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Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Thema: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang) (Gelesen 4544 mal)
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Lord Verminaard
Gentleman der alten Schule
Mythos
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Geschlecht:
Beiträge: 11.171
Dreiäugiger Milfstiefel
User:
Lord Verminaard
Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
am:
2.03.2010 | 11:44 »
Zum Geleit
Die ethische bzw. moralische Dimension des Rollenspielens ist in letzter Zeit manchmal in Forendiskussionen aufgekommen, allerdings meist mit der Intention, das, was die anderen machen, als verwerflich zu brandmarken. Meine Meinung über die Initiatoren einer solchen Rhetorik breite ich hier mal nicht aus. Aber das Thema scheint ja doch nicht ganz so einfach zu sein, und da ich dazu einen dezidierten Standpunkt habe, möchte ich diesen hier einmal positiv niederlegen, soweit es mein Westentaschenlatein erlaubt.
Erzählspiel
Erzählspiel sei für die Belange dieses Versuchs eine Form des P&P-Rollenspiels, bei dem die Beteiligten Wert darauf legen und darauf hin arbeiten, durch das gemeinsame Spiel ein fiktives Geschehen zu erzeugen, das von den Beteiligten während des Spiels als eine „gute Geschichte“ empfunden wird. Oft werden wahlweise z.B. besonders emotionale Momente, moralisch ambivalente Situationen, Spannungsbögen im Sinne gängiger dramaturgischer Handlungsmodelle, spektakuläre (Action-)Szenen, Genre-Emulation, Humor oder eine dichte Atmosphäre als Merkmale einer „guten Geschichte“ identifiziert, wesentlich bleibt dabei das subjektive Empfinden der Beteiligten.
Ethisch-moralische Dimension
Obwohl P&P-Rollenspiel im Allgemeinen und Erzählspiel im Speziellen „nur ein Spiel“ ist, hat das Handeln der Beteiligten eine moralische Dimension. Diese moralische Dimension ergibt sich daraus, dass das Handeln Auswirkungen auf andere Menschen, nämlich die Teilnehmer des Spiels, hat,
und nur daraus
. Das Spiel oder die Spielwelt an sich haben keinen moralisch anzuerkennenden Wert abgesehen von dem, den die Spielenden ihnen für sich persönlich beimessen. Insbesondere haben sie keine über den unmittelbaren Spielzweck hinaus gehende Bedeutung, die zu einer moralischen Verpflichtung der Beteiligten gegen sich selbst bzw. der Allgemeinheit oder einer höheren Instanz gegenüber führen würde. Erzählspiel ist nicht Kunst, sondern Zerstreuung. Es unterscheidet sich insoweit nicht von anderen Gesellschaftsspielen.
Rechte im Rollenspiel
Welche Rechte hat ein Spieler? Rechte natürlich nicht im juristischen, sondern im ethisch-moralischen Sinne. Zunächst einmal hat jeder Spieler die Rechte, die jeder Mensch jederzeit gegenüber anderen Menschen hat, also z.B. das Recht, nicht in seiner Gesundheit oder Würde verletzt zu werden (die sind sogar juristisch). Ich gehe weiter davon aus, dass die Beteiligten einer Rollenspielrunde das Recht haben, bei ihren Mitspielern Gehör zu finden und von ihren Mitspielern nicht getäuscht, genötigt oder schikaniert zu werden. Schließlich gehe ich davon aus, dass ein Recht auf Gleichbehandlung besteht, d.h. wesentlich Gleiches darf nicht ohne sachlichen Grund ungleich und wesentlich Ungleiches nicht ohne sachlichen Grund gleich behandelt werden.
Ausgehend von der Grundannahme, dass die Spielwelt insoweit relevant ist, als die Spielenden ihr Bedeutung beimessen, entwickelt sich ein Anspruch des Spielers darauf, dass die Bedeutung, die er der Spielwelt beimisst, von den übrigen Mitspielern nicht willkürlich missachtet wird. Er kann ferner erwarten, dass die übrigen Beteiligten sich an die zuvor – explizit oder stillschweigend – vereinbarten Regeln halten und ihm eine gleichberechtigte Teilnahme am Spiel ermöglichen. Beiträge eines Spielers zum Spiel dürfen nicht negiert oder entwertet werden.
Anwendung auf das Erzählspiel
Aufeinander aufbauende kreative Beiträge
Die für die Spieler relevanten Aspekte der Spielwelt sind im Erzählspiel mit der Frage verknüpft, was in den Augen der Gruppe eine „gute Geschichte“ ausmacht. In einer funktionierenden Runde besteht ein gemeinsames Verständnis dahingehend, dass das Motiv, eine „gute Geschichte“ zu erleben, entscheidungsrelevant ist. Innere Schlüssigkeit, insbesondere die Vermeidung von Widersprüchen zu bereits etablierten Fakten, wird in der Regel als Merkmal einer „guten Geschichte“ angesehen, darüber hinaus ist jedoch allen Beteiligten bewusst, dass die Spielwelt der „Geschichte“ dient und sich entsprechend verhält. Sowohl vom SL als auch von den Spielern wird
erwartet
, dass sie die Spielwelt bzw. ihre Charaktere in diesem Sinne gestalten und lenken. Die Entscheidung muss dabei nicht immer die absehbare sein, kann im Gegenteil gerne überraschen, ist aber in jedem Fall als kreativer Beitrag des jeweiligen Spielers zur „Geschichte“ zu begreifen.
