Durch eine Aussage in einem der Nebentreads (Thema Keine Motivation Regelwerke zu lesen (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,96882.msg134341860.html#msg134341860), was ich streckenweise sehr gut verstehen kann. :) ) frage ich einfach mal:
Muss ein Spielleiter (m/w) 100%ig regelfest sein oder reichen auch 50% oder soll er nur eine gute Geschichte erzählen und es reicht, wenn in der Gruppe ein Spieler helfen kann die Ideen in die Regelmechanik zu gießen?
Wie komme ich drauf?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass SLs, die sich nicht mit den Regeln beschäftigen (wollen), dass Spiel schnell zu dem machen, was sie davon erwarten. Das kann positiv sein, kann aber auch ins negative führen, wenn Vorurteile unbewusst ins Spiel geführt werden. Und ja: System matters!
Im aktuellen Fall habe ich eine SL - die ich sehr schätze - welche D&D5 leitet, ohne sich wirklich mit den Regeln zu beschäftigen. Vermutlich weil sie das Spielsystem für zu stumpf hält. Regelfuchs in der Runde war erst ich, mittlerweile sind aber mehrere andere Spieler mindestens genauso fit.
Problem: Die SL kritisiert das System als zu kampflastig und die Kämpfe als langweiliges, optionsfreies Runterwürfeln.
Ursache: Ohne die Optionen zu kennen, ist das Spiel wirklich optionsfreies Runterwürfel und man kommt vorallem als SL ganz schnell nicht mehr an einem RK 19 Paladin (Schild-Mastery + Protection) vorbei, während der Ranger die Gegner eindeckt und der Druide seine Dornenranken schjmeißt.
Lösung: Es gibt genug Optionen, um in diesem taktik-lastigem System starken Spielern das Wasser zu reichen. Kennt man aber sowas wie Dodge, Help, Disadvantage für Fernkampf / Zauber im Nahkampf oder die Auswirkung der ganzen Status nicht, macht man das Spiel genau zu dem, was man nicht mag.
Ausserdem entwickelt sich schnell eine SL gegen Spieler - Mentalität.
Wir haben nun beschlossen, das System ad acta zu legen oder einer der Erfahrenen Spieler übernimmt die SL. Mal sehen. Wenn die SL keinen Spaß hat, ist das Hauptziel des Spielens nicht erreicht!
Desweiteren finde ich, dass es den Spielfluß teilweise stört, wenn es ständig heißt: "Weiß ich gerade nicht.", "Von der Option habe ich noch nie gehört." oder "Lassen wir erstmal offen."
Ich denke, dass die SL natürlich nicht 100%ig regelfest sein muss und sie muss auch nicht jede Option für jede Charakterkombination kennen, das wäre Wahnsinn bei einigen Systemen.
Aber ich erwarte doch, dass 80% der Regelbasis1 bekannt2 sein soll.
1Regelbasis schließt für mich nicht die 1000 Zauberlisten, Feats oder Lifepath-Fertigkeiten ein.
2Und bekannt meint: Bekannt, nicht auswendig rezitieren können.
In den anderen Fällen können die Spieler ja aushelfen. Nun kann man aber auch nicht verlangen, dass die Spieler mit mehr Regelerfahrung immer ihre Mitspieler in die Pfanne hauen, indem sie taktische oder anderweitig mögliche Anwendungen der Regelmechniken vorschlagen.
(http://www.rpgalchemy.com/wp-content/uploads/2015/01/GM3.gif)
Diskussionen am Spieltisch sind die Hölle. Mag ich gar nicht. Aber man durchaus kurz sagen: "Kann das jemand erklären oder hat jemand eine schnelle Idee wie wir das abhandeln?".
Bei den typischen Geht-Das?-Fragen mag ich es am liebsten immer noch: W6 werfen und gerade geht und ungerade geht nicht. Fertig!
Gestern haben wir auch wieder gespielt.
Wir haben es gestern mal probiert damit, dass ich wirklich ganz offen gesagt habe: Mach doch mal mit den Gegnern dies oder das, auch wenn das zu unserem Nachteil war. Und kein Spieler hat aufgeschrien, sondern es wurde akzeptiert. Hat ja auch größtenteils meinen Charakter (Frontschwein) getroffen. Und auch die SL hat plötzlich wesentlich aktiver agiert.
Daneben hatte einen separaten Kanal offen, wo ich Tipps gegeben habe. Durch meine Kenntnis fällt mir halt eher auf, wenn jemand gerade mehr Zauber wirkt, als er überhaupt hat oder ähnliches.
Vielleicht war es auch nur dieses befreite Spielen, wenn man weiß, das Ende ist eh nah. :) Aber es geht und war für alle eine der angenehmsten Session seit langem.