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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: eldaen am 21.03.2016 | 22:24

Titel: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: eldaen am 21.03.2016 | 22:24
Ich bin pingelig, was Fantasy Settings angeht. Die meisten sind mir viel zu fadenscheinige Abklatsche realer Kulturen, zumeist noch jedwedes Kontextes beraubt und in geradezu hahnebüchene Zusammenhänge gepresst, die in sihc einfach keine Sinn ergeben. Ich frage mich oft, warum denn überhaupt eine künstliche Welt zusammenklatscht werden muss, wenn doch ohnehin das Meiste aus der realen Welt übernommen ist. Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Jinx am 21.03.2016 | 22:33
Mir geht es da um die kreative Freiheit beim Weltenbasteln.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Koronus am 21.03.2016 | 22:55
Wenn du die reale Welt nutzt, kannst du zum einen theoretisch Verklagt werden außerdem wäre dann das Risiko, dass die Zeit überholt wird oder es nicht so gut wird da zu viele Einschränkungen. Da ist es einfacher eine Fantasie Welt mit Anspielungen auf die reale Welt zu machen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 21.03.2016 | 22:56
Da gibt's, denke ich, verschiedene Gründe.

Einer ist sicher, daß die reale Welt auch deutlich mit Klischees und merkwürdigen Assoziationen bestückt ist -- nur, wenn man die hervorkramt, rollt schnell mal diese oder jene Gruppe real existierender Menschen mit den Augen über die Art und Weise, wie sie mal wieder dargestellt worden sind. Das Problem hatte ich mit real existierenden Orks und Elfen bisher noch nicht. :)

Die meisten anderen dürften darauf hinauslaufen, daß einem die reine Fantasy-Welt letztendlich dann doch mehr Spielraum bietet. Natürlich sollte man dann idealerweise auch tatsächlich etwas daraus machen und nicht bloß faul mit den Händen wedeln und murmeln "ist ja eh nur Fantasy und <Liste bekannter Autoren> haben's auch so gemacht, laßt mich doch in Ruhe"...aber der Unterschied zwischen Ideal und Realität manifestiert da sich nun mal in Sturgeons Offenbarung.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Skele-Surtur am 21.03.2016 | 22:57
Warum Fantasy mit fiktiven Welten statt Fantasy auf der realen Welt? Es ist leichter.
Erschaffe ich meine eigene Welt, kann ich Dinge so hindefinieren, wie ich sie brauche. Spiele ich in der realen Welt, muss ich recherchieren. Ich muss wissen, wie die Welt, die Gesellschaft, in der entsprechenden Gegend zu der entsprechenden Zeit funktioniert hat.
Plötzlich ist es wichtig zu wissen, ob ein Stadt in dieser Zeit zentrale Lebensmittelspeicher hatte oder nicht, wie war die Rolle der Frau in der Gesellschaft, ab wann wurde man erwachsen... Dinge, die ich ansonsten einfach so denken kann, wie ich sie haben will.

Ich trage das Korsett der Realität. Dieses Korsett kann wunderschön sein, aber es anzulegen ist unwahrscheinlich schwierig, wenn man es richtig machen will und nicht jeder SL hat die Lust, Kraft und Zeit, sich das Wissen um eine Epoche so detailliert anzueignen - oder den entsprechenden GURPS-Band durchzuackern.
Und ja, ich kann bestimmte Dinge auch einfach ändern - aber wenn ich das tue beschädige ich das Korsett und nehme ihm damit einen Teil seines eigentlichen Reizes.
Da unterscheiden sich aber die Toleranzgrenzen der Spieler ganz erheblich. Was für den einen eine legitime Änderung zu Gunsten der Spielbarkeit ist, ist für den anderen ein Unding, das in dieser Epoche überhaupt nichts verloren hat und sich von High Fantasy gefühlt nicht mehr unterscheidet: "Ist zwar nicht historisch, aber cool." vs. "BULLSHIT!!!"
Sage ich  von vorne herein: Es ist Fantasy und ist von einer bestimmten Kultur inspiriert lockere ich auch automatisch die Akzeptanz zu meinen Änderungen.
Und manchmal will ich eben auch etwas machen, was in dieses Korsett ums Verrecken nicht reinpassen würde.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Hector am 21.03.2016 | 23:02
Eine sehr berechtigte Frage. Ich spiele sehr gerne ab und zu in magifizierter Realität, z.B. einem cthulhufizierten Mittelalter oder Sachen wie Pirates of the Carribean oder Brothers Grimm. Und dank Google kann man auch schnell Hintergrundinfos und Karten zu allen möglichen Regionen finden.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: TeichDragon am 21.03.2016 | 23:07
Bei "magischem Realismus" rollen sich mir eigentlich die Zehennägel hoch. ~;D

Um auf die Eingangsfrage einzugehen:
Zitat
Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

Weil es eigentlich nicht funktionieren KANN.
Wenn es jemals funktionierende Magie gegeben hätte, oder noch gäbe, sehe die Welt wohl nicht so aus wie sie jetzt ist.
Oder man muss extreme Klimmzüge im Hintergrund vornehmen, damit es doch wieder passt.
Eine wirklich gute Lösung diese Dilemmas habe ich bisher nicht gesehen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Infernal Teddy am 21.03.2016 | 23:12
Weil unsere geschichte einfach unrealistisch ist.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: D. M_Athair am 21.03.2016 | 23:13
Oder man muss extreme Klimmzüge im Hintergrund vornehmen, damit es doch wieder passt.
... das Problem, dass Magie nicht (genügend) im Hintergrund berücksichtigt wird, haben doch Fantasy-Spiele in der großen Überzahl auch. Insofern verstehe ich nicht, weshalb das ein Argument gegen Magischen Realismus sein sollte.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: TeichDragon am 21.03.2016 | 23:19
... das Problem, dass Magie nicht (genügend) im Hintergrund berücksichtigt wird, haben doch Fantasy-Spiele in der großen Überzahl auch. Insofern verstehe ich nicht, weshalb das ein Argument gegen Magischen Realismus sein sollte.

Damit machst Du jetzt aber noch ein ganz anderes Fass auf.  ~;D
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: YY am 21.03.2016 | 23:20
Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

Das mache ich sehr gerne und würde es noch viel öfter so angehen, wenn mehr Spieler mitziehen würden.
Auch aus den schon genannten Gründen besteht da aber bei vielen eine recht große Abneigung.

Dabei schreiben sich manche Sachen quasi wie von selbst...und gerade in dem Kontext habe ich großen Spaß an Recherche.


Weil es eigentlich nicht funktionieren KANN.
Wenn es jemals funktionierende Magie gegeben hätte, oder noch gäbe, sehe die Welt wohl nicht so aus wie sie jetzt ist.

Wie gerade schon angeklungen:
Den Schuh müssen sich die allermeisten Settings anziehen - das nimmt sich in Sachen Settingbau also nicht viel.

Und andersrum ist es bei "magifizierter" echter Welt meistens so, dass die Magie gerade erst erwacht/angekommen/ausgebrochen ist und eben tatsächlich alles im Umbruch ist.
Da spielt man oft genau zum Beginn der historischen Abweichung.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ErikErikson am 21.03.2016 | 23:29
Das gibts doch. Cthulhu ist genau das. Es gibt auch so viel Material, das man damit problemlos eine normale Fantasykampagne spielen kann, wenn einem der Horror nicht gefällt. Ars magica fällt auch in die Sparte. Damit hast du schon zwei recht bekannte Systeme, die ds umsetzen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Isegrim am 21.03.2016 | 23:53
Ich mag Realerde-mit-Magie-Fantasy nicht sonderlich. Die echte Geschichte ist viel zu interessant, um sie mit Fantasy-Versatzstücken zu verunzieren. Außerdem ist sie oft viel zu komplex, um jenseits von Klischeebildern einen schön bespielbaren Hintergrund zu kreieren. Mit Klischees in Phantasiewelten komme ich da wesentlich besser klar als mit Klischees in der realen Welt.

Es gibt Ausnahmen, und Mythen (Artussage etc) stehen auf einem anderen Blatt, taugen aber mE auch wieder nicht als RPG-Hintergrund.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Feuersänger am 22.03.2016 | 00:03
Vielleicht hilft dir ja einstweilen dieser schon ein paar Monate alte Thread zu dem Thema:
http://www.tanelorn.net/index.php/topic,90648.0.html

Wie dort schon gesagt, ist meine Vermutung bezüglich "Warum... statt...", dass die reale Welt und ihre Geschichte eben sehr feinkörnig, vielschichtig und komplex ist -- und seine RPG-Geschichten hat man lieber eher straightforward und mit breitem Pinsel gezeichnet. Und da rede ich erst "nur" von den historischen Ereignissen und Persönlichkeiten.

Da kommt dann noch hinzu: in der Realwelt gibt es _X_ Mythologien, die zum Teil ebenso weitläufig miteinander verwandt sind - mit jahrtausende alten gemeinsamen Wurzeln - und ähnliche Evolutionen durchgemacht haben wie die zugehörigen Sprachen. Und dann wieder sind Mythologien - verwandt oder nicht - oft gegenseitig widersprüchlich. Was ist dann da die Wahrheit? Dies betrifft z.B. die diversen Schöpfungsmythen, Pantheone, aber auch Heldensagen. Und so weiter.

Ich persönlich mag zwar das Konzept einer Terra Mystica. Allerdings neige ich dann wieder dazu, mich sehr in die Feinheiten reinzusteigern, die meine Mitspieler schon längst nicht mehr interessieren. xD
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chiarina am 22.03.2016 | 06:07
Magischer Realismus muss ja nicht gleich heißen, dass es da ein ausgearbeitetes System mit umfassender magischer Spruchliste gibt. Mir reicht es, wenn da mysteriöse Geheimnisse der realen Welt ausgestaltet werden. Esoterrorists und vor allem Night´s Black Agents gehen doch auch etwas in diese Richtung, oder?

So etwas zu einer mittellangen Kampagne zu machen, ist gar nicht so schwierig. Ich schaue mir hin und wieder die Liste mit verschwundenen Schiffen auf Wikipedia an, auch andere "unerklärlichen Ereignisse" sind doch dankbare Quellen!

Für mein Gefühl ist es ein geileres Gefühl, der echten Bundeslade auf der Spur zu sein, als irgendeinem MacGuffin, das sich die Regelautoren oder der Spielleiter ausgedacht haben. Ich habe derzeit diesen magischen Realismus sogar lieber, als irgendwelche Fantasy-Settings (nur über den Begriff sollte man vielleicht nochmal nachdenken... magischer Realismus ist vor allem eine lateinamerikanische Strömung in der Literatur... so ganz abstellen kann ich diese Vorstellung nicht.)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: blut_und_glas am 22.03.2016 | 07:11
Dadurch, dass die fantastischen Elemente offensichtlich(er) angeflanscht sind, stellt sich natürlich auch schnell(er) die Frage, weshalb sie überhaupt da sind.

mfG
jdw
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chiarina am 22.03.2016 | 07:48
@ blut_und_glas:

Und siehst du das jetzt als Bug oder Feature?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: blut_und_glas am 22.03.2016 | 07:52
Weder noch. Aber vielleicht als kleinen Baustein für die titelgebende "warum"-Frage.

mfG
jdw
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Holycleric5 am 22.03.2016 | 07:53
Warum eine Fiktive Welt statt magischer Realismus?

