Motivationsvorgabe).
Nun haben wir den strahlenden Turnierritter, den Meisterbarden, den Sohn des bösen Herzog, den jungen Barbarenhäuptling und den reichen Kaufmannssohn.
Bla-blubb, nach ein paar Szenen merken Herzogssohn und Barbar, dass sie schon recht verkackt haben und erkennen, dass sie dieses Reich (und genug Prinzessinnen für jeden) mit ihren Anhängern gemeinsam auch im Handstreich nehmen können. Powergaming erlaubt es ihnen den Spielstil maßgeblich zu verändern, wenn nicht vorher eine erheblich Einengung der ihnen von der Spielwelt aus offen stehenden Optioenn erfolgt ist.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 28.07.2013 | 20:07
Das genannte Brett vorm Kopf kommt daher dass du versuchst der Fiktion Werte zuzuschreiben.
Nicht wirklich. Ich glaube eher, dass ich unfähig bin, das zu kommunizieren, was ich sagen möchte.
Ich versuche es mit einem anderem Beispiel: wie soll ein Powergamer bei Stein, Schere, Papier reagieren? Weil Rollenspiel ist für mich nur eine viel kompliziertere und aufwändigere Version solcher Spiele.

Arkam spricht es auch an. Auch wenn es bei Stein, Schere, Papier nur ein Endziel gibt (was es bei Rollenspiel - mindestens bei denen, die ich im Sinn habe, die anderen Ausnahmen lasse ich jetzt unter den Tisch fallen - so nicht gibt), gibt es keine immer gut funktionierende Lösung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 28.07.2013 | 22:34
So als Papa spiel ich ja öfters mal Stein Schere Papier....und lustigerweise kann man dort sehr gut optimieren. ;-)
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 28.07.2013 | 23:59
Gegen bestimmte Personen schon  - aber da sind wir eher in der sozialen Ebene als auf der Regelebene. Innerhalb der Regeln gibt es keine Optimierung.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 29.07.2013 | 00:49
Schere-Stein-Papier bietet sich übrigens als witziges Beispiel an.
Wenn ich mein Gegenüber beleidige oder glatt eine Ohrfeige verpasse, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit "Stein" gewählt, wenn ich die Sonne im Rücken habe wird Papier gewählt, etc.
Das ist die dann gefundene und ausgenutzte Lücke bei Schere-Stein-Papier. Willst du diese Erkenntnis nutzen, müsstest du weitere Regeln einführen, etwa die Anti-Ohrfeigen-Regel.

Gegen bestimmte Personen schon  - aber da sind wir eher in der sozialen Ebene als auf der Regelebene. Innerhalb der Regeln gibt es keine Optimierung.

Wie kommst du darauf das die soziale Ebene keine Rolle spielt, gerade bei einem Gruppenspiel und nichts mit Powergaming zu tun hat? Nochmal, es geht nicht um Regeloptimierung im reinen Sinne von festen Spielregeln sondern von Abläufen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arkam am 29.07.2013 | 06:17
Hallo Slayn,

ich hatte die These im Thread bisher so verstanden.
Sobald ein Regelwerk ein Endziel hat sollte es darauf gerichtete Regel haben.
Ein Powergamer wird diese Regeln nehmen und versuchen das Endziel möglichst sicher zu erreichen.
Deshalb können Powergamer ein Mittel zur Validierung der Qualität sein.

Das Problem ist aber eben das viele Rollenspiele eben kein Endziel vorgeben. Damit setzen sich die Spieler eine Vielzahl unterschiedlicher Ziele. Diese können sogar außerhalb des eigentlichen Spiels liegen also auch auf der sozialen Ebene.
Der Powergamer setzt sich aber eben auch nur ein Ziel, das auch nicht von den Regeln gegeben ist, damit kann er nicht zu Validierung der Qualität der Regeln bei Spielen ohne Endziel dienen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 29.07.2013 | 08:03
@Arkam:

Das Problem liegt mit dem benutzen Begriff Spielziel und der mangelhaften Erklärung dazu. Gemeint war dass ein Spiel(system) Inhalte vorgeben sollte und dazu passende Handlungen anbieten muss. das Spielziel von D&D ist: Schnetzle Monster, Loote den Dungeon, Level-Up. Das Spielziel von L5R ist: Stelle einen Samurai dar, heimse Ehre und Ansehen ein. Je präziser die Regeln auf diese Ziele abgestimmt, umso besser also das Ergebnis und das "Erreichen des Ziels". Im Fall von L5R eben dadurch dass die Regeln einen Samurai abbilden können, nebst allen seinen Handlungen, dazu aber auch die Werte für Ehre und Ansehen nebst zugehörigen Regeln und Handlungen mitliefert. Ob du dich jetzt mit deinem Samurai auf dem Schlachtfeld austobst, eine alte Ruine erkundest, Romanzen erlebst oder dich in höfische Intrigen stürzt ist egal, diese Dinge werden alle (für Samurai) in den Regeln abgebildet.
Diese Ziele und die Einzelschritte wie man sie erreicht, können ausgetestet werden und das unabhängig vom Kampf. Ein finales Endziel bedingt sich dann durch diese Zwischenschritte oder je nach Eintritt bestimmter Bedingungen die nicht nur im Regelwerk sondern auch im Setting verankert sein können, wenn überhaupt. Endziel von D&D wäre dann: Werde ein mächtiger Held. Endziel von L5R wäre dann: Erreiche das höchste Ansehen und die höchste Ehre.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Thandbar am 29.07.2013 | 08:38
Endziel von L5R wäre dann: Erreiche das höchste Ansehen und die höchste Ehre.