Ein Spannungsfeld ergibt sich dabei im Verhältnis zu der Forderung, Beiträge der anderen Mitspieler nicht zu negieren oder zu entwerten. Anders als bei einer auf Weltsimulation gerichteten Spielphilosophie, kann und soll diesem Anspruch nicht durch strikte und neutrale Wahrung innerweltlicher Kausalität Rechnung getragen werden. Vielmehr ist das Spiel als kreativer Prozess zu begreifen, bei dem die entstehende „Geschichte“ die Summe der Beiträge aller Beteiligten ist.
Daher ist es die Pflicht der Beteiligten, mit ihrem Spiel die Beiträge ihrer Mitspieler aufzugreifen und zu verarbeiten, und ihnen so Relevanz für die „Geschichte“ zu verleihen. Ein Beitrag wird nicht etwa dann entwertet, wenn eine unwahrscheinliche oder extreme Reaktion darauf erfolgt. Sondern er wird dann entwertet, wenn der weitere Handlungsverlauf an ihm vorbei entwickelt wird, ohne ihm Beachtung zu schenken. Umgekehrt wird ein Beitrag nicht dadurch validiert, dass strikt kausal bzw. stochastisch Konsequenzen adjudiziert werden. Sondern er wird vielmehr dadurch validiert, dass er in die Erzählung eingewoben, dass ihm Relevanz im Hinblick auf die „Geschichte“ zugestanden wird.
Wenn alle sich nach diesem Prinzip verhalten, folgt daraus gleichzeitig, dass die Einzelbeiträge sich im Einklang mit der gemeinsamen Erwartungshaltung befinden. Das Aufgreifen und Einbinden eines unangemessenen Beitrages kann nicht erwartet werden, weil dadurch alle vorangegangenen Beiträge entwertet würden. Wohl aber kann eine Bereitschaft erwartet werden, sich auf die Ideen und den Geschmack der anderen einzulassen, ihnen gegenüber aufgeschlossen zu sein, sie im Zweifel wohlwollend auszulegen und sogar die Erwartungshaltung anzupassen bzw. zu erweitern, wenn das möglich ist. Mit einer klaren und eindeutigen Formel hierfür kann ich leider nicht dienen, eine solche widerstrebt dem Wesen des Erzählspiels als dynamischer kooperativer kreativer Prozess.
Beachtung und Missachtung der Regelmechanik
Dann wäre da noch der Punkt mit den Regeln, genauer: der Regelmechanik. Oftmals wird im Erzählspiel der simulierende Ansatz einer klassischen Regelmechanik mehr als Rahmen bzw. Richtlinie denn als unantastbar angesehen. Solche Regeln sind dennoch nicht wertlos, sondern können im Gegenteil sehr wertvoll sein, um die Vorstellung von der Spielwelt, den Charakteren und dem, was so möglich und unmöglich ist, zu formen. Diese Homogenisierung der individuellen Vorstellungsräume ist oft sogar zwingend notwendig für ein erfolgreiches Spiel. Man muss allerdings begreifen, dass die Funktion entsprechend simulierender Regeln sich für das Erzählspiel in dieser Homogenisierung erschöpft, der Weltsimulation an sich aber kein eigener und originärer Wert beigemessen wird.
Daher ist es nach dem Selbstverständnis der erzählspielerischen Ansatzes geradezu verpflichtend, von Zeit zu Zeit das eigene Urteil hinsichtlich der Frage, was „gut“ für die „Geschichte“ sei, an die Stelle der (simulierenden) Regeln zu setzen. Üblicherweise wird dabei nichts passieren, was nicht auch im Rahmen der Regeln denkbar gewesen wäre, aber ggf. wird das Zufallselement ausgeklammert oder von eingeräumtem SL-Ermessen sehr zielorientiert Gebrauch gemacht.
In anderen Situationen wiederum mag man das Zufallselement willkommen heißen, um die Geschichte unberechenbarer und dadurch interessanter zu machen. Dies aber ist die bewusste Entscheidung der Gruppe, die diese Entscheidung auch an den SL delegieren kann. Wesentlich ist dabei, dass nicht willkürlich entschieden wird und das erläuterte Prinzip des kreativen aufeinander Aufbauens nicht missachtet wird. Ich persönlich bevorzuge daher absolute Transparenz hinsichtlich der Anwendung oder Nichtanwendung der Regeln. Andere legen darauf weniger Wert, was in Ordnung ist, solange der SL sich anständig verhält und sich nicht von sachfremden Erwägungen leiten lässt, der SL also im von ihm wohlverstandenen Interesse der Spieler handelt.