Es hilft mir beim loslassen und Eintauchen ins Spiel
"Mein Name ist Marika Felsental, Verwalterin von Brynntal und Vertreterin von Baron Sorbar von Dornfels, dem Baron der Stadt Dornwacht"

"Mein Name ist Maria Reichenbach, Verwalterin von Heidelberg und Vertreterin von Baron Maximilian von Porz, dem Baron der Stadt Tübingen"

Beim ersten Satz kann ich mich viel leichter auf die "Fakten" einlassen, im zweiten Fall würde ich sie immer (wenn auch unbewusst) stets stärker mit der Realität abgleichen.

Dadurch, dass die fantastischen Elemente offensichtlich(er) angeflanscht sind, stellt sich natürlich auch schnell(er) die Frage, weshalb sie überhaupt da sind.

mfG
jdw

trifft es sehr gut!

@ Chiarina
Für mich ist es eher störend, also ein Bug.

Ich möchte einfach ins Abenteuer/ die Welt eintauchen uns Spaß haben, statt mich permanent zu fragen "geht das überhaupt?" "Warum ist das jetzt so und so?" "Das macht ja so eigentlich keinen Sinn..."

Die Recherche ist meistens weniger aufwändig
Das zur verfügung stehende Material ist oft überschaubarer.

Und folgendes Zitat trifft auch vollends auf mich zu:
> Wenn eine Welt bis ins letzte Detail beschrieben ist und es für jeden Landstrich ein eigenes Buch oder eine eigene Box gibt, dann bleibt kein Milimeter Kreativität und eigene Darstellung mehr.

Ich bin nicht an die Reale Geschichte gebunden und kann damit auch ungewöhnliche Heldenrollen einnehmen. Besonders dies ist der springende Punkt für mich.

Eine Hexe in Dragorea muss im Gegensatz zu einer Hexe im ebenfalls mittelalterlichen Deutschland nicht unbedingt fürchten, auf dem Scheiterhaufen zu landen.

In den meisten Epochen sind Frauen häufig das unterlegene Geschlecht, sieht man von Ausnahmen wie Johanna von Orleans ab. Manchmal gibt es starke Frauen nur in der Literatur (z.B. die nebel von Avalon)

Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: LushWoods am 22.03.2016 | 08:05
Das gibt's doch auch genug. Die WoD oder Ars Magica wären doch perfekte Beispiele dafür.
Die Frage ist doch eher: Wie weit darf diese "magische Realität von der wirklichen Realität/Historie abweichen?
Besteht die Magie so sehr im Verborgenen das sie keine Auswirkung auf die vordergründige Welt hat oder wird die ganze Welt dadurch verändert?
Oder liegt es irgendwo dazwischen.
Und je weiter der Regler hier nach "oder wird die ganze Welt dadurch verändert" verschoben wird, desto freier wird das Szenario.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 22.03.2016 | 08:42
Beides bietet unterschiedliche Möglichkeiten. Wir haben schon beides gespielt, beides hat Spaß gemacht. In Fantasy kann ich freier träumen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, welche Konsequenzen das jetzt in Kombination mit allem möglichen anderen hat.

Ein Drache taucht auf — warum hat der nicht gleich 15 Kampfflugzeuge auf dem Hals?

Ansonsten schau dir japanische Animes an, die ungefähr in unserer Welt spielen. Typischerweise haben die Magier da einen Spruch der in etwa heißt „wir können hier alles kaputthauen und nach dem Kampf wird es wieder genau so wie es vorher war“.

Mystery/Phantastik gibt es ja auch genug. Und Werwolf ist auch nahe dran (wir haben eine SL, die sich in Brasilien bei Zeitungsmeldungen bedient, um Abenteuer zu schreiben).

Aber da geht eben wieder vieles nicht, weil die echte Welt viele Grundvorstellungen liefert, die Leute aus der Vorstellung rausreißen. Wir wissen zu viel.

Also effektiv was Holycleric5 sagt :)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Boba Fett am 22.03.2016 | 09:12
Ich bin pingelig, was Fantasy Settings angeht. Die meisten sind mir viel zu fadenscheinige Abklatsche realer Kulturen, zumeist noch jedwedes Kontextes beraubt und in geradezu hahnebüchene Zusammenhänge gepresst, die in sihc einfach keine Sinn ergeben. Ich frage mich oft, warum denn überhaupt eine künstliche Welt zusammenklatscht werden muss, wenn doch ohnehin das Meiste aus der realen Welt übernommen ist. Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

Ich würde eher sagen, Du bist ZU pingelig, was Fantasy Settings angeht...  ~;D

Aber ansonsten: Warum? Weil noch keiner ein für mich ansprechendes Setting mit irdischem Background erstellt hat.
Ars Magica würde mir als ehestes noch einfallen. Und vielleicht gibt es noch einige modern Urban Fantasy und futuristische Settings (Shadowrun), die diesen Weg gehen...
Ich bin selber zu beschäftigt - ach seien wir ehrlich: zu faul, um mir die Arbeit aufzubürden, ein komplettes Setting zu basteln.
Und vielleicht auch zu unkreativ...

Also: Mangels attraktiven Angeboten spiele ich nicht auf einem Fantasy-Mittelalter Europa mit Wikingern, Schotten, Iren oder anderen Kulturen, sondern auf Midgard mit Waeländern, Albai und Erainnern. Und Innen...
Abgeneigt wäre ich aber nicht. Da ich Rollenspieltechnisch eher zum Future neige, ist der Gedanke, die unsrige Welt zu nehmen und zu abstrahieren nicht unsympatisch...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: eldaen am 22.03.2016 | 09:54
[ Kurze Ergänzung: Ich beziehe diesen Thread auf fertige, veröffentlichte Fantasy Settings, nicht auf Homebrews. ]


Ich würde eher sagen, Du bist ZU pingelig, was Fantasy Settings angeht...  ~;D

Ich tendiere durchaus dazu, dir zuzustimmen. Andererseits gibt es ja auch durchaus Settings, die ich mag: HârnWorld, Aera, Symbaroum, die Dominions...

Aber wenn ich den xten Aufguss von "yet another generic Fantasy Setting" sehe, dann muss ich schon den Drang bekämpfen, sanft zu entschlummern.

(http://pre02.deviantart.net/e3a1/th/pre/f/2011/212/8/8/the_only_fantasy_world_map____by_eotbeholder-d42b141.jpg)

Häufig verstehe ich halt einfach nicht, warum denn der ganze Kram wieder und wieder da rein muss. Das ist dann (und es gibt gewisse aktuelle deutsche Beispiele) alter Wein in neuen Schläuchen und hat mit Kreativität wenig zu tun. Symbaroum macht da sehr vieles sehr viel besser. Die fantastischen Elemente da dienen einem Zweck, vermitteln Atmosphäre, Inhalte und Probleme.

Und in anderen Fällen, einfach alles an Klischees und Stereotypen reingeklatscht wird, was man irgendwie interessant findet, verwischt häufig der Unterschied zwischen Kreativität und Willkür (siehe z. B. Primeval Thule). Und wenn die Erdkunde-Kenntnisse eines Mittelstufenschülers ausreichen, um Geographie, Geschichte und Politische Verhältnisse ad absurdum zu führen, dann ist der Schlafdrang nicht der einzige Drang, gegen den ich kämpfe...  >;D
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 22.03.2016 | 10:29
Ich glaube, die Karte habe ich schon mal gesehen. ;D Und ja, da kommen die guten alten Klischees alle wieder zusammen und feiern eine Party.

Natürlich hat Wiedererkennungswert auch etwas für sich -- unter "so was wie ein Wikinger" können sich die meisten Leute etwas vorstellen, wenn ich ihnen nur ein "und das ist ein Mann aus <unaussprechlicher Ländername>" vor den Latz knalle, ernte ich eher nur "Gesundheit!". Aber müssen meine Pseudo-Wikinger unbedingt immer aus dem eisigen Norden kommen und Drachenschiffe fahren? Wie wär's denn mal zur Abwechslung mit Leuten, die im Inselarchipel vor der Ostküste leben und zur Unterstützung beim gelegentlichen Plündern und Brandschatzen richtige Seeschlangen und andere Monsterchen abrichten? Die völlig unhistorischen Hörnerhelme dürfen sie meinetwegen behalten, auf die Weise wissen ihre Haustierchen wenigstens auf einen Blick, wen sie in der allgemeinen Keilerei beißen sollen und wen nicht...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: LushWoods am 22.03.2016 | 10:35
 :D
die Karte hab ich  glaub schon mal gepostet, die is super.

Aber manchmal begrüße ich solche unoriginellen Dinge.
Weil du es schon erwähnt hast: Bei den Dread Sea Dominions von B&B z.B. find ich's toll das genau der alte Schmus drin ist.
Fand ich auch bei Dungeon Slayers gut.
Manchmal braucht man das einfach.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Thandbar am 22.03.2016 | 10:43
Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

Ich denke, das hat allein historische Gründe. Der Herr der Ringe ist nunmal das Musterbeispiel für Fantasy-Literatur schlechthin, und damit das Vorbild für alles andere in dem Bereich gewesen.

Natürlich gibt es genug Möglichkeiten, in anderen Settings zu spielen, und die sind auch populär; das Genre heißt dann halt anders. WoD und Cthulhu, zum Beispiel, finden ja auch in Erzählwelten statt, die sich mehr Elemente von unserer Realität ausgeliehen haben als Dein 08/15 Fantasy-Zwergenelfen-Kitchensink. Und Mutantenklopperei zwischen ALDI-Regalen kann auch Spaß machen. 
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Supersöldner am 22.03.2016 | 10:51
Magie hätte die Geschichte der Welt verändert ? ja kann Mann so machen ABER  es geht auch umgekehrt. vielleicht ist die Geschichte der Welt genau so verlaufen wie sie es nun mal ist WEIL die Magier das so wollten? 
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: LushWoods am 22.03.2016 | 11:19
Das ist auch eine interessante Herangehensweise.
Und weitergesponnen: Was passiert wenn die "Magier" nicht mehr eingreifen?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: YY am 22.03.2016 | 17:16
Die Recherche ist meistens weniger aufwändig
Das zur verfügung stehende Material ist oft überschaubarer.

Dafür sind andersrum bei einer "nur" veränderten echten Welt viele Sachen "automatisch" erledigt und machen keinerlei Arbeit, wo ich mir bei einem rein fiktiven Setting erst mal noch Gedanken machen muss.


Ich bin nicht an die Reale Geschichte gebunden und kann damit auch ungewöhnliche Heldenrollen einnehmen. Besonders dies ist der springende Punkt für mich.

Eine Hexe in Dragorea muss im Gegensatz zu einer Hexe im ebenfalls mittelalterlichen Deutschland nicht unbedingt fürchten, auf dem Scheiterhaufen zu landen.

Mit einer veränderten realen Welt ist man auch nur bedingt an deren echte Geschichte gebunden - irgendwo müssen die Unterschiede ja auch sein, wenn ich von einer veränderten Welt spreche  ;)
Wo man dann die Grenze(n) zieht, ist Geschmackssache.

Dadurch, dass die fantastischen Elemente offensichtlich(er) angeflanscht sind, stellt sich natürlich auch schnell(er) die Frage, weshalb sie überhaupt da sind.

