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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Text am 10.11.2013 | 18:31

Titel: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Text am 10.11.2013 | 18:31
Drüben im anderen Thread (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,87068.msg1771625.html) wird ja gerade unter anderem über Brettspiele mit Rollenspiel-Elementen diskutiert.

Als Beispiel werden da hauptsächlich Spiele wie Descent und Legenden von Andor genannt. Seltener Spiele wie Werwölfe.

Was macht eigentlich ein "Brettspiel mit Rollenspielelementen" aus?
Dass es in einem EDO-Fantasy-Setting spielt?
Dass es mit Miniaturen auf einem Spielplan gegen Monster gekämpft wird?
Dass man ein Characterbogen-Ersatz-Tableau hat und Gegenstände sammelt?

Sind das wirklich die Elemente die ein Rollenspiel definieren?

Ich bin ein bisschen enttäuscht, wenn unser Hobby tatsächlich noch so sehr an seinen Wargame-Wurzeln hängt.
Für mich ist der Teil nur (notwendiger?) Ballast - der spaßige Teil ist wenn Spieler verrückte Pläne schmieden und aus lauter Paranoia wieder verwerfen bevor sie es überhaupt versucht haben; kreatives Problemlösen, bluffen, und gemeinsames Geschichten erzählen.

Werwölfe ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel für ein BrettKartenspiel mit Rollenspiel-Elementen.
Aber die anderen genannten Beispiele sind für mich eher Cargo-Cult: sie übernehmen Tropes von Rollenspielen (EDO-Fantasy, gegen Monster kämpfen, ...) inklusive der eher komplexen Mechanik, ohne den eigentlich spaßigen Teil herauszuarbeiten.

Mir machen Spiele wie Dixit oder Coup Spaß: einfache Regeln und viel soziale Interaktion. Und ich hoffe auch mal Rollenspiel-Elemente in Brettspielen dieses Einschlags zu sehen.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Bad Horse am 10.11.2013 | 18:33
Krimi-Dinner würde ich als andere Seite des Spektrums sehen.  :)
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: blut_und_glas am 10.11.2013 | 18:33
Ich bin ein bisschen enttäuscht, wenn unser Hobby tatsächlich noch so sehr an seinen Wargame-Wurzeln hängt.
Für mich ist der Teil nur (notwendiger?) Ballast - der spaßige Teil ist wenn Spieler verrückte Pläne schmieden und aus lauter Paranoia wieder verwerfen bevor sie es überhaupt versucht haben; kreatives Problemlösen, bluffen, und gemeinsames Geschichten erzählen.

Wargaming also?

mfG
jdw
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Text am 10.11.2013 | 18:46
Wargaming also?
Wargaming (wie die meisten Spiele) hat halt feste Regeln: Einheit X macht Schaden Y (wenn Z).
Klar gibt es noch taktische Elemente. Klar gibt es noch den Aspekt dass man versucht den Gegner einzuschätzen.
Aber letztendlich unterliegt doch alles was ich mache den Regeln.
Es gibt natürlich Spiele wo der soziale Aspekt mehr in den Vordergrund rückt (Diplomacy, Junta, ...) - aber am Ende habe ich doch wieder den ganzen Regel-Ballast den ich im Hintergrund kennen muss (der ja auch bei Rollenspielen da ist).

Ich hoffe auf einen möglichst minimalen Satz Regeln der trotzdem ein interessantes soziales Verhalten zwischen den Spielern hervorruft.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Greifenklaue am 10.11.2013 | 19:10
Ich hoffe auf einen möglichst minimalen Satz Regeln der trotzdem ein interessantes soziales Verhalten zwischen den Spielern hervorruft.
Inwiefern passt das zum Titel des Threads?

Was aber ziemlich interessant für Dich sein könnte: Ja, mein Herr und Meister! Eine Gruppe Kobolde hat den letzten Auftrag versiebt und muss nun ihrem Herrn erklären, warum man selbst nicht schuld ist, sondern ein anderer der Gruppe.