Diskutabel.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 29.07.2013 | 08:54
Diskutabel.

So lange man L5R von den reinen Regeln her betrachtet und was diese leisten, stimmt das Ziel.
Wenn man auf bestimmte einzelne Clans und deren Besonderheiten oder Optionen wie Mönche im Detail betrachtet, kippt das Ziel zwar nicht, ist aber für Spieler dieser Charaktere entweder kein Ziel oder nicht erreichbar.
Nüchtern betrachtet stellen die Skorpione ein ernsthaftes Problem dar, da sie mit Mitteln und Wegen ausgestattet sind die Kernkonflikte des Spiels und somit auch die Ziele zu umgehen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 29.07.2013 | 09:34
Wenn ich mein Gegenüber beleidige oder glatt eine Ohrfeige verpasse, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit "Stein" gewählt, wenn ich die Sonne im Rücken habe wird Papier gewählt, etc.
Das ist die dann gefundene und ausgenutzte Lücke bei Schere-Stein-Papier.
Die Ohrfeige ist im Regelkorsett nicht enthalten, dann ist sie für die Betrachtung, ob die Regel funktionieren irgendwie uninteressant. (Wenn ich über die (nackten) Regeln spreche, dann neige ich meistens dazu, es eher wie eine Art Programm zu betrachten. Ein mechanisches Konstrukt. Erst die Leute machen daraus den Unterschied zwischen einem PC-Spiel und einem Rollenspiel am Tisch. Und von meinem Verständnis her kann der Powergamer die mechanischen Komponenten gut untersuchen, aber scheitert bei der Aufgabe, die unzähligen Ziele in Einklang zu bringen. Den die optimierte Version ist nicht immer ein Gewinn.)

(Ich glaube, unser Unverständnis des anderen rührt einfach davon, dass wir jeweils unterschiedliche Untermengen von Rollenspiel mit gleichlautenden Etiketten versehen (die sich aber überschneiden), und obwohl wir in dem Kern keine Probleme haben, sind es eben die Randbereiche, die wir dann woanders verorten.)

Das Problem liegt mit dem benutzen Begriff Spielziel und der mangelhaften Erklärung dazu. Gemeint war dass ein Spiel(system) Inhalte vorgeben sollte und dazu passende Handlungen anbieten muss.
Äh, nein. Je mehr das Spiel fokussiert ist, je mehr es sich auf ein Ziel konzentriert, desto weniger ist es für mich interessant. (Ich weiß, "für mich" ist sehr eingeschränkte Sichtweise.) Desto weniger ist es das, was ich bei Rollenspiel suche.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 29.07.2013 | 09:41
Ich denke aber auch nicht dass man die meisten Regelsysteme in ihrer Ausbalanciertheit mit Stein/Schere/Papier vergleichen kann.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: gunware am 29.07.2013 | 09:55
dass man die meisten Regelsysteme in ihrer Ausbalanciertheit mit Stein/Schere/Papier vergleichen kann.
Nein, leider nein. Aber ich wusste nicht, wie ich noch ein Beispiel bringen soll, in dem mehrere gleichwertige Optionen existieren, die alle zum Ziel führen können, aber von der Regelseite her keine bevorzugte Strategie haben können. Ähnlich ist es eben bei den Rollenspielen, nur eher anders herum. Dank der Anzahl der möglichen Ziele (die sich auch widersprechen können), gibt es keine beste Strategie. Nur wenn man ein Ziel anvisiert, kann man die Strategie (für dieses eine Ziel) feststellen. Was dabei aber unter den Tisch fehlt, ist so was wie bei Medikamenten. Nimmt man die Medikamente einzeln, dann helfen sie gegen eine Krankheit. Nimmt man sie zusammen, könnte es sogar passieren, dass sich die Krankheiten verschlimmern und die Medikamente fiese Nebenwirkungen haben könnten. Und so könnte es bei der powergamischen Sichtweise auf einzelne Ziele passieren. Die Nebenwirkungen bei der Fokussierung auf einzelne Ziele könnte negative Folgen auf das Gesamtergebnis haben.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arldwulf am 29.07.2013 | 10:01
Nein, leider nein. Aber ich wusste nicht, wie ich noch ein Beispiel bringen soll, in dem mehrere gleichwertige Optionen existieren, die alle zum Ziel führen können, aber von der Regelseite her keine bevorzugte Strategie haben können. Ähnlich ist es eben bei den Rollenspielen, nur eher anders herum. Dank der Anzahl der möglichen Ziele (die sich auch widersprechen können), gibt es keine beste Strategie. Nur wenn man ein Ziel anvisiert, kann man die Strategie (für dieses eine Ziel) feststellen. Was dabei aber unter den Tisch fehlt, ist so was wie bei Medikamenten. Nimmt man die Medikamente einzeln, dann helfen sie gegen eine Krankheit. Nimmt man sie zusammen, könnte es sogar passieren, dass sich die Krankheiten verschlimmern und die Medikamente fiese Nebenwirkungen haben könnten. Und so könnte es bei der powergamischen Sichtweise auf einzelne Ziele passieren. Die Nebenwirkungen bei der Fokussierung auf einzelne Ziele könnte negative Folgen auf das Gesamtergebnis haben.

