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24.05.2012 | 15:58

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Autor Thema: Versuch einer Ethik des Erzählspiels (lang)  (Gelesen 4544 mal)
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Blutschrei
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Blutschrei

« Antworten #50 am: 2.03.2010 | 18:42 »

Es geht aber nicht um das moralische bzw. unmoralische Verhalten der Charaktere. In dieser Beziehung hast du nicht nur vollkommen recht, sondern das auch noch sehr schön auf den Punkt gebracht.

Es geht darum, welches Verhalten der Spieler in einer Erzählspielrunde moralisch bzw. unmoralisch ist.

In der Richtung wäre es z.B. unmoralisch, wenn der Schurke ohne Absprache wegschleicht und den großen Bösewicht im Alleingang meuchelt, obwohl der Rest der Gruppe einen anderen Plan hat - nicht, weil Meucheln unmoralisch ist, sondern weil er den Spannungsbogen unterbricht und den anderen Spielern die Möglichkeit nimmt, an der Konfrontation mit ihrem Erzfeind teilzunehmen. Er nimmt ihnen den dramatischen Höhepunkt des Spiels, gerade wenn seine Aktion von Erfolg gekrönt ist.

Hm, ich hab den Eingangsthread wohl etwas zu schnell überflogen, währenddem sich meine Gedanken schon überschlagen haben xD

Okay, dann mal ein paar wenige Worte zum Topic^^

Solche "Egotrips" sind einer der Gründe, warum ich meine letzte Gruppe verlassen habe. Da gab es nicht nur Egotrips, weil sie gerade "plausibel" waren, sondern einfach, weil der Spieler das jetzt ganz allein herausfinden wollte. Einige SLs (wechselnd gemeistert) haben das auch voll und ganz unterstützt, mit der Aussage "Wenn ich mich besser auf einen Spieler konzentrieren kann wird das Rollenspiel besser".
Ich war teils kurz davor aufzustehen und zu gehen, wenn man als SC in Shadowrun nichtmal durch subvokale Mikro sagen kann "bin drin", sondern auf alle Fälle verhindern will, dass die "Mitspieler" auch auf irgend eine Weise Spotlight bekommen.

Also ich werde solche Spieler meiden und als Meister - je nach gerade angesagtem Spielstil - entweder entsprechende Chars tief runterputzen oder einfach die volle Konsequenz der Spielwelt spüren lassen.
Und wenn die Aussprache in der Pause nichts gebracht hat, wird er eben einfach nichtmehr zum Spielen eingeladen.
Denn mich als SL kotzt es auch an, wenn ich mir einen schönen Showdown erdacht habe, und ihn nur einer der Mitspieler aktiv erlebt.

Jedoch ist das doch eigentlich keine Eigenheit des Erzählspiels oder? Also ich erlebe es hauptsächlich im ARS...
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« Antworten #51 am: 2.03.2010 | 19:06 »

Jedoch ist das doch eigentlich keine Eigenheit des Erzählspiels oder? Also ich erlebe es hauptsächlich im ARS...
Mir fehlt da vollkommen die Verbindung zu deinem restlichen Beitrag.

Was soll (k)eine Eigenheit des Erzählspiels sein?
Was hat ARS damit zu tun?


=> Am liebsten wäre mir, du stellst deine Frage/Beobachtung in einem neuen Thema vor. Vielleicht im Bereich "Allgemeines"?!
Mit Vermis ethischem Programm des Erzählspiels hat das nämlich nicht mehr viel zu tun, bzw. es verlässt den Bereich der Theorie.
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« Antworten #52 am: 2.03.2010 | 19:42 »

Lieber Vermi,

da ich als ominöser "Initiator[en] einer solchen Rhetorik" (über den Deine Meinung wohl zu unfein zur Widergabe ist Cheesy ) hier ja indirekt angesprochen bin, fühle ich mich zu einer kurzen Bemerkung genötigt

Freue mich, dass Du diesen Zugang zur Frage der Spielstile offenbar auch für nützlich/sinnvoll(?) erachtest und inhaltlich auch soweit übereinstimmst.