Dabei bleibt unbenommen, dass man auch in einer Erzählspielrunde Spaß an der Anwendung der Regelmechanik haben kann. Darin ist kein Widerspruch zu sehen, Spaßquellen sind nicht ausschließlich, und oft ist es gerade die Kumulation ganz unterschiedlicher Spaßquellen, die den Reiz des Rollenspiels ausmacht. Das ist dann auch nicht etwa irrelevant: ein Spieler, der z.B. aufgrund geschickter Regelanwendung einen besonders kompetenten Charakter entwickelt hat, wird sich darauf durchaus etwas einbilden, und dies wird auch von den Mitspielern anerkannt werden. Diese Leistung des Spielers würde entwertet, wenn im Rahmen der „Geschichte“ die Kompetenz des Charakters überhaupt nicht zur Geltung käme. Kommt sie aber grundsätzlich zur Geltung, indem sie z.B. von NSCs und SCs anerkannt wird und oft genug gefragt ist, dann spielt sie auch eine Rolle in der „Geschichte“. Und hat der Charakter dann wiederum in einer bestimmten Situation einfach Pech, sind die Umstände einfach gegen ihn, so dass seine Kompetenz gezielt ausgehebelt wird, wodurch seine „Geschichte“ eine interessante Wendung erfährt – dann entwertet das
gar nichts
, der Spieler wird damit kein Problem haben, da er weiß, dass es nie seine Aufgabe war, dieses spezielle Ereignis zu verhindern. Meiner Einschätzung nach ist es vor allem diese letzte Differenzierung, die der typische Erzählspiel-Basher nicht versteht.
Objektiver und subjektiver Verstoß oder die Schuldfrage
Am Rande sei noch erwähnt, dass besonders aufgrund der möglicherweise diffusen bzw. dynamischen Erwartungen und Wechselwirkungen beim Erzählspiel nicht jeder überhaupt erkennt, was die anderen wollen oder erwarten. Die Frage der Schuld bzw. Vorwerfbarkeit einer „Rechtsverletzung“ im Sinne der dargestellten Rechte ist daher in vielen Fällen negativ zu beantworten. Ich würde behaupten, dass eine solche Rechtsverletzung in der Regel auf Unkenntnis bzw. Fehleinschätzung beruht, und nur in Ausnahmefällen auf Vorsatz. Andererseits kann auch eine Fehleinschätzung u.U. vorwerfbar sein, wenn sie fahrlässig ist, man sie also hätte vermeiden können, wenn man besser aufgepasst hätte.
Fazit
Das Geben und Nehmen in einer funktionierenden Erzählspielrunde erfordert Kreativität und Empathie. Ein Urteil über die ethisch-moralische Angemessenheit des Verhaltens der Beteiligten lässt sich nur dann treffen, wenn man versteht, was eine gegebene Runde von einer „guten Geschichte“ erwartet. Das setzt zunächst voraus, dass es eine solche
gemeinsame
Erwartung überhaupt gibt. Soweit es sie nicht gibt, muss das Verhalten der Gruppe darauf gerichtet sein, sich einer solchen gemeinsamen Erwartung anzunähern. 100 % Übereinstimmung gibt es natürlich nie, und die Erwartungshaltung kann sich auch erweitern oder transformieren. Respekt vor den Vorstellungen und Wünschen der anderen gehört in jedem Fall dazu.
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Boni
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Boni
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #1 am:
2.03.2010 | 12:06 »
Sehr schön! Präzise, auf den Punkt und neutral verfasst.
Einzige Anmerkung: Im Sinne der Neutralität würde ich die Bezeichnung "typische Erzählspiel-Basher" vielleicht mit "Erzählspiel-Kritiker" oder ähnlichem ersetzen.
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Zitat von: Blechpirat am 27.02.2012 | 19:27
Jiba, Boni, DSA - what could possibly go wrong?
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Maarzan
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Maarzan
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #2 am:
2.03.2010 | 12:11 »
Zitat von: Lörd Vörminerd am 2.03.2010 | 11:44
Fazit
Das Geben und Nehmen in einer funktionierenden Erzählspielrunde erfordert Kreativität und Empathie. Ein Urteil über die ethisch-moralische Angemessenheit des Verhaltens der Beteiligten lässt sich nur dann treffen, wenn man versteht, was eine gegebene Runde von einer „guten Geschichte“ erwartet. Das setzt zunächst voraus, dass es eine solche
gemeinsame
Erwartung überhaupt gibt. Soweit es sie nicht gibt, muss das Verhalten der Gruppe darauf gerichtet sein, sich einer solchen gemeinsamen Erwartung anzunähern. 100 % Übereinstimmung gibt es natürlich nie, und die Erwartungshaltung kann sich auch erweitern oder transformieren. Respekt vor den Vorstellungen und Wünschen der anderen gehört in jedem Fall dazu.
Gibt es Hinweise wie diese Übereinstimmung erzielt werden soll? Letztlich reden wir hier ja darüber, dass Geschmack als sehr persönliches und subjektives Leitbild unter einen Hut gebracht werden soll und des weiteren sich die gute Geschichte ja aus dem Gesamtbild ableitet und nicht aus mal mehr, mal weniger gelungenen Teilszenen.
Was ich als Rundum-Erzählspiele erlebt habe dürfte zwar den oben genannten Punkten am nächsten kommen, aber andererseits erfüllen diese Spiele/erzeugten Geschichten die Anforderungen derjenigen, welche im traditionellen Rollenspiel mit Storyansprüchen auffallen, genausowenig wie diese traditionellen Rollenspiele.
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Lord Verminaard
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Lord Verminaard
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #3 am:
2.03.2010 | 12:24 »
Zitat von: Maarzan am 2.03.2010 | 12:11
Gibt es Hinweise wie diese Übereinstimmung erzielt werden soll? Letztlich reden wir hier ja darüber, dass Geschmack als sehr persönliches und subjektives Leitbild unter einen Hut gebracht werden soll und des weiteren sich die gute Geschichte ja aus dem Gesamtbild ableitet und nicht aus mal mehr, mal weniger gelungenen Teilszenen.