Das hat mich öfter mal zu der Erkenntnis geführt, dass ich den Kram für meine Absichten gar nicht brauche - uuund weg damit  ;)

Allerdings ist das ein Schritt, der noch mal einen großen Anteil der potentiellen Spieler abschreckt - echte Welt ja, aber doch bitte in bunt und toll mit coolen Powerz... :P ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 22.03.2016 | 17:21
Allerdings ist das ein Schritt, der noch mal einen großen Anteil der potentiellen Spieler abschreckt - echte Welt ja, aber doch bitte in bunt und toll mit coolen Powerz... :P ;)

Na ja, das andere Extrem ist halt irgenwann "Ich spiele mich selber, wie ich hier am Tisch sitze und mich spiele..." ;D
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Rhylthar am 22.03.2016 | 17:24
Zitat
Und in anderen Fällen, einfach alles an Klischees und Stereotypen reingeklatscht wird, was man irgendwie interessant findet, verwischt häufig der Unterschied zwischen Kreativität und Willkür (siehe z. B. Primeval Thule). Und wenn die Erdkunde-Kenntnisse eines Mittelstufenschülers ausreichen, um Geographie, Geschichte und Politische Verhältnisse ad absurdum zu führen, dann ist der Schlafdrang nicht der einzige Drang, gegen den ich kämpfe...  >;D
Es ist mir im Fantasy-Bereich schlichtweg egal.  :)

Mag sein, dass bei Primeval Thule nicht alles stimmig ist (habe mir aber noch keine Gedanken gemacht), mag sein, dass ich beim wiederholten asiatischen und ägyptischen Flair in Settings auch mit den Augen rolle...aber insgesamt ist mir das alles noch lieber, als dass es irgendwie "zu realistisch" ist. Eskapismus nennt man das, glaube ich.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: YY am 22.03.2016 | 17:26
Na ja, das andere Extrem ist halt irgenwann "Ich spiele mich selber, wie ich hier am Tisch sitze und mich spiele..." ;D

 ~;D

Dass das nicht die Zielsetzung sein kann, ist ja klar.

Ich könnte nur jedes Mal aus den Schuhen springen, wenn ich Sätze höre wie "Ach, die Realität ist als Setting einfach zu langweilig."
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Pyromancer am 22.03.2016 | 17:44
Ich könnte nur jedes Mal aus den Schuhen springen, wenn ich Sätze höre wie "Ach, die Realität ist als Setting einfach zu langweilig."

Oh ja.

Die Realität und die irdische Geschichte ist so voll von interessanten, spannenden, kranken, abgedrehten Sachen, da hält kein ausgedachtes Setting mit. Und für Eskapismus braucht's keine Zwerge und Elfen, das beweist schon die Beliebtheit historischer Romane.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Rhylthar am 22.03.2016 | 17:51
Zitat
Und für Eskapismus braucht's keine Zwerge und Elfen, das beweist schon die Beliebtheit historischer Romane.
Brauchen nicht, wollen schon.  ;)

Und ist ja nicht so, als wäre Fantasy-Literatur jetzt der Ladenhüter schlechthin.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Feuersänger am 22.03.2016 | 18:10
An historischen Settings ist es nicht die Historie, die langweilig wäre. Jedoch ist die potentielle Tödlichkeit ziemlich abschreckend. Einmal nen Treffer kassiert und Game Over? Meh!
Alle zwei Sitzungen nen neuen Charakter machen saugt. Und wenn man das nur vermeiden kann, indem man Kämpfe meidet wie der Teufel das Weihwasser -- _dann_ wirds langweilig.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Pyromancer am 22.03.2016 | 18:37
"Ich mag halt Elfen und Zwerge" ist aber nochmal eine ganz andere Aussage als "Die Realität ist einfach zu langweilig".
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 22.03.2016 | 18:38
Für mich ist das Hauptproblem mit der realen Welt als Spielhintergrund wohl, daß sie einfach an Vorgeschichte, Konzepten, Details usw. schon einen kilometerlangen Strang an Gepäckwagen hinter sich herzerrt. Und wenn schon Eskapismus, dann will ich da tatsächlich zumindest ein Stück weit einfach raus -- nebenbei, das erklärt eventuell gleich mit, warum mich Spielwelten allgemein ab einem gewissen Punkt immer weniger interessieren, je mehr ihre Beschreibungen jedes Fitzelchen Detail möglichst gewissenhaft festzuzurren versuchen.

Mit Superkräften und dergleichen hat das erst mal weniger zu tun. Selbst wenn wir als Kampagnenidee einfach mal "nichtmagisches Steinzeitalter" annehmen, werde ich mich als Spieler unter speerschwingenden anthropomorphischen Erdhörnchen in einer Welt mit drei Monden vermutlich immer noch wohler fühlen als in einem garantiert voll authentisch-prähistorischen Setting mit "richtigen" Cro-Magnons.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Hector am 22.03.2016 | 18:43
Was mich ein wenig wundert ist, wenn Leute argumentieren, Magie würde zur realen Welt nicht passen. Hm... und was ist mit hunderten von Horrorfilmen? Die spielen nahezu alle in einer mit Magie bzw. Übernatürlichem versetzten Realwelt. Und trotzdem sagt da keiner "Mäh, das geht doch gar nicht." Es gibt auch massenweise historisch inspirierte Filme mit übernatürlichem Beiwerk (seine es nun Hexen Dämonen, Geister oder ähnliches) im Wikinger-, Mittelalter- oder Antike-Setting. Funktioniert prächtig, und ins Rollenspiel lässt sich das sehr einfach transportieren (siehe z.B. Solomon Kane).

Mich stört es viel eher, wenn in Fantasy-Welten die ganzen Spitzohren etc. rumhüpfen, aber abgesehen von ihrem Äußeren wie ganz normale Menschen handeln.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Rhylthar am 22.03.2016 | 19:17
Was mich ein wenig wundert ist, wenn Leute argumentieren, Magie würde zur realen Welt nicht passen. Hm... und was ist mit hunderten von Horrorfilmen? Die spielen nahezu alle in einer mit Magie bzw. Übernatürlichem versetzten Realwelt. Und trotzdem sagt da keiner "Mäh, das geht doch gar nicht." Es gibt auch massenweise historisch inspirierte Filme mit übernatürlichem Beiwerk (seine es nun Hexen Dämonen, Geister oder ähnliches) im Wikinger-, Mittelalter- oder Antike-Setting. Funktioniert prächtig, und ins Rollenspiel lässt sich das sehr einfach transportieren (siehe z.B. Solomon Kane).

Mich stört es viel eher, wenn in Fantasy-Welten die ganzen Spitzohren etc. rumhüpfen, aber abgesehen von ihrem Äußeren wie ganz normale Menschen handeln.
Antwort steckt doch schon in der Aussage mit drin:
Wenn ich Horror haben will, kann die reale Welt durchaus passen. Cthulhu, NBA, etc.

Aber Fantasy, mal abgesehen von Urban Fantasy (Shadowrun?), muss ich "hier" nicht haben.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: YY am 22.03.2016 | 19:18
An historischen Settings ist es nicht die Historie, die langweilig wäre. Jedoch ist die potentielle Tödlichkeit ziemlich abschreckend. Einmal nen Treffer kassiert und Game Over? Meh!
Alle zwei Sitzungen nen neuen Charakter machen saugt. Und wenn man das nur vermeiden kann, indem man Kämpfe meidet wie der Teufel das Weihwasser -- _dann_ wirds langweilig.

Prägt das Setting so klar Spielstil, Genre und zugehörige Regeln/Regelauswahl?

Ist nur als advocatus diaboli gefragt, denn eigentlich stimme ich hinsichtlich der ersten beiden Punkte klar zu - wenn das zu weit abweicht, verliert die Settingwahl ihren Sinn.

Aber so fürchterlich tödlich ist es je nach Regelwerk auch wieder nicht.
Da gibt es einige Kandidaten, die vor Allem eines sind: unrealistisch tödlich  ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Boba Fett am 22.03.2016 | 20:08
Ich hab noch eine Antwort für das "Warum nicht?

...
Setting-Kleingartenvereinsbesserwisser...

"IHR SPÖLT DAS FALSCH! Ön dörr Röalitöt worr dös obarr gonz ondärrrrrs!"

Wenn ich mir überlege wieviele Klugscheißer es schon gibt und welchen Diskussionsweg Themen wie "Galeeren", "Katana", "Langbogen" nehmen, dann wirkt das nur abschreckend...
Dann kommen die ganzen "Ich hab aber dies und jenes studiert und du hast keine Ahnung" Fonzies ja noch mehr auf ihre Kosten.

Und wenn ich mir die Reaktionen von so manchem "Das schwarze Auge" Besserspieler angucke, wenn man es mal nicht so genau nimmt, oder Kleinigkeiten durcheinander wirft, dann möchte ich gar nicht erst wissen, wieviele Fonzies später tot im blauen Müllsack in der Weser treibend gefunden werden - mit einem Brockhaus erschlagen.

Nee, nee...
Suspension of Disbelief wird bei der Realität noch schwerer und dann fangen die ganzen Spackos noch das ritzen an, nur um zu beweisen, wer zuerst Wundbrand bekommt und wie lange es dauert, bis man daran draufgeht.

Und was die Rollenspielredakteuere sich erst antun würden... "In Wikipedia steht aber, ..."

Fiktion ist schon was feines...

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Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: YY am 22.03.2016 | 20:17
Mit dem harten Kern dieser Klientel kann man auch keine rein fiktiven Settings bespielen.

Da ist nicht das Setting das Problem...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Boba Fett am 22.03.2016 | 20:29
Mit dem harten Kern dieser Klientel kann man auch keine rein fiktiven Settings bespielen.

Da ist nicht das Setting das Problem...
So wie in Schrebergärten haben diese Schergen aber die Angewohnheit, sich in bestimmten Fäntelsettings zu tummeln und zu bündeln - meist denen, wo es viel Material und deswegen viel Option zum Besserwissen gibt.
Im Realo-Fäntel-Alternative-Setting kann besagter Knecht aber überall mit besserwissen.
Der grast dann systematisch alle Systemchannel ab und blögt und wiehert überall rein.
Und die "Hey, Schnauze! Alles nur Fiktion!" Keule wirkt dann auch nicht mehr...

Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Boba Fett am 22.03.2016 | 20:33
Ein Rom-Setting fände ich ja mal schick...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 22.03.2016 | 20:36
Magie hätte die Geschichte der Welt verändert ? ja kann Mann so machen ABER  es geht auch umgekehrt. vielleicht ist die Geschichte der Welt genau so verlaufen wie sie es nun mal ist WEIL die Magier das so wollten?
Wir haben letztens eine Runde gespielt, in der die Charaktere von einem Sonderforschungsbereichh eingestellt wurden, für den die verschiedenen Universitätsverwaltungen über Rechentricks Resourcen aus Universitätsinstituten abzieht, um den Kampf gegen magische Wahnausbrüche aufzunehmen.

Ich würde nicht behaupten, dass die Idee völlig aus der Luft gegriffen ist ☺

Letztes Jahr haben wir in einem Deutschland gespielt, in dem Magier versuchen, eine Magokratie zu gründen — und auch dafür aktuelle politische Ereignisse uminterpretiert: http://www.1w6.org/deutsch/welten/nachhaltige-welt-kge :)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Talasha am 22.03.2016 | 20:38

Nee, nee...
Suspension of Disbelief wird bei der Realität noch schwerer und dann fangen die ganzen Spackos noch das ritzen an, nur um zu beweisen, wer zuerst Wundbrand bekommt und wie lange es dauert, bis man daran draufgeht.