Dabei sind Stichworte von Karten abzuarbeiten.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Crimson King am 10.11.2013 | 19:13
Wird hier speziell nach Brettspielen oder allgemein nach Gesellschaftsspielen gefragt?

Brettspiele haben üblicherweise dann RSP-Elemente, wenn die Spielfiguren nicht nur abstrakte Pöppel, sondern individualisierte Figuren mit unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten sind, und wenn das Spiel in eine Hintergrundgeschichte eingebettet ist, durch die die Handlung des Spiels leicht als Fortschreiben dieser Hintergrundgeschichte interpretiert werden kann. Was hier zum Rollenspiel fehlt, ist im Allgemeinen die absolute Handlungsfreiheit,  und was in Rollenspielen fehlt, sind eindeutige Sieg- und Abbruchbedingungen.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Taschenschieber am 10.11.2013 | 19:15
Regeln sind Fokus. Die meisten Rollenspiele fühlen sich so gleich-gleich an, weil die Regeln keinen Fokus haben. Wenn die Regeln einen guten Fokus setzen (FIASCO, Wushu, Dogs in the Vineyard), kommen originelle Spielerlebnisse raus - aber diese Systeme verkaufen sich dann mies, weil man die ja angeblich nur ein, zweimal spielen kann und das angeblich schlecht ist.

Rollenspielelemente in Brettspielen sind übrigens m. E. nicht Monsterschnetzeln und Co., sondern Elemente, durch die man im Spiel eine Rolle spielt. Sprich - man spielt einen Charakter, der Dinge tut (wie z. B. bei Battlestar Galactica). Das Rollenspiel-Gefühl kommt zustande, wenn die Spielregeln etwas weniger abstrakt sind als bei den meisten Eurogames, sodass eine Handlung tatsächlich ein Ergebnis bringt, das mit der Handlung in einer vernünftigen Korrelation steht (also wenn es keine solchen Meta-Späße gibt wie die Bohnenfeld-Beschränkung bei Bohnanza).

Und gerade mir machen diese ominösen Superduperfreiformerzählspiele, bei denen es kaum Regeln gibt, alles irgendwie sozial gemacht wird, keine klaren Ziele existieren, der SL handwedelt, wie es ihm grade passt und so weiter überhaupt keinen Spaß. Einfach weil sie im eigentlichen Sinne keine Spiele sind. Ich habe kein Problem damit, wenn andere Leute so was ganz toll finden. Aber dann fände ich es schön, wenn meine Spielefavoriten nicht dafür runtergemacht werden, weil sie Brettspielelemente haben und das irgendwie schlecht ist. Diese furchtbar dogmatischen Ansichten, wie ein Rollenspiel doch bitte zu sein hat, halten am Ende nämlich die ganze Szene zurück.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Greifenklaue am 10.11.2013 | 19:18
@Crimson: Ja, ich würde auch unterschiedliche Fähigkeiten wie z.B. bei Pandemie als ein Rollenspielelement sehen.

@Taschenschieber: Auch Battlestar Galactica ist dafür ein gutes Beispiel.

Ein weiteres Element, welches mehr in Compi- den in Brettspielen zu finden ist, dafür weit über den Compi-RPG-Bereich hinaus, ist das Aufsteigen / Hochleveln.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: blut_und_glas am 10.11.2013 | 19:33
Aber letztendlich unterliegt doch alles was ich mache den Regeln.

Tut es nicht.

Gerade auch den Aspekt der "unverregelten" (ergo zu verhandelnden) (Inter-)Aktionen, der fortlaufenden Interpration des "Geschehens" sowohl im Licht der Regeln als auch der "Geschichte", noch mehr natürlich den Aspekt der Haus- und Clubregeln teilen sich Kriegsspiel und Rollenspiel.

Gibt es Kriegsspiele und -spieler, die auf diese Aspekte weniger Wert legen? Sicher. Aber auch das ist beim Rollenspiel/bei Rollenspielern nicht anders.