Vom Standpunkt der Ethik aus kommt es nur darauf an,
dass
eine Übereinstimmung erzielt wird; das „wie“ ist egal. In der Praxis dürften die gängigsten Methoden die Bezugnahme auf ein bestimmtes Quellenmaterial sowie die Übernahme einer sozialen Moderations- bzw. Führungsrolle durch den SL sein.
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Drudenfusz
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User:
Drudenfusz
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #4 am:
2.03.2010 | 12:29 »
Zitat von: Lörd Vörminerd am 2.03.2010 | 12:24
Vom Standpunkt der Ethik aus kommt es nur darauf an,
dass
eine Übereinstimmung erzielt wird; das „wie“ ist egal. In der Praxis dürften die gängigsten Methoden die Bezugnahme auf ein bestimmtes Quellenmaterial sowie die Übernahme einer sozialen Moderations- bzw. Führungsrolle durch den SL sein.
Kurz: Man redet in der Gruppe einfach mal drüber.
Schöner Beitrag, Vermi, mir ist nun klar warum meine Wenigkeit immer allergisch auf Railroading reagiert (fühle mich da dann wohl in meinen Rechten beschnitten).
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Also schrieb Drudenfusz
ErikErikson
Bekommt keinen Titel! So!
Mythos
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Beiträge: 10.671
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ErikErikson
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #5 am:
2.03.2010 | 12:39 »
Ich finde, RR und freies Spiel sind eh fast gleich, wenn man FS als "Wir setzen unsere Ziele selbst" definiert. Da die Spieler ihre Ziele kaum ständig ändern.
Nur gibts beim RR halt oft die offensichtlich beste Methode.
Dumm ist halt, wenn die Leute je was anderes wollen, Kompromisse sind immer schwer bei Spielstilen.
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Zornhau
Comte de VERSALIES
Famous Hero
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Geschlecht:
Beiträge: 3.658
User:
Zornhau
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #6 am:
2.03.2010 | 12:56 »
Zitat von: Lörd Vörminerd am 2.03.2010 | 11:44
Die ethische bzw. moralische Dimension des Rollenspielens ist in letzter Zeit manchmal in Forendiskussionen aufgekommen, allerdings meist mit der Intention, das, was die anderen machen, als verwerflich zu brandmarken.
Genau. "Das, was die anderen machen, ist moralisch verwerflich." kann man so stehen lassen.
Die Frage ist nur: WAS ist mit diesem "das" gemeint?
Die Kritik an "den Erzählspielern" zielt ja überhaupt NICHT auf das, was sie während des SPIELENS machen, sondern auf das, was sie AUSSERHALB des Spielens so machen.
Und das ist, das "Erzählspiel" als das "Besser-Rollenspiel" darzustellen. Der elitäre Anspruch, der hier erhoben wird, dient allein der Selbstüberhöhung der Erzählspieler, und der - im Kontrast und BEWUSST vorgenommenen - Abwertung aller nicht vordringlich an der Erzählung interessierten Rollenspieler.
Und genau DIESE Art der Rhetorik der Erzählspiel-Propagandisten ist es eben, die zu einem Eindruck führt, daß "das, was die anderen <die Erzählspiel-Rhetoriker> machen, moralisch verwerflich" sei.
Wenn hier schon eingangs auf "Rhetoriker" Bezug genommen wird, dann sollte man schon KLAR HERAUSSTELLEN: Es geht bei dieser Rhetorik, die Erzählspiel kritisch oder gar ablehnend thematisiert, weniger um eine Ethik IM SPIELABLAUF SELBST, als um den Auftritt außerhalb der eigentlichen Spielrunden.
Niemand läßt sich gerne als "Schlechterspieler" herabsetzen. - Und gerade in diesem Forum gibt es halt SEHR geschickte, SEHR eloquente Meinungsführer einer bestimmten Richtung, die sich beständig, aber eben auch sehr geschickt verpackt im Anschein einer "Neutralität", die natürlich zu KEINEM Zeitpunkt gegeben oder auch nur beabsichtigt ist, mit enormer WIRKUNGSMACHT bei den hier Mitlesenden in deren Köpfe redet.
Diese Meinungsführer betreiben nicht Information, nicht eine "Begeisterungsdarstellung" ohne Abwertung der "Gegenseite", sondern sie betreiben eine SPALTUNG in ein "Wir, die Guten, die Erzählspieler mit höchsten Ethik-Ansprüchen" und ein "die anderen, die Schlechten, die Anspruchslosen Minderspieler".
So auch der hiesige Eingangsbeitrag.
Ich finde ganz grundsätzlich solche SPALTUNGS-Rhetorik ethisch verwerflich. - Statt das Gemeinsame im Hobby zu fördern und VERSTÄNDNIS für unterschiedliche praktische Ausübungsformen zu vermitteln, wird hier mit der ethischen Anspruchskeule nur noch "gebasht". - Und zwar sehr wohlformuliert, sehr sprachlich überlegen, sehr rhetorisch mächtig, und mit einer Selbstdarstellung des Verfassers als "neutraler, fairer, überlegener Vermittler höchstanspruchsvoller Weisheiten".
Hier sehe ich eben das EIGENTLICHE Problem in der HERBEIGEREDETEN(!) Unvereinbarkeit, Frontbildung, Spaltung des Hobbys in (mindestens) zwei Lager: Es geht nur um die persönliche Eitelkeit der hiesigen wirkungsmächtigen Demagogen.