Wäre dieses spezielle Angelegenheit den wirklich ein Problem?  :P
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ErikErikson am 22.03.2016 | 20:39
Wundbrand ist bei Rizten sehr unwahrscheinlich, da meist nur oberflächlich geritzt wird und sich die Wunde daher nicht entzündet. Ausserdem ist der Begriff veraltet, man spricht besser von Wundinfektion.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Boba Fett am 22.03.2016 | 20:43
Talasha / Erik:
Ihr habt schon den Spoiler wahrgenommen?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Bad Horse am 22.03.2016 | 20:48
Ich finde einen realen Hintergrund eigentlich spannender als einen ausgedachten. Die Realität schlägt viel schönere Kapriolen als ausgedachte Settings.

Außerdem muss man es mit dem Realismus ja nicht übertreiben. Als Inspiration finde ich reale Gegenden aber klasse, und gerade historische Beschränkungen bieten einen großartigen Hintergrund für Charaktere, die daraus ausbrechen wollen. Die müssen ja dann nicht gleich gelyncht werden, aber diese Spannung zwischen Konvention und Individualismus erzeugt Drama.

Und wenn man vor einem realen Hintergrund spielt, dann hat man vielleicht sogar Glück und kann sich den Spielort tatsächlich anschauen. Oder zumindest mit Google Street View auskundschaften (habe ich in Miami gemacht - sehr spaßig).
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Talasha am 22.03.2016 | 21:12
Talasha / Erik:
Ihr habt schon den Spoiler wahrgenommen?
Deshalb der " :P ".
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2016 | 23:00
Ich glaube, die Karte habe ich schon mal gesehen. ;D Und ja, da kommen die guten alten Klischees alle wieder zusammen und feiern eine Party.

Und es ist sicher niemandem entgangen, wie weit die Karte - mit einigen Abweichungen wie den nach Afrika verpflanzten Azteken - der wirklichen Welt (wenn auch z. T. zu verschiedenen Zeitaltern) ähnelt. Da haben wir's. Da hat man in einer Fantasywelt schon die Möglichkeit, es anders zu machen, und landet dann am Ende doch bei Völkern, die unschwer als Wikinger, Araber, Hippies, Metalheads, was auch immer zu erkennen sind ;)

Da kann man in der Tat die wirkliche Welt hernehmen und ein bisschen magisch aufmotzen. Das haben Ars Magica, Call of Cthulhu und ein paar andere ja auch getan, und es ist m. E. durchaus reizvoll.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 22.03.2016 | 23:02
Also ich mag beides, je nachdem, wie gut und stimmungsvoll es gemacht ist, beziehungsweise mag es nicht, wenn es dumm und hölzern rüberkommt.

Dass eins dem anderen eindeutig überlegen wäre, sehe ich eigentlich nicht.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: WeepingElf am 22.03.2016 | 23:23
Also ich mag beides, je nachdem, wie gut und stimmungsvoll es gemacht ist, beziehungsweise mag es nicht, wenn es dumm und hölzern rüberkommt.

Dass eins dem anderen eindeutig überlegen wäre, sehe ich eigentlich nicht.

Volle Zustimmung.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 23.03.2016 | 08:26
Na ja, das andere Extrem ist halt irgenwann "Ich spiele mich selber, wie ich hier am Tisch sitze und mich spiele..." ;D
Mad Jack Churchill, Audy Murphy, die Polos, Romeo Dallaire wirklich langweilige reale Leben.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 23.03.2016 | 10:39
Mad Jack Churchill, Audy Murphy, die Polos, Romeo Dallaire wirklich langweilige reale Leben.

Nicht verwechseln: daß das "richtige" Leben auch interessant sein kann, weiß ich selber. Ich würde kaum Zeit damit verbringen, Lexika (heute in der Regel Wikipedia, aber angefangen hat's mit Büchern) zur reinen Unterhaltung zu lesen, wenn ich nicht so denken würde.

Heißt nur noch lange nicht, daß ich da dann auch unbedingt spielen wollen muß. Ich komme auch mit zwei Hobbies noch klar. ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: WeepingElf am 24.03.2016 | 18:54
Ich hatte mal die - nie umgesetzte - Idee, dass die Spieler sich selbst spielen, aber nicht "wie sie am Tisch sitzen und spielen", sondern schon in eine abenteuerliche Situation geraten. Es gibt so viele gute Geschichten, die von normalen Typen in der realen Welt handeln, die urplötzlich in ein Abenteuer verwickelt werden, warum sollte man so was nicht spielen können? Ich gebe freilich zu, dass so was einerseits ins Psychologische und andererseits ins Comedyhafte abgleiten kann.

Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 24.03.2016 | 19:04
Ich hatte mal die - nie umgesetzte - Idee, dass die Spieler sich selbst spielen, aber nicht "wie sie am Tisch sitzen und spielen", sondern schon in eine abenteuerliche Situation geraten. Es gibt so viele gute Geschichten, die von normalen Typen in der realen Welt handeln, die urplötzlich in ein Abenteuer verwickelt werden, warum sollte man so was nicht spielen können? Ich gebe freilich zu, dass so was einerseits ins Psychologische und andererseits ins Comedyhafte abgleiten kann.



...wobei das einen Tick schräger wäre, wenn man nicht sich selber, sondern Bekannte/Freunde/Eltern/sonstige Verwandte spielen würde, oder ganz berüchtigte Typen aus dem näheren Umfeld.

 ~;P
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Bad Horse am 24.03.2016 | 19:15
Au ja. Du nimmst ein paar Kollegen und spielst die Chefetage.  ;D
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 24.03.2016 | 19:18
"KERKER & KOLLEGEN - Das Therapeutische Rollenspiel"!
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 26.03.2016 | 22:20
Oder man spielt den Typen rechts neben sich. "HEY, DAS WÜRDE ICH NIE MACHEN!!!" - "DAS HÄLST DU VON MIR?!?" - "ICH STINKE?!?" Der Tod jeder Rollenspielrunde. ;)

Am besten mit Fate. Kooperativer Charakterbau. Ich glaube nicht, dass eine Runde über die Kernkonzepte rauskommt. "Ich spiele Christoph? Hm, selbstgerechter Klugscheisser sollte passen, was meint ihr?"
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Arkam am 27.03.2016 | 22:51
Hallo zusammen,

ich denke das größte Problem ist das die realer Welt eine Entwicklung mitbringt.
Die typische Fantasywelt befindet sich ja seit Jahrtausenden in einer Schleife oder gar in Stasis. In der realen Welt fange ich dann mit meinem 18 jährigen Charakter 1914 an und spiele ihn dann 17 Jahre, also frühe Heldenpension mit 35, bis 1931. Wenn ich mich als Charakter spielen würde, 50 Jahre alt, wäre der Charakter dann bis 1946 gespielt.
Realität und Vorgaben durch Geschichte,reale Geschichte und die zu bespielende, Regeln und Art der Geschichte können böse zusammenstoßen. Da braucht man dann nicht Mal die Besserwisser um sehr unterschiedliche Vorstellungen zu generieren. Das fällt mit den klassischen Fantasy Setzungen schon deutlich einfacher.
Was in der realen Welt möglich ist davon hat jeder eine Vorstellung und dazu wahrscheinlich noch eine Vorstellung welche Möglichkeiten man an einer anderen Position wie Söldner, Blackwater Angestellter, Manager oder Milliadär hätte. Einschränkungen sind schwerer durchzusetzen. Auch Setzungen wie alle Amerikaner haben eine Schußwaffe, alle Russen haben eine hohe Alkoholtoleranz oder alle Chinesen sind böse und dürfen deshalb direkt getötet werden schießen am Ziel vorbei.
Das ganze müsste dann noch in Regeln gegossen werden.

Ich denke ein ganz ähnliches Problem haben auch die diversen SF Settings solange es sich nicht um Space Operas handelt die man dann wie ein Fantasy Setting behandeln kann.

Gruß Jochen
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Eulenspiegel am 27.03.2016 | 23:16
Normale Fantasy Settings orientieren sich eher grob an das Mittelalter. Und damals war der Fortschritt wesentlich langsamer als heutzutage.

Nehmen wir mal an, der Charakter wir 1100 AD geboren. Dann ist er 1118 AD volljährig. Wenn unser SC mit 80 Jahren in den Helden-Ruhestand geht, schreiben wir das Jahr 1180 AD.

Und nun schauen wir uns mal an, was sich in der Zeit 1100 AD bis 1180 AD getan hat: Nicht wirklich viel. Sicherlich, ein paar Kleinigkeiten haben sich geändert. Aber die zählen quasi unter "Meta-Plot". Das Setting-Feeling ist 1100 und 1180 AD aber nach wie vor identisch.

Warum denke ich, wird gerne in Fantasy-Welten gespielt:
Weil man gerne in fremden Welten spielen will. - Und wenn die Autoren einfallslos sind und einfach nur den Abklatsch von irdischen Kulturen nehmen, dann will man sich zumindest der Illusion hingeben, dass das fremde Kulturen sind.
Ich selber bevorzuge jedoch Fantasy-Settings, wo die Autoren wirklich kreativ waren und tatsächlich fremdartige Kulturen erschaffen haben. Und ja, ich bin mir bewusst, dass diese Settings die Ausnahme sind.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Mann mit Ukulele am 28.03.2016 | 00:49
Ich mache Rollenspiel ja genau deshalb, WEIL es fremdartig ist und ich eben wegkomme aus der Realität.
Selbst wenn die nur notdürftig übertüncht ist.

Wo ich mir aber "magischen Realismus" vorstellen kann ist in Settings oder mit Motiven, die sich bis heute einen gewissen Zauber bewahrt haben.
Angeregt vom Antiziganisten-Thread habe ich mich zum Motiv des Zigeuners in der Weltliteratur eingelesen.
Ganz eng mit Zigeunern verknüpft ist die Fähigkeit des Wahrsagens. Wenn das nun beispielsweise WIRKLICH funktionierte, wäre das auch in der wirklichen Welt noch spielbar für mich.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Andras Marwolaeth am 28.03.2016 | 08:29
Die reale Welt in einer interessanten Epoche wäre als Spielfeld klischeebeladen und hätte mit dem Vorbild außer Namen und Geografie nur wenig gemein.

Und wie hört sich das an? Monsterjagen in den Dungeons unter dem Kölner Dom, das Enttarnen des geheimen Nekromantenzirkels der CSU, oder die Suche nach der heiligen Atombombe, die in den 50ern in der Arktis verloren ging, und an der das Heil der ganzen Welt hängt?

Ich weiß nicht. Oder doch lieber ins Mittelalter? Zu Pest, Cholera, Lepra und Konsorten?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Rhylthar am 28.03.2016 | 08:43
Zitat
Monsterjagen in den Dungeons unter dem Kölner Dom
Hm, daraus könnte man ein John Sinclair Abenteuer machen. "Ghule unter dem Dom".

Zitat
Enttarnen des geheimen Nekromantenzirkels der CSU
Manch einer würde es wohl eher als Postapokalypse sehen, wenn sie Franz Josef Strauß wiedererweckt hätten.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Infernal Teddy am 28.03.2016 | 08:58
Manch einer würde es wohl eher als Postapokalypse sehen, wenn sie Franz Josef Strauß wiedererweckt hätten.
Postapokalypse? Das wäre der Beginn der Apokalypse!
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 28.03.2016 | 09:52
Hm, daraus könnte man ein John Sinclair Abenteuer machen. "Ghule unter dem Dom".

