Nach "München" und "Lord of War" ist "Syriana" die Nummer drei in der Riege der neuen, politischen Streifen aus Hollywood.
"Syriana" wählt dabei einen anderen Weg als die beiden erstgenannten Filme: während "Lord of War" z.B. aus der sehr persönlichen Ich-Perspektive des Hauptcharakters die dunkelgrauen Deals der internationalen Waffenschieber beleuchtet und diese Sicht auf die Dinge auch nie verlässt, ist "Syriana" ein Mosaik aus vielen unterschiedlichen Erzählsträngen (wie auch kaum anders zu erwarten von dem Mann, der u.a. auch das Drehbuch für "Traffic" geschrieben hat).
Anfangs scheinen die einzelnen Mosaiksteinchen nur parallel nebeneinander her zu existieren, ohne groß etwas miteinander zu tun haben, aber natürlich laufen die Handlungsstränge schließlich zusammen und ergeben doch noch einen Sinn. Und so entfaltet sich eine spannende, vielschichtige Geschichte um zwei fusionierende Öl-Multis, die politischen Interessen, die hinter der Fusion stecken, die Bemühungen eines aufgeklärten arabischen Prinzen, der bald zum Emir ernannt werden soll und dann seinen fiktiven Golfstaat in die Demokratie führen will, um einen alternden Geheimdienstler (George Clooney, der sich, hinter Bart und Bauch versteckt, ganz auf seinen Charakter konzentrieren kann), der eigentlich auf einem Auftrag war und dann auf das Abstellgleis geschoben wird, um einen Privatmann, der über eine schreckliche familiäre Tragödie in die Ereignisse gezogen wird, um zwei desillusionierte pakistanische Teenager, die in Arabien den Job verlieren und von einem charismatischen Kleriker für die "heilige Sache" rekrutiert werden, sowie um einen Rechtsanwalt, der die oben erwähnte Fusion kartellrechtlich untersuchen soll und dabei in den Zwiespalt zwischen moralischen und geschäftlichen Interessen gerät.
Der Film ist sparsam in dem, was er ausspricht - etliches wird nur angedeutet oder gar nur der Mitdenke des Zuschauers überlassen -, elegant gefilmt, mit stimmiger Musik unterlegt, intelligent und durchaus mitreißend. George Clooney spielt brilliant (hat er eigentlich den Nebendarsteller-Oscar für die Rolle erhalten?), und am Ende laufen die Fäden äußerst geschickt zusammen.
Ein paar kleinere Kritikpunkte gibt es dennoch: der Faden der beiden pakistanischen Teenager ist vom ersten Moment an absolut vorhersehbar und der Autowechsel gegen Ende, als Matt Damons Charakter der Frau von Alexander "Dr. Bashir" Siddig El Fadil anbietet, doch mit ihrem Mann mitzufahren, ein wenig arg platt. Und überhaupt habe ich den Sinn von Matt Damons Charakter in diesem Film nicht so recht verstanden. Identifizieren tut man sich nicht mit ihm, und alles, was er als Privatmann beobachtet, hätte man auch ohne dieses "Plot Device" von der neutralen Kamera beobachten lassen können - in den anderen Fäden wird schließlich auch mit der neutralen Kamera gearbeitet.
Aber sei es drum - der Film ist elegant, spannend und regt zum Nachdenken an, gerade, wenn am Ende alle Rädchen ineinandergreifen und sich die (meisten) offenen Fragen klären. Sehenswert!