Die Verwandtschaft ist in meinen Augen viel näher als oft behauptet, und beschränkt sich eben gerade nicht auf Spielmaterial (Miniaturen) und Themen (Fantasy), wie auch von dir einleitend postuliert, sondern ist weitreichender und grundlegender.

Insofern halte ich Kriegsspiele (wenn sie Brettspiele sind) auch erst einmal für recht wahrscheinliche Kandidaten für Brettspiele mit Rollenspielelementen.

Zitat
Ich hoffe auf einen möglichst minimalen Satz Regeln der trotzdem ein interessantes soziales Verhalten zwischen den Spielern hervorruft.

Diplomacy hast du da ja schon selbst angeführt. Minimal und sozial.

Was aber die Frage eröffnet: Ist freie Verhandlung wirklich das herausragende Merkmal des Rollenspiels, das du im Brettspiel wiederfinden möchtest? Ist das Tauschen von Rohstoffen bei Siedler von Catan demnach ein Rollenspielelement? Das führt in eine für mich merkwürdige Richtung.
Ohne jetzt das alte Fass, was Rollenspiel denn nun überhaupt sei, zu öffnen, ist dann doch erst einmal wichtig, was jetzt konkret die gesuchten Rollenspielelemente sind - beziehungsweise was sie sein könnten, und warum es nur Elemente sind anstatt das ganze Spiel direkt zum Rollenspiel zu machen (also ein Rollenspiel mit Brett - statt ein Brettspiel mit Rollenspielelementen).
Wir könnten uns dazu meiner Meinung nach allerdings fast beliebige Dinge herauspicken (jeweils mit mehr oder weniger Zustimmung - bei der Abgrenzung zum Kriegsspiel zum Beispiel kann ich dir für meinen Teil ja nicht zustimmen ;)).
Beispielsweise könnte ich die Abwesenheit von harten Spielzielen in vielen Rollenspielen als ein besonders herausragendes Element sehen und nach Brettspielen suchen (oder solche Spiele entwickeln?), die diese Eigenschaft teilen - Spiele, bei denen das Ziel vom Spieler selbst gesetzt wird, oder (und das findest sich zuhauf) durch die Spielfigur vorgegeben wird, oder in denen die Beobachtung des Spielverlaufs das Ziel ist.
Oder vielleicht ist die Zusammenarbeit in der Gruppe für mich ein zentraler Teil der Rollenspielerfahrung? Dann wären kooperative Brettspiele die Antwort... ...was aber schon wieder zu kurz greift, es sei denn ich behaupte jedes kooperative Brettspiel erfülle diesen Anspruch gleichermaßen.
Geht es mir um die berüchtigte Immersion? Sind also Brettspiele, die sich (Fantasy hin oder her) um den Aufbau einer sehr dichten Atmosphäre/einer dichten Hintergrundgeschichte/-welt bemühen - ganz unabhängig von ihren Regeln - die Kandidaten für "rollenspielige" Brettspiele?
Geht es mir (und da können wir natürlich möglicherweise auch wieder Teile der obigen Vorschläge verbauen) um die Nachvollziehbarkeit des im Spiel dargestellten Geschehens, um eine "gute Geschichte"? Also um Brettspiele, die die Spieler dazu bringen, eine solche Geschichte zu erzählen/entstehen zu lassen?
...

mfG
jdw
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: 1of3 am 10.11.2013 | 19:54
Ich glaube die Rollenspielähnlichkeit bei Descent ist nicht das Monster töten, sondern dass man diesen oder jenen Charakter spielt, der eine gewisse Geschichte und individuelle Züge hat. Das muss kein individueller Charakter sein. Völker bei Eclipse oder Twilight Imperium wirken ähnlich. Taschenschieber hat das relativ gut erklärt.

Es ist gleichsam nötig, dass Johnny (https://www.wizards.com/Magic/Magazine/Article.aspx?x=mtgcom/daily/mr11b) mitspielen darf. Johnny ist der Proto-Rollenspieler.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Thandbar am 10.11.2013 | 19:59
Interessant finde ich, dass man bei Computerspielen häufig dann von Rollenspielelementen redet, wenn man so Systemteile wie Level-Ups, Talentbäume oder ein ausführliches Ausrüstungssystem hat, das an einen Charakter anpassbar ist.

