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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Werkstatt => Thema gestartet von: Grey am 19.09.2013 | 14:45
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Gegeben ein Setting, in dem die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen ist. Es gibt eine Vielzahl besiedelter Welten.
Allerdings hängt die Stabilität ihrer Ökosysteme noch immer von gelegentlichen Auffrischungen mit Pflanzen, Tieren, Bakterien, Pilzen etc. von der Erde ab. Sprich, auch wenn sich der Lebensraum der Menschheit auf tausende Planeten ausgedehnt hat: Das Überleben der Spezies hängt nach wie vor an diesem einen Planeten in der Mitte.
In diesem Setting hat sich ein Kult um die Mutterwelt gebildet, zu dem es unter anderem gehört, daß in jedem Tempel ein Gral mit Wasser von der Erde steht.
Frage an euch: Welche Blüten könnte der Handel mit Wasser von der Erde unter diesen Umständen treiben? Was würdet ihr (bzw. eure Charaktere) machen, um am System zu partizipieren? Konvois mit Wasser von der Mutterwelt überfallen? Kranwasser von der Nachbarwelt an leichtgläubige Trottel verkaufen? (Man denke nur an den mittelalterlichen Reliquienhandel...)
... und los! :)
EDIT: Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse:
- Als "Subunternehmer" könnte man Zertifikate für Wasser von der Erde fälschen. (Matz)
- Man könnte sein eigenes Wasser zur Erde mitnehmen und dann von dort wieder zurück. (Slayn)
- Beim legalen Handel könnte es auf "Wasser für Wasser" hinauslaufen, um Trockenheit auf der Erde vorzubeugen. (Schwerttänzer) ... wobei mir im Moment zwar kein Handel mit solchen Mengen vorschwebt, daß die Erde ernsthaft Dürre zu befürchten hätte, aber als symbolischer Akt wäre dieses Element trotzdem sehr reizvoll.
- Esoteriker könnten die Heilkräfte des "heiligen" Wassers preisen. (Erdgeist) Dies könnte so weit gehen, daß ein verrückter Warlord Welten überfällt und "Tempel plündert", um heiliges Wasser zu saufen. (Waldviech)
- Verrückte Fanatiker könnten hinter dem körpereigenen Wasser von Erdenmenschen her sein. (Thandbar) >;D
- Hinzu kommen Andeutungen tatsächlicher metaphysischer Elemente von Arldwulf und Waldviech. Diese Option könnte man sich ja für ein "Mystery in Space"-Szenario offenhalten.
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Das Weltall ist voll von EIS (oortsche wolke, kuipergürtel, asteroidengürtel) so das wasser von der erde sich nur anhand von isotopen bzw chemischen nachweisen etc. wirklich nachweisen liesse. ein findiger "eispirat" der irgendwo in den tiefen des weltalles einen kometen anzapft, das wasser reinigt und bei hinterwäldlern teuer vertickt sitzt auf einer goldgrube!
nachtrag: natürlich kann sein kompagnion für selbiges wasser teure zertifizierte nachweise anfertigen, so das die beiden auf diese weise gleich doppelt geld verdienen ;D
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Muss nur ich jetzt an "Krieg der Eispiraten" denken? ;D
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Wasserknappheit auf der Erde.
Der oben beschriebene Handel mit Wasser läuft nun schon seit zighundert (oder -tausend, falls notwendig). In Folge dessen sind selbst die Ozeane der Erde erheblich geschrumpft.
Ok, nicht völlig ernst gemeint. Aber das Szenario erinnert mich an diese (http://what-if.xkcd.com/53/) beiden (http://what-if.xkcd.com/54/) Strips von xkcd. ~;D
Oh, halb ernst gemeint: Ozeane bringen mich auf die Idee, dass die Verehrung in Tempeln speziell dem Salzwasser der Erde gilt, weil das Leben sich daraus entwickelt haben soll. Leichter bestimmbarer, dass es wirklich von der Erde kommt, sollte es zudem auch sein.
Und den Körper soll es ebenfalls reinigen; besser als jede Medizin! Enthält immerhin kostbare Erdsalze!
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Es gibt einen Kult, der glaubt, dass das Wasser, das sich innerhalb von Menschen befindet, die auf der Erde geboren wurden, heilig ist - besonders bei den Menschen, die aus Dandridge, USA, stammen.
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Muss nur ich jetzt an "Krieg der Eispiraten" denken?
Naja, da war die Lage aber eine andere. ;D
Je nachdem, wie sehr das Ganze in Richtung Space-Fantasy und "abergläubische Trottel im Weltraum" geht, könnte es den Aberglauben geben, es verleihe einem Menschen übernatürliche Kräfte, Erdwasser zu trinken. Folglich wäre ein interstellarer Warlord putzig, der kleinere Nachbarplaneten nur deswegen überfällt, damit er im Haupttempel das Weihwasserbecken leersaufen kann. Er verspricht sich davon die Apotheose. ;D
Wie sieht das eigentlich mit Welten aus, die keinen Influx mehr von der Erde benötigen (der Punkt wird ja auch irgendwann eintreten). Könnten die eine "Gegenerde" bilden, so dass Wasser-Religionskriege anderer Art ausbrechen können?
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Erschaffung von Leben ginge ebenfalls. Sprich: man hat all diese Planeten gefunden, und auch viele Verbindungen der organischen Chemie - doch niemals außerirdisches Leben. Tatsächlich hat man auch versucht Leben zu erschaffen, doch dabei traf man auf einen seltsamen, bis heute ungeklärten Effekt: es funktioniert nur in Verbindung mit Erdwasser. In der Folge entwickelten sich zwei Gruppierungen, diejenigen die glaubten dahinter stecke ein einfach noch unbekannter wissenschaftlich begründbarer Effekt. Und jene die diese Ergebnisse so deutetet dass sich hier etwas göttliches verbirgt, und das Wasser als Göttergabe verehren (und weitere Experimente damit verbieten)
Wasser wird seitdem von der Erde exportiert in fremde Welten um sie zu besiedeln (so entstanden Alienkulturen), und man produziert es sogar indem neues Wasser von anderen Himmelskörper auf der Erde "geheiligt" wird, indem an es lange genug hier lässt.
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Finde ich gar nicht so schlecht. Vielleicht wäre es sogar einfacher, wenn man tatsächlich ins Übernatürliche geht. Das Erdwasser enthält tatsächlich eine Art göttlichen Funken, der es erlaubt, Leben auf andere Welten zu bringen. Und bis der metaphysische Aspekt des Lebenschaffens abgeschlossen ist, hängen die neu terraformierten Welten an einer Art Nabelschnur, die durch Erdwasser erhalten werden muss. Tatsächlich bildete sich auf der Erde das erste Leben im Universum (oder der Galaxis) und der Kult könnte daran glauben, dass es die Bestimmung der Menschheit sei, den Kosmos zu begrünen. Irgendwann blühen auch andere Welten so weit, das man von ihnen aus das Leben in die Ferne tragen kann...aber so weit ist man noch nicht.
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Wie sieht das eigentlich mit Welten aus, die keinen Influx mehr von der Erde benötigen (der Punkt wird ja auch irgendwann eintreten).
Gibt es bislang nicht. >;D Das ist eine meiner Prämissen in dem Szenario: Am Anfang hat man enthusiastisch neue Welten besiedelt und den Radius immer so weit ausgedehnt, wie es die Antriebstechnologie zuließ; und in den neugegründeten Kolonien hat man sich darauf verlassen, daß irgendwann der Punkt erreicht sein wird, wo man autark wird.
Und dann, nach den ersten paar Jahrhunderten, setzte die Ernüchterung ein: selbst die älteste aller Kolonien wurde nie ganz stabil. Egal, wie sehr man die Kontrolle des Ökosystems verfeinerte, man konnte nie ganz auf kleine Auffrischungen von der Erde verzichten.
Aber zu diesem Zeitpunkt gab es bereits hunderte von besiedelten Welten in gegenseitiger Abhängigkeit -- und eine ganze Flotte, die eigens zu dem Zweck gegründet worden war, diese Welten mit Auffrischungen zu beliefern (und die dementsprechend jetzt einen Machtfaktor im Weltall darstellt).
Allerdings ist die Suche nach einer "zweiten Erde" so etwas wie eine heilige Queste geworden, auf die alle Schiffe der besagten Flotte eingeschworen sind; der erste, der einen solchen Planeten findet und besiedelt, wird sich damit eine gewaltige Machtbasis schaffen.
Und auch wenn der Kult als Ganzes jetzt nicht so angelegt ist: Leichtgläubige Trottel wird es natürlich auch geben. ;) Von denen gibt es ja schon auf einem Planeten jede Menge...
Und bis der metaphysische Aspekt des Lebenschaffens abgeschlossen ist, hängen die neu terraformierten Welten an einer Art Nabelschnur, die durch Erdwasser erhalten werden muss.
Abgesehen davon, daß ich die Metaphysik außen vor lassen wollte: Hast du in meinen Notizen gespickt? :o Das Projekt läuft bei mir derzeit tatsächlich unter dem Arbeitstitel "Nabelschnur-Universum".
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Naja, so wirklich "wissenschaftlich" lässt sich die Sache mit dem permanent benötigsten Influx an Organismen und Wasser (vor Allem Wasser, dass man im All zu Hauf finden kann!!!) wahrscheinlich nicht erklären. Von daher müsste es schon irgend eine paranormale Erklärung für das Ganze geben, sonst wirkt es (zumindest für mich) etwas unglaubwürdig. An Space-Fantasy ist ja auch nix Verwerfliches.
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Pflanzen brauchen soweit ich weiß bestimmte Bakterien an ihren Wurzeln um Stickstoff aufnehmen zu können. Auf Alienplaneten fehlen diese Bakterien im Boden. Es wird also nicht reichen einfach nur Pflanzen auszusetzen sondern man muß auch für die entsprechnden Mikroorganismen sorgen. Wenn diese aber auf den Kolonien nicht lange lebensfähig sind kann ein stetiger Nachschub von Erdmaterie durchaus notwendig sein.
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Naja, das "Problem" an der Sache ist - Dinge, die uns hier schon auffallen, werden Leute die berufsmäßig andere Planeten besiedeln, sicherlich sehr viel länger und besser durchdacht haben als wir. Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere Kolonisationsversuch in die Pilze geht - aber das jeder Versuch, eine autonome Kolonie zu errichten mehr oder weniger scheitert, erscheint mir ein wenig unglaubwürdig, sofern es wirklich keinen tiefergehenden Faktor als Bakterien in den Pflanzenwurzeln als Grund hat.
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das jeder Versuch, eine autonome Kolonie zu errichten mehr oder weniger scheitert, erscheint mir ein wenig unglaubwürdig, sofern es wirklich keinen tiefergehenden Faktor als Bakterien in den Pflanzenwurzeln als Grund hat.
Die Idee dahinter, um den Effekt zu erklären, ist schlicht diese: Ökosysteme sind eine wahnsinnig komplexe Angelegenheit; nach der Prämisse meines Settings tatsächlich zu komplex, um ein vollständig von der Heimatwelt entkoppeltes, autarkes System künstlich zu errichten; es wechselwirkt einfach mit zuvielen Faktoren, u.a. mit dem jeweiligen einheimischen (und besser an die Gegebenheiten angepaßten) Ökosystem.
Überläßt man eine Kolonie sich selbst, ohne zwischendurch aufzufrischen, dann ist das Ergebnis nicht etwa, daß die terraformte Umgebung einfach komplett wieder zusammenbricht. Irgendein lebensfähiges Ökosystem bleibt zurück; aber eben im Regelfall keins, in dem Menschen auf Dauer leben könnten. Um es für den Homo Sapiens geeignet zu erhalten, sind regelmäßige Auffrischungen mit Zellkulturen von der Erde notwendig. Ansonsten kippt das Ganze irgendwann in eine (für den Menschen) lebensfeindliche Wildnis mit lustigen Seuchen, mutierten Nahrungspflanzen und ungeeigneter atmosphärischer Zusammensetzung.
(Diese Prämisse ist im übrigen einer meiner Ansätze, um das Fermi-Paradoxon aufzulösen. Ich gehe davon aus, daß es auch andere raumfahrende Spezies gibt, die aber durch den gleichen Nabelschnur-Effekt daran gehindert werden, sich allzu weit von ihrer Heimatwelt zu entfernen. Darum haben sie sich noch nicht über die ganze Galaxis ausgebreitet, und die Erde ist noch kein Bestandteil eines fremden, -zig Millionen Jahre alten Sternenreiches -- wie sie es logischerweise sein müßte, wenn es (a) fremde interstellare Zivilisationen gäbe und (b) sie sich ungehemmt ausbreiten könnten.)