Lediglich hinsichtlich der Ausweitung der Ethik vom  SL auf die ganze Gruppe stimme ich nicht so ganz zu (ich denke, dass dessen Sonderrolle für diese Frage enorm wichtig ist), aber ich muss das nicht unbedingt nochmal diskutieren. Smiley

Grüße
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Blutschrei

« Antworten #53 am: 2.03.2010 | 19:44 »

Ähm ja ... ähm... Sorry, ich habs nicht gerafft, vergesst einfach was ich geschrieben hab  jester

*jetzt aber schnell weg, ohne in noch ein Fettnäpfchen zu treten....*^^
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« Antworten #54 am: 2.03.2010 | 20:27 »

Denn EGAL, ob es um Die Gute Geschichte (tm) geht oder um eine Knackige Herausforderung (tm) oder darum, ob etwas Realistisch (tm) ist, ohne eine gemeinsame Wellenlänge, ohne stimmende Gruppenchemie, ohne eine Rücksichtnahme zur Förderung der Gruppe, da kann man KEIN Rollenspiel betreiben.

Das ist absolut unabhängig von der Zielsetzung, Spielweise, Stilausprägung und was auch immer!

Wo er recht hat, hat er recht.
Das große Problem, nicht nur im Rollenspiel, sondern auch bei allen anderen Dingen, ist es ein gemeinsame Kommunikationsbasis zu finden. Ich behaupte einmal, das diese im Vorfeld nur durch Erwartungen entsteht (im Sinne des Eingangspost), aber an dieser Stelle irrelevant ist, weil es keine gemeinsame virtuelle Umgebung gibt. Während ich den Ansatz des TE sehr lobenswert halte, so ist im praktischen erst nach dem ersten Spielen bestimmt ob es ein Erzählspiel gibt (oder überhaupt ein Spiel). Das bezieht sich natürlich nur auf Gruppen die neu gebildet werden, bei mir Bekannten ist der Gruppenvertrag ja bereits gebildet.
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« Antworten #55 am: 2.03.2010 | 20:41 »

Freue mich, dass Du diesen Zugang zur Frage der Spielstile offenbar auch für nützlich/sinnvoll(?) erachtest und inhaltlich auch soweit übereinstimmst.

Ich weiß jetzt nicht genau, worin und mit wem ich inhaltlich übereinstimmen soll, ehrlich gesagt.
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Markus

« Antworten #56 am: 2.03.2010 | 20:47 »

Mich stört eigentlich nur ein Satz: Erzählspiel ist nicht Kunst, sondern Zerstreuung.

Ich finde Erzählspiel kann, wenn (1) die Spieler das wollen, wenn (2) sie entsprechend fähig sind, (3) sie harmonieren/sich Synergien entwickeln und (4) noch das berühmte Quentchen Glück dazu kommt durchaus Kunst* sein bzw. produzieren. Muss natürlich überhaupt nicht und ist auch wohl selten. Aber ich halte es für falsch, sowohl die Möglichkeit an sich als auch die gemeinsame Zielsetzung Kunst zu produzieren, auszuschließen.**


* hier mal nicht als "jede nicht primär funktionale kreative Tätigkeit" verstanden, sondern durchaus mit einem gewissen Anspruch. Naheliegendster Vergleich wäre IMO eine Gruppe guter Musiker bei einer Jam-Session.
** Ob es bei anderen Spielstilen Ähnliches gibt ist im Grunde erstmal egal. Die Gleichberechtigung der Spielstile bliebe davon ohnehin angetastet. Und für die Gleichwertigkeit bestünde in 99,9% der Fälle kein Unterschied. Ich könnte gut damit leben zu sagen, eine Ausrichtung hat theoretisch noch etwas zusätzliches Potential. Für diejenigen, denen das nicht reicht, könnte ich zumindest für das herausforderungsorientierte Spiel noch "Leistung" anbieten. Modul XY in 5 Stunden mit 4 Spielern und Z-Start-XP durchzuspielen ist eine strategische, taktische und kreative Leistung, die weltweit nur wenige Spieler erbringen können und in meinen Augen nicht weniger geistige Leistung als andere Dinge auch. Bei Realismus/Sim muss ich passen, aber da haben andere ohnehin ein besseres Gespür für.
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verminlord
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« Antworten #57 am: 2.03.2010 | 21:38 »

Mich stört eigentlich nur ein Satz: Erzählspiel ist nicht Kunst, sondern Zerstreuung.
Ich finde Erzählspiel kann, ....

Abgesehen davon das dieses Thema bereits endlos durchgekaut wurde, hier nochmal ein Denkanstoss:
Geht deine Gruppe mit dem Ziel Kunst zu schaffen vor? Will sie damit eine Aussage treffen (also Botschaft durch Medium)? Und vor welchem Publikum tritt sie auf?