Je nach Medium ist also offenbar das "Rollenspieltypische" immer etwas ganz Verschiedenes.

Freies Verhandeln und Aushandeln hätte ich übrigens im Zusammenhang mit Brettspielen gar nicht mit Rollenspiel in Verbindung gebracht, sondern eher eine emotionale, stimmungsmäßige Investition in den Charakter, die dann schauspielerisch auch rübergebracht wird. 
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Wulfhelm am 10.11.2013 | 20:02
Tut es nicht.

Gerade auch den Aspekt der "unverregelten" (ergo zu verhandelnden) (Inter-)Aktionen, der fortlaufenden Interpration des "Geschehens" sowohl im Licht der Regeln als auch der "Geschichte", noch mehr natürlich den Aspekt der Haus- und Clubregeln teilen sich Kriegsspiel und Rollenspiel.
Könntest Du das wohl mal mit einem Beispiel aus der Praxis, also gerne einem Spielbericht eines KoSim-Clubs oder ähnlichem, belegen? Wenn möglich, bitte mit den Titeln der jeweiligen Spiele. In den Regelwerken der mir bekannten bzw. in meinem Besitz befindlichen KoSims findet sich nämlich nichts dergleichen.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Slayn am 10.11.2013 | 20:05
Interessant finde ich, dass man bei Computerspielen häufig dann von Rollenspielelementen redet, wenn man so Systemteile wie Level-Ups, Talentbäume oder ein ausführliches Ausrüstungssystem hat, das an einen Charakter anpassbar ist.

Je nach Medium ist also offenbar das "Rollenspieltypische" immer etwas ganz Verschiedenes.

Freies Verhandeln und Aushandeln hätte ich übrigens im Zusammenhang mit Brettspielen gar nicht mit Rollenspiel in Verbindung gebracht, sondern eher eine emotionale, stimmungsmäßige Investition in den Charakter, die dann schauspielerisch auch rübergebracht wird.

Ich glaube, das könnte man gut mit "sich seinen Charakter zu eigen machen" beschreiben. Du spielst nicht irgendeinen Held, du spielst deinen Held.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.11.2013 | 20:09
Bzgl. Eingangspost
Werwölfe würde ich nicht als "Brettspiel mit Rollenspiel-Elementen" sehen sondern eher als "Partiespiel mit Rollenspiel-Elementen". Sprich, Rollenspiel-Elemente sind vorhanden, aber es ist kein Brettspiel.

Was macht imho die Rollenspiel-Komponente bei einem Brettspiel aus:
1) Man steuert eine einzelne Figur. - Keinen abstrakten Pöppel wie bei "Mensch-ärgere-dich-nicht" und nicht mehrere Einheiten wie bei Strategiespielen. Sondern eine konkrete Figur.

2) Diese Figur besitzt Werte. Ob nun klassische Attribute oder eher etwas neuartiges, spielt keine Rolle. Hauptsache, diese Werte definieren die Figur. (Bei Monopoly besitzt die Figur beispielsweise keine Werte. Bei Space-Alert besitzen die Figuren auch keine Werte.)

2b) Optional: Die Werte der Figur lassen sich auch steigern. Das erhöht zwar das Rollenspielgefühl, ist aber nicht notwendig.

3) Ich interagiere über diese Figur mit dem restlichen Spiel. Das heißt für gewöhnlich: Ich kann die Figur bewegen und mit ihr Aktionen ausführen. Diese Aktionen bewirken dann irgendetwas auf dem Spielfeld.