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Um es für den Homo Sapiens geeignet zu erhalten
Das setzt natürlich voraus, dass der Homo Sapiens selbst unveränderlich bleibt - aus welchen Gründen auch immer. Schlicht den Menschen durch genetische Manipulation an andere Gegebenheiten anzupassen oder den Weg des Cyborgs zu gehen, würde unter Umständen die Prämisse sprengen. (Intelligenten Robotern sind Ökosysteme herzlich egal - zumindest rein zum Überleben). Welcher Deckel liegt auf diesem Faktor? Der Deckel müsste ja, um das Fermiparadoxon zu lösen, auch alle anderen potentiellen Zivilisationen betreffen und nicht nur politischer Natur sein. Auch wenn die Menschheit es verabscheuen sollte, an Stelle ihrer selbst künstliche Lebensformen einzusetzen, bedeutet das nicht, dass andere die Dinge auch so sehen.
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Für den kleinen Geldbeutel gibt es zum Glück
Dehydrated Water
(im Volksmund auch "Päckchen Salz" genannt)
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Das könnte man theoretisch als "Sparversion" für diejenigen nehmen, die sich das Erdwasser nicht leisten können. ~;D.
Aber um nochmal was Ernsthaftes beizusteuern, bzw meinen Post von eben weiter auszuwalzen: Wie oben schon erwähnt, muss das Szenario nicht nur beinhalten, das Ökosysteme unkontrollierbar in die Binsen gehen, sondern es muss auch eine ganze Reihe von anderen Faktoren ausschließen, um zu funktionieren:
- Jede Form von intelligentem Roboter, der in der Lage ist sich selbst zu replizieren, sprengt das Nabelschnurprinzip, da er sich theoretisch auch da reproduzieren und florieren kann, wo nicht einmal der Anflug eines Ökosystems vorhanden ist (ja, der Roboter wäre sogar intendiert dafür gebaut worden). Auch, wenn das ökologische Nabelschnurprinzip für Menschen weiterhin gilt, würde das die ungehemmte Ausbreitung einer intergalaktischen Zivilisation nicht behindern. Der Hauptteil der Bevölkerung bestünde dann natürlich aus KIs, aber was solls - auch das wäre ne Form von Evolution. Um das Fermi-Paradoxon zu erklären MUSS eine selbsreplizierende KI universumsweit unmöglich sein. Eine Ideologie, die besagt, dass KIs böses Pfui sind und nicht gebaut werden dürfen, würde sich sehr wahrscheinlich nicht universumsweit bei jeder nur denkbaren Zivilisation entwickeln.
- Jede Form von Uplift in außerirdischen Ökosystemen muss unmöglich bleiben, da die Menschheit sich auch hier sonst angepasste "Stellvertreter" heranzüchten könnte. Diese wären dann zwar manipuliert, aber eben Teile eines außerirdischen Ökosystems, das keinen Erdinput braucht. Das der Versuch, komplette Ökosysteme zu kontrollieren, in die Hose geht, ist nachvollziehbar - warum das bei einzelnen Züchtungen auch IMMER der Fall sein sollte, eher nicht. Es braucht einen guten Grund, warum das nicht geht - zumindest, wenn es Planeten mit höhrerem Leben geben sollte. Gibt es nur Welten ohne Leben oder allenfalls bakteriellem Leben, gestaltet sich Uplift natürlich auch als schwierig.
- Jede Form von Selbstanpassung müsste unmöglich sein. Wie beschrieben bleiben ja dann und wann einigermaßen stabile Ökosysteme übrig, die für normale Menschen halt nur nicht verträglich sind. Man müsste also ausschließen, dass der Menschheit irgend eine Form von Manipulation am eigenen Erbgut durchführt, um sich diesem Ökosystem anzupassen.
Es wären also neben dem Unvermögen, ein stabiles Ökosystem am Laufen zu halten, noch zwei weitere "Verbote" hinzukommen: ein Roboterverbot und ein (weiterführendes) Gentechnikverbot. Da fällt es relativ schwer, das "Nabelschnurprinzip" so richtig wasserdicht zu halten - zumal, wenn es universelle Gegebenheiten beschreiben soll. Das bringt das Szenario selber natürlich nicht zum Platzen - die Herren der Menschheit müssen nur Angst vor KIs haben, Gentechnik am Menschen ablehnen und Uplifts verbieten (oder auf den bislang gefundenen Planeten kein geeignetes Material für selbiges haben) Das sagt noch nichts über Außerirdische aus, die müssen aber auch keine Rolle spielen. Ich seh das Szenario als interessant an, als Erklärung für das Fermiparadox hat es IMHO aber strittige Punkte. :)
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Nicht notwendigerweise. Wir müssen nur davon ausgehen, das beide technologien niemals völlig perfektioniert werden können. Es wäre durchaus denkbar, das die Meschheit keine perfekte gentechnik und keine perfekte Ki entwickeln kann, weil die perfektionierung irgendwann an eine natürliche grenze stösst. bei der gentechnik ist das einfach erläuterbar duch kleine fehler, die einen organismus anfällig machen, welche niemals völlig ausgemerzt werden können.
Man verlgleiche die Baukunst. Dem menschen ist es bisher unmöglich ein haus zu bauen, welches nicht irgedwann wieder nachgebessert werden muss. Ein baum dagegen steht eventuell seine 1000 jahre.
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Klar - das anzunehmen, wäre eine mögliche Lösung. Wie gesagt: Es geht ja um Dinge, die nicht möglich sein dürfen, weil sie sonst das Szenario sauber und gründlich sprengen. (Nebenbei bemerkt halte ich es für wesentlich wahrscheinlicher, dass die Menschheit irgendwann perfekte KIs baut und Meister der Gentechnik wird, als das es schnelle FTL-Raumfahrt im Sinne einer Space-Opera geben wird, aber das ist fürs Szenario ja egal :D)
(Wenn man nu kiebig wäre, müsste man bei der perfekten KI allerdings fragen, warum es dann möglich ist, dass der Mensch ein Bewusstsein hat. Die natürlichen Grenzen, die eine KI verhindern, müssten ja auch für den Homo Sapiens gelten. Stellt sich aber die Frage, wie weit man diese Überlegung treiben will. Im Rahmen eines RPG-Settings wäre ein schlichtes "KI = Geht nicht" ja durchaus vertretbar.
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Da bildet sich eine spannende Wirtschaft:
Ein Teil bringt heimlich Eis zu Erde. Der andere Teil bringt zeremoniel das Wasser weg.
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Und ein Teil spart sich den Umweg über die Erde. Und ich finde ja, irgendwie ist das mit der interessanteste Teil ~;D
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Wasserknappheit auf der Erde.
Wasser für den Mars
Jeder Pokal Wasser muss mit einem Hektoliter Wasser ersetzt werden
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Waldviech: du machst da m.E. ein paar viel zu große Sprünge.
Mag sein, dass KIs bis dahin technisch möglich sind.
Mag sein, dass man auch keine Angst vor einer Rebellion der Maschinen hat.
Aber warum um aller Himmel Willen sollte man (also die Menschheit) Unmengen von Ressourcen dafür ausgeben, quer durch die Galaxie Kolonien von _KIs_ zu errichten??
Das erscheint mir völlig sinnfrei.
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Kosten/Nutzen der Ressourcen eines Planeten in Hinsicht Kosten/Nutzen eine stabilen Kolonie/Terraforming/Vollautomatisierung?
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Das lässt sich aber auch umdrehen - warum soll ich Kolonien mit Menschen einrichten, die ich permanent mit Ressourcen zubuttern muss, damit sie sich halten, wenn ich das Problem bei einer KI-Kolonie nicht habe? Käme halt auf die bevorzugte Herangehensweise der Zivilisation an und darauf, welche Einstellung zu KIs vorherrscht.
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Dazu muss man nicht quer durch die Milchstraße nach Goldilocks-Planeten suchen. Ressourcen i.S. von chemischen Elementen und Verbindungen gibt es allein im Sonnensystem zuhauf. Sich in andere Sonnensysteme auszubreiten, ist nur dann sinnvoll, wenn man neue Lebensräume für die Menschheit schaffen will (z.B. weil es auf der Erde zu eng wird).
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Es wären also neben dem Unvermögen, ein stabiles Ökosystem am Laufen zu halten, noch zwei weitere "Verbote" hinzukommen: ein Roboterverbot und ein (weiterführendes) Gentechnikverbot.
Wenn wir es als gesetzt betrachten, dass Ökosysteme (ganz generell) zu komplex sind, um verstanden und nach freiem Gutdünken manipuliert un erschaffen zu werden, dann ist der Schritt dazu, dass auch Intelligenz und hochentwickelte Lebensformen ähnlich "manipulationsresistent" sind, in meinen Augen doch ein ziemlich kleiner.
mfG
jdw
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Dazu muss man nicht quer durch die Milchstraße nach Goldilocks-Planeten suchen.
Ganz richtig. Das ganze Ökosystem- und Goldilocks-Problem ergibt sich halt nur, wenn ich am Menschen als normalem Homo Sapiens hängen bleibe. Gehe ich davon, aus welchem Grund auch immer, weg, löst sich unter Umständen vieles in Luft auf. Daher würde für dieses Szenario IMHO halt eine Art Robo- und Transhumanismusverbot herrschen. Das Problem mit dem Erdwasser und dem organischen Influx wird meines Erachtens ziemlich entwertet, wenn es den größten Teil der, ich sag mal "Intelligenten Bevölkerung" schlicht nicht interessiert.
Wenn wir es als gesetzt betrachten, dass Ökosysteme (ganz generell) zu komplex sind, um verstanden und nach freiem Gutdünken manipuliert un erschaffen zu werden, dann ist der Schritt dazu, dass auch Intelligenz und hochentwickelte Lebensformen ähnlich "manipulationsresistent" sind, in meinen Augen doch ein ziemlich kleiner.
Klar - nur sollte das halt auch deutlich werden, sonst gibts halt einen Bruch des Szenarios. :)
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Wenn wir es als gesetzt betrachten, dass Ökosysteme (ganz generell) zu komplex sind, um verstanden und nach freiem Gutdünken manipuliert un erschaffen zu werden, dann ist der Schritt dazu, dass auch Intelligenz und hochentwickelte Lebensformen ähnlich "manipulationsresistent" sind, in meinen Augen doch ein ziemlich kleiner.
That's the point. ;)
Ich gehe für mein Setting tatsächlich genau von diesen Voraussetzungen aus: daß sowohl (a) terraformte Umgebungen als auch (b) reine Roboter/KI-Kolonien als auch (c) eine Kultur von genmanipulierten Homo-Sapiens-Alternativen immer nur für einen Zeitraum von bestenfalls ein paar Jahrhunderten stabil bleibt. (Tatsächlich möchte ich "gescheiterte" Roboter/KI-Kolonien bzw. Gen"monster"-Kolonien als mögliche "Dungeonplaneten" einplanen.)
Diese Probleme stelle ich mir prinzipieller Natur vor, so daß auch Alienvölker da hineinlaufen. Auf dem wissenschaftlichen Stand, den ich im Moment geplant habe, ist das Terraforming einer Welt für ca. 800 Jahre stabil, bis die nächste Auffrischungskur von der Erde zwingend erforderlich wird. Des weiteren gehe ich davon aus, daß die Schwierigkeiten, ein Ökosystem wirklich zu beherrschen, exponentiell ansteigen, d.h. selbst ein uns weit überlegenes Volk kriegt gerade eben einen Stabilitätszeitraum von, sagen wir, 4000 Jahren hin.
Gemessen an allem, was wir uns vorstellen können -- sogar an historischen Zeiträumen -- ist das natürlich gewaltig; aber es reicht eben nicht, um sich ungehemmt über die Galaxis auszubreiten. 800 Jahre Stabilität bedeuten, daß eine Kolonie nicht weiter als 400 Lichtjahre von der Erde entfernt liegen darf, damit nach Absetzen eines Hilferufs rechtzeitig Hilfe eintrifft.
(Ach ja: Ich gehe für das Setting von STL aus.)
Ein Teil bringt heimlich Eis zu Erde. Der andere Teil bringt zeremoniel das Wasser weg.
:D Auch nicht schlecht! :d
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Da wäre dann die Frage, warum auch KIs nach Jahrhunderten irgendwann automatisch scheitern. Bei Gentechnik ist das Ganze noch weitgehend nachvollziehbar. Aber bei KIs schon weniger. Wie wäre es, wenn sich KIs mit zunehmendem Alter und zunehmender Weiterentwicklung immer weiter von der Menschheit entfernen? Die sind dann zwar technisch gesehen nicht gescheitert, aber aus menschlicher Perspektive sind sie nach 800 Jahren teils verdammt rapider Entwicklung nicht mal mehr ansatzweise verständlich. Da treiben dann irgendwelche schrägen, völlig "entmenschten" Datengehirne Dinge, die man nicht einmal mehr mit viel Phantasie nachvollziehen kann. Aus Gründen, die keine Sau begreift. Daher "fallen" KI-Welten irgendwann raus.
