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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: 1of3 am 14.01.2014 | 16:28
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Moin,
ich hab grad mal in dieses Thema (Baukasten für Kulturen (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,87939.0.html)) geschaut, in welchem es darum geht, wie sich verschiedene Gesellschaften, Gruppen etc. unterscheiden können. Der Ansatz ist - ich formuliere salopp - den Wikipedia-Artikel des Volkes zu erzeugen: Wie viele? Wo? Wie regiert? Export/Import?
Jetzt frage ich mich, gibt es sowas auch für einen eher narrativen, expositorischen Ansatz? Mir scheint es so, als würden in üblichen Werken Fantasy-Völker bzw. Aliens in gewissen topischen Rollen auftreten.
Da gibts Invasoren, die regelmäßig neue Gebiete unterwerfen.
Da gibts die Erstarrten, die schon seit laaaaaanger Zeit in ihren Grenzen sitzen und den Rest der Welt für unterentwickelt halten.
Die Isolierten, die von der Welt nichts wissen, aber unweigerlich damit konfrontiert werden.
Die Letzten ihres Volkes, die ein Mahnmal für die Jüngeren stellen (mit der Option noch mal Arsch zu treten).
Die Neuen, die mit leuchtenden Augen und viel Naivität in die Welt stolpern.
Erste Anlaufstelle für solche Späße wäre eigentlich immer TVTropes, aber wenn es da sowas gibt, ist mein Fu grade schwach.
Welche Muster fallen euch da auf? Gibts weitere typische Vertreter? Oder wie werden die einzelnen Gruppen üblicher Weise ausgestaltet?
Erstarrte können z.B. ein ausgeprägtes Rang- oder Kastensystem haben. Alternativ kommen sie in paradiesischer Anarchie vor. Usw.
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Da fallen mir so spontan noch die lange ausgestorbenen an, die irgendwelche uralten Technik-Artefakte hinterlassen haben, ein.
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Außerirdische, die so fremd und mysteriös sind, dass man ihre Absichten gar nicht verstehen kann. Die Aliens aus Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art" könnten genauso gut "Gott" sein.
Außerirdische, die primär als moralische Spiegel und Richter der Menschheit unterwegs sind. ("Der Tag, an dem die Erde still stand" oder im Director's Cut auch "Abyss")
Außerirdische, die bestimmte Aspekte menschlicher Kulturen verkörpern. (Wie die Vogonen die unmenschlichen Züge der Bürokratie oder die Predatoren die archaischen Riten der Jagd.)
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Und die allseitsbeliebten: "Bösen"
Die die man aus der tiefe seines Herzens hassen kann, ohne sich schlecht zu fühlen, weil das ja eigentlich auch nur Menschen sind.
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Nicht zu vergessen: Uralte, allwissende Lehrer welche in ihrer Güte die Menscheit gerne an der Hand nehmen und anleiten.
Auch noch: Versatzstücke untergegangener menschlicher Kulturen.
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Die Ersten, deren DNS in der Ursuppe das erste Leben ermöglichten.
Jawohl, das ist meine eigene Idee.
Späher einer Kolonialmacht.
Entweder aktive oder auch verlorene oder vergessene Späher.
Raubtiere auf der Suche nach einer adäquaten Futterquelle.
Entweder haben sie nciht mit der Gegenwehr und Anpassungsfähigkeit der Menschen gerechnet, oder sie rotten diese peu-a-peu aus.
Ressourcenvernichter auf der Suche nach: Wasser/CO2/Seltenen Erden/hastenichgesehen ...
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Die "Indianer", wahlweise als:
a) primitive Naturvölker (entweder wegen ihres Alters, oder wegen kultureller Tabus), oder
b) kolonisierte "Vasallen" eines anderen Volkes, welche langsam ihre Kultur vergessen
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Wesen mit ulkiger Physiologie, die aber letzten Endes nur für Farbtupfer sorgen sollen. Kulturell und psychosozial unterscheiden sie sich kaum von den Menschen.
Da geht es eher drum, zu sagen: "Guckt, wie exotisch wir sind! Unsere Schrobbeldomms haben ein Gürtsch, mit dem sie ihren Abwasch erledigen!" "Und wie sind die sonst so?" "Na, genau wie alle anderen, aber Abwaschen ist bei denen total wichtig!"
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Die Ersten, deren DNS in der Ursuppe das erste Leben ermöglichten.