Da wird dann natürlich eventuell die Horror-Fraktion aufschreien, daß das in ihr Ressort fällt und darum gar niemals nicht als "Fantasy" gezählt werden kann -- ungeachtet der Tatsache, daß sich die Genres beim typischen Seriengeisterdämonenmonsterjäger a la Sinclair, Zamorra, und wie sie noch alle heißen und mal gehießen haben, mMn sowieso über kurz oder lang rettungslos vermischen. ;)

Aber, ja, das könnte man definitiv. Was heißt "könnte"; so bekannt, wie der Dom nun einmal ist, wäre ich einigermaßen baff, wenn sich herausstellen sollte, daß noch nie ein Schriftsteller genau dieses Thema irgendwo und -wann schon mindestens einmal verwurstet hat...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Infernal Teddy am 28.03.2016 | 10:05
Naja, Monster unterm Dom verprügeln hatten wir ja schon,  erinnert sich jemand an die freelancer Reihe?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Kowalski am 28.03.2016 | 12:39
Ich bin pingelig, was Fantasy Settings angeht. Die meisten sind mir viel zu fadenscheinige Abklatsche realer Kulturen, zumeist noch jedwedes Kontextes beraubt und in geradezu hahnebüchene Zusammenhänge gepresst, die in sihc einfach keine Sinn ergeben

SL: Okay, Wild West im Fantasy Mittelalter hatten wir gerade...
Sp1: Hey, Ninja's sind ja so COOOL, ich darf als nächsten Char einen Ninja, spielen, okay?
Sp2: Und ich will einen Monk spielen, Bruzzi Lei, das ist noch C00L3R!
Sp3: Ich will meinen Ranger aber weiter spielen!
Sp4: Und ich meinen Magier!

SL: Okay, okay!
SL: Hmm. Mal sehen...
SL: Oki doki. Weit im Osten gibt es das Jade Imperium, da sind der Ninja und der Mönch her!

Sp3: Aber das nächsten mal möchte ich einen Duellanten mit Rapier und Dolch spielen!

SL (denkt sich... Oh, mein Gott, worauf hab ich mich eingelassen?????) Ja, in Ordnung, das Quetschen wir auch irgendwo auf die Weltkarte...

Sp4: Und ich will einen Byzantinischen Cataphracten spielen!
Sp5: Und ich einen Wikinger!
Sp1: Dann muß aber auch Platz für einen gestaltwandelnden Jaguarkrieger da sein!!!!

SL (denkt: AAAAARGH!!!!!!!)


. Ich frage mich oft, warum denn überhaupt eine künstliche Welt zusammenklatscht werden muss, wenn doch ohnehin das Meiste aus der realen Welt übernommen ist. Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

WEIL die Leuten in einem genug generischen Setting so ein Kuddelmuddel haben wollen.
Zu stark in sich konsistente Welten will eigentlich niemand, weil man dann deutlich vorsichtiger agieren müßte.
Wer will schon einen Lynchmob hinter sich herjagen sehen nur weil man die Totenruhe auf dem Friedhof störte? Man mußte doch einen Nekromanten jagen!
Etc. pp.
Zu nahe an der Realität und die Spielwelt fängt an sich wie ein Gefängnis anzufühlen wo man kaum Möglichkeiten über unsere reelle Welt hinaus hat.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Eulenspiegel am 28.03.2016 | 13:46
Da wird dann natürlich eventuell die Horror-Fraktion aufschreien, daß das in ihr Ressort fällt und darum gar niemals nicht als "Fantasy" gezählt werden kann -- ungeachtet der Tatsache, daß sich die Genres beim typischen Seriengeisterdämonenmonsterjäger a la Sinclair, Zamorra, und wie sie noch alle heißen und mal gehießen haben, mMn sowieso über kurz oder lang rettungslos vermischen. ;)
Wenn man mit modernen Waffen in einer modernen Welt kämpft, habe ich eh meine Probleme, dass "Fantasy" zu nennen. Egal, ob das unsere Welt oder eine alternative Welt ist.

Nicht umsonst herrscht ja auch Streit darüber, ob Star Wars jetzt Fantasy oder Science-Fiction ist.

Klassische Fantasy orientiert sich nunmal an das irdische Mittelalter.

An gut gemachten Setings in der "realen" Welt, möchte ich auf Ars Magica und Cthulhu 1000 AD hinweisen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Bad Horse am 28.03.2016 | 13:53
Und wie hört sich das an? Monsterjagen in den Dungeons unter dem Kölner Dom, das Enttarnen des geheimen Nekromantenzirkels der CSU, oder die Suche nach der heiligen Atombombe, die in den 50ern in der Arktis verloren ging, und an der das Heil der ganzen Welt hängt?

Ich finde, das hört sich total super an. :)

Jedenfalls besser als Monsterjagen im Dungeon unter der Kirche von Gregoriel, Enttarnen eines Nekromantenzirkels in der Adelfamilie der D'ing El Deins oder Suche nach dem Heiligen Schwert, das vor 40 Jahren im Reich der Eisgrolme verloren ging.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chiarina am 28.03.2016 | 14:14
+1
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Isegrim am 28.03.2016 | 15:23
Die reale Welt in einer interessanten Epoche wäre als Spielfeld klischeebeladen und hätte mit dem Vorbild außer Namen und Geografie nur wenig gemein.
Das befürchte ich auch. Am ehsten verdeutlicht sich dass vielleicht daran, dass ich das hier...

(...) das Enttarnen des geheimen Nekromantenzirkels der CSU(...)

... einfach nicht ernst nehmen könnte. Wenn 2012 erst mal die Magie wiederko... Mist, Termin verpasst. Will sagen, wenn sich wie bei SR die Tore der Hölle öffnen oder so ähnlich gibts vielleicht auch Nekromanten in der CSU, aber das ist auch nicht mehr die "reale Welt". In dieser "realen Welt" kann ich christ-soziale Be- oder Verschwörerzirkel ungefähr so ernst nehmen wie das jüdische Pendant, dass sich nachts auf nem Prager Friedhof trifft. Das würde mir den Rollenspielspaß glaube ich ziemlich verderben.

Ich frage mich oft, warum denn überhaupt eine künstliche Welt zusammenklatscht werden muss, wenn doch ohnehin das Meiste aus der realen Welt übernommen ist. Warum da nicht gleich die reale Welt in einer interessanten Gegend, Epoche und meinetwegen mit magic realism nehmen?

1.) Weil es eine bessere "Kontrolle" über die Welt ermöglicht. Die reale Welt ist komplex, Probleme sind vielschichtig und von zigtausend Faktoren beeinflusst, und oft genug führt die Realwelt ihre eigenen Klischees ad absurdum. Da kann es viel praktischer sein, eine weniger komplexe Welt zu beschreiben oder zu bespielen; eine, in der die Probleme konstruiert sind, um einen bestimmten Aspekt in den Vordergrund stellen zu können. Und auf manche Klischees möchte ich auch nicht verzichten, und wenns die in der Realität nur in den Köpfen der Menschen, aber auch nur da gibt...

2.) "Magic" ist nicht realistisch. Das ist ja das Problem...

Das gilt mE sowohl für Rollenspiele, als auch für Bücher oder Filme. Wenn ich als Kernproblem eines Settings (ob Roman, ob RPG-Kampagne) "edle Ritter in einer unedlen Welt" haben will kann ich die reale Welt nehmen und mich neben dem Rittertum mit tausend anderen Problemen rumschlagen, oder sie einfach ignorieren. Oder ich verlagere das in eine Fantasy-Welt, ob die nun Westeros oder Camelot heißt, und hab nur die Konflikte, die ich meinen edlen Rittern zumuten will, und keine schwarze Pest oder einen Investiturstreit, denn ich in meinem Szenario evtl nicht brauche.

P.S.: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich hab auch schon Cthulhu 1920er gespielt, war nett. Aber das fällt für mich auch mehr unter "Mystery", wo nie so ganz klar wird, was jetzt Realität, was Mythos, was "echte" Magie etc ist; bzw wem das klar wird, der verliert quasi automatisch den Verstand. Mit so was komm ich klar, wenn mir ein RPG-Buch erzählen will, welche Vampire jetzt genau für den 2. Weltkrieg verantwortlich sind, steig ich aus...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Eulenspiegel am 28.03.2016 | 16:58
... einfach nicht ernst nehmen könnte. Wenn 2012 erst mal die Magie wiederko... Mist, Termin verpasst. Will sagen, wenn sich wie bei SR die Tore der Hölle öffnen oder so ähnlich gibts vielleicht auch Nekromanten in der CSU, aber das ist auch nicht mehr die "reale Welt". In dieser "realen Welt" kann ich christ-soziale Be- oder Verschwörerzirkel ungefähr so ernst nehmen wie das jüdische Pendant, dass sich nachts auf nem Prager Friedhof trifft. Das würde mir den Rollenspielspaß glaube ich ziemlich verderben.
Also Rollenspiele in der "realen" Welt der Gegenwart gibt es doch im Dutzend billiger:
- World of Darkness
- new World of Darkness
- Cthulhu
- Kult
- Buffy RPG
- John Sinclair
- Harry Potter
- Dresden Files
- Grimm
- diverse Superhelden RPGs

Und die meisten von denen werden durchaus ernst gespielt und machen auch Spaß.

Aber ich wiederhole mich: Bei Fantasy geht es in der Regel um Settings, die technisch und kulturell eher im Mittelalter angesiedelt sind.

Zitat
Oder ich verlagere das in eine Fantasy-Welt, ob die nun Westeros oder Camelot heißt, und hab nur die Konflikte, die ich meinen edlen Rittern zumuten will, und keine schwarze Pest oder einen Investiturstreit, denn ich in meinem Szenario evtl nicht brauche.
Gerade Camelot ist ja DAS Paradebeisbiel für ein Setting in der "realen" Welt: Das ist ja gerade das mythische England. (Die Artus-Saga mit Camelot spielt etwa 600 n. Chr.)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Isegrim am 28.03.2016 | 17:47
Also Rollenspiele in der "realen" Welt der Gegenwart gibt es doch im Dutzend billiger: (...)

Sicher gibt es die. Fantasy-Welten sind halt auch nicht sicher vor Fehlkosntruktionen... Will sagen, dass ist Geschmacksache, und meinen treffen diese Szenarien idR nicht. ;)

Gerade Camelot ist ja DAS Paradebeisbiel für ein Setting in der "realen" Welt: Das ist ja gerade das mythische England. (Die Artus-Saga mit Camelot spielt etwa 600 n. Chr.)
Le Morte d'Arthur spielt 600? I beg to differ... ;)

Man kann die Geschichte vor dem Hintergrund "Britannia, 600 AD" erzählen; mit dem bekannten Mythos hat das dann nichts zu tun außer wenige Namen. (Diese Namensliste umfasst allerdings weder Lancelot, noch Merlin, Ginevra, Kai etc). Man kann die Artussage so erzählen wie Chretien de Troyes, Wolfram von Eschenbach oder Thomas Malory. Dann hat das mit "Britannia, 600 AD" genau so wenig zu tun wie mit "edlen Rittern".
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 28.03.2016 | 18:07
Ähem, 500 AD, bitte.  ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Kowalski am 28.03.2016 | 18:21
Aber ich wiederhole mich: Bei Fantasy geht es in der Regel um Settings, die technisch und kulturell eher im Mittelalter angesiedelt sind.
Gerade Camelot ist ja DAS Paradebeisbiel für ein Setting in der "realen" Welt: Das ist ja gerade das mythische England. (Die Artus-Saga mit Camelot spielt etwa 600 n. Chr.)