Eine VERANTWORTUNG, die mit solch einem enormen EINFLUSS auf andere automatisch mitkommt, wollen sie NICHT übernehmen!
Und genau diese Verantworungsscheu hat auch die Theorie-Thematik in die Sackgasse geführt und Widerstände aufgebaut, statt sie durch Erkenntnis zu beseitigen. - Und dieser Eingangsbeitrag hier, ist genauso weniger hilfreich, als mehr ein weiterer KEIL, der mit wortmächtigen Hammerschlägen mitten ins Hobby getrieben wird.
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ChristophDolge
Gast
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #7 am:
2.03.2010 | 12:59 »
Toller Artikel.
Zitat
Am Rande sei noch erwähnt, dass besonders aufgrund der möglicherweise diffusen bzw. dynamischen Erwartungen und Wechselwirkungen beim Erzählspiel nicht jeder überhaupt erkennt, was die anderen wollen oder erwarten. Die Frage der Schuld bzw. Vorwerfbarkeit einer „Rechtsverletzung“ im Sinne der dargestellten Rechte ist daher in vielen Fällen negativ zu beantworten. Ich würde behaupten, dass eine solche Rechtsverletzung in der Regel auf Unkenntnis bzw. Fehleinschätzung beruht, und nur in Ausnahmefällen auf Vorsatz. Andererseits kann auch eine Fehleinschätzung u.U. vorwerfbar sein, wenn sie fahrlässig ist, man sie also hätte vermeiden können, wenn man besser aufgepasst hätte.
Das Beispiel des "Taschenlampenfallenlassers" ist da eventuell nochmal unter dem Gesichtspunkt des moralischen Konfliktes, den der Spieler dieses Charakters präsentieren will, zu überdenken. Natürlich fährt er den anderen vor den Karren, versucht aber seinerseits einfach ebenfalls einen Konflikt darzustellen: Die Angst des Charakters vs. die Verpflichtung gegenüber seinen Mitkameraden. Dass so ein Konflikt dann gleichzeitig auf Spielerebene und Charakterebene stattfindet, ist ein interessantes Phänomen.
Der Vorwurf, dieser Spieler mache das mit Absicht, um den anderen aktiv den Spaß zu zerstören, erwächst vermutlich auch aus mangelndem Verständnis bzw. mangelnder Empathie für die wahren Beweggründe des "Taschenlampenfallenlassers". Dennoch liefert dieses Beispiel eine tolle Illustration, wozu Missverständnisse und unterschiedliche Zielvorstellungen führen können: Die Mitspieler haben den moralischen Konflikt, den der betreffende Charakter durchlebt hat, gar nicht wahrgenommen (Ich habe Angst und will fliehen vs. ich muss meine Kameraden unterstützen), sondern sich nur am Ergebnis aufgehängt.
[Edit] Seitenhieb auf Zornhau entfernt, da Vermi vermutlich keine Zankerei in seinem Thread will.
«
Letzte Änderung: 2.03.2010 | 13:58 von Dön Dölge
»
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ErikErikson
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ErikErikson
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #8 am:
2.03.2010 | 13:00 »
Quatsch, das mit Erzählspiel ist beliebter, zumindest hier. Wenn ich im DSA Forum, ich wiederhole im DSA Forum, laut den offiziellen Abenteuern die Hochburg des Erzählrollenspiels das Erzählrollenspiel propagiere, hör ich meist, wie toll das freie Spiel ist.
IMHO ist das freie Spiel auch tatsächlich eine weiterentwickelte Form, und daher bei den langjährigen Spielern hier populärer. Es ist ja auch logischerweise komplexer. Erzählspiel dient Profis vielleicht eher der Entspannung.
Ok, vielleicht verwechsel ich jetzt Erzählspiel zu sehr mit RR, vergebts mir. In dem Fall gilt das nur bedingt. Ist Erzählspiel das Gegenteil zu typischem D&D Dungeonschlachten? Sorry, Dungeonschlachten ist auch ziemlich primitiv. Selbst die mathematische Berechnung des effektivsten Vorgehens ist recht niedriges Niveau der Mathematik. Da ist WoW weiter, was Taktik und strategischen Anspruch angeht, ernsthaft.
«
Letzte Änderung: 2.03.2010 | 13:02 von ErikErikson
»
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Maarzan
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Maarzan
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #9 am:
2.03.2010 | 13:08 »
Es ist in dem Grabenkampf ja nicht einmal eine reale Trennung zwischen Geschichtenerzählern und Rollenspielern.
Die meinungsführenden Geschichtenerzählern können mit den Rundumgeschichtenerzählern zumindest meinem Erleben nach ja noch schlechter als mit den Traditionalisten, wo die zum Teil starke Meisterrolle ihren Interessen zum Teil entgegenkommt und für ihre Zwecke (miss-)brauchen läßt.
Klare Trennung finde ich dabei gar nicht schlecht, sondern sogar sehr förderlich. Wenn ich weis, was mich erwartet, z.B. ein Rundumgeschichtenspiel, kann ich mich darauf einlassen und meinen Spaß haben.
Den habe ich nicht, wenn ein selbst ernannter Storyguru Kraft höheren Verständnisses von Story und Spielspaß sich in einem nur allgemein als Rollenspiel verkauften Spiel selbstherrlich über Regeln wie Mitspieler hinwegsetzt.