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Da wäre dann die Frage, warum auch KIs nach Jahrhunderten irgendwann automatisch scheitern. Bei Gentechnik ist das Ganze noch weitgehend nachvollziehbar. Aber bei KIs schon weniger. Wie wäre es, wenn sich KIs mit zunehmendem Alter und zunehmender Weiterentwicklung immer weiter von der Menschheit entfernen? Die sind dann zwar technisch gesehen nicht gescheitert, aber aus menschlicher Perspektive sind sie nach 800 Jahren teils verdammt rapider Entwicklung nicht mal mehr ansatzweise verständlich. Da treiben dann irgendwelche schrägen, völlig "entmenschten" Datengehirne Dinge, die man nicht einmal mehr mit viel Phantasie nachvollziehen kann. Aus Gründen, die keine Sau begreift. Daher "fallen" KI-Welten irgendwann raus.
Neil Asher nutzt ja gerne die Theorie der Evolutionären Ki, sprich, die ersten KI entsprechen noch "uns", jede weitere Generation an KI wird von der Vorgeneration entwickelt, um die Ketten, die uns binden, zu sprengen. Höher entwickelte generationen sind somit bessere, niedrige obsolet.
Vielleicht scheitern sie, weil sie es wollen? Wenn die nächste Generation einsatzbereit ist, ist die alte nur noch im Weg.
Kombinieren wir das etwas mit einem STL Setting: Warum sollten Menschen KI nutzen? Ein "KI-Herrscher" über eine entfernte Kolonie, kann mit perfekter Loyalität ausgestattet werden.
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Da stellt sich die Frage wie das Heilige Wasser TM denn transportiert wird. In goldbekränzten Kristallfläschchen? Im großen, versiegelten Wassertank? Als Eis? Längere Wasseraufbewahrung ist kompliziert.
Ist vielleicht das schmutzige kleine Geheimnis der Wassertransporteure, dass das Heilige Wasser TM zwar auf der Erde frisch von der Quelle gezapft wurde, aber auf dem Weg als Brauchwasser recyclet wurde? Welcher Gläubige mag es schon, wenn das Wässerchen das er sich zur Gemüte führt, schon durch 100 Nieren gefiltert wurde.
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Logistisch betrachtet ist der Transport als Eis am besten.
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Das Schwierigste ist es, original echtes Erdwasser von der Erdoberfläche in den Orbit zu hieven.
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Das Schwierigste ist es, original echtes Erdwasser von der Erdoberfläche in den Orbit zu hieven.
Space Elevator. Danach ggf. Mass Driver.
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OK, das technische Detail Surface-to-Orbit wollte ich eigentlich nicht in diesem Thread schon wieder besprechen. ;) Für den Moment gebe ich mich mit der Annahme zufrieden, daß eine Kultur, die mit 0,99c reisen kann, auch billige und leistungsstarke Shuttles hinbekommt.
Zum eigentlichen ("wirtschaftlichen") Topic:
Es sind ja schon einige schöne Ideen gekommen, wie man am Handel mit Wasser von der Mutterwelt partizipieren könnte. ;D Ich fasse zusammen: (EDIT: Zusammenfassung ins Eingangsposting (http://tanelorn.net/index.php/topic,86243.0.html) verschoben.)
Sehr schöne Vorschläge bis jetzt, Leute. Keep 'em coming!
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Man könnte auch noch die Leute einbringen die noch auf der Erde sitzen und nicht wollen das ihr Wasser im ganzen Weltraum verstreut wird. Solche die glauben dass - weil Wasser von der Erde Leben dort ermöglicht, wo es vorher nicht möglich war - das Gott im Wasser der Erde ist. Und die deswegen nicht wollen, dass Wasser weggebracht wird, weil es Gott 'zerteilt'.
Das kann von totalen Fanatikern - die Raumreisen unternehmen um Wasser (Gott) zurück zur Erde zu holen, mit Gewalt wenn nötig- bis hin zu einer normalen Kirche gehen, deren Gläubige den Handel mit Erdwasser boykottieren.
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Hinzu kommen Andeutungen tatsächlicher metaphysischer Elemente von Arldwulf und Waldviech. Diese Option könnte man sich ja für ein "Mystery in Space"-Szenario offenhalten.
Um das noch einmal zu konkretisieren: Ich habe dies gar nicht zwingend metaphysisch gemeint, sondern würde offen lassen ob es nicht doch eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Diese hat nur bis dato keiner gefunden, aber es wäre ein schöner Abenteueransatz wenn einer sie findet oder zumindest glaubt sie finden zu können.
Und dann die Bruderschaft des heiligen Wassers diese Erkenntnisse entweder für sich nutzen will oder unterdrücken will. Oder die Politik. Stell dir die Situation so vor: Durch den Export des menschlichen Wassers hat die Erde immer noch eine extreme Vorreiterrolle die auch niemand beanspruchen kann weil niemand weiß wie man diesen Effekt nachstellen kann.
Sobald jemand aber tatsächlich herausfinden kann "dies liegt an <Erklärung A>" wäre dies mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Umstürzen verbunden. Ich würde also eine Obrigkeit (Regierung + moralisches/religiöses Oberhaupt) erwarten die diese Umstürze verhindern wollen. Weshalb es auch nicht allzuviel Forschungsfortschritte auf dem Gebiet des "warum" gibt, zumindest keine öffentlichen.
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Oh, vergiss die Homeopathen nicht!
Schauen sie werter Kunde, dies ist zwar nicht 100% Wasser von der Erde aber es ist Wasser in dem ein ein Tropfen Erdwasse ist.
Ich selbst habe schon einemal echtes Erdwasser getrunken und verkaufe ihnenen gerne eine Urinprobe.
Und hier dieses schöne Hemd wurde in echtem Erdwasser gewaschen. Darf ich ihnen bei Gelegenheit noch diese CD anbieten, Aufnahmen der irdischen Ozeane.
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Um das noch einmal zu konkretisieren: Ich habe dies gar nicht zwingend metaphysisch gemeint, sondern würde offen lassen ob es nicht doch eine wissenschaftliche Erklärung gibt. Diese hat nur bis dato keiner gefunden, aber es wäre ein schöner Abenteueransatz wenn einer sie findet oder zumindest glaubt sie finden zu können.
Will man dem Ganzen einen wissenschaftlicheren Anstrich geben, könnte man vielleicht auch mit der potentiellen Dauer von Terraforming argumentieren. In den bislang von Grey geposteten Daten ist ja immer von etwa 800 Jahren die Rede. Nun ließe sich aber leicht behaupten, dass Terraforming kein Prozess ist, der von heute auf morgen mal eben so machbar ist. Die 800 Jahre könnten eine Zeitspanne sein, bei der man grade mal die ersten kleinen Erfolgserlebnisse hat. Die Atmosphäre beginnt, atembar zu werden, hie und dort wachsen Wälder usw. Um mit dem Terraforming wirklich fertig zu werden (wenn man nicht grad auf einem Planeten sitzt, der permanentes Nachbessern mit technischen Tricks erfordert), müsste schon eine fünfstellige Jahreszahl ins Land gehen. Nun ist die Menschheit, so wie sie zur Zeit tickt, geistig nicht unbedingt auf Großprojekte eingestellt, die locker 10.000 bis 15.000 Jahre dauern können. Den Leuten innerhalb der Welt mag das schlappe Jahrtausend unermüdlicher Arbeit ewig vorkommen - tatsächlich haben sie eigentlich grad erst angefangen. Das eine oder andere Projekt ist natürlich auch an den eigenen Ambitionen gescheitert und liegt nun brach und es kann tatsächlich sein, dass die Menschheit über kurz oder lang jedes Terraformingprojekt schmeißt. Und es kann natürlich auch sein, dass man selbst nach 15.000 Jahren Plackerei wirklich noch an der unkontrollierbaren Komplexität von Ökosystemen scheitert und irgend etwas völlig ungeplantes dabei herauskommt. Aber das sind Dinge, die sich erst in ferner, ferner Zukunft zeigen werden. Momentan benötigt man einen stetigen Ressourcen-Influx und das wird auch noch unzählige Generationen so bleiben. Man könnte natürlich Habitate anlegen, in denen die organischen Zyklen so überschaubar sind, dass sie schon mit heutiger Technologie schaffbar wären. Aber wer wollte in so etwas dauerhaft leben und warum sollte man einen Blecheimer, den man überall hinpacken kann, ohne Not ausgerechnet in drölfzig Lichtjahren Entfernung installieren?
Hintergrundüberlegung wäre: Ingame muss immer noch eine Art "Resthoffnung" da sein, die den ganzen Kolonisationsaufwand rechtfertigt. Ist klar, das Terraforming NIE funktionieren wird, wäre meines Erachtens eine Art "De-Kolonisation" sinnvoll, in welcher die Menschheit den Versuch das All zu kolonisieren, aufgibt. Auch das wäre ein interessantes Szenario (wohin mit den heimkehrenden Siedlern ?), aber so wie ich das sehe nicht die Idee hinter dem Threat.
Das Fermi-Paradoxon würde die Idee eines verdammt langsamen und schwierigen Terraformings im Übrigen auch erklären. Der immense Aufwand sorgt dafür, dass die meisten Rassen sich nicht großartig ausbreiten. Den Aufwand, einen anderen Planeten zu terraformieren, treibt man nur wenn es wirklich notwendig ist (etwa weil die eigene Sonne langsam ein bisschen zu warm wird) und konzentriert sich sonstig darauf, die Probleme auf dem jeweiligen Heimatplaneten zu lösen und Raumfahrt zu Forschungszwecken zu betreiben. Was man an Raumkolonien sonst noch so benötigt, um an frische Ressourcen zu kommen, funktioniert bei den meisten Spezies eher nach dem Prinzip heutiger Bohrinseln. Die Dinger sind nicht als permanente Behausungen gedacht, sondern dazu, im Schichtbetrieb drauf zu arbeiten. Die Menschheit hat sich in ihrem jugendlichen Überschwang erst einmal mit Terraformingprojekten überladen - ein Fehler den viele Spezies zu Anfang ihrer Zeit als interstellar tätiger Völker machen. Daher gibt es auch oft einen "Trümmergürtel"mit einem Haufen verlassener Ruinen um die Planeten raumfahrender Rassen herum. Die Menschheit ist insofern eher eine typische intelligente Rasse und nichts sonderlich Besonderes.
(Das KI-Problem ließe sich übrigens ähnlich lösen wie Feuersänger vorgeschlagen hat: Eine KI-Zivilisation kann, da sie sich überall ausbreiten kann, jahrmilliarden lang in einem einzigen Sonnensystem austoben, ohne unter "Umzugszwang" zu geraten. Daher breiten sie sich auch nicht heftig aus - sie brauchen es nicht.)
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Das Problem mit dem Nachbessern ist dass sich dies schlecht mit den kontinuierlichem Zufluss von Lieferungen der Erde erklären lässt. Wenn überhaupt so würden Organismen von der Erde die in ein fremdes ökosystem gebracht werden dieses destabilisieren.
Gleichzeitig ist nicht erklärbar warum es hilft eine Erdpflanze herzubringen - aber nicht hilft eine von Epsilon eridani 3.
Auch sind Menschen ja Meister der Anpassung an Lebensräume, viel stärker als viele andere Lebensformen. Das das ökosystem also stabil genug ist um Pflanzen von der Erde zu vertragen und leben zu lassen, für Menschen aber nicht stabil genug erscheint unplausibel.
Kurzum: ich würde die Probleme gar nicht direkt auf die Stabilität des Ökosystems platzieren. Viel einfacher ist es etwas von der Erde zur Voraussetzung für die Besiedlung selbst zu machen. Nach dem Motto: ja wir könnten eine Arche Noah bauen, aber das klappt eh nicht, das Schiff müsste viel zu viele Arten aufnehmen und am Ende wird es doch nicht Stabil, denn dies ist nunmal nicht die Erde. Leben muss sich auf dem Planeten selbst entwickeln, und dafür braucht man xyz. Und damit es schneller geht noch Abc.
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Das setzt aber voraus, dass ich Planeten habe, auf denen bereits ein eigenes Ökosystem existiert. Ich habe das bislang so verstanden, dass es eher um Planeten wie den Mars oder sonstige bislang unbelebte Welten geht, die man sozusagen "vollständig" begrünen will. Vielleicht irre ich mich da aber auch.
Auch sind Menschen ja Meister der Anpassung an Lebensräume, viel stärker als viele andere Lebensformen. Das das ökosystem also stabil genug ist um Pflanzen von der Erde zu vertragen und leben zu lassen, für Menschen aber nicht stabil genug erscheint unplausibel.
Richtig - wobei sich in der Praxis die Frage stellt, wo die Grenzen dieser Anpassungsfähigkeit liegen und wie weit Kypernetik und Gentechnik auch noch beim Anpassen mit hineinspielen könnten. "Realistischerweise" würde ich bei einer potentiellen Planetenbesiedlung davon ausgehen, dass man vielleicht weniger die Umgebung an die Kolonisten als eher die Kolonisten an die Umgebung anpasst. Das wäre vermutlich sehr viel weniger Aufwand und sehr viel kontrollierbarer als ein komplettes "Brute-Force-Terraforming" zur Erschaffung von Erdzwillingen. Vermutlich werden unsere Nachfahren, sollten sie je den Schritt ins All tun, über Derartiges viele Probleme schlicht und einfach umgehen. ("Mir doch egal, ob Base-Line-Homo-Sapiens diese Atmosphäre atmen können....unsere Mutantencyborgkolonisten können es.")