Ich habe viel im Rollenspiel erlebt - Flow, Inspiration und tiefe Emotionen bis hin zur Lebensänderung von Mitspielern, aber niemals, wirklich niemals habe ich Kunst erlebt.
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« Antworten #58 am: 2.03.2010 | 22:15 »

Denn EGAL, ob es um Die Gute Geschichte (tm) geht oder um eine Knackige Herausforderung (tm) oder darum, ob etwas Realistisch (tm) ist, ohne eine gemeinsame Wellenlänge, ohne stimmende Gruppenchemie, ohne eine Rücksichtnahme zur Förderung der Gruppe, da kann man KEIN Rollenspiel betreiben.
Und ob man das kann. Viel mehr noch, das ist gar nicht so selten. Vermutlich ist das sogar sehr häufig.

Da wir in der Realität einen riesigen Batzen an Rollenspielrunden haben, in denen es mit dem Gruppenkonsens, der gegenseitigen Rücksichtnahme und der gemeinsamen Wellenlänge gewaltig hapert, ist die Forderung ebendieser Dinge gar nicht trivial. 

Die gemeinsame Wellenlänge ist außerdem nicht trivial, weil die Wellenlänge sich unterscheiden kann. Vermi hat nicht nur eine gemeinsame Wellenlänge gefordert, sondern die Wellenlänge des Erzählspiels eindeutig definiert. Das ist auf andere Spielstile nicht ohne weiteres übertragbar. Die konkrete Bennenung der Wellenlänge ist der Punkt, der einigen Lesern zu entgehen scheint.

Der Aufsatz enthält damit zwei Informationen. Die erste besagt, dass die Gruppe idealerweise an einem Strang ziehen sollte. Das ist in der Praxis nicht immer der Fall, aber zumindest würden mit dieser Forderung noch die allermeisten Rollenspieler übereinstimmen, egal welchen Spielstil sie präferieren. Die zweite Information beschreibt ziemlich exakt, wie der Strang aussieht, an dem Erzählspieler ziehen. Das ist die inhaltliche Ausgestaltung der ersten Information in eine bestimmte Richtung; und das ist nicht mehr jedermanns Geschmack. Diese zweite Information ist in meinen Augen die deutlich wichtigere.
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Markus
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« Antworten #59 am: 2.03.2010 | 22:21 »

Geht deine Gruppe mit dem Ziel Kunst zu schaffen vor? Will sie damit eine Aussage treffen (also Botschaft durch Medium)? Und vor welchem Publikum tritt sie auf?
Meine Gruppe? Es geht mir hier schlicht darum, ob das wirklich kategorisch auszuschließen ist. Ich meine Nein.
Deine drei Fragen halte ich für ziemlich unnütz. Die Aussage/Botschaft wäre sicher vorhanden, ursprüngliche Intention ist irrelevant, hatte ich aber als gegeben angenommen und Publikum ist auch unnötig, könnten aber bei Bedarf die anderen Spieler selbst oder Kibitze sein.

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Maarzan
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« Antworten #60 am: 2.03.2010 | 22:26 »

Bei gamistischen oder Simspielen stellen die Regeln und das weitere Hilfsmaterial des Spiels die Werkzeuge, mit denen sich die dort auftretenden Situationen dann halt behandeln lassen - und damit eigentlich auch direkt den Kompromiss was Vorstellungen dies bezüglich angeht.
Beim besseren Geschichtenerzählen ist aber nicht die Exploration selbst sondern der umfang der Ausarbeitung und am Schluss das richtige Ergebnis wichtig, dessen Idealbild aus den unterschiedlichen Vorstellungen, Idealen etc des jeweiligen Geschmacks entspringt. Und das ist deutlich schwerer den anderen Mitspielern zu vermitteln, wie auch einen entsprechenden Komprmiss zu finden.
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« Antworten #61 am: 2.03.2010 | 22:55 »

Ich finde Erzählspiel kann, wenn (1) die Spieler das wollen, wenn (2) sie entsprechend fähig sind, (3) sie harmonieren/sich Synergien entwickeln und (4) noch das berühmte Quentchen Glück dazu kommt durchaus Kunst* sein bzw. produzieren. Muss natürlich überhaupt nicht und ist auch wohl selten. Aber ich halte es für falsch, sowohl die Möglichkeit an sich als auch die gemeinsame Zielsetzung Kunst zu produzieren, auszuschließen.**