Und entsprechend schadet diese Einheitsidee des Rollenspiels genau dem Anspruch vorher drüber geredet zu haben. Sie verdeckt die Unterschiede in der Spielauffassung, deren Wahrnehmung notwendig ist um Enttäuschungen im Spiel zu minimieren.
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n.a. DeKrit
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...in einer hübschen Box in Thailand.
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #10 am:
2.03.2010 | 13:16 »
Wohaaa, langsam langsam!
Bevor Verwirrung aufkommt:
Ich lese hier jetzt mindestens vier verschiedene Auffassungen vom Erzählspiel:
-koop. Geschichtenerzählen (Director's Stance)
-koop. Erzählrollenspiel (vielleicht eher Brechtsches Improtheater)
- Selbstherrliches Attentionwhoring
- NAchspielen einer Geschichte, die schon feststeht.
Ich glaube, am ehesten bezieht sich der Eingangspost auf den zweiten Fall und dann noch auf den ersten, wobei der hier im Forum wahrs. weniger relevant ist.
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Der Besserspieler hält seinen eigenen Spielstil in jeder Situation für moralisch überlegen und lässt es andere spüren.
Was juckt's 'ne deutsche Eiche, wenn sich 'ne Sau an ihr reibt?
Die Musikliste - Mach mit!
Fading Suns mit Fate, eine Kampagnenmitschirft
ErikErikson
Bekommt keinen Titel! So!
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ErikErikson
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #11 am:
2.03.2010 | 13:16 »
Rundumerzählspiel?
Was sind denn jetzt die großen Spielstilhäuser? Gibts die ?
Und um weloche gehts hier?
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Maarzan
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Maarzan
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #12 am:
2.03.2010 | 13:27 »
Ich habe bisher drei Formen erlebt:
A) Ein Spiel, wo rundum erzählt wird und jeder auf das aufgebaut hat was vor ihm war, aber ohne große Vorabsprache jenseits von gewissen Setting/Stilinformationen. Im Konfliktfall gab es Ressourcen, Würfel oder ein ähnliches Mittel und weiter gings. Die resultierende Geschichte entwickelte sich aber sehr überraschend und mäandernd. (Das war mein Rundumerzählspiel)
B) Ein Spiel, wo der grobe Verlauf vorabbesprochen wurde, dann die Szenen und im folgenden dann nur innerhalb dieses Rahmens die Geschichte ausgeschmückt wird, zur Not Sacehn halt noch einmal nacheditiert wurden. Eher eingemeinsames romanschreiben denn ein spiel.
C) (und leider die häufigste) Der Versuch in einem klassischen Spiel per Autoritätsanmaßung (meistens, aber nicht immer des SL) seine Geschichte den anderen aufzudrücken.
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ErikErikson
Bekommt keinen Titel! So!
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ErikErikson
Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
«
Antworten #13 am:
2.03.2010 | 13:46 »
Ich kenn folgende Stile vom Erleben her:
Das was meistens ging: SL leitet DSA Abenteuer, wie mans schafft ist recht frei, aber es wird halt drauf geschaut, das das was im AB drinsteht, auch vorkommt. Also wenns zum Schwarzmagier ging, kam man da irgendwann auch hin, wenn man sich alzu blöd angestellt hat halt als Gefangene. Wechselspiel zwischen festen Szenen und Szenen, die ziemlich frei waren, etwa bei ner Reise.
Ich denke, das ist so klassiches Fortgeschrittenenrpg.
Mach mer halt mal RPG ist oft so Dungeoncrawl mit viel Bretzeln, hab ich hin und wieder auch mal gespielt, da wird meist mehr gelabert über Fußball als gespielt.
Freies Spiel, wo die Leut machen können was sie wollen, von den Zielen her, nervt mich, weil zu unvorhersehbar ist und es ewig Zeit braucht, bisses mal richtig läuft.
Dann gibts noch das moderene Zeug, PTA oder Fate, das kenni ned.
Aber ich will den Thread nicht weiter hijacken. Es bringt aber auch nix, über Erzählspiel zu reden, wenns ein zu umfassender Begriff ist.
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ChristophDolge
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #14 am:
2.03.2010 | 13:50 »
Warum nicht einfach so definieren:
Zitat
Erzählspiel sei für die Belange dieses Versuchs eine Form des P&P-Rollenspiels, bei dem die Beteiligten Wert darauf legen und darauf hin arbeiten, durch das gemeinsame Spiel ein fiktives Geschehen zu erzeugen, das von den Beteiligten während des Spiels als eine „gute Geschichte“ empfunden wird.
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Lord Verminaard
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #15 am:
2.03.2010 | 13:51 »
Ich rede hier über das Erzählspiel in einer Binnensicht. Die erwähnte Rhetorik, der ich mit dem Artikel u.a. entgegentreten möchte, ist jene, die Erzählspieler
aufgrund ihrer Spielpraxis
als Schummler, Betrüger oder gar Vergewaltiger verunglimpft. Dabei bleibt unbenommen, dass es Leute geben mag, die sich selbst als Storyteller, Story Gamer oder Erzählspieler bezeichnen und in ihren Spielrunden gegen die oben dargestellten Grundsätze verstoßen. Auch darauf richten sich meine Ausführungen, eine Differenzierung zu erlauben und dann eben dem Erzählspiel-Basher erklären zu können, warum das Negativbeispiel, auf das er abstellt, nicht für Erzählspiel im Allgemeinen steht.