Jawohl, das ist meine eigene Idee.
Das ist quasi der Grundplot von dem Film "Prometheus".
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Außerirdische, die bestimmte Ängste wie familiäre Entfremdung, Unterwanderung, Selbstverlust verkörpern (oftmals Formwandler oder Parasiten, die sich in Menschen einnisten oder diese anderswie steuern. Siehe "Das Ding", "Die Frau des Astronauten", "Das Vater-Ding", "ES", "Die Körperfresser kommen").
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Vielleicht die allerbanalste Version des Aliens:
Ein Alien, dessen Existenz in der Geschichte entdeckt wird, um mal den Gedanken durchzuspielen, was wäre wenn man außerirdisches Leben entdecken würde und wie die Menschheit darauf reagieren könnte. ~;D
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Kingpin winkt der Ironie, wenn sie direkt an ihm vorbei zieht >;D
@topic:
Ein Alien ist auf diesem Planeten, keiner weiß, was es ist und warum es hier ist. Plötzlich taucht ein weiterer Ausserirdischer auf, ein Jäger, nennen wir ihn Predator ... der Rest ist bekannt ;)
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Wenn ich mir die Antworten so anschaue, gibt es neben den Dingen, die ich eingangs aufgelistet habe, eine orthogonale Kategorie "Und sie sind alle...". Alle Krieger, alle Jäger, alle Mönche, alle Händler, alle Bürokraten, alle Hedonisten. Hab ich was vergessen?
Dann weist ihr richtig auf gewisser Maßen göttliche Gestalten als Lehrer, Richter oder gelangweilte Teenager hin. Wenn sie nicht ganz so mächtig sind, kommen die richtigen Aliens auch gern als in ihrem Lebensraum bedroht vor ("Wie was? Die Erdbeersträucher sind intelligent!?").
Die "Indianer", wahlweise als:
a) primitive Naturvölker (entweder wegen ihres Alters, oder wegen kultureller Tabus), oder
b) kolonisierte "Vasallen" eines anderen Volkes, welche langsam ihre Kultur vergessen
Das zweite würde ich vielleicht "Die Besiegten" nennen. Sind in der Tat ziemlich typisch und müssen auch gar nicht so primitiv sein.
Ich finds übrigens interessant, dass ihr alles in SciFi-Begriffen framet. Mit Herr der Ringe funktioniert das ja auch 1A.
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Das mit dem "alle XYs sind..." finde ich meistens ziemlich unglaubwürdig. Vor allem, wenn ein intergalaktisches Riesenvolk soviel kulturelle Unterschiede aufweist wie die Bewohner eines einzelnen bayrischen Bergdorfs. :-X
Bei Tolkien gibt es wenigstens noch verschiedene Elben- und Zwergenvölker.
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Das mit dem "alle XYs sind..." finde ich meistens ziemlich unglaubwürdig.
Ja, nu. Zweifellos. Aber wir machen hier ja keine Qualitätssicherung. ;)
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Die Verfolgten hätte ich noch im Angebot. Eine Rasse, die aus irgendeinem Grund von anderen Rassen gejagt wird (dienen als Energiequelle, eine Prophezeiung soll verhindert werden) und sich verstecken muss.
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Es gab doch mal diese Sitcom "Hinterm Mond gleich links", dort waren 4 Aliens, als Menschen getarnt, und haben die Kultur der Menschen erforscht. Man könnte das ganze auch umdrehen und man packt 4 Menschen, als Aliens getarnt, um deren Kultur zu erforschen.
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So etwa 10 Folgen Star Trek, in die eine wie die andere Richtung. ;)
@Sphärenwanderer: Ja, schön. Auch beides hübsche Varianten.
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Ja, nu. Zweifellos. Aber wir machen hier ja keine Qualitätssicherung. ;)
Ich finde das witzig. In einer SF-Serie, die ich gerne lese, fragen sich die Protagonisten an einer Stelle mal wie die Aliens und wohl Charakterisieren. "Neugierige Entdecker" was der Konsens. "Neighbours from Hell" die Alternative ;)
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Das Problem mit diese schematischen Einteilung ist ja, das Alien keine richtige Motivation haben und einfach Oberflächig wirken. Es ist halt nur eine Verzierung des Settings und keine wirkliche in sich geschlossene Kultur. Wenn man von den Rollenspielen weg geht und sich mal Buchvorlagen anschaut, so fallen mir gerade als Beispiel für gute Alien-Beschreibungen ein:
- Larry Niven, Splitter und Ringwelt-Zyklus, die ja auch in weiten Teilen Inspiration für Traveller waren
- David Brin, Uplift
- C. J. Cherryh, Sterbenden Sonnen, Pells Stern u.a.