Wenn man die mit Aberglauben durchtränkte Welt des Mittelalters nimmt, also eigentlich alles bis zur Aufklärung, dann ist Magie, zumindest wenn sie nicht häufig ist, durchaus integrierbar.
Wäre Magie offen, oder häufig, offensichtlich ist, dann sähe die Welt sicher bald anders aus.

Wenn das magische aber nicht viel wirkmächtiger als der Wunderglaube, als Voodoo und sonstiger fauler Zauber ist, dann kann die Welt voller Magie sein.

Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Edvard Elch am 28.03.2016 | 19:16
Man kann die Geschichte vor dem Hintergrund "Britannia, 600 AD" erzählen; mit dem bekannten Mythos hat das dann nichts zu tun außer wenige Namen. (Diese Namensliste umfasst allerdings weder Lancelot, noch Merlin, Ginevra, Kai etc). Man kann die Artussage so erzählen wie Chretien de Troyes, Wolfram von Eschenbach oder Thomas Malory. Dann hat das mit "Britannia, 600 AD" genau so wenig zu tun wie mit "edlen Rittern".

Inwieweit man bei der Arthurianik überhaupt von einem "realen" Hintegrund sprechen kann, ist relativ fraglich – vollkommen egal, ob man die britannische oder die kontinentale Tradition und welche Strata der Erzählungen man als Grundlage nimmt. Ist vielleicht nicht das beste Beispiel.

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Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Eulenspiegel am 28.03.2016 | 19:19
Le Morte d'Arthur spielt 600? I beg to differ... ;)
Man kann sich darüber streiten, ob die Geschichte nun 500 AD oder 600 AD spielt.

Der Punkt ist aber, dass es in der historischen Vergangenheit der Erde spielt.

Zitat
Man kann die Artussage so erzählen wie Chretien de Troyes, Wolfram von Eschenbach oder Thomas Malory. Dann hat das mit "Britannia, 600 AD" genau so wenig zu tun wie mit "edlen Rittern".
In der Artus-Saga geht es um den Konflikt Christentum vs. alte Religion. Und dieser hat in England um etwa 410 AD begonnen und ging bis etwa 800 AD.

Außerdem werden diverse englische Städte als Camelot vermutet, z.B. Colchester (https://de.wikipedia.org/wiki/Colchester#Sagenhaftes). In der ursprünglichen Saga von Geoffrey von Monmouth wird als Residenzstadt die Stadt Caerleon (https://de.wikipedia.org/wiki/Caerleon) genannt.

Außerdem wird das Land bedroht von Sachsen (https://de.wikipedia.org/wiki/Sachsen_%28Volk%29) und Pikten (https://de.wikipedia.org/wiki/Pikten).

Die Mutter von Artus (Igraine) war die Gemahlin des Herzogs von Cornwall (https://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Cornwall).

bzgl. deiner Namensliste
Es geht nicht darum, ob die Personen real sind. Es geht darum, ob es in unserer Welt spielt.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten (https://de.wikipedia.org/wiki/Gute_Zeiten,_schlechte_Zeiten) spielt sicherlich in unserer Welt. Aber die Personen, die in der Serie vorkommen, existieren nicht real.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 28.03.2016 | 19:23
Man kann sich darüber streiten, ob die Geschichte nun 500 AD oder 600 AD spielt.

Von einer zeitlichen Verortung um 600  hab ich noch nie was gehört. Würde mich mal interessieren, bei wem das auftaucht.

Aber das Beispiel ist nicht schlecht für eine realweltliche Phantastik, gutes Argument.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: eldaen am 28.03.2016 | 19:34
Können wir diese Diskussion bitte auslagern? Sie wird
a) doch arg speziell und hat nicht mehr so viel mit dem Thema des Threads zu tun
b) ein "Schwanzvergleich" von mehr gefährlichem Halbwissen über historisch weder eindeutig datierbare noch interpretierbare "Fakten" (die ihre Basis was schriftliche Quellen angeht in eher fragwürdigen Darstellungen haben), welches hier als harte Tatsachen hingestellt werden
c) bin ich grad mit der Masterarbeit über das subrömische Britannien durch und kann es einfach nicht mehr hören... ;)

Also, nicht bös gemeint, aber mein Thread, meine Regeln:

 :btt:
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Eulenspiegel am 28.03.2016 | 19:40
Also die einen sagen: "Ich würde lieber fiktive Fantasy Welten spielen, weil Settings wie Artus-Saga sind einfach cool."
Und die anderen sagen: "Ich würde lieber mit magischem Realismus spielen, weil Settings wie Artus-Saga sind einfach cool."

Und dann streiten sich die Leute darüber, ob sie lieber Fantasy-Welten oder lieber magischen Realismus mögen. (Obwohl sie sich einig sind, dass sie beide Artus-Saga mögen.)

Aber anstatt Artus-Saga können wir auch gerne als Beispiel Robin Hood nehmen, das ich auch unter "real-historischer Fantasy" verorten würde.
Oder wir können als Beispiel die Rollenspiele Ars Magica bzw. Cthulhu 1000 AD nehmen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 28.03.2016 | 21:23
Bei Robin Hood würde ich mir interessanterweise ernsthaft überlegen, ob der noch unter meine Definition von "Fantasy" fällt.

Ich meine, klar, da gibt's schönstmittelalterliche Ritterromantik und einen Helden, der den Fieslingen an der Macht einen Streich nach dem anderen spielt, bis irgendwann der wahre König zurückkommt, und Robin hat sicher auch hier und da den einen oder anderen Rollenspielcharakter inspiriert. Aber zur Fantasy fehlen mir da ein bißchen die "übernatürlichen" Elemente, die man in vielen anderen frühzeitlichen und auch mittelalterlichen Legenden durchaus findet -- Zauberei, magische Geschöpfe, oder auch nur mal ein kleines eindeutiges Wunder nach anständiger christlicher Tradition im Sherwood Forest? Bis zur einen oder anderen modernen TV-Neuinterpretation meines Wissens eher schon nachgerade auffällige Fehlanzeige.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Sethomancer am 28.03.2016 | 21:45
Wenn ich da an die alte BBC Serie denke (die mit dem genialem Soundtrack von Clannad aus den späten 80ern), was das ganz sxchön Fantasy umd hatte eine geniale Stimmung.
Aber das ist meist Meinungssache wieviel Fantasy sein darf.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: 6 am 28.03.2016 | 22:05
Wenn der jetztige Twist aufs Thema nicht weiter gegangen werden soll, dann bitte sagen:

Ich finde ja pure Fantasysettings, die dann einen sinnvollen Bezug auf unsere Welt bekommen, verdammt interessant. So weit ich weiss, gab es bei GURPS3 eine Fantasywelt bei der die Menschen aus unserem Mittelalter kamen. Auch landete unsere Stormbringer-Kampagne kurzzeitig im Vietnamkrieg. Da hatte es aber ein wenig gedauert, bis wir Spieler das gerafft hatten.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 28.03.2016 | 22:33
Ich finde ja pure Fantasysettings, die dann einen sinnvollen Bezug auf unsere Welt bekommen, verdammt interessant. So weit ich weiss, gab es bei GURPS3 eine Fantasywelt bei der die Menschen aus unserem Mittelalter kamen.

Yrth, ja. War schon die Welt im allerersten GURPS Fantasy-Buch (für die 1. Edition) und gibt's für die 4. Edition immer noch (das Banestorm-Setting). Die magischen Stürme, die die Elfen seinerzeit mit ihrem versuchten Ork-Genozid losgetreten haben, gibt's da immer noch, wenn auch schwächer, und ab und zu spülen sie auch noch modernere Menschen aus unserer Welt dahin, ebenso wie ein paar andere Lebensformen aus Drittrealitäten. (Was übrigens nachträglich einige der ursprünglich als eingeboren präsentierten Rassen auf Yrth in der aktuellen Version ebenfalls zu "Zugereisten" bzw. deren Nachkommen macht.)

Natürlich sind Kontakte zwischen unserer und einer anderen (Fantasy-)Realität nicht mehr gerade literarisches Neuland, und selbst im Rollenspiel- oder vielleicht allgemeiner Tabletopbereich sind sie mindestens so alt wie das legendäre Szenario (berichtet in irgendeiner gaaanz alten Dragon-Ausgabe) von der Nazi-Patrouille, die sich irgendwie in das Reich eines D&D-Fieslings und seiner Schergen verfahren hatte und sogar zumindest teilweise lebend zurückkam... ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Skyclad am 28.03.2016 | 22:37
So weit ich weiss, gab es bei GURPS3 eine Fantasywelt bei der die Menschen aus unserem Mittelalter kamen.

Nicht nur aus dem Mittelalter, auch aus spaeteren Epochen. Nur gibt es dort Triebkraefte, die dort aktiv die Etablierung technologischer Moeglichkeiten, die dort Gestrandete aus spaeteren Jahrhunderten mitbringen, behindern.

http://www.sjgames.com/gurps/books/banestorm/
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 00:28
Ich hatte mal die - nie umgesetzte - Idee, dass die Spieler sich selbst spielen, aber nicht "wie sie am Tisch sitzen und spielen", sondern schon in eine abenteuerliche Situation geraten. Es gibt so viele gute Geschichten, die von normalen Typen in der realen Welt handeln, die urplötzlich in ein Abenteuer verwickelt werden, warum sollte man so was nicht spielen können? Ich gebe freilich zu, dass so was einerseits ins Psychologische und andererseits ins Comedyhafte abgleiten kann.
Das haben wir gespielt (Spielbericht (http://www.1w6.org/deutsch/welten/runden-in-runden-spielbericht-1)): Uns selbst, wie wir eine Runde Vampire Diaries spielen und merken, dass das, was wir im Rollenspiel spielen, Einfluss auf die wirkliche (Spiel-)Welt hat. Ritualmagie durch Rollenspielen. Wir sind dabei z.B. in-play und off-play Döner-essen gegangen und ich habe dann und wann Unterschiede zwischen Spiel und Realität eingeflochten (z.B. eine Nachrichtensendung im Dönerladen über Krawalle bei einer Demonstration, die mit genau den Mitteln beendet wurden mit nenen sie gerade den Konflikt in der Vampire Diaries Runde beendet hatten). War verdammt spannend :)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 00:54
In dieser "realen Welt" kann ich christ-soziale Be- oder Verschwörerzirkel ungefähr so ernst nehmen…. Das würde mir den Rollenspielspaß glaube ich ziemlich verderben.
Da ich persönlich Blut-trinkende Narben-Prägungs-Satanisten kennengelernt habe, habe ich wirklich kein Problem, solche Geschichten zu spielen. Nein, es gibt keine Details dazu. Unsere Welt ist weitaus seltsamer, als sie auf der Oberfläche wirkt.