(Ich verwende hier bewusst den Ausdruck „Basher“ und nicht „Kritiker“, weil ich gegen sachliche Kritik überhaupt nichts habe, wohl aber gegen unsachliches Bashing.)
@ Zornhau: Um es ganz deutlich zu sagen, Sinn und Zweck meiner Ausführungen ist keineswegs, das Erzählspiel als Spielstil zu erhöhen und andere Spielstile herabzusetzen oder gar als unethisch zu brandmarken. Gerne würde ich Artikel zur Ethik anderer Spielstile sehen, gerne auch aus deiner Feder. Ich habe ja angedeutet, dass in anderen Spielstilen eben andere Maßstäbe für die Entwertung oder Validierung der Beiträge der Mitspieler gelten, was beinhaltet, dass es auch dort solche Maßstäbe gibt. Mein Thread richtet sich daher neben den Erzählspielern auch an solche Leser, die keine Erzählspieler sind, aber ein aufrichtiges Interesse daran zeigen, Erzählspiel besser zu verstehen. In diesem Sinne begrüße ich deine Forderung, „das Gemeinsame im Hobby zu fördern und VERSTÄNDNIS für unterschiedliche praktische Ausübungsformen zu vermitteln“, und begreife mich seit jeher als deren Advokat.
Dass du mich persönlich nicht leiden kannst und mir unlautere Absichten unterstellt, kann ich nicht ändern. Jenseits der beidseitigen Animosität ist es ja übrigens so, dass wir in 95 % der Fälle derselben Meinung sind.
Ich würde es aber begrüßen, wenn wir (beide und alle anderen) diesen wohl unvermeidlichen Exkurs, den ich zugegebenermaßen mit dem Geleitwort auch provoziert habe, an dieser Stelle beenden könnten. Denn, großes Ehrenwort, eigentlich geht es mir um die Sachen, die nach dem Geleitwort kommen, und darüber würde ich viel lieber reden.
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ChristophDolge
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #16 am:
2.03.2010 | 13:59 »
Nein. Sie
legen ja Wert drauf
, eine "gute Geschichte" zu erspielen. Ich denke, da steckt schon alles drin. Sie machen es nicht einfach so und es wird sicher nicht immer gelingen, aber das ist das Ziel und dem werden andere Sachen untergeordnet.
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Letzte Änderung: 2.03.2010 | 14:06 von Dön Dölge
»
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #17 am:
2.03.2010 | 14:06 »
Zitat von: Dön Dölge am 2.03.2010 | 12:59
Das Beispiel des "Taschenlampenfallenlassers" ist da eventuell nochmal unter dem Gesichtspunkt des moralischen Konfliktes, den der Spieler dieses Charakters präsentieren will, zu überdenken. Natürlich fährt er den anderen vor den Karren, versucht aber seinerseits einfach ebenfalls einen Konflikt darzustellen: Die Angst des Charakters vs. die Verpflichtung gegenüber seinen Mitkameraden. Dass so ein Konflikt dann gleichzeitig auf Spielerebene und Charakterebene stattfindet, ist ein interessantes Phänomen.
Der Vorwurf, dieser Spieler mache das mit Absicht, um den anderen aktiv den Spaß zu zerstören, erwächst vermutlich auch aus mangelndem Verständnis bzw. mangelnder Empathie für die wahren Beweggründe des "Taschenlampenfallenlassers".
Der Taschenlampenfallenlasser stammt ja aus eine Cthulhu-Runde, von der dermaleinst Settembrini berichtete. In jener Runde fehlte es schon an dem gemeinsamen Entschluss, überhaupt Erzählspiel zu spielen. Wer daran Schuld war, lässt sich anhand der überlieferten Informationen kaum feststellen. In einer funktionierenden Erzählspielrunde hätte das Fallenlassen der Taschenlampe wahrscheinlich einen berechtigten und guten kreativen Beitrag dargestellt, wenn man vom Lovecraft-Quellenmaterial als Grundlage ausgeht. Aber die Mitspieler, zumindest Settembrini, legten eben ganz andere Maßstäbe an, nach denen das Verhalten des Taschenlampenfallenlassers einem Totalversagen als Spieler gleichkam. Missverständnisse passieren eben. Die Frage ist halt, ob man den Kerl aufgrund dieses Missverständnisses dann gleich verspotten und beschimpfen muss.
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #18 am:
2.03.2010 | 14:15 »
Hm, vielleicht bin ich noch zu gestresst von der Action über die letzten Tage hinweg.
Aber irgendwie sehe ich in dem Text keine Aussage
Ausser das es beim Erzählspiel darum geht eine Geschichte zu erzählen..
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #19 am:
2.03.2010 | 14:17 »
Zitat von: Lörd Vörminerd am 2.03.2010 | 11:44
Das setzt zunächst voraus, dass es eine solche
gemeinsame
Erwartung überhaupt gibt.
Öhm, nein, die Erwartung hat keine Bedeutung. Gerade die Gruppen die von sich aus die höchsten Erwartungen weckten, waren dejenigen die am enttäuschensten verliefen. Zum einen liegt es daran, dass Erwartungen höchstgradig unterschiedlich und zum anderen völlig Passiv sind . Eine erfolgreiche Erzählgeschichte beruht immer darauf das ein aktives Interesse am Gestalten und Kooperieren vorliegt.
