Magst Du das näher ausführen oder Regelunterschiede näher erklären?
Ich kenne bisher nur das CC (BSG, Serenity und CSRPG) und habe zB Marvel nicht angefasst, weil ich kir nicht vorstellen konnte, dass es mit dem Cortex stimmig funktionieren könnte.
Ich versuche mal meine Eindrücke auf die Schnelle zusammen zu fassen:
CC bedient sich einer klassichen Kombination aus einem festen Satz an Attributen (Agility, Strength, Vitality, Alertness, Intelligence, Willpower) in Ergänzung mit Skills (sowie Traits).
Die Fähigkeiten werden in Würfelstufen (W2!, W4, W6, W8, W10, W12) zusammen gefasst. Meistens wirft ein Spieler genau zwei Würfel (Attribut & Skill) - unmodifiziert.
Dadurch ergibt sich ein recht traditionelles Spielgefühl, mit einem (für mein Empfinden) starken Einfluss des Zufalls. Zusätzlich werden Skills über einem W6 nur durch Skill-Spezialisierungen zugänglich.
Die Kosten der Attributs-Steigerung eskalieren; W10 auf W12 => 6x die Kosten von Null auf W2.
C+ wirft das Attribute-Skill-Schema zunächst mal völlig über den Haufen. Stattdessen werden für jedes Setting/Genre spezifische Kategorien aufgestellt und (oft individuell beschreibende) Wirkkräfte in diese Kategorien eingebracht. Während der Schilderung der Handlung sammelt der Spieler die entsprechenden Würfel zu einem Pool, nach dem Wurf zählen nur die höchsten zwei (mit Plotpoint auch drei); also Roll & (static) Keep. Dies macht die Handlungen meistens deutlich kalkulierbarer.
Durch zusätzliche Mechanismen macht der Zufall stattdessen die Handlungs
folgen vielseitiger - und treibt vor allem die Erzählung voran. So gibt es einen (mit PP zwei) Effekt-Dice (höchste Würfelgröße, die nicht im "Keep" liegt), der zum Einsetzen von Konsequenzen genutzt werden kann. Complications (jede 1 die ein Spieler rollt) hingegen fließen in einen Ressourcen-Pool des Spielleiters.
Vor allem aber wird die Eingrenzung der Kategorien und die Beschreibung der Wirkkräfte zu einem mächtigen Instrument, um den Duktus des Genres einzufangen. Sprich: über die Festlegung der Kategorien (aus jeder erhält der Spieler ein bis zwei Würfel), wird die Thematik oder der Fokus einer Handlungsbeschreibung gelenkt. Der Stil der Wirkkräfte hingegen erzeugt (beim "Abgrasen" der Kategorien) zuverlässig einen speziellen Tonfall (quasi im Auto-Pilot).
MHRPG setzt jede Aktion auf der "Affilation" (der "Eingebundenheit") auf. Will heißen: die Kategorie, die immer eine Rolle spielt, trifft eine Aussage darüber, ob der Charakter am effektivsten im Team, mit einem Buddy oder Solo aggiert. Das ist mMn für Marvel und deren unterschiedliche Titel sehr passend: Solo-Bände, Paar-Crossover und Helden-Teams. Außerdem ist zu erkennen, dass nicht nur die individuellen Fähigkeiten einer Figur die Regeln motivieren müssen. Stattdessen wird ein zentrales, dramatisches Motiv in Regeln übersetzt - Schilderung, Regeleinsatz und Fiktion inspirieren sich gegenseitig.Da die Übersetzung: Motiv -> Regeln, recht leicht für eigene Settings angepasst werden kann, gibt es in den US derzeit einen regelrechten "Cortex Plus Hacking Hype". Ich habe mir vorgenommen, demnächst noch etwas ausführlicher auf die entsprechenden Möglichkeiten von C+ einzugehen. (Siehe den
Cortex+ Hacking Thread.)
Ich hoffe, das hilft ein wenig,
Grüße, Henning