Ich habe zwar keine Philosophie-Vorlesungen besucht, dafür aber welche im Verfassungsrecht, und weiß daher, welche Schwierigkeiten der Kunst-Begriff mit sich bringt. Für mich ist hier lediglich entscheidend, dass das Spiel, im Gegensatz zu z.B. Literatur oder Malerei, keine Bedeutung für irgend jemanden außer den Teilnehmern hat. Ob diese Teilnehmer selbst es dann als Kunst empfinden, ist mir eigentlich ziemlich Wumpe (auch wenn ich niemanden kenne, der mit einem künstlerischen Anspruch an seine Spielrunden rangeht). Aber von einem moralischen Blickwinkel bleibt es dabei, dass Rollenspiel nur die betrifft, die es gerade betreiben, und daher kein moralischer Anspruch an die Spieler zu richten ist, der sich auf Umstände außerhalb der konkreten Spielrunde gründet.

Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass P&P-Rollenspiel nicht in den Schutzbereich von Art. 5 Abs. 3 GG fällt. Wink
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« Antworten #62 am: 2.03.2010 | 23:36 »

Mich stört eigentlich nur ein Satz: Erzählspiel ist nicht Kunst, sondern Zerstreuung.
Mich nicht, denn: Der Satz stimmt insofern, dass Rollenspiel per se nicht den Anspruch hat Kunst zu erschaffen.
Genauso wie weder eine Mal-Technik noch Gitarrenspiel oder Gesang aus sich Kunst erzeugt.

Um's kurz zu machen:
Die Kunst ist für eine Ethik des Erzählspiels nicht von Belang und deswegen in einem eigenen Thread besser ausgehoben.
 
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« Antworten #63 am: 3.03.2010 | 09:24 »

Zitat
Lediglich hinsichtlich der Ausweitung der Ethik vom  SL auf die ganze Gruppe stimme ich nicht so ganz zu (ich denke, dass dessen Sonderrolle für diese Frage enorm wichtig ist), aber ich muss das nicht unbedingt nochmal diskutieren.

Was ist mit Erzählspielen ohne SL? Die Sonderrolle des SLs ist in Erzählspielen ja deutlich anders gelagert als z.B. im ARS. Der SL hat ja direkt die gleichen Ziele wie die Spieler. Während er bei herausforderungsorientiertem Spiel die Herausforderung liefert und die Spieler diese überwinden, liefert er hier Bausteine zur Story - genau wie jeder andere auch. Auch die Tatsache, dass GAM- und SIM-Aspekte der Story untergeordnet werden, zeichnet das gleiche Bild: Hier ist der SL in erster Linie Mitspieler, der genau das gleiche betreibt wie die Spieler, nur keinen "eigenen" Charakter führt, sondern eben den Rest.
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« Antworten #64 am: 3.03.2010 | 09:38 »

Ganz kurz: Ich betrachte die SL-Rolle als eine abgeleitete Autorität, wie bei einem demokratisch legitimierten Staatsoberhaupt. Nach O.R.K.-Diktion ist die SL-Rolle eher ein Naturrecht, sozusagen der Monarch von Gottes Gnaden, um bei der Analogie zu bleiben. Das passt ins Bild einer Betrachtung, die moralische Pflichten eben nicht nur an die Spieler selbst, sondern an eine höhere Instanz anknüpft, ohne diese höhere Instanz freilich je zu begründen oder auch nur zu benennen (Edit: praktischer Weise verlangt diese höhere Instanz als sittliche Pflicht, ARS zu spielen). Gut, jetzt kann man sagen, ich habe meinen kategorischen Imperativ auch nicht begründet. Das möge jeder selbst beurteilen, welcher Ansatz ihm einleuchtender scheint.