Wenn wir das hervorheben wollen, können wir es überzeichnen, und schon haben wir magischen Realismus.

das Enttarnen des geheimen Nekromantenzirkels der CSU
In Witchcraft hatten wir “Unterwanderung der Grünen durch elitäre Magier aus dem Kreis des früheren Professorvaters von Angela Merkel, die Joachim Gauck als Gefäß für den Pharao Ptolomäus nutzen wollen, um eine Magokratie zu errichten”. Als 12-Stunden Doppelrunde. Hat verdammt Spaß gemacht :)

Um damit zurück zum Thema zu kommen: Diese Ansätze haben klare Grenzen. Damit die Verwendung der Realität Nutzen bringen kann, müssen wir Erklärungen haben, wieso die Mystik die Realität nicht längst völlig geändert hat. Also entweder eine Maskerade wie in der World of Darkness, oder eine Magie, die ausreichend gut wegerklärt werden kann, dass die Realität trotzdem weitgehend ungestört weiterexistiert.

(Eigenwerbung: Ich schreibe mit der Welt hinter der Welt (http://www.1w6.org/blog/drak/2009-08-13-kampagnenidee-die-welt-hinter-der-welt) schon länger an einer magischen Welt, in der die Magie großteils weg-erklärt werden kann. Der wichtigste Text dabei ist meiner Meinung nach Magie: Das Mittel der Reichen, der Meister und der Spinner (http://www.1w6.org/deutsch/magie/das-mittel-der-reichen-meister-und-spinner))
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Kowalski am 29.03.2016 | 00:54
Nicht nur aus dem Mittelalter, auch aus spaeteren Epochen. Nur gibt es dort Triebkraefte, die dort aktiv die Etablierung technologischer Moeglichkeiten, die dort Gestrandete aus spaeteren Jahrhunderten mitbringen, behindern.

http://www.sjgames.com/gurps/books/banestorm/

Was den Charme hat das man zwar technologische Gadgets einführen kann und auch recht aufgeklärte SCs spielen kann, trotzdem ist der TechLevel sehr stark an das Mittelalter bzw. die beginnende Neuzeit angelehnt, mit der Ausnahme das die Magiergilde und die Kirchen die Erfindung des Schießpulvers mindestens 3 oder 4 mal erfolgreich unterdrückt haben.

Finde ich als Mix & Match (also das von der Erde beibehalten was einem gefällt, und das was halt neu Fantasymäßig dazu gehört. ganz gelungen.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Isegrim am 29.03.2016 | 02:49
In der Artus-Saga geht es um den Konflikt Christentum vs. alte Religion.
Kommt auf die Version an. Bei den Nebeln von Avalon hast du durchaus recht, bei Chretien de Troyes mWn nicht so wirklich. Der ua hochmittelalterliche Autoren nutzten diese frühmittelalterliche Sage, um dem Hochmittelalter nahezubringen, was sie unter "Rittertum" verstanden (vereinfacht gesagt). Warum wird das ganze vor diesem mythisch-nebulösen Hintergrund erzählt? Weil es das viel einfacher macht, die Dinge in den Mittelpunkt zu stellen, um die es den Autoren ging. Anhand der Gralssuche dargelegt wirkt diese ganze Ritterschaftsgeschichte halt anders als vor den realen politischen und sozialen Problemen des 12. Jh.

Das gleiche Moment spielt mE bei zahlreichen anderen Schriften eine Rolle, die gesellschaftlich ausgesprochen einflussreich seien konnten, vom Gilgamesch-Epos über Homer bis zur Bibel. Oder, um den Bogen zum Thread-Thema zurück zu schlagen, bei Tolkien und davon abgeleitet bei zahlreichen RPGs. Auch wenn die heute vielleicht noch nicht ganz den Einfluss haben, den Homer in der Antike hatte...

Auch wenns nicht um Tiefsinniges geht: Ich metzle mich lieber in einem offensichtlichen Fantasy-Setting (sei das Aventurien oder SR-Seattle) durch Zombiehorden als in der "realistisch" aufgemachten Zombieapokalypse; denn die kann ich mir nicht realistisch vorstellen. Offensichtlich ist meine Geschmacksrichtung hier nicht die einzige, die man favorisieren kann. ;)

BTW SR: Offensichtlich eine Mischung aus Fantasy und Realwelt, die ich doch sehr schätze. Ua weil die es größtenteils geschafft haben, unsere reale Welt stand 19xx zu nehmen, und dann die Fantasy/Magie oben drauf zu packen. Keine großen Probleme, da "unsre Welt" ja unsere Welt bleibt... bis sie es dann nicht mehr ist. Die "Vorgeschichte", die wohl ua in Earthdawn erzählt wird, fand ich furchtbar. Das ist so gar nicht konsistent mit unserer heutigen Welt, die ja eigentlich darauf folgen müsste, dass es meine "suspension of disbelief" einfach überfordert.

Da ich persönlich Blut-trinkende Narben-Prägungs-Satanisten kennengelernt habe, habe ich wirklich kein Problem, solche Geschichten zu spielen. Nein, es gibt keine Details dazu. Unsere Welt ist weitaus seltsamer, als sie auf der Oberfläche wirkt.
Verrückte mag es geben, Verschwörungen auch, aber Nekromanten? Nicht im Sinne von "Irren", sondern "Leute, die Tote aufstehen lassen"? Glaub ich nicht, FJS wär noch unseren Kindeskindern erhalten geblieben...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Arkam am 29.03.2016 | 06:49
Hallo zusammen,

spielt vielleicht auch der Respekt vor der realen Geschichte eine Rolle? Im Cthulhu Forum etwa gab es eine Diskussion darüber das im Mittelalter Quellenbuch Angaben zur Ernährung fehlten. Wobei ich finde das die Ernährung ein Thema ist bei dem man sich auch problemlos von der eigenen Vorstellung leiten lassen kann oder keine realen Angaben machen muss.
Zudem kann es da auch zu lähmenden Effekten führen. Das kann man ja auch bei Settings wie etwa Mittelerde beobachten. Der Respekt vor der Vorlage und den Helden in dieser Vorlage kann so groß sein das man das Setting eigentlich nicht bespielen will oder kann.
Wobei ich ehrlich gesagt kein Problem damit hätte in einer Art Hollywood Realität zu spielen. Also passende Vorlage + eigenes Wissen + Wissen aus Quellenbüchern und historischen Quellen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Luxferre am 29.03.2016 | 08:20
Die reale Weltgeschichte beschränkt meine Phantasie. Punkt.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 29.03.2016 | 08:56
Wenig Fleisch, viel Hirse, Senf statt Pfeffer. Dann ist schon viel gewonnen. ;)

Was Arkam / Jochen beschreibt, trifft es für mich auch ganz gut. Ars Magica hat im Spielleiterteil einen Abschnitt darüber, wie realistisch denn "das" Mittelalter sein soll (soweit ein Jahrtausend so praktisch zusammengefasst werden kann...) Der höchste Realismusgrad schlägt dann konsequenterweise vor, dass der Spielleiter sich doch bitte zur Uni begibt und einen entsprechenden Abschluss macht. Und so ein bissche n ist das auch bei mir eine schnell mal juckende Stelle, wenn ich in der rechten Welt spiele. Wir spielen im Berlin der frühen 80er. Geheimdienstler, paranormale Abwehr. Und ich suche die Besoldungstabelle raus... und werde fast sofort fündig. Das ist Segen und Fluch zugleich, dass so viel Quellenmaterial zur Verfügung steht wie für kein anderes Setting.

@Luxferre:
Bei mir ist es genau anders herum. Wie bekomme ich beispielsweise die paranormalen Sachen mit der Realität in Einklang? Hat der Russe auch taktische ud strategische nekromantische Waffen im Arsenal? Wer hat Plan Z an diesen Regisseur geleakt, Romeo oder so? So viele Anknüpfungspunkte!
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Luxferre am 29.03.2016 | 09:06
@Luxferre:
Bei mir ist es genau anders herum. Wie bekomme ich beispielsweise die paranormalen Sachen mit der Realität in Einklang? Hat der Russe auch taktische ud strategische nekromantische Waffen im Arsenal? Wer hat Plan Z an diesen Regisseur geleakt, Romeo oder so? So viele Anknüpfungspunkte!

Ich weiß ganz genau, was Du meinst.
Und ja, ich habe auch tausende spontaner Ideen, die reale Welt mit Fiktivem zu füllen.
Mein einer bester Freund und ich ahben auch oft und lange in 1:1 Sessions in diesem Setting gespielt.
Aber...
es fängt schon mit anderen Völkern an, geht über phantastische Wesen bis zu der Magie, welche die reale Welt komplett aus den Angeln heben würde.
Ich mag es halt anders. Also ganz anders.
Die Realwelt hat mir zu viele festgeschriebener Absolutismen, die ich dann nur schwerlich aufweichen kann.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: eldaen am 29.03.2016 | 09:08
Chruschschow, genau so ist es bei mir auch.

Und auch wenn mich einige dafür vielleicht gern steinigen würden, aber bei vielen Fantasy Settings verwechseln Autoren gerne mal Fantasie/Kreativität mit Willkür. Und darauf komme ich nicht gut klar. Es gibt Zusammenhänge in der Realen Welt, die auch für Fantasywelten gelten. Und da ist oft "Magie/Fantasy" nicht mehr als eine billige Ausrede für Denkfaulheit: Diese Zusammenhänge werden seitens der Autoren entweder nicht erschlossen und auf das Setting angewendet, oder aber mit Magie wegerklärt...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Luxferre am 29.03.2016 | 09:18
Schade, dass Du solche Erfahrungen machen musstest, HEXer.
Meine Jungs und ich legen sehr viel Wert auf Plausibilität, eine gewisse Logik und Nachvollziehbarkeit in unseren Fantasysettings.
Und ja, das kostet als SL natürlich jede Menge Energie, Vorbereitung und Gedanken, Ideen und natürlich Aufmerksamkeit bei der Umsetzung.
Aber es klappt.

Andererseits gehört es auch dazu, fünfe mal gerade sein zu lassen. Immerhin ist es ein Spiel und es hängt ja letztlich nichts davon ab.

Nehmen wir mal mein liebstes Beispiel, wo realweltlich der Bock geschossen wurde: HEX  :P :-*
Hollow Earth hat für mich einen ziemliche Ungläubigkeit hervorgerufen. Ohne große Anstrengungen seitens des SL, würde die gesamte Logik des Settings flöten gehen ...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 29.03.2016 | 09:22
@Luxferre:
Lies mal Illig: "Das erfundene Mittelalter", irgendeinen Schmökkes von Andreas von Bülow zu 9/11, jedes beliebige Däniken-Buch und dann stell dir vor, dass es Leute gibt, die das glauben. Chemtrails! Apollo Hoax! Von Verschwörungstheoretikern lernen heißt Verdrängen lernen!
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Luxferre am 29.03.2016 | 09:25
@Luxferre:
Lies mal Illig: "Das erfundene Mittelalter", irgendeinen Schmökkes von Andreas von Bülow zu 9/11, jedes beliebige Däniken-Buch und dann stell dir vor, dass es Leute gibt, die das glauben. Chemtrails! Apollo Hoax! Von Verschwörungstheoretikern lernen heißt Verdrängen lernen!