4) Es muss eine Hintergrundgeschichte geben, die erklärt, warum die Figuren da sind und was sie wollen. Diese Hintergrundgeschichte kann gerne superkurz sein und nur aus 1-2 Sätzen bestehen. (z.B. "Ihr seid Detektive, die in ein Spukschloss gehen, um dort die mysteriösen Vorkomnisse zu untersuchen.") Hauptsache, die Hintergrundgeschichte ist da. (Egal wie kurz sie auch sein mag.)
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: blut_und_glas am 11.11.2013 | 00:14
Könntest Du das wohl mal mit einem Beispiel aus der Praxis, also gerne einem Spielbericht eines KoSim-Clubs oder ähnlichem, belegen? Wenn möglich, bitte mit den Titeln der jeweiligen Spiele. In den Regelwerken der mir bekannten bzw. in meinem Besitz befindlichen KoSims findet sich nämlich nichts dergleichen.

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mfG
jdw
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Teylen am 11.11.2013 | 00:31
Was macht eigentlich ein "Brettspiel mit Rollenspielelementen" aus?
Nach meiner Beobachtung:

Das geht von einer einfachen traditionellen Klasse (Dieb, Ranger, Krieger, Magier) bis hin zu weniger traditionellen Klassen (König, Händler, Meuchelmörder).

Das heißt das man im Grunde mehr oder weniger direkt lootet.

Salopp Stufenaufstiege mit Mehrfertigkeiten.

Sowas wie Risiko Evolution.

"Story Games", also Sachen wo man auch ggf. Punkte für Kreativität kriegt (gab da ein KS Projekt dessen Namen mir nicht mehr einfällt)

Es gab da ein Tabletop Game mit Minis, die man ausrüsten, hoch rüsten konnte und wo es um eine Art Überlebenskampf in einer Einöde voller Knochen mit regelmäßig angreifenden Monstern ging.

Das heißt kommt mitunter auch nur eins dieser Elemente vor kriegt das Tabletop Projekt auf KS RPG als Schlagwort verpasst.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Wulfhelm am 11.11.2013 | 01:16
Bezeichnend im Zusammenhang mit deiner Frage übrigens auch, dass ich das Regelwerk nicht benennen kann - weil es ein selbstgestricktes Clubregelwerk war.
Ja, das ist in der Tat bezeichnend, weil ich es zwar auch nicht in Abrede stellen möchte, dass man Rollenspielelemente auf diese Weise in Wargames einfließen lassen kann - aber die pauschale Behauptung, Rollenspiele und Wargames teilten sich den Aspekt der Unverregeltheit und freien Verhandlung, in keiner Weise unterstützt. Ich rede hier natürlich von den RAW und RAI, und bei denen stimmt Texts Aussage nun mal einfach - in Wargames sind die Handlungsmöglichkeiten der Spieler zu 100% durch explizite Regeln erfasst, im Rollenspiel nicht. Darum gibt es bei Wargames ja auch meistens keinen Spielleiter.

Warhammer 40K würde ich übrigens nicht wirklich als Wargame einordnen. Witzigerweise war das ja besonders in seinen frühen Inkarnationen in der Tat eine hochinteressante Mischform zwischen Tabletop (das ist übrigens mMn eine weitere Kategorie) und Rollenspiel.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Cassiopeia am 21.11.2013 | 00:28
Pandemie ?


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Wer kennt hier Panic Station?

Hab das Spiel selber, es ein paar Mal gespielt und schnell gemerkt: es hat so seine Schwächen.

Schaut man auf Boardgamegeek, erklärt dort der Autor, man solle das Spiel nicht als klassisches Brettspiel sehen. Viel mehr gehe es um den Horror und die Paranoia auf der verseuchten Station, das tolle an dem Spiel sei eben die Immersion, man dürfe da nicht mit reiner  Brettspielekritik kommen.

Das Spiel arbeitet mit einem Spieler als Verräter. Eine häufige Kritik ist, dass es eine (leicht zu erkennende) ideale Strategie für die Nicht-Verräter gibt um ihr kooperatives Ziel zu erreichen. Wer von dieser Strategie abweicht muss wohl der Verräter sein, denn es gibt keinen anderen Grund abzuweichen. Der enttarnte Verräter ist dann leicht auszuschalten.