Eben deshalb frage ich mich auch, wo kirilow hier eine Übereinstimmung sieht, abgesehen von der Tatsache, dass auch ich menschlichem Handeln grundsätzlich eine moralische Dimension beimesse (d’uh).
« Letzte Änderung: 3.03.2010 | 09:56 von Lörd Vörminerd » Gespeichert

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« Antworten #65 am: 3.03.2010 | 14:34 »

Ganz kurz: Ich betrachte die SL-Rolle als eine abgeleitete Autorität, wie bei einem demokratisch legitimierten Staatsoberhaupt. Nach O.R.K.-Diktion ist die SL-Rolle eher ein Naturrecht, sozusagen der Monarch von Gottes Gnaden, um bei der Analogie zu bleiben. Das passt ins Bild einer Betrachtung, die moralische Pflichten eben nicht nur an die Spieler selbst, sondern an eine höhere Instanz anknüpft, ohne diese höhere Instanz freilich je zu begründen oder auch nur zu benennen (Edit: praktischer Weise verlangt diese höhere Instanz als sittliche Pflicht, ARS zu spielen). Gut, jetzt kann man sagen, ich habe meinen kategorischen Imperativ auch nicht begründet. Das möge jeder selbst beurteilen, welcher Ansatz ihm einleuchtender scheint.
Glaube das Settembrini immer nur durchdreht, weil er zuviele Spielleiter ihre Position missbrauchen. Das er sich selbst oder einen ARS Spielleiter über der Runde sieht ist so nicht gegeben (habe mit ihm vor Jahren ja auch gepielt, war recht normales Rollenspiel). Obwohl ein Preußen gehabe ja einem auf falsche Gedanken kommen lassen kann.
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« Antworten #66 am: 3.03.2010 | 14:48 »

Eben deshalb frage ich mich auch, wo kirilow hier eine Übereinstimmung sieht, abgesehen von der Tatsache, dass auch ich menschlichem Handeln grundsätzlich eine moralische Dimension beimesse (d’uh).
Naja, in der Beschreibung der Ethik des Erzählspiels = Der Erzählspieler/SL hat seine Entscheidungen darauf zu begründen, dass diese von den anderen Mitspielern als gute Geschichte angesehen wird.

Ganz kurz: Ich betrachte die SL-Rolle als eine abgeleitete Autorität, wie bei einem demokratisch legitimierten Staatsoberhaupt. Nach O.R.K.-Diktion ist die SL-Rolle eher ein Naturrecht, sozusagen der Monarch von Gottes Gnaden, um bei der Analogie zu bleiben.
Das ist nun Quatsch.
1. das hat niemand je behauptet
2. es ist egal, ob der SL per Wahl(selten), Akklamation (meist),  Erbfolge (selten bis nie) oder Gewalt (selten bis nie) in seine Funktion geraten ist. Es geht nicht um die Legitimierung, sondern die Funktion. Aus dieser folgt eben auch ein spezieller ethischer Anspruch (vgl. Gesinnungsethik versus Verantwortungsethik[Weber])


Ich finde die Rolle des Spielleiters deshalb so speziell, da er im Zweifelsfall den Spielstil auch ohne das Wissen der Mitspieler bestimmen kann.

Liebe Grüße
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« Antworten #67 am: 3.03.2010 | 14:54 »

Steht der SL denn überhaupt über den Spielern?

Kann er nicht auch "der Hofnarr" sein, der versucht, den Ansprüchen der Spieler gerecht zu werden, um diese zu unterhalten?
Die Spieler werden schließlich nicht dazu gezwungen mitzuspielen und wenn es ihnen nicht gefällt kommen sie vielleicht nichtmehr beziehungsweise werfen den Hofnarr raus.

Ist es nicht oft so, dass der Spielleiter auch stark von den Wünschen der Spieler "abhängig" ist?
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« Antworten #68 am: 3.03.2010 | 15:07 »

Steht der SL denn überhaupt über den Spielern?
Es geht überhaupt nicht um "über" oder "unter" oder rechts oder links, sondern um seine Rolle im Spiel. (Dass der SL meist mehrere Hüte auf hat, ist ja keineswegs zwingend, oft aber vorteilhaft.)

Grüße
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« Antworten #69 am: 3.03.2010 | 15:12 »

Zitat
Ich finde die Rolle des Spielleiters deshalb so speziell, da er im Zweifelsfall den Spielstil auch ohne das Wissen der Mitspieler bestimmen kann.

Wobei dieser Vorgang ja eindeutig ein "über den Rest der Gruppe hinwegsetzen" wäre, und gerade dies scheinst du ja als "speziell/beachtenswert" anzusehen.
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« Antworten #70 am: 3.03.2010 | 15:45 »

Naja, in der Beschreibung der Ethik des Erzählspiels = Der Erzählspieler/SL hat seine Entscheidungen darauf zu begründen, dass diese von den anderen Mitspielern als gute Geschichte angesehen wird.