Ich glaube, ich bleibe bei meiner alten Ausgabe der 3 Musketiere, danke  :d
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 29.03.2016 | 09:47
Mir geht es darum, dass ich einfach zeitig sagen muss: "Nicht weiter hinterfragen, einfach schlucken!" Nehmen wir mal Pulp und die dazu passende Hollow Earth. Find ich toll! Da kann ich wunderbar mit spielen. Und der kleine Physiker in meinem Hinterkopf wird mir völlig unabhängig von der gebotenen Erklärung stets mit mehr oder weniger Zeitaufwand erklären können , mit welchem einfachen Experiment es sich gerade falsifizieren lässt, dass wir auf der Innenseite der Erdkruste rumlaufen. Mein Problem beginnt dann, wenn Leute hingehen, Erklärungen anbieten und sagen: "So, alles plausibel." Denn bei der Behauptung beginne ich zwangsläufig zu hinterfragen und schreibe dann seitenlange Ergüsse über Galeeren und Galeonen. ;)

Der Versuch der Begründung erzeugt für mich die Versuchung der Überprüfung. Und da ist es so gut wie unmöglich sich nicht irgendwo völlig zu verrennen. Zurück zur Hollow Earth: damit die klappt, muss ich fast zwangsläufig das Gravitationsgesetz ändern. Wer mir das versucht unterzujubeln, zwingt mich quasi dazu einen Astronomen zu spielen, denn die Auswirkungen sind zwangsläufig so brutal, dass ich anfange zu rechnen. Wortwörtlich. Am Spieltisch. Kein schöner Anblick. ;)

Einfachste Lösung? "Die Erde ist eine Hohlkugel! Basta!"
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 29.03.2016 | 10:58
Ich denke, das Problem ist ganz allgemein: je detaillierter ausgearbeitet die Spielwelt, umso mehr wird sie zum eigentlichen "Star" des Spiels. Grundsätzlich ist es ja so, daß die Leute, die den Hintergrund erfinden oder sonstwie beschreiben, erst mal nicht wissen können, was sich andere Leute dazu an ihren Spieltischen so an Charakteren einfallen lassen mögen. Also können diese Charaktere in der "offiziellen" Beschreibung nicht auftauchen, was dann mit deren zunehmendem Detail- und Vollständigkeitsgrad schnell den Eindruck entstehen läßt, daß sie so wichtig gar nicht sein können -- denn, so der zwar logisch falsche, aber intuitiv doch irgendwie sehr verführerisch-einleuchtend erscheinende Schluß, wenn sie es wären, dann müßten sie ja irgendwo in einem der drei Bücher, die ihre Heimatkultur liebevoll erklären und den Bürgermeister jeder Gemeinde beim Namen nennen, selbst schon irgendwo erwähnt sein! Womit wir dann direkt bei "Spielercharaktere müssen kleingehalten werden, damit sie nicht das ganze Setting auf den Kopf stellen" angekommen wären.

Und natürlich gibt's wohl keinen potentiellen Spielhintergrund, der in Sachen Detail, Umfang, und Bekanntheitsgrad das richtige Leben toppt...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: eldaen am 29.03.2016 | 11:07
Gerade in der Hinsicht glänze ja Shadowrun enorm - die Charaktere können an den weltbewegenden Runs und Kampagnen beteiligt sein, und (wenns für die SC gut läuft), weiß es hinterher keiner...
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 11:32
Verrückte mag es geben, Verschwörungen auch, aber Nekromanten? Nicht im Sinne von "Irren", sondern "Leute, die Tote aufstehen lassen"? Glaub ich nicht, FJS wär noch unseren Kindeskindern erhalten geblieben...
Das nicht, aber mit Vampiren und Organhändlern sind wir da schon recht nah ☺ (Leute weit über ihre natürliche Lebensspanne weiterleben lassen, dafür aber von allen möglichen Immununterdrückern abhängig machen)

Was wäre mit CDUlern, die Nachts im Keller des Krankenhauses Leichen zusammenflicken, obskure Riten abhalten („ich gebe dir Blut und Fleisch des Erlösers“) und sie mit gestohlenen Organspenden wiedererwecken? Wäre das für dich zu weit hergeholt, um es zu spielen?
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 29.03.2016 | 11:44
Was wäre mit CDUlern, die Nachts im Keller des Krankenhauses Leichen zusammenflicken, obskure Riten abhalten („ich gebe dir Blut und Fleisch des Erlösers“) und sie mit gestohlenen Organspenden wiedererwecken? Wäre das für dich zu weit hergeholt, um es zu spielen?

Wie sang Frank Zander einst doch noch mal? "Ich bin der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein, mein Geschäft geht wirklich sehr gut..."? ;D

(Edit: YouTube-Verknüpfung (https://www.youtube.com/watch?v=vGZI_OYvq9E) auf Anregung von Arkam -- allerdings muß ich den Kommentatoren recht geben, das Original klingt entschieden besser als die hier gebotene Fassung von 2006. Wenn es allerdings irgendwo im Netz herumschwirren sollte, habe ich es auf die Schnelle nicht gefunden.)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Kowalski am 29.03.2016 | 12:45
Zurück zur Hollow Earth: damit die klappt, muss ich fast zwangsläufig das Gravitationsgesetz ändern. Wer mir das versucht unterzujubeln, zwingt mich quasi dazu einen Astronomen zu spielen, denn die Auswirkungen sind zwangsläufig so brutal, dass ich anfange zu rechnen. Wortwörtlich. Am Spieltisch. Kein schöner Anblick. ;)

Einfachste Lösung? "Die Erde ist eine Hohlkugel! Basta!"

Neutronium als Schicht im Krustenmaterial und eine "Gravitationsisolierschicht" zwischen innen und außen?
Bei der Ringwelt hat es ja auch geklappt. Zugegebenermaßen nur auf der Innenseite....
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: nobody@home am 29.03.2016 | 13:13
Neutronium als Schicht im Krustenmaterial und eine "Gravitationsisolierschicht" zwischen innen und außen?
Bei der Ringwelt hat es ja auch geklappt. Zugegebenermaßen nur auf der Innenseite....

Auf natürliche Weise kriegt man so etwas nicht zustande. Freie Neutronen sind instabil mit einer Halbwertszeit von etwas über zehn Minuten und haben auch keinen guten Grund, unter "normalen" Umständen lange aufeinander klebenzubleiben; damit so etwas wie "Neutronium" sich dauerhaft halten kann, braucht man schon echte Neutronensternverhältnisse, und die haben wir auf der Erde ziemlich gut nachweisbar nicht.

Das kann man jetzt handwedeln und sagen, "jaaa, dann hat eben eine Superduperzivilisation mit überlegener Schummeltechnik und Kenntnissen, die wir noch gar nicht haben, unseren Planeten nach Maß gebastelt!" -- wie halt bei der Ringwelt oder beim Anhalter durch die Galaxis auch --, aber ich glaube, das wirft dann auch erst mal mehr Fragen auf, als es beantwortet... ;)

Chruschtschow hat schon recht: das Beste ist oft, zu wissen, an welchem Punkt man "ist halt so und gut!" sagen können muß. :)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ErikErikson am 29.03.2016 | 13:41
Bestimmt haben sich die Leute früher auch geweigert, irgendwelchen SciFi Quatsch, wo die Leute mit 40 kmh durch die Gegend zu fahren ohne zerquetscht zu werden zu spielen. Andererseits, damals warens ja auch Deppen. Zum Glück sind wir inzwischen so weit fortgeschritten, das wir die Gesetze des Universums im großen und ganzen begriffen haben.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 29.03.2016 | 13:51
Die Feldstärke der Schwerkraft in einer radialsymmetrischen Hohlkugel ist an jedem Ort null. Alles schwebt in der Hohlwelt. Du musst an einer sehr grundlegenden Stelle anfangen Naturgesetze zu ändern, um das zu ändern. Aber pass ein bisschen auf, dass du dabei nicht spontan alle Sonnen sprengst, weil die Gravitation sie nicht mehr zusammen halten kann. Wirklich, der Versuch einer Erklärung macht oft mehr kaputt, als er erklärt.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Aylaschijian am 29.03.2016 | 14:00
@ Hohlwelt und Schwerkraft - Diskussion:
Kann man Schwerkraft in einer Hohlkugel nicht mit Fliehkräften simulieren?

@ eigentlichen Frage:

Realitätsfluch ist bei manchen ein Grund für Rollenspiel oder positiv ausgedruckt: das leichte Versenken in die Immersion.
Da ist es hilfreich mit realitätsfernen Reizworten zu arbeiten. Schon allein des wegen vermeidet man es manchmal in Rom oder dergleichen zu spielen, weil solche realle Begriffe wiederum Reizwörter sein können (nicht müssen), um jemand aus der Versenkung hochzuheben.

Mal ganz davon abgesehen, dass wie oben mal erwähnt, es leichter ist in einem Modell einer Welt zu spielen, statt in der reallen Welt.
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Isegrim am 29.03.2016 | 14:03
Was wäre mit CDUlern, die Nachts im Keller des Krankenhauses Leichen zusammenflicken, obskure Riten abhalten („ich gebe dir Blut und Fleisch des Erlösers“) und sie mit gestohlenen Organspenden wiedererwecken? Wäre das für dich zu weit hergeholt, um es zu spielen?
Hört sich für mich tatsächlich entweder absurd oder uninteressant an, ja. Sry. :P ;)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: Chruschtschow am 29.03.2016 | 14:16
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Und so geht das halt immer weiter. Immer wenn man eine tolle Erklärung findet, sammelt man damit einen ganzen Sack an Problemen ein. Für mich klappt am besten einfach ganz früh zu sagen: Das ist halt so. Applied Phlebotinum (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AppliedPhlebotinum) für die SciFi. A Wizard Did It (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/AWizardDidIt) für Fantasy. Der erste, der sagt, dass da aber eine Erklärung vonnöten ist, kriegt Haue. Man spricht gefälligst nicht über den Elefanten im Raum. Mit den meisten FTL-Antrieben klappt das schließlich auch am besten so lange, bis jemand nachfragt, wieso man damit jetzt nicht das Universum vernichten oder seinen Urururgroßvater besuchen kann.

Für die Probleme, die man sich einhandelt, gibt es auch eine nette Seite bei TV Tropes: Misapplied Phlebotinum (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/MisappliedPhlebotinum).
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 22:41
Bestimmt haben sich die Leute früher auch geweigert, irgendwelchen SciFi Quatsch, wo die Leute mit 40 kmh durch die Gegend zu fahren ohne zerquetscht zu werden zu spielen. Andererseits, damals warens ja auch Deppen. Zum Glück sind wir inzwischen so weit fortgeschritten, das wir die Gesetze des Universums im großen und ganzen begriffen haben.
~;D
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 22:49
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Zitat
Und so geht das halt immer weiter. Immer wenn man eine tolle Erklärung findet, sammelt man damit einen ganzen Sack an Problemen ein.
Ich würde eher sagen: Man findet neue Inspirationsquellen :)

Dadurch wird die innere Welt gleich deutlich fremdartiger. Daher: Einfach so lange weitermachen, wie es Spaß macht. Und dann sagen „jetzt ist gut“ :)
Titel: Re: Warum fiktive Fantasy Welt statt magischem Realismus?
Beitrag von: ArneBab am 29.03.2016 | 22:50
Hört sich für mich tatsächlich entweder absurd oder uninteressant an, ja. Sry. :P ;)
Dann ist das wohl nicht das richtige Setting für dich ☺
(was auch eine Antwort zu diesem Thread ist)