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #20 am:
2.03.2010 | 14:18 »
Sehr schöner Beitrag. Danke, Vermi!
Ich hoffe, dass ich später in der Lage sein werde einen umfassenden Kommentar abzugeben.
Für den Moment müssen es ungeornete Gedankenschnipsel tun.
1. Das Erzählspiel, das im Ausgangsbeitrag beschrieben wird versuche ich mit
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umzusetzen.
Das ist neben Labyrinth Lord, das Old-School-Idealen verpflichtet ist und WFRP 2nd, das ich nahe am Settembrini-ARS leite eines meiner liebsten Rollenspiele.
2. Gerade im Umfeld der (v.a. älteren) White-Wolf-Spiele habe ich erlebt, dass (besonders auf Spielerseite) massiv gegen die beschriebene Erzählspiel-Ethik verstoßen wird. Vielleicht rechne ich deswegen das Storytelling/Storyteller-System nicht zu den Erzählspielen, sondern sehe das als eigene Spielform an, die anderen Paradigmen folgt.
3. Zornhaus Beitrag ergibt für mich im Rahmen dieses Threads wenig Sinn. Sicher: Kritik an selbsternannten Erzählspiel-Aposteln ist vielfach nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar nötig. Doch hier scheint sie mir so unpassend wie ein Motorad auf der Pferderennbahn.
Zitat von: ErikErikson am 2.03.2010 | 13:46
Ich kenn folgende Stile vom Erleben her:
Nichts davon trifft, was ich unter Erzählspiel verstehe. Gegenteilig dazu verhält sich Vermis Eingangsbeitrag.
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #21 am:
2.03.2010 | 14:25 »
Zitat von: DealgAthair am 2.03.2010 | 14:18
2. Gerade im Umfeld der (v.a. älteren) White-Wolf-Spiele habe ich erlebt, dass (besonders auf Spielerseite) massiv gegen die beschriebene Erzählspiel-Ethik verstoßen wird.
Wieso das respektive wie?
Schließlich stellt die beschriebene Ethik doch keine Regeln auf außer "produziert eine Geschichte (mit der ihr zufrieden seit)"
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #22 am:
2.03.2010 | 14:29 »
Unter anderem fordert Vermi ja auch: "Sei kein Arschloch!" und "Vermute nicht immer das schlimmste als Motivation deiner Mitspieler!" und "Greife nicht in die Erzählrechte deiner Mitspieler ein, sofern ihr das nicht geklärt habt!" und fordert, dass man sich vorher über bestimmte Dinge im Klaren sein muss, nämlich unter anderem, dass man überhaupt wirklich Erzählspiel betreiben will und kein Erzählonkelspiel (bei dem die Geschichte ja nur von einem Spieler ausgeht).
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #23 am:
2.03.2010 | 14:33 »
Zitat von: verminlord am 2.03.2010 | 14:17
Öhm, nein, die Erwartung hat keine Bedeutung. Gerade die Gruppen die von sich aus die höchsten Erwartungen weckten, waren dejenigen die am enttäuschensten verliefen. Zum einen liegt es daran, dass Erwartungen höchstgradig unterschiedlich und zum anderen völlig Passiv sind . Eine erfolgreiche Erzählgeschichte beruht immer darauf das ein aktives Interesse am Gestalten und Kooperieren vorliegt.
@ Erwartung: Vielleicht sollte man besser von einer gemeinsamen Vorstellung hinsichtlich des Spielerlebnisses sprechen.
Das kann man kommunzieren indem man Fragen wie: "Wie soll sich das Spiel anfühlen?" "Was tut mein SC und wie wirkt sein Handeln?" "Welche Rahmenbedingungen müssen wir dafür festsetzen?"
@ Teylen: Eine Geschichte kann man auch unter ganz anderen Voraussetzungen erzählen, als unter denen, die Vermi angeführt hat. Und: Doch, Vermis Ethik stellt Regeln auf, bzw. Stellschrauben für Regeln vor, die über die Prämisse "Schustert euch eine coole Geschichte zusammen!" hinausgehen.
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Re: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)
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Antworten #24 am:
2.03.2010 | 14:35 »
Zitat von: Dön Dölge am 2.03.2010 | 14:29
Unter anderem fordert Vermi ja auch: "Sei kein Arschloch!" und "Vermute nicht immer das schlimmste als Motivation deiner Mitspieler!"
Das ist doch ganz klar Regel 0
Zitat
und "Greife nicht in die Erzählrechte deiner Mitspieler ein, sofern ihr das nicht geklärt habt!"
Und das eigentlich auch ^^;
Beides finde ich nun weder prägend für die oWoD noch durch das System gefördert.
Zitat
und fordert, dass man sich vorher über bestimmte Dinge im Klaren sein muss, nämlich unter anderem, dass man überhaupt wirklich Erzählspiel betreiben will und kein Erzählonkelspiel (bei dem die Geschichte ja nur von einem Spieler ausgeht).
Wenn die Leute sich einig sind das ein Spieler, in dem Fall der Spielleiter, die Geschichte entwickelt und man ihr eben folgt wäre man auch wenn du es Erzählonkelspiel nennst, der Ethik nach Erzählspieler.
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