Und mit wem stimme ich da überein? Mein letzter O.R.K.-Stand (lese dort schon länger nicht mehr) war, dass ebendies „unsittlich“ sei. Siehe auch Jörgs ARS-Thread nebenan, wonach nur (!) beim ARS Spielerentscheidungen nicht entwertet werden, was diametral im Gegensatz zu meinen Aussagen steht.

Zitat
1. das hat niemand je behauptet
2. es ist egal, ob der SL per Wahl(selten), Akklamation (meist),  Erbfolge (selten bis nie) oder Gewalt (selten bis nie) in seine Funktion geraten ist. Es geht nicht um die Legitimierung, sondern die Funktion. Aus dieser folgt eben auch ein spezieller ethischer Anspruch (vgl. Gesinnungsethik versus Verantwortungsethik[Weber])

1. Ich war so frei, das zu interpretieren bzw. zwischen den Zeilen zu lesen. Ist aber in der Tat egal.

2. Weber zählt nicht zu meinem Westentaschenlatein, werde mich bei Gelegenheit mal auf Wiki-Stand bringen. Dass ein SL in der Regel mehr Einfluss auf das Spiel hat als ein Spieler, bestreitet keiner. Trotzdem sind beide an dieselben Handlungsanweisungen gebunden, möglicherweise ist es beim SL schlimmer, wenn er dagegen verstößt, aber das ist eine nachgeordnete Frage. (Es ist schlimmer, eine Million zu klauen, als 10 Euro, aber erstmal ist entscheidend, dass man nicht klauen darf.)

Ich habe die Hofrat’sche Diktion so im Kopf, dass es demnach allein auf die „Gesinnung“ des SL ankommt und die Spieler quasi zu Objekten der durch den SL verkörperten Spielphilosophie / Motivation werden. Auch das steht im diametralen Gegensatz zu meinen Aussagen.
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« Antworten #71 am: 3.03.2010 | 19:37 »

Steht der SL denn überhaupt über den Spielern?
Er kann über den Spielern stehen, unter ihnen oder auf der gleichen Stufe. Daraus ergeben sich verschiedene Ausprägungen eines Spielstils, oder entstehen sogar neue Spielstile, je nachdem, wo man die Definitionsgrenzen ziehen möchte.
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« Antworten #72 am: 3.03.2010 | 23:14 »

Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Wenn man die Garnierung mit den eher techniken- als ethikbezogenen Erzählspieleinwürfen ("Baut eure Beiträge aufeinander auf und ignoriert sie nicht!") vom Teller schiebt und dann gnadenlos alle Verschachtelungen, Verkleidungen, Abschweifungen und anderen Zierrat runterreißt, bleibt vom Artikel nur noch eine Binsenweisheit:

"Solange alle Beteiligten es so wollen und dabei keine Unbeteiligten stören, ist es koscher, und wenn der SL dann halt die Würfel für die bessere Geschichte dreht."

Das ist zweifellos richtig - und zielt ebenso an den Einwürfen der "Erzählspiel-Basher" vorbei, die hier adressiert werden sollten.
Sittlich gefestigtes Erzählspiel ist schon seit Jahr und Tag seit den ersten xErz-Artikeln des Gemüse-Ghouls eine geduldete und legitime andere Spielart, und wenn man in Ghouls alten Blogs zum Thema wühlt, findet man auch entsprechendes zur zielgerichteten und gleichbehandelnden Regelanwendung und -aussetzung.


Das Problem sind eher solche Leute, die entweder im Schummelzug festsitzen, weil sie nichts anderes kennen und denken, dass das schon das sein wird was zu den Spaßquellen im Hobby führt. Diese Leute schaden allenfalls sich selbst und sind so vielleicht tragisch, aber nicht schädlich.
Schädlich sind solche Leute, die uninformiert und/oder böswillig eben diese Werkzeuge als den "richtiges" oder "höheres" Rollenspiel propagieren, ob das jetzt den Betreffenden helfen würde oder nicht. Denn damit verwirren und verschlechtern sie das Spiel anderer, und behindern intelligenten Gedankenaustausch über das Hobby.
Damit sind wir voll im "Gewollt, aber nicht gekonnt"-Territorium, das schon andere angeschnitten haben, sowie das Territorium des "Nicht gewollt, aber doch gemacht, weil man halt denkt dass Rollenspiel so ist."

Die Streitfrage wird hier nun sein, ob diese schlechten Runden nun häufig, selten oder der Normalfall sind. Und du, Frank, weißt so gut wie ich dass hierauf niemand eine definitive Antwort geben können wird, solange wir die Szene nicht mit einer groß angelegten und teuren Forschungsgruppe analysieren.