Das Szenario scheint aber davon auszugehen, dass dieser Weg der eleganten Anpassung nicht (nie und nirgends) funktioniert. Als Handwedel-Festlegung kann ich damit genau so leben wie mit Handwedel-FTL :).
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Das setzt aber voraus, dass ich Planeten habe, auf denen bereits ein eigenes Ökosystem existiert. Ich habe das bislang so verstanden, dass es eher um Planeten wie den Mars oder sonstige bislang unbelebte Welten geht, die man sozusagen "vollständig" begrünen will.
Nein, da hast du mich falsch verstanden. Es ging schon um Begrünung von Anfang an. Allerdings mit auf dem Planeten entstehenden Leben statt vielen Archen. Der Handel mit der Erde entsteht dann mit dem was dieses Leben erschafft. In diesem Fall Wasser, das aus irgendeinem - auch in der Spielwelt unbekanntem - Grund anders ist als das sonstige bisher gefundene Wasser. Damit klappts, mit anderem nicht.
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Hintergrundüberlegung wäre: Ingame muss immer noch eine Art "Resthoffnung" da sein, die den ganzen Kolonisationsaufwand rechtfertigt. Ist klar, das Terraforming NIE funktionieren wird, wäre meines Erachtens eine Art "De-Kolonisation" sinnvoll, in welcher die Menschheit den Versuch das All zu kolonisieren, aufgibt. Auch das wäre ein interessantes Szenario (wohin mit den heimkehrenden Siedlern ?), aber so wie ich das sehe nicht die Idee hinter dem Threat.
Ich halte es für durchaus realistisch, daß es genug Leute wie dich gibt, die von der Unmöglichkeit nicht überzeugt sind. ;D
Aber davon mal abgesehen stelle ich es mir extrem schwierig vor, die Kolonisation einfach so zum Stillstand zu bringen und rückgängig zu machen, wenn sie bereits seit Jahrhunderten zum Selbstläufer geworden ist. Angenommen, wir hätten zu dem Zeitpunkt 500 besiedelte Welten, die jeweils selbst neue Expeditionen und Kolonisten aussenden, sowie diverse Berufszweige in der interstellaren Raumfahrt, deren gesamte Macht- und Einflußbasis darauf beruht, daß die Show weitergeht; allen voran die o.a. Flotte, die ausschließlich zu dem Zweck gegründet wurde, Zellkulturen von Stern zu Stern zu bringen und so die Ökosysteme aufrechtzuerhalten. Da genügt es nicht, daß irgendeine weit entfernte Zentralgewalt sagt: "OK, Leute, Schluß mit lustig, hört jetzt auf mit dem Kolonisieren, gebt die großen, prächtigen Städte auf den bestehenden Welten auf und kommt alle heim zur Erde."
Dies um so mehr, wo ich mir den Mechanismus der "Nabelschnur" nicht einfach so simpel vorstelle, daß der Verkehr der Öko-Schiffe grundsätzlich über die Erde läuft; vieles wird auch einfach über gegenseitigen Austausch der Kolonien miteinander laufen. Die der Erde nächstgelegenen, ältesten Koloniewelten sind selbst kräftige Exporteure und nach Jahrhunderten der Anpassung fast unabhängig von Auffrischungen von der Erde; aber eben nur fast.
Natürlich kann es genausogut sein, daß die ökologische Auffrischungsflotte nur will, daß die Abhängigkeit bestehen bleibt, und autarke Kolonien deswegen bewußt hintertreibt.
:verschwoer: ;)
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Ich halte es für durchaus realistisch, daß es genug Leute wie dich gibt, die von der Unmöglichkeit nicht überzeugt sind. ;D
Verdammt - ich bin durchschaut ~;D. (Ja, ich gebe es zu - ich bin kein allzu großer Freund von trüber Hoffnungslosigkeit :P ) Ne, aber im Ernst: Wenn es vollkommen sicher ist, dass jede Form von Kolonisation von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, wenn der Nachschub von der Erde ausbleibt, ist es nicht ganz undenkbar, dass das ganze interstellare Gebilde irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenstürzt, wenn besonders ungünstige Umstände eintreten. Da ändert dann auch fröhlichster Optimismus nichts mehr dran. Was z.b. wenn die Erde durch irgend etwas nicht mehr erreichbar ist oder - schlimmstenfalls - vernichtet wird?
Ich finde das Szenario ziemlich interessant - wenn es allerdings hieb und stichfest "wissenschaftlich" wirken soll, kommen mir halt einige Fragen. Ganz einfach ginge es im Übrigen mit Space-Fantasy. Was, wenn Leben von der Erde auch spirituell an dieser hängt und es daher immer eine lebende Verbindung zur Erde geben muss? Was, wenn KIs keine Lösung darstellen, weil sie als Maschinen keine Seelen haben? Damit würden ein paar Fragen, warum diverse Anpassungsstrategien nicht funktionieren, auch geklärt werden können. (Gut, jetzt ist die Frage, ob man so viel Fantasy drinhaben will...)
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Wenn es vollkommen sicher ist, dass jede Form von Kolonisation von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, wenn der Nachschub von der Erde ausbleibt, ist es nicht ganz undenkbar, dass das ganze interstellare Gebilde irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenstürzt, wenn besonders ungünstige Umstände eintreten. Da ändert dann auch fröhlichster Optimismus nichts mehr dran. Was z.b. wenn die Erde durch irgend etwas nicht mehr erreichbar ist oder - schlimmstenfalls - vernichtet wird?
Das ist durchaus ein Szenario, mit dem ich zu spielen gedenke. >;D
Mal abgesehen von einer möglichen epischen Bedrohung für die Erde: Einer meiner möglichen Metaplots besteht darin, daß die Menschheit irgendwann auf die Überreste eines gewaltigen, untergegangenen Sternenreiches stößt -- eine Zivilisation, die Millionen Jahre existiert hat und gewaltige technische Höhen erreichte, letzten Endes aber dem Nabelschnur-Effekt zum Opfer fiel, als ihre Heimatwelt schlicht in ein neues Stadium der Evolution eintrat.
Tatsächlich wäre dieser Metaplot für mich eine Möglichkeit, die Menschheit mit mehreren Alienvölkern auf ungefähr gleichem technischen Stand zusammenzuführen: Alle, die dieses untergegangene Sternenreich finden und erkunden, buddeln dort auch diese unfaßbar fortgeschrittenen Technologien aus, gegen die ein 0,99c-Protonenzerfalls-Ramjet wie ein Faustkeil aussieht. Archäologen und Linguisten sind plötzlich sehr gefragte Leute -- und irgendwo da draußen lauern Aliens, die ihren Teil dieser Technologie bereits entschlüsselt haben...
Ich finde das Szenario ziemlich interessant - wenn es allerdings hieb und stichfest "wissenschaftlich" wirken soll, kommen mir halt einige Fragen.
Worüber ich mich ausgesprochen freue, solange meine Prämisse nicht sofort in die Richtung "genauso unplausibel wie FTL" abgeschoben wird. Im Grunde geht in dieses Setting einfach nur die Behauptung ein: Nichts von Menschen Geschaffenes ist ewig -- oder auch nur annähernd so haltbar wie die fehlertolerante Vielfalt von Mutter Natur.
Im Detail bedeutet das: Wenn wir terraformen, greifen wir in ein System mit Millionen von Freiheitsgraden ein und versuchen, es bewußt zu steuern und auszubalancieren. Wenn wir genmanipulieren, versuchen wir, ein Puzzleteil (nämlich den Menschen) so zurechtzustutzen, daß es sich in ein bestehendes System mit Millionen Freiheitsgraden (z.B. in ein fremdes Ökosystem) harmonisch einfügt. Wenn wir eine reine Maschinenzivilisation errichten, bauen wir von Grund auf etwas mit einer etwas überschaubareren Anzahl von Freiheitsgraden, das aber unterm Strich unflexibler ist als das über hunderte von Millionen Jahren hinweg evolutionär gewachsene Leben. Das Universum ist nun mal unendlich komplex, und egal wieviel Wissen der Mensch anhäuft: Bei allem, was er schafft, kann er immer nur eine endliche Menge von Faktoren einkalkulieren.
Das ist meine Prämisse für dieses Setting. Ich behaupte nicht, daß es wirklich so ist; ich halte es aber für glaubwürdig, daß es so sein könnte.
Space Fantasy möchte ich, ehrlich gesagt, möglichst gar keine drin haben. Ich lasse mich gern auf nach heutigem Stand unerklärliche Technologien ein, solange sie der aktuellen wissenschaftlichen Lehrmeinung nicht offen widersprechen; deshalb bin ich durchaus für Schwebegleiter offen (bei denen ich nur nicht erklären kann, wie sie funktionieren sollen), nicht aber für FTL (was allein in theoretischen Gedankenspielen das bestehende Weltbild von hinten fickt). Dementsprechend möchte ich das Ganze auch nicht auf metaphysische Wesen und Gegebenheiten aufbauen. (Auch wenn ich es reizvoll finde, wenn innerhalb des Settings manche Gruppierungen daran glauben; als SL kann man ja offen lassen, ob nicht vielleicht doch eine davon recht hat.)
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Das ist meine Prämisse für dieses Setting. Ich behaupte nicht, daß es wirklich so ist; ich halte es aber für glaubwürdig, daß es so sein könnte.
Nachvollziehbar - und wenn man es mal ganz "ungeschönt" sieht, wäre es schon phantastisch, wenn die Menschheit es so weit schafft, dass sie sich über einen "Nabelschnureffekt" Gedanken machen muss.
Nichts von Menschen Geschaffenes ist ewig -- oder auch nur annähernd so haltbar wie die fehlertolerante Vielfalt von Mutter Natur.
Richtig - wobei das wohl auch ohne den Nabelschnureffekt der Fall wäre. Die Frage ist nicht ob, sondern wann - irgendwann gehen im Universum die Lichter aus, und spätestens dann... >:D
Edit:
Nebenbei bemerkt: Wenn es kein FTL gibt, halte ich über 500 interstellare Kolonien, die nur mit regelmäßigen Versorgungsflügen von der Erde am Leben erhalten werden können für gelinde gesagt optimistisch. ;) Unter den Begleitumständen halte ich es immer noch für sehr, sehr wahrscheinlich, dass man Kolonisationsversuche über Kurz oder Lang völlig aufgibt. Den eigentlichem wirklichen Sinn den es hätte, sich einen neuen Heimatplaneten zu suchen (nämlich um potentiell den Untergang des alten Heimatplaneten überleben zu können), kann Raumkolonisation hier ja nicht erfüllen...und wenn es irgendwann mal publik wird, dass es eben nicht funktioniert, sich interstellar auszubreiten - warum noch die Mühe?
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wenn es irgendwann mal publik wird, dass es eben nicht funktioniert, sich interstellar auszubreiten - warum noch die Mühe?
Warum gibt es Städte in Wüstenregionen, wie etwa L.A., dessen gesamte Wasserversorgung von einem 100km entfernten Bergsee abhängt? ;) Sollte hier jemals die versorgende Infrastruktur von außen zusammenbrechen, wäre das eine tödliche Katastrophe für dreieinhalb Millionen Menschen.
Wenn ich von "regelmäßigen" Versorgungsflügen spreche, meine ich damit auch nicht etwa einen wöchentlichen Pendelverkehr; ich rede eher von Intervallen in der Größenordnung Jahrzehnte/Jahrhunderte. Eine gut stabilisierte Welt kommt lang genug ohne Auffrischungskur von der Erde aus, daß der letzte Besuch eines Ökoschiffs nur aus den Geschichtsbüchern bekannt ist. Das wäre meinem Bauchgefühl nach mit einem gut ausgebauten STL-Verkehrsnetz durchaus machbar.
Darüberhinaus sehe ich viele Gründe, warum die Kolonisation weitergehen könnte, auch wenn nach ein paar Jahrhunderten noch keine einzige Kolonie echte Stabilität erlangt hat. Ich persönlich halte die Menschheit für ziemlich stur. ;) In den Foren dieses Settings wird es von Heilsbringern wimmeln, die alle verkünden, sie hätten den endgültigen Weg gefunden, um ihre Welt/alle Welten autark zu machen. Es wird, wie schon erwähnt, eine starke Lobby derer geben, die vom interstellaren Raumflug profitieren. Es wird auch immer Unzufriedene geben, die die repressive/spießige/ärmliche/einfach nur nervige Kultur ihrer Heimatwelt hinter sich lassen und von Grund auf etwas Neues errichten wollen. Es wird ganz einfach jene geben, die die Hoffnung nie aufgeben und darauf setzen, daß völlige Autarkie irgendwann doch erreicht werden wird. Und es wird jene geben, die unermüdlich auf der Suche nach einer zweiten Erde sind: Einem Planeten, dessen naturgegebenes Ökosystem dem Menschen ebenso eine Nische bietet wie die Mutterwelt Erde.
Sollte eine solche Welt jemals gefunden werden, schwebt mir auch (um den Bogen zum titelgebenden Topic zurück zu schlagen) eine schöne Zeremonie vor: Vom Entdeckerschiff wird der Gral mit dem Wasser von der Erde nach unten gebracht, ausgekippt und feierlich aus einer Quelle des neuen Planeten wieder gefüllt -- als Beginn einer neuen Nabelschnur.
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Das wäre meinem Bauchgefühl nach mit einem gut ausgebauten STL-Verkehrsnetz durchaus machbar.
Ich weiß nicht - irgendwie wäre mir das fast schon zu optimistisch, um bei der Prämisse "Niemals wird ein anderer Planet stabil besiedelbar sein" zu funktionieren. Die Voraussetzung, dass man immer wieder Erdmaterie benötigt, um seinen Planeten stabil zu halten, (und auch keine andere Kolonisationsalternative ohne Terraforming funktioniert, ganz egal was man versucht) planiert eine interstellare Kolonisation eigentlich so gründlich, dass man ein ganzes Netzwerk von interstellaren Kolonien gar nicht erst zusammenbekommt. In einem STL-Setting wäre schon auf der Technologie basierend jeder Kolonisationsversuch eine Mammutaufgabe von einer epischen Größe, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hat. (Es segelt ja nicht einfach nur die Mayflower los). Das wird die Menschheit nicht am laufenden Band tun, wenn sie sich denn überhaupt je dazu entschließen sollte, ein so unsicheres und teures Großprojekt durchzuziehen. Die Kolonisten werden erst einmal mit dem festen Wissen aufbrechen, dass sie niemals wieder etwas von der Erde hören. "Sieg oder Untergang" ist da die Devise. Sie werden alles, aber auch wirklich alles mit sich führen, was sie zu brauchen glauben und vor Ort alles ihnen mögliche versuchen, eine stabile Existenz aufzubauen. Nachschub von der Erde sollte man sicherheitshalber nicht einkalkulieren (nicht einmal dann, wenn man so nah an der Erde sitzt wie z.b. auf Alpha Centauri). Sollte sich dann herausstellen, dass es NICHT möglich ist, eine stabile Kolonie zu errichten, heißt das schlicht "Exitus" - Kolonie gescheitert. Das bei Weitem wahrscheinlichste Ergebnis des Ganzen wäre, aufbauend auf der Annahme, dass nie eine Kolonie erfolgreich sein kann, wenn sie nicht an der Nabelschnur der Erde hängt, wäre eine Reihe von toten Kolonien, aber kaum ein STL-Handelsnetz.
Glaubhafter wäre es IMHO eine Nummer kleiner, wenn man das Ganze auf das Sonnensystem beschränkt. (Und durch die Tatsache, dass es kein FTL gibt, wird die nihilistische Grundaussage und das Fermiparadoxon eigentlich schon recht gut erklärt ;) )
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Ehrlich gesagt, ich finde die ganze Prämisse schon ziemlich konstruiert, also mit dem "Wasser von der Erde" als Macguffin und so.
Ich würde das eher so angehen:
- Terraforming des Mars würde zigtausend Jahre dauern.
- Extrasolare Planeten, die bessere Grundbedingungen aufweisen, könnten hingegen in <<10.000 Jahren terraformed werden und bessere Endergebnisse erzielen.
- ergo ist der TF-Prozess eben auf diesen Welten noch in vollem Gange. Und darum wird halt auch immer noch Influx von der Erde benötigt. Das mit dem Wasser ist reiner Aberglaube / Tradition. So wie man Schiffe mit Champagner tauft.
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Die Voraussetzung, dass man immer wieder Erdmaterie benötigt, um seinen Planeten stabil zu halten, (und auch keine andere Kolonisationsalternative ohne Terraforming funktioniert, ganz egal was man versucht) planiert eine interstellare Kolonisation eigentlich so gründlich, dass man ein ganzes Netzwerk von interstellaren Kolonien gar nicht erst zusammenbekommt.
Wieso das?
Kolonie 1 wird gegründet. Man richtet sich darauf ein, daß die Terraformung sicher noch etliche Generationen dauern wird. In der Zwischenzeit werden die Kolonien 2 bis 10 gegründet.
Auf Kolonie 1 stellt sich erster Optimismus ein: "Ha! Diesmal sind wir wirklich autark!" Eine Welle neuer Expeditionen ist die Folge. Welt 11 bis 100 werden erschlossen. Während dieser zwei Jahrhunderte braucht Kolonie 1 lediglich eine einzige Auffrischungskur, und man ist überzeugt, das war die letzte.
Kolonie 101 bis 500 werden erschlossen. Kolonie 1 erleidet einen Rückschlag, während Kolonie 2, 7 und 11 gerade phantastisch dastehen. Mittlerweile haben sich komplette eigene Kulturen da draußen gegründet. Zwischenzeitlich liegt vielleicht sogar die Erde politisch und wirtschaftlich am Boden, wird wechselseitig von einigen ihrer Kolonien unterworfen und nur deswegen wie ein rohes Ei behandelt, weil der jeweilige Sieger die Kontrolle über die Ressourcen für die 500 "noch Abhängigen" behalten will; und weil er (ganz verschämt) dann und wann auch noch eine Auffrischung für seine Welt braucht.
Die Überzeugung, daß Kolonien immer instabil bleiben, wird möglicherweise selbst nach 3000 Jahren immer noch nur von einer Minderheit vertreten. ("Was faselst du? Wir haben seit 500 Jahren kein Ökoschiff mehr hier gesehen. Diesmal sind wir wirklich stabil!") Und wenn dann doch mal eine alte, etablierte Kolonie ins Wanken gerät, wird der Alteingesessene sagen: "Meine Familie ist seit zwanzig Generationen hier ansässig; ich werde jetzt nicht von hier abhauen und auf irgendeinen Planeten auswandern, den ich nie gesehen habe und der nur zufällig ökologisch stabil ist. Die Flotte soll uns helfen, damit es hier weitergeht!"
Fazit: Ich sehe da durchaus Mechanismen, mit denen sich ein STL-basiertes Sternenreich entwickeln könnte, das weiterhin ständig von der Erde gespeist wird.
Glaubhafter wäre es IMHO eine Nummer kleiner, wenn man das Ganze auf das Sonnensystem beschränkt. (Und durch die Tatsache, dass es kein FTL gibt, wird die nihilistische Grundaussage und das Fermiparadoxon eigentlich schon recht gut erklärt ;) )
Dann funktionieren aber ein paar meiner Metaplots nicht mehr, z.B. der mit dem fremden Sternenreich in Ruinen.
Das mit dem Wasser ist reiner Aberglaube / Tradition. So wie man Schiffe mit Champagner tauft.
Sicher. Genau so habe ich mir das ja auch gedacht.
Das Wasser befindet sich nur symbolisch an Bord der entsprechenden Schiffe. Um die Ökosysteme vor Ort "aufzufrischen", werden Zellkulturen transportiert. Das war von Anfang an die Idee dahinter.
Die ganze auf "Wasser von der Erde" basierende Wirtschaft ist rein ideologiebasiert; wie Reliquienhandel im Mittelalter.
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Für eine Hard-Sci-Fi-Herangehensweise ist das IMHO immer noch nichts. Als Science-Fantasy finde ich es, wie gesagt, großartig. Soll es STL und wissenschaftlich durchdacht sein, übersieht es meines Erachtens ein paar Faktoren.
- Der Aufwand für eine einzelne interstellare Kolonie ist wie oben erwähnt schon schlicht unglaublich. (Realistisch betrachtet ist eine koloniale Ausbreitung im eigenen Sonnensystem ja schon fraglich. Nicht zu unrecht gibt es einige, die meinen das die Menschheit, wenn überhaupt, nie über Forschungsaussenposten hinauskommen wird)
- Die Entfernungen sind immens. Es werden keine Handels- oder Eroberungsflüge stattfinden, wenn man mit einem halben Jahrtausend Flugzeit oder mehr rechnen muss. Daher ist eine interstellare Kolonie entweder vom Start weg vollkommen autark - oder tot.
- Wichtigster Punkt vielleicht: jeder besiedelte Planet ist ein Unikat mit ganz eigenen Herausforderungen, Problemen und Punkten an denen man grandios scheitern kann. Ein Wüstenplanet, den man erst mit mit Hilfe von Kometen bewässern muss ist was völlig anderes als eine Ozeanwelt unter einem kilometerdicken Eispanzer. Gibt es dann noch einheimisches Leben oder nicht? Wie reagiert dieses zusammen mit irdischem Leben? In wie weit kann und muss sich die Menschheit selbst anpassen? In wie weit nimmt man überhaupt "Menschen" zur Kolonisation her? Nimmt man Roboter? Nimmt man Uplifts? Genmanipulation der eigenen Spezies? Die Sache mit der Zauberauffrischung von der Erde wirkt da vor einem Hard-Sci-Fi-Hintergrund etwas....ähm...zu "magisch".
Wie gesagt: Für Science-Fantasy als Ökomärchen halte ich das Konzepf für durchaus geeignet. Für härtere SciFi weit weniger. Nicht, weil ich zu optimistisch wäre, was interstellare Kolonisation angeht, sondern weil sie an anderen Punkten weit eher und weit schlüssiger scheitern kann.
Auf Kolonie 1 stellt sich erster Optimismus ein: "Ha! Diesmal sind wir wirklich autark!" Eine Welle neuer Expeditionen ist die Folge. Welt 11 bis 100 werden erschlossen. Während dieser zwei Jahrhunderte braucht Kolonie 1 lediglich eine einzige Auffrischungskur, und man ist überzeugt, das war die letzte.
Du solltest bei Terraforming statt in Jahrhunderten eher in Jahrzehntausenden rechnen. Und zwar in Jahrzehntausenden, in denen die Hauptbeschäftigung der Kolonisten im Terraforming besteht. Die werden nach zwei läppischen Jahrhunderten noch nicht glauben, am Ziel zu sein. Und die würden vermutlich auch mehr Plan-B-Szenarien im Hinterkopf haben, als man in einem Rollenspielforum auswalzen kann ;D. Und: Ja - das kann daneben gehen. >;D
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Die Sache mit der Zauberauffrischung von der Erde wirkt da vor einem Hard-Sci-Fi-Hintergrund etwas....ähm...zu "magisch".
Auch nicht viel magischer, als magische Uplifts/Genies, die auf magische Weise die von dir angezählten Probleme aushebeln und dabei auf noch viel magischere Weise ganz problemlos realisierbar sind...
Die Ökonomie der Sache steht natürlich noch einmal auf einem anderen Blatt.
mfG
jdw
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Um die Ökosysteme vor Ort "aufzufrischen", werden Zellkulturen transportiert. Das war von Anfang an die Idee dahinter.
Nur: Was genau können diese Zellkulturen was Zellkulturen auf dem Planeten nicht können? Wie genau "stablilisieren" sie das Ökosystem? Und woher weiß ich das sie es stabilisieren, wenn ich das Ökosystem einerseits nicht genau verstehe (zu komplex) - andererseits offenbar genau seine Probleme kenne und die passende Zellkultur habe?
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Auch nicht viel magischer, als magische Uplifts/Genies, die auf magische Weise die von dir angezählten Probleme aushebeln und dabei auf noch viel magischere Weise ganz problemlos realisierbar sind...
Das ist natürlich richtig. Letztlich ist ja schon das Konzept einer interstellaren Kolonie selbst irgendwo "magisch". Gegenwärtig wäre ja selbst ein Forschungsaussenposten auf dem Mars ganz, ganz großes Kino). Nach meinem Bauchgefühl terminiert die Prämisse, dass eine interstellare Kolonie bei STL-Raumflug von steten Frischzellkuren durch Materie von der Heimatwelt abhängig ist, die Möglichkeit einer Ausbreitung in andere Sonnensysteme halt ziemlich gründlich - gefühlt sogar so gründlich, dass es die Entstehung eines "Nabelschnur-Sternenreiches" schon zu Beginn abwürgt. Wenn man die Sache in Richtung Hard-Sci-Fi aufzieht, und noch den ganzen anderen Aufwand, den man mit interstellaren Kolonien hätte, mit einberechnet. Sieht man die Sache in Richtung Fantasy etwas lockerer, hat man dieses Problem weniger.
Nur: Was genau können diese Zellkulturen was Zellkulturen auf dem Planeten nicht können? Wie genau "stablilisieren" sie das Ökosystem? Und woher weiß ich das sie es stabilisieren, wenn ich das Ökosystem einerseits nicht genau verstehe (zu komplex) - andererseits offenbar genau seine Probleme kenne und die passende Zellkultur habe?
Das ist die andere Frage. Daher tendiere ich auch hier zu einer astrein-übernatürlichen Erklärung. ;D
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Und woher weiß ich das sie es stabilisieren, wenn ich das Ökosystem einerseits nicht genau verstehe (zu komplex) - andererseits offenbar genau seine Probleme kenne und die passende Zellkultur habe?
Eine weitere Frage wäre auch: Wie finden die Kolonisten es rechtzeitig vorher raus? Angenommen, eine Kolonie wäre....sagen wir mal, 350 Lichtjahre von der Erde entfernt. Auch wenn die Kolonisten herausfinden, was ihnen fehlt wird es 700 Jahre dauern, bis die Erde es liefern kann. Und bei den unzähligen verschiedenen Möglichkeiten, auf die ein komplexes künstliches Ökosystem (laut Prämisse) aus dem Ruder laufen kann, ist es vergleichsweise unwahrscheinlich, dass ein alle paar Jahrhunderte vorbeikommendes Schiff zufällig genau das Richtige mit sich führt (vorausgesetzt, die Schiffe führen nicht standartmäßig eine Gendatenbank der gesamten terrestrischen Biosphäre mit sich). Das die Kolonisten ihr Ökosystem so penibel kennen und so genau prognostizieren können, dass sie wissen was für ökologische Probleme in 7 Jahrhunderten auf sie zu kommen, würde der Prämisse ja eigentlich sauber widersprechen.
Mal so als Alternativmöglichkeit: Wie wäre es, wenn man Ganze auf eine überschaubare Zahl von Sonnensystemen (wat weis ich - vielleicht 5 statt 500) begrenzt, die alle so nah an der Erde liegen, dass sich die Reisezeit nur in Jahrzehnten bemisst - so dass die Terraformingepoche von mehreren Jahrzehntausenden einen vergleichsweise häufigen Verkehr zwischen den Sonnensystemen erlaubt, und auch die anderen Probleme einer potentiellen interstellaren Kolonisation mit einbezieht. Nachschublieferungen wären nicht so völlig unsinnig, da die Entfernungen nicht so übermäßig gigantisch sind. Bei diesen überschaubaren Welten weiß man jeweils, welche Nachschubmaterialien man nachliefern muss, wobei diese sich von Planet zu Planet stark unterscheiden können. Das nimmt der Erdlieferung an sich den Ruch des magischen Panacea. Der Alienplot bleibt natürlich drin - in einem der kolonisierten Systeme hat man Ruinen gefunden und man hat jüngst auch herausfinden können, woher die Außerirdischen gekommen sein müssen. Es stellt sich heraus, dass die Aliens der Menschheit technisch unglaublich weit voraus waren, ihrerseits aber auch nur 15 Sonnensysteme besiedeln konnten, bevor sie nach Millionen von Jahren eingingen.
Der zusätzliche Vorteil einer überschaubaren Weltenanzahl läge auch darin, exemplarisch ein paar generelle Probleme von interstellaren Kolonien aufzeigen kann, ohne dass es so wirkt, als würde Mutter Natur paranormal mit dem grünen Zeigefinger zu winken. Zudem könnte man darauf eingehen dass die Probleme, sich interstellar auszubreiten, nicht nur an einem Punkt liegen, sondern an einem Haufen verschiedener, immer wieder anderer Probleme. Zudem kann man hier auch noch einbauen, dass eine Nabelschnur nicht zu lang sein kann.
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OK, der Reihe nach. Dieses Posting ist etwas länger, daher habe ich es mit ein paar Überschriften gegliedert.
Zunächst einmal, mein Anspruch an das Setting ist nicht "völlige" Hard SF, sondern lediglich ein "so hart wie möglich, so weich wie nötig". Nötig wofür? An dieser Stelle vielleicht erst mal ein paar Worte zu meiner erzählerischen Absicht.
1. What's f@#*ing wrong with SF these days?
Dafür allerdings ist ein literaturgeschichtlicher Exkurs notwendig. ;) Die SF der "Golden 50s" zeichnete sich durch einen ungebremsten, naiven Optimismus aus. "Dieses Jahrhundert besiedeln wir noch den Mars, die Galaxis kommt im nächsten Jahrhundert dran", so ungefähr. Dieser Optimismus war, rückblickend betrachtet, zweifellos übertrieben und ging über die Probleme, die wir allein schon auf der Erde hatten bzw. haben, ziemlich leichtfertig hinweg. "Ja, sicher, irgendwann gibt es einen Atomkrieg, und nach dem Wiederaufbau brechen wir zu den Sternen auf", so ungefähr.
Schon damals war zwar auch eine pessimistischere, mahnende SF gegenwärtig, doch bis sie sich Gehör verschaffte, vergingen 30 Jahre. In den 80ern hatten sich Cyberpunk und Dark SF weit genug etabliert, um (zusammen mit der Tagesschau) den ungebremsten Zukunft-und-Weltraum-Optimismus zu dämpfen -- was zu jener Zeit zweifellos dringend nötig war. Die neue Generation von SF-Autoren betonte sehr die extremen Schwierigkeiten, die ein Aufbruch ins Weltall bedeuten würde, und zeichnete auch sozial mehr und mehr das Bild einer verrotteten, verkommenen Menschheit, die ihren Untergang nicht nur selbst herbeiführte, sondern auch verdiente. Das Weltall-Motiv wurde nicht länger mit einer "Aufbruch zu neuen Horizonten"-Stimmung bedient, sondern zunehmend -- wenn überhaupt -- mit einer "Flucht von der zerfallenden Erde"-Stimmung. Wer doch noch überhaupt ein optimistisches, "schönes" Bild vom Weltall zeichnen wollte, wurde von den Genrekonventionen mehr und mehr in den Bereich "Space Fantasy" verbannt.
2. Die Vision
Der Status Quo der SF lautet: "Realistisch = düster". Wenn eine Zukunftsvision überhaupt von großen Sternenreichen handelt, wird sie automatisch als Space Fantasy eingeordnet. (Disclaimer: Nein, Waldviech, ich möchte dir an dieser Stelle nicht diesen Beweggrund für deine Argumentationsweise unterstellen; deine Einstellung ist differenziert und wohlbegründet, aber ich stoße sehr häufig auf eine geradezu reflexartige Ablehung von "Kitsch im Weltraum".) Das Science Fiction-Genre bietet im Moment wahlweise eskapistische Fantasy oder düstere, hammerharte Untergangsprophezeihungen; was sie nicht mehr bietet, sind Visionen.
Und genau diese möchte ich mit meinem Setting wieder anfachen.
Visionen, die -- zumindest im Kern -- erreichbar erscheinen. Deshalb möchte ich auf offensichtliche Fantasy-Elemente wie FTL verzichten. Deshalb möchte ich das Ganze im wissenschaftlichen Sinne so "hart" machen, wie es irgend möglich ist, ohne den visionären Kern dabei zu zermalmen.
Wenn wir aber über eine Zukunft reden, die sich über mehrere Jahrtausende erstreckt, wird abseits einiger naturwissenschaftlicher Grundpfeiler so ziemlich alles, worüber wir reden, hochspekulativ. Derzeit peile ich an, meine Haupthandlung irgendwann im 57. Jahrhundert anzusiedeln; das ist 3600 Jahre von hier entfernt, was ungefähr dem Zeitraum vom mittleren ägyptischen Reich bis heute entspricht. Kulturell und mentalitätsgeschichtlich ist da, was die Entwicklung der Menschheit betrifft, so ziemlich alles drin. Und wenn ich mir ansehe, mit welcher Beharrlichkeit z.B. mittelalterliche Bergleute 100 Jahre lang(!) daran gearbeitet haben, einen Stollen ganze 7m tiefer in den Berg zu treiben (zu besichtigen in Freiberg bei Dresden), dann fällt es für mich zumindest in den Rahmen des Vorstellbaren, daß Menschen auch unter den Einschränkungen von STL die Geduld und Beharrlichkeit aufbringen, eine so titanische Aufgabe wie den Aufbruch zu den Sternen zu stemmen; vorausgesetzt, sie haben eine Vision. Und da ist es Aufgabe der SF, sie zu liefern.
Soviel zu meinen Beweggründen. Nun zu euren Beiträgen im Einzelnen:
3. Was ist möglich und warum nicht?
@Waldviech: Den Anspruch "Hard SF" habe ich, wie gesagt, lediglich so weit, daß ich dem aktuellen Stand der Wissenschaft nicht offen widersprechen möchte. Im Rahmen dieses wissenschaftlichen Standes auf phantastisch anmutende technische Fortschritte zu setzen, ist hingegen eine Option, die ich mir offenhalte. Soll heißen: Der Aufwand für eine einzelne interstellare Kolonie ist nach heutigem Ermessen unglaublich. Das ist der Aufwand für ein Gebäude wie den Kölner Dom nach dem Ermessen von Steinzeitmenschen auch. Und ein Gebilde wie ein moderner Flugzeugträger wäre zwar nach dem Ermessen eines Galilei prinzipiell denkbar gewesen, aber "niemals realisierbar". Ist eine interstellare Kolonie realisierbar? Oder ein ganzes Sternenreich? Ich weiß es nicht, aber ich kann sie nicht prinzipiell ausschließen, also warum nicht eine Vision davon aufbauen? Warum diese Vision gleich wieder als "Fantasy" abtun, wenn sie zumindest keinem bekannten Naturgesetz widerspricht?
4. Wenn ich schon sage, Kolonisation ist sauschwer...
Für die Auffrischungskuren rede ich, wie gesagt, von Zeitabständen im Rahmen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten. Ich gehe davon aus, daß Ökosysteme eine gewisse Trägheit besitzen, die den Kolonisten genug Reaktionszeit läßt, um Hilfe von benachbarten Welten oder -- wenn es ganz hart auf hart kommt -- von der Erde selbst anzufordern. Die Notwendigkeit einer vollkommenen Autarkie (eine hinreichend hoch entwickelte Raumfahrt vorausgesetzt) sehe ich damit nicht länger gegeben. Daß vollkommene Autarkie wünschenswert wäre, steht auf einem anderen Blatt; wenn ich sie aber für die Menschheit zulasse, muß ich sie auch für andere Spezies zulassen, und dann laufen wir mit Karacho ins Fermi-Paradoxon -- oder in eine Galaxis, in der die Menschheit allein ist. Letztere wäre mir zu trübsinnig, also habe ich mich auf die (von dir korrekt benannten) Schwierigkeiten bei der Schaffung/Manipulation von Ökosystemen besonnen und daraus meine "Nabelschnur"-Prämisse gehäkelt.
5. ... warum "gebe ich nicht gleich zu", daß sie unmöglich ist?
Zum Punkt "Jeder Planet ist ein Unikat": Stimmt. Für mein Setting gehe ich nicht nur von einer extrem hoch entwickelten Raumfahrttechnik aus, sondern auch von einer extrem hoch entwickelten Ökologie. Der Mensch hat in diesem Setting seine heutige, hausgemachte Umweltkatastrophe gemeistert (Ein Task, der nach heutigem Ermessen schon unglaublich genug erscheint) und sich dabei ein Wissen über Ökosysteme angeeignet, das ihm die Urbarmachung von Wüstenwelten, Ozeanwelten und vollkommen fremdartigen Dschungeln leicht erscheinen läßt -- eine folgenschwere Selbstüberschätzung, die zur übereilten, unüberlegten Ausbreitung ins Weltall führt. Meine "Zauberauffrischung" von der Erde soll nicht etwa so aussehen, daß ein Schiff vorbeikommt und ein Standardpaket Zellkulturen abwirft, und alles wird gut; die Flotte, die für diese Auffrischungen zuständig ist, jongliert mit einer äußerst empfindlichen Balance -- auf jeder Welt für sich und zwischen den Welten untereinander. "Welcher Planet braucht welchen Mix von Zellkulturen, um sein bedrohlich wachsendes Ungleichgewicht zu beheben" ist eine Frage, an der ein gewaltiges Netzwerk von Experten und KIs permanent herumtüftelt.
Auch verstehe ich unter "Terraforming" in diesem Zusammenhang nicht, daß man die vorgefundenen Welten in Kopien der Erde verwandelt; vielmehr geht es mir darum, daß sich Menschen auf Welten mit bereits vorhandenen einheimischen Ökosystemen ansiedeln. Das "Terraforming" besteht darin, menschliche Nutzpflanzen und -tiere so in die bestehende Welt einzufügen, daß der Mensch eine Lebensgrundlage hat. Das wiederum zieht die Notwendigkeit von Nicht-Nützlingen nach sich wie z.B. bestimmte Insekten, die von irgendwelchen Vögeln gefressen werden, die wiederum für irgendwelche Pflanzen wichtig sind usw. usf., sprich: einen Riesenrattenschwanz von "kleinen Anpassungen" am Ökosystem bzw. an der Nahtstelle zwischen dem einheimischen und dem terranischen Ökosystem. Aus diesem Grund halte ich es auch für glaubwürdig, daß Kolonisten sich durchaus nach, sagen wir, 500 Jahren in Sicherheit wiegen könnten: "Hey, jetzt sind wir wirklich ein Teil dieser Welt!"
@Arldwulf: Ich hoffe, vor allem in letzterem Absatz auch deine Frage beantwortet zu haben. Die eingeführten Zellkulturen "stabilisieren" unterm Strich nicht, sie "steuern gegen".
6. Back to the details
Die "Nabelschnur" soll auch -- gerade bei den entfernteren Kolonien -- nur in Ausnahmefällen direkt bis zur Erde selbst reichen. Meine besagte Flotte wird die meiste Zeit damit verbringen, kleinere Ungleichgewichte auszugleichen, indem von Kolonie #389, #417 und #422 Zellkulturen entnommen werden, um sie nach #628 zu bringen, wo es diese speziellen Zellen einfach noch nicht gibt; wo sie aber eine bestehende Lücke im Ökosystem schließen würden. Sollte die Erde tatsächlich zu irgendeinem Zeitpunkt verlorengehen, dann würde das Sternenreich der Menschheit auf diese Weise noch ein paar Jahrtausende weiterbestehen, indem sich die Kolonien gegenseitig versorgen; irgendwann aber würde das Ganze unweigerlich aus dem Ruder laufen, und die Tage der Menschheit wären gezählt.
(Tatsächlich fände ich so ein Endzeit-Szenario von sterbenden Kolonien ebenfalls ganz reizvoll, wenn es nicht gerade meine Absicht wäre, eine positive Utopie zu erschaffen.)
@Waldviech: Noch zu deinem abschließenden Vorschlag, das Ganze auf wenige Welten im Umfeld der Erde zu beschränken: Dieses Setting klingt ebenfalls reizvoll und durchaus nach "härterer" SF, als es mir bislang vorschwebte. Ich lasse es mir auf jeden Fall durch den Kopf gehen. Im Moment bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es mit meiner erzählerischen Absicht von der "großen Vision" vereinbar ist; die hat im Zweifelsfall Vorrang.
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Ich mag ja positive und somit etwas altbackene SciFi sehr gerne, deswegen würde ich auch jederzeit Traveller (3I oder 2300AD) als positive Spiele bespielen.
Ich tue mich nur schwer mit der Vorstellung einer großen Kolonisierung ohne irgendeine Art von FTL. Der nicht-cthulhoide Teil von The Void gefällt mir da, der Ansatz von Aeon/Trinity gefällt mir da, nur in diesem fall, ein größeres Kolonienetz, ach kA., ich finde da nicht rein.
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Ah, das macht einiges klarer - ich hatte da ehrlich gesagt einen eher dystopischen Ansatz gesehen und mich gefragt: Warum in diesem Falle noch ein Problem konstruieren, wenn interstellare Kolonisation so schon schwer genug ist? (Das sie per se unmöglich ist, glaube ich im Übrigen auch nicht, nur das sie unter Umständen sehr, sehr schwer sein kann....). Für hellere Ansätze bin ich tatsächlich sehr gern zu haben! :)
Den Anspruch "Hard SF" habe ich, wie gesagt, lediglich so weit, daß ich dem aktuellen Stand der Wissenschaft nicht offen widersprechen möchte. Im Rahmen dieses wissenschaftlichen Standes auf phantastisch anmutende technische Fortschritte zu setzen, ist hingegen eine Option, die ich mir offenhalte.
Hmm...wie phantastisch dürfte es denn "maximal" werden? Die bereits angesprochenen transhumanen "Setting-Sprenger" sind ja mehr oder weniger ausgeschlossen, aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht grundsätzlich als unmöglich einzustufen. Nebenbei bemerkt: Das eine potentielle Maschinenzivilisation "weniger komplex" wäre, als das was Mutter Natur erschafft, würde ich ein wenig anders sehen. Zum Einen konstruiert das einen Gegensatz zwischen Menschenwerk und Natur, der bei näherer Betrachtung nicht da ist (streng genommen sind auch Roboter ein Teil von "Mutter Natur", da nichts außerhalb der Natur stehen kann), zum anderen übersieht es, das hier Einzelteile mit dem Gesamtsystem verglichen werden. Die mangelnde Flexibilität wäre vielleicht ein Faktor, müsste es aber nicht zwingend sein. Auch das Baumbeispiel ist zumindest fragwürdig. Genau wie ein menschliches Gebäude kann ein Baum auch nur deswegen 1000 Jahre alt werden, wenn er permanent instand gehalten wird - in diesem Falle von seinen eigenen lebenden Zellen. Wird der Baum nicht mehr instand gehalten (weil er tot oder krank ist), verfällt er weit schneller als jedes Steingebäude. Das Prinzip ist also in beiden Fällen das selbe. Eine "lebende" Raumstation überdauert deswegen so lange, weil sie von ihren Bestandteilen (der Besatzung) instand gehalten wird. Ist halt nur eine Frage der Perspektive.
Aber genug Philosophiererei: Mal so als fixer Gedanke - wie sähe es mit einem "Limited-FTL" aus? Rein mathematisch gesehen scheint ein Warp-Antrieb ja nicht so völlig unmöglich zu sein. Könnte man da, auf Basis der heutigen Überlegungen zu diesem Antriebssystem nicht auch was basteln? Natürlich mit den Nachteilen dieser Technologie, die sich abzeichnen. Mehr als zehnfache Lichtgeschwindigkeit scheint nicht drin zu sein (Flüge dauern unter Umständen immer noch Jahre), innerhalb der Warpblase baut sich immense Strahlung auf (man muss die Besatzung also während der Flugzeit strahlensicher eintüten), diese Strahlung entläd sich am Ankunftsort recht destruktiv (man sollte also tunlichst am Rand des Sonnensystems aus der Warpblase plöppen und sichere Sprungzonen einrichten), das Ganze ist relativ energieaufwendig (auch wenn man wohl nicht den ganzen Jupiter bräuchte), außerdem wäre ein Warpschiff wegen des Energieaufwandes wohl auch größenbeschränkt. Was, wenn die Nabelschnurzivilisation auch sowas im Petto hätte? Nicht, um viel Zeug zu transportieren - das passiert generell mit Sublicht, weil man sonst viel zu viel Energie brauchen (und bei Ankunft auch explosiv freisetzen) würde. Aber zur schnelleren Kommunikation könnte es vielleicht eine kleine Flotte an warpfähigen Kurierschiffen geben....ein ideales Vehikel für SC, und dafür wichtige Biokulturen zu transportieren!
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Könnte man di Idee aus dem Honorverse aufgreifen? Ist zwar nicht Hard SciFi, aber die Warp-Routen und Knoten gefallen mir irgendwie.
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Muss nur ich jetzt an "Krieg der Eispiraten" denken? ;D
Welcher einer der großartigstens Sci-Fi-Filme aller Zeiten ist..
(Aber das nur am Rande ;) )
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Ich sage nur "Das Schiff hat Herpes" ;D
Im Übrigen mal nebenbei so halb-offtopic:
Was, wenn sich das Fermi-Paradox (so es dieses geben sollte - ob die Überlegungen dahinter so ganz stichhaltig sind, ist ja nicht unumstritten) dadurch löst, dass sich besonders hoch entwickelte Zivilisationen in eine Art "Wohlstandsstasis" katapultieren? Mal fix überlegt, wie die Welt aussähe, wenn die Menschheit all ihre Probleme lösen würde: Die Bevölkerung wäre stabil, könnte bis in alle Ewigkeit nachhaltig ernährt werden, neuartige Technologien erlauben es, Rohstoffe vollständig zu recyceln, zunehmender Reichtum sorgt dafür, dass Konflikte auch weiter abnehmen, etc.pp. Wenn man sich irgendwann ein Utopia erarbeitet hat, in dem es einem an nichts fehlt und man weiß, dass man diesen Zustand nahezu unbegrenzt aufrecht erhalten kann, hat man kaum das Bedürfnis sich großartig auszubreiten. Das spricht nicht gegen eine gewisse Expansion, aber zumindest dagegen, das eine solche Expansion die Form eines intergalaktischen Heuschreckenschwarms annimmt. Zivilisationen, die es nach kosmischen Maßstäben geschafft haben, könnten also relativ kleine, total nach ihren Bedürfnissen gestaltete Blasen von relativ wenigen Sternensystemen bewohnen, aber nie das Bedürfnis entwickeln, die halbe Galaxis zu überrennen, weil sie das nicht brauchen. Droht ein Stern zu erlöschen, suchen sie sich in aller Ruhe dann und wann einen neuen (sie haben ja Zeit), aber das Galaktische Imperium entsteht in den meisten Fällen nicht.
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@Arldwulf: Ich hoffe, vor allem in letzterem Absatz auch deine Frage beantwortet zu haben. Die eingeführten Zellkulturen "stabilisieren" unterm Strich nicht, sie "steuern gegen".
So richtig beantwortet empfinde ich meine Frage damit eigentlich nicht. Du sagst man ist sehr weit mit der Ökologie, so dass die Zellkulturen genau richtig eingesetzt werden können um gegen Entwicklungen gegenzusteuern welche als schlecht empfunden werden.
Doch: Wenn dies so ist, warum bedient man sich dann nur Zellkulturen von der Erde? Nehmen wir mal an wir haben einen Wüstenplaneten und dieser wird urbar gemacht. Nach einer Weile stellt man fest dass beispielsweise eine Pflanze die wichtig ist von einem Pilz befallen wird, und dass dies einem Dominoeffekt gleich die Stabilität des Ökosystems gefährdet. Mal ganz abgesehen wie unrealistisch dieses Szenario ist: Warum sollte die perfekte Zellkultur die dies verhindert gerade auf der Erde wachsen? Warum nicht auf Deserto 3 dem Nachbarwüstenplaneten der zwar andere Probleme hat, aber dieses in den Griff bekam?
Kurzum: Solange nicht erklärt wird was so besonders an den Lieferungen von der Erde ist bekommt man auch keinen Nabelschnureffekt. Sondern nur einen "Handel ist gut für Stabilität" Effekt.
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Ah, das macht einiges klarer - ich hatte da ehrlich gesagt einen eher dystopischen Ansatz gesehen und mich gefragt: Warum in diesem Falle noch ein Problem konstruieren, wenn interstellare Kolonisation so schon schwer genug ist?
Nenee, Dystopien gibt es für meinen Geschmack inzwischen mehr als genug. ;) Was ich aufbauen will, ist eine neutrale bis positive Vision, die wieder Lust aufs Weltall macht.
Allerdings bestätigt es mich in meinem Eindruck vom aktuellen Zustand der SF als Genre, daß ohne ausdrückliche Erwähnung dieser Zielsetzung sogar du ganz automatisch von einer Dystopie ausgegangen bist... :-\
Hmm...wie phantastisch dürfte es denn "maximal" werden? Die bereits angesprochenen transhumanen "Setting-Sprenger" sind ja mehr oder weniger ausgeschlossen, aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht grundsätzlich als unmöglich einzustufen.
Die transhumanen "Setting-Sprenger" möchte ich durchaus in das Setting integrieren, aber mehr unter der Rubrik "fehlgeschlagene Experimente". Es gäbe durchaus Zivilisationen von Genmutanten, Cyborgs und/oder Mischformen, die auf eigene Faust vielleicht sogar 1000 Jahre durchhalten. (Man beachte die enorme zivilisatorische Leistung, die allein das bedeuten würde: 1000 Jahre Stabilität abseits der "naturgegebenen" Grundlage!)
Der Nachteil dieser Ansätze soll (meinem Entwurf nach) in der zu hohen Spezialisierung bestehen. Genmutanten werden optimal an ihre jeweilige Umgebung angepaßt, aber da sie die frisierten Gene zusätzlich zu ihren terranischen Altlasten mitschleppen, erweisen sie sich bei der weiteren Expansion als eher noch unflexibler als unmodifizierte Homo Sapiens. Maschinen wiederum haben normalerweise gar keine Altlasten, sondern "from scratch" nur das, was sie für ihre jeweilige Umgebung brauchen; das macht sie zunächst enorm leistungsfähig und robust, solange sich die Umstände nicht ändern, aber um so anfälliger, sobald sich wesentliche Veränderungen einstellen. (Ich setze an dieser Stelle voraus, daß ein Mensch/KI-Netzwerk zwar an Kreativität jedes reine Menschennetzwerk weit hinter sich läßt, KIs alleine aber unkreativer sind und bleiben als Menschen alleine.)
Aber genug Philosophiererei: Mal so als fixer Gedanke - wie sähe es mit einem "Limited-FTL" aus? Rein mathematisch gesehen scheint ein Warp-Antrieb ja nicht so völlig unmöglich zu sein.
Damit hätte ich immer noch Bauchschmerzen, solange nicht die Frage geklärt ist, was dann aus der Kausalität wird. Zu diesem theoretisch möglichen Warp-Antrieb habe ich bislang zwar nur ein paar Online-Artikel überflogen, aber die Antwort darauf bleiben diese Artikel allesamt schuldig. Bis zu dem Thema keine fundierten Ausführungen vorliegen, möchte ich bei reinem STL bleiben.
Zudem: Reines STL ist in meinen Augen gerade das, was ein solches Setting interessant macht. Welchen dramaturgischen Effekt hat denn FTL? Es erlaubt den Menschen, sich in der Galaxis genauso zu benehmen wie heutzutage auf der Erde. STL hingegen fordert neue, nach heutigen Maßstäben fremdartige Denkweisen und kulturelle Institutionen. Gerade das empfinde ich als besonders spannend.
Alternative Lösungen des Fermi-Paradoxons habe ich übrigens auch in der Schublade und möchte daraus gern andere Settings stricken. In diesem Thread geht es mir allerdings ganz konkret um dieses hier, und dabei möchte ich, wenn es recht ist, bleiben. ;)
So richtig beantwortet empfinde ich meine Frage damit eigentlich nicht. Du sagst man ist sehr weit mit der Ökologie, so dass die Zellkulturen genau richtig eingesetzt werden können um gegen Entwicklungen gegenzusteuern welche als schlecht empfunden werden.
Doch: Wenn dies so ist, warum bedient man sich dann nur Zellkulturen von der Erde?
Eine Voraussetzung, die an dieser Stelle eingeht, ist: Ökosysteme unterschiedlicher Planeten sind untereinander so gut wie inkompatibel. Die Flora und Fauna fremder Welten bietet z.B. nur wenig, was für den Menschen überhaupt als Nahrung taugt, und selbst das muß kompliziert nachbehandelt werden.
Eine vollständige Lebensgrundlage für den Menschen bietet allein das Ökosystem der Erde. Natürlich bemühen sich die Kolonisten, auf jede neue Welt eine möglichst große Bandbreite an irdischen Lebensformen mitzunehmen. Trotz aller Unverträglichkeiten treten aber die mitgebrachten irdischen Organismen stets in irgendeine Form von Wechselwirkung mit dem einheimischen Ökosystem; nimm als Beispiel an, es gibt irdische Bakterien, die irgendein Stoffwechselprodukt einheimischer Mikroben in etwas anderes umwandeln, was dann ins Grundwasser sickert und zu einer toxischen Kartoffelernte führt... Und das sind dann die Kleinigkeiten, die auch die fortgeschrittenste Ökologie nicht vorhersehen, sondern nur per try and error herausfinden kann.
Die Annahme lautet demnach: Für eine Lebensgrundlage taugen nur Bausteine aus dem irdischen Ökosystem. Damit das Ganze nicht kippt, muß es aber in eine Balance mit dem einheimischen Ökosystem gebracht werden. Natürlich kann diese Balance teilweise durch die Einfuhr dritter Zellkulturen aus Ökosystem C wiederhergestellt werden; aber weggebrochene Bausteine der eigentlichen Lebensgrundlage für den Homo Sapiens können nur aus dem Pool "terranische Lebensformen" ersetzt werden.
Die von manchen "Gralssuchern" gesuchte "Zweite Erde" wäre demnach ein Planet, der sich dadurch auszeichnet, daß sein Ökosystem schon von sich aus dem Menschen eine Lebensgrundlage bietet.
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Klingt hält sehr komisch, Menschen kommen doch mit quasi allem aus, und irdische Ökosystems auf fremden Planeten werden doch so oder so sich anders entwickeln.
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Allerdings bestätigt es mich in meinem Eindruck vom aktuellen Zustand der SF als Genre, daß ohne ausdrückliche Erwähnung dieser Zielsetzung sogar du ganz automatisch von einer Dystopie ausgegangen bist...
Das war weniger der Zustand der SF allgemein als eher der "vorprogrammierte" Untergang. Allerdings würde ich Dir mit der Gesamtbeurteilung des Genres ziemlich zustimmen. Da kommt man aus Doom und Gloom kaum noch raus.
Eine vollständige Lebensgrundlage für den Menschen bietet allein das Ökosystem der Erde. Natürlich bemühen sich die Kolonisten, auf jede neue Welt eine möglichst große Bandbreite an irdischen Lebensformen mitzunehmen.
Klingt soweit recht schlüssig - allerdings würde das IMHO zu folgender Entwicklung führen (können): Das Inkompatibilitäten mit außerirdischen Ökosystemen zu erwarten sind (da gehen wir heute ja schon von aus), wirkt sich deutlich auf die Planetenauswahl der Kolonisten aus. Planeten mit bereits existierendem Ökosystem fallen weitgehend raus. Besonders interessant sind "Proto-Erdwelten", die das Potential für ein Ökosystem haben, aber noch keines entwickelt haben. Das Problem dabei kann sein, dass man dabei regelmäßig bereits existierende Mikroorganismen übersieht oder das irdische Organismen auf irgendwelche Details anders reagieren als vorhergeplant. (Das umgeht auch das Problem, warum eine Menschheit die auf der Erde aus ihren ökologischen Fehlern gelernt hat, rausgeht und außerirdische Ökosysteme planiert. Denn das machen sie im Großen und Ganzen garnicht)
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@Waldviech: Klarer Fall von Crossposting. ;) Ein Teil meiner Antwort auf Arldwulf betrifft auch dich, auf den Rest gehe ich unten noch mal separat ein.
Klingt hält sehr komisch, Menschen kommen doch mit quasi allem aus, und irdische Ökosystems auf fremden Planeten werden doch so oder so sich anders entwickeln.
Es geht ja gerade nicht um (rein) irdische Ökosysteme auf fremden Planeten; das ist die Crux.
Zunächst mal: Daß Menschen mit quasi allem auskommen -- dem würde ich eher nicht zustimmen. Im Rahmen der Vielfalt, die uns dieser ganze Planet Erde bietet, sind wir relativ flexibel, aber von der Erde sind wir auch ein Teil. Und solange wir in der Sicherheit unserer kultivierten und gezähmten Umgebungen bleiben, neigen wir zu der Illusion, wir könnten uns an so ziemlich alles anpassen; daß sogar der größte Teil der Erde für uns lebensfeindlich ist, machen wir uns nur selten bewußt.
Nun meine Annahmen für das Setting:
1. Eine vollständig von 0 aufgebaute Biosphäre ist nur begrenzt haltbar. Ohne gelegentliche Korrekturen kippt sie recht schnell (binnen weniger Jahrhunderte) in einen für Menschen unbewohnbaren Zustand. Aus diesem Grund werden als Kolonieplaneten bevorzugt solche ausgewählt, die bereits ein einheimisches Ökosystem aufweisen -- insbesondere z.B. schon eine Vegetation, die freien Sauerstoff in der Atmosphäre erzeugt.
2. Wir sind kein natürlicher Teil dieses fremden Ökosystems und haben dort keine Lebensgrundlage. Die müssen wir von der Erde mitnehmen. Auch diese Lebensgrundlage aber muß sich im Rahmen des fremden Ökosystems behaupten. Dabei kommt zwar fast immer etwas heraus, das auch auf der fremden Welt lebensfähig ist; aber es stellt nicht automatisch einen Platz für den Menschen bereit. Um eine Analogie zu bemühen, stell dir die (aus irdischen Organismen aufgebaute) Lebensgrundlage des Menschen als einen Garten vor, umgeben von Wäldern aus Alien-Pflanzen, von denen der Mensch nicht leben kann. Diese Alienpflanzen haben den Heimvorteil und wuchern wie verrückt. Eine Zeitlang kannst du sie mit der Heckenschere von deinem Garten fernhalten, aber irgendwann haben sie einen Teil der irdischen Pflanzen unwiderruflich erstickt. Das ist der Moment, in dem eine Auffrischung mit irdischen Organismen fällig wird.
Klingt soweit recht schlüssig - allerdings würde das IMHO zu folgender Entwicklung führen (können): Das Inkompatibilitäten mit außerirdischen Ökosystemen zu erwarten sind (da gehen wir heute ja schon von aus), wirkt sich deutlich auf die Planetenauswahl der Kolonisten aus. Planeten mit bereits existierendem Ökosystem fallen weitgehend raus.
Natürlich auch eine schlüssige Überlegung; allerdings bin ich eher zum umgekehrten Schluß gekommen: Die Planeten mit einheimischem Ökosystem sind besonders interessant, da ein solches Ökosystem auch schon "natürliche Abwehrkräfte" gegen Klimaveränderungen, Sonnenaktivität etc. bereitstellt. Man verliert leicht aus dem Auge, wie sehr die Amazonas-Regenwälder und das Plankton der Ozeane unsere Temperatur regulieren. Auch freien Sauerstoff in der Atmosphäre wirst du nicht finden, ohne daß bereits ein Ökosystem vorhanden ist. Das macht Welten mit einheimischer Vegetation eher interessant.
Davon abgesehen habe ich mir das Vorgehen nicht etwa so vorgestellt, daß die Menschheit die außerirdischen Ökosysteme "planiert"; sie versucht eher, sich behutsam ihre Nischen darin zu schaffen.
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Um eine Analogie zu bemühen, stell dir die (aus irdischen Organismen aufgebaute) Lebensgrundlage des Menschen als einen Garten vor, umgeben von Wäldern aus Alien-Pflanzen, von denen der Mensch nicht leben kann. Diese Alienpflanzen haben den Heimvorteil und wuchern wie verrückt. Eine Zeitlang kannst du sie mit der Heckenschere von deinem Garten fernhalten, aber irgendwann haben sie einen Teil der irdischen Pflanzen unwiderruflich erstickt. Das ist der Moment, in dem eine Auffrischung mit irdischen Organismen fällig wird.
Nur, was nützt mir in diesem Szenario die auffrischung? Wenn die Außerirdischen Pflanzen überlegen sind, sind sie dies auch nach der Auffrischung. Insbesondere wenn sie so überlegen sind das nichtmal gärtnerische Arbeit durch Menschen etwas bewirkt.
Und wenn die außerirdischen pflanzen die Pflanzungen der Menschen verdrängt haben hilft doch auch nicht das in hundert Jahren evtl. ein Schiff mit neuen Pflanzen kommt. Warum sollte es auch?
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Natürlich wird das Schiff mit der Auffrischung nicht erst gerufen, wenn der ganze Garten schon verloren ist; der Notruf geht raus, sobald abzusehen ist, wohin das Ökosystem innerhalb der entsprechenden Warnzeit kippen wird. Und man hat in der Zwischenzeit die Lehre gezogen, welche andere Pflanze an dieser Stelle günstiger wäre und sich besser mit den einheimischen Pflanzen verträgt/gegen sie behauptet. Also bringt man mit der Auffrischung diese andere Pflanze, und der Gärtner hat wieder seine Ruhe. Für ein paar Jahrhunderte, ehe das Problem an einem anderen Ende des Gartens losgeht.
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Selbst wenn man mal annimmt ökosysteme konnten jemals so gut verstanden werden dass man dort so weit voraus planen kann, also Quasi das Wetter in hundert Jahren vorhersagen kann: wie genau hilft dort dann die Auffrischung? Wie stellst du dir das vor, wie viel Pflanzen sollen dort hinzukommen? Wenn die wirklich so hilfreich sind, warum verdrängen sie dann nicht die auserirdischen Pflanzenarten? Und wenn nicht, was bringt es dann? Das ganze wirkt irgendwie wie der versuch den Vulkan mit dem Wassertropfen aus einer Pipette zu kühlen.
Das sind doch Ökosysteme in planetarem Maßstab. Es ist einfach extrem schwer sich etwas vorzustellen das diese stabilisieren könnte ohne sich unkontrolliert auszubreiten. Man sollte eher Quarantäne erwarten. Aber selbst wenn man von Versorgungsschiffen ausgeht machen auch diese mehr Sinn als Handelsnetz, und würden keine besondere Erdbindung ergeben. Die notwendigen speziellen Ergänzungen könnten ja von überall kommen.
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@Arldwulf: Ich habe den Eindruck, wir drehen uns gerade im Kreis. Vielleicht wirkt das Szenario ja überzeugender, wenn ich es einfach für sich sprechen lasse. Ich glaube, ich habe jetzt genug Anregungen, um da was zusammenzuschreiben.
Danke an alle Diskussionsteilnehmer, auch und gerade die Kontroversen! :)
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Klar, ich denke es kann immer sein dass der Blick aufs große ganze verstellt ist. Insofern - ich würd mich freuen das Endergebniss lesen zu können. :-)
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Gebongt. Du bist im Verteiler. ;D
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Eines versteh ich nicht. kann man das Rohmaterial von der Erde nicht einfach "einfrieren" und lagern?
Dann muss man das nicht ständig nachkarren.
Und man müsst ja massive verteidigungssysteme für die Erde bauen, und massive Sicherheitsvorkehrungen im Spionagesektor, damit ja der Erde nichts passiert. Sämtliche (entscheidungstragende) menschen währen dann im grunde massive Erd-Paranoiker in klinischem Ausmaß, anders könnte so eine Zivilisation nicht funktionieren.
Da steht dann so ein transporter, der Erdmaterial holen soll, schon mal paar Wochen nur für die Kontrolle in irgendeiner orbitplatform, und jede Schraube wird auf Atompartikelebene geprüft.
Und zusätzlich währen alle irgendwie fatalistisch geprägt, weil wenn die sonne verreckt isses auch aus mit der menschheit. All die zigtausend Kolonien für die katz.