Ich würde gar nicht einmal sagen dass es an unterschiedlichen Zielen liegt, sondern daran dass diese Ziele auf verschiedenem Weg erreicht werden können. Und wie oben schon gesagt, dafür ist Balance natürlich sehr wichtig. Aber auch nicht zum Selbstzweck. Die Unterschiedlichen Wege die von den Charakteren beschritten werden können dienen zur Darstellung dieser Charaktere. Dienen dazu ihre Unterschiede aufzuzeigen und Auszuspielen.
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Thandbar am 29.07.2013 | 10:59
So lange man L5R von den reinen Regeln her betrachtet und was diese leisten, stimmt das Ziel.
Wenn man auf bestimmte einzelne Clans und deren Besonderheiten oder Optionen wie Mönche im Detail betrachtet, kippt das Ziel zwar nicht, ist aber für Spieler dieser Charaktere entweder kein Ziel oder nicht erreichbar.
Nüchtern betrachtet stellen die Skorpione ein ernsthaftes Problem dar, da sie mit Mitteln und Wegen ausgestattet sind die Kernkonflikte des Spiels und somit auch die Ziele zu umgehen.

Ich sehe das völlig anders; aber das wäre dann eine Spezial-L5R-Diskussion.
 
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Arkam am 29.07.2013 | 15:51
Hallo zusammen,

D&D und seine Regeln, ich kenne die 3.5, machen in der Tat einen sehr zielführenden Eindruck. Aber aus meiner Sicht gibt es zwei Faktoren die auch hier Powergaming als alleinigen Faktor beseitigen.
Zunächst Mal werden die EP für alle verteilt. Es wird also die Gruppenleistung und nicht die Einzelleistung beurteilt.
Hinzu kommt das es zwar recht genaue Regeln dafür gibt welche Herausforderung angemessen für die Gruppe wäre aber keine Verpflichtung für passende Herausforderungen besteht.
Hinzu kommt das die Regeln am besten funktionieren wenn der Hintergrund entsprechend angepasst ist. Wir haben etwa den "Iron Kingdom" Hintergrund bespielt bei dem die Magie und erst recht die magischen Artefakte deutlich eingeschränkt sind. Das stellt viele Empfehlungen für D&D Charakter auf den Kopf.
Auch das Konzept das es für jede Aufgabe einen Spezialisten gibt und andere Charaktere an dieser Stelle nichts zu suchen haben kann ja gebrochen werden. Da versagen dann die OneTrick Ponys und die extremen Spezialisten.
Das entspricht ja auch durchaus dem Bild das man im D&D Unterboard vermittelt bekommt. Viele Spieler fragen nach einem möglichst optimalen Charakter Build. Aber nicht jeder Spieler wählt diesen dann auch.

Gruß Jochen
Titel: Re: Powergaming ein valides Mittel zur Qualitätsmessung eines Systems?
Beitrag von: Slayn am 29.07.2013 | 16:15
@Arkam:

Löse dich von "Charakter Optimieren" und "Regeln brechen" und geh mal hin zu "Optimal spielen und Ziele erreichen", ja, auch in der Gruppe.
Der Powergamer, so wie er hier genutzt wird, will das Spiel spielen, das Setting bespielen und darin Erfolg haben/Gewinnen. Dies bedeutet zu wissen wie das mit dem besten Kosten/Nutzen Faktor geht. Das beinhaltet sowohl die Regel als auch Soziale Ebene.

Auf der negativen Seite bedeutet es, alles raus zu lassen was diesen Spieler/Gruppe nicht weiter bringt, etwa Stimmungsszenen, Barbiespiel, jedwede Aktion die keinen direkten Pluspunkt verspricht.
Au der positiven Seite hast du einen Spieler der ein Abenteuer/Szenario/Kampagne bestmöglich bewältigen will.