- Ursula Le Guin, Hainish-Zyklus
(Das ist jetzt nur, was mir gerade eingefallen ist, und ich sag nicht das es eine vollständige Liste ist und habe mich mal nur auf SF-Aliens bezogen.)
Natürlich kann man auch mit sehr schematischen Aliens Spaß haben, da muss man sich nur das Alien-Universium anschauen :)
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In "Alien Nation" sind die Außerirdischen wirklich "Aliens" - Einwanderer. In einer düstereren Version gibt es das auch in District 9 zu sehn.
Die Besucher in "Alien Nation" haben auch den typischen Zug des "Ich bin besser als du". Ziemlich deutlich haben den, finde ich, die tolkienschen Elben oder in einem gewissen Umfang auch die Vulkanier. Sie leben länger, müssen sich nicht mit Übergewicht und unreiner Haut herumschlagen, sind klüger, schneller, stärker, geschickter etc. als es ein Mensch je wäre und dienen damit, vermute ich, der Wunschprojektion.
Andere Spezies sind zum Volk gewordene Gedankenspiele. Was wäre, wenn man rückwärts altern würde? Was wäre, wenn man sich von Sonnenlicht ernähren könnte ("Die Sonnentrinker")? Anders als bei "Die sind alle wie schwäbische Vollzugsbeamte" verkörpern sie Eigenschaften, die man bei menschlichen Kulturen gerade nicht auffinden kann.
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Also wirklich bedrohlich finde ich ja "das Ausserirdische" in Event Horizon. Sowieso einer der besten SF Filme aller Zeiten. Ist aber nicht in einem Schlagwort zu charakterisieren.
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Ja, das ist ja quasi wie ein Einblick in die Hölle.
Außerirdische sind teilweise maskierte mythische Wesen. Die Kreaturen aus "Lifeforce" sind Äonen alte Space-Vampire.
Die Greys in "Signs" sind nicht nur Invasoren, sie könnten auch weihwasserempfindliche Dämonen sein, die den Glauben eines Priester prüfen.
Auch die Borgkönigin versucht Data beinahe wie ein Succubus mit der Verlockung des Fleisches.
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Da gibts Invasoren, die regelmäßig neue Gebiete unterwerfen.
Als Variante evtl. "Missionare", die weniger unterwerfen als bekehren wollen?
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Im Ansatz wurde es teils schon von Vorpostern geschrieben, aber ich hab noch was bestimmtes:
Die Väter
Weiterentwickelte Aliens, die die Menschheit in eine bestimmte Richtung lenken. Manchmal tun sie dies offen und direkt, häufig aber aus dem Hintergrund heraus, teils sogar richtiggehend manipulativ. Die Motive sind dabei unterschiedlicher Art, wohlwollend oder bösartig.
Ursprüngliche Schöpfer der Menschen sind sie dabei aber nicht notwendigerweise.
Und noch etwas:
Die Transzendenten
Eine Spezies hat sich so sehr weiterentwickelt, dass sie zu Energieformen wurden, allmächtig sind oder eins mit dem Universum, in neue Dimensionen vorstoßen oder alles zusammen.
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Spezifische Alien-Tropes
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/Precursors
Allgemeine Schemata:
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/PlanetOfHats
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ScaryDogmaticAliens
Die allgemeine Kategorie:
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AlienTropes
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Kennst Du die Archetypen aus der Heldenreise, 1of3? Das ist ein Konzept, welches sich in fast allen großen Hollywood Drehbüchern (und Sagen, Mythen, Märchen, etc ) wiederfindet.
Die Odyssee des Drehbuchschreibens (http://www.amazon.de/dp/3861508419/ref=cm_sw_r_fa_dp_aaQ1sb1CMX5X3)
"den mutigen Helden, den weisen Mentor, den grimmigen Schwellenhüter, den Bösewicht und u.a. das Wesen, das ständig seine Gestalt verändert."
Also durchaus auch Archetypen für Aliens ;)