Fakt ist aber: Diese Runden existieren, und sie haben schädliche Effekte auf sich und andere (und sei es nur, dass sie gezieltes und informiertes Anspielen von Spaßquellen hemmen).

Ich habe sie selbst oft genug gesehen und in solchen mitgespielt, ehe ich mir über meine Spaßquellen klar geworden bin, und einige Aussagen von "Konvertiten" wie Greifenklaue deuten in eine ähnliche Richtung.

Und auch die Feindbilder, die die Forge in ihrer Frühzeit aufbaute, müssen irgendwoher gekommen sein. Nicht umsonst sind viele der heutigen/früheren Forge-Konvertiten Erzählspieler gewesen (und zielte viel Überzeugungsarbeit der Forgies auf eben diesen Personenkreis ab), die durch die neuen Ideen, Techniken und Theorien Aha-Erlebnisse hatten.
Und selbst wenn sie sich heute wieder von der Schmiede abgewendet haben, so können sie doch informierter und zielgerichteter an ihr Spiel gehen, als es der Fall war als sie nur das alte Würfeldrehspiel kannten und das als einzig sinnvollen Normalfall des Rollenspiels einschätzten.
« Letzte Änderung: 3.03.2010 | 23:16 von Hïmmëlsfëlsën » Gespeichert

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« Antworten #73 am: 4.03.2010 | 10:35 »

Dass irgendwo mal über xErz geschrieben wurde, ist mir wohl bekannt, die unsägliche Broch-Diskussion z.B. war aber deutlich später, und da war eben diese Differenzierung schmerzlich zu vermissen. Ich meine auch nicht, dass die von mir skizzierte Systematik des kreativen aufeinander Aufbauens in den Ghoul-Artikeln bereits angelegt war, einschließlich der Aufarbeitung, was eigentlich im Erzählspiel genau eine Entwertung bzw. Validierung konstituiert. Und mit Verlaub, Stefan, ich bin auch nicht sicher, dass dein Erfahrungshorizont dich überhaupt nachvollziehen lässt, was ich meine (mal auch deinen Kommentar im obligatorischen O.R.K.-Fingerzeige-Thread in Betracht ziehend).

Letztendlich bringt aber dieses „Du hast gesagt…“ – „Nein hab ich nicht!“ – „Wohl!“ – „Gar nicht!“ niemandem was, und ich will mich bestimmt nicht beklagen, wenn alle mir am Ende zustimmen und zukünftig dann auch sauber differenzieren, statt von der „Saat des Bösen“ zu schwadronieren oder „nichts wird entwertet“ als ARS-Definition zu postulieren.

Zitat
Schädlich sind solche Leute, die uninformiert und/oder böswillig eben diese Werkzeuge als den "richtiges" oder "höheres" Rollenspiel propagieren, ob das jetzt den Betreffenden helfen würde oder nicht. Denn damit verwirren und verschlechtern sie das Spiel anderer, und behindern intelligenten Gedankenaustausch über das Hobby.
Damit sind wir voll im "Gewollt, aber nicht gekonnt"-Territorium, das schon andere angeschnitten haben, sowie das Territorium des "Nicht gewollt, aber doch gemacht, weil man halt denkt dass Rollenspiel so ist."

Tja, und um dagegen vorzugehen, wählt halt jeder die Mittel, die seiner Persönlichkeitsstruktur entsprechen. Ich persönlich versuche es mit Aufklärung und Differenzierung.
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« Antworten #74 am: 4.03.2010 | 11:11 »

P.S.:

Zitat
Wenn man die Garnierung mit den eher techniken- als ethikbezogenen Erzählspieleinwürfen ("Baut eure Beiträge aufeinander auf und ignoriert sie nicht!") vom Teller schiebt (…)

Hier missverstehst du, worauf ich eigentlich hinaus will. Verwerflichkeit wird landläufig mit der Entwertung von Spielerbeiträgen begründet, im Erzählspiel wird eine solche Entwertung aber – eben nach dem Prinzip des kreativen aufeinander Aufbauens – durch etwas anderes konstituiert, als (z.B.) beim ARS. Das ist meine Kernaussage, und nicht ein kleiner Tipp zu den Techniken.
Gespeichert

Hell's Fire, Mother Night, and may the Darkness be merciful.

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