Wenn das Spiel so funktioniert, wie vom Autor gedacht, dann hat es Immersion über Angst der Nächste zu sein und gegenseitiges Beschuldigen. Vergleichbar mit Werwölfe, aber mit mehr Brettspiel (Figuren, Würfel, Karten, Aufgaben für Spielfiguren). Damit hätte es ein Rollenspielelement jenseits von Wargames, Fantasy oder individuellen Charakteren

Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Gorilla am 21.11.2013 | 02:58
Ich trenne da ganz einfach:
Wenn ich es als Rollenspiel spiele, ist es für mich Rollenspiel und wenn ich es als Brettspiel spiele, dann ist es Brettspiel.

Ob ich aus Descent ein Erzählspiel mit taktischen Elementen mache oder einfach DnD hernehme, macht für mich im Endergebnis u.U. keinen großen Unterschied. Abstrahiert formuliert, kann ich mit Everway und Pandemie genauso Rollenspiel als Rollenspiel betreiben.
Umgekehrt kann ich auch Vampire genauso als "Brettspiel" oder zumindest taktische Würfelorgie spielen wie Neuroshima Hex.

Natürlich fördern unterschiedliche Spiele, bzw. Regelsysteme eher eine bestimmte Art der Spielweise - aber ob im Endergebnis Rollenspiel dabei herauskommt oder ein Brettspiel, das bestimmt imho in erster Linie die Gruppe.

Wer z.B. schon mal Betrayal in the House on the Hill mit Rollos gespielt hat, der weiß sicher, was ich meine ;)
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Eulenspiegel am 22.11.2013 | 00:51
Und was ist, wenn man es weder als Brettspiel noch als Rollenspiel, sondern als eine Mischung aus beidem spielt? Oder wenn man beides kombiniert?

Ich spiele Descent nicht als reines Rollenspiel. Aber ich spiele es auch nicht als reines Brettspiel. Es ist eine Mischung aus beidem.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Gorilla am 22.11.2013 | 02:09
Ist doch immer noch ganz einfach:
Wenn ich Descent so spiele, dass ich für meine Spielfigur auch mal wörtliche Rede benutze oder kommentiere, wie doof doch die Händler im Dorf sind, weil sie nie das bieten, was ich suche, ist das Rollenspiel. Wenn ich 2 Stunden taktischen DnD-Kampf mit ausschließlich Meta-Gaming über der Battlemap und minutenlangem Beraten spiele, ist das das Brettspiel.
Das kann von Situation zu Situation (aka Szene zu Szene) wechseln, aber ändert an der grundlegenden Unterscheidung nichts.
Rollenspiele habe also beinahe alle auch immer eine "Brettspiel-" (oder besser Taktikspiel-) Komponente, wenn Herausforderungen lösen durch Regelmechanismen abgehandelt wird.
Zumindest ist das meine Sicht der Dinge zu dem Thema.
Titel: Re: Was sind die Rollenspiel-Elemente in Brettspielen?
Beitrag von: Arldwulf am 22.11.2013 | 10:27
Ich mag es eigentlich nicht unbedingt Taktik in Rollenspielen ausschließlich als "Brettspielelement" darzustellen, da diese ja zum einem auch IG geschieht, und zum anderen nicht von dem Charakter lösbar ist. Welche Aktion der Charakter durchführt hängt sehr stark daran wer er ist. Nicht nur auf die reine Regelmechanik bezogen sondern auch auf aus seinem Hintergrund entstehende Motivationen bezogen.

Wenn mein Paladin stets als erster vorn steht wenn eine Tür aufgeht hinter der sich die Monster verbergen so ist dies nicht nur die Taktik den Typen mit der besten Rüstung vorzuschicken. (Gäbe da ja sogar bessere bei uns). Es ist in erster Linie ein Ausspielen des Charakters, seiner Ideale und seines Glaubens.

Aber klar. Man kann so etwas natürlich immer so weit abstrahieren dass der Charakter und seine Denkweise